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4 2006

H 11661
Meinerzhagen
Nummer 116
Jahrgang 2006

Zeitschrift für
aktive Christen

Mit Ausharren laufen


Mit Ausharren laufen
den vor uns liegenden Wettlauf
den vor uns liegenden Wettlauf
Hebräer 12.1 Hebräer 12.1
Impressum Sein Kommen nach Lukas 2 Sein Sterben nach Lukas 24
Heft
Nr. 116 Und es geschah, als sie daselbst waren, Und es geschah, als sie daselbst waren,
4/2006 wurden ihre Tage erfüllt, wurde seine Stunde erfüllt,
dass sie gebären sollte. dass er sterben sollte.
Herausgeber Und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn Und es starb der eingeborene Sohn –
CLV und wickelte ihn in Windeln und man wickelte ihn in Linnen
Christliche Literatur- und legte ihn in eine Krippe, und legte ihn in eine Gruft,
Verbreitung e.V. weil in der Herberge kein Raum für sie war. weil in den Herzen kein Raum für ihn war.
Postfach 110 135
33661 Bielefeld Und es waren Hirten in selbiger Gegend, Und es waren Fischer in selbiger Gegend,
die auf freiem Felde blieben die hinter verschlossenen Türen blieben und
Bankkonto und des Nachts Wache hielten des Nachts Angst hatten vor den römischen
Postbank Hannover über ihre Herde. Wachen – eine versprengte Herde.
Kt.-Nr.: 25 24 309
BLZ: 250 100 30
Und siehe, ein Engel des Herrn Und siehe, der Auferstandene
stand bei ihnen stand bei ihnen
Sonderkonto für und die Herrlichkeit des Herrn und die Wundmale des Herrn
Außenmission umleuchtete sie. verwunderten sie.
Für Lateinamerika, Und sie fürchteten sich Und sie fürchteten sich
Russ­land, usw.: mit großer Furcht. mit großer Furcht.
CLV-Auslandshilfe Und der Engel sprach zu ihnen: Und der Auferstandene sprach zu ihnen:
Volksbank Meinerz-
Fürchtet euch nicht, denn siehe, Fürchtet euch nicht, denn siehe,
hagen
Kt.-Nr.: 101 210 3300
ich verkündige euch große Freude, ich verkündige euch große Freude,
BLZ: 45 86 16 17 die für das ganze Volk sein wird: die für die ganze Welt sein wird.
Denn euch ist heute, in Davids Stadt, Denn euch ist heute die Rettung
Bitte immer den
Ver­­­wendungszweck ein Erretter geboren, bewirkt worden, denn dazu
angeben und bei Spen- welcher ist Christus, der Herr. musste der Christus leiden.
denbescheini- Und die Engel Und er wurde
gungs-Wunsch auf fuhren auf in den Himmel. hinaufgetragen in den Himmel.
eine vollständige
Absender-Anschrift
Und die Hirten kehrten zurück, Und sie kehrten nach Jerusalem zurück
achten. Danke sehr!
priesen und lobten Gott über alles ... mit großer Freude und priesen Gott ...

Erscheinungsweise Wir wünschen allen Lesern Gottes Segen für das Jahr 2007 und große Freude –
er­scheint sowohl an dem Kind in der Krippe, als auch an dem großen Heiland!
vierteljähr-
lich und
kann ko­sten­los be-
zogen werden.

Schriftleiter und
Versandstelle
Wolfgang Bühne
Postfach 1126
58527 Meinerzhagen Inhalt:
Paul Humburg Der Heiland-Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
Bestellungen, Andreas Fett Stricke und Verstrickungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Abbestell­­ungen sowie Richard Mayhue Hartes Training als Grundausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Adressänderungen bitte Wolfgang Bühne Mehr Druck – mehr Wachstum! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
umgehend an folgende Randy Alcorn Fenster? Nein! – Fernseher? Ja! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Adresse senden:
Wolfgang Bühne Der E-Faktor . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
A. Fett, Schoppen 1
58540 Meinerzhagen; Johannes Pflaum Gottesbilder und Gotteserkenntnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
e-Mail: AF@clv.de Gerrit Alberts Das Gute an schlechten Zeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
für die Schweiz: Hinweise Termin-Anzeigen für 2007 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
fut@schottikon.ch Buchbesprechungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

fest+treu | 04/2006
Paul Humburg

Der Heiland-Gott
Er kann nicht anders ...

Es tut mit leid – Jesus hat immer Zeit für jeden Sünder,
ich hab keine Zeit. der sein Angesicht sucht.
Ich bin spät dran, Er lässt einen ganzen Tisch voll Pharisäer sitzen
also – bis dann! und bemüht sich um die eine Sünderin,
Du musst verstehn: die ihn gerade jetzt braucht.
ich muss jetzt gehn! Er lässt neunundneunzig Gerechte stehen
und geht dem einen Verlorenen nach,
der sich verirrt hat.
Er lässt die ganze Stadt Jericho kopfschüttelnd
nach Hause gehen; denn er muss ja bei Zachäus einkehren,
der mit seiner Sünde und seiner Schuld
vor Gott nicht mehr fertig werden konnte.
Eine drängende Menge beachtet der Herr kaum;
aber die eine Frau, die den Saum seines Gewandes
im Glauben angerührt hatte, die zieht er hervor
und spricht ihr seinen Frieden zu.
Hungrig und durstig sitzt er am Jakobsbrunnen;
aber als er die Samariterin erblickt
und in ihre Not hineinschaut,
da merkt man bei ihm nichts von Ermattung.
aus: P. Humburg, Keiner wie ER!
Francke, Lahn; 1978, Seite 80 Er ist ganz der Heiland für sie und für die Bürger ihrer Stadt.
Er mag sich müde am Wegesrand niedergelassen haben,
aber nicht ein einziges Kind dürfen seine Jünger wegschicken.
»Lasset die Kindlein zu mir kommen.«
Er vergisst seine eigene Qual und Sterbensnot und alles um sich her
und reicht dem Mitgekreuzigten seine Retterhand,
dass er sich aus den Todeswellen hineinberge
in die Arche seiner Gnade.
Ja, unser Herr hat immer Zeit für Sünder.

fest+treu | 04/2006 
Andreas Fett

Stricke und Verstrickungen


Was uns fünf Seile der Bibel lehren können

Der unerbittliche Strick und sich damit selbst „einen Strick gedreht“, sei-
nen Untergang herbeigeführt, sein Todesurteil
»Bindet das Festopfer mit Stricken bis besiegelt. „Ich bin nicht widerspenstig gewe­
an die Hörner des Altars.« Psalm 118,27 sen, bin nicht zurückgewichen. Ich bot meinen
Rücken den Schlagenden und meine Wangen

1
Diese nicht ganz eindeutig zu übersetzende den Raufenden, mein An­gesicht verbarg ich
Stelle aus den Psalmen gibt einen grau- nicht vor Schmach und Speichel.“ (Jes 50,5-6)
sigen Hinweis: Viele Tiere, die zum Opfer- Wieviel mehr als Simson hätte er seine Stricke
altar geführt wurden, sträubten sich offenbar abschütteln und seine Fesseln als Farce erweisen
bei ihrem letzten Gang. Spürten sie instinktiv ihr können. Aber er streckte seine Hände freiwillig
Ende? Witterten sie das Blut an den „Hörnern aus. Daher fragte er: „Warum seid ihr ausgezogen
des Altars“ (2Mo 29,12)? Deshalb musste nicht wie gegen einen Räuber mit Schwertern und Stö­
selten das Opfertier zum Altar gezogen werden. cken, mich zu fangen? Täglich saß ich bei euch,
Dazu legte man ihm einen Strick um den Hals. im Tempel lehrend, und ihr habt mich nicht ge­
Das andere Ende schlang man um eines der Hör- griffen.“ (Mt 26,55) Dennoch schleppte man ihn
ner des Altars. Nun konnte mittels der ›Umlenk- ge­fesselt von Verhör zu Verhör (Joh 18,24; Mk
rolle‹ das Tier bis zur Schlachtstatt gezo- 15,1), in Banden, wie einen Übeltäter (2Tim 2,9).
gen werden – bis Horn an Horn stieß.

Bisher haben wir zwei Stricke verglichen:


– den Strick eines unfreiwilligen
Opfers, das sich weigert – und
Bei dem hebräischen Wort für ›Opfer‹ (Korban) – den Strick eines Opfers, das nicht
klingt etwas an von „Nahekommen“. Der Op- widerspenstig gewesen ist.
fernde konnte nur so Gott nahen – um den Preis
eines Opfers. Nun wollen wir zwei weitere betrachten:
Wenn Luther diese Stelle mit „schmücket das – den Strick eines Hohenpriesters,
Fest mit Maien (Girlanden)“ übersetzt, so er- der gezogen werden muss – und
wähnt er dennoch: „Bei Psalm 118 wussten wir – den eines Hohenpriesters, der zieht!
durchaus wohl, dass die jüdischen Rabbiner so
lesen: ›bindet das Osterlamm mit Seilen bis an
die Hörner des Altars...‹ Weil denn solch jüdi­
scher Sinn dieses Textes irrig ist und wir wissen, Der ›man-weiß-ja-nie‹-Strick
dass dieser Psalm von Christus und seinem Reich
singt ... so haben wir es deutlich gemacht.“1 »Das Volk ... wunderte sich darüber,
dass er im Tempel verzog.« Lukas 1,21
Der überflüssige Strick

3
Der große Versöhnungstag war der ein-
»Sie banden Jesus und führten ihn zige Tag im Jahr, an dem das Allerheilig­ste
zum Hohenpriester.« Johannes 18,12 betreten werden durfte. Der Hohepries-
ter war die einzig befugte Person, der Gott den

2
Der Herr bewegte sich täglich frei im Tem- Zutritt durch den Vorhang gewährte. Es war die
pel, doch seine Häscher kamen heimlich einzige Gelegenheit, vor Gottes Gnadenthron zu
bei Nacht. Als sie ihn verhaften wollten, treten – aber niemals ohne das Blut eines Opfers
ging er freiwillig auf sie zu. „Als er nun zu ihnen (Hebr 9.7)! Unwürdige Priester wurden vor Got-
sagte: ›Ich bin‘s!‹, wichen sie zurück und fielen tes Altar niedergestreckt: (siehe Nadab und Abihu
zu Boden.“ (Joh 18,6). Er wich nicht zurück! Er in 3Mo 10,1). Gott hatte angeordnet: „Unter­
sträubte sich nicht. Er ließ sich fesseln! Er war scheidet zwischen dem Heiligen und dem Unhei-
opferbereit, obwohl er genau wusste, was ihm ligen, zwischen dem Reinen und dem Unreinen,
bevorstand. Ihn musste man nicht zur Hinrich- wenn ihr in das Zelt der Zusammenkunft hin­
tung zerren. Ihn hätte man nicht gefesselt ab- eingeht, dass ihr nicht sterbt ...“ (3Mo 10,10). Um
führen müssen. Er hat uns mit jeder Faser geliebt das Allerheiligste betreten zu können, musste

 fest+treu | 04/2006
der Hohepriester strengste Reinigungsvorschrif- Hoherpriester, dessen Leichnam man aus dem
ten befolgen. Nach jüdischer Überlieferung Todesbereich bergen musste. Der Auferstandene
band man zur Vorsicht dem Hohen- selbst zieht: Er zieht uns zu sich!
priester ein Seil um die Hüfte2! Nicht wir halten den Anker – der Anker hält
Wozu das? uns. Nicht wir ziehen – er zieht! Das betrifft Got-
tes Seite – darin ruht unsere völlige Sicherheit.

Mit diesem Strick konnte man ihn notfalls her- Doch zu diesen Stricken, die uns Gottes Heils­
ausziehen, wenn ihm etwas zustoßen sollte. tat verdeutlichen, kommt eine fünfte Kate-
Denn kein Mensch durfte das Heiligtum betre- gorie, die unsere Verantwortung anmahnt.
ten, während der Hohe­priester hineinging, um Es lauern unzählige Fangschnüre und Fall-
Sühnung zu tun, bis er wieder herauskam (3Mo stricke, vor denen wir auf der Hut sein müs-
16,17). Mit der ›Bergungsleine‹ hätte man ihn sen. Deshalb: Vorsicht vor Verstrickungen!
aus dem ›Gefahrenbereich‹ ziehen können.
Die heilige Scheu vor dem Betreten des Aller-
heiligsten lässt sich ein wenig an den Wartenden
in Lk 1 ablesen. Als Zacharias über die gewohnte Der selbstgedrehte Strick
Zeit im Tempel verzog, befürchteten sie ...
»Lasst uns jede Bürde und die leicht um-
Der hinlängliche Strick strickende Sünde ablegen« Hebräer 12,1

5
»Wir haben einen Anker, der bis ins Innere Mehr denn je revoltiert der autonome Wenn ich
des Vorhangs hineingeht.« Hebräer 6,18 Mensch gegen Gottes Gebote: „Lasst uns
zerreißen ihre Bande, und von uns werfen
von der Erde

