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Worauf warten wir?

»Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die


zukünftige suchen wir« (Hebräer 13:14).
»Denn er erwartete die Stadt, die Grundlagen hat, deren
Baumeister und Schöpfer Gott ist« (Hebräer 11:10).

Der Himmel war die Stadt, die Abraham suchte, »die Stadt, die
Grundlagen hat«. Dies ist die »bleibende Stadt«.
Es gibt viele, die denken, dass wir gar nichts über den Himmel
wüssten und alles nur bloße Raterei sei. Aber dem ist nicht so.
Gott hat vieles offenbart. In jedem weisen und wahrhaftigen
Herzen wird dies das Verlangen erwecken, dorthin zu kommen.
Wenn wir mehr über den Himmel nachdenken würden, würde es
uns helfen, unsere Lasten hier auf Erden tapferer zu tragen. Wir
würden ein heiligeres Leben führen wollen und von der Macht
der Gier und der Lust, die uns häufig angreift, befreit werden
wollen. Unser Leben wäre mehr mit Freude und Sonnenschein
erfüllt.
Wer in rechter Weise über das kommende Leben nachdenkt,
überkleidet sein jetziges Leben mit neuer Schönheit und Stärke.

Die Wirklichkeit des Himmels

Jesus sagte: »Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten«


(Johannes 14:2). Manche werden uns sagen, dass der Himmel
lediglich ein Zustand oder eine Verfassung sei. Die Bibel sagt,
dass der Himmel wirklich ein Ort ist. Wir sollen nicht nur
gedanklich in einem himmlischen Zustand sein, sondern auch in
einer himmlischen Stadt, »einer Stadt, die Grundlagen hat«,
»einer bleibenden Stadt«.
Christus ist bereits in den Himmel eingegangen, um in der
Gegenwart Gottes für uns zu erscheinen. Er ist gegangen, um
uns eine Stätte zu bereiten, um uns dorthin mitzunehmen. Wir
werden in der kommenden Welt nicht körperlos, sondern in
erlösten Leibern in einer erlösten himmlischen Welt sein.

Der Himmel ist ein Ort unvergleichlicher Schönheit. Dies geht


deutlich aus der Beschreibung in Offenbarung 21 und 22 hervor.
Der Gott der Bibel ist ein Gott der Schönheit. Er hat diese Welt
wunderschön gemacht. Ihre Schönheit ist durch die Sünde
ruiniert worden. Das Unkraut und die Dornen sprießen überall
empor. Lilien verblühen. Verfall und Tod führen zu scheußlichen
Anblicken und Gerüchen. Überall begegnen wir Tod und
Vergänglichkeit.
Die gesamte Schöpfung - der Mensch mit eingeschlossen -
stöhnt und leidet Schmerzen bis heute. Aber es ist von der
ursprünglichen Schöpfung noch genug übrig, um uns zu zeigen,
wie sehr Gott die Schönheit liebt. Er hat uns in Seinem Wort
gesagt, dass die Schöpfung aus den Banden des Verfalls zur
herrlichen Freiheit der Kinder Gottes befreit werden wird (Römer
8:20-23).
Die Auferstehung Jesu von den Toten ist der gewaltige Auftakt
dazu. Im Himmel wird die Schönheit vollkommen sein. Die
Vollkommenheit der Gestalt, der Farbe und des Klanges wird
zusammengefasst werden in einer Schönheit, die
unbeschreiblich sein wird. Alle irdischen Vergleiche taugen hier
nichts. Jeder Wahrnehmungssinn in unserem jetzigen Zustand
ist durch die Sünde getrübt. Aber in unserem Erlösungsleib
werden alle Sinne erweitert und in Vollkommenheit existieren.

Manche von uns haben hier auf Erden Wunderschönes gesehen:


Berge, die ihre schneebedeckten Spitzen über die Wolken
erheben. Der Anblick großer Gebirgszüge und grüner Täler;
Flüsse, die sich durch die Natur winden, und Wälder mit
wechselnden Farben in den verschiedenen Jahreszeiten; Seen
und Meere, die im Mondschein tanzen und aufschäumen; der
Himmel, der in einer klaren Winternacht mit zahllosen Sternen
geschmückt ist. Wir haben den Duft eingefangen, der sich in
Sommernächten in Parks und Gärten ergießt. Wir haben den
unbeschreiblichen Harmonien zugehört, die ein Klavier oder
eine Violine hervorbringt, wenn des Meisters Hand sie berührt,
oder der noch vollkommeneren Musik der menschlichen
Stimme. Aber all dies ist nichts im Vergleich zu der Schönheit
der Ansichten, der Klänge, des Duftes, die uns in dieser
schönen ewigen Stadt empfangen werden.

