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Inhalt:

1.

Der Vampirhype der Moderne

2

2. Dämonisches Treiben im Volksglauben

3

3. Die ersten literarischen Ergüsse

7

 

3.1 Große Vampirdiskussion des 18. Jahrhunderts

7

3.2 Anfänge der Horrorliteratur

8

3.3 Auf dem Weg zum modernen Bild des Vampirs

9

3.4 Erotisierung des Vampirs in der deutschen Literatur

10

3.4.1 „Der Vampir“ von Heinrich Ossenfelder (1748)

10

3.4.2 „Der Vampir“ von Baudelaire

11

4. Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts

13

4.1 Das Dämonische als gesellschaftliches Tabu

13

4.2 Das Dämonische als kindliches Vorbild

15

5. Und wie wird es weiter gehen?

16

Quellenverzeichnis

17

Buchquellen

17

Internetquellen

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Das Dämonische in der Literatur

1. Der Vampirhype der Moderne

Geht man heute in ein Buchgeschäft, lässt sich schon auf dem ersten Blick ein Buch über Vampire finden. Und nicht nur eines. Die Geschäfte sind voll davon und sie scheinen regelrecht wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Und nicht nur in den Büchergeschäften begegnet uns der Vampir, auch im Kino ist er immer präsent und grinst uns als junger Teenager von der Leinwand her an. Wohin man auch sieht, der Vampir ist in Gestalt junger, charmanter Männer fast überall zu entdecken und man kann ihm kaum entkommen. Die Stadtbibliothek München hat sogar eigens zwei Broschüren „Biss & Co – Die schönsten Vampirbücher“ und „Wer zuletzt beißt – Vampir-Romane“ zu diesem Thema herausgegeben. Schon wenn man sich diese nur anschaut, erhält man einen Überblick, wie vielseitig die Literatur zum Thema Vampire ist: Angefangen von Büchern für Kinder ab 9 Jahren, bis hin zu erotischer Vampirliteratur für Erwachsene. Und die Bandbreite reicht noch weiter: Die Buchreihe rund um „Das Vamperl“ von Renate Welsh 1 begeistert sogar schon Kinder im Alter ab 7 Jahren 2 . Und auch der Kinderkanal erfreut schon Kinder ab 6 Jahren 3 wochentags um 16:50 Uhr mit der Serie „Die Schule der kleinen Vampire“.

1 Buchtitel: „Das Vamperl“, „Wiedersehen mit Vamperl“ & „Vamperl soll nicht alleine bleiben“

2 Altersempfehlung des Herstellers; Quelle: Amazon

3 FSK nach tvDIGITAL Nr. 20 18.9.2009

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Aber wie entwickelte sich die heutige Sicht auf den Vampir – vom Schreckgespenst der Sagen und Mythen, zum charmanten, jungen Frauenheld und freundlichen Kinderstar? Gibt es den ursprünglichen Vampir überhaupt noch, der Nachts in die Häuser schleicht und jungen Frauen das Blut aussaugt, in der modernen Literatur? Und wie ergeht es den anderen dämonischen Gestalten der Mythen und Legenden? Teilen diese das Schicksal des Vampirs?

2. Dämonisches Treiben im Volksglauben

Schauen wir uns doch zuerst einmal an, wie der Vampir am Anfang aussah, bevor er überhaupt zu Papier gebracht wurde. Dazu muss zuerst einmal gesagt werden, dass sich die Überlieferungen von Landstrich zu Landstrich unterscheiden, zum Teil sogar in benachbarten Dörfern unterschiedliche Überlieferungen zum Vampir existieren. Und nicht nur im Osten Europas gibt es Vampire. Fast jede Region der Welt hat einen eigenen Glauben an eine Art Blutsauger 4 . Ziemlich viel Verwirrung also. Hier wollen wir uns erst einmal auf den Vampirglauben in Osteuropa beschränken, da dieser die literarischen Vorstellungen des heutigen Vampirs am meisten geprägt hat.

