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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung – die Standardtheorie der Generizität 5


1.1 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.2 Regeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.3 Die Standardtheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9
1.4 Prädikatsgenerizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
1.5 Nominale Generizität I: die Standardtheorie . . . . . . . . . . . 15
1.6 Nominale Generizität II: der 2-Domänen Ansatz . . . . . . . . . 18

2 Arten als sortale Konzepte – die kognitionspsychologische Perspek-


tive 21
2.1 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.2 Dinge in der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21
2.3 Kategorisierung und Individuierung . . . . . . . . . . . . . . . 24
2.4 Artbasierte Objektindividuierung . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
2.5 Sprachlicher Input als Auslöser? . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.6 Entwicklungsphasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
2.7 Arten als sortale Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2.8 Wie Arten existieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

3 Arten als ontologische Primitiva – die semantische Perspektive 41


3.1 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41
3.2 Artreferenz und Objektreferenz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
3.3 Arten als taxonomische Kategorien . . . . . . . . . . . . . . . . 46
3.4 Arten und Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48
3.5 Arten und Eigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
3.6 Chierchia’s (1998) Artbegriff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 53
3.7 Lexikalische und formale Semantik . . . . . . . . . . . . . . . 57

4 Raumzeitliche Lokalisierung – Type-Token Theorien der Generi-


zität 59
4.1 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59
INHALTSVERZEICHNIS 2

4.2 Drei-Klassen-Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
4.3 Zwei-Klassen-Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
4.4 Zum Begriff der Referentialität . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
4.5 Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

5 Indefinite Artreferenz – das Problem mit dem Kürbiscrusher 73


5.1 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73
5.2 Unterartreferenz und der Kürbiscrusher . . . . . . . . . . . . . 73
5.3 Indefinite NPn in Carlsonschen Objektprädikationen . . . . . . 75
5.4 Indefinite NPn in Carlsonschen Artprädikationen . . . . . . . . 77
5.5 Zwei Arten von Artprädikaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
5.6 Erfinden versus Aussterben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
5.7 Zur taxonomischen Lesart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
5.8 Wohletabliertheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
5.9 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

6 Lexikalische Prädikatsklassen – normale und Carlsonsche Art-


prädikate 91
6.1 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
6.2 Prädikatsklassen in der Standardtheorie . . . . . . . . . . . . . 92
6.3 Im Lexikon stehen nur generische Prädikate . . . . . . . . . . . 94
6.4 Die Stellvertreter-Lesart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
6.5 Kategorisierende Aussagen als Stellvertreter-Interpretationen . . 100
6.6 Kein Artbezug ohne Objektbezug . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
6.7 Carlsonsche Stadienprädikate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
6.8 Raumzeitliche Lokalisierbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
6.9 Die lexikalische Besonderheit Carlsonscher Artprädikate . . . . 114
6.10 Carlsonsche Artprädikate als Existenzprädikate . . . . . . . . . 118
6.11 Generische indefinite NPn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
6.12 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121

7 Overte und koverte Artikel – die Semantik von NPn im Rahmen


einer artbasierten DRT 123
7.1 Übersicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
7.2 Die Rolle overter Artikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124
7.3 Bildung komplexer Prädikate . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
7.4 Interne und externe Modifikation . . . . . . . . . . . . . . . . . 133
7.5 Attributive Adjektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
7.6 Die Funktion einer NP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
7.7 Der Nullartikel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142
7.8 Raumzeitliche Lokalisierung und frühstmögliche Anwendung . 144
INHALTSVERZEICHNIS 3

7.9 Existentiell interpretierte Bare plural NPn . . . . . . . . . . . . 147


7.10 Der Beitrag token-restringierender Modifikatoren . . . . . . . . 149
7.11 Chierchia’s und Krifka’s Erklärungen . . . . . . . . . . . . . . 152
7.12 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155

8 Generic and episodic copular sentences – kinds, objects and the se-
mantics of the copular verb 159
8.1 Overview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159
8.2 Referential and non-referential noun phrases . . . . . . . . . . . 160
8.3 Two meanings for the copular but only one lexical entry . . . . . 162
8.4 Geist on Russian identity sentences . . . . . . . . . . . . . . . . 165
8.5 The copular verb as a predicate maker . . . . . . . . . . . . . . 167
8.6 Nouns denote at two different ontological levels . . . . . . . . . 169
8.7 Examples of object-referring and kind-referring NPs . . . . . . 171
8.8 Kind-level predications and the Moby Dick problem . . . . . . 173
8.9 Predicational sentences . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180
8.10 Identificational sentences . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
8.11 Specificational sentences . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
8.12 Identity sentences . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198
8.13 Conclusions . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204

9 Generic and episodic copular sentences – two copular constructions


in Modern Hebrew 207
9.1 Overview . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
9.2 The general situation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 208
9.3 The distribution of the two constructions . . . . . . . . . . . . . 210
9.4 Greenberg’s (2002) analysis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214
9.5 The problem of kind-level predicates . . . . . . . . . . . . . . . 219
9.6 My alternative: a kind-based analysis . . . . . . . . . . . . . . . 224
9.7 Conclusions . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 229
INHALTSVERZEICHNIS 4
Kapitel 1

Einleitung – die Standardtheorie der


Generizität

1.1 Überblick

Dieses Einleitungskapitel hat den Zweck, einen Überblick über die semanti-
sche(n) Theorie(n) zu geben, auf die ich mich im Rahmen dieser Arbeit als die
“Standardtheorie” der Generizität beziehe. In Auseinandersetzung mit diesen
semantischen Positionen werde ich in den darauf folgenden Kapiteln meine ei-
genen Thesen entwickeln und darstellen.
Als Einstieg in dieses Kapitel dient die offensichtliche Beobachtung, dass,
wenigstens in einem intuitiven Sinn, durch generische Aussagen Regeln zum
Ausdruck gebracht werden (Abschnitt 2). Es stellt bekanntlich eine großes Pro-
blem dar, die Wahrheitsbedingungen solcher Regeln zu formulieren (Abschnitt
3). Die Standardtheorie unterteilt den Phänomenbereich der Generizität in den
Bereich der Prädikatsgenerizität (Abschnitt 4) und in den Bereich der nomi-
nalen Generizität (Abschnitt 5). Bezüglich der nominalen Generizität hat sich
in jüngerer Zeit eine theoretische Position etabliert, die sich “2-way distincti-
on approach” (Zamparelli) nennt, was ich auf deutsch als “2-Domänen Ansatz”
vorstelle (Abschnitt 6).

1.2 Regeln

Nicht selten begegnen einem Sprichwörter wie die Folgenden. Man beachte
die verschiedenen Typen von Nominalphrasen, die in diesen Sätzen jeweils das
Subjekt bilden:
(1) a. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
b. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
c. Die Männer sind alle Verbrecher.
1.2. REGELN 6

d. Böse Menschen kennen keine Lieder.


Was bedeuten diese Sätze? Diese Sätze sind im allgemeinen Sprachge-
brauch, weil sie für die Sprecher (in diesem Fall des Deutschen) relevante Bot-
schaften ausdrücken. Offensichtlich jedoch erschließen sich ihre Botschaften
nicht dadurch, dass man die Satzstrukturen dekomponiert und aus den jeweili-
gen wortwörtlichen Teilbedeutungen die Wahrheitsbedingungen rekonstruiert.
Wenn Sätze wie unter (1) geäußert werden, dann normalerweise nicht, um ih-
re wörtliche Bedeutung zu kommunizieren. Mit (1a) soll nicht behauptet wer-
den, dass Menschen, die ausschließlich Brot essen, wegen Mangelernährung er-
kranken und bald versterben. (1b) besagt nicht, dass Indianer keine Schmerzen
empfinden können. Ebensowenig besagt (1c), dass alle Männer das Strafgesetz
überschritten haben. Und mit (1d) soll natürlich nicht gesagt werden, dass böse
Menschen über kein Liedgut verfügen. Um beurteilen zu können, ob ein Satz
wie in (1) wahr oder falsch ist, darf man ihn nicht wörtlich verstehen.
Unter welchen Bedingungen sind diese Sätze wahr? Intuitiv gesagt bringen
Sprichwörter wie die unter (1) Regeln zum Ausdruck. Ob die Sprecher des Deut-
schen die Sätze für wahr oder falsch halten hängt davon ab, ob sie die behaupte-
ten Regeln als gültige Regeln akzeptieren oder nicht. Die durch ein Sprichwort
ausgedrückte Regel erschließt sich nicht durch wortwörtliche Dekomposition.
Betrachten wir die Beispiele. Die durch (1a) ausgedrückte Regel besagt, dass
Menschen nicht nur materielle Bedürfnisse haben, sondern auch spirituelle. (1b)
besagt, dass Menschen, die keine Schmerzen zeigen, wenn sie welche erleiden,
tapfer sind. Die durch (1c) ausgedrückte Regel besagt, dass Männer von Natur
aus moralisch verwerflich sind. (1d) drückt die Regel aus, dass wer singt ein
guter Mensch sein muss. In der Notation von Cohen (2001) k önnten die Regeln,
d.i. die Bedeutungen der Sprichwörter, etwa wie folgt formuliert werden1:
(2) a. !(Mensch(x) ⇒ hat-spirituelle-Bedürfnisse(x))
b. !(unterdrückt-Schmerzen(x) ⇒ tapfer(x))
c. !(Mann(x) ⇒ unmoralisch(x))
d. !(singt(x) ⇒ gut(x))
Sprichwörter sind also Sätze, die Alltagsregeln zum Ausdruck bringen. So
wie ein physikalisches Gesetz wahr ist, wenn sich die Prozesse der physika-
lischen Welt an dieses Naturgesetz halten, so kann eine Alltagsregel dann als
wahr angesehen werden, wenn sich die Prozesse der Erfahrungswelt des Men-
schen an diese Regel halten und ihr nicht widersprechen. Im Gegensatz zur
physikalischen Welt ist die Welt der Alltagserfahrung des Menschen allerdings
1
Cohen unterscheidet potentielle Regeln, die er als Implikation formuliert, von akti-
ven Regeln. Das Ausrufezeichen symbolisiert einen Operator, der eine Implikation auf
eine aktive Regel abbildet.
1.2. REGELN 7

nicht objektiv messbar. Deswegen handelt es sich bei den Gesetzen, die die All-
tagswelt regeln, auch nicht um Naturgesetze, sondern um soziale Normen (vgl.
Cohen 2001:196). Dies ist auch der Grund, warum es Ereignisse geben kann,
die den Regeln der Alltagserfahrung widersprechen, ohne dass es sich dabei um
Wunder handeln muss2. Dass sie an der objektiven Welt nicht direkt überprüft
werden können, ist ferner der Grund dafür, dass Sätze, die Alltagsregeln aus-
drücken, ideologisch ge- bzw. missbraucht werden können.
Sprichwörter wie in (1) drücken also Regeln aus, nach denen sich (angeblich)
der Lauf der Alltagserfahrungswelt des Menschen richtet. Charakteristisch f ür
Sprichwörter ist, dass sich die bezeichnete Regel nicht kompositional aus den
Bedeutungen der syntaktischen Konstituenten des betreffenden Satzes ergibt. Es
sind jedoch nicht nur Sprichwörter, die Alltagsregeln kodieren. Auch Sätze, de-
ren Bedeutungen sich sehr wohl durch Dekomposition in wortw örtliche Teilbe-
deutungen rekonstruieren lassen, können Regeln zum Ausdruck bringen. Man
kann dabei grundsätzlich zwei Sorten von Regeln unterscheiden. Die erste Sorte
betrifft solche Regeln, die auf der Basis von tatsächlich beobachtetem Verhalten
induziert werden. Bei diesen Regeln handelt es sich also um statistische Gene-
ralisierungen:
(3) a. Der Koalabär ernährt sich von Eukalyptusblättern.
b. Ein Indianer reitet ohne Sattel.
c. Die guten Anwälte sind teuer.
d. Kinder singen gerne.
Beobachtet man die Lebensweise von Koalabären, so stellt man fest, dass sie
sich ausschließlich von den Blättern des Eukalyptusbaums ernähren. Beobach-
tet man, wie Indianer reiten, so stellt man fest, dass sie dabei in der Regel (sic!)
keinen Sattel benutzen. Überprüft man verschiedene Anwälte in Hinblick dar-
auf, wie erfolgreich sie ihren Beruf ausüben, so stellt man fest, dass auch dort,
wo es um Gerechtigkeit geht, Qualität ihren Preis hat. Beobachtet man das Ver-
halten von Kindern, so stellt man fest, dass auffallend viele Kinder gerne und
häufig singen. Was die Sätze unter (3) ausdrücken sind eben diese festgestellten
Generalisierungen:
(4) a. !(Koalabär(x) ⇒ ernährt-sich-von-Eukalyptus(x))
b. !(Indianer(x) ⇒ reitet-ohne-Sattel(x))
c. !(guter Anwalt(x) ⇒ teuer(x))
d. !(Kind(x) ⇒ singt-gerne(x))
2 Als“Wunder” bezeichne ich hier Ereignisse, die physikalischen Naturgesetzen
zuwiderlaufen.
1.2. REGELN 8

Die zweite Sorte von Regeln sind keine Regeln, die aus dem konkret be-
obachteten Verhalten von Dingen in der Welt abstrahiert werden. Stattdessen
handelt es sich um Regeln, die mit der Schaffung einer neuen Dingkategorie
(einer neuen Züchtung, einer neuen Erfindung, einer neuen fiktionalen Figur,
etc.) “in diese hineingelegt” werden. Die Regeln dieser zweiten Sorte konstitu-
ieren die neue Kategorie und folgen deswegen per definitionem aus dem Wesen
der betreffenden neuen Kategorie:
(5) a. Die 50-Liter-Kuh gibt 50 Liter Milch pro Tag.
b. Eine Meerjunggfrau ist eine Frau mit einem Fischschwanz.
c. Die guten Menschen kommen in den Himmel.
d. Läufer ziehen diagonal.
Als Paradebeispiel kann (5d) gelten (vgl. Carlson 1995, Cohen 2002). Die
beobachtbare Bewegung eines Läufers wird durch eine Regel des Schachspiels
definiert. Es ist diese Regel, die der Satz ausdrückt. Wenn bei statistischen Ge-
neralisierungen gilt “aus dem Verhalten folgt die Regel”, dann gilt bei Defini-
tionen “aus der Regel folgt das Verhalten”. Die durch (5a) ausgedrückte Regel
besagt, dass Milchkühe einer bestimmten neuen, unter ökonomischem Druck
gezüchteten Art in der Laktationszeit bis zu 50 Liter Milch pro Tag geben. Auf-
grund dieser Eigenschaft, die ja der Zweck der Züchtung war, wird diese Milch-
kuhart 50-Liter-Kuh oder auch Turbokuh genannt. Bei (5b) handelt es sich um
eine linguistische Definition. Meerjungfrau ist wie Schimmel oder Junggeselle
ein Nomen, dessen Referenzbereich man sich nicht durch Anschauung des Ver-
haltens von Individuen in der Welt erschließt, sondern dadurch, dass man die
durch (5b) ausgedrückte Regel lernt. Noch nie konnte beobachtet werden, wie
jemand in den Himmel kommt. Deswegen kann es sich auch bei der durch (5c)
ausgedrückten Regel um keine statistische Generalisierung handeln. Stattdessen
haben wir es hier mit einer Regel zu tun, die die christliche Lehre bereithält, um
im Weltbild ihrer Anhänger die Kategorien ‘guter Mensch’ und ‘böser Mensch’
zu etablieren.
(6) a. !(50-Liter-Kuh(x) ⇒ gibt-50-Liter-pro-Tag(x))
b. !(Meerjungfrau(x) ⇒ Frau(x) & hat-Fischwanz(x))
c. !(guter Mensch(x) ⇒ kommt-in-den-Himmel(x))
d. !(Läufer(x) ⇒ zieht-diagonal(x))
Die Beispiele unter (3) bzw. (5) illustrieren zwei verschiedene Sorten von Re-
geln. Während es sich bei den Regeln in (4) um statistische Generalisierungen
handelt, handelt es sich bei den Regeln in (6) um Definitionen. Der Vorschlag,
den ich in dieser Arbeit machen möchte, ist nun folgender:
1.3. DIE STANDARDTHEORIE 9

Es ist für linguistische Fragestellungen irrelevant, ob eine Regel per


statistischer Generalisierung induziert wird oder ob sie als Definiti-
on postuliert wird. Linguistisch relevant ist lediglich, dass es Sätze
gibt, generische Sätze nämlich, die Regeln (dieser oder jener Sorte)
ausdrücken. Ich werde dafür argumentieren, eine Regel als eine Art-
prädikation aufzufassen.
Meine Sichtweise steht in gewissem Widerspruch zu dem, was man als
die gegenwärtige Standardauffassung der Generizitätsforschung nennen könnte.
Deswegen werde ich in dem verbleibenden Teil dieser Einleitung zunächst ein-
mal die Standardauffassung darstellen, bevor ich dann in den folgenden Kapi-
teln erläutere, was ich unter “Arten” verstehe und wie ich meinen Vorschlag,
Regeln als Artprädikationen zu betrachten, verstanden wissen will.

1.3 Die Standardtheorie

Die Grundidee der Wahrheitsbedingungssemantik lautet bekanntlich: Die Be-


deutung eines Satzes zu kennen heißt die Bedingungen zu kennen, unter de-
nen der Satz wahr ist. Kraft seiner Bedeutung diktiert jeder Satz demnach die
Umstände, unter denen er als wahr gilt. Ein kompetenter Sprecher beherrscht
das Regelsystem seiner Sprache so gut, dass er in der Lage ist, Sätze zu produ-
zieren, deren Wahrheitsbedingungen denen entsprechen, die er auch intendiert
hat. Wenn der Sprecher Sätze formt, dann komponiert er dabei, grob gesagt, aus
lexikalisch fixierten Wortbedeutungen Satzbedeutungen. Der kompetente Hörer
seinerseits beherrscht die Kunst, fertige Satzstrukturen semantisch zu dekompo-
nieren: er rekonstruiert Wahrheitsbedingungen dadurch, dass er die Satzstruktur
in ihre syntaktischen Teile zergliedert, sich die Bedeutungen dieser Teile aus
seinem lexikalischen Wissen erschließt und diese Bedeutungen dann nach Maß-
gabe ihrer syntaktischen Verknüpfung miteinander zur Satzbedeutung verrech-
net. Mit anderen Worten, die Fähigkeit des kompetenten Sprechers/Hörers zur
Komposition bzw. Dekomposition von Satzbedeutungen folgt dem sogenannten
“Fregeschen Kompositionalitätsprinzip” (hier in der Version von Krifka 2003):
The meaning of a complex expression is a function of the meanings of
its immediate syntactic parts and the way in which they are combined.
Doch generische Sätze stellen für die Wahrheitsbedingungssemantik ein no-
torisches Problem dar. Man betrachte die folgenden Sätze:
(7) a. Wellensittiche sind Papageienvögel.
b. Wellensittiche sind sprachbegabt.
c. Mein Wellensittich kann Englisch sprechen.
1.3. DIE STANDARDTHEORIE 10

d. Mein Nachbar kann Englisch sprechen.


Wenn man (7a) und (7b) vergleicht, stellt man fest, dass derselbe Ausdruck
Wellensittiche jeweils verschieden umfangreiche Mengen von Objekten deno-
tiert. In (7a) bezieht er sich auf ausnahmslos alle Wellensittiche, in (7b) hin-
gegen nur auf einen Teil, tatsächlich auf eine Minderheit aller Wellensitti-
che. Gleichzeitig sind beide Sätze wahr. Dass derselbe Ausdruck in so unter-
schiedlicher Weise denotiert, stellt eine der Voraussetzungen in Frage, auf de-
nen das Kompositionalitätsprinzips aufbaut. Einfach gesagt: damit die seman-
tische Komposition von Wortbedeutungen zu Satzbedeutungen vorhersagbaren
Bahnen folgen kann, müssen Wortbedeutungen über verschiedene syntaktische
Kontexte hinweg stabil sein. Offensichtlich beeinflusst jedoch der linguistische
Kontext in den Sätzen unter (7) die Interpretation des Ausdrucks: als Subjekt
des Prädikats sind Papageienvögel denotiert Wellensittiche anders als als Sub-
jekt des Prädikats sind sprachbegabt 3. Der Vergleich von (7c) und (7d) ergibt
etwas ganz Ähnliches. Wenn mein Wellensittich nur “Hallo” sagen kann, dann
freue ich mich und erzähle stolz, dass mein Wellensittich Englisch sprechen
kann. Wenn mein Nachbar auf Englisch nur “Hallo” sagen kann, dann sollte er
es aber besser gar nicht erst versuchen, sich auf eine Arbeitsstelle zu bewerben,
für die Englischkenntnisse Voraussetzung sind. Abstrahieren wir aus (7c) und
(7d) die Satzstruktur in (8):
(8) Er kann Englisch sprechen.
Wenn sich er auf einen Vogel bezieht, reicht die Fähigkeit, ein einziges eng-
lisches Wort auszusprechen aus, um den Satz (8) wahr zu machen 4 Wenn sich
er auf einen (erwachsenen) Menschen bezieht, reicht das nicht aus. Das zeigt,
auch hier beeinflusst der linguistische Kontext die Interpretation des Ausdrucks,
in diesem Fall des Prädikats. Abermals ist die kompositionale Semantik vor ein
Problem gestellt. Wie wird nun mit diesem Phänomen umgegangen?
Die Standardtheorie (Krifka et al. 1995) unterscheidet grundsätzlich zwei
Manifestationen von Generizität in natürlichen Sprachen:
3 Diese Beobachtung ist Carlson’s (1977) Hauptargument gegen eine Analyse von
Bare Plurals als Nominalphrasen mit einem koverten Quantifizierer G: “[I]n order to
know how to construe G, we must have knowledge of the particular predicate that is
being applied. No other quantifier in English behaves even remotely in a similar fashion”
(Carlson 1977:75).
4 Wem ein “Hallo” zu wenig ist, um einen Vogel als englischsprechenden Vogel anzu-
erkennen, der möge das Vokabular des Vogels in dem Beispiel entsprechend ergänzen.
Für das Argument ist nur entscheidend, dass wir unterschiedliche Maßstäbe dafür an-
legen, ob jemand Englisch sprechen kann oder nicht, je nachdem was dieser jemand
ist: ein Kind oder ein Erwachsener, ein Japaner oder ein Engländer, ein Vogel oder ein
Mensch.
1.4. PRÄDIKATSGENERIZITÄT 11

In the history both of philosophy of language and of linguistics, there


have been two quite distinct phenomena that have been referred to or
classified as ‘genericity’. The first is reference to a kind [. . . ] In this
usage a generic NP is an NP that does not refer to an “ordinary” in-
dividual or object, but instead refers to a kind [. . . ] The second phe-
nomenon commonly associated with genericity are propositions which
do not express specific episodes or isolated facts, but instead report a
kind of general property, that is, report a regularity which summarizes
groups of particular episodes or facts. (Krifka et al. 1995:2)
Katz & Zamparelli (2005) sprechen in diesem Zusammenhang von “nomi-
nal genericity” im Gegensatz zu “predicate genericity”. Die Subjekte in (7a)
und (7b) zeigen Fälle von nominaler Generizität, die Prädikate in (7c) und
(7d) zeigen Fälle von Prädikatsgenerizität. Während das Phänomen der nomi-
nalen Generizität also auf die ontologische Unterscheidung zwischen Arten und
“gewöhnlichen” Objekten zurückgeführt wird, macht die Standardtheorie im
Falle der Prädikatsgenerizität die Existenz eines koverten generischen Quan-
tors in der semantischen Struktur des betreffenden Prädikats für dessen generi-
sche Interpretation verantwortlich. Wenden wir uns zunächst dem Bereich der
Prädikatsgenerizität zu.

1.4 Prädikatsgenerizität

Nichtgenerische Prädikationen werden episodische Prädikationen genannt. (9)


zeigt einige englische Beispiele (nach Katz & Zamparelli 2005):
(9) a. Tweety is flying.
b. After he will have finished his dissertation, John will smoke a cigar.
c. A lion is eating raw meat.
d. John must smoke a pipe if he wants to play the role of Sherlock
Holmes.
Der Satz John must smoke a pipe in (9d) kann auch generisch verstanden
werden. In diesem Fall müsste John schon ein gewohnheitsmäßiger Pfeifen-
raucher sein, um die Rolle von Sherlock Holmes übernehmen zu können. Die
natürlichere Lesart ist aber die, nach der John lediglich auf der Bühne eine Pfei-
fe rauchen muss, um Sherlock Homes spielen zu können, also ohne dass er auch
selbst, d.h. außerhalb der Rolle, ein Pfeifenraucher sein muss. Dies illustriert,
dass episodische Prädikationen nicht auf indikative Kontexte beschränkt sind,
sondern prinzipiell auch in modalen (hier: deontisch-modalen) Kontexten auf-
treten können.
1.4. PRÄDIKATSGENERIZITÄT 12

Generische Prädikationen werden auch charakterisierende Prädikationen ge-


nannt. (10) zeigt Beispiele (eingebettet in einen epistemisch-modalen Kontext
wie in (10d) muss John must smoke a pipe generisch, d.h. als charakterisierende
Prädikation, verstanden werden):
(10) a. Birds fly.
b. John will smoke when he grows up.
c. A lion eats raw meat.
d. John must smoke a pipe given the type of ashes in the ash tray.
Innerhalb der charakterisierenden Sätze unterscheidet die Standardtheorie
wiederum zwei Sorten von Prädikationen. Die Beispiele in (10) exemplifizieren
sogenannte Gewohnheiten (“habituals”). Habituelle Prädikate in diesem Sinne
werden (fast) immer von einem Aktionsverb wie fly, eat, smoke etc. gebildet.
Hier ist die Annahme, dass das Verb kraft seiner lexikalischen Bedeutung par-
tikuläre Ereignisse denotiert, so dass es per Default zu einer episodischen In-
terpretation kommt. Unter besonderen Bedingungen jedoch, nämlich in generi-
schen Kontexten, kann dieser Default überschrieben werden. Dann erscheint ein
Generizitätsoperator in der semantischen Struktur des Prädikats und bindet das
Ereignisargument des Aktionsverbs, so dass das Pr ädikat nicht mehr episodisch,
sondern generisch interpretiert wird. Da das Auftreten des Generizitätsoperators
von keinerlei morphosyntaktischen Signalen begleitet wird, ist allein der Form
grundsätzlich nicht anzusehen, ob man es mit einem episodischen oder generi-
schen Prädikat zu tun hat.
Die zweite Sorte von charakterisierenden Prädikaten bilden sogenannte
lexikalisch-charakterisierende Prädikate. Katz & Zamparelli führen die folgen-
den Beispiele an:
(11) a. John knows French.
b. Fido is a dog.
c. Fido likes meat.
d. Dogs have four legs.
Auch diese Sätze berichten von einer Art allgemeiner Eigenschaft (“gene-
ral property”, vgl. das Zitat auf Seite 6), die den Subjektreferenten charakteri-
siert. Allerdings ist in diesen Fällen die Annahme unplausibel, dass die cha-
rakterisierende Interpretation durch eine Quantifikationsoperation über einer
einzelnen Episode zustandekommt. Was mit Aktionsverben funktioniert (die
Annahme einzelner Rauch-, Flieg- oder Ess-Ereignisse in der Ontologie ist
seit Davidson (1967) mehr oder weniger akzeptiert), ist für stative Verbalphra-
sen wie Französisch können, Hund sein, Fleisch mögen oder vier Beine ha-
ben problematisch. Was sollen wir uns z.B. unter einem einzelnen Französisch-
können-Ereignis vorstellen, dessen Habitualisierung uns zu der Bedeutung von
1.4. PRÄDIKATSGENERIZITÄT 13

Französisch können führt? Nicht zufällig gibt es kein Verb, dass auf solch ein
Ereignis referieren würde:
There is no episodic predicate which is morphologically related to
know French (this would be an episodic verb which denotes events and
which provides evidence that someone knows French), so the sentence
Italians know French is a lexical characterizing sentence. (Krifka et al.
1995:17)
Die Idee ist, dass im Falle lexikalisch-charakterisierender Sätze das Prädikat
von einem Verb (bzw. von einer Verbalphrase) gestellt wird, das seinem Argu-
ment in irgendeiner Weise automatisch eine charakterisierende Eigenschaft zu-
weist, so dass es nie zu einer episodischen Interpretation kommen kann. Chier-
chia (1995) hat sich diesbezüglich die raffinierte Analyse ausgedacht, wonach
die betreffenden stativen Prädikate kraft ihrer lexikalischen Bedeutung ein be-
stimmtes morphologisches Merkmal tragen, welches das Erscheinen des Gene-
rizitätsoperators in ihrer lokalen syntaktischen Umgebung erzwingt, so dass die
resultierenden Verbalphrasen immer nur generisch interpretiert werden können.
Fassen wir zusammen, wie die Standardtheorie das Phänomen der
Prädikatsgenerizität handhabt. Es wird davon ausgegangen, dass Prädikate im
“Normalfall” episodisch denotieren. Generisch interpretierte Prädikationen stel-
len Abweichungen vom Normalfall dar. Verantwortlich für die Abweichung
vom Normalfall ist immer die Anwesenheit eines Generizitätsoperators, zumeist
“GEN” genannt, in der semantischen Struktur. Allerdings gibt es für die Anwe-
senheit von GEN (zumindest im Englischen und Deutschen) keinerlei morpho-
syntaktische Evidenz. Als Quelle von GEN gilt entweder der Kontext (im Falle
von Aktionsverben) oder ein morphologisches Merkmal im Lexikoneintrag (im
Falle von stativen Prädikaten).
Wie wird durch die Annahme von GEN das Problem der Wahrheitsbedin-
gungen generischer Sätze gelöst? Die Antwort lautet: gar nicht. Wieviele engli-
sche Wörter oder Sätze müsste jemand sagen, damit wir ihm zubilligen würden,
dass er Englisch sprechen kann? Diese Frage wird nicht dadurch beantwortet,
dass man einen Generizitätsquantor postuliert. Sie wird erst dann beantwortet,
wenn man angibt, wie dieser Operator quantifiziert. Diese Information bleibt
die Standardtheorie jedoch schuldig, so dass generische Prädikationen für die
Wahrheitsbedingungssemantik nach wie vor ein ungelöstes Rätsel bleiben. Be-
trachten wir hierzu noch ein anderes, viel diskutiertes Beispiel:
(12) Fred raucht.
Der Satz soll generisch im Sinne von Fred ist ein Raucher (englisch: Fred
smokes) verstanden werden. Ich gehe davon aus, dass die generische Verbal-
phrase raucht und die Kopula-Prädikativ Konstruktion ist ein Raucher be-
deutungsidentisch sind. Was sind die Wahrheitsbedingungen von (12)? Wie
1.4. PRÄDIKATSGENERIZITÄT 14

oft muss Fred eine Zigarette rauchen, damit wir ihn als Raucher bezeichnen
würden? Einmal? Zehnmal? Jeden Tag einmal? Jeden Tag eine Schachtel?
Chierchia (1995) gibt die Wahrheitsbedingungen wie folgt an:
(13)  e [C(f,
GEN e) ] [ SMOKE(f, e) ]
    
Quantor Restriktor Nuklearer Skopus

Die Interpretation wird als dreigeteilte Quantifikationsstruktur aufgefasst.


Der Quantor ist der generische Quantor GEN, der über Ereignissen operiert,
und zwar über solchen Ereignissen, welche die im Restriktor angegebenen Be-
dingungen erfüllen. Die Struktur drückt aus, dass es sich immer dann, wenn
ein solches Ereignis vorliegt, um ein Rauchen-Ereignis mit Fred als Raucher
handeln muss. Letztere Information ist im Nuklearen Skopus notiert. Das Ge-
heimnisvolle sind die im Restriktor angegebenen Bedingungen, die sogenannten
Erfolgsbedingungen (“felicity conditions”) eines Ereignisses:
[W]e must bear in mind that each activity or state comes with a set
of “felicity” conditions. For example, in order for Fred to engage in
smoking, he must feel like it; that is, he must intend, or perhaps feel
compelled, to do it; he also must be in a place where there is enough
oxygen, he must not be asleep or disabled, and so on. So in evalua-
ting (12), we have to look at worlds similar to ours where the felicity
conditions for smoking are met. These felicity conditions are what pro-
vides a value for the variable C in the restriction. (12) is true iff in all
the worlds maximally similar to ours where the felicity conditions for
Fred’s smoking are met, he does smoke. (Chierchia 1995: 195; Num-
merierung angepasst)
Zwar haben die Wahrheitsbedingungen des Satzes jetzt eine Formalisierung
erhalten, wenn man jedoch ehrlich ist, muss man zugeben, dass damit kei-
ne besonders tiefgehenden Erkenntnisse verbunden sind. Was die Analyse be-
sagt ist: der charakterisierende Satz Fred raucht ist wahr genau dann, wenn
Fred immer dann raucht, wenn ihn nichts davon abhält – weder physikalische
Schranken noch die eigene Unlust. Das Interessante an einer charakterisieren-
den Prädikation ist aber damit überhaupt nicht erfasst. Ob ich Fred als Raucher
ansehe oder nicht, hängt davon ab, ob Fred mit seinem Verhalten die Bedin-
gungen erfüllt, die ein Mensch nach Maßgabe meiner Vorstellungen erfüllen
muss, um als Raucher zu gelten. Der Versuch, objektive Wahrheitsbedingun-
gen zu formulieren, ist sinnlos, weil es keine objektiven Kriterien für das Kon-
zept ‘Raucher’ gibt. Alles, was es gibt, sind konkrete reale Rauchen-Ereignisse
(Episoden) und Sprecher, die ihre Mitmenschen, abhängig davon, ob diese in
Rauchen-Ereignisse involviert sind oder nicht, in Raucher und Nichtraucher
einteilen. Wenn ein Sprecher zu dem Schluss gelangt, dass Fred ein Raucher
1.5. NOMINALE GENERIZIT ÄT I: DIE STANDARDTHEORIE 15

ist, dann hat das nichts damit zu tun, dass Fred eventuell manchmal keine Lust
hat zu rauchen oder dass er, wenn er schläft, nicht rauchen kann. Vielmehr hat
es was mit den subjektiven Kriterien des Sprechers zu tun und diese können
von Sprecher zu Sprecher variieren. Man stelle sich zwei Mütter vor, die ihre
Söhne (die beide Fred heißen) zufällig beim Rauchen erwischen. Für die ei-
ne bricht möglicherweise eine Welt zusammen, weil sie auf der Basis von nur
einem Rauchen-Ereignis das generalisierende Urteil fällt, dass ihr Fred ein Rau-
cher ist. Die andere weiß, dass das fast jeder Jugendliche mal ausprobieren will.
Sie schließt aus der beobachteten Episode nicht, dass ihr Fred ein Raucher wäre.
Mit anderen Worten, die Schwierigkeit, die die Wahrheitsbedingungsseman-
tik mit generischen Prädikationen hat, liegt darin begründet, dass sie sprachliche
Bedeutungen in reale Bedingungen übersetzen will, dass aber die Bedeutungen
generischer Ausdrücke gerade Abstraktionen von konkreten realen Bedingun-
gen sind.

1.5 Nominale Generizität I: die Standardtheorie

Im Bereich der nominalen Generizität verfolgt die Standardtheorie (Krifka et


al. 1995) einen gänzlich anderen Weg, um die Besonderheiten generischer Aus-
drücke zu erklären. Während eine generische Prädikation, wie gesehen, als
quantifizierende Struktur betrachtet wird, die einfach gesagt dadurch entsteht,
dass zusätzlich zu dem an sich nicht-generischen Ausdruck (dem Verb) ein Ge-
nerizitätsoperator erscheint, wird die Generizität einer Nominalphrase so er-
klärt, dass die betreffende Nominalphrase nicht auf ein gewöhnliches Objekt,
sondern auf eine Art referiert. Mit anderen Worten, nominale Generizität wird
auf einen ontologischen Unterschied zurückgeführt. Was ist das für ein Unter-
schied zwischen “gewöhnlichen” und “ungewöhnlichen” Entitäten? Um das zu
sehen, betrachte man Beispiel (14). Auf die Frage (14a) gibt der Berliner My-
kologe Dr. Ewald Gerhardt in einem Interview5 die sehr präzise Antwort (14b):
(14) a. Gibt es denn viele giftige Pilze?
b. Artenmäßig nicht, wir haben vielleicht zehn bis zwölf wirklich
tödlich giftige Pilzarten, aber die können individuenmäßig in einem
Wald häufig vorkommen.
Dr. Gerhardt hat bemerkt, dass die ihm gestellte Frage zweideutig ist, und be-
antwortet kurzerhand beide Lesarten. Man kann die Frage nach der Anzahl der
Entitäten der Kategorie ‘giftiger Pilz’ nämlich entweder “artenmäßig” oder “in-
dividuenmäßig” verstehen. Dr. Gerhardt erklärt, dass es relativ wenige giftige
Pilzarten gibt (gemessen an der Menge der bekannten Pilzarten), aber mitunter
5 Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 6. Nov. 2005, Nr. 44, S.16.
1.5. NOMINALE GENERIZIT ÄT I: DIE STANDARDTHEORIE 16

relativ viele giftige Pilzindividuen (gemessen an der Menge der Pilzindividuen


in einem Wald). Was der Pilzforscher verstanden hat, haben auch die Sprach-
wissenschaftler verstanden: Nominalphrasen können ihr Denotat grundsätzlich
sowohl in der Domäne der Objektindividuen, als auch in der Domäne der Arten
bestimmen. Wie man sich Artreferenz im Gegensatz zu Objektreferenz aller-
dings vorzustellen hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Als “Stan-
dardtheorie” werde ich hier weiterhin die Position von Krifka et al. (1995) dar-
stellen.
Die Standardtheorie folgt Carlson (1977) in der Annahme, dass es bestimm-
te Prädikate gibt, die Arten syntaktisch selegieren und diesen semantisch eine
Eigenschaft zuweisen. Das Paradebeispiel für ein solches Carlsonsches Art-
prädikat ist wohl das Verb aussterben. Eine wichtige Beobachtung, auf der
standardtheoretische Generalisierungen aufbauen, ist, dass definite und indefi-
nite Singular NPn im Argumentslot von aussterben unterschiedlich interpretiert
werden:
(15) a. Der Neandertaler ist ausgestorben.
b. Ein Neandertaler ist ausgestorben.
c. The dodo became extinct in the 17th century. [Krifka 2001]
d. A dodo became extinct in the 17th century.
Während mit (15a) eine Aussage über die Art ‘Neandertaler’ an sich gemacht
wird, muss (15b) offenbar so verstanden werden, dass eine Unterart der Art
‘Neandertaler’ ausgestorben ist. Dasselbe kann für das englische Beispielpaar
(15c) versus (15d) beobachtet werden. Aus diesem Unterschied leitet die Stan-
dardtheorie eine grundsätzliche Einteilung in zwei Klassen von artreferierenden
Nominalphrasen ab. Bezieht sich die NP auf die Art-an-sich, so hat man es mit
nicht-taxonomischer Artreferenz zu tun; bezieht sich die NP auf eine Unterart,
so hat man es mit taxonomischer Artreferenz zu tun. Im Englischen k önnen
nicht-taxonomisch referierende Artterme von definiten Singular-NPn oder von
Bare Plural-NPn gebildet werden (16), außerdem von Bare Singular Masseno-
men und Artnamen wie etwa homo sapiens. Als taxonomisch referierende Art-
terme treten hingegen indefinite Singular NPn, modifizierte definite Singular
NPn und Syntagmen aus Numeral plus Nomen, Demonstrativum plus Nomen
oder Quantor plus Nomen auf (17). Krifka et al. (1995) illustrieren dies anhand
der folgenden Beispiele:
(16) a. The panda will become extinct soon.
b. Pandas will become extinct soon.
(17) a. The dolphin is a whale.
b. The whale which was most recently put under protection is the
blue whale.
1.5. NOMINALE GENERIZIT ÄT I: DIE STANDARDTHEORIE 17

c. Two whales, namely the blue whale and the fin whale, were put
under protection.
d. This whale, namely the blue whale, is nearly extinct.
e. Every whale (from the pygmy whale to the blue whale) is protected
by law.
Für die Standardtheorie stellt diese Verteilung der Formen auf die Funktionen
die englische Variante eines übereinzelsprachlichen Prinzips dar; abhängig von
ihren jeweiligen grammatischen Regeln bilden andere Sprachen andere Muster.
Worin dieses Prinzip besteht beschreibt Krifka (2001) wie folgt. Man beachte,
dass auch hier wieder, wie im Bereich der Prädikatsgenerizität, die nichtgeneri-
sche Verwendung eines Ausdrucks als primär (“basically”) angesehen wird:
[T]ypically, natural languages use expressions that basically apply to
specimens of a kind (common nouns, also called appellativa) also to
refer to the kind itself. [. . . ] Also, natural languages use expressions
that basically apply to specimens of a kind to refer to subkinds. This
re-use of common nouns appears to be widespread in human languages.
But the specific ways how languages make use of common nouns to re-
fer to kinds (or subkinds) depend on general features of their grammar,
and can vary considerably. (Krifka 2001:1-2)
Ein zum Zwecke der Artreferenz benutztes Nomen ist nach Krifka’s Mei-
nung also so was wie ein recyceltes Nomen: eigentlich dem Zweck der Ob-
jektreferenz dienend, können Nomen, wenn sie schon mal da sind, auch als
Mittel zur Artreferenz “wiederbenutzt” (re-use) werden. Natürlich sind es nicht
Nomen, sondern Nominalphrasen, die als referierende Ausdr ücke benutzt wer-
den. Nominalphrasen zeichnen sich durch eine mehr oder weniger komplexe
morphosyntaktische Struktur aus, welche durch die grammatischen Regeln ei-
ner gegebenen Sprache bestimmt ist. Nach Krifka’s Vorstellung ist es nun so,
dass sich die grammatische Form einer Nominalphrase, d.h. die morphosyntak-
tischen Markierungen, die ein Nomen “begleiten”, zu ihrem eigentlichen Zweck
der Objektreferenz herausgebildet haben. Dieser Umstand, dass die Form ei-
ner Nominalphrase einerseits an den Bedingungen der Objektdenotation aus-
gerichtet ist, andererseits jedoch – quasi zweckentfremdet – auch artbezogen
verwendet werden kann, führt dazu, dass sich bestimmte morphosyntaktische
NP-Typen mit bestimmten artreferentiellen Funktionen nicht vertragen. So ist
z.B. die Referenz auf die Art ‘Neandertaler’ mittels der indefiniten NP ein Ne-
andertaler ausgeschlossen und es muss auf eine andere Interpretation, n ämlich
auf die taxonomische Interpretation, ausgewichen werden. Um auf die Art ‘Ne-
andertaler’ zu referieren bleiben nur die definite Singular-NP der Neandertaler
und die Bare Plural-NP Neandertaler.
1.6. NOMINALE GENERIZIT ÄT II: DER 2-DOMÄNEN ANSATZ 18

1.6 Nominale Generizität II: der 2-Domänen Ansatz

In jüngerer Zeit wurden vereinzelt Zweifel an diesem Bild laut. Speziell Zampa-
relli (1998) und Dayal (2004) treten für eine “Emanzipierung” der Artdomäne
ein. Ihre Idee ist, dass Nomen grunds ätzlich entweder Mengen von Objekten
oder Mengen von Arten denotieren können. Objektbezug wird nicht länger als
primär betrachtet. Stattdessen stehen die Artdomäne und die Objektdomäne
gleichberechtigt als mögliche semantische Bezugsdomänen für ein Nomen be-
reit. Der Vorteil dieser Sichtweise ist, dass so eine einheitliche semantische Ana-
lyse des definiten Artikels im Englischen möglich wird. Die Standardtheorie ist
gezwungen, eine “normale”, objektbezogene Verwendung des definiten Artikels
von einer “besonderen”, artbezogenen Verwendung zu unterscheiden. Neben
dem normalen definiten Artikel, dessen Bedeutung darin besteht, eine Menge
von Objekten auf ein Element dieser Menge, nämlich das maximale Element,
abzubilden, muss ein homomorpher generischer Artikel angenommen werden 6 .
In Zamparelli’s und Dayal’s System gibt es dagegen nur einen definiten Artikel,
dessen Bedeutung darin besteht, eine Menge von Entitäten – seien es Objek-
te oder Arten – auf ihr maximales Element abzubilden. Eine solche Analyse
setzt voraus, dass ein jedes Nomen das semantische Potential hat, entweder ei-
ne Menge von Objekten oder eine Menge von Arten zu charakterisieren.
Welche Artenmenge denotiert nun ein Nomen? Katz & Zamparelli (2005)
schlagen vor, von den folgenden zwei Annahmen auszugehen:
(i) Nouns can denote (more or less salient) sets of subkinds.
(ii) The set of subkinds includes the superkind.
Akzeptiert man diese Annahmen, dann kann die semantische Komposition
einer generisch verwendeten definiten Singular-NP so verstanden werden, dass
der definite Artikel die durch das Nomen charakterisierte Menge der Unterarten
(die ja die Superart enthält) auf ihr maximales Element, die Superart, abbildet.
Im Ergebnis steht eine definite Nominalphrase, die sich im Einklang mit den
Tatsachen auf die Art-an-sich bezieht:
(18) a. [[tiger]] = {‘tiger’, ‘Caspian tiger’, ‘Sumatra tiger’, ‘Bengali tiger’,
‘Amur tiger’, . . . }
b. [[the tiger]] = ‘tiger’
Diese Analyse erfasst die artreferierenden Verwendungen der Nominalphrase
the tiger in Beispielen wie den folgenden:
6
Einer unter Syntaktikern verbreiteten Meinung nach verfügt der generische defini-
te Artikel über keine eigene lexikalische Bedeutung, sondern fungiert als syntaktisches
Explitivum (vgl. Vergnaud & Zubizarreta 1992; Longobardi 1994).
1.6. NOMINALE GENERIZIT ÄT II: DER 2-DOMÄNEN ANSATZ 19

(19) a. The tiger is a tiger.


b. *The tiger is a subkind of tiger.
c. The tiger is a (subkind of) mammal.
d. The tiger is nearly extinct.
Darüber hinaus ist diese semantische Analyse ohne Schwierigkeiten auch auf
definite Plural-NPn anwendbar. Man muss lediglich das Pluralmorphem als syn-
taktische Manifestation eines Operators auffassen, der eine Menge von Singu-
laritäten (hier: Subarten) auf eine Menge von Pluralitäten abbildet (vgl. z.B.
Chierchia 1998). Als maximales Element einer durch ein Pluralnomen charak-
terisierten Menge kann dann plausiblerweise die maximale Pluralität, d.i. dieje-
nige, die die meisten Singularitäten umfasst, gelten. Diese Pluralität von Subar-
ten stellt dann den Referenten einer Nominalphrase wie der Subjekt-NP in (20)
dar:
(20) The tigers belong to the cat family.
Der von Zamparelli und Dayal vertretene “2-way distinction approach”
(Zamparelli 2002) erlaubt eine kompositionale Analyse, bei der der semantische
Beitrag des definiten Artikels stets ein- und derselbe ist, unabhängig davon, ob
die definite NP objektbezogen oder generisch interpretiert wird. Weil “2-way
distinction approach” etwas umständlich klingt, spreche ich im Folgenden vom
“2-Domänen Ansatz”. Dayal beschreibt diesen Ansatz so:
The proposal I make in connection to the definite singular generic is
that there is nothing special about the determiner. It is the common
noun that has two possible denotations, one in the object domain, the
other in the taxonomic domain. (Dayal 2004:396)
Wenn man Referenz auf die Art-an-sich als Referenz auf die Oberart einer
durch das Nomen charakterisierten Artenmenge modelliert, wird die von Krif-
ka et al. (1995) getroffene Unterscheidung zwischen nicht-taxonomischer und
taxonomischer Artreferenz hinfällig. Jede Artreferenz ist taxonomische Refe-
renz; Referenz auf die Art-an-sich stellt lediglich einen Spezialfall dar. Dies
ist der Grund, weshalb Dayal von der Artdomäne auch als der “taxonomischen
Domäne” spricht. Dayals Vorschlag geht noch weiter als der Zamparelli’s. Sie
möchte nicht nur den definiten Artikel, sondern gleich alle Determinierer im
Rahmen des 2-Domänen Ansatzes analysieren:
All determiners can combine with both meanings of the common noun.
In the first case they yield the familiar readings, in the second case
the taxonomic readings. The singular kind is simply an instance of a
taxonomic noun phrase. It is therefore to be expected that it can occur
1.6. NOMINALE GENERIZIT ÄT II: DER 2-DOMÄNEN ANSATZ 20

with definite as well as indefinite determiners in English, depending on


its status as a familiar or novel entity in the discourse. (Dayal 2004:396)
Dass jeder morphosyntaktische NP-Typ im Englischen eine artbezogene In-
terpretation erlaubt, illustriert Dayal mit den folgenden Beispielen:
(21) a. The whale is a mammal.
b. A lion roars.
c. The crustaceans evolved simultaneously.
d. Crustaceans can evolve simultaneously.
Dayal’s Erwartung, dass “singular kinds” (=Referenz auf die Art-an-sich) im
Englischen auch mit einer indefiniten NP möglich ist, steht im Widerspruch zu
der Meinung der Standardtheorie, die sich durch solche Daten wie (15b) oder
(15d) begründet. Dayal bleibt die Antwort schuldig, warum in (15b) und (15d)
der Bezug auf die Art ‘Neandertaler’ bzw. ‘Dodo’ mittels einer indefiniten NP
ausgeschlossen ist. Die Standardtheorie läßt sich zudem durch ein Beispiel wie
(21b) nicht überzeugen, weil sie das Subjekt a lion in diesem Fall als Objektterm
im Skopus eines Generizitätsquantors ansieht. Dieser Themenkomplex wird im
Detail in Kapitel 5 wiederaufgenommen.
Kapitel 2

Arten als sortale Konzepte – die


kognitionspsychologische Perspektive

2.1 Überblick

Die Möglichkeit einer generischen Verwendung sprachlicher Ausdrücke, insbe-


sondere nominaler Ausdrücke, wird in bestehenden Semantiktheorien dadurch
erklärt, dass man außer von konkreten Entitäten auch von abstrakten Entitäten,
Arten, als möglichen Referenten sprachlicher Ausdrücke ausgeht (vgl. Kapitel
1). Ich plädiere in dieser Arbeit dafür, Arten als sortale Konzepte aufzufassen.
Diese Position zu motivieren dient das vorliegende Kapitel. Darin berichte ich
aus der aktuellen kognitionspsychologischen Forschung, um darauf hinzuwei-
sen, wie und zu welchem Zweck Arten als sortale Konzepte entstehen – nämlich
gewissermaßen als “mentaler Katalog”, um die real existierenden Objekte zu
kategorisieren und zu individuieren (Abschnitte 3 bis 7). Arten als mentale,
d.h. nicht raumzeitlich lokalisierte Entitäten “existieren” folglich in einer ande-
ren Weise als reale, raumzeitliche Objektentitäten existieren. Objekte existieren
raumzeitlich, sortale Konzepte jedoch existieren nicht in Raum und Zeit. Inter-
essanterweise ist die Bedeutung des natürlichsprachlichen Prädikats existieren
auf raumzeitliches Existieren beschränkt. So versteht es sich, dass Objekte in
diesem allgemeinsprachlichen Sinne existieren können (ich, zum Beispiel, exi-
stiere). Was aber heißt es, wenn gesagt wird, eine Art existiere? Die Beantwor-
tung dieser Frage bildet den Rahmen dieses Kapitels (Abschnitte 2 und 8).

2.2 Dinge in der Welt

Der Zweck sprachlicher Äußerungen liegt in der Kommunikation von Sachver-


halten. Das jedenfalls ist eine Annahme, von der ich in der vorliegenden Arbeit
ausgehe. Der Sprecher formuliert einen Satz in der Absicht, den Hörer über
2.2. DINGE IN DER WELT 22

eine bestimmte, berichtenswerte Konstellation der Dinge in der Welt zu infor-


mieren1. Wenn die Bedeutung eines Satzes eine Konstellation von Dingen bein-
haltet, dann muss sich die Satzbedeutung aus zwei semantischen Komponenten
zusammensetzen. Die erste Komponente liefert die Information über ein Ding
(oder mehrere Dinge), die zweite Komponente liefert die Information darüber,
in welcher Konstellation dieses Ding (oder diese Dinge) zu anderen Dingen
in der Welt stehen. Die erste Komponente informiert über den Redegegenstand
(auch Topik genannt). Die zweite Komponente informiert über eine Eigenschaft.
Mit der Wahl der Eigenschaft behauptet der Sprecher, dass der Redegegenstand
diese Eigenschaft nach Maßgabe der Welt trägt. Auf der Seite der sprachlichen
Struktur ergibt sich daraus die Aristotelische Auffassung, wonach ein Aussa-
gesatz stets aus mindestens zwei Konstituenten besteht: einem Ausdruck, der
den Redegegenstand symbolisiert und einem Ausdruck, der eine Eigenschaft
symbolisiert. Mit anderen Worten, Sätze sind durch eine Prädikat-Argument-
Struktur gekennzeichnet.
Ein mittels eines Satzes kommunizierter Sachverhalt besteht also zumindest
aus einem Ding und einer Eigenschaft, die dieses Ding trägt. Betrachtet man
nun konkrete Sätze, z.B. des Deutschen, so stellt man sehr bald einen seltsa-
men Kontrast fest: was formal gesehen ein und derselbe Argumentausdruck zu
sein scheint, bezieht sich in manchen Fällen auf ein reales, raumzeitlich lokali-
siertes Ding und in anderen Fällen auf ein abstraktes, nicht raumzeitlich loka-
lisiertes Ding. Sprechen wir im zweiten Fall provisorisch von Referenz auf das
“Ding-an-sich”, unabhängig von jeglicher konkreten situativen Einbettung. Die
Sätze unter (1) werden im Normalfall so verstanden, dass sie jeweils über einen
konkreten Hund bzw. einen konkreten Indianer berichten. Im Gegensatz dazu
werden die Sätze unter (2) im Normalfall so verstanden, dass sie sich auf den
Hund-an-sich bzw. den Indianer-an-sich beziehen.
(22) a. Der Hund gehört zur Familie Butenschön.
b. Ein Indianer reitet gerade durch die Prärie.
(23) a. Der Hund gehört zur Familie der Canidae.
b. Ein Indianer reitet ohne Sattel.
Innerhalb der gegenwärtigen Semantiktheorien nennt man raumzeitlich loka-
lisierte Dinge üblicherweise “Objekte”, während Dinge-an-sich ohne konkre-
ten Raum-Zeit-Bezug als “Arten” bezeichnet werden. So unterscheidet Krif-
1 Genauer muss es heißen: einen Deklarativsatz. Ich lasse Fragesätze (die der Spre-
cher formuliert um zu erreichen, dass der Hörer ihn über eine bestimmte ihm zumin-
dest nicht vollständig einsehbare Konstellation der Dinge in der Welt informiert) und
Imparativsätze (die der Sprecher formuliert, um den Hörer zu einer Manipulation der
Konstellation der Dinge in der Welt zu bewegen) außer Betracht.
2.2. DINGE IN DER WELT 23

ka (1995) beispielsweise terminologisch zwischen “realen Objekten” und “ab-


strakten Arten”. Eine Komplikation ergibt sich daraus, dass ausgerechnet der
Pionier der theoretisch-linguistischen Artforschung eine etwas andere Termino-
logie vertritt: für Carlson (1977) sind “Objekte” nicht raumzeitlich lokalisierte
Entitäten, sondern bilden zusammen mit den “Arten” die Domäne der abstrak-
ten “Individuen”. Diesen abstrakten “Individuen” stehen als raumzeitlich loka-
lisierte Entitäten die sogenannten “Stadien” gegenüber. Carlson’s Theorie wird
im Detail in Kapitel 2 diskutiert. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit folge ich
der Krifkaschen Terminologie.
Es ist eine unter Semantikern verbreitete Auffassung, dass der in (1) ver-
sus (2) beobachtete Kontrast darauf zurückzuführen ist, dass es grunds ätzlich
zwei Sorten von Dingen gibt, die ein Sprecher zum Redegegenstand seiner
Aussage machen kann, nämlich erstens Objekte und zweitens Arten. Diese Er-
klärungsstrategie besteht, mit anderen Worten, darin, den Bedeutungskontrast
durch einen ontologischen Kontrast zu erklären. Ich werde mich dieser Position
anschließen. Weit weniger Einvernehmen herrscht jedoch darüber, was für En-
titäten Arten im Gegensatz zu Objekten eigentlich sind. Was bedeutet es, wenn
behauptet wird, eine bestimmte Art würde in der Welt “existieren”?

(24) a. Das Schnabeltier existiert wirklich. Es lebt im Osten Australiens


und in Tasmanien, einer großen Insel s üdlich von Australien.
b. Loriots “Steinlaus” existiert tatsächlich - dies behauptet zumindest
ein deutscher Mikrobiologe.
c. Tim Davenport, ein Zoologe von der Wildlife Conservation Socie-
ty in Tansania, war sich nicht sicher, ob er den Erz ählungen von
den laut rufenden Affen trauen sollte, denn die einheimischen Jäger
kennen viele Geschichten von tierartigen Spukwesen. Doch dieser
Affe existierte tatsächlich. Die Forscher übernahmen den Namen,
den die Bewohner des Hochlandes im Süden Tansanias dem Tier
gegeben hatten, und nannten die Affenart “Lophocebus kipunji”.
d. Die Fünfzig-Cent-Münze existiert tatsächlich, ist aber so etwas
wie ein Phantom. Kein Automat nimmt sie und man kann sein gan-
zes Leben verbringen ohne je eine in der Tasche gehabt zu haben.