4
Wenn „alle Stricke reißen“ – dieser nie! ihre Seile!“ (Ps 2,3) Weg mit göttlichen Geboten. erhöht bin,
Wir haben eine Zuflucht gefunden, ha- Weg mit biblischen Bandagen! Weg mit frommen werde ich alle
ben eine Hoffnung ergriffen, haben eine Fesseln! Bloß keine einschnürende Enge. Bloß zu mir ziehen.
Rettungsleine gepackt, die als ein sicheres und keine Gängelei. Doch statt Freiheit zu erreichen,
festes Ankerseil bis in „das Innere des Vorhangs verstrickt man sich in immer tiefere Gebunden-
hineinreicht“ (Hebr 6,18-20). heit. Salomo, der es aus bitterer Erfahrung wissen
Wenn ein großer Frachter eine gefährliche muss, warnt: „Deine eigenen Missetaten werden
Hafeneinfahrt passieren muss, kommt ihm ein dich fangen, und in deiner Sünde Banden wirst
Lotsenboot entgegen. Dieses ortskundige, wen- du festgehalten werden.“ (Spr 5,22) Wer seine
dige Schiff zieht ein Schiffstau vom Frachter Bindung an Gott aufgibt, wird so „frei“ sein wie
hinter sich her und vertäut es am sicheren Ufer. ein Drachen, dessen Lenkschnur zer­reißt und der
Nun muss das große Schiff nur noch in den Ha- sich im nächsten Gestrüpp verheddert.
fen gezogen werden. Dieses Bild aus der Schiff- Deshalb: „Tue nun Buße ... denn ich sehe, dass
fahrt liegt unserem Text zugrunde. Jesus hat als du in Galle der Bitterkeit und in Banden der Un­
„Vorläufer“ – als „Lotsenboot“ – für uns im Him- gerechtigkeit bist.“ (Apg 8,23)
mel festgemacht. Wir sind verankert in Aber diese Aufforderung gilt auch uns Chris-
seiner Rettungstat. Er hat uns an sich ten: Deshalb: „Lasst auch uns, indem wir jede
gebunden. Bürde und die leicht umstrickende Sünde able­
gen, mit Ausharren laufen den vor uns liegen­
den Wettlauf, hinschauend auf Jesus, den An­
Kurz vor seinem Sterben sagte er: „Und ich, fänger und Vollender des Glaubens, welcher, der
wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle Schande nicht achtend, für die vor ihm liegende
zu mir ziehen. Dies aber sagte er, andeutend, Freude das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat
welches Todes er sterben sollte.“ (Joh 12,32-33) zur Rechten des Thrones Gottes.“ (Hebr 12,1) ■
Er zog uns „mit Seilen der Liebe“ (Hos 11,4).
[1] Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens (1533), in:
Ein reißfestes Tragseil führt vom Felsen Gol- E. Mühlhaupt (Hg.), Luthers Psalmenauslegung 3, Göttingen 1965, S. 344.
gatha bis hinauf zur „Gipfelstation“. Er ist kein [2] Hinweise in den rabbinischen Schriften zu Gebräuchen am „Yom Kippur“

Ziehe mich: wir werden dir nachlaufen. Der König hat mich in seine Gemächer geführt:
wir wollen frohlocken und deiner uns freuen, wollen deine Liebe preisen ... (Hohelied 1,4)

Er wird mich bergen in seiner Hütte ..., er wird mich verbergen in dem Verborgenen
seines Zeltes; auf einen Felsen wird er mich erhöhen ... und Opfer des Jubelschalls will
ich opfern in seinem Zelt, ich will singen und Psalmen singen dem HERRN. (Ps 27, 5-6)

fest+treu | 04/2006 
R i c h a r d M ay h u e

Hartes Training
als Grundausbildung
Warum haben anscheinend nur so wenige unter den Glaubenshelden des Alten und
Neuen Testamentes den Lebenskampf gewonnen? Was können wir von ihnen lernen?
Sie waren gläubige Män­ner und Frauen, die das Leben aus der göttlichen Perspektive
sehen lernten. Sie betrachteten jedes Ereignis entweder als eine Lektion oder eine
Prüfung von Gott – auch die schwierigsten und unverständlichsten Lebenssituationen.

Als aufstrebender junger Marineoffizier muss- unsere Muskeln wurden stärker. Vor allem aber
te ich mich nie einer Grundausbildung unter- wa­ren wir körperlich topfit für den Einsatz. Ich
ziehen. Aber als ich Seekadett wurde (zwischen bin nie wieder so gut auf alle Eventualitäten
Gott hat auf meinem 2. und 3. Jahr im College); verbrachte vorbereitet worden, obwohl ich mich nie frei­
geistlicher ich acht Wochen in einem Trainingslager, in dem willig einer solchen Tortur ausgesetzt hätte und
ich eine Grundausbildung bekam. Wir muss- während dieser Zeit gemeinsam mit meinen
Ebene auch ein ten um 5 00 Uhr morgens aufstehen und schon Leidensgenossen ständig gejammert habe. Erst
Trai­ningspro- zehn Minuten später erste Gymnastik-Übungen nach und nach erkannten wir Sinn und Zweck
gramm für seine durchexerzieren. Unsere alltäglichste Fortbewe- dieser Schin­derei. Als uns klar wurde, dass wir
Kinder. Der Herr gungsart war der Dauerlauf. Häufig muss­ten wir in lebensbedrohlichen Kampfsituationen weit-
ohne erkennbaren Grund zusätzliche Liegestüt- aus bes­sere Überlebenschancen hatten, weil man
bereitet uns auf
zen oder Klimmzüge machen. Wenn einem aus unsere Sinne geschärft und unsere Körper ge-
den Glaubens­ unserer Einheit ein Fehler unterlief, wurden alle stählt hatte, waren wir dankbar für das harte
kampf vor, indem dafür bestraft – mit weiteren kräftezehrenden Training, dem wir uns zunächst so widerwillig
er uns zunächst Übungen. Meistens ergaben diese Schikanen ausgesetzt hatten.
in schwierige keinen Sinn, und uns wurde auch nicht gesagt,
warum das alles so wichtig sei. Damals wussten Das Trainingsprogramm Gottes
Situationen
wir noch nicht, dass wir unschätzbare Lektionen Gott hat auf geistlicher Ebene ein ähnliches
bringt! des bedingungslosen Gehorsams lernten, damit Trai­ningsprogramm für seine Kinder. Der Herr
wir uns auf etwas vorbereiteten, was wichtiger bereitet uns auf den Glaubenskampf vor, indem
war als das, was wir gerade durchmachten. Un- er uns zunächst in schwierige Situationen bringt
sere Erfahrung war nur ein Mittel zum Zweck. (Hebr 12, 4-11; Jak 1,2-4). Für viele von uns sind
diese Lebenskämpfe anfangs vielleicht unerträg-
Der Sinn von Schweiß und Schinderei lich. Häufig meinen wir, kein Licht am Ende des
Es dauerte eine ganze Weile, aber dann hat- Tunnels zu sehen. Manche von diesen Schwierig-
ten wir nicht mehr einen so starken Muskelkater, keiten haben für uns keinen Sinn und Zweck,
weil unsere Form täglich besser wurde. Wir be- aber Gott verspricht uns ein Überleben, ja sogar
kamen mehr Kondition und vermochten längere einen Erfolg, wenn wir ihm weiter vertrauen,
Strecken zurücklegen. Durch das Training konn- dass er uns hilft, die Prüfungen zu bestehen (1
ten wir klarer denken, wir wurden schlanker, Kor 10,13). Das war auch das geistliche Erfolgs-

 fest+treu | 04/2006
geheimnis von Daniel, Ruth, Hiob und Joseph. wenn Paulus der Versuchung nach­gegeben hät-
Trotz der großen Schwierigkeiten, trotz des Leids, te, mit diesem einzigartigen Privileg zu prahlen.
das sie ertragen mussten, bestanden sie die Prü- Aber er hätte damit die Gnade Gottes in seinem
fungen, weil Gott für sie im Zentrum ihres All- Leben kleiner gemacht. Zur Vorbeugung gegen
tagslebens stand. die Sünde des Stolzes gab der Herr dem Apos-
Es gibt mindestens sechs wichtige „Prüfungs- tel Paulus „einen Pfahl fürs Fleisch“. Er erlaubte
ziele“, die man nur durch ein hartes geistli- es einem Boten Satans, ihn mit den Fäusten zu
ches Training erreichen kann. Auch die größten traktieren (2Kor 12,7). Aber diese Erfahrung ge­
Glaubenshelden wurden von Gott nur auf diese hörte für Paulus zur Grundausbildung Gottes.
Weise auf ihren Dienst vorbereitet! Obwohl er Gott dreimal angefleht hatte, diesen
Stachel zu entfernen, erinnerte ihn unser Herr
Eine Perspektive gewinnen daran, dass seine Gnade alles sei, was er brauche

1
Nur wenige Verheißungen, die Jesus seinen (2 Kor 12,9). Es klingt wie eine Ironie, aber Gott
Jüngern gab, hatten sich bis zu deren Le­ benutzte Satan als Werkzeug zur Vorbeugung
bens­ende erfüllt. So saß keiner von ihnen gegen jenen Stolz, den der Teufel unbedingt
auf einem Thron und richtete die zwölf Stämme för­dern wollte (1Tim 3,6)
Israels (Mt 19,28). In Wirklichkeit waren alle Apos-
tel als Märtyrer gestorben, alle bis auf den nun- Vorbereiten

3
mehr über neunzig Jahre alten Johannes, der als Wie bereitet man einen jungen Mann am Göttliche „Prü­
Gefangener Roms auf die Insel Patmos verbannt besten auf Erfolg, Ruhm und eine Macht- fungsziele“ kann
worden war (Ofb 1,9). Nur zwei der vielen durch position auf höchster Ebene vor? Als Gott
den Dienst des Johannes gegründeten Gemeinden Joseph für die Position als zweiter Herrscher in man nur durch ein
wurden von seinem Herrn uneinge­schränkt ge- Ägypten ausbildete (1Mo 41,40), wählte er dafür hartes geistliches
lobt (vgl. Ofb 2,8-11; 3,7-13). Die Gemeinde in einen Knast voller widriger Umstände und nicht Training erreichen.
Smyrna musste um Christi willen vieles erleiden. einen Palast voller ägyptischer Genüsse. In Kapi- Auch die größten
Vielleicht fragte sich Johannes manchmal, was tel 39 sehen wir, wie Joseph von seinen Brüdern Glaubenshelden
es denn mit der Verheißung Jesu auf sich habe, verlassen, von seiner Arbeitgeberin verleumdet,
eine unüberwindliche Gemeinde zu bauen. Das und von seinen Freunden vergessen wird. Aber wurden auf diese
düstere Bild, das sich dem Apostel am Lebens­ all diese Erfahrungen gehörten für Joseph zur Weise auf ihren
abend bot, dieses scheinbare Schei­tern der herr- Grundausbildung Gottes. Ein Geringerer als er Dienst vorbe­-
lichen Zukunftsaussichten, die Jesus auf dem hätte dieses harte Training vorzeitig abgebro- reitet!
Höhepunkt seiner Beliebtheit schilderte (Mt 16, chen und sich damit von dem Plan und den Zie-
28), boten einen krassen Gegensatz für Johannes, len Gottes verabschiedet. Fast 40 Jahre später,
als er die „Offenbarung Jesu Christi“ empfing. als in dieser Angelegenheit das letzte Wort ge-
Aber all diese Erfahrungen gehörten für Johan­ sprochen war, schilderte Joseph seinen Brüdern
nes zur Grundausbildung Gottes. Das Licht, das die Absichten, die Gott mit den schweren Prü-
uns im Buch der Offenbarung geschenkt wird, fungen in seinem Leben hatte:
drang mit seinem hellen Schein in die Düsternis „Ihr gedachtet mir zwar Böses zu tun; aber
seines Lebens und machte ihn zum idealen Werk- Gott gedachte es gut zu machen, um es so
zeug für die Niederschrift der herrlichen Wahr- hinauszuführen, ... um ein zahlreiches Volk
heit über einen zu­künftigen, aus ei­nem schein- am Leben zu er­halten“ (1Mo 50,20).
­ba­ren Versagen ent­­­stehenden Triumph. Weil er Joseph wurde in der »Diplomatenschule« der wi­
Leid und Bedräng­nis aus eigenem Erleben kann- drigen Umstände auf seine Aufgaben vorbereitet.
te, aber jetzt die Herrlichkeit Christi in Gegen-
wart (Ofb 1,9-20) und Zukunft (Ofb 19,11-16) Ein konkreter Beweis
sah, konnte Johannes doch am Ende seines ent- für das Handeln Gottes

4
behrungsreichen Lebens voller Zuver­­sicht beten: Er hatte zwei babylonischen Königen her-
„Ja, komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,20). vorragend gedient. Auch als das Reich an
die Perser fiel, gehörte Daniel zu den höch­
Vorbeugen sten Regierungsvertretern (Dan 5,30 - 6,4). Weil

2
Ein altes Sprichwort lautet: „Vorbeugen ist seine Kollegen ihn wegen seiner herausragenden
besser als Heilen.“ So war es auch im Leben Fähigkeiten beneideten, planten sie für ihn den
des Apostels Paulus. Er wurde in den drit- sicheren Tod in der Löwengrube (6,5-21). Nach
ten Himmel entrückt, in Gottes Herrlichkeit, aber einer unerwartet ruhigen Nacht stand Daniel je-
er berichtet nur sehr zaghaft von diesem Erleb- doch unversehrt auf und begrüßte den König
nis. Bestimmt hätte es ihm ein paar Pluspunkte mit diesen Worten:
bei den Korinthern eingebracht, die verächtlich „Mein Gott hat seinen Engel gesandt und
auf den Apostel herabsahen (2Kor 10,10). Aus den Rachen der Löwen verschlossen, dass
menschlicher Sicht wäre es verständlich gewesen, sie mir kein Leid zufügten“ (Daniel 6,23).

fest+treu | 04/2006 
Das Überleben Daniels unter hungrigen Löwen Durch sein Leid wurde Hiob geläutert und zu ei­
lieferte den Beweis, dass der Gott Daniels der nem nützlicheren Werkzeug im Plan Gottes.
wahre, lebendige, ewige Gott ist (6,26-28). Weil
die Demonstration der Gegenwart Gottes in Da- Wir werden gezüchtigt

6
niels Leben so überzeugend war, ließ Darius in Die vorherigen fünf „Prüfungsziele“
seinem ganzen Reich verkünden, dass die Herr- Gottes dienen letztendlich positiven
schaft dieses Gottes kein Ende hat! Ob tot oder Zwecken und haben nichts zu tun mit
lebendig, in Glück oder Unglück, Daniel lebte Sünde im Leben eines Menschen. Das war jedoch
immer im Bewusstsein der höheren Ziele Gottes. nicht der Fall bei David, einem Mann nach dem
Herzen Gottes (Apg 13,22). Er hatte mit Bathse-
Wir werden geläutert ba eine schwere Sünde be­gangen und ließ sogar

5
Nach dem Zeugnis Gottes war Hiob einer ihren Mann Urija töten (2 Sam 11). Mehrere Mo-
der gerechtesten Männer auf Erden, aber nate lang unternahm der ansonsten so privile-
er war nicht sündlos. Seine Angriffsflächen gierte David nichts gegen sein schreckliches Ver-
sowohl körperlicher als auch geistlicher Art zei­ schulden.
gen sich in Hiob 1 bis 41, wenn er von Satan als In Psalm 32,3-4 wird uns geschildert, wie es ist,
auch von seinen Freunden angegriffen wird. Hiob wenn man Gott seine Sünde nicht bekennt und in
legt dabei eine überhebliche Sicht von seinem einem Zustand der göttlichen Züchtigung und
Diese göttlichen Wissen über Gott und über seine Wege an den Bestrafung lebt. Die Hand Gottes lag schwer auf
Trainingsein- Tag. Auch seine außergewöhnliche Beziehung zu David, bis er endlich seine Sünde bekannte und
heiten geschehen Gott befreite ihn nicht von einem Training in der sich von ihr abwandte (vgl. 2 Sam 12,13; Ps 51).
zu unserem Besten geistlichen Grundausbildung. Die schweren Prü- Dennoch blieb im weiteren Verlauf seiner Regie-
und zu Gottes Ehre. fungen, die in einem Einzelunterricht in Theolo- rungszeit die züchtigende Hand Gottes über Da-
gie gipfelten (Hi 38-41), offenbarten Hiob seine vid (2Sam 12,10-12,14). Trotz der wunderbaren
Wir müssen uns eigene Sünde. Er hatte viel zu viel von sich ge- Verheißungen Gottes für David zahlte sowohl er
aber in ihnen üben, halten. Deshalb gesteht er schließlich vor Gott: selbst als auch seine Familie einen unvorstellbar
damit wir Schwie­ „Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, hohen und schmerzlichen Preis für diesen Fehl-
rigkeiten und aber nun hat mein Auge dich gesehen. Da- tritt mit Bathseba und seinen jämmerlichen Ver-
Prüfungen aus der rum spreche ich mich schuldig und tue such, seine Sünde vor Gott zu ver­bergen.
Buße in Staub und in Asche!“ (Hi 42,5-6). Auch wir können unsere Sünde nicht verste-
ewigen Perspektive Je reiner das Herz eines Gotteskindes ist, desto cken. Sie wird immer ans Tageslicht kommen,
sehen. heißer muss das Feuer der Läuterung sein, damit und auf die eine oder andere Art wird Gott uns
die restlichen Schlacken weggebrannt werden. dafür züchtigen.