Auf eines jedoch, kann man sich verlassen: der Vampir kehrt nach seinem Tod zu den Lebenden zurück und quält diese 5 . Er saugt nicht nur ihr Blut 6 ,

4 Vgl. Heitz, S. 15ff

5 Vgl. Heitz, S. 79

6 Vgl. Heitz, S. 67

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er verbreitet auch Krankheiten 7 und tötet seine Opfer sogar 8 . Ebenso sind Vergewaltigungen durch Vampire an der Tagesordnung 9 . Klassischer Weise wurden zuerst die nächsten Verwandten, dann das Dorf und später auch die umliegenden Dörfer von einem Vampir heimgesucht, bis dieser unschädlich gemacht wurde 10 . Verabschieden wir uns auch von den sonstigen Vorstellungen seines Beuteschemas: Es mag durchaus wählerische Vampire geben, die nur über Jungfrauen herfallen 11 , in den meisten Fällen jedoch, nehmen sie, was sie bekommen können, selbst wenn es nur das Vieh ist 12 . Auch seine Verwandlungskünste sind vielfältiger, als die meisten Leute annehmen, denn nicht nur die Verwandlung in eine Fledermaus ist möglich. Es ist auch die Rede von Ochsen, Wölfen, Ziegen, Hennen, Wanzen, Flöhe, Frösche, Schmetterlinge und noch so einige Tiere mehr. Und nicht nur in Tiere kann sich der Vampir verwandeln, nein, auch in blutgefüllte Töpfe und Wagenräder 13 . Man sollte also immer auf der Hut sein, denn hinter jeder Ecke könnte ein verwandelter Vampir lauern. Und wie ist es mit den anderen Klischees zum Vampir, z.B. dem Spiegelbild oder dem Eintreten in Häuser? Tatsächlich braucht der Vampir als Sagengestalt keine Erlaubnis, um ein Haus zu betreten 14 und auch besitzt er in den meisten Fällen ein Spiegelbild 15 . Kann man da noch einen Vampir erkennen, bevor man angegriffen wird?

Wer wird denn nun eigentlich alles zum Vampir?

7 Vgl. Heitz, S. 73

8 Vgl. Heitz, S. 79

9 Vgl. Heitz, S. 70

10 Vgl. Heitz, S. 74

11 Vgl. Heitz, S. 80

12 Vgl. Heitz, S. 68

13 Vgl. Heitz, S. 80f

14 Vgl. Heitz, S. 79

15 Vgl. Heitz, S. 67

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Wo heute nur noch der zum Vampir wird, der das Blut eines Vampirs trinkt, nachdem er von diesem gebissen wurde, gibt es im Volksglauben noch ganz andere Möglichkeiten. Natürlich erst mal das Verzehren von infizierten Fleisch 16 . Außerdem werden auch unehelich geborene Kinder nach ihrem Tod zu Vampiren 17 , ebenso wie Kinder, die mit Zähnen geboren werden. Rothaarige mussten auch nicht immer zwangsläufig Hexen sein, nein, sie konnten auch nach ihrem Tod zu Vampiren werden 18 . Aber auch im späteren Leben gibt es noch viele Möglichkeiten, zum Vampir zu werden: Man wird von seinen Eltern verflucht, von der orthodoxen Kirche exkommuniziert oder verweigert den Auftrag, Rache zu nehmen. 19 Auf der Liste der zukünftigen Vampire stehen außerdem: Prostituierte, bösartige Menschen, Selbstmörder, Mörder, sonstige Straftäter, Zauberer, Personen, die gegen die Gebote der Kirche verstoßen haben und noch so einige mehr. 20

