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4 2007

H 11661
Meinerzhagen
Nummer 120
Jahrgang 2007

Zeitschrift für
aktive Christen

Mit Ausharren laufen


Mit Ausharren laufen
den vor uns liegenden Wettlauf
den vor uns liegenden Wettlauf
Hebräer 12.1
Hebräer 12.1
Wolfgang Bühne

Leben mit »leichtem Gepäck«


Impressum
Heft Nr. 120 »Und ihr, seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten ...«
4. Quartal 07
»Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr zögert sein
Kommen hinaus, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen
Herausgeber und zu essen und zu trinken und sich zu berauschen ...« Lukas 12,36.45
CLV
Christliche Literatur-
Verbreitung e.V.
Die freudige Erwartung der Wiederkunft des Herrn sollte die Sehnsucht und Le­­
Postfach 110 135 benshaltung eines jeden Jüngers Jesu sein – zu jeder Zeit und in jeder Situation. Das
33661 Bielefeld macht der Herr in Lukas 12 und auch an anderen Stellen un­­miss­verständlich deutlich.
Bankkonto So lebten die ersten Christen. So grüßte Paulus die Korinther: „Maranatha“ („der Herr
Postbank Hannover kommt“, oder „der Herr komme“, 1Kor 15,22). Und mit den Worten „Ja, ich komme
Kt.-Nr.: 25 24 309 bald. – Amen; komm, Herr Jesus!“ endet das Neue Testament.
BLZ: 250 100 30
Diese lebendige Nah-Erwartung hatte und hat sehr praktische Konsequenzen für
Sonderkonto für die Christen in allen Jahrhunderten. Der Lebensstil der Gläubigen macht deutlich,
Außenmission
dass sich diese Erwartung nicht in erster Linie in gefühlvollen Liedern und mehr
Für Lateinamerika,
Russ­land, usw.: oder weniger dicken frommen Büchern im Bücherschrank ausdrückt. Nein, der
CLV-Auslandshilfe Blick auf den wiederkommenden Herrn relativiert den Wert aller vergänglichen,
Volksbank irdischen Besitztümer. Man lebt mit „leichtem Gepäck“ und man verzichtet wie ein
Meinerzhagen
Kt.-Nr.: 101 210 3300 Wettkämpfer auf jeden unnötigen Ballast, um das Ziel unbeschadet und so schnell
BLZ: 45 86 16 17 wie möglich zu erreichen.
Bitte immer den
Ver­­­wendungszweck
gesucht!
Hauswirtschafterin
angeben und bei
der
it einer Emp­fehlung
Spendenbescheini-
Bewerbung m
gungs-Wunsch auf
eine vollständige
Absender-Anschrift
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aus Schoppen (50
r ab Frühjahr 2008
Heimatgemeinde (b
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irtschafterin, die Besetzun g be ten.
achten. Danke sehr! eine Köchin/Hausw , kinderfreundliche
und teamfähig ist
Gott hingegeben Gabi und Andreas
Fett
ndig arbeiten kann
aber auch selbststä
Erscheinungsweise au s Sc ho pp en
Freizeith
satz zeigt. er zh ag en
er­scheint und freudigen Ein 58 54 0 M ein
ist vorhanden.
vierteljähr- Eine Dienstwohnung
lich und kann
ko­sten­los bezogen
werden.

Schriftleiter und
Versandstelle
Wolfgang Bühne
Inhalt dieser Ausgabe:
Postfach 1126
58527 Meinerzhagen Wolfgang Bühne Leben mit „leichtem Gepäck“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Andreas Fett Kennst du die Krippe deines Herrn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Bestellungen,
Benedikt Peters Das Gebet eines Gerechten (1. Folge) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Abbestell­­ungen sowie
Adressänderungen bitte Gerrit Alberts Die Emerging Church – Abschied von der Biblischen Lehre? . . . . . . . . . . . . . . . 9
umgehend an folgende Anonymus „Jeder dritte ist ein Spion ...“ – Hilfe für Nordkorea . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
Adresse senden: A.W. Tozer Befreiung aus der Babylonischen Gefangenschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
A. Fett, Schoppen 1
58540 Meinerzhagen; Termine 2008 im Freizeithaus Schoppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
e-Mail: AF@clv.de Daniel Bühne Fehlende Disziplin beim „Disciple-Camp“? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Für die Schweiz: Buchbesprechungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
fut@schottikon.ch

fest+treu | 04/2007
Wenn aber die Christen in ihren Herzen und irgendwann auch
in ihrem Leben und in der Literatur diese Nah-Erwartung aufgeben,
ändert sich meist auch ihre Lebenshaltung: Materialismus, Herrschsucht,
Machtmissbrauch ge­­­winnen mehr und mehr Raum. Oder, mit den Worten
unseres Herrn: man fängt an, seine „Mitknechte“ zu schlagen, zu essen, zu
trinken und sich zu berauschen.
Auch das kann man bei sich selbst und in der Kirchgeschichte beobachten. Man
denke an die Konstantinische Wende, an das finstere
Mittelalter, an die tote protestantische Orthodoxie nach der Reformation und an
den gegen­wärtigen Zustand von uns Evangelikalen – zumindest in der westlichen
Welt.
In den 50er und 60er Jahren der Nachkriegszeit, als halb Europa noch in Trümmern Der Blick auf
lag, da schrieb und sang man neue Lieder von der baldigen Wieder­kunft Jesu. Die den wieder-
Janz-Brüder, Anton Schulte, Werner Heukelbach, Wim Malgo und zeitweise Billy kommenden
Graham predigten über dieses Thema. Solisten und Chöre besangen die Wiederkunft Herrn relativiert
Jesu und die Zuhörer waren zu Tränen gerührt. Bestseller wie z.B. „Alter Planet Erde den Wert aller
– wo­­hin?“, „Die Wiederkunft Christi“ und ähnliche machten die Runde. Heute, nach vergänglichen,
Jahren wachsenden Wohlstandes, kann man sie schon antiquarisch für ein paar Cent irdischen
erwerben. Besitztümer
Damals garantierten Vortagsreihen über die Wiederkunft Jesu volle Säle. Ein
neuer Evangelisations-Eifer flammte auf, um „Seelen vom Grabesrand“ zu retten.

»Ja, damals ...«


Unter diesem Titel oder mit „Die schönsten Lieder von damals“ werden mit neuen
CDs nostalgische Gefühle bei der älteren Generation geweckt, was von den meisten
Jugendlichen nur mit Unverständnis wahrgenommen wird. Denn der Lebensalltag vie­
ler Gemeinden ist nicht von der freudigen Erwartung der Wiederkunft Jesu geprägt,
sondern von Machtkämpfen, verletzten Eitelkeiten, Streit um Nebensächlich-
keiten und leider allzu oft auch wegen nur materieller Dinge.
Fast scheint es eine Faustregel zu werden, dass nach der Einweihung eines
neuen, prächtigen Gemeindehauses oder Gemeindezentrums geistliche
Kraft­­losigkeit, Streit und oft die anschließende Trennung vorprogram-
miert sind.
Ab und zu dringt durch, dass sich Brüder in „Brüderrats-Sitzungen“
buchstäblich an die Kehle gehen, woraufhin aufgebrachte ungläubi-
ge Nach­­barn bitten, man möge doch bitte bei diesen Streitigkeiten
die Fenster der Gemeinderäume schließen, damit die unbeteiligten
Nachbarn ihren Feier­abend ungestört verbringen können.
Aber auch das Gegenteil kann man beobachten: Man lebt „fried-
lich“ in der Gemeinde nebeneinander, man isst und trinkt, man feiert
und lässt es sich gut gehen anstatt für Wahrheiten zu streiten, weil man
keine biblischen Überzeugungen mehr hat, die es zu verteidigen gilt.
Gott schenke uns allen im neuen Jahr eine neue Justierung auf das Wieder­
kommen Jesu, damit wir „Menschen gleichen, die auf ihren Herrn warten“
und die auch im Alltagsleben an dieser Herzenshaltung zu erkennen sind. ■

fest+treu | 04/2007 
Andreas Fett

Kennst du
die Krippe deines Herrn?
Ein Ochse kennt seinen Besitzer, Aber wer richtet in diesen Tagen den Sucher auf
und ein Esel die Krippe seines Herrn; die Hinter­gründe? Wer beachtet die wahre Her­
Israel hat keine Erkenntnis, kunft und die himmelweite Herab­lassung des
mein Volk hat kein Verständnis. Jes 1,3 Sohnes Gottes? Wie oft wird aus dem unglaub­
lichsten Rol­len­­tausch der Geschichte ein senti­
Viele Menschen machen in diesen Weih­nachts­ mentales Rühr­stück gemacht. Was damals wirk­
tagen den gleichen Fehler, der einem un­­­geübten lich geschah, ist mit Krippen­figuren nicht nach­
Foto­grafen unterlief: zustellen!
Im Vorbeifahren sah er ein prächtiges Schloss Maria war wahrscheinlich die Einzige, die einen
und wollte rasch ein Foto schießen. Mit seiner ge­­wis­sen Einblick – den Durchblick mit etwas Tie­­­
vollautomatischen Kamera war das ja kein Pro­ fen­schärfe – gewann. Alles, was sich im Umfeld
blem. Das schmiedeeiserne Tor im Vor­der­grund der Geburt zu­trug, versuchte sie in ihrem Herzen
Bethlehem ist sollte das hübsche Motiv angemessen umrah­ über­ein­an­derzubrin­gen. Sie „be­wahrte alle diese
doch nur der men. So knipste er begeistert durch das offen­ Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ (Lk 2,19)
Türspalt, durch stehende Schlosstor.
Wie groß war die Enttäuschung, als er sich Bethlehem war unbequem
den sich unser später die Bilder ansah. Bei den Aufnahmen war Was muss in Maria vorgegangen sein? Hier
Herr in diese jeweils nur das Gitter scharf zu erkennen! Das sollte sie ihr Kind gebären? In dieser unwürdigen
Welt zwängte. Schloss im Hinter­grund blieb ein diffuses Etwas. Umgebung? War ihr nicht angekündigt worden,
Ein ähnlich aussageloses Bild haben viele von dass sie den Retter, den ersehnten Messias, zur
der Geburt Jesu. Sie feiern „Weihnachten“, stel­ Welt bringen werde?
len die Krip­pen­szene mit ro­mantischen Figuren
Du wirst ... einen Sohn gebären ...
um ein behaglich hergerichtetes Kripplein nach.
Dieser wird groß sein und Sohn des
In der weich gepolsterten Wiege liegt ein selig
Höchsten genannt werden; und der Herr,
lächelndes Christkind – in „himmlischer Ruh“.
Gott, wird ihm den Thron seines Vaters
Aber ist das nicht ein sehr vordergründiges
David geben; und er wird ewig über das
Bild von dem, was wirklich geschah? Bleibt da­­
Haus Jakobs herrschen ... (Lk 1,31-33).
bei nicht das Wesentliche unerkannt?
Ja, der Szene fehlt leider die „Tiefen­schärfe“! Und dann? Es kam alles so anders. Ganz an­
Die Krippe von Bethlehem ist doch nur die ders, als sie es erwartet hatte. Nun lag sie in hef­
Rahmen­hand­lung – sozusagen der Türspalt, tigen Wehen – die Geburt ihres ersten Kindes
Bedauerlicher durch den sich unser Herr in stand bevor – in fremder, abstoßender
diese Welt zwängte. Umgebung, ohne Hilfe.
Weise verstärkt
unser modernes
Wort „Kinder-
krippe“ die Vor­
stellung von
einem Ort der
Geborgenheit für
Kleinkinder.

 fest+treu | 04/2007
04/2006
Der Herr kam nachts. Den Hirten bei der
Ein Stall als Kreissaal? Nachtschicht wurde mitgeteilt: Euch ist HEUTE
Von wegen prächtiger Thron­saal – ein Tier­­ ein Retter geboren! (Lk 2,11) Der jüdische Tag
stall! Und statt Engelsgesang – Eselsgestank! begann mit dem Sonnenuntergang. Folglich
Haben wir überhaupt noch eine Vorstellung wurde Jesus in den Nachtstunden geboren.
von der Erniedrigung des Herrn aller Herren? Nacht! Das war ihm bis dahin unbekannt – im
Ma­­­ria musste ihn aus Mangel an anderen Mög­­ Himmel gibt es keine Nacht (1Joh 1,5).

