Sie sind auf Seite 1von 2

W+W-Disk.-Beitr.

1/97

Die richtigen Argumente


gegen Evolution einsetzen
Es schadet bekanntlich einem guten Anliegen, wenn es mit dern.1 Daß dies Konsequenzen für die neutestamentliche
unbrauchbaren Mitteln vorangebracht werden soll oder vertei- Heilsbotschaft hat, sollte dem Gesprächspartner anhand bibli-
digt wird. Daher ist es gelegentlich notwendig, Werkzeuge scher Texte gezeigt werden. Einige Hinweise dazu sind in der
auszumustern, die nicht oder nicht mehr wirksam oder sogar 1. Anmerkung zusammengestellt.
kontraproduktiv sind. Das heißt für die Arbeit der SG Wort
und Wissen: 2. „Wenn es Evolution gab, hat unser Leben keinen
Sinn und kein Ziel.“ Dies vertreten mit Sicherheit nicht alle
1. Argumente, die mit guter Absicht gegen Evolution oder für Befürworter von Evolution. Vorsicht: Unterlegen Sie dem An-
die biblische Sicht der Ursprünge eingesetzt werden, müssen dersdenkenden nicht Auffassungen, die er selber gar nicht
hin und wieder daraufhin überprüft werden, ob sie noch trag- vertritt. Damit verbauen Sie sich von vornherein eine echte
fähig sind. Denn Wissenschaft kennt keinen Stillstand; neue Kommunikation. Zur Sache: Viele Evolutionstheoretiker ha-
Erkenntnisse können die Indizienlage verändern; durch neue ben sich intensiv Gedanken über die Sinnfrage in einem evo-
Ideen werden Antworten oder Hinweise auf bisher ungelöste lutionären Weltbild gemacht. Hier gilt es, die biblische
Fragen entwickelt. Eschatologie (Lehre von dem Zukünftigen) den evolutionisti-
schen Sichtweisen entgegenzuhalten.
2. Leider kursieren auch zahlreiche Argumente, die noch nie
3. „Die Datierungsmethoden sind willkürlich.“ Die Da-
gut waren – sicher auf beiden Seiten, aber wir wollen uns auf
tierungsmethoden liefern im Großen und Ganzen in sich recht
die Schöpfungslehre und Evolutionskritik konzentrieren. Zu
schlüssige Ergebnisse, die auf hohe Alter hindeuten. Ausrei-
vermeiden ist das Herausgreifen isolierter oder untypischer Be-
ßer, wie z. B. die oft zitierte 200 Jahre alten Lava auf Hawaii,
funde, ohne den gesamten Datenbestand bzw. den erreichten
die auf Millionen von Jahren datiert wurde, können in vielen
Diskussionsstand zu berücksichtigen (vgl. dazu vor allem
Fällen erklärt werden, so daß ein Langzeitmodell dadurch nicht
Punkte 7 und 8).
widerlegt wird. In den Datierungsfragen haben die Evolution-
stheoretiker ziemlich „gute Karten“; in der Schöpfungslehre,
In den folgenden Beispielen werden einige Statements in An-
die aufgrund der biblischen Heilsgeschichte von kurzen Zeit-
führungszeichen wiedergegeben und in einer Antwort darauf
räumen ausgeht, macht dieser Bereich viel Mühe. (Es ist folge-
eingegangen. Die Liste ist nicht vollständig. Es werden aber
richtig, daß in der Arbeit von Wort und Wissen auf dieses Ge-
nicht nur fragwürdige oder verkehrte Argumentationen ange-
biet ein Forschungsschwerpunkt gelegt wird.). Wenn die Evo-
sprochen, sondern auch Hinweise gegeben, wie jeweils anders
lutionstheoretiker hier zwar recht schlüssige Konzepte vorwei-
bzw. besser argumentiert werden kann. Dadurch sollen Hilfe-
sen können, heißt das nicht, daß alternative Deutungsweisen
stellungen gegeben werden, um unnötigen Angriffen vorzu-
der Meßdaten ausgeschlossen sind. Darüber hinaus kann gene-
beugen. Da es letztlich um das Evangelium geht, werden An-
rell festgehalten werden, daß Alter nicht gemessen werden,
griffe immer kommen, aber der Stein des Anstoßes sollten
sondern unter vorausgesetzten Modellannahmen bestimmt
nicht fragwürdige Argumente sein, sondern der Anspruch des
werden; Altersangaben können daher grundsätzlich nicht ab-
Evangeliums, Jesus Christus selber.
