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W+W-Disk.-Beitr.

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Lehrt die Bibel eine junge Schöpfung?


Reinhard Junker
Anhand biblischer heilsgeschichtlicher Zusammenhänge wird aufgezeigt, welche Folgerungen
sich aus der Heilslehre des Neuen Testaments für das Verständnis der Menschheits-, Organismen-
und Kosmosgeschichte ergeben. Aufgrund des Zusammenhangs von Adam und Christus muß die
Menschheitsgeschichte in einen kurzen Zeitrahmen gestellt werden. Aufgrund der Verbindung der
Menschheit mit der außermenschlichen Schöpfung spricht vieles dafür, daß der Kurzzeitrahmen
auch für die gesamte Kosmosgeschichte gilt. Für die Schöpfungsforschung ergibt sich daraus die
Aufgabe, empirische Daten in diesem Geschichtsrahmen zu deuten.

Evolutionsforschung verfolgt das Ziel, die Geschichte schung und Lehre einzubringen. Zumindest soll Ver-
des Kosmos und den Organismenwandel vollständig ständnis für die Bedeutung und Notwendigkeit dieser
durch naturgesetzliche Vorgänge zu erklären. Eine nach Arbeit geweckt werden.
ihren Ursachen innerweltlich vollständig verstehbare
Evolution würde aber keinen Raum für ein souveränes 1. Schritt: Die biblische Heilslehre kann
Schöpfungshandeln Gottes lassen; Gott könnte höch- nur vor dem Hintergrund eines globalen
stens als Garant für die „Gesetze der Evolution“ angese- Unheils verstanden werden
hen werden. Dies hat zur Folge, daß grundlegende In-
halte der biblischen Schöpfungslehre, aber auch der Das Neue Testament spricht allenthalben von Verloren-
Heilslehre, Gotteslehre und Eschatologie (Lehre von den sein und von verlorenen Sündern. Jesus Christus ist ge-
zukünftigen Dingen) nicht mehr aufrechterhalten werden kommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist
können.1 (Luk 19,10). Er ist das Lamm Gottes, das der Welt Sün-
Die biblische Heilsgeschichte läßt daher keinen Platz de trägt (Joh 1,29). Paulus schreibt den Ephesern, daß
für eine konsequente Evolutionsanschauung. Folgt aber sie tot waren in ihren Sünden und Verfehlungen, bevor
aus der Abkehr von der Evolutionslehre gleichzeitig die sie Christus angenommen haben (Eph 2,1). Im Römer-
Ablehung großer, Jahrmillionen währender Zeiträume, brief werden die mit Gott unversöhnten Menschen als
die für eine organismische und kosmische Evolution be- Feinde Gottes bezeichnet (Röm 5,8). Die Menschen sind
nötigt werden? Oder ist es vielleicht möglich, eine in nicht so, wie Gott sie will. Weshalb ist das so? Hat Gott
Jahrtausenden oder in Generationen bemessene die Menschen so geschaffen? Hat er sie als Sünder, als
Menschheitsgeschichte in eine zeitlich beliebig lange Unerlöste, als Unversöhnte, als Feinde, als Verlorene,
Organismen- oder Kosmosgeschichte einzubetten? als geistlich Tote erschaffen? Wenn Gott den Menschen
Zu diesen Fragen sollen Auslegungsspielräume rele- durch Evolution geschaffen hat, sehe ich keine Mög-
vanter biblischer Texte aufgrund biblischer Zusammen- lichkeit, um die Bejahung dieser Frage herumzukom-
hänge ausgelotet werden. Ausgangspunkt sind die zen- men. Hat Gott den Menschen durch evolutive Abwand-
tralen neutestamentlichen Aussagen über das Erlö- lung aus dem Tierreich erschaffen, dann kleben ihm die-
sungswerk Jesu Christi. In sechs Schritten soll erarbeitet se Eigenschaften bzw. diese Seinsweisen an, ohne daß
werden, welche Spielräume die biblische Heilsge- der Mensch willensmäßig irgendwie beteiligt gewesen