Wie wir uns in der Grundausbildung Gottes verhalten sollen

Wenn die Prüfungen des Lebens auf uns zukom- beharrlich den „guten Kampf des Glaubens
men, dürfen wir wissen, dass Gott durch dieses kämpfen“ (1Tim 6,12).
Training seine Absichten verwirklicht. Vielleicht „Von dem HERRN werden die Schritte des
werden wir über das Warum erst etwas erfahren, Mannes befestigt, und an seinem Weg hat
wenn die Tests längst abgeschlossen sind. er Wohlgefallen; wenn er fällt, wird er nicht
Es kann aber auch sein, dass wir die wahren hingestreckt werden, denn der Herr stützt
Gründe nie erfahren. Solange die Trainingsphase seine Hand.“ (Ps 37,23-24)
andauert, werden wir wohl kaum vor Freude Durch die Prüfungen, mit denen Gott uns für
jauchzen oder gleich zu Beginn den Herrn dafür manchen geistlichen Kampf im Leben trainiert,
preisen. Aber bevor wir den Fehler machen und können wir 1. eine Perspektive gewinnen, 2. wir
meinen, dass Gott nicht souveräner Herrscher können vorbeugen, 3. uns vorbereiten, 4. einen
des Universums ist, mache ich einen Vorschlag: konkreten Beweis für das Handeln Gottes be-
Lies unter Gebet noch einmal die sechs ange- kommen, 5. wir werden geläutert und auch 6.
führten Prinzipien durch. Vielleicht kommst du gezüchtigt, wenn es sein muss. Das alles ge-
dann auch zu der Schlussfolgerung, dass Gott schieht zu unserem Besten und zur Ehre Got-
häufig an uns wirkt, ohne uns die Gründe mitzu- tes. Wir müssen uns nur üben, damit wir diese
teilen, weil er uns seinem Sohn Jesus Christus Schwierigkeiten und Prüfungen aus dieser ewi-
ähnlicher machen (Röm 8,29) und durch uns die gen Perspektive sehen können. ■
Ziele seines Reiches verwirklichen will. Wenn wir
uns das bewusst machen, können wir wie die Aus: Richard Mayhue: „Wirf nie das Handtuch! – Von Verlierern und Siegern
lernen“ (mit freundlicher Genehmigung des Schwengeler-Verlags, siehe auch
Glaubenshelden aus alter Zeit konsequent und Buchbesprechung S. 22).

 fest+treu | 04/2006
Wolfgang Bühne

Mehr Druck – mehr Wachstum!


»Onkel Lamb‘s“« Erfahrungen in Haft und Freiheit

Im August dieses Jahres wurde es endlich


möglich, Samuel Lamb in Guangzhou zu besu-
chen und kennen zu lernen. Wir hatten schon
viel von diesem unerschrockenen Prediger des
Evangeliums gehört, dessen Name in ganz China
und weit darüber hinaus bekannt ist.
Guangzhou ist eine große Stadt im Süden
Chinas (siehe Karte) mit etwa 10 Millionen Ein-
wohnern, bekannt als Industrie-Stadt, in der die Guangzhou
größten Messen Chinas stattfinden.
Hongkong
Mitten in dieser Stadt, in der Nebenstraße Macao
„Ronggui Li“, befindet sich ein altes mehrstöck­
iges Haus, in dem sich in aller Öffentlichkeit die
„Untergrundkirche“ versammelt, welche durch
die Arbeit von Samuel Lamb entstanden ist. kannte er bereits die Paulus-Briefe von Römer Samuel begann
Jede Woche kommen hier etwa 1.600 Chris- bis Hebräer auswendig. Zusätzlich einige Psal- sich jeden Morgen
ten zu der Predigt von Samuel Lamb, der jede men, Jesaja 53, die Bergpredigt und Joh 14-17.
Botschaft viermal verkündigt, weil die Räume in Damals ahnte er noch nicht, wie dankbar er Abschnitte aus der
den drei Etagen des Altbaus „nur“ etwa 400 Be- später im Gefängnis sein würde, dass sein Herz Bibel einzuprägen.
suchern Platz bieten. Dort sitzen die Zuhörer wie und Verstand mit Gottes Wort gefüllt wurde. Im Alter von 18
die Sardinen eng zusammengepfercht, wobei 1955, nur wenige Jahre später, nachdem die Jahren kannte er
auf zwei Etagen die Predigt per Video-Übertra- Kommunisten die Macht in China übernommen große Teile des NT
gung mitverfolgt wird. hatten und die Christen unter Druck setzten,
wurde Samuel zunächst zu 16 Monaten verur- auswendig.
Pulsierendes Gemeindeleben teilt und schließlich musste er von 1958-1978 Damals ahnte er
Jeden Sonntag-Abend findet hier zusätzlich zwanzig Jahre hinter Gefängnismauern oder im noch nicht, wie
das Abendmahl statt - mittwochs die Gebets- Straflager verbringen. Er wurde als „Konter- dankbar er später
stunde. Donnerstags ist Evangelisation und Frei- Revolutionär“ verhaftet und verurteilt, weil er im Gefängnis sein
tags werden Hausbesuche gemacht. Alle 14 Tage jeden Sonntag in Guangzhou öffentlich das
wird ein Taufunterricht durchgeführt, denn je- Evangelium verkündigt hatte. Für ihn und seine würde, dass sein
des Jahr werden etwa 300 Neubekehrte getauft. Mitstreiter kam die Verhaftung nicht unerwar- Herz und Verstand
Die Gemeinde besteht zum größten Teil aus jun- tet, sie hatten damit gerechnet. Ihr Rucksack mit Gottes Wort
gen Geschwistern, die mit großem Interesse der war gepackt... gefüllt wurde.
Verkündigung von Samuel Lamb zuhören, der
mit seinen immerhin schon 82 Jahren fast drei- Über 21 Jahre im Gefängnis
mal so alt ist wie die meisten Zuhörer. In der gesamten Haftzeit hatte Samuel Lamb
Wir trafen diesen quicklebendigen und immer keine Bibel. Aber in dieser für uns unvorstellbar
fröhlichen Bruder während der Mittagspause in langen Zeit zehrte er von dem, was er in jungen
der „Ronggui Li“ und er erzählte uns gerne aus Jahren auswendig gelernt hatte. Unter diesen
seinem Leben, wobei fast jeder zweite Satz von schweren Umständen entstanden die meisten
ihm mit einem fröhlichen „Hallelujah!“ oder seiner 40 Lieder, der er gedichtet und zum gro­
„Praise the Lord!“ bekräftigt wurde. ßen Teil später auch vertont hat.
In den ersten Jahren seiner Haft traf er einen
Ein „Nasir“ Gottes! ebenfalls inhaftierten Baptisten-Prediger, der es
1924 wurde er in Macao geboren und sein irgendwie geschafft hatte, ein Neues Testament
Vater gab ihm den Namen „Li Xian Gao“, was mit ins Gefängnis zu schmuggeln. Samuel lieh es
übersetzt bedeutet „das Gott geopferte Lamm“. sich aus, um es abzuschreiben, wurde aber dabei
Daher sein englischer Nachnahme Lamb. Später erwischt und zur Strafe für 15 Jahre in eine
wurde der Vorname Li in Samuel geändert. Kohlen-Mine im hohen Norden Chinas verbannt.
Samuel kam als junger Mann zum Glauben Bei der harten und gefährlichen Arbeit unter
und begann, sich jeden Morgen Abschnitte aus Tage haben viele Mithäftlinge Finger, Zehen und
der Bibel einzuprägen. Im Alter von 18 Jahren oft genug das Leben verloren.

fest+treu | 04/2006 
Doch der Herr hat ihn auch in diesen schweren 1992 wurden bei Samuel Lamb und seinen
Jahren vor Unfällen bewahrt, so dass er heute Mitarbeitern einmal 15.000 Bibeln und Gesang-
noch brillant Klavier spielen kann – am liebsten bücher konfisziert und dennoch wuchs die Ge-
Beethoven-Sonaten. meinde nach jedem Rückschlag um so mehr.
Zwei Jahre vor seiner Entlassung bekam er
eine schockierende Nachricht - der Tod seiner „Je mehr Druck, um so mehr Wachstum,
Frau wurde ihm mitgeteilt. Hallelujah!“
Mit dieser opti-
Ein neuer Anfang mistischen Einsicht
Kaum aus dem Ge- kommentierte Onkel
fängnis, begann Sa- Samuel Lamb la-
muel Lamb wieder in chend die vergan-
Guangzhou das Evan- genen Jahre.
gelium zu verkündi- In den letzten Jah­
gen. Im ersten Jahr ren ist es ruhiger ge-
nach der Haft kamen worden. 2003 kamen
vier junge Leute zum noch einmal drei Po-
Glauben und wurden lizisten und unter-
Samuel Lamb getauft. Gott segnete ­brachen seine Pre-
ist es ein Anliegen, das Zeugnis dieser digt für einige Minu-
kleinen Schar und so ten, beanstandeten
dass in China ein wuchs die Gemeinde aber nur, dass in
unverkürztes auf etwa neunhun- dem Gebäude keine
Evangelium dert Geschwister im Feuerlöscher instal-
verkündigt und Jahr 1989. liert und keine Not-
die Gemeinde ausgänge vorhanden
Natürlich kam es immer wieder zu Verhören, waren. Die anwesenden Geschwister sag­ten:
vor Irrlehren und Hausdurchsuchungen und Störungen. Da aber „Gott bewahrt uns! Glaubt ihr an Jesus?“
Irrlehrern bewahrt Samuel Lamb inzwischen ein Prediger war, der Inzwischen rechnet er nicht mehr mit einer
wird. Dafür lebt er, durch seine lange Haftzeit auch im Ausland be- Verhaftung: „Einen 81jährigen Opa nehmen die
dafür predigt kannt wurde, blieben Verhaftungen aus. 1988 nicht mehr mit“, meinte er schmunzelnd. Die
er und dafür war der Astronaut James Irving zu Gast, Dele- 150 Broschüren, die er zu allen möglichen bib­
gationen aus dem Weißen Haus übergaben ei- lischen und aktuellen Themen geschrieben hat,
schreibt er. nen Kugelschreiber mit einer Gravur von Ronald sind zu Tausenden in den Holzbänken der Ge-
Reagan und immer wieder kamen Journalisten meinderäume verstaut. Darunter auch eine
von bekannten Zeitschriften und Magazinen aus kritische Auseinandersetzung mit dem auch in
dem Ausland oder auch Rundfunk-Reporter, um deutscher Sprache erschienenen Buch „Der
Samuel Lamb zu interviewen und den Westen Himmelsbürger“ („The Heavenly Man“), vor dem
über die Situ­ation der „Untergrund-Kirchen“ in Samuel Lamb und mit ihm viele weitere geistli-
China zu in­formieren. che Führer in China warnen.
Dennoch wurde im Jahr 1990 plötzlich das Samuel Lamb ist es ein Anliegen, dass in
Gemeinde-Haus von 50 bis 60 Polizisten um- China ein unverkürztes Evangelium verkündigt
stellt, alle Literatur, Gesangbücher, die gesamte und die Gemeinde vor Irrlehren und Irrlehrern
Technik, Tausende von Predigt-Cassetten wur- bewahrt wird. Dafür lebt er, dafür predigt er
den beschlagnahmt und das Gebäude geschlos- und dafür schreibt er. Ihm ist bewußt, dass die
sen. Es gab ein 21-stündiges Verhör, bei dem um relative, eingeschränkte Freiheit und der zur
Mitternacht einer der Beamten fragte: Zeit mäßige Druck für das Gemeindeleben ge-
„Onkel Lamb, gibt es wirklich einen Gott?“ sünder sind als die staatliche Anerkennung. Bis-
her waren Zeiten der Verfolgung immer Zeiten
des Segens und des geistlichen Wachstums.
Beten wir, dass es so bleibt. ■
Samuel Lamb
musste von 1958-1978 – also insgesamt zwanzig Jahre – hinter
Gefängnismauern oder in Straflagern verbringen.

10 fest+treu | 04/2006
R a n dy A l c o r n

Fenster? Nein! – Fernseher? Ja!


