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»Zu derselben Stunde frohlockte Jesus im Geist und sprach: Ich

preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies
den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen
geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen
vor dir. Und zu den Jüngern gewandt sagte er: Alles ist mir
übergeben worden von meinem Vater; und niemand weiß, wer
der Sohn ist, als nur der Vater; und wer der Vater ist, weiß
niemand als nur der Sohn und wem der Sohn es offenbaren will.
Und er wandte sich zu seinen Jüngern besonders und sprach:
Glückselig sind die Augen, die sehen, was ihr seht! Denn ich
sage euch, viele Propheten und Könige wünschten zu sehen,
was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr
hört, und haben es nicht gehört.« Lukas 10:21-24

Die Freude am Herrn ist unsere Stärke


Jeder von uns kann sich sicherlich an besondere Augenblicke
der großen Freude erinnern. Freude ist absolut wichtig! Sie ist
vielleicht der wichtigste Antrieb für unser Leben. Freude kann
unglaublich viel in Bewegung setzen.
Wenn man von Freude erfüllt ist, dann ist man auch bereit,
Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen; dann geht alles, auch das
oftmals lästige Tagesgeschäft irgendwie leichter.
Wenn man hingegen etwas ohne Freude tut, dann ist es
unglaublich anstrengend und ermüdend. Was für das tägliche
Leben gilt, das gilt in ähnlicher Weise auch für das Leben im
Glauben, für das Leben als Christ.
Viele von uns werden das kennen: Man hat manchmal
Glaubenshöhen, wo alles einen Sinn ergibt. Wo man tolle
Erlebnisse mit Gott hat, wo man fühlt, was man glaubt. Da macht
das Lesen in der Bibel große Freude. Zum Beten muss man sich
nicht überwinden, sondern es fließt ganz natürlich aus einem
heraus; man hat einfach Freude daran.
Es gibt aber auch Zeiten, in denen es einem schwerfällt. Zeiten,
in denen man sich wirklich aufraffen muss. Wo man irgendwie
nicht fühlt, was man glaubt.
Und doch ist Freude so wichtig – Christsein ohne Freude, das
geht eigentlich gar nicht. Die Freude im Glauben ist so
elementar wichtig, dass Gott uns durch die biblischen Schreiber
sogar permanent dazu auffordert, uns zu freuen. »Freuet euch
im Herrn allezeit, und abermals sage ich, freuet euch!« (Philipper
4:4) »Die Freude am Herrn ist eure Stärke!« (Nehemia 8:10) und
viele andere Bibelstellen.
Deshalb wollen wir uns jetzt mit einem Bibeltext beschäftigen,
der einiges über Freude zu sagen hat.
Wir werden sehen, wie Jesus sich freuen kann. Wir werden auch
sehen, worüber er sich freut – und wir werden schließlich
entdecken, wie diese Freude auch diejenigen bestimmen kann,
die ihm nachfolgen.
Der Evangelist Lukas berichtet in Lukas 10 ab Vers 21 von der
Freude Jesu in einer konkreten Situation. Es ist ganz hilfreich zu
sehen, was vorher passiert ist:
Jesus sandte etwa 70 seiner Jünger aus. Sie sollten durch die
Städte und Dörfer Israels gehen. Ihre Mission bestand in Wort
und Tat. Sie verkündeten den lang ersehnten Anbruch der
Königsherrschaft Gottes. Und im Namen Jesu heilten sie Kranke
und befreiten sogar Menschen vom Einfluss dämonischer
Mächte.
Auf diese Weise bekräftigten sie die Wahrheit ihrer Botschaft.
Sie vollbrachten die Zeichen des messianischen Zeitalters:
Gebundene wurden frei, Blinde konnten sehen, Lahme gehen.
Nun kehren sie nach erfolgreicher Arbeit voller Begeisterung
zurück. Mit funkelnden Augen erstatten sie ihrem Meister
Bericht: »Herr, sogar die bösen Geister sind uns untertan!«
Doch Jesus ist sich längst im Klaren über die Hoheit, die er über
den Satan hat. Er weiß, mit welcher Vollmacht er seine Jünger
ausgestattet hat. Für ihn gibt es noch viel mehr. Jesus kennt
eine Freude, die viel tiefer wurzelt und von ganz anderer Qualität
ist.