schichte für die Rekonstruktion der Menschheits-, Erd- wäre. Machen wir uns klar, was aus einer evolutiven
und Kosmosgeschichte läßt, insbesondere für deren zeit- Abstammung des Menschen aus dem Tierreich folgt:
lichen Umfang. Nicht nur körperliche Merkmale, sondern auch Verhal-
Schöpfungsforschung als Alternative zur Evoluti- tensweisen, Erkenntnisvermögen, ethische Normen, so-
onslehre wird oft als unnötige oder allenfalls zweitran- ziale Lebensformen und religiöse Vorstellungen evolvie-
gige Aufgabe betrachtet. Demgegenüber soll anhand bi- ren. Es ist biologisch undenkbar, diese Aspekte vonein-
blischer Zusammenhänge aufgezeigt werden, daß an ander zu trennen. (Die Bibel trennt sie übrigens auch
testbaren Alternativen zur Evolutionslehre und zu Lang- nicht, wie aus unzähligen Stellen in der Heiligen Schrift
zeitmodellen gearbeitet werden muß. Dies geschieht in indirekt hervorgeht.) Daraus folgt: Ein durch Evolution
sechs aufeinander aufbauenden Schritten. Der Leser schaffender Gott ist für die Sünde des Menschen und
kann Schritt für Schritt prüfen, ob er weiter folgen kann. alle ihre Begleiterscheinungen wie auch den Tod ver-
Wird einer der Schritte verneint, erübrigen sich die fol- antwortlich. Dann aber ist ein stellvertretender Sühnetod
genden. Jesu sinnlos (vgl. dazu den Hebräerbrief, insbesondere
Absicht ist es, Christen herauszufordern, über eigene 2,14 und Kap. 8-10).
Möglichkeiten nachzudenken, sich in der gewaltigen
Aufgabe einer biblisch fundierten Wissenschaft in For-

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DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 1/94
2. Schritt: Durch Adam kamen Sünde und von diesem Zustand paßt nicht zur Evolutionslehre, da
Tod in die Welt sie dieses Seufzen von Anfang an voraussetzt.
Schließlich kommt als generelles biblisch vielfach
Das Unheil, von dem im ersten Schritt die Rede war,
begründetes Argument hinzu, daß der Tod kein Mittel,
kam durch den ersten Menschen, Adam, in die Welt.
aber auch keine „Randerscheinung“ und kein „Neben-
„Wie also durch einen einzigen Menschen die Sünde in
effekt“ des schöpferischen Wirkens Gottes sein kann.
die Welt kam und durch die Sünde der Tod …“ (Röm
Kurzum: Der Tod in der ganzen Schöpfung ist nicht auf
5,12ff.). An dieser Stelle befindet sich eine entscheiden-
Gottes Schöpfungshandeln zurückzuführen, sondern auf
de Weichenstellung. In „Leben durch Sterben?“2 wird
sein Gerichtshandeln angesichts der Sünde des Men-
eine ausführliche Exegese zu dieser Textstelle durchge-
schen. Daraus folgt: Eine biologische Phase der Evolu-
führt. In unserem Zusammenhang sind die folgenden
tion ist mit der biblischen Heilslehre nicht vereinbar.
Ergebnisse wesentlich:
(Ob eine planetare und kosmische Evolution dennoch
1. Mit Adam ist eine historische Person gemeint. Adam
möglich sind, soll weiter unten diskutiert werden.)
wird Jesus Christus als Person gegenübergestellt, und
die Taten Adams und Jesu Christi entsprechen einander Aus diesen Zusammenhängen folgen Konsequenzen
in gewisser Weise. für die Bewertung des Fossilberichts, und daraus wie-
2. Der Tod ist ganzheitlich zu verstehen; der leibliche derum ergeben sich indirekt, aber doch folgerichtig
Tod ist eingeschlossen; dies wird durch den Verweis auf Auswirkungen auf die Frage des Alters zumindest der
den Tod von Adam bis Mose V. 14 besonders deutlich. organischen Schöpfung. Im folgenden soll dieser Zu-
Aber nicht nur aus dieser Textstelle ergibt sich diese sammenhang entwickelt und erläutert werden.