Und wie sahen die anderen dämonischen Gestalten der heutigen Literatur ursprünglich aus? Sind Hexen schon immer auf ihren Besen durch die Luft geflogen und haben Menschen nach belieben geholfen oder verzaubert? Lebten Geister schon immer hauptsächlich in Burgen und Ruinen und sahen aus, als hätte man ihnen ein Bettlaken über den Kopf geworfen? Tatsächlich ist es jedoch so, dass Hexen in der urtümlichen Vorstellung nicht auf Besen, sondern auf Grenzen, wie zum Beispiel Zäunen, „ritten“, um ihre Fähigkeit, zwischen verschiedenen Welten zu wandeln, bildlich darzustellen. Erst in den Märchenillustrationen wurden daraus Besen. 21 Erst zu Zeiten der Hexenverfolgung wurde aus der wissenden Frau, die frei war

16 Vgl. Heitz, S. 51

17 Vgl. Heitz, S. 52

18 Vgl. Heitz, S. 54

19 Vgl. Heitz, S. 56

20 Vgl. Heitz, S. 57

21 Wikipedia: „Hexe“

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zu helfen oder zu verderben, ein Schreckgespenst, da ihnen ein Pakt mit dem Teufel zugeschrieben wurde. 22 Die literarische Vorstellung von Geistern ist heute noch dem ursprünglichen Volksglauben recht ähnlich. So sind auch dort Geister Personen, die nicht über die Schwelle des Todes getreten sind, da sie in der unseren Welt noch etwas zu erledigen haben. Somit sind sie oftmals auch an einen bestimmten Ort gebunden. 23 Und wen wird es jetzt noch wundern, dass sie besonders häufig in Schlössern und Burgen anzutreffen sind - Orten, die schon immer ein Sammelpunkt für Verrat, Lügen und Intrigen waren? Die Gestalt der Geister reichte auch schon im Volksglauben von schemenhaften oder auch nur akustischen, bis hin zu vollkörperlichen Erscheinungen 24 . Und natürlich darf man auch nicht den heutigen Gegenspieler des Vampirs vergessen: den Werwolf. Im Volksglauben war jedoch von einer Feindschaft nichts zu erkennen, eher im Gegenteil, gibt es doch Quellen nach denen sich Vampire in Werwölfe verwandeln können. 25 Auch wurde der Werwolf oftmals eher als Opfer eines Fluches gesehen, der ihm durch andere auferlegt wurde, denn als eigentlicher Sünder. 26

22 Vgl. Diefenbach, S. 52

23 Vgl. Brüggemann, S. 4f

24 Vgl. Brüggemann, S. 5

25 Vgl. Heitz, S. 81

26 Vgl. Sheja, S. 1

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3. Die ersten literarischen Ergüsse

Nachdem wir uns nun angeschaut haben, wie sich unsere Vorfahren einige der bekannten Sagenwesen vorgestellt haben, wollen wir uns nun damit befassen, wie es denn eigentlich zu dem Bild kam, das wir heute von ihnen haben.

3.1 Große Vampirdiskussion des 18. Jahrhunderts

Das Bekanntwerden von „Vampirfällen“ im Osten Europas löste in ganz Europa eine Welle von Publikationen zum Thema Vampirismus aus. Begonnen hatte es damit, dass sich verzweifelte Bewohner aus dem Dorf Kisolova an die Behörden wanden und diese um Beistand gegen die Plage baten. Durch diesen Vorfall wurde der Vampir zum ersten mal auch der Beamtenschaft in Wien ein Begriff. 27 Flugblätter machten ihn auch bei der einfachen Bevölkerung bekannt. 28 Vorerst jedoch, blieb das Thema hauptsächlich den Gelehrten vorbehalten. 29 Als sich jedoch die Diskussion in Zeitschriften verlagerte, fand auch der Adel und das Bildungsbürgertum reges Interesse an diesem Thema. 30 Auf diese Weise war der Vampir zum ersten Mal allgegenwärtiges Thema in der Öffentlichkeit. Er war sowohl in den Privathaushalten, als auch an Universitäten und Akademien zu finden. Jeder suchte nach einer Erklärung für die Vampire. 31 Nicht einmal die Kirche schreckte vor diesem Thema zurück und machte den Vampir zu einem gotteslästerlichen Wesen. 32