Was bedeutet es für eine Art zu existieren? Diese Frage ist keine genuin lin-
guistische Frage mehr. Ihre Beantwortung hat jedoch Konsequenzen f ür die Be-
wertung jeder artbasierten Theorie, die sich zum Ziel setzt, semantische Kon-
traste wie in (1) und (2) zu erklären. Deshalb ist es zweckmäßig, wenn ich an
dieser Stelle zumindest kurz darstelle, welchen Art- bzw. Objektbegriff ich mei-
ner Arbeit zugrunde lege.
2.3. KATEGORISIERUNG UND INDIVIDUIERUNG 24

2.3 Kategorisierung und Individuierung

Carlson beschreibt in seiner Dissertation folgende Situation:


You are on a picnic and have begun to eat. Out of the bushes pops a
ground squirrel, which you throw a scrap of food to. It eats and disap-
pears into the bushes. A few moments later, from another direction, a
ground squirrel pops out of the bushes. Since all ground squirrels look
pretty much alike (at least to me), there is no way of telling whether or
not this second appearance of a ground squirrel is another one, or the
same as before. In any event, you feed the second one (the first one?),
and it scambers off into the bushes. This process is repeated several
times, with only one ground squirrel appearing at a given time, and all
appearances seeming quite alike. At this point, you might become cu-
rious as to whether or not you have been witnessing appearances of the
same ground squirrel, or of several. (Carlson 1977:113)
“Erscheinungen” sind trivialerweise immer raumzeitlicher Natur: Wenn ei-
nem etwas erscheint, so stets eingebettet in die spezifische Situation (in den
spezifischen Raumzeitausschnitt), in der man sich gerade befindet. Dabei kann
es sich z.B. um ein Picknik an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten
Zeit handeln. Eine Erscheinung als ein Eichhörnchen zu erkennen resultiert
aus der kognitiven Leistung der (Objekt-) Kategorisierung. Handelt es sich bei
der Erscheinung tatsächlich um ein Eichhörnchen, so hat man erfolgreich, d.h.
in Übereinstimmung mit den Tatsachen, kategorisiert und ist nicht etwa einer
Täuschung aufgesessen. Eine Erscheinung zu kategorisieren bedeutet ein raum-
zeitliches Individuum als Instanz einer bestimmten Art zu identifizieren.
Eine andere kognitive Leistung besteht darin, zwei als Instanzen derselben
Art kategorisierte Erscheinungen als ein- und dieselbe Instanz zu identifizie-
ren. Die durch Carlson’s Beschreibung der Picknikszene aufgeworfene Frage
– ob es sich bei den immer neuen Eichhörnchenerscheinungen um dasselbe
Eichhörnchen handelt oder um verschiedene – ist die Frage nach der Objekt-
Individuierung (object individuation, vgl. Xu 2005).
Gelangt man zu dem Schluss, dass es sich immer wieder um ein- und dasselbe
Eichhörnchen handeln muss, so hat man ein Objekt individuiert. Handelt es sich
tatsächlich um ein- und dasselbe Eichhörnchen, so hat man in Übereinstimmung
mit den Tatsachen individuiert. Kategorisierung bedeutet, die Identität eines Ob-
jekts als Instanz einer Art zu erkennen. Individuierung bedeutet, die Identität
eines Objekts als Objekt wiederzuerkennen. Es versteht sich von selbst, dass
die Fähigkeit, ein Objekt wiederzuerkennen, für uns Menschen von zentraler
Bedeutung ist. Einen nicht unwesentlichen Teil unserer Erfahrungswelt bilden
Objekte, deren Existenzdauer viel größer als jene Zeitspanne ist, während der
2.3. KATEGORISIERUNG UND INDIVIDUIERUNG 25

wir ihnen im Alltag typischerweise begegnen. Ein Objekt, dessen Existenzzeit


(viel) größer als die “typische Begegnungszeit” ist, kann einem im Laufe des
Lebens (der eigenen Existenzzeit) mehrfach begegnen. Genau das passiert im
Menschenleben sehr oft2:
[H]uman adults are commited to a world populated with individuals
(people, objects, or events) that persist – we may encounter Joe Schmoe
on both Monday and Wednesday; we may sit in the same office chair
everyday of the week; and we may go to the first and ninth innings of
the same baseball game (Xu 2005:4)
Carlson (1977) benutzt die Picknikszene, um die ontologischen Basiskate-
gorien einzuführen, auf denen er seine semantische Theorie begründet. Die Er-
scheinungen eines Eichhörnchens nennt er “Stadien” (stages). Stadien sind für
Carlson die einzigen wahrhaften, raumzeitlichen Entitäten: die Welt manife-
stiert sich in Raum und Zeit in Form von Stadien. “Objekte” sind für Carlson
das Ergebnis einer kognitiven Abstraktionsleistung. Indem der Mensch Serien
von Stadien zu Individuen höherer Abstraktionsstufe zusammenfasst, konstru-
iert er Dinge, die neben den Dingen der realen, raumzeitlichen Welt, d.i. den
Stadien, eine eigene ontologische Domäne bilden – und dadurch zu möglichen
Referenten sprachlicher Ausdrücke werden. Die Domäne der “Arten” schließ-
lich ist für Carlson das Ergebnis einer weiteren Abstraktion, bei der eine Menge
von Stadien und Objekten zu einem neuen Ding, einer Art, zusammengefasst
werden.
Welche Stadien genau zu einem Objekt zusammengefasst werden bzw. wel-
che Stadien und Objekte zu einer Art zusammengefasst werden, das ist laut
Carlson kein sprachliches Problem und braucht den Semantiker deswegen
streng genommen nicht zu interessieren (vgl. Carlson 1977:104). Entschei-
dend für den (Wahrheitsbedingungs-)Semantiker ist nicht, wie ontologische
Domänen zustande kommen, sondern einzig und allein, dass sie zustande kom-
men. Es gibt eine Stadiendomäne, eine Objektdomäne und eine Artdomäne und
die Sachverhalte, auf die sich Sätze semantisch beziehen, können als Konstella-
tionen von Stadien und/oder Objekten und/oder Arten beschrieben werden. Mit
anderen Worten, in der für sprachliche Bezugnahme relevanten Carlsonschen
Ontologie (“Welt”) existieren Stadien, Objekte und Arten Seite an Seite. Was
ein Satz wie z.B. das Schnabeltier existiert zum Ausdruck bringt ist demnach,
dass in der für den sprachlichen Bezug relevanten Welt ein Individuum der on-
tologischen Sorte Art, speziell die Art ‘Schnabeltier’, existiert.
Meine Grundannahmen weichen von denen Carlsons in wesentlichen Punk-
ten ab. Ich gehe davon aus, dass sich die Welt in Raum und Zeit in Form von
2 Wenn ich Xu (2005) zitiere, gebe ich Seitenzahlen gemäß des Aufsatzes an, der auf
Fei Xu’s Homepage verfügbar ist.
2.4. ARTBASIERTE OBJEKTINDIVIDUIERUNG 26

Objekten manifestiert. Objekte entstehen zu einem Zeitpunkt an einem Ort, exi-


stieren für eine Weile entlang eines kontinuierlichen räumlichen Pfades und ver-
schwinden zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Selbst ein Objekt, navigieren
wir unser Leben lang durch diese Welt der Objekte. Als vorteilhaft für unser
Überleben hat sich ein “Objekterkennungssystem” erwiesen, welches es uns
ermöglicht, die Dinge der realen Welt – die Objekte – zu erkennen (Katego-
risierung) und wiederzuerkennen (Individuierung).

2.4 Artbasierte Objektindividuierung

Eine Reihe von psychologischen Studien deutet darauf hin, dass es mindestens
eine Art gibt, die bereits zu einem sehr frühen Entwicklungsstadium eines Men-
schen, im Alter von zwei Monaten, zu seinem kognitiven Rüstzeug gehört3: die
Art ‘Objekt’ (vgl. Carey 1995:127). Es ist die Verfügbarkeit dieser Art, die es
dem Kind ermöglicht, im Fluss der Sinneseindrücke, dem es ausgesetzt ist, Ob-
jekte zu erkennen4. Ein Objekt zu erkennen bedeutet demnach, eine Erschei-
nung als Instanz der Art ‘Objekt’ zu kategorisieren. Das Objektkonzept (=die
Art ‘Objekt’) beinhaltet Wissen über mögliche Objekte. So “weiß” das Kind,
dass die Bewegung eines Objekts entlang eines raumzeitlich kontinuierlichen
Pfades verlaufen muss und dass niemals zwei Objekte gleichzeitig denselben
Raum okkupieren können (Spelke 1990, Spelke et al. 1992)5.
Der Mensch ist demnach zumindest von einem sehr frühen Zeitpunkt sei-
nes Lebens an in der Lage, in der Welt existierende Objekte zu erkennen. Auf
der Basis dieser Fähigkeit lernt er im Laufe der Zeit, die Existenz eines Ob-
jekts durch Raum und Zeit zu verfolgen, d.h. es zu individuieren. Anhaltspunkte
3 Spelke, Carey u.a. vermuten, dass ein solches Objektkonzept angeboren ist. Da der
gegenwärtige Forschungsstand diesen Schluss jedoch nicht erzwingt – es könnte auch
sein, dass das Kind die Art ‘Objekt’ in Interaktion mit seiner Umwelt im Laufe der
ersten zwei Lebensmonate oder gar noch im Mutterleib erlernt (Spelke et al. 1992:627)
–, habe ich hier die schwächere Formulierung gewählt. Linguistisch relevant ist ohnehin
nur die Tatsache, dass die Fähigkeit zur Objekterkennung bereits vorhanden ist noch
bevor die Sprachkompetenz ihren merklichen Ausdruck findet.
4 Ich spreche so, als existierten Objekte in der Welt unabhängig vom menschlichen
Betrachter. Ob das wirklich der Fall ist, darüber mögen die Philosophen diskutieren.
Mein Punkt ist, dass weite Bereiche semantischer Strukturen auf eine Commonsense
Ontologie (vgl. Dölling 1993, Bach 1986) zurückzuführen sind, die die autonome Exi-
stenz von Objekten beinhaltet.
5
Genauer gesagt handelt es sich bei dieser vorab verfügbaren Art um die Art ‘phy-
sikalisches Objekt’ (Xu 1997). Diese Art ist Voraussetzung für die Herausbildung von
basic-level Kategorien. Dazu mehr in Abschnitt 6.
2.4. ARTBASIERTE OBJEKTINDIVIDUIERUNG 27

dafür, ob es sich bei einem zu einem späteren Zeitpunkt wahrgenommenen Ob-


jekt um dasselbe oder um ein anderes Objekt handelt, lassen sich grundsätzlich
aus drei Quellen gewinnen: aus Informationen über die raumzeitliche Lokali-
siertheit der neuen Objekterscheinung relativ zur alten Objekterscheinung, aus
Informationen über Eigenschaften des “neuen Objekts” im Vergleich zum “alten
Objekt” (wie Größe, Farbe, Oberflächenstruktur etc.) sowie aus Informationen
über die Artzugehörigkeit des “neuen Objekts” im Vergleich mit dem “alten
Objekt” (Xu, Carey & Quint 2004; Xu 2005). Befindet sich das “neue Objekt”
am selben Ort, trägt dieselben Eigenschaften und gehört zur selben Art wie das
“alte Objekt”, so legt das den Schluss nahe, es handele sich in beiden Fällen um
dasselbe Objekt.
Hinreichende Evidenz für die Identität zweier zu verschiedenen Zeiten wahr-
genommener Objekte können raumzeitliche Informationen liefern: ist einsich-
tig, dass das “neue Objekt” über einen kontinuierlichen raumzeitlichen Pfad mit
dem “alten Objekt” verbunden ist, so kann mit Sicherheit auf ihre Identität ge-
schlossen werden. Wie nun aber, wenn die Frage nach der Objektindividuierung
wie in Carlson’s Picknikszene nicht durch raumzeitliche Evidenz entscheidbar
ist? Hierzu berichtet Xu (2005) von einer Serie von Verhaltensexperimenten, de-
ren Ergebnisse sie wie folgt interpretiert: Der Mensch verfügt prinzipiell über
zwei Strategien der Objektindividuierung. Zum einen über ein, wie sie es nennt,
“objektbasiertes System”. Hierbei entscheidet sich die Frage, ob man es mit ei-
nem oder mit zwei Objekten zu tun hat, primär an raumzeitlichen Informationen
sowie – in schwächerem Maße – an Informationen über wahrnehmbare Eigen-
schaften. Zum zweiten über ein “artbasiertes System”. In diesem Fall liefert die
Artzugehörigkeit das Kriterium dafür, ob man sich entscheidet, zwei Objekter-
scheinungen als Erscheinungen identischer oder verschiedener Objekte anzu-
sehen. Abermals können Informationen über wahrnehmbare Eigenschaften die
Entscheidung bis zu einem gewissen Grad mitbeeinflussen.
Dass Xu diese beiden Strategien unterscheidet liegt darin begründet, dass
Kinder, die jünger als 10 Monate sind, zwar auf der Basis von raumzeitli-
cher Evidenz Objekte individuieren können, nicht jedoch im Rückgriff auf Art-
zugehörigkeit. Im Gegensatz zu dieser Testgruppe benutzen Kinder im Alter
von ca. 12 Monaten (so wie Erwachsene) auch Informationen über die Art-
zugehörigkeit um Objekte zu individuieren. Sehen wir uns die einschlägigen
Experimente dazu näher an.
Bietet man Zehnmonatigen ausreichend raumzeitliche Evidenz für die Nicht-
identität von zwei Objekten (d.h. zeigt man ihnen die zwei Objekte gleichzei-
tig), so schließen sie genau wie Zwölfmonatige als auch wie Erwachsene auf
die Existenz von zwei Objekten. Ich schematisiere den entsprechenden Experi-
2.4. ARTBASIERTE OBJEKTINDIVIDUIERUNG 28

mentstyp6:
1. Man präsentiert dem Probanden auf einer Bühne zwei Objekte
2. Man stellt einen Schirm auf, der dem Probanden den Blick auf die Objekte
versperrt
3. Auf der vom Probanden aus gesehen linken Seite zeigt sich ein Objekt und
verschwindet wieder hinter dem Schirm
4. Auf der vom Probanden aus gesehen rechten Seite zeigt sich ein Objekt und
verschwindet wieder hinter dem Schirm
5. Die Schritte 3 und 4 wiederholen sich mehrfach
6. Der Schirm wird entfernt
7. 1. Auf der Bühne befindet sich ein Objekt
7. 2. Auf der Bühne befinden sich zwei Objekte
Abbildung 1 illustriert die Schritte 3 bis 4 in zeitlicher Abfolge von oben
nach unten.

•←

→•

Abbildung 2.1: Experimentschema

Ergebnis 7.1., das Vorfinden von nur einem Objekt, wäre aus Sicht eines Er-
wachsenen eine Überraschung. Ergebnis 7.2., das Vorfinden von zwei Objekten,
wäre dagegen aus Sicht eines Erwachsenen zu erwarten. Daraus, dass das zehn
Monate alte Kind dem Ergebnis 7.1. wesentlich mehr Aufmerksamkeit widmet
(es länger betrachtet) als dem Ergebnis 7.2., kann geschlossen werden, dass sich
seine Erwartungen nach Ablauf der Schritte 1 bis 6 mit denen des Erwachsenen
decken. Offenbar macht es sich dieselben Informationen zu nutze:
6 Für Details zu den einzelnen Experimenten, vgl. Xu 2005; Xu, Carey & Quint
2004).
2.4. ARTBASIERTE OBJEKTINDIVIDUIERUNG 29

[E]ven very young infants employ spatiotemporal criteria in the service


of object individuation (Xu 2005:7)
[I]nfants as young as 2 months of age use spatiotemporal information in
establishing object identity. When spatiotemporal discontinuity is de-
tected, very young infants establish a representation of two numerically
distinct objects (Xu, Carey & Quint 2004:156)
Was passiert nun, wenn das Experiment ohne Schritt 1 durchgef ührt wird,
wenn dem Probanden also raumzeitliche Evidenz für die Existenz von zwei
Objekten vorenthalten wird? Unter das Schema dieses neuen Experimentstyps
fällt auch Carlson’s Picknikszene (das Gebüsch übernimmt hier die Funktion
des Schirms):
1. Auf einer Bühne steht ein Schirm
2. Auf der vom Probanden aus gesehen linken Seite zeigt sich ein Objekt und
verschwindet wieder hinter dem Schirm
3. Auf der vom Probanden aus gesehen rechten Seite zeigt sich ein Objekt und
verschwindet wieder hinter dem Schirm
4. Die Schritte 2 und 3 wiederholen sich mehrfach
5. Der Schirm wird entfernt
6. 1. Auf der Bühne befindet sich ein Objekt
6. 2. Auf der Bühne befinden sich zwei Objekte
Xu, Carey & Quint (2004) haben Experimente dieses Typs mit 12 Monate
alten Probanden durchgeführt und dabei die Objekterscheinungen zur Linken
und zur Rechten in systematischer Weise variiert. Ich fasse ihre Ergebnisse und
Interpretationen in aller Kürze zusammen.
Als sich die links und rechts erscheinenden Objekte in allen wahrnehmbaren
Eigenschaften glichen, zeigten sich 12 Monate alte Kinder weder von Ausgang
6.1. noch von Ausgang 6.2. besonders überrascht. Offenbar waren beide Resul-
tate mit den Erwartungen dieser Testgruppe vereinbar. Xu, Carey & Quint haben
dieses Verhalten auch dann beobachten können, als sich das links erscheinende
Objekt und das rechts erscheinende Objekt hinsichtlich einer Eigenschaft un-
terschieden. Als z.B. links ein grüner Ball erschien und rechts ein roter Ball
(derselben Grösse und Oberflächenstruktur) oder als links ein kleiner Ball er-
schien und rechts ein großer Ball (derselben Farbe und Oberflächenstruktur),
stets zeigten sich 12 Monate alte Kinder weder von Ausgang 6.1. noch von Aus-
gang 6.2. besonders überrascht. In einem weiteren Experiment wurde der Grad
der Unterschiedlichkeit der Objekte in Bezug auf ihre Eigenschaften erhöht.
2.4. ARTBASIERTE OBJEKTINDIVIDUIERUNG 30

Doch selbst als z.B. links ein kleiner buntgefleckter Ball erschien und rechts ein
großer rot glitzernder Ball, zeigten die Kinder keine Anzeichen dafür, dass sie
überrascht gewesen wären, als sie nach dem Entfernen des Schirms nur einen
großen rot glitzernden Ball vorfanden. Genausowenig dann, als links eine Ba-
byschnabeltasse mit Deckel und zwei Henkeln und rechts eine gleichgroße und
gleichfarbige normale Tasse ohne Deckel mit nur einem Henkel erschien.
Bei einem bestimmten Experiment jedoch zeigten 12 Monate alte Kinder
plötzlich erhöhte Aufmerksamkeit, als sie nach dem Entfernen des Schirms auf
der Bühne nur ein Objekt erblicken konnten. Dies geschah z.B., als es sich bei
dem links erscheinenden Objekt um einen Ball und bei dem rechts erscheinen-
den Objekt um eine Tasse handelte, obwohl die Tasse und der Ball in etwa die-
selbe Größe und dieselbe Farbe hatten7 .
Xu, Carey & Quint interpretieren dieses Verhalten dahingehend, dass 12 Mo-
nate alte Kinder ohne Zugriff auf raumzeitliche Evidenz dann auf die Existenz
von zwei verschiedenen Objekten schließen, wenn die Gestaltunterschiede der
wahrgenommenen Objekterscheinungen so sind, dass ein Erwachsener sie in
unterschiedliche basic-level Kategorien einordnen würde:
[T]hey only succeeded in establishing a representation of two distinct
objects when the shape differences were (what for adults) cross-basic-
level-kind differences and failed to do so when the shape differences
were (what for adults) within-basic-kind-level differences. (Xu, Carey
& Quint 2004:180)
In einer älteren Studie hatten Xu & Carey (1996) nachgewiesen, dass 10 Mo-
nate alte Kinder für Artunterschiede nicht sensitiv sind: sie schenken dem Er-
gebnis 6.1. auch dann keine erhöhte Aufmerksamkeit, wenn links und rechts des
Schirms zwei so verschiedene Objekte wie z.B. eine Gummiente und ein Ball
erscheinen. Die Forscherinnen schließen aus all diesen Beobachtungen, dass
Kinder im Alter von ca. 12 Monaten beginnen, basic-level Arten mental zu re-
präsentieren (Xu, Carey & Quint 2004:180). Xu fasst ihr Bild der fr ühkindlichen
kognitiven Entwicklung des Menschen insgesamt wie folgt zusammen:
On the one hand, I am sympathic to the view that human infants are
born with a mechanism – the object based attention system – that carves
up the world into distinct units. On the other hand, I also suggest that
infants’ worldview undergoes fundamental changes: They begin with
a world populated with objects and substances. By the end of the first
year of life, they begin to conceptualize a world populated with sortal
7
“The cup was 8 cm tall and 9 cm at its widest; the ball was 8,5 cm in diameter. The
cup was a sippy cup with two handles. Both the cup and the ball were painted with pink
and yellow stripes” (Xu, Carey & Quint 2004:176)
2.5. SPRACHLICHER INPUT ALS AUSLÖSER? 31

kinds (and perhaps substance kinds as well). In this new world, objects
are thought of not as “qua object” but rather “qua dog” or “qua table”.
(Xu 2005:33)

2.5 Sprachlicher Input als Auslöser?

Die Aufgabe der Entwicklungspsychologie besteht nicht nur darin, Entwick-


lungslinien zu beschreiben, sondern auch darin, diejenigen Prozesse zu iden-
tifizieren, die die beschriebenen Entwicklungen ursächlich bedingen. Was die
Genese des objektbasierten Individuierungssystems angeht, so schließt sich Xu
der Position von Spelke (1990) an und betrachtet es als angeboren (vgl. aber
Fussnote 2). Was das artbasierte System angeht, so macht sie folgenden Vor-
schlag:
Many have noted that infants begin to comprehend and produce their
first words by the end of the first year, and many of their first words are
nouns for object categories. I suggest that it is not a coincidence that
along with acquiring their first words, infants also begin to develop
a kind-based system of individuation. Some recent studies from my
laboratory provide some initial evidence that perhaps language plays a
causal role in this process. (Xu 2005:24)
Bei den Studien, die sie hier erwähnt, handelt es sich um erneute Variationen
des bekannten Experimentstyps (Abb.1). Den Hintergrund bildet abermals Xu
& Carey’s (1996) Nachweis, dass 10 Monate alte Kinder bei fehlender raum-
zeitlicher Evidenz auf der Basis von eindeutig verschiedener Artzugehörigkeit
keine zwei Objekte individuieren. Das neue Experiment wurde mit 9 (!) Monate
alten Kindern durchgeführt. Die Besonderheit der neuen Studie bestand darin,
dass die links und rechts des Schirms erscheinenden artverschiedenen Objek-
te diesmal von einem auf den Probanden gerichteten sprachlichen Lautereignis
begleitet wurden. Mal – unter der Zwei-Wort-Bedingung – unterschieden sich
die Lautereignisse, die die Objekte zur Linken und zur Rechten jeweils beglei-
teten (z.B. “Look, a duck!” versus “Look, a ball!”), mal – unter der Ein-Wort-
Bedingung – glichen sie sich (jeweils: “Look, a toy!”). Die interessante Beob-
achtung ist, dass die Kinder unter der Zwei-Wort-Bedingung länger auf das (für
Erwachsene) unerwartete Ergebnis mit nur einem Objekt auf der Bühne schau-
ten, nicht jedoch unter der Ein-Wort-Bedingung. Offenbar werteten die Kinder
die verschiedenen sprachlichen Signale als Hinweis auf die Verschiedenheit der
Objekte. Dieser Effekt stellte sich auch dann ein, wenn es sich bei den ver-
lauteten Wörtern nicht um die “korrekten” Bezeichnungen handelte: auch zwei
verschiedene Nonsenswörter (z.B. “Look, a fendle!” versus “Look, a toma!”)
2.5. SPRACHLICHER INPUT ALS AUSLÖSER? 32

dienten den Kindern als Hinweis darauf, es mit zwei verschiedenen Objekten
zu tun zu haben. Es zeigte sich also, dass bereits 9 Monate alte Kinder in der
Lage sind, zwei artverschiedene Objekte zu individuieren, sofern sie bei der
Präsentation der Objekte nur verschiedene sprachliche Zeichen hören8.
Aus den Ergebnissen dieser (u.a.) Experimente leitet Xu ihre These ab, wo-
nach sprachliche Referenzakte bei der Herausbildung von Artrepräsentationen
eine ursächliche Rolle spielen. Wie kann man sich das vorstellen? Ich versuche
hier eine ganz einfache Skizze, die, gemessen an kognitionspsychologischen
Maßstäben, natürlich viel zu einfach formuliert ist und viele Fragen offen lässt:
Über das Wissen um die Art ‘Objekt’ verfügt das Kind von Anfang oder zu-
mindest fast von Anfang seines Lebens an. Dies erm öglicht es ihm, Objekte in
seiner Umwelt zu erkennen. Das Wissen um spezifischere Arten (basic-level ca-
tegories, vgl. Rosch et al. 1976) erwirbt das Kind dadurch, dass es feststellt, dass
die Objekte, die es erlebt, häufig von Wörtern, die es hört, begleitet werden. Im
Laufe der Zeit sammelt das Kind gleichsam Paare von gleichzeitig wahrgenom-
menen Objekt- und Wortgestalten. Dabei bemerkt es, dass die Objektgestalten
mit den Wortgestalten nicht willkürlich korreliert sind. Es vergleicht die unter
einer bestimmten Wortgestalt akkumulierte Serie von Objektperzepten mit der
unter einer anderen Wortgestalt akkumulierten Serie und stellt fest, dass die ein-
zelnen Serien nicht nur durch die gemeinsame Wortgestalt zusammengehalten
werden. Vielmehr weisen die Objekterscheinungen in einer Serie untereinander
auch eine gewisse Ähnlichkeit hinsichtlich ihrer Gestalt auf9. So weisen, um
ein triviales Beispiel zu nehmen, alle zusammen mit dem Wort Ball registrierten
Objekte die Eigenschaft auf, (mehr oder weniger) rund zu sein, im Gegensatz
zu den zusammen mit dem Wort Ente registrierten Objekten, die nicht rund,
sondern eben “entenförmig” sind.
Sobald das Kind erkennt, dass die unter einem Wort versammelten Objek-
terscheinungen einander perzeptuell ähnlich sind (relativ zu den unter einem
anderen Wort versammelten Objekterscheinungen), wird die so identifizierte
Ähnlichkeit zum Maßstab für eigene Kategorisierungen. Das Kind entwickelt
die Erwartung, dass das betreffende Wort nur in Verbindung mit einem Ob-
jekt fällt, dessen Gestalt in Hinblick auf seine Eigenschaften den Eigenschaften
der bereits unter dem Wort akkumulierten Objektperzepte “ähnlich genug” ist.
8 Begleiten verschiedene nichtsprachliche akustische Signale die Objekterscheinun-
gen, so stellt sich der Effekt nicht ein. Weder wenn es sich um zwei Geräusche handelt
(z.B. “Look, [Tatütata]” versus “Look, [Klingelgeräusch]”), noch wenn es sich um zwei
emotionale Artikulationen handelt (z.B. [positiv:] “Ah!” versus [negativ:] “Ewy!”), vgl.
Xu 2005:26.
9 “Ähnlichkeit” zwischen den Objekten unter einem Begriff kann als relative “Nähe
im konzeptuellen Raum” beschrieben werden (vgl. Gärdenfors 2000).
2.6. ENTWICKLUNGSPHASEN 33

Das Kind hat also eine Hypothese über mögliche Objekte, die ein bestimmtes
Wort begleiten kann, gebildet. Häufig wird das Kind Erfahrungen machen, die
seine Hypothese bestätigen. Mitunter jedoch wird es mit Wort-Objekt-Paaren
konfrontiert werden, die eine mehr oder weniger starke Adjustierung seiner Hy-
pothese erzwingen. Anders gesagt: das Kind beobachtet, in Bezug auf welche
Objekte ein Wort tatsächlich verwendet worden ist und entwickelt auf der Basis
dieser Daten eine Theorie darüber, in Bezug auf welche Objekte das Wort po-
tentiell verwendet werden kann; es etabliert in Anbetracht einer Serie von z.B.
Balltoken die mentale Repräsentation (=das Konzept10 ) eines Balltyps.

2.6 Entwicklungsphasen

Was sich in den Experimenten zeigt ist gemäß der Interpretation von Xu und
Kollegen, dass das Kind in verschiedenen Stadien seiner Entwicklung über qua-
litativ unterschiedliches Wissen über seine Umwelt verfügt, speziell über den
Zusammenhang von Objektwelt und Sprache. Etwas über die Schlussfolgerun-
gen von Xu hinausgehend (vgl. Fussnote 11) spekuliere ich hier, dass es minde-
stens drei zu unterscheidende Entwicklungsphasen gibt, wobei jede Phase durch
einen anderen “Blick des Kindes” auf den Kontext, in dem ihm ein Objekt be-
gegnet, gekennzeichnet ist.
Bereits während der frühen, ersten Phase registriert das Kind Objekterschei-
nungen zusammen mit ihren jeweiligen “Begleiterscheinungen”, zu denen (man
könnte auch von der “Kulisse” sprechen) der Ort der Begegnung mit dem Ob-
jekt, andere in dem Moment existierende, aber weniger wichtige Objekte, be-
gleitendende Gerüche, Geräusche usw. und somit auch begleitende sprachliche
Lautereignisse gehören. Welche Elemente die Kulisse einer Objekterscheinung
ausmachen, das scheint dem Kind in seiner ersten Entwicklungsphase jedoch
noch keiner Regelhaftigkeit zu folgen.
Die zweite Phase beginnt, sobald das Kind eine ganz bestimmte Entdeckung
gemacht hat: während die übrigen Elemente der Kulisse von den wahrnehmba-
ren Eigenschaften einer Objekterscheinung offenbar unabhängig sind, scheint
die Form sprachlicher Lautereignisse, die das Erscheinen eines Objekts beglei-
ten, einer gewissen Regelhaftigkeit zu folgen. Bestimmte Wortgestalten ver-
nimmt das Kind signifikant häufig in Verbindung mit bestimmten Objektgestal-
ten – das kann kein Zufall sein! Das Kind generalisiert, dass es einen Zusam-
menhang zwischen Wortgestalten und Objektgestalten gibt. Diese statistische
Generalisierung markiert den Eintritt in die zweite Entwicklungsphase.
10 “A concept is the accumulated knowledge about a type of thing in the world” (Bar-
salou 2000)
2.6. ENTWICKLUNGSPHASEN 34

Einmal sensibilisiert für die sprachlichen Begleiterscheinungen einer Objek-


terscheinung beginnt das Kind gleichsam Paare von Wortgestalt und Objekt-
gestalt zu sammeln. Es beobachtet in gewissem Sinne die Gebrauchsbedin-
gungen einer Wortgestalt. Hat es eine ausreichende Serie von Objektperzep-
ten unter einer Wortform gesammelt, wird es auf der Basis dieser beobachteten
tatsächlichen Verwendungen eine Hypothese über mögliche Verwendungen der
Wortform bilden. Der Beginn dieser Hypothesenbildung markiert den Eintritt in
die dritte Entwicklungsphase.
Während das Kind in der zweiten Phase also registriert, dass Wörter Sym-
bole sind, registriert es in der dritten Phase, was Wörter symbolisieren. Aus
der Serie der unter einer Wortform akkumulierten Objektgestalten wird eine
Objektart abstrahiert. Jedes Wort wird so zu einem Symbol für eine Art. Nach
und nach erwirbt das Kind einen immer größeren (nominalen) Wortschatz, wo-
bei jedes Wort für eine Art steht, zu der ein gegebenes Objekt nach Maßgabe
seiner Eigenschaften gehören kann oder nicht. Das nominale Lexikon besteht
aus Symbolen für Arten. Erfüllt das Objekt die Bedingungen, um zu einer Art
zu gehören, dann kann das Kind, erst einmal zum Sprecher gereift, sich zum
Zwecke der sprachlichen Bezugnahme auf dieses Objekt den entsprechenden
Artbegriff zunutze machen.
Die ersten Wörter, die erworben werden, bezeichnen bekanntlich perzeptuell
definierte Arten (basic-level categories, vgl. Rosch et al. 1976). Das ist natürlich
kein Zufall. Schließlich handelt es sich bei den ersten Objekten, die das Kind
erkennt, um physikalische Objekte. Erinnern wir uns (Abschnitt 4): seine ersten
Objekte erkennt das Kind als Instanzen der Art ‘physikalisches Objekt’.
A physical object is defined as any three-dimensional, bounded entity
that moves on a spatiotemporally continuous path (Spelke, 1990; see
also Jackendoff, 1983). The English word ‘object’ has multiple senses;
this concept of physical object corresponds to one of the senses.
(Xu 1997:369-370)
Die ersten Wörter, die das Kind lernt, sortieren die physikalische Objektwelt
in Objektklassen, genauer gesagt in basic-level Kategorien. Weil der Zweck der
Etablierung von basic-level Arten in der Sortierung der Objekte in verschiedene
Klassen besteht, zeichnen sich basic-level Arten durch ein wichtiges Charak-
teristikum: sie sind äquipollent. Das bedeutet, dass jede basic-level Art über
mindestens ein Merkmal (=eine Eigenschaft) verfügen muss, über die die an-
deren basic-level Arten nicht verfügen. Es ist dieses Charakteristikum, das es
erlaubt, aus der Existenz von verschiedenen basic-level Arten auf die Existenz
von verschiedenen Objekten zu schließen. Es ist genau deswegen auch nicht
zu erwarten, dass ein Objekt seine Gestalt in einer Weise wandelt, dass es eine
basic-level Kategoriengrenze wechselt (wenngleich so etwas in der Natur vor-
2.7. ARTEN ALS SORTALE KONZEPTE 35

kommt: von der Raupe zum Schmetterling, von der Kaulquappe zum Frosch,
etc.). Wie lassen sich nun vor diesem Hintergrund die Ergebnisse der vorge-
stellten kognitionspsychologischen Experimente verstehen?
Sobald das Kind über basic-level Arten verfügt, wird es, wenn es nacheinan-
der mit zwei Erscheinungen konfrontiert wird, die die Kriterien zweier verschie-
dener Arten erfüllen, auf die Existenz von zwei Objekten schließen. Ein Objekt,
das alle Eigenschaften trägt, die z.B. einen Ball ausmachen, ehedem jedoch alle
Eigenschaften trug, die z.B. eine Tasse ausmachen, passt sozusagen nicht ins
Weltbild des Kindes und ruft Verwunderung hervor, die in den beschriebenen
Studien bei der Testgruppe der 12 Monate alten Kinder als längere Hinguck-
zeit messbar wird. Bevor das Kind jedoch Hypothesen über potentielle Tassen,
Bälle, Enten usw. gebildet hat, wird es sich über eine solche Metamorphose
nicht wundern, was das Verhalten der Testgruppe der 10 Monate alten Kinder
erklärt. Und obwohl sie noch über keine Artrepräsentationen verfügen, können
sich auch neun Monate alte Kinder angesichts von Metamorphosen von Art zu
Art verblüfft zeigen, nämlich dann, wenn – wie oben beschrieben – auf ver-
schiedene Objekterscheinungen bei der Präsentation mittels verschiedener No-
men referiert wird. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Kinder in diesem Fall
zwar die Bedeutung des Nomens (=die symbolisierte Art) noch nicht kennen,
wohl aber wissen, dass verschiedene Nomen für verschiedene Arten stehen11 .

2.7 Arten als sortale Konzepte

In den Abschnitten 3 bis 6 habe ich verschiedene kognitionspsychologische Stu-


dien vorgestellt. Der Zweck bestand darin, den Artbegriff zu fixieren, von dem
ich in den weiteren Kapiteln dieser Arbeit ausgehen werde. Wie gesehen kann
mittels sprachlicher Ausdrücke grundsätzlich einerseits auf Objektindividuen,
andererseits auf Artindividuen Bezug genommen werden. Ich fasse meine Po-
sition, die man mit dem Slogan “Arten sind Konzepte” (vgl. Krifka 1995) cha-
rakterisieren könnte, hier noch einmal kurz zusammen.
Die (für die sprachliche Strukturbildung relevante) reale Lebenswelt des
Menschen ist konkreter, raumzeitlicher Natur. Man kann sich die reale Welt
11 In dem von mir oben beschriebenen “Drei-Phasen-Modell” entspricht dieser Zu-
stand der zweiten Entwicklungsphase. Demgegenüber spekuliert Xu, dass Kinder von
Beginn an über das Wissen verfügen, dass Wörter Symbole für Arten sind. Für Xu ist,
mit anderen Worten, meine Unterscheidung zwischen der ersten und der zweiten Phase
entbehrlich: “I am inclined to endow the human infant with certain expectations about
words at the beginning of language acquisition such that in a “dubbing event” (e.g., “That
is a dog!”), a word (in this case “dog”) serves as a pointer to a particular sortal-kind in
the environment” (Xu 2005:32-33).
2.7. ARTEN ALS SORTALE KONZEPTE 36

als Konstellation von Objekten vorstellen. Diese Konstellation von Objek-


ten unterliegt Veränderungen in der Zeit, wobei sich verschiedene Typen von
Veränderungen unterscheiden lassen: ein neues Objekt entsteht, wenn ich z.B.
einen Kuchen backe; ein Objekt wechselt eine Eigenschaft, wenn ich z.B. einen
Apfel schäle; ein Objekt ändert seine Relation zu einem anderen Objekt, wenn
ich z.B. einen Teller aus dem Schrank nehme; ein Objekt verschwindet, wenn
ich z.B. einen Apfel verspeise. Der Mensch nimmt die Objekte seiner Umwelt in
seinen ersten Lebensmonaten als Objekte wahr, d.h. als Instanzen der generel-
len, vorab verfügbaren Art ‘physikalisches Objekt’. Später, mit ca. einem Jahr,
lernt er diese (physikalischen) Objekte in Objektarten zu sortieren. Sein erstes
nominales Lexikon besteht aus sprachlichen Symbolen für basic-level Objektar-
ten. Der Erwerb eines Nomens geht also mit der Etablierung einer mentalen
Artrepräsentation einher, was eine gewisse Kenntnis des Referenzbereichs des
Nomens voraussetzt. Das nötige Wissen um den Referenzbereich wird, grob
gesagt, aus “Begegnungen” mit Paaren von sprachlichen Äußerungen und Ob-
jektkonfigurationen gewonnen (vgl. Bartsch 1998). Mit der Etablierung von im-
mer mehr Arten entsteht so neben der realen Objektdomäne im “Weltbild” des
Menschen eine abstrakte, gewissermaßen nicht-reale Artdomäne. Die Kennt-
nis von basic-level Arten wie ‘Hund’, ‘Tisch’, ‘Baum’ usw. ist die Grundlage
für den Erwerb von Nomen, die für Oberarten wie ‘Säugetier’, ‘Möbelstück’,
‘Pflanze’, usw. stehen (eine solche Oberart charakterisiert die Vereinigungsmen-
ge von durch verschiedene basic-level Arten charakterisierten Objektmengen),
ebenso wie für den Erwerb von Nomen, die für Unterarten wie ‘Schäferhund’,
‘Nachttisch’, ‘Pflaumenbaum’ usw. stehen (eine solche Unterart charakterisiert
eine Teilmenge der durch eine basic-level Art charakterisierten Objektmenge).
So erweitert sich nach und nach das nominale Lexikon, das aus Symbolen für
Arten besteht, die nach Maßgabe ihrer Eigenschaften taxonomische Strukturen
bilden. Letzteres ist der Grund, warum manche Semantiker (z.B. Dayal 2004)
die Artdomäne auch als “taxonomische Domäne” bezeichnen.
Fazit: Konfrontiert mit der realen Objektwelt, entwickelt der Mensch in sei-
ner kognitiven Genese die mentale Repräsentation einer abstrakten “Artwelt”.
Dass man mit einer deutschen Nominalphrase wie der Hund oder ein India-
ner zum einen konkrete Dinge bezeichnen kann (1) und zum anderen abstrakte
Dinge-an-sich (2), liegt daran, dass Dinge beider dieser Welten in der sprach-
lichen Kommunikation zum Redegegenstand gemacht werden können. Wenn
in Abschnitt 2 gesagt wurde, dass Sätze geäußert werden, um Sachverhalte
zu kommunizieren, und dass Sachverhalte “Konfigurationen von Dingen in der
Welt” sind, dann muss das jetzt konkretisiert werden. Zum einen kann ein Satz
geäußert werden, um Relationen zwischen Objekten (in der realen Welt) zum
Ausdruck zu bringen (4a), zum anderen, um Relationen zwischen Arten (in der
taxonomischen Domäne) zum Ausdruck zu bringen (4b). Es bleibt jedoch, wie
2.8. WIE ARTEN EXISTIEREN. . . 37

wir sehen werden, nicht dabei. Mancher Satz drückt eine Relation zwischen ei-
ner Art und einem Objekt (4c) bzw. zwischen einem Objekt und einer Art aus
(4d).
(25) a. Die Kartoffel liegt auf dem Teller.
b. Die Kartoffel ist mit der Tomate verwandt.
c. Die Kartoffel stammt aus Südamerika.
d. Die Kartoffel da sieht aus wie ein Gesicht.

2.8 Wie Arten existieren. . .

Kommen wir damit zu der in Abschnitt 2 aufgeworfenen Frage: was heißt es,
wenn behauptet wird, eine bestimmte Art existiere?
(26) Das Schnabeltier existiert.
Die naheliegende Anwort lautet: ein Satz wie (5) drückt die Proposition aus,
dass es in der Welt die Art ‘Schnabeltier’ gibt. Diese Antwort greift jedoch
zu kurz, denn es bleibt unklar, was in diesem Zusammenhang “in der Welt”
bedeuten soll. Wir hatten gesehen, dass die sprachlichen Strukturen zugrun-
deliegende Ontologie systematisch zweigeteilt ist, in eine reale, raumzeitliche
Objektdomäne und in eine abstrakte, konzeptuelle Artdomäne. Wenn man aber
zwischen einer Objektwelt und einer “Artwelt” unterscheiden muss, dann er-
laubt das Lokaladverbial in der Welt grundsätzlich mindestens die folgenden
drei Interpretationen: (i) in der Welt bezieht sich auf die Objektwelt, (ii) in der
Welt bezieht sich auf die Artwelt, (iii) in der Welt bezieht sich auf die Verei-
nigung der Objektwelt und der Artwelt. Möglichkeit (i) scheidet von vornher-
ein aus. Eine Art kann per definitionem nicht in der Objektdomäne existieren.
Möglichkeit (ii) erscheint auf den ersten Blick plausibel, birgt in sich jedoch ein
Problem, das sichtbar wird, sobald es zu negierten Existenzsätzen kommt:
(27) Das Schnabeltier existiert nicht.
Angenommen, (6) drückt im Einklang mit (ii) aus, dass in der Artdomäne kei-
ne Art ‘Schnabeltier’ existiert. Wenn (6) wahr ist, dann kann sich sein Subjekt
nicht auf die Art ‘Schnabeltier’ beziehen, denn die existiert ja nicht. Worauf aber
sonst? Was ist der Redegegenstand, wenn jemand (6) äußert? Mit Möglichkeit
(iii) ist genau dasselbe Problem verbunden: wie kann etwas zum Redegegen-
stand werden, das es nicht gibt?
Um letztere Frage in vernünftiger Weise zu beantworten, muss man die Be-
sonderheit des Existenzprädikats durchschauen. Um es vorwegzunehmen: Was
ein Satz wie (5) ausdrückt ist die Proposition, dass es in der Objektwelt In-
stanzen der Art ‘Schnabeltier’ gibt. Mein Vorschlag besteht also darin, dass
2.8. WIE ARTEN EXISTIEREN. . . 38

Existenzprädikat als ein Prädikat anzusehen, welches syntaktisch einen Artterm


selegiert und welches semantisch dem Referenten dieses Artterms, der denotier-
ten Art, die Eigenschaft zuweist, Instanzen in der realen Welt zu haben.
Zu einer ganz ähnlichen, aber doch etwas anderen Schlussfolgerung ist
McNally (1997) gelangt. Ich werde ihre Überlegungen hier in aller Kürze dar-
stellen. McNally formuliert die Besonderheit des Existenzprädikats wie folgt:
The existential predicate in English is interpreted as a property of a
description of an entity, specifically the property that the description is
instantiated by some entity at some index. (McNally 1997:4)
Was ist hier mit der Individuenbeschreibung (“description of an entity”) ge-
meint? Dazu erfahren wir etwas später Folgendes:
. . . description of an entity, by which I intend an object that corresponds
most closely to Chierchia and Turner’s notion of a nominalized function
(Chierchia and Turner 1988; it is equivalent to Chierchia’s 1984 notion
of the entity correlate of a property) (McNally 1997:4)
Eigenschaften-als-Individuen (entity correlates of a property) sind abstrakte
Individuen, die aus der Anwendung einer von Chierchia (und Turner) definier-
ten sogenannten Nominalisierungsfunktion auf Eigenschaften-als-Funktionen
resultieren. Als abstrakte Entitäten haben Eigenschaften-als-Individuen mit Ar-
ten gemeinsam, dass sie sich von “gewöhnlichen”, realen Objekten durch ihre
Nichtlokalisiertheit in Raum und Zeit auszeichnen. Dabei sind Eigenschaften-
als-Individuen genau wie Arten in systematischer Weise auf die Objektdomäne
bezogen. So wie für jedes reale Objekt angegeben werden kann, ob es eine ge-
gebene Art instantiiert oder nicht, so kann für jedes Objekt angegeben werden,
ob es eine gegebene Eigenschaft besitzt oder nicht. Das Konzept einer Art ist
jedoch restriktiver als das einer Eigenschaft-als-Individuum. Gemäß Chierchia
(1984) denotiert jedes der Subjekte in (7) eine Eigenschaft-als-Individuum. Als
artreferierend kann aber nur das Subjekt in (7c) angesehen werden. Die Men-
ge der Arten stellt demnach eine Teilmenge der Menge der Eigenschaften-als-
Individuen dar12 :
(28) a. Rot ist eine Farbe.
b. Rauchen ist ungesund.
c. Wale sind Säugetiere.
Für McNally (1997) selegiert das Existenzprädikat syntaktisch einen Aus-
druck, der eine Eigenschaft-als-Individuum denotiert, und weist diesem abstrak-
12 Eine andere Teilmenge bildet die Menge der Aktionsarten wie durch den Subjektre-
ferenten von (7b) exemplifiziert.
2.8. WIE ARTEN EXISTIEREN. . . 39

ten Individuum semantisch die Eigenschaft zu, Instanzen zu haben. Das Beson-
dere des Existenzprädikats besteht also darin, dass es eine Relation zwischen
Individuen verschiedener ontologischer Ebenen herstellt und genau dies l öst
dann auch das mit negierten Existenzsätzen verbundene Problem: Wer (6) äußert
macht die Eigenschaft-als-Individuum ‘Schnabeltier’ zum Redegegenstand und
behauptet die Nichtexistenz von Objekten in Raum und Zeit (“at some index”),
die diese Schnabeltier-Eigenschaft haben.
Was die Essenz ihres Vorschlags angeht gebe ich McNally recht. Man soll-
te allerdings doch besser davon ausgehen, dass das Existenzpr ädikat nicht
Eigenschaften-als-Individuen, sondern Arten selegiert. Das hat den Vorteil, dass
sich auf einfache Weise erklären lässt, warum die Sätze (8a) und (8b) im Ge-
gensatz zu (8c) inakzeptabel sind:
(29) a. *Rot existiert.
b. *Rauchen existiert.
c. Wale existieren.
Was Satz (6) also ausdrückt ist die Proposition, dass die Art ‘Schnabeltier’
keine Objektinstanzen hat. Wer diesen Satz äußert macht die Art ‘Schnabeltier’
zum Redegegenstand und behauptet die Nichtexistenz von Objekten in Raum
und Zeit, die diese Art instantiieren. Mit Satz (5) demgegenüber wird behauptet,
dass es in der realen Objektwelt Entitäten gibt, die eine Entität der abstrakten
“Artwelt”, nämlich das sortale Konzept ‘Schnabeltier’, instantiieren.
2.8. WIE ARTEN EXISTIEREN. . . 40
Kapitel 3

Arten als ontologische Primitiva – die


semantische Perspektive

3.1 Überblick

Nach referenzsemantischer Auffassung können die Bedeutungen


natürlichsprachlicher Ausdrücke als Denotate aufgefasst werden, d.h. - grob
gesagt - als diejenigen Aspekte der Welt, auf die sich die jeweiligen Aus-
drücke beziehen. Das impliziert, dass sich in sprachlichen Strukturen die
Strukturiertheit der Substanz, aus der die Welt besteht, in mittelbarer oder
sogar unmittelbarer Weise widerspiegelt. Sprachliche Kategorien reflektieren,
wenigstens teilweise, ontologische Kategorien. Das ist der Grund dafür, dass
jede (referentielle) Semantiktheorie mit einer Ontologie unterlegt werden muss.
Anders gesagt, mit der Formulierung einer referentiell-semantischen Analyse
verpflichtet sich der Semantiker automatisch zu bestimmten ontologischen
Annahmen. Tatsächlich ist dieser Zusammenhang zwischen ontologischen
und semantischen Kategorien eine Trivialität: Wenn man davon ausgeht, dass
die Bedeutung des Eigenamens Maria das Objektindividuum Maria ist, dann
verpflichtet man sich damit zu der Annahme, dass es in der Ontologie eine
Domäne der Objektindividuen gibt (welche das Element Maria enthält).
Das Ziel des vorliegenden Kapitels besteht darin, den Begriff der Art unter re-
ferenzsemantischem Gesichtspunkt zu diskutieren. Ich werde dabei drei Aspek-
te fokussieren: (i) die taxonomische Organisation der ontologischen Artdomäne
(Abschnitte 2 und 3); (ii) den Zusammenhang von lexikalisch-konzeptuellem
Gehalt und Arten (Abschnitt 4); (iii) das Verhältnis von Arten und Eigenschaf-
ten (Abschnitte 5 und 6). In einer allgemeinen Bemerkung über Arten als wis-
senschaftlichen Untersuchungsgegenstand charakterisiere ich die Artdomäne
abschliessend als “Brückenkopf” zwischen kognitiver Psychologie und Lingui-
stik.
3.2. ARTREFERENZ UND OBJEKTREFERENZ 42

3.2 Artreferenz und Objektreferenz

Carlson (1977) hat auf die Tatsache aufmerksam gemacht, dass es f ür eine
adäquate Beschreibung des referenzsemantischen Verhaltens von sprachlichen
Ausdrücken wie aussterben, weitverbreitet sein, selten sein, zahlreich sein etc.
unverzichtbar ist, eine Artdomäne in die Ontologie aufzunehmen. Ich werde
Carlson in der Annahme folgen, dass Arten ontologische Primitiva darstellen.
Neben einer Objektdomäne existiert in der Ontologie also eine Artdomäne1 .
Zamparelli (1998) und Dayal (2004) teilen diese Ansicht und schlagen vor,
dass jedes Englische Gattungsnomen (common noun) systematisch ambig ist.
Es kann seinen Referenzbereich entweder innerhalb der Domäne der Objekte
oder innerhalb der Domäne der Arten bestimmen. Betrachten wir genauer, wie
sich das Denotat eines Gattungsnomens in den jeweiligen Fällen bestimmt.
Für Objektreferenz wurde argumentiert (Chierchia 1998), dass Referenten
von Singular-NPn singuläre Individuen sein müssen, während Pluralnomen ihr
Denotat innerhalb der Menge der pluralischen Individuen bestimmen. Seien f,
b und s die drei (Hunde-) Objekte Fido, Barky und Spotty. Das Singularnomen
Hund bestimmt relativ zu diesem übersichtlichen Universum sein Denotat im
Bereich der Singularitäten (Atome), im folgenden Schema durch die Zeile 1
repräsentiert:

3. {f,b,s} ...

2. {f,b} {f,s} {b,s} ...

1. f b s ...

