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W+W-Disk.-Beitr.

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Evolution: Grundlage für Rassismus?


von Peter Klöckner (unter Mitarbeit von Reinhard Junker)

Zusammenfassung: Vorwürfe, manche Befürworter der Schöpfungslehre verträten eine


gefährliche, unwissenschaftliche Ideologie, mögen teilweise gerechtfertigt sein. Anderer-
seits zeigt die Geschichte, daß auch Evolutionstheorien Gefahren beinhalten und z.B. für
die Rechtfertigung des Rassismus herangezogen wurden.

Seit Jahrzehnten schwelt, besonders in den USA, die Evolutionstheorie mißbraucht oder falsch ver-
ein Konflikt darüber, was im Biologieunterricht zu standen; dennoch, ihre Begründer und die Theorie
lehren sei, die Theorie der Evolution oder die Ent- selbst werden in hohen Ehren gehalten.
stehung des Lebens und der Arten durch Gott oder
beide Sichtweisen nebeneinander. Befürworter der Ein Evolutionist beschreibt den Mißbrauch
Evolutionstheorie betrachten diese als die einzige der Evolutionstheorie
zu lehrende vernünftige Erklärung für die Entste- Stephen J. GOULD, überzeugter Evolutionist und
hung des Lebens, dagegen bestehen Kreationisten erfolgreicher Forscher an der Smithsonian Institu-
darauf, daß auch die auf die Bibel sich gründende tion in den USA, macht in seinen Büchern immer
Schöpfungslehre vertretbar sei und gelehrt werden wieder auf einige menschliche Probleme aufmerk-
sollte. sam: auf den Umgang mit wissenschaftlichen
Seit rund zwei Jahrzehnten ist dieser Konflikt Theorien und Forschungsergebnissen, insbesonde-
besonders durch das Erstarken der bekennenden re wenn ihre Interpretationen auf den Menschen
christlichen Bewegung und die Gründungen angewendet werden.
christlicher Schulen auch in Deutschland aktuell. In Kürze: Prominente Wissenschaftler gingen
Abgesehen von den wissenschaftlichen und den allgemeinen Ansichten der letzten zwei Jahr-
theologischen Argumenten für die verschiedenen hunderte entsprechend davon aus, daß die ver-
Ansichten zeigen sich auch unterschiedliche ideo- schiedenen Menschenrassen verschiedene Stufen
logische Tendenzen bei beiden Parteien. Diese äu- der Perfektion einnehmen. Schöpfungslehre und
ßern sich z. B. darin, daß gelegentlich der Gegen- Evolutionstheorie wurden jeweils in unterschiedli-
seite deren Irrungen und Verwirrungen angelastet cher Weise dieser „allgemein bekannten Tatsache“
werden, die eigene Geschichte aber völlig unkri- angepaßt.
tisch betrachtet bzw. unterschlagen wird. Ein Bei- GOULD stellt eine Reihe von bedeutenden Wis-
spiel soll dies verdeutlichen. senschaftlern der Vergangenheit und ihre Ansich-
ten zu diesem Punkt vor. So Louis AGASSIZ, der in
Schöpfung, Evolution, traditionell verhär- der Mitte des 19. Jhd. die Afrikaner als den Wei-
tete Fronten ßen unterlegen ansah, und davon ausging, daß Gott
In einer Fachzeitschrift für den naturkundlichen die Weißen und Schwarzen als zwei unterschiedli-
Schulunterricht werden grobe Fehler und Engstir- che Spezies erschaffen habe. Zur widernatürlichen
nigkeit einiger Vertreter des Kreationismus zur Vermischung der Gruppen kam es nach seiner
Bewertung der Schöpfungslehre im Schul- Meinung dadurch, daß sich die jungen weißen
unterricht herangezogen, und die Schöpfungslehre Männer durch Mischlingsmädchen, die als Haus-
damit als unwissenschaftliche und gefährliche personal arbeiteten, an den Verkehr mit der dunk-
Ideologie, die oft mit politischen Einstellungen ge- len Gruppe gewöhnten.3
koppelt sei, gekennzeichnet.1 Im Gefolge der Auffassung, die dunkelhäutigen
Betrachtet man die Geschichte des Kreationis- Rassen seien den Europäern unterlegen, kam dann
mus und die damit verbundenen Gerichtsverfahren aber auch der Darwinismus den Europäern und
in den USA, so ist eine derartige Einstellung viel- Weißen Amerikas, die den Europäer als die über-
leicht verständlich.2 Andererseits wurde aber auch legene Rasse schlechthin ansahen, nur gelegen.
Man ging davon aus, daß eine Entwicklung zum
1
WUKETITS, Franz M. (1989) Evolutionslehre und Krea- DUNNE, Philip (1990) Dissident Dogma and Darwin’s
tionismus: Wissenschaft kontra Ideologie. In: Praxis der Dog. In: Time, Jan. 15, 1990, S. 84.
3
Naturwissenschaften 8/38, S. 28-33. GOULD, Stephen Jay (1981) The mismeasure of Man.
2
DESMOND, Adrian & MOORE, James (1991) Darwin. London, New York. Kapitel „American Polygeny and
München. craniology“, S. 30-72.