lichkeiten in einen Futter­trog legen. Diesen
Das Volk, das im Finstern wandelt, hat Heutzutage
„Krippen­platz“ mach­te ihm kei­ner streitig. Be­­
ein großes Licht gesehen; die da wohnen
dauerlicher Weise verstärkt unser mo­­dernes Wort
im Land des Todesschattens, Licht hat entspräche sein
„Kinderkrippe“ die Vor­stellung von einem Ort der Geburtsort
über sie geleuchtet. (Jes 9,2)
Geborgenheit für Kleinkinder. Doch diese Krippe
vielleicht einer
war alles andere als behaglich. Heutzutage ent­ Er tauchte ein in unsere Finsternis. Unser deut­
spräche sein Geburtsort vielleicht einer Alt­pa­ sches Wort „Gnade“ ist wahrscheinlich abgelei­ Altpapiertonne
piertonne auf irgend­einer Auto­bahn­-Raststätte. tet von einer Redewendung. Wenn unsere Ah­ auf irgend­einer
Man hatte keinen Raum für ihn. Seine Wiege nen der Sonne zusahen, wie sie niedersank und Autobahn­-
war unsauber, ungeschützt, ungeheizt – unge­ am Horizont die Erde zu berühren schien sagte Raststätte.
heuerlich! man: „Sie genaht" – sie nähert sich. Die Sonne
Der Herr Jesus Christus wurde ohne jeden kommt herab: Das ist Weihnachten! Gott
Kom­­fort und ohne jegliche kompetente Hilfe kommt nicht nur nah, sondern er
ge­­boren. Was für ein Start! Dieser neugeborene nimmt teil an unserem Jammer.
Säugling im Steintrog war arm, ausgestoßen. Paul Gerhardt drückt es so aus:
Das Kind in der Krippe hatte keine sani­tären
Ich lag in tiefer Todesnacht.
An­lagen, keinen Sonderstatus, keine Starthilfe.
Du wurdest meine Sonne,
Er kam mit leeren Händen zur Welt. Wie du und
die Sonne die mir zugebracht
ich – ganz Mensch!
Licht, Leben, Freud und Wonne.
Wahrscheinlich war die Krippe, in die man
den Neugeborenen legte, aus Stein. In Israel be­­
nutzte man Futtertröge aus Sandstein. Der Gebundene kommt frei
Demnach glich seine Wiege einem Sarkrophag. In Lukas 13,15 finden wir die Krippe
Wir werden geboren, um zu leben – er wurde noch einmal. Dort heißt es, dass Ochse und
geboren um zu sterben – für uns! Esel am Futtertrog fest angebunden waren –
vermutlich an einem eingelassenen Eisenring.
Krippe ohne Kreuz ist Kitsch Vielleicht war auch Jesu Krippe ein Anbindetrog.
Ein Steinsarg (Ossuar) –
Inkarnation und Passion gehören unzertrenn­ Lesen wir mit dieser Vorkenntnis Lukas 19, davor ein Futtertrog mit Kette
bar zusammen. Brot und Wein sind zwei Seiten dann stoßen wir erneut auf eine Krippe, an der wie sie zur Zeit um Jesu
der einen Medaille: Er ist das „Brot“, das vom ein Eselsfohlen angebunden war. Aber Jesus sagte: Geburt in Gebrauch waren.
Himmel kam. Bethlehem bedeutet Brothausen. „Bindet es los, macht es frei, bringt es zu mir!“
Er kam auf diese Erde, um sein Leben hinzuge­ Und dann ritt er mit diesem „Losgebundenen“
ben – sein Blut zu vergießen. als König nach Jerusalem – und damit in seinen
Der Neuankömmling trat aus einer ganz an­­ sicheren Tod. Ja, unser Erlöser verfolgte ei­­ne kla­
deren Wirklichkeit in unsere Welt. Bisher be­­ re Spur von der Krippe bis zum Kreuz. Bethlehem
wohnte er ein unzugängliches Licht. Seine Hei­ und Golgatha liegen auf einer Linie. Jesus nahm
mat war die Herrlichkeit des Vaters. Und jetzt? Fleisch und Blut an (Bethlehem), damit er durch
Von Jesu Ge­burt kann man nicht sagen, dass seinen Tod (Golgatha) alle, die an ihn glauben,
er das Licht der Welt erblickte. Ganz im Gegenteil: vom ewigen Tod befreien konnte (Hebr 2,14). ■
Das Licht scheint in der Finsternis und die Eine steinerne Krippe
Finsternis hat's nicht erfasst, nicht begriffen, Tief neigt der Himmel sich zu Armen. aus dem heutigen Israel
nicht gemerkt (Joh 1,5). Immanuel wollt' sich uns nahn.
Ein Bekannter berichtete mir, wie er auf Gott wurde Mensch, o welch Erbarmen.
einer Freizeit abends zwei Blinde auf ihr Zim­- Du, sein Volk, bete staunend an.
mer begleitete. Nachdem er die beiden in ihrem Wer kann dies Lieben voll erfassen?
Schlafraum abgeliefert hatte, verabschiedete er Hier unter Sündern ziehet ein,
sich und wollte die Tür hinter sich zu ziehen. Da Er, den das Weltall nicht kann fassen,
rief einer der beiden Blinden: „Hast du verges- will vollkommener Diener sein.
sen das Licht auszumachen? Wir brauchen das Tiefer noch muss die Liebe gehen:
nicht!“ Und so blieben die beiden im Dunkeln. Hat sich an unsern Platz gestellt.
Das entspricht der geistlichen Wirk­lichkeit in der Er hing am Kreuz in Schmach und Wehen,
wir leben. Anscheinend braucht man Jesus nicht. starb für eine verlor‘ne Welt.

fest+treu | 04/2007 
Benedikt Peters

»Das Gebet des Gerechten


vermag viel,
wenn es ernstlich ist.« (Teil 1)

Drei wichtige Wahrheiten sind in diesem Text Wenn wir beten bekennen wir, dass wir voll­
aus Jakobus 5,16 enthalten: ständig von Gott abhängig sind. Das Gebet ist
1. Das Gebet: Beweis und Bekenntnis, dass Gott Gott und wir
Es ist das Gebet, das viel vermag. bloße Geschöpfe sind, dass alles in Seiner Hand
2. ... des Gerechten: und gar nichts in unserer Hand ist. Das gilt für
Es muss das Gebet eines Gerechten sein. alles, was wir im irdischen Leben benötigen und
3. ... wenn es ernstlich ist: noch mehr für alles, was wir für das ewige Leben
Das Gebet muss ernstlich, d. h. mit Glauben sein. brauchen. Wir sind aber in Sünde gefallen und
Wir wollen in der angegebenen Reihenfolge haben damit alles verloren und können nichts
diese drei Wahrheiten untersuchen. tun, um das Verlorene wiederzugewinnen.

»Das Gebet ...« Die Errettung ist göttlich und himmlisch. Al­
les, was mit ihr zusammenhängt, muss uns von
Gebet vermag viel. Es ist keine schmückende oben gegeben werden:
Beigabe des Glaubenslebens, sondern der Dreh- »Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei
und Angelpunkt des geistlichen Lebens. Beden­ ihm denn aus dem Himmel gegeben« (Joh 3,27).
ken wir: Der Herr lehrte die Jünger nie, wie sie In uns ist nichts Gutes:
predigen müssten, aber er lehrte sie wiederholt, »Ich weiß, dass in mir nichts Gutes wohnt«
wie sie beten sollten. (Röm 7,18). Und darum kann aus uns auch nichts
Ein Diener des Herrn sagte einmal: Gutes kommen; vielmehr kommt uns alles Gute
Wir haben „Bei keinem Christen ist das geistliche Leben von Gott zu:
nichts und tiefer als sein Gebetsleben!“ »Jede gute Gabe und jedes vollkommene
wir vermögen Stimmt dieser Satz? Er stimmt, weil wir im Geschenk kommt von oben herab, von dem
nichts – da- Gebet die einzig richtige Haltung vor Gott ein­ Vater der Lichter« (Jak 1,17).
nehmen: Darum lautet die eröffnende Seligpreisung –
rum müssen Es ist recht, dass wir beten, weil wir Geschöpfe sind. jene Seligpreisung, welche die Tür aufstößt zu
wir alles von Es ist recht, dass wir beten, weil wir Sünder sind. allen weiteren Seligkeiten des Reiches Gottes:
Gott erbeten. Es ist recht, dass wir beten, weil wir Erlöste sind. »Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer
ist das Reich der Himmel« (Mt 5,3).
Selig sind die Bettler im Geist, wie es im Grie­
chischen wörtlich heißt. Ein Bettler hat nichts
und vermag nichts; darum bettelt er. Selig ist,
wer erkannt hat, dass er vor Gott bettelarm ist.
Wir haben nichts und wir vermögen nichts; dar­
um müssen wir von Gott alles erbeten.
Und schließlich: Es ist recht, dass wir beten,
weil wir Erlöste sind. Wir gehören als solche
nicht nur zum Reich Gottes, sondern wir sind
auch dazu berufen, an der Ausbreitung dieses
Reiches mitzuwirken. Das geschieht vor allem
durch Gebet. Das Reich, vom dem unser Herr in
der Bergpredigt spricht, kommt durch die Ge­
bete seiner Erwählten:
»Dein Reich komme« (Mt 6,10).
Das Reich kommt nicht durch Heer und
Macht, also nicht durch die Mittel, die wir in
Händen haben, sondern durch seinen Geist (Sach
4,6); den Geist und sein Wirken aber müssen wir
erbeten (Mt 7,7–11; Lk 11,13; Apg 1,14; 2,1; 4,31;
Eph 1,17).

 fest+treu | 04/2007
»Lasst uns unser Herz samt den Händen
Gebet hat Vorrang
erheben zu Gott im Himmel!« (Klg 3,41).
„Beten lehrt uns unsere Gebet stand am Anfang der Errettung Israels
ganze Unwürdigkeit, und das aus Ägypten (2Mo 2,23.24; 5Mo 26,7). Gebet
ist eine heilsame Lektion für findet sich am Anfang des neuen Lebens einer
so stolze Wesen wie wir es jeden geretteten Seele (Ps 107,6.13.19.28; Röm
sind. Gäbe uns Gott seine gu- 10,12.13). Gebet war am Anfang einer jeden
ten Gaben ohne dass wir da- geistlichen Bewegung im Volk Gottes.
rum hätten beten müssen, D. L. Moody sagte zu Recht:
wüssten wir nie, wie arm wir „Jede große Bewegung, die Gott schenkte,
sind. Wah­res Gebet ist aber lässt sich auf einen Beter auf den Knien zurück-
ein Inventar unserer Mängel, ein Katalog un- verfolgen“ (zitiert bei E. F. Harvey: Sieghaftes Beten, S. 9).
serer Nöte, eine Enthüllung unserer verborgenen
Armut. Während das Gebet sich an Gottes Die Richterzeit wird meist als eine Zeit des Gebet gürtet
Reichtümer wendet, bekennt es gleichzeitig die Niedergangs bezeichnet, und das war sie wohl. menschliche
menschliche Nichtigkeit. Das ist der einzige Sie war aber auch eine Zeit der Erweckungen,
wirklich gesunde Zustand des Christen, dass er die Gott immer wieder schenkte und durch die
Schwäche
in sich selbst immer leer und beständig auf den der Niedergang oft über Jahrzehnte aufgehalten mit göttlicher
Herrn angewiesen ist, dass der ihm gebe, was er wurde. Das Buch Richter lehrt uns besonders Stärke, macht
selbst nicht hat, dass er in sich selbst arm und deutlich, dass jede Erweckung damit begann, zu menschliche
allein in Jesus reich ist ... Gott im Himmel um sein Eingreifen für sein Volk Torheit zu gött-
Darum ist Gebet so heilsam: Indem es Gott zu schreien (Ri 3,9.15; 4,3; 6,7; 10,10). Das hat
bewundert, erniedrigt es das Geschöpf dahin, sich in der Geschichte des neutestamentlichen
licher Weisheit
wohin es gehört: in den Staub. So ist das Gebet Gottesvolkes seit Pfingsten unzählige Male wie­ und gibt beküm-
schon ganz abgesehen von der Erhörung ein derholt. merten Sterb­-
großer Segen für den Christen. Wie der Läufer Hier ein Beispiel: lichen den
durch sein tägliches Üben für den Wettlauf im- Frieden Gottes.
„Bitte, betet um Erweckung in Hingwah!“ Das
mer tüchtiger wird, so gewinnen wir für unseren
hatte eine Missionarin aus dem südchinesischen
großen Lebenslauf täglich Kraft in der heiligen
Hingwah an Freunde in Amerika geschrieben.
Arbeit des Gebets.
Zwei ältere Schwestern in ihrer Heimatgemein­-
Gebet lässt den Jungadlern Gottes die Flügel
de nahmen den Aufruf ernst und begannen um
wachsen, so dass sie lernen aufzufahren über
diese Erweckung zu beten. Nach einer längeren
die Wolken. Gebet gürtet den Streitern Christi
Zeit der innigen täglichen Fürbitte gab Gott ih­
die Lenden und sendet sie in den Kampf mit ge-
nen die Gewissheit, dass Er am kommenden Kar­
stählter Brust. Der Gebetskämpfer erscheint aus
freitag (es war im Jahre 1911) die Gemeinde
dem Kämmerlein wie die Sonne im Osten auf-
heimsuchen werde. Die beiden Beterinnen schrie­
geht und freut sich wie ein Held zu durchlaufen
ben der Missionarin in Hingwah, sie solle sich
die Bahn. Gebet, das sind jene erhobenen Hände
bereithalten, am Karfreitag werde in ihrer Ge­
Moses, welche die Amalekiter wirksamer zurück­
meinde eine Erweckung ausbrechen. Der Brief
drängen als das Schwert Josuas. Es ist der Pfeil,
kam zu spät an, aber die Erweckung kam am
der aus der Kammer des Propheten entsandt
Karfreitag, wie Gott den beiden Beterinnen ver­
wird und den Syrern Niederlage ankündigt.
heißen hatte:
Gebet gürtet menschliche Schwäche mit
göttlicher Stärke, macht menschliche Torheit zu „Der Prediger jenes Karfreitags hatte nicht
göttlicher Weisheit und gibt bekümmerten Sterb­ den Ruf, ein Evangelist zu sein noch besondere
lichen den Frieden Gottes. Wir wissen nicht zu Gaben zu besitzen. Aber er war ein hingege-
sagen, was Gebet nicht vermöchte! Wir danken bener Mann, den Gott gebrauchen konnte, ohne
Dir, großer Gott, für den Gnadenthron, diesen dass es ihm in den Kopf stieg. Während er die
erlesenen Beweis deiner Liebe und Güte!“ Leiden des Herrn schilderte, brach er zusammen
(C.H. Spurgeon, Morning and Evening, 11. Oktober, Morgen). und begann zu weinen, weil er seine Sündhaf-
tigkeit in einem grelleren Licht sah als je zuvor.
Ein unbekannter Christ, der Das Überführtsein griff auf die ganze Ver-
etwas von der Bedeutung des sammlung über und bald lag jedermann auf
Gebets verstanden haben muss, dem Gesicht und bekannte Gott seine Sünden.
schrieb einmal: Es folgten Aussöhnungen und Wiedergutma-
„Die verborgene Ursache für chungen. Gemeindeglieder, die jahrelang Feinde
unser Versagen ist unser Ver- gewesen waren, wurden Freunde. Eine gerei-
sagen im verborgenen Umgang nigte Gemeinde wurde zu einer missionarischen
mit Gott!“ (The Kneeling Christian) Gemeinde, und innerhalb von wenigen Monaten

fest+treu | 04/2007 
kam es zu 3000 Bekehrungen. Viele Gemeinde- seither in uns wohnt (2Tim 1,14). Aber dann und
häuser wurden im ganzen Distrikt gebaut und in dem Maß, wie wir uns im Gebet vor Gott nie­
die Gemeinden von Hingwah wurden aus einem derwerfen und uns unter seine Hand demütigen
Leben der Lauheit und der eingespielten Formen und uns seinem Willen ergeben, gehen dem
auf eine Ebene neuer christlicher Realität ge­ Heiligen Geist alle Türen auf, uns zu erfüllen,
hoben. Zum ersten Mal war es zur Erweckung in wie das auch bei den Aposteln der Fall war:
Wer nicht dieser Gemeinde gekommen.“ »Als sie beteten, bewegte sich die Stätte, wo
betet, scheint (Leslie T. Lyall: John Sung – A Flame for God in the Far East, S. 8). sie versammelt waren, und sie wurden alle
zu glauben, mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten
er habe sich, Wir können noch folgende zwei Gründe nen­ das Wort Gottes mit Freimütigkeit« (Apg 4,31).
die Umstände, nen, warum Gebet im Leben des einzelnen Gläu­ Gebet muss Priorität haben, denn:
bigen und im Gemeindeleben Vorrang haben »Ohne mich könnt ihr nichts tun« (Joh 15,5).
die Menschen muss: Wenn das stimmt, dann müssen wir mehr als
und die Zukunft - Gebet öffnet den Himmel über uns (Lk 3,21) alles andere nach Gottes Beistand, Gottes Ge­
in seiner Hand. - Gebet öffnet dem Heiligen Geist alle Türen, genwart, Gottes Hilfe, Gottes Geben trachten.
Welcher Wahn! in und durch uns zu wirken (Lk 3,22) Was heißt das anderes, als zuerst beten, dann
arbeiten; und nach dem Arbeiten wieder beten
Selbstverständlich ist die Taufe unseres Herrn (wie es unser Herr tat; siehe Joh 11,41.42; Lk
und das damit verbundene Geschehen einmalig. 5,15.16).
Wir können aus ihm aber Prinzipien ablesen, die Wir haben erkannt (Ps 118,8.9) und wir haben
wir auf alle anwenden können, die dem Herrn erfahren (Ps 60,13), dass Menschen weder helfen
gehören. Gebet öffnete einem jeden von uns noch trösten, weder stärken noch retten können
den Himmel, als wir zum ersten Mal in unserer (Ps 69,18–21). Im Lauf der Jahre wächst das
Sündennot zum Herrn riefen und er uns erhörte Be­­­wusstsein unserer vollständigen Ohnmacht,
(vgl. Ps 107,6.13.19.28). Seitdem ist uns der Him­ wenn es darum geht, Problemgeschwister zu­
mel rechtlich aufgeschlossen. Aber faktisch öff­ rechtzubringen und Sünder zur Buße zu bewe­
net sich uns der Himmel jedesmal dann, wenn gen. Wir erkennen immer klarer, dass wir nichts
wir im Gebet das Angesicht dessen suchen, der in der Hand haben; dass wir alles von Gott er­
im Himmel thront (siehe Ps 123,1; Heb 4,16). beten müssen.
Und als wir wiedergeboren wurden und Gott Wer nicht betet, scheint zu glauben, er habe
uns als seine Kinder annahm, sandte er den Geist sich, die Umstände, die Menschen und die Zu­
der Sohnschaft in unsere Herzen (Gal 4,7), der kunft in seiner Hand. Welcher Wahn! Welcher
Hochmut! Welche Sünde! Wundern wir uns
noch, dass der Herr dann nicht mit uns ist?

