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Juni 2007

Von Herz zu Herz mit Gott reden


Immer wieder und auf vielfache Weise fordert Gott uns in
Seinem Wort auf: »Bittet, so wird euch gegeben.« Tausende und
Abertausende haben Gott in diesem Punkt beim Wort
genommen und erlebten, dass es wahr ist.

Welchen Segen durften zum Beispiel Petrus und Johannes in


ihrem Leben und in ihrem Dienst erfahren. In jenen Tagen der
ersten christlichen Gemeinde gab es auch Widerstand – sehr
entschlossenen, hartnäckigen, unbarmherzigen Widerstand;
man versuchte, das Christus-Zeugnis einzudämmen – aber wir
lesen häufig Mitteilungen wie diese: »Der Herr aber tat täglich
solche hinzu, die gerettet wurden« (Apostelgeschichte 2:47).

»Viele aber von denen, die das Wort gehört hatten, wurden
gläubig; und die Zahl der Männer stieg auf ungefähr
fünftausend« (Apostelgeschichte 4:4). »Es wurden solche, die
an den Herrn glaubten, hinzugetan, Scharen von Männern und
Frauen« (Apostelgeschichte 5:14).

Die Apostel wussten, wo die Quelle der Kraft liegt, wenn sie
sagten: »Wir jedoch wollen beim Gebet und beim Dienst des
Wortes verharren« (Apostelgeschichte 6:4).

Aber nicht nur die Apostel der Gemeinde wirkten durch die Kraft
in ihrem Leben und Dienst, sondern auch die Glieder der ersten
Gemeinde. Welch eine überfließende Liebe und Wachstum bietet
sich uns bei der Urgemeinde (Apostelgeschichte 2:44-47; 4:32-
37; 8:4; 11:19-21).

Das Geheimnis dieser Fülle der Kraft im Leben und Dienst


erfahren wir in Kapitel 2 Vers 42: »Sie verharrten … in den
Gebeten.«

»Rufe mich an …«, spricht der Herr in Psalm 50:15, »so will ich
dich erretten, und du sollst mich preisen.« Es gibt einen Ort, wo
die Kraft stets erneuert werden kann. Dieser Ort befindet sich in
der Gegenwart des Herrn. »Aber die auf den Herrn harren,
kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und
nicht müde werden.« (Jesaja 40:31).

Sind wir zu beschäftigt, um zu beten und deswegen zu


beschäftigt, um in Seiner Kraft zu wirken? Vielleicht sind wir
sehr aktiv, traurig darüber, so wenig zu erreichen. Es gibt viele
Veranstaltungen, aber wenige, die ihr Leben unter die Führung
Gottes stellen, viel Betriebsamkeit. Mangelt es in unserem Leben
und Dienst an der Kraft Gottes? Wir empfangen nicht, weil wir
nicht bitten.

Wie viel Zeit verbringt der Durchschnittschrist täglich im Gebet?


Wie viel Zeit räume ich täglich dem Gebet ein? Ist es nicht ein
Meisterwerk des Teufels, dass er viele Christen und deren
Dienst für den Herrn allgemein dazu bringt, die Möglichkeit des
Gebets nicht auszuschöpfen? Er lacht sich ins Fäustchen. Er
fürchtet sich nicht vor Aktivitäten, er fürchtet sich nur vor Gott.

Wenn Männer und Frauen Gottes Gegenwart im Gebet suchen


und ihre Anliegen vor Ihm ausbreiten, dürfen sie erleben, wie
Gott wirksam wird, und es wird so viel erreicht wie nie zuvor.
Gebet bewirkt heute genauso viel wie früher. Gebet vermag den
Arm Gottes zu bewegen. Durch Gebet eröffnen sich uns die
unausschöpflichen Quellen Gottes. Das Gebet ist der Schlüssel,
der alle Vorratskammern der unendlichen Gnade und Kraft
Gottes aufschließt. »Bittet, so wird euch gegeben«, spricht
unser himmlischer Vater, der die Türen der göttlichen
Vorratskammern weit öffnet. Dem Wirken des Gebets ist nur eine
Grenze gesetzt, nämlich die, was Gott zu tun vermag. Aber bei
Gott sind alle Dinge möglich.