solut gemacht werden, sondern sind modellabhängig.2
Für eine gründlichere Sachauseinandersetzung ist jeweils ent-
sprechende Literatur angegeben. Einige Regeln des „Umgang 4. „Fossiliendatierung und Gesteinsdatierung hän-
in der Auseinandersetzung um die Schöpfungslehre“ wurden gen gegenseitig voneinander ab.“ Erdschichten liegen
bereits im Diskussionsbeitrag 3/93 zusammengestellt; in die- keineswegs unsystematisch übereinander; im Gegenteil: es ist
sem Beitrag soll es vor allem um die inhaltliche Seite gehen. möglich, durch regionale und globale Korrelationen relative
Kol 4,6 faßt beides zusammen: „Eure Rede sei immer freund- Abfolgen von Sedimentgesteinen zu begründen. Neben dem
lich, mit Salz gewürzt, denn ihr müßt jedem in der rechten Fossilinhalt werden weitere, von den Fossilien unabhängige
Weise antworten können.“ Befunde herangezogen, z. B. die über große Flächen nach-
weisbaren Spuren von Vulkanausbrüchen. Mit der Regelhaf-
1. „Evolution schließt die Existenz Gottes aus.“ Für tigkeit der Schichtenfolge muß man sich auseinandersetzen,
viele schließt Evolution Gott nicht aus. Christen, die eine gött- man kann und darf sie nicht leugnen.3
lich gelenkte Evolution für vertretbar halten, sind deswegen
weder Christen zweiter Klasse noch ist ihnen deswegen gar der
Glaube abzusprechen. Es ist gut möglich, daß unser Ge- 1
Ausführlich wird dies behandelt in: R. Junker: Leben durch Sterben?
sprächspartner noch nie über einen möglichen Zusammenhang
Schöpfung, Heilsgeschichte und Evolution. Studium Integrale. Neu-
zwischen der Evolutionslehre und der Person und dem Wirken hausen2 1993. Die SG Wort und Wissen bietet zu dieser Thematik
Jesu Christi nachgedacht hat. Stoßen wir ihn dann nicht vor auch einige „Diskussionsbeiträge“ an, die bei den u. a. Adressen ange-
den Kopf, indem wir Zweifel an seinem Christsein andeuten. fordert werden können. (Themen: „Schöpfungsforschung am Ende?“,
Richtig ist aber, daß eine konsequent durchdachte Evolutions- „Biblische Argumente gegen die Vorstellung, der Schöpfungsbericht
lehre nicht nur eine direkte Schöpfung Gottes ausschließt, und die Evolutionslehre seien miteinander vereinbar“, „Evolution –
sondern auch den geschichtlichen Sündenfall und eine welt- Schöpfungsmethode Gottes?“)
2
weite Sintflut, wie sie die biblischen Überlieferungen schil- R. Junker & S. Scherer, Entstehung und Geschichte der Lebewesen,
Gießen,3 1992, S. 156 - 160.
3
Junker/Scherer (Anm. 2), S. 150 - 156; Wort & Wissen Info Nr. 23.