Abbildung 3.1: Hundeobjekte

Pluralisierung wird als eine morphologische Operation aufgefasst, die den


Referenzbereich von Mengen von Singularitäten in Mengen von Pluralitäten
überführt. Das Pluralnomen Hunde bestimmt sein Denotat folglich innerhalb
des Objektuniversums im Bereich der Pluralitäten, der in Abbildung 3.1 durch
die Zeilen 2 und 3 angedeutet ist.
Wenden wir uns damit den artreferierenden Nomen zu. Die ontologische
Domäne der Arten wird von Dayal (2004) auch taxonomische Domäne genannt.
Der Grund besteht darin, dass Arten, geordnet durch die Subart-von Relation, in
ihrer Domäne taxonomische Hierarchien bilden (s. Krifka et al. 1995:76). Seien
1 Neben der Artdomäne und der Objektdomäne setzt Carlson (1977) in seiner Onto-
logie noch eine Stadiendomäne an.
3.2. ARTREFERENZ UND OBJEKTREFERENZ 43

F, B und S die drei (Wal-)Arten ‘Finnwal’, ‘Blauwal’ und ‘Schwertwal’, sei W


die Art ‘Wal’, H die Art ‘Hund’ und T die Art ‘Tier’. Diese sechs Arten formen,
bezogen auf die aktuale Welt, die folgende Taxonomie2 :