Die beste Gemeinschaft


Aber die Schönheit des Himmels, so herrlich und anziehend sie
auch ist, wird nicht das bedeutendste Merkmal des Himmels
sein. Der Himmel wird ein Ort der erhabenen Gemeinschaft sein.
Die weisesten, nobelsten Menschen aller Zeiten werden dort
sein. Abraham, Isaak und Jakob werden dort sein (Matthäus
8:11). Der Himmel ist die Heimat von Mose, Elia, Daniel, Paulus
und Johannes. All die reinsten Menschen, die die Welt je
gekannt hat, werden dort sein, weil sie auf das sühnende Blut
Jesu vertraut haben.
»Denn wir wissen, dass, wenn unser irdisches Zelthaus zerstört
wird, wir einen Bau von Gott haben, ein nicht mit Händen
gemachtes ewiges Haus in den Himmeln« (2. Korinther 5:1). Die
erlesenste Gesellschaft dieser Erde ist nur ein blasses Abbild im
Vergleich zur Gesellschaft im Himmel.

Engel sind dort. »... ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich
bin gesandt worden, zu dir zu reden und dir diese gute Botschaft
zu verkündigen« (Lukas 1:19).
»Ich sage euch: so wird Freude im Himmel sein über einen
Sünder, der Buße tut, mehr als über 99 Gerechte, die die Buße
nicht nötig haben ... so, sage ich euch, ist Freude vor den
Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut« (Lukas 15:7,10).
Wir werden uns an der Gemeinschaft dieser erhabenen
Geschöpfe erfreuen - Gabriel, Michael und die ganze himmlische
Engelschar.

Gott selbst ist da. In einem Sinn ist Er überall, aber der Himmel
ist der Ort, wo Er im Besonderen wohnt und sich offenbart. »Das
erhöre du vom Himmel her, der Stätte, wo du thronst« (2.
Chronik 6:30).
»Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so
auch auf Erden« (Matthäus 6:10).

Jesus Christus ist da. »Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und
den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen«
(Apostelgeschichte 7:56). »Da wir nun einen großen
Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist,
Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis
festhalten« (Hebräer 4:14). »Die Hauptsache dessen aber, was
wir sagen, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der sich
gesetzt hat zur Rechten des Thrones, der Majestät« (Hebräer
8:1).
Für Paulus war die Tatsache, dass er mit Jesus zusammen sein
würde, einer der allerschönsten Gedanken über den Himmel.
»Ich werde aber von beidem bedrängt: Ich habe Lust
abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser;
das Bleiben im Fleisch aber ist nötiger um euretwillen«
(Philipper 1:23-24).

Im Himmel wird es keine unangenehme oder erniedrigende


Gemeinschaft geben

Der Teufel wird nicht da sein. Das Unzüchtige, Vulgäre und


Obszöne wird nicht dort sein. Begierde und Selbstsucht wird es
dort nicht geben. Lügen, Verleumdung, Gerüchte verbreiten wird
nicht da sein. Der Gotteslästerer und der Spötter wird nicht da
sein. Geld, Einfluss und Gerissenheit wird es dort nicht geben.
»Und alles Gemeine wird nicht in sie hineinkommen, noch
derjenige, der Greuel oder Lüge tut« (Offenbarung 21:27).
Auch die Freuden der schönsten und engsten Gemeinschaft hier
auf Erden haben ihre Grenzen. Im Himmel wird es nicht so sein.
Wir können dort unsere Herzen vollkommen einander öffnen; so
wie wir es uns hier auf Erden wohl oft wünschen, aber es dann
doch nicht können. »Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels,
undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt
erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleich
wie auch ich erkannt worden bin« (1. Korinther 13:12).

Die Freiheit

Der Himmel ist der Ort, der frei ist von allem, was unser Leben
hier zerstört. Die Welt, in der wir leben, wäre ein sehr
angenehmer Ort, wenn es keine Sünde, Krankheit, Schmerz,
Armut oder Tod geben würde. Diese Dinge ruinieren die
gegenwärtige Welt.
Der Himmel wird frei davon sein. Dort wird es keine Sünde
geben. Jeder wird dem Willen Gottes folgen. Armut wird es dort
nicht geben. Jeder wird den unausschöpflichen Reichtum
Gottes zur Verfügung haben. »Wenn aber Kinder, so auch Erben,
Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir wirklich mitleiden,
damit wir auch mitverherrlicht werden« (Römer 8:17).
Es wird dort keine mühsame Arbeit geben, auch keine Krankheit
noch Schmerzen. »Und er wird jede Träne von ihren Augen
abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch
Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist
vergangen« (Offenbarung 21:4).
Es wird keine Glieder- oder Kopfschmerzen, noch irgendwelche
anderen stechenden Schmerzen mehr geben. Schwachheit,
Seufzen, Stöhnen, durchschwitzte Nächte und Tränen wird es
nicht mehr geben. Im Himmel wird der Tod nicht mehr sein. Der
Himmel wird der Ort der umfassenden und vollkommenen
Erkenntnis sein. Auf Erden sehen auch die Weisesten von uns
nur wie in einem undeutlichen Spiegel, aber dort von Angesicht
zu Angesicht. Hier erkennen wir nur stückweise, aber dort
werden wir erkennen, wie auch wir erkannt worden sind. Auch
der klügste Wissenschaftler oder Philosoph auf Erden weiß nur
sehr wenig. Sir Isaac Newton sagte einmal zu jemandem, der
seine Weisheit lobte: »Ich bin wie ein Kind, das am Strand hier
einen Stein und dort Muscheln aufhebt; aber der große Ozean
der Wahrheit liegt immer noch vor mir.«
Im Himmel wird auch der Ungebildetste unter uns den großen
Ozean der Wahrheit ergründet haben. Wir werden vollkommene
Erkenntnis in allen Dingen haben. Die großen verwirrenden
Probleme hinsichtlich Gott, der Menschen, Zeit und Ewigkeit
werden dann gelöst sein. Weder Zweifel noch Fragen, noch
Unsicherheiten, noch Irrtümer werden uns noch Schwierigkeiten
bereiten. Das Schauen wird den Glauben ersetzt haben.