27 Vgl. Heitz, S. 141f

28 Vgl. Heitz, S. 142

29 Vgl. Heitz, S. 148

30 Vgl. Heitz, S. 149

31 Vgl. Heitz, S. 154

32 Vgl. Heitz, S. 169

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3.2 Anfänge der Horrorliteratur

Zwar gibt es schon in der römischen Antike und auch in der Klassik (z.B. Goethes „Faust“) Geschichten, die Elemente der Horrorliteratur enthalten, wirklich großes Aufsehen erregt die Horrorliteratur jedoch erst im 18. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Schauerroman“. Damit wurde auf die aufklärerischen Ideale der vorangegangen Zeit reagiert, es wurde sich wieder mehr auf das Unerklärliche und Außergewöhnliche bezogen. 33 Seine Blütezeit erlebte die Horrorliteratur jedoch erst im 19. Jahrhundert. 34 Zu den bedeutensten, internationalen Autoren dieser Zeit zählen: Edgar Allan Poe („Die Maske des roten Todes“), Mary Shelley („Frankenstein“) & Robert Louis Stevenson („Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“). 35 Auch die Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ von Charles Baudelaire stammt aus dieser Zeit. 36 Im deutschsprachigem Raum wären als wichtig zu nennen: E.T.A. Hoffmann („Der Sandmann“), Theodor Storm („Der Schimmelreiter“), Joseph von Eichendorff („Das Marmorbild“) und Heinrich von Kleist („Das Bettelweib von Locarno“). 37 Kleists Novelle „Das Bettelweib von Locarno“ ist ein schönes Beispiel, wie sich das Dämonische der Literatur von dem Volksglauben unterscheidet. Ist die Rache im Volksglauben der Tat meist sehr ähnlich oder äquivalent, so ist sie bei Kleist einfach nur unverhältnismäßig. Der Marchese wird vom Geist des durch einen tragischen Unfall verstorbenen Bettelweibes nicht nur in den Wahnsinn getrieben – dies wäre wohl im Volksglauben die Strafe für

33 Vgl. Wikipedia: „Horrorliteratur“

34 Vgl. Bücherwiki: „Horrorliteratur“

35 Vgl. Bücherwiki: „Horrorliteratur“

36 Vgl. Wikipedia: „Horrorliteratur“

37 Vgl. Literatur.de: „Horror- und Fantasyliteratur“

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seine Teilschuld gewesen – , sondern zündet in seinem Wahnsinn auch sein Gut an und kommt dabei ums Leben. 38

3.3 Auf dem Weg zum modernen Bild des Vampirs

Im 19. Jahrhundert wurde auch das Motiv des Vampirs wieder verstärkt aufgegriffen. Diesmal jedoch nicht um eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen zu finden, sondern er wurde die Hauptfigur verschiedener Werke. Dabei sind als die bekanntesten zu nennen: John William Polidoris „The Vampyre“ (1819), Joseph Sheridan Le Fanus „Carmilla“ (1872) und Bram Stokers „Dracula“ (1897). 39 Jeder der genannten Romane hatte für die weiter Entwicklung der Vampirliteratur einen entscheidenden Beitrag geleistet. Schon Polidori führt die im Vampirroman übliche Warnung an die menschliche Hauptfigur ein, sich vor den Vampiren in Acht zu nehmen, doch schon in dieser „Vorbildszene“ lacht der Protagonist über dieser Warnung. Dieses Motiv wird auch in späteren Vampirromanen immer wieder aufgegriffen. 40 Und auch ist schon in diesen Anfängen der Vampir ein Adeliger, der mit dem Geld nur so um sich schmeißt. 41 Le Fanu schuf im Gegenzug mit seiner „Carmilla“ die bis heute bekannteste Vampirin der Weltliteratur. 42 Außerdem bringt Le Fanu ein bis heute entscheidendes Element in die Vampirliteratur: die Erotik, wenn diese auch immer nur versteckt und bewusst nur angedeutet bleibt. 43 Auch wenn Bram Stoker mit seinem „Dracula“ nicht viel neues zur Entwicklung des Vampirromans beitrug, so ist dieser dennoch bis heute der