> T _@@
}}} @@
}} @@
}} @
> WO `@@ H
~~~ @@
~~ @@
~ @@
~~
F S B

Abbildung 3.2: Taxonomie


Wenn das ontologische Bezugssystem, relativ zu dem die Gültigkeit oder
Ungültigkeit einer sprachlichen Aussage evaluiert wird, eine Artdomäne
enthält, die wie in Abbildung 2 organisiert ist, dann sind die folgenden Aus-
sagen relativ zu diesem Artuniversum wahr:
(30) a. Die Art ‘Finnwal’ ist eine Walart.
b. Die Art ‘Schwertwal’ ist eine Walart.
c. Die Art ‘Blauwal’ ist eine Walart.
d. Die Art ‘Finnwal’ ist eine Tierart.
e. Die Art ‘Schwertwal’ ist eine Tierart.
f. Die Art ‘Blauwal’ ist eine Tierart.
g. Die Art ‘Wal’ ist eine Tierart.
h. Die Art ‘Hund’ ist eine Tierart.
Mit anderen Worten, die in Abbildung 2 angegebene taxonomische Struktur
repräsentiert die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Sätze unter
(1) wahr sind. Alternativ können die Wahrheitsbedingungen dieser Sätze mit T
als Symbol für die Subart-von Relation (Krifka et al. 1995:77) auch wie folgt
formuliert werden:
(31) a. [[(1a)]]=1 iff there is a relation T(F,W).
b. [[(1b)]]=1 iff there is a relation T(S,W).
2 Pfeilesymbolisieren Subart-von Relationen. Es gilt Transitivität: Wenn ein Pfeil
von F zu W führt und ein anderer von W zu T führt, dann führt auch einer von F zu T.
Der Übersichtlichkeit wegen sind Pfeile, die auf der Grundlage des Transitivitätsprinzips
berechnet werden können, nicht dargestellt.
3.2. ARTREFERENZ UND OBJEKTREFERENZ 44

c. [[(1c)]]=1 iff there is a relation T(B,W).


d. [[(1d)]]=1 iff there is a relation T(F,T).
e. [[(1e)]]=1 iff there is a relation T(S,T).
f. [[(1f)]]=1 iff there is a relation T(B,T).
g. [[(1g)]]=1 iff there is a relation T(W,T).
h. [[(1h)]]=1 iff there is a relation T(H,T).
Der Referenzbereich eines artbezogen verwendeten Singularnomens umfasst
die Menge aller singulären Arten innerhalb der Taxonomie, die die deskriptiven
Bedingungen des Nomens erfüllen. Mit Katz & Zamparelli (2005) sei ange-
nommen, dass die Extension von N die Art N sowie sämtliche Subarten von N
umfasst. Die Extension des Singularnomens Hund umfasst z.B., bezogen auf
die oben gegebene Artdomäne, lediglich das Element H, die Extension von Wal
umfasst die Elemente W, F, B und S, das Nomen Tier denotiert die Menge der
Arten T, W, H, F, B und S3 , etc.
Welche Artenmenge wird nun durch ein Pluralnomen charakterisiert? Zam-
parelli’s und Dayal’s Idee ist, dass - analog zur Situation bei Objektreferenz -
Pluralisierung den Referenzbereich von Mengen von Singularitäten in Mengen
von Pluralitäten überführt. Während der Referenzbereich des Singularnomens
Wal der Zeile 1 des folgenden Schemas entspricht, entspricht der Referenzbe-
reich des Pluralnomens Wale somit den Zeilen 2, 3 und 44.

4. {F,B,S,W} ...

3. {F,B,S} {F,B,W} {F,S,W} {B,S,W} ...

2. {F,B} {F,S} {B,S} {F,W} {B,W} {S,W} ...

1. F B S W ...

Abbildung 3.3: Walarten

Die Ontologie, die sprachlichen Strukturen zugrundeliegt, beinhaltet also ei-


ne Artdomäne derart, dass die Individuen innerhalb dieser Artdomäne eine be-
3 Alternativ könnte man annehmen, dass die Artenextension von N zwar sämtliche
Unterarten von N umfasst, nicht aber N selbst. Das ist die Position Dayal’s, wenngleich
sie in einer Fussnote Evidenz für die Position aufführt, wonach auch die Oberart in die
Denotation gehört (Dayal 2004:426).
4 Folgt man Dayal und klammert W aus der Denotation des Singularnomens aus (vgl.
Fussnote 3), dann entfallen alle Pluralitäten, in denen W vorkommt.
3.2. ARTREFERENZ UND OBJEKTREFERENZ 45

stimmte Struktur ausbilden, die durch die Subart-von Relation T beschreibbar


ist. Man kann sich die Architektur der Artdomäne als eine grosse Taxonomie
vorstellen, mit der Art ‘Objekt’ als Superkategorie5 . Mit Ausnahme der Art
‘Objekt’ ist jedes Element innerhalb der Artdomäne eine Subart der Art ‘Ob-
jekt’. Innerhalb der taxonomischen Hierachie gilt das Gesetz der Transitivität:
(32) [T(X,Y) & T(Y,Z) ⇒ T(X,Z)]
Zum Beispiel: Wenn die Art ‘Schwertwal’ eine Subart der Art ‘Wal’ ist und
wenn die Art ‘Wal’ eine Subart der Art ‘Tier’ ist, dann ist die Art ‘Schwertwal’
eine Subart der Art ‘Tier’.
Neben der Artdomäne existiert innerhalb der Ontologie eine Objektdomäne.
Objekte können als raumzeitliche Manifestationen bzw. Instanzen von Arten
aufgefasst werden. Krifka et al. (1995) halten zur Formalisierung der Beziehung
zwischen Objektindividuen und Artindividuen den Relator R bereit. R(x,X)
symbolisiert, dass das Objekt x eine Instanz (=Realisierung) der Art X ist6 . Zwi-
schen T und R besteht die folgende Relation (s. Krifka et al. 1995:77):
(33) [R(x,X) & T(X,Y) ⇒ R(x,Y)]
Zum Beispiel: Wenn das Objektindividuum namens Orca eine Instanz der Art
‘Schwertwal’ ist und wenn die Art ‘Schwertwal’ eine Unterart der Art ‘Wal’ ist,
dann folgt, dass das Objekt Orca eine Instanz der Art ‘Wal’ ist.
Fassen wir zusammen: Die Individuendomäne der Ontologie besteht aus
(mindestens) zwei Ebenen, nämlich der Artdomäne (Typenebene) und der Ob-
jektdomäne (Tokenebene). Die Elemente der Artdomäne sind durch die Subart
Relation T aufeinander bezogen und bilden deswegen eine taxonomische Hier-
archie. Zwischen Elementen der Objektdomäne und Elementen der Artdomäne
vermittelt die Realisierungsrelation R. Jedes Element der Objektdomäne ist ei-
ne Realisierung eines Elements der Artdomäne (und aller Oberarten dieses Ele-
ments), aber nicht jedes Element der Artdomäne hat Realisierungen innerhalb
der Objektdomäne7 .
5
Vgl. Kapitel 2, in dem ich dafür plädiere, Arten als sortale Konzepte anzusehen,
d.h. als mentale Representationen, die ursprünglich Mittel zum Zweck der Objektindi-
viduierung sind. Dies würde erklären, warum die Art ‘Objekt’ die Superkategorie der
taxonomischen Domäne darstellt.
6 Hier und im Weiteren werde ich Arten durch Grossbuchstaben und Objekte durch
Kleinbuchstaben symbolisieren.
7 Dass nicht jede Art zwingend Instanzen hat scheint nicht selbstverständlich zu sein.
So basiert Gatt (2004) seine Erklärung der Distribution zweier Possessiv-Konstruktionen
im Maltesischen, wonach im einen Fall die Possessor-NP objektbezogen interpretiert
wird (“reguläre Possession”) und im anderen Fall artbezogen (“generische Possession”),
3.3. ARTEN ALS TAXONOMISCHE KATEGORIEN 46

3.3 Arten als taxonomische Kategorien

Ich werde im Folgenden dafür argumentieren, Inhaltswörter, speziell Nomen,


sowohl als Artnamen (Kategoriennamen) als auch als Artprädikate anzuse-
hen. Dieser “hybride” lexikalisch-semantische Status ist auf die intrinsisch
taxonomische Organisation der Artdomäne zurückzuführen. Deswegen ist es
zweckmäßig, dass wir uns an dieser Stelle die Struktur der taxonomischen
Domäne etwas genauer ansehen.
Jede taxonomische Klassifikation kann als Default-Vererbungssystem gele-
sen werden (Corbett & Fraser 1999:57, s.a. Corbett & Fraser 1993). In Default-
Vererbungssystemen werden alle mit einer gegebenen Kategorie assoziierten
semantischen Informationen, die man sich als Attribut-Werte Paare vorstellen
kann, automatisch an alle Subkategorien der betreffenden Kategorie vererbt.
Wenn eine Subkategorie allerdings bereits einen eigenen Wert für das vererbte
Attribut besitzt, so wird der vererbte Wert überschrieben. Daraus ergibt sich,
dass, wenn eine Art (z.B. ‘Hund’) beim Namen genannt wird, automatisch alle
Unterarten der benannten Art charakterisiert sind.
Betrachten wir ein einfaches Beispiel. Angenommen, die Arten ‘Eu-
ropäischer Schwan’ und ‘Australischer Schwan’ sind Subarten der Art
‘Schwan’. Für ‘Schwan’ ist das Attribut FARBE durch den Wert ‘weiss’ spe-
zifiziert. Diese Spezifikation vererbt sich per default an die Subarten. Aber, für
die Art ‘Australischer Schwan’ ist das Attribut FARBE explizit durch den Wert
‘schwarz’ spezifiziert:

auf der Annahme, dass jede Art die Existenz einer sie realisierenden Instanz enthält:
∀x[KIND(x)→∃y[OBJECT(y)&R(y,x)]] (nach Gatt 2004:207). Gültig ist jedoch nur die
umgekehrte Implikation (vgl. Dölling 1995:79): ∀x[OBJECT(x)→∃y[KIND(y)&R(x,y)]].
Dass Arten ohne Instanzen vorkommen können ist durch die Wahrheit von Sätzen wie
z.B. Quadratische Kreise existieren nicht leicht zu belegen.
3.3. ARTEN ALS TAXONOMISCHE KATEGORIEN 47

VOGEL

FLAMINGO SCHWAN
[FARBE : rosa] [FARBE : weiss]

EUROPÄISCHER SCHWAN AUSTRALISCHER


 SCHWAN 
[H ERKUNFT: Europa] H ERKUNFT: Australien
FARBE : schwarz

Abbildung 3.4: Default Vererbung

Da die spezifischere Information gewinnt, sind die folgenden Sätze relativ zu


diesem taxonomischen System wahr:
(34) a. Schwäne sind weiss.
b. In Australien sind Schwäne schwarz.
Die Tatsache, dass eine Art/Kategorie sämtliche Merkmale (Attribut-Werte
Paare) der ihr übergeordneten Kategorie erbt (von denen möglicherweise ein-
zelne überschrieben werden), hat zur Folge, dass die Beschreibung einer Art
immer auch eine adäquate Beschreibung ihrer Subarten ist. Man könnte sagen,
eine Subart besitzt sämtliche semantischen Merkmale seiner Superart plus noch
einige mehr. Die Art ‘Schwan’ besitzt zum Beispiel sämtliche Merkmale der Art
‘Vogel’ plus noch einige mehr. Die Art ‘Australischer Schwan’ besitzt sämtliche
Merkmale der Art ‘Schwan’ (und somit der Art ‘Vogel’) plus noch einige mehr.
Unter diesen “einige mehr” können sich Merkmale befinden, die mit geerbten
Merkmalen um die Wertbelegung eines Attributs konkurrieren. In diesem Fall
gewinnt der spezifischere Wert, wobei der exklusive Wert einer Subart immer
spezifischer ist als der von der Superart geerbte Wert. Wenn die Beschreibung ei-
ner Art also automatisch auch eine adäquate Beschreibung aller ihrer Unterarten
ist, dann folgt daraus, dass die folgenden zwei semantischen Repräsentationen
informationsidentisch sind. (10a) formalisiert die artreferierende Dimension des
Gattungsnomens Hund, (10b) formalisiert seine artprädizierende Dimension als
charakterisierende Funktion8:
8 “D
k” steht für die Artdomäne.
3.4. ARTEN UND KONZEPTE 48

(35) a. [[Hund]] = H ∈ Dk
b. [[Hund]] = λ X ∈ Dk . HUND(X)
Fassen wir zusammen: Bedingt dadurch, dass Arten in taxonomischen Hier-
archien organisiert sind, besitzen nominale Ausdrücke, die sich auf die Art-
domäne beziehen, eine hybride lexikalisch-semantische Natur. Einerseits ist ein
Artausdruck der Name einer Art (10a), andererseits charakterisiert er eine Men-
ge von Arten, nämlich die Menge aller Subarten der beim Namen genannten Art
plus die beim Namen genannte Art selbst (10b).

3.4 Arten und Konzepte

Angenommen, ein Englisches oder Deutsches Gattungsnomen ist f ür sich ge-
nommen ein Prädikat9 und charakterisiert als solches eine Menge von Indivi-
duen, entweder Artindividuen oder Objektindividuen. Maßgabe dafür, welche
Individuen durch das Prädikat charakterisiert werden und welche nicht, ist der
deskriptive Gehalt, mit dem das Nomen assoziiert ist, auch “Deskription”, “le-
xikalischer Gehalt”, “Konzept” oder einfach “Beschreibung” genannt:
Wenn Sie nun die Bedeutung des Wortes Hund erklären sollten, würden
Sie wahrscheinlich antworten, dass Hunde eine bestimmte Art von mit-
telgroßen Tieren sind, mit vier Beinen und einem Schwanz, dass sie
meistens als Haustiere gehalten werden, dass sie bellen, beißen können
usw. Mit anderen Worten: Sie würden wahrscheinlich eine allgemeine
Beschreibung von Hunden geben. Das ist eine durchaus angemessene
Antwort: man kann die allgemeine Beschreibung eines Hundes als Er-
klärung der Bedeutung des Wortes Hund ansehen. Im wesentlichen ist
die Bedeutung eines Inhaltswortes eine Beschreibung der Art von En-
titäten, auf die man mit dem Wort referieren kann. (Löbner 2003:24;
eigene Hervorhebung)
Halten wir soweit fest, dass jedes Nomen mit einer Beschreibung einer Art
assoziiert ist. Diese Artbeschreibung trifft auf manche Entitäten zu, auf andere
nicht. Die Entität, auf die die Beschreibung zutrifft, sind die potentiellen Re-
ferenten einer Nominalphrase, die auf der Basis des betreffenden Nomens ge-
bildet werden kann. Häufig spricht man davon, dass die Entitäten, auf die die
9 Ob primär oder abgeleitet, das sei an dieser Stelle offen gelassen. So sind Gat-
tungsnomen z.B. für Dölling (1992) primär Namen von Arten, also Terme, von denen
Prädikate erst noch abgeleitet werden müssen. Chierchia (1998) stellt sich vor, dass ver-
schiedene Sprachen dahingehend variieren, ob ihre Nomen primär Argumente (Terme)
oder Prädikate sind.
3.4. ARTEN UND KONZEPTE 49

Beschreibung zutrifft, “unter das Konzept fallen”. Diese Redeweise impliziert,


dass die Beschreibungen, von denen hier die Rede ist, Konzepte sind. Dieser
Meinung ist auch Löbner (2003), denn er schreibt weiter:
[D]ie Bedeutung des Wortes Hund ist [. . . ] eine mentale Beschrei-
bung. Mentale Beschreibungen werden allgemein Konzepte genannt.
Ein Konzept für eine Art, oder “Kategorie”, von Entitäten ist Wissen,
das es uns erlaubt, Entitäten dieser Art von Entitäten anderer Art zu
unterscheiden. (Löbner 2003:24-25)
Nun sei auf Folgendes hingewiesen: Wenn neben Objekten Arten als onto-
logische Primitiva angenommen werden, wie in der vorliegenden Arbeit, dann
entsteht eine auf den ersten Blick verwirrende Situation. Die Entitäten, die un-
ter ein Konzept fallen können oder nicht, sind nicht mehr nur Objekte, sondern
können auch Arten sein. Fällt eine bestimmte Art unter ein Konzept, dann heisst
das wohl, dass die “mentale Beschreibung der Art” auf diese Art zutrifft. Man
ersetze im letzten Satz des ersten Löbnerzitats “Entität” mit “Art”:
Die Bedeutung eines Inhaltswortes ist eine Beschreibung der Art von
Arten, auf die man mit dem Wort referieren kann.
Wem das paradox erscheint (wie mir lange Zeit), der muss sich vor Augen
führen, dass die “Art von Arten” nichts anderes ist als die Oberart innerhalb ei-
ner taxonomischen Hierarchie. Die Art ‘Wal’ ist die Art der Arten ‘Schwertwal’,
‘Narwal’, ‘Delphin’ etc. Wir sehen also: Die Bedeutung des Wortes Wal als
Prädikat zu repräsentieren, das die Menge aller Walarten inklusive der Art ‘Wal’
charakterisiert, ist die referenzsemantische Variante der Löbnerschen Sicht auf
Bedeutungen als konzeptuelle Beschreibungen von Arten von Entitäten. Die Po-
sition von Löbner stimmt mit der Barsalous überein:
A concept is the accumulated knowledge about a type [=kind, OMR]
of thing in the world. (Barsalou 2000)
Arten einerseits und konzeptuelle Beschreibungen von Arten andererseits
sind folglich verschiedene Wesensheiten. Man könnte sagen, dass Arten Reifi-
kationen von Artbeschreibungen sind10 . Das Verhältnis von Arten zu Konzepten
kann wie folgt dargestellt werden:

Das Bemerkenswerte ist, dass, obwohl Arten und Konzepte verschiedene


Wesensheiten sind, sie dieselben Informationen kodieren. Das erinnert sehr an
die Fregesche Idee von der Doppelnatur von Eigenschaften, für die Chierchia
10 “Reification, also called hypostatisation, is treating an abstract concept as if it were
a real, concrete thing” (Wikipedia, 01.12.04)
3.5. ARTEN UND EIGENSCHAFTEN 50

beschreibt
−−−−−−→
Konzept ←−−−−− Art/Kategorie
reifiziert

Abbildung 3.5: Arten als reifizierte Konzepte

(1984) und Chierchia & Turner (1988) eine formalsemantische Modellierung


entwickelt haben. Diesem Thema ist der nächste Abschnitt gewidmet.

3.5 Arten und Eigenschaften

Als Eigenschaftswörter par excellence gelten traditionellerweise Adjektive. Die


Bedeutung des Adjektivs rot beispielsweise ist, prätheoretisch gesprochen, die
Eigenschaft ‘rot’, die von rund ist die Eigenschaft ‘rund’, die von sicher ist die
Eigenschaft ‘sicher’ etc. Man kann versuchen, dieser intuitiv plausiblen Annah-
me dadurch Substanz zu geben, dass man den referentiellen Effekt beschreibt,
den Eigenschaften haben. So kann die Eigenschaft ‘rot’ als ein “mentales Mu-
ster” aufgefasst werden, relativ zu dem man überprüfen kann, ob ein gegebener
Gegenstand (ein gegebenes Individuum) diese Eigenschaft trägt oder nicht. Ein-
fach gesagt vergleicht man die Farbe des Gegenstandes mit dem Musterrot und
gelangt entweder zu dem Schluss, der Gegenstand ist rot, oder zu dem Schluss,
der Gegenstand ist nicht rot. Diese referenzsemantische Perspektive nimmt die
formale Semantik ein, indem sie Eigenschaften als Funktionen betrachtet. In ih-
rer extensionalen Variante ist zum Beispiel die Eigenschaft ‘rot’ eine Funktion,
die Individuen als Input nimmt und auf einen der zwei Wahrheitswerte wahr
oder falsch abbildet. In ihrer intensionalen Variante ist ‘rot’ eine Funktion, die
Welten als Input nimmt und auf eine Funktion abbildet, die Individuen als In-
put nimmt und auf einen der zwei Wahrheitswerte wahr oder falsch abbildet.
Dasselbe gilt entsprechend für andere Adjektive wie rund, sicher etc.11
Die formalsemantische Sichtweise auf Bedeutungen hat eine interessante
Konsequenz. Wenn man die sprachliche Bedeutung eines Ausdrucks über sei-
nen referentiellen Effekt erfasst, dann wird der Bedeutungsunterschied, der tra-
ditionell zwischen Adjektiven, Verben und Nomen gemacht wird, irrelevant.
Traditionell werden Adjektive als Eigenschaftswörter, Nomen als Dingwörter
und Verben als Handlungswörter charakterisiert. Aus formalsemantischer Per-
spektive besteht aber zunächst einmal kein Grund für diese Unterscheidung. Die
Bedeutung eines Nomens wie Hund und die Bedeutung eines Verbs wie gehen
11 . . . aber
nicht für sämtliche Adjektive. Solche Adjektive wie angeblich oder ehema-
lig entziehen sich dieser Behandlung (s. Partee 1995, Heim & Kratzer 1998).
3.5. ARTEN UND EIGENSCHAFTEN 51

kann genauso wie die Bedeutung eines Adjektivs als “Muster” aufgefasst wer-
den, mittels dessen man bestimmt, ob ein gegebenes Individuum ein Hund ist
oder ob ein gegebenes Individuum geht. Tatsächlich scheint nichts dagegen zu
sprechen, Adjektive, Nomen und Verben semantisch über einen Kamm zu sche-
ren. Die Bedeutung eines Adjektivs, Nomens oder Verbs ist stets (eine Funktion
von Welten in) eine Funktion von Individuen in Wahrheitswerte12 . Typentheo-
retisch gesprochen heißt das, dass Adjektive, (nicht-relationale) Nomen und (in-
transitive) Verben vom semantischen Typ <e,t> (extensional) bzw. <s<e,t>>
(intensional) sind13.
Die beschriebene Konsequenz bleibt nicht ohne Folgen, denn die formalse-
mantische Strategie, Eigenschaften als Funktionen zu modellieren, wird mit ei-
nem sehr fundamentalen Problem konfrontiert, für das Chierchia (1984) und in
der Folge Chierchia und Turner (1988) eine Lösung entwickeln. Ich rekapitu-
liere das Problem hier in aller Kürze mit eigenen Beispielen:
(36) a. Die Bank von England ist sicher.
b. Sicher ist sicher.
Das grammatische Subjekt von (7a) denotiert ein Objektindividuum und ist
somit ein Ausdruck des semantischen Typs <e>. Das grammatische Prädikat
von (7a) denotiert eine Eigenschaft und ist dementsprechend vom semantischen
Typ <e,t>. Unter diesen Annahmen kann das Subjekt die Argumentstelle des
Prädikats saturieren und im Ergebnis steht die Bedeutung des Satzes als Propo-
sition, semantischer Typ <t>. Aber mit was für einem semantischen Typen hat
man es dann bei dem grammatischen Subjekt von (7b) zu tun? Das grammati-
sche Subjekt von (7b) und die grammatischen Prädikate von (7a) und (7b) wer-
den durch denselben Ausdruck gestellt. Nichtsdestoweniger k önnen sie nicht al-
le vom selben semantischen Typ sein. Wenn das Subjekt und das Prädikat in (7b)
beide vom Typ <e,t> wären, dann würde die semantische Komposition nicht
funktionieren. Will man an der Typisierung des grammatischen Prädikats in (7b)
als <e,t> festhalten, dann müsste das Subjekt entweder <e> oder <<e,t>,t>
sein. Will man das Subjekt in (7b) wie das grammatische Prädikat in (7a) als
Ausdruck des Typs <e,t> behandeln, so m üsste das grammatische Prädikat in
(7b) vom semantischen Typ <<e,t>,t> sein. Wie könnte eine Lösung ausse-
hen?
Chierchia und Turner schlagen das einzig Vernünftige vor, nämlich dass das
Subjekt in (7b) vom semantischen Typ <e> ist. Ihre Idee besteht darin, die on-
tologische Domäne der Objektindividuen zu partitionieren. Eine Sorte von Indi-
12 Die Darstellung abstrahiert hier natürlich von mehrstelligen Prädikaten wie relatio-
nalen Nomen, transitiven Verben, etc.; ebenso von referentiellen Situationsargumenten.
13 “e” steht für Individuen, “s” für Welten und “t” für Wahrheitswerte.
3.5. ARTEN UND EIGENSCHAFTEN 52

viduen bilden kanonische Objekte, wozu zum Beispiel der Referent des Subjek-
tausdrucks von (7a) gehört. Eine andere Sorte von Individuen bilden sogenann-
te “Nominalisierte Funktionen”. Der Name ist Programm: Eine nominalisierte
Funktion wird als ein Abbild (image) einer Funktion, also einer Instanz des
Bedeutungstyps <e,t>, aufgefasst. Ein Beispiel f ür ein Individuum der Sorte
Nominalisierte Funktion ist der Referent des Subjektausdrucks von (7b). Die
Idee ist, dass jede Funktion ein Abbild in der Individuendomäne hat. Jeder
Eigenschaft-als-Funktion entspricht also eine Eigenschaft-als-Individuum.
Die Klasse der Ausdrücke des semantischen Typs <e> umfasst folglich (mit
“o” als Index für Objekte und “nf” für Nominalisierte Funktionen) Ausdrücke
des Typs <eo > und Ausdrücke des Typs <enf >. Formal werden zwei Opera-
toren definiert, um zwischen den beiden Eigenschaftsformaten zu vermitteln.
Der Operator “∩”, der Eigenschaften-als-Funktionen auf Eigenschaften-als-
Individuen abbildet, wurde (leider) Nominalisierer (oder down-Operator) ge-
tauft. Sein Pendant “∪ ” heisst entsprechend Prädikativierer (oder up-Operator)
und überführt Eigenschaften-als-Individuen in Eigenschaften-als-Funktionen:


−−−−→
Eigenschaft-als-Funktion ←−−−− Eigenschaft-als-Individuum

Abbildung 3.6: Doppelnatur von Eigenschaften

Fassen wir zusammen: Satz (7b) stellt prima facie ein Problem für die
(dem Kompositionalitätsprinzip geschuldete) Annahme dar, wonach ein und
derselbe Ausdruck in verschiedenen Aktualisierungen denselben Bedeutungs-
typ in die semantische Komposition einbringen muss. Wenn Eigenschaften-als-
Funktionen jedoch systematisch mit Eigenschaften-als-Individuen (=Nominali-
sierten Funktionen) korreliert sind, dann verflüchtigt sich das Problem. In der
Extension des Prädikats sicher befinden sich nicht nur Objekte wie die Bank von
England, sondern auch Nominalisierte Funktionen wie die Eigenschaft ‘sicher’.
Da im Rahmen der formalen Semantik nicht nur adjektivische Bedeutungen,
sondern auch verbale und nominale Bedeutungen als Eigenschaften aufgefasst
werden, eignet sich Chierchia und Turner’s Vorschlag automatisch auch f ür eine
semantische Analyse der folgenden Subjektausdrücke:
(37) a. Atomkraftwerke sind sicher.
b. Fliegen ist sicher.
Man betrachte zunächst Beispiel (8b). Wenn ein Verb wie flieg- ein Prädikat
(semantischer Typ <e,t>) ist, so kann es via ∩ in einen Term (semantischer Typ
<e>) überführt werden. Dieser denotiert dann die Eigenschaft-als-Individuum
3.6. CHIERCHIA’S (1998) ARTBEGRIFF 53

‘fliegen’. Nach Chierchia und Turner (1988:294-295) manifestiert sich diese


Operation in vielen Sprachen als Infinitivmorphologie. Entsprechend ist in Hin-
blick auf (8a) zu erwarten, dass nominale Prädikate sich durch ∩ in Terme
überführen lassen, mittels derer man auf eine Eigenschaft-als-Individuum (z.B.
‘Atomkraftwerk’) referieren kann.
Das Beispiel (8a) gibt allerdings ein linguistisches Rätsel auf. Warum steht
das Subjekt im Plural? Und es muss im Plural stehen, wie (9) zeigt. So wie die
Theorie bisher steht bleibt unklar, warum das so ist:
(38) *Atomkraftwerk ist sicher.
Chierchia (1998) löst dieses Rätsel, indem er von Nomen bezeichnete
Eigenschaften-als-Individuen als besondere Eigenschaften-von-Individuen in-
terpretiert, genannt “Arten”. Weil der spezielle Artbegriff, den Chierchia dabei
voraussetzt, die Anwendung des down-Operators auf solche Eigenschaften-als-
Funktionen, die nur Singularitäten charakterisieren, verbietet, werden artikello-
se Singularnomen als artreferierende Ausdrücke ausgeschlossen. Sehen wir uns
das näher an.

3.6 Chierchia’s (1998) Artbegriff

Chierchia (1998) widmet sich einer Teilklasse von Eigenschaften-als-


Individuen, nämlich jenen Individuen, die mit von Nomen denotierten
Eigenschaften-als-Funktionen korrelieren. Diese werden als “Arten” be-
zeichnet. Eine Art ist für Chierchia also das Abbild einer durch ein Nomen
denotierten Eigenschaft-als-Funktion innerhalb der ontologischen Individuen-
domäne. Das Abbild einer durch ein Verb denotierten Eigenschaft-als-Funktion
bezeichnet Chierchia als “Aktionstyp” (action type). Ich verstehe Chierchia so,
dass Arten und Aktionstypen Spezialfälle von Eigenschaften-als-Individuen
sind. Das Abbild einer durch ein Adjektiv denotierten Eigenschaft-als-Funktion
ist dann eine Eigenschaft-als-Individuum im engeren Sinne.

Eigenschaft

Art Aktionstyp Eigenschaft(i.e.S.)


Abbildung 3.7: Eigenschaften-als-Individuen nach Chierchia
3.6. CHIERCHIA’S (1998) ARTBEGRIFF 54

Ein Ausdruck, der sich auf Eigenschaften-als-Individuen im engeren Sin-


ne bezieht, ist z.B. das (7b) Subjekt sicher. Ein Beispiel für einen Ausdruck,
der einen Aktionstypen denotiert, ist das (8b) Subjekt fliegen. Das Subjekt von
(8a) exemplifiziert einen artreferierenden Ausdruck, genau wie die Subjektaus-
drücke in den folgenden Beispielen:
(39) a. Blauwale sind Wale.
b. Wale sind Säugetiere.
Wenn Wale in (10a) und Säugetiere in (10b) jeweils Prädikate vom seman-
tischen Typ <e,t> sind, dann muss Wale in (10b) wohl ein Argument vom se-
mantischen Typ <e> sein14 . Nach Chierchia (1998:349) wird ein Argumentaus-
druck wie Wale von einem Prädikatausdruck Wale mittels des down-Operators ∩
abgeleitet. Chierchia geht davon aus, dass ein Artterm wie Wale oder Hunde und
ein Eigenname wie Moby Dick oder Fido sich darin gleichen, dass sie jeweils
ein Individuum bezeichnen. Im Unterschied zu einem Eigennamen bezieht sich
ein Artterm aber (üblicherweise) auf ein “diskontinuierliches Individuum”. Art-
terme und Eigennamen könnten ähnlicher nicht sein, denn beide werden von
Chierchia semantisch als Funktion, die möglichen Welten Individuen zuweist,
repräsentiert:
It seems natural to identify a kind in any given world (or situation)
with the totality of its instances. Thus, the dog-kind in our world can be
identified with the totality of dogs, the scattered entity that comprises
all dogs, or the fusion of all dogs around. In our framework, this entity
is modeled by the set of dogs. This means that we can model kinds as
individual concepts of a certain sort: functions from worlds (or situa-
tions) into pluralities, the sum of all instances of the kind. (Chierchia
1998:349)
In Chierchia’s System nimmt der down-Operator ∩ als Input eine Funktion
von Welten in Mengen von Individuen und bildet sie auf eine Funktion von
Welten in das jeweils unique maximale Individuum der Inputmenge ab. Letzte-
res Individuum verteilt sich in der Regel diskontinuierlich im Raum. Der Input
und der Output des down-Operators gelten als informationsidentisch:
[K]inds and [. . . ] properties can in a way be seen as two modes of
packaging the same information. Using Frege’s (1891) metaphor, pro-
perties are unsaturated, something that (at a world) is true or false of
14
Es sei denn, man sieht Satz (10b) als generische Quantifikationsstruktur an, wie z.B.
Greenberg (2002) es tut. Dann kann das Subjekt ein Prädikat vom Typ <e,t> sein, das
die Quantifikationsdomäne restringiert.
3.6. CHIERCHIA’S (1998) ARTBEGRIFF 55

individuals. Kinds are saturated, something that at a world has concre-


te, if possibly spatiotemporal discontinuous, manifestations. (Chierchia
1998:354)
Chierchia (1998:349) visualisiert das Verhältnis von Arten und Eigenschaften
wie folgt:

−−−−→
Eigenschaft ←−−−− Art

<s,<e,t>> <e>

Abbildung 3.8: Doppelnatur von Eigenschaften


Doch ∩ ist nicht auf jede Eigenschaft anwendbar. Eine Eigenschaft-als-
Funktion lässt sich nur dann in eine Art transformieren, wenn die von ihr cha-
rakterisierten Objektindividuen sich durch ein “ausreichend regelmäßiges Ver-
halten” auszeichnen. Diese Bedingung erfüllen sowohl natürliche Arten wie
‘Hund’, ‘Löwe’ oder ‘Baum’ als auch Artefakte wie ‘Tisch’ oder ‘Auto’, als
auch “komplexe Dinge” wie ‘intelligenter Student’ oder ‘Tintenfleck’. Unwahr-
scheinlich ist dagegen eine Art ‘alter kaputter von Leo weggeworfener Schuh’,
da alte kaputte von Leo weggeworfene Schuhe für kein ausreichend regelhaftes
Verhalten bekannt sind:
NPs can be modified, and not every modified NP is going to be associa-
ted with a kind. This will depend on whether it picks a class of objects
that display a sufficiently regular behavior. What counts as sufficiently
regular is determined by the shared knowledge and beliefs in the com-
munity of speakers (and is thus subject to a certain degree of variation).
(Chierchia 1998:372)
Ausreichend regelmässiges Verhalten stellt allerdings keine hinreichende Be-
dingung für Arten dar. Zusätzlich muss eine Art immer mit einer solchen Instan-
zenmenge assoziiert sein, deren Kardinalität ungleich eins ist:
Moreover, kinds [. . . ] will generally have a plurality of instances (even
though sometimes they may have just one or none). But something that
is necessarily instantiated by just one individual [. . . ] would not qualify
as a kind. (Chierchia 1998:350)
Diese Beschränkung hat zwei wichtige Konsequenzen. Erstens werden ‘Mo-
by Dick’, ‘Fido’ etc. als potentielle Arten ausgeschlossen. Zweitens scheiden
bare singular Nomen damit als Artterme aus. Erinnern wir uns (Abschnitt 2):
Chierchia geht davon aus, dass sich in der Extension eines Singularnomens nur
3.6. CHIERCHIA’S (1998) ARTBEGRIFF 56

atomische Objekte befinden. Wenn ein Singularnomen in einer Welt mehr als
ein Element charakterisiert, wie etwa Hund relativ zur Welt von Abbildung 1,
dann gibt es kein uniques maximales Individuum und der down-Operator ist
nicht definiert; diese Ausdrücke können folglich nicht als Artterme fungieren.
Wenn ein Singularnomen in einer Welt genau ein (atomisches) Element charak-
terisiert, wie zum Beispiel Himmel relativ zu unserer aktualen Welt, dann gibt
es zwar ein einziges maximales Element, dennoch eignet sich Himmel nicht als
Artterm, weil Arten - per Stipulation - eben nicht mit genau einem Objekt korre-
spondieren dürfen. Auf diese Weise wird in Chierchia’s System dafür Rechnung
getragen, dass bare singulars (im Englischen) keine Artterme sein k önnen.
Krifka (2004) weist diesbezüglich auf das Problem hin, dass eine adäquate
Theorie auch Terme für Arten ohne Instanzen (z.B. ausgestorbene Arten) be-
reithalten muss. In Chierchia’s System ist nicht klar, wieso mit Einermengen
assoziierte Arten ausgeschlossen sind, mit leeren Mengen assoziierte Arten aber
wieder akzeptabel sein sollen.
Fassen wir zusammen: Weil Prädikate wie selten, weitverbreitet, ausgestor-
ben etc. die Aufnahme von Artindividuen in die Ontologie nötig machen, stellt
sich die Frage nach der Natur von Arten. Schnell wird klar, dass der Artbegriff
sehr eng an den Begriff des Konzepts gekoppelt ist. Chierchia (1998) modelliert
Arten direkt als Konzepte15 (man beachte, dass Chierchia den Begriff “Indivi-
duum” im Sinne von Objektindividuum benutzt):
[W]e can model kinds as individual concepts of a certain sort: functions
from worlds (or situations) into pluralities, the sum of all instances of
the kind. (Chierchia 1998:349)
Unabhängig von allen technischen Details unterscheidet sich Chierchia’s Art-
konzeption in einem wesentlichen Punkt von dem Artbegriff, von dem ich in
dieser Arbeit ausgehe. Für Chierchia sind Artterme und Eigennamen vom sel-
ben semantischen Format, d.h. vom selben semantischen Typ (nämlich <s,e>).
Der Unterschied besteht lediglich darin, dass eine Art typischerweise diskon-
tinuierlich im Raum verteilt ist, während der Träger eines Eigennamens ty-
pischerweise ein räumliches Kontinuum darstellt. Sowohl für Arten als auch
für Objektindividuen gilt, dass sie (intensionalisierte) räumlich lokalisierte En-
titäten sind. In dem System, von dem ich ausgehe, ist es aber gerade entschei-
dend, dass sich Arten und Objekte hinsichtlich des Kriteriums der raumzeitli-
chen Lokalisiertheit unterscheiden (vgl. Kapitel 4). Während Objekte raumzeit-
lokalisiert sind, sind Arten eben nicht in Raum und Zeit lokalisierte Entitäten.
15
...wobei “Konzept” hier nicht mentalistisch, sondern mathematisch zu verstehen ist
(s. Löbner 2003:355). Vergleiche in diesem Zusammenhang de Swart (1998): “[A] con-
cept [. . . ] is a function from possible worlds to individuals” (de Swart 1998:213)
3.7. LEXIKALISCHE UND FORMALE SEMANTIK 57

Für mich unterscheiden sich Arten und Objekte dahingehend, ob sie raumzeit-
lich lokalisiert sind. Für Chierchia dahingehend, wie sie raumzeitlich lokalisiert
sind16.

3.7 Lexikalische und formale Semantik

Die Position, Arten als sortale Konzepte anzusehen, für die ich im Kapitel 2
kognitionspsychologische Argumente angeführt hatte, wurde im vorliegenden
Kapitel aus semantischer Sicht diskutiert. Arten stehen als ontologische Basis-
kategorien als potentielle Referenten sprachlicher Ausdrücke zur Verfügung. Es
wurde dafür argumentiert, diese Kategorien der taxonomischen Artdomäne als
reifizierte Konzepte (Typen) aufzufassen. Zum Abschluss des Kapitels möchte
ich noch einmal die Rolle von Arten als “Brückenköpfe” zwischen dem kon-
zeptuellen System und dem grammatischen System herausstellen.
Für einen formalen Semantiker ist die Bedeutung eines Inhaltsworts, z.B. des
Nomens Hund, eine Funktion, die eine Menge von Entitäten relativ zu einer
Situation charakterisiert. Aus Sicht eines lexikalischen Semantikers ist die Be-
deutung eines Inhaltsworts ein mentales Muster (Konzept), von dem Gebrauch
gemacht werden kann, um Entitäten relativ zu Situationen zu charakterisieren.
Als referentielle Theorie ist die formale Semantik an der internen Struktur von
Konzepten nicht interessiert. Für einen formalen Semantiker ist dies keine lin-
guistische Frage, sondern eine psychologische. Ein lexikalischer Semantiker
würde dem widersprechen und sagen, dass, sobald sich ein Konzept in einer
Sprache als Symbol niederschlägt, es die Aufgabe des Linguisten ist, die Natur
dieses Konzepts zu ergründen.
Nun ist es wie diskutiert so, dass Sprecher sich sprachlich nicht nur auf rea-
le, raumzeitliche Entitäten (Objekte) beziehen, sondern ebenso auf abstrakte,
konzeptuelle Entitäten (Arten). Was folgt daraus für die formale Semantik und
für die lexikalische Semantik? Aus formalsemantischer Sicht entspricht die Be-
deutung des artbezogen verwendeten Nomens Hund einer Funktion, die eine
Menge von Arten charakterisiert. Aus lexikalisch-semantischer Sicht sind No-
men Symbole für Arten. Sind diese zwei Ansätze kompatibel? Natürlich sind
sie das. Worin sich die Positionen unterscheiden ist lediglich der jeweilige Un-
tersuchungsgegenstand.
Um das zu sehen nehmen wir die Perspektive eines allgemeinen Naturwissen-
schaftlers ein. Für ihn ist all das Gegenstand der Forschung, was in der Natur
16 Auch für Longobardi unterscheiden sich Arten und Objekte nur dahingehend, wie
sie in einem Raumzeitausschnitt (in einer Situation) jeweils vorkommen: Arten werden
wie bei Chierchia als Mengen einander ähnlicher Objekte aufgefasst: “maximal sets of
entities sharing some properties across all possible worlds” (Longobardi 2005:12).
3.7. LEXIKALISCHE UND FORMALE SEMANTIK 58

existiert. Das beinhaltet, neben vielen anderen Dingen, Menschen, die mitein-
ander und mit ihrer Umwelt interagieren. Bei genauerer Betrachtung stellt sich
heraus, dass Menschen über gewisse kognitive Fähigkeiten verfügen, die ein er-
folgreiches Navigieren in der Welt erst ermöglichen. Dazu gehört nicht zuletzt
die Fähigkeit Objekte zu individuieren. Voraussetzung für Objektindividuierung
ist das Vorhandensein eines Systems von Arten, mit dem sich die reale Objekt-
welt sortieren lässt17. Dieses mental repräsentierte konzeptuelle System18 unter-
scheidet sich mehr oder weniger von Mensch zu Mensch. Wenn unser Naturwis-
senschaftler sich diesen kognitiven Fähigkeiten widmet, ist er ein Psychologe.
Weiter zeigt sich, dass sich, wenn Menschen über sehr lange Zeiträume hinweg
miteinander interagieren, verschiedenste Kommunikationsformen entwickeln.
Darunter eine sehr effektive Kommunikationsform: Sprechen. Wenn unser Na-
turwissenschaftler sich dem Phänomen Sprache zuwendet, ist er ein Linguist.
Wenn er sich dabei auf den Bedeutungsaspekt konzentriert, ist er Semantiker.
Worauf ich aufmerksam machen will ist, dass das konzeptuelle Artsystem
nicht nur die Basis für Objektkategorisierung und Objektindividuierung ist, son-
dern ebenso das Fundament, auf welchem die Strukturen aufbauen, die sich in
einzelnen Sprachen grammatikalisiert haben. So kommt es, dass sich die Ge-
genstandsbereiche der kognitiven Psychologie und der Linguistik im Bereich
der Arten überschneiden. Einerseits sind Arten sortale Konzepte, die eine Teil-
menge des allgemeinen Konzeptsystems ausmachen. Andererseits sind Arten
ontologische Primitiva, also mögliche Referenten sprachlicher Ausdrücke.
Die Aufgabe der kognitiven Psychologie besteht u.a. darin, das Wesen und
die Struktur von Konzepten zu erforschen. Die Aufgabe der lexikalischen Se-
mantik besteht u.a. darin, die Struktur von denjenigen Konzepten zu erforschen,
die sich versprachlicht als Name einer Art (Inhaltswort) im mentalen Lexikon
eines Sprechers niederschlagen. Als ein Ziel der lexikalischen Semantik kann
man sich die Rekonstruktion der Taxonomie der Artdomäne vorstellen. Die Auf-
gabe der referentiellen Semantik besteht darin zu erforschen, wie man sich auf
der Basis eines gegebenen lexikalischen Ausdrucks sprachlich auf ontologische
Entitäten bezieht. Sie beantwortet die Frage, wie ein Inhaltswort morphosyntak-
tisch aufbereitet werden muss, um als referierender Ausdruck benutzt werden
zu können bzw. welche morphosyntaktische Aufbereitung sich für welche Refe-
renzweise eignet. Die formale Semantik kann als sehr weit entwickelte Variante
einer referentiellen Semantik verstanden werden.
17 Genauer muss es heißen, für artbasierte Objektindividuierung (vgl. Kapitel 2).
18 Man beachte: “konzeptuelles System” ist hier nicht im spezifischen Sinne der Zwei-
Ebenen Semantik (also im Gegensatz zu einem semantischen System) gemeint (z.B.
Bierwisch & Schreuder 1992), sondern im allgemeineren Sinne als “außersprachli-
ches Begriffssystem, auf das die Bedeutung sprachlicher Einheiten rekurriert” (Wiese
1999:92).
Kapitel 4

Raumzeitliche Lokalisierung – Type-Token


Theorien der Generizität

4.1 Überblick

Carlson’s (1977) Generizitätstheorie beruht im Wesentlichen auf einer Unter-


scheidung zwischen zwei Sorten von ontologischen Entitäten: Stadien und In-
dividuen. Während Stadien als raumzeitliche Entitäten aufgefasst werden, sind
Individuen bei Carlson nicht raumzeitlicher, sondern abstrakter Natur.
Ein Ziel des vorliegenden Kapitels ist es, die Grundzüge der Carlsonschen
Theorie vorzustellen. Dies ist der Bedeutung geschuldet, die diese Theorie für
die Generizitätsforschung hat. Der Hauptzweck dieses Kapitels besteht jedoch
in etwas anderem: es soll herausgearbeitet werden, dass sich in Carlson’s spe-
zifischer Theorie ein allgemeiner Theorientyp realisiert. Wie Carlson’s Vari-
ante, so ist jede Realisierung dieses Typs von Generizitätstheorie dadurch ge-
kennzeichnet, dass eine Unterscheidung zwischen raumzeitlichen Entitäten (To-
ken) einerseits und nicht-raumzeitlichen Entitäten (Typen) andererseits getrof-
fen wird. Generische Ausdrücke werden in solchen, wie ich es hier nennen
möchte, “Typ-Token-Theorien” dann dadurch erklärt, dass sie sich auf nicht-
raumzeitliche Entitäten beziehen.
Zu diesem Zweck werde ich im Folgenden verschiedene Typ-Token-Theorien
vorstellen und miteinander vergleichen. In Abschnitt 2 begegnen uns zwei
Theorien, die jeweils auf einer zugrundeliegenden Dreiteilung der Ontologie
beruhen. Da ist zum einen Carlson’s (1977) klassische Theorie, in der raum-
zeitliche Stadien von nicht-raumzeitlichen Individuen, die wiederum in Objekte
und Arten zerfallen, unterschieden werden. Da ist zum anderen ihr russisches
Pendant, die Theorie von Šmelev (1996). Šmelev’s Theorie lehnt sich zwar stark
an Carlson’s Original an, unterscheidet sich jedoch – nicht nur terminologisch
– in einigen Details. So geht Šmelev von inhärent nicht-raumzeitlichen Klassen
einerseits und von Individuen andererseits aus, wobei es von letzteren nicht-
4.2. DREI-KLASSEN-SYSTEME 60

raumzeitliche Varianten (abstrakte Individuen) und raumzeitliche Varianten (In-


stanzen) gibt1.
In Abschnitt 3 wenden wir uns dann Theorien zu, die mit einer ontologi-
schen Zweiteilung auskommen. Bulygina (1982) unterscheidet raumzeitlich lo-
kalisierte Prädikate von raumzeitlich nicht-lokalisierten Prädikaten und identifi-
ziert, damit korrespondierend, zwei Sorten von Nominalphrasen, nämlich kon-
kretreferierende und nicht-konkretreferierende. Ich werde dafür argumentieren,
letztere im Sinne von Krifka (1995) als objektreferierende bzw. artreferieren-
de Nominalphrasen zu reinterpretieren. Zudem soll auf Kratzer’s (1989/1995)
Unterscheidung zwischen Prädikaten ohne und mit einem raumzeitlichen Loka-
lisierungsargument eingegangen und die Ähnlichkeit dieser Idee mit Bulygina’s
Ansatz herausgestellt werden.
Abschnitt 4 weise ich auf eine terminologische Unklarheit hin, die die Lite-
ratur durchzieht. Es zeigt sich nämlich, dass für viele Semantiker der Begriff
der “Referentialität” auf objektreferierende Ausdrücke beschränkt ist, während
andere auch artreferierende Ausdrücke als referentiell bezeichnen.
Am Ende werde ich für eine Typ-Token-Theorie plädieren, die auf zwei onto-
logischen Kategorien basiert. Die Richtigkeit einer solchen Theorie vorausge-
setzt, ist auf der sprachlichen Ausdrucksebene eine Unterscheidung zwischen
tokenreferierenden und typenreferierenden Termen sowie eine Unterscheidung
zwischen token-level und typen-level Prädikaten zu erwarten. Mit Krifka (1995)
sollen als Token Objekte und als Typen Arten (sortale Konzepte, vgl. Kapitel 2)
angesehen werden – auf Stadien wird also verzichtet. Mit “nominaler Generi-
zität” (vgl. Kapitel 1) hat man es zu tun, wenn eine NP nicht objektbezogen,
sondern artbezogen verwendet wird. Mit “Prädikatsgenerizität” hat man es zu
tun, wenn das Prädikat nicht einem Objekt, sondern einer Art eine Eigenschaft
zuweist.

4.2 Drei-Klassen-Systeme

Den Kern von Carlson’s (1977) einflussreicher Semantiktheorie bildet eine sy-
stematische Zweiteilung der Ontologie. Carlson nimmt an, dass jede ontologi-
sche Entität doppelt vorkommt, wobei die eine Variante “a spatially and tem-
1 Dass ich semantische Theorien aus dem russischen Wissenschaftsraum mit solchen
aus dem angloamerikanischen Wissenschaftsraum vergleiche, ist der Tatsache geschul-
det, dass wesentliche Teile dieses Kapitels auf einem Vortrag beruhen, den ich im Rah-
men des Workshops “Formal Semantics in Moscow” (23. April 2005, Moskauer Staatli-
chen Universität MGU) gehalten habe. Ein Hauptziel des Workshops bestand darin “to
help strengthen bridges between “western” and “Russian” approaches to semantics” (B.
Partee).
4.2. DREI-KLASSEN-SYSTEME 61

porally bounded manifestation” (Carlson 1977:115) der anderen ist. Genau die-
se Unterscheidung auf der ontologischen Ebene erm öglicht es Carlson dann
im Weiteren, das unterschiedliche Verhalten von Bare plural Nominalphrasen
auf der sprachlichen Ebene zu erklären. Raumzeitliche Manifestationen wer-
den “Stadien” (stages) genannt und stehen den “Individuen” (individuals) ge-
genüber. Carlson beschreibt ein Individuum als das raumzeitlich ungebundene
“whatever-it-is that ties a series of stages together to make them stages of the
same thing” (Carlson 1977:115). Darüberhinaus sieht Carlson zwei Subtypen
von Individuen vor, nämlich “Objekte” (objects) einerseits und “Arten” (kinds)
andererseits. Abbildung 1 fasst Carlson’s Ontologie zusammen.
Entitäten

[+raumzeitlich] [-raumzeitlich]

Stadien Individuen

Objekte Arten
Abbildung 4.1: Carlson’s Ontologie

Für seine Analyse der verschiedenen Interpretationen russischer Nominal-


phrasen folgt Šmelev (1996) Carlson in der Annahme einer dreigeteilten En-
titätendomäne. Entscheidend ist auch für Šmelev die Unterscheidung zwi-
schen konkreten raumzeitlichen Manifestationen eines Objekts (“konkretna-
ja prostranstvenno-vremennaja manifestacija ob”ekta”) und einem Objekt als
solchen, d.h. als Abstraktion über konkreten raumzeitlichen Manifestationen
(“ob”ekt kak takovyj, vzjatyj v otvlečenii ot konkretnych prostranstvenno-
vremennych manifestacij”) ( Šmelev (1996:44-45). Mit diesen zwei Objektva-
rianten, auch “Individuen” genannt, kontrastieren “Klassen”, die als inhärent
nicht-raumzeitlich angesehen werden. Abbildung 2 zeigt das ontologische Sy-
stem von Šmelev:
Sowohl Carlson als auch Šmelev gehen also davon aus, dass Nominalphra-
sen grundsätzlich zur Referenz auf drei verschiedene Entitäten benutzt werden
können. Mit der Annahme von drei Sorten von NP-Referenten geht die Voraus-
sage von drei Möglichkeiten von Eigenschaftszuweisungen einher. Betrachten
wir zunächst wieder Carlson’s System.
Es ist zu erwarten, dass Sprachen über Ausdrucksmittel verfügen, Eigen-
schaften zum einen Stadien, zum anderen Objekten und zum dritten Arten zuzu-
weisen. Konsequenterweise behauptet Carlson (1977) denn auch, dass das eng-
lische Lexikon über Stadienprädikate (a), Objektprädikate (b) und Artprädikate
4.2. DREI-KLASSEN-SYSTEME 62

Entitäten

individy klassy
[-spatiotemporal]

[+spatiotemporal] [-spatiotemporal]
abstraktnye
konkretnye abstraktnye klassy
instanty individy
Abbildung 4.2: Šmelev’s Ontologie

(c) verfügt:
(40) a. be available, be hungry, be drunk, be dead, run, . . .
b. be altruistic, be intelligent, be a doctor, be a mammal, . . .
c. be widespread, be common, be rare, be extinct, . . .
Die lexikalische Bedeutung eines Stadienprädikats besteht darin, einem Sta-
dium eine Eigenschaft zuzuweisen, die eines Objektprädikats besteht in der Ei-
genschaftszuweisung an ein Objekt und die eines Artprädikats in der Eigen-
schaftszuweisung an eine Art. Damit eine Prädikation gelingen kann ist se-
mantische Kompatibilität erforderlich. Darunter ist zu verstehen, dass eine NP,
die die syntaktische Argumentposition eines Stadienprädikats besetzt, ein Sta-
dium in die semantische Komposition einspeisen muss, dass eine NP, die die
syntaktische Argumentposition eines Objektprädikats besetzt, ein Objekt in die
semantische Komposition einspeisen muss und dass eine NP, die die syntakti-
sche Argumentposition eines Artprädikats besetzt, eine Art in die semantische
Komposition einspeisen muss. Wäre es anders, könnten die Bedeutungen der
jeweiligen Ausdrücke nicht miteinander verrechnet werden.
Ein Kennzeichen von Carlson’s System besteht darin, dass es keine Aus-
drücke gibt, die von Hause aus (d.h. kraft ihrer lexikalischen Bedeutung) auf
Stadien referieren würden. Stattdessen werden Stadienterme immer mittels ko-
verter semantischer Operationen abgeleitet, die Objektterme oder Artterme in
Stadienterme überführen. Speziell schlägt Carlson zwei solche koverten Ope-
ratoren vor, R und R’. R überführt die NP-Denotation eines Objektterms im-
mer dann von einem raumzeitlich nicht-lokalisierten Objekt in eine konkrete
raumzeitliche Manifestation des Objekts, wenn der Objektterm im Arguments-
lot eines Stadienprädikats erscheint. In ähnlicher Weise bildet R’ eine Art auf
konkrete raumzeitliche Manifestationen der Art ab, wenn ein Artterm im Argu-
mentslot eines Stadienprädikats erscheint.
4.2. DREI-KLASSEN-SYSTEME 63

Beispiel (2) illustriert die semantische Komposition der Sätze Bill is running
und Dogs are running nach Carlson. F ür Carlson ist ein Eigenname wie Bill der
Name des Objekts Bill und der Bare plural dogs ist der Name der Art DOG (xs
steht für eine auf Stadien beschränkte Variable):
(41) a. [[ Bill is running ]] = [λ xs .RUN(xs )](R(Bill))
b. [[ Dogs are running ]] = [λ x s .RUN(xs )](R’(DOG))
Wie in (2) zu sehen, besteht ein weiteres Kennzeichen von Carlson’s Theo-
rie darin, dass (dynamische) Verben lexikalisch als Stadienprädikate aufge-
fasst werden. Aus dieser Annahme folgt, dass die generische Verwendung ei-
nes Verbs wie z.B. run oder smoke eine Operation erforderlich macht, die
seine primär stadienbezogene Bedeutung in eine individuenbezogene Bedeu-
tung überführt. Erst damit erfüllt das verbale Prädikat die semantische Vor-
aussetzung, um mit einem Individuenterm (Objektterm oder Artterm) kom-
ponieren zu können. Diese Aufgabe wird von einem koverten Operator “G”
erfüllt, vgl. (3a,b). Neben G setzt Carlson darüberhinaus einen zweiten Opera-
tor G’ an. G’ überführt lexikalisch objektbezogene Prädikate (wie beispielhaft
in (1b) angegeben) in artbezogene Prädikate, was ihre Komposition mit Artter-
men gewährleistet, vgl. (3c):
(42) a. [[ Bill smokes ]] = G([λ xs .SMOKE(xs )])(Bill)
b. [[ Sailors smoke ]] = G([λ xs .SMOKE(xs )])(SAILOR)
c. [[Dogs are four-legged]] =G’([λ xo.FOUR-LEGGED(xo )])(DOGS)
Šmelev vertritt in bezug auf die lexikalische Basisbedeutung eines Prädikats
eine etwas andere Position als Carlson. Ein (dynamisches) Verb wie kurit’
wird als semantisch unterspezifiziert hinsichtlich dessen betrachtet, ob es ei-
ner abstrakten Entität eine Eigenschaft zuweist (was zu einer generischen In-
terpretation führt) oder einer raumzeitlichen Manifestation von ihr (was zu ei-
ner episodischen Interpretation führt). Erst die Einbettung in einen sprachli-
chen Kontext entscheidet darüber, welche Interpretation aktualisiert wird (cf.
Šmelev 1996:48). Andere Prädikate sind nach Šmelev’s Meinung jedoch im Le-
xikon auf eine der drei vorausgesagten Bedeutungskategorien festgeschrieben.
(4) zeigt entsprechende Beispiele für russische Prädikate. Nach Šmelev wei-
sen die Prädikate in (a) konkreten Instanzen (aka Stadien), die in (b) abstrakten
Individuen (aka Objekten) und die in (c) abstrakten Klassen (aka Arten) eine
Eigenschaft zu:
(43) a. (byt’) pjanym, bolen, rad, (byt’) v razdraženii, . . .
b. (byt’) pjanicej, bol’noj, umnyj, ljubit’ Ivana, . . .
c. (byt’) redkost’ju, vymeret’, polučit’ bol’šoe rasprostranenie, . . .
4.3. ZWEI-KLASSEN-SYSTEME 64

Croft (1986) kritisiert Carlson’s System dahingehend, dass es zwei (von Carl-
son selbst bemerkte) “Asymmetrien” enthält, für die Carlson eine Erklärung
schuldig bleibt. Die erste betrifft das erwähnte Fehlen von Stadientermen im
Englischen. Während es Objektterme (Bill, this car over there, my uncle) und
Artterme (dogs, the computer (as such), Hippopotamus Amphibius) gibt, exi-
stieren Stadienterme nur “virtuell” in dem Sinne, dass sie stets aus der seman-
tischen Verrechnung eines Objekt- oder Artterms im Argumentslot eines Sta-
dienprädikats resultieren2. Die zweite Asymmetrie betrifft die Tatsache, dass
objektbezogene Prädikate ohne Ausnahme eine artbezogene Verwendung er-
lauben. Mit Carlson’s Worten: “whatever may be meaningfully predicated of an
object may also be meaningfully said of a kind” (Carlson 1977:248). Gemäß
den ontologischen Grundannahmen von Carlson’s Theorie w ären lexikalische
Prädikate zu erwarten, die auf Objektbezug spezialisiert sind. Tatsächlich lässt
sich empirisch jedoch kein einziges derartiges exklusives object-level Prädikat
nachweisen. Erst durch die ad hoc Postulierung des Operators G’ gelingt es
Carlson, objektbezogene Prädikate im Englischen, so wie sie von seinem drei-
geteilten System vorausgesagt werden, “nachzuweisen”:
“[T]here appear to be no specifically object-level predicates in the lan-
guage. In actuality, there are many, but every one of them may be app-
lied to a kind via the G’ operator” (Carlson 1977:280).
Wenn faktisch jedes Objektprädikat als Artprädikat fungieren kann, stellt
sich die Frage, warum die Grammatik überhaupt einen solchen unrestringier-
ten koverten Operator wie G’ bereitstellt. Croft vermutet “too many levels” in
Carlson’s Theorie und skizziert ein System, das auf nur zwei Sorten von En-
titäten (“closed-classes” versus “open-classes”) basiert und entsprechend auch
nur zwei Prädikatsklassen erwarten lässt.

4.3 Zwei-Klassen-Systeme

Wenngleich Bulygina (1982) nicht besonders explizit ist in bezug auf die Struk-
tur der vorausgesetzten ontologischen Domäne, so kann ihr Ansatz dennoch
als ein Zwei-Klassen-System ähnlich dem von Croft eingeforderten verstan-
den werden. Bei Bulygina werden zwei Prädikatsklassen unterschieden. Die
eine umfasst solche Prädikate, welche jeweils einer Entität eine akzidentelle
Eigenschaft zuweisen, die andere umfasst solche Prädikate, welche jeweils ei-
2
Carlson könnte versuchen, diese lexikalische Lücke dadurch zu erklären, dass es in
der Natur lexikalischer Bedeutungen liegt, kontextunabhängig, d.h. lösgelöst von spezi-
fischen Bedingungen einer konkreten raumzeitlichen Lokation, zu sein.
4.3. ZWEI-KLASSEN-SYSTEME 65

ner Entität eine essentielle Eigenschaft zuweisen. Bulygina beschreibt erstere


als “zeitlokalisierte” Prädikate und letztere als nicht-zeitlokalisiert.
Die von nicht-zeitlokalisierten Prädikaten beschriebenen Sachverhalte wer-
den “Qualitäten” (kačestva) genannt, die von zeitlokalisierten Prädikaten be-
schriebenen Sachverhalte heißen “Erscheinungen” (javlenija). Die Klasse der
Prädikate, welche Erscheinungen beschreiben, (=episodische Prädikate) sub-
sumiert die feineren lexikalisch-semantischen Prädikatsklassen, die jeweils
Zustände, Prozesse oder Ereignisse beschreiben (s. Bulygina 1982) 3:
Sachverhaltsbeschreibung

charakterisierend episodisch
[-zeitlich lokalisiert] [+zeitlich lokalisiert]

Qualitäten
Erscheinungen

Zustände, Prozesse, Ereignisse, ...


Abbildung 4.3: Bulygina’s Prädikatsklassifikation
In Hinblick auf die möglichen Verwendungen von Nominalphrasen unter-
scheidet Bulygina zwischen “referentiellen” und “nicht referentiellen” Nomi-
nalphrasen, wobei letztere an verschiedenen Stellen auch als “nicht spezi-
fisch”, “artreferierend” oder “nicht konkret-referierend” beschrieben werden.
Darüberhinaus prägt Bulygina den nützlichen Begriff der “semantischen Kon-
gruenz”. Mit dieser Terminologie wird der bekannte Zusammenhang bezeich-
net, dass der referentielle Status einer morphosyntaktisch unterspezifizierten
Argument-NP (nicht nur im Russischen) zum Teil dadurch bestimmt wird, ob
es sich bei dem jeweiligen Prädikat um ein episodisches oder um ein charak-
terisierendes Prädikat handelt (s.a. Mehlig 1983 und Weiss 1983). Ein episodi-
sches grammatisches Prädikat erfordert stets ein konkretreferierendes Subjekt,
während ein charakterisierendes (=generisches) Prädikat sowohl ein konkretre-
3 Zustände-als-Erscheinungen entsprechen Bach’s (1986) “dynamic states”, die mit
den “stative states” kontrastieren, welche in Bulygina’s System zu den Qualitäten
zu rechnen wären. Eine sehr ähnliche Unterscheidung zwischen solchen verbalen
Prädikaten, die “außerzeitliche Eigenschaften und Relationen” (vnevremennye svojstva i
sootnošenija) beschreiben und solchen, die Zustände, Prozesse und Ereignisse beschrei-
ben, wird von Padučeva (1996) vertreten.
4.3. ZWEI-KLASSEN-SYSTEME 66

ferierendes als auch ein nicht konkretreferierendes Subjekt zulässt:


“Aktual’noe” upotreblenie predikata i nereferentnost’ imen vzaimno
nesovmestimy, no “neaktual’nost”’ (vremennaja nelokalizovannost’)
ne izključaet referentnosti imeni. (Bulygina 1982:29)
Aber um was für eine (ontologische) Sorte von Entitäten handelt es sich, auf
die sich “konkretreferierende” bzw. “nicht-konkretreferierende” Nominalphra-
sen beziehen? Mir scheint, dass Bulygina’s Dichotomie mit der Unterscheidung
zwischen “realen Objekten” und “abstrakten Konzepten” kompatibel ist, wie sie
von Krifka (1995) vertreten wird. Reale Objekte werden von Krifka als Exem-
plare oder – um den Begriff wiederaufzunehmen – raumzeitliche Manifestatio-
nen von abstrakten Konzepten angesehen. Konzepte können konventionalisiert
sein und ein solches konventionalisiertes Konzept bezeichnet Krifka dann als
eine “Art”:
[K]inds are considered to be abstract entities that are well-established
in the background knowledge of speaker and hearer and can be referred
to by definite NPs like the bear, which [are] in the extension of kind
predicates like be extinct or be a mammal, and which [are] organised
in taxonomic hierarchies. [. . . ] Similar to kinds, concepts are abstract
entities related to real objects. However, they need not be well establis-
hed, but could be construed from scratch. [...][K]inds form a subset of
the more comprehensive sets of of concepts. (Krifka 1995:402)
Die systematische Beziehung zwischen Arten und Objekten wird von Krifka
et al. (1995) durch die sog. Realisierungsrelation R formalisiert: Die Formel
R(x,k) bringt zum Ausdruck, dass x ein Objekt (=ein Token) der Art (=des
Typs) k ist. Krifka et al. schreiben, R sei “similar to Carlson’s realization re-
lation [. . . ] with the exception that we do not consider stages here” (Krifka et
al. 1995:66). Leider aber führen die Autoren nicht weiter aus, in welcher Hin-
sicht ihre Relation R den Carlsonschen Operatoren R und R’ ähnelt. Erinnern
wir uns: Carlson’s Realisierungsoperatoren wurde konzipiert, um von Termen,
die sich auf abstrakte Entitäten beziehen, Terme abzuleiten, die sich auf raum-
zeitliche Entitäten beziehen. Dass diese Operatoren zur Anwendung kommen
ist Carlson’s Erklärung dafür, dass die betreffenden Nominalphrasen nicht ge-
nerisch, sondern existentiell interpretiert werden. Wenn nun Krifka et al.’s R
eine “ähnliche” Rolle spielt, dann muss man schlussfolgern, dass auch R nicht-
raumzeitliche Entitäten auf raumzeitliche Entitäten abbildet. Man beachte, dass,
wenn das so ist, dies einen wesentlichen Unterschied zwischen Carlson’s und
Krifka et al.’s semantischen Konzeptionen impliziert.
Speziell unterscheiden sich die zwei Ansätze hinsichtlich des ontologischen
Status, der jeweils den Objekten zugesprochen wird: Für Carlson sind Ob-
jekte keine raumzeitlichen Entitäten, sondern Abstraktionen (dasselbe gilt für
4.3. ZWEI-KLASSEN-SYSTEME 67

Šmelev’s “abstraktnye individy”). Für Krifka et al. hingegen sind Objekte raum-
zeitliche Manifestationen von jenen abstrakten Entitäten, die sie Arten bzw.
Konzepte nennen. Mit anderen Worten, während Carlson Stadien als Token und
Individuen (Objekte und Arten) als Typen ansieht, betrachten Krifka et al. Ob-
jekte als Token und Arten als Typen – und verzichten gänzlich auf Stadien.
Abbildung 4 fasst Krifka’s ontologische Annahmen zusammen.
Entitäten

[+raumzeitlich] [-raumzeitlich]

reale Objekte abstrakte Konzepte

[+wohletabliert] [-wohletabliert]

Arten
Abbildung 4.4: Krifka’s Ontologie

Bulygina (1982) kommt ebenfalls ohne Stadien als ontologische Basiskatego-


rie aus. Dass Prädikationen häufig nur für die Dauer eines Stadiums der Existenz
eines Individuums gültig sind, beschreibt sie wie folgt:
V otličie ot “charakterizujuščich” predikatov, pripisyvajuščich pred-
metu kačestvo, [. . . ] predikaty sostojanija opisyvajut vremennye “sta-
dii” suščestvovanija predmeta (lica), pripisyvaja emu imenno kak in-
dividuumu priznak, aktual’nyj dlja dannogo otrezka vremeni (ili dl-
ja neskol’kich vremennych otrezkov), i v ėtom smysle – priznak
prechodjaščij, “slučajnyj”. (Bulygina 1982:33)
Die Frage, warum in den Sätzen unter (2) eine Eigenschaft jeweils nur für
ein bestimmtes Stadium der Existenz eines Individuums gilt, wird von Bulygina
und Carlson auf gänzlich unterschiedliche Weise beantwortet.
Carlson geht von Stadien, d.h. zeitlichen Ausschnitten (time-slices) eines
Individuums, als ontologischen Primitiva aus. Diese Position impliziert, dass
es eine lexikalische Klasse von Stadienprädikaten gibt. Die Prädikate, die
nicht zu dieser Klasse gehören, sind die Individuenprädikate. Die Klassenzu-
gehörigkeit eines Prädikats spiegelt sich in seinen Selektionsrestriktionen wider.
Folglich ist die entscheidende Information darüber, ob eine Prädikation tem-
porär/akzidentell verstanden wird oder nicht, in den jeweiligen lexikalischen
Selektionsrestriktionen des Prädikatsausdrucks verortet.
4.3. ZWEI-KLASSEN-SYSTEME 68

Für Bulygina hingegen sind zeitliche Ausschnitte von Individuen (Stadien)


Interpretationseffekte, die sich normalerweise dann einstellen, wenn ein zeit-
lokalisiertes Prädikat, dessen lexikalischer Gehalt einen Sachverhaltstypen be-
schreibt, der typischerweise nur für eine sehr kurze Zeitspanne gültig ist, mit
einem Individuenterm verbindet. Es ist in ihrer Theorie nicht so, dass Prädikate
wie bei Carlson lexikalisch als stadienbezogen oder nicht-stadienbezogen vor-
sortiert sind. Mit anderen Worten, die Information darüber, ob eine Prädikation
nur für die Dauer eines Stadiums des Argumentreferenten gilt, ist bei Buly-
gina keine semantische Information, sondern eine pragmatische. Der deskrip-
tive Gehalt des Prädikats bestimmt, ob eine Verwendung mit Bezug auf die
gesamte Existenzzeit des Argumentreferenten oder lediglich mit Bezug auf
ein Stadium wahrscheinlicher ist. Wie das Prädikat dann tatsächlich verwen-
det wird, entscheidet sich jedoch erst im Kontext. Lexikalisch vorsortiert sind
Prädikate bei Bulygina aber hinsichtlich des Merkmals der zeitlichen Lokali-
siertheit. Daran, ob es sich um ein zeitlokalisiertes (episodisches) oder um ein
nicht-zeitlokalisiertes (generisches) Prädikat handelt, entscheidet sich, ob das
jeweilge Argument des Prädikats objektreferierend (konkretreferierend) inter-
pretiert werden muss oder artreferierend (nicht-konkretreferierend) interpretiert
werden kann.
Kratzer’s (1989/1995) Theorie ähnelt dem Ansatz von Bulygina dahinge-
hend, dass auch Kratzer Stadien nicht als ontologische Primitiva, sondern als Ef-
fekte ansieht. Wie Bulygina führt auch Kratzer nicht-generische Prädikationen