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
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„Höheren“, also eine Evolution, alles beherrscht, sen sei, und dumme Menschen nicht die richtige
wodurch Rassenunterschiede und unterschiedliche Regierung wählen könnten. Dies klang einsichtig,
Wertungen der Rassen verständlich seien. denn der Darwinismus lehrt, daß nur die Weiter-
gabe der hochwertigsten Erbmerkmale (heute auch
Die Schritte der Evolution sind überall er- als angepaßte Gene bezeichnet) zur Weiterent-
kennbar und lebendig erhalten wicklung führt. Unabsichtlich mißverständlich an-
GOULD zeigt weiter: Die Embryonalentwicklung gelegte Intelligenztests schienen auch zu zeigen,
sollte nach HAECKEL die Schritte der Evolution als daß Einwanderer aus Ost- und Südeuropa sowie
eine Rekapitulation wiederholen: vom Zellklum- Juden überwiegend von minderer Intelligenz wa-
pen zum Urfisch, zum Amphib, Reptil, Ursäuger, ren. Für diese Charakterisierung wurde der Begriff
Affen und schließlich zum Menschen. Das Kind „moron“ verwendet, ein Wort, das eigens dafür aus
wieder zeige in seiner geistigen Entwicklung die dem Griechischen neu aufgenommen wurde und
Phasen der menschlichen Evolution: affenartige sich seitdem in der englischen Sprache eingebür-
Uneinsichtigkeit, primitive Sprache und primitiver gert hat; so stark war der Einfluß dieser Theorien
Werkzeuggebrauch, einfache intellektuelle und und ihrer Politik. Die Konsequenz waren Einwan-
handwerkliche Fähigkeiten und endlich perfekte derungsbestimmungen, die die Einwanderungs-
Reife. Auch die Gesellschaft zeige Evolution, von quote aus Ländern mit „minderwertigen“ Rassen
der primitiven Horde zur hochdifferenzierten begrenzten, und Gesetze, die verhindern sollten,
Ständegesellschaft. daß geistig zurückgebliebene Menschen Nach-
Die Menschenrassen entsprachen folglich nun kommen in die Welt setzten.5 Es muß wie Hohn
verschiedenen Stufen der Evolution, auf der die klingen, daß ein weltbekannter Wissenschaftler
eine oder andere Rasse stehen geblieben sei, was wie Stephen J. GOULD selbst Nachfahre einer die-
an ihrem Körperbau wie auch an ihrem Verhalten ser „moronen“ Rassen ist.
und ihren geistigen Fähigkeiten ablesbar sei: Af- 1884 kam ein italienischer Arzt zu dem Schluß,
fen, Hottentotten, Neger, Asiaten und Europäer, Kriminalität sei das Resultat eines Artrückschla-
unter diesen wiederum die Germanen, Angelsach- ges: Der Mensch habe in seiner Evolution die tie-
sen und eventuell Franzosen als Spitze der Evolu- rischen Verhaltensformen des Egoismus, der Ge-
tion. HAECKEL selbst und viele seiner Zeitgenos- walttätigkeit etc. überwunden, aber primitive Ge-
sen vertraten die Ansicht, daß Frauen und Neger sellschaften der Wilden sollen diese noch besitzen.
auf der geistigen Stufe der Kinder stehen geblie- Kriminell gewordenen Europäer seien Opfer eines
ben seien.4 Artrückschlages (Atavismus), der diese sonst ver-
lorenen Merkmale wieder hervorbrachte. Cesare
Politik, Populationsgenetik und Evoluti- LOMBROSO fand prompt eine Reihe von körperli-
onsgedanke verbinden sich in der Praxis chen Merkmalen, die die vermeintliche Primitivität
Alfred BINET (1857-1911) entwickelte den Vorläu- der Kriminellen zeigten. Es sollten aufgrund dieser
fer des Intelligenztests, um zu zeigen, daß ein di- „wissenschaftlichen Erkenntnisse“ Möglichkeiten
rekter Zusammenhang zwischen Schädelform, gefunden werden, Kriminelle zu erkennen, um sie
Schädelvolumen und Intelligenz bestünde. Er ging vorbeugend an ihren Untaten zu hindern, bevor sie
auch von einer Vererbung dieser Merkmale aus. ein Verbrechen begehen könnten.6
GODDARD brachte Theorie und Testpraxis In den USA wurden einige Menschen ohne ihr
BINETs zur Zeit des Ersten Weltkrieges nach Ame- Wissen sterilisiert, um die Vererbung der minder-
rika, verband sie mit den Mendelschen Gesetzen wertigen Gene zu verhindern. Auch in Schweden
der Vererbung und entwickelte den Intelligenztest, wurde dies praktiziert; laut aktuellen Pressebe-
um damit zu verhindern, daß zu viele Minderintel- richten findet zur Zeit in Schweden eine Aufar-
ligente in die USA einwanderten, und um die beitung dieser Praxis statt, die bis 1950 betrieben
Vermehrung der Minderintelligenz in der Nation worden sein soll.
dadurch zu bremsen, daß Minderintelligenten und Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in
Schwachsinnigen die Fortpflanzung unmöglich Deutschland wurde daraus die Politik der Rassen-
gemacht würde. Er sah dies als eine zwingende
5
Notwendigkeit an, da eine Demokratie ja auf GOULD, Stephen Jay (1981) The mismeasure of Man.
Denkvermögen und Klarsicht des Volkes angewie- Kapitel „The Hereditarian Theory of IQ“, S. 146-231.
6
DESMOND, Adrian & MOORE, James (1991) Darwin.
München.
4
Gould, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. London, GOULD, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. Ka-
New York. Kapitel „Racism and Recapitulation“, S. pitel „Criminal as Nature's Mistake or the ape in some of
214-221. us“, S. 222-228.

