Sie sind auf Seite 1von 1

WORT UND WISSEN

Der Mensch und die geologische Zeittafel

Buchbesprechung von Torsten Rossmann

Manfred Stephan: Der Mensch und die geologische den Kapiteln zu untermauern, die er auch in einem
Zeittafel. Warum kommen Menschenfossilien nur in den wissenschaftshistorischen Kontext einflechtet.
obersten geologischen Schichten vor? Hänssler-Verlag, Der Autor hat in akribischer Detektivarbeit Beispie-
Holzgerlingen, ISBN 3-7751-3826-9; EUR 9,95 le aus dem heutigen und fossilen Tierreich zusammen-
getragen, um seine These zu untermauern. Dies ist in
Seitdem Menschen sich für Fossilien interessieren, fiel mit der von ihm selbst formulierten Einschränkung der
ihnen eine markante Verteilung der Überreste pflanzli- wissenschaftlichen Unschärfe dieser These sicherlich
chen und tierischen Lebens in den Gesteinsschichten gelungen. Auch aktuelle Befunde werden aufgegriffen,
auf. Die Funderfahrung lehrt, daß bestimmte Überreste z.B. die Entdeckung der unterkambrischen „Frühfi-
typisch für bestimmte Gesteinsschich- sche“ aus China (S. 128). Sehr ausführ-
ten und damit Anzeiger für eine Zeit- lich werden die (möglicherweise ter-
epoche sind (= Konzept der Leitfossi- tiären) Vorkommen von Steinwerkzeu-
lien). Dieser Fundumstand scheint gen diskutiert (ab S. 160).
eine evolutionäre Entwicklung des In summa kann konstatiert wer-
Lebens zu bestätigen. Der Mensch den, daß die kreationistische Einstel-
wäre demnach eine zufallsgemäße lung des Autors und somit die Stellung
Spätentwicklung, belegt durch Kno- des Menschen als Geschöpf Gottes in
chen und Spuren aus den obersten einer gut verständlichen, nachvollzieh-
geologischen Schichten. baren und untermauerten Hypothese
Der Autor Manfred STEPHAN nimmt dargestellt wird. Der Leser findet hier
sich dieses Themas aus schöpfungs- gebündelt viele verwertbare Fakten
theoretischer Sicht an. Gewiß sind und selten publizierte Zitate.
Schöpfungsforscher mit der dokumen- Die 87 Schwarzweiß-Abbildungen
tierten Verteilung in einem Erklä- illustrieren in erfrischender Weise den
rungsnotstand. Wenn Gott tatsäch- Text, wie auch dem weiter interessier-
lich nach dem biblischen Bericht alles ten Leser ein ausführliches Literatur-
Leben und damit auch den Menschen verzeichnis zur Verfügung steht. Das
in einem sehr kurzen Zeitraum er- Buch hätte es verdient, als fest gebun-
schaffen haben soll, müßte dann nicht dene Ausgabe mit einer ansprechen-
eine ausgeglichenere Fundsituation deren Abbildungsqualität bei einer
im Fossilbericht zu Tage kommen? Als Kern seiner Neuauflage gedruckt zu werden. Leider zeigen sich
Antwort dient dem Autor eine These, die auch im schon bei einem geringfügigen Gebrauch – und der
evolutionstheoretischen Lager häufig diskutiert wird. interessierte Leser wird dies sicherlich häufiger tun –
Das Fehlen von Organismen, die in einer Fossillager- markante Abnutzungsspuren einer Paperback-Ausga-
stätte nach rezenten Vergleichsökosystemen zu erwar- be. Kleinere Fehler wie die Benennung des fossilen
ten wären, wird mit der Art der Überlieferung und dem Knochenhechtes Atractosteus als Cyclurus in Abb. 43
Ort ihrer Lebensweise erklärt. Tiere und Pflanzen, die beeinträchtigen nicht die Sorgfalt und Kompetenz der
weit entfernt von dem Einbettungsmedium Wasser Zusammenstellung an Daten. Dieses Werk darf in kei-
existieren, haben eine deutlich geringere Wahrschein- ner Bibliothek fehlen, die einen Schwerpunkt im The-
lichkeit, fossil überliefert zu werden, als Organismen, menspektrum Evolution / Schöpfung, Leitfossilien, stra-
die am oder im Wasser leben. Der Autor nimmt nun tigraphische Sequenzen und menschliche Fossilien
diese These auf und wendet sie auf die Tatsache der besitzt.
Fundumstände menschlicher Fossilien an. Diese An-
sicht versucht er stringent an Beispielen in den folgen- Aus: Studium Integrale Journal 9 (2002), 102