darauf zurück, dass das betreffende Prädikat auf eine (raum)zeitlokalisierte
Interpretation festgelegt ist. Kratzer unterscheidet ebenfalls lexikalisch
(raum)zeitlokalisierte und nicht-(raum)zeitlokalisierte Prädikate. Da sind zum
einen die Prädikate, die in ihrer Argumentstruktur ein referentielles Situations-
argument tragen (die von Kratzer leider “Stadienprädikate” genannt werden),
und da sind zum anderen die übrigen Prädikate, die kein solches referentielles
Argument tragen (die entsprechend “Individuenprädikate” heißen). Die Präsenz
eines (Davidsonschen) Situationsarguments hat den Effekt, dass die G ültigkeit
der Prädikation in jedem Fall an eine raumzeitliche Lokation gebunden wird –
was auch immer seine genaue Natur sein mag:
I don’t want to commit myself to a particular view with respect to the
precise nature of the Davidsonian argument. It may not be an event
argument. It may simply be an argument for spatiotemporal location.
This is the minimal assumption necessary to explain the data
(Kratzer 1995:128)
Es ist wichtig herauszustellen, dass Kratzer’s Unterscheidung zwischen ge-
nerischen und episodischen Prädikaten nicht wie bei Carlson auf einer ontolo-
gischen Unterscheidung zwischen Individuen und Stadien beruht, sondern wie
4.4. ZUM BEGRIFF DER REFERENTIALIT ÄT 69

bei Bulygina auf der Idee, dass Prädikate mit oder ohne Raumzeitbezug daher-
kommen können. Nur wenn ein Prädikat auf eine konkrete raumzeitliche Lo-
kation bezogen wird, wird die betreffende Eigenschaftszuweisung akzidentell
verstanden. Wenn nicht, muss die Eigenschaftszuweisung essentiell interpre-
tiert werden. (5) zeigt die Bedeutungsrepräsentation des Satzes Bill is running
nach Kratzer (“l” ist eine Variable über raumzeitliche Lokationen):
(44) [[ Bill is running ]] = ∃l.RUN(Bill,l)
Sowohl Bulygina (1982) als auch Kratzer (1989/1995) gehen von
einer lexikalischen Klassifikation natürlichsprachlicher Prädikate in
(raum)zeitlokalisierte und nicht-(raum)zeitlokalisierte Prädikate aus. Im Ge-
gensatz dazu werde ich vorschlagen (Kapitel 6), sämtliche Prädikate lexikalisch
als nicht-raumzeitlokalisiert anzusehen.
Das beschließt unseren kurzen Vergleich ontologischer und lexikalischer
Klassifikationen, wie sie von verschiedenen Semantikern des angloamerikani-
schen und des russischen Wissenschaftsraums vertreten werden. Bevor ich zur
Zusammenfassung der Ergebnisse komme, sei noch auf einen wichtigen termi-
nologischen Aspekt hingewiesen.

4.4 Zum Begriff der Referentialität

Das Attribut “referentiell” wird von den hier diskutierten “westlichen” und
russischen Linguisten in unterschiedlicher Weise verwendet: Während erste-
re sowohl Objektterme (nicht-generische NPs) als auch Artterme (generische
NPs) als referentiell kennzeichnen, verdienen für letztere nur Objektterme das
Attribut “referentiell” – Artterme werden als nichtreferentiell kategorisiert.
Diese terminologische Uneinigkeit durchzieht die einschlägige Literatur, was
natürlich die Gefahr von Missverständnissen birgt. Man beachte jedoch, dass
es mitnichten so ist, dass sich die Praxis, ausschließlich Objektterme als refe-
rentiell zu bezeichnen, nur auf den russischen Wissenschaftsraum beschr änken
würde4, vergleiche z.B. Givón:
In the terms used here, referentiality is a semantic property of nomi-
nals. It involves, roughly, the speaker’s intent to ‘refer to’ or ‘mean’
a nominal expression to have non-empty references – i.e. to ‘exist’ –
within a particular universe of discourse. Conversely, if a nominal is
‘non-referential’ or ‘generic’, the speaker does not have a commitment
to its existence within the relevant universe of discourse. Rather, in the
4 So dass wir endlich auch die mehr Schaden als Nutzen bringende Konstruktion eines
“westlichen Forschers” ad acta legen können.
4.5. SCHLUSS 70

latter case the speaker is engaged in discussing the genus or its proper-
ties, but does not commit him/herself to the existence of any specific
individual member of that genus. (Givón 1978:293-294)

Wir sehen, auch für Givón ist ein Ausdruck, der sich auf eine Art (“genus”)
bezieht, kein referentieller Ausdruck. Wenn Givón hier davon spricht, dass Re-
ferenten im Diskursuniversum “existieren”, dann meint er damit, dass das Dis-
kursuniversum mindestens eine Objektinstanz der betreffenden Art (“member
of that genus”) enthält. Ein nominaler Ausdruck ist in diesem Sinne “referen-
tiell”, wenn seine Interpretation die Existenz von Objekten enthält. Das heißt,
nur object-level Nominalphrasen gelten als referentiell.
An anderer Stelle (Givón 1978:323) ist auch davon die Rede, dass sich nicht-
referentielle (generische) nominale Ausdrücke auf ein “Typenuniversum” und
referentielle nominale Ausdrücke auf ein “Tokenuniversum” beziehen. Dies ent-
spricht wiederum genau der Position, die ich, Krifka (1995) folgend, in dieser
Arbeit vertrete: die Entitätendomäne ist partitioniert in eine Artdomäne (=Ty-
penuniversum) und eine Objektdomäne (=Tokenuniversum).
Weil es mir gerechtfertigt zu sein scheint, immer dann von einem “referen-
tiell” verwendeten Ausdruck zu sprechen, wenn sich dieser Ausdruck auf eine
Entität bezieht, sei es nun ein Typ oder ein Token, werde ich weiterhin der termi-
nologischen Konvention folgen, wonach auch Artterme referentielle Ausdrücke
sind.

4.5 Schluss

In diesem Kapitel wurden verschiedene von mir als Typ-Token-Theorien be-


zeichnete Generizitätstheorien vorgestellt. Allen gemeinsam ist eine Grundein-
teilung der zugrundeliegenden Ontologie in zwei Sorten von Entitäten, von de-
nen eine Entitätssorte als raumzeitlich lokalisiert und die andere als raumzeit-
lich nicht lokalisiert angesehen wird. Aus dieser vorausgesetzten ontologischen
Unterscheidung gewinnen diese Theorien ihre Potenz, den in den sprachlichen
Daten beobachtbaren semantischen Kontrast zwischen nicht-generischen und
generischen Termen (nominale Generizität) und nicht-generischen und generi-
schen Prädikaten (Prädikatsgenerizität) zu erklären: eine Nominalphrase wird
generisch verwendet, wenn man mit ihr auf eine raumzeitlich nicht lokalisier-
te Entität referiert; ein Prädikatsausdruck wird generisch verwendet, wenn man
mittels dieses Ausdrucks einer raumzeitlich nicht lokalisierten Entität eine Ei-
genschaft zuweist.
Carlson’s spezifische Theorie stellt sozusagen den Prototypen einer Type-
Token-Theorie dar, die von Chierchia (1989) wie folgt charakterisiert wird:
4.5. SCHLUSS 71

Carlson [. . . ] has strongly argued for the fruitfulness of a type/token


distinction that cuts across the whole domain of individuals [. . . ] So
the domain of entities is articulated into individuals and kinds, on the
one hand, and their stages on the other. This classification leads to a
striking simple notion of genericity. A generic statement is about an
“intensional” entity, namely an ordinary individual or a kind. A non
generic statement is about stages, i.e. specific, spatiotemporally loca-
ted, “extensional” entities. (Chierchia 1989:11-12)
Die vorgestellten Type-Token-Theorien unterscheiden sich dahingehend, wie
der Kontrast zwischen raumzeitlichen und nicht-raumzeitlichen Entitäten im je-
weiligen Fall implementiert wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang die
unterschiedliche Rolle, die den Objekten zugeschrieben wird.
Keine semantische Theorie kommt ohne Objekte in der Ontologie aus. Der
Grund hierfür ist, dass Objekte diejenigen Entitäten sind, die durch Eigenamen
wie Maria, Moby Dick, Helgoland, etc. bezeichnet werden. Während Carlson
(1977) nun aber Objekte als nicht-raumzeitliche Entitäten klassifiziert, d.h. zu
den Typen zählt, übernehmen Objekte in anderen Theorien (z.B. Krifka et al.
1995) die Rolle der raumzeitlichen Entitäten, d.h. der Token.
Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass Objekte (die Tr äger von Ei-
gennamen) dreidimensional sind und dass sie in der Zeit existieren. Wie k önnten
Objekte also nicht raumzeitlicher Natur sein? Ich vermute, dass der Grund dafür,
dass Carlson den kontraintuitiven Weg gewählt hat, Objekte als raumzeitlich
nicht lokalisierte Entitäten anzusehen, in linguistischen Fakten begründet liegt:
(45) a. Der Pottwal ist ein Wal
b. Moby Dick ist ein Wal
In den beiden Sätzen unter (6) tritt das Prädikat ist ein Wal in generischer Ver-
wendung auf. In einem Fall, (6a), wird die essentielle Eigenschaft, ein Wal zu
sein, einer Art zugewiesen, nämlich der Art ‘Pottwal’. Im anderen Fall jedoch
wird dieselbe essentielle Eigenschaft, ein Wal zu sein, einem Objekt zugewie-
sen, dem Pottwal namens Moby Dick. Dieses Datum führt zu einem Problem.
Wenn einerseits generische Prädikate als Eigenschaftszuweisungen an nicht-
raumzeitlokalisierte Entitäten modelliert werden und wenn andererseits Objekte
als raumzeitlokalisierte Entitäten aufgefasst werden, wie soll dann die semanti-
sche Komposition eines Satzes wie (6b) funktionieren? Die Bedeutungsstruktur
dieses Satzes läuft auf eine semantische Diskrepanz (mismatch) hinaus5. Carl-
son löst dieses Problem eben dadurch, dass er Arten und Objekte unter einer
5 Man könnte natürlich einen Sortenverschieber postulieren, der die Komposition ret-
tet, indem er das Artprädikate ist ein Wal in ein Objektprädikat überführt (vgl. Dölling
1992). Das Problem mit Sortenverschiebern ist aber, dass sie häufig nicht vorhersagbar
sind. Solange man keine weitere Motivation für das Erscheinen eines Sortenverschiebers
4.5. SCHLUSS 72

ontologischen Sorte zusammenfasst, nämlich als nicht-raumzeitlokalisierte In-


dividuen.
Bei meinem eigenen Ansatz, den ich in den folgenden Kapiteln vorstellen
werde, handelt es sich ebenfalls um eine Typ-Token-Theorie. Ich folge Krifka
(1995) dahingehend, Objekte als raumzeitliche Entitäten den Arten als nicht-
raumzeitlichen Entitäten gegenüberzustellen. Generische Nominalphrasen sind
Artterme – generische Verbalphrasen sind Artprädikate. Die Frage, wie ich das
mit (6) verbundene Problem löse, beantworte ich in den folgenden Kapiteln.

anbieten kann, außer dass er eine formale “Lösung” der semantischen Diskrepanz leistet,
müssen Sortenverschieber als ad hoc Lösungen gelten.
Kapitel 5

Indefinite Artreferenz – das Problem mit


dem Kürbiscrusher

5.1 Übersicht

Das Thema dieses Kapitels ist die Semantik der indefiniten Nominalphrase.
Speziell geht es um die Frage nach dem semantischen Potential generischer
indefiniter NPn. Nach standardtheoretischer Auffassung kann mittels einer in-
definiten NP wie ein Wal prinzipiell nicht auf die Art ‘Wal’ referiert werden.
Diese Position werde ich, einem Vorschlag von Dayal (2004) folgend, als zu
kategorisch zurückweisen. Wir werden sehen, dass indefinite NPn sehr wohl
das semantische Potential für nicht-taxonomische Artreferenz haben, dass es
allerdings sehr häufig vorkommt, dass diese Referenzweise aus pragmatischen
Gründen blockiert ist.

5.2 Unterartreferenz und der Kürbiscrusher

Carlson (1977) hat eine Klasse von Prädikaten idenitifiziert, deren Argumentslot
für Artterme reserviert ist. Bei manchen ist es das Subjekt, das lexikalisch auf
Arten festgelegt ist (be extinct, die out, be widespread, etc.), bei anderen das
direkte Objekt (invent, exterminate, etc.). Krifka et al. (1995:10) benutzen diese
Carlsonschen Artprädikate als Testumgebungen, um zu bestimmen, ob eine NP
das Potential für Artreferenz hat oder nicht.
(46) a. The lion will become extinct soon.
b. Lions will become extinct soon.
c. A lion will become extinct soon.
Ihre Beobachtung: Während mittels der definiten NP in (1a) und mittels der
Bare Plural-NP in (1b) Referenz auf die Art ‘Löwe’ möglich ist, kann mittels
5.2. UNTERARTREFERENZ UND DER KÜRBISCRUSHER 74

der indefiniten NP in (1c) nicht auf die Art ‘Löwe’ referiert werden. Stattdessen
muss (1c) so verstanden werden, dass eine Unterart der Art ‘L öwe’ bald aus-
stirbt. Dasselbe Muster zeigt sich auch, wenn NPn im Objektslot von Prädikaten
wie invent oder exterminate erscheinen. (2b) kann offenbar nur so verstanden
werden, dass Babbage eine Unterart der Art ‘Computer’ erfunden hat (z.B. ein
spezielles Computermodell):
(47) a. Babbage invented the computer.
b. Babbage invented a computer.
Dayal (2004:396) zweifelt an der Zwangsläufigkeit der Schlussfolgerung,
dass indefinite NPn nicht auf die beim Namen genannte Art referieren können.
Als Gegenevidenz präsentiert sie ein Beispiel von Bart Geurts:
(48) Fred invented a pumpkin crusher.
Worauf bezieht sich in diesem Beispiel die NP a pumpkin crusher?
Eine Möglichkeit ist zweifellos, dass sie sich auf eine Unterart der Art
‘Kürbiscrusher’ bezieht (z.B. auf die Art ‘hydraulischer K ürbiscrusher’). Das
Besondere an (3) ist jedoch, dass sich a pumpkin crusher auch auf die Art
‘Kürbiscrusher’ selbst beziehen kann. Dies widerspricht der von Krifka et al.
(1995) vertretenen Regel, welche ich hier in abstrakter Form als zweiteilige “K-
Regel” formuliere:
K1: Eine NP der Form a N kann artbezogen interpretiert so verstanden werden,
dass sie sich auf eine Unterart von ‘N’ bezieht.
K2: Sie kann nicht so verstanden werden, dass sie sich auf die Art ‘N’ selbst
bezieht.
Das Beispiel (3) steht offenbar im Widerspruch zur zweiten K-Regel (=K2):
Wenn als N der Ausdruck pumpkin crusher erscheint, dann sollte sich a pumpkin
crusher nicht auf die Art ‘Kürbiscrusher’ beziehen können. Doch das kann es
offensichtlich. Dayal (2004) weist deswegen die Gültigkeit einer Regel wie K2
zurück. Was sie stattdessen vorschlägt formuliere ich als dreiteilige “D-Regel”:
D1: Sowohl NPn der Form the N als auch NPn der Form a N können sich auf
die Art ‘N’ beziehen.
D2: NPn der Form the N beziehen sich auf diskurs-alte (“familiar”) Arten.
D3: NPn der Form a N beziehen sich auf diskurs-neue (“novel”) Arten.
Wer hat Recht, Krifka und Kollegen oder Dayal? Welche Regel ist angemes-
sen, die K-Regel oder die D-Regel?
5.3. INDEFINITE NPN IN CARLSONSCHEN OBJEKTPR ÄDIKATIONEN 75

5.3 Indefinite NPn in Carlsonschen Objektprädikationen

Generische indefinite NPn treten nicht nur als Argumente von Carlsonschen
Artprädikaten auf. Bevor wir uns Carlsonschen Artprädikationen mit indefiniten
Argument-NPn zuwenden, soll in diesem Abschnitt deswegen kurz auf generi-
sche indefinite Subjekt-NPn von Carlsonschen Objektprädikaten eingegangen
werden.
Weil sich Prädikate wie die in (4) mit einem objektreferierenden Eigennamen
verbinden, werden sie von Carlson (1977) als “object-level” Prädikate klassifi-
ziert1 :
(49) a. Moby Dick ist intelligent.
b. Moby Dick hat Flossen.
c. Moby Dick ist ein Säugetier.
Carlsonsche Objektprädikate können wie folgt definiert werden:

Ein Carlsonsches Objektprädikat ist ein Prädikat, das syntaktisch


einen Objektterm als Argument selegiert und semantisch einem Objekt
(nämlich dem Referenten des Arguments) eine Eigenschaft zuweist.

Diese Prädikate erlauben jedoch nicht nur objektreferierende, sondern auch


generische Subjekte. Letztere können von Bare Plural NPn (5) und definiten
Singular-NPn (6) sowie von indefiniten NPn (7) gebildet werden:
(50) a. Delphine sind intelligent.
b. Narwale haben ein Horn.
c. Wale sind Säugetiere.
(51) a. Der Delphin ist intelligent.
b. Der Narwal hat ein Horn.
c. Der Wal ist ein Säugetier.
(52) a. Ein Delphin ist intelligent.
b. Ein Narwal hat ein Horn.
c. Ein Wal ist ein Säugetier.
1
Auch Carlsonsche Stadienprädikate können mit Objekttermen kombiniert werden.
Nach Carlson weisen sie aber nicht dem Objekt im Ganzen eine Eigenschaft zu, wie die
Prädikate in (4), sondern lediglich einem seiner Stadien.
5.3. INDEFINITE NPN IN CARLSONSCHEN OBJEKTPR ÄDIKATIONEN 76

Wie erklärt man die generische Interpretation der Subjekte in (5) bis (7)?
In Carlson’s (1977) System folgt die Generizität aus den ontologischen Kate-
gorien, die seiner semantischen Theorie zugrunde liegen: Objekte bilden ge-
meinsam mit den Arten die ontologische Klasse der Individuen, die als abstrak-
te Entitäten den raumzeitlich gebundenen Stadien gegenüberstehen2. Abstrakte
Entitäten sind per definitionem generische Entitäten (=Individuen). Nur mit Sta-
dienprädikationen können Aussagen über nichtgenerische Entitäten (=Stadien
von Individuen) gemacht werden.
Krifka et al. (1995) folgen Carlson darin, Prädikate wie die unter (4) als
Prädikate anzusehen, deren Argumentslot für Objekte reserviert ist3 . Allerdings
treffen sie andere ontologische Grundannahmen als Carlson. Sie verzichten auf
Stadien und sehen stattdessen Objekte als partikuläre, raumzeitliche Entitäten
an. Diesen “realen Objekten” stehen als “abstrakte Konzepte” die Arten ge-
genüber (vgl. Krifka 1995). Weil nun Objekte bei Krifka et al. keine abstrakten
Entitäten mehr sind, entfällt die Möglichkeit, die Generizität der Subjekte in
(5) bis (7) auf Eigenschaftszuweisungen an abstrakte Entitäten (d.h. auf Carl-
sonsche Individuenprädikationen) zurückzuführen. Eine alternative Erklärung
muss her.
Für Krifka et al. (1995) resultiert die Generizität der Sätze daraus, dass die
auf die syntaktischen Konstituenten des jeweiligen Satzes verteilten semanti-
schen Komponenten eingebettet in eine dreigeteilte Quantifikationsstruktur in-
terpretiert werden, wobei der beteiligte Quantor der Generizitätsoperator GEN
ist. Betrachten wir ein Beispiel: Eine semantische Repräsentation von (7a) im
Sinne der Standardtheorie4 könnte etwa wie in (8) aussehen, wobei “x” eine Va-
riable über Objekte und “s” eine Variable über Situationen (hier: Zustände) ist
(vgl. Chierchia 1995)5:

(53) a. Ein Delphin ist intelligent.


b. GEN x, s [ C(x, s) & DELPHIN(x) ] [ INTELLIGENT (x, s) ]

Demnach wäre der Satz wahr, wenn in allen Situationen, die die Erfolgs-
2
Vgl. die Diskussion in Kapitel 2.
3 Krifka et al. (1995:10) zählen ein Prädikat wie ist ein Säugetier allerdings im Ge-
gensatz zu Carlson zu einer besonderen gemischten Prädikatsklasse. Mitglieder dieser
Klasse werden zwar auch “Artprädikate” genannt, haben aber die Besonderheit, dass
sie auch Objektterme als Argumente zulassen. Ich werde auf diese Mischlingsklasse in
Abschnitt 9 noch zurückkommen.
4 Damit meine ich die Theorie(n) zur Generizität, wie sie in Carlson & Pelletier
(1995), speziell Krifka et al. (1995), präsentiert werden.
5 Vergleiche die Diskussion im Einleitungskapitel.
5.4. INDEFINITE NPN IN CARLSONSCHEN ARTPR ÄDIKATIONEN 77

bedingungen (“felicity conditions”) des Prädikats intelligent sein erfüllen6, ein


jedes Objekt, das ein Delphin ist, auch ein Objekt ist, das intelligent ist. Cha-
rakteristisch für diese Analyse ist, dass die indefinite NP ein Delphin für sich
betrachtet den semantischen Status eines (nichtgenerischen) Objektterms hat.
Seine generische Interpretation kommt erst durch die Einbettung in eine be-
stimmte syntaktische Umgebung zustande.
Fassen wir soweit zusammen: Generisch interpretierte indefinite Singular-
NPn treten in Prädikationen auf, die von Carlson (1977) als object-level
Prädikationen bezeichnet werden. Nach Krifka et al. (1995) ist ihre Generizität
Konsequenz eines koverten Generizitätsoperators in der semantischen Satz-
struktur.

5.4 Indefinite NPn in Carlsonschen Artprädikationen

Neben den Objektprädikaten identifiziert Carlson eine Klasse von Prädikaten,


die er “kind-level” Prädikate nennt. Sie lassen sich wie folgt definieren:
Ein Carlsonsches Artpr ädikat ist ein Prädikat, das syntaktisch einen
Artterm als Argument selegiert und semantisch einer Art (nämlich dem
Referenten des Arguments) eine Eigenschaft zuweist.
Wie bereits in Abschnitt 2 erwähnt beobachten Krifka et al. (1995), dass
indefinite NPn als Argumente von Carlsonschen Artprädikaten eine besonde-
re Interpretation erfahren, die sie “taxonomisch” nennen: während sich Bare
Plural-NPn (9) und definite Singular-NPn (10) jeweils auf die durch das Nomen
beim Namen genannte Art (hier: ‘Blauwal’) beziehen, können sich indefinite
NPn nur auf eine Unterart dieser Art (hier: eine Unterart der Art ‘Blauwal’)
beziehen; vgl. die oben formulierte K-Regel:
(54) a. Blauwale sind vom Aussterben bedroht.
b. Blauwale kommen in dieser Gegend selten vor.
(55) a. Der Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
b. Der Blauwal kommt in dieser Gegend selten vor.
(56) a. Ein Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
b. Ein Blauwal kommt in dieser Gegend selten vor.
Ein auf den ersten Blick überraschendes Datum ist nun (12), denn in diesen
Beispielen ist Referenz auf die Art ‘Blauwal’ mittels der indefiniten Subjekt-NP
sehr wohl möglich:
6 Eine Situation, in der ein Delphin an Altersdemenz leidet, gehört z.B. nicht dazu.
5.4. INDEFINITE NPN IN CARLSONSCHEN ARTPR ÄDIKATIONEN 78

(57) a. Ein Blauwal ist ein seltenes Tier.


b. Ein Blauwal ist ein vom Aussterben bedrohtes Tier.
Will man an der K-Regel festhalten, so muss man angesichts von (12) argu-
mentieren, dass die Prädikate ist ein seltenes Tier und ist ein vom Aussterben
bedrohtes Tier im Gegensatz zu ist vom Aussterben bedroht und ist selten keine
Artprädikate sind, sondern Objektprädikate7 . Dann könnte man die Generizität
der indefiniten Subjekte in (12) analog zu (8) durch Quantifikation über Situa-
tionen mit involvierten Objekten erklären. Aber: Sätze wie die unter (13) wären
dann als akzeptabel vorausgesagt und ich bin skeptisch, dass ich sie akzeptieren
würde8:
(58) a. ? Lora ist ein seltener Papagei.
b. ?? Lora ist ein vom Aussterben bedrohter Vogel.

Aber zurück zu Sätzen wie (11) und der Frage, warum in diesen Fällen Re-
ferenz auf die beim Namen genannte Art ausgeschlossen ist. Es sind zwei Al-
ternativen im Angebot. Krifka et al. (1995) bieten eine semantische Erklärung
an: Referenz auf die beim Namen genannte Art ist ausgeschlossen, weil eine
indefinite NP nicht über das semantische Potential verfügt, die beim Namen ge-
nannte Art zu bezeichnen. Zu den Regeln der Syntax-Semantik-Abbildung im
Englischen und Deutschen gehört ganz einfach auch die K-Regel. Dayal (2004)
bietet eine pragmatische Erklärung an: Referenz auf die beim Namen genannte
Art mittels einer indefiniten NP ist möglich, sofern die bezeichnete Art die Neu-
heitsbedingung (novelty condition) erfüllt. In Beispielen wie (11) ist das nicht
gegeben, deshalb muss auf eine andere Interpretation – die Unterart-Lesart –
ausgewichen werden. In einem Beispiel wie (3) dagegen ist die Neuheitsbedin-
gung erfüllt und die Art ‘Kürbiscrusher’ kann mittels der indefiniten NP pro-
blemlos in den Diskurs eingeführt werden.
Zusammenfassung: Mit Prädikaten wie ist vom Aussterben bedroht, die Carl-
son (1977) als kind-level Prädikationen behandelt, müssen indefinite Singular-
NPn “taxonomisch”, d.h. unterartreferierend, verstanden werden. Transformiert
man diese Prädikate in nominale Prädikate (ist vom Aussterben bedroht → ist
ein vom Aussterben bedrohtes Tier), so ist Referenz auf die beim Namen ge-
nannte Art allerdings möglich.
7 Oder sie gehören zu der seltsamen Klasse von Artprädikaten, die Eigenschaften
denotieren, die gleichzeitig über Objekte prädiziert werden können (vgl. Fussnote 3).
8 (13a) ist akzeptabel, wenn man selten so versteht, dass es individuelle Eigenschaf-
ten von Lora sind, die sie zu einer Seltenheit machen, d.h. wenn Lora sich durch Eigen-
schaften auszeichnet, die für Papageien ihrer möglicherweise gar nicht so seltenen Art
ungewöhnlich sind.
5.5. ZWEI ARTEN VON ARTPRÄDIKATEN 79

5.5 Zwei Arten von Artprädikaten

Führen wir uns noch einmal vor Augen, was es zu erklären gilt: Wieso ist (14a)
(mit intendierter Referenz auf die Art ‘Trullala’ selbst) nicht sprachgerecht,
(14b) aber sehr wohl?
(59) a. *Ein Trullala ist ausgestorben.
b. Fred hat heute ein Trullala erfunden.
Man könnte auf die Idee kommen, dass vielleicht die satzinitiale Position
in (14a) aus irgendeinem Grund mit einem indefiniten Artterm unverträglich ist.
Wie (15) jedoch zeigt, muss diese These sogleich wieder fallengelassen werden:
(60) Ein Trullala ist erfunden worden.
Versuchen wir lieber, den von Dayal (2004) vorgeschlagenen Weg zu gehen.
Ausgangspunkt war die Überlegung, dass die Verwendung des indefiniten Arti-
kels an die Bedingung geknüpft ist, dass der durch die Nominalphrase bezeich-
nete Referent als neu in den Diskurs einführt wird. Im Falle einer objektbezoge-
nen Interpretation der indefiniten NP gilt dies für den Objektreferenten, im Falle
einer artbezogenen Interpretation entsprechend für den Artreferenten. Dass man
(1c), (11a) und (14a) (in ihrer nicht-taxonomischen Lesart) zur ückweist, sollte
demnach darauf zurückzuführen sein, dass es sich bei dem jeweiligen Argu-
mentslot der Artprädikate will become extinct soon, ist vom Aussterben bedroht
und ist ausgestorben um eine syntaktische Position handelt, die die von einer
indefiniten NP eingeforderte Neuheitsbedingung nicht erfüllen kann. Im Gegen-
satz dazu steht der Realisierung des Arguments eines Prädikats wie ist erfunden
worden durch eine indefinite NP nichts im Wege. Warum?
Es gibt keine erschöpfende Liste der Prädikate, die die Klasse der Carlson-
schen Artprädikate bilden. Zwar besteht Einigkeit, dass man eine solche lexi-
kalische Klasse isolieren muss. Welche konkreten Beispiele jedoch als Carlson-
sche Artprädikat gelten und welche nicht, das steht zur Diskussion. Als Parade-
beispiel für ein Artprädikat gilt (be) extinct inklusive aller seiner Varianten: is
extinct, has died out, will become extinct soon, is in danger of extinction, etc.
Gerade diese Beispiele werden dann auch immer wieder benutzt, wenn es zu be-
stimmen gilt, ob eine Nominalphrase artbezogen interpretiert werden kann oder
nicht. Andere Prädikate, die Carlson (1977) als Artprädikate aufführt, sind um-
strittener. So wird z.B. vorgeschlagen, (be) common und (be) numerous nicht als
Artprädikate, sondern als Frequenzprädikate zu behandeln (vgl. Katz & Zam-
parelli 2005). Auch Krifka (p.c.) gelangt angesichts der Tatsache, dass ein Satz
wie ein weisser Elefant ist selten völlig akzeptabel ist, zu der Überzeugung, dass
selten sein besser aus der Klasse der Artprädikate auszuklammern ist.
5.5. ZWEI ARTEN VON ARTPRÄDIKATEN 80

Die Sätze unter (16) zeigen Artprädikationen, die im Einklang mit der K-
Regel keine Referenz auf die durch das Kopfnomen benannte Art zulassen.
Die Beurteilungen (Stern) beziehen sich also weder auf die in allen Beispielen
mögliche unterartreferierende Lesart, noch auf die teilweise mögliche objektre-
ferierende Lesart:
(61) a. *Ein Universalgelehrter ist heutzutage so gut wie ausgestorben.
b. *Ein Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
c. *Ein arktischer Grauwal wurde ausgerottet.
d. *Ein Feldhase steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten.
e. *Eine Mähnenrobbe wurde auf den GaLApagosinseln entdeckt. 9
f. *Ein Wolf wird größer, je weiter man nach Norden fährt.
g. *Ein H5N1-Virus grassiert jetzt auch in Europa.
Die Sätze unter (17) zeigen ebenfalls Artprädikationen mit indefiniten
Subjekt-NPn. In diesen Fällen ist Bezug auf die durch das Kopfnomen benann-
te Art jedoch möglich (die in Klammern angegebenen Ergänzungen verhindern
ein Ausweichen auf die objektreferierende Interpretation):
(62) a. Ein Kürbiscrusher ist erfunden worden.
b. Ein Trabbi begegnet einem in Leipzig noch relativ häufig.
c. Eine Schiege ist (an zwei Orten gleichzeitig) gezüchtet worden.
d. Ein Royal Flush ist selten.
e. Eine indefinite NP kommt im Maori in zwei Varianten vor.
f. Ein Knurrhahn wird Knurrhahn genannt, weil er immer knurrt.
g. Eine Schachfigur ist entweder schwarz oder weiss.
h. Ein H5N1-Virus hat sich (an zwei Orten gleichzeitig) entwickelt.
i. Ein Schnuller geht von Zeit zu Zeit unwiederbringlich verloren.
Was die Beispiele unter (17) zeigen ist, dass die K-Regel eine zu starke theo-
retische Generalisierung ist. Sie muss entsprechend qualifiziert werden:
Es ist nicht so, dass Carlsonsche Artprädikate generell indefinite Artar-
gumente (in nicht-taxonomischer Lesart) ausschließen. Vielmehr ist es
so, dass es innerhalb der Klasse der Carlsonschen Artpr ädikate eine
Reihe von Prädikaten gibt, die in ihrer lexikalischen Bedeutung eine
Komponente tragen, die indefinite Artreferenz (in nicht-taxonomischer
Lesart) ausschließt. Zu letzteren gehört das Paradebeispiel aussterben.
9
Die intendierte Lesart ist jene, in der mit “Entdeckung” die erstmalige Entdeckung
der Spezies Mähnenrobbe überhaupt gemeint ist und der Ort dieser Entdeckung, die
Galapagosinseln, bei der Äußerung fokussiert ist.
5.6. ERFINDEN VERSUS AUSSTERBEN 81

Die Idee ist, dass besagte lexikalische Komponente die Bekanntheit (familia-
rity) des Artreferenten erforderlich macht, so dass indefinite NPn als Argumente
ausgeschlossen werden, weil der indefinite Artikel ja mit einer Neuheitsbedin-
gung assoziiert ist (z.B. Heim 1983). Das wäre dann eine Erklärung im Sinne
der D-Regel (s.o.). Die Frage lautet also: Was ist das für eine “lexikalische Kom-
ponente”?
Fassen wir zusammen: Es gibt offenbar Artprädikate, die indefinite
Argument-NPn mit nicht-taxonomischer Referenz zulassen. Dieses Referenz-
verhalten auszuschließen kann deswegen kein kategoriales Merkmal von Art-
prädikaten sein, wie es die K-Regel unterstellt.

5.6 Erfinden versus Aussterben

Wir können die Artprädikate, die in (16) erscheinen, provisorisch unter dem Be-
griff der “Aussterben-Klasse” zusammenfassen und die in (17) demgegen über
als “Erfinden-Prädikate” bezeichnen. Allerdings sollen zwei Prädikationen aus
(17) aus der Erfinden-Klasse ausgeklammert werden, nämlich (18a) und (18b):
(63) a. Ein Knurrhahn wird Knurrhahn genannt, weil er immer knurrt.
b. Eine Schachfigur ist entweder schwarz oder weiss.
Der Grund für diese Sonderbehandlung ist, dass die Sätze in (18) nicht die
Existenz von Objektinstanzen enthalten. Satz (18a) ist selbst dann wahr, wenn
Knurrhähne ausgestorben sein sollten, und auch (18b) stellt nicht die Wahrheits-
bedingung, dass in der realen Welt tatsächlich Schachfiguren existieren. Die Re-
de ist vielmehr von potentiellen Knurrhähnen und Schachfiguren. Für alle ande-
ren Sätze in (17) dagegen gilt: Wenn sie wahr sind, dann müssen Kürbiscrusher,
Trabbis, H5N1-Viren etc. real existieren oder real existiert haben. Hier ist die
Rede also von aktualen Individuen.
Aussterben- und Erfinden-Prädikate haben gemeinsam, dass sie episodisch
sind. “Episodisch” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Wahrheits-
bedingungen dieser Prädikationen, im Gegensatz zu denen der Prädikationen
in (18), auch Bedingungen der realen (“aktualen”) Welt umfassen m üssen.
Aussterben- und Erfinden-Prädikate unterscheiden sich dahingehend, dass nur
die Beispiele der Aussterben-Klasse die K-Regel bestätigen, während die Bei-
spiele der Erfinden-Klasse sie widerlegen. Wer an der K-Regel festhalten will,
der müsste zeigen, dass die Prädikate der Erfinden-Klasse gar keine Art-
prädikate sind. Betrachten wir die einzelnen Erfinden-Prädikate einmal genauer:
(64) a. X ist erfunden worden.
b. X ist gezüchtet worden.
5.6. ERFINDEN VERSUS AUSSTERBEN 82

c. X hat sich entwickelt.


d. X ist selten.
e. X begegnet einem relativ häufig.
f. X kommt in zwei Varianten vor.
g. X geht von Zeit zu Zeit unwiederbringlich verloren.
Für diese Prädikate lassen sich die folgenden semantischen Paraphrasen an-
geben. Mit diesen Paraphrasen sollen und können keine präzisen lexikalisch-
semantischen Charakterisierungen gegeben werden. Die angegebenen seman-
tischen Beschreibungen sind sehr vereinfacht und zumindest teilweise auch
falsch, für den für unsere Diskussion relevanten Punkt aber vollkommen aus-
reichend:
(65) a. ‘es existieren Instanzen der Art X, weil ein Erfinden-Ereignis statt-
gefunden hat’
b. ‘es existieren Instanzen der Art X, weil ein Züchtungs-Ereignis
stattgefunden hat’
c. ‘es existieren Instanzen der Art X, weil ein Entwicklungs-Ereignis
stattgefunden hat’
d. ‘es existieren Instanzen der Art X, und zwar in geringer Zahl’
e. ‘es existieren Instanzen der Art X, und zwar in relativ großer Zahl’
f. ‘es existieren Instanzen der Art X, und zwar in zwei Varianten’
g. ‘es existieren Instanzen der Art X, von denen manche aus dem Zu-
griffsbereich ihres jeweiligen Besitzers verschwinden’
Betrachten wir demgegenüber die einzelnen Aussterben-Prädikate. Die
Prädikate in (21) können wie in (22) paraphrasiert werden:
(66) a. X ist ausgestorben.
b. X ist vom Aussterben bedroht.
c. X wurde ausgerottet.
d. X grassiert in Europa.
e. X wird größer, je weiter man nach Norden fährt.
f. X wurde auf den GaLApagosinseln entdeckt.
(67) a. ‘die Anzahl der Instanzen der Art X ist bis auf Null
zurückgegangen’
b. ‘die Anzahl der Instanzen der Art X wird bis auf Null zurückgehen,
wenn sich die gegenwärtige Entwicklung fortsetzt’
c. ‘die Anzahl der Instanzen der Art X ist durch Gewalteinwirkung bis
auf Null zurückgegangen’
5.7. ZUR TAXONOMISCHEN LESART 83

d. ‘Instanzen der Art X übertragen sich zur Zeit in Europa auf immer
mehr Lebewesen’
e. ‘die Instanzen der Art X im Norden sind größer als die Instanzen
der Art X im Süden’ (stark vereinfacht)
f. ‘Instanzen der Art X wurden erstmals auf den Galapagosinseln re-
gistriert’
Was die Paraphrasen sichtbar machen sollen ist, dass die Information über
die Existenz von Objektinstanzen der (durch das Nomen) genannten Art nur in
(19) Teil der jeweils zugewiesenen Eigenschaft ist; nur Erfinden-Prädikate ent-
halten die semantische Komponente ‘es existieren Instanzen der Art X’ als Teil
ihrer lexikalischen Bedeutung. Die durch ein Aussterben-Prädikat zugewiesene
Eigenschaft betrifft zwar ebenfalls Instanzen der genannten Art, doch ist die In-
formation darüber, dass es Instanzen der Art X gibt, nicht Teil der assertierten
Eigenschaft. Dass es Instanzen der Art X gibt, wird vom Sprecher als eine dem
Hörer bekannte Tatsache vorausgesetzt.
Zusammenfassung: Mit Erfinden-Prädikaten wird die Existenz von Instan-
zen der Art, über die eine Aussage gemacht wird, assertiert, während mit
Aussterben-Prädikaten die Existenz von Instanzen der Art, über die eine Aussa-
ge gemacht wird, präsupponiert wird. Die Interpretation von Prädikationen wie
in (18) ist dagegen unabhängig von der Existenz von Instanzen der bezeichneten
Art.

5.7 Zur taxonomischen Lesart

Wenn zwei syntaktisch kombinierte Ausdrücke aufgrund ihrer jeweiligen lexi-


kalischen Bedeutungen miteinander unvereinbare Bedingungen an ihre Verwen-
dung stellen, dann führt das dazu, dass der durch diese Kombination gebildete
komplexe Ausdruck als nicht sprachgerecht zurückgewiesen wird. Es sei denn,
es lässt sich eine (Re-)Interpretation finden derart, dass die beiden prima fa-
cie gegensätzlichen Bedingungen doch nebeneinander her existieren können.
Die mögliche taxonomische Interpretation der Sätze in (16), so schlage ich in
diesem Abschnitt vor, resultiert aus einer solchen Auflösung eines Bedeutungs-
konflikts, speziell des Konflikts zwischen den Gebrauchsbedingungen des inde-
finiten Artikels einerseits und denen des Aussterben-Prädikats andererseits.
Gemäß den oben gemachten Überlegungen präsupponieren Aussterben-
Prädikate kraft ihrer lexikalischen Bedeutung die Existenz von Instanzen der
Art, die das Kopfnomen ihrer Argument-NP beim Namen nennt. Weil das Wis-
sen um die Existenz von Instanzen einer Art trivialerweise die Bekanntheit der
Art erfordert, erhält der Hörer mit dem Aussterben-Prädikat also u.a. die In-
formation, dass der betreffende Artreferent entweder vorerwähnt oder zumin-
5.7. ZUR TAXONOMISCHEN LESART 84

dest erschliessbar ist. Unter Umständen gerät diese lexikalische Präsupposition


des Aussterben-Prädikats mit den Verwendungsbedingungen der Nominalphra-
se in Konflikt, die den zugehörigen Argumentausdruck bildet. Unter welchen
Umständen?
Morphosyntaktische NP-Typen – gemeint sind z.B. von einem definiten Arti-
kel begleitete NPn (wie im Deutschen der Rabe), von einem indefiniten Artikel
begleitete NPn (wie im Deutschen ein Rabe) oder artikellose NPn (wie im Deut-
schen der Bare plural Raben oder im Neuhebräischen der Bare singular ‘orev)
– bringen ihre eigenen Gebrauchsbedingungen mit. Welche das sind, das resul-
tiert aus der lexikalischen Bedeutung des Artikels, sofern ein solcher vorhanden
ist: die syntaktische Präsenz eines Artikels schränkt die Möglichkeiten der Ver-
wendung der jeweiligen Nominalphrase ein.
Einen definiten Artikel kann der Sprecher nur dann wählen, wenn der Refe-
rent der NP entweder explizit vorerwähnt oder kontextuell erschließbar ist. Ist
er es nicht und der Sprecher wählt dennoch eine definite NP, so zwingt er damit
den Hörer, einen passenden Referenten zu akkommodieren. Mit anderen Wor-
ten, eine definite NP präsupponiert die Existenz ihres Referenten (vgl. Geurts
1999). Deswegen bietet es sich an, eine definite NP zu benutzen, wenn Refe-
renz auf eine bekannte Entität intendiert ist; definite NPn sind sozusagen das
Spezialwerkzeug, um auf bekannte Entitäten zu referieren.
Auch mit artikellosen NPn kann man sich auf bekannte Entitäten beziehen.
Da sie, ja artikellos, von keinem Funktionswort begleitet werden, welches Be-
dingungen an ihren Gebrauch stellen könnte, unterliegt ihre Verwendung keiner
lexikalischen Beschränkung bezüglich der Bekanntheit oder Neuheit möglicher
Referenten. Zwar müssen artikellose NPn nicht (wie definite NPn) zur Referenz
auf bekannte Entitäten benutzt werden, sie können es aber10 .
Indefinite NPn dagegen können nicht zur Referenz auf bekannte Entitäten
benutzt werden. Hier tritt nämlich wieder ein overter Artikel in Erscheinung,
der seine lexikalische Bedeutung mitbringt – mit entsprechenden Konsequen-
zen für die Verwendungsmöglichkeiten der indefiniten NP. Einen indefiniten
Artikel kann der Sprecher nur dann wählen, wenn der Referent der NP mit der
Äußerung neu in den Diskurs eingeführt wird. Um das oben gebrauchte Bild
noch einmal zu bemühen: NPn mit overtem indefiniten Artikel sind das Spezi-
alwerkzeug für Referenz auf neue Entitäten.
Die Tabelle in Abbildung 1 fasst das Gesagte zusammen. Mit Dayal (2004)
sei angenommen, dass diese lexikalischen Beschränkungen jeweils sowohl für
10 In Sprachen wie dem Deutschen oder Englischen, die über einen grammatikalisier-
ten definiten Artikel verfügen, werden Bare nominals nicht benutzt, um sich auf bekann-
te Entitäten zu beziehen. Der Grund hierfür ist, dass die Verfügbarkeit eines Spezialisten,
die definite NP, den Gebrauch eines Allrounders, die artikellose NP, blockiert (cf. Chier-
chia 1998, Krifka 2004).
5.7. ZUR TAXONOMISCHEN LESART 85

objektreferierende als auch für artreferierende NPn gelten. In der vorletzten Zei-
le der Tabelle ist der “Präsuppositionskonflikt” notiert, zu dem eine indefini-
te NP im Subjektslot eines Aussterben-Prädikats führen muss. Dass die durch
den Argumentausdruck des Aussterben-Prädikats bezeichnete Art bekannt sein
muss steht nämlich im Konflikt damit, dass die durch eine indefinite NP be-
zeichnete Art neu sein muss.
Ausdruck lexikalische Beschränkung
X ist ausgestorben X muss bekannt sein
der X X muss bekannt sein
ein X X muss neu sein
X-pl keine Beschränkung
der X ist ausgestorben okay
ein X ist ausgestorben Präsuppositionskonflikt
X-pl sind ausgestorben okay

Abbildung 5.1: lexikalische Beschränkungen

Das ganze noch einmal in einfachen Worten: Um zu verstehen, dass eine


Art ausgestorben ist, muss der Hörer wissen, dass es zuvor Instanzen der Art
gegeben hat. Wenn der Hörer weiss, dass es Instanzen der Art gegeben hat, dann
muss ihm die Art bekannt sein (wie hätte er sonst die Instanzen als Instanzen der
Art kategorisieren können?). Wenn die Art dem Hörer aber bereits bekannt ist,
dann kann sich der Sprecher auf sie nicht mittels einer indefiniten NP beziehen.
(68) Ein Blauwal ist ausgestorben.
Vor diesem Hintergrund ergibt sich nun eine sehr einfache Erklärung für das
Zustandekommen der unterartreferierenden Lesart indefiniter NPn in Verbin-
dung mit Aussterben-Prädikaten. Nehmen wir (23) als Beispiel und wiederho-
len noch einmal, worin der Konflikt besteht.
Das Prädikat ist ausgestorben verlangt kraft seiner lexikalischen Semantik
von seinem Argument zweierlei: Erstens, es muss sich auf eine Art beziehen.
Zweitens, die Existenz von Instanzen dieser Art muss vom Hörer als Tatsache
akzeptiert sein. Aus der zweiten Bedingung folgt zwingend, dass der Hörer mit
der betreffenden Art vertraut ist. Das heißt, der Satz kann nur in solchen Situa-
tionen adäquat geäußert werden, in denen die Art ‘Blauwal’ dem Hörer bekannt
ist. Diese Anforderung läuft nun der “normalen” artbezogenen Interpretation
der NP ein Blauwal zuwider, unter der die NP auf die durch das Kopfnomen
benannte Art ‘Blauwal’ referiert und diese dem Hörer als neu präsentiert wird.
So führt die Kombination der indefiniten NP mit dem Aussterben-Prädikat zu
einem scheinbar unüberwindbaren Konflikt zwischen zwei Bedingungen: die
5.7. ZUR TAXONOMISCHEN LESART 86

indefinite NP verlangt die Neuheit eines Artreferenten, das Aussterben-Prädikat


verlangt die Bekanntheit eines Artreferenten.
Tatsächlich ist dieser Konflikt aber auflösbar. Was dazu geschehen muss ist,
dass man den Referenten der kind-level NP kurzerhand verdoppelt, so dass ei-
ne der nun zwei Arten, als hörer-neu präsentiert, die Bedingung der indefiniten
NP ein Blauwal erfüllt und die andere, als hörer-bekannt präsentiert, die Bedin-
gung des Prädikats ist ausgestorben erfüllt. Und genau dies geschieht bei der
taxonomischen Interpretation!
Um zu verstehen, wie dies geschieht, muss man sich die besondere Binnen-
struktur der Artdomäne vor Augen führen. Das Nomen Blauwal ist einerseits
das sprachliche Symbol für eine Art, nämlich für die Art ‘Blauwal’. Bedingt
durch die taxonomische Architektur der Artdomäne ist das Nomen Blauwal
jedoch gleichzeitig ein Prädikat, welches die Menge aller Unterarten der Art
‘Blauwal’ inklusive der Art ‘Blauwal’ selbst charakterisiert11. Wenn wir den
indefiniten Artikel semantisch als Auswahlfunktion (choice function) ansehen,
die eine Menge auf eines ihrer Elemente abbildet (unter der pragmatischen Auf-
lage, dass das ausgewählte Element hörer-neu ist), dann ist also prinzipiell nicht
nur die durch das Nomen symbolisierte Art, sondern auch jede ihrer Unterarten
potentieller Referent einer indefiniten NP. Dieser Tatbestand wird nun im Falle
der sogenannten taxonomischen Interpretation ausgenutzt.
Das Prädikat ist ausgestorben präsupponiert die Existenz von Instanzen der
durch sein nominales Argument symbolisierten Art. Wird das Argument von der
indefiniten NP ein Blauwal gebildet, so wird – aus Sicht des Hörers – also die
Existenz von Blauwal-Instanzen zur Voraussetzung der Interpretation gemacht.
Daraus folgt: die Art ‘Blauwal’ muss bekannt sein. Weil die Art ‘Blauwal’ be-
kannt sein muss, kann sie nicht der Referent der indefiniten NP sein, denn in-
definite NPn beziehen sich ja auf neue Entitäten. Der Hörer/Interpret folgert,
dass sich die NP ein Blauwal auf einen anderen Artreferenten als die Art ‘Blau-
wal’ beziehen muss – auf einen, welcher weder im Diskurskontext vorerwähnt
noch aus dem Diskurskontext erschließbar ist. Die Frage ist, ob sich solch ein
Referent finden lässt.
Solch ein Referent lässt sich finden. Und zwar deswegen, weil ja – wie
oben ausgeführt – auch die Unterarten der durch das Kopfnomen benannten
Art mögliche Referenten einer indefiniten NP sind. Das Kopfnomen Blauwal
nennt weiterhin in seiner Eigenschaft als Symbol für eine Art die Art ‘Blau-
wal’ beim Namen, zum Referenten der NP ein Blauwal wird jedoch ein anderes
(hörer-neues) Element aus der durch das nominale Prädikat Blauwal charakte-
risierten Artenmenge. Diese Art der Konfliktauflösung ist möglich, weil jede
11 Vergleiche
im Einleitungskapitel den Abschnitt “Nominale Generizität II: der 2-
Domänen Ansatz”.
5.8. WOHLETABLIERTHEIT 87

Instanz einer Unterart automatisch auch eine Instanz der Oberart ist. Wenn sich
ein Blauwal in (23) also z.B. auf die Art ‘Zwergblauwal’ bezieht, dann kann die
Bedingung des Artprädikats, dass Instanzen der Art ‘Blauwal’ existieren, erfüllt
sein, obwohl die Art ‘Zwergblauwal’ dem Hörer unbekannt ist, was wiederum
die Verwendung des indefiniten Artikels legitimiert.
Fassen wir zusammen: Weil die Artdomäne taxonomisch organisiert ist, lässt
sich für einen Satz wie (23) eine Interpretation finden, obwohl sich hier die
durch die indefinite NP und das Aussterben-Prädikat eingebrachten Bedingun-
gen scheinbar gegenseitig ausschließen. Weicht man nämlich auf eine Unter-
art der durch das Kopfnomen der indefiniten NP benannten Art aus, so kann
die Präsupposition des Prädikats (es muss bekannt sein, dass Instanzen der Art
‘Blauwal’ existieren) und die des Arguments (der Referent der indefiniten NP
muss hörer-neu sein) gleichzeitig erfüllt sein.

5.8 Wohletabliertheit

Wofür ich argumentiere ist also, dass man mit einer indefiniten NP grundsätzlich
sehr wohl auf die Art referieren kann, die vom Kopfnomen der NP beim Namen
genannt wird. Der (falsche) Eindruck, dass indefinite NPn artbezogen nur unter-
artreferierend vorkommen können, entsteht, weil indefinite NPn tatsächlich sehr
häufig nur unterartreferierend vorkommen. In vielen Fällen ist die Möglichkeit
der (nicht-taxonomischen) Artreferenz blockiert. Der Grund ist die mit dem
indefiniten Artikel assoziierte Neuheitsbedingung. Diese steht beispielswei-
se einer (nicht-taxonomischen) Interpretation als Argument eines Aussterben-
Prädikats im Wege. Es bleibt nur ein Ausweichen auf die taxonomische Inter-
pretation. Wie wir gesehen hatten kann sich eine indefinite NP jedoch als Argu-
ment eines Erfinden-Prädikats ohne weiteres auf die “oberste Art” beziehen.
Nun ist es aber so, dass wir auch im Slot von Erfinden-Prädikaten mitunter
Unterartreferenz registrieren: Während (24a) sich auf die durch das Kopfnomen
benannte Art ‘Kürbiscrusher’ bezieht, bezieht sich (24b) auf eine Unterart der
durch das Kopfnomen benannten Art ‘Computer’. (24b) wird normalerweise so
verstanden, dass Fred ein neues Computermodell erfunden hat (vgl. (2)):
(69) a. Fred hat einen Kürbiscrusher erfunden.
b. Fred hat einen Computer erfunden.
Diese Beobachtung widerspricht meiner Analyse nur vordergündig. Der ent-
scheidende Unterschied zwischen den Beispielen ist, dass die Art, auf die das
direkte Objekt in (24b) Bezug nimmt im Gegensatz zu der in (24a) im Welt-
wissen des durchschnittlichen Sprechers des Deutschen wohletabliert (“well-
established in the background knowledge of speaker and hearer” (Krifka 1995))
5.9. ZUSAMMENFASSUNG 88

ist12 . Was bedeutet die Wohletabliertheit im Hintergrundwissen von Sprecher


und Hörer? Ich denke, eine vernünftige Definition ist die folgende:
Eine Art gilt dann als wohletabliert, wenn Sprecher und Hörer es ge-
meinsam als zweckmäßig erachten, eine Menge von Objekten unter der
betreffenden Art zusammenzufassen (=als Instanzen der betreffenden
Art zu kategorisieren).
Man beachte: Gemäß dieser Definition geht mit der Wohletabliertheit einer
Art das Wissen um die Existenz von Objekten einher, die eine bestimmte Eigen-
schaft, nämlich die Arteigenschaft, teilen. Wenn die vorgeschlagene Definition
richtig ist, dann liefert sie die Erklärung dafür, warum indefinite NPn, deren
Kopfnomen eine wohletablierte Art beim Namen nennt, nur unterartreferierend
verwendet werden können. Die Erklärung ist dann exakt dieselbe wie im Fal-
le von indefiniten Argumenten von Aussterben-Prädikaten. Die Generalisierung
lautet:
Wenn die Existenz von Instanzen der vom Kopfnomen benannten Art
Voraussetzung für die Interpretation der syntaktisch voll ausgebildeten
NP ist, dann führt die Verwendung einer indefiniten NP automatisch
zu einer unterartreferierenden Lesart, weil der indefinite Artikel nur
dann benutzt werden kann, wenn der NP-Referent neu in den Diskurs
eingeführt wird. Nur die Unterart, auf die sich die indefinite NP dann
bezieht, kann diese Neuheitsbedingung erfüllen.
Zusammenfassung: Eine indefinite NP verfügt über das semantische Poten-
tial zur nicht-taxonomischen Artreferenz. Allerdings bringt es die Neuheitsbe-
dingung des indefiniten Artikels mit sich, dass diese Möglichkeit immer dann
blockiert ist, wenn die Existenz von Instanzen der Art vorausgesetzt werden
muss. Dies ist der Fall, (i) wenn die indefinite NP im Slot eines Aussterben-
Prädikats erscheint und (ii) wenn das Kopfnomen der NP für eine wohletablierte
Art steht.

5.9 Zusammenfassung

Zum Abschluss dieses Kapitels sei noch einmal die Bedeutung der K-Regel f ür
die Art und Weise, wie die Standardtheorie die syntaktische Kategorie inde-
finiter Nominalphrasen in generischer Verwendung erklärt, herausgestellt. Wir
12
Krifka (1995) bezeichnet nur wohletablierte Kategorien als Arten. Ich weiche an
dieser Stelle terminologisch von ihm ab, da ich auch ad hoc Kategorien als Arten
bezeichne.
5.9. ZUSAMMENFASSUNG 89

hatten gesehen, dass die Standardtheorie (Krifka et al. 1995) ganz verschiedene
Sorten von generischen indefiniten NPn unterscheidet. Mit welcher Sorte man
es zu tun hat, hängt von den Eigenschaften des Prädikatsausdrucks ab, als des-
sen Argument die jeweilige indefinite NP erscheint.
Als Subjekt eines Carlsonschen Objektprädikats wird eine für sich betrachtet
objektdenotierende indefinite NP generisch verstanden, wenn sie eingebettet in
eine (durch einen koverten Operator induzierte) generalisierte Quantifikations-
struktur interpretiert wird:
(70) Ein Hund hat vier Beine.
Als Subjekt eines Frequenzprädikats wird ebenfalls eine für sich betrachtet
objektdenotierende indefinite NP deswegen generisch interpretiert, weil sie im
syntaktischen Kontext eines “Multiplizierers”, nämlich des Frequenzprädikats,
erscheint:
(71) Ein weisser Elefant ist selten.
Als Subjekt eines Carlsonschen Artprädikats wie aussterben wird eine inde-
finite NP nicht objektbezogen, sondern artbezogen interpretiert, referiert aber
gemäß der K-Regel auf eine Unterart. Hier wird die Quelle der Generizität al-
so darin gesehen, dass die indefinite NP nicht innerhalb der “gewöhnlichen”
Objektdomäne, sondern innerhalb der Artdomäne denotiert:
(72) Ein Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
Schließlich unterscheiden Krifka et al. (1995) noch einen besonderen
Prädikatstyp (vgl. Fussnote 3):
With some other predicates, such as be a mammal, be domesticated,
and be protected by law, the kind-referring interpretation of the subject
is not the only one; indeed, a proper name referring to a particular ani-
mal can also be used as subject with these. Yet when a general term is
used as subject NP, the kind-referring interpretation has at least priority
over the object-referring interpretation. We call predicates which favor
a kind-referring interpretation of an argument kind predicates. (Krifka
et al. 1995:10)
Prädikate dieses Typs sind sowohl mit Objekttermen als auch mit Arttermen
kompatibel. Das Zitat suggeriert, dass ihre Verbindung mit einem artreferieren-
den Ausdruck natürlicher ist als ihre Verbindung mit einem objektreferierenden
Ausdruck. Wenn ich es richtig verstehe, ist es nun so: Erscheint ein Artterm im
Slot dieser Prädikate, wird er artreferierend verstanden, ohne dass Unterartrefe-
renz erzwungen wäre:
5.9. ZUSAMMENFASSUNG 90

(73) Ein Wellensittich ist ein Vogel.


Damit ist (28) der einzige Fall, wo die Generizität der indefiniten NP auf
nicht-taxonomische Artreferenz zurückgeführt wird. Ansonsten verbietet die
Gültigkeit der K-Regel eine solche Analyse. Warum in (28) nicht-taxonomische
Artreferenz durch die K-Regel nicht ausgeschlossen wird, ist mir nicht ganz
klar. Krifka et al. (1995) scheinen “gemischte” Artprädikate wie be a mam-
mal, be domesticated oder be protected by law als Sonderfälle zu betrachten
(“some other predicates”), für die besondere Regeln gelten – und die K-Regel
eben nicht. Abgesehen von dieser Ausnahme gilt jedoch die K-Regel, so dass
mit einer indefiniten NP nicht nicht-taxonomisch artreferiert werden kann. Dies
erzwingt dann alternative Analysen.
Wenn die Argumentation in diesem Kapitel jedoch richtig ist, dann muss die
K-Regel fallengelassen werden. Dies würde die Möglichkeit eröffnen, die Gene-
rizität aller indefiniter NPn in (25) bis (28) auf eine Quelle zurückzuführen: auf
Artreferenz. Normalerweise auf nicht-taxonomische Artreferenz, in (27) aber
aufgrund der lexikalischen Besonderheit des Aussterben-Prädikats auf taxono-
mische Artreferenz.
Zu Beginn des Kapitels hatte ich gefragt, welche Regel angemessen ist, die
K(rifka)-Regel oder die D(ayal)-Regel. Die Antwort muss lauten: die D-Regel.
Hier ist sie noch einmal:
D1: Sowohl NPn der Form the N als auch NPn der Form a N können sich auf
die Art ‘N’ beziehen.
D2: NPn der Form the N beziehen sich auf hörer-bekannte Arten.
D3: NPn der Form a N beziehen sich auf hörer-neue Arten.
Kapitel 6

Lexikalische Prädikatsklassen – normale


und Carlsonsche Artprädikate

6.1 Übersicht

In Kapitel 5 hatten wir gesehen, dass die Standardtheorie (Krifka et al.


1995) ein heterogenes Bild zeichnet, wenn es darum geht, den kompositio-
nalsemantischen Beitrag eines Syntagmas aus indefinitem Artikel und No-
men in generischer Verwendung zu bestimmen. Ich hatte versucht zu zeigen,
dass dieses Vorgehen eine Konsequenz der theoretischen Voraussetzungen ist,
von denen ausgegangen wird, und zwar insbesondere eine Konsequenz der
Prädikatsklassifikation, die die Standardtheorie zwar nicht vollständig aber sehr
wohl in wesentlichen Teilen von Carlson (1977) übernimmt.
Der Zweck des vorliegenden Kapitels besteht darin, eine alternative lexikali-
sche Prädikatsklassifikation vorzustellen und den Nachweis zu führen, wie auf
ihrer Grundlage die aufgezeigten Schwierigkeiten überwunden werden. Die re-
vidierte Prädikatsklassifikation, die ich vorstelle, behält Carlson’s Grundidee,
eine systematische ontologische Unterscheidung zwischen Typen und Token,
bei. Anders als bei Carlson übernehmen in meinem System aber Objekte die
Rolle der Token, während nur Arten die Rolle von Typen spielen; auf Stadien
wird gänzlich verzichtet (vgl. Kapitel 4).
Prädikate, die Carlson als Objektprädikate und Stadienprädikate behandelt,
werden zu einer gemeinsamen lexikalischen Klasse zusammengefasst. Sie sind
im Lexikon als reine Artprädikate registriert, die jedoch bei entsprechendem
kommunikativen Bedarf durch eine Operation namens raumzeitliche Loka-
lisierung in Objektprädikate überführt werden können. Carlsonsche Stadien-
prädikate zeichnen sich, grob gesagt, gegenüber Carlsonschen Objektprädikaten
zudem dadurch aus, dass ihre raumzeitliche Lokalisierung mit Bezug auf David-
sonsche Ereignisse einhergeht. Ein Carlsonsches Artpr ädikat ist demgegenüber
kein reines Artprädikat, weil mit seiner Eigenschaftszuweisung immer Exi-
6.2. PRÄDIKATSKLASSEN IN DER STANDARDTHEORIE 92

stenzbedingungen an Objekte gestellt werden, die die Art instantiieren. Ent-


sprechend werden Carlsonsche Artprädikate von mir als komplexe Existenz-
prädikate analysiert.
Um den Ausgangspunkt meiner Diskussion zu fixieren sei in Abschnitt 2
noch einmal die Prädikatsklassifikation dargestellt, die hinter standardtheoreti-
schen Analysen steht, so beispielsweise hinter den Analysen verschiedener ge-
nerisch verwendeter indefiniter NPn. Abschnitt 3 stellt, gewissermaßen zur gro-
ben Orientierung, die Grundstruktur der Carlsonschen Prädikatsklassifikation
und die Grundstruktur meinen alternativen Klassifikation in einer sehr allge-
meinen Form dar. Die Auseinandersetzung mit den Details der Empirie beginnt
in Abschnitt 4, wo ich die “representative object interpretation” (Krifka et al.
1995) objektreferierender Nominalphrasen vorstelle, die für meine Argumen-
tation eine zentrale Rolle spielt. Wie ich in Abschnitt 5 ausführe, handelt es
sich nämlich bei allen generischen Aussagen über Objekte um Stellvertreter-
Lesarten. Unter der Voraussetzung, dass Arten als sortale Konzepte verstanden
werden (vgl. Kapitel 2), sind Objekte schließlich nichts anderes als Vertreter von
Arten in der realen Welt. Daraus folgt, dass jeder Objektbezug notwendigerwei-
se mit Artbezug einhergeht – eine “sortalistische” Position, die ich in Abschnitt
6 verteidige. In Abschnitt 7 wird sodann gezeigt, dass sich auch Carlsonsche
Stadienprädikate ohne Probleme in das vorgeschlagene System integrieren las-
sen. In Abschnitt 8 gehe ich kurz darauf ein, dass sich verschiedene Artpr ädikate
aus pragmatischen Gründen unterschiedlich leicht raumzeitlich lokalisieren las-
sen. Schließlich, in Abschnitt 9, komme ich auf die lexikalische Besonderheit
der Klasse der Carlsonscher Artprädikate zu sprechen, die deren raumzeitli-
che Lokalisierung verhindert. Carlsonsche Artprädikate sind, so das Fazit von
Abschnitt 10, komplexe Existenzprädikate. Abschnitt 11 fasst die Ergebnisse
dieses Kapitels zusammen.

6.2 Prädikatsklassen in der Standardtheorie

Wir sahen im vorigen Kapitel, dass die Standardtheorie verschiedene Sorten


von generischen indefiniten Nominalphrasen unterscheidet. Mit welcher Sorte
man es zu tun hat, hängt von den Eigenschaften des Prädikatsausdrucks ab, als
dessen Argument die indefinite NP erscheint.
Als Subjekt eines Carlsonschen Objektprädikats wird eine für sich betrachtet
objektdenotierende indefinite NP generisch verstanden, wenn sie eingebettet in
eine (durch koverte Struktur induzierte) generalisierte Quantifikationsstruktur
interpretiert wird:

(74) Ein Hund hat vier Beine.


6.2. PRÄDIKATSKLASSEN IN DER STANDARDTHEORIE 93

Als Subjekt eines Frequenzprädikats wird ebenfalls eine für sich betrachtet
objektdenotierende indefinite NP deswegen generisch interpretiert, weil sie im
syntaktischen Kontext eines “Multiplizierers”, nämlich des Frequenzprädikats,
erscheint:
(75) Ein weisser Elefant ist selten.
Als Subjekt eines Carlsonschen Artprädikats wie aussterben wird eine inde-
finite NP nicht objektbezogen, sondern artbezogen interpretiert, referiert aber
gemäß der K-Regel1 auf eine Unterart. Hier wird die Quelle der Generizität
also darin gesehen, dass die indefinite NP nicht innerhalb der “gewöhnlichen”
Objektdomäne, sondern innerhalb der Artdomäne denotiert:
(76) Ein Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
Schließlich unterscheiden Krifka et al. (1995) noch einen besonderen
Prädikatstyp:
With some other predicates, such as be a mammal, be domesticated,
and be protected by law, the kind-referring interpretation of the subject
is not the only one; indeed, a proper name referring to a particular ani-
mal can also be used as subject with these. Yet when a general term is
used as subject NP, the kind-referring interpretation has at least priority
over the object-referring interpretation. We call predicates which favor
a kind-referring interpretation of an argument kind predicates.
(Krifka et al. 1995:10)
Prädikate dieses Typs sind sowohl mit Objekttermen als auch mit Arttermen
kompatibel. Das Zitat suggeriert, dass ihre Verbindung mit einem artreferieren-
den Ausdruck natürlicher ist als ihre Verbindung mit einem objektreferierenden
Ausdruck. Erscheint eine indefinite NP im Slot dieser Prädikate, wird sie artre-
ferierend verstanden, ohne dass Unterartreferenz erzwungen wäre:
(77) Ein Wellensittich ist ein Vogel.
Das Bild, das sich aus diesen standardtheoretischen Annahmen ergibt, wirft
einige Fragen auf. Wie überzeugend ist es, vier verschiedene Quellen für aus in-
tuitiver Sicht ein- und dieselbe generische Interpretation verantwortlich zu ma-
chen? Was ist das für ein seltsamer Prädikatstyp, in dessen Slot sowohl Artterme
als auch Objektterme erscheinen können? Warum ist, wenn ein solches Misch-
prädikat wie in (4) als Artprädikat fungiert, keine Unterartreferenz erzwungen?
Noch deutlicher wird dieses Problem, wenn man den Status des Prädikats des-
ambiguiert, wie in (5):
1 D.i. die Regel, wonach indefinite NPn artbezogen nur taxonomisch interpretiert wer-
den können, vgl. Kapitel 5.
6.3. IM LEXIKON STEHEN NUR GENERISCHE PR ÄDIKATE 94

(78) Ein Wellensittich ist eine Vogelart.


Obwohl das Prädikat in (5) eindeutig ein Artprädikat ist, bezieht sich sein
Subjekt nicht auf eine Unterart der Art ‘Wellensittich’, sondern auf die Art
‘Wellensittich’ selbst. Dies steht im klaren Widerspruch zur K-Regel. Warum
greift die K-Regel in diesem Fall nicht?
Last not least ist die Standardtheorie mit dem Problem konfrontiert, wel-
ches das Thema des vorigen Kapitels war: Warum müssen indefinite NPn als
Argumente von Erfinden-Prädikaten nicht unterartreferierend interpretiert wer-
den? Die Standardtheorie muss sich fragen lassen, ob sie entweder Erfinden-
Prädikate nicht zu den Artprädikaten zählt oder ob sie Ausnahmen von der K-
Regel zulässt. Im letzteren Fall müsste dann deren Vorhandensein erklärt wer-
den.
Die Kritik zusammenfassend muss festgestellt werden, dass die Standard-
theorie ein sehr heterogenes Bild generischer indefiniter NPn entwirft und zu-
dem bestimmte empirische Daten nicht korrekt erfasst. Wünschenswert wäre
eine Theorie, die die Generizität indefiniter NPn auf eine einheitliche Quelle
zurückführt und dabei die geschilderten empirischen Schwierigkeiten vermei-
det (ohne neue zu schaffen, versteht sich). In diesem Kapitel versuche ich eine
solche Theorie zu entwickeln, indem ich von einer anderen lexikalischen Basis-
klassifikation ausgehe als in der Standardtheorie üblich. Einen Überblick über
die Prädikatsklassen, wie sie standardtheoretischen Analysen zugrunde liegen,
bietet Abbildung 1.
Lexikalische Klasse selegiert. . . Prädikation über. . . Beispiele
vier Beine haben,
Objektprädikat Objektterm Objekt
intelligent sein, . . .
aussterben, in verschiedenen
Artprädikat Artterm Art
Varianten vorkommen, . . .
Objektterm Objekt gesetzlich geschützt sein,
Mischprädikat
Artterm Art ein Vogel sein, . . .

Abbildung 6.1: Prädikatsklassen gemäß der Standardtheorie

