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W+W-Disk.-Beitr.

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Regeln zur Auseinandersetzung


um die Evolutionslehre
Reinhard Junker und Siegfried Scherer

„Wie begegne ich dem Andersdenkenden?“ Diese • Einige Kernargumente kann sich auch der Laie
Frage muß sich jeder Christ vorlegen, dem es am aneignen, der jedoch wissen sollte, wo die De-
Herzen liegt, die Frohe Botschaft weiterzusagen. tailargumente zu finden sind.
Ob das, was ich dem anderen mitteilen möchte, • Auch ohne Spezialkenntnisse kann auf die Vor-
auch wirklich ankommt, hängt wesentlich davon läufigkeit der Wissenschaft verwiesen werden.
ab, „mit welchem Ton die Musik gespielt“ wird. • Schließlich kann man den Weltanschauungscha-
Das gilt nicht nur für das christliche Zeugnis, rakter der Evolutionslehre aufzeigen.
sondern für das Zusammenleben allgemein. Es gilt
aber auch in besonderer Weise in der Auseinan- 2. Lassen Sie Ihr Gegenüber zu Wort
dersetzung um die Evolutions- und Schöpfungs- kommen. Zeigen Sie Lernbereitschaft.
frage, denn hier stehen sich in der Sache oft sehr Das ist ein Gebot der Liebe. Wer den anderen
verschiedene Anschauungen gegenüber, die nicht ernst nimmt, hört ihm zu und versucht, sich in ihn
nur das Denken, sondern darüber hinaus auch die hineinzudenken. Den anderen zu verstehen kostet
ganze menschliche Existenz betreffen. Viele wer- u. U. viel Zeit. Außerdem weiß ich selbst schließ-
den hier schon die Erfahrung gemacht haben, daß lich auch nicht alles und kann vom anderen vieles
in solchen Auseinandersetzungen bei weitem lernen, auch wenn er in Grundfragen anders denkt
nicht nur wissenschaftliche Argumente zählen. als ich. Wir sollten jedermann seinen eigenen
Vor diesem Hintergrund verstehen sich die Standpunkt zugestehen, auch wenn wir ihm nicht
nachfolgenden „Regeln“. Sie resultieren aus zahl- folgen können.
reichen Gesprächen und Diskussionen und haben
sich nach der Erfahrung der Autoren sehr be- 3. Wissenschaft ist vorläufig. Auch Sie
währt. könnten irren.
Die Vorläufigkeit der Wissenschaft gilt auch
1. Informieren Sie sich. Sie müssen wis-
dann, wenn sie unter biblischen Vorzeichen ge-
sen, wovon Sie reden.
schieht. In der Schöpfungsforschung ist zwischen
So einleuchtend diese erste Regel sein mag, so er- den biblischen Inhalten einerseits und den darauf
hebt sich doch sofort der Einwand: Man ist doch aufgebauten wissenschaftlichen Theorien anderer-
(in der Regel) kein Fachmann und kann es auch seits zu unterscheiden. Wir bezeugen das Heilsan-
nicht sein. Außerdem gibt es außer der Schöp- gebot in Jesus Christus, nicht schöpfungswissen-
fungsfrage viele andere wichtige Fragestellungen, schaftliche Theorien. Letztere haben nur eine die-
und man kann nicht überall die nötigen Kenntnis- nende Funktion, nämlich die „Denkmöglichkeit
se haben. Und schließlich ist auch der Fachmann des Glaubens“ auszuloten, d. h. zu zeigen, daß das
Laie auf anderen Gebieten. Kann man dann als (wirkliche) Wissen dem Glauben nicht entgegen-
Laie gar nichts sagen? Doch, nämlich: steht.
• Es besteht die Möglichkeit, auf die biblische
Motivation für die eigene Sichtweise hinzuwei- 4. Versuchen Sie niemals, die Wahrheit
sen: Dies ist eine gute Chance zum christlichen der Bibel durch wissenschaftliche Argu-
Zeugnis, das nicht darin besteht, sich auf einem mente zu beweisen.
Gebiet besonders gut auszukennen, sondern auf
Es ist nicht möglich, biblische Aussagen wissen-
Jesus Christus, die Bibel und eigene Erfahrun-
schaftlich argumentierend zu beweisen. In der Bi-
gen mit ihm hinzuweisen.
bel ist vom Handeln und Wirken des lebendigen
• Man kann auf Literatur oder Seminarangebote Gottes die Rede; dieses läßt sich niemals mit den
hinweisen und Möglichkeiten anbieten, wie der methodisch begrenzten Mitteln des naturwissen-
Gesprächspartner sich mit dem Thema weiter schaftlichen Erkennens erfassen. Beweisen
beschäftigen könnte. Derjenige, dem das Thema schließt nämlich ein vollständiges Erfassen auf-
wirklich wichtig ist, wird darauf eingehen. grund von Erfahrung und Logik ein. Das Unter-

