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F1 Funktionen (erster Teil)

Lineare Funktionen
030 Die Geradengleichung
a) Gerade durch den Koordinatenursprung: y = ax (Proportionalität)

P2 Definition der Steigung a

Δy Δy y 2 − y 1 P1 = ( x1 , y1 )
P1 a= =
Δx x 2 − x 1 P2 = ( x1 , y 2 )
Δx

(Die Lage der Punkte P1 und P2 auf der Geraden spielt keine Rolle, da alle „Steigungsdreiecke“
zueinander ähnlich sind und damit zum selben Wert der Steigung a führen.)

Hinweise: 1. Ist a>0, so steigt die Gerade (von links nach rechts)
Ist a<0, so fällt die Gerade
a
2. Die Funktion y = heisst Umgekehrte Proportionalität (Hyperbel, siehe F3 053)
x

b) Die allgemeine Geradengleichung: y = ax + b (allgemeine lineare Gleichung)

Die Gerade y = ax ist um den Wert b nach oben


(oder nach unten, falls b<0) verschoben worden.

c) Spezialfälle

Steigung a = 0 Steigung ist unendlich


y = b (konstante Funktion) Keine Funktion y=f(x)

031 Lineare Gleichungssysteme


Das Lösen eines Gleichungssystems bedeutet nichts anderes als das Bestimmen des Schnittpunktes der
zugehörigen Geraden

y = f1 ( x )

y = f1 ( x )
Lösung : ( x , y) = S
y = f2 ( x )
S
y = f2 ( x )

(Entsprechendes gilt für nicht lineare Gleichungssysteme, z.B. Schnitt zweier Parabeln)
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Quadratische Gleichungen, Funktionen und Ungleichungen

032 Quadratische Gleichungen 033 Quadratische Funktionen

Allgemeine quadratische Gleichung: Allgemeine quadratische Funktion:

ax 2 + bx + c = 0
! y = ax 2 + bx + c (a,b,c Parameter)
(Bestimmungsgleichung) (Zuordnungsvorschrift)

Lösungsmethoden: Graphen der quadratischen Funktionen:

1. Faktorzerlegung y = x 2 − 3x − 4
Diese Methode
x 2 − 3x − 4 = 0 funktioniert nur in Parabel
( x − 4)( x + 1) = 0 einfachen Fällen.
Man muss probieren.
x1=4 x2=-1
!
2. Quadratisches Ergänzen
x 2 − 3x − 4 = 0
x2= -1 x1=4
( x 2 − 3x + 49 ) − 9
4
−4=0

( x − 23 ) 2 = 25 Diese Methode ist in jedem


4 Fall anwendbar, aber etwas
x− 3
= ± 52 aufwändig und fehleranfäl-
2 lig.
x1=4 x2=-1
Scheitelpunkt S
3. Einsetzen in die Lösungsformel
Die Lösungen der quadratischen Gleichung sind
2 Herleitung durch quadr. die Nullstellen der zugehörigen quadratischen
− b ± b − 4 ac
x1,2 = Ergänzen der allgemei- Funktion! (Schnittpunkte mit der x-Achse)
2a nen Gleichung

Wie findet man den Scheitelpunkt S ?


x 2 − 3x − 4 = 0
− (−3) ± (−3) 2 − 4 ⋅ 1 ⋅ (−4) 1. Ausnützen der Symmetrie
x1,2 = Vorsicht bei den
Kennt man bereits die Nullstellen, so ist die x-Koordinate
2 ⋅1 Vorzeichen!
des Scheitelpunkts das arithmetische Mittel der beiden
Werte:
4 + ( −1)
x= = 1.5 Einsetzen in die Funktion ergibt y:
Anzahl reeller Lösungen einer quadratischen 2

Gleichung: y = 1.52 − 3 ⋅ 1.5 − 4 = −6.25

b2 − 4 ac > 0 ⇒ 2 reelle Lösungen 2. Durch Quadratisches Ergänzen


2
b − 4 ac = 0 ⇒ 1 reelle Lösung y = x 2 − 3x − 4
b2 − 4 ac < 0 ⇒ keine reellen Lösungen y = ( x 2 − 3x + 49 ) − 9
4
−4
3
2
Achtung: Im dritten Fall gibt es zwei komplexe Lösungen. y = ( x − 23 )2 − 25
4
Abbildungen: 25
4
Unser Rechner (Casio FX 9850) gibt diese an. Für uns
(Grundmenge R) bedeutet das aber L = { } Also S = ( 23 , −425 )

Beispiel: Wieviele Lösungen hat 3x 2 − bx + 3 = 0 ?