6.3 Im Lexikon stehen nur generische Prädikate

Krifka et al. (1995) übernehmen die Partitionierung des Lexikons in Objekt-


prädikate und Artprädikate direkt von Carlson (1977). Wie in Kapitel 4 disku-
tiert ist mit dieser kategorischen Unterscheidung jedoch ein Problem verbunden,
6.3. IM LEXIKON STEHEN NUR GENERISCHE PR ÄDIKATE 95

auf das Croft (1986) aufmerksam macht. Croft weist darauf hin, dass ausnahms-
los jedes Prädikat, dessen lexikalische Bedeutung Carlson als Eigenschaftszu-
weisung an ein Objekt analysiert, auch zum Zwecke der Eigenschaftszuweisung
an eine Art verwendet werden kann. Carlson selbst ist sich dessen sehr wohl
bewusst und formuliert es so: “whatever may be meaningfully predicated of an
object may also be meaningfully said of a kind” (Carlson 1977:248). Angesichts
dieser Beobachtung, dass restlos alle Carlsonschen Objektprädikate als Carlson-
sche Artprädikate fungieren können, kommen Zweifel an der Nützlichkeit von
Carlson’s Entscheidung auf, Prädikate wie vier Beine haben, intelligent sein
etc. lexikalisch als Objektprädikate zu klassifizieren und dann eine grammati-
sche (Generalisierungs-) Operation zu postulieren, die Objektprädikate in Art-
prädikate überführt (vgl. Kapitel 4).
Tatsache ist also: Alles, was sinnvoll über ein Objekt gesagt werden kann,
kann sinnvoll über eine Art gesagt werden. Aber nicht alles, was sinnvoll über
eine Art gesagt werden kann, kann sinnvoll über ein Objekt gesagt werden.
Beispielsweise kann nicht sinnvoll über ein Objekt gesagt werden, es sei am
Aussterben. Angesichts dieser Situation trifft Carlson die folgenden Annahmen:

• im Lexikon manifestieren sich als Prädikate: (i) Eigenschaftszuweisungen


an Arten und (ii) Eigenschaftszuweisungen an Objekte
• Objektprädikate können durch eine grammatische Operation in Art-
prädikate transformiert werden (“Generalisierung”)

Hinzu kommen bei Carlson dann noch Eigenschaftszuweisungen an Stadien,


die sich als Stadienprädikate im Lexikon niederschlagen. Alternativ könnte man
jedoch auch von den folgenden Annahmen ausgehen:

• im Lexikon manifestieren sich als Prädikate ausschließlich Eigenschaftszu-


weisungen an Arten
• Artprädikate können durch eine grammatische Operation in Objekt-
prädikate transformiert werden (“Raumzeitliche Lokalisierung”)
• für eine Teilmenge der lexikalischen Artprädikate gilt, dass ihre Mitglieder
über eine semantische Komponente verfügen, die ihre raumzeitliche Loka-
lisierung verhindert

Dies sind die Grundannahmen hinter der Prädikatsklassifikation, für die ich
argumentieren werde. Man beachte: Dadurch, dass alle lexikalischen Prädikate
Artprädikate sind, sind in einem generischen Bedeutungsformat abgespeichert.
Ich werde nun versuchen, diese alternative Sichtweise zu motivieren.
6.4. DIE STELLVERTRETER-LESART 96

6.4 Die Stellvertreter-Lesart

Beginnen wir damit, dass wir uns noch einmal sorgfältig die Daten vor Augen
führen. Das erste, was wir festhalten können, ist, dass sich Carlsonsche Objekt-
prädikate (6) genau wie Krifka et al.’s Mischprädikate (7) sowohl mit Artter-
men, als auch mit Objekttermen verbinden. Man beachte, dass es sich stets um
generische Sätze handelt:
(79) a. Fido hat vier Beine.
b. Ein Pudel hat vier Beine.
c. Fido ist intelligent.
d. Ein Pudel ist intelligent.
(80) a. Fido ist ein Hund.
b. Ein Pudel ist ein Hund.
Prädikate, die Carlson als Stadienprädikate analysiert, kommen syntaktisch
ebenfalls mit Objekttermen oder Arttermen vor. Auch sie haben zwar nicht nur,
aber auch eine generische Interpretation:
(81) a. Fido bellt.
b. Ein Pudel bellt.
Ich werde Stadienprädikate zunächst, bis zu Abschnitt 7, aus der Diskussion
ausklammern. Im Gegensatz dazu lassen sich Carlsonsche Artprädikate, auf den
ersten Blick zumindest, nur mit Arttermen verbinden:
(82) a. Der Pottwal ist vom Aussterben bedroht.
b. *Moby Dick ist vom Aussterben bedroht.
c. Ein Wellensittich ist eine Vogelart.
d. *Hansi ist eine Vogelart.
e. Im Watt lebt in großer Zahl ein bis zu einem Zentimeter dicker und
bis zu 30 Zentimeter langer Ringelwurm.
f. *Im Watt lebt in großer Zahl ein ein Zentimeter dicker und 30 Zen-
timeter langer Ringelwurm, den ich gestern gesehen habe.
g. Der Hirschkäfer bevölkert den Kelsterbacher Wald.
h. *Der Hirschkäfer Harry bevölkert den Kelsterbacher Wald.
i. Die Colaflasche gibt es in verschiedenen Größen.
j. *Die Colaflasche, die ich mir gekauft habe, gibt es in verschiedenen
Größen.
6.4. DIE STELLVERTRETER-LESART 97

Die Beobachtungen zusammengefasst: Alle Prädikatssorten können generi-


sche Prädikationen zum Ausdruck bringen und verbinden sich dabei sowohl mit
Arttermen, als auch mit Objekttermen. Die Ausnahme von dieser Regel stel-
len Carlsonsche Artprädikate dar, da sie sich offenbar nicht mit Objekttermen
kombinieren lassen.
Dass Carlsonsche Artprädikate nur mit Arttermen kompatibel sind, wird von
der Standardtheorie als Tatsache erachtet:
There are some predicates with argument places that can be filled only
with kind-referring NPs. Examples are the subject argument of die out
or be extinct and the object argument of invent or exterminate. The
reason is, of course, that only kinds (not objects) can die out or be
invented. (Krifka et al. 1995:10)
Nur Arten können aussterben, erfunden werden, etc. Die folgenden Beispiele
bestätigen diese Auffassung noch einmal:
(83) a. *Fritz Walter ist ausgestorben.
b. *Die Armee hat King Kong ausgerottet.
Wie kommt es aber, dass die folgenden Sätze völlig akzeptabel sind? Schließ-
lich werden auch hier offenkundig objektreferierende Eigennamen im Argu-
mentslot eines Carlsonschen Artprädikats realisiert:
(84) a. Weizenbaum hat Eliza erfunden.
b. Mein Nachbar hat Fido erfunden, einen Roboterhund, der ihm
täglich die Zeitung holt.
c. Wilmut hat Dolly gezüchtet.
Worauf sich die Eigennamen Eliza, Fido und Dolly hier beziehen ist jeweils
der Prototyp einer neugeschaffenen Art. In (11b) ist sogar explizit gemacht, um
welche neugeschaffene Art es sich handelt, nämlich um die Art ‘Roboterhund,
der meinem Nachbarn täglich die Zeitung holt’. Prototypen sind reale Objekte,
denen die Besonderheit zu eigen ist, dass sie als erste Exemplare stellvertretend
für eine ganze Art stehen. In diesem Sinne unterstützen auch die Beispiele un-
ter (11) die Position der Standardtheorie: Eigennamen sind dann im Slot eines
Carlsonschen Artprädikats erlaubt, wenn der Träger des Eigennamens als Stell-
vertreter einer Art fungiert, wie es z.B. ein Prototyp tut. Krifka et al. (1995:85)
sprechen in diesem Zusammenhang von der “representative object interpretati-
on”. Ein illustratives Beispiel (aus dem Internet) ist folgendes:
(85) Die Nachfrage nach Anemonenfischen, die in “Findet Nemo” die
Hauptrollen spielen, steigt deutlich. In amerikanischen Zoohandlungen
6.4. DIE STELLVERTRETER-LESART 98

war es nach dem Start des Films im Mai 2003 zu einem regelrech-
ten Boom gekommen. Roland Melisch bittet um Vorsicht. “Der Han-
del mit Meerwasserfischen ist problematisch. Sie stammen meistens aus
der Wildnis. Manche Arten werden sogar als bedroht eingestuft. Vertret-
bar ist allenfalls der Kauf von Meerwasserfischen, deren Herkunft nach
den Kriterien des Marine Aquarium Council (MAC) zertifiziert ist.” So
kannst du sicher sein, dass Nemo nicht ausstirbt.
Nemo, der Held aus dem Film “Findet Nemo”, ist kein Prototyp einer neu
geschaffenen Art. Er hat seinen Status als Symbol für eine ganze Art vielmehr
durch seine “Medienpräsenz” erlangt. Weil Nemo ein Symbol für die Art ‘Ane-
monenfisch’ geworden ist, referiert der Name Nemo hier nicht nur auf das Ob-
jektindividuum Nemo, sondern auch auf die Art ‘Anemonenfisch’.
Schaut man sich weiter um, so zeigt sich, dass der Gebrauch von Objektter-
men in Stellvertreterfunktion für eine Art nicht nur auf Eigennamen beschränkt
ist. Bei entsprechender kontextueller Einbettung können auch objektreferieren-
de deskriptive NPn in dieser Weise gebraucht werden. Prädestiniert für diesen
Fall sind beispielsweise Zoo-Kontexte, denn ein Zoo ist im Wesentlichen genau
das: eine Sammlung von Objektindividuen als Stellvertreter für Arten. Machen
wir also einen kurzen Rundgang im Zoo:
(86) a. [vor dem Löwengehege:] Look kids, this is the lion. [Krifka et al. 1995]
b. [vor dem Tigergehege:] Der Tiger, den ihr hier seht, ist vom Aus-
sterben bedroht.
c. [in der Vogelhalle, auf ein Exemplar zeigend:] Dieser Vogel wurde
von Darwin auf den Galapagosinseln entdeckt.
d. [angesichts des Schnabeltiers:] Unglaublich, aber wahr: dieses ko-
mische Tier dort ist tatsächlich eine Säugetierart.
Die Stellvertreter-Lesart kann sich immer dann einstellen, wenn ein Objekt-
term im Argumentslot eines Artprädikats erscheint und der Referent des Ob-
jektterms aus irgendeinem Grund den semiotischen Status eines Symbols für
eine Art innehat. Dann nämlich kann der Objektterm als Artterm fungieren: Re-
ferenz auf die Art wird über den Umweg der Referenz auf den Stellvertreter der
Art hergestellt.
Die Objektindividuen Dolly und Eliza haben den Status eines Artsymbols
dadurch erlangt, dass sie die ersten (und einzigen?) Exemplare einer neuen Art
sind. Hinzu kommt, dass diese neue Art von ausreichender gesellschaftlicher
Bedeutung ist, um in das gemeinsame Wissen der Sprechergemeinschaft ein-
zugehen. Darin unterscheiden sie sich von Fido aus (11b), der zum Leidwesen
meines Nachbarn niemals wirklich bekannt geworden ist. Ich habe die mit Fido
geschaffene neue Art, für die Fido als Prototyp ein Symbol ist, deswegen durch
6.4. DIE STELLVERTRETER-LESART 99

die Ergänzung einen Roboterhund, der ihm täglich die Zeitung holt explizit ge-
macht. In Zoo-Kontexten weisen üblicherweise Schilder am Gehege bzw. Käfig
darauf hin, welche Art die ausgestellten Exemplare jeweils stellvertreten.
Man kann die berechtigte Frage stellen, warum denn dann die Beispiele (10)
gesternt und somit als uninterpretierbar angesehen werden. Warum sollte es in
diesen Fällen nicht möglich sein, dass die betreffende Arteigenschaft einer Art
zugewiesen wird, die über den Umweg der Referenz auf ihren Stellvertreter,
Fritz Walter bzw. King Kong, bezeichnet wird? Tatsächlich ist dieser Einwand
berechtigt. Die Sätze in (10) sind aus pragmatischen Gründen zurückzuweisen,
semantisch sind sie jedoch sehr wohl interpretierbar. Dazu müsste man sich
aber Fritz Walter als Stellvertreter für eine Art vorstellen, etwa als Stellvertreter
für die Art ‘Fussballprofi, der nicht nur ans Geld denkt’. In ähnlicher Weise
müsste King Kong der Repräsentant einer Art sein, die von der betreffenden
Armee ausgerottet worden ist. Dann hätte man es mit Interpretationen analog
zu Beispiel (12) zu tun.
Nun, wo wir unsere Sinne für die Stellvertreter-Interpretation geschärft ha-
ben, müssen nicht nur die Beispiele aus (10), sondern auch die Beispiele aus (8)
neu beuteilt werden. Die Sätze in (14) sind alle interpretierbar, wenngleich sie
unsere Imaginationskraft mitunter stark fordern. Wir m üssen uns nämlich Wel-
ten vorstellen, in denen die Objekte Fritz Walter, King Kong, Moby Dick, etc.
Symbole für Arten sind:
(87) a. # Fritz Walter ist ausgestorben.
b. # Die Armee hat King Kong ausgerottet.
c. # Moby Dick ist vom Aussterben bedroht.
d. # Hansi ist eine Vogelart.
e. # Im Watt lebt in großer Zahl ein Ringelwurm, den ich gestern ge-
sehen habe.
f. # Der Hirschkäfer Harry bevölkert den Kelsterbacher Wald.
g. # Die Colaflasche, die ich mir gekauft habe, gibt es in verschiedenen
Grössen.
Die Stellvertreter-Lesart zeigt zweierlei: Erstens, auch Carlsonsche Art-
prädikate können syntaktisch mit Objekttermen verbunden werden. Zweitens,
diese Möglichkeit widerspricht nicht der Feststellung von Krifka et al. (1995),
dass nur Arten aussterben können, erfunden werden können, usw. Im Gegenteil:
Weil bei der Stellvertreter-Interpretation Objektterme als Artterme gebraucht
werden, bestätigt sich diese Diagnose.
In diesem Abschnitt wurde nicht zuletzt anhand der Klasse der Carlsonschen
Artprädikate die Stellvertreter-Interpretation eingeführt. Wir werden die Dis-
kussion Carlsonscher Artprädikate an dieser Stelle unterbrechen und uns statt-
dessen zunächst einmal, vor dem Hintergrund der Stellvertreter-Interpretation,
6.5. KATEGORISIERENDE AUSSAGEN ALS STELLVERTRETER-INTERPRETATIONEN 100

den übrigen Prädikatsklassen widmen. In Abschnitt 8 kehrt die Diskussion dann


zu Carlsonschen Artprädikaten zurück.

6.5 Kategorisierende Aussagen als Stellvertreter-Interpretationen

Die Stellvertreter-Interpretation lässt sich wie folgt beschreiben: (i) Ein Ob-
jektterm erscheint im Argumentslot eines Artprädikats. (ii) Dadurch, dass das
Objekt, auf das der Objektterm referiert, als Repräsentant einer Art fungiert,
bezieht sich der Objektterm, sozusagen indirekt, auch auf eine Art, der das Art-
prädikat seine Eigenschaft zuweisen kann. In diesem Abschnitt möchte ich auf
die Ähnlichkeit hinweisen, die die oben präsentierten Stellvertreter-Lesarten mit
Beispielen wie (15) haben. Diese werden in der Literatur häufig auch als “kate-
gorisierende Aussagen” bezeichnet.
(88) a. Chomsky ist ein Anarchist.
b. Dieser Vogel ist ein Storch.
c. Ich bin ein Berliner.
Mit der Äußerung von (15a) wird zum Ausdruck gebracht, dass das Objek-
tindividuum Noam Chomsky eine Instanz der Art ‘Anarchist’ ist. Der kommu-
nikative Zweck dieser Sätze besteht also darin, den Hörer über eine Kategori-
sierung des betreffenden Objektindividuums zu informieren. Bei den Sätzen in
(15) wird die Art, als deren Instanz der Subjektreferent ausgewiesen wird, durch
den indefiniten Artikel als hörer-neu markiert. Das heißt, dass der Hörer die be-
treffende Art als nicht bereits im Common Ground etablierte Art zu verstehen
hat. Kategorisierende Sätze begegnen einem jedoch auch mit definiten Artikeln:
(89) a. Look kids, this is the lion. [=(13a)]
b. Nur Muhammed ist der Auserw ählte.
c. Hello Mister! – Ich bin nicht der Mister, ich bin der Melker.
Wie gesehen drückt Satz (16a) für Krifka et al. (1995) eine Stellvertreter-
Interpretation aus. Handelt es sich bei den übrigen Sätzen in (16) dann ebenfalls
um Stellvertreter-Interpretationen? Wenn ja, wie sind dann die kategorisieren-
den Sätze in (15) zu beurteilen? Bedeutet ein Objekt als Instanz einer Art zu
klassifizieren nicht fast dasselbe wie ein Objekt als Repräsentanten einer Art
vorzustellen? Was sind die Unterschiede, was die Gemeinsamkeiten?
Das Gemeinsame ist, dass sowohl in (15) als auch in (16) Objekte als Instan-
zen von Arten ausgewiesen werden. Der erste Unterschied besteht darin, dass
es offenbar nur in (15) noch andere Objekte geben kann, die ebenfalls Instanzen
der betreffenden Art sind, vergleiche:
6.5. KATEGORISIERENDE AUSSAGEN ALS STELLVERTRETER-INTERPRETATIONEN 101

(90) a. Chomsky ist ein Anarchist, meine Nachbarin auch.


b. Dieser Vogel ist ein Storch, jener auch.
c. Ich bin ein Berliner, du auch.
d. ? Dieser hier ist der Löwe, jener dort auch.
e. ? Muhammed ist der Auserwählte, Jesus auch.
f. ? Ich bin der Melker, du auch.
Allerdings kann man auch Beispiele finden, in denen die Art, auf die sich
die definite NP bezieht, zwei (oder mehr) Instanzen zulässt. Diese Möglichkeit
eröffnet sich, wenn eine Art, von der erwartet wird, dass sie nur eine Instanz hat,
sich überaschenderweise als eine Art entpuppt, die zwei (oder mehr) Instanzen
hat.
(91) a. Sherlock Holmes fand schließlich heraus, dass der G ärtner und der
Butler der Mörder sind.
b. Nicht nur Muhammed ist der Auserw ählte, auch Jesus.
c. Herbert ist der Liebhaber von Auguste, Klaus auch, Hans-Werner
auch, Theo auch und Walter auch.
Woher kommt die Erwartung, dass sich der M örder, der Auserwählte und der
Liebhaber hier auf Arten beziehen, die auf Einer-Instanzenmengen beschränkt
sind? Obwohl die Nomen Mörder, Auserwählter und Liebhaber aus lexikali-
scher Sicht keine funktionalen, d.h. auf Einer-Instanzenmengen beschränkten,
Konzepte bezeichnen, können sie ohne Schwierigkeiten als solche verwendet
werden, denn typischerweise gehört zu einem Mord ein Mörder, handeln reli-
giöse Mythen von einem Auserwählten und haben Menschen einen Liebhaber
(zur Zeit). Der Gebrauch eines solchen Nomens als funktionales Konzept läuft
unseren Erwartungen also nicht zuwider. Will der Sprecher ein Nomen als funk-
tionales Konzept verwenden, so muss er es mit dem definiten Artikel markieren
(Löbner 1985). Mit anderen Worten, an der Präsenz des definiten Artikels lässt
sich ablesen, dass der nominale Ausdruck eindeutig referiert – es kann also
nur einen Objektreferenten geben, zumindest wenn der Ausdruck objektbezo-
gen interpretiert wird. Der Clou ist nun, dass die Postkopula-NPn in (18) gar
nicht objektbezogen, sondern artbezogen interpretiert wird.
Die Eindeutigkeit der Referenz ist auch bei Artbezug gewährleistet, denn der
Ausdruck bezieht sich ja auf eine im Common Ground etablierte und somit
eindeutig identifizierbare Art. Wenn Eindeutigkeit jedoch an die Artebene ge-
bunden wird, dann muss sie nicht länger auf der Objektebene gelten. Deswegen
sind die Sätze in (18) auch keine Kontradiktionen. Ganz im Gegenteil: Dadurch,
dass das Subjekt in (18a) zwei Objekte bezeichnet, ist eine artbezogene Inter-
pretation der Singular-NP, die auf die Kopula folgt, sogar die einzige (plausible)
Interpretationsmöglichkeit.
6.5. KATEGORISIERENDE AUSSAGEN ALS STELLVERTRETER-INTERPRETATIONEN 102

Im Gegensatz dazu können die definiten NP in (17d-f) nicht nur artbezo-


gen, sondern auch objektbezogen verstanden werden. Im letzteren Fall hat man
es dann aber nicht mehr mit kategorisierenden Aussagen, sondern mit Iden-
titätsaussagen zu tun (vgl. Kapitel 8). Also mit Sätzen, mittels derer der Spre-
cher den Hörer darüber informiert, dass zwei dem Hörer vorab als verschiedene
Entitäten bekannte Objekte in Wirklichkeit ein und dasselbe Objekt sind.
Die Beispiele (17d-f) sind also ambig2 . In der Interpretation als Iden-
titätsaussage sorgt der jeweilige Nachsatz für Irritationen: wenn das Objekt Mu-
hammed mit dem Objekt identisch ist, das man der Auserwählte nennt, und
wenn das Objekt Jesus ebenfalls mit diesem sogenannten Auserwählten iden-
tisch ist, dann muss logischerweise Muhammed mit Jesus identisch sein. Ana-
log für die anderen Beispiele: wenn die definiten Postkopula-NPn objektbezo-
gen verstanden werden, müssen in (17e) dieser Löwe hier und jener Löwe dort
bzw. in (17f) der Sprecher und der Hörer identisch sein3. Das ist sehr unwahr-
scheinlich bis unmöglich und, so nehme ich an, deswegen werden die Sätze
zurückgewiesen. Wenn die definiten NPn in (17d-f) allerdings artbezogen ver-
standen werden, kann es unter Umständen auch zwei oder mehr Instanzen der
bezeichneten Art geben, so wie in (18). Diese Möglichkeit ist zwar pragmatisch
markiert, aber nicht logisch-semantisch ausgeschlossen.
Eine semantische Beschränkung auf Einer-Instanzenmengen ist es also nicht,
was die Sätze in (15) von denen in (16) unterscheidet. Der entscheidende Unter-
schied betrifft vielmehr die Bekanntheit bzw. Neuheit der denotierten Art, d.h.
ihre Anwesenheit oder Abwesenheit im Common Ground von Sprecher und
Hörer. Im Unterschied zu (15) wird in (16) die Art, als deren Instanz der Sub-
jektreferent ausgewiesen wird, als eine dem Hörer bekannte Art vorausgesetzt,
also als eine im Common Ground etablierte Kategorie präsentiert. Entsprechend
umfasst die Neuinformation, die der Hörer erhält, lediglich die Zuordnung des
bekannten Objekts zu der bekannten Art. Deshalb werden diese Sätze in sol-
chen Kontexten geäußert, in denen zuvor sowohl die Arten als auch die Objekte
im Common Ground etabliert worden sind. Der Sprecher kann dann den Hörer
über bestehende Relationen zwischen diesen Objekten und Arten informieren.
Man könnte sich z.B. ein Quiz vorstellen. Die Aufgabe des Kandidaten be-
steht darin, die Sportlernamen Muhammed Ali, Robby Nash und John McEnroe
den Sportlerkategorien ‘Tennisspieler’, ‘Windsurfer’ und ‘Boxer’ in korrekter
Weise zuzuordnen. Der Kandidat hätte gewonnen, wenn er auf folgende Lösung
kommt:
2 In Kapitel 8 argumentiere ich, dass auch (17a-c) je zwei Lesarten haben, je nachdem
ob die indefinite Postkopula-NP artbezogen oder objektbezogen interpretiert wird.
3 Dies widerspricht direkt den Identitätsbedingungen für Objekte: ein Objekt kann
nicht zur selben Zeit an zwei Orten sein, vgl. Kapitel 2.
6.5. KATEGORISIERENDE AUSSAGEN ALS STELLVERTRETER-INTERPRETATIONEN 103

(92) Muhammed Ali ist der Boxer, John McEnroe ist der Tennisspieler und
Robby Nash ist der Windsurfer.
Wenn Sätze wie in (16), mit artbezogen interpretierter definiter NP,
Stellvertreter-Lesarten aktualisieren, was spricht dann dagegen auch katego-
risierende Aussagen wie in (15) als Stellvertreter-Interpretationen anzusehen?
Der einzige Unterschied ist, dass die Objekte in (15) neue Arten repräsentieren,
während die in (16) für bekannte Arten stehen.
Ziehen wir eine Zwischenbilanz. Einerseits: Nur Arten können erfunden wer-
den, aussterben etc. Deswegen können sich Carlsonsche Artprädikate prinzipiell
nur mit Arttermen verbinden. Die systematische Ausnahme von dieser Regel be-
trifft Objektterme in Stellvertreterfunktion. Wenn Objekte als Stellvertreter für
Arten verstanden werden, können auch Objektterme in der Argumentposition
eines Prädikats wie ist ausgestorben oder ist erfunden worden erscheinen. Denn
dann referiert der Objektterm nicht nur auf ein Objekt, sondern gleichzeitig auch
auf eine Art. Andererseits: Prädikate wie ist ein Löwe oder ist der Löwe können
sich mit Arttermen verbinden. Dies führt zu Aussagen über Arten, von denen be-
hauptet wird, sie trügen die Arteigenschaften, ein Löwe zu sein bzw. der Löwe
zu sein. Diese Prädikate können sich jedoch auch mit einem Objektterm verbin-
den. Dann ergibt sich eine Aussage über ein Objekt. Von diesem Objekt wird
behauptet, es sei eine Instanz der Art ‘Löwe’. Wenn die Postkopula-NP als de-
finit markiert ist, muss die Art ‘Löwe’ als im Common Ground vorausgesetzte
Kategorie verstanden werden. Wenn die Postkopula-NP hingegen als indefinit
markiert ist, wird die Art ‘Löwe’ als neu eingeführte Kategorie präsentiert.
Möglicherweise überdehne ich den Wortsinn von “Stellvertreter” etwas,
wenn ich nun vorschlage, dass auch kategorisierende Sätze mit indefiniten
Postkopula-NPn Stellvertreter-Interpretationen ausdrücken. Wofür ich argu-
mentiere ist folgendes: Stellvertreter-Interpretationen im engeren Sinne stellen
sich ein, wenn das bezeichnete Objekt unabhängig von der Äußerung in der rea-
len Welt für Sprecher und Hörer den Status eines Symbols für eine Art innehat.
Beispiele sind z.B. Dolly als Stellvertreter für Klonschafe, Nemo als Stellvertre-
ter für Anemonenfische oder auch Bin Laden als Stellvertreter für islamistische
Terroristen.
Stellvertreter-Interpretationen im weiteren Sinne ergeben sich, wenn der
Hörer durch die Äußerung darüber informiert wird, dass das bezeichnete Ob-
jekt eine bestimmte Art repräsentiert. Hier hat man es mit kategorisierenden
Aussagen zu tun. Die Kategorie, als deren Vertreter in der realen Welt ein Ob-
jekt ausgewiesen wird4 , kann als bekannt oder neu präsentiert werden. Mit an-
4
Vergleiche in diesem Zusammenhang das Verhältnis von “specimen” und “species”
im folgenden Zitat: “In biology, specimen is an individual animal or plant or a microor-
ganism that is used as a representative to study the properties of the whole population of
6.6. KEIN ARTBEZUG OHNE OBJEKTBEZUG 104

deren Worten, Instanzen sind per se nichts anderes als die sich manifestierenden
Stellvertreter von Arten in der realen Welt.
Zusammenfassung: Solange wir unseren Blick auf Eigenschaftszuweisungen
an Arten beschränken, d.h. auf generische Prädikationen, stellen wir keinen
prinzipiellen Unterschied zwischen Carlsonschen Artprädikaten und allen an-
deren Prädikaten fest. Alle Prädikate können mit Arttermen kombiniert werden,
um der durch den Artterm denotierten Art eine Eigenschaft zuzuweisen. Au-
ßerdem können alle Prädikate mit Objekttermen kombiniert werden. Die Art-
eigenschaft wird dann der Art zugewiesen, die durch das Objekt repräsentiert
wird, auf welches der Objektterm referiert. Wie ich im folgenden Abschnitt ar-
gumentieren werde, ist im Falle kategorisierender Sätze die Art, die das Objekt
vor der Äußerung repräsentiert, unterspezifiziert. Der Zweck dieser Äußerungen
besteht ja gerade darin, eine Art zu spezifizieren (Kategorisierung).

6.6 Kein Artbezug ohne Objektbezug

Sätze wie die unter (20) werden von mir als Artprädikationen analysiert. Der
Weg für eine solche Analyse wurde dadurch frei, dass ich in Kapitel 5 (mei-
ner Meinung nach) nachweisen konnte, dass indefinite NPn sich entgegen ei-
ner weitverbreiteten Meinung sehr wohl auf die durch das Kopfnomen der NP
beim Namen genannte Art beziehen können. Demnach verbindet sich in diesen
Sätzen jeweils ein Artterm mit einem Artprädikat:
(93) a. Ein Pudel hat vier Beine.
b. Ein Pudel ist intelligent.
c. Ein Pudel ist ein Hund.
Im Ergebnis steht stets ein Satz, der geäußert werden kann, um einer Art
(dem Referenten der Subjekt-NP, der in diesem Fall den Redegegenstand dar-
stellt) eine Arteigenschaft zuzuweisen. Man beachte, dass gemäß dieser Analyse
mit diesen Sätzen nicht über Objekte gesprochen wird. Oder, anders gesagt, mit
der Analyse einher geht die Vorhersage, dass diese Sätze keine Wahrheitsbedin-
gungen an die reale Objektwelt stellen. Dies ist ein wünschenswertes Ergebnis,
denn es erklärt jene Eigentümlichkeit generischer Prädikationen, die der wahr-
heitskonditionalen Semantik so große Probleme bereitet: die Existenz von “Aus-
nahmen”, d.i. von Objektindividuen, die die bezeichnete Prädikatseigenschaft
nicht tragen (vgl. Krifka et al. 1995, Cohen 2002). Im Extremfall geht das so-
weit, dass diese Sätze selbst dann wahr sind, wenn sämtliche Objektindividuen
die durch das Prädikat bezeichnete Eigenschaft nicht tragen. So ist z.B. (20a)
that species” (Wikipedia).
6.6. KEIN ARTBEZUG OHNE OBJEKTBEZUG 105

auch dann wahr, wenn zufällig alle real existierenden Pudel (=alle Pudelobjek-
te) jeweils ein Bein verloren haben (vgl. Krifka et al. 1995:44).
In Bezug auf Sätze wie die unter (21) behaupte ich nun, dass es sich hier um
Artprädikationen handelt, obwohl der Subjektausdruck von einem Objektterm
gestellt wird:
(94) a. Fido ist ein Hund.
b. Fido hat vier Beine.
c. Fido ist intelligent.
Hier verbindet sich ein Objektterm, in diesem Fall ein Eigenname, mit ei-
nem Artprädikat. Die Funktion dieser Sätze besteht darin, den Referenten des
Objektterms als Instanz einer Art zu kategorisieren, die durch das Prädikat be-
schrieben wird. Damit stellt sich aber sofort die Frage nach der semantischen
Komposition: wie kann eine Arteigenschaft an ein Objekt zugewiesen werden?
Meine Analyse dieser Sätze läuft offenbar in einen Widerspruch. Einerseits ist
der Redegegenstand ein Objekt. Mit den Sätzen werden also Aussagen über Ob-
jekte gemacht. Andererseits erfolgt die Eigenschaftszuweisung an eine Art. Mit
den Sätzen werden also Aussagen über Arten gemacht. Wie soll das zusammen-
gehen?
Man könnte einfach von einer systematischen Mehrdeutigkeit der Kopula
ausgehen, die Instanz-von-Relation zwischen einem Objekt und einer Art als
eine der Kopulabedeutungen ansehen und dann annehmen, dass die spezifische
Kopula in (21a) eben gerade diese Bedeutung aktualisiert (vgl. die Diskussion
in Dölling 1997). Eine solche Analyse kann jedoch Sätze wie (21b) nicht er-
fassen5. Abgesehen davon möchte ich an der Idee festhalten, dass das Prädikat
ist ein Hund – also inklusive der Kopula – ein Artprädikat ist. Denn nur dann
kann es eine einheitliche Semantik für die formal identischen Prädikate in (20c)
und (21a) geben, was aus theoretischer Sicht zweifellos wünschenswert ist. Ich
muss also einen anderen Weg einschlagen und bin zu der scheinbar zweifelhaf-
ten Annahme gezwungen, dass der Eigenname sich in geheimnisvoller Weise
auf eine Art bezieht, der das (Art-)Prädikat dann seine Eigenschaft zuweisen
kann.
Ich löse das beschriebene Problem der semantischen Komposition von Ob-
jekttermen mit Artprädikaten dadurch, dass ich in Rechnung stelle, dass jede
Referenz auf ein Objekt automatisch mit der Referenz auf eine (oftmals) un-
terspezifizierte Art einhergeht. Wenn der Sprecher einen Objektterm benutzt,
um die Aufmerksamkeit des Hörers auf ein bestimmtes Objekt zu lenken, und
wenn dieser Referenzakt gelingt, dann müssen Sprecher und Hörer das bezeich-
nete Objekt in irgendeiner Weise kategorisiert haben. Man kann sich nicht auf
5 Ebensowenig generische Sätze wie Fido bellt, die ich, um es vorwegzunehmen, auch
als Artprädikationen analysieren werde (vgl. Abschnitt 6).
6.6. KEIN ARTBEZUG OHNE OBJEKTBEZUG 106

ein Objekt beziehen ohne eine bestimmte Perspektive auf dieses Objekt einzu-
nehmen, d.h. ohne es zu kategorisieren (Tomasello 1999:118). D ölling (1992)
formuliert das so:
Arten [scheinen] in konzeptueller und damit in ontologischer Hinsicht
das Primat gegenüber ihren Realisierungen zu haben. Denn offensicht-
lich setzt die kognitive Identifizierung eines gewöhnlichen Objekts
stets einen Rückgriff auf die betreffende Art voraus, während eine
Aussage über letztere möglich ist, ohne daß man sich dabei zugleich
auf Instanzen der Exemplare dieser Art bezieht. (Dölling 1992:31; ei-
gene Hervorhebung)
Folglich ist der Bezug eines Eigennamens auf eine Art in keinster Weise
geheimnisvoll, sondern vielmehr eine Selbstverständlichkeit (“offensichtlich”),
die direkt aus den (nichtlinguistischen) Hintergrundannahmen folgt, die meiner
Analyse zugrundliegen (vgl. Kapitel 2) und jeder Analyse zugrundeliegen soll-
ten. Ich fasse die in dieser Arbeit vorausgesetzten Hintergrundannahmen hier
noch einmal in aller Kürze zusammen:
Der Mensch ist ein (mobiles) Objektindividuum in einer Welt voller ande-
rer Objekte. Um erfolgreich durch diese Objektwelt zu navigieren, muss der
Mensch u.a. die Fähigkeit besitzen, Objekte zu erkennen. Ein Objekt zu er-
kennen bedeutet trivialerweise, dass der Mensch eine Erscheinung als Objekt
erkennt. Und dies bedeutet nichts anderes als eine Erscheinung als Objekt zu
kategorisieren, was wiederum die Verfügbarkeit einer entsprechenden Katego-
rie, des Objektkonzepts, voraussetzt. Das heißt, jedes erkannte Objekt – ob man
ihm einen Namen gibt oder nicht – muss notwendigerweise die Instanz eines
sortalen Konzepts (=einer Art) sein, und sei es der allgemeinsten Art ‘Objekt’.
Die Art ‘Objekt’ ist die Oberart eines enormen konzeptuellen Systems von Ar-
ten (der Artdomäne), die der Mensch im Laufe seines Lebens als konzeptuelles
Wissen akkumuliert, um die Objektwelt, in der er real existiert, zu sortieren.
Sprachlich, so stellt sich heraus, kann der Mensch sich entweder auf die kon-
kreten Objekte der realen Welt (inklusive sich selbst) beziehen oder aber auf die
abstrakten Konzepte (Arten), mittels derer er die Objektwelt sortiert.
Akzeptiert man dieses Bild als Tatsache, so verpflichtet man sich zu einer be-
stimmten Annahme: Weil das Wissen um eine Art Voraussetzung für das Wissen
um ein Objekt ist, muss sprachlicher Objektbezug immer automatisch mit Art-
bezug einhergehen. Diesen Umstand diskutiere ich unter dem Namen “duale
Referenz”. Ich vertrete damit eine sog. sortalistische Position (vgl. Blok, New-
man & Rips 2005).
Vor dem Hintergrund der dualen Referenz von Objekttermen löst sich der
Widerspruch auf, mit dem meine Analyse der Sätze (21) scheinbar konfrontiert
ist. Die Subjekt-NPn dieser Sätze sind objektreferierende Ausdrücke. Sie bezie-
6.6. KEIN ARTBEZUG OHNE OBJEKTBEZUG 107

hen sich jeweils auf ein reales Objekt, in diesem Fall stets auf dasselbe, nämlich
Fido. Aber, weil gemäß dem Prinzip der dualen Referenz jeder Objektbezug
mit Artbezug einhergehen muss, beziehen sich diese Subjekt-NPn gleichzeitig
jeweils auch auf eine Art, nämlich auf diejenige Art, als die das bezeichnete
Objekt in der jeweiligen Äußerungssituation kategorisiert (perspektiviert) wird.
Dies ist im allgemeinstmöglichen Fall die Art ‘Objekt’, Welt- und/oder Kontext-
wissen kann diese “zugrundeliegende Art” (Macnamara et al. 1994) jedoch spe-
zifischer machen (in Bezug auf Fido z.B. ‘Hund’ oder ‘Nachbarshund’). Diese
doppelte Referenz – zum einen auf das Objekt, zum anderen auf die zugrun-
deliegende Art – bringt es nun mit sich, dass in (21a) zwar ein Objekt, Fido,
zum Redegegenstand gemacht wird, sich die Prädikation aber nichtsdestotrotz
auf eine Art beziehen kann.
Die berechtigte Frage ist nun: welche Art genau liegt dem Objektreferenten
des Eigennamens in (21a) zugrunde? Nähern wir uns der Beantwortung dieser
Frage dadurch, dass wir uns nochmals vor Augen f ühren, was der Satz zum Aus-
druck bringt, nämlich dass Fido eine Objektinstanz der Art ‘Hund’ ist. Was die
Artprädikation in (21a) leistet, so lautet mein Vorschlag, ist eine Spezifikation
der dem Objekt Fido zugrundeliegenden Art X auf die Art ‘Hund’. Mit ande-
ren Worten, der pragmatische Sinn einer solchen Äußerung besteht darin, die
Art, als deren Instanz ein Objekt (hier: Fido) dem Hörer bekannt ist, näher zu
spezifizieren, wobei “näher spezifizieren” die Ersetzung der Art X durch eine
Unterart von X bedeutet. Deswegen ist eine Äußerung von (21a) auch nur dann
informativ, wenn dem Hörer Fido bis zum Äußerungszeitpunkt lediglich als In-
dividuum, Tier oder Haustier (o.ä.) bekannt ist, nicht jedoch bereits als Hund
(und erst recht nicht, spezifischer, als Pudel oder Zwergpudel).
Es ist ohne weiteres möglich, den Analysevorschlag, den ich soeben f ür
ein nominales Prädikat wie ist ein Hund unterbreitet habe, auf adjektivische
Prädikate wie ist intelligent oder komplexe Prädikate wie hat vier Beine zu
übertragen. Das Prädikat ist ein Hund in (21a) wurde als Artprädikat betrachtet,
welches die dem Objektreferenten des Eigennamens Fido zugrundeliegende Art
für den Hörer spezifischer macht. Gehen wir von ‘Tier’ als die zugrundeliegen-
de Art aus, so ergibt sich für den Informationsstand des Hörers: aus “Fido als
Tier” wird durch die mit (21a) gelieferte Neuinformation “Fido als Hund”. Das-
selbe lässt sich nun für die Prädikate in (21b) und (21c) sagen. Auch hier wird
die zugrundeliegende Art durch die jeweilige Prädikation näher spezifiziert: aus
“Fido als Tier” wird “Fido als intelligentes Tier” bzw. “Fido als Tier, das vier
Beine hat”. Das heißt, auch mit adjektivischen oder komplexen Prädikaten zielt
der Sprecher in diesen Fällen darauf ab, innerhalb des konzeptuellen Wissens
des Hörers die Ersetzung der einem bekannten Objekt zugrundeliegenden Art
X durch eine Unterart von X zu bewirken – schließlich sind ‘intelligentes Tier’
und ‘Tier, das vier Beine hat’ Unterarten der Art ‘Tier’.
6.7. CARLSONSCHE STADIENPRÄDIKATE 108

Zusammenfassung: Artprädikate können sich selbstverständlich mit Artter-


men verbinden. Daneben können sie sich aber grundsätzlich auch mit Objekt-
termen verbinden. Dies liegt in der Natur von Arten als sortalen Konzepten be-
gründet: Weil es keine Objektindividuierung ohne Kategorisierung geben kann,
liegt jedem Objekt, auf das ich sprachlich referiere, eine Art zugrunde, als deren
Instanz ich das Objekt in der gegebenen Äußerungssituation betrachte (dua-
le Referenz). Erscheint ein Objektterm im Argumentslot eines Artprädikats,
so wird die Eigenschaft des Artprädikats dieser zugrundeliegenden Art zuge-
wiesen. Im Falle kategorisierender Aussagen wird die dem Objekt zugrundelie-
gende unterspezifizierte Art mit der durch die Postkopula-NP bezeichneten Art
identifiziert.

6.7 Carlsonsche Stadienprädikate

Eine Gruppe von Prädikaten blieb bisher unberücksichtigt. Es handelt sich um


jene Prädikate, die im Gegensatz zu allen anderen bisher diskutierten Prädikaten
(i.d.R.) dynamische Sachverhalte beschreiben. Für Carlson (1977) unterschei-
den sich diese Prädikate von den übrigen dahingehend, dass sie im Lexikon als
Eigenschaftszuweisungen an raumzeitliche Entitäten registriert sind. Da in Carl-
son’s Ontologie die Rolle raumzeitlicher Entitäten von Stadien übernommen
wird (die den nicht-raumzeitlichen Individuen, d.h. Objekten und Arten, ge-
genüberstehen), nennt er die betreffenden Prädikate “Stadienprädikate”. Stadi-
enprädikate weisen ihre Eigenschaft nicht einem Individuum zu, sondern einem
Stadium eines Individuums. Allerdings, um korrekt zu sein, auch viele nicht
dynamische Prädikate werden von Carlson als Stadienprädikate angesehen.
Auf der Grundlage der Unterscheidung zwischen raumzeitlichen und
nicht-raumzeitlichen Entitäten erklärt Carlson dann generische Prädikationen
als Eigenschaftszuweisungen an nicht-raumzeitliche Entitäten (Individuen-
prädikationen) und episodische Prädikationen als Eigenschaftszuweisungen an
raumzeitliche Entitäten (Stadienprädikationen). In der vorliegenden Arbeit fol-
ge ich Carlson dahingehend, generische Ausdr ücke als nicht-raumzeitlich de-
notierende Ausdrücke anzusehen. Ich gehe jedoch von etwas anderen ontolo-
gischen Voraussetzungen aus. Für mich sind Objekte raumzeitliche Entitäten,
die den nicht-raumzeitlichen Arten gegenüberstehen. Generische Prädikationen
sind entsprechend Eigenschaftszuweisungen an Arten, während es sich bei epi-
sodischen Prädikationen um Eigenschaftszuweisungen an Objekte handelt (vgl.
dazu ausführlich Kapitel 4).
Alle Prädikate, die dynamische Sachverhalte beschreiben, können auch in ge-
nerischen Aussagen benutzt werden. Intuitiv gesprochen werden so “Gewohn-
heiten” zum Ausdruck gebracht. Carlson setzt, um die generische Verwendung
6.7. CARLSONSCHE STADIENPRÄDIKATE 109

eines Stadienprädikats zu modellieren, einen Generalisierungsoperator an, der


Stadienprädikate in Individuenprädikate überführt. (22) zeigt Beispiele für Sta-
dienprädikate in generischer Verwendung6:
(95) a. Fido bellt (wie es Hunde eben so tun).
b. Maria raucht (seit bald einem halben Jahrhundert).
c. Petr trinkt Whiskey (lieber als Wodka).
Anders als stative Prädikate wie Hund sein, intelligent sein oder vier Beine
haben beschreiben Prädikate wie rauchen, bellen oder Whiskey trinken wie ge-
sagt dynamische Sachverhalte. Im Gegensatz zu Carlson gehe ich davon aus,
dass – von diesem deskriptiven Unterschied unber ührt – alle Prädikate lexi-
kalisch als Eigenschaftszuweisungen an nicht-raumzeitliche Entitäten, d.h. als
Artprädikate, zur Verfügung gestellt werden7. Das ist eine bestechend einfa-
che Annahme, die durch die Beobachtung motiviert wird, dass ausnahmslos
alle (syntaktisch nicht komplexen) Prädikate zum Zwecke der Eigenschaftszu-
weisung an eine Art gebraucht werden können. Wenn dynamische Prädikate als
Artprädikate gebraucht werden, führt das zu Sätzen, die Regeln ausdrücken, wie
den folgenden:
(96) a. Hunde bellen. Katzen dagegen miauen.
b. Ein echter Cowboy raucht.
c. Der Schotte an sich trinkt Whiskey.
Darüberhinaus können sich dynamische Prädikate, bedingt durch das Prin-
zip der dualen Referenz, als Artprädikate auch mit Objekttermen verbinden,
was dann zu generischen Sätzen wie denen unter (22) führt. Soweit betrachtet
funktionieren dynamische Prädikate also genau wie stative Prädikate – beide
Prädikatssorten können als generische Artprädikate benutzt werden. Der ent-
scheidende Unterschied ergibt sich erst, wenn sie nicht-generisch, d.h. als episo-
dische Prädikate verwendet werden. Wie sich zeigt haben nämlich nur dynami-
sche Prädikate das lexikalisch-semantische Potential, um sich auf raumzeitlich
6 Mögliche episodische Lesarten sind entsprechend zu ignorieren.
7 Dies ist natürlich eine Vereinfachung. Ich gehe davon aus, dass das Lexikon des
Deutschen zum einen Namen für sortale Eigenschaften (Arten) wie Hund, Bein, zum an-
deren Namen für nichtsortale Eigenschaften wie intelligent, vier, Whiskey und schließ-
lich Prädikate wie sein, haben, rauchen, bellen, trinken zur Verfügung stellt. Aus die-
sen lassen sich dann bei entsprechendem kommunikativen Bedarf syntaktisch komplexe
Prädikate wie Hund sein, intelligent sein, vier Beine haben, Whiskey trinken (u.a.) bil-
den. Charakteristisch für meinen Vorschlag ist, dass alle Lexikoneinheiten (außer Eigen-
namen) generische Bedeutungen tragen.
6.7. CARLSONSCHE STADIENPRÄDIKATE 110

lokalisierte Ereignisse zu beziehen. Auch stative Prädikate können zwar raum-


zeitlich lokalisiert gebraucht werden, sie können jedoch nicht ereignisbezogen
verwendet werden8.
Zeit für ein Zwischenfazit: Ein wichtiger Unterschied zwischen Carlson’s
Generizitätstheorie und meiner Variante besteht wie gesehen darin, dass Carl-
son von einer ontologischen Dreiteilung ausgeht (Stadien versus Objekte und
Arten), während ich mit einer Zweiteilung auskomme (Objekte versus Arten).
Der Preis, den ich für den Verzicht auf eine Klasse zu zahlen habe, besteht dar-
in, dass ich davon ausgehen muss, dass jeder sprachliche Objektbezug mit dem
Bezug auf eine Art einhergeht (Duale-Referenz-Hypothese). Ich argumentiere
jedoch, dass dieser Preis nicht besonders hoch ist. Im Gegenteil, man bekommt
die Duale-Referenz-Hypothese geschenkt, wenn man Arten wie ich als sortale
Konzepte ansieht.
Ein zweiter Unterschied besteht nun darin, dass für Carlson das Lexikon (des
Englischen) Prädikate enthält, die Eigenschaften an raumzeitliche Entitäten zu-
weisen. Demgegenüber möchte ich das Lexikon ausschließlich für Artprädikate
reservieren. Jedes der Prädikate, die Carlson als Stadienprädikate behandelt,
kann generisch verwendet werden. Was spricht also dagegen, diese Prädikate
lexikalisch als Artprädikate zu betrachten?
Probleme für meine Analyse stellen nichtverbale Carlsonsche Stadien-
prädikate dar, zumindest auf den ersten Blick:
(97) a. Opa ist müde.
b. Die Sterne sind sichtbar.
c. Peter ist hungrig.
d. Feuerwehrmänner sind verfügbar.
e. Trari, trara, die Feuerwehr ist da.
f. Guck mal, hier bin ich!
g. Ein Wasserrohr ist geplatzt.
h. Maria ist errötet.
Diese Prädikate sind so offensichtlich für raumzeitlich lokalisierte Eigen-
schaftszuweisungen vorgesehen, dass es fraglich erscheint, sie im Lexikon als
generische Prädikate aufzulisten. Tatsache ist, dass diese Prädikate einem sehr
8 Tatsächlich verläuft die Teilung der Prädikate in solche, die Bezug auf ein (David-
sonsches) Ereignis erlauben und solche, die das nicht tun, nicht exakt entlang der Schei-
de zwischen dynamischen und statischen Sachverhaltsbeschreibungen. So können sich
z.B. stative Positionsverben wie sitzen, stehen, liegen, ankern etc. ohne Weiteres auf Er-
eignisse beziehen (Maienborn 2000, 2003). Bach (1986) spricht aus diesem Grund von
“dynamic states” im Gegensatz zu “stative states”.
6.7. CARLSONSCHE STADIENPRÄDIKATE 111

selten in generischer Verwendung begegnen. Tatsache ist aber auch, dass die
generische Verwendung nicht unmöglich ist:
(98) a. Alte Menschen sind müde.
b. Nur die Sitze eines Eisbergs ist sichtbar.
c. [Erfahrungen eines Tierpflegers:] Junge Wölfe sind hungrig.
d. [Rossi’s Chef sagt:] Rossi, merken Sie sich ein f ür allemal: Ein gu-
ter Mitarbeiter ist verfügbar, wann immer und wo immer seine Ar-
beitskraft gebraucht wird.
Bei den Beispielen (24e) und (24f) wird der Nukleus des Prädikats von ei-
nem indexikalischen Ausdruck gebildet. Dass indexikalische Ausdrücke raum-
zeitlich interpretiert werden, ist keine Überraschung, denn indexikalische Zei-
chen sind schließlich gerade so definiert, dass ihre Interpretation auf Aspekte
der realen Äußerungssituation Bezug nimmt. Da indexikalische Ausdrücke eine
semantische Sonderbehandlung erfordern, stellen die Beispiele meine Analyse
nicht in Frage.
Dass (24g) und (24h) raumzeitlich lokalisiert verstanden werden (m üssen),
möchte ich dadurch erklären, dass die Postkopula-Ausdrücke hier morphologi-
sche Ableitungen (Partizipien) von den raumzeitlich lokalisierten Verben plat-
zen und erröten sind. Demnach handelt es sich bei diesen Prädikaten also nicht
um lexikalische Basisprädikate und somit stellen auch diese Beispiele kein Pro-
blem für meine These dar, wonach alle lexikalischen Prädikate als Artprädikate
aufzufassen sind.
Dass bestimmte Prädikate wie müde oder hungrig überwiegend in episodi-
scher Verwendung vorkommen, schließt nicht aus, dass sie im mentalen Lexi-
kon als Artprädikate verzeichnet sind. Mit welcher Frequenz einem ein Prädikat
in generischer oder episodischer Verwendung begegnet ist eine pragmatische
Frage. Für das Sprachsystem ist nicht entscheidend, wie oft eine Form in einer
bestimmten Bedeutung vorkommt, sondern ob eine Form in einer bestimmten
Bedeutung vorkommt.
Zusammenfassung: Anstatt davon auszugehen, dass bestimmte Prädikate le-
xikalisch als episodische Prädikate registriert sind, die unter Umständen ge-
nerisch gebraucht werden können, schlage ich den umgekehrten Weg vor
und reinterpretiere Carlsonsche Stadienprädikate als Artprädikate, die unter
Umständen episodisch gebraucht werden können. Darin gleichen sie allen ande-
ren Prädikaten, außer den Carlsonschen Artprädikaten (zu denen später mehr).
Anstatt wie Carlson von einer Generalisierungsoperation auszugehen, die Sta-
dienprädikate in Individuenprädikate überführt, gehe ich von einer Lokalisie-
rungsoperation aus, die Artprädikate in Objektprädikate überführt (s. Kapitel
7). Außerdem wurde angemerkt, dass viele Prädikate, die Carlson als Stadi-
enprädikate behandelt, tatsächlich eine lexikalische Klasse für sich bilden, die
6.8. RAUMZEITLICHE LOKALISIERBARKEIT 112

sich dadurch auszeichnet, dass ihr potentieller Raumzeitbezug stets mit Bezug
auf ein (Davidsonsches) Ereignis einhergeht.
Von Carlsonschen Artprädikaten einmal abgesehen, können wir jetzt also
festhalten: Jedes Prädikat ist primär ein Artprädikat und kann dementsprechend
verwendet werden, um einer Entität, sei es eine Art (26) oder ein Objekt (27),
eine generische Eigenschaft zuzuweisen.
(99) a. Hunde sind nach meinen Erfahrungen nicht besonders intelligent.
b. Die Demokratie ist eine Herrschaftsform.
c. Anfänger eröffnen gerne mit E2-E4.
(100) a. Der Hund Rico ist intelligent9 .
b. Die Ukraine ist eine Demokratie, Russland nicht so richtig.
c. Kasparov eröffnet gerne mit E2-E4.

6.8 Raumzeitliche Lokalisierbarkeit

Jedes lexikalische Prädikat ist ein Artprädikat. Abgesehen von Carlsonschen


Artprädikaten kann aber prinzipiell jedes Prädikat auch episodisch (raumzeit-
lich lokalisiert) verwendet werden. Man stellt allerdings schnell fest, dass ver-
schiedene Prädikate sich verschieden gut raumzeitlich lokalisieren lassen, wo-
bei die “Bereitschaft” sich nur sehr bedingt auf Grundlage der syntaktischen
Form des Ausdrucks vorhersagen lässt. Ich diskutiere hier nur exemplarisch ei-
nige Beispiele.
Prädikate, die aus Kopula plus Artikel plus Nomen bestehen, widersetzen
sich einer raumzeitlichen Lokalisierung in der Regel sehr stark. Um ein solches
Prädikat raumzeitlich zu lokalisieren, muss für gewöhnlich enormer kontextu-
eller Aufwand betrieben werden. Wie in (28a), wo der Märchenkontext dafür
verantwortlich ist, dass die episodische Interpretation Sinn ergibt. Allen Bei-
spielen unter (28) ist gemeinsam, dass sie “Ausnahmezustände” beschreiben –
die beschriebenen Verhältnisse in der realen Welt sind “zur Zeit”, d.h. relativ
zur jeweils betrachteten raumzeitlichen Lokation, nicht so, wie sie (gemäß den
im konzeptuellen Wissen fixierten Verhältnissen) zu erwarten wären. Die Sätze
berichten also von unnormalen realen Sachverhalten:
(101) a. Der Prinz ist zur Zeit ein Frosch.
b. Leipzig ist zur Zeit eine Baustelle.
c. [beim Schach:] Dieser Bauer ist jetzt eine Dame.
9 Vgl. Kaminski, Call & Fischer (2004).
6.8. RAUMZEITLICHE LOKALISIERBARKEIT 113

(29) zeigt ein Beispiel, in dem, wenn der Satz ohne Kontext präsentiert wird,
die generische Prädikatslesart in etwa gleichwahrscheinlich ist wie die episodi-
sche:
(102) Hinnerk ist ein Taxifahrer.
In der generischen, artbezogenen Lesart wird behauptet, Hinnerk sei haupt-
beruflich ein Taxifahrer (er sei eine Instanz der Art ‘Taxifahrer’). Taxifahrer
zu sein ist ein Teil von Hinnerk’s “Identität”. In der raumzeitlich lokalisierten,
objektbezogenen Lesart wird dagegen behauptet, dass Hinnerk zur Zeit als Taxi-
fahrer arbeitet, ohne dass diese Tätigkeit Ausdruck seiner “Identität” sein muss.
Vielleicht ist Hinnerk hauptberuflich Privatdetektiv, kann seinen eigentlichen
Beruf aber aufgrund der schlechten Auftragslage zur Zeit nicht aus üben. Im
ersten Fall wird ein Taxifahrer sein als “essentielle” oder “definierende” Eigen-
schaft von Hinnerk verstanden, im zweiten Fall als “akzidentelle” oder “tem-
poräre” Eigenschaft. In vielen Sprachen werden diese zwei Lesarten strukturell
desambiguiert, z.B. in der Zeitstufe Präsens im Neuhebräischen (s. Kapitel 9)
und in den Zeitstufen Vergangenheit und Zukunft im Russischen (z.B. Geist
2004).
Prädikate, die von einem Kopula-Adjektiv-Syntagma gebildet werden, lassen
sich besser oder schlechter raumzeitlich lokalisieren:
(103) a. Hans war am Mittwoch wütend.
b. Hans war am Mittwoch intelligent.10
c. Der Himmel ist zur Zeit blau.
d. Der Eimer ist zur Zeit blau.
Während (30a) und (30c) ohne Weiteres akzeptabel sind, bed ürfen (30b)
und (30d) erheblicher kontextueller Unterstützung. Wir müssen uns untypische
Situationen überlegen, in dem Sinne, dass sie den Erwartungen zuwiderlau-
fen, die wir aufgrund unseres konzeptuellen Wissens in Bezug auf Intelligenz
oder Eimer haben. (30b) zwingt uns, uns vorzustellen, dass Hans’ intellektuel-
le Fähigkeiten, für gewöhnlich auf niedrigem oder durchschnittlichen Niveau,
für den Zeitraum eines Tages ausnahmsweise ein sehr hohes Niveau innehat-
ten. Solche kurzfristigen Schwankungen widersprechen aber unseren Vorstel-
lungen, weil wir wissen, dass das ein Anheben des Intelligenzniveaus eines
Menschen normalerweise, wenn überhaupt möglich, eine langfristige Sache ist.
(30d) zwingt uns, uns vorzustellen, dass ein Eimer von Zeit zu Zeit seine Far-
be wechselt. Diese Vorstellung läuft unserem Weltwissen zuwider, weil ein Ei-
mer typischerweise ein reiner Gebrauchsgegenstand ist, dessen äußeres Erschei-
nungsbild völlig unwichtig ist.
10 Beispiel nach Chierchia 1995.
6.9. DIE LEXIKALISCHE BESONDERHEIT CARLSONSCHER ARTPR ÄDIKATE 114

Verbale Prädikate können zumeist ohne Schwierigkeiten raumzeitlich lokali-


siert werden und beziehen sich dann auf Ereignisse:
(104) a. Fido bellt schon seit Stunden.
b. Maria raucht noch schnell eine Zigarette.
c. Kasparov eröffnet wieder einmal mit E2-E4.
Sei jedoch angemerkt, dass es eine bestimmte Gruppe von (stativen) Ver-
ben gibt, denen die lexikalisch-konzeptuellen Voraussetzungen für Ereignis-
bezug fehlen. Eine raumzeitliche Interpretation erfordert in diesen Fällen mal
mehr, mal weniger kontextuellen Aufwand. Die Rede ist von sogenannten Rela-
tionsverben wie z.B. abhängen von, bestehen aus, umfassen, beinhalten,. . . (vgl.
Padučeva 1996):
(105) a. Peters Schicksal hängt jetzt ganz von Marias Entscheidung ab.
b. Mein Essen besteht heute aus drei Kartoffeln und etwas Butter.
Zusammenfassung: Alle Prädikate sind Artprädikate und können deswegen
benutzt werden, um eine generische Aussage direkt über eine Art oder indirekt
über eine einem Objekt zugrundeliegende Art zu machen. Um in nichtgene-
rischen Aussagen gebraucht zu werden, muss ein solches Artpr ädikat raum-
zeitlich lokalisiert werden. Raumzeitliche Lokalisierung ist also eine Operati-
on, die Artprädikate in Objektprädikate überführt. Nach Maßgabe ihrer jewei-
ligen lexikalisch-semantischen Struktur lassen sich verschiedene Prädikate bes-
ser oder schlechter raumzeitlich lokalisieren. Dies ist eine pragmatische Fra-
ge. Für manche Prädikate sind Situationen, in denen sie sinnvoll raumzeitlich
lokalisiert werden können, häufig, für andere selten. Viele Zustandsprädikate
erlauben nur eine nicht-ereignisbezogene raumzeitliche Lokalisierung (Bach’s
“stative states”). Bei den übrigen führt die raumzeitliche Lokalisierung wie bei
den dynamischen Prädikaten zu einer ereignisbezogenen Interpretation.
Das Gesagte trifft auf Prädikate zu, die Carlson (1977) als Stadien- oder Ob-
jektprädikate behandelt. Carlsonsche Artprädikate müssen aufgrund einer le-
xikalischen Besonderheit von der soeben gegebenen Charakterisierung ausge-
nommen werden. Dieser lexikalischen Besonderheit ist der nun folgende Ab-
schnitt gewidmet.

6.9 Die lexikalische Besonderheit Carlsonscher Artprädikate

Ich habe vorgeschlagen, alle Prädikate lexikalisch als Artprädikate anzusehen,


die bei Bedarf in Objektprädikate überführt werden können, und ausgerechnet
jene Prädikate, die Carlson (1977) Artprädikate nennt, als Ausnahmen von die-
ser Regel zu betrachten. In diesem Abschnitt soll nun geklärt werden, worin ihre
6.9. DIE LEXIKALISCHE BESONDERHEIT CARLSONSCHER ARTPR ÄDIKATE 115

Besonderheit besteht, d.h. worin sie sich von “normalen” Artprädikaten unter-
scheiden.
Krifka et al. (1995) hatten bemerkt, dass nur Arten erfunden werden, ausster-
ben, ausgerottet werden etc. Deswegen können sich Carlsonsche Artprädikate,
außer in der Stellvertreter-Lesart, nicht mit Objekttermen verbinden. Aus mei-
ner Sicht heißt das, dass Carlsonsche Artprädikate sich, im Gegensatz zu allen
anderen (“normalen”) Artprädikaten, nicht raumzeitlich lokalisieren lassen. Die
Frage ist nun, warum?
Ich habe mich den lexikalisch-semantischen Besonderheiten Carlsonscher
Artprädikate bereits in Kapitel 5 gewidmet. Wiederholen wir an dieser Stelle
noch einmal die erzielten Ergebnisse: Mit der durch ein normales Artprädikat
bezeichneten Eigenschaft wird eine Aussage über eine Art gemacht, speziell
über diejenige Art, die der betreffende Argumentausdruck denotiert. Norma-
le Artprädikate weisen also sozusagen reine Arteigenschaften zu. Im Gegensatz
dazu sind Carlsonsche Artprädikate dadurch gekennzeichnet, dass mit der zuge-
wiesenen Arteigenschaft eine Aussage über Instanzen der (durch den Argument-
ausdruck denotierten) Art einhergeht. Carlsonsche Artprädikate weisen also in
diesem Sinne keine reinen Arteigenschaften zu. Das hat Konsequenzen für die
Wahrheitsbedingungen.
Die Wahrheit oder Falschheit einer normalen Artprädikation entscheidet sich
nämlich ausschließlich an den Bedingungen, die in der Artdomäne herrschen11.
Korrespondieren die mit einer normalen Artprädikation behaupteten Bedin-
gungen mit den tatsächlich geltenden Verhältnissen der Artdomäne, so ist der
betreffende Satz wahr. Demgegenüber stellen Carlsonsche Artprädikationen
Wahrheitsbedingungen nicht nur an die Artdomäne, sondern auch an die Ob-
jektdomäne – zur Überprüfung der Wahrheit oder Falschheit einer Carlsonschen
Artprädikation müssen immer sowohl die herrschenden Verhältnisse in der Art-
domäne als auch die herrschenden Verhältnisse in der Objektdomäne in Rech-
nung gestellt werden. Sehen wir uns dazu Beispiele an:

(106) Der Dodo ist ein Vogel.

Unter welchen Bedingungen ist dieser Satz, der eine normale Artprädikation
darstellt, wahr? Der Satz ist wahr zum Zeitpunkt t0 genau dann, wenn zum Zeit-
punkt t0 die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

(i) In der Artdomäne existiert die Art ‘Dodo’.

(ii) In der Artdomäne existiert die Art ‘Vogel’.


11 Vergleiche hierzu die Diskussion von Beispiel (20a).
6.9. DIE LEXIKALISCHE BESONDERHEIT CARLSONSCHER ARTPR ÄDIKATE 116

(iii) Die Art ‘Dodo’ ist eine Unterart der Art ‘Vogel’12.
Wie man sieht, betrifft jede der drei Wahrheitsbedingungen (i) bis (iii)
Verhältnisse, die zum Zeitpunkt t0 in der Artdomäne herrschen. Deswegen ist
die Wahrheit oder Falschheit einer normalen Artprädikation wie (33) gänzlich
unberührt davon, welche Verhältnisse zum Zeitpunkt t0 in der Objektdomäne
(=in der realen Welt) herrschen. Und deswegen ist der Satz auch zum heutigen
Zeitpunkt in der aktualen Welt wahr, obwohl heute kein einziger Dodo mehr
real existiert. Wenden wir uns damit einer Carlsonschen Artprädikation zu:
(107) Der Dodo ist ausgestorben.
Dieser Satz kann zum Zeitpunkt t0 nur dann wahr sein, wenn zum Zeitpunkt
t0 die folgenden Bedingungen erfüllt sind13:
(i) In der Artdomäne existiert die Art ‘Dodo’.
(ii) In der Objektdomäne existieren keine Objektinstanzen der Art ‘Dodo’.
(iii) In der Objektdomäne haben zu einem Zeitpunkt vor t0 Objektinstanzen der
Art ‘Dodo’ existiert.
Wie die Bedingungen (ii) und (iii) zeigen, werden in diesem Fall sehr wohl
auch an die Objektdomäne Wahrheitsbedingungen gestellt14 .
Warum lassen sich Carlsonsche Artprädikate also nicht raumzeitlich lokali-
sieren? Die Antwort ist ein wenig originell: Carlsonsche Artprädikate können
deswegen nicht raumzeitlich lokalisiert werden, weil sie bereits raumzeitlich
lokalisiert sind! In ihrer lexikalischen Semantik enthalten Carlsonsche Art-
prädikate eine Existenzbehauptung bzw. Existenzpräsupposition bezüglich Ob-
jektinstanzen der Art, die durch jenen Ausdruck in die semantische Kompositi-
on eingespeist wird, der die Argumentposition des Prädikats besetzt.
Es kann nicht schaden, diesen Vorschlag mit der klassischen Analyse Carl-
sonscher Artprädikate zu kontrastieren. (35a) zeigt eine Carlsonsche Semantik
für are extinct, (35b) eine für dodos und (35c) eine für die Kombination dieser
zwei Ausdrücke15:
12 Was äquivalent ist mit: ‘Dodo’ ist ein Element der artbezogen bestimmten Extension
des Prädikats Vogel und ‘Dodo’ ist nicht identisch mit der Art ‘Vogel’.
13 Ich behaupte nicht, dass diese drei Bedingungen die Wahrheitsbedingungen von
(34) ausschöpfen würden.
14 Bedingung (iii) impliziert, dass die Art ‘Dodo’ bereits zu einem Zeitpunkt vor t in
0
der Artdomäne existiert haben muss. Dies ist der Grund, weshalb man keine indefiniten
NPn benutzen kann, um auf die Art ‘Dodo’ zu referieren – es sei denn, in taxonomischer
Lesart (vgl. Kapitel 5).
15 Der Index “k” signalisiert den Artbezug einer Variable. Für Objektbezug wird der
Index “o” benutzt.
6.9. DIE LEXIKALISCHE BESONDERHEIT CARLSONSCHER ARTPR ÄDIKATE 117

(108) a. [[ are extinct ]] = λ xk .EXTINCT(xk)


b. [[ dodos ]] = D ODO ∈Dk
c. [[dodos are extinct]] = EXTINCT(D ODO)

Demgegenüber läuft mein Vorschlag auf semantische Repräsentationen wie


die folgenden hinaus16:

(109) a. [[ are extinct ]] = λ xk ∃xo . loc(xo,xk) & VANISHED(xo )


b. [[ dodos ]] = D ODO ∈Dk
c. [[dodos are extinct]] = ∃xo . loc(xo,D ODO) & VANISHED(xo )

Wenn ich sage, dass Carlsonsche Artprädikate bereits von Hause aus raum-
zeitlich lokalisiert sind, dann wird damit nicht gesagt, dass Carlsonsche Art-
prädikate verkappte Objektprädikate wären. Wie (36a) zeigt, sind sie Art-
prädikate, allerdings mit der Besonderheit, dass die von ihnen zugewiesene Ei-
genschaft die Existenz (bzw. im Falle von be extinct die vormalige Existenz)
von realen Objekten, die die Art instantiieren, beinhaltet. In dieser Hinsicht un-
terscheiden sie sich von den normalen reinen Artprädikaten, vergleiche17 :

(110) a. [[ is a bird ]] = λ xk .BIRD(xk)


b. [[ the dodo ]] = D ODO ∈Dk
c. [[the dodo is a bird]] = BIRD(D ODO)

Angenommen also, jedes “normale” Prädikat ist lexikalisch ein Artprädikat,


dass durch eine Operation namens raumzeitliche Lokalisierung in ein Objekt-
prädikat überführt werden kann. Angenommen ferner, der Effekt dieser Opera-
tion besteht darin, dass die Eigenschaft des urspr ünglichen Artprädikats nicht
länger einer Art, sondern von nun an einem Objekt zugewiesen wird. Dann
ist, vor dem Hintergrund der in (36a) vorgeschlagenen Semantik, klar, warum
sich Carlsonsche Artprädikate nicht raumzeitlich lokalisieren lassen: Die Ei-
genschaft, Objektinstanzen zu haben, die selten, weitverbreitet, verschwunden,
. . . oder gezüchtet worden sind, kann nur von Arten wahr oder falsch sein. Nur
Arten können schließlich Instanzen haben. Instanzen können, trivialerweise,
keine Instanzen haben.
16 Die Relation “loc” ist eng verwandt mit der Carlsonschen Realisierungsrelation “R”,
nur dass mit loc nicht Stadien und Individuen, sondern Objekte und Arten aufeinander
bezogen werden.
17 Ich vernachlässige an dieser Stelle die Semantik des definiten Artikels in (37b).
6.10. CARLSONSCHE ARTPRÄDIKATE ALS EXISTENZPRÄDIKATE 118

6.10 Carlsonsche Artprädikate als Existenzprädikate

Gemäß der im vorigen Abschnitt vorgeschlagenen Semantik handelt es sich bei


Carlsonschen Artprädikaten um Prädikate, die einer Art die Eigenschaft zu-
weisen, Instanzen zu haben (oder nicht mehr zu haben), und die eine Aussa-
ge dahingehend machen, in welcher Weise diese Instanzen in der realen Welt
vorkommen. In dieser Hinsicht ähneln Carlsonsche Artprädikate dem Existenz-
prädikat exist, zumindest wenn man McNally (1997, 2005) folgt und die Be-
deutung des Existenzprädikats als eine Funktion ansieht, welche Eigenschaft-
sindividuen nimmt und auf Wahrheitswerte abbildet derart, dass sich der Wert
“wahr” dann einstellt, wenn das Eigenschaftsindividuum Instanzen hat.
McNally beruft sich auf den Sprachphilosphen Strawson, der in Erwägung
zieht, ein Existenzsatz sei “a subject-predicate proposition in which the subject
is a property or concept and in which the predicate declares, or denies, its instan-
tiation” (zit. nach McNally 2005). Wenn man nun, über McNally hinausgehend,
unter “property or concept” Arten versteht, werden Carlsonsche Artprädikate
gänzlich zu Spezialfällen des Existenzprädikats, vergleiche (36) mit (38):
(111) a. [[ exists ]] = λ xk ∃xo. loc(xo ,xk)
b. [[ the dodo ]] = D ODO ∈Dk
c. [[the dodo exists]] = ∃xo . loc(xo,D ODO)
Der Unterschied zwischen den Prädikaten be extinct und exist besteht ein-
zig und allein in einer zusätzlichen Bedingung, die in der lexikalischen Se-
mantik von be extinct den behaupteten Instanzen auferlegt wird und die ich
provisorisch als VANISHED(xo) formuliert habe. Analog sind andere Carlson-
sche Artprädikate zu analysieren, vergleiche die provisorischen semantischen