Davon lesen wir ab Lukas 10:21. Hier sehen wir Jesus in einer
Freude, die in ihrer Intensität die Begeisterung der Jünger bei
weitem übersteigt. Jesus freut sich, ja, er »jubelt« sogar. Sein
Herz fließt förmlich über.
»Jesus jubelte im Heiligen Geist«, heißt es hier. Was hat es
damit auf sich? Lukas beschreibt uns an vielen Stellen in
seinem Evangelium, dass Jesus während seines Dienstes auf
Erden vom Heiligen Geist erfüllt war.
Lukas 1:15: Bereits von Mutterleib an war er vom Heiligen Geist
erfüllt.
Lukas 3:21-22: Als Jesus von Johannes getauft wurde, fuhr der
Heilige Geist als Bestätigung Gottes auf ihn herab.
Kurze Zeit später erzählt Lukas, wie Jesus, »voll Heiligen
Geistes«, vom Geist in die Wüste geführt wird (4:1).
Lukas 4:18: In der Synagoge übernahm er die Lesung aus dem
Propheten Jesaja: »Der Geist des HERRN ist auf mir, weil er
mich gesalbt hat …!« Er setzte sich und sagte: »Heute ist dieses
Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren!«
Und auch seine Freude ist eine »Freude des Heiligen Geistes«.
Doch was versetzt Jesus in solche Begeisterung, und worüber
freut er sich? Sein Jubel mündet in einen Lobpreis, in Anbetung:
»Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde …!«
Ist es uns aufgefallen? Fast beiläufig gibt uns Lukas hier einen
kurzen Hinweis auf die Dreieinigkeit: Gott, der Sohn, ist erfüllt
von Gott, dem Heiligen Geist, und lobt in überschwänglicher
Weise Gott, den Vater.
Ich glaube, wir sehen hier einen kurzen Ausschnitt aus dem, was
sich bei Gott selbst in Seiner Gegenwart abspielt. Der dreieinige
Gott ist von Freude erfüllt. Alle drei Personen stehen in
ständiger Beziehung zueinander. Alles, was sie denken, planen,
sagen und tun, ist herrlich und vollkommen, und es geschieht
aus purer Freude. Was sie damit bewirken, ist Freude. Und diese
Freude lassen sie in Dank und Lob wieder einander zufließen.
Sie geben sich kontinuierlich die Ehre und freuen sich
aneinander und loben sich gegenseitig.
Ich finde das bemerkenswert, Jesus so zu sehen. Gott ist nicht
emotionslos. Weder der Vater noch der Sohn sind vollendete
Stoiker ohne jegliche Empfindungen. Ihre eigene Herrlichkeit, all
ihre Eigenschaften und Taten, regen sie dazu an, sich in
enthusiastischer Weise gegenseitig zu loben. Das tut Jesus hier.
Und ich glaube, es ist wichtig zu wissen, dass Er so ist. Gott ist
natürlich kein Sklave seiner Gefühle. Aber er thront auch nicht
gleichgültig und voller Desinteresse über dem Weltgeschehen.
Er ist ein leidenschaftlicher Gott – vollkommen in seiner Freude
über sich selbst. Das Erste, was wir also sehen: Jesus freut sich
über Gott selbst. Er freut sich über die Herrlichkeit seines
Vaters.
Doch es gibt auch noch einen zweiten Anlass der Freude Jesu.
Was tut sein Vater im Himmel, wofür gibt der Sohn ihm die
Ehre?
Das sehen wir, wenn wir in dem Lobpreis Jesu weiter lesen.
Jesus lobt den Vater dafür, dass er SEIN »Geheimnis« zugleich
bewahrt und offenbart hat. Er hat es den Weisen dieser Welt
verborgen. Und gleichzeitig hat er es »kleinen Kindern«
offenbart.
Das ist seltsam: Worum geht es hier?
Kurz vorher sagt Jesus den aufgeregten Jüngern: »Freut euch
darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind!« Die
Tatsache, dass Gott sie errettet hat, soll ihr Grund zur Freude
sein.
Jesus weiß, dass die Jünger einfache Leute sind. Nicht dumm
sicherlich, aber auch nicht Teil der Oberschicht. Sie sind keine
religiösen Führer. Sie bewegen sich nicht in der High Society. In
Bezug auf philosophische Weisheit und religiöse Erkenntnis
gehören sie sogar eher zu den Kindern, zu den »Unmündigen«.