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vernichtung und -hygiene, „wissenschaftlich“ be- le, die vorher das Gegenteil bewiesen hatten, wa-
gründet mit dem Kampf ums Überleben und der ren uninteressant geworden, man machte sich die
Selektion der überlegenen Erbmerkmale (survival neuen Erkenntnisse zunutze8 und zog dieselben
of the fittest), wie DARWIN es für die Evolution der Schlußfolgerungen wie früher aufgrund anderer
Lebewesen postuliert hatte. Merkmale.
Bei der Unterscheidung der Menschen in „pri- Da in der postulierten Evolutionsreihe der Wir-
mitiv“ und „hochentwickelt“ war es nicht leicht, beltiere von den Fischen zu den Säugern das Ge-
sich auf klare Merkmale und einsichtige Theorien hirn an Größe zunimmt, ging man davon aus, daß
zu stützen, es fehlten klare Kriterien. GOULD stellt ein großes Gehirn auch beim Menschen hohe In-
einige Ansätze dar, die heute verkrampft und lä- telligenz und hohen Entwicklungsstand anzeigen
cherlich wirken: so war BRINTON 1890 z.B. der müßte. Bald fand sich die angebliche Bestätigung:
Ansicht, daß die Rasse, die die meisten Merkmale Afrikaner haben das kleinste Gehirn, Europäer das
des Embryonen oder des Kindes hat, am wenigsten größte. Frauenhirne sind kleiner als die der Män-
weit entwickelt sei. Prompt wurden solche Merk- ner etc.
male auch bei Afrikanern gefunden, die generell Heute sind die Methoden, mit denen diese Er-
schon für „primitiv“ gehalten wurden, z.B. die Di- gebnisse gefunden wurden, sehr fragwürdig, noch
stanz zwischen Penis und Nabel. Diese Distanz ist fragwürdiger aber ihre Interpretation. Menschliche
bei Kindern relativ klein, aber bei Erwachsenen Intelligenz, soweit überhaupt zu erfassen, ist näm-
größer. Auch bei Afrikanern sollte sie nach Unter- lich in weiten Grenzen unabhängig von der Ge-
suchungen dieser Zeit dann angeblich kleiner sein hirnmasse. Innerhalb einer Art läßt die Gehirngrö-
als bei Europäern. Man stützte sich besonders auf ße keine Rückschlüsse auf Intelligenz zu.9
die weniger exakt erfaßbare Kultur der Völker,
wobei die europäische natürlich als die höchste Auch heute beeinflußt der Evolutionsge-
galt. danke Menschenbild und Ethik
Bald kehrten sich die Kriterien um, nicht aber Wie sieht es nach dem Zweiten Weltkrieg aus? Ein
die Schlußfolgerungen. So stellte BOLK 1926 fest, bedeutendes französisches Werk der Zoologie10
daß der Weiße am höchsten entwickelt sei, weil er zeigt die Formen des Unterkiefers der Primaten im
körperlich auf der Stufe eines Kindes stehenge- Vergleich: unten der Schimpansenkiefer mit flie-