Repräsentationen in (39):
(112) a. [[ be rare ]] = λ xk ∃xo . loc(xo,xk) & LOW- IN - NUMBER(xo)
b. [[ be numerous ]] = λ xk∃xo . loc(xo ,xk) & HIGH - IN - NUMBER(xo)
c. [[ be invented ]] = λ xk∃xo ∃e. loc(xo ,xk) & CREATE(e) & UNDERGOER(e,xo )
d. [[ be widespread ]] = λ xk∃xo . loc(xo ,xk) & FAR - AWAY- FROM -
EACH - OTHER (xo )

Die erzielten Ergebnisse zusammenfassend, ergibt sich die


Prädikatsklassifikation in Abbildung 2. Da ist zum einen die lexikalische
Klasse der “reinen” Artprädikate. Diese müssen nicht als Artprädikate fun-
gieren, vielmehr kann ihre Semantik bei entsprechendem kommunikativen
Bedarf derart angereichert werden (raumzeitliche Lokalisierung), dass sie
zu Objektprädikaten werden. Hierzu gehören Carlsonsche Objektprädikate
und Carlsonsche Stadienprädikate. Letztere sind größtenteils ereignisbezogen.
6.11. GENERISCHE INDEFINITE NPN 119

Man beachte, dass nach diesem Vorschlag alle Prädikate, außer Carlsonschen
Artprädikaten, zu sowas wie den “Mischprädikaten” von Krifka et al. (1995)
werden. Den reinen Artprädikaten gegenüber stehen die Existenzprädikate,
bei denen es sich ebenfalls um Artprädikate handelt, allerdings um solche, die
einer Art eine Eigenschaft zuweisen, die nicht die Art direkt, sondern Instanzen
der Art betrifft. Den prototypischen Fall stellt das klassische Existenzprädikat
existieren dar. Dieses weist einer Art die Eigenschaft zu, in der realen Welt
Instanzen zu haben. Die Carlsonschen Artprädikate sind ebenfalls Existenz-
prädikate. Während mittels existieren die reine Existenz von Instanzen einer
Art behauptet wird, wird mittels Carlsonscher Artprädikate darüber hinaus eine
Aussage über den Modus der Existenz von Instanzen einer Art gemacht.
reine Artprädikate “Carlsonsche Stadienprädikate”
(pot. Objektprädikate) “Carlsonsche Objektprädikate”
Prädikate existieren
Existenzprädikate “Carlsonsche Artprädikate”

Abbildung 6.2: revidierte Prädikatsklassifikation

In (39) wurden einige provisorische semantische Repräsentationen für Carl-


sonsche Artprädikate angegeben. Es kann nicht das Ziel dieser Arbeit sein, ei-
ne detailierte lexikalisch-semantische Analyse der verschiedenen Carlsonschen
Artprädikate zu erarbeiten. Die vorgeschlagene Semantik für (39c) ist beispiels-
weise noch zu grob, um erfinden von z üchten zu differenzieren. Ein adäquate
Analyse müsste zusätzlich den Modus der Schöpfung einer neuen Art reflektie-
ren – dass im Falle von züchten, im Gegensatz zu erfinden, die neue Art durch
die Kreuzung zweier bekannter Arten erschaffen wird usw.
In Abbildung 3 präsentiere ich eine erste lexikalische Taxonomie Carlson-
scher Artprädikate, die hoffentlich verständlich ist, auch ohne dass ich sie im
Detail kommentiere. Eine genauere Kartographie dieses semantischen Feldes
muss die Aufgabe zukünftiger Forschung bleiben.

6.11 Generische indefinite NPn

Zum Abschluss soll nun noch gezeigt werden, wie sehr viel einfacher die se-
mantische Analyse generisch verwendeter indefiniter Nominalphrasen wird,
wenn man die in diesem Kapitel vorgestellte Prädikatsklassifikation zugrunde
legt. Ich hatte im Abschnitt 2 dargestellt, wie verschieden generische indefinite
NPn in der modernen Semantiktheorie analysiert werden. Nehmen wir uns die
Beispiele also noch einmal vor:
6.11. GENERISCHE INDEFINITE NPN 120

appearance creation erfinden, züchten, schöpfen(?)


entdecken, besiedeln(?), befallen(?)
disappearance cease to exist ausrotten, aussterben,. . .
“C-A” (aus einer Gegend) abziehen(?)
spatial/numerical selten sein, weit verbreitet sein,
distribution zahlreich sein,. . .
gestalt variation in verschiedenen Formen vorkommen,
größer werden, je weiter man nach Norden kommt,. . .

Abbildung 6.3: lexikalische Klassen innerhalb Carlsonscher Artprädikate

(113) Ein Hund hat vier Beine.


Hier handelt es sich um eine Artprädikation über eine als neu präsentierte
Art, speziell über die Art ‘Hund’. Behauptet wird, dass die Art ‘Hund’ zu der
Menge der Arten gehört, die durch die Eigenschaft, vier Beine zu haben, ge-
kennzeichnet sind.
(114) Ein Wellensittich ist ein Vogel.
Dieses Prädikat, das Krifka et al. (1995) als Mischprädikat behandeln, kann
ganz analog analysiert werden: Es handelt sich um eine Artprädikation über
eine als neu präsentierte Art, speziell über die Art ‘Wellensittich’. Behauptet
wird, dass die Art ‘Wellensittich’ zu der Menge der Arten gehört, die durch die
Eigenschaft, ein Vogel zu sein, gekennzeichnet sind.
(115) Ein weißer Elefant ist selten.
Hier handelt es sich um eine Carlsonsche Artprädikation über eine als neu
präsentierte Art, speziell über die Art ‘weißer Elefant’. Behauptet wird die Exi-
stenz von Instanzen dieser Art in relativ kleiner Zahl.
(116) Ein Blauwal ist vom Aussterben bedroht.
Hier handelt es sich um eine Carlsonsche Artprädikation über eine als neu
präsentierte Art. Behauptet wird, dass die als existent vorausgesetzten Instanzen
dieser Art zu verschwinden drohen. Bedingt durch die Existenzpräsupposition
betrifft die Prädikation nicht die vom Kopfnomen benannte Art ‘Blauwal’, son-
dern eine ihrer Unterarten (vgl. Kapitel 5).
Fazit: Alle diese generischen indefiniten NPn können als artreferierende Aus-
drücke analysiert werden, die der Sprecher so markiert, dass der Hörer den NP-
Referenten als neue, d.h. als nicht bereits im Common Ground von Sprecher
und Hörer etablierte, Entität verstehen muss. Dies führt zu einer einheitlichen
semantischen Analyse indefiniter NPn in generischer Verwendung.
6.12. ZUSAMMENFASSUNG 121

6.12 Zusammenfassung

Alle Prädikate sind im Lexikon zunächst einmal als Artprädikat registriert.


Aber, obwohl sie Artprädikate sind, erlauben ihre Argument-NPn nicht nur ei-
ne artreferierende Interpretation. Auch objektreferierende Ausdrücke können
sinnvoll als Argumente eines Artprädikats eingesetzt werden. Dazu muss das
bezeichnete Objekt als Vertreter einer Art verstanden werden, so dass die Art-
eigenschaft des Prädikats der von diesem Objekt vertretenen Art zugewiesen
werden kann.
Es lassen sich Fälle, in denen ein Objekt den Status eines Stellvertreters ei-
ner Art bereits vorab, d.h. vor der Äußerung, innehat (44a), von solchen Fällen
unterscheiden, in denen ein Objekt erst durch die Äußerung als Vertreter einer
Art ausgewiesen wird. Im letzteren Fall ist zu unterscheiden zwischen der Zu-
ordnung eines Objekts zu einer bekannten Art (44b) und der Zuordnung eines
Objekts zu einer neuen Art (44c). Um Zuordnungen zu einer neuen Art handelt
es sich auch bei generischen Aussagen, in denen die Postkopula-Konstituente
nicht von einer Nominalphrase gebildet wird, wie in (44d):
(117) a. Wenn man die Studenten von heute mit ihren Forderungen so erlebt,
muss man feststellen: Rudi Dutschke ist wohl ausgestorben.
b. Herzlichen Glückwunsch, Herr Bulk, Sie sind der Gewinner von
5000 Euro monatlicher Sofortrente!
c. “Ich bin ein christlicher Buddhist” (Sebastian Deisler)
d. Sabine Christiansen ist gefährlich.
Mir scheint, es ist die überraschendste und wichtigste Erkenntnis dieses Ka-
pitels, dass die Stellvertreter-Interpretation eines Objektterms (“representati-
ve object interpretation”) kein marginales Phänomen ist, sondern ein für das
Verständnis generischer Prädikationen ganz wesentliches. Dies liegt in der on-
tologischen Natur von Objekten und Arten begründet: Objekte sind per se En-
titäten, die Arten in der realen Welt vertreten (=instantiieren). Deswegen kann
man sich nicht auf ein Objekt beziehen ohne gleichzeitig das Objekt als Vertre-
ter dieser oder jener Art zu perspektivieren. Wenn ein Artprädikat syntaktisch
mit einem Objektterm kombiniert wird, kann die im jeweiligen Referenzakt
“zugrundeliegende” Art die Argumentstelle des Artprädikats saturieren. Dies
erklärt, warum das Subjekt eines generischen Satzes (=einer Artprädikation)
nicht nur von einem Artterm, sondern auch von einem Objektterm gestellt wer-
den kann.
Normale Artprädikate lassen sich durch den Prozess der raumzeitlichen Lo-
kalisierung in Objektprädikate überführen. Diesem Prozess wird das nächste
Kapitel gewidmet sein. Dass sich die daraus resultierenden Objektprädikate mit
Objekttermen verbinden ist nicht verwunderlich.
6.12. ZUSAMMENFASSUNG 122

Carlsonsche Artprädikate lassen sich nicht raumzeitlich lokalisieren. Sie bil-


den zusammen mit dem Existenzprädikat eine eigene lexikalische Klasse, die
dadurch gekennzeichnet ist, dass die bezeichnete Eigenschaft Existenzbedin-
gungen an Objektinstanzen einer Art stellt. Man könnte sagen: Mit einem nor-
malen Objektprädikat (einem raumzeitlich lokalisierten normalen Artprädikat)
wird über ein Objekt ausgesagt, wie es in der realen Welt der Objekte und Ereig-
nisse vorkommt. Mit dem Existenzprädikat wird über eine Art ausgesagt, dass
sie in der realen Welt vorkommt. Mit Carlsonschen Artprädikaten wird über
eine Art ausgesagt, dass und wie sie in der realen Welt vorkommt.
Kapitel 7

Overte und koverte Artikel – die Semantik


von NPn im Rahmen einer artbasierten
DRT

7.1 Übersicht

Die Grundidee, die ich in dieser Dissertation verfolge, besteht darin, dass die
Artdomäne die grundlegende (=lexikalische) semantische Bezugsdomäne ist,
relativ zu der Inhaltswörter (Nomen, Verben, Adjektive) ihre Bedeutungen be-
stimmen. Der semantische Bezug auf Elemente der raumzeitlichen Objekt-
domäne setzt bestimmte externe (=grammatische) Prozesse der Bedeutungsan-
reicherung voraus.
In diesem Kapitel soll ein Argument für eine solche “artbasierte” grammati-
sche Architektur unterbreitet werden. Speziell soll die bekannte Tatsache, dass
Bare plural NPn normalerweise nur opaque Lesarten aktualisieren, wie folgt er-
klärt werden: Die kovert operierende Bedeutungsverschiebung, die aus einem
prädikativen Bare plural Nomen eine referierende Bare plural NP macht, muss,
weil sie kovert ist, zum frühstmöglichen Zeitpunkt der Derivation applizieren.
Bei einer artbasierten Architektur folgt daraus, dass der resultierende referie-
rende Ausdruck sich auf eine Art bezieht. Daraus wiederum folgt, dass die In-
terpretation der NP keine Existenz von Objektinstanzen der Art impliziert, was
ja gerade ein Kennzeichen der opaquen Lesart ist.
Ich gehe von der nicht besonders ungew öhnlichen Prämisse aus, wonach
ein Nomen lexikalisch als Prädikat anzusehen ist, welches mit einem Deter-
minierer kombiniert werden muss, um einen referierenden Ausdruck zu bilden.
Neu ist aber mein Vorschlag, dass ein Nomen im Lexikon als Artprädikat regi-
striert ist. Die Applikation eines Determinierers (ich werde diesbezüglich von
“Instantiierern” sprechen) auf der Artebene führt zu einem Artterm. Die se-
mantische Komposition einer artreferierenden NP wird in Abschnitt 2 im Rah-
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 124

men der Diskursrepräsentationstheorie dargestellt. Objektreferierende NPn er-


geben sich nur, wenn vor der Applikation des Determinierers ein Umschalten
auf die Objektebene erfolgt. Bevor ich jedoch zur semantischen Kompositi-
on objektreferierender NPn komme, will ich in den Abschnitten 3-5 zumin-
dest kursorisch die zwei grundsätzlichen Möglichkeiten der Modifikation einer
NP besprechen, die sich unmittelbar aus meinem Vorschlag ergeben: Modifi-
kation vor dem Umschalten auf die Objektebene (“interne Modifikation” bzw.
“typen-restringierende Modifikation”) und Modifikation nach dem Umschalten
auf die Objektebene (“externe Modifikation” bzw. “token-restringierende Mo-
difikation”). In Abschnitt 6 wird auf eine aus theoretischer Sicht sehr attrak-
tive Konsequenz meiner Analyse aufmerksam gemacht. Die sorgfältige Tren-
nung zwischen semantischer Komposition auf der Artebene und semantischer
Komposition auf der Objektebene ermöglicht es nämlich, die syntaktische Ka-
tegorie NP (bzw. DP) mit einem einzigen semantischen Bedeutungsformat zu
assoziieren: alle NPn sind vom semantischen Typ <e>. Abschnitt 7 widmet
sich dem “Nullartikel”, der als Type shifter konzipiert wird und dessen Anwen-
dung durch das Prinzip der lexikalischen Blockade beschränkt wird. Schließlich
wende ich mich in Abschnitt 8 der semantischen Komposition objektreferieren-
der NPn zu. Es wird eine Formalisierung im Rahmen der DRT vorgeschlagen
und gezeigt, wie die opaque Lesart artikelloser NPn durch die Forderung nach
frühstmöglicher Anwendung des Type shifters zustande kommt. Abschnitt 9 er-
klärt, warum artreferierende Bare plural NPn im Rahmen der Interpretation des
Gesamtsatzes, in dem sie erscheinen, existentielle Lesarten ausdrücken können.
Bestimmte Bare plural NPn wie etwa parts of that machine sind dafür bekannt,
dass sie nicht nur opaque, sondern auch transparente Lesarten erlauben. Die-
se werden in Abschnitt 10 als Ausnahmen identifiziert, die die vorgeschlage-
ne Analyse nicht in Frage stellen, sondern sogar bestätigen. Ihre Besonderheit
besteht in der Präsenz eines token-restringierenden Modifizierers, der die Be-
zugnahme auf die Objektebene auch in Ermangelung eines Artikels bewirkt. In
Abschnitt 11 diskutiere ich wenigstens kurz die zwei vielleicht prominentesten
Bare plural Analysen, zu denen meine Analyse in Konkurrenz tritt. Abschnitt
12 fasst das Kapitel zusammen.

7.2 Die Rolle overter Artikel

Die Diskussion der Architektur der Artdomäne in Kapitel 3 führte zu dem


Ergebnis, dass Nomen einerseits Namen von Arten sind, andererseits jedoch,
gleichzeitig, Prädikate, die Mengen von Arten charakterisieren. Das Nomen
Hund, zum Beispiel, nennt die Art ‘Hund’ beim Namen und denotiert dadurch
gleichzeitig die Menge der Arten ‘Hund’, ‘Schäferhund’, ‘Blindenhund’, ‘Pu-
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 125

del’, ‘streunender Hund’ und was es sonst noch so f ür Hundearten gibt.
Bei näherer Hinsicht erscheint es allerdings problematisch, ein deutsches No-
men wie Hund als den Namen einer Art anzusehen. Wenn Hund der Name der
Art ‘Hund’ wäre, dann sollte der folgende Satz sprachgerecht sein, was er aber
nicht ist:
(118) *Hund stammt vom Wolf ab.
Um den intendierten Sachverhalt auszudrücken, muss eine der folgenden Va-
rianten gewählt werden:
(119) a. Der Hund stammt vom Wolf ab.
b. Ein Hund stammt vom Wolf ab.
c. Die Hunde stammen vom Wolf ab.
d. Hunde stammen vom Wolf ab.
Warum ist Beispiel (1) ausgeschlossen? Im Prinzip sind zwei Erklärungen
denkbar. Wenn man an der Vorstellung festhalten will, dass Individualnomina
im Lexikon als Artnamen verzeichnet sind, muss man die Ungrammatikalität
von (1) als rein syntaktisches Phänomen ansehen. So schreibt etwa Dölling1 :
Soweit ein Individualnomen explizit als Bezeichnung einer Art ver-
wendet werden soll, erfordert dies in der Regel seine Überführung in
die NP-Kategorie dadurch, daß es entweder mit einem definiten Arti-
kel versehen oder in die Pluralform transformiert wird. Da aber beide
Operationen aus unterschiedlichen Gründen zu keinen Veränderungen
auf der semantischen Ebene führen, läßt sich ihre Notwendigkeit of-
fenbar ausschließlich auf syntaktische Bedingungen begr ünden, die in
den fraglichen Sprachen [Englisch und Deutsch, OMR] für Individual-
nomina gelten. (Dölling 1992:60)
Die zweite Möglichkeit besteht darin, anzunehmen, dass Nomen keine Na-
men von Arten sind, sondern Symbole für Arten (z.B. Foley 1997). Demnach
wären Individualnomina im konzeptuellen System Symbole für Arten, im lin-
guistischen Lexikon jedoch eindeutig als (Art-)Prädikate registriert. Geht man
von dieser Annahme aus, so bietet sich die folgende weitverbreitete Erklärung
für das Datum in (1) an: Das Subjekt eines Deklarativsatzes muss von einem re-
ferierenden Ausdruck gebildet werden2 . Lexikalische Nomen sind aber von sich
1 Man beachte, dass Dölling eine durch den indefiniten Artikel eingeleitete NP nicht
als Artterm auffasst. Der Grund ist, dass Dölling der Standardtheorie in der Annahme
folgt, dass indefinite NPn nicht artreferieren, sondern lediglich subartreferieren können.
Gegen diese Position wende ich mich in Kapitel 5.
2 . . . oder von einem generalisierten Quantor, aber von dieser Möglichkeit sehe ich
hier und im Folgenden ab.
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 126

aus keine referierenden Ausdrücke. Um als referierender Ausdruck (Term) fun-


gieren zu können muss ein Nomen deswegen erst in bestimmter Weise seman-
tisch angereichert werden. Diese notwendige semantische Anreicherung mani-
festiert sich in Sprachen wie dem Deutschen in Form der overten Artikel in
(2a)-(2c).
Padučeva (1979) argumentiert, dass selbst in einer artikellosen Sprache wie
dem Russischen jeder nominale Ausdruck, der in referierierender Funktion ge-
braucht wird, aus zwei semantischen Komponenten besteht. Bei der ersten Be-
deutungskomponente handelt es sich dabei um eine bestimmte Eigenschaft, bei
der zweiten um eine Instruktion, wie auf der Grundlage dieser Eigenschaft im
Äußerungskontext ein Referent zu bestimmen ist. Lexikalisch verfügt ein russi-
sches Nomen nach Padučeva aber nur über die erste Bedeutungskomponente:
Obščee imja ničego ne oboznačaet: ono imeet smysl, t.e. vyražaet ne-
kotoroe svojstvo, no ne denotat. (Padučeva 1979:26)
Erst wenn sich das lexikalische Nomen mit einem, wie sie es nennt, “Aktuali-
sator” verbindet, wird die zweite Komponente ins Spiel gebracht und es entsteht
ein referierender Ausdruck. Russische Bare nominals in referierender Funktion
erklärt Padučeva durch einen koverten Aktualisator:
Aktualizator v sostave IG možet byt’ nulevym. Denotativnyj status
IG opredeljaetsja v ėtom slučae sintaksičeskim kontekstom, linejno-
intonacionnoj strukturoj predloženija i pročim. (Padučeva 1979:26)
Ich werde in diesem Kapitel die zweite Möglichkeit verfolgen und entspre-
chend von den folgenden zwei Prämissen ausgehen: Erstens, (sogenannte) Gat-
tungsnamen sind als lexikalische Prädikate anzusehen. Zweitens, die Syntax
(zu der ich im Detail wenig zu sagen habe) weist Argumentpositionen aus. Die
Subjektposition ist eine solche Argumentposition. Argumentpositionen sind f ür
Ausdrücke reserviert, die syntaktisch als NP (bzw. DP) kategorisiert werden.
Ausdrücke, die von sich aus NPn sind (z.B. Eigennamen oder Artikel-Nomen-
Syntagmen), sind folglich dazu prädestiniert, eine Argumentposition zu beset-
zen. Darüberhinaus besteht die Möglichkeit, dass auch Ausdrücke, die nicht von
sich aus NPn sind, Argumentpositionen besetzen. Voraussetzung daf ür ist aller-
dings, dass das Missverhältnis zwischen den Anforderungen der syntaktischen
Position und dem Bedeutungsformat des betreffenden Ausdrucks aufgel öst wer-
den kann. Voraussetzung ist, mit anderen Worten, dass das Bedeutungsformat
des betreffenden Ausdrucks in das mit einer NP assoziierte Bedeutungsformat
sortenverschoben werden kann.
Weil ich in dieser Arbeit davon ausgehe, dass die lexikalischen Bedeutun-
gen sogenannter Inhaltswörter (Nomen, Verben, Adjektive) grundsätzlich auf
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 127

die ontologische Typen-Ebene (=Artdomäne) bezogen sind3, ist die lexikali-


sche Bedeutung eines deutschen Nomens als Artprädikat anzusetzen. Sei Dk
die Domäne der Arten, dann ergibt sich für Hund bzw. Hunde die semantische
Repräsentation unter (3) 4 :
(120) a. [[Hund]] = λ X ∈ Dk . HUND(X)
b. [[Hunde]] = λ X ∈ Dk . HUND(X) & PLURAL(X)
Referierende Ausdrücke, Terme, entstehen durch die Verbindung dieser Art-
prädikate mit Funktoren, deren Bedeutungsbeitrag darin besteht, die Extensi-
on des Artprädikats auf eines seiner Elemente abzubilden. Dieses Element ist
dann der Referent des so entstandenen Terms. Im Prinzip k önnte jede Teilmenge
der Extension eines Artprädikats den Referenten des abgeleiteten Terms bilden.
Häufig jedoch beschränken sprachspezifische morphosyntaktische Kategorien
die Bestimmung des Referenten. In Bezug auf deutsche und englische Nomen
sind in diesem Zusammenhang zwei grammatische Faktoren relevant, die Nu-
meruskategorie und das Artikelsystem.
Die folgende Darstellung der Derivation eines referierenden Ausdrucks (ei-
ner NP) folgt der von Farkas & de Swart (2003) vertretenen Variante der Dis-
kursrepräsentationstheorie (Kamp & Reyle 1993) unter Hinzunahme einer sy-
stematischen Unterscheidung zwischen (durch Grossbuchstaben symbolisier-
ten) Artargumenten und (durch Kleinbuchstaben symbolisierten) Objektargu-
menten.
Die lexikalische Bedeutung des Artprädikats Hund entspricht der DRS un-
ter (4), die Bedeutung des pluralischen Artprädikats Hunde der unter (5). Man
beachte, dass die DRSn in (4) und (5) keine Diskursreferenten enthalten – die
sogenannten Universen der DRSn sind leer:
(121) [N Hund]

dog(X)

(122) [N Hunde]

dog(X)
plural(X)
3 Eigennamen fallen also nicht unter diese Regel!
4 Ich folge hier Farkas & de Swart (2003) in der Praxis, morphologische Pluralisie-
rung als zusätzliche Prädikation zu modellieren.
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 128

Erst durch die syntaktische Verknüpfung dieser Nomen mit einem Artikel
zu einer NP werden diese Bedeutungen – wie Farkas & de Swart es nennen –
“instantiiert”. Technisch gesehen beinhaltet Instantiierung die Ersetzung eines
thematischen Arguments X durch einen Referenzmarker (=Diskursreferenten)
U. Beachtenswert ist, dass die Elemente, die im Sinne von Farkas & de Swart
eine Instantiierung bewirken, exakt die semantische Rolle der Elemente spielen,
die Padučeva Aktualisatoren nennt.
Farkas & de Swart betrachten den indefiniten Artikel als den einfachsten aller
möglichen Instantiierer, da sein semantischer Beitrag in nichts weiterem als der
Ersetzung von X (bzw. Y, Z, . . . ) durch U (bzw. V, W, . . . ) besteht. Zu beachten
ist nun, dass der indefinite Artikel einer lexikalischen Beschränkung hinsicht-
lich seiner Anwendbarkeit unterliegt: Die Semantik des indefiniten Artikels ist
nur für solche Nomen definiert, deren Extension ausschließlich atomische Ele-
mente umfasst. Mit anderen Worten, der indefinite Artikel verbindet sich nur
mit solchen Nomen, deren Numeruswert Singular ist5.
Der Bedeutungsbeitrag des indefiniten Artikels überführt die semantische Re-
präsentation unter (4) in die der indefiniten NP ein Hund unter (6):
(123) [NP ein Hund]
U
dog(U)

Wie demgegenüber die genaue Semantik des definiten Artikels zu formulie-


ren ist, wird von Farkas & de Swart nicht weiter thematisiert. Ein Vorschlag, der
sich anbietet, wurde diesbezüglich von Geurts (1999) gemacht. Geurts nimmt
an, dass die Anwesenheit des definiten Artikels in der syntaktischen Struktur ei-
ner NP mit einer bestimmten Präsupposition einhergeht. Einfach gesagt ist dar-
unter zu verstehen, dass der von einer definiten NP eingeführte Referenzmarker
mit einem bereits vorab (d.h. im vorigen Diskurs) eingeführten Referenzmar-
ker identifiziert werden muss. Wenn der Sprecher eine definite NP formuliert,
so geht damit die Anweisung an den Hörer einher, den mit dieser definiten NP
assoziierten Referenzmarker an eine bereits aufgebaute DRS anzubinden, d.h.
5
Das gilt, wohlgemerkt, für die Situation im Deutschen und Englischen. Ande-
re Sprachen wie etwa das Französische verfügen bekanntlich über einen indefinite
Pluralartikel.
7.2. DIE ROLLE OVERTER ARTIKEL 129

mit einem Referenzmarker einer bereits aufgebauten DRS zu koindizieren. Fin-


det sich im Diskursmodell des Hörers kein bereits etablierter Referenzmarker,
an den der Referenzmarker der geäußerten definiten NP angebunden werden
kann, so muss ein solcher akkommodiert werden. Geurts’ Vorschlag stellt eine
Formalisierung der dynamischen Semantik des definiten Artikels dar, die der
wohlbekannten Beobachtung Rechnung trägt, dass definite NPn mit Bezug auf
“bekannte” Referenten verwendet werden.
Entsprechend führt die Applikation des definiten Artikels zur Integration der
DRS der zu verrechnenden NP der Hund (kleine Box) in die bereits durch den
Vortext aufgebaute DRS (grosse Box), wie in (7) angedeutet:
(124) [NP der Hund]
...U ...

...

dog(U)

Der definite Artikel verbindet sich, anders als der indefinite, problemlos mit
Singular- und Pluralnomen:
(125) [NP die Hunde]
...U ...

...

dog(U)
plural(U)

Wie nun aber, wenn Referenz auf eine Pluralität intendiert ist, die nicht als
bekannt vorausgesetzt präsentiert werden soll? Dieser Referenzbereich wird
von den beiden lexikalisch verfügbaren “Instantiierern”, dem definiten Artikel
und dem indefiniten Artikel, nicht erfasst. Die Derivation von in entsprechen-
der Weise referierenden Ausdrücken muss zwangsläufig kovert erfolgen. Damit
stellt sich die Frage nach dem theoretischen Status des “Nullartikels” im Deut-
schen und Englischen, vgl. das Subjekt in (2d). Doch bevor ich mich auf das
7.3. BILDUNG KOMPLEXER PRÄDIKATE 130

schwierige Feld der Bare plurals begebe, möchte ich zunächst den Prozess der
Prädikatsmodifikation diskutieren. Unter Prädikatsmodifikation verstehe ich die
syntaktische Verbindung von zwei oder mehr Prädikaten zu einem komplexen
Prädikat vor der Applikation des (overten oder koverten) Artikels.

7.3 Bildung komplexer Prädikate

Mit Dayal (2004) sei angenommen, dass die Artikelsemantik im Englischen


(und Deutschen) hinsichtlich der Unterscheidung zwischen Artreferenz und
Objektreferenz unterspezifiziert ist. Prädikatenlogisch gesprochen: Der defini-
te Artikel vermag sowohl Objektmengen als auch Artmengen auf ihr jeweili-
ges unikes maximales Element abzubilden und der indefinite Artikel kann so-
wohl Objektmengen als auch Artmengen auf ein beliebiges Element abbilden.
Im Rahmen der DRT gesprochen: Der (in)definite Artikel vermag sowohl die
Instantiierung eines thematischen Objektarguments als auch die eines themati-
schen Artarguments auszulösen. Aus diesem Grund sind englische und deutsche
NPn systematisch ambig zwischen Objekt- und Artreferenz.
Nun ist es möglich, dass dem Sprecher die durch ein Nomen charakteri-
sierte Individuenmenge - handele es sich um Arten oder Objekte - für sei-
ne kommunikativen Zwecke zu umfangreich erscheint. Um die mit einem
Nomen unter Bezug auf einen Äusserungskontext gegebene Extension einzu-
schränken wird der Sprecher dem potentiellen Referenten in diesem Fall ei-
ne zusätzliche Bedingung auferlegen. Das geschieht, indem das nominale Ba-
sisprädikat syntaktisch mit einem zweiten Prädikat verbunden wird, zum Bei-
spiel mit einem attributiven Adjektiv. Auf semantischer Seite führt eine sol-
che “zusätzliche Prädikation” von dem weniger spezifischen deskriptiven Ge-
halt des Basisprädikats (Kopfnomens) zu der spezifischeren Deskription der neu
gebildeten Prädikat-Prädikat Kombination, z.B. eines Adjektiv-Nomen Syntag-
mas.
Man beachte, dass der bekannte Zusammenhang zwischen Deskription
(Intension) und Denotat (Extension) sowohl für Objektreferenz, als auch für
Artreferenz gilt: Je informationsreicher die Deskription eines Prädikats, desto
weniger Individuen umfasst wahrscheinlich seine Extension. Um das zu sehen,
betrachten wir ein einfaches Beispiel.

Angenommen diese taxonomische Klassifikation stellt eine Teilstruktur der


Artdomäne Dk eines gegebenen Universums U dar. Dk umfasst also u.a. die
Individuen ‘Tier’ (=T), ‘Schwein’ (=S), ‘Hund’ (=H), ‘guter Hund’ (=G) und
‘böser Hund’ (=B). Angenommen ferner, dass innerhalb der Objektdom äne Do
von U die drei Individuen Piggy (=p), Fido (=f) und Bello (=b) existieren und
7.3. BILDUNG KOMPLEXER PRÄDIKATE 131

TIER

SCHWEIN HUND

GUTER HUND BÖSER HUND

Abbildung 7.1: gute Hunde, böse Hunde

dass zwischen Do und Dk die Relationen R(p,S), R(f,G) und R(b,B) gelten6 :
Piggy ist ein Exemplar der Art ‘Schwein’, Fido ist ein Exemplar der Art ‘guter
Hund’ und Bello ein Exemplar der Art ‘böser Hund’.
Unter diesen Voraussetzungen denotiert das Nomen Hund relativ zu Do die
Menge {g,b}. Das modifizierte Nomen guter Hund denotiert lediglich die Men-
ge {g}. Die Anreicherung der mit Hund assoziierten Information um die mit gut
assoziierte Information führt zur Restriktion der Extension. Bello erfüllt zwar
die mit der Deskription des Nomens Hund gegebenen Bedingungen, aber nicht
mehr die Bedingungen, die mit dem modifizierten Nomen guter Hund verbun-
den sind. Wie verhält es sich nun mit Artprädikaten?
Relativ zu Dk denotiert Hund die Menge {H, B, G}. Der Ausdruck böser
Hund hingegen charakterisiert die einelementige Menge {B}. Wie wir sehen
gilt das aus dem Bereich der Objekte bekannte Zusammenspiel von Intensi-
on und Extension auch im Bereich der Arten. Spezifizierung des Konzepts zieht
die potentielle Restringierung der Individuenmenge, die unter das Konzept fällt,
nach sich. Im Falle der Artreferenz lässt sich dieser Zusammenhang wie folgt
beschreiben: Durch die Modifikation eines N zu einem N* wird von dem taxo-
nomischen Baum, dessen Superkategorie N ist, alles “weggeschnitten” bis auf
jene Teilstruktur, deren Superkategorie man den Namen N* geben könnte7.
Theoretisch kann die Modifikation eines Prädikats beliebig oft iteriert wer-
den, doch für die praktischen Zwecke der Kommunikation sollte der fortschrei-
tenden Spezifikation des deskriptiven Gehalts irgendwann ein Ende gesetzt
6
“[L]et R be the realization relation which relates kinds to their specimens [. . . ]. Thus
a formula R(x,k) states that the object x belongs to the kind k” (Krifka et al. 1995:66).
Auf der Basis der Prinzipien unter (3) und (4) in Kapitel 3 folgt, dass auch die folgenden
Relationen gelten: R(f,H), R(f,T), R(p,T), R(b,H), R(b,T).
7 Ich kennzeichne modifizierte Ausdrücke mit dem *. Wenn X die syntaktische Kate-
gorie eines lexikalischen Basisprädikats a ist, dann steht X* für einen Ausdruck b, der
zur selben syntaktischen Kategorie wie a gehört, im Unterschied zu a aber semantisch
modifiziert wurde. Der * ist also streng genommen kein syntaktisches Diakritikum.
7.3. BILDUNG KOMPLEXER PRÄDIKATE 132

werden. Schliesslich ist die Deskription nur Mittel zum Zweck: Der Sprecher
wählt eine bestimmte Deskription, um den Hörer in die Lage zu versetzen,
ein bestimmtes Individuum als Redegegenstand zu identifizieren, wobei die-
ses Individuum, der Referent, ein Objekt oder eine Art sein kann. Irgendwann
muss dem Hörer signalisiert werden, dass genügend Informationen über po-
tentielle Referenten vorliegen, um den oder die tatsächlichen Referenten im
Äusserungskontext identifizieren zu können. Dem semantischen Schritt von ei-
nem Prädikat, das eine Menge von Individuen charakterisiert, zu einem Term,
der auf eine Menge von Individuen referiert, entspricht auf syntaktischer Seite
der Schritt von N bzw. N* zu NP8 . In semantischen Typen gesprochen: Mit der
Projektion von N zu NP wird ein Ausdruck des semantischen Typs <e,t> in
einen Ausdruck des semantischen Typs <e> überführt.
Artikelsprachen wie das Deutsche oder Englische verfügen wie gesagt über
lexikalisierte Funktoren, die Prädikate auf Terme abbilden, nämlich den defi-
niten und den indefiniten Artikel9 . In funktionaler Hinsicht kann man die Ar-
tikel als sprachliche Signale verstehen, die anzeigen, dass die Derivation ei-
nes möglicherweise komplexen Prädikats auf der Grundlage eines lexikalischen
Basisprädikats abgeschlossen ist und dass die resultierende Deskription nun be-
nutzt werden soll, um im gegebenen äusserungskontext einen Referenten zu
identifizieren. Die Anwendung der Artikelsemantik beschliesst die nominale
Projektion sozusagen, so dass im Ergebnis ein Term, eine sogenannte deskripti-
ve NP, steht.
Fassen wir noch einmal die wesentlichen Punkte zusammen, von denen
ich im folgenden ausgehen werde. Erstens, lexikalische Basisausdr ücke (In-
haltswörter) sind Prädikate (semantischer Typ <e,t>). In Bezug auf Nomen
kann ihr syntaktischer Status als N kategorisiert werden. N-Ausdrücke sind
Prädikate. Zweitens, referierende Ausdrücke werden auf der Grundlage eines
lexikalischen Basisausdrucks durch die Anwendung eines argumentmachen-
den Funktors (semantischer Typ <<e,t>,e>) abgeleitet. Der syntaktische Sta-
tus eines derart abgeleiteten referentiellen Ausdrucks kann als NP kategori-
siert werden. NP-Ausdrücke sind Terme. Mit den Artikeln verfügt das Engli-
sche/Deutsche, drittens, über jeweils zwei lexikalisierte termbildende Funkti-
onswörter. Durch die Anwendung eines Artikels wird die Derivation eines refe-
rentiellen Ausdrucks abgeschlossen. Bevor ein Artikel die Derivation einer NP
abschliesst, kann der zugrundeliegende N-Ausdruck durch andere Inhaltsw örter,
8 ...bzw. von NP zu DP.
9 Unter der Annahme, dass der definite Artikel als Iota-Operator und der indefinite
Artikel als choice function zu repräsentieren sind, sind somit beide Artikel vom seman-
tischen Typ <<e,t>,e>. Das ist natürlich nicht der einzige in der Literatur diskutier-
te Vorschlag. Alternativ wird z.B. der indefinite Artikel oftmals als (Existenz-)Quantor
behandelt.
7.4. INTERNE UND EXTERNE MODIFIKATION 133

z.B. durch Adjektive, modifiziert werden. Viertens, eine NP kann grundsätzlich


entweder auf eine Art (bzw. eine Menge von Arten) oder auf ein Objekt (bzw.
eine Menge von Objekten) referieren.

7.4 Interne und externe Modifikation

Definite wie indefinite Nominalphrasen sind (im Deutschen und Englischen)


ambig – sie erlauben eine objektbezogene als auch eine artbezogene Interpre-
tation (z.B. Krifka et al. 1995). Traditionellerweise wird häufig der Artikel als
der Lokus der NP-Ambiguität analysiert, indem neben dem “normalen” defini-
ten Artikel ein homomorpher generischer definiter Artikel angesetzt wird. Mit
Dölling (1992) und Dayal (2004) gehe ich aber davon aus, dass nicht der Arti-
kel, sondern das Nomen die Quelle der Ambiguität darstellt. Diese theoretische
Position hat interessante Konsequenzen in bezug auf die Interaktion zwischen
der Bildung komplexer Prädikate einerseits und dem Objekt- versus Artbezug
andererseits. Diesem Aspekt wenden wir uns jetzt zu.
In dieser Arbeit argumentiere ich dafür, lexikalische Basisausdrücke als Art-
prädikate anzusehen, die durch die Applikation eines Artikels immer zu kom-
plexen Arttermen werden, es sei denn die lexikalische Basis wird zuvor raum-
zeitlich lokalisiert (vgl. Kapitel 1). Raumzeitliche Lokalisierung bewirkt die
Überführung eines Artprädikats in ein Objektprädikat. Nur wenn der Artikel
auf eine raumzeitlich lokalisierte lexikalische Basis trifft, entsteht ein objektre-
ferierender Ausdruck (Objektterm). Dem generischen Subjekt in (9a) entspricht
demnach die syntaktische Struktur in (10a) und dem in (9b) die von (10b):

(126) a. Der Hund ist der beste Freund des Menschen.


b. Der Hund sitzt auf meinem Platz.
(127) a. NP
Det N

der Hund
b. NP

Det N*

der Loc N

0/ Hund
7.4. INTERNE UND EXTERNE MODIFIKATION 134

Mit diesen syntaktischen Annahmen geht eine bestimmte Vorhersage


bezüglich der Bildung komplexer Prädikate einher. Gemäß den Ausführungen
in Abschnitt 3 erfolgt die Modifikation des deskriptiven Gehalts eines lexika-
lischen Kopfes grundsätzlich vor der Applikation des Artikels. Wenn vor der
Applikation des Artikels nun ein optionaler Derivationsschritt Loc angesetzt
wird, dann ist zu erwarten, dass Prädikatsmodifikation prinzipiell sowohl vor
Loc (auf der Typen-Ebene) als auch nach Loc (auf der Token-Ebene) erfolgen
kann:
(128) NP

Det N* Det

externer N* externer
Modifikator Modifikator

Loc N* Loc

interner N interner
Modifikator Modifikator
Modifikation vor dem Schritt der raumzeitlichen Lokalisierung kann “in-
terne Modifikation” genannt werden, Modifikation danach nenne ich entspre-
chend “externe Modifikation”. Diese Terminologie ist von Maienborn (2001)
übernommen, die zwei verschiedene syntaktische Strukturpositionen für die
Modifikation von Verbbedeutungen durch lokale Adverbiale nachweist10 . Zur
Illustration vergleiche den folgenden Satz:
(129) Paula schlief auf dem Bauch.
Satz (12) erlaubt zwei verschiedene Lesarten je nach Interpretation des Lo-
kaladverbials auf dem Bauch. Bei ereignisinterner Modifikation wird die durch
die PP ausgedrückte lokale Relation in die Beschreibung des Schlafenereig-
nisses integriert; das Relatum (landmark) Bauch wird als Paula’s Bauch ver-
standen und der Satz schildert eine Situation, in der Paula bäuchlings schläft.
10 Maienbornidentifiziert daneben noch eine dritte syntaktische Position, die von rah-
mensetzenden Adverbialen, die uns an dieser Stelle aber nicht interessieren soll.
7.4. INTERNE UND EXTERNE MODIFIKATION 135

Bei ereignisexterner Modifikation hingegen wird das gesamte Schlafenereignis


in der auf-Region des Relatums Bauch lokalisiert. Da Partizipanten eines Er-
eignisses notwendiger Bestandteil des Ereignisses sind, kann es sich bei dem
Bauch unmöglich um Paula’s Bauch handeln. Der kann als Teil von Paula und
somit als Teil des lokalisierten Schlafenereignisses nur oberhalb des bezeich-
neten Bauches verstanden werden. Bei externer Modifikation beschreibt (12)
folglich eine Situation, in der Paula auf dem Bauch einer anderen Person schläft
(ob bäuchlings oder rücklings bleibt offen).
Unter Bezugnahme auf die Unterscheidung zwischen der Typen-Ebene und
der Token-Ebene möchte ich den Kontrast in (12) wie folgt charakterisieren. Bei
interner Modifikation fungiert das Lokaladverbial als Typenmodifizierer, d.h.
der Ereignistyp ‘schlafen’ wird zu dem Ereignistypen ‘auf dem Bauch schla-
fen’ spezifiziert. Der Satz berichtet entsprechend von einer Instanz dieses (ad
hoc gebildeten) Ereignistypen. Bei externer Modifikation hingegen berichtet der
Satz von einer Instanz des Ereignistypen ‘schlafen’. Ob dieses Ereignistoken
als ein Auf-dem-Bauch-schlafen oder als ein Auf-dem-R ücken-schlafen klassi-
fiziert werden muss ist, wie gesehen, nicht festgelegt. Das Lokaladverbial fun-
giert in diesem Fall als Ereignistokenlokalisierer.
In bezug auf die Modifikation eines Nomens durch ein Adjektiv möchte ich
behaupten, dass pränominale attributive Adjektive im Englischen und Deut-
schen grundsätzlich intern modifizieren. Die unmittelbar pränominale syntak-
tische Position ist auf typenmodifizierende Prädikate festgelegt:
(130) NP

Det N*

ein Loc N*

0/ A N

böser Hund
Präpositionalphrasen, die als Modifizierer eines Nomens fungieren, verhalten
sich interessanterweise ganz analog zu Präpositionalphrasen, die Verben modi-
fizieren:
(131) a. das Kind auf dem Bauch
b. die Mäuse in den Gummistiefeln
c. der Kopfjäger mit den zwei Köpfen
Die Phrasen unter (14) haben jeweils eine “wortwörtliche” Lesart, wo-
nach sich ein Kind innerhalb der auf-Region eines Bauches befindet, sich ei-
ne gewisse Zahl von Mäusen innerhalb der in-Region von mindestens zwei
7.5. ATTRIBUTIVE ADJEKTIVE 136

Gummistiefeln befindet und ein Kopfjäger zwei Jagdtrophäen besitzt. Diese


“wortwörtliche” Lesart resultiert daraus, dass die jeweiligen PPs nach der An-
wendung von Loc applizieren und eine zusätzliche Eigenschaft zu einer Ob-
jekttokenbeschreibung hinzufügen. Bei interner Modifikation auf der Typen-
Ebene dagegen wird die Deskription der PP in die mit dem Kopfnomen as-
soziierte Objekttypendeskription integriert, wobei ihre “wortwörtliche” (hier:
lokale) Interpretation oftmals verschwindet. Statt sich innerhalb der auf-Region
eines Bauches zu befinden liegt das Kind bäuchlings da. Statt in Gummistiefeln
lokalisiert zu sein tragen die Mäuse Gummistiefel. Statt zwei fremde Köpfe zu
besitzen (alienable possession) besitzt der Kopfjäger bizarrerweise zwei eigene
Köpfe (inalienable possession).

7.5 Attributive Adjektive

Man beachte, dass die ambigen Modifizierer in (14) in postnominaler Position


erscheinen. Das ist nicht überraschend, wenn pränominale Modifikatoren, wie
von mir vermutet, auf Typenmodifikation festgelegt sind. Vergleiche in diesem
Zusammenhang die folgenden Beispielpaare aus Bolinger (1967):
(132) a. the stolen jewels
b. the jewels stolen
(133) a. the responsible man
b. the man responsible
(134) a. the only navigable river
b. the only river navigable
Bolinger (1967) beobachtet, dass die dem Referenten eines Nomens durch
ein Adjektiv zugewiesene Eigenschaft im Englischen in verschiedener Weise
interpretiert wird, je nach Position des Adjektivs. Durch ein postnominales Ad-
jektiv wird nach Bolinger ein “zeitlicher Zustand” bezeichnet, in dem sich der
Referent des Nomens befindet. Die pränominale Verwendung dagegen führt zu
einer “charakterisierenden” Lesart: das Adjektiv und das Nomen bilden gemein-
sam eine komplexe “Klassenbezeichnung”. Voraussetzung daf ür, so Bolinger,
ist, dass die jeweilige Sprachgemeinschaft (culture) ein Interesse daran hat, eine
solche Klassenbezeichnung als üblich (customary) zu etablieren. Bhatt (1994)
benutzt in diesem Zusammenhang die Termini “permanente Eigenschaft” für
pränominale Adjektive und “temporäre Eigenschaft” für postnominale Adjekti-
ve.
Ich nehme an, dass der Permanenzeffekt pränominaler Adjektive daher rührt,
dass hier die Adjektivbedeutung und die Nomenbedeutung auf der Typen-Ebene
7.5. ATTRIBUTIVE ADJEKTIVE 137

miteinander verrechnet werden. Ich erinnere daran, dass Typen/Arten von mir
als reifizierte Konzepte, d.h. als mentale Kategorien, konzipiert werden (s. Ka-
pitel 3). Die Modifikation eines typendenotierenden Ausdrucks führt zu einem
komplexen syntaktischen Ausdruck, der ebenfalls f ür einen Typen steht, d.h. zu
einer komplexen Bezeichnung für eine Kategorie/Klasse.
Betrachten wir ein eigenes Beispiel. Satz (18a) kann durchaus Sinn ergeben,
während Satz (18b) einen Widerspruch enthält:

(135) a. The talking monkey is not talking at the moment.


b. * The monkey talking is not talking at the moment.

Der Grund ist, dass talking monkey eine komplexe Artbezeichnung darstellt,
die herangezogen wird, um auf ein Objekt im gegebenen Kontext zu referieren.
Wenn diese Artbezeichnung via raumzeitlicher Lokalisierung zu einem Objekt-
prädikat wird, dann charakterisiert es die Menge aller Objekte im gegebenen
Äusserungskontext, die erstens Affen sind und von denen, zweitens, erwartet
wird, dass sie sprechen.

(136) NP

Det N*

the Loc N*

A N

talking monkey

In Gegensatz dazu stellt in monkey talking nur das Nomen allein eine
Artbezeichnung dar. Via raumzeitlicher Lokalisierung wird es zu einem Ob-
jektprädikat. Das Adjektiv modifiziert nun dieses Objektprädikat, d.h. es
appliziert auf der Token-Ebene, so dass Nomen und Adjektiv gemeinsam ein
komplexes Objektprädikat bilden. Das komplexe Objektprädikat charakterisiert
die Menge aller Objekte im gegebenen Äusserungskontext, die erstens Affen
sind und zweitens sprechen. Mit einem Referenten, der diese Bedingungen
erfüllt, ist die Prädikation in (18b) nicht verträglich.
7.5. ATTRIBUTIVE ADJEKTIVE 138

(137) NP

Det N*

the N* A
Loc N talking
monkey
Die Annahme, dass attributive Adjektive immer Typen/Arten modifizieren,
könnte helfen ein Problem zu überwinden, mit dem sich die formale Semantik
konfrontiert sieht. Modifikation wird im formalsemantischen Rahmen als In-
tersektion modelliert. Der Ausdruck pinker Elefant denotiert entsprechend die
Menge aller Objekte, die sowohl zur Menge aller Objekte, die das Adjektiv pink
denotiert, gehört, als auch zur Menge aller Objekte, die das Nomen Elefant de-
notiert (s. Heim & Kratzer (1998)):
(138) a. [[pink]] = λ x ∈ Do . PINK(x)
b. [[Elefant]] = λ x ∈ Do. ELEFANT(x)
c. [[pinker Elefant]] = λ x ∈ Do . PINK(x) & ELEFANT(x)
Das Problem besteht darin, dass die Interpretation eines Adjektivs häufig sen-
sitiv für die spezifische Wahl des Nomens ist, das es modifiziert. Vergleiche in
diesem Zusammenhang Partee (1995)’s “head primacy principle”:
In a modifier-head structure, the head is interpreted relative to the con-
text of the whole constituent, and the modifier is interpreted relative to
the local context created from the former context by the interpetation
of the head (Partee 1995:334)
Mit Bezug auf (22a) gestaltet sich das Problem wie folgt: Unter der formalse-
mantischen Intersektionsanalyse würde sich auch die grösste Maus im Denotat
von kleine Maus wiederfinden, da sie (i) zum Denotat von Maus und (ii) zum
Denotat von klein gehört. Letzteres resultiert daraus, dass auch die grösste Maus
als klein gilt, etwa im Verhältnis zu Elefanten.
(139) a. kleine Maus
b. rotes Haar
In Hinblick auf (22b) ist die Problematik ein wenig anders gelagert. Die Inter-
sektionsanalyse sagt entgegen den Tatsachen voraus, dass das Denotat von rotes
7.5. ATTRIBUTIVE ADJEKTIVE 139

Haar leer ist, weil rote Haare im wörtlichen Sinne gar nicht rot sind (zum Deno-
tat von rot gehören), sondern zum Denotat von orange geh ören (s. Gärdenfors
(2000))11.
Wenn nun, wie hier angenommen, ein attributives Adjektiv immer als Art-
prädikat fungiert, dann verlieren die für die formalsemantische Praxis proble-
matischen Fälle ihre Brisanz. Das Adjektiv klein charakterisiert nicht länger die
Menge aller Objekte, die die Bedingung erfüllen, klein zu sein, sondern viel-
mehr die Menge aller Arten, die als klein gelten. Welche Arten gelten aber als
klein? Die Antwort ist einfach. Von jeder beliebigen Art ‘X’ können zwei Un-
terarten ‘kleines X’ und ‘nichtkleines X’ gebildet werden derart, dass erstere
unter das Prädikat klein fällt und letztere nicht. Die Extension von klein um-
fasst somit: {X∈ Dk | KLEIN(X)}. Dazu gehören ad hoc Kategorien (s. Barsalou
(1983)) wie ‘kleiner Elefant’, ‘kleine Maus’, ‘kleine Stadt’ etc., aber auch insti-
tutionalisierte Kategorien wie ‘kleiner Finger’, ‘kleiner Bruder’, ‘kleines Bier’
etc12 .
SÄUGETIER

ELEFANT MAUS

KLEINER NICHTKLEINER KLEINE NICHTKLEINE


ELEFANT ELEFANT MAUS MAUS

Abbildung 7.2: kleiner Elefant, grosse Maus


Das Problem, dass auch die grösste Maus als kleine Maus gilt, verschwindet,
sobald man statt der Objektdomäne die Artdomäne als Bezugssystem für kleine
Maus ansieht:
(140) a. [[kleine Maus]] = λ X ∈ Dk. KLEIN(X) & MAUS(X)
Relativ zur Taxonomie in Abbildung 2 denotiert das Artprädikat Maus die
Menge {‘Maus’, ‘kleine Maus’, ‘nichtkleine Maus’}. Das Prädikat klein de-
notiert die Menge {‘kleiner Elefant’, ‘kleine Maus’}. Das komplexe Prädikat
kleine Maus denotiert die Intersektion dieser Mengen: {‘kleine Maus’}.
Ganz analog verhält es sich mit dem komplexen Prädikat rotes Haar:
11 Ichsehe hier von knallrot gefärbten Haaren einmal ab.
12
Man beachte, dass der Referenzbereich von klein notwendigerweise infinit ist, denn
zu jeder Art ‘kleines X’ lässt sich bei entsprechendem kommunikativen Bedarf eine
Unterart ‘kleines kleines X’ bilden.
7.6. DIE FUNKTION EINER NP 140

(141) a. [[rot]] = λ X ∈ Dk . ROT(X)


b. [[Haar]] = λ X ∈ Dk . HAAR(X)
c. [[rotes Haar]] = λ X ∈ Dk . ROT(X) & HAAR(X)
Die Tatsache, dass rote Haare “in Wirklichkeit” gar nicht rot sind und dass
kleine Elefanten im Vergleich mit Mäusen “in Wirklichkeit” gross sind, ist irre-
levant, wenn adjektivische Modifikation auf der Typen-Ebene erfolgt. Was hier
als “Wirklichkeit” in unseren Sprachgebrauch eingegangen ist, ist die Welt der
raumzeitlich lokalisierten Entitäten, d.h. der Token. Nach Massgabe der Struk-
tur der Token-Ebene bestimmt sich, welche Objekte wahrheitsgemäß als Instan-
zen der Arten ‘kleiner Elefant’ oder ‘rotes Haar’ gelten und welche nicht.

7.6 Die Funktion einer NP

Nach diesem Exkurs in den Themenbereich Modifikation in den Abschnitten 3


bis 5 kehre ich nun zu der Stelle zurück, an der wir zum Ende von Abschnitt
2 stehengeblieben waren: zum seit Carlson (1977) vielbeachteten Problem der
Bare plurals im Englischen und Deutschen. Rekapitulieren wir noch einmal das
Wesentliche aus Abschnitt 2.
Weil die Nominalgrammatik des Englischen und Deutschen über eine obliga-
torische (weil morphologisierte) Singular-Plural Distinktion verfügt, teilen sich
die nominalen Prädikate in diesen Sprachen in solche, die Mengen von Singula-
ritäten charakterisieren und solche, die Mengen von Pluralitäten charakterisie-
ren13. Um von einem nominalen Prädikat einen referierenden Ausdruck abzu-
leiten, stehen zwei lexikalisierte Funktoren (“Instantiierer”) zur Verfügung. Die
Applikation des definiten Artikels bewirkt die Bindung des deskriptiven Gehalts
des Nomens an einen bereits im vorab aufgebauten Diskursmodell etablierten
Referenzmarker, so dass die definite NP im Ganzen als auf eine “bekannte” En-
tität referierend verstanden wird. Die Applikation des indefiniten Artikels be-
wirkt die Einführung eines neuen Referenzmarkers, so dass die indefinite NP
im Ganzen als auf eine “neue” Entität referierend interpretiert wird. Weil sich
allerdings der indefinite Artikel im Englischen/Deutschen nicht mit einem plu-
ralischen Nomen verbinden kann, stellt sich die Frage: Was passiert, wenn Re-
ferenz auf eine Pluralität intendiert ist, die neu in den Diskurs eingeführt werden
soll?
Meine Antwort auf diese Frage ist an eine sehr starke Annahme gekoppelt,
die ich nun treffen werde. Und zwar halte ich es für theoretisch wünschenswert
davon auszugehen, dass jede Nominalphrase Argumentstatus hat. Diese Annah-
me steht im deutlichen Widerspruch zu vielen modernen semantischen Theori-
13 Massenomen lasse ich hier wie in der gesamten Arbeit ausser Betracht.
7.6. DIE FUNKTION EINER NP 141

en, denn üblicherweise wird eben nicht jeder Instanz einer NP (bzw. DP) Ar-
gumentstatus zugesprochen. Stattdessen werden bestimmte NP-Vorkommen als
prädikative Verwendungen behandelt. Eine solche prädikative NP wird als ei-
genschaftsdenotierend analysiert, d.h. als vom semantischen Typ <e,t> 14 .
So gilt eine Postkopula-NP wie in Hans ist ein Arzt gemeinhin als prädikativ
(z.B. Partee 1987, Heim & Kratzer 1998, s.a. Kapitel 8). Direkte Objekte wie
in John ate an apple werden in ihrer sog. schwachen Lesart als “semantisch in-
korporierte” Prädikate ebenfalls eigenschaftsdenotierend analysiert (Van Geen-
hoven 1998). Es wurde vorgeschlagen, dass NPn, die den Pivot einer Existenz-
konstruktion bilden (wie in there is a fly in my soup), Eigenschaften denotieren
(McNally 1998). Kallulli (2005) behauptet, dass existentielle Bare plurals wie
in dogs are barking vom semantischen Typ <e,t> sind. Gegen all diese Ana-
lysen halte ich meine Hypothese, die an dieser Stelle noch einmal wiederholt
sei:
NP-H YPOTHESE Eine NP (bzw. DP) ist immer ein Argument. Sie
referiert entweder auf ein Objekt (oder eine Menge von Objekten) oder
sie referiert auf eine Art (oder eine Menge von Arten).
Im Rahmen der Diskursrepräsentationstheorie formuliert, nimmt diese Hy-
pothese folgende Gestalt an:
NP-H YPOTHESE (DRT-Version) Eine NP (bzw. DP) führt immer
einen Referenzmarker in den Diskurs ein – entweder einen, der für ein
Objekt steht oder einen, der für eine Art steht. Der Referenzmarker
kann entweder neu oder mit einem bereits im vorigen Diskurs etablier-
ten Referenzmarker koindiziert sein.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass – wie in Kapitel 3 dargelegt – Ei-
genschaften und Arten informationsidentisch sind und in einem systematischen
Zusammenhang stehen. Jeder Eigenschaft entspricht eine Art:
To any natural property, like the property of being a dog, there cor-
responds a kind, viz. the dog-kind. Conversely, any natural kind will
have a corresponding property (the property of belonging to that kind)
(Chierchia 1998:348)
Vor diesem Hintergrund erscheint mein Vorschlag, sog. nicht-referentielle
bzw. prädikative NPn als sehr wohl referentiell, nämlich artreferentiell, anzu-
sehen weitaus weniger revolutionär als es vielleicht auf den ersten Blick den
Anschein hat. Eine Instanz der Art Arzt zu sein bedeutet eben immer auch die
Eigenschaft zu haben, ein Arzt zu sein. Wenn ich also vorschlage, “prädikative
14 Bzw. als <s,<e,t>> in der intensionalen Variante.
7.7. DER NULLARTIKEL 142

NPn” nicht als semantischer Typ <e,t> zu kategorisieren, sondern als seman-
tischer Typ <ek>, dann ändert sich in Bezug auf den Informationsgehalt ei-
ner solchen NP nichts. Was sich durch meine alternative semantische Analyse
ändert ist, dass sich nunmehr die Möglichkeit eröffnet, von einem sehr einfa-
chen Verhältnis von Form und Inhalt (Syntax-Semantik-Abbildung) auszuge-
hen, nämlich von einem Isomorphismus: die semantische Funktion der syntak-
tischen Kategorie NP besteht darin, einen Referenzmarker in den Diskurs ein-
zuführen.
Syntaktische Kategorie Semantischer Typ
NP <e>

Abbildung 7.3: NP, Syntax-Semantik-Abbildung

7.7 Der Nullartikel

Bei der Diskussion von Bare nominals im Englischen oder Deutschen muss
sorgfältig zwischen zwei verschiedenen syntaktischen Ebenen unterschieden
werden. Als pluralische N-Ausdrücke sind Bare plurals Prädikate, die funk-
tional Mengen charakterisieren. Als NP-Ausdrücke dagegen sind Bare plurals
(gemäß der im vorigen Abschnitt motivierten Hypothese) Argumentausdrücke.
Diese Sichtweise impliziert, dass ein koverter Funktor dafür verantwortlich sein
muss, aus der durch das Bare plural Nomen charakterisierten Extension ein Ele-
ment als Referenten der Bare plural Nominalphrase auszuwählen.
Heißt das, ich nehme für das Englische und Deutsche jeweils einen Nullarti-
kel an? Ja und Nein. Ja insofern, als dass ich annehme, dass auf semantischer
Seite ein koverter Operator für die Transformation eines N-Prädikats in ein NP-
Argument verantwortlich ist. Nein, weil dieser koverte Operator im Gegensatz
zu den overten Artikeln kein lexikalisches Element ist. Stattdessen sehe ich den
koverten Operator als Type shifter (u.a. Partee 1987, Dölling 1992 Chierchia
1998) an, den die Grammatik im Bedarfsfall zur Verfügung stellt. Dieser Type
shifter ist vom selben semantischen Typ wie die Artikel, also <<e,t>,e>. Was
aber ist hier mit “Bedarfsfall” gemeint?
Wie bereits erwähnt gehe ich davon aus, dass die Syntax klar definierte Ar-
gumentpositionen ausweist. Solche sind z.B. die Subjektposition oder die Ob-
jektposition eines auf der Basis eines (in)transitiven Verbs gebildeten Satzes,
die Positionen vor und nach der Kopula (s. Kapitel 8) oder die Position nach
einer Präposition. Argumentpositionen müssen von referierenden Ausdr ücken,
d.h. von Ausdrücken des semantischen Typs <e>, gefüllt werden. Erscheint
7.7. DER NULLARTIKEL 143

ein Ausdruck des semantischen Typs <e,t> in einer syntaktischen Argument-


position, so wird eine Anpassung (Coercion) des semantischen Typs an das von
der syntaktischen Position geforderte Bedeutungsformat erzwungen. Mit ande-
ren Worten, es wird ein koverter Type shift von <e,t> zu <e> ausgelöst. Diese
Typenverschiebung erfolgt automatisch wann immer sich die beschriebene Kon-
stellation einstellt. In den folgenden Beispielen symbolisiert “0”
/ den Prozess der
koverten Instantiierung:
(142) a. [S[NP 0/ [N dogs]] [VP bark]]
b. [S[NP 0/ [A red ]] [VP is [NP a [N colour ]]]]
c. [NP the [N lady [PP in [NP 0/ [A red ]]]]]
(25a) illustriert den Fall einer syntaktischen Konfiguration, in der ein Bare
plural Nomen zu einer Bare Plural NP geshiftet wird. In (25b) und (25c) wird
das Adjektiv red, das lexikalisch die Eigenschaft rot zu sein bezeichnet, zur NP
red verschoben. Letztere NP bezeichnet ein kontextuell zu erschließendes Indi-
viduum, von dem gilt, dass es die Eigenschaft rot zu sein trägt. Bedingt durch
die Postkopula-NP a colour läuft das in (25b) auf das abstrakte Individuum ‘die
Farbe Rot’ hinaus. In (25c) legt der Kontext es nahe, ein rotes Kleid als den
Referenten der NP red zu bestimmen.
Syntaktische Argumentpositionen müssen also von referierenden (oder quan-
tifizierten) Ausdrücken belegt werden15 . Wenn nun prädikative Ausdrücke in
syntaktischer Argumentposition erscheinen, werden sie automatisch in referie-
rende Ausdrücke überführt. Dieser Automatismus unterliegt jedoch einer Be-
schränkung durch das Prinzip der lexikalischen Blockade (Chierchia 1998, Krif-
ka 2004):
LEXICAL BLOCKING Koverte Typenverschiebungen können nur statt-
finden, solange die betreffende Sprache über keine Ausdrucksmittel
verfügt, die die entsprechenden Verschiebungen overt signalisieren 16.
Wir haben jetzt alle Teile beieinander, um ein System zu beschreiben, das
genau die Typen von (auf Individualnomina basierenden) Nominalphrasen vor-
aussagt, über die das Deutsche/Englische auch tatsächlich verfügt. Wiederholen
wir noch einmal die entscheidenen Bausteine:
15 Grundsätzlich gilt (s. Krifka 2004): Syntaktische Argumentpositionen müssen von
solchen Ausdrücken belegt werden, die mit dem Prädikat via funktionaler Applikation
komponieren können. Das kann geschehen, indem der betreffende Ausdruck eine Ar-
gumentstelle des Prädikats saturiert (referierende Ausdrücke) oder indem der Ausdruck
selbst ein Prädikat selegiert (generalisierte Quantoren). Ich beschränke mich hier, wie
gesagt, auf die Diskussion referierender Ausdrücke.
16 “Coercion is constrained by a blocking principle that says that if a language has
overt means to express a type shift, then they have to be used” (Krifka 2004:7)
7.8. RAUMZEITLICHE LOKALISIERUNG UND FR ÜHSTMÖGLICHE ANWENDUNG 144

• NPn sind immer vom semantischen Typ <e>, wobei “e” sowohl für “eo”
(Objektindividuen) als auch für “ek ” (Artindividuen) stehen kann
• syntaktische Argumentpositionen sind für NPn reserviert; erscheinen
<e,t>-Ausdrücke in syntaktischer Argumentposition, so werden sie zu
<e>-Ausdrücken typenverschoben
• die lexikalischen Artikel (a, the) sind Funktionswörter, die sich mit
<e,t>-Ausdrücken zu <e>-Ausdrücken verbinden. Ihre Verfügbarkeit
blockiert die Anwendung einer koverten Typenverschiebung

7.8 Raumzeitliche Lokalisierung und frühstmögliche Anwendung

Aus der unterschiedlichen Natur von overten Artikeln als lexikalische Wesen
und dem koverten Artikel als grammatisches Wesen lassen sich wichtige Unter-
schiede in ihrer Wirkungsweise ableiten. Bekanntlich zeichnen sich Bare plural
NPn gegenüber NPn mit overtem Artikel durch eine Reihe von Besonderheiten
aus. Am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich die Beobach-
tung, dass Bare plurals in der Regel engen Skopus haben (Carlson 1977, Chier-
chia 1998). Sei hier zur Erinnerung einmal mehr ein klassisches Beispiel zitiert:
(143) a. Miles wants to meet policemen
b. Miles wants to meet a policeman
Die Bare plural NP in (26a) erlaubt nur die nichtspezifische Interpretati-
on, wonach Miles irgendwelche Polizisten treffen möchte. Die indefinite NP
in (26b) hingegen erlaubt auch die spezifische Interpretation, wonach es einen
Polizisten gibt und Miles genau den treffen möchte. Die nichtspezifische Inter-
pretation wird auch “opaque” Lesart genannt, die spezifische Interpretation wird
auch “transparente” Lesart genannt.
Prinzipiell wäre es möglich, sich in der Struktur einer Bare NP einen lexi-
kalischen Nullartikel, der wie die overten Artikel Art- und Objektprädikate in
Art- und Objektterme überführt, vorzustellen. Unter dieser Annahme wäre es
allerdings völlig rätselhaft, warum mit overten bzw. koverten Artikeln gebildete
NPn – wie in (26) – ein jeweils unterschiedliches linguistisches Verhalten an
den Tag legen (vgl. Krifka 2004).
Ich werde nun darlegen, wie die in dieser Arbeit vorgeschlagene Architek-
tur der Grammatik die linguistischen Unterschiede zwischen Phrasen mit over-
tem (lexikalischem) Artikel und Phrasen mit kovertem (grammatischem) Arti-
kel erklärt. Mit “vorgeschlagene Architektur der Grammatik” ist der Vorschlag
gemeint, die Artdomäne als die für sprachliche Strukturbildung primäre onto-
logische Ebene anzusehen, so dass objektbezogene sprachliche Strukturen not-
wendigerweise als von artbezogenen Strukturen abgeleitet betrachtet werden
7.8. RAUMZEITLICHE LOKALISIERUNG UND FR ÜHSTMÖGLICHE ANWENDUNG 145

müssen. Der für die Nominalgrammatik relevante Aspekt dieses Vorschlags sei
hier noch einmal deutlich gemacht:
Gattungsnamen sind lexikalisch als Artprädikate zu behandeln. Ein no-
minaler Ausdruck kann nur dann eine Menge von Instanzen (=Ob-
jekten) denotieren, wenn satzinterne und/oder satzexterne Informatio-
nen seinen Referenzbereich von der Artdomäne in die Objektdomäne
überführen (raumzeitliche Lokalisierung).
Um die Unterschiede in der syntaktischen Derivation einer artreferierenden
NP und einer objektreferierenden NP zu verstehen, vergleiche folgende Bei-
spiele. Das artreferierende Subjekt in (27a) wird gemäß (28a) abgeleitet, das
objektreferierende Subjekt in (27b) gemäß (28b):
(144) a. Der Hund ist der beste Freund des Menschen.
b. Der Hund sitzt auf meinem Platz.
(145) a. NP
Det N

der Hund
b. NP

Det N*

der Loc N

Hund
(28) illustriert, wie man es sich vorstellen kann, dass der overte Artikel
(hier: der) entweder vor oder nach dem Schritt der raumzeitlichen Lokalisie-
rung applizieren kann, um die NP-Derivation zu beschließen. Ein lexikalischer,
overter Artikel kann sowohl über Artenmengen als auch über Instanzenmen-
gen operieren. Der syntaktischen Struktur in (28a) entspricht die semantische
Repräsentation in (7). Die Struktur in (28b) beinhaltet demgegenüber einen
zusätzlichen syntaktischen Schritt, der mit einem zusätzlichen semantischen
Schritt korrespondiert, vgl. (29b):
(146) a. [N Hund]

dog(X)
7.8. RAUMZEITLICHE LOKALISIERUNG UND FR ÜHSTMÖGLICHE ANWENDUNG 146

↓ raumzeitliche Lokalisierung

b. [N* [Loc 0][


/ N Hund]]

dog(X)
loc(x,X)
↓ overte Instantiierung

c. [NP [Det der][N* [Loc 0][


/ N Hund]]]
. . . u,U . . .

...

dog(U)
loc(u,U)

Ein overter Artikel (hier: der) kann also ohne Weiteres sowohl thematische
Artargumente als auch thematische Objektargumente instantiieren. Man beach-
te: Wird ein thematisches Objektargument instantiiert, so wird immer auch ein
thematisches Artargument instantiiert. Technisch gesehen geht mit der semanti-
schen Verarbeitung eines Artikels also die Konstruktionsanweisung einher, alle
in der DRS vorhandenen x’e (bzw. X’e) durch u’s (bzw. U’s) zu ersetzen.
Anders ist die Situation im Falle koverter Instantiierung. Ich nehme an,
dass der Type shifter, den ich auch als grammatischen Nullartikel bezeichnet
habe, stets zum “frühstmöglichen Zeitpunkt” der Derivation zur Anwendung