Schlußfolgerung, sondern grundsätzlicher aus der Tatsa-
che, daß Jesus Christus den leiblichen Tod erlitten hat 3. Schritt: Fossilien als Zeugnisse gewalt-
als Sühne für die Sünde der Menschheit, und daß er samen Todes sind keine Zeugnisse des
leibhaftig auferstanden ist. Diese Tatsachen werfen Schöpfungshandelns Gottes
Licht auf den Tod als Sündenfolge: Da Jesus leiblich Fossilien sind Zeugnisse vergangenen Lebens. Als sol-
den stellvertretenden Sühnetod erlitten hat, ist mit dem che sind sie Zeugnisse der Schöpfung. Sie sind aber
Tod als Sündenfolge auch der leibliche Tod gemeint. auch Zeugnisse eines gewaltsamen Todes. Fossilien sind
3. Der Tod kam in den „Kosmos“. Ob damit, wie die Belege von Gewalt. Tod und Gewalt (mindestens in der
viele Ausleger meinen, nur die „Menschenwelt“ gemeint Tierwelt und beim Menschen) verweisen aber nicht auf
ist, halte ich von Röm 5,12ff. her für nicht sicher ent- Schöpfung, sondern auf ein göttliches Gericht. In den
scheidbar und bleibt an dieser Stelle daher zunächst vorigen Abschnitten haben wir festgehalten, daß der Tod
noch offen. Es kann aber festgehalten werden, daß ein auch in der außermenschlichen Schöpfung in biblischer
evolutionär entstandener Mensch nie vom (leiblichen) Diagnose Folge des Sündenfalls des Menschen ist.
Tod befreit war. Außerdem kann in einer evolutionären Durch die Sünde wurde die gesamte Schöpfung in die
Welt kein sündloser Urzustand des Menschen verwirk- Knechtschaft der Vergänglichkeit hineingezogen. Damit
licht gewesen sein. Folglich ist eine evolutionäre Entste- ist die Existenz von Fossilien Ausdruck der Sünde in der
hung des Menschen aus dem Tierreich biblisch geurteilt Welt. Da aber erst mit dem Menschen die Sünde in die
ausgeschlossen. Damit ist aber gleichzeitig eine Evoluti- Welt kam, muß die Bildung derjenigen Schichtgesteine,
on anderer Organismen unplausibel. Denn sonst wäre die Fossilien bergen, nach der Erschaffung des Men-
anzunehmen, daß der Mensch durch Gottes Schöpfung schen angesetzt werden. Dazu kommt, daß man auch
in eine evolutionäre Welt gleichsam als Fremdkörper unter den Fossilien zahlreiche räuberische oder parasi-
hineingestellt worden wäre. Dazu kommt nun aber, daß tisch lebende Organismen kennt. Sie ernähren sich nicht
sowohl nach dem Schöpfungsbericht (1 Mose 1,1-2,3) so, wie es im Schöpfungsbericht für die ursprüngliche
als auch nach dem Paradiesbericht (1 Mose 2,4-25) der Tierwelt beschrieben wird. Danach war den Tieren wie
Mensch nicht nur in Beziehung mit der übrigen Schöp- auch dem Menschen nämlich pflanzliche Nahrung zu-
fung steht, sondern das wichtigste Schöpfungswerk ist. gewiesen (1 Mose 1,29f.). Die räuberische und parasiti-
Eine von der übrigen Organismengeschichte losgelöste sche Lebensweise muß daher als nachträglich angesehen
Menschenschöpfung ist daher unglaubhaft. werden, als Folge der Sünde. (Einige damit verbundene
Das bisher Gesagte wird durch Römer 8,19-22 weiter theologische und biologische Fragen werden in „Sün-
unterstützt. Wie in „Leben durch Sterben?“3 ausführlich denfall und Biologie“4 behandelt.)