Doch Gott hat in seiner Souveränität und Gnade beschlossen,
seine Herrschaft genau unter solchen Leuten aufzurichten. Man
muss nicht schlau oder reich sein oder religiös vorgebildet, um
Eintritt in Gottes Reich zu bekommen. Der Vater offenbart das
Geheimnis seiner Rettung auf eine Weise, die mit menschlicher
Weisheit nicht zu erfassen ist. Es kann nur mit den Augen des
Glaubens gesehen werden. Und diese öffnet einem Jesus selbst.
Davon spricht Vers 22: »Alles ist mir übergeben von meinem
Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater,
noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn
offenbaren will.« Jesus kennt als Sohn Gottes den Vater, wie ihn
keiner sonst kennt. Er sieht in seine geheimen Pläne hinein, die
niemand sonst verstehen kann. Das Großartige dabei ist: Jesus
hat die Macht, den Menschen seinen Vater zu offenbaren. Der
Weg zu Gott führt über Jesus allein.
Jesus freut sich außerordentlich über die weisen Absichten des
Vaters. Sie erfüllen sich buchstäblich vor seinen Augen an den
ersten Nachfolgern. Und Jesus jubelt darüber. Und das, obwohl
er genau weiß, welch schwere Rolle in Gottes Heilsplan er bald
zu erfüllen hat. Er befindet sich ja schon auf dem Weg nach
Jerusalem. Nach Golgatha. Zum Kreuz.
Also haben wir zwei Hinweise darauf bekommen, was Jesus zum
Jubeln bringt. Es ist einmal die Freude über Gott selbst und
seine Herrlichkeit und zum andern die Begeisterung über das,
was Gott in seiner Weisheit beschlossen hat und tut; nämlich
Menschen zu retten, die keine Vorzüge vor anderen haben. Und
sein Reich mit solchen zu bauen, die in den Augen der Welt
nichts wert sind. Dazu gehörten die Jünger damals, dazu
gehörst Du, wenn Du erkennst, dass Du vor Gott wie ein kleines
hilfloses Kind stehst. Mit leeren Händen – und daher mit den
besten Voraussetzungen, um von Gott überreich beschenkt zu
werden.
Wie kann es sein, dass unsere Freude im Glauben oft so
kümmerlich ist? Wie kann es sein, dass wir vor Freude über
andere Dinge erfüllt sein können, das Leben mit Jesus hingegen
uns oft kalt lässt.
Der Bibeltext lässt mich ahnen: Was Jesus zum Jubeln bringt,
kann für seine Nachfolger kein saurer Apfel sein. Wenn Jesus
das perfekte Vorbild ist, dem wir nacheifern, dann sollte auch
seine Freude der Maßstab für unsere Freude sein.
Schauen wir weiter, was die Freude Jesu mit uns zu tun hat: In
Vers 23-24 beglückwünscht Jesus die Jünger. Er gratuliert
ihnen. Denn sie dürfen sehen und hören, wonach sich u. a. Mose
und David und Jesaja gesehnt haben. Die großen Propheten und
Könige des Alten Bundes, die Glaubenshelden – sie haben
gesucht und geforscht nach den Zeiten, wo sich erfüllen sollte,
was sie bloß erahnen konnten.
Doch diese einfachen Fischer und Zöllner erleben den Anbruch
einer neuen Zeitrechnung der Herrschaft Gottes. Vor ihren
Augen ereignet sich das Unmögliche: Gott selbst erfüllt die
Mission, sündige Menschen zu erlösen und seine Feinde in eine
versöhnte Gemeinschaft mit IHM zu bringen. Was für eine tiefe
Freude und Begeisterung wird ausgelöst, wenn einem derart die
Augen aufgehen.
Ich bin der Überzeugung, dass unsere Saft- und Kraftlosigkeit im
Christsein daher rührt, weil wir zu sehr mit uns selbst
beschäftigt sind. Wir versuchen verzweifelt, unsere Freude aus
Dingen zu beziehen, die letztlich keine wahre Freude bringen
können:
•z. B. aus den Taten, die wir vollbringen (auch die frommen
Taten, wie die Jünger),
•oder aus der Anerkennung, die andere uns zuteil werden lassen
für das, was wir vollbracht haben,
•oder aus den glücklichen Umständen, die wir hoffentlich
erleben,
•sogar aus dem gedeckten Bankkonto, aus dem schönen Wetter,
Da ist es doch eigentlich klar – ja, nur eine Frage der Zeit, wann
die Freude erlischt – von Sorgen und allen möglichen Fragen
überdeckt.