38 Vgl. Brittnacher, S. 85

39 Vgl. br-online: „Geschichte des Vampirismus“

40 Vgl. Copper, S. 77

41 Vgl. Copper, S. 76

42 Vgl. br-online: „Geschichte des Vampirismus“

43 Vgl. Vampyr-Journal: „Carmilla“

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bekannteste Roman dieses Genres. Er übernahm nicht nur die oben

genannten Elemente Polidoris und machte Dracula zu einem

aristokratischen Vampir, er eiferte auch Le Fanu nach und lies seinen in

seinen Roman ähnliche erotische Elemente einfließen. Mit seinem Roman

löste Broker eine neue Lawine von Schriften zum Thema Vampirismus

aus. 44

3.4 Erotisierung des Vampirs in der deutschen Literatur

So viel zur internationalen Lage in der Vampirliteratur. Widmen wir uns

nun der deutschen Literatur und ihren Ausprägungen. Schauen wir uns dazu

zwei deutschsprachige Gedichte an: „Der Vampir“ von Heinrich August

Ossenfelder und das gleichnamige Gedicht von Baudelaire in der

Übersetzung von Stefan George.

3.4.1 „Der Vampir“ von Heinrich August Ossenfelder (1748)

Das Gedicht „Der Vampir“ von Heinrich August Ossenfelder ist eines der

ersten heute noch bekannten, deutschsprachigen Gedichte zum Thema

Vampire. 45

„Mein liebes Mägdchen glaubet Beständig steif und feste, An die gegebnen Lehren Der immer frommen Mutter; Als Völker an der Theyse An tödtliche Vampiere Heyduckisch feste glauben. Nun warte nur Christianchen, Du willst mich gar nicht lieben;

44 Vgl. br-online: „Geschichte des Vampirismus“

45 Vgl. Wurzel Werk: „Eine kleine Geschichte der Vampire“

11

Ich will mich an dir rächen, Und heute in Tockayer Zu einem Vampir trinken. Und wenn du sanfte schlummerst, Von deinen schönen Wangen Den frischen Purpur saugen. Alsdenn wirst du erschrecken, Wenn ich dich werde küssen Und als ein Vampir küssen:

Wenn du dann recht erzitterst Und matt in meine Arme, Gleich einer Todten sinkest Alsdenn will ich dich fragen, Sind meine Lehren besser, Als deiner guten Mutter?“ 46

Schon in hier zeigt sich der Vampir als Verführer, sowohl in sexueller

(„schöne Wangen“/ „küssen“) als auch in religiöser Hinsicht („Lehren“/

„fromm“). 47

3.4.2 „Der Vampir“ von Baudelaire

Das in der Blütezeit der frühen Horrorliteratur entstandene Gedicht „Der

Vampir“ von Baudelaire, erschienen in „Les Fleurs du Mal“ (zwischen 1857

und 1868), wurde als erstes von Stefan George in die deutsche Sprache

übersetzt.

„Du die wie ein messerstoss Ins klagende herz mir zückte Wie schwärme von teufeln stark und gross Kamest du Tolle Geschmückte

46 „Der Vampir“ Ossenfelder

47 Vgl. Les Vampires: „Der Vampir“

12

Und machtest zu haus und bette Meinen erniedrigten sinn – Ruchlose! eins mit dir bin Ich wie sträfling mit kette

Wie spieler mit ihrer sucht Wie trinker mit ihrem glase Wie das gewürm mit dem aase – Verflucht seist du! verflucht!