Der Himmel wird ein Ort des Lobpreises sein

»Und nach diesem sah ich, und siehe eine große Volksmenge,
die niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen
und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem
Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in den
Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme und sie sagen: Das Heil
unserem Gott, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamm! Und
alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die
vier lebendigen Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre
Angesichter und sie beteten Gott an und sagten: Amen! Den
Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die
Danksagung und die Ehre und die Macht und die Stärke
unserem Gott in alle Ewigkeit! Amen!« (Offenbarung 7:9-12).
Die Augen der Menschen werden geöffnet sein, und sie werden
Gott sehen, wie Er ist. Menschen werden sich dem Lobpreis
hingeben. Angenommen, wir würden Gott für einen Augenblick
so sehen, wie Er ist; wir würden Jesus Christus so sehen, wie Er
ist. Loblieder würden aus unserem Munde sprudeln, wie die Welt
sie noch nicht gehört hat.
Die größten Städte und die schönsten Häuser der Erde werden
nicht bestehen - sie werden wie Staub zerfallen. Nichts, was du
heute dein Eigentum nennst, wird bleiben. Die Ewigkeit kommt,
und der Himmel Gottes wird bleiben in aller seiner Schönheit,
Herrlichkeit, Freude und Liebe.
Christus ist die Tür zum Himmel; Christus ist der Weg zu Gott.
Er gab Sein Leben als Opfer für unsere Sünden am Kreuz. Nimm
das Geschenk Seiner Vergebung an und lade Ihn ein, durch
Seinen Geist in dein Leben einzuziehen. Er möchte dein Erlöser
und Herr sein und dir ewiges Leben schenken.

R. A. Torrey

Das letzte Bier

Vollgepumpt mit Medikamenten, zwischen Schläuchen und


Venenkathetern, insgesamt angeschlossen an 13 Leitungen,
liegt Josef Brüschweiler im Krankenhaus. Er hat eine akute
Entzündung der Bauchspeicheldrüse, der Lunge und des
Brustfells sowie eine Magenblutung. Seine Familie ist
gekommen, um sich von ihm zu verabschieden - für immer. Die
Ärzte haben den 30-Jährigen aufgegeben, nachdem sie ihm
bereits drei Viertel des Magens herausschneiden und die Milz
entfernen mussten. »Gott, wenn es dich gibt, so hilf mir«, betet
er noch auf dem Sterbebett. Drei Wochen später, im November
1978, wird Brüschweiler aus dem Krankenhaus entlassen.

Nichts dazugelernt
Doch die Herrschaft des Hochprozentigen ist stärker als die
Wirkung des Wunders, dass er noch einmal davonkam. Der
Alkoholiker trinkt weiter und sagt sich: »Lieber kurz und heftig
ein Leben in Saus und Braus!« Alle paar Monate ist er dadurch
Gast auf der Notfallstation. Trotzdem geht es beruflich aufwärts:
1980 eröffnet der gelernte Konditor und Bäcker zusammen mit
seiner Frau Marlise einen Großbetrieb im Zürcher Dietikon.
Durch die Trunkenheit kommt es jedoch zu einer Ehekrise. Seine
Frau und beide Töchter trennen sich von ihm. Josef sucht einen
Psychiater auf, wird bald von den Psychopharmaka abhängig,
die ihm verschrieben werden. Auf Bitten und Flehen hin kehrt
die Familie schließlich wieder zurück.

Jesus im Restaurant
Am 19. Juni 1985 ist es einmal mehr soweit: Marlise ruft den
Hausarzt. Sie selbst ist bereits auf 37 Kilo abgemagert und führt
den Betrieb alleine. Doch nicht sie geht ins Krankenhaus. Ihr
Mann muss es - zum x-ten Mal. Kaum dort angekommen, tauscht
er den Aufenthaltsraum mit einem nahe gelegenen Restaurant.
Aber dann - das Bier bereits in Griffnähe - hört der Abhängige
plötzlich eine Stimme: »Dies ist der letzte Alkohol, den du
trinkst!«
Beim zweiten Mal wechselt er die Gaststätte. Doch auch dort
kann er den Worten nicht entrinnen. Langsam dämmert es:
»Gott, wenn das deine Stimme ist, so hilf mir«, spricht
Brüschweiler. Auf die Frage eines Ehepaares, ob er
Selbstgespräche führe, erwidert er überraschend: »Nein, Jesus
Christus hat zu mir gesprochen und mich eben vom Alkohol
befreit.« Es folgt Gelächter, denn den bekannten Stammgast
nimmt niemand mehr ernst.

