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GHL 6

Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;


die größte aber von diesen ist die Liebe. 1.Korinther 13,13

Glaube : Hoffnung : Liebe

Die Dichterin des Liedes „So nimm denn


meine Hände und führe mich ...“

In stillen Stunden schrieb sie nieder, was sie


innerlich beschäftigte oder in schlafloser,
schmerzensreicher Nachtstunde zum Lied ge-
worden war. In ihrer Scheu, anderen einen
Julie Katharina Blick in ihr Innenleben zu gewähren, hielt sie
von Hausmann „ihren Schatz“ ängstlich geheim und teilte ihre
Gedichte nur wenigen mit. Ihre Freundin Olga
(* 7. März 1826 in Mitau, von Karp war überzeugt, dass die Gedichte, die
Lettland; † 15. August Julie Hausmann schrieb, für einen weiteren Kreis
1901 in Võsu, Estland) von Menschen Bedeutung
war eine deutsch- haben könnten. Julie selbst
baltische Dichterin,
nannte ihre Verse „schwach
die vor allem durch
und unvollkommen.“
ihr Gedicht „So nimm
denn meine Hände“
bekannt wurde. Trotzdem ließ sie sich über-
reden, an Pfarrer Gustav
Julie verbrachte als Knak (1806-1878) eine
Tochter eines Gymnasiallehrers ihre Kindheit Sammlung ihrer Gedichte
zu senden. Die Sendung
in Mitau. Als die Fünfte in der Reihe von sechs
kam anonym. Knak suchte
Schwestern, von denen die Vierte sechs Jahre
nach der Adresse und gab
älter und die Sechste sechs Jahre jünger als sie
einen Liederband mit hundert Liedern heraus.
war, stand sie ziemlich allein im Elternhaus. Sie
Sie schrieb an Knak: „Sollte auch nur ein Herz
liebte die Stille und Einsamkeit, welche für ihre
durch diese schwachen, unvollkommenen
innere Entwicklung und ihr Gebetsleben so
Lieder erfreut werden, so wäre das ja eine
wertvoll waren. In der Zeit der Vorbereitung Gnade, deren ich nimmermehr wert bin,
auf die Konfirmation, durch Pastor Theodor für die ich immer wieder singen und loben
Neander, lernte sie den Heiland kennen und wollte, mein Leben lang …“ und bemerkte
lieben, sodass sie ihr Herz und junges Leben schließlich: „Dass Sie meinen Namen ver-
Jesus Christus zu eigen gab. schweigen, brauche ich Sie wohl nicht zu
bitten.“ So stand auf dem unscheinbaren
Julie von Hausmann war als Lehrerin und Heft nur: „Maiblumen, Lieder einer Stillen
Erzieherin in verschiedenen Häusern ihrer im Lande, dargereicht von Gustav Knak“.
baltischen Heimat tätig, musste aber wegen Der Verkaufserlös war einem Waisenhaus in
ihrer schwachen Gesundheit oft ihren Arbeits- Hongkong gewidmet. – Ganz gegen ihren
platz wechseln. Wunsch wurde ihr Name doch bekannt.
So hat sie ein Gedicht niedergeschrieben, das schweren Rückweg von Afrika geholfen hat,
unzähligen Menschen zum Segen werden sollte: das aber auch durch die bewegende Melodie
heute noch vielen Menschen, die Abschied
nehmen, Trost und Halt gibt.
nde und führe mich, Und mit dem kindlichen Vertrauen, dass sie an
So nimm denn meine Hä
d ewiglich!
bis an mein selig Ende un die Hand genommen wird, dass ihre Hände
n, nicht einen Schritt;
Ich mag allein nicht gehe gehalten werden und sie ihren Weg sicher
hen, da nimm mich mit.
wo Du wirst gehn und ste gehen kann, hat sie eine wichtige Erfahrung
weitergegeben, die sicherlich auch viele
in schwaches Herz,
In Dein Erbarmen hülle me Menschen nach ihr und vor ihr gemacht
le in Freud und Schmerz.
und mach es gänzlich stil haben.
n, Dein armes Kind;
Lass ruhn zu Deinen Füße
en und glauben blind.
es will die Augen schließ Durch die Melodie von Friedrich Silcher (1789-
fühle von Deiner Macht, 1860) fand dieses Lied rasche Verbreitung.
Wenn ich auch gar nichts t.
Ziele, auch durch die Nach Genannt sei auch ihr Passionslied „Wenn ich
Du führst mich doch zum ch ,
nde und führe mi
So nimm denn meine Hä die Dornenkrone auf Deinem Haupte seh,
d ewiglich!
bis an mein selig Ende un so zieht durch meine Seele ein tiefes, tiefes
Weh.“

Aus großer Not sind die Worte dieses Gedichtes Ihr Leben blieb ein stilles Heldentum. In Jesus
von ihr zu Papier gebracht worden: allein fand sie die Lösung aller unverstandenen
Julie Hausmann hatte sich in einen Theologen Lebensfragen. Zeitlebens litt sie an quälenden
verliebt. Doch der wollte nicht Gemeindepastor Kopfschmerzen.
werden, sondern als Missionar nach Afrika Vier Jahre brachte sie in Biarritz (Südfrankreich)
gehen. Sein Abreisetermin stand schon fest, als zu, wo ihre jüngste Schwester Organistin
die beiden sich kennenlernten. Sie verlobten an der englischen Kirche war. 1870 fand
sich, und dann ging der junge Missionar auf die sie eine Heimat in St. Petersburg bei ihrer
Reise. Bald danach folgte Julie ihrem Verlobten. ältesten Schwester, die dort Vorsteherin der
Sie nahm die strapaziöse Schiffsreise auf sich mit St. Annenschule war. Sie führte den Haushalt
der frohen Erwartung vor Augen: Sie wird ihren und gab einige Musikstunden im und außer
Liebsten wiedersehen. Doch der erwartete Haus.
sie nicht im Hafen. Stattdessen wird sie auf 1901 siedelte sie in den estnischen Kurort
den Friedhof der Missionsstation geführt: Ihr Wösso (Deutsch)/Võsu (Estnisch) um, wo sie
Bräutigam war kurz vorher an einer Epidemie am 15. August 1901 verstarb.
gestorben. Ihr Grab, auf dem Friedhof bei der Kapelle
von Illomäggi/Ilumäe beim Gut Palms/Palmse,
Alles scheint zusammenzubrechen. Sie ist allein. ist erhalten geblieben.
Doch nach langem, stillem und heißem Ringen
erhebt sie sich wie von einem schweren Traum. Möge der treue Gott auch unsere oft verzagten
Die Prüfung ist bestanden; auf der Station löst Herzen in Sein Erbarmen hüllen und sie voll-
sich von ihrem Herzen jenes Gebetslied, das kommen still machen in Freud und Schmerz …
Ungezählten zum Trost werden sollte. Noch am Ergeben in Gottes Willen bitten wir: „So nimm
gleichen Abend – so heißt es – setzt sich Julie denn meine Hände und führe mich … und der
Hausmann hin und dichtet ihr Lied, worin es in Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt,
der dritten Strophe heißt: „Wenn ich auch gar möchte unsere Herzen und unsere Gedanken
nichts fühle von Deiner Macht, Du führst mich bewahren in Christus Jesus.“
doch zum Ziele, auch durch die Nacht. So nimm
denn meine Hände ...!“ Friedhelm Müller
VdHS © 766006 GHL

Damit hat sie ein Lied voller Vertrauen und


Glauben geschaffen, das ihr sicher auf ihrem

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