(wird fortgesetzt)

»Gebet
öffnet den
Himmel über
uns – und dem
Heiligen Geist alle
Türen, in und durch
uns zu wirken!«

 fest+treu | 04/2007
Gerrit Alberts

Emerging Church
Abschied von der
Biblischen Lehre?
Buchbesprechung des gleichnamigen Titels
von D. A. Carson (CLV, Frühjahr 2008)

Zunehmender Einfluss

Die E m e r g i n g C h u r c h -Bewegung
bekommt zunehmend Einfluss im
deutschsprachigen Bereich. Bücher ein­-
flussreicher Autoren aus dem anglo- weiten
amerikanischen Raum wie Brian Mc­ Netzwerkes.
Laren, E. R. MacManus, Dan Kimball, Auch im deutsch-
Kester Brewin1 erscheinen in deutschen sprachigen Bereich gibt es in-
Verlagen. Auch deutschsprachige Au­ zwischen eine ganze Reihe solcher
toren wie T. Faix, Th. Weißenborn2, Internetforen.6 Das englische Partizip emer­ging
Christina Brudereck3, F. Vogt4 nehmen heißt so viel wie „im Entstehen be­
sich des Themas an und verstehen sich Widersprüchliche Beurteilungen griffen sein“ und wird im Englischen
mehr oder weniger als Teil der Bewe­ in verschiedenen Bedeutungsvarianten
gung. Die Beurteilungen der Emerging verwendet. Es soll andeuten, dass die
Auch auf überregionalen Tagungen Church-Bewegung reichen von begeis­ Bewegung im Fluss ist, sich ständig
rückt die Strömung in den Fokus: So terter Zustimmung zu besorgter Ab­ entwickelt und sich selbst als unfertig
war im November 2006 Erwin McMa­ lehnung. F. Vogt erwartet ein geradezu an­sieht. Durch die vielfältigen Erschei­
nus Hauptreferent auf der Schweizer goldenes Zeitalter für die Gemeinden: nungsformen sind die Grenzen sehr
Jugendleiter-Konferenz „Newleaders“ „In der E merging C hurch werden wir unscharf. Deswegen ist es auch nicht
(Neue Leiter) in St. Chrischona. Der auf Gott und unseren Glauben wieder leicht, die E merging Church fair zu por­
jährlich stattfindende Kongress, der stolz sein ... Wir werden uns nicht traitieren. Um den Eindruck einer ho­
von großen Freikirchen-Verbänden mehr für die kirchlichen Fehleinschät- mogenen Bewegung oder eines ein­
(FEG, CHG, ETG und VFMG) getragen zungen der Vergangenheit schämen, heitlichen Gemeindetypus zu vermei­
wird, dient als Motivations- und Schu­ sondern leidenschaftlichen Gottes- den, bevorzugen viele den Ausdruck
lungsveranstaltung für die Schweizer dienst feiern, im Hier und Jetzt christ- emerging conversation . Trotz dieser Viel­
kirchliche Jugend. Ende November/ liche Gemeinschaft erleben und uns falt lassen sich nach mehr als einem
Anfang Dezember 2007 kommt einer mit ganzem Herzen, ganzer Seele und Jahrzehnt der Entwicklung Grundli­
der einflussreichsten Autoren und Mit­ all unserer Kraft mit der Liebe Gottes nien und gemeinsame Ansatzpunkte
begründer der E merging C hurch -Be­ identifizieren.“ 7 aufzeigen.
wegung, Brian McLaren, zusammen John MacArthur hingegen sieht in D. A. Carson, Professor für das Neue
mit Jason Clark nach Marburg, Erlan­ dieser Bewegung die allergrößte Ge­ Testament an der T rinity Evangelical
gen und Hamburg. In Marburg sind sie fahr für die Christen: „... der Sturman- Divinity S chool in Chicago, veröffent­
die Hauptredner der Studientage des griff der „Emerging Church“ gegen die lichte 2005 eine umfangreiche Analyse
Theologischen Seminars Tabor und des un­­missverständliche Klarheit der Schrift und vorläufige Bewertung der Bewe­
Mar­burger Bibelseminars. Einer der ist der gefährlichste Angriff, den ich je gung.9 Das Buch wird unter dem Titel
Veranstalter der Tagung ist die Koali- gesehen habe. Wenn die Bibel nicht »Emerging C hurch - Abschied von der
tion für Evangelisation, die mit der mehr als klar und unmissverständlich biblischen Lehre?« voraussichtlich Ende
Lausanner Bewegung Deutschland und anerkannt wird und ihre Bedeutung März 2008 im CLV erscheinen. Da mir
der Deutschen Ev. Allianz (DEA) eng entsprechend nicht verstanden wer- keine deutsche Übersetzung im Druck
verzahnt ist.5 den kann, was haben dann die Chris- vorliegt, zitiere ich aus der amerika­
Die Entwicklung und Verbreitung ten überhaupt noch zu sagen?“ 8 nischen Ausgabe.
des Gedankenguts der E merging C hurch Das Buch beginnt mit einer Darstel­
findet zu einem großen Teil im Internet Profil der Bewegung lung des Profils der Bewegung und ei­
statt. Auf sogenannten Blogs, Inter­ ner Würdigung ihrer Stärken. In den
netforen, werden Fragen der Theologie Die Emerging Church-Bewegung nahm folgenden drei Kapiteln beschäftigt
und Praxis diskutiert. Dadurch hat die ihren Anfang Mitte der 90-er Jahre des sich Carson ausführlich mit dem Ver­
Bewegung den Charakter eines welt- vorigen Jahrhunderts in Amerika. hältnis der E merging Church zur Post­

fest+treu | 04/2007 
moderne. Anhand von zwei bedeut­ chen. Das Christentum müsse darum
◆ Protest gegen die Moderne:
samen Büchern (Brian MacLaren: A neue We­ge entwickeln, um das Evan­
Generous Orthodoxy (deutsch etwa: Die Moderne als Epoche, welche auf gelium zu beschreiben und zu verteidi­
Eine großzügige Rechtgläubigkeit) und die Aufklärung zurückgeht, ist geprägt gen, die weniger im Bereich der Lehre
Steve Chalke, Alan Mann: T he Lost von dem Optimismus, die Natur ein­ und Verkündigung, als im Erleben und
Message of J esus (Die verlorene Bot­ schließlich der Natur des Menschen subjektiven Bezeugen lägen. Der An­
schaft von Jesus), beide erschienen bei durch Vernunft erklären und beherr­ spruch, im Besitz der Wahrheit zu sein,
Zondervan, 2004 und 2003) illustriert schen zu können. Der Mensch schien wird grundsätzlich bezweifelt. McLaren
er im 6. Kapitel die Schwächen der Be­ einer endlichen Menge von möglichen geht davon aus, dass der Postmoder­
wegung. In den abschließenden zwei Erkenntnissen gegenüber zu stehen, nismus solche gigantischen und unwi­
Kapiteln analysiert er biblische Texte, die er durch Wissenschaft mehr und derruflichen Wechsel im Denken des
die zeigen, dass wir in Gottes Wort mehr erschließen könnte. Inzwischen Menschen hervorbringt, dass die Kir­
durchaus zuverlässig biblische Wahr­ ist dieser Optimismus einer Ernüchte­ che entweder auf die Postmoderne
heiten erkennen und durch Erfahrung rung gewichen. Mit zunehmendem antworten müsse oder in Irrelevanz
bestätigen können. Die Frage, ob Men­ Wissen wächst auch die Verunsiche­ versinke.12
schen überhaupt universell gültige, zu­ rung. Mit dem wissenschaftlichen Fort­
◆ Protest gegen die Sucher-orien-
verlässige, absolute Wahrheit erken­ schritt scheint es sich so zu verhalten
tierten Megakirchen:
nen können, ist eine zentrale Frage der wie mit einem Luftballon: Je mehr die
Postmoderne und der E merging C hurch. Hülle des Wissens wächst, um so um­ Dieser letz­te Aspekt ist sicher am
Carson zeigt, dass viele Autoren der fangreicher wird auch das Volumen wenigsten allgemein ausgeprägt bei
Bewegung einen dreifachen Protest der unbeantworteten Fragen. Die Post­ den E merging C hurch -Autoren. Kritik­
zum Ausdruck bringen: moderne als philosophische Richtung punkte an den Megakirchen sind, dass
verkündet das Ende der „Meta-Narra­ sie sich aus den Innenstädten heraus­
◆ Protest gegen den traditionellen tive“, der Übergeschichten, d. h. der halten und in die Isolation der Vor­
Evangelikalismus: übergeordneten, universell gültigen Er­ städte ziehen, wo sie mittelschichts­
Viele Ideengeber kommen aus theo­ klärungsmodelle. Erkenntnis ist immer orientierte Kirchen bilden und mit dem
logisch konservativen Gemeinden, ei­ eine subjektive, durch die jeweilige gesellschaftlichen Elend nicht kon­
nige wie Brian McLaren und Dave Tom­ Kultur bedingte Einsicht und kann des­ frontiert sind. Die Me­gakirchen wür­
linson10 aus der Brüderbewegung. Am wegen keinen Anspruch auf Allge­ den sich als Servicebetrieb verstehen,
Beispiel von Spencer Burke macht er meingültigkeit erheben. Die Mehrheit E merging -Kirchen hingegen Wert auf
das Unbehagen und die Absetzbewe­ der E merging C hurch -Autoren denkt, die aktive Teilnahme aller Anwesenden
gung mancher Autoren vom konserva­ „dass das grundlegende Thema der legen usw.

+
tiven Evangelikalismus deutlich. Burke Ent­wicklung von der Moderne zur
Postmoderne die Erkenntnistheorie ist
war Pastor in einer großen kalifor­
nischen Gemeinde und legte sein Amt - d. h., wie können wir etwas wissen
Die Stärken
nieder. Er fasst seine Unzufriedenheit oder warum denken wir, etwas zu wis-
u. a. unter dem Begriff „geistlicher sen? Die Moderne wird oft dargestellt Unbestritten hat die E merging C hurch -
McCarthianismus“ zusammen. (Sena­ als Streben nach Wahrheit, Absolut- Bewegung eine Reihe von Stär­ken, die
tor McCarthy war ein führender Ver­ heit, linearem Denken, Rationalismus, D. A. Carson im 2. Kapitel beschreibt:
treter des intensiven Antikommunis­ Gewissheit, Denken im Gegensatz zu
◆ Den Menschen in seiner Kul­tur
mus in der amerikanischen Nachkriegs­ Gefühlen. Zuweilen führt dies zu Arro-
verstehen:
geschichte. Sein Name wird häufig ganz, Unbeweglichkeit, Rechthaberei
ver­bunden mit Gesinnungsschnüffelei und Kontrollsucht. Im Gegensatz dazu Die Werte und das Lebensgefühl
und Bevormundung). betont der Postmodernismus, wie sehr unserer Zeit sind einem ständigen und
Burke argumentiert, dass sich durch unser Wissen durch die Kultur geprägt schnellen Wandel unterworfen. Auch
die Geschichte hindurch herausstellt, und durch die Gefühle, Vorlieben und haben sich innerhalb der Gesellschaft
dass Christen in vielen Angelegen­ Vorerfahrungen beeinflusst wird. Des- zahlreiche Milieus und Subkulturen
heiten Fehler gemacht haben: Sklave­ wegen sollte es sinnigerweise nur für gebildet, die nur begrenzt miteinander
rei, Wahlrecht für Frauen u.v.m.: ein Produkt der gesellschaftlichen Tra- kommunizieren können. Diejenigen,
„Hier stellt sich die Frage: Ist es dition gehalten werden, ohne den an- die sich auf die Bewegung der E merging
wirklich so ketzerisch, sich vorzustel- maßenden Anspruch, wahr oder rich- C hurch einlassen, versuchen, unsere
len, die evangelikalen Kirchen hätten tig zu sein.“ sich schnell verändernde Zeit, die Fra­
sich geirrt in der Frage der Homosexu- Der Modernismus, so die Autoren gen und das Lebensgefühl der Men­
alität? Ist es nicht weise, wenigstens der E merging C hurch , habe seine prä­ schen zu verstehen. Sie wollen das
von Zeit zu Zeit die ´Was-wäre-wenn- gende Wirkung auf das Verständnis Evangelium so kommunizieren, dass es
Frage´ zu stellen? Und wenn es nur des Christentums im Evangelikalismus auf die Fragen und Nöte der Adres­
aus dem Grunde wäre, unsere gegen- entfaltet: Die Schwerpunkte liegen auf saten eingeht. Im Neuen Testament
wärtige Einstellung zur Schrift zu hin- Lehrsystemen, auf der Verteidigung finden wir auch dieses Bemühen: Wenn
terfragen?“ 11 von Wahrheit, auf Absolutheitsansprü­ Paulus in einer jüdischen Synagoge im