Instruktionen an den Unterteufel Qualob

Randy Alcorn schildert in seinem hochinteres-


santen Buch „B riefe von G raf M oderthal “ wie geräts sei absolut nichts einzuwenden. Was IHM
der Teufel durch seine Dämonen wirkt. Er will Kummer macht, bringt diese Würmer zum La-
solche, die er nicht an der Bekehrung hindern chen, und was ER verabscheut, betrachten sie als
kann, um jeden Preis und mit der raffiniertesten angenehmen Zeitvertreib.
Verführungs-Taktik daran hindern, glaubwürdige Selbstverständlich beklagen sich viele von ih-
und konsequente Christen zu werden. nen über schlechte Fernsehprogramme, doch das
„Graf Moderthal“ – ein Dämon höherer Ord­nung hält sie glücklicherweise nicht davon ab, diese
– schickt zu diesem Zweck seinem untergebe- Sendungen anzuschauen.
nen Dämon „Qualob“ Briefe mit gezielten In­­ ER schärft diesen Geschöpfen ein, ihr Herz zu
struktionen, wie dieses Ziel erreicht werden soll. behüten, während wir sie dazu verleiten, sich al-
Einer dieser Briefe - unter der Überschrift „W ie len Dingen zu öffnen. Wir vergiften den Fluss
man das S chamgefühl abtötet “ – macht auf ein schon an der Quelle. Wir verseuchen ihr Leben,
sehr aktuelles Problem unter uns Christen auf- indem wir ihre Gedanken verschmutzen.
merksam. Daraus der folgende Auszug: „Aber in diesem Film kommt doch nur eine
(Siehe dazu auch Buchbesprechung in Heft 3/2006) einzige schlechte Szene vor“, höre ich immer
wieder. Ja, aber würden sie einen Keks essen, der
An meinen schamlosen Untergebenen Qualob. auch nur ein bisschen Kot enthält? Glücklicher-
weise kümmern sie sich viel intensiver
Titanic gehört zu meinen Lieblingsfilmen. Wie um ihren Körper, als um ihre Gedanken.
viele junge Christen haben diesen DVD in ihren
Häusern angeschaut?
Stell dir nur einmal folgendes vor, Qualob:
Ein Bursche aus einer Jugendgruppe sagt zu sei-
nen Kameraden: „Hört mal, am Ende der Straße
wohnt ein hübsches Mädchen. Lasst uns zu ih-
rem Haus gehen und in ihr Fenster gucken. Wir
werden beobachten, wie sie sich auszieht, sich
auf einer Couch zurücklehnt und oben ohne po-
siert. Danach wird sie mit ihrem Freund ins Auto
steigen, und die beiden werden miteinander
schlafen. Kommt, wir sichern uns einen guten Es ist schon erstaunlich, Qualob: Eltern die ER befiehlt
Platz und sehen ihnen so lange zu, bis die Fens- nicht mal im Traum daran denken würden, ihre
ihnen, die
terscheiben beschlagen!“ Kinder mit einem Erwachsenen allein zu lassen,
Dieses Manöver wäre natürlich viel zu plump, der vulgäre Redensarten führt, setzen sie weit- Sünde zu
weil jeder merken würde, dass so ein Verhalten aus schlimmeren Einflüssen aus, indem sie ihnen hassen, doch
nicht richtig ist. Nimmst du jedoch einen Fern­ gestatten, duch alle TV-Kanäle zu zappen. sie finden es
seher statt eines Fensters, werden diese Würmer Wir haben dafür gesorgt, dass diese Genera­ unterhaltsam,
sofort auf deinen Vorschlag eingehen – mehr ist tion ohne Schamgefühl aufwächst. Da ER diese
nicht nötig! Würmer mit einem Gewissen ausgestattet hat,
anderen beim
Male dir nur einmal aus, Qualob, was wir können wir ihr Schamgefühl zwar nicht vollstän- Sündigen
erreicht haben: Jeden Tag beobachten zahllose dig unterdrücken, aber wir können es so steuern, zuzusehen.
Christen, wie sich andere Frauen und Männer dass es sich hauptsächlich damit beschäftigt, ob
entkleiden, Unzucht treiben und Ehebruch be- es richtig ist, Pelze zu tragen und Fleisch zu essen
gehen – obwohl ER diese Dinge verabscheut. und wie man Abfall recyclen sollte.
Wir haben einen Haufen von Voyeuren aus Indem wir das Schamgefühl eingeschläfert
ihnen gemacht! Die Kirchen sind voller Spanner! haben – welch ein Bilderbuchbeispiel für ange-
ER befiehlt ihnen, die Sünde zu hassen, doch sie wandte Euthanasie! – haben wir eine ganze
finden es unterhaltsam, anderen beim Sündigen Gesellschaft unterhöhlt.
zuzusehen. Du musst ihnen einflößen, es sei per- Dein schamloser Graf Moderthal ■
vers, jemanden durch ein Fenster zu beobachten,
aber gegen Voyeurismus mithilfe eines Fernseh- R. Alcorn: Briefe an Graf Moderthal, Hänssler, S. 150-151

fest+treu | 04/2006 11
Wolfgang Bühne

Der E-Faktor
Evangelikale unterwegs in unsichere Gewässer ...
Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, Wenz, Ingolf Ellßel, Peter Strauch, Andreas Ma-
treibt flott im Sog der Zeit. lessa und Rudolf Westerheide – Persönlichkeiten,
Am Horizont ein Leuchtturm brennt, die als Führer innerhalb der Pfingstbewegung,
doch der ist fremd und weit. der Charismatischen Bewegung, der Evangeli-
Die Nadel im Kompassgehäuse schen Allianz, der Freien Gemeinden, der Baptis-
weist längst nicht mehr nach Nord. ten und der Gemeinschaftsbewegung Rang und
Das Logbuch fraßen die Mäuse. Namen haben.
Die Seekarte flog über Bord. Bei aller Verschiedenheit in ihrer theologi­
schen Ausrichtung sind sie sich darin einig: „Das
Sie ändern die Farben des Standers. Unkraut der Abgrenzung und des Streits muss
Sie ändern den Kurs ohne Scheu. mit den Wurzeln ausgerottet werden“ (so Astrid
Sie machen alles anders ... Eichler, S. 167), damit eine „geistliche Star Alli-
Ein anderer macht alles neu. ance“ entstehen kann, „die die vielen unterschied­
In dem Buch „Der Diese Zeilen, die bereits 1970 im Mecklenburger lichen evangelikalen Fluggesellschaften locker
E-Faktor“ geht es Sonntagsblatt zu lesen waren, kamen mir wieder ko­ordiniert und auf der Basis einer gemein­
in den Sinn, als ich das Cover dieses im Jahr 2005 samen geistlichen DNA einen gemeinsamen Flug­
um den zukünftigen
erschienenen Buches betrachtete: Ein Schlepper plan entwickelt, bei dem jede fromme Airline
Weg der Evangeli­ mit der weithin erkennbaren Aufschrift „E“ für Identität und Profil behält und man die gesteck­
kalen. Evangelikale zieht den schwerfälligen Ozeanrie- ten Ziele dennoch erfolgreicher ... erreicht“ (so U.
sen „Christenheit“ hinter sich her in ein Fahrwas- Eggers, S. 244).
ser oder einen Hafen, der als Ziel oder Identität Helmut Matthies, der Leiter von „idea“, den
nicht erkennbar ist. Es geht also in diesem Buch man eigentlich nicht in dieser Gesellschaft ver-
um den zukünftigen Weg der Evangelikalen. mutet, ist auch mit von der Partie. Wobei man
sich fragt, ob er vielleicht ein „blinder Passagier“
Die Mannschaft an Bord ist oder sich auf das Schiff verlaufen hat, denn
Am Steuerrad des Schleppers „E“ – um in in seinem Artikel „E vangelikale in der G esell -
diesem Bild zu bleiben – befinden sich „17 Den­ schaft “ liest man Sätze, die im Vergleich zu vie-
ker, Entscheider, Gründer oder Praktiker aus der len anderen Beiträgen in diesem Buch schrill
evangelikalen Szene“ (S. 8), die eine Zukunfts­ klingen: „Nichts hat der Christenheit mehr ge­
debatte darüber anstoßen wollen, welche in­ schadet als Kompromisse in zentralen Glaubens­
novativen Wege aufgezeigt werden können, um fragen.“ (S. 74)
der evangelikalen Bewegung „zu neuer gemein­ Auch eine Frau ist dabei: Pfarrerin Astrid
samer Stoß­kraft und Attraktivität in Kirche und Eichler aus dem Kreis „Charismatischer Leiter“,
Gesellschaft“ (S. 9) zu verhelfen. die nach eigenen Worten dabei ist „Mitglied
Unter diesen 17 Männern befinden sich u.a. einer katholischen Gemeinschaft zu werden,
Roland Werner, Peter Aschoff, Heinzpeter Hem- die eine ökumenische Berufung
pelmann, Jürgen Mette, H. Christian Rust, Peter lebt.“ (S. 167)

12 fest+treu | 04/2006
„Kapitäne“ an Bord sind Ulrich Eggers und Fragwürdiges
Markus Spieker, die als Herausgeber dieses Bu­ Heinzpeter Hempelmann: „Wir müssen uns
ches fungieren, wobei Ulrich Eggers die Initiative ganz anders als bisher bemühen, Akademiker
ergriffen hat und dann in Berlin, „in einem tren­ und Intellektuelle bei uns zu beheimaten. Es hat
digen Café Unter den Linden“ den Grundstein für ja seine Gründe, dass sie in evangelikalen und
dieses Buch gelegt hat, mit dem „eine Zukunfts­ charismatischen Kreisen vielfach unterrepräsen­
debatte“ (S. 9) angestoßen werden soll. tiert sind.“ (S. 101)
Natürlich kann man in einem kurzen Artikel Hempelmann, der durch seine „Hermeneutik
nicht auf alle Ansichten, Argumente und Vor- der Demut“ teilweise heftige Auseinanderset-
schläge in diesem Buch eingehen. Daher nur zungen ausgelöst hat, beobachtet richtig, dass
einige Zitate, die mir wichtig scheinen und in in manchen Gemeinden eine „emotional aus­­­ge­
groben Zügen darüber Aufschluss geben, was richtete ´Anbetungs-Spiritualität´ anzutreffen ist“,
unter dem „E-Faktor“ zu verstehen ist und wohin die einer Glaubenshaltung argwöhnisch gegen­-
möglicherweise die Reise gehen wird. übersteht, welche intellektuelles Hinterfragen
Selbstverständlich hat auch jeder der Auto- be­fürwortet. Das liegt aber meiner Meinung
ren manches Richtige und Wichtige gesagt und nach nicht an der Tatsache, dass in diesen Ge-
man könnte auch berechtigterweise beanstan- meinden zu wenige Akademiker sind, denn er-
den, dass die folgenden Zitate nicht im Zusam- staunlicher Weise findet man gerade in cha-
menhang zitiert wurden. Dennoch habe ich mich ­­ris­matischen Kreisen relativ viele Akademiker,
bemüht, sie nicht Sinn entstellt zu zitieren. bei denen man den Eindruck hat, dass sie dort
für eine Zeit ihren Verstand abschalten und ih-
Nachdenkenswertes ren Emotionen Luft machen.
Markus Spieker, dessen Artikel in „idea“ oder Die Jünger allerdings, die unser Herr zu Apos- „Wenn die
anderswo immer anregend zu lesen sind, weil teln wählte, waren weder Akademiker noch In- Welt uns
der Mann „querdenkt“, provoziert und mit weni- tellektuelle, wurden aber in der Nachfolge Jesu
applaudiert,
gen gezielten Sätzen zur Sache kommt, macht gebildet. Die Worte des Akademikers Paulus in
auch in diesem Buch einige Aussagen und Be­ 1Kor 1,26-31 sollten wir in diesem Zusammen- ist das ein
obachtungen, die bedacht werden sollten: hang nicht vergessen. Grund zur
„Wenn die Welt uns applaudiert, ist das ein Doch es ist eine schmerzliche Erkenntnis, dass Freude, aber
Grund zur Freude, aber auch ein Anlass zum ein geschätzter und begabter Bruder der Ge- auch ein
Alarmiertsein.“ (S. 12) meinschaftsbewegung wie Jürgen Mette sich für
Anlass zum
„Identität gibt es nicht ohne Abgrenzung.“ „Vernetzung“ und „pragmatische Vorgehenswei-
(S. 21) sen“ stark macht und in einem „sich gegenseitig Alarmiertsein.“
„Auch bei uns muss man zweierlei konstatie­ auferbauenden und kreativen Dialog mit den – „Identität
ren: einen Mangel an apologetischer Kompetenz evangelischen Landeskirchen und zunehmend gibt es
und an ganzheitlichem Bibelwissen.“ (S. 23) auch in einer theologischen Diskussion mit der nicht ohne
Er endet seinen Beitrag mit den beherzigens- römisch-katholischen Kirche“ (S. 112) eine po­
Abgrenzung.“
werten Worten: sitive Entwicklung sehen kann.
„Ich bitte darum, dass wir mit uns selbst hart Nachahmenswert ist es allerdings, wenn er M. Spieker
ins Gericht gehen. Damit unsere Mitmenschen für eine „geheiligte Kommunikation“ und „schrift-
nicht dahin kommen.“ (S. 26) gemäße Korrektur“ eintritt und schreibt: „Ich ur­
Dazu kann man nur „Amen!“ sagen. teile nicht mehr öffentlich, bevor ich nicht das
ehrliche und intensive Gespräch mit den Ge­
schwistern in Christus gesucht habe.“ (S. 114)
Am Horizont ein Leuchtturm brennt, Aber sein Traum bedeutet für mich ein Alb-
doch der ist fremd und weit. traum: „Wir werden von der Gottesfurcht und
dem Bewusstsein für die Heiligkeit Gottes ka­
tholischer Glaubensgeschwister lernen, obwohl
uns zentrale Fragen in Amt und Lehre immer
noch trennen. Römisch-katholische Gemeinden
werden mit lutherischen Gemeinden und Frei­
kirchen gemeinsam evangelisieren, weil sie
Menschen in die Nachfolge und den Dienst
­Je­su rufen wollen.“ (S. 115) Das gilt für ihn selbst
dann, wenn in diesem Prozess „Männer und
Frauen aus den Brüdergemeinden den verfass­
ten Kirchen zeigen, wie man Gemeinden allein
mit ehrenamtlichen Mitarbeitern zu neuem
Wachstum führen kann.“ (S. 116)