Biographien von Christen und die Geschichte der Christenheit


beweist die Wahrheit des Wortes Gottes in Bezug auf das Gebet.
Im Verlauf der Kirchengeschichte ragen Männer und Frauen aus
allen Lebensbereichen hervor, die in einfachem kindlichem
Glauben auf die Lehre der Bibel in Bezug auf das Gebet
vertrauten; sie haben gebetet und empfangen.
Durch Gebet bewirkt Gott wahre Selbsterkenntnis und deckt
unsere Mängel auf.

Durch Gebet geben wir Gott die Möglichkeit, unsere Herzen von
Sünde zu reinigen – von verborgener und bewusster Sünde
(Psalm 19:13,14).

Durch Gebet geben wir Gott freie Hand, uns auf allen unseren
Wegen zu stärken und Sieg über die Versuchung zu schenken.

Gott gibt uns gerne die nötige Weisheit, die wir brauchen:
»Wenn aber jemandem unter euch Weisheit mangelt, der bitte
Gott, der da gern gibt jedermann und allen mit Güte begegnet,
so wird ihm gegeben werden« (Jakobus 1:5).

Gebet ist der Kanal, durch den Gott uns mit dem Heiligen Geist
beschenkt: »Wenn ihr nun, die ihr böse seid, so spricht der Herr,
euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird
der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn
bitten« (Lukas 11:13).

Am Gebetsleben zeigt sich das kindliche Vertrauen des Christen


zu Gott, der nicht auf sein eigenes Tun baut.

Wenn die Antwort auf sich warten lässt

»Wenn nun ihr, die ihr arg seid, euren Kindern gute Gaben zu
geben versteht, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen
Gutes geben, die ihn bitten« (Matthäus 7:11).

»Ich aber bete, Herr, zu dir, zur angenehmen Zeit antworte mir, o
Gott, nach deiner großen Gnade« (Psalm 69:14).
Unsere Gebete können gewöhnlich in zwei Gruppen eingeteilt
werden: solche, die mit dem Willen Gottes übereinstimmen, und
solche, die nicht nach seinem Willen sind. Der Psalmist kennt
jedoch noch eine dritte Unterteilung, die weder der ersten noch
der zweiten Gruppe entspricht. Er redet davon, dass es Gebete
geben kann, die dem Willen Gottes heute nicht entsprechen,
aber möglicherweise morgen. Dem Psalmwort zufolge gibt es
eine »angenehme« Zeit für die Beantwortung bestimmter
Gebete. Damit will er jedoch nicht sagen, dass es eine
angenehme Zeit zum Beten gäbe. Unser himmlischer Vater
schätzt die Gebete seiner Kinder, ob Er sie nun gleich
beantworten kann oder nicht. Die Einschränkung bezieht sich
nicht auf unsere Bitten, sondern auf Gottes Antwort.

Wir bitten oft um Dinge, die zwar in Übereinstimmung mit Gottes


Willen sind, aber für die wir noch nicht reif sind. Beispielsweise
könnte ein Kleinkind seinen Vater um ein Messer bitten. Ein
Messer zu besitzen ist für einen Menschen durchaus erlaubt.
Und eines Tages wird es für den kleinen Bittsteller von großem
Nutzen sein, ein Messer zu haben, um etwa einen Knoten
aufzuschneiden, der sich anders nicht mehr lösen lässt. Doch
zum jetzigen Zeitpunkt würde sich das Kind wohl eher in den
Finger schneiden. Deshalb wird der Vater diese Bitte zunächst
abschlagen. Er wird das Erbetene so lange zurücklegen, bis es
für das Kind keine Gefahr mehr bedeutet, es zu besitzen. Es war
nicht zur »angenehmen« Zeit erbeten worden.