Keine Entzugserscheinungen
Doch am nächsten Morgen braucht der Schwerstkranke keine
Medikamente mehr, selbst im Blutbild sind keine Alkoholspuren
mehr zu finden. Die Ärzte sind sprachlos. Nach sechs
Bauchspeicheldrüsenentzündungen, vier schweren
Operationen, 15 Magenspiegelungen und mehreren
Magenblutungen ist der Schweizer endlich soweit, Christ zu
werden. In einer anschließenden Kurzzeittherapie erholt er sich
sieben Wochen lang und nimmt sich Zeit, die Bibel zu lesen.
Kurz darauf startet er mit Marlise einen Neuanfang unter Gottes
Obhut. Seine Ehe gewinnt einen völlig neuen Wert. Selbst das
Rauchen kann der ehemals Süchtige ohne
Entzugserscheinungen aufgeben, obwohl er zuvor über 40
Zigaretten täglich benötigte.

Evangelisieren statt trinken


Heute arbeitet der 58-Jährige vollamtlich für das Aktionskomitee
für verfolgte Christen (AVC). Er kümmert sich um die
Beschaffung von Spenden, leitet Projekte z. B. in Balkanländern,
Iran oder China, führt Seminare durch, leitet Bibelwochen und
vieles mehr. Früher fuhr er tagsüber noch selbst Lastwagen,
verteilte Hilfsgüter und evangelisierte am Abend. Auf
zahlreichen Reisen erlebte er in brenzligen Situationen Gottes
Bewahrung. Sein größtes Anliegen ist, deutlich zu machen, dass
sich Christen gerade auch um Süchtige kümmern: »Wenn wir es
nicht tun, so tut es der Teufel.« Man brauche auch Mut, mal
jemanden einzuladen, der unter Umständen auf den Teppich
erbricht.
M. Breidert

Ohne Liebe läuft nichts

»Die Liebe ist langmütig und gütig, die Liebe beneidet nicht,
sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf; sie ist nicht
unanständig,
sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet
das Böse nicht zu;
sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber
der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.«
1. Korinther 13:4-7

Im letzten Herold haben wir uns schon einmal mit dem Kapitel 13
des Korintherbriefes beschäftigt. Es ging um die ersten drei
Verse, in denen Paulus deutlich macht, dass unsere Maßstäbe
oft nicht mit Gottes Maßstäben übereinstimmen. Es ging um die,
die sich als starke Christen fühlten, die besonders begabt
waren, die leistungsfähig waren und sich deshalb als besonders
gute Christen ansahen – und um die Schwachen, die weniger
aufzuweisen hatten und deshalb in der Achtung der anderen
weiter unten angesiedelt waren.
Paulus zeigt nun, dass der richtige Maßstab nicht die
Fähigkeiten, die Begabungen, der Erfolg oder das Ansehen bei
anderen ist, sondern dass wir von Gott daran gemessen werden,
wie viel Liebe wir in unserem Reden und in unserem Verhalten
zeigen.
Wir sagten, dass die Liebe wie das Öl in einem Motor oder
Getriebe ist. Streut man statt Öl Sand hinein, dann knirscht es
im Getriebe.
Ob man stark oder schwach ist, hängt von der Menge der Liebe
ab, mit der wir unser Reden und Verhalten anfüllen.

Im zweiten Teil dieses Kapitels beschreibt nun Paulus, was


diese Liebe ist.
Für uns ist eine Erklärung dieses Wortes dringend notwendig,
da Liebe in unserem Sprachgebrauch ein sehr schillerndes Wort
ist.
Angefangen von einer Liebe, die man kaufen kann – und die sich
dann auf eine rein körperliche Zuwendung reduziert -, über die
Liebe zu sich selbst, die oft eher einem negativen Egoismus
ähnelt – bis zu den positiven Arten der Liebe in der Ehe, in der
Familie, unter Freunden und gegenüber Glaubensgeschwistern,
gibt es ein weites Spektrum von Vorstellungen, die sich mit dem
Begriff »Liebe« verbinden.
Paulus beschreibt in den Versen 4-7 die Liebe, die Gott in uns
finden möchte und dabei wird er sehr konkret, sodass wir selbst
uns bei jedem dieser Aspekte der Liebe fragen können: Wie viel
davon habe ich in meinem Herzen? Und wie viel kommt aus
meinem Herzen davon hervor und wird in meinem Reden und
Handeln sichtbar?
Und wo habe ich Mangel – wo bin ich schwach – wo müsste ich
dringend Öl nachfüllen?
An diesen Verhaltensweisen und Einstellungen, die Paulus
aufzählt, können wir recht gut unseren inneren Ölstand messen
– und dann erkennen, wo wir nachfüllen müssen, damit alles
rund läuft und das Getriebe nicht anfängt zu knirschen.