Durch quadratisches Ergänzen bringt man eine
b 2 − 4ac = b2 − 36 > 0 damit 2 Lösungen quadratische Funktion in die so genannte
Also: 2 Lösungen falls b>9 oder b<-9 Scheitelpunktform
1 Lösung falls b=9
y = ax 2 + bx + c → y = a ⋅ ( x − p) 2 + q
keine Lösung falls -9<b<-9
S = (p, q)
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Abbildungen von Funktionskurven

036 Translationen

Translationen (=Verschiebungen) in y-Richtung

f(x)+a Jeder y-Wert wird bei gleich bleibendem x-Wert um die


Verschiebung a erhöht (bzw. verringert).

y = f (x) ↑a
f(x)
y = f (x) + a

Beispiele: 1. y = 2x − 3 ↑7
y = 2x + 4

2. y = − x 2 + 1 ↓5
y = −x 2 − 4

Translationen in x-Richtung

Herleitung anhand eines Beispiels: Verschiebe die Kurve y = x 2 um 5 Einheiten nach rechts.

Wenn wir bei einem um z.B. 5 grösseren x-Wert die gleichen


y-Werte haben wollen wie vorher bei der Kurve y=x2, so
müssen wir vor dem Quadrieren bei jedem x-Wert 5 subtra-
hieren.
5
Somit: y = x2 →5
y = ( x − 5) 2
5

02 = 0 (5 − 5) 2 = 0
12 = 1 (6 − 5)2 = 1
Allgemein: y = f (x) →a
22 = 4 (7 − 5)2 = 4
y = f ( x − a)
x2 = y ( x − 5)2 = y

Ebenso: y = f (x) ←a
y = f ( x + a)

Beispiele: 1. y = 2x + 4 → 3 2. y = −2 x 2 − x ←5
y = 2( x − 3) + 4 2
y = −2( x + 5) − ( x + 5)
y = 2x − 2 y = −2 x 2 − 21 x − 55
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037 Spiegelungen
Spiegelung an der x- oder y-Achse
• Spiegelung an der x-Achse: Vorzeichen des y-Wertes
ändert.
y=f(-x) y=f(x)
y = −f ( x)
• Spiegelung an der y-Achse: Vorzeichen des x-Wertes
ändert.

y = f (− x )
y=-f(x)

Beispiele: 1. y = 3x + 4 ergibt y = − (3 x + 4 ) = − 3 x − 4

2. y = 2x 2 + x ergibt y = 2(− x )2 + (− x) = 2x 2 − x

Spiegelung an der Winkelhalbierenden y=x des ersten Quadranten


Dieser Fall wurde bereits im Abschnitt 012 (Umkehrfunktionen) behandelt:
Man vertausche x und y und löse nach y auf.

038 Affine Streckungen

Affine Streckungen in y-Richtung


Jeder y-Wert wird mit a multipliziert. x-Werte unverändert
y=a⋅f(x)

y = f (x) ba
a y = a ⋅ f (x)
y=f(x)
Beispiel: y = 2x 2 + 3 b5
y = 5 ⋅ (2 x + 3) = 10 x 2 + 15
2

Affine Streckungen in x-Richtung


Die Ueberlegung ist ähnlich wie bei der Translation in x-Richtung:
Wenn wir bei einem a-fachen x-Wert die gleichen y-Werte haben
y=f(x) y=f(x/a) wollen wie vorher bei der Kurve y=f(x), so müssen wir jedes x
durch a dividieren.
a
y = f (x) ↔a
y = f ( xa )

Beispiele: 1. y = −3x + 1 ↔2 ergibt y = −3( x ) + 1 = − 3 x +1


2 2

2. y = 2x 2 + 3 ↔ 1 ergibt y = 2(5x )2 + 3 = 50 x 2 + 3
5
Abbildungen von Funktionen: Zusammenfassung
Abbildung Symbol Rezept Beispiel: Kurve y = x 2 + 2x
Translationen
- Verschiebung um a nach oben Ersetze f(x) durch f(x)+a y = x 2 + 2x + 3
- Verschiebung um a nach unten Ersetze f(x) durch f(x)-a
- Verschiebung um a nach rechts Ersetze f(x) durch f(x-a) y = ( x − 3) 2 + 2( x − 3)

