Sie sind auf Seite 1von 9
 

VL!Schüssler!2013 !

Die$ im$ F olgenden$ verwendeten $ grammatikalischen$ Geschlechter$ seien$ allen $ biologischen$ gleichgestellt.$ Alle$Angaben$ 9 $ wie$immer$ 9 $ ohne$Gewähr .$Verwendung$auf$eigene$Gefahr! $

Ärztliche*Gesprächsführung !

Lernerfolg ! • Unter! optimalen! Bedingungen,! d.h.! ohne! Verwendung! komplizierter! Termini! etc.,!
Lernerfolg !
• Unter! optimalen! Bedingungen,! d.h.! ohne! Verwendung! komplizierter! Termini! etc.,!
merkt!sich!der!Patient!bei!vollster!Aufmerksamkeit!max.!50% !
• Ebenfalls! unter! optimalen! Bedingungen! merken! sich! Studenten! in! einer! Vorlesung!
max.!20%!des!dargebrachten!Stoffes !
• Nur! wenn! man! selbst! referiert! bzw.! lehrt,! kann! man! die! „Merkquote“! a uf! 90 V100%!
steigern!

Die! Merkquote! von! 50%! unter! optimalen! Bedingungen! reicht! jedoch! nicht! aus,! um! den! Patienten! ausreichend! zu! informieren,! da! unter! die! vergessenen! 50%! auch! essentielle! Informationen! fallen! könn en! (Einnahme! von!Medikamenten! etc.).! Abhilfe! durch!Mitgeben! von!weiterem!Material!und!Wiederbestellung. !

!

Ein! besonderes! Augenmerk! muss! auf! die! Compliance! gelegt! werden.! 1/3! der! Patienten! nimmt!Medikamente!entsprechend!der!Verordnung,! 1/3!nimmt! sie!nach!belieben!und! 1/3! nimm t! sie! gar! nicht.! Somit!wandern! in!Österreich! ca.! 700!Mio.!Euro! pro! Jahr! in! den!Müll.! Auch!beim!Placebo V Effekt ! ist!die!Compliance!wichtig. !

Lerngesetze )

Zu! Beginn! eines! Arztbesuches! hat! jeder! Angst.! Dies! ist! jedoch! nicht! förderlich! für! den! Lernerfolg.!Ziel!so llte!sein,!dass!der!Patient!möglichst!wenig!Angst!hat.! Die! ArztV Patienten V Beziehung! ist! einer! der! größten! E influssfaktoren! der!Medizin! und! trägt! wesentlich!zu ! Erfolg!und!Misserfolg!einer!Behandlung!bei. !

Ver leugnung )

Schutzprozesse,! die! dem! Menschen! helfen,! mit! unangenehmen! Erinnerungen/Situationen ! zurecht! zu! kommen .! Prinzipiell! ist! dieser! Prozess! gesund! V ! manche! Menschen! verleugnen! jedoch!nicht!!

!

)

!

Kommunikation )

!

VL!Schüssler!2013 !

Was)wünschen)Sich)Patienten)beim)Arztbesuch?) Kommunikation! ! 88!V! 99%! Partnerschaft! ! ! 77!V! 87%!
Was)wünschen)Sich)Patienten)beim)Arztbesuch?)
Kommunikation! ! 88!V! 99%!
Partnerschaft! ! ! 77!V! 87%!
Gesundheitsförderung!
85!V! 89%!
Vollklinische!Untersuchung ! !!!!!!!!63% !
Medikament ! !
!
!!!!!!!!25% !
)

Axiome)der)Kommunikation )

1. In!einer!sozialen!Situation!kann!man!nicht!nicht!kommunizieren!

2. Jede!Kommunikation!hat!einen!InhaltsV ! und!einen!Beziehungsaspekt!

3. D ie! Komm unikationsabläufe! bestimmen! die! Natur! der! Beziehung! zwischen! den! Kommunikationspartnern !

4. Menschliche!Kommunikation!bedient!sich!digitaler!und!analoger!Modalitäten!

5. Z wischenmenschliche!Kommunikation!kann!symmetrisch!oder!komplementär!sein !

Gestörte)Arzt 9 Patien t 9 Kommunikation)

! Nur!die!Hälfte!der!Beschwerden!des!Patienten!kommen!zur!Sprache!