begründet, besagt der Text, daß die Vergänglichkeit der Aus diesen Überlegungen folgt: Schöpfungsfor-
ganzen Schöpfung ein sekundäres Kennzeichen der schung steht vor der gewaltigen Aufgabe, die Fossil-
Schöpfung ist - ausdrücklich ist hier die außermenschli- überlieferung zumindest ab dem Kambrium in den zeit-
che Schöpfung eingeschlossen (was in Röm 5,12ff. of- lichen Rahmen der Menschheitsgeschichte zu stellen
fengehalten werden mußte). Eine nachträglich ver- und in diesem Rahmen zu deuten. Damit stellt sich vor-
hängte Vergänglichkeit und davon bedingtes Seufzen rangig die Aufgabe, die übliche „geologische Zeit“ von
der Schöpfung und sehnsüchtiges Harren auf Befreiung einigen Hundert Millionen Jahren in eine vergleichswei-
se sehr bescheidene zeitliche Dimension zu „überset-

2
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2 *UNKER 3½NDENFALL UND "IOLOGIE .EUHAUSEN 3TUTTGART (¥NSSLER
3
3 FF 6ERLAG 

STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN


zen“. Ich sehe keine Möglichkeit, wie eine der bibli- nach dem Zeugnis des Neuen Testaments das Ende der
schen Überlieferung verpflichtete Forschung sich dieser Geschichte (auch der Menschheit) an die Erfüllung des
Aufgabe entziehen könnte, ohne biblische Inhalte preis- Missionsauftrages und damit an die Menschheitsge-
zugeben. schichte gebunden ist. Das gibt auch bezüglich des An-
Ob und wie vor der Menschenschöpfung größere fangs der Menschheit zu denken, zumal die Bibel man-
(vielleicht beliebige) Zeiträume angesetzt werden kön- che Entsprechungen zwischen dem Anfang und dem En-
nen, soll weiter unten bedacht werden. Zunächst soll in de zeichnet: auch der Anfang ist an die Menschheitsge-
einem vierten Schritt der zeitliche Rahmen der Mensch- schichte gebunden.
heitsgeschichte abgesteckt werden.
5. Schritt: Folgerungen aus dem Schöp-
4. Schritt: Der zeitliche Rahmen der fungsbericht
Menschheitsgeschichte beläuft sich in der Im Schöpfungsbericht (1 Mose 1,1-2,3) wird die Er-
Größenordnung von Jahrtausenden schaffung der sichtbaren Welt auf 6 „Tage“ verteilt. Der
Zunächst sei vermerkt, daß dieser Zeitrahmen aufgrund Kontext läßt kaum eine andere Auslegung als normale
des im 3. Schritt Dargelegten auch für die Tierwelt gilt, „Erlebnistage“ zu.7 Daraus folgt eine annähernde
mindestens für die fossil überlieferte. Im 2. Schritt wur- Gleichzeitigkeit der Erschaffung des Kosmos (s. u. und
de gezeigt, daß die Achse Adam - Christus für die Bot- den 6. Schritt), der Erde, der Pflanzen, der Tiere und des
schaft des Neuen Testaments wesentlich ist. Jesus Chri- Menschen.
stus kommt als Erlöser in die von Adam herkommende Obwohl ein Auslegungsspielraum der Schöpfungs-
Menschheitslinie, die seit Adam unter der Macht der tage im Sinne unbestimmter Zeiträume nicht ersichtlich
Sünde steht. Es ist nun - noch abgesehen von den bibli- ist, sei dieses Verständnis einmal zur Disposition ge-
schen Geschlechtsregistern - schlecht möglich, zwischen stellt. Welcher zusätzliche Deutungsspielraum für die
den Einbruch der Sünde in die Welt durch Adam und Rekonstruktion der Organismen- und Kosmosgeschichte
der Erlösungstat durch Jesus Christus einen unüber- würde gewonnen, wenn mit den Schöpfungstagen unbe-
schaubaren Zeitraum zu legen. Dazu kommt noch, daß stimmte Zeiträume gemeint wären? Für die Paläontolo-
sowohl in der biblischen Urgeschichte (1 Mose 1-11) gie würde nicht viel gewonnen. Die fossilführenden
und im 1. Chronikbuch, als auch in den Evangelien Ge- geologischen Systeme könnten jedenfalls aufgrund des
schlechtsregister überliefert sind. Dabei handelt es sich im 3. Schritt Gesagten nicht in diese unbestimmten Zeit-
keineswegs um unbedeutende Anhängsel. Da sie teilwei- räume verlegt werden (Fossilien als Zeugnisse des To-
se verkürzt wiedergegeben sind (z. B. Mt 1), mag ein des). Genau diese Systeme bereiten der Schöpfungslehre
Auslegungsspielraum darin bestehen, ob auch die aus- aber besondere Erklärungsschwierigkeiten. Beispiels-
führlichsten Geschlechtsregister vollständig oder lük- weise fällt in die Zeit ihrer Bildung die Plattentektonik
kenhaft sind. „Er zeugte …“ kann sich auch auf einen mit ihren Folgephänomenen. Es bleibt damit die Aufga-
ferneren Nachkommen beziehen. Aber selbst wenn be, dieses Geschehen in einem Kurzzeitrahmen (ent-
Überlieferungslücken vorliegen sollten, erlauben die sprechend dem 4. Schritt) zu interpretieren. Man könnte
Geschlechtsregister keine beliebig große zeitliche Aus- sich allenfalls damit behelfen, daß die Tier- und Pflan-
dehnung, wenn sie nicht ad absurdum geführt werden zenwelt, die vor dem Menschen erschaffen wurde (3., 5.