- Verschiebung um a nach links Ersetze f(x) durch f(x+a)


Affine Streckungen
- Streckung in y-Richtung mit Faktor a Ersetze f(x) durch a ⋅ f ( x ) y = 3 ⋅ ( x 2 + 2x )

- Streckung in x-Richtung mit Faktor a Ersetze f(x) durch f ( x ) y = ( x ) 2 + 2( x )


a 3 3

Spiegelungen
- Spiegelung an der x-Achse Ersetze f(x) durch –f(x) y = −( x 2 + 2x )
- Spiegelung an der y-Achse Ersetze f(x) durch f(-x) y = ( − x ) 2 + 2( − x )
Umkehrfunktion x = y 2 + 2y
- Spiegelung an der Winkelhalbierenden y=x x und y vertauschen, dann nach x = ( y + 1) 2 − 1 Quadr. ergänzt!
y auflösen ( y + 1) = x + 1
y = x +1−1

Andere Abbildungen lassen sich aus den oben aufgeführten zusammensetzen.


Beispiel: Man spiegle die Kurve y = x 2 + 2x am Koordinatenursprung (0,0)
y = x 2 + 2x
y = −( x 2 + 2x )
y = −((− x ) 2 + 2( − x )) = −( x 2 − 2x ) = − x 2 + 2x
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Potenzrechnung und Potenzfunktionen

039 Repetition bekannter Definitionen und Regeln


Exponent

Definition: an  a  a  a  ...  a (wobei n eine natürliche Zahl ist)

Basis n Faktoren

0
Zusätzlich definiert man, dass a  1 ist.

Rechenregeln für Potenzen:


Als Faustregel kann man sich merken, dass beim Rechnen mit Exponenten die Rechenoperation
immer um eine Stufe herabgesetzt wird:
Beispiele:

(1) am  an  am  n Multiplizieren von Potenzen (1) 23  2 4  27  128


 Addieren der Exponenten

am Dividieren von Potenzen 35


(2)  am  n (2)  32  9
an  Subtrahieren der Exponenten 33

(3) an  bn  (ab)n (3) ( 2 )2  ( 8 )2  ( 16 )2  4 2  16

3
n 123  12 
an a (4)     33  27
(4)   43  4 
n
b b

Fortgesetztes Potenzieren (5) (23 )2  26  64


(5) (an )m  anm
 Multiplizieren der Exponenten

Der Beweis dieser Regeln ist einfach:

(1) am  an  (a  a  ...  a)  (a  a  ...  a)  a  a  a  ...  a  am  n

n Faktoren m Faktoren n+m Faktoren

(5) (an )m  an  an  ...  an  anm

m Mal n Faktoren

m
Achtung: 1. Der Ausdruck an ist ohne Klammern nicht eindeutig definiert.
Insbesondere gilt:
a 
nm
 a(n
m)
2 
2 3
 4 3  64 aber 2(2
3)
 2 8  256

2. Häufigster Fehler im Umgang mit Potenzen:

(a  b)n  an  bn (Siehe Binomische Formeln!)


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040 Erweiterung des Potenzbegriffs

Im folgenden definieren wir, was unter Potenzausdrücken mit negativen und gebrochenen Exponenten zu
verstehen ist.
Grundsatz dabei: Die Erweiterung des Potenzbegriffs soll derart geschehen, dass die Rechenregeln aus
dem vorigen Abschnitt gültig bleiben.

Negative Exponenten

23 Regel (2)
222 1 1
 22 Notation ohne Potenzen:  
5 2  2  2  2  2 2  2 22
2

vergleiche!

1
Definition also: an  Beispiele: 32 
1 1
2.38  10  3  0.00238
23
 23  2 4  27
n  ; ;
a 3 2 9 24

Gebrochene Exponenten

1 Regel (5) 1 2 1
(a 2 ) 2  a2  a1  a Somit muss a 2  a sein Definition also:
1
1 Regel (5) 1 3 1
(a 3 ) 3  a3 1
a a Somit muss a3 3
 a sein an na

m
Was bedeutet an ? Gemäss Satz (1) und (5) können wir auf zwei Arten zerlegen:

m (1) 1 m (5) 1
an  an  (a n ) m  (n a )m m
 
Es spielt keine Rolle, ob man
m n
 n a  am
1
m
an
(1)

m 1
a n
(5)
 (am ) n  am
n an zuerst potenziert oder zuerst
die Wurzel zieht!

