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W+W-Disk.-Beitr.

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Zur Diskussion um
Evolution und Schöpfung in „Idea Spektrum“
von Siegfried Scherer

In der Zeitschrift „Idea Spektrum“ wurden im Spät- nativen Deutungen der Erdgeschichte wird im Rahmen der
sommer dieses Jahres verschiedene Aufsätze und Le- wissenschaftlich orientierten Schöpfungslehre weltweit ge-
serbriefe zum Thema „Schöpfung / Evolution“ veröf- arbeitet. Dabei sind allerdings noch viele Fragen offen.
fentlicht. Dabei wurden sowohl von Befürwortern als Von einigen Anhängern der Schöpfungslehre werden
auch Gegnern der Evolutionslehre eine Reihe von Be- immer wieder Datierungen genannt, die evolutionär „un-
hauptungen aufgestellt, die fragwürdig oder eindeutig passende“ Alter ergeben. Solche Datierungen treten auf,
falsch sind. Da es sich erfahrungsgemäß dabei nicht um allerdings muß man wissen, daß eine ganze Reihe dieser
Einzelstimmen handelt, veröffentlichen wir nachfol- „Fehldatierungen“ schlüssig erklärt werden kann. Außer-
gend eine Stellungnahme von Siegfried Scherer. Damit dem muß der gesamte Datensatz der Geochronologie zur
soll eine Hilfestellung gegeben werden, richtige Sach- Kenntnis genommen und erklärt werden. Dann zeigt sich,
verhalte auch mit zutreffenden Argumenten zu belegen, daß ein Großteil der verfügbaren Daten sich durchaus im
um sich nicht unnötig angreifbar zu machen. Sinne hoher Alter interpretieren läßt (damit sind alternative
Deutungen im Sinne einer jungen Schöpfung jedoch kei-
Beweise sind nicht möglich neswegs ausgeschlossen). Dies muß gesagt werden, auch
wenn man diese Altersangaben aus theologischen Gründen
Sowohl Anhänger der Evolutionslehre als auch der Schöp-
bezweifelt (was zu den Grundpositionen der Studienge-
fungslehre geben häufig vor, ihre Position sei wissen-
meinschaft Wort und Wissen gehört).
schaftlich „bewiesen“. Das ist nicht richtig. Theorien, die
wie die Evolutionslehre oder Schöpfungslehre in den Be-
reich der Geschichts- und Ursprungswissenschaften gehö- Fossilien – versteinerte Lebewesen
ren, sind grundsätzlich nicht beweisbar. Diese Tatsache ge- Generell kann man schwerlich bezweifeln, daß ausgestor-
hört zum Grundwissen der Erkenntnistheorie. Es ist besten- bene Lebewesen in einer klaren Ordnung in den Erd-
falls der Schluß möglich, daß eine bestimmte Theorie (zur schichten vorkommen. Dies läßt sich durchaus im Rahmen
Zeit?) besser begründet ist als die konkurrierenden Theori- einer Evolutionslehre deuten. Funde von Dinosaurierspuren
en. Die Komplexität der Fragestellungen, der Mangel an zusammen mit Fußabdrücken von Menschen oder gar von
wissenschaftlichen Daten sowie die begrenzte Reichweite Werkzeugen in Millionen Jahre alt datierten Schichten als
des menschlichen Verstandes sollten alle Diskussionspart- Gegenargument sind in populären christlichen Schriften
ner zur Bescheidenheit bei wissenschaftlich begründeten immer wieder veröffentlicht worden. Es gibt jedoch
Aussagen ermutigen. schwerwiegende Einwände gegen die Authentizität solcher
Funde. Generell gilt, daß man immer den gesamten Daten-
Das Alter der Erde satz im Auge haben muß und sich nicht vorschnell auf Ein-
zelbefunde stützen darf. Doch selbst wenn man solche Ein-
Mitunter wird die Frage nach Schöpfung und Evolution auf zelfunde gut begründen könnte, würde dadurch die Evolu-
Datierungsfragen reduziert. Ein Blick in das Kapitel tionslehre keineswegs schon widerlegt, sondern nur ent-
„Evolution“ eines beliebigen Biologielehrbuches für Gym- sprechend modifiziert werden, wie die bisherige Erfahrung
nasien zeigt, daß ein Großteil der dort im Sinne von Evo- deutlich zeigt. Die Evolutionslehre erweist sich aufgrund
lution diskutierten Fakten mit dem Alter der Erde nichts zu ihrer starken weltanschaulichen Komponenten als sehr wi-
tun hat. Das Argument: „Die Erdschichten haben sich lang- derstandsfähig gegenüber Widerlegungsversuchen – das
sam, über viele Jahrmilliarden hinweg gebildet deshalb ist gilt im übrigen auch für Schöpfungslehren.