! Oft!erhalten!Ärzte!nur!wenig!Information!über!die!Bedeutung,!die!die!Erkrankung!für! den!Betroffenen!hat!und!über!deren!emotionalen!und!sozialen!Folgen !

! Arzt!und!Patient!stimmen! in!mehr!als!der!Hälfte!der!Fälle!nicht!darüber!überein,!was! das!hauptsächliche!Gesundheitsproblem!des!Patienten!ist!

! Öffentliche! Kritik! gegen! Ärzte! richtet! sich! nicht! gegen! die! klinische,! sondern! gegen! ihre!mangelnde!kommunikative!Kompetenz!

! Wenn! Ärzte! Informationen! zur! Verfügung! stellen,! achten! sie! nicht! darauf,! was! der! Patient!wissen!möchte!und!was!er!davon!verstanden!hat!

! Weniger! als! die! Hälfte! der! psychosozialen! Probleme! und! psychische! Störungen! werden!erkannt!und!diagnostiziert!

! Kunstfehler! in! der! ärztlich en! Behandlung! sind! häufig! auf! ungenügende! Kommunikation!zurückzuführen !

! Das)Problem)dabei:) Ärzte!machen!gerne!das,!was!sie!gelernt!haben!und!beherrschen:!oft!ist!
!
Das)Problem)dabei:) Ärzte!machen!gerne!das,!was!sie!gelernt!haben!und!beherrschen:!oft!ist!
eine!ärztliche!Gesprächsführung!nicht!vermittelt!worden!und!wird!folglich!kaum!angewandt. !
!
Das ! ärztliche!Gespräch! stellt!über! 50%!der!eigentlichen!ärztlichen!Tätigkeiten! dar.!Ein!Arzt!
führ!zwischen ! 150.000!und!200.000!Gespräche!im!Laufe!seiner!Berufsausübung. !
!

In!der!Allgemeinmedizin!werden!generell!meistens!10! min! für!ein!ArztV Patienten V Gespräch! veranschlagt.!Dabei!erhalten!Frauen!längere!Sprechzeiten!als!Männer,!ältere!Patienten!mehr! als!jüngere!und!Ärztinnen!gewähren!mehr!Sprechzeit!als!Ärzte. !

Spontane)Gesprächszeit )

In!den!USA!erhält!der!Patient!eine!Redezeit!von!22! sec! für!die ! Darlegung!seines!Anliegens,! bis!er!vom!Arzt!unterbrochen!wird.!In!einer!internistischen!Poliklinik!(nach!Unterweisung!der! Ärzte,!das!Gespräch!nich t! zeitlich!zu!Begrenzen)!brachten!78%!der!Patienten!innerhalb!2! min! ihr!Anliegen!vor,!nur!7!von!331!benötigten!mehr!als!5min! V ! in!diesen!Fällen! war!die!Zeit!von! den!Ärzten!auch! als!notwendig!empfunden. !

!

!

VL!Schüssler!2013 !

Ärzte,)die)längere)Arzt 9 Patient 9 Gesprächszeit)aufwenden) ( Metaanalyse)aus) 10)Studien) )

verschreiben!weniger!Medikamente!

vermitteln!mehr!Information!und!Aufklärung,!insbesondere!bzgl.!präventiver!Maßnahmen

!

haben!in!der!Folge!niedrigere!Konsultationsraten

! " ! eine! gute! ArztV Patienten V Kommunikation! ist! DER! entscheidende! Faktor! in! vielen! Hinsichten !