kommt17. Die wichtigste Konsequenz dieser Forderung nach frühstmöglicher
Anwendung ist, dass der grammatische Nullartikel im Gegensatz zu seinen le-
17 Ich kann nicht genau sagen, warum das so ist, möchte aber spekulieren, dass die
Forderung nach frühstmöglicher Anwendung ökonomische Gründe hat. Die Gramma-
tik sollte koverte Type shifter nur dann einsetzen, wenn es wirklich unumgänglich ist,
d.h. wenn eine semantische Diskrepanz (mismatch) repariert werden muss. Wenn die
Grammatik einen Type shifter einsetzt, dann sollte der nur soviel “verdeckte” Arbeit
leisten, wie unumgänglich ist, um die semantische Diskrepanz zu beheben. Die Forde-
rung nach frühstmöglicher Anwendung stellt sicher, dass möglichst wenig unsichtbare
Bedeutungsverschiebungen passieren.
7.9. EXISTENTIELL INTERPRETIERTE BARE PLURAL NPN 147

xikalisierten overten Pendants in jedem Fall ans Werk tritt, bevor ko(n)textuelle
Faktoren den Referenzbereich von der Artdomäne zur Objektdomäne verschie-
ben können, d.h. vor einer möglichen raumzeitlichen Lokalisierung. Daraus er-
gibt sich, dass der grammatische Nullartikel in der Regel immer über Arten
operiert; Bare plural NPn sind im Einklang mit Carlson (1977) immer Artter-
me.
(30) zeigt die Derivation einer artreferierenden Bare plural NP wie zum Bei-
spiel in Hunde stammen vom Wolf ab:
(147) a. [N Hunde]

dog(X)
plural(X)
↓ koverte Instantiierung

b. [NP [Det 0][


/ N Hunde]]
U
dog(U)
plural(U)

Die Voraussage ist also, dass Bare nominals im Allgemeinen und – bezo-
gen auf die Situation im Englischen/Deutschen – Bare plurals im Speziellen
grundsätzlich artreferierende Nominalphrasen sind.

7.9 Existentiell interpretierte Bare plural NPn

Doch bekanntlich wird nicht jeder Bare plural im Englischen (oder Deutschen)
generisch interpretiert. Oftmals bezieht sich ein Bare plural nicht auf eine Art,
sondern auf raumzeitliche Manifestationen der Art. Diese Lesart, existentielle
Lesart genannt, wird von Carlson so analysiert, dass in diesem Fall die Exi-
stenz von Stadien der Art behauptet wird. Verzichtet man in seiner Ontologie
auf Stadien und setzt stattdessen Objekte als raumzeitlich lokalisierte Entitäten
an (s. Kapitel 4), so ergibt sich, dass mit existentiellen Bare plural NPn eine
Existenzbehauptung in Bezug auf Objekte einhergeht. Objektreferierende Bare
plural NPn ergeben sich entsprechend immer dann, wenn ein Bare plural Art-
term als syntaktisches Argument eines Objektprädikats erscheint. Das aus dieser
7.9. EXISTENTIELL INTERPRETIERTE BARE PLURAL NPN 148

Konstellation resultierende semantische Missverhältnis in Bezug auf die onto-


logische Sorte (gefordert ist ein <eo>-Ausdruck, gegeben ist aber ein <ek >-
Ausdruck) wird durch einen Interpretationsmechanismus repariert, den Chier-
chia (1998) “derived kind predication” getauft hat:
[W]henever an object-level argument slot in a predicate is filled by a
kind (in an episodic frame), the type of the predicate is automatically
adjusted by introducing a (local) existential quantification over instan-
ces of the kind [. . . ] Derived Kind Predication (DKP): If P applies to
objects and k denotes a kind, then P(k) = ∃x [∪ k(x) & P(x)]
(Chierchia 1998:364)
In (31a) ist die artreferierende Verwendung der Subjekt-NP lexikalisch expli-
zit gemacht. Gemäß der DKP-Regel besagt der Satz, dass es Instanzen (Objekte)
der als that kind of animal bezeichneten Tierart gibt, die gerade dabei sind, den
Garten des Sprechers zu verwüsten.
(148) a. That kind of animal is ruining my garden. [Chierchia (1998)]
b. Rats reached Australia in 1770. [Krifka et al. (1995)]
In (31b) wird das Subjekt als Bare plural realisiert. Nach Carlson referieren
Bare plural NPn immer auf Arten (was sich nach der hier vertretenen Sicht
immer als Folge der Applikation eines koverten termbildenden Type shifters
ergibt). Gemäß der DKP-Regel bringt (31b) zum Ausdruck, dass es Instanzen
der Art ‘Ratte’ gibt, die im Jahre 1770 Australien erreichten.
Was in diesen Beispielen semantisch vor sich geht lässt sich wie folgt be-
schreiben: Ein episodisches verbales Prädikat verbindet sich syntaktisch mit ei-
nem Artterm, weist aber qua seiner Episodizität einem Objekt eine Eigenschaft
zu. Deswegen muss der Interpret des Satzes auf der Grundlage des gegebe-
nen Artreferenten auf die Existenz von Instanzen der Art schließen, die in der
Satzinterpretation die Rolle des Trägers der vom Verb denotierten Eigenschaft
übernehmen.
Die folgende DRS resultiert aus der zunächst unabhängigen semantischen
Verrechnung der Subjekt-NP rats einerseits und der VP reached Australia in
1770 andererseits. Oberhalb der gestrichelten Linie finden wir die Bedingun-
gen, die der Artterm rats in die semantische Repräsentation einspeist. Unterhalb
die, die die VP beisteuert, darunter auch eine Rollen-Relation “theme(e,x)”, die
verlangt, ein Objekttokenargument x als Partizipanten in das Ereignistoken e
einzubinden (“E” ist ein Referenzmarker für einen Ereignistypen).
(149) a. [S Rats reached Australia in 1770]
7.10. DER BEITRAG TOKEN-RESTRINGIERENDER MODIFIKATOREN 149

UeE
rat(U)
plural(U)
--------
reached Australia(E)
in 1770(e)
loc(e,E)
theme(e,x)

Die Tatsache, dass der Subjektausdruck rats keinen geforderten Objekttoken


liefert, sondern lediglich einen Objekttypen (=eine Art), reflektiert das semanti-
sche Missverhältnis, das in Chierchia’s System die Anwendung der DKP-Regel
auslöst. Auf unser System übertragen bewirkt die DKP-Regel, dass der Artrefe-
rent U nachträglich raumzeitlich lokalisiert wird, was der post hoc Einführung
einer Relation loc(u,U) und eines Referenzmarkers u entspricht:
(150) a. [S Rats reached Australia in 1770]
uUeE
rat(U)
plural(U)
loc(u,U)
reached Australia(E)
in 1770(e)
loc(e,E)
theme(e,u)

Selbstverständlich können auch Objektterme die Argumentposition eines epi-


sodischen Prädikats ausfüllen:
(151) James Cook reached Australia in 1770.

7.10 Der Beitrag token-restringierender Modifikatoren

Im Unterschied zu den lexikalisierten overten Artikeln kommt der koverte gram-


matische “Artikel” in der Regel nur artbezogen zum Einsatz, d.h. im Ergebnis
seiner Applikation stehen normalerweise Referenzmarker, die für Arten stehen.
Es gibt allerdings interessante Ausnahmen von dieser Regel. Diese Ausnahmen
7.10. DER BEITRAG TOKEN-RESTRINGIERENDER MODIFIKATOREN 150

ergeben sich genau in solchen Fällen, in denen das Bare plural Nomen von Aus-
drücken modifiziert wird, deren Interpretation Objektreferenz voraussetzt (z.B.
Deiktika). Bei Anwesenheit solcherart token-restringierender Modifikatoren18
kann der Nullartikel nämlich “frühstmöglich” erst nach der Modifikation, d.h.
nach dem Umschalten von Artreferenz auf Objektreferenz, angewendet werden.
Als Konsequenz daraus ergeben sich Bare plural NPn mit dem Potential, weiten
Skopus zu haben (Carlson 1977, Chierchia 1998):

(152) Betty is looking for books she lost yesterday. [Carlson 1977:317]

Mir scheint, an keiner Stelle wird das Erklärungspotential meiner Idee


so deutlich wie hier: Wenn der Nullartikel als Reparaturmechanismus
frühstmöglich zur Anwendung kommen muss und wenn die Artdomäne die ba-
sale ontologische Ebene darstellt, dann ist vorausgesagt, dass koverte Instantiie-
rung automatisch zur Bildung von Arttermen führt, sofern kein externer Modifi-
kator zuvor die Verschiebung des Referenzbereichs in die Objektdom äne verur-
sacht. Mir scheint, das ist eine bestechend einfache Erklärung der Existenz von
Beispielen wie (35):

(153) a. [N books]

book(X)
plural(X)
↓ externe Modifikation

b. [N* books she lost yesterday]

book(X)
plural(X)
she lost yesterday(x)
loc(x,X)
↓ koverte Instantiierung

c. [NP books she lost yesterday]

18 Der Terminus “token-restringierender Modifikator” stammt von Yury Lander und


entspricht dem des externen Modifikators wie in Abschnitt 4 diskutiert.
7.10. DER BEITRAG TOKEN-RESTRINGIERENDER MODIFIKATOREN 151

u,U
book(U)
plural(U)
she lost yesterday(u)
loc(u,U)

Warum also lassen bestimmte Bare NPn wie z.B. parts of that machine, boys
sitting here oder books she lost yesterday transparente Interpretationen zu? Weil
es sich hierbei um komplexe Syntagmen handelt, in deren semantischer Kompo-
sition ein deiktisches Element verrechnet wird, was eine raumzeitlich lokalisier-
te (=objektbezogene) Interpretation erzwingt, was wiederum dazu führt, dass
durch den Prozess der koverten Instantiierung u.a. ein Objektreferenzmarker in
den Diskurs eingeführt wird. Und wenn in der semantischen Repräsentation ei-
nes Satzes ein Objektreferenzmarker erscheint, dann muss in jeder Situation, in
der dieser Satz wahrheitsgemäß geäußert werden kann, notwendigerweise auch
ein Objektindividuum existieren, für das dieser Referenzmarker steht. Zum Bei-
spiel eine Pluralität von Büchern, die Betty gestern verloren hat. Enthält die Se-
mantik eines Satzes diese Bedeutungskomponente, so wird der Satz transparent
interpretiert: es gibt Bücher, die Betty gestern verloren hat, und genau diese
Bücher sucht Betty.
Das ist jedoch nicht die einzige Interpretationsmöglichkeit für (35). Der Satz
hat auch eine opaque Lesart. Demnach sucht Betty nicht nach den spezifischen
Büchertoken, die sie gestern verloren hat, sondern nach irgendwelchen Token
des Typs ‘Buch, das Betty gestern verloren hat’. Diese Lesart ist pragmatisch
sehr markiert, aber nicht unmöglich: Wenn Betty aus irgendeinem Grund den
Verdacht hat, dass sie gestern Bücher verloren hat, ohne sich jedoch 100% sicher
zu sein und ohne zu wissen, welche Bücher und wieviele, und wenn sie sich
unter diesen Umständen auf die Suche macht, dann eignet sich (35) sehr wohl,
um diesen Sachverhalt zu beschreiben19.
Aber widerspricht sich das nicht? Wie kann eine opaque Interpretation zu-
stande kommen, wenn doch, wie oben argumentiert, der Relativsatz she lost ye-
sterday raumzeitliche Lokalisierung bewirkt und dadurch zwingend zur transpa-
renten Interpretation führt? Ich muss zugeben, dass mir die Antwort, die ich jetzt
darauf geben werde, etwas gewollt erscheint. Ich denke, im Falle der opaquen
Interpretation unterliegt die entscheidende Konstituente books she lost yesterday
19 FürCarlson (1977:320) ist es ein konzeptuelles Problem, ob man ein Nominalsyn-
tagma, welches für ihn stets eine Menge von Objekten charakterisiert, als Artbezeich-
nung benutzen kann. Vergleiche dazu die Diskussion von Chierchia’s Ansatz in Ab-
schnitt 11.
7.11. CHIERCHIA’S UND KRIFKA’S ERKL ÄRUNGEN 152

einer besonderen pragmatischen Anreicherung, die von der w örtlichen, raum-


zeitlich lokalisierten Bedeutung zu einer übertragenden Bedeutung führt, die
man wie folgt paraphrasieren könnte: ‘Bücher, von denen Betty glaubt, dass sie
sie gestern verloren hat’. Mit dieser Rekonzeptualisierung geht demnach eine
Intensionalisierung einher mit der Folge, dass der Relativsatz seine raumzeitlich
lokalisierende Wirkung verliert und somit verschwindet auch die Voraussetzung
für die transparente Lesart. Was bleibt ist die opaque Interpretation.
Ein ebenso ambiges Beispiel, in dem aber beide Lesarten auch ohne kontex-
tuellen Aufwand mehr oder weniger gleichwahrscheinlich sind, wäre folgendes:
(154) Die Polizei sucht Zeugen des gestrigen Unfalls.
Hier erzwingt das Adjektiv gestrig eine raumzeitlich lokalisierte Interpreta-
tion der Genitiv-NP des gestrigen Unfalls. Die Wahrheit des Satzes setzt al-
so die Existenz eines konkreten Unfalls voraus. Durch die Genitivkonstruktion
wird der Objektreferenzmarker, der diesen Unfall repräsentiert, in Beziehung
zu einem Referenzmarker gesetzt, den das Pluralnomen Zeugen in den Diskurs
einführt. Handelt es sich dabei nun um einen Objektreferenzmarker für reale in
Raum und Zeit existierende Zeugen? Oder um einen Artreferenzmarker für po-
tentielle Zeugen, d.h. für Zeugentypen? Nun, es bestehen beide Möglichkeiten.
Im letzteren Fall landet man bei der opaquen Lesart (möglicherweise gab es gar
keine Zeugen des Unfalls). Im ersteren Fall, wenn die Semantik von Zeugen
raumzeitlich lokalisiert wird, landet man bei der transparenten Lesart (es gab
Zeugen und genau diese werden gesucht).

7.11 Chierchia’s und Krifka’s Erklärungen

Natürlich bin ich nicht der erste, der eine Lösung für dieses Problem vorschlägt.
An dieser Stelle seien nun zwei prominente Lösungsvorschläge diskutiert.
Für Chierchia (1998) werden Artterme von Prädikaten mittels des down-
Operators ∩ abgeleitet (s. Kapitel 3). Dieser ist jedoch nur für solche Prädikate
definiert, die Mengen von Objekten charakterisieren, welche ein “sufficiently
regular behavior” an den Tag legen:
[K]inds are generally seen as regularities that occur in nature. [. . . ]
What counts as kind is not set by grammar, but by the shared know-
ledge of a community of speakers. It thus varies, to a certain degree,
with the context, and remains somewhat vague. Lexical nouns identify
kinds. Complex nouns may or may not. (Chierchia 1998:348)
“Complex nouns” wie parts of that machine oder books she lost yesterday
bezeichnen für Chierchia nun gerade solche Eigenschaften, die im Unterschied
7.11. CHIERCHIA’S UND KRIFKA’S ERKL ÄRUNGEN 153

zu z.B. policemen im Normalfall keine Arten identifizieren. Deswegen ist ∩ für


diese Fälle nicht definiert und als Type shifter kommt nur ∃ in Frage.
In gewisser Weise ähneln sich Chierchia’s und meine Erklärung. Dahinge-
hend nämlich, dass beide von zwei Sorten von Prädikaten ausgehen. Chier-
chia unterscheidet Prädikate, die Mengen mit einem ausreichend regelmäßigen
Verhalten charakterisieren, von solchen, die Mengen mit einem nicht re-
gelmäßigen Verhalten charakterisieren. Ich unterscheide nicht raumzeitlich lo-
kalisierte (kind-level) Prädikate von raumzeitlich lokalisierten (object-level)
Prädikaten. Beide Systeme gehen davon aus, dass Prädikate, die in Argu-
mentpositionen erscheinen, Type shifts unterliegen. Bei Chierchia werden “re-
gelmäßige Prädikate” zu Arttermen und “unregelmäßige Prädikate” zu gene-
ralisierten Existenzquantoren. Bei mir werden nicht raumzeitlich lokalisierte
Prädikate zu Arttermen und raumzeitlich lokalisierte Prädikate zu Objektter-
men.
Der wesentliche Unterschied besteht – soweit ich sehen kann – darin, ob
Objektbezug oder Artbezug als der Default angesehen wird: Bei Chierchia
müssen Eigenschaften eine bestimmte, besondere Bedingung erf üllen (nämlich
“regelmäßig” sein), um auf Arten abgebildet werden zu können. Bei Chierchia
ist also Objektbezug der Default. Bei mir müssen Eigenschaften eine bestimm-
te, besondere Bedingung erfüllen (nämlich raumzeitlich verankert sein), um auf
Objekte abgebildet werden zu können. Hier ist also Artbezug der Default.
Mit anderen Worten, bei Chierchia sind artreferierende bare plural NPn der
“Sonderfall”, den nichtmodifizierte Nominale (lexikalische Nomen) in Argu-
mentpositionen von Hause aus und den komplexe nominale Syntagmen in Ar-
gumentpositionen unter Umständen darstellen können. Der “Normalfall” ist je-
doch die existentielle Interpretation eines Bare Plurals in Argumentposition. In
diesem Fall kann der Existenzquantor mit anderen Quantoren interagieren, was
aus Chierchia’s Sicht die Verfügbarkeit der zwei Lesarten in (35) begründet20 .
Ein (zugegebenermaßen schwaches) Argument gegen Chierchia’s Sicht ist
folgendes:
(155) Peter sucht alleinerziehende Väter mit Zwillingen.
Dieser Satz wird bevorzugt opaque interpretiert. Eine typische kontextuel-
le Einbettung, die den Satz plausibel macht, ist folgende: Peter arbeitet an ei-
20 Allerdings benutzt Chierchia zum Nachweis der Ambiguität von Sätzen mit “un-
regelmäßigen Prädikaten” nicht (35), sondern John is looking for parts of that machi-
ne. Dieser Satz verfügt, analog zu (37), zweifellos über beide Interpretationsvarianten.
Ob aber (35) wirklich beide Optionen hat oder ob eine, wie argumentiert, durch eine
Reinterpretation zustande kommt, halte ich für eine offene Frage. Vergleiche in diesem
Zusammenhang Sätze wie: John is looking for boys sitting here. Haben solche Sätze
überhaupt eine opaque Lesart?
7.11. CHIERCHIA’S UND KRIFKA’S ERKL ÄRUNGEN 154

ner wissenschaftlichen Einrichtung und sucht Probanten für ein Experiment zur
Zwillingsforschung. Nach Chierchia müsste, entgegen der Intuition, die trans-
parente Lesart von (38) mindestens ebenso gut m öglich sein wie die opaque
Lesart. Schließlich zeichnen sich alleinerziehende Väter mit Zwillingen für die
Sprechergemeinschaft normalerweise nicht durch ein besonders regelhaftes Ver-
halten aus. Doch die bevorzugte Interpretation ist die opaque.
Mein System sagt dagegen voraus, dass, bei Abwesenheit eines deiktischen
Elements innerhalb des Modifizierers, auch komplexe Bare plural Prädikate die
Voraussetzungen erfüllen, um in Argumentpositionen als Artterme benutzt zu
werden. Und zwar selbst dann, wenn schwerlich von regelhaftem Verhalten die
Rede sein kann.
(156) Der Detektiv sucht kurzsichtige Ernte-23-Raucher mit Schuhgr össe 46
und außergewöhnlichen Computerkenntnissen
Krifka (2004) bietet eine andere Erklärung für das abweichende linguisti-
sche Verhalten von Bare plural NPn wie parts of that machine etc. an. Seine
Erklärung basiert auf dem Prinzip der lexikalischen Blockade, wonach eine se-
mantische Operation dann nicht kovert zur Anwendung kommen kann, wenn
ein lexikalisiertes Funktionswort zur Verfügung steht, das eben diese semanti-
sche Operation beinhaltet. Für Krifka ist die Verfügbarkeit von some im Eng-
lischen der Grund dafür, warum Bare plural NPn wie policemen, boys, books
etc. in Kontexten des Typs [Betty is looking for ] keine spezifische Bedeu-
tung aktualisieren können, während Bare plural NPn wie parts of that machine,
boys sitting here, books she lost yesterday etc. das k önnen. Den Unterschied
zwischen den zwei Klassen von nominalen Ausdrücken beschreibt Krifka so,
dass eine Bare plural NP wie parts of that machine sich im Gegensatz zu einer
Bare plural NP wie policemen auf eine finite, fixierte Individuenmenge bezieht.
Krifka beobachtet, dass sich some mit einem Nominal, das eine offene Men-
ge charakterisiert, zu einem referierenden Ausdruck verbindet (Krifka schlägt
vor, die Semantik von some als Choice function zu analysieren), dass jedoch die
Verbindung von some mit einem Nominal, das eine finite Menge charakterisiert,
zu einer partitiv interpretierten Quantifikationsstruktur führt. So impliziert z.B.
(40b), dass Betty nicht nach allen Büchern, die sie gestern verloren hat, sucht.
(157) a. Betty is looking for some books.
b. Betty is looking for some books she lost yesterday.
Sei nun ein Type shifter definiert, der eine Choice function denotiert. Die Ap-
plikation dieses koverten Operators wäre nur in jenen Fällen von some blockiert,
in denen ein Bare plural in Argumentposition erscheint, der sich auf eine offe-
ne Menge bezieht. Auf Bare plurals, die sich auf finite Mengen beziehen, kann
der Type shifter dagegen ohne Weiteres angewendet werden, da some in diesen
Fällen ja keine blockierende Wirkung hat.
7.12. ZUSAMMENFASSUNG 155

(158) a. Betty is looking for {books/policemen/boys/. . . }.


b. Betty is looking for {books she lost yesterday/policemen in this buil-
ding/boys sitting here/. . . }.
Deswegen können nur die NPn in (41b) spezifisch interpretiert werden. Für
eine spezifische Interpretation der Beispiele in (41a) müsste some benutzt wer-
den.
Mit diesem Vorschlag ist ein Problem verbunden. Man kann sich fragen,
warum eigentlich quantifizierte Ausdrücke wie some books she lost yesterday
eine partitive Bedeutung haben und warum eigentlich im Gegensatz dazu Aus-
drücke wie some books nicht partitiv interpretiert werden. Man kann dann zu
der naheliegenden Schlussfolgerung gelangen, dass diese Asymmetrie in der
Unterschiedlichkeit der Ausdrücke begründet liegen muss, mit denen some je-
weils syntaktisch verknüpft wird. Je nachdem, ob some sich mit einem Nominal,
das sich auf eine offene Menge bezieht, oder mit einem Nominal, das sich auf
eine geschlossene Menge bezieht, verbindet, wird einmal eine “normale” und
einmal eine partitive Lesart aktualisiert. Wenn man die Bedeutung von some
als Choice function ansetzt, besteht ihr semantischer Beitrag darin, aus einer
Menge ein Element als den Referenten der some-Phrase auszuwählen. Wenn
diese Menge, aus der ausgewählt wird, offen ist, dann ergibt sich die “normale”
Bedeutung (some books). Wenn die Menge, aus der ausgewählt wird, finit ist,
dann kontrastiert das ausgewählte Element mit all jenen Elementen der finiten
Menge, die nicht ausgewählt wurden, und es entsteht eine partitive Interpreta-
tion (some books Betty lost yesterday). Wenn das so ist, dann muss aber auch
die Applikation des koverten Type shifters mit nominalen Prädikaten, die finite
Mengen charakterisieren, zu einer partitiven Interpretation führen. Schließlich
muss der Type shifter mit some bedeutungsidentisch sein, wenn das Prinzip der
lexikalischen Blockade wirksam sein soll.
Mit anderen Worten, nur unter der Annahme von zwei verschiedenen Lexi-
koneinträgen für some ist Krifka’s Argumentation stimmig. Diese, some1 und
some2, müssen zudem komplementär verteilt sein. Bei Annahme eines einheit-
lichen Eintrags für some kann nicht mit dem Prinzip der lexikalischen Blockade
argumentiert werden, weil ein Type shifter, der dieselbe Bedeutung wie some
hat, immer von some blockiert wäre.

7.12 Zusammenfassung

Allgemein gesagt können Inhaltswörter als Typenprädikate oder als Token-


prädikate verwendet werden. Gemäß dem in dieser Arbeit unterbreiteten Vor-
schlag ist ihre Verwendung als Typenprädikat die grundlegendere Verwendung,
7.12. ZUSAMMENFASSUNG 156

da Inhaltswörter im Lexikon als Typenprädikate verzeichnet sind21. Die Ver-


wendung als Tokenprädikat dagegen muss ko(n)textuell gestützt werden.
Um auf der Grundlage eines lexikalischen Nomens einen referierenden Aus-
druck zu bilden, muss das Nomen durch eine semantische Operation, die hier
mit Farkas & de Swart “Instantiierung” genannt wurde, in einen Term überführt
werden. Sprachen können über lexikalisierte Funktionswörter oder Morpheme
verfügen, die auf diese Aufgabe spezialisiert sind. Steht einer Sprache kein le-
xikalisierter Instantiierer zur Verfügung, müssen referierende Ausdrücke kovert
abgeleitet werden22 .
Im Nominalsystem des Deutschen/Englischen stehen mit den Artikeln zwei
lexikalisierte termbildende Ausdrücke zur Verfügung. Overte Artikel im Engli-
schen und Deutschen können grundsätzlich entweder Artprädikate in Artterme
oder Objektprädikate in Objektterme überführen. Sie sind hinsichtlich der Art-
Objekt Unterscheidung unterspezifiziert und besitzen deswegen das semanti-
sche Potential, sich sowohl mit Artprädikaten zu Arttermen als auch mit Objekt-
prädikaten zu Objekttermen zu verbinden. Andere Sprachen hingegen verfügen
über auf Objekt- oder Artreferenz festgelegte Artikel. Zum Beispiel besitzt das
Maori (Bauer 1993, Chung & Ladusaw 2004) einen indefiniten Artikel, der,
wie ich an anderer Stelle (Mueller-Reichau 2005) argumentiert habe, nur zur
Bildung von typenreferierenden Ausdrücken benutzt wird (he) und einen ande-
ren indefiniten Artikel, der für die Bildung von tokenreferierenden Ausdr ücken
bereitsteht (teetahi).
Da der indefinite Artikel im Deutschen und Englischen kraft seiner lexika-
lischen Semantik auf Singularnomen festgeschrieben ist, enthält das Paradig-
ma lexikalisierter Artikel im Englischen und Deutschen eine Lücke im Bereich
der Pluralia: für indefinite Pluralreferenz steht kein overter Instantiierer zur
Verfügung. Da kein overtes Ausdrucksmittel verfügbar ist, greift das Prinzip der
lexikalischen Blockade in diesem Fall nicht und der “grammatische Nullartikel”
kann zur Anwendung kommen. Bedingt durch seine Natur als Type shifter ap-
pliziert der “Nullartikel” - im Gegensatz zu den overten Artikeln - immer zum
frühstmöglichen Zeitpunkt. Dadurch kommt er einer möglichen, ko(n)textuell
bedingten raumzeitlichen Lokalisierung des nominalen Ausdrucks zuvor – es
sei denn der nominale Ausdruck wird durch ein token-restringierendes Attribut,
d.h. durch einen externen Modifikator, modifiziert.
In diesem Kapitel wurde also ein System vorgeschlagen, das, in der Tra-
dition von Carlson (1977), davon ausgeht, dass artikellose NPn grunds ätzlich
artreferierend interpretiert werden. Dies wurde darauf zurückgeführt, dass No-
21 Das ist auch der Grund, weshalb bei lexikalischen Wortbildungen normalerweise
Typen semantisch verrechnet werden.
22 Vergleiche die Argumentation Padučeva’s (1979) zur Situation im Russischen.
7.12. ZUSAMMENFASSUNG 157

men im Lexikon als Artprädikate gespeichert sind. Objektreferenz setzt dem-


nach immer eine semantische Anreicherung der Bedeutung eines lexikalischen
Basisausdrucks durch eine morphosyntaktische Operation voraus. Ein objektre-
ferierender Ausdruck ist folglich immer ein morphosyntaktisches Derivat. Eine
Vielzahl von grammatischen Operationen eignet sich dazu, ein Nomen für To-
kenreferenz zu qualifizieren.
Erstens, die Artikel. Wenn ein Nomen von einem Artikel begleitet wird, dann
kann es sich auf Typen oder Token beziehen:
(159) a. {der Wal/ ein Wal} ist ein Säugetier.
b. {der Wal/ ein Wal} wurde getötet.
Zweitens, prosodische Mittel. Ein Nomen kann durch Akzentuierung als ab-
weichend von der artbezogenen Defaultinterpretation markiert werden. Verglei-
che das artreferierende Subjekt in (43a) mit dem objektreferierenden Subjekt in
(43b):
(160) a. Hunde BELlen.
b. HUNde bellen.
Drittens, token-restringierende Modifizierer. Wenn ein Nomen durch Aus-
drücke modifiziert wird, die sich zwingend auf im Äußerungskontext gegebene
Objekte beziehen, kann die NP objektreferierend verstanden werden. Das fol-
gende Beispiel aus Mehlig (1983) ist entsprechend ambig. Das Subjekt kann
sich auf die Art ‘Student des Instituts für Slawistik der Universität Kiel’ oder
auf eine konkrete Gruppe von Studenten des Instituts für Slawistik der Univer-
sität Kiel beziehen23 :
(161) a. Studenten unseres Instituts sprechen gut Russisch.
Viertens, schließlich, kann auch der allgemeine Kontext, in dem ein Satz
geäußert wird, die objektreferierende Interpretation motivieren. Ein illustrati-
ves Beispiel stammt von Sheila Glasbey (s. Maienborn 2003:38). Im Gegensatz
zum Subjekt von (45a) wird das von (45b) eindeutig existentiell verstanden:
(162) a. Drinkers were under-age.
b. John was shocked by his visit to the Red Lion. Drinkers were under-
age, drugs were on sale, and a number of fights broke out while he
was there.
23
Unter der Voraussetzung, dass mit “unser Institut” Mehlig’s Kieler Institut gemeint
ist. Mehlig benutzt statt Artreferenz und Objektreferenz übrigens die Begriffe “Referenz
auf eine offene Klasse” versus “Referenz auf eine geschlossene Klasse”.
7.12. ZUSAMMENFASSUNG 158

Jäger (2001) und Maienborn (2003) beobachten in diesem Zusammenhang,


dass man ein Bare plural Subjekt wie in den Sätzen unter (47) bevorzugt gene-
risch versteht, wenn es out-of-the-blue präsentiert wird – selbst wenn es mit ei-
nem Prädikat erscheint, welches nach Carlson (1977) als Stadienprädikate gilt:
(163) a. Feuerwehrleute sind hungrig. [Maienborn (2003)]
b. Emperors are naked. [Jäger (2001)]
Dieses von Jäger und Maienborn beobachtete Verhalten ist durch die in dieser
Arbeit vorgeschlagene grammatische Architektur exakt vorhergesagt. Schließ-
lich gehe ich davon aus, dass nominale Prädikate, wenn sie ihr linguistisches
Leben beginnen, zunächst artbezogen interpretiert werden – so lange, bis kotex-
tuelle oder kontextuelle Faktoren eine objektbezogene Interpretation rechtferti-
gen. Solche Faktoren fehlen in out-of-the-blue Äußerungen, denn “out-of-the-
blue” bedeutet ja gerade “ohne kontextuelle Einbettung”.
Kapitel 8

Generic and episodic copular sentences –


kinds, objects and the semantics of the
copular verb

8.1 Overview

The framework that I presented in this dissertation is “Carlsonian” in the sense


that it realises the kind of genericity theory developed in Carlson (1977). Howe-
ver, it differs from Carlson’s particular theory in at least two important respects.
For one thing, the present framework is based on only two sorts of ontologi-
cal entities, namely (abstract) kinds and (real) objects. Moreover, one domain,
namely the kind domain, is considered to be fundamental with respect to lingui-
stic reference. In the previous chapters I demonstrated, that such a kind-based
theory can be successfully applied in the realm of noun phrases (NPs). In this
chapter, I will apply it to another set of linguistic data.
I have chosen copular sentences to serve this purpose, for the following re-
asons: First, copular sentences can be classified depending on the semantics of
the (nominal) expressions flanking the copular verb. This makes copular sen-
tences a suitable testing ground to test hypotheses about the semantics of noun
phrases. Second, two important investigations pertaining to the syntax and se-
mantics of copular sentences have been published recently by Geist (2004) and
Mikkelsen (2004)1. This saves me from giving a survey of the rich literature on
the topic and, somewhat parasitically, I allow myself to refer the reader to the-
se works. Third, many languages possess two (or more) different copular con-
structions for which, at first sight, the Carlsonian genericity theory seems to be
appropriate. However, a closer look reveals that the particular Carlsonian theory
1 Thisthesis has meanwhile been published as Mikkelsen (2005). Note that I quote
according to the 2004 version.
8.2. REFERENTIAL AND NON-REFERENTIAL NOUN PHRASES 160

is not able to explain the distribution of these different constructions satisfacto-


rily (see chapter 9, section 2). With respect to the two copular constructions in
Modern Hebrew, I will show that the present framework overcomes these dif-
ficulties. However, the associated proof is outsourced to chapter 9. The present
chapter is structured as follows.
In section 2, I will point to the traditional distinction between referential and
non-referential NPs. This distinction serves as the basis for Geist (2004)’s se-
mantic analysis of copular sentences in English/German (outlined in section
3) and Russian (outlined in section 4). Geist assumes that the copular verb is
always the copular of predication. In section 5, I will put forward the comple-
mentary assumption: the copular verb is always the copular of identity. This
proposal, irritating at first sight, gains plausibility when considering that nomi-
nal expressions can be interpreted either at the object-level, or at the kind-level.
In this regard, I will remind of the discussion in the previous chapters (sections
6 and 7). In section 8, I will address the problem of the semantic composition of
object terms and kind-level predicates and, once again, I will outline my soluti-
on to this problem, exploiting to the dual reference of object terms. With these
tools established, I turn to the different classes of copular sentences. In section 9
(“Predicational sentences”), I will emphasise that a German sentence like Peter
ist ein Geiger (Peter is a violinist) has two readings, dependent on whether the
postcopular NP refers to a kind or to an object. In section 10 (“Identificational
sentences”), I will show that virtually the same ambiguity can be observed when
the postcopular NP is definite, as in Peter ist der Dirigent (Peter is the conduc-
tor). In section 11 (“Specificational sentences”), I will discuss sentences like
Der Dirigent ist Peter (The conductor is Peter). I oppose to Mikkelsen’s (2004,
2005) analysis of specificational sentences, making out a case for analysing the
precopular NP as a kind term. In section 12 (“identity sentences”), I will draw a
distinction between generic (kind-level) and non-generic (object-level) identity
sentences. Section 13 will summarise the chapter.

8.2 Referential and non-referential noun phrases

Depending on the kind of expressions appearing before and after the copular
verb, English copular sentences actualise very different interpretations. Since
Higgins (1979) it is common practice to distinguish between predicational sen-
tences (Peter is a teacher), identity sentences (Cicero is Tully), identificational
sentences (That woman is the Mayor of Cambridge) and specificational sen-
tences (The winner is Mary). This (more or less intuitive) classification serves
as the starting point for Geist (2004) to develop a theory of the semantics of
copular sentences which can generate the different types of copular sentences.
8.2. REFERENTIAL AND NON-REFERENTIAL NOUN PHRASES 161

Geist’s theory is based on the traditional distinction between referential and


non-referential NPs. Simply put, an NP is referential if, appearing in syntactic
argument position, it introduces a referent into the discourse, whereas a non-
referential NP does not introduce a discourse referent. In accordance with this
observation, the syntactic position in which a non-referential NP appears is ana-
lysed not as an argument position, but as a predicative position. In terms of type
theory, referential NPs are of semantic type <e>, while non-referential NPs are
of semantic type <e,t>.
Geist subscribes to the common assumption that the postcopular NP of a
predicational sentence is non-referential, while the postcopular NP of an identity
sentence is referential. Evidence comes from pronominalisation facts. As only
referential NPs can be anaphorically picked up by a pronoun appearing in the
subsequent text, the postcopular NP of a predicational sentence is analysed as
a non-referential NP. Compare the following examples from German (all of the
examples in the sections 2 to 4 are adopted from Geist 2004):
(1) a. Peter ist Clubvorsitzender. #Er wird i.d.R. für drei Jahre
P. is club-chairman he is.PASS as-a-rule for 3 years
gewählt.
elected
‘Peter is the chairman of a club. #He is usually elected for three
years’
b. Peter ist Lehrer und sein Sohn ist {*er/ es} auch.
P. is teacher and his son is he/it too
‘Peter is a teacher and so is his son.’
In general, to ask for a person-referring NP, the question word wer (who) must
be used. To ask for the postcopular NP of a predicational sentence, however, the
question word of third person neuter must be chosen. This observation likewise
suggests that the postcopular NP of a predicational sentence is non-referential:
(2) { *Wer/ Was } ist Peter von Beruf? - Peter ist Geiger.
who what is P. of profession P. is violinist
‘What is Peter by profession? - Peter is a violinist.’
Moreover, the postcopular NP of a predicational sentence cannot be modified by
a non-restrictive relative clause. This is further evidence for non-referentiality,
because non-restrictive relative clauses are known to require a referent:
(3) a. Peter, der ja seit drei Wochen bei uns arbeitet, ist Praktikant.
P. who yes since 3 weeks at us works is trainee
‘Peter, who has been working with us for 3 weeks now, is a trainee.’
8.3. TWO MEANINGS FOR THE COPULAR BUT ONLY ONE LEXICAL ENTRY 162

b. *Peter ist Praktikant, der ja seit drei Wochen bei uns arbeitet.
P. is practitioner who yes since 3 weeks at us works
‘Peter is a trainee, who has been working with us for 3 weeks now.’
Geist classifies referential noun phrases as “DPs” (semantic type <e>), and
non-referential noun phrases, like those appearing in the postcopular position
of a predicational sentence, as “NPs” (semantic type <e,t>). This has a well-
known consequence to which I would like to draw attention. In theory, whenever
an article (determiner) attaches to a noun, a predicate expression of semantic
type <e,t> turns into a referential expression of semantic type <e>. This yields
a regular DP. However, in the postcopular position of a predicational sentence
like Peter is a teacher one encounters expressions that, for theoretical semantic
reasons, must be “NPs” although, on syntactic grounds, they qualify for regular
“DPs”. To cope with this situation, one is forced to assume that in these cases,
the overt determiner is “semantically vacuous” (Heim & Kratzer 1998:61) or,
as Geist (2004:31-32) puts it, “semantically idle”.

8.3 Two meanings for the copular but only one lexical entry

That the postcopular expression is sometimes referential and sometimes predi-


cative poses a famous puzzle: what is the semantic contribution of the copular?
Clearly, together with the postcopular element the copular forms a predicate, i.e.
is of semantic type <e,t>. But how can this make sense given that the postco-
pular element is sometimes of semantic type <e> and sometimes of semantic
type <e,t>? I briefly summarise the discussion in Geist (2004).
The first prominent proposal to solve the problem was offered by Russell.
He draws the straightforward conclusion that there must be two homomorphous
copular verbs. One, figuring in the derivation of identity sentences, semantical-
ly corresponds to a function from D<e> to D<e,t> . The other, figuring in the
derivation of predicational sentences, corresponds to a function from D <e,t> to
D<e,t> . Figure 8.1 shows the semantic composition of the predicate of a predi-
cational sentence like John is a teacher according to Russell. Figure 8.2 shows
how the Russelian way to derive the predicate of an identity sentence by means
of the copular of identity.
This is certainly a possible solution. From a theoretical point of view, ho-
wever, it appears to be not very attractive to have one form listed twice in the
lexicon. This bothers Partee (1987) who tries to overcome this situation by po-
stulating a covert operator dubbed “ident”. This operator, which maps indivi-
duals onto functions from individuals to truth values, is supposed to participate
covertly in the derivation of identity sentences. Thus, while the semantic com-
position of a predicational sentence follows the Russellian route (figure 8.1),
8.3. TWO MEANINGS FOR THE COPULAR BUT ONLY ONE LEXICAL ENTRY 163

is a teacher
λ x.TEACHER(x)
<e,t>

is a teacher
λ Pλ x.P(x) λ y.TEACHER(y)
<<e,t>,<e,t>> <e,t>

Abbildung 8.1: Russell’s copular of predication


is Tully
λ x.x=tully
<e,t>

is Tully
λ yλ x.x=y tully
<e,<e,t>> <e>

Abbildung 8.2: Russell’s copular of identity

the predicate of an identity sentence is, according to Partee, derived as shown in


figure 8.3 (next page).
Partee’s proposal enables a uniform semantic analysis of the copular verb: the
copular is listed in the lexicon as the “copular of predication”. As Geist shows,
however, Partee’s approach faces empirical problems. If Partee was right, the
postcopular NP of an identity sentence would have to show the behaviour of a
non-referential expression. However, this is not the case. The question word for
referential expressions who, must be used to ask for the information encoded by
the respective postcopular NP:
(4) a. {Who / *What } is Cicero? – Cicero is Tully.
Furthermore, Geist points to the following fact. Within the small clause comple-
ment of a verb like consider, the copular verb must be present if the small clause
expresses an identity relation. If the small clause expresses an identity relation,
however, it is absent. Given Partee is right, this asymmetry is unexpected.
(5) a. They considered Cicero a talented politician.
b. They considered Cicero *(to be) Tully.
This suggests that, in identity sentences, the postcopular constituent is an ar-
gument and not, as Partee’s proposal implies, a predicate resulting from the
application of the ident operator.
8.3. TWO MEANINGS FOR THE COPULAR BUT ONLY ONE LEXICAL ENTRY 164

is Tully
λ u.u=tully
<e,t>

is Tully
λ Pλ P(u) λ x.x=tully
<<e,t>,<e,t>> <e,t>

ident Tully
λ yλ x.x=y tully
<e,<e,t>> <e>

Abbildung 8.3: Partee’s derivation of the identity predicate

Geist’s (2004) own proposal is quite neat: she manages to adopt a Russellian
view without committing herself to the existence of two homomorphous copular
verbs, and she achieves this by making use of Partee’s ident operator. Geist
assumes that there is one lexical entry, the copular of predication, and there are
grammatical means to derive the copula of identity from this lexical entry. Thus,
she derives the predicate of a predicational sentence along the lines of Russell
(figure 8.1). How does she derive the predicate of an identity sentence?
Like Partee, Geist makes use of the ident operator. Unlike in Partee’s system,
however, ident applies not to the postcopular element but to the copular itself.
This has the welcome consequence that it is the copula which is predicted to be
the surface constituent carrying the identifying semantic component (and not,
as on Partee’s approach, the postcopular NP). However, in order to achieve her
goal, Geist has to pay a certain price. Her proposal faces the problem that the
semantic composition of the copula of predication and the ident operator cannot
proceed via functional application. Geist is forced to resort to another mode of
composition, namely to functional composition; compare figure 8.4 (next page).
Geist presents two main pieces of evidence in support of her analysis. The first
relates to the fact that the copular verb is obligatory in English examples like
(5b). This is predicted because, if the copular is the exponent of the identity re-
lation, it cannot be dispensed with in identificational contexts. The second piece
of evidence is similar. If dropping the copular leads to the loss of the identity
relation, dropping the copular is expected to be impossible in identificational
contexts – unless another element steps into the breach, taking over the function
of expressing the identity relation. According to Geist, Russian grammaticised
exactly this compensation strategy. In Russian, the copular verb is systematical-
ly absent in present tense contexts. However, in present tense identity sentences,
8.4. GEIST ON RUSSIAN IDENTITY SENTENCES 165

is Tully
λ x.x=tully
<e,t>

is Tully
λ yλ x.x=y tully
<e,<e,t>> <e>

is ident
λ Pλ x.P(x) λ yλ u.u=y
<<e,t>,<e,t>> <e,<e,t>>

Abbildung 8.4: Geist’s derivation of the identity predicate

a pronominal element, ėto, appears as the exponent of the identity relation. The-
refore, the Russian data can be counted as evidence in favour of Geist’s theory.

8.4 Geist on Russian identity sentences

Geist (2004) suggests that, if a language has a lexicalised copular of predicati-


on, it will also have the ident operator. By applying the latter to the former the
copular of identity can be derived. While this describes the situation in English
and German, the situation in Russian represents a variation of the theme: Russi-
an possesses no present tense copular verb. Therefore, there is no overt copular
element to which the ident operator could be applied in present tense contexts.
To compensate, some other element must serve as the target for the ident opera-
tor. Geist identifies the demonstrative pronoun of third person neuter, ėto, which
is obligatory in Russian identity sentences, as the element which takes over this
task in Russian present tense contexts.
(6) Ciceron (ėto) Tullij
C. Pron T.
‘Cicero is Tullius.’
Thus, Geist considers the presence of ėto to be the consequence of the absence
of the copular verb. If this was true, we would expect that ėto and the copular
cannot appear together. Unfortunately, however, they can: they can appear to-
gether in Russian non-present tense identity sentences like (7). Geist (2004:48)
speculates that ėto is optional because in future and past contexts the copular
8.4. GEIST ON RUSSIAN IDENTITY SENTENCES 166

surfaces and can therefore itself serve as the target for ident. But if it can, why
should ėto appear at all?
(7) Volgograd – (ėto) ran’še byl Stalingrad
V. Pron formerly was S.
‘In former times, Volgograd was Stalingrad.’
There is still a second empirical fact that seems to weaken Geist’s approach,
at least at first sight. The pronominal element ėto shows up not only in identi-
ty sentences, but also in sentences expressing an “exemplar-of-relation” (Geist
2004:71). It is implausible that ėto functions as an exponent of the identity rela-
tion in these cases:
(8) Ėto čto za životnoe? – Ėto lev.
Pron what for animal Pron lion
‘What kind of animal is this? – This is a lion.’
A closer look reveals, however, that the datum in (8) is not a real problem for
Geist. Note that Geist does not claim that ėto was always and only the exponent
of the identity relation. On the contrary, Geist considers ėto to be basically a pure
(demonstrative) pronoun. As such, it has the status of an argument expression,
which agrees with its antecedent with respect to number and gender. According
to Geist (2004:45), the antecedent may be an object, an event or a property. Geist
proposes that it is this pronominal argument-ėto, from which the (non-agreeing)
identity predicate ėto derives. The operator responsible for this derivation is
once again ident, compare figure 8.5.
predicate-ėto
λ y.y=[ι x.Pj (x)]
<e,t>

argument-ėto ident
ι x.Pj (x) λ uλ y.y=u
<e> <e,<e,t>>

Abbildung 8.5: Geist’s derivation of predicate-ėto


The predicate-ėto is assumed to participate in the semantic composition of iden-
tity sentences like Ciceron – ėto Tullij. Specifically, Geist assumes the following
(compare figure 8.6): The predicate-ėto syntactically combines with the proper
name Tullij to form a sentence. This sentence expresses the proposition accor-
ding to which the referent of the underlying argument-ėto is identical to Tully.
This referent is determined by reconstructing a value for the property variable
8.5. THE COPULAR VERB AS A PREDICATE MAKER 167

P of argument-ėto. If an external topic constituent happens to occur at the left


periphery of the sentence, the conceptual content of it will automatically serve
as the basis from which a value for P is reconstructed. For instance, if Cice-
ron forms the external topic constituent, the value of P will be determined on
the basis of this proper name. Geist suggests that in this case, P amounts to the
property of bearing the name Ciceron. This yields the proposition according to
which the individual named Ciceron is identical to Tullius.
Ciceron ėto Tullij
T=[ι x.x is called Cicero]
<t>

Ciceron ėto Tullij


λ u.u is called Cicero T=[ι x.Pj (x)]
<e,t> <t>

Ciceron predicate-ėto Tullij


C λ y.y=[ι x.Pj (x)] T
<e> <e,t> <e>

Abbildung 8.6: Geist’s semantics for Ciceron ėto Tullij

To recapitulate: Geist agrees with Russell that the copular of a predicational sen-
tence is semantically different from the copular of an identity sentence. Partee’s
attempt to arrive at a single copular verb by typeshifting the postcopular NP is
rejected. Unlike Russell, Geist does not act on the assumption that there are two
lexical copular verbs. Rather, she treats one copular (the copular of predication)
as the lexical basis from which, by means of the type shifter ident, the other
copular (the copular of identity) is derived.
Although this is certainly a possibility to solve the copular problem, I would
like to draw attention to an alternative, which was not even mentioned by Geist:
Why not taking the copular of identity to be the only one lexical copular?

8.5 The copular verb as a predicate maker

The semantics of the copular of identity corresponds to a function that maps an


entity onto the set of all entities identical to the input entity. Thus, the copular
of identity is the kind of copular that coins predicates by attaching to referential
expressions. The copular of predication, by contrast, is the kind of copular that
8.5. THE COPULAR VERB AS A PREDICATE MAKER 168

coins predicates by attaching to predicate expressions. From now on, I dispense


with the copular of predication, hypothesising the following:
PREDICATE MAKER - HYPOTHESIS Every instance of the copular
semantically corresponds to a functor which maps an entity onto the
set of all entities identical to the respective input entity. It is the very
function of the copular to derive predicates from arguments.
In the face of predicational sentences, this hypothesis appears to be questiona-
ble. This impression diminishes, however, as soon as we take into account that
linguistic expressions, and noun phrases in particular, may be related to two dif-
ferent sorts of entities, namely either to object entities or to property entities.
Geist writes:
[D]ie Komplementposition der Kopula in prädizierenden Sätzen [ist]
eine Position für nicht-referenzielle NPs [...], d.h. für NPs, die nicht
auf ein Individuum referieren, sondern eine Eigenschaft bezeichnen.
(Geist 2004:23)
The complement position of the copular in predicational sentences [is]
a position for non-referential NPs [...], i.e. for NPs that do not refer to
an object individual, but denote a property. (own translation)
Clearly, Geist means that the postcopular expression in, for instance, Peter is a
teacher is not a referential argument expression, but a non-referring predicate.
Remember from chapter 3, however, that properties have a double nature: a
property expression can semantically translate either as a property function, or
as an entity correlate of a property (Chierchia 1984; Chierchia & Turner 1988;
McNally 1997). Taking this into account, we arrive at a different conclusion.
Let us assume that the postcopular NP a teacher in Peter is a teacher deno-
tes the entity correlate of a property. Under this assumption, it would be wrong
to say of the NP that it is non-referential. It does refer, not to an object, but to
an (entity correlate of a) property. Consequently, the postcopular NP a teacher
must not be viewed as a predicate, but rather as an argument. It follows that the
postcopular position of a predicational sentence is a referential argument posi-
tion, just like the postcopular position of an identity sentence. The difference
is only that, in an identity sentence, the postcopular position is occupied by an
object term, whereas in Peter is a teacher, it is occupied by a property term.
Let DP be the domain of entity correlates of properties. If we analyse the ex-
pression a teacher as denoting one element of DP , the copular can be analysed
as a predicate maker: it attaches to the argument a teacher to form the com-
plex predicate is a teacher. Furthermore, let us assume that the domain of entity
correlates of properties is sorted. One subset of D P is formed by the domain
8.6. NOUNS DENOTE AT TWO DIFFERENT ONTOLOGICAL LEVELS 169

of object types (kinds) DK , another one by the domain of event types (Akti-
onsarten) DE . Object types (elements of DK ) and event types (elements of DE )
contrast with entity correlates of properties proper (elements of DP – (DK ∪
DE )) in one important respect: only object types and event types are sortals.
Unlike non-sortal concepts, a sortal concept involves not only a criterion of
application (from which it can be told whether a given object carries the respec-
tive property), but also a criterion of identity (from which it can be told whether
a given object instantiates the respective property)2. The feature of being asso-
ciated with a sortal description is responsible for the fact that elements of DK
and elements of DE (can) have correlates in the spatiotemporal domain of object
tokens Do and in the spatiotemporal domain of event tokens De , respectively. In
other words, only entity correlates of properties that have the conceptual status
of sortals (types) can have spatiotemporal realisations (tokens).
Thus, there is reason to view kinds as forming a subset of the set of entity
correlates of properties. Krifka (1995) proposes to treat kinds as concepts. The-
refore, it seems justified to reinterpret entity correlates of properties as concepts
(cf. Mueller-Reichau 2004).
concepts/properties
[+criterion of application]

non-sortal concepts sortal concepts


[+criterion of identity]
properties proper
object types event types

kinds Aktionsarten
Abbildung 8.7: sortal and non-sortal concepts

8.6 Nouns denote at two different ontological levels

Concepts in the sense of Krifka (1995) are entities. That is to say concepts are
potential referents of NPs. According to Krifka, the kind domain forms part of
the domain of concepts. We cannot dispense with a kind domain in the ontology
if we want to adequately capture the meaning of predicates like be widespread,
2A detailed discussion of the difference between the criterion of application and the
criterion of identity can be found in Baker (2003:101).
8.6. NOUNS DENOTE AT TWO DIFFERENT ONTOLOGICAL LEVELS 170

be extinct, be rare, invent etc. (cf. Carlson 1977). This has been discussed at
length in this dissertation. Let me nevertheless repeat the basic facts.
According to Krifka et al. (1995), noun phrases may refer to kinds in basically
two ways. In the case of ordinary “non-taxonomic” reference, the NP linguisti-
cally functions like the name of a kind: the NP directly refers to the kind named
by the head noun of the NP. Krifka et al. (1995:65) assume that in English, only
definite singular NPs and bare plural NPs can be used in this way (9a). On the
other hand, NPs can also refer to subkinds of the kind named by the head noun
of the respective NP. Krifka et al. refer to this as the “taxonomic reading”. They
assume that overtly quantified NPs (9b) as well as indefinite singular NPs (9c)
can actualise this interpretation:
(9) a. {The panda / Pandas } will become extinct soon.
b. One whale, namely the blue whale, is nearly extinct.
c. The dolphin is a whale.
Kinds are organised in taxonomic hierarchies. Krifka et al. (1995) define a rela-
tion T(x,y), which says that x is a subkind of y 3. The referent of a noun phrase
can generally be determined either within the object domain or within the kind
domain. There is a systematic relation R which mediates between these two
domains: R(x,y) means that x is an object realising the kind y. Instead of “rea-
lising”, one can also speak of x instantiating y, or x exemplifying y, or that
x is a token of the type y. With respect to the distinction between sortals and
non-sortals established above, we can now say that sortal concepts are those en-
tity correlates of properties which are suited to fill the second argument of the
realisation relation R4 .
Dayal (2004) opposes to the conclusion that only definite singulars and bare
plurals can refer directly to the kind (named by the head noun). She presents
(10a) to exemplify that indefinite singulars need not refer to subkinds, but can
also refer to the superkind. The only requirement is that the kind is being pre-
sented as a novel discourse entity (cf. chapter 5). I add (10b) which points to the
same fact:
(10) a. This morning Fred invented a pumpkin crusher.
b. A four-leafed clover is rare, but a three-leafed clover is widespread.
Dayal concludes that every morphosyntactic NP-type in English is semantically
capable of either referring to objects or (non-taxonomically) referring to kinds.
3 Also, Krifka (1995) defines a relation S(x,y), which says that x is a subconcept of y,
whereby the following holds: ∀ x,y [T(x,y) → S(x,y)].
4 This implies that R relates not only objects to kinds, but also particular events to
Aktionsarten (this is more than the realisation relation was initially defined for).
8.7. EXAMPLES OF OBJECT-REFERRING AND KIND-REFERRING NPS 171

The subjects of (11) are (non-taxonomically) kind-referring NPs representing


one of the four morphosyntactic types, respectively:
(11) a. The dog is man’s best friend.
b. A dog is not a person, a dog is a dog.
c. The foxes belong to the dogs.
d. Dogs chase cats.
As every reference to a kind must be reference to a taxonomic category, it is mis-
leading to speak of “taxonomic” reference only in the subkind-referring cases.
After all, the kind domain is the taxonomic domain:
[T]he common noun [...] has two possible denotations, one in the object
domain, the other in the taxonomic domain. All determiners can com-
bine with both meanings of the common noun. In the first case they
yield the familiar readings, in the second case the taxonomic readings.
The singular kind is simply an instance of a taxonomic noun phrase.
It is therefore to be expected that it can occur with definite as well as
indefinite determiners in English, depending on its status as a familiar
or a novel entity in the discourse. (Dayal 2004:396)
Let us keep in mind that not only definite NPs, but also indefinite singular NPs
can refer to the kind named by the head noun. This will be important for the
discussion of copular sentences.

8.7 Examples of object-referring and kind-referring NPs

The purpose of this section is to give some examples of referential kind-level


and object-level NPs, following Dayal’s suggestions.
(12) The whale is blowing.
The subject-NP in (12) is an object-referring argument expression. The nominal
predicate whale characterises the set of all objects in the context of utterance
that satisfy the description associated with whale. The definite article, conceived
as the iota operator by Dayal, specifies the unique maximum element among
these objects for being the referent of the NP. This amounts to the semantic
composition in figure 8.8.
8.7. EXAMPLES OF OBJECT-REFERRING AND KIND-REFERRING NPS 172

the whale
ι x.WHALE(x)
<eo >

the whale
λ Pι x.P(x) λ x.WHALE(x)
<<e,t>,e> <eo ,t>

Abbildung 8.8: object-referring NP, singular

(13) The whale is a mammal.


The subject-NP of (13) is a kind term. Accordingly, its semantic type is <ek >.
In this case, the noun whale characterises the set of all kinds that satisfy the des-
cription associated with whale. This set includes the kind ‘whale’ itself, and also
all of its subkinds, like ‘blue whale’, ‘sword whale’, ‘dolphin’, ‘sperm whale’,
etc. The definite article has the same semantic impact as in (12), namely deter-
mining that the unique maximum element is the referent of the NP5 . Relative to
a kind-level extension, the maximum element will be, by stipulation, the super-
kind. In (13), this amounts to the kind ‘whale’ as the referent of the subject-NP 6 .
Figure 8.9 shows the semantic composition.
the whale
ι x.WHALE(x)
<ek >

the whale
λ Pι x.P(x) λ x.WHALE(x)
<<e,t>,e> <ek ,t>

Abbildung 8.9: kind-referring NP, singular


In the case of object-level plural NPs, as in (14), the definite article determi-
nes the unique maximum element on the basis of a set of pluralities (Chierchia
1998).
5
Compare also Dölling (1992) and Zamparelli (1998) for virtually the same proposal.
6 This is not Dayal’s stipulation, but Katz & Zamparelli’s (2005). Dayal (2004:426)
assumes that contextual factors (that are not made explicit) regulate that sometimes, the
kind-level extension contains one element only (namely the kind ‘whale’) and someti-
mes, several elements (namely the subkinds of ‘whale’).
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 173

(14) The whales are blowing.


If, for example, there are three whales a, b and c blowing in the context of
utterance, the extension of the plural noun whales will be the set {{a+b}, {a+c},
{b+c}, {a+b+c}}, and the referent of the definite NP will be the maximum
element {a+b+c}. Compare figure 8.10.
the whales
ι x.WHALES(x)
<eo >

the whales
λ Pι x.P(x) λ x.WHALES(x)
<<e,t>,e> <eo ,t>

Abbildung 8.10: object-referring NP, plural

(15) The whales belong to the mammals.


Finally, in (15), we see a definite plural NP, interpreted at the kind-level. For
the sake of the argument, let there be only three whale kinds in the universe of
discourse: A (the kind ‘whale’), B (the kind ‘blue whale’) and C (the kind ‘dol-
phin’). At the kind-level, the plural noun whales would then denote the followi-
ng set: {{A+B}, {A+C}, {B+C}, {A+B+C}}. In analogy to (14), the definite
article maps this set onto its maximum element, which is {A+B+C} (cf. Da-
yal 2004:426-427). The semantic composition is virtually the same as in figure
8.10, just replace <eo > by <ek >.

8.8 Kind-level predications and the Moby Dick problem

What does sentence (16) express? Presumably, it expresses the proposition ac-
cording to which the kind ‘whale’ belongs to the set of subkinds of the kind
‘mammal’.
(16) A whale is a mammal
Given this, (16) would be true relative to any situation in which the tree in figure
8.11 (next page) constituted a partial structure of the taxonomic kind domain.
What does sentence (17) express? Intuitively speaking, it expresses that the
object individual Moby Dick is an instance of the kind ‘whale’.
(17) Moby Dick is a whale.
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 174

MAMMAL

WHALE

Abbildung 8.11: mammal and whale

It is tempting to identify the semantic contribution of the copular in (16) with the
subkind-of relation T and the semantic contribution of the copular in (17) with
the instance-of relation R. However, this would lead to a not very appealing
ambiguity of the copular verb7. We are looking for a compositional analysis
for (16) and (17) that maintains a uniform semantics for the copular, that can
derive the subkind-of interpretation of (16), and that can derive the instance-of
interpretation of (17).
(18) A blue whale is a whale.
For ease of comparison, I will discuss (18) instead of (16). By hypothesis, the
two instances of is a whale in (17) and (18) are not only formally, but also se-
mantically equivalent. What could be the common meaning? One syntactically
combines with an object term, the other combines with a kind term. Given this,
how can they be semantically equivalent?8
The basic assumption is that