Evolution unbestreitbar“, ist nicht schlüssig. Erstens gibt es Immer wieder wird in christlichen Schriften behauptet,
seit einiger Zeit Trends in den Geowissenschaften, die ka- daß Mischformen (z.B. wie der „Urvogel“ Archaeopteryx)
tastrophische Ereignisse von teilweise weltumspannendem außerordentlich selten seien, und wenn sie gefunden wür-
Maßstab in der Erdgeschichte annehmen. Das könnte Kon- den, dann handelte es sich um Fehlentwicklungen. Das ist
sequenzen auf die Bildungsgeschwindigkeit von Erd- nicht richtig. Mischformen sind weder selten (Hunderte da-
schichten haben. Doch selbst wenn die hohen Alter der von sind bekannt!), noch handelt es sich dabei um Fehl-
Erdschichten gut begründet (aber nicht bewiesen, s.o.) sind, entwicklungen. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob es
wäre dies lediglich eine notwendige Voraussetzung für solche Formen gibt sondern, ob sie als evolutionäre Über-
Evolution. Große Zeiträume würden weder eine evolutio- gangsformen widerspruchslos in Stammbäume eingeordnet
näre Entstehung der Lebewesen, noch einen Abstam- werden können. Letzteres ist in der Regel gerade nicht der
mungszusammenhang der verschiedenen Lebensformen Fall, sondern die gefundenen Mischformen erschweren
begründen. Grundsätzlich muß, wie auch bei jeder anderen meist eine evolutionstheoretische Deutung der Fossilien –
wissenschaftlichen Erklärung, bedacht werden, daß eine darin liegt ein starkes Argument gegen Evolution.
überzeugende Theorie alternative, möglicherweise eben-
falls stimmige Theorien keineswegs ausschließt. An alter-

DISKUSSIONSBEITRÄGE, BERICHTE,
INFORMATIONEN 3/99
Mutation und Artbildung Einfache Lösungen – Eine Sache des Glau-
Nicht selten wird behauptet, daß es keine positiven Muta- bens?
tionen gäbe. Diese sind aber in größerer Zahl bekannt und Hypothesen über die Ursprünge der Welt berühren Grund-
werden genauso vererbt wie die zahlenmäßig allerdings fragen unseres Menschseins. Unsicherheit in diesem Be-
weit überwiegenden negativen oder neutralen Mutationen. reich ist nur schwer zu ertragen. Der starke Wunsch nach
Viele biologische Beobachtungen zeigen, daß sich positive einfachen und schnellen Lösungen, um sich mit einem „Be-
Mutationen durch Selektion und andere Faktoren auch tat- freiungsschlag“ ein für alle mal der Problematik zu entledi-
sächlich durchsetzen können. Die entscheidende Frage ist gen, ist nachvollziehbar. So kann man nicht selten lesen,
auch hier nicht die nach der Existenz, sondern vielmehr, ob daß die Evolutionslehre den Ursprung des Lebens einfach
durch positive Mutationen neue Konstruktionen entstehen und elegant erklärt hätte. Andererseits finden sich immer
können (wie z.B. das menschliche Auge oder eine Pfauen- wieder Aussagen von Christen, daß die Bibel alle Ur-
feder). Die biologischen Realitäten sprechen deutlich da- sprungsprobleme mühelos lösen würde. Beide Positionen
gegen. Es sieht sogar so aus, als ob mit fortschreitender sind falsch. Sowohl Evolutionslehren als auch Schöp-
Kenntnis genetischer Vorgänge immer unklarer wird, wie fungslehren stehen vor gewaltigen, ungelösten wissen-
man sich eine evolutionäre Höherentwicklung überhaupt schaftlichen Problemen. Beide Weltanschauungen lassen
vorstellen könnte. sich durch einen wissenschaftlichen Ansatz nicht beweisen.