Ich flehe zu schwertes schnelle:

„Gib mir meine freiheit zurücke!“ Ich sprach zu des giftes tücke:

„Sei meiner schandtat geselle!“

Da hat das gift und das schwert Verächtlich zu mir gesprochen:

„Aus deinen verwünschten jochen Dich reissen bist du nicht wert.

Du tor wenn auch unsre streiche Dich lösten aus dem verschluss So weckte wieder dein kuss Deines vampirn leiche.““ 48

Das am Anfang angesprochene Du, bezeichnet in diesem Gedicht eine

weibliche, dämonische Gestalt, die vom lyrischen Ich direkt angesprochen

wird. Das lyrische Ich fühlt sich „wie ein sträfling“ an das „Du“ gekettet,

andererseits, schreibt er diesen Umstand jedoch auch seiner eigenen Sucht

(„Spieler“/ „Trinker“) nach dem Ideellen des „Du“ zu. Es sehnt sich nach

dessen Stärke und Macht. Um sich aus dieser Sucht zu befreien, versucht es

die Flucht in den Freitod durch Schwert und Gift. Da dies durch seine

Feigheit misslingt, wird dem lyrischen Ich seine Unvollkommenheit noch

deutlicher vor Augen geführt, des „vampirn leiche“ wird wieder erweckt. 49

Somit steht der Vampir – wenn auch nur als metaphorisches Gestalt – auch

bei Baudelaire für die typischen Eigenschaften des modernen Vampirs:

48 zeno.org: „XXXIII Der Vampir“

49 vgl. abgedichtet: „Interpretation: Le vampir“

13

Todessehnsucht,

Tragik

der

Existenz,

Triebe

und

das

übersinnliche

Anziehende.

4. Die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts

Aus diesen Beispielen der frühen Vampirliteratur kann man also schon sehen, dass der Vampir als erotisches Ideal keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern schon in den Anfängen zum Bild des literarischen Vampirs gehörte. Aber wie genau sieht jetzt eigentlich das Bild des literarischen Vampirs im 20. und 21. Jahrhundert aus und welche Bedeutung haben andere Schreckensgestalten des Volksglaubens erhalten?

4.1 Das Dämonische als gesellschaftliches Tabu

Da der Vampir sowohl in der Opfer- als auch in der Täterrolle gesehen werden kann – als tragisches Opfer seines Schicksals, aber auch Mörder – eignet er sich wie kein zweites phantastisches Wesen, sexuelle Phantasien zu verkörpern. Durch diese Dualität kann er sowohl masochistische, als auch sadistische Phantasien verkörpern und an Stelle des Lesers ausüben. Diese Dualität lässt sich zwar auch dem Werwolf zuschreiben, dieser kann durch seine Wolfsgestalt und seine brachiale Brutalität jedoch kaum als sexuelles Ideal herhalten. 50 Während der Vampir sich im Laufe der Zeit dem Schönheitsideal und den Vorstellungen anpassen konnte, hat der Werwolf durch seine Tiergestalt kaum Möglichkeiten, sich zu verändern. Dennoch ist

50 Vgl. Brittnacher, S. 126

14

er sich schon allein durch diese Ähnlichkeit für die Rolle des Gegenspieler des Vampirs geradezu prädestiniert. Ein weiterer Punkt, der die Unterschiede zwischen dem Vampir und dem Werwolf noch einmal deutlicher macht, ist die moderne Stellung in der Gesellschaft. Während etwa 90% der Vampire eine gehobenere Stellung haben 51 , gehört der Werwolf eher zum einfachen Proletariat. 52 Der alte, ewige Klassenkampf also. Dennoch sind sie durch ihre Symbolisierung der Tabuthemen mit einander verbunden. Während der Vampir für das sexuelle Spiel und den Tod steht 53 , symbolisiert der Werwolf das Animalische, das aus der Gesellschaft Ausbrechende. 54