10 fest+treu | 04/2007
Je mehr die
Hülle des
ler, Dave Tomlinson denkt an Men­ Gleichzeitig können wir Gottes retten-
Wissens schen, die sich am liebsten in einem de Kraft nicht begrenzen.“
wächst, Londoner Pub versammeln. Chris Seay McLaren fügt hinzu:
um so arbeitet in einem Künstler-Distrikt in „Dies bedeutet, dass Verfluchungen
umfang- Houston. und Verdammungen nur schwerlich
ausgesprochen werden können, wenn
reicher Einseitigkeiten in der Analyse überhaupt.“ 15 Carson kommentiert:
wird auch In den folgenden drei Kapiteln geht „Ich möchte sicherlich Verfluchungen
das Vo- Carson auf die Sicht der E merging und Verdammungen nicht über die
lumen der C hurch -Protagonisten von Moderne Heilige Schrift hinaus aussprechen
unbeant- und Postmoderne ein. Er wirft ihnen und wenn, dann immer mit Tränen,
manche Einseitigkeiten vor: Die Mo­ wie sie Jesus über Jerusalem geweint
worteten
derne war nicht so absolutistisch wie hat. Aber ich frage mich, wie treu ich
Fragen. die Autoren glauben machen wollen. den Aussagen Gottes in seinem Wort
Auch die nahezu universale Verurtei­ bin, wenn ich mich McLarens „wenn
lung des Bekenntnis-Christentums und überhaupt“ anschließe. Wie weit ent-
pi- der Moderne hält Carson für historisch fernt ist McLarens Standpunkt von
sidischen verdreht, ethisch undankbar, theolo­ Paulus Urteil über die götzendiene-
Antiochien gisch verbogen, argumentativ flach rischen Religionen seiner Tage: ‚In der
das Evangelium und intellektuell nicht gradlinig.13 Vergangenheit hat Gott diese Unwis-
verkündigt (siehe Apg 13), dann hört Auch findet man bei den E merging senheit übersehen, aber jetzt gebietet
sich das ganz anders an, als wenn er C hurch -Autoren keine Fundamental­ er allen Menschen allenthalben, Buße
den intellektuell trainierten Heiden in kritik der Postmoderne. Vielmehr wird zu tun’ (Apg 17,30)? Und wo im Alten
Athen predigt (siehe Apg 17,16-34). sie überbewertet und idealisiert. Car­ oder im Neuen Testament wird die ge-
son setzt sich ausführlich mit den Vor- offenbarte Wahrheit Gottes auf eine
◆ Um Echtheit bemüht: aussetzungen und Unzulänglichkeiten Stufe gestellt mit den anderen Religi-
Mike Yaconellis Buch „Stories of der modernen und postmodernen Er­ onen, um das Böse zu bekämpfen? Ist
Emergence“ erschien mit dem Unter­ kenntnistheorien auseinander. Für ei­ es nicht viel bibeltreuer, andere Religi-
titel „Moving from Absolute to Authen­ nen auf diesem Gebiet wenig vorge- onen als unterschiedliche Formen des
tic“ (etwa: Sich vom Absoluten zum bildeten Leser sind die Ausführungen Götzendienstes anzusehen?“ 16
Echten bewegen). Ob dies wirklich ein sicherlich langatmig und nicht leicht
◆ Verschobene Fundamente:
Gegensatz ist, sei hier einmal außer zu verstehen.


Acht gelassen. Fakt ist jedoch tatsäch­ McLarens Buch „A G enerous O rtho -
hat den Untertitel: „Warum ich
lich, dass das Evangelium nur dann an­
steckend ist, wenn Christen nicht nur
Die Schwächen doxy “
ein missionaler, evangelikaler, post-
bestimmte Lehrsätze intellektuell für protestantischer, liberal/konservativer,
◆ Das Christentum und die anderen
richtig halten, sondern von der Wahr­ mystisch/poetischer, biblischer, charis­
Religionen:
heit Gottes durchdrungen sind und matisch/kontem­plativer, fundamenta-
eine tiefe und echte Beziehung zu ihm Der Absolutheitsanspruch des Herrn listisch/calvinistischer, wiedertäufe-
leben. Jesus und die exklusive Heilslehre des risch/anglikanischer, methodistischer,
Evangeliums ist natürlich jedem post­ katholischer, grüner, inkarnatorischer,
◆ Den eigenen sozialen Standort zur modern denkenden Menschen ein depressiver, aber hoffnungsvoller, neu
Kenntnis nehmen: Dorn im Auge. Wie gehen nun die Lei­ entstehender, aber unfertiger Christ
Jeder von uns ist geprägt durch die ter der E merging C hurch damit um? bin.“
Umgebung und Traditionen, auch in Sicherlich sind ihre Antworten un­ Allein diese Selbstbeschreibung wür­
christlicher Hinsicht. Wir sind Teil un­ terschiedlich, aber meistens nebulös. de man unter normalen Umständen
serer (christlichen) Kultur mit allen Brian McLaren schreibt: für den Ausdruck eines ziemlich ver­
Stärken, aber auch Einseitigkeiten und „Die Kirche hat den christlichen wirrten Denkens halten. Wie auch im­
blinden Flecken. Sich dies bewusst zu Glauben zu präsentieren, nicht wie mer – warum hält McLaren sich für
machen, ist Voraussetzung einer aus­ eine religiöse Armee im Krieg gegen einen Fundamentalisten? Dazu sagt er:
gewogenen Entwicklung. alle anderen religiösen Armeen, son- „Für mich lassen sich die Funda-
dern als eine unter vielen Armeen, die mente des Glaubens zusammenfassen
◆ Evangelisation Außenstehender: gegen das Böse, Falschheit, Zerstö- durch jene, die Jesus gegeben hat: Gott
Die biografischen Angaben verschie­ rung, Dunkelheit und Ungerechtigkeit und unsere Nachbarn zu lieben.“ 17
dener Autoren der E merging C hurch kämpfen.“ 14 Manchmal verliert Prof. Carson sei­
zeigen, dass sie sich an Menschen wen­ An anderer Stelle zitiert McLaren ne gelehrte Zurückhaltung. An dieser
den, die zumindest häufig vom christ­ zustimmend Bosch, der schreibt: Stelle beklagt er:
lichen Zeugnis nicht erreicht werden. „Wir können keinen anderen Weg „Ich denke, dies gehört zu den
Für Spencer Burke sind dies die Künst­ der Erlösung zeigen als Jesus Christus. flachsten und entartetsten Ausle-

fest+treu | 04/2007 11
gungen von Mk 12,28-34, die zurzeit ◆ Preisgabe des Evangeliums: Carson kommentiert in seiner höf­
im Angebot sind. lichen, manchmal etwas komplizierten
Ein zentraler Kritikpunkt Carsons
Jesus bezeichnet diese Gebote als Art: „Ich muss sagen, so freundlich,
sowohl an McLaren als auch an Chalke
die wichtigsten im Gesetz, nicht als aber auch so kraftvoll wie ich kann,
ist ihre Haltung zur Lehre vom stellver­
die Grundlagen des Glaubens. ... Zu dass meines Erachtens, wenn Worte
tretenden Leiden des Herrn Jesus am
behaupten, diese zwei Gebote seien irgend etwas bedeuten, sowohl Mc­
Kreuz: „Also, stellvertretende Sühne
die Fundamente des Glaubens, baut Laren als auch Chalke das Evangelium
beantwortet nicht die Frage, warum
nicht nur den Kontext dieser Passage weithin verlassen haben.“ 22
Gott, wenn er uns vergeben will, es
falsch zusammen, sondern übersieht nicht einfach tut. Wie kann die Be- Die Liste der schwerwiegenden Be­
die zentralen Themen der biblischen strafung einer unschuldigen Person denken ist damit leider noch längst
Evangelien und sogar des ganzen Neu- die Lage besser machen? ‚Das hört nicht erschöpft. Es würde zu weit füh­
en Testamentes. sich nach einer weiteren Ungerechtig- ren, hier weitere Punkte ausführlicher
Schließlich sagt Jesus zwei Kapitel keit in der kosmischen Gleichung an. darzulegen. Dazu zählen die – vor­
vorher: Ich bin nicht gekommen, um Es hört sich an wie eine göttliche Kin- sichtig gesagt – nebulöse ethische Be­
bedient zu werden, sondern um zu desmisshandlung. Verstehst du?’“ 20 wertung der Homosexualität 23, über­
dienen und mein Leben zu geben als Ähnlich ist die Wortwahl bei Steve haupt das weitgehende Ausklammern
Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Chalke, einem englischen Vertreter der des Themas „Sünde“, die Leugnung der
E merging C hurch , dessen Buch von Personalität des Satans, der für Mc­La­
◆ Gebrochenes Verhältnis zur Ver- McLaren wärmstens empfohlen wird: ren lediglich „eine furchtbar reale Me-
bal-Inspiration der Heiligen Schrift: „Tatsache ist, das Kreuz ist eine Form tapher für eine furchtbar reale Macht
Leider haben weite Teile der von kosmischem Kindesmissbrauch, im Universum“ 24 ist und das Drumher­
E merging C hurch -Bewegung mit dem indem ein rächender Vater sei­nen umreden um das Thema „Hölle“25.
‚sola scriptura’ der Heiligen Schrift ge­ Sohn für Vergehen bestraft, die er MacArthur schreibt: „Wenn du bis
brochen. Gegenüber Begriffen wie nicht einmal begangen hat. Verständ- heute noch nichts von der ´E merging
‚Autorität der Schrift’, ‚Unfehlbarkeit’, lich, dass Menschen innerhalb und C hurch ´ gehört hast, dann wirst du es
‚Irrtumslosigkeit’, ‚Wahrheitsgehalt’ außerhalb der Kirche diese verwickelte bestimmt in der Zukunft noch tun. Die
oder ‚Offenbarung’ äußert McLaren Sicht der Dinge moralisch zweifelhaft ´E merging C hurch ´ Bewegung breitet
große Vorbehalte. Solche Begriffe sei­ und als große Hürde für den Glauben sich vor allem dort aus, wo Menschen
en der Schrift selbst fremd.18 Obwohl ansehen. mit der unverfälschten Lehre, der dog-
sich Schriftausleger weitgehend darü­ Schwerer wiegt noch, dass solch matischen Verkündigung und dem
ber einig sind, dass sich der Begriff ein Konzept in völligem Gegensatz traditionellen Gottesdienst unzufrie-
theopneustos in 2Tim 3,16 auf das steht zu der Aussage „Gott ist Liebe“. den sind.“ 26
Einhauchen von Schriftaussagen be­ Wenn das Kreuz ein Akt persön-
zieht, begreift McLaren ‚Inspiration’ licher Gewalt ist, ausgeführt von Gott Das Buch von Carson ist die bislang
im Sinne von ‚schöpferisch gegeben’. gegen die Menschheit, aber erlitten ausführlichste und gründlichste Un­
Die Schrift sei von Gott inspiriert, aber von seinem Sohn, dann macht das ei- tersuchung der E merging C hurch -Be­
nicht wörtlich eingegeben.19 nen Witz aus Jesu eigener Lehre, deine wegung und es ist zu hoffen, dass es
Feinde zu lieben und nicht Böses mit manchem die Augen öffnet für das Ver­
Bösem zu vergelten.“ 21 führungspotential dieser Bewegung. ■

Anmerkungen:
1 B. D. McLaren: Die Geheime Botschaft von Jesus, c+p Verlag, Gerth Medien 2007, E. R. MacManus: Eine unaufhaltsame Kraft, Gerth Medien 2005, Dan Kimball:
Emerging Church - die postmoderne Kirche, Gerth Medien 2005, K. Brewin: Der Jesus-Faktor – eine leidenschaftliche Theologie der Veränderung, c+p Verlag, 2005
2 T. Faix, Th. Weißenborn (Hg.): Zeitgeist – Kultur und Evangelium in der Postmoderne, Francke 2007
3 Ch. Brudereck: Weht den auch der Zeitgeist, wo Gott will? In: Faix, Weißenborn (Hg), S. 25 ff
4 F. Vogt: Das 1x1 der Emerging Church, c+p Verlag, 2006
5 http://emergent-deutschland.de/, Topic Nr. 09/2007
6 Z. B. http://emergent-deutschland.de/
7 F. Vogt: Das 1x1 der Emerging Church, c+p Verlag, 2006, K. 4.5
8 J. MacArthur: http://www.auslegungspredigt.org/cms/upload/Material_Artikel/Emerging_Church.pdf
9 D. A. Carson: Becoming Conversant with the Emerging Church – Understanding a Movement and Its Implications, Zondervan, 2005
10 D. Tomlinson: The Post-Evangelical, Zondervan, 2003
11 in: Mike Yaconelli (Hrsg): Stories of Emergence: Moving from Absolute to Authentic, Zondervan, 2003, zitiert in Carson, S. 16
12 B. D. McLaren: The Church on the Other Side, Zondervan, 2003, S. 165 ff., zitiert in Carson S. 127
13 Carson, S. 68
14 McLaren, The Church on the Other Side, S. 83, zitiert in Carson, S. 134
15 McLaren, A Generous Orthodoxy, S. 262, zitiert in Carson S. 135
16 Carson, S. 135
17 McLaren, op.cit. S. 184, zitiert in Carson S. 177
18 McLaren, op.cit., S. 182-183, zitiert in Ron Kubsch, Das Ende der Eindeutigkeit, in factum7/07
19 McLaren, op.cit., S. 179-180, zitiert in R. Kubsch, S. 13
20 McLaren, op.cit., S. 102, zitiert in Carson, S. 166. Diese Betrachtungen legt McLaren in den Mund von Kerry, einem Ungläubigen, der etwas über den Glauben her-
ausfinden möchte. Aber die Überlegungen werden nirgends von McLaren richtig gestellt noch macht er den Versuch, das stellvertretende Leiden Christi aus der
Sicht der Schrift zu verteidigen.
21 S. Chalke: The Lost Message of Jesus, Zondervan 2003, S. 182 f 22 Carson, S. 186
23 Carson S. 169 f 24 McLaren, op.cit., S. 103, zitiert in Carson, S. 181
25 Carson, S. 168 26 http://www.auslegungspredigt.org/cms/upload/Material_Artikel/Emerging_Church.pdf

12 fest+treu | 04/2007
(Die Autorin i s t de r Schriftleitung bekannt)