fest+treu | 04/2006 13
Bedenkliches Erstes aus seinem Haus entgegenkam“, der nur
Dass ein extremer Charismatiker wie Peter „auf Grund einer Wette (!) zwischen Gott und Sa­
Wenz, der Pastor der „B ibl . G laubens -G emeinde “ tan zusah“, wie Hiob „grässlich gequält“ wurde
Stuttgart, und Ingolf Ellßel, Präses des „Bundes und auf dessen „ausdrückliche Anordnung“ alle
F reikirchlicher Pfingstgemeinden “ in diesem Buch Menschen und Tiere Jerichos getötet wurden
zu Wort kommen und ihre Erfahrungen mit usw. (vgl. S. 197-199).
„Gottes Heimsuchungen“ in Form von Sprachen- Auf den Seiten 200-202 werden von ihm dann
reden, Heilungen usw. mitteilen, ist nicht zuletzt die Thesen von der „Verbal-Inspiration“ und der
auf die Anstrengungen U. Eggers zurückzufüh- „völligen Irrtumslosigkeit“ der Bibel lächerlich ge-
Wenn keine ren, der es verstanden hat, u.a. diese Repräsen- macht: „Ein sich bis heute gerne als ´bibeltreu´
grundsätzliche tanten der Pfingst- und Charismatischen Bewe- bezeichnender Flügel versucht seither mit atem­
Neubesinnung und gung in die Crew von „E-F aktor“ einzugliedern. beraubender Denk-Akrobatik, archäologischen
Ingolf Ellßel: „Die Taufe im Heiligen Geist ist Schein-Sensationsfunden und sprachhistorischen
radikale Kurskor­ ein Kraftangebot Jesu Christi, welches Bestand­ Spitzfindigkeiten alle schwierigen Textvarianten
rektur vollzogen teil geistlicher Gemeindefundamente sein soll­ der Bibel zu harmonisieren und – wenn schon
wird dann werden te.“ (S. 192) Solche Aussagen ist man von Pfingst- nicht ´vernünftig´, so doch ´geistlich´-schlüssig
die Evangelikalen lern gewohnt. Neu und ungewöhnlich ist dage- und einleuchtend zu machen.“
entweder irgend­ gen folgende Bemerkung zur Ausbreitung des Dass die Welt in sechs Tagen á 24 Stunden ge-
Reiches Gottes in unserer Zeit: „Die Sendung ge­ schaffen wurde und der Tod erst nach dem Sün-
wann auf Grund schieht durch Geld. Geld an sich bewirkt nichts denfall in die Welt kam, klingt für ihn nach
laufen, oder im Reich Gottes, aber wenn die richtige Initiati­ „Denkverbot“. Bibellesen mit E-Faktor heißt für
orientierungs- ve gesponsert wird, gibt es Hoffnung für die Malessa: „die ganze Bibel kritisch von hinten her
und wirkungslos Ausbreitung des Reiches Gottes.“ (S. 193) zu lesen, nach erfahrener Begegnung mit dem
auf dem uferlosen Dazu ist nur anzumerken, dass bei der Aus- Aufer-standenen, durch eine ´christologische
sendung und Ausrüstung der Jünger Jesu aus- Brille´ sozusagen.“ (S. 202)
Meer der Postmo­ gerechnet eines ausdrücklich verboten war: Wie ein solcher Artikel in diesem Buch Platz
derne dahin- Geld­beutel und Geld (Mk 6,8)! Fast peinlich, finden kann, das auf der Rückseite als „Das Zu-
dümpeln. wenn man Pfingstler daran erinnern muss, dass kunftsbuch der Evangelikalen“ bezeichnet wird,
Paulus und Barnabas „vom Heiligen Geist“ aus- ist schwer zu verstehen. Mit Sicherheit werden
gesandt wurden (Apg 13, 4). die meisten Mitautoren des Buches das Bibelver-
Christian A. Schwarz, der mit seinen Untersu- ständnis von A. Malessa und seine bissige Kritik
chungen und Publikationen – ähnlich wie sein an den „Fundamentalisten“ nicht teilen. Den-
Vater Fritz Schwarz - „zwischen allen Stühlen“ noch toleriert man seine Haltung und hat – wie
sitzt, sieht die Schwachstelle der Evangelikalen es scheint - kein Problem mit ihm Seite an Seite
in einem anderen Zusammenhang: in einer Reihe von „17 Denkern, Entscheidern,
„Die evangelikalen Gefahren sind nicht Syn­ Gründern oder Praktikern aus der evangelikalen
kretismus und Relativismus, sondern Fundamen­ Szene“ (S. 8) zu stehen, die „innovative Wege“
talismus, Dogmatismus und Legalismus“. (S. 53) für die Zukunft der Evangelikalen aufzeigen.

„Anerkannt von der Welt besteht für die Christen die Versuchung, das Anstößige am Evangelium zu verschweigen oder umzu-
deuten, um dem Hass der Welt zu entgehen ... Man setzt die Hoffnung auf Anpassung einer gottlosen Welt an das Evangelium.
Dies ist aber nur durch Macht und Einfluss zu erreichen – doch dabei wird man christlich übertünchte Welt.“ (W. Scheffbuch)

Erschütterndes Der Texter der Eingangs zitierten Zeilen hat


Dass der Fernsehmoderator und Autor Andre- Recht: Auch der Kurs der Evangelikalen wird in-
as Malessa das Ettikett „bibeltreu“ als „unpräzi­ zwischen ohne Scheu geändert. Anstelle der ver-
ses Totschlagwort“ bezeichnet, kann man viel- lässlichen „Seekarte“ des Wortes Gottes und
leicht noch nachvollziehen - ebenso seine Pro- eines funktionierenden „Kompasses“ durch den
bleme mit den verschiedenen Zahlenangaben Gehorsam diesem Wort gegenüber, orientiert
gleicher Ereignisse in der Bibel (S. 197). Dass aber man sich an der subjektiven Wahrnehmung und
der Hase tatsächlich ein Wiederkäuer ist, hat man Interpretation der Worte Gottes und der Wind-
schon vor Jahrzehnten nachgewiesen und sollte richtung des Zeitgeistes.
sich inzwischen herumgesprochen haben. Wenn in der Steuerzentrale des Schleppers „E“
Erschütternd ist allerdings, wie A. Malessa die nicht eine grundsätzliche Neubesinnung und ra-
„dunklen Seiten Jahwes“ beschreibt und deut- dikale Kurskorrektur vollzogen wird, dann wer­
liche Zweifel äußert, ob der Gott des A.T. wirklich den die Evangelikalen wahrscheinlich entweder
der Vater Jesu Christi ist, der „Mose entgegen­ irgendwann auf Grund laufen, oder aber orien-
kam, um ihn zu töten“, der nicht intervenierte tierungs- und wirkungslos auf dem uferlosen Meer
als „Jeftah dem Herrn schlachtete, was ihm als des postmodernen Zeitgeistes da­hindümpeln. ■

14 fest+treu | 04/2006
Johannes Pflaum

Gottesbilder
und Gotteserkenntnis
In der heutigen Verkündigung und Seelsorge Durch sein Gewissen (Röm 1, 32), die Natur
ist viel vom „Gottesbild“ die Rede. (Röm 1,19-20) und die Geschichte (Ps 66,5-7)
Auf dem psychologisierten Hintergrund der kann der gefallene Mensch erkennen, dass es
heutigen Evangeliums-Verkündigung und Seel- einen Gott geben muss. Dazu wurde jedem
sorge wird das Gottesbild der betreffenden Per- Men­schen ein Ahnen in Bezug auf die Ewig-
son oft in einem untrennbaren Zusammenhang keit Gottes ins Herz gelegt (Prd 3,11). Aber weil
mit Kindheitserfahrungen und den damit ver- der Mensch durch die Sünde in seinem Denken
bundenen Erinnerungen an den leiblichen Va­ter verfinstert ist (Eph 4,18), ist es ihm unmöglich,
gesehen. Zu einem „guten“ Gottesbild kann nach von sich aus den lebendigen Gott zu erkennen.
dieser psychologischen Sicht deshalb nur der ge- Aus diesem Grund beginnt der Mensch, sich
langen, welcher zuvor sein falsches oder einsei- selbst durch seine religiösen Vorstellungen und Auch ein
tiges Vaterbild aus der Kindheit aufgearbeitet Gedanken „Gottesbilder“ zu machen. Nachfolger
und korrigiert hat. Nun ist es unbestritten, dass Diese Gottesbilder entsprechen aber nicht
enttäuschende oder oft sogar schlimme und sehr dem Wesen des lebendigen Gottes. Solche Got- Jesu kann
verletzende Erlebnisse in der Kindheit und Ju- tesbilder gibt es nicht nur in den verschiedenen der Gefahr
gend tiefgreifende Spuren hinterlassen und sol- Religionen. Auch ein Nachfolger Jesu kann der erliegen, sich
che Menschen auf alles andere als auf positive Gefahr erliegen, sich ein Gottesbild seiner ei­ ein Gottesbild
Erinnerungen an einen liebevollen Vater zurück- genen Gedanken und Wünsche zurechtzulegen, seiner ei­genen
blicken können. indem er biblische Aussagen nach seinen mensch­
Dennoch bleibt die Frage, wie sie zu einem lichen Vorstellungen interpretiert oder Schrift- Gedanken und
„richtigen“ Gottesbild kommen und ob der heu­ stellen einseitig betont und andere Bibelverse Wünsche zu-
tige Umgang und die Interpretation von rich­ zugunsten seiner eigenen Vorstellungen unter­­ rechtzulegen.
tigen und falschen „Gottesbildern“ in der Ver­­ schlägt.
kündigung und Seelsorge tatsächlich mit dem
Zeugnis der Heiligen Schrift übereinstimmt. Oder Gottesbilder und Götzenbilder
stehen wir in Gefahr, in manchen Bereichen Die Bibel spricht von „Gottesbildern“ bzw.
durch einen verkehrten Ansatz in eine falsche „Götterbildern“ im Zusammenhang mit den
Richtung gelenkt zu werden? durch Menschen gemachten Götzen. Besonders
Dass diese Problematik thematisiert wird ist in Jer 10,1-11; Jes 40,18-26; Jes 44,6-23 ist da-
sicher richtig und dringend nötig, weil die Sicht, von die Rede. Wie an diesen Stellen im Textzu-
die wir von Gott haben, in direktem Bezug zu sammenhang deutlich wird, geht es bei den Göt-
unserem Denken, Fühlen und Handeln steht und zen nicht nur um eine bildliche oder plastische
unser ganzes Leben beeinflusst. Darstellung, sondern auch um die damit ver­
Doch wenn wir in dieser Fragestellung nicht bundenen religiösen Vorstellungen, die sich der
in die Irre gehen wollen, ist die Lösung des Pro- Mensch in seinen Gedanken über seinen Gott
blems nicht, von einem „falschen“ zu einem zurechtlegt. Dabei versucht der Mensch, seine
„richtigen“ Gottesbild zu kommen. Wir müssen Sicht der Götter mit menschlichem Denken zu
uns der Erkenntnis stellen, dass es nur ein ein- erklären und zu beurteilen.
ziges „richtiges“ Gottesbild gibt – und zwar das, Ein Götzenbild ist damit immer ein von Men-
welches Gott von sich selbst offenbart: Wir schen festgelegter Rahmen, in welchem man
müssen von den „falschen“ Gottesbildern zum seinen Gott mit seinen Absichten und seinem
biblischen Gottesbild kommen. Handeln nach seinen eigenen Vorstellungen
festlegen, erklären und erfassen möchte. Aus
Gottesbilder als eigene Phantasieprodukte diesem Grund stellt der lebendige Gott den Göt-
Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift verfügt zen diesen gewaltigen Satz gegenüber, der all
der gefallene sündige Mensch von sich aus über unsere selbstgemachten Gottesbilder sprengt
keine wahre Gottes-Erkenntnis im biblischen (Jes 40,18+25):
Sinn (1Kor 2,14): Mit wem wollt ihr Gott vergleichen, und
Ein natürlicher Mensch aber nimmt was für ein Abbild wollt ihr ihm gegenü­
nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn berstellen? ... Mit wem denn wollt ihr mich
es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht vergleichen, dem ich gleich wäre? spricht
erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. der Heilige.