Genauso gibt es für die Gaben unseres himmlischen Vaters


besondere Zeiten. Oft bittet jemand im April um eine himmlische
Frucht, die aber erst im Juni reif ist. Paulus betete zum Beispiel
unmittelbar nach seiner Bekehrung um einen Auftrag: »Herr,
was willst du, dass ich tun soll?« Und als Antwort wurde er in
die Einsamkeit der arabischen Wüste geschickt. War sein Gebet
abgewiesen worden? Nein, nur aufgeschoben. Er hatte nicht zur
angenehmen Zeit darum gebetet. Er hatte im April Früchte
erbeten, die erst im Juni reif waren. Paulus war noch nicht bereit
für einen Missionsauftrag. Und so bereitete Gott einen
entsprechenden Platz in der Wüste zu, wo er ruhen und
nachdenken konnte. Der Missionsauftrag würde kommen, aber
erst nach mehreren Jahren. Er war bis zur »angenehmen« Zeit
im Herzen des Vaters verborgen.

»Vater, hilf mir, die Tatsache zu sehen, dass ein Erbe auf mich
wartet, das alles weit übersteigt, was ich jetzt besitze, das auch
meine Kraft, es in Empfang zu nehmen, im Moment noch
übersteigt – ein Erbe, das auf meinen Sommer wartet.

Habe ich dir jemals gedankt für die Segnungen, die du


aufgeschoben hast? Ich fürchte nicht. Ich gleiche dem
verlorenen Sohn, der alles auf einmal haben möchte. Und wenn
mir der Teil der Güter, der mir gehört, nicht sofort gegeben wird,
meine ich, es werde mir verweigert. Lehre mich, Herr, die
Kostbarkeit deiner aufgeschobenen Antworten zu erkennen!«

G. Matheson

Ich kann aber nicht beten!

Ganz stimmt das ja nicht: einen Seufzer, einen Hilferuf an deinen


Gott bekommst du schon noch über die Lippen. Sage deinem
Herrn, dass du nicht beten kannst – und siehe, du betest schon!

Beten ist keine vorweisbare Leistung. Es kommt nicht darauf an,


dass wir »schön« beten, sondern dass wir echt beten.

Wenn bewusste Sünde zwischen uns und Gott ist, müssen wir
uns nicht wundern, wenn unsere Gebete nicht »ankommen«
(Jesaja 1:15; 59:2).

Hast du vergeben?

Viele haben aufgehört zu lieben, weil sie aufgehört haben,


füreinander zu danken. Viele haben aufgehört zu beten, weil sie
aufgehört haben zu lieben.

Wer liebt, hat Zeit!

Wir zitieren Martin Luther: »Wenn ich fühle, dass ich bin kalt und
unlustig zu beten worden (wie denn das Fleisch und der Teufel
allewege das Gebet hindern und wehren), nehme ich mein
Psalterlein, laufe in die Kammer, oder so es der Tag und Zeit ist,
in die Kirche zum Haufen und hebe an die zehn Gebote und
danach ich Zeit habe, etliche Sprüche Christi, Pauli oder
Psalmen, mündlich bei mir zu sprechen allerdinge, wie die
Kinder tun!«

Das Gebet ist Echo auf das Wort Gottes. Lassen wir es so lange
in uns hinein, bis dieses Echo hervorkommt!

Bleibe mit deiner Gebetsnot nicht allein. Vertraue sie einem


Bruder (Schwester) an, dass er/sie in dieser Zeit für dich
einsteht.

Sage aber auch dem Herrn deine Gebetsarmut. Du darfst aus


»seiner Fülle Gnade um Gnade« – auch für diese Not – nehmen.

Vielleicht hat deine Gebetsarmut auch etwas mit Stolz zu tun.


Gab es eine Zeit, wo du dich für »geistlicher« als andere
gehalten hast? Wolltest du früher ein Beter/ eine Beterin werden
wie …? Dafür müssen wir den Herrn um Vergebung bitten. Du
bist weder John Hyde noch Georg Müller. Du bist du!

Der Heilige Geist ist ein Geist des Gebets! Wer erfüllt ist mit dem
Heiligen Geist, der betet.