»Jeder dritte ist ein Spion...«

Hilfe für Nordkorea


Ein Leben an der chinesischen Grenze zu zu glauben, denn einst China
Nordkorea ist nicht so „leicht“ wie im Rest des waren Nord- und Süd­ Nord korea
Landes, wenn man Missionar ist. Über vieles, was korea ein Land. Nach der
in der eigenen Missionsgesellschaft läuft, wer kommunistischen Macht­
genau welche Aufgabe ausübt, welche Ar­­beits­ übernahme und viel Pro­ Süd korea
Japan
bereiche es gibt etc., spricht man nicht, zum paganda und Hass ist die
Schutz ... Grenze zwischen Nord-
Diesen Schutz zu wahren war äußerst wich­ und Südkorea die am
tig, denn wäre der chinesischen oder der süd­ stärksten bewachte Gren­
koreanischen Regierung etwas zu Ohren ge­­kom­ ze im ganzen Land. Diese
men, hätte den Südkoreanern aus dem Team das zwei Länder haben sich unglaublich unter­
Gefängnis wegen missionarischer Aktivitäten schiedlich entwickelt. In Südkorea findet man
ge­droht, in Südkorea allein schon wegen des viele christliche Gemeinden, während sich die
Kontaktes zu Nordkoreanern. Christen in Nordkorea im Untergrund z.B. in
Ein halbes Jahr lang war ich Englisch-Lehrerin Höhlen treffen müssen, um nicht entdeckt zu
an einer Sprachschule in China, direkt an der werden.
Grenze zu Nordkorea. Erst in dieser Zeit wurde Ich habe Südkoreaner kennen gelernt, die „Mir wurde
mir bewusst, wie schrecklich die Situation in sich an der chinesischen Grenze angesiedelt bewusst, wie
dem Land an der anderen Uferseite ist. Vor mei­ haben, um von der Grenze aus zu helfen. Das ist
nem Aufenthalt habe ich nicht viel von den nicht ganz ungefährlich für unsere Geschwister. schrecklich
Umständen dort mitbekommen. Doch nun hatte Denn werden sie mit Nordkoreanern zusammen die Situation
ich Nordkorea täglich vor Augen. Aus meinem entdeckt, müssen sie auch von südkoreanischer in dem Land
Zimmer konnte ich sogar direkt über den Fluss Seite mit Gefängnisstrafen rechnen. Die Liebe zu an der anderen
nach Nordkorea schauen. Während nachts die Gott und zu den verfolgten Geschwistern und Uferseite ist.“
chinesische Seite mit Lichtern übersät war, blieb Landsleuten ist jedoch stärker. Doch wie hilft
es auf der nordkoreanischen Seite dunkel, bis man den Menschen, ohne ins Land reisen zu
auf einen Strahler, der in nicht mehr erkennba­ dürfen? Was kann man von der Grenze aus
rer Entfernung etwas anzuleuchten schien – bewirken?
höchstwahrscheinlich eine Statue des 1994 ver­
storbenen, doch „ewigen“ Führers Kim Il Sung. Hilfsmöglichkeiten
Wie schrecklich müssen die Verhältnisse in Jährlich fliehen viele Nordkoreaner über den
diesem Land sein? Wie düster und arm ist es Fluss nach China, um dort Nahrung und Geld für
wirklich? Ein genaues Bild von den Verhältnissen ihre verhungernden Familien zu besorgen. Dabei
in Nordkorea bekommen wir nicht, da das Land riskieren sie oft ihr Leben. Zum einen patrouil­
eines der abgeschottetsten Länder der Erde ist: lieren Soldaten überall am Fluss entlang, die den
Keine internationale Presse, nur nationale Sender Auftrag haben, jeden Flüchtling zu erschießen.
im Radio und Fernsehen, kein Internet, einfach
kein Kontakt zur Außenwelt. Dazu kommen täg­
liche Propaganda und Verherrlichung des Führers
und des eigenen Landes.

Die Situation in Nordkorea


Oft saß ich an meinem Fenster und konnte
nicht glauben, dass ich so nah bin und trotzdem
nicht wirklich helfen kann. Nur einige wenige
Nationalitäten dürfen das Land betreten, z.B.
chinesische Geschäftsleute. Auch Touristen
dür­­fen innerhalb einer streng kontrollierten
Reisegruppe das Land besuchen, können sich
jedoch nicht frei bewegen. Auf gar keinen Fall
dürfen Südkoreaner das Land betreten. Kaum Vorne der schmale Grenzfluss – dahinter Nordkorea

fest+treu | 04/2007 13
Aufgrund der großen Armut im Land sind tors in Nordkorea vorbereitet. Die Zeugnisse
allerdings viele der Soldaten „zum Glück“ be­- dieser Menschen sind wirklich erschütternd: El­­
stechlich und lassen Flüchtlinge über den Fluss. tern und Geschwister verhungert, Gefängnis­
Zum anderen liefern die Chinesen entdeckte Aufenthalte, wiederholte Flucht ...
Flüchtlinge regelmäßig an die nordkoreanische Ein Junge erzählte, er wolle lernen, das Evan­
Regierung aus. Die Folgen sind Gefängnis und gelium intellektuell zu erklären, damit er es ei­­
Arbeitslager. Handelt es sich bei den Wieder- nes Tages auch seinem Führer Kim Jong Il wei­
kehrenden um Christen, droht sogar eine öffent­ tergeben könne.
liche Todesstrafe. Flüchtlinge gelten als Verräter. Regelmäßig werden Brot, Bibeln und Kleidung
Damit sie nicht von der chinesischen Polizei an (besonders im Winter) über die Grenze ge­­
der chinesischen Uferseite aufgegriffen werden, schmuggelt. Außerdem Radios mit Empfang
helfen oft südkoreanische bzw. chinesische eines christlichen Senders in Südkorea, über den
Christen den Flüchtlingen, indem sie sie mit regelmäßig Predigten laufen, außerdem mp3
Lichtsignalen anlocken. Es kommt nicht selten Player mit Botschaften.
vor, dass Flüchtlinge sich während ihrer Zeit in
China bekehren und dann zurückkehren, um Christen in Bedrängnis
ihren Verwandten das Evangelium zu bringen. Besonders die Christen leiden. Es gibt drei
offizielle „Schaukirchen“ in Pjönjang, der rei­
Vorsicht ist geboten chen und elitären Hauptstadt, um dem Ausland
Es kommt Die Christen in dieser Gegend Chinas müssen gegenüber Religionsfrei­heit vorzutäuschen. In
nicht selten vor, sehr vorsichtig sein. Als Ausländer darf man sich Wirk­lichkeit findet man die echten Gläubigen
dass Flüchtlinge nicht als Missionar zu erkennen geben, hat also im Untergrund. Diese wurden zu Staatsfeinden
in der Regel noch einen anderen Beruf. Da Aus­ er­­klärt und sollen ausgerottet werden. Kim Jong
sich in China länder sich in einer Kirche pro Stadt versammeln Il sieht einen Verlust der Loyalität seines Volkes
bekehren und dürfen, habe ich den Gottesdienst der Süd­ko­ in ihrem Glauben an den alleinigen und einzig
dann zurück- reaner besucht. Nicht einmal dort durfte ich den wahren Gott. Denn er will, dass sein Vater Kim Il
kehren, um Geschwistern mitteilen, dass ich hier nicht nur Sung (der ewige Führer) und er, der Sohn, allein
ihren Ver- als Englisch-Lehrerin, sondern als Missionarin da angebetet werden.
war. Diese Vorsichtsmaßnahmen waren jedoch Im Untergrund sind Treffen sehr riskant. Oft
wandten das zwingend notwendig, da auch Spitzel der chine­ finden diese in Höhlen statt. Jeder dritte in
Evangelium sischen Regierung die Gottes­dienste besuchen. Nordkorea ist ein Spion.
zu bringen. Ich habe mich an diese Regeln gehalten, denn Nicht nur diese Spitzel sollen jeden „Staats­
ich wollte auf keinen Fall ir­gendwelche Ge­­ feind“ ausfindig machen. Auch Kinder werden
schwister in Gefahr bringen und die wertvolle dazu missbraucht. Z.B. kann eine Lehrerin in der
Arbeit, die sie unter Flüchtlingen tun, gefährden. Schule den Auftrag geben, ein schwarzes Buch
(die Bibel) zu suchen. Wer dieses Buch dann mit
zur Schule bringt, bekommt einen Preis.
Nichtsahnend durchsuchen die Kinder ihre eige­
nen Häuser und verraten so ihre eigenen Eltern.
Schon der Besitz einer Bibel wird mit Gefängnis,
Arbeitslager oder Tod bestraft. Spitzel gibt es
überall. Wie schon erwähnt ist vermutlich jeder
dritte Nordkoreaner ein Spion der Regierung.
Unter solchen Umständen ist es für die Christen
in diesem kommunistischen Land äußerst schwie­
rig, sich zu treffen oder von Jesus zu erzählen.
Eltern können es oft nicht riskieren, ihren eige­
nen Kindern direkt von Gott zu erzählen!
In den Arbeitslagern werden Christen beson­
Die meisten Brücken in Richtung China wurden zerstört! ders hart bestraft. Gelingt es einem Aufseher,
einen Christen dazu zu bringen, seinen Glauben
Viele nehmen Flüchtlinge in ihre Häuser auf. zu verleugnen, so wird er befördert oder erhält
Einige bleiben nur kurz, andere über mehrere mehr Geld.
Monate, manchmal auch Jahre und nehmen In dem Buch von Soon Ok Lee („Lasst mich
eine chinesische Identität an, um in China blei­ eure Stimme sein“) wird der unmenschliche All­
ben zu können. Gruppen von bekehrten Flücht­ tag in einem nordkoreanischen Gefängnis an­­
lingen werden regelmäßig von Lehrern in der schaulich geschildert. Christen dürfen z.B. nicht
Bibel unterwiesen, durchlaufen Jüngerschafts­ in den Himmel schauen, sondern müssen mit
kurse oder werden auf die Aufgaben eines Pas­ gesenkten Köpfen gehen. Die Verhältnisse sind

14 fest+treu | 04/2007
Eine Frau spaziert auf dem zugefrorenen
Grenzfluss, sie ist eine chinesische Touristin,
aber so „einfach“ könnte man auf die andere
Seite kommen. Dieses war nur möglich,
da gerade keine Soldaten zu sehen waren.
Das Land am Ufer ist schon Nordkorea.

vergleichbar mit den Konzentrationslagern im Hier ein paar


Dritten Reich. Durch meine Zeit in China habe streng bewachte
ich allerdings gelernt dafür zu beten, dass die Arbeiter, links
vielen Christen auf der Welt, die Verfolgung (nicht mehr im Bild)
erleiden, die Kraft haben, zu Jesus zu stehen und liegt der Grenzfluss
nach China.
ihn nicht zu verleugnen.
Flüchtlinge kehren zurück
Ich bin immer noch sehr beeindruckt davon,
dass frisch Bekehrte zurückkehren in das Land,
aus dem sie geflohen sind, um ihren Familien
und Nachbarn das Evangelium weiterzusagen.
Wenn sie geschnappt werden und sich heraus­
stellt, dass sie in China Kontakt zu Christen
hatten oder selbst Christen geworden sind, wer­
den sie (auch öffentlich zur Abschreckung) hin­
gerichtet.
Wirtschaftlich
Die Liebe zum „Vater“ geht es im Norden
Koreas schlecht.
Kim Il Sung, der verstorbene Führer und
Viele Fabriken
Gründer Nordkoreas, wird immer noch als Gott stehen leer.
verherrlicht und angebetet. Menschen im gan­
zen Land müssen sich vor seinem Bild oder sei­
ner Statue verbeugen, sein Bild in jedem Haus Gebetsanliegen für Nordkorea
ist heilig, sein Gesicht auf einem Pin an der
Kleidung Pflicht. Auch das Bild des jetzigen ◆ Für die Geschwister und Gemeinden in Nordkorea, dass
Staatschefs, seines Sohnes Kim Jong Il wird glei­ sie trotz aller Verfolgung im Glauben wachsen können
chermaßen verherrlicht - Götzendienst pur. Es ◆ Dass Älteste in den Gemeinden ausgebildet werden (wenn sie dazu
darf keinen Gott außer ihnen geben. Deswegen nach China fliehen müssen, für eine sichere Fluss-Überquerung)
sind Christen so verhasst und gelten als die ◆ Für Kraft, ungebrochen zu Jesus zu stehen – auch im Gefängnis
allerschlimmsten Verräter, die es auszurotten
gilt. ◆ Dass noch viele Bibeln, mp3-Player und Radios in das Land
Tägliche Propaganda über nationale Fern­ geschmuggelt werden können
sehsender und Radioprogramme, dazu Durch­ ◆ Bekehrung und Ausbildung noch vieler Flüchtlinge
sagen aus Lautsprechern in jedem Dorf dienen ◆ Genügend Nahrung und Kleidung
der Verherrlichung der Führer - es ist reine Ge­­
hirnwäsche. Menschen glauben diesen Lügen, ◆ Dafür, dass die Wächter in den Gefängnissen vom Zeugnis der
da sie keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Christen überwältigt werden
Der Staat stellt sich als das größte Weltreich dar, ◆ Da mehr Nordkoreaner den Fluss überqueren, wenn er im Winter
dabei verhungern die Menschen in Wirklichkeit zufriert, können wir in dieser Jahreszeit besonders für sie beten.
und haben keine Hoffnung. ■

fest+treu | 04/2007 15
A.W. T o z e r

Befreiung aus der


babylonischen Gefangenschaft
Die heutigen evangelikalen Kirchen befinden Bedenken wir: Solange wir nicht geheilt sind,
sich in der „babylonischen Gefangenschaft“. solange die Kirche nicht geheilt ist, werden auch
Als Israel in Babylon war, hörte es nicht auf, unsere schönsten Bemühungen in der Äu­ßer­en
Gottes Volk zu sein. Aber es stand nicht mehr in Mission nichts nutzen, denn sie werden nichts
Gottes Willen. Es war nicht mehr im Heiligen anderes sein als das Umsetzen „christlicher Krüp­
Land, sondern in einem anderen Land. Gott ging pelsträucher“ in einen fremden Boden.
den Israeliten auch dort nach und brachte sie Ihr Missionare, vergesst es nie: Ihr könnt nichts
schließlich wieder zurück, aber dort in der Frem­ aufbauen, was besser ist als ihr selber.
de konnten sie nicht das Lied des Herrn singen; Im Schöpfungsbericht heißt es, dass die ver­
sie waren in der Fremde, nicht in der Heimat. schiedenen Pflanzen Früchte tragen sollen „nach
ihrer Art“. Wenn wir einen Missionar nach Afrika
An den Wassern Babels schicken, der ein billiges Gottesbild und nette
Als Israel Heute ist die Kirche Christi in der „babylo­­­- kleine Chorusse im Kopf hat, wird er Christen
in Babylon ni­schen Gefangenschaft“. Wir leben unter Men­ produzieren, die auch ein billiges Gottesbild und
schen, die eine andere Sprache sprechen. Wir nette Chorusse haben. Er wird ein degeneriertes
war, hörte
sind dabei, ihre Sitten zu lernen, ihre Moral Christentum in ein anderes Land verpflanzen –
es nicht auf, und ihren Lebensstil zu übernehmen. Die Kir- das ist alles.
Gottes Volk che, die so erbärmlich Unzucht mit der Welt
zu sein. Aber treibt, braucht Erlösung und Erneuerung. Wir brauchen eine Reformation der
Liebe Brüder, solange diese Erneuerung nicht gesamten Kirche
es stand
geschehen ist, solange keine Reformation kommt, Wenn diese Reformation kommt, werden wir
nicht mehr
welche die Kirche Christi zurück in ihre Heimat auch mehr Missionare bekommen – Missionare,
in Gottes führt, zurück in das „Heilige Land“, wo Gottes die (...) eine höhere Art von Christentum ver-
Willen. Herrlichkeit wohnt, zurück zu den Maß­stäben breiten werden.
des Neuen Testaments, kann noch so viel Evan­ Einige von euch denken jetzt vielleicht: „Das
gelisation nur dazu führen, dass weitere Kinder klingt mir aber komisch, das habe ich noch nie
in „Babylon“ geboren werden. gehört. Sind wir Christen nicht alle gleich?“
Bis die Herrlichkeit Gottes wieder über uns Nein. Es sind nicht alle Christen gleich. Die
er­strahlt, wird jeder, der wiedergeboren wird, in einen bringen 30-fältig Frucht, andere 60-fach,
Babylon geboren. Und alle Evangelisation, wie wieder andere 100-fach. Manche leuchten wie
erfolgreich sie auch sein mag, wird nur „neue die Sterne am Himmel, aber die einen leuchten
Juden in Babylon“ hervorbringen, neue Christen, hell, die anderen weniger hell, und manche ent­
die nicht dort sind, wo sie sein sollten. deckt man nur mit einem Teleskop.
Paulus hat gesagt: „Einige von euch sind
fleischlich, und andere geistlich.“