blieben sei (genau umgekehrt wie oben). Andere hendem Kinn und mächtigen Schneidezähnen,
Rassen reifen nach BOLK weiter und werden, wie darüber folgen Kiefer mit zunehmender Kinnaus-
die Menschenaffen, je nach Entwicklungsstufe prägung und kleiner werdenden Schneidezähnen:
weniger lernfähig und mehr „affen-ähnlich“.7 Die Kiefer eines Tasmaniers, eines Negers und
verschiedenen Menschenrassen bleiben dabei nach schließlich, ganz oben, mit enorm vorragendem
dieser Vorstellung jeweils auf Stufen der Al- Kinn, der Unterkiefer eines Franzosen, der sich in
tersentwicklung der Menschenaffen stehen. (Daß Kinn und Schneidezähnen am stärksten von dem
manche Merkmale des erwachsenen Menschen eines Schimpansen unterscheidet. Es fällt schwer,
vergleichbar sind mit den „unreifen“ Merkmalen hier nicht das Gefühl zu bekommen, daß es sich
von Menschenaffen, ist heute allgemein anerkannt, um eine aufsteigende evolutionäre Reihe handelt –
jedoch unterschiedlich deutbar.) dabei hätte schon eine andere Reihenfolge oder die
Tatsächlich fand man, daß erwachsene Weiße Auswahl von weniger extremen Beispielen dies
schwarzen Kindern ähneln in bezug auf Gebiß, verhindert.
Hautfarbe, Größe des Gesichtsschädels im Ver- 1962 stellte Carleton COON die Theorie auf,
hältnis zu der des Hirnschädels, etc. Die Merkma- daß sich fünf menschliche Rassen unabhängig
voneinander aus Homo erectus entwickelt hätten,
7
GOULD, Stephen Jay (1981) The mismeasure of Man. mit den jeweiligen Charakteristika der Verhal-
Kapitel „Measuring Bodies“, S. 122-135. tenstypen, die er in den Rassen zu erkennen
BOLK vertrat die Auffassung, daß der Mensch da-
durch vom Affen zum Menschen geworden sei, daß er in
glaubte.11
seiner individuellen Entwicklung (Ontogenese) auf ei-
8
nem jugendlichen oder kindlichen Stadium stehenblieb GOULD, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. Kapitel
und verfrüht geschlechtsreif und erwachsen wurde „Racism and Recapitulation“, S. 214-221.
9
(Neotenie). Das Nicht-Stehenbleiben auf dem jugendli- GOULD, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. Kapitel
chen Stadium führe dann zu affenähnlicheren Formen. „History of the vertebrate brain“, S. 186-191.
10
Von daher erklärt sich sein Kriterium zur Unterschei- GRASSÉ, Paul-Pièrre & BENOIT (1955) Traité de la
dung von „primitiv“ und „fortschrittlich“. Zoologie. Anatomie – systematique Biologie. Paris.
11
BOLKs Konzept von der Neotenie des Menschen gilt GOULD, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. Kapitel
heute evolutionstheoretisch nach wie vor als diskutabel. „Nonscience of human Nature“, S. 237-242.