Wie anders ist es mit dieser »urchristlichen Freude«. Denn diese
Freude ist im Kern die gleiche Freude, die auch Jesus empfand.
Es ist eine Freude, die aus der Beschäftigung mit Gott selbst in
Seiner Herrlichkeit entsteht. Eine Freude, die sich entzündet an
dem, wie Gott ist in Jesus Christus und was er durch Jesus
Christus tut.
Ich ermutige Dich daher heute: Lass Deine große und
unersättliche Sehnsucht nach Freude und Glück zu. Sieh sie als
etwas Gottgegebenes an. Aber versuche auch nicht, diese
Freude in irgendetwas anderem zu finden als in Gott selbst. In
dem, wie ER ist und was ER tut.
Lies Deine Bibel mit diesem Ziel! Kämpfe um die Freude!
Wer erkannt hat und immer mehr erkennt: »Ich darf als
unwürdiger Sünder durch Jesus Christus Gemeinschaft mit Gott
haben. Meine übergroße Schuld ist vergeben. Mein Name steht
im Buch des Lebens. Ich habe das Privileg, teilhaben zu können
an dem, was Gott in dieser Welt noch tut«, für den kann Freude
nicht bloß eine Option bleiben. Dem wird es sogar schwerfallen,
die Freude zu unterdrücken.
Es ist wie mit den Menschen, die uns in Jesaja 51:11
beschrieben werden: »Und die Befreiten des HERRN werden
zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel, und ewige
Freude wird über ihrem Haupt sein. Sie werden Wonne und
Freude erlangen, Kummer und Seufzen werden entfliehen.«
Und wer sich so als gebrochener Sünder in Demut, aber auch im
Vertrauen auf das Erlösungswerk Jesu Gott nähert, der darf
wissen, dass Gott ihm nicht mit Stirnrunzeln entgegentreten
wird, sondern so, wie der Prophet Zephanja ihn schildert:
»Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; er
freut sich über dich in Fröhlichkeit, er schweigt in seiner Liebe,
er jauchzt über dich mit Jubel.« (Zephania 3:17)
N. Fastenrath
Die Bibel bleibt das meistübersetzte Buch
Im vergangenen Jahr kamen 25 Sprachen hinzu
(idea) Die Bibel bleibt das meistübersetzte Buch der Welt. Von
den geschätzten 6.900 Sprachen, die weltweit gesprochen
werden, lagen Ende 2008 in 2.479 Sprachen zumindest Teile der
Heiligen Schrift vor. Das sind 25 Sprachen mehr als ein Jahr
zuvor. Nach Angaben der Schweizerischen Bibelgesellschaft
(Biel) hat sich die Zahl der übersetzten Vollbibeln um 13 auf 451
Sprachen erhöht, die Zahl der Neuen Testamente um 17 auf
1.185. In weiteren 843 Sprachen gibt es Bibelteile, meist
Evangelien oder die Psalmen. Die zum Weltbund der
Bibelgesellschaften gehörenden 145 nationalen
Bibelgesellschaften arbeiten zurzeit an 650
Übersetzungsprojekten. In Asien gibt es vollständige Bibeln in
177 Sprachen, in Afrika in 169. Europa hat Übersetzungen in 62
Sprachen, Amerika in 42.

Dem Nächsten dienen

Zu den gewählten »Unworten des Jahres« gehörte in der


jüngsten Vergangenheit auch der Begriff »Soziale Kälte«. Der
Ausdruck erinnert uns daran, dass vielerorts eine Atmosphäre
herrscht, in der die Bedürfnisse anderer ignoriert werden oder
erbarmungslos mit ihnen umgegangen wird.
Wir sollten uns fragen, wie es bei uns mit diesem wichtigen
Thema steht. Erweisen wir Einheimischen mehr Freundlichkeit
als Ausländern? Lieben wir die Jungen mehr als die Alten?