16 fest+treu | 04/2007
Der Autor des Hebräerbriefes schreibt: „Und Was tue ich, wenn ich so denke? Ich verlange
ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es eine Provision, ich verlange meinen Anteil an
wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe Gottes Herrlichkeit. (...)
der göttlichen Worte lehre, und dass man euch Jawohl, das gibt es: Du willst, dass Gott die
Milch gebe und nicht feste Speise“ (Heb 5,12). Kirche aus ihrer babylonischen Gefangenschaft
Der christliche Glaube kann sehr hoch sein, er zurückführt, aber du möchtest bitte sehr den
kann mittelmäßig sein und er kann sehr niedrig Führer machen. Wenn du so betest, kannst du
sein. Die Art Christentum, die wir heute in unse­ dir dein Beten sparen.
ren Bibelschulen, Seminaren, Zeitschriften, Bibel­ So etwas ist möglich: Wir wollen, dass die
konferenzen und Freizeiten predigen, ist eine Mauern Jerusalems wiederaufgebaut werden –
drittklassige, dekadente Form des christlichen wenn wir Nehemia sein dürfen. Wir wollen, dass
Glaubens. Es ist nicht mehr der hohe, heilige, die Baals­propheten besiegt werden – wenn wir
geisterfüllte, gottesfürchtige, demütige, freund­ als ein zweiter Elia das Feuer vom Himmel her­
liche, liebevolle Glaube, den unsere Väter kann­ abrufen dürfen. Wir wollen eine neue
ten, ja den wir noch vor 50 Jahren kannten. Reformation – wenn wir Martin Luther sein und
Solange es keine neue Reformation gibt, wir­ sagen dürfen: „Hier stehe ich, ich kann nicht
ken all unsere Bücher und Seminare und Zeit­ anders, Gott helfe mir.“
schriften nur so wie Bakterien im Schimmel Wir möchten, dass Gottes Armee den Krieg Brüder, wir
einer dekadenten Kirche (...) gewinnt, aber es wäre doch schön, wenn wir müssen unsere
Wenn wir – wir alle – zurück zu Gott fänden, anschließend als Befehlshaber die Siegesparade
wenn wir uns nicht mehr vom Radio und vom anführen könnten. Wir möchten, dass die Kirche
Herzen zu Gott
Fernsehen und den Zeitungen und Nach­rich­ Christi über ihre Feinde triumphiert, und machen erheben und so
tenmagazinen und der Sportschau be­herrschen uns gerne nützlich in ihr, damit uns nachher alle beten: „O Herr,
lassen würden und wieder neutestamentlich im loben und sagen, wie viel wir für den Sieg gear­ lass deine Ehre
echten Sinne des Wortes wären, dann würde es beitet haben. Wir möchten, dass unser Bibelkreis groß werden,
mit uns und mit unseren Gemeinden und Zeit­ zur Ehre Gottes wächst – und dass es anschlie­
schriften und Missionaren aufwärts gehen, dann ßend heißt: „Schaut euch den Soundso an, der
ob nun durch
würde etwas geschehen, dann würden wir in hat die Gruppe von zehn auf zwanzig Leute mich oder ohne
dieser Atmosphäre echte Jünger machen (...) hochgezogen.“ mich.“ So müs-
sen wir beten,
Wofür wir beten sollten Keine selbstsüchtigen Gebete
sonst beten wir
Das ist es, worum wir beten sollten: dass die Brüder, wir müssen unsere Herzen zu Gott
Herrlichkeit Gottes wieder offenbar wird, dass erheben und so beten: „O Herr, lass deine Ehre
selbstsüchtig.
wir aufhören, Witze über Gott zu machen, dass groß werden, ob nun durch mich oder ohne
wir nicht mehr unwürdig über ihn denken, dass mich.“ So müssen wir beten, sonst beten wir
Gott unser Ein und Alles wird. Und dass seine selbstsüchtig (...)
Kirche wieder das wird, was sie nach dem Neuen Ich weiß: Einige von euch müssen jetzt ihr
Testament sein sollte. Riechfläschchen hervorholen, damit sie keinen
Darum müssen wir beten, Brüder! Ohnmachtsanfall kriegen. Aber keine Angst, ihr
Einige von uns beten auch so, aber da ist eine werdet es überleben (...)
Schlange im Garten – die Schlange unseres Ichs. Ich erinnere mich an einen Evangelisten, der
Sie windet sich um die schönsten Bäume, bereit, in einer Gemeinde eine Evangelisationswoche
unsere Gebete zu vergiften und zu zerstören. In durchführen wollte. Ein paar Tage bevor er kam,
Jakobus 4,3 heißt es: „Ihr bittet und empfangt schickte der Pastor ihm ein Telegramm: „Haben
nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich Erweckung.“ Der Evangelist telegraphierte um­­
damit ihr‘s für eure Gelüste vergeuden könnt.“ gehend zurück: „Wartet damit, bis ich da bin.“
Brüder, es ist möglich, dass jemand will, Gott Das klingt lustig, aber es ist alles andere als
möge seine Herrlichkeit offenbaren und auch lustig. Es ist traurig. Diesem Evangelisten war
da­­­­­rum betet, aber mit dem Gedanken im Hin­ seine eigene Ehre wichtiger als die Gottes.
terkopf, dass er selber derjenige ist, den Gott als Aber wahrscheinlich werden durch ihn Seelen
Kanal dieser Offenbarung benutzt. Seht ihr, was gerettet. Du sagst also: „Bruder, lass ihn nur
ich meine? machen, durch ihn werden Menschen wiederge-
Es kann passieren, dass ich auf meine Knie boren.“
gehe, vielleicht sogar eine Mahlzeit auslasse und Jawohl, durch ihn werden „Brutkastenbabys“
faste und bete: „O Gott, lass deine Herrlichkeit in Babylon geboren. Wenn er sein Leben mit
den Menschen offenbar werden“ – und gleich­ Gott ins Reine brächte, würde er „Zehn-Pfund-
zeitig hoffe ich klammheimlich, dass ich der Prachtkinder“ zur Welt bringen, die keinen Brut­
Mensch sein werde, den Gott benutzt, um seine kasten bräuchten und von Geburt an in ihrer
Herrlichkeit zu zeigen. wahren Heimat wären. Das ist der Unterschied.

fest+treu | 04/2007 17
Machen wir Schluss mit der Vorstellung, dass Wo ich hingehe, predige ich dieses:
etwas richtig ist, weil doch Menschen zum Erstens: In unseren Tagen haben wir die Herr­
Glauben kommen. Es ist kein Kunststück, wenn lichkeit Gottes verloren. Unser Gott ist ein billi­
ein Jude in Babylon geboren wird. Ganze Ge­ne­ ger Gott, der es kaum wert ist, dass man vor ihm
rationen sind dort zur Welt gekommen. niederkniet. Der wahre Gott, der Vater Jesu
Wir müssen bereit werden, so zu beten: „Gott, Christi und Gott Abrahams, sitzt auf seinem
erhöre mein Gebet! Ob du mich dabei benutzt himmlischen Thron, und der Saum seines Ge­­
oder nicht, ist egal, wenn du es nur erhörst! wandes füllt den Tempel. Wir müssen neu ent­
Verherrliche dich in unserer Mitte. Sende Mis­ decken, was Ehrfurcht und Anbetung und ein
sionare aus. Wenn du aus einer anderen Kirche tiefes Bewußtsein der Gegenwart Gottes ist.
mehr aussenden willst als aus meiner, ist mir Zweitens: Die Kirche muss wieder zurück zu
das recht. Schicke uns eine Erweckung, und dem, was sie im Neuen Testament war (...)
wenn du dabei die Gemeinde XY segnen willst Ich weiß nicht, ob ich sie ertragen könnte, die
und nicht meine, ist das in Ordnung!“ Erkenntnis, dass wir uns an fleischliche Metho­
So müssen wir beten. den, fleischliche Philosophien, fleischliche An­­
Vielleicht möchte Gott woanders anfangen. sichten und fleischlichen Schnickschnack ver­
Herr, belebe Vielleicht möchte er das Feuer der Erweckung in kauft und damit die Herrlichkeit Gottes verloren
deine Kirche, einer anderen Kirche anzünden, und erst später haben. Ich weiß nicht, ob ich es schaffen würde,
springt es auch auf unsere über. Ihr müsst bereit rein menschlich gesprochen.
egal, was es sein, zu beten: „O Herr, baue die Mauern Jeru­ Aber ich möchte, dass Gott seinem Namen
kostet, egal, salems wieder auf, und tue das mit wem du Ehre verschafft und seine Kirche wieder aufbaut,
was es auch willst. Wenn du möchtest, dann lass auch mich und wenn er sich dazu Menschen außerhalb un­­
mich kostet. einen Ziegelstein legen, und wenn nicht, stehe serer Organisation suchen muss, dann möchte ich
Wecke deine ich gerne daneben und freue mich darüber, wie beten: „Herr, tu es, mach es, tu es, irgendwie.“
die Mauer emporwächst.“ Ich weiß nicht, wer uns zurückführen wird. Er
Kirche auf „Gott, führe du deine Kirche zurück ins Hei­ ist mir noch nicht begegnet, und ich glaube
– und wenn lige Land. Wenn du mich dabei benutzen möch- nicht, dass es einer der großen religiösen Führer
ich dafür ge- test, freue ich mich, und wenn nicht, freue ich von heute sein wird.
hen muss. mich trotzdem, dass deine Gemeinde wieder- Nein, nicht Evangelisationskampagnen, die
aufgebaut wird. O Gott, zeige dich in unserer Millionen kosten, sondern Erweckung, Wieder­
Mitte, und wenn du dies durch mich tun willst, her­stellung, Heilung (...)
ist das gut, und wenn nicht, dann unterstütze
ich den Mann, den du als deinen Diener benutzt. Eine halbverhungerte Generation
Ich werde ihn lieben, ich werde nicht auf ihn Unter uns sind Männer und Frauen, die zwan­
neidisch sein, ich werde für ihn beten und halt zig, ja dreißig Jahre alt sind und noch nie Gottes
hinter den Kulissen, wo mich keiner sieht, arbei- Herrlichkeit gesehen haben. Sie sind Christen,
ten und trotzdem mein Bestes geben.“ sie gehen auf Bibelschulen, und sie haben nie
So müssen wir beten. Gottes Herrlichkeit erlebt. Sie wissen nicht, wie
Darf ich euch etwas fragen? Könnt ihr so es ist, in einem Gottesdienst zu sein, wo die
beten: „O Herr, belebe deine Kirche, egal, was es Gegenwart Gottes so greifbar ist, dass man
kostet, egal, was es auch mich kostet. Wecke Angst hat, laut zu reden.
deine Kirche wieder auf – und wenn ich dafür Sie haben nie eine Predigt gehört, in der Gott
gehen muss!“ so hoch erhoben wurde, dass sie danach schwei­
Es ist ein schrecklicher Gedanke, Brüder, aber gend nach Hause gingen und nicht reden konn­
es gibt Gemeinden, in denen muss erst jemand ten.
sterben, bevor es mit ihnen aufwärts gehen Als A. B. Simpson in Buffalo (New York) pre­
kann. Ein furchtbarer Gedanke (...) digte, sprach er über die Herrlichkeit des Herrn
Jesus Chri­stus. Als er den Segen gesprochen
Was werden wir tun? hatte, stand niemand auf, um zu gehen; die
Das Gebet ist eine mächtige Waffe. Aber Leute hatten Angst, aufzustehen, so spürten sie
manchmal beten wir selbstsüchtig und Gott er­­ die Gegenwart Gottes.
hört uns nicht. Und trotzdem, trotz Teufel und Aber, wie gesagt: Eine ganze Generation jun­
Fleisch, müssen wir beten und nicht nachlassen, ger Leute hat so etwas noch nie erlebt.
müssen unsere Fehler korrigieren und weiter­ „O Gott, lass deine Herrlichkeit neu erstrah-
beten, ohne Unterlass (...) len, und benutze dazu, wen du willst.“ Amen. ■

(Leicht gekürzt, mit freundlicher Genehmigung aus: A.W.


Tozer „Gegründet im Wort, brennend im Geist“, Verlag C.M.
Fliß, siehe auch Buchbesprechung S. 21.)

