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Welch eine große Hilfe bietet Gott uns mit Seinem Wort an.

Wie
viele gute und wertvolle Gedanken finden wir in diesem Buch,
wie viele Hinweise, die uns ein effektives Leben in der
Dankbarkeit Gott gegenüber ermöglichen. Wie viele großartige
Zusammenhänge werden uns in diesem Buch eröffnet. Wie viel
Hintergrundwissen über die Welt Gottes, die unsere sichtbare
Welt weit übersteigt, wird uns dort vermittelt. Welchen
Informationsvorsprung vor Menschen, die dieses Buch nicht
lesen, können wir uns aneignen. Wir sind durch Gottes Wort
reich beschenkte Leute.
Es mag durchaus sein, dass wir einiges in der Bibel nicht
verstehen. Aber ich habe mir gesagt, dass ich schon genug mit
dem zu tun habe, was ich verstehe; die Dinge, die recht klar und
deutlich in der Bibel gesagt werden. Damit will ich mich
beschäftigen und sehen, dass das alles in meinem Leben
umgesetzt wird. Und wenn Gott will, wird Er mir auch
Verständnis für Stellen geben, die mir bisher Schwierigkeiten
gemacht haben.
Vor kurzem erzählte mir jemand von dem Bat-Mitzvah-Fest der
Juden. Dort werden die Jungen nach einem intensiven
Unterricht in die Selbstständigkeit entlassen, eine feierliche
Angelegenheit. Während dieser Feier müssen die Jungen dann
einen Abschnitt aus der Thora vorlesen. Und wenn das gut
gelingt, wird ihnen gesagt: So, jetzt könnt ihr selbst das Wort
Gottes lesen – und damit seid ihr auch jetzt selbst dafür
verantwortlich, nach diesem Wort Gottes zu leben.
Mir ist dieser Satz hängengeblieben. Wir alle können das Wort
Gottes selbst lesen – und damit sind wir auch dafür
verantwortlich, danach zu leben.
Mit dem Wort Gottes können wir uns vor den negativen Trends
unserer Zeit schützen.
Aus dem Wort Gottes können wir Trost entnehmen, Mut
schöpfen und neue Freude gewinnen.
Mit dem Wort Gottes können wir kreativ werden und neue
Möglichkeiten erkennen. Es ist unsere Lebensgrundlage.
In diesem Wort heißt es in 1. Petrus 3:15+16a:
»Haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig. Seid
aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der
Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert, aber
mit Sanftmut und Ehrerbietung; und habt ein gutes Gewissen«.
Christus möchte der Mittelpunkt unseres Lebens sein. Wir
haben handfeste Begründungen für unseren Glauben – und die
können wir getrost weitergeben.
Dabei werden wir alle auch darauf hingewiesen, wie wir unseren
Glauben weitergeben können, damit dieses Bekenntnis auch bei
den anderen ankommen kann:
Mutig, aber sanft – wir können ja niemanden zwingen, Gottes
Angebot anzunehmen, aber wir dürfen mutig von diesem
großartigen Geschenk sprechen, das Gott jedem Menschen
anbietet – und das jeder Mensch nötig hat.
Unseren Glauben zu bekennen, ist eine verantwortungsvolle
Aufgabe, weil wir Botschafter an Christi statt sind. Mit Ehrfurcht
dürfen wir Gottes Repräsentanten hier auf Erden sein. Wenn es
um ewiges Leben oder ewigen Tod geht, gehört Ehrfurcht zu
unserem Bekenntnis dazu.
Und dann heißt es hier schließlich: »Habt ein gutes Gewissen.«
Ich denke, das heißt doch, dass unser Bekenntnis auch durch
unser Leben bestätigt werden muss.
Wenn wir anderen davon erzählen, dass Gott uns in Seiner Güte
vergeben hat, dann sollten wir das in dem Bewusstsein sagen
können, dass auch wir unseren Mitmenschen vergeben haben.

42 Jahre …

… haben die beiden Schwestern miteinander gelebt. 42 Jahre ist


die eine gelähmt gewesen, und 42 Jahre hat die andere sie
gepflegt. Immer mühsamer ist das Umbetten geworden. Zuletzt
sind zehn Kissen notwendig gewesen, in die die gesunde
Schwester die kranke Schwester einpacken musste, bis sie
erträglicher liegen konnte. Aber niemals hat man gehört, dass
eine Schwester über die andere geklagt hätte. 42 Jahre!
Das klingt wie himmlische Musik in all dem Klagen und Stöhnen
von heute und ist auch himmlische Musik. Und das Schönste ist,
dass du und ich auch berufen sind, solche himmlischen Klänge
unter das Murren und Jammern dieser Welt zu mischen. Und
wenn es nicht gleich 42 Jahre sind, dass du nicht klagst, dann
lass das wenigstens den morgigen Tag sein. Vielleicht ist es für
heute schon zu spät. Vielleicht hast du heute schon dem bösen
Murrgeist Raum gegeben. Aber nun lass es genug sein! Gönne
dir morgen einmal den großen Freudentag, an welchem du nicht
klagst, außer über dich selbst.
Es ist ja auch nicht so, dass wir mit dem unzufriedenen Herzen
und unzufriedenen Wort und unzufriedenen Tun nur uns selbst
und unseren Nächsten betrüben, sondern dass sich Gott von
uns zurückzieht. Damit wird dann die Quelle aller Freude, alles
Friedens, alles Glückes verstopft.
Darum falte heute Abend und morgen früh deine Hände, damit
der Tag, der morgen kommt, mitten unter aller Last und
Enttäuschung und Entbehrung, die er dir bringt, dennoch ein
Tag des Dankes statt des Stöhnens, des Lobes statt des
Klagens, der Zufriedenheit statt des Murrens werde. Was wird
das für ein stilles Aufatmen sein für deine Umgebung, was für
ein Glück für dich selbst, was für eine Freude für deinen
Heiland!
Es wird dir so gefallen, dass du es übermorgen nicht anders
halten möchtest und am folgenden Tag auch nicht. Ob am Ende
42 Jahre daraus werden, ja, eine ganze Ewigkeit? In allen Fällen
gilt es, einen Anfang zu machen. Bleibt dann auch einmal ein
Rückfall nicht aus: Gott ist größer als unser Herz. Ihm gilt es,
sich ganz in die Hände zu werfen und sich aus jeder Niederlage
heraus zu immer neuen fröhlichen Siegen führen zu lassen (vgl.
1. Johannes 3:18-20).
Gustav von Bodelschwingh
*1872 +1944

Frei

Als der Herr Jesus zu den Menschen Seiner Zeit auf Erden
sagte: »Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird
euch frei machen«, da antworteten sie entrüstet: »Wir sind nie
jemandes Knechte gewesen.« So mag auch heute mancher unter
uns denken. Aber »Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht«
(Johannes 8:34). Wie mancher, der sich einbildet, ein freier Mann
zu sein, ist tatsächlich ein gebundener Knecht.
Aber der Herr sagt: »wenn der Sohn euch frei macht, so werdet
ihr wirklich frei sein« (Johannes 8:36). »Frei«, das ist ein Wort,
bei dem die schönsten Saiten in unserem Herzen klingen.
E. Lange