sollen. Die Menschheitsgeschichte ist damit in der Grö- und 6. Tag), keine fossilen Spuren hinterlassen hat. Für
ßenordnung von Jahrtausenden zu bemessen. R. Wiskin die Deutung der tatsächlich vorliegenden Fossilüberlie-
geht in seinem Werk „Die Bibel und das Alter der Erde“ ferung bringt das aber nichts.
auf diese Frage ausführlich ein, so daß zur näheren Be- Man beachte hier außerdem folgenden Zusammen-
gründung auf diese Arbeit verwiesen werden soll. hang: Wollte man die Tage symbolisch verstehen und
H. W. Beck hat als „maximales anthropisches Prin- eine „beliebig lange“ kosmische Evolution der Erschaf-
zip“ den für heutige Ohren provozierenden Satz formu- fung des Menschen vorschalten, müßte konsequenter-
liert: „Es gibt keine Geschichte ohne den Menschen.“ weise auch die Erschaffung der Tiere der Erschaffung
Denn: „Nach dem Zeugnis der Urgeschichte wird Ge- des Menschen vorgeschaltet werden (naheliegenderwei-
schichte an die Struktur von Geschlechterfolgen gebun- se mit den entsprechenden Zeiträumen). Damit nähern
den.“5 Zur Verdeutlichung können wir die Gegenfrage wir uns fast unausweichlich der Evolutionslehre an.
stellen: Gestaltet Gott eine Jahrmilliarden Jahre währen- Denn niemand wird annehmen wollen, daß es vor der
de Kosmosgeschichte ohne den Menschen? Umfaßt die Erschaffung des Menschen und dem Sündenfall während
Menschheitsgeschichte nur die letzten Sekunden der Hunderten von Millionen Jahren eine „heile“ Tierwelt
Weltenuhr? In einem der beliebten Vergleiche ausge- gegeben hat, in die dann erst mit dem Sündenfall der
drückt: Entspricht ihr zeitlicher Umfang gerade der Tod eingebrochen wäre.
Lackschicht auf der Spitze des Eiffelturms im Vergleich Mit der Eröffnung der Möglichkeit einer großen
zur Höhe des Turms?6 Zu bedenken ist hier auch, daß Zeitspanne an sich ist in den Biowissenschaften (ein-
schließlich der Paläontologie) für eine der biblischen
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wonnen. Denn in der säkularen Wissenschaft werden Schichten? usw.). Sollte man annehmen, daß in der po-
diese Zeiträume mit einem ganz bestimmten Inhalt ge- stulierten zeitlichen Lücke eine Evolution der Organis-
füllt, nämlich mit der Evolution der Organismen. Lange men abgelaufen sei? Die Erklärungsprobleme blieben
Zeiträume sind mit dem Evolutionsparadigma verbun- also bestehen (zumindest wenn man Evolution als Ursa-
den. Es geht nicht einfach um Zeit an sich, sondern um che für die Fossilreihenfolge ablehnt). Dazu kommt eine
ihre „inhaltliche Füllung“. zweite Konsequenz: Wollte man die Fossilüberlieferung
In den Geowissenschaften dagegen könnten Lang- mit ihren Zeugnissen des Todes in diese Lücke verlegen,
zeitdeutungen dann evtl. möglich sein, wenn geologi- müßte also die vermeintliche „Wiederherstellung“ (1
sche Phänomene von der Organismengeschichte abge- Mose 1,2-31) zu einer Zeit erfolgt sein, als die fossilfüh-
koppelt werden können (was aber oft nicht der Fall ist. renden Schichten bereits größtenteils gebildet waren.