Paulus beginnt mit zwei positiven Eigenschaften: Langmut und


Güte.
Damit nennt er zwei Eigenschaften, die nach außen wirken. Hier
geht es zunächst nicht um die eigene Vervollkommnung,
sondern um die Gestaltung von Beziehungen zu anderen
Menschen.
»Langmütig« bezieht sich auf die Geduld, die man Menschen
entgegenbringt, die nicht so wollen oder so können, wie man
das für richtig hält. Langmut zeige ich, wenn mir Unrecht
geschehen ist und ich in der Lage wäre, mich dafür zu rächen,
das aber nicht tue.
Es gibt ein beeindruckendes Beispiel dazu in der
amerikanischen Geschichte. Seinerzeit wurde der Präsident der
Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln, wohl von keinem
Menschen so mit Verachtung gestraft, wie von einem Politiker
namens Stanton. Stanton nannte Lincoln einen »gemeinen,
verschlagenen Hanswurst« und gab ihm den Spitznamen
»Urgorilla«. Und er sagte über einen Forscher, der damals halb
Afrika auf der Jagd nach einem Gorilla durchreiste, den er
einfangen könnte, er sei doch ein Narr – er brauche doch nur
nach Springfield zu gehen, wo zu dieser Zeit Präsident Lincoln
lebte. Dort finde er seinen Gorilla.
Lincoln hat zu all diesen schlimmen Äußerungen Stantons
nichts gesagt. Ja, er machte Stanton sogar zum
Verteidigungsminister, weil dieser Mann die geeignete Person
für diese Aufgabe war – und er behandelte ihn mit großem
Respekt.
Nach einigen Jahren kam dann 1865 der Abend, an dem der
Präsident in einem Theater durch die Kugel eines Fanatikers
ermordet wurde. In dem kleinen Zimmer, in das man den toten
Lincoln gebracht hatte, war auch Stanton dabei. Er blickte auf
das zerfurchte Gesicht Lincolns und sagte unter Tränen: »Dort
liegt der größte Staatsmann, den es je gegeben hat!«
Die Liebe, die Lincoln mit seiner Langmut, mit seiner Geduld,
ausgestrahlt hatte, hatte diesen Mann total verändert.
Die Liebe ist gütig oder freundlich. Sie begegnet anderen mit
Wohlwollen. Sie bringt die Kraft zur Vergebung auf. Sie geht den
ersten Schritt zur Versöhnung. Sie setzt das Wort Jesu aus
Matthäus 5:44 um: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen,
tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, die euch
beleidigen und verfolgen. Und damit zeigt jemand, der sich so
verhalten kann, dass er ein Sohn des Vaters im Himmel ist. Er
zeigt durch sein Verhalten anderen Menschen das Wesen
Gottes. Er macht sichtbar, wie Gott ist – auch dann, wenn seine
Güte, seine Freundlichkeit von anderen zurückgewiesen wird.
Langmut und Güte sind wie Öl im Motor unserer Beziehungen zu
anderen Menschen. Mit Langmut und Güte machen wir Gottes
Wesen in unserer Welt sichtbar.
Wie hoch ist unser Ölstand an Langmut und Güte? Müssten wir
davon vielleicht hin und wieder etwas nachfüllen?
Ab Vers 4 zeigt Paulus aber auch einige Verhaltensweisen auf,
die mit Liebe nichts zu tun haben.
Hier geht es um die Wirkung der Liebe in unser eigenes Inneres
hinein, darum, wie wir uns verstehen und wie wir uns nach
außen darstellen.

Die Liebe beneidet nicht oder sie eifert nicht.

Man sagt, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt: Die


Millionäre – und die, die gerne Millionäre sein möchten. Geht es
uns nicht doch auch oft so, dass wir andere um etwas beneiden,
was wir selbst auch gerne hätten? Gibt es nicht sogar
Menschen, die lieber hätten, dass der andere gar nichts hat –
weil man es selbst auch nicht hat? Neid und Eifersucht liegen
beide in diesem Ausdruck eng beieinander – ja, es kann sogar
bis zu einer hasserfüllten Haltung einem anderen gegenüber
kommen.
Zur Zeit Jesu gab es eine Gruppe von Menschen, die sich
Zeloten nannten, die Eiferer. Sie waren eigentlich sehr fromme
Menschen. Sie wollten Gott dienen, indem sie sich voller Eifer
dafür einsetzten, dass die Gebote Gottes eingehalten wurden.
Unter ihnen gab es die sogenannten Dolchmänner. Sie trugen in
den Falten ihres Gewandes gut versteckt ständig einen Dolch
bei sich. Es konnte passieren, dass sie nachts in der Dunkelheit,
wenn sie sich unbeobachtet fühlten, einen Menschen
kurzerhand mit ihrem Dolch erstachen, weil sie in diesem
Menschen jemand sahen, der Gottes Gebote missachtete.
Insbesondere gegen die römischen Besatzer, diese ungläubigen
Soldaten, waren ihre Aktivitäten gerichtet.
Leider gab es auch in der Geschichte der Christenheit immer
wieder erschreckende Beispiele von solchen frommen Eiferern,
die auch vor einem Mord oder einer Hinrichtung von Menschen
nicht zurückschreckten, die aus ihrer Sicht gegen Gottes Gebote
verstoßen hatten. Das widerspricht aber total dem Willen Gottes.
Ohne Liebe läuft nichts. Auch noch so fromme Argumente sind
nichts wert, wenn sie ohne Liebe angewandt werden.
Wie gehen wir mit Menschen um, die sich nicht so verhalten, wie
wir es uns vorstellen und wie es vielleicht auch wirklich nach
Gottes Geboten richtig wäre? Eifern wir – oder sind wir
langmütig und gütig? In den Sprüchen heißt es: »Eifersucht ist
Eiter in den Gebeinen« (Sprüche 14:30).