Kommen wir gutaussehenden Menschen mehr entgegen als
denen, die einfach oder hausbacken aussehen? Ist es uns
wichtiger, bekannte Persönlichkeiten kennenzulernen, als die
weniger bekannten? Meiden wir Menschen mit körperlichen
Gebrechen und suchen nur die Gemeinschaft mit Starken und
Gesunden? Ziehen wir die Reichen den Armen vor? Zeigen wir
Fremden die kalte Schulter; denen, die unsere Sprache nur mit
Akzent sprechen können?
Wenn wir diese Fragen beantworten, sollten wir daran denken,
dass wir, wie wir den am wenigsten liebenswürdigen Gläubigen
behandeln, auch unseren Heiland behandeln (Matthäus 25:40).
Im Herstellerhandbuch für den Menschen, der Bibel, finden wir
folgende Begebenheit (1. Mose 18:1-5). »Abraham wohnte bei
den Terebinthen von Mamre, da erschien ihm der Herr wieder.
Abraham saß in der heißen Mittagszeit am Eingang seines
Zeltes, als er plötzlich drei Männer bemerkte, die auf ihn
zukamen. Sofort sprang er auf, lief ihnen entgegen, verneigte
sich bis zur Erde und bat: Mein Herr, bitte schenk mir deine
Aufmerksamkeit, und geh nicht einfach weiter. Ich lasse Wasser
holen für eure Füße, ruht euch solange unter dem Baum aus. Ich
sorge für das Essen, damit ihr gestärkt weitergehen könnt. Ihr
sollt nicht umsonst bei mir vorbeigekommen sein.
Einverstanden, sagten die drei, tu, was du dir vorgenommen
hast.«
Packt uns da nicht ein heimlicher Neid, wenn wir hier so schlicht
und bestimmt lesen: »Und der Herr erschien dem Abraham«?
Was war denn geschehen? Brennende Sonnenglut liegt über
dem Land. Abraham hat sein Zelt im Schatten jenes Wäldchens,
das den Namen Mamre trug, aufgeschlagen. Von der Tür seines
Zeltes aus kann er zur Straße hinübersehen. Er hat wohl eben
etwas geruht. Auf einmal stehen drei Männer vor ihm. Das ist ja
eigentlich eine unangenehme Geschichte, wenn man so in der
Mittagsruhe gestört wird. Bei der Gluthitze hätte man wohl lieber
die drei Männer ruhig weitergehen lassen. Abraham kann die
drei Männer nicht vorübergehen lassen. Er kennt sie nicht. Vor
allem ahnt er nicht, dass der Herr selbst hier an seinem Zelt
vorüberzieht. Es sind drei Pilger, die Abraham eigentlich
überhaupt nichts angehen.
Jetzt sieh dir nur diesen geschäftigen Eifer an, mit dem Abraham
aufspringt, sich vor den drei Fremdlingen verneigt und sie mit
so herzlichen Worten einlädt, dass sie eigentlich nicht anders
können, als dieser Einladung zu folgen.
Wie kommt er dazu? Hatte er ein weiches, rührseliges Herz?
Wahrhaftig nicht. Der Mann, der mit fünf Königen auf einmal zur
Schlacht anbändelt, war wahrhaftig kein süßer Weichling. Wir
verstehen die ganze Geschichte wirklich nur, wenn wir hier den
innigsten Ausdruck des verborgenen Glaubenslebens dieses
Mannes entdecken. Den Fremdling als Gast zu grüßen war
göttliches Gebot. Es ist einfach erstaunlich, wie zwei Dinge
unlöslich zusammenhängen, die wir schon bei dem
Glaubensvater Abraham eng miteinander verbunden finden. Wer
sein Leben Gott zur Verfügung gestellt hat, der kann den
durstigen und müden Bruder nicht vorbeigehen lassen. Wenn
wir sehen, mit welcher Liebe Abraham die drei staubbedeckten
und müden Wanderer hereinholt, dann leuchtet uns das
entgegen, was der Herr Jesus Christus uns in Matthäus 25:34-46
sagt.
Abraham, der als Erster die Bahn zu einem lebendigen und
fröhlichen Glauben gebrochen hat, hat dies Geheimnis seltsam
erlebt. Er hat ganz einfach einen Unbekannten nicht vorbeigehen
lassen wollen. Und ohne es zu ahnen, hat er den Herrn zu Gast
geladen. Diese Gesinnung hilft uns aus sozialer Kälte,
Vorurteilen und Egoismus heraus.
E. Ollech