2 3 65
 1 1 1
2 2 0.65
Beispiele: 83 3
 ( 8)  2  4 ; 25 2    ; 2  2 100  (100 2 ) 65
3
(2 25 ) 3 125
25 2

Irrationale Exponenten 1

Mittels Intervallschachtelung lassen sich auch Ausdrücke von der Form 2  und 2 3
definieren
und auf Potenzausdrücke mit gebrochenen Exponenten zurückführen:

23.1  2   23.2 8.574  2   9.190 Intervallschachtelung:


23.14  2   23.15 8.815  2   8.877 Die linke Folge ist „monoton steigend“, die
2 3.141
2 2  3.142
8.821  2  8.827  rechte „monoton fallend“, und ihre Differenz
strebt gegen Null.

gemeinsamer Grenzwert 2   8.824977827


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042 Polynomfunktionen
Polynomfunktion n-ten Grades: y  an  x n  an 1  x n 1  ...  a1  x  a0

Die Graphen der Polynomfunktionen sind verwandt mit den entsprechenden Potenzfunktionen:

Potenzfunktion Polynomfunktion

y = x3 y = x3-4x = x(x-2)(x+2) y = x3+x2-6x = x(x-2)(x+3)

y = x4 y = x4-5x2+4 y = x4-3x2-2x = x(x-2)(x+1)2


= (x-1)(x-2)(x+1)(x+2)

y = x5 y = x5-2x4-4x3+8x2-3

 Eine Polynomfunktion besitzt das gleiche Grenzwertverhalten wie die entsprechende Potenzfunktion.
 Eine Polynomfunktion n-ten Grades besitzt bis zu n-1 Extremalstellen (Min/Max)
 Eine Polynomfunktion n-ten Grades besitzt bis zu n Nullstellen* (Schnittpunkte mit x-Achse)
Um die Nullstellen zu bestimmen, versucht man, die Polynomfunktion in Linearfaktoren zu zerlegen.
Eine Methode dazu ist die Polynomdivision (siehe 043).
*Tatsächlich gilt der folgende Fundamentalsatz der Algebra:
Jedes Polynom n-ten Grades kann in genau n Linearfaktoren zerlegt werden.
Dabei ist aber folgendes zu beachten:
- der gleiche Faktor kann mehrfach auftreten ("doppelte Nullstellen"
- in der Faktorzerlegung können komplexe Zahlen auftreten, d.h. in den Reellen Zahlen ist die vollständige
Zerlegung oftmals nicht möglich.
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043 Polynomdivision
Das Problem
Die Polynomdivision wird durchgeführt, wenn man einen Ausdruck der Form

Polynom 1
y= („Rationale Funktion“)
Polynom 2

vereinfachen möchte. Die Polynomdivision ist ein Hilfsmittel, das einem bei anderen Prob-
lemen die Arbeit erleichtert, insbesondere bei der Nullstellenbestimmung von Polynomen
oder zum Finden von Asymptoten bei Rationalen Funktionen.

Die Lösung
Zur Lösung der Aufgabe der Polynomdivision wendet man ein Verfahren an, welches dem
der schriftlichen Division von Zahlen gleicht, das folgende Form hat:

Bei der Polynomdivision geht man genau gleich vor. Geht die Division „nicht auf“, so notiert
man das Resultat am Schluss analog wie z.B. bei

2 (Siehe letztes Beispiel)


197 : 13 = 15 +
13

Beispiele
1. (x4-4x3+4x2+4x-5):(x2-1) = ?
Zunächst teilt man also x4 durch x2 und erhält x2. 2. (x3-x):(x-1) =?

(x5-1):(x2+x+1) = ?

Hier ist man fertig, denn der Rest -x-2 hat den Grad 1 und der Divi-
sor x2+x+1 hat den Grad 2. Diese Division geht also nicht auf, es
bleibt der Rest -x-2, welcher noch durch x2+x+1 zu teilen wäre.