Die Liebe prahlt nicht oder sie treibt nicht Mutwillen.

Echte Liebe kann man immer daran erkennen, dass sie sich im
Hintergrund aufhält. Wer sich gerne nach vorne drängt, streut
eher Sand ins Getriebe und sorgt dafür, dass es anfängt zu
knirschen.
Wer großen Wert darauf legt, anderen ständig seine eigenen
Vorzüge, seine enormen Begabungen und Fähigkeiten
vorzuführen, der treibt Mutwillen mit den anderen, er prahlt und
sorgt eher für Unwillen und Ablehnung.
Die Liebe prahlt nicht. Menschen, die mit der Liebe angefüllt
sind, die Paulus beschreibt, müssen nicht ihre eigenen Vorzüge
herausstellen – und sie sind sich auch immer bewusst, dass sie
trotz aller Begabungen, die sie haben mögen, vor Gott nach wie
vor unwürdige Menschen bleiben, auch wenn ihnen etwas noch
so gut gelungen ist. Wer mit der Liebe angefüllt ist, die Paulus
beschreibt, der bleibt demütig, der tritt selbst mit all seinen
Begabungen und Fähigkeiten zurück.

Die Liebe bläht sich nicht auf, sie ist nicht überheblich.
Man kann auch sagen: Die Liebe plustert sich nicht auf.
Es ist ja schon sprichwörtlich geworden, dass sich jemand wie
ein Pfau aufplustert. Und wenn man einen Pfau so in der Natur
ansieht, gibt er ein beeindruckendes Bild ab, wenn er seinen
Schwanz weit auffächert. Wenn man diese große, in bunten
Farben schillernde Fläche sieht, kann man schon denken: Das
muss aber ein großes Tier sein.
Wenn sich ein Mensch so aufplustert und man ihn in diesen
schönen, schillernden Farben sieht, kann man auch auf den
Gedanken kommen: Das muss aber ein großes Tier sein.
Legt man dann allerdings den Maßstab Gottes an, die Liebe,
dann fällt oftmals viel von diesen schillernden Farben in sich
zusammen und man merkt: Eigentlich ist er doch ein ganz
kleines, bescheidenes Tierchen.
William Carey, der bekannte Indienmissionar, hatte als
Flickschuster gearbeitet, bevor er in die Mission ging. Er war ein
wahres Sprachgenie. Er hat in Indien einzelne Teile der Bibel in
über 30 indische Dialekte übersetzt.
Als er seinerzeit nach Indien kam, wurde er dort in der
vornehmen Gesellschaft nicht gerade freundlich aufgenommen.
So geschah es, dass bei einem Empfang ihn jemand recht
lautstark fragte: »Mr. Carey, waren Sie früher nicht mal
Schuhmacher?« »Nein, Euer Lordschaft,« antwortete Carey,
»nicht Schuhmacher, sondern nur Flickschuster.«
Wer prahlt, wer sich aufbläht, zeigt damit eine falsche
Selbstliebe. Sie hat mit der Liebe, die Paulus meint, nichts zu
tun. Die Liebe, die Paulus beschreibt, tritt zurück, sie bleibt
demütig, auch bei noch so großen Begabungen.

Die Liebe ist nicht unanständig oder sie stellt sich nicht
ungebärdig.

Sie benimmt sich nicht ungeziemend anderen Menschen


gegenüber. Mit einem Herzen voller Liebe werden wir respektvoll
mit anderen umgehen, wir werden sie nicht ärgern wollen, wir
werden sie nicht in den Schmutz ziehen oder demütigen. Wir
werden ihre Würde als Mensch achten, die sie von Gott selbst
verliehen bekommen haben.
Wie steht es hier mit unserem Ölstand? Reden wir auch gerne
über die Schwächen anderer? Oft sind die negativen Dinge, die
wir bei anderen zu entdecken meinen, ja tatsächlich ein ganz
beliebter Gesprächsstoff. – Aber damit streuen wir Sand ins
Getriebe – und dann läuft nichts mehr richtig rund.

Die Liebe sucht nicht das Ihre.

Es liegt in der Natur des Menschen, dass man Wünsche und


Erwartungen an das Leben hat. Wir möchten alle – so hoffe ich
doch – noch etwas aus unserem Leben machen. Wohl kaum
einer von uns ist so restlos zufrieden mit dem, was er erreicht
hat. Die Frage ist allerdings, ob wir zu den Menschen gehören,
die immer daran denken, was ihnen das Leben noch schuldig
ist, oder ob wir uns eher Gedanken darüber machen, was wir
dem Leben noch schuldig sind.
Sobald sich unsere Gedanken darum drehen, was uns andere
schuldig sind, was uns zusteht, wo wir meinen, Rechte zu
haben, entfernen wir uns von der Liebe, die gerade nicht die
Erfüllung der eigenen Interessen sucht, sondern die eher
darüber nachdenkt, was anderen gut tun würde.