18 fest+treu | 04/2007
Termine 2008
im Freizeithaus Schoppen

Informationen und Komm-und-sieh- FMN 2 20. – 22. Juni Mädchen-Freizeiten


Wegbeschrei- Wochenenden Es gibt (k)ein Gut es gibt (k)ein
Böse?! – Lerne es unterscheiden MÄ 1 06. – 12. Juli (10-13 J.)
bungen sind Angebote für Nichtchristen Lady-Marian-Lager
anfordern folgender drei Zielgruppen: (Andreas Fett und Mitarbeiter)
mit K. Ulbrich und A. Katzmarzik
unter: • YOUNG für Teenager/Ju­gend­ FMN 3 24. – 26. Oktober Anmeldungen ausschließlich an:
liche auf der Suche nach Gott “Seid heilig!” – der vergessene Melanie Ripp • Odenwaldstr. 25
Freizeithaus Schoppen
Befehl. (A. Fett u. Mitarbeiter) 64572 Büttelborn
Schoppen 1 • FAMILY für Familien und Allein­
E-Mail: melanieripp@web.de
58540 Meinerz­hagen erziehende (für mitgebrachte Bibelstudier-Freizeiten
AFett@T-Online.de Kinder gibts eine Betreuung)
Intensives Bibelstudium mit Frei- MÄ 2 13. – 19. Juli (14-19 J.)
• CLASSIC für jeden interessierten zeit-Aktivitäten für Erwachsene Robin-Hood-Lager Boba Bühne
Erwachsenen Anmeldungen ausschließlich an:
Anmeldungen zu den STU 1 01. – 07. Juni 2008 Debora Bühne • Lienkamp 25
Freizeiten werden Diese Art Wochenenden sind (Walter Adank + Bened. Peters) 51709 Marienheide
nur schriftlich an für unsere Gäste kostenlos.
STU 2 07. – 13. Sept. 2008 E-Mail: Bobab@gmx.de
den angegebenen Christen können an diesen W.E.
(Peter Lüling + Alois Wagner)
Anmeldestellen nur dann teilnehmen, wenn sie
Jungen-Freizeiten
entgegengenommen! Außenstehende mitbringen! Die Themen der Freizeiten
werden demnächst auf unserer JU 1 23. – 29. März (10-12 J.)
KUS 1 18. - 20. Apr. YOUNG
Homepage zu finden sein. Asterix-Lager mit Andi Fett
Bitte die vollständige „Dead or alife?”
Die Kosten betragen 100 Euro Anmeldungen ausschließlich an:
Anschrift, Tel.-Nr., E-Mail, - überlebe dein Leben
(für Nicht-Verdiener 75 Euro). Volker Klaas • Im Brannten 10
(bei Kindern auch das
KUS 2 29. - 31. Aug. YOUNG 58540 Meinerzhagen
Geb.Datum) mitteilen. Beginn der Freizeit So. 18 Uhr
„Nur ein Spiel?” - die Faszi- E-Mail: Fam.Klaas@glomeex.de
Wir senden umgehend Ende der Freizeit Sa. 14 Uhr
nation des Übernatürlichen
eine Absage, wenn die JU 2 29.06 – 05.07 (10-12 J.)
Freizeit schon belegt ist. KUS 3 19. – 21. Sept. FAMILY Mitarbeiter-Treffen Robin-Hood-Lager J1
Eine Anmeldebestäti­gung „Was Hänschen nicht lernt ...“ mit Andreas Fett
und nähere Unter­lagen MAT 06. September 2008
Über den Einfluss der früh­- Anmeldungen ausschließlich an:
verschicken wir erst kurz Mitarbeiter-Gebetstag und
kind­lichen Bindung auf das Volker Klaas • Im Brannten 10
vor der Freizeit. Terminplanung für 2009
erwachsene Kontaktverhalten 58540 Meinerzhagen
KUS 4 07. – 09. Nov. CLASSIC E-Mail: Fam.Klaas@glomeex.de
Einfacher geht’s über
NEU „Ratlosigkeit vor dem Tosen
unsere Homepage:
Rhein-Main-Camp JU 3 20. – 26. Juli (13-19 J.)
und Wogen des Meeres“ -
13. – 19. Juli 2008 (9-13 J.) Die Klimakatastrophe und was www.Schoppen.org Sommerfreizeit mit Daniel Bühne
Anmeldungen ausschließlich an:
Griechenlager für Jungs in die Bibel über die Zukunft sagt
Die Kosten Dani Bühne • Fasanenweg 47
Taunusstein bei Wiesbaden. Beginn der Freizeit: Fr. 19 Uhr
für folgende Wochen-Frei­zeit- 59846 Sundern-Langscheid
mit William Kaal und Ende der Freizeit: So. 14 Uhr
Angebote betragen 88,- Euro! E-Mail: danielbuehne@online.de
Matthias Hetterich
Anmeldungen & Infos: Anmeldungen ausschließlich an: JU 4 05. – 11. Okt. (13-19 J.)
www.christliche- Volker Klaas • Im Brannten 10 Kinder-Freizeiten * Herbstfreizeit mit Søren Walla
sommerfreizeiten.de 58540 Meinerzhagen Eine Woche kinderfreundliches Anmeldungen ausschließlich an:
Stefan Ulbrich E-Mail: Fam.Klaas@glomeex.de Programm mit 40 Teilnehmern Søren Walla • Unterdahl 4
Paul-Klee-Str. 6  im Grundschulalter 42349 Wuppertal
64546 Mörfelden Folge-mir-nach- s.walla@deepwood.de
Wochenenden KI 1 27.07 - 02. 08 (7-10 J.)
Robin-Hood-Lager K1
Diese Seminare sind für junge
mit Miriam und Thomas Kleine
Niedersachsen-Ferien
Christen gedacht, die im Glau­ben 10. – 16. August (9-13 J.)

*
Bitte bei Kinder-
freizeiten keine
Mehrfach-Anmeldung
an Jesus weiterkommen wollen.
Die Kosten betragen 35 Euro
(für Nichtverdiener 25 Euro).
KI 2 03. - 09. Aug.
Robin-Hood-Lager K2
(7-10 J.)

mit Gabriele und Andreas Fett


Ostfriesen-Lager für Jungs
und Mädchen in Schoppen
Anmeldungen & Infos:
im selben Jahr, damit FMN 1 25. – 27. Januar Anmeldungen ausschließlich an: Frank Kalms • Marschweg 1
Bibellesen – Quelle oder Qual? Volker Klaas • Im Brannten 10 26736 Loquard-Krummhörn
viele eine Teilnahme- Wie liest man Bibel mit Gewinn? 58540 Meinerzhagen Freizeit@Kalms-Familie.de
chance haben! (Andreas Fett) E-Mail: Fam.Klaas@glomeex.de www.kalms-familie.de/freizeiten

fest+treu | 04/2007 19
Stellungnahme zum Artikel »Disciple Camp« aus f+t 3/2007, Seite 15-17

Fehlende Disziplin beim »Disciple-Camp«?


Der Bericht über diese Freizeit im fentlich deutlich macht, dass es in un­ Unter anderem ging es in der Frei­
letzten f+t-Heft hat bei einigen serer Freizeitarbeit nicht um rechtsra­ zeit auch um ein Experiment: Würden
Lesern Erstaunen, Irritationen und dikale, paramilitärische oder sonstige Jungen in dem Alter zwischen 13 und
teilweise auch Empörung ausgelöst. fragwürdige Tendenzen geht. 18 Jahren zu einer Freizeit kommen,
An dieser Stelle muss auch betont die laut Einladung ganz bewusst ein
Es gab auch erfreute, dankbare Re­ werden, dass die Bildauswahl nicht Programm anbietet, das alles andere
aktionen – interessanter Weise aus von dem Autor des Berichtes getroffen als Entspannung und Wellness ver­
der älteren Generation – aber die kri­ wurde, sondern von dem Schriftleiter spricht. Das unerwartet positive Ergeb­
tischen Rückfragen und Zuschriften dieses Blattes, der – man möge es ihm nis hat überrascht, nachdenklich, aber
waren eindeutig häufiger. verzeihen! – seine helle Freude an dem auch dankbar gemacht.
Weil es aus zeitlichen Gründen nicht Motto und der Durchführung der Frei­ Die vielen Zuschriften haben bewie­
möglich war, alle Leserbriefe zu beant­ zeit hatte und auch die Schuld daran sen, dass f+t gelesen – und auch kri­
worten, möchten wir die folgende trägt, dass die „Geschichte mit den tisch gelesen wird. Das ist nötig und
Klarstellung veröffentlichen, die hof­ Schnecken“ überhaupt erwähnt wurde! auch dafür sind wir dankbar. W. B.

Liebe Leser der Zeitschrift fest+treu!


Nachdem sich die irritierten Rück- das Turnier. Der vielfach empfundene zwungen würden, gegen ihren Willen
fragen bzw. Kritiken gehäuft haben, Ekel bei dieser Aktion ist sicherlich zum Bibelteile auswendig zu lernen. Das im
halte ich es für sinnvoll, ein erläu- Teil anerzogen. Wohl kaum einer von Artikel zitierte Gedicht passte gut zum
terndes Schreiben nachzureichen. uns würde wie Johannes der Täufer Motto und enthält gute Gedanken,
Heuschrecken essen, auf den Philippi­ deshalb haben wir es ausgewählt.
Zunächst einmal tut es mir leid, dass nen sind zubereitete, halb geschlüpfte Schließlich soll noch kurz auf den
der Beitrag anscheinend häufig sein Küken eine Delikatesse und es gäbe Vortrag des ehemaligen Fremdenlegio­
Ziel verfehlt hat. Der Wunsch war, ei­ noch viele ähnliche Beispiele... närs Kurt Becker eingegangen werden.
nen Gedankenanstoß zur Wichtigkeit Die Auswahl der Fotos hat ja eben­ Paulus selbst vergleicht z.B. im 2.Timo­
von Disziplin in einer ziemlich unbe­ falls zu erheblichen Missverständnis­ theusbrief den Kampf für Christus mit
herrschten und undisziplinierten Zeit sen geführt. Eine von sieben Zimmer­ der Tätigkeit eines gehorsamen Solda­
zu geben. Auch viele Christen haben in gruppen hatte ohne unser Wissen aus ten. Von daher denke ich, dass es den
diesem Bereich große Probleme. Der Spaß beschlossen, sich kahl zu rasie­ biblischen Vorbildern entspricht, Par­
Bericht zur Freizeit und einzelne De­ ren. Ich habe das erst nach Vollzug allelen zwischen dem Dienst eines Sol­
tails sollten diesen Kerngedanken bes­ dieser Aktion mitbekommen, 90% der daten und dem Leben eines Christen
tenfalls illustrieren, z. T. aber einfach Freizeitteilnehmer liefen „zivilisiert“ zu ziehen. Dies hat Kurt Becker in sehr
nur ein wenig Einblick in die Erlebnisse herum, die Bilder vermitteln hier einen geistlicher Weise getan, ohne dabei die
einer evangelistischen Jungenfreizeit sehr verzerrten Eindruck. Fremdenlegion oder andere Armeen zu
geben. Auch das Posieren in Soldatenma­ glorifizieren.
So versteht es sich von selbst, dass nier war ein interner Zimmerspaß, der
das beschriebene Wagnisspiel kein Be­ nichts mit dem Freizeit-Programm zu Letztlich kann man Gott nur dan­
standteil eines Konzeptes war, welches tun hatte. Wir hätten sicher mit einer ken, dass er die Freizeit trotz der zum
den Jugendlichen Disziplin vermitteln weiseren Bildauswahl viele falsche Ein­ Teil diskussionswürdigen Praktiken so
sollte. Es war ein Programm-Highlight, drücke vermeiden können. So war z.B. sehr gesegnet hat. Ich hoffe, dass zu­
das aber sicherlich grenzwertig gese­ auch die umfunktionierte Klobürste mindest dieser Punkt alle Leser freuen
hen werden kann. Respektvoller Um­ selbstverständlich nagelneu. wird: Ein junger Mann hat sich von
gang mit Gottes Schöpfung gehört Zahlreiche Leser hatten auch Pro­ Herzen bekehrt und bringt sich mitt­
natürlich zum Christsein dazu, Tiere zu bleme damit, dass ein weltliches Ge­ lerweile schon selbst als Mitarbeiter
quälen ist sicherlich eine Sünde. In dicht zum Auswendiglernen ausgeteilt auf christlichen Jugendfreizeiten ein.
diesem Zusammenhang möchte ich wurde. Nun ist es unbestritten, dass Bi­ Was aber selbstverständlich nicht hei­
noch einmal betonen, dass die Jugend­ belverse das Beste sind, was man aus­ ßen soll, das Ergebnis rechtfertige die
lichen nicht gezwungen wurden, eine wendig lernen kann. Da hinter dieser Vorgehensweise.
lebende Schnecke zu verzehren. Wenn Aktion aber ein „sanfter“ Zwang stand, Wie gut, dass Gott auch aus Man­
sie sich dagegen entschieden und die waren wir Mitarbeiter uns darin einig, gelhaftem etwas Herrliches bewirken
Gruppe dies vorher vermutet hatte, dass es unverantwortlichen Schaden kann!
gab es ebenfalls wertvolle Punkte für anrichten könnte, wenn Ungläubige ge­ Daniel Bühne

20 fest+treu | 04/2007
Buchbesprechungen
Loben die eher selten behandelten Themen Wachstum, Vergebung,
Lieder der Hoffnung Stärke und Selbstdisziplin ein. In den letzten Kapiteln zeigt er
CLV, gb., 640 S., Format: DIN A5, € 9,90 Anbetung als Ziel eines veränderten Charakters und schließ­
ab 10 Ex. € 8,90 lich, welche Auswirkung die Hoffnung und Erwartung der
Wiederkunft des Herrn auf unser Leben haben soll.
Es hat Jahre gedauert - viele Hürden und Da dieses Buch in kompakter Form die wichtigsten Punkte
Hindernisse mussten überwunden werden, des praktischen Glaubenslebens erklärt, werden besonders
aber jetzt ist es endlich lieferbar: Ein fest junge Gläubige davon profitieren – aber auch ältere Chris­
gebundenes Liederbuch mit 366 Liedern, ten werden neu herausgefordert, ihren Charakter im Licht
fast alle im vierstimmigen Chorsatz und mit Gitarrengriffen! der Bibel zu schärfen.
Es ist eine Sammlung alter, neuerer und auch eine Anzahl Durch den strukturierten Aufbau und den Anhang, der
ganz neuer, bisher nicht veröffentlichter Lieder – für Haus­ Fragen und Anregungen zu den einzelnen Lektionen bietet,
kreise, Freizeiten, Evangelisationen, Jugendstunden und als eignet sich das Buch besonders als praktischer Kurs, den
Ergänzung zu den „Glaubensliedern“ gedacht. man allein oder in einer Gruppe absolvieren kann. Man soll­
Die Anzahl englischer Texte ist bewusst niedrig gehalten te auf jeden Fall einen Stift zur Hand nehmen, um die vielen
worden (etwa 3%) und die Überschneidung mit den „Glau­ wertvollen, einprägsamen Aussagen zu markieren und zu
bensliedern“ liegt bei ca. 17%. Bei der Liedauswahl wurde verinnerlichen.
bewusst auf den geistlichen Gehalt der Lieder geachtet, wo­
bei allerdings auch einige wenige Lieder Aufnahme fanden, William Kaal
die nicht unbedingt durch besonderen Tiefgang auffallen. A.W. Tozer
Der bewusst niedrige Preis soll die Anschaffung für die Gegründet im Wort,
Jugendarbeit usw. erleichtern und mithelfen, dass dieses brennend im Geist
Liederbuch eine weite Verbreitung findet. Vor allem aber
wünschen wir, dass es zur Ehre und zum Lob Gottes einge­ CMF, Pb., 166 S., € 13,80
setzt wird.
Wolfgang Bühne Diese Neuerscheinung enthält – im Gegen­
satz zu den übrigen Büchern des Autors
– keine gesammelten Aufsätze, die Tozer (1897-1963) in
John MacArthur: seiner Zeitschrift veröffentlicht hat, sondern Predigten von
Werden wie Gott mich will ihm, die hier im Original wiedergegeben werden.
CLV, Pb., 224 Seiten, € 8,50 Diese Predigten sind so aktuell und treffen derart unsere
gegenwärtige Situation, dass es kaum zu glauben ist – und
Spurgeon prägte den Satz: „Ein lebendes Ar- dabei wurden sie schon vor ca. 50 Jahren gehalten! Ent­
gument ist unwiderlegbar“. John MacArthur weder hinken wir in Europa den traurigen Entwicklungen
drückt es in diesem Buch so aus: „Es gibt nur der Evangelikalen in den USA Jahrzehnte hinterher, oder
einen ´sichtbaren´ Beweis für die Existenz aber Tozer hatte die Gabe, in prophetisch-zeitloser Weise
Gottes – von Grund auf veränderte Menschen, deren Den- die Oberflächlichkeit, Heuchelei, und Lauheit bei uns Chris­
ken, Reden und Handeln wahrhaft göttliche Eigenschaften ten zu entlarven.
zeigt.“ Uns zu solchen „lebenden Argumenten“ zu machen Was diese Predigten so unerhört durchschlagend macht,
ist Ziel dieses praktisch und biblisch fundiert geschriebenen ist die absolute Ehrlichkeit und Offenheit, mit der Tozer wie
Buches. MacArthur beschreibt dabei dreizehn grundlegende ein Chirurg das Messer des Wortes Gottes gezielt auf unsere
Einstellungen, welche die Bibel von jedem Jünger Jesu er­ „Eitergeschwüre“ ansetzt.
wartet. Diese „Säulen des christlichen Charakters“ müssen Schonungslos werden fromme Lieblingssünden entlarvt
studiert und entwickelt werden, wenn sie unser Leben sicht­ und der Leser wird aufgefordert, sich an den ewigen Maß­
bar umgestalten sollen. stäben des Wortes Gottes zu messen und Buße zu tun. Seine
In jedem der dreizehn Kapitel wird eine solche Charak­ bewusst provozierende Sätze wirken wie Nadelstiche:
tersäule definiert, erklärt und illustriert. Dazu benutzt Mac­ „Wenn eine Kirche anfängt, von Gott abzufallen, fängt sie
Arthur zahlreiche Bibelstellen, geht auf passende Textpas­ auch an, das Niveau der Ausbildung ihrer Pastoren höher zu
sagen ausführlich ein und zeigt auf klare, praktische Weise, schrauben. Je weniger der Heilige Geist wirken darf, um so
wie sich diese Einstellung auf unser Leben auswirken soll. mehr muss man über Plato und Aristoteles wissen.“ (S. 37).
Immer wieder wird dabei deutlich, wie Jesus uns in allen „Die Vorbilder, die der durchschnittliche junge Christ von
Punkten zum Vorbild ist und wie wir, wenn wir seine Gesin­ heute hat, sind nicht die Heiligen von früher, sondern eher
nung haben, als Gottes Kinder unserem himmlischen Vater die Filmstars von heute“ (S. 80).
mehr und mehr gleichen werden. „Wenn ich könnte, würde ich mit Kusshand die meisten
Neben den grundlegenden Säulen Glaube, Gehorsam, Jesuslieder, die in diesem Jahrhundert geschrieben worden
Demut, Liebe, Freude und Dankbarkeit geht MacArthur auf sind, wieder abschaffen, so leicht und billig sind sie“ (S. 150).