Sowohl von Anhängern der Schöpfungslehre als auch In beiden Lagern gibt es trotzdem immer wieder Vertreter,
der Evolutionslehre wird die Bildung von Arten oft gene- die fälschlicherweise einen wissenschaftlichen Abso-
rell mit Evolution gleichgesetzt. Daher wird Artbildung lutheitsanspruch erheben und manchmal im gleichen Atem-
von manchen Christen heftig bestritten, von manchen zug den Gegner lächerlich machen. Als Christen steht uns
Evolutionsanhängern dagegen mit dem Evolutionsbeweis ein solches Verhalten schlecht an, ob wir nun eine junge
schlechthin gleichgesetzt. Beide Standpunkte sind eindeu- Schöpfung vertreten oder eine „Schöpfung durch Evoluti-
tig falsch. Die evolutionsbiologische Forschung hat einer- on“ zu begründen versuchen. Dagegen stünde es uns als
seits klar gezeigt, daß Artbildung durch evolutionäre Pro- Biologen und als Christen gut an, zu gegebener Zeit ein
zesse möglich ist. Sie kommt auch heute noch in der Natur einfaches Bekenntnis zu formulieren: „Für dieses oder je-
vor und kann beobachtet werden. Allerdings ist mit Artbil- nes Problem kennen wir (derzeit?) keine Antwort.“
dung der Verlust genetischer Information und keine Höher-
entwicklung verbunden – und gerade Höherentwicklung Idea-Spektrum“ hat auf dem Titel der Ausgabe 35/ 99 die
müßte durch eine Evolutionstheorie erklärt werden. Es ist Sachlage treffend erfaßt: „Schöpfung oder Evolution – eine
deshalb notwendig, zwischen Mikroevolution und Makroe- Sache des Glaubens“, eine Fragestellung, bei welcher viele
volution zu unterschieden. Mikroevolution unter Einschluß Entscheidungen letztendlich theologisch oder philoso-
der Bildung neuer Arten innerhalb von (geschaffenen?) phisch motiviert sind.
Grundtypen wie etwa den Hundeartigen oder den Pferdear-
tigen ist möglich. Für Höherentwicklung („von der Amöbe Siegfried Scherer
zu Goethe“) gibt es dagegen bisher keine wissenschaftli-
chen Indizien aus der experimentellen Biologie – entgegen
den einstimmigen Aussagen von Schulbüchern.
Detaillierte Begründungen für die in der Stellungnahme
Menschliches Fehlverhalten von Prof. Scherer aufgestellten Behauptungen finden sich
Die persönlichen Erfahrungen mit unwissenschaftlich und in: Junker, R. & Scherer, S. (1998): Evolution ein kriti-
dogmatisch argumentierenden „Kreationisten“, wie sie vom sches Lehrbuch. Weyel-Verlag, Gießen. 328 Seiten, 425
Evolutionsbefürworter Dr. Bretemitz in Idea-Spektrum Abb., ausführliches Glossar, Stichwort- und Literaturver-
35/99 beschrieben wurden, machen mich traurig. Leider zeichnis, Großformat 19,5x26, Festeinband. DM/sfr 39,80;
dürfte es sich dabei nicht um einen Einzelfall handeln. Es ÖS 295,-.
gehört zu den großen Herausforderungen der Schöpfungs-
lehre, sich von unwissenschaftlichen oder gar fanatischen
Ansätzen zu distanzieren und eine möglichst objektive
Analyse der Daten anzustreben. Das wäre auch für so man-
chen prominenten Vertreter der Evolutionslehre zu wün-
schen. Kürzlich hat S. J. Gould, ein gefeierter Evolutions-
biologe aus den USA, in der Fachzeitschrift Science ge-
schrieben: „Evolution ist die Wahrheit – und die Wahrheit
kann uns nur freimachen“. Trotzdem sollte man die „Ver- Weitere Exemplare dieses Blatts können kostenlos angefordert werden
schwörungstheorie“, wonach Atheisten mit böser Absicht bei: SG WORT UND WISSEN, Rosenbergweg 29, D-72270 Baiersbronn,
die Evolutionstheorie verbreiten, mangels stichhaltiger Tel. 0 74 42 / 8 10 06 (Fax 8 10 08), oder bei W+W-Medienstelle, Heim-
Beweise schleunigst vergessen. Als Christen wissen wir garten 2163, CH-8180 Bülach.
Für Kosten bei Abnahme größerer Mengen wird eine Spende erbeten:
aber, daß der „natürliche Mensch“ (1 Kor. 2,14) nichts Sparkasse Hagen BLZ 450 500 01, Kto. 128 041 660; Postfinance CH-
vom Geist Gottes versteht und in seinem Denken die Mög- 4040 Basel, Kto. 80-76159-5.
lichkeit von Gottes Handeln ausklammert (vgl. Röm. Internetadresse: http://www.wort-und-wissen.de
1,19ff.). Studiengemeinschaft WORT UND WISSEN, 1999 – kopieren erlaubt!

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