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ARDREY (1961, 1976) sieht den Menschen als Ausblick: Mißbrauchte Theorie oder wis-
Nachkommen eines fleischfressenden, aggressiven senschaftlich verpackte Ideologie?
Primaten, dessen Linie sich von den friedlicheren, Es zeigt sich, daß für jede Ideologie wissenschaft-
sich vegetarisch ernährenden Vormenschen ab- liche Kriterien gesucht werden – eine Vorgehens-
trennte und somit die „Raubtier“-Gene für Mord weise, die einem in vielen Bereichen begegnet. Es
und Totschlag in unsere Zeit hineinträgt.11 scheint, daß beim Menschen bevorzugt immer
Auch Forscher, die dem Darwinismus kritisch wieder solche Merkmale und Eigenschaften aus
gegenüberstanden, aber an eine Evolution durch der vorausgesetzten Evolution abgeleitet werden,
andere Faktoren als Mutation und Selektion die in der jeweiligen vorherrschenden Denkrich-
glaubten, sahen in den dunkelhäutigen Rassen tung der Zeit interessant sind (also gern aufge-
Menschen, die sich nicht so weit entwickelt hätten nommen werden). Es wird also eine Theorie miß-
wie die weiße Rasse, und den Affen näher standen. braucht, wie man alles mißbrauchen kann, auch ei-
Ein deutscher Kolonial-Offizier ging davon aus, ne Schöpfungslehre. Dabei werden aus dem Zeit-
daß durch die Gewohnheit des Stehlens über viele geist heraus Theorien entwickelt, die gesellschaft-
Generationen hinweg, diese Praxis bei Afrikanern liche Grundmuster oder Vorurteile stützen. Aus
erblich bedingt sei.12 solchen Vorgehensweisen dürfen jedoch keine
Die heutige Soziobiologie (seit ca. 1975) meint vorschnellen Schlußfolgerungen über die zugrun-
im Menschen die Erbanlagen, die auch Verhal- deliegenden Theorien gezogen werden; eine diffe-
tensweisen der Tiere diktieren, erkennen zu kön- renzierte Betrachtungsweise ist notwendig.
nen: Überlebens- und Vermehrungsstrategien, die Andererseits darf auch nicht übersehen werden,
es den Genen eines Einzelnen oder einer Ver- daß die Evolutionslehre nicht nur nachträglich als
wandtschaftsgruppe ermöglichen, sich in größt- Rechtfertigung für bestimmte rassistische Vor-
möglicher Zahl fortzupflanzen.13 stellungen verwendet wurde, sondern daß sie
In einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift selbst auch in einem Klima bestimmter rassisti-
warnt der Primatologe SOMMER vor „Moralapo- scher Vorstellungen entstand bzw. begünstigt wur-
steln“, die auf die Widernatürlichkeit der Homose- de. Dies haben DESMOND & MOORE15 in ihrer vo-
xualität hinweisen, indem er zeigt, daß „alle homo- luminösen Darwin-Biographie anhand umfangrei-
sexuellen Praktiken, die es bei Menschen gibt, chem, größtenteils erst vor kurzem veröffentlich-
auch im Tierreich [vorkommen]“.14 Er führt als tem Quellenmaterial eindrucksvoll herausgearbei-
Beispiele aber nur Strategien der Tiere an, die ei- tet.
nigen wenigen Tieren einen Fortpflanzungsvorteil Inwieweit die Evolutionslehre als „seriöse
verschaffen. Sie kommen gewissermaßen mit ei- Theorie“ rassistisches Denken fördert oder ob sie
nem „Trick“ zur Fortpflanzung. Sie tarnen sich dafür nur mißbraucht wurde, ist nicht leicht zu be-
durch ihr Verhalten als Weibchen und werden so antworten.
von einem starken Männchen als solche behandelt
und in der Nähe von seinen Weibchen geduldet.
Dies nutzen sie, um sich mit den Weibchen zu paa- Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
ren. Das hat wohl kaum mit der sexuellen Orientie- bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiers-
bronn, Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-
rung des Menschen zu tun. Es scheint eher eine Medienstelle, Heimgarten 2163, CH-8180 Bülach.
gesuchte Rechtfertigung für das erwachende Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
Selbstbewußtsein und das Ringen um Anerken- Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance
CH-4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
nung der Homosexuellenbewegung zu sein. Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1997 – kopieren erlaubt!

12
VON PACZENSKY, Gert (1979) Weiße Herrschaft. Mün-
chen, S. 135. Dies erinnert übrigens stark an den La-
marckismus, wonach im Laufe des Lebens erworbene
Merkmale auf die Nachkommen vererbt werden.
13
GOULD, Stephen Jay (1977) Ever since Darwin. Kapitel
„Biological Potentiality versus Biological Determinis-
mus“, S. 251-260.
14 15
SOMMER, Volker (1990) Das Tabu. In: Natur 10/1990, DESMOND, Adrian & MOORE, James (1991) Darwin.
S. 55-58. München.

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