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 1/97
5. „Wenn das Universum Millionen von Jahren alt 8. „Affenmenschen sind Mißbildungen, Fälschungen
wäre, müßte es auf dem Mond eine dicke Staub- oder grobe Fehldeutungen.“ In der Paläanthropologie
schicht geben.“ Das Mondstaubargument schien einige Zeit sind so viele Funde von Fossilien von Menschen und Men-
ein tragfähiges Indiz gegen ein hohes Mondalter zu sein. In- schenaffen gemacht worden, daß die Zahl der Fälschungen,
zwischen ist es aber auch von Schöpfungstheoretikern vorerst Mißbildungen und groben Fehldeutungen (die es gab und z. T.
zurückgenommen worden.4 Es gab übrigens auch unter den auch heute geben mag) dagegen unbedeutend ist. Mit dem
Evolutionstheoretikern Wissenschaftler, die nicht viel Verweis auf Ausnahmen werden die vielen Funde gar nicht er-
Mondstaub erwarteten, als die Dicke erstmals bei den Mond- klärt. Dazu kommt, daß diese Argumentationsstrategie unnötig
landungen gemessen wurde. Heute liegen Theorien vor, die ist. Im Bereich der Anthropologie gibt es Alternativen zur
plausibel machen können, wie und warum der Mondstaub sich Evolutionstheorie, die die bekannten Daten berücksichtigen.9
größtenteils verfestigt hat. Vorerst sollte man dieses Argument
nicht gegen ein hohes Mondalter einsetzen. Ein geringes Alter 9. „Der Mensch kann nicht von Affen abstammen,
wird damit nicht ausgeschlossen. Es gibt andere Daten, die weil die Chromosomenzahlen verschieden sind.“ Die
deutliche Hinweise darauf geben, daß das Universum jung sein Chromosomenzahl besagt nicht viel. Es bestehen bei vielen
kann.5 Doch eine Schwarzweißmalerei („alles spricht für eine Organismen Kreuzungsmöglichkeiten trotz unterschiedlicher
junge Schöpfung“ oder „alles paßt zu einem alten Univer- Chromosomenzahl. Tatsächlich ist das Erbgut von Menschen-
sum“) ist nicht möglich. affen und Menschen sehr ähnlich. Doch was besagt das? Ähn-
lichkeit kann ohne Weiteres durch „Schöpfungsverwandt-
6. „Die Biogenetische Grundregel von Haeckel ist schaft“ gedeutet werden. Das gilt auch für andere Ähnlichkei-
widerlegt.“ So wie Haeckel sich eine Wiederholung der ten zwischen Menschen und Affen.
Stammesgeschichte in der individuellen Entwicklung (von der
befruchteten Eizelle bis zum erwachsenen Organismus) vorge- Allgemeines
stellt hat, ist sie von Biologen schon immer bestritten worden. 1. Zeigen Sie die weltanschauliche Verflochtenheit (den
Die heutige Argumentation zur biogenetischen Grundregel be- Glaubensaspekt) der Evolutionslehre beispielhaft auf und
ruft sich schon lange nicht mehr auf Haeckel, sondern auf viele machen Sie deutlich, daß hier wie bei der Schöpfungslehre
andere spätere Erkenntnisse, und ist erheblich differenzierter Glaube vorliegt!
geworden, dadurch aber nicht mehr so leicht widerlegbar. Man 2. Zeigen Sie, inwiefern sich die Glaubensgrundlagen der
geht heute nur noch davon aus, daß bei einzelnen Entwick- Schöpfungslehre von denen der Evolutionslehre unter-
lungsschritten einzelne Organanlagen auf eine Wiederholung scheiden! An dieser Stelle bietet es sich an, zeugnishaft zu
der Stammesgeschichte hindeuten. In Gesprächen als Laie und begründen, weshalb man der Bibel glaubt.