Welche Bedeutung der Vampir auch heute noch in der erotischen Literatur inne hat, zeigt sich zum Beispiel auch an der deutschen Anthologie „Blutige Lippen“, wo das erotische Symbol der Lippen schon im Buchtitel erscheint. Zu den bekanntesten Vertretern zählen zwar unter anderem die Vampire der „Chronik der Vampire“ von Anne Rice 55 und „Bis(s)“-Reihe von Stephenie Meyer 56 , es sollte aber auch erwähnt werden, dass die moderne Literatur auch das brutale Wesen des Vampirs kennt, was sich in „Ich bin Legende“ von Richard Matheson zeigt. Um ein paar Beispiele der deutschen Werke zu geben sollen hier einmal „Edens Asche“ von Monika de Giorgi, „Die Kinder des Judas“ von Markus Heitz und „Die Chronik der Unsterblichen“ von Wolfgang Hohlbein 57 genannt werden.

51 Vgl. Brittnacher, S. 130

52 Vgl. Brittnacher, S. 219

53 Vgl. Brittnacher, S. 148

54 Vgl. Brittnacher, S. 219

55 z.B.: „Interview mit einem Vampir“, „Die Königin der Verdammten“, „Memnoch der Teufel“

56 „Bis(s) zum Morgengrauen“, „Bis(s) zur Mittagsstunde“, „Bis(s) zum Abendrot“, „Bis(s) zum Ende der Nacht“

57 11 Bände, u.a.: „Am Abgrund“, „Der Vampyr“, „Der Todesstoß“, „Der Untergang“

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Um auch den Werwolf hier nicht zu kurz kommen zu lassen, sei an dieser Stelle auch der Roman „Die Werwölfe“ von Christoph Hardebusch erwähnt.

4.2 Das Dämonische als kindliches Vorbild

Das Dämonische steht im 20. und 21. Jahrhundert jedoch nicht nur für das erotische Tabu, sondern erhielt auch in die Kinderliteratur Einzug. Allein die deutsche Literatur bietet hierfür genügend Beispiele. In den Kinderbuchreihen „Das Vamperl“ von Renate Welsh und „Der kleine Vampir“ von Angela Sommer-Bodenburg 58 treiben Vampire ihr spielerisches Unwesen, während Hexen in der Kinderbuchreihe „Hexe Lilli“ von Knister 59 und in Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ die Welt ein wenig in Unordnung bringen. Ebenfalls nicht fehlen darf natürlich Preußlers „Das kleine Gespenst“. Doch anders als in der Erwachsenenliteratur stellen die Wesen des Volksglaubens hier keine Symbolisierungen gesellschaftlicher Tabus da, sondern bieten den lieben Kleinen vielmehr ein moralisches Vorbild. Durch ihre Andersartigkeit eignen sich solche Wesen perfekt, um Freundschaften trotz äußerer und innerer Unterschiede darzustellen, und die Hilfsbereitschaft, die sie gegenüber vermeintlich Schwächeren zeigen, ist beispielhaft. Jedoch verliert auch grade der Vampir viele seiner Eigenschaften und wird doch sehr vermenschlicht. 60

58 z.B.: „Der kleine Vampir“, „Der kleine Vampir hat Geburtstag“, „Der kleine Vampir im Jammertal“

59 z.B.: „Hexe Lilli stellt die Schule auf den Kopf“, „Hexe Lilli bei den Piraten“, „Hexe Lilli und der Weihnachtszauber“

60 alliteratus: „Vampire in der Kinder- und Jugendliteratur“

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5. Und wie wird es weiter gehen?