Was wird in der Kosmologie gewonnen? Im Unter- Erst danach wäre die Sintflut abgelaufen. Sie hätte dann
schied zur Biologie und Paläontologie ist die Kosmolo- offenbar keine nennenswerten geologischen Spuren auf
gie nicht mit dem Phänomen des Todes konfrontiert. der Erdoberfläche hinterlassen.
(Das „Sterben“ von Sternen betrachten wir dabei nur als Für die Kosmologie würde die Lücke dagegen neue
eine Metapher.) Hier könnte tatsächlich die gewonnene Spielräume schaffen, ohne daß man sich neue Fragen
Zeit zusätzliche Deutungsspielräume schaffen. Aller- einhandeln würde. Dennoch: Die Lückentheorie ist ex-
dings treten bei einem kosmischen Evolutions-Szenario egetisch aus dem Text nicht abzuleiten, sie kann allen-
neue Ungereimtheiten mit der Tatsache auf, daß der falls in ihn hineingelesen werden.
Kosmos die in Sonne, Mond und Gestirne gegliederte
Gestalt erst am 4. Schöpfungstag, nach der Erschaffung Schlußfolgerungen
der Pflanzen erhielt. Ein der biblischen Überlieferung Es sollte deutlich gemacht werden, daß die Akzeptanz
verpflichteter Ausleger wird darüber nicht einfach hin- der biblischen Überlieferung Konsequenzen beinhaltet,
weggehen können. Hier bliebe nur noch die Möglich- unter welchen Leitvorstellungen historische Wissen-
keit, das 6-Tage-Schema in jedweder Form und die schaften betrieben werden. Weil Gott der Herr der Ge-
darin angegebene Reihenfolge als irrelevant zu betrach- schichte ist, wie in der ganzen Bibel bezeugt wird, kann
ten. Wir wären damit schon sehr nahe bei den bibelkriti- es keine „neutrale“ Geschichtswissenschaft geben. Auf-
schen Vorstellungen, wonach der Schöpfungsbericht grund des Zusammenhangs von Erschaffung, Sünden-
Ausdruck einer veralteten Weltsicht ist, aus dem die „ei- fall, Tod und Erlösung stehen zentrale biblische Aussa-
gentliche“ theologische Aussage durch komplizierte gen Evolutionsanschauungen, konsequent durchdacht,
hermeneutische Verfahren erst herausdestilliert werden entgegen. Da Fossilien Zeugnisse eines gewaltsamen
muß. Den Aussagen der Heiligen Schrift würde man Todes sind, müssen sie in die Geschichte nach dem
damit nicht gerecht. Sündenfall des Menschen gestellt werden. Daraus ergibt
sich für die Deutung der Fossilüberlieferung und damit
6. Schritt: Liegt vor dem „Tag Eins“ eine für die Deutung wesentlicher Abschnitte der Erdge-
unbestimmte Zeitspanne? („Lückentheo- schichte ein zeitlich kurzer Rahmen.
rie“)
Manche Ausleger sehen einen zeitlichen Spielraum vor
der Erschaffung des Lichts, nachdem Himmel und Erde
geschaffen waren (1 Mose 1,1), und berufen sich auf die
Übersetzungsmöglichkeit „Die Erde wurde wüst und
leer“ (während eines unbestimmten Zeitraums) sowie
auf theologische Überlegungen („wüst und leer“ sei
Ausdruck des Gerichts; Gott würde keine „Wüste und
Leere“ schaffen). Diese Auslegung stößt jedoch auf
schwerwiegende exegetische Hindernisse. Auf die Ar-
gumente wird an anderer Stelle ausführlich eingegan-
gen.8 Dennoch soll auch hier - ähnlich wie im 6. Schritt -
gefragt werden, ob eine zeitliche Lücke vor der Vollen-
dung des 1. Schöpfungstages neue Deutungsspielräume
für Kosmologie, Geowissenschaften und Biologie brin-
Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
gen würde.
bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiers-
Zunächst zur Paläontologie: Die Problematik der bronn, Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-
Deutung der Fossilüberlieferung bleibt auch im Rahmen Medienstelle, Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
der Lückentheorie. Es wäre damit kein Schlüssel zum Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
Verständnis des regelhaften Musters der Fossilüberliefe- Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance
CH-4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
rung gewonnen (Warum finden sich Meeresorganismen Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
in tieferen Schichten, Säugetiere und Vögel in höheren Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1994 – kopieren erlaubt!

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