Non 9 verbale)Kommunikation)

Non V verbale! Kommunikation! kann! über! Gesti k,! die! gesamte! Motorik! und! Mimik! erfolgen.! Der! Mensch! verfügt! über! angeborene! Grundgefühle,! die! auf! der! ganzen! Welt! gleich! ausgedrückt! werden! und! das! gleiche! bedeuten.! Dazu! gehören! Angst,! Freude,! Ekel,! Ärger,! Neugier,! Erschrecken! sowie! Trauer,! Scham! und! Schuld.! Gefühle! sind! das! ideale! Kommunikationsmittel! V ! sie!kommunizieren!nämlich!nach!innen!und!nach!außen.!Angst!vor! einer! Klapperschlange! zum! Beispiel! verursacht! mimisch! einen! unverkennbaren! Ausdruck,! der! u.U.! andere! warnt,! motorisch! ein! Innehalten! sowie! eine! komplexe! Reaktion! im! autonomen!Nervensystem. ! Gefühle! sind! auch! sehr! wichtig! für! die! Steuerung! V ! Scham! und! Schuld ! dienen ! als! sog.! selbstregulative!Gefühle! der!Regulation!bzw.!Steuerung!bestimmter!Handlungen. ! Angst! ist! das! ansteckendste! Gefühl! überhaupt,! bestes! Beispiel! dafür! sind! Massenpaniken ! (Panik!=!sehr!starke!Angst),!bei!denen!immer!wieder!Menschen!zu!Tode!kommen. ! Die! Kontrolle! über!unsere!Gefühle!ist!ein!entscheidender!Punkt,!auch!im!Arztberuf! V ! schreckt! man!geekelt!vor!einer!Wunde!zurück!und!muss!sich!übergeben,!ist!dies!auf!lang!oder!kurz! nicht!gerade!hilfreich. !

Ärztliche)Haltung )

Die!ärztliche!Haltung!sollte!von!Empathie,! Wer tschätzung,! Echtheit,! aktivem)Zuhören! und! affektiver)Resonanz ! geprägt!sein. !

Visite )

Die!Visite!ist!der!wichtigste!Modus!im!Krankenhaus.! Dennoch!wird! der!Patient! V ! bei!einem! 3,5! min! dauerndem! Visitengespräch,! wovon! 2! min! der! Arzt! beansprucht! V ! nach! 18! sec! unterbrochen. ! Leichter!Erkrankte!erhalten!Antworten!auf!30%,!Schwerstkranke! auf!nur!10%! ihrer!Fragen. ! Anzustreben!ist!eine! patientenzentrierte)Visitenführung,!d.h.!die!Visite!wird!zu!einem!Arzt V PatientV Gespräch.! Des! weiteren! werden! andere! Aufgaben! (z.B.! Organisationsaufgaben,! „Kurven V Visite“)! außerhalb! des! Krankenzimmers! wahrgenommen.! Somit! wird! eine! Fokussierung! des! Gesprächs,! eine! Berücksichtigung! der! Störung! des! ArztV Patienten V Verhältnisses! und! der! Compliance! im! Krankenhaus,! eine! Problematisierung! von! La ientheorien! und! eine! Aktivierung! passiver! Patienten! sowie! Abbau! von! Macht! erzielt.! Es! kommt!mit!diesem!Modell!zu!einem!anderen!Modell!von!Krankenhaus. !

Placebo 9 ) und) Nocebo 9 Effekt )

Placebo 9 Effekt )

Placebo:$lat.$„ich$werde$gefallen“ $ Pseudoplacebo:! LeerV ! oder! Sc heinmedikament! (Homöopathie),! welches! trotz! pharmakologisch! nachweislicher! Unwirksamkeit! wirkt! " ! Ergebnis! aufgrund! der! psychosozialen!Therapiebedingungen . !

 

VL!Schüssler!2013 !

Wirkung!stark!abhängig!von! Einstellung)zu)Medikamenten!

! D as!Medikament!bringt!Heilung!

! „Ich!nehme!Gift! zu!mir“ !

! „Ich!nehme!etwas ! zu!mir,!das! mich ! abhängig!macht“ !