Die Liebe lässt sich nicht erbittern.

Sobald sich unsere Gedanken darum drehen, was uns andere


schuldig sind, sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Wie leicht
fühlt man sich dann verletzt, wenn ein anderer uns nicht so
behandelt, wie wir meinen, dass es uns zusteht. Wie schnell
werden wir verbittert, wenn wir von anderen nicht genügend
anerkannt werden – oder wenn man uns auch tatsächlich
Unrecht tut.
Die Liebe, von der Paulus spricht, bringt es fertig, in solchen
Situationen sich nicht verletzen zu lassen, und es nicht
zuzulassen, dass Wunden in unserer Seele entstehen, die uns
die Schmerzen der Verbitterung, der Enttäuschung spüren
lassen.

Die Liebe rechnet das Böse nicht zu.

Eine wichtige Hilfe dazu ist auch die Eigenschaft der Liebe, dass
sie das Böse nicht zurechnet. Hier wird ein Wort aus der
Kaufmannssprache verwendet. Man rechnete etwas zu, indem
man es in die Buchhaltung eintrug, in das Hauptbuch – dort
sollte es auf keinen Fall in Vergessenheit geraten.
Von einigen Einwohnern in Polynesien heißt es, dass jeder Mann
die Erinnerung an seine Feinde wachhält. Von dem Dach seines
Hauses hängen Gegenstände herab, die ihn an das widerfahrene
Unrecht erinnern sollen – mag es nun ein wirkliches oder nur ein
eingebildetes Unrecht sein.
Es gibt Menschen, die ihren Ärger über andere so richtig
pflegen. Sie wollen das, was man ihnen angetan hat, womit man
sie verletzt hat, eigentlich gar nicht mehr loswerden. Damit
pflegen sie auch die Bitterkeit in ihrem Herzen – und das
widerspricht der echten Liebe.
Die Liebe lässt sich nicht erbittern und rechnet das Böse nicht
zu. Sie beherrscht die Kunst des Vergessens, ja, sie lässt
Versuche, mich zu verletzen, erst gar nicht erfolgreich werden,
weil sie nicht an das Ihre denkt, weil sie nicht an ihre eigenen
Rechte denkt, sondern an das, was anderen gut tut.

Noch eine Eigenschaft führt Paulus an, die deutlich machen soll,
was Liebe nicht tut:

Sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit.

Wer ein Herz voller Liebe hat, findet keinen Gefallen am Unrecht.
Eigentlich klingt das doch ganz einfach – wer hat schon Gefallen
am Unrecht?
Hier wird jedoch etwas angesprochen, was uns doch wiederum
nicht so leichtfällt. Es geht auch um die Schadenfreude, die man
empfinden kann, wenn man etwas Schlechtes über andere hört.
Interessiert es uns oft mehr, etwas über das Unglück anderer
Menschen zu hören als über deren Wohlergehen? Von dieser
menschlichen Eigenschaft leben ja geradezu die Medien.
Negativschlagzeilen über Politiker, angebliche oder tatsächliche
Fehltritte bekannter Persönlichkeiten, das, was führende Leute
alles falsch machen – das interessiert –, und manchmal gibt es
so etwas wie Genugtuung, wenn man über solche
Persönlichkeiten sagen kann: Das ist doch ganz schlimm, was
der oder die gemacht hat.
Paulus sagt: Die echte Liebe kennt solche Schadenfreude und
solchen Klatsch nicht. Sie kann sich nämlich gerade an dem
erfreuen, was anderen gelungen ist; sie betont die guten
Eigenschaften und zieht nicht über andere her.
Die Beschreibung, was echte Liebe ist, hat Paulus mit den
beiden positiven Eigenschaften Langmut und Güte begonnen.
Sie wirken wie eine Überschrift über all die Verhaltensweisen,
von denen Paulus sagt, dass sie nichts mit Liebe zu tun haben –
und es ist tatsächlich so, dass wir all diese negativen
Handlungsweisen vermeiden können, wenn unser Herz mit
Langmut und Güte angefüllt ist.

Die Liebe freut sich aber an der Wahrheit.

Auch das klingt wieder ganz selbstverständlich. Aber können


wir uns wirklich daran freuen, wenn uns andere einmal die
Wahrheit über uns sagen? Wir haben doch oft eine ganz andere
Meinung über uns selbst, als andere über uns haben.
Wissen wir noch, wie wir auf andere wirken? Merken wir, wenn
wir anderen auf die Nerven gehen, wenn wir ihre Geduld
strapazieren, wenn wir versuchen, sie zu verletzen?
Natürlich wollen wir das alles nicht. Aber eine gewisse
Betriebsblindheit kann jeden von uns beeinflussen – und
plötzlich schätzen wir uns tatsächlich ganz falsch ein.

Wenn wir jetzt noch den Vers 7 anschauen, dann wird uns
spätestens dabei deutlich, dass die Liebe, die Paulus beschreibt,
in Jesus Christus in aller Vollkommenheit zu sehen ist. Es ist
eine göttliche Liebe, die wir Menschen uns nicht erarbeiten
können, die wir nicht machen können, sondern die uns von Gott
selbst geschenkt werden muss, wenn sie unser Reden und
Verhalten tatsächlich prägen soll.
Damit wird auch deutlich, was Paulus den sogenannten Starken
in Korinth sagen will: Ihr seid nur so stark, wie ihr euch von Gott
mit Seiner Liebe beschenken lasst – und wie ihr diese göttliche
Liebe dann in eurem Leben umsetzt. Alle eure sonstigen
Anstrengungen sind nichts, wenn diese Liebe Gottes nicht in
eurem Leben zu spüren ist.

Die Liebe erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie
erduldet alles.
Die beiden Worte am Anfang und am Ende dieses Satzes
sprechen von der Belastbarkeit der Liebe, von ihrer Ausdauer
und ihrer Widerstandskraft – sie erträgt alles, sie erduldet alles.
Die beiden Worte in der Mitte aber richten den Blick auf Gott –
die Liebe glaubt alles, sie hofft alles.
Paulus war Realist genug, um zu wissen, dass eine Liebe
scheitern muss, die immer an das Gute im Menschen glaubt
oder immer auf eine Wende zum Besseren hin hofft. Das wäre
eine Illusion, die allzu häufig enttäuscht würde.
Aber ein unerschütterlicher Glaube an die Möglichkeiten Gottes,
ein unzerstörbares Vertrauen in die Liebe des Vaters im Himmel,
und eine lebendige Hoffnung auf das Ziel, das Gott für uns
vorbereitet hat – das gibt der Liebe diese Ausdauer und diese
Tragfähigkeit, sodass sie alles ertragen und alles erdulden kann.
In dem Wort »ertragen« steckt auch der Gedanke, dass man auf
etwas verzichten kann, z. B. auf ein Zurückschlagen, ja, dass
man Versuche, mich zu verletzen, erst gar nicht eindringen lässt.
Und »erdulden« kann verbunden werden mit »Ausdauer haben«
und »im Kampf standhalten«.
Das vollkommene Vorbild für diese göttliche Liebe sehen wir in
Jesus, unserem Herrn und Erlöser.
Warum konnte wohl Jesus jede Kränkung, jede ihm zugefügte
Beleidigung ertragen? Warum musste Jesus nicht unter
Verletzungen Seiner Seele leiden? Warum war Er so belastbar
und hat nie aufgegeben, obwohl die Menschen und der Teufel
selbst alles darangesetzt haben, Ihn von Seiner Aufgabe
abzuhalten?
Sein Vertrauen, Sein Glaube an Seinen Vater im Himmel und
Seine Hoffnung, auch auf die vor Ihm liegende Herrlichkeit,
gaben Ihm dieses Durchhaltevermögen und ließen Ihn immer
wieder auch die vielen weiteren Eigenschaften der göttlichen
Liebe in Seinem Erdenleben vollkommen sichtbar machen.
Wir hatten die Liebe mit dem Öl in einem Motor verglichen. Die
Liebe glaubt alles, sie hofft alles – sie ist durch ein
unerschütterliches Vertrauen in Gott geprägt. Dieses Vertrauen,
diese Hoffnung wirkt wie ein Filter, der jeden Fremdkörper, jedes
Sandkorn daran hindert, in den Motor unseres Lebens zu
gelangen. Glaube und Hoffnung halten das Öl unserer Liebe rein
und sorgen so dafür, dass alles rund läuft und nichts anfängt zu
knirschen.
Ob wir genügend von diesem Öl der göttlichen Liebe in unserem
Herzen haben? Paulus sagt in Römer 5:5: Die Liebe Gottes ist
ausgegossen in unsere Herzen.
Mit diesem unerschütterlichen Vertrauen in unseren
himmlischen Vater und einer lebendigen und starken Hoffnung
können wir immer wieder etwas mehr von diesem Vorrat an
göttlicher Liebe in unser Leben übernehmen.
Die Liebe Gottes, auch uns gegenüber, ist unerschöpflich. Wenn
wir darüber nachdenken, wie langmütig, geduldig und gütig Gott
mit uns umgeht – wie er sich durch uns nicht erbittern lässt,
auch wenn wir ihn doch manchmal ungeziemend behandeln -,
und auch wie er voller Liebe versucht, uns immer wieder in
großer Geduld die Wahrheit über uns selbst zu vermitteln, dann
können wir nur dankbar sein, dass Gott uns zusagt, dass er uns
nicht fallen lassen wird, dass er uns nicht verlassen wird.
Wenn wir dann noch den allergrößten Beweis der Liebe Gottes
anschauen, wie Er selbst in Jesus alles auf sich genommen hat,
alles hingegeben hat und diesen schrecklichen Tod am Kreuz
erduldet hat, um uns zu retten, dann muss unser Herz doch
überfließen vor Dankbarkeit über diese unaussprechlich große
Liebe unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus.
Ich möchte mir – und uns allen – wünschen, dass diese
Dankbarkeit für die Liebe Gottes mein Herz ausfüllt und mich
immer wieder neu motiviert, diese göttliche Liebe nun auch in
meinem Reden und in meinem Verhalten sichtbar zu machen.
Amen!