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 3/93
fangen, biblische Aussagen wissenschaftlich be- 7. Bleiben Sie sachlich. Polemik kommt
weisen zu wollen, ist also prinzipiell zum Schei- vom Teufel. Mit Lacherfolgen unter den
tern verurteilt. Gläubigen dienen Sie der Sache Gottes
Gewichtiger ist aber noch, daß mit einem nicht.
scheinbaren Beweis biblischer Offenbarungs- Was ist Polemik? Das ist manchmal gar nicht so
inhalte ein falsches Fundament gelegt würde: einfach festzustellen. Es gehört wohl alles dazu,
nicht mehr das biblische Wort wäre die Basis, was den Gesprächspartner oder Leser unnötig be-
sondern der erkennende menschliche Verstand. leidigen könnte oder was einen unnötigerweise
Aus Hebräer 11,3 geht jedoch deutlich hervor, daß hindert, eine Aussage zur Kenntnis zu nehmen. In
der Glaube vor dem Wissen steht. Freilich kann unklaren Fällen bietet sich eine Selbstprüfung an:
das Wissen helfende Funktion haben, und die Ar- Wie würde eine Redewendung auf mich wirken?
beit der SG Wort und Wissen dient u. a. diesem Zur Illustration ein kleines Beispiel: Statt der
Zweck. Aber Wissen kann Glauben nicht ersetzen, abwertenden Wendung „Als Beweis für … sollen
sondern – richtig eingesetzt – nur dazu hinführen. … herhalten“ kann man auch verbindender sagen:
„Als Beweis gelten …“.
5. Wenn Sie etwas nicht wissen, sollten Das Vermeiden von Polemik garantiert einem
Sie das nicht verbergen. zwar nicht, daß dieser Vorwurf (unberechtigter-
Es ist keine Schande, etwas nicht zu wissen. Nie- weise) dennoch kommen kann, doch muß es unse-
mand verübelt einem Nichtwissen. Aber mit re Sorge sein, berechtigte Vorwürfe zu vermeiden.
Recht wird beanstandet, wenn man Nichtwissen
durch leeres Gerede verstecken möchte. Nochmals 8. Wenn es hart auf hart geht, dann den-
müssen wir uns die Frage stellen, worauf unser ken Sie an das Gebot Jesu: "Liebe deine
Glaube beruht: auf unseren guten Argumenten Feinde"
oder auf dem Wort Gottes? Diese letzte Regel, die alle anderen umfaßt (vgl.
Mt 22,35-40: das vornehmste Gebot), ist natürlich
6. Vergegenwärtigen Sie sich, wo Sie auf nicht als Feindbild gemeint. Unser Gegenüber
der wissenschaftlichen und wo Sie auf der kann sich aber feindselig verhalten; dann gilt Jesu
glaubensmäßigen Ebene argumentieren. Gebot.
In der Beschäftigung mit Fragen im Spannungs- Achten Sie also darauf, wo die wirklichen
feld von Glauben und Wissen ist es generell Fronten liegen. Denken Sie daran, daß sich ein
wichtig, die zwei Ebenen des wissenschaftlichen geistlicher Kampf abspielt (Eph 6,11ff; 2 Kor
Aussagebereichs einerseits und der biblischen Of- 10,3-6). Es geht hier letztlich nicht um intellektu-
fenbarung andererseits zu unterscheiden. Wenn elle Probleme. Unsere Gesprächspartner sind
auch beide Ebene vielfältig miteinander verbun- Menschen, die wir lieben und für Jesus Christus
den sind („Wort und Wissen“ steht als Kürzel und gewinnen sollen. Dazu brauchen wir ein klares
Programm gerade dafür), sind sie doch unter- Zeugnis und eine Haltung der Liebe. Unabdingba-
scheidbar. Beispielsweise ist es eine glaubensmä- re Voraussetzung für beides ist die dauerhafte
ßige Aussage, daß der Mensch zum Bilde Gottes Verbindung mit Jesus Christus.
geschaffen ist. Diese Aussage kann niemals mit
Methoden der Beobachtung und des Experiments
überprüft werden. Eine wissenschaftliche Aussage
ist in diesem Zusammenhang beispielsweise, in-
wiefern sich Menschen und Menschenaffen in Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert wer-
anatomischer Hinsicht unterscheiden. Solche Un- den bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiers-
terschiede können niemals begründen, daß der bronn, Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-
Medienstelle, Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
Mensch zum Bilde Gottes geschaffen ist. Sie kön- Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
nen allerdings im Rahmen dieser Glaubenssicht Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance
gedeutet werden (Verbindung von Glauben und CH-4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
Wissen). Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1993 – kopieren erlaubt!

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