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„Nein, Brüder, wir sind nicht heilig. Weil wir nicht ehrlich E.A. Bremicker
sind!“ (S. 80). Die Waffenrüstung
Wie jeder Diener Gottes hat Tozer auch Schwächen, die Gottes für den Kampf
hier und da sichtbar werden: Er zitiert z.B. gelegentlich mit­ des Glaubens
telalterliche Mystiker, die sicher auch Wichtiges zu sagen
Anhand von Epheser 6
haben, aber leider oft auch Erfahrungen machten, die nicht
Beröa, Tb., 120 S., € 5,40
unbedingt nachahmenswert sind.
Ich empfehle jedem Christen, der unter seiner Mittelmäßig­ Dieses Buch ist eine leicht verständliche, sehr
keit leidet, dieses Buch unter Gebet zu lesen und auf sich wir­ praktische und doch gründliche Betrachtung der Waffen­
ken zu lassen. Es wird zur Demütigung und Buße führen und rüstung Gottes, wie sie in Eph 6, 10-20 beschrieben wird.
eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaft mit Gott wecken. „Der Kampf des Christen ist nicht die Angelegenheit ei-
ner bestimmten Elitetruppe. Es ist nicht ausschließlich die
Wolfgang Bühne Sache gereifter und erfahrener Christen oder besonders
William MacDonald begabter Brüder. Nein, der Kampf geht uns alle an, junge
So ist Gott - Bibelkurs Geschwister genauso wie alte, Schwestern genauso wie
über die Eigenschaften Gottes Brüder. Jeder Christ, der sich über seine Stellung in Christus
freut und versucht, würdig der Berufung zu wandeln, hat zu
CV, Pb., 304 Seiten, € 12,90
kämpfen.“ (S. 24).
Der Autor geht zunächst auf den Charakter des Kampfes
Es ist atemberaubend, sich mit den Eigen­
ein, der in diesem Brief beschrieben wird und dann macht er
schaften Gottes auseinander zu setzen. Die
deutlich, gegen wen oder was wir nicht zu kämpfen haben.
Gläubigen, die Gott kennen, haben eine
Schließlich erläutert er die sieben einzelnen Teile der Waf­
große geistliche Kraft (Dan 11,32). Das ewige Leben besteht
fenrüstung und erklärt ihre Bedeutung für unseren geistli­
eigentlich darin, Gott zu erkennen (Joh 17,3). Deswegen ha­
chen Kampf.
ben die Gläubigen sich schon immer gerne mit dem Wesen
Besonders jungen Christen kann dieses Buch eine gute
Gottes beschäftigt. Es war das große Lebensziel von Paulus,
Hilfe und Anleitung sein, die Taktiken des Teufels zu erken­
den Herrn zu erkennen. Er behauptet, dass wir verändert
nen und ihm in der Kraft des Heiligen Geistes zu widerste­
werden, wenn wir uns mit Gott beschäftigen (2Kor 3,18).
hen.
Ich zweifle nicht daran, dass er recht hat. Die Eigenschaften, Wolfgang Bühne
die nur Gott auszeichnen, zeigen uns, wie groß er ist. Dazu
gehören seine Allmacht, Allwissenheit, Unveränderlichkeit
und Erhabenheit. Das ruft Ehrfurcht und Vertrauen hervor.
Es ist einfach erstaunlich, wie groß Gott ist - der Ursprung Arnold G. Fruchtenbaum
allen Lebens. Das Leben des Messias
Wenn der Herr sagt, dass wir ihm nachfolgen sollen und Zentrale Ereignisse
dass er uns verändern will in sein Bild, so meint er damit die­ aus jüdischer Perspektive
jenigen seiner Eigenschaften, in denen wir wachsen können.
Begeistert sehen wir seine große Liebe und seinen gerechten CMD, Pb., 170 S., € 9,50
Zorn, seine Gnade und seine Heiligkeit, seine Freigiebigkeit,
Geduld und Treue. Dabei wächst der Wunsch, auch so zu Der Autor – ein an Jesus Christus gläubig
werden. Und dieses Ziel wird verwirklicht, wenn wir ihn an­ gewordener Sohn polnischer Juden – betrachtet in diesem
schauen. sehr interessanten Buch verschiedene wichtige Ereignisse im
Es ist interessant, wie verständlich der Autor schwierige Leben Jesu aus der Sicht eines Juden, der auch den Talmud
Themen wie Dreieinigkeit, Gottes Eifersucht und Gottes Un­ und andere rabbinischen Schriften studiert hat.
abhängigkeit erklärt. Im 1. Teil wird die Geburt und das frühe Leben Jesu be­
Die Neuauflage des Buches erscheint mit einem ausführ­ handelt, in Teil 2 der Konflikt mit den Pharisäern und im
lichen Studienteil nach jedem der 30 Kapitel. Das ist eine letzten Teil das Gerichtsverfahren, der Tod und die Aufer­
große Bereicherung. So eignet sich das Buch wirklich gut stehung Jesu. Die vielen Beobachtungen und Hintergrund-
für eigene Andachten oder gemeinsames Studium in einer Informationen aus jüdischer Perspektive werfen auf manche
Gruppe. Natürlich kann man das Buch auch einfach zur Er­ Aussprüche und Ereignisse ein neues Licht und verhelfen zu
bauung lesen, aber es lohnt sich, tiefer nachzudenken. Dabei einem tieferen Verständnis der Evangelien.
können die Fragen helfen. An einigen Stellen wird man etwas Mühe haben mit ei­
Hudson Taylor sagte einmal: „Wir brauchen keinen gro- nigen Deutungen, so könnte z.B. der Begriff „geistlicher Tod
ßen Glauben, sondern Glauben an einen großen Gott.“ Jesu“ (gemeint ist damit die Gottverlassenheit Jesu in den
Ich hoffe, dass dieses Buch dazu beiträgt, das Bild unseres letzten drei Stunden am Kreuz) zu unbeabsichtigten Miss­
großen Gottes in unsere Herzen zu prägen. Er ist es wert, verständnissen führen. Aber davon abgesehen wird der Leser
dass wir ihn kennen, ihm vertrauen und ihn nachahmen. viel Gewinn und Erbauung bei der Lektüre erfahren.

Andreas Lindner Wolfgang Bühne

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Tony Anthony bekommt den Auftrag, die Übersetzung zu überarbeiten, die
Den Tiger zähmen Bibel weit zu verbreiten und dabei nicht auf Fürsten und
Fliß, Pb. 218 S., € 13,80 Würdenträger, sondern auf Gott allein zu vertrauen.
Thomas, der junge Übersetzer, zieht allerdings die Auf­
Wer sich von dem eigenartigen Titel und dem merksamkeit des römischen Klerus auf sich, der ihn durch
relativ hohen Preis abhalten lässt dieses Buch Versprechungen und Intrigen für seine Ziele gewinnen will
zu lesen, verpasst einen der spannendsten und beinahe sein Ziel erreicht.
Lebensberichte aus der Gegenwart, die zur Der Autor hat es verstanden, die historischen Ereignisse
Zeit auf dem Markt sind. Es ist ein Rückblick des Autors, in eine aufregende Familien- und Liebesgeschichte einzu­
der seine Lebensgeschichte erzählt: Als vierjähriger Junge packen, die – abgesehen von gelegentlichem und überflüs­
wird er von seinen Eltern weggeholt und zu seinem ihm un­ sigem Kitsch – Einblick in die damaligen gesellschaftlichen
bekannten Großvater nach China gebracht. Dieser hat als und politischen Umstände bietet, in denen sich Christen be­
hoch angesehener Großmeister in der uralten Kampfkunst währen mussten.
Kung Fu die Aufgabe, seinen einzigen Enkel in diese religiöse Die Verlogenheit und die eiskalte Brutalität der katho­
Kampfkunst einzuführen. lischen Kirche wird in ihrer ganzen Schwärze geschildert
Mit unglaublicher Strenge und erbarmungsloser Härte und zeigt ein realistisches Bild von der damaligen Kirche
wird aus dem verschüchterten, ängstlichen Jungen ein und ihrer Politik, mit allen Mitteln die Verbreitung der Bibel
Käm­p­­fer, der nach jahrelangem Training schließlich drei­ und des Evangeliums zu verhindern.
facher Weltmeister in diesem Sport wird. Durch die sehr spannende Darstellung sicher auch für
Sein nächster Lebensabschnitt ist davon geprägt, als Leib­ jüngere Leser ein Anreiz, die Kirchengeschichte besser ken­
wächter hochrangiger und besonders gefährdeter Politiker nen zu lernen.
und Wirtschaftsleute für Sicherheit zu sorgen und so inter­ Wolfgang Bühne
national Karriere zu machen. Dabei erlebt er Situatio­nen,
die jeden Krimi blass aussehen lassen. Gleichzeitig entwi­ Holger Klaewer
ckelt er sich aber durch seine Brutalität zu einem Schwer­ Große Rätselsammlung
verbrecher, der schließlich in Zypern in einem Hoch­sicher­­­
heitsgefängnis landet, das jeder Beschreibung spottet. CLV, Pb., Großformat (DIN A4), 128 S., € 9,90
Ausgerechnet dort kommt er durch die Arbeit eines eng­
lischen Evangelisten zum Glauben, bildet sich durch die Gerade in der heutigen Zeit, wo Sudoku
Emmaus-Kurse weiter und findet nach seiner Entlassung und andere Knobeleien wieder beliebt
und Rückkehr nach England in einer winzigen, konserva­ sind, bietet dieses ansprechend aufge­
tiven „Brüderversammlung“ sein geistliches Zuhause. machte Rätselheft mit 150 biblischen
Der dritte Teil seines Lebensberichtes ist das bewegende Rätseln die Möglichkeit, nicht nur seine
Bekenntnis, wie Tony durch Rückfälle und persönliche Sün­ „grauen Zellen“ zu trainieren, sondern gleichzeitig das Wort
de nun als Christ wieder im Gefängnis landet und dort durch Gottes besser kennen zu lernen.
Selbsterkenntnis und Buße von Gott zu einem brauchbaren, Zu jedem Buch des Neuen Testamentes gibt es zahlreiche
gedemütigten Werkzeug zubereitet wird. Inzwischen arbei­ Rätsel mit Begriffen und Fragestellungen aus diesem Buch
tet er als Evangelist in verschiedenen Ländern. (sie können also auch gezielt als Einstieg in ein biblisches
Wem der Mittelteil der Lebensgeschichte zu brutal ist, Buch verwendet werden). Neben den klassischen Kreuzwort­
der sollte ab Seite 162 weiterlesen – es lohnt sich. rätseln gibt es eine Vielzahl verschiedenster Rätsel­varianten
Ein Buch, das von der ersten bis zur letzten Seite span­ (z.B. Such-, Schnecken-, Silben- und Brückenrätsel), die für
nend ist und durch seine Ehrlichkeit sowohl Außenstehende jeden Geschmack etwas Passendes bieten. Die Rätsel sind
wie auch Christen tief beeindrucken wird. in vier Schwierigkeits-Kategorien eingeteilt, so dass sowohl
Kinder als auch Denker und Tüftler geeignete Rätsel fin­
Wolfgang Bühne den. Die vollständigen Auflösungen im Anhang helfen bei
Problemen auf die Sprünge, sollten aber von ehrgeizigen
Jack Cavanaugh:
Rätselfreunden nur zur abschließenden Kontrolle herange­
Schimmer der Wahrheit zogen werden.
John Wycliff und die englische Bibel Die beiliegende CD-ROM, die alle Rätsel in elektronischer
Francke, Tb., 328 S., € 7,95 Form enthält, macht den Rätselband zu einer idealen Ma­
In dieser spannenden historischen Erzählung terialsammlung für Kinderstunden, Jungschargruppen und
geht es vor allem um einen jungen sprach­ Freizeiten. Aber er ist auch ein schönes Geschenk für Jung
begabten Schüler Wycliffs, dem der inzwischen hochbe­ und Alt sowie ein wertvolles Gepäckstück für die Ferien
tagte Vorreformator kurz vor seinem Tod sein Lebenswerk oder bei Krankenhaus-Aufenthalten.
– die von ihm übersetzte Bibel übergibt. Der junge Mann William Kaal

Diese Bücher können in jeder Christlichen Buchhandlung oder bei folgender Adresse bestellt werden:
Christliche Buchhandlung Wolfgang Bühne, Eisenweg 2, D-58540 Meinerzhagen, Tel.: 02354-709585

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Wolfgang Bühne • Postfach 11 26 • D-58540 Meinerzhagen
PVSt. • Deutsche Post AG • Entgelt bezahlt! • VKZ H 11661


» eder zeitliche Besitz
kann in einen ewigen Schatz
verwandelt werden.
Was immer wir Christus geben,
wird noch im gleichen
Augenblick unsterblich.«
A.W. Tozer