Abhängig! von! Erwartungen! werden! entsprechende! Botenstoffe! im! Gehirn! aktiviert! und! führen!folglich!„Wirkungen“ . ! Die!Symptombesserung!ist!umso!besser,!je!mehr!der!Patient!an! eine!Heilung!durch!die!veranschlagte!Therapie!glaubt. !

Eine! Studie! besagt,! dass! Placebo V Analgesie! durch! den! Opioidantagonisten! Naloxon! gemindert! wird:! Endogene! Opioide! spielen! eine! wesentliche! Rolle! bei! der! Schmerzwahrnehmung!bzw.!dem! Placebo V Mechanismus. !

Nocebo9 Effekt) Nocebo:$la t.$„ich$werde$schaden“ ! Analog! zum! Placebo V Effekt ! handelt! es! sich! beim! Nocebo V Effekt ! um! eine! Reaktion! auf! ein! medizinisches!Präparat,!welches!ebenfalls!keinen!Wirkstoff!enthält.!Der!Patient!geht!jedoch! davon!aus,!das!Präparat!fügt!ihm!Schaden!zu. ! Der! Nocebo V Effekt ! konnte! experimentell! bei! Schmerz,! Parkinson! und! Angst! nachgewiesen! werden.! Als! Beispiel! sei! das! offene! („wir! beenden! Diazepam“)! oder! verborgene! Absetzen! von!Diazepam!bei!postoperativen!PatientInnen!geschildert.! Beim!verborgenen!Absetzen!ließ! die! Wirkung! V ! trotz! Absenz! von! Wirkstoff! V ! kaum! nach,! beim! offenen! Absetzen! hingegen! deutlich. !

Die!„ Wirkung“ !eines!PlaceboV /NoceboV Effekts!beruht!wesentlich!auf:! ! Glaube!und!Erwartungen!des!Patienten! !
Die!„ Wirkung“ !eines!PlaceboV /NoceboV Effekts!beruht!wesentlich!auf:!
! Glaube!und!Erwartungen!des!Patienten!
! Glaube!und!Erwartungen!des!Arztes!
! Arzt VPatientenV Beziehung!
! Konditionierung!

Am! wirksamsten! sind! Spritzen! und! chirurgische! Eingriffe,! jedoch! auch! Anzahl,! Farbe,! Häufigkeit,! Preis! ( teurere! Präparate! ‚wirken’! besser! als! billigere! (Generica) ) ! und! Art! der! Verabreichung! beeinflussen!den!Placebo V Effekt . !

!

Placebos! können! je! nach! Gabe! als! Tranqu ilizer! oder! Stimulantien! wirken! und ! die! Wirkung! kann! für! Wochen,! Monate! oder! länger! anhalten! V ! es! können! sogar! Entzugserscheinungen! auftreten. !

!

AlzheimerV Kranke!(Degeneration!des!präfrontalen!Cortex)!sprechen!weniger!auf!Placebo!an. !

Aufklärung ) über)Nebenwirkungen )

Ein! Problem! stellt! die! Aufklärung! über! (sämtliche)! Nebenwirkungen! dar.! Gemäß! dem! Nocebo V Effekt ! rufen!alleine!die!Erwartungen,!eine!oder!mehrere!dieser!Nebenwirkungen!zu! bekommen,! eben! diese! hervor.! Auch! statis tisch! ist! ein! signifikanter! Anstieg! der! Nebenwirkungen! zu! verzeichnen,! wenn! die! Probanden! darüber! aufgeklärt! sind.! Auch! bei! Placebo V Medikamenten!ist! dieser!Effekt! zu! beobachten. ! Das!Ziel! sollte! sein,! den! Patienten!

 

VL!Schüssler!2013 !

über! die! Nebenwirkungen! zwar! aufzuklären,! ihm! aber! keine! Angst! davor! zu! machen! oder! ihm!die!Unwahrscheinlichkeit!zu!schildern. !