fest+treu | 04/2006 15
Gotteserkenntnis – gedachten Gottesbilder und bekannte, von tiefer
die unabdingbare Voraussetzung Gotteserkenntnis ergriffen (Hi 42,1-6):
Da es dem natürlichen Menschen nicht möglich Ich habe erkannt, dass du alles vermagst
ist, von sich aus den lebendigen Gott zu erken- und kein Plan für dich unausführbar ist.
nen, hat Gott sich in der Heiligen Schrift und in Wer ist es, der den Ratschluss verhüllt
Jesus Christus geoffenbart. In diesem Zusam- ohne Erkenntnis? So habe ich denn meine
menhang spricht die Bibel von Gotteserkenntnis. Meinung mitgeteilt und verstand doch
Gotteserkenntnis nach dem biblischen Zeugnis nichts, Dinge, die zu wunderbar für mich
bekommt ein Mensch nicht durch Aufarbeitung sind und die ich nicht kannte ... Ich will
traumatischer Kindheits-Erlebnisse – so nötig dich fragen und du sollst mich wissen las­
diese Aufarbeitung in anderer Hinsicht auch ist sen! Vom Hörensagen hatte ich von dir ge­
- sondern durch den Heiligen Geist, der ihm das hört, jetzt aber hat mein Auge dich gese­
Wesen Gottes erschließt und Christus verherr­ hen. Darum verwerfe ich mein Geschwätz
licht. Da Gott in seiner Größe, Herrlichkeit, All- und bereue in Staub und Asche.
Da Gott in macht und Weisheit für uns unbegreifbar ist,
seiner Größe wird allein durch die biblische Gotteserkenntnis Ein biblisches Gottesbild durch
für uns unbe­ ein „richtiges“, ausgewogenes Gottesbild ver- Gotteserkenntnis
greifbar ist, mittelt. Aus diesem Grund steht in Sprüche 1,7: Gott möchte nicht, dass wir uns unsere eigenen
Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Gottesbilder basteln. Es geht auch nicht darum,
wird allein Erkenntnis. dass wir ein selbstgemachtes Gottesbild A durch
durch die Schon wenn wir versuchen, Gottes Heiligkeit ein Gottesbild B ersetzen.
biblische und Gerechtigkeit auf der einen Seite und seine Es geht darum, dass wir anerkennen, auf Got-
Gotteser­ Gnade und Liebe auf der anderen Seite auf eine tes Selbstoffenbarung in der Bibel, der Schöp-
kenntnis ein Linie bringen zu wollen, wird jedes menschlich fung und der Geschichte angewiesen zu sein
zurechtgelegte Gottesbild gesprengt. Deshalb und dem Heiligen Geist Raum geben, uns zur
ausgewogenes kann Paulus am Ende von Gottes Gerichts- und wahren Erkenntnis Gottes zu führen und so ein
Gottesbild Liebeswegen mit seinem Volk Israel nur anbetend, biblisches Gottesbild zu gewinnen. In der Bibel
vermittelt. von tiefer Gotteserkenntnis ergriffen, ausrufen: finden wir alles, was wir über Gott und sein We-
O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit sen wissen müssen. Die biblische Gotteserkennt-
als auch der Erkenntnis Gottes! Wie un­ nis führt zu einem richtigen Vaterbild, wie Pau-
ausforschlich sind seine Gerichte und un­ lus in Eph 3,14-15 schreibt:
ausspürbar seine Wege! Denn wer hat des Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Va­
Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Mit­ ter, von dem jede Vaterschaft in den Him­
berater gewesen? Oder wer hat ihm vorher meln und auf Erden benannt wird.
gegeben, und es wird ihm vergolten wer­
den? Denn von ihm und durch ihn und für Christus, das Bild des lebendigen Gottes
ihn sind alle Dinge! Ihm sei die Herrlichkeit Jedes menschlich zurechtgelegte sowie jedes psy­
in Ewigkeit Amen! (Röm 11,33-36) chologisch korrigierte Gottesbild führt in die
In Jesaja 55, 8 macht Gott selbst deutlich, wie Irre. Wahre Gotteserkenntnis wird uns dann zu-
jedes von Menschen über ihn zurechtgelegte teil, wenn wir aufmerksam, mit suchenden, de-
Gottesbild in die Irre führt: Denn meine Gedan­ mütigen Herzen das ganze Wort Gottes lesen
ken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege und studieren und uns besonders dem Bild zu-
sind nicht meine Wege, spricht der HERR. Denn wenden, in welchem sich der so unfassbare Gott
so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind in seiner Gnade geoffenbart hat. Und dieses Bild
meine Wege höher als eure Wege und meine Ge­ ist Christus selbst, wie wir in Kol. 1, 15 lesen:
danken als eure Gedanken. Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der
Im Buch Hiob sehen wir, wie die drei Freunde Erstgeborene aller Schöpfung.
durch ihr jeweiliges verzerrtes „Gottesbild“ ver- Christus in seiner göttlichen Größe, Macht
suchen, den Ursprung von Hiobs Leiden zu erklä- und Herrlichkeit, in seiner Liebe und seinem Er-
ren. Gott selbst musste am Ende über diese drei barmen, aber auch in seiner unbestechlichen
Männer sagen, dass sie nicht Wahres über ihn Heiligkeit und Gerechtigkeit mehr und mehr zu
geredet hatten (Hi 42,7). Hiob, der Knecht Got- erkennen, heißt Gott zu sehen! Aus diesem
tes, hielt an seinem Herrn fest, obwohl das Han- Grund bekannte der Apostel Paulus (Phil 3,8):
deln Gottes auch für Hiob unverständlich war Ja wirklich, ich achte auch alles für Ver­lust
und er keine Erklärung dafür finden konnte. Ab um der unübertrefflichen Größe der Er­
Kap. 38 bekam Hiob keine Antwort auf die Frage kenntnis Christi Jesu, meines Herrn, willen,
nach seinem Leid. Dafür offenbarte sich der all- um dessentwillen ich alles eingebüßt habe
mächtige Gott in seiner Größe ganz neu seinem und es für Dreck achte, damit ich Christus
Knecht. Daraufhin verwarf Hiob seine selbst aus- gewinne. ■

16 fest+treu | 04/2006
Gerrit Alberts

Das Gute an schlechten Zeiten


Wie wir an leidvollen Erfahrungen wachsen können

Wunderbaum und Fischbauch Nutzen trotz Schaden!


Vor zwei Jahren traf ich auf einer Bibelkonfe- Nun lässt sich der Mensch nicht so leicht be-
renz einen Bruder, mit dem ich viele Jahre zu- rechnen wie eine simple Additionsaufgabe und
sammenarbeiten durfte und der sich dadurch das Leben folgt nicht unbedingt der Dramatur-
aus­zeichnet, dass er meistens gute Laune hat. Er gie einer griechischen Tragödie, in der alles un-
war merkwürdig abgemagert, blass und hatte ausweichlich auf das Desaster im letzten Akt zu-
dunkle Ränder unter den Augen. Kaum einen strebt. Nachdem sich die Gesundheitsexperten in
Satz konnte er reden, ohne in Tränen auszubre- der Vergangenheit fast ausschließlich auf die Er-
chen. Der Grund: Seine Frau war schwer erkrankt forschung der Früh- und Spätschäden trauma-
und rang mit dem Tod. Das Thema der Bibelkon- tischer Erfahrungen konzentriert haben, gerät in
ferenz war das Buch Jona. Mit das erste, was er letzter Zeit auch die sogenannte Resilenzfor-
sagte, hat sich mir unauslöschlich eingeprägt: schung in das Visier der Forscher. 2 Die zentrale
„Die Zeiten im Bauch des Fisches sind gesegneter Fragestellung dabei lautet: Wie kommt es, dass Eine Kata-
als die unter dem Wunderbaum.“ manche Menschen, die sich in miserablen Le-
Der Magen eines Fisches ist extrem lebens- bensbedingungen und bedrückenden Umstän-
strophe ist
feindlich – vielleicht nicht für Bakterien, aber si- den befinden Bewältigungs-Strategien entwi- das, was
cher für Menschen: Stockdunkel, glitschig, heiß, ckeln, die sie zu „Benefit-Finders“ machen, zu anderen zu-
wahrscheinlich sehr beengt, ätzend durch die Leuten, die an leidvollen Erfahrungen wachsen stößt“, denken
Magensäure. Jona fühlte sich lebendig begraben und gestärkt daraus hervorgehen? wir oft. Dabei
und verging fast vor Angst. Der Wunderbaum
hingegen wurde von Gott „bestellt“, um Jona
ist es nur zu
Schatten zu spenden und ihn von seinem Miss- Bewältigungsstrategien der wahrscheinlich,
mut zu befreien. Jona freute sich über diese Ur- Psychologen3 dass auch wir
laubsidylle „mit großer Freude“. Wie kann man nicht von Leid,
zu der abenteuerlichen Meinung kommen, der • Die erzählende Bewältigung von Stress Not und
erste Platz sei besser als der zweite? Experten empfehlen, belastende, katastrophale
Erlebnisse und die eigenen Gefühle in Worte zu
Schmerz
Lebenskrisen werfen aus der Bahn ... fassen. Ein chaotisches, traumatisches Ereignis verschont
„Eine Katastrophe ist das, was anderen zu- oder eine emotional aufwühlende Herausforde- werden.
stößt“, denken wir in Zeiten der Sicherheit und rung verliert in der Erzählform bereits einen Teil
können uns nur schwer vorstellen, dass uns et- des Schreckens. Das Verwirrende und Überwälti-
was wirklich erschüttern kann. Dabei ist es nur gende wird in Worte gefasst und dadurch in An-
zu wahrscheinlich – um nicht zu sagen sicher, sätzen verstehbar, der eigenen Analyse zugäng-
dass auch wir nicht von Leid, Not und Schmerz lich. Die Situation entzieht sich so nicht völlig
verschont werden. unserem Einfluss. Zumindest können wir unsere
In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts Emotionen sortieren und darauf Einfluss neh-
haben die Stress-Forscher Holmes und Rahe un- men.
tersucht, wann und wie die von ihnen so ge-
nannten „kritischen Lebensereignisse“ zermür- • Die „richtigen“ Vergleiche
ben und krank machen. In langen Tabellen haben Der Sozialpsychologe Festinger geht in seiner
sie diese Ereignisse aufgelistet und aufgrund der Theorie des sozialen Vergleichens 4 davon aus,
Befragung von Betroffenen mit Punktwerten ver­ dass wir uns vorzugsweise mit Menschen ver-
sehen: Der Tod des Ehepartners hat einen Stress- gleichen, denen es besser geht als uns: Ein tief
faktor von 100, Ehescheidung von 73, schwere verwurzelter Antrieb zur Selbstverbesserung
Krankheit von 53, fristlose Kündigung von 44 lasse uns Maßstäbe wählen, die uns erreichbar
usw. Allein die Tatsache, dass man sich einer Ver- erscheinen, wenn wir uns nur ein bisschen an-
änderung des Gewohnten stellen muss, kostet so strengen. Bei der Bewältigung von Krisen ist
viel Energie, dass das Immunsystem an Abwehr- es jedoch nicht hilfreich, sich aufwärts zu ver-
kraft verliert. Damals entstand die Allerwelts- gleichen, sondern abwärts:
weisheit: „Stress macht krank!“, und das um so „Es hätte noch viel schlimmer kommen können.“
wahrscheinlicher, je mehr „kritische Ereignisse“ „Ich bin noch relativ gut davon gekommen.“
sich addieren.1 „Andere sind noch viel schlimmer dran.“

fest+treu | 04/2006 17
Der Passagier mit gemäßigter Flugangst fühlt
sich möglicherweise gar nicht mehr so übel, Bewältigungsstrategien der
wenn er die nackte Panik im Gesicht eines ande- Heiligen Schrift
ren sieht. Der Student, der gerade eine Klausur
verhauen hat, tröstet sich damit, dass einige sei- Die Adressaten des Hebräerbriefes gingen
ner Kommilitonen bereits das ganze Studium in durch schwere Zeiten. Sie wurden verfolgt - Hab
den Sand gesetzt haben. und Gut wurde ihnen geraubt (10,34). Zwar war
Aufwärts-Vergleiche mobilisieren eher den ihnen eine blutige Verfolgung bislang erspart
Ehr­geiz, während Abwärts-Vergleiche eher trös- geblieben („Ihr habt noch nicht, wider die Sünde
ten. Eine Studie an Sportlern zeigt, dass Bronze- ankämpfend, bis aufs Blut widerstanden“ 12,4),
Medaillen-Gewinner glücklicher sind als die Ge- aber sie drohten dennoch der Enttäuschung und
winner der Silber-Medaille. Warum? Weil sie sich Hoffnungslosigkeit zu erliegen. Wo war das ver-
in der Tendenz abwärts vergleichen. Sie sind heißene Friedensreich und das zukünftige „gol-
froh, überhaupt eine Medaille gewonnen zu ha- dene“ Zeitalter, das sie so sehnlichst erwarteten?
ben und nicht unter „ferner liefen“ gelandet zu In dieser Situation lässt Gott schreiben, was das
sein. Die Zweitplatzierten quälen sich hingegen Gute an diesen schlechten Zeiten war.
mit der Frage, warum sie nicht auch Gold ge-
schafft haben – sie waren ja so nahe dran. Sie • Für Christen hat Leid ein gutes Ziel
vergleichen sich aufwärts. Zunächst macht der Schreiber (vermutlich Pau-
lus) ihnen klar, dass alle Schwierigkeiten ihrer
• Die eigenen Gefühle verstehen Erziehung dienen. „Was ihr erduldet, ist zur Züch­
Unsere irdischen Als „Bugwelle“ kritischer Lebensereignisse emp- tigung.“ ‚Züchtigung’ hört sich für uns hart an.
Väter mögen bei finden wir unangenehme Emotionen. Wir kämp- Aber wer Ahnung von der zweiten oder hoch-
fen mit Angst und Verzweiflung, Wut und Ag- deutschen Lautverschiebung hat, weiß, dass sich
der Erziehung
gression, Trauer und Depression. Weil diese damals das T zum Z verschoben hat, also ‚Züch-
manchmal da­ Gefühle oft schmerzlich und verstörend sind, tigung’ von ‚(Er-)Tüchtigung’ kommt. Im Nieder-
neben gelangt neigen wir dazu, sie entweder zu ignorieren oder ländischen wird dies deutlich: „Mijn zoon, acht
haben, aber der zu verdrängen. Die Emotions-Forschung kommt de tuchtiging van de Heer niet gering en bezwi­
Vater der Geister zu dem Ergebnis, dass emotionales Unterschei- jkt niet, als gij door Hem bestraft wordt“ (12,5).
dungsvermögen eine zentrale Fähigkeit in der Es mag sich komisch anhören: Wenn ich diesen
erzieht mit seinen
Stressbewältigung ist. Wer sich Klarheit über sei­ Abschnitt in der Stillen Zeit im Gebet vor Gott
Erziehungsme- ne Gefühle verschafft, sie richtig einordnet, be- ausbreite, bevorzuge ich den holländischen Wort­
thoden immer zu nennt und sich ihre Auswirkung auf das Denken laut (auch wenn ich sonst nicht in Zungen zu reden
unserem Nutzen. und Handeln bewusst macht, kommt schneller pflege). ‚Tuchtiging’ hört sich für mich liebevoller
aus dem Stimmungstief. Wer in Lebenskrisen an als ‚Züchtigung’. Und genau darum geht es in
hingegen die ehrliche Gefühls-Inventur scheut, dem Text. „Wen der Herr liebt, den züch­tigt er.“
verfällt häufig in unproduktives Brüten und Grü- Unsere irdischen Väter mögen bei der Erziehung
beln. manchmal daneben gelangt und mehr Schaden
als Nutzen angerichtet haben, aber der Vater der
• Aus Schaden klug werden Geister liegt mit seinen Erziehungsmethoden
Wie lassen sich schwere Schicksalsschläge – der genau richtig: Er erzieht zum Nutzen – damit
Verlust eines geliebten Menschen, Verstümme- wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.
lung, Leid als Opfer von Kriminalität usw. – positiv Ein Psychologe beschreibt als großes Hinder-
nutzen? Bewältigungsforscher untersuchen, war- nis, leidvolle Erfahrungen positiv zu bewältigen:
um manche Menschen zu einem posttraumati­ „Ein Trauma erschüttert zum einen unseren (na-
schen Wachstum kommen und wie sie aus dem iven und unrealistisch optimistischen) Glau­ben,
Verlust Gewinn ziehen. Der Schlüssel: Die er- dass man selbst von zufälligen und „ungerech­
folgreichen Bewältiger haben es geschafft, dem ten“ Schlägen verschont bleibe. Diese „positiven
trau­matischen Ereignis einen Sinn abzugewinnen. Illusionen“ werden durch das traumatische Er-
„Ich weiß jetzt, was wirklich wichtig ist im Leben!“ eignis gründlich ad absurdum geführt: Die Welt
ist eine typische Äußerung von Menschen, die ei- ist kein Ort, an dem es gerecht und berechenbar
ner Katastrophe eine „Lehre“ abgewinnen (die zugeht, und niemand ist vor Zufall und Willkür
Forschung nennt sie „Benefit-finders“). Diese Er- geschützt.“5
kenntnis kann sie z. B. geduldiger gegenüber den Aus dem Text in Hebräer 12 lerne ich jedoch,
Schwächen anderer oder auch intoleranter ge- dass kein blinder Zufall und keine Willkür mich
genüber Zeitverschwendung oder überflüssigem trifft. Auch bin ich keine Ratte in einem kos-
Streit machen. Sie leben bewusster. Die vielen mischen Versuchslabor, in dem ein metaphy-
kleinen Dinge werden wichtig – jedes Lächeln, sischer Versuchsleiter herzlos zuschaut, ob ich
jeder Sonnenaufgang wird zu einem Fest. mich im Labyrinth verirre oder nicht. Nein, alles