mit Laien sollte vor allem darauf hingewiesen werden, daß 3. Arbeiten Sie darauf hin, daß deutlich wird, daß Evolution
man die Erkenntnisse aus der Embryologie auch im Sinne ei- nur eine Deutungsmöglichkeit ist, aber keine Deutungs-
ner durchdachten Schöpfung deuten kann.6 notwendigkeit und daß ihr eine alternative, biblisch moti-
vierte Deutungsmöglichkeit gegenübersteht! Es genügt, der
7. „Die Fossilien sprechen eindeutig gegen Evoluti- Evolutionslehre das Erklärungsmonopol zu bestreiten; wis-
on.“ In dieser allgemeinen Formulierung ist das nicht richtig. senschaftlich streng widerlegbar ist die Evolutionslehre
Fossilien sprechen insofern gegen Evolution, als sich gezeigt vermutlich nicht. Man kann aber beispielhaft zeigen und
hat, daß Zwischenformen zwischen größeren Organismen- begründen, daß der biblisch begründete Glaube mit dem
gruppen regelmäßig fehlen. Es wäre aber unredlich, beim Wissen der Naturwissenschaften zusammengebracht wer-
Thema „Fossilien“ nur auf fehlende Zwischenformen zu spre- den kann und daß man den Verstand nicht an der berühm-
chen zu kommen, aber den Befund der Regelhaftigkeit der ten Garderobe abgeben muß, wenn man glaubt. Das ge-
Fossilablagerungen zu verschweigen. (Natürlich ist es genauso nügt. Der Glaube bleibt immer eine Sache der persönlichen
unfair, daß Schulbücher den allgemeinen Befund der Fossil- Einstellung und Entscheidung, ein Wagnis, das sich aber
lücken nicht ansprechen.7) Damit ist gemeint, daß z. B. Säuge- bewährt. Unsere Aufgabe sehe ich hier darin, unberechtigte
tiere später (d. h. in höheren Schichten) auftreten als Reptilien, Hindernisse in Form wissenschaftlicher Erklärungsmono-
diese wiederum später als Fische (viele weitere Beispiele kön- pole abzubauen.
nen genannt werden). Dieser Befund kann durch Evolution ge-
deutet werden (Nacheinander = Auseinander), wenn auch nicht Reinhard Junker
zwingend (niemand hat das „Auseinander“ gesehen); diese
Deutung ist auch nicht die einzig mögliche. Im Rahmen der Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden bei:
Schöpfungslehre versuchen wir, ökologische Gründe und die SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiersbronn, Tel.
0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-Medienstelle, Heimgarten
Sintflut und Folgeereignisse (Wiederbesiedlung, Megasukzes-
2163, CH-8180 Bülach.
sionen) als Erklärung für das gestaffelte Auftreten vieler Fos- Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
silformen heranzuziehen.8 Viele Fragen bleiben offen. Der Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance CH-
Fossilbericht spricht keine eindeutige Sprache in Sachen 4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
Schöpfung oder Evolution. Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN 1997 – kopieren erlaubt!
4
D. A. Snelling & D. E. Rush: Moon Dust and the Age of the Solar
System. Creation ex nihilo Technical Journal 7 (1993), 2 - 42.
5
N. Pailer: Neues aus der Planetenforschung, Neuhausen3 1996
6 9
Beispielhaft: H. Ullrich: Embryologie und Homologie. Die Reichert- Junker/Scherer (Anm. 2), S. 211 – 230; S, Hartwig-Scherer: Palä-
Gauppsche Theorie. Stud. lnt. Journal 1 (1994), 15-24; Junker/ Sche- anthropologie und Archäologie des Paläolithikums. In: S. Scherer
rer (Anm. 2), S. 128 - 140. (Hg.) Die Suche nach Eden. Neuhausen, 1991, S. 55 - 110; M. Brandt:
7
vgl. dazu die „Diskussionsbeiträge“ 1/93 der SG Wort und Wissen Gehirn und Sprache. Studium Integrale. Berlin, 1992; M. Brandt: Der
(„Fehler in Evolutions-Schulbüchern?“) Ursprung des aufrechten Ganges, Neuhausen 1995; R. Junker: Stammt
8
Junker/Scherer (Anm. 2), S. 153 – 156. der Mensch von Adam ab? Neuhausen4 1996.

STUDIENGEMEINSCHAFT WORT UND WISSEN