Natürlich kann man über die Zukunft der Literatur nur spekulieren, wenn man jedoch betrachtet, wie sich die Literatur im Laufe der Zeit entwickelt hat, so zeichnet sich eindeutig eine Tendenz ab, dass das Dämonische nie aus der Literatur wegzudenken sein und immer wieder als Motiv verwendet werden wird. Der momentane Rummel um den Vampir wird zwar in Zukunft wieder abflauen, jedoch wird er nie ganz von der Bildfläche verschwinden, bis er erneut einen Höhepunkt erlebt. Ob er dabei für immer der ewig junge und gebildete Charmeur bleiben wird, der er in der Gegenwart hauptsächlich ist, bleibt dabei abzuwarten, da sich auch immer wieder Tendenzen zurück zum grausamen, hinterhältigen Jäger zeigen. Auch die anderen vertrauten Gestalten des Volksglaubens werden uns weiterhin begleiten, wenn auch heute noch nicht abzusehen ist, wie sie sich verändern werden. Lassen wir uns überraschen, was sich die Autoren in der Zukunft ausdenken. Vielleicht erleben wir ja bald statt des wohlbekannten „Bettlakengespenstes“, ein Gespenst, das sich als muskelbepackter Footballspieler mit Teenyproblemen herumschlagen muss? Oder Hexen die nicht mehr mit dem alten Besenmodel durch die Lüfte jagen, sondern auf Computertastaturen durch die Nacht reiten und ihre Zauber über die Welt verteilen?

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Quellenverzeichnis

Buchquellen:

Brittnacher, H., Ästhetik des Horrors, Baden-Baden, Suhrkamp Taschenbuch Verlag, 1994 Brüggemann, J., Im Zwischenraum – Betrachtung zu spektralen Grenzräumen der Kommunikation, o.O., GRIN Verlag,

2005

Copper, B., Der Vampir in Legende, Kunst und Wirklichkeit, Leipzig, Festa Verlag, 2006² Diefenbach, J., Der Zauberglaube des sechzehnten Jahrhunderts, Mainz, Verlag von Franz Kirchheim, 1900 Heitz, M., Vampire! Vampire!, München, Piper Verlag, 2009³

Internetquellen:

18

Wikipedia: „Hexe“ http://de.wikipedia.org/wiki/Hexerei#Herkunft_des_Hexenglaubens

vom 21.1.10 (aufgerufen: 22.1.10)

Fantastik-online: „Geschöpfe der Nacht und ihre Ursprünge im

Volksglauben“

http://www.fantastik-online.de/ (Artikel -> Fantasy)

Artikel von 1994 (aufgerufen: 24.1.10)

Wikipedia: „Horrorliteratur“

http://de.wikipedia.org/wiki/Horrorliteratur#.C3.9Cberblick_und_Entwickl

ung_des_Genres

vom 20.1.10 (aufgerufen: 22.1.10)

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vom 10.2.09 (aufgerufen: 22.1.10)

Literatur.de: „Horror- & Fantasyliteratur“

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br-online: „Geschichte des Vampirismus“

http://www.br-online.de/kultur/film/vampirfilm-

DID1243510523098/vampirfilm-vampire-vampirismus-

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vom 16.11.09 (aufgerufen: 22.1.10)

Vampyr-Journal: „Carmilla“

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(aufgerufen: 22.1.10) „Der Vampir“ Ossenfelder

http://web.uvic.ca/geru/487/ossenfelder.html

(aufgerufen: 22.1.10) Les Vampires: „Der Vampir“ http://www.lesvampires.org/ossenf.html (aufgerufen : 23.1.10) zeno.org: „XXXII Der Vampir“ http://www.zeno.org/Literatur/M/George,+Stefan/Gesamtausgabe+der+We

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+Vergeistigung/XXXII+Der+Vampir (aufgerufen: 23.1.10) abgedichtet: „Interpretation: Le vampir“

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vom 8.9.06 (aufgerufen: 23.1.10) alliteratus: „Vampire in der Kinder- und Jugendliteratur“ http://alliteratus.com/pdf/lg_fant_Vampire.pdf von Oktober 08 (aufgerufen: 26.1.10)