18 fest+treu | 04/2006
Das andere Extrem ist, dass wir unter seiner
Zucht ermatten. Wir können z. B. durch einen
schmerzhaften Verlust eines lieben Angehörigen,
durch leidvolle Gemeinde-Erfahrungen oder an-
deren Kummer so von Trauer und Frustration ver­
schlungen werden, dass unser Leben für Gott un­
brauchbar wird. Diese Gefahr spricht auch 1Kor
7,30 an: „Übrigens, dass auch die Weinenden
seien als nicht Weinende.“ Nicht, dass Weinen
und Trauer im Leben eines Christen keinen Platz
hätten, aber sie sollten nicht das letzte Wort ha-
ben. Wie sagte noch Watchman Nee? „Die Hand
was mir geschieht, passiert unter der Zulassung am Pflug lassen und die Tränen abwischen. Das
und der erzieherischen Absicht meines lieben- ist Christentum!“
den Vaters. Wenn schon ungläubige Menschen „Achte nicht gering die Erziehung des Herrn
„benefit-finders“ in leidvollen Erfahrungen sein noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst.“
können, dann können Christen dies erst recht. Die Art, wie wir mit schwierigen Erfahrungen
In der Heiligen Schrift werden u. a. drei Ab- umgehen, hat offensichtlich einen Einfluss auf
sichten genannt, die Gott mit schmerzhaften Er- das Ergebnis der Erziehung des Herrn.
fahrungen verfolgen kann:
Die Art, wie wir
➀ Ein präventive (vorbeugende) Absicht: mit schwierigen
Paulus wurde ein Dorn im Fleisch gegeben, Erfahrungen
ein Engel Satans, auf dass er ihn mit Fäusten umgehen, hat
schlage, damit er sich nicht überhebe. (2Kor12,7) offensichtlich
➁ Eine produktive (vermehrende) Absicht: einen Einfluss
„Jede Rebe, die Frucht bringt, die reinigt er, auf das Ergebnis
auf dass sie mehr Frucht bringe.“ (Joh 15,2) der Erziehung
➂ Eine strafende/zurechtbringende Absicht: • Seiner Heiligkeit teilhaftig werden des Herrn.
„Denn deine Hand lag schwer auf mir Tag Friedrich Nietzsche sagte: „Wer ein Wozu im Le-
und Nacht, so dass mein Saft vertrocknete, wie ben hat, erträgt fast jedes Wie.“ Wenn dir je-
es im Sommer dürr wird“, klagt David in Psalm mand in bösartiger Absicht eine Nadel ins Hin-
32,4 nachdem er in Sünde gefallen war. terteil rammt, findest du das unerträglich. Wenn
aber ein Arzt dieselbe Handlung begeht in der
• Verachtung und Ermattung Absicht, dich gegen Tetanus zu impfen, erträgst
Während meiner Studentenzeit hatte ich einen du sie wahrscheinlich mehr oder weniger gelas-
Kumpel. Er machte eine Ausbildung. Da ich ihn sen. Die Absicht Gottes mit leidvollen Erfah-
selten, besser gesagt nie, mit einem Buch oder rungen in unserem Leben ist, dass wir seiner Hei-
einem Heft vor der Nase sah, riet ich ihm des öf- ligkeit teilhaftig werden. Einige Verse weiter in
teren, sich auf die Prüfung vorzubereiten. Er demselben Kapitel steht: „Jaget ... der Heiligkeit
schlug alle Ratschläge in den Wind. Am Abend nach, ohne welche niemand den Herrn schauen
des Prüfungstages erzählte er mir etwas klein- wird“ (12,14). Gemeint ist meines Erachtens nicht
laut von seinem Desaster im Examen. Ich fragte, das Schauen des Herrn in der Herrlichkeit, son-
woran denn das wohl gelegen haben könnte. Er dern der vertraute Umgang mit ihm im Hier und
schaute mich mit einem Ausdruck von Empö- Jetzt. Alle leidvollen Erfahrungen im Leben eines
rung und Verwunderung über solch eine Frage Christen haben das Ziel, uns enger in die Ge-
an und meinte cool: „Tja, das kann jedem passie- meinschaft mit dem Herrn zu ziehen um mehr
ren.“ Er hat keinen Zusammenhang zwischen von ihm zu schauen. Das Beste in der Ewigkeit
seinem Verhalten, seinem Charakter und seinem wird sein, dass wir den Herrn schauen und bei
Schicksal hergestellt. So kann es uns auch in der Ihm sein werden. Gott möchte, dass dieser un-
Erziehung Gottes gehen. Möglicherweise schlägt vorstellbare Reichtum jetzt schon unser Leben
Gott uns, aber es schmerzt uns nicht (Jer 5,3). prägt. ■
Vielleicht ist es seine Absicht, uns für eine kleine
Zeit, weil es nötig ist, zu betrüben (1Petr 1,6), 1 Holmes, T.H., Rahe, R.H. (1967). The Social Readjustment Rating Scale. J.
Psychosom. Res. 11, 213-218.
wir aber leben herrlich und in Freuden weiter – 2 Nuber, U.: Resilienz: Immun gegen das Schicksal? Psychologie heute 09/05
wie eine fröhliche Witwe sozusagen. Mit einem 3 Ernst, H., Coping: Das Gute an schlechten Zeiten, Psychologie heute 01/02
4 Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human Re-
Wort: „Wir achten seine Züchtigung gering“ lations, 7, 117-140.
(Hebr 12,5). 5 Ernst, H. a. a. O. S. 25

fest+treu | 04/2006 19
Maleachi-Frühjahrstagung
»Das prophetische Wort«
Was: Vom Kampf zum Sieg
Die Überwinder in den 7 Sendschreiben
mit Roger Liebi, Martin Vedder, Wolfgang Bühne
Wann: 30. März bis 1. April 2007
Wo: Bibel- und Erholungsheim Hohegrete
57589 Pracht / Westerwald-Sieg
Preis: ab 63,- EUR
Infos: Tel.: 02682-95280 • Fax: 02682-9528-22
Bitte rechtzeitig anmelden!

Teenager Ferien-Bibelschulen 2007


TFB-West
Was: Eine zweiwöchige Bibelschule
für junge Christen von 14 bis 22 Jahre
Wann: 21. Juli bis 4. August 2007
Wo: Olpe • Meinerzhagen • Hückeswagen • Neuss
Wer: Für junge Christen, die 2 Wochen ihrer Sommer-
ferien zum gem. Bibelstudium nutzen möchten.
Preis: 150,- bis 180,- EUR (Reisekosten nicht inbegriffen)
Infos: Mark Schibli • Zentralafrika-Mission e.V.
Holpener Str. 1 • D-51597 Morsbach
Tel.: 02294 99 99 564 • privat: 02294 17 34
Fax: 02294 78 35
e-mail: m.schibli@zamonline.de

TFB-Süd
Wann: 18. bis 30. August 2007 6. KfG Ostdeutschland
Wo: Oy-Haslach (Nähe Kempten)
Wer: 16-20 Jahre (männlich und weiblich) »Prinzipien des Gemeindeaufbaus«
Preis: 250,- EUR Was: • Definition der Gemeinde
Infos: Merkle, Hubert • Die Herrlichkeit der Gemeinde
Franz-Joseph-Spiegler-Str. 32 • 88239 Wangen • Gebetsleben einer gesunden Gemeinde
Tel.: 07522 91 24 10 • Mobil: 0173 38 03 70 3 • Reproduktion (Evangelisation/Jüngerschaft)
e-mail: hubert.merkle@arcor.de • Gesunde Ehen u. Familien innerhalb der Gem.
• Ältestenvorbereitung (Änderungen vorbehalten)
Ferienbibelschule im Osten mit Roger Peugh (USA)
Wann: 22. bis 28. Juli 2007, Beginn 18 Uhr, Abreise ab 14 Uhr Wann: 9. bis 11. März 2007
Wer: Mädchen ab 12 Jahre Wo: Feriendorf Groß Väter See / Groß Dölln
oder (in der Schorfheide 50 km nördlich von Berlin)
Wann: 29. Juli - 4. August 2007 Preis: 27,- bis 31,- EUR pro Tag (+ 15.- EUR Konferenzgebühr)
Wer: Jungen ab 12 Jahre Infos: Konferenz für Gemeindegründung e. V.
Wo: Freizeitgelände Reiherhals bei Lychen Postfach 1322 • D-36082 Hünfeld
Preis: je 100,- EUR Tel: 06652-91 81 87 • Fax: 06652-91 81 89
Infos: Klaus Güntzschel • Freizeitgelände Reiherhals www.kfg.org • service@kfg.org
Lychener Str. 7 OT Retzow • 17279 Lychen Hinweis: Diese Konferenz ist stark nachgefragt
Tel.: 039888 52157 • Fax: 039888 52 31 0 und deshalb leider rasch ausgebucht!
e-mail: klaus@reiherhals.de

Komponisten- und Kreativ-Wochenende


Korrektur-Hinweis:
Wann: 9. bis 11. März 2007 Große Jungenfreizeit, 8. bis 14. Juli 2007 (13-19 J.)
Was: Talentschuppen und Lyrikwerkstatt für Poeten+
Instrumentalisten mit W. Kaal, D. Georg, A. Fett Im letzten Heft wurde leider eine überholte eMail-Adresse
Infos: AFett@T-Online.de • Fax: 02358 79 07 27 des Freizeitleiters angegeben: Die aktuelle Adresse lautet:
danielbuehne@online.de

20
Buchbesprechungen
John MacArthur
Kommentar Wie jeder Kommentar, so muss auch dieser anhand der
zum Neuen Testament Bibel geprüft werden. Der Wert dieses Werkes aber besteht
1. Korinther-Brief vor allem darin, dass die Bibel mit der Bibel ausgelegt wird,
CLV, gb., 528 S., € 14,90 die Ausführungen gründlich, aber gut verständlich sind und
viele Worterklärungen und Hinweise auf damalige kulturelle
Nach den Kommentaren zu den und gesellschaftliche Verhältnisse helfen, diesen wichtigen
beiden Timotheus-Briefen legt Mac­ Brief zu verstehen und unser persönliches Leben, wie auch
Arthur in diesem sehr gründlichen unser Gemeindeleben an diesem Maßstab zu messen.
und ausführlichen Band einen Brief Wolfgang Bühne
des NT aus, der in unserer Zeit äußerst wichtig und gleich-
zeitig sehr umstritten ist. Es werden Themen von brennender
Aktualität behandelt: Streit, Spaltungen und Unmoral in der C.H. Mackintosh
Gemeinde, die Notwendigkeit und der Sinn von Gemeinde­ Gedanken
zucht, Ehe und Ehelosigkeit, die Grenzen der christlichen zu den 5 Büchern Mose
Freiheit, Unterordnung und Gleichwertigkeit der Frau, das CSV/CLV, gb., 1.200 S., € 24,90
Mahl des Herrn, der Sinn und der richtige Gebrauch von
Geistesgaben usw. Nachdem die frühere Ausga-
Der bekannte Bibellehrer John MacArthur legt in diesem be dieser Auslegung in fünf Ein-
Kommentar den Brief Vers für Vers aus, ohne sich von dem zelbänden viele Jahre vergriffen
heutigen Zeitgeist der Evangelikalen beeinflussen zu lassen. war, gibt es nun eine neue, sti-
In der Einleitung zu diesem Werk schreibt der Autor: listisch überarbeitete Ausgabe in
„Der Ihnen nun vorliegende Kommentar versteht sich einer sehr ansprechenden Auf-
eher als Erläuterung oder Erklärung. Er ist freilich kein lin­ machung und zu einem wirklich
guistisches Fachwörterbuch, begibt sich aber doch ab und günstigen Preis.
zu auf die sprachliche Ebene, und zwar, wenn dies für die Diese Auslegung der Bücher Mose, die C.H. Mackintosh
gute Auslegung zweckdienlich ist. Aus theologischer Sicht (1820-1896) bescheiden „Gedanken“ nannte, sind in vielen
ist er nicht allumfassend, sondern beschäftigt sich ausführ­ Auflagen erschienen und in etliche Sprachen übersetzt wor-
licher mit dem Kerngedanken des jeweiligen Textes und wie den. Seine Zeitgenossen Moody und Spurgeon bekannten,
dieser Abschnitt im Licht der ganzen Schrift zu sehen ist ... dass sie dieser Auslegung sehr viel verdanken und sein be-
Die meisten Wahrheiten werden durch andere Schriftstellen kannter Freund, der Autor Andrew Miller, schrieb damals in
veranschaulicht und praktisch angewandt“ (S. 7). seinem Vorwort zu diesen Büchern:
Dieses Auslegungsprinzip wird konsequent verfolgt und „Die vollkommene Verderbtheit des Menschen durch die
deshalb scheut sich der Autor auch nicht, deutliche Worte Sünde und Gottes vollkommene Errettung in Christus wer­
zu gebrauchen, wenn es z.B. in 1Kor 14 u.a. um die Rolle der den ausführlich, deutlich und oftmals sehr treffend darge­
Frau in der Gemeinde geht: stellt.“
„Wenn Frauen die von Gott bestimmte Rolle der Män­ Tatsächlich handelt es sich hier um eine sehr tiefgehende,
ner übernehmen, fallen sie unweigerlich in unbiblische erbauliche und praktische Auslegung der 5 Bücher Mose,
Praktiken und Täuschungen ... Wenn ein Teil seiner Ord­ wobei der Autor nicht immer jedes Kapitel versweise aus-
nung ignoriert oder verworfen wird, wird seine Gemeinde legt, aber besonders die Kapitel, die oft überschlagen oder
geschwächt und Gott selbst verunehrt. So, wie dort Gottes vernachlässigt werden (wie z.B. die Opfer-Vorschriften in
Geist nicht herrschen kann, wo Unordnung und Durchein­ 3. Mose) sehr ausführlich behandelt. Mackintosh geht es
ander in der Gemeinde herrscht, kann er nicht herrschen, dabei nicht um Hintergrund-Informationen sondern um
wo Frauen Rollen übernehmen, die Gott auf die Männer be­ eine geistliche, typologische Auslegung der Schrift, die sehr
schränkt hat“ (S. 420). praktisch in unser Leben hineinspricht. Auch wenn seine
John MacArthur zeigt auch in der Auslegung schwieriger Ausführungen leicht verständlich sind, ist doch ein gewisses
Texte (wie z.B. 1Kor 11, 1-14) biblische Prinzipien auf, die Maß an Ruhe und Muße hilfreich, um geistlichen Gewinn
helfen, den Sinn und die Absicht Gottes zu verstehen, auch von dieser wertvollen Auslegung zu haben, welche dem Le-
wenn man in der praktischen Anwendung durchaus anderer ser viele verborgene Schätze des Wortes Gottes präsentiert.
Meinung sein kann. Wolfgang Bühne

Letzte Meldung: Auf dem „Folge-mir-nach“-WE vom 26.-28. Januar 2007 ist noch Platz!
M. Lauth + A. Fett übernehmen die Leitung. Infos unter www.schoppen.org
Thema: Leben wir in der Endzeit? Anmeldung unter fam.klaas@glomeex.de

21
Richard Mayhue
wie sexuelle Reinheit vor der Ehe die beste Voraussetzung
Wirf nie das Handtuch! für eine gute Ehe und Familie ist. Themen wie Selbstbefriedi-
Von Verlierern und Siegern lernen gung, die Gefahr des Fernseh-Konsums und die Wirkung von
Schwengeler, Pb., 212 S., € 10,90 seichter Literatur usw. werden nicht ausgespart. Gleichzeitig
werden erprobte und bewährte Hilfen aufgezeigt, wie man
In diesem hervorragenden Buch sündige Gewohnheiten bekämpfen und auch besiegen kann.
stellt der Autor zwölf Männer und Auch wenn vor allem Männer in diesem Buch angespro-
Frauen vor, von denen vier im Glau- chen werden, können auch Frauen durch die Lektüre lernen,
benskampf scheiterten (Salomo, Jona, die Probleme und Gefahren von Männern zu verstehen, um
Eva, Saul), vier zwar fielen, aber wie- ihnen durch ein zuchtvolles Verhalten eine Hilfe im Kampf
der aufstanden (Mose, Elia, Simson, Habakuk,) und schließ- um ein für Gott bewahrtes reines Herz sein zu können.
lich vier, die als strahlende Sieger das Ziel erreicht haben Auch wenn dieses Taschenbuch unverständlich teuer ist,
(Joseph, Hiob, Ruth und Daniel). sollte es dennoch von jungen und älteren Lesern, sowie von
Jedes dieser zwölf Lebensbilder wird unter drei Gesichts- Eltern und allen, die in der Jugendarbeit und Seelsorge tätig
punkten beleuchtet: der Feind, die Alarmsignale/Fehler oder sind, gelesen werden. Es ist leicht verständlich geschrieben
Strategie, der Todesstoß, die Heilung oder der Sieg. und wegen der Aktualität des Themas auch jüngeren Lesern
Sehr seelsorgerlich, praktisch und eindrücklich zeigt sehr zu empfehlen.
Wolfgang Bühne
Richard Mayhue die Stärken oder Schwachstellen dieser Per-
sonen, wobei er oft mit einprägsamen Sätzen ins Schwarze
trifft und dem Leser viel Stoff zur eigenen Selbstprüfung Ernst-August Bremicker
bietet (z.B. über Jona: „Mit seinem Glauben ging er um wie Der Christ im Spannungs-
ein Geheimagent mit seiner Identität“). feld dieser Welt
Vor allem aber vermittelt der Autor geistliche und ermu- 1. Mose 38 im Licht unserer Zeit
tigende Ratschläge, wie man aus den Niederlagen und Sie-
CSV, Tb., 202 S., € 5,90
gen dieser Personen lernen und in der Nachfolge Jesu neuen
Mut für den guten Kampf des Glaubens schöpfen kann.
Hinter dem etwas allgemein gehalte­
Auch für jüngere Leser sehr hilfreich und außerdem in-
nen Titel dieses Buches verbirgt sich
teressant geschrieben. Wolfgang Bühne ein spezielles und sehr aktuelles The-
ma: Das Sexualverhalten und die mo-
ralischen Maßstäbe von Kindern gläubiger Eltern - und zwar
Randy Alcorn
in der dritten Generation.
Beschütze dein Herz Als Grundlage für die 15 Lektionen dieses Buches hat der
Warum es wichtig ist, mit Sexuali- Autor 1. Mose 38 gewählt, das äußerst interessante und er-
tät richtig umzugehen schütternde Kapitel über Juda, seine Unmoral, seinen Ein-
Hänssler, Tb., 110 S., € 7,95 fluss auf seine Söhne, seine ungezügelte Sexualität – getarnt
unter einem selbstgerechten, pharisäischen Mantel, der für
„Sexuelle Reinheit und Unreinheit sind Nachkommen gläubiger Vorfahren leider so typisch ist.
mehr als eine Sache der äußeren Eti­ Meist verschwiegene oder verdrängte Probleme und Fra-
kette und Kultur. Sie haben mit un­ gen junger und älterer Christen auf dem Gebiet der Sexualität
serer Seele zu tun, mit unserem Zen­ werden taktvoll und doch sehr offen angesprochen. Es werden
trum, mit dem, was wir sind und was wir werden.“ (S. 28) biblische Antworten und praktische, seelsorgerliche Hilfen ge-
In liebevoller, aber schonungsloser Ehrlichkeit und Offen- geben, wobei z.B. auch das Thema der Selbstbefriedigung mit
heit zeigt der begabte und erfahrene Autor, wie heutige Me- allen Nebenwirkungen sehr hilfreich behandelt wird.
dien unsere Vorstellungen von Sexualität prägen und unsere Aus dem Verhalten Tamars - neben Juda eine Hauptfigur
Maßstäbe auf diesem Gebiet zu unserem Schaden verändert in 1. Mose 38 - werden auch praktische Hinweise für das
und unser Gewissen falsch justiert haben. Die Folge davon Verhalten von Frauen gegeben, wie sie durch ihr Auftreten
ist, dass sich inzwischen auch bekennende Christen in ihrem den Männern entweder eine Hilfe oder ein Fallstrick sein
Sexualverhalten nicht mehr wesentlich von Nichtchristen können im Kampf um sexuelle Reinheit.
unterscheiden. Die traurigen Resultate davon sind in vielen Auch konservativ geprägte Christen sollten dieses Buch
christlichen Ehen und Familien deutlich zu erkennen. lesen und weitergeben, weil der Autor besonders ihr Ver-
Alcorn ruft daher mit aller Leidenschaft zu einem konse- halten und ihre oft verzerrte und nicht selten unbiblische
quenten Umdenken auf, das sich an den eindeutigen Aus- Haltung zur Sexualität sehr deutlich anspricht und an Hand
sagen des Wortes Gottes orientiert, weil nur dadurch Segen der Bibel korrigiert.
und Erfüllung gefunden werden kann. Das Buch ist aktuell und leicht verständlich geschrieben.
Der Autor scheut sich nicht, Dinge beim Namen zu nen- Es wendet sich in erster Linie an junge Christen, die „beson-
nen und auch konkrete Hilfen zu geben, wie es z.B. praktisch ders im Visier des Teufels sind“, aber auch an Christen im
aussehen kann, wenn man sein „Auge ausreißt“ oder seine mittleren Alter und an solche die alt geworden sind, denn
„Hand abhackt“, um sexuelle Reinheit zu bewahren. Er zeigt, „... kein Christ ist immun gegen das, was Satan uns auf

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silbernem Tablett zu servieren versucht - was auf den ersten ihrer Nachbarn und Bekannten erfahren, aber andererseits
Blick so schillernd und begehrenswert aussieht“ (S. 3). Das den Zorn und die Eifersucht der orthodoxen Popen und Kle-
Buch wird dazu noch zu einem günstigen Preis angeboten, riker herausfordern.
so dass man es gerne und mit Nachdruck weiter empfehlen Nach einer Zeit der Duldung von Seiten der Kirche und
kann. des Staates kommt es dann zur Konfrontation und schließ-
Wolfgang Bühne
lich zur Verfolgung und Verbannung dieser friedliebenden
und gottesfürchtigen Christen, die enteignet und nach Sibi-
Erika Geiger rien verschleppt werden.
Dem Herren musst du trauen Die Autorin versteht es, die historischen Ereignisse in ei-
Paul Gerhardt – Prediger und Poet ner spannenden und bewegenden Erzählung zu vermitteln.
Sie schildert das russische Gemütsleben mit allen Höhen
Hänssler, gb., 160 S., € 12,95
und Tiefen treffend, farbig und sehr eindrücklich. Es wird
deutlich, wie der einfältige und konsequente Glaube der
Die Lieder Paul Gerhardts werden
Stundisten trotz aller Widerstände auch im Gewissen ihrer
schon seit Jahrhunderten gesungen,
Peiniger Spuren hinterlässt und Fragen nach Gott, Wahrheit
sind in viele Sprachen übersetzt wor-
und Ewigkeit auslöst.
den und haben den Weg in die ver-
Wer das russische Volk liebt und sich für die Geschichte
schiedensten Gesangbücher gefunden.
der Gemeinde Jesu in diesem großen Land interessiert, wird
Doch das Leben dieses begnadeten Dichters und Pre­digers,
viel Freude und Segen an der Lektüre dieses Buches haben.
der vor 400 Jahren geboren wurde, ist wenig bekannt.
In dieser Biographie wird das von Armut, Not und Leid Wolfgang Bühne
überschattete Leben dieses Mannes geschildert, der als Kind
seine Eltern verlor und als junger Mann die Grausamkeit
des Dreißigjährigen Krieges erlebte. Als er schließlich im Al-
ter von 48 Jahren heiratete, dauerte es nur wenige Jahre, Sylvia Plock
bis er den Tod vier seiner Kinder und auch den frühen Tod Priorität Nr. 1
seiner Frau erleiden musste. Doch diese schweren Lebens- Wie das Neue Testament
führungen haben sein Vertrauen auf Gott nicht erschüttert, zum Gebet ermutigt
sondern haben ihn befähigt, mit seinen Liedern Tausende zu CMD, Pb., 268 S., € 9,50
trösten und zu ermutigen.
Für den kirchengeschichtlich interessierten Leser ist es Gebet bleibt tragischerweise der
aufschlussreich, den erbitterten Konfessionsstreit im 17. größte und auch verhängnisvollste
Jhdt. zwischen Lutheranern und Calvinisten kennen zu ler- Man­gel im Leben der allermeisten
nen, die sich damals gegenseitig verketzert haben und in Christen.
deren Gewissenskonflikte auch Paul Gerhardt als friedlie- Mit diesem Arbeitsbuch möchte
bender, aber überzeugter Lutheraner hineingezogen wurde. Sylvia Plock speziell Frauen ermutigen, das NT in diesem
In den letzten Kapiteln dieses Buches werden die be- Zusammenhang zu studieren, um so Ermutigung, Anleitung
kanntesten Lieder Paul Gerhardts interpretiert, wobei der und Motivation zum Beten zu bekommen.
geistliche Tiefgang des Dichters und seine poetische Kunst- Das Kurs-Material ist systematisch aufgearbeitet: Nach
fertigkeit deutlich werden. einer kurzen Einleitung zum Thema Gebet wird die Strate-
Wolfgang Bühne gie des Buches vorgestellt und erklärt. Zur Einstimmung in
das jeweilige Buch des NT folgt eine Reihe herausfordernder,
Hesba Stretton lesenswerter Zitate und eine kurze Einführung. Dann wird
Der große Leidensweg eine ergiebige Anzahl Bibelverse zum Gebet aufgelistet, eine
Die Geschichte der Stundisten kurze Inhaltsbeschreibung der Verse angefügt und schließ-
in Russland Ende des 19. Jhdts. lich anregende Fragen zum Gruppengespräch gestellt. Jeder
Band 1 Abschnitt endet mit Anregungen zum gemeinsamen Gebet
Bild&Medien, gb., 200 S., € und einem passenden Liedvers.
Diese vor mehr als 100 Jahren Insgesamt wird man auf diese Weise mit ca. 400 Bibel-
geschriebene historische Erzählung versen konfrontiert und durch mehr als 200 Fragen zum
schildert ergreifend das Glaubensle- Nachdenken und zur Neubesinnung angeregt.
ben der Stundisten in der Ukraine, die Dieser Kurs ist sowohl zum persönlichen Bibelstudium
- umgeben von den russisch-orthodoxen Dorfbewohnern - geeignet, als auch für Frauenkreise, Frauenstunden usw.
durch ihre Liebe, Hingabe und Treue einerseits die Achtung Ulla Bühne

Diese Bücher können in jeder Christlichen Buchhandlung oder bei folgender Adresse bestellt werden:
Christliche Buchhandlung Wolfgang Bühne, Eisenweg 2, D-58540 Meinerzhagen, Tel.: 02354-709585

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Wolfgang Bühne • Postfach 11 26 • D-58540 Meinerzhagen
PVSt. • Deutsche Post AG • Entgelt bezahlt! • VKZ H 11661

Eine Notiz von Martin Luther


(1540) zu 2. Timotheus 3,16:

Wenn wir glauben könnten,


dass Gott selbst mit uns
in der Bibel redet,
so würden wir mit Fleiß
darin lesen und sie
für unsere selige
Werkstatt
halten.

2. Timo: 3.16
Alle Schrift
von Gott eingegeben,
ist nütze zur Lehre,
zur Strafe, zur Besserung,
zur Züchtigung etc.