Anamnesegespräch )

Aufbau )

1. Vorstellung,!Begrüßung!

6. Familienanamnese!

2. Schaffung!einer!günstigen!Situation!

7. Persönliche!Entwicklung!

3. Landkarte!der!Beschwerden !

8. Soziale!Anamnese!

4. Jetziges!Leiden !

9. Systemübersicht!

5. Frühere!Erkrankungen !

10. Beendigung!und!Stellungnahme

Jetziges)Leiden )

Zum! jetzigen! Leiden! müssen! folgende! Dimensionen! beachtet! werden:! zeitlicher! Ablauf,! Qualität,!Intensität,!Lokalisation!und!Ausstrahlung,!Begleitzeichen!sowie! intensivierende!und! lindernde!Faktoren/Umstände. !

Fragetypen

! O ffene!Frage:! Was!führt!Sie!her? !

! Geschlossene!Frage:!JaV Nein V

! AlternativV Fragen:!entwederV

! Katalogfragen:!trifft!A,! B,! C!oder!D!zu? !

! WarumV Fragen:!Warum!kommen!Sie!erst!jetzt? !

! SuggestivV Fragen:!Meinen!Sie!nicht!auch! " ! zu!vermeiden !

! Reflexive!F ragen:!Wenn!ich!Sie!richtig!verstanden!habe,!hat!Ihnen!die!Luftnot!Angst! gemacht!" ! sehr!wichtig,!da!sammelnd !

! Konfrontierende! Fragen:! Warum! sind! Sie! gekommen,! wenn! Sie! keine! Behandlung! wollen! " ! eher!zu!vermeiden !

Fragen,!dichotome!Fragen !

oder !

Praktische)Hinweise )

Prinzipiell! sollte! beim! G espräch! vom! Allgemeinen! zum! Besonderen! vorgegangen! werden! V ! auch! vom! Sachlich V Kognitiven! zum! Emotionalen.! Geschlossene! Fragen,! die! unbedingt! notwendig!sind,!kurz! formulieren.!Ebenso!sollten! wichtige! Informationen!kurz,!verständlich! und!prägnant!übermittelt! werden.!

Vermittlung)von)Information)

! Studierende! können! Informationen! strukturiert! vermitteln! und! diese! Struktur! zu! Beginn!ihrer!Erklärungen!explizit!ansprechen !

! Studierende! sind! in! der! Lage,! Informationen! in! so! kleinen! Einheiten! zu! vermitteln,! dass!sie!sicher!sind,!dass!Patienten!ihre!Erklärung!aufmerksam!verfolgen!

Anforderungen)an)das)ärztliche)Gespräch )

! Kontaktaufnahme!

! Fortlaufende!mehrdimensionale!Informationsgewinnung!zur!Diagnosestellung!

! Beratung!und!Aufklärung!mit!Therapiebeginn !

! Aufbau!einer!vertrauensvollen!Beziehung!

! Klärung!der!Verantwortlichkeit!mit!der!Möglichkeit!des!Patienten!zu!eigenständigen! Entscheidungen !

 

VL!Schüssler!2013 !

! Begleitende! Beratung! und! Aufklärung! im! Verlauf! der! Therapie,! Erarbeitung! der! therapeutischen!Anforderungen !

! Vermeidung!von!„Heilserwartungen“!oder!Enttäuschungsreaktionen !

! Begleitung!und!Schutz! des!Patienten!auch!bei!„NichtV Handeln“ !

Aufklärungsgespräch )

Das!Aufklärungsgespräch!hat!in!der!Medizin!eine!lange!Geschichte.! Da!schlechte!Nachrichten! Schmerz!und!Leid!auslösen,!ist!es!belastend!f ür!Jeden,!diese!zu!überbringen! V ! insbesondere! für!Är zte!und!Pflegepersonal,!die!ja!dafür!ausgebildet!sind ,! Leid!und!Schmerz!zu!lindern.!Der! Überbringer! einer! Schlechten! Botschaft! wird! vom! Betroffenen ! oft! persönlich! dafür! verantwortlich!gemacht! (vgl.!frühe!Hochkulturen) . !

Therapieaufklärung)

dient!der!Mitteilung!über:!

! Art !

! Dringlichkeitsgrad !

! Umfang!

! Erfolgsaussichten !

! Durchführung !

! Behandlungsalternativen !

! Schwere !

! Krankheitsverlauf!(bei!

! Schmerzintensität!

Alternativen) !

Selbstbestimmungsaufklärung )

! Schaffung!hinreichender!Entscheidungsgrundlagen!des!Patienten!

! Diagnose!und!Behandlungsaufklärung!

! Verlaufsaufklärung!

! Risikoaufklärung!

Ziel:! Sicherung! des! Heilerfolgs! durch! Schaffung! eines! Therapiegerechten) Verhaltens ! des! Patienten !

Aufklärung)bei)malignen 9 metastatischen)Tumoren )

 

Von!126!Patienten!wollten ! 95%! Information!über!Behandlungsoptionen,!Symptome!und!Nebenwirkungen ! 85%! Informationen!über!die!längste!Überlebenszeit! 80%! Information!über!die!5V Jahres V Überlebensrate! 81%! Informationen!über!die!durchschnittliche!Lebenszeit!

Je! depressiver! umso!genauer,!j e!weniger! depressiv! umso ! ungenauer!wollten! die! Patienten! informiert!werden. !

Langzeitfolgen)der)Aufklärung )

Patienten ! die! ihre! DiagnoseV Aufklärung! unzureichend! und! schlecht! beurteilten,! waren! ein! Jahr!später!doppelt!so!depressiv/ängstlich!als!die!mit!der!Aufklärung!zufriedenen!Patient. !

Probleme )

Die! Informations V ! und! Kommunikationsbedürfnisse! und! Möglichkeiten! wachsen! rasant.! Dadurch! werden! ungeahnte! Möglichkeiten! der! „Selbsthilfe“! eröffnet.! Wird! es! Patienten! geben,! die! besser! informiert! sind! als! Ärzte?! Auch! neue! Techniken,! v.a.! die! Gendiagnostik,! schaffen! neue! Herausforderungen.! Folglich! muss! die! medizinische! Ausbildung! zwingend! reformiert!werden!!

!

!

VL!Schüssler!2013 !

Körperliche)Unt ersuchung )

Richterlich! ist! die! körperliche! Untersuchung! ein! Eingriff! in! die! Privatsphäre,! welche! u.U.! sogar!als! Körperverletzung! deklariert!werden!kann! V ! Ärzte!dürfen!diese!jedoch!in!diesem!Fall! durchführen. ! Dennoch!kommt!es!zu!einer!deutlichen! Grenzübersch reitung ,!dem!intensiven! Körperkontakt!zwischen!Arzt!und!Patient. ! !

Reaktionen)auf)die)k örperliche)Untersuchung )

Die! körperliche! Untersuchung! (=! emotionales) Geschehen )! kann! bei! Patient! und! Arzt! emotionale!Reaktionen!hervorrufen.!Beim!Patienten!kann!Scham,! Unsicherheit,!Angst,!Wut,! Erregung,! sowie! Regression! ( intrapsychisches! „Zurückfallen“! auf! eine! frühere! Entwicklungsstufe) ! und! intensive! Übertragung! aus! einer! körperlichen! Untersuchung! resultieren. ! Zu! den! emotionalen! Prozessen! die! beim! Arzt! hervorgerufen! werden! können! gehören! Ekel,! Erregung,! Scham,! Unsicherheit,! Ungeduld,! Ärger! und! Wut,! Angst! sowie!

intensive!Gegenübertragung!(z.B.!MutterV Kind V Beziehung,!Erotisierung,!sich!selbst!als!invasiv! und!gren zverletzend!erleben). ! Typische! körperliche! Reaktionsmuster! sind! FluchtV ! und! Kampfmuster! wie! Angst! (Blässe,! Zittern,! kalte,! feuchte! Extremitäten,! RRV Anstieg)! und! Wut! (Hautrötung,! warme,! trockene! Extremitäten,! geballte! Fäuste)! und! Rückzugsmuster! der! Hoffnungs V ! und! Hilflosigkeit!

( herabgesetzter!Muskeltonus!mit!entsprechender!Körperhaltung!und!Mimik) . !

Vorgehensweise )

Die! Untersuchung! sollte! in! einem! ruhigen,! ungestörten! Raum! stattfinden.! Es! ist! darauf! zu! achten,! den! Patienten! nicht! ganz! zu! entkleiden! und! so! sein! Gefühl! der! Bloßstellung! zu! minimieren! " ! zuerst!Oberkörper!entkleiden!und!untersuch en,!dann!Becken!etc.! Wichtig!ist! auch,! den! Patienten! über! die! bevorstehenden! Untersuchungen! und! Behandlungen! vorzubereiten . ! Zu!Beginn!werden!die!„unproblematischen“!Körperstellen,!erst! zum!Schluss! die!intimen!Regionen!untersucht.! Der!Arzt!sollte!während!der!gesamten!Untersuchung!ein!sachlichV neutrales!Auftreten!haben,! zum!Schutz!der!Intimsphäre!von!Patient!und!Arzt!sowie!aus!hygienischen!Zwecken!empfiehlt! sich!ein!weißer!Mantel. ! Während! der! Untersuchung! soll! dem! Patienten! immer! die!Möglichkeit! zur! Unterbrechung! gegeben!werden,!z.B.!durch!ein!Handzeichen. !

Sexuelle)Grenzverletzung)durch)Ärzte)

Eine! sexuelle! Grenzverletzung! durch! Ärzte! den! Patienten! gegenüber! stellt! eine! Verletzung! der! allgemeinen! Führsorgepflicht! sowie! eine! grobe! Verletzung! der! Dienstpflicht! (Arbeitsrecht)! dar. ! Zum! Schutz! beider! Seiten! sollte! in! kritischen! Fällen! (männlicher! Arzt,! junge! Patientin)! eine! dritte! Person! (Krankenschwester)! zur! Untersuchung! hinzugezogen ! werden.!

!

)

Arzt 9 Patienten 9 Beziehung )

VL!Schüssler!2013 !

Legende:!Arzt!!!!Patient !!!!Arzt!&!Patient!
Legende:!Arzt!!!!Patient !!!!Arzt!&!Patient!

Partizipatives)Modell )

Die! moderne! Arzt V Patienten V Beziehung! beruht! auf! Informed) consent! (informierte! Entscheidung)!und ! Informed) choice) (informierte!Auswahl),!also!einer!Miteinbeziehung!des! Patienten! in! allen! Hinsichten,! das! sog.! shared9 decision9 making ! (partizipative! Entscheidungsfindung). !

Vorwissen! erkunden! " ! Vorwissen$ kundtun! " ! Information! anbieten! " ! Information$ nachfragen! "
Vorwissen! erkunden! " ! Vorwissen$ kundtun! " ! Information! anbieten! " ! Information$
nachfragen! " ! Lösungen! perspektivieren! " ! Lösung$ präferieren ! " ! Präferenz!evaluieren!
und! Entscheidung! ratifizieren! "! UntersuchungsV ! bzw.! Therapieplan! konsensuell!
realisieren !" !Verhalten$kontrollieren !" !Kontrolle!akzeptieren !

Die! Compliance! kann! so! auf! über! ein! Drittel! gesteigert! werden,! da! der! Patient! ein! Kooperationspartner!ist. !

Paternalistisches)Modell )

Der!Arzt! übernimmt! die!Entscheidungen! für! den! Patienten.!Falsche!Grundannahmen! dafür! sind,! dass!er!am! besten!wisse,!was! für! den! Pati enten! das!Beste! sei,! da! nur!er! die! für!eine! richtige!Diagnose!und!Therapie!nötige!Erfahrung!besäße. !

Arzt! informiert! " ! Patient$ rezipiert$ Informationen! " ! Arzt! ordnet! an! " ! Patient$
Arzt! informiert! " ! Patient$ rezipiert$ Informationen! " ! Arzt! ordnet! an! " ! Patient$ befolgt$
Anordnung ! " ! UntersuchungsV! bzw.! Therapieplan! realisieren ! " ! Verhalten! kontrollieren!
" !Kontrolle$dulden !

Entscheidungen!dürfen!nur!nach!diesem!Modell!getroffen!werden,! wenn!es!dem!Patienten! nicht!möglich!ist,!ein e!Entscheidung!zu!treffen!(z.B.!Notfallsituation,!Koma)!

Dienstleistung )

Der! Patient!ist!in! diesem!Fall!ein! Kunde,! z.B.! bei!einer!Schönheitsbehandlung,! bei! der! sich! der!Patient!Angebote!einholen!und!sich!das!für!ihn!beste!Angebot!aussuchen!kann.!

Information$suchen !" !Information!geben!" ! Angebote$einholen !" !Angebote!machen!" !
Information$suchen !" !Information!geben!" ! Angebote$einholen !" !Angebote!machen!" !
Entscheidung$kundtun! " !Entscheidung!akzeptieren!" !UntersuchungsV !bzw.!Therapieplan!
realisieren !" !Selbstkontrolle$versuchen! " !Verhalten!akzeptieren$

Gefahren)für)Ärzte)und)Ärztinnen )

Ärzte!müssen!ihre!eigenen!Grenzen!kennen!und!respektieren,!um!Patienten!hilfreich!sein!zu! können.! Probleme! dabei! sind! der! Perfektionismus,! die! Angst,! Fehler! einzugestehen ! ( " ! Vertuschung) ,! die! Schwierigkeit! Grenzen! zu! ziehen! („Workaholic“)! sowie! die! „Macho“ V Mentalität:!Ärzte!sind!stark!und!Robust!und!eigene!Schwächen!sind!inakzeptabel.!

Suizidrate )

Die! Suizidrate! unter! Medizinern! beträgt! 28V 40/100.000! V ! doppelt! so! hoch! wie! in! der! Allgemeinbevölkerung! bei! Ärzten,! viermal! so! hoch! bei! Ärztinnen. ! Zwischen! den! Fachdisziplinen!gibt!es!dabei!keinen!klaren!Unterschiede.!Risikofaktoren!sind!Ehrgeiz,!Zwang,!

!

!

VL!Schüssler!2013 !

Wettbewerbsdrang,! Stimmungsschwankungen,! Probleme! mit! Alkohol! oder! Medikamenten! und! nicht! l ebensbedrohliche! Erkrankungen. ! Auch! geschiedene,! verwitwete! oder! nie! verheiratete!Ärzte! haben!eine!erhöhte!Suizidrate! (da! soziale! Beziehungen! der! protektivste! Faktor!überhaupt! sind ). !

Scheidungsrate )

Ärzte!haben!eine!10V 20%!höhere!Scheidungsrate!als!die!Allgemeinbevölkerung!(60V 70%). !

Konsequenzen )

Auch!und!gerade!Ärzte!und!Ärztinnen!brauchen!einen!gesunden!Lebensstil!mit!ausreichend! Erholung, ! Schlaf!und!sozialen!Kontakten. !

Patientenrechte )

Recht!auf !

! S orgfältige!Behandlung!

! Information,!einschließlich!Einsicht! in!die!Krankengeschichte!

! Selbstbestimmung! ( " ! shared V decision V making) !

! Geheimhaltung!

! Kontakt!zur!Außenwelt,!insbesondere!zu!Angehörigen !

! Schutz!der!menschlichen!Würde!

! Beschwerde!

! Forschung!und!Lehre!

! Abfassung! schriftlicher! Verfügungen! betreffend! lebensverlängernder! Maßnahmen,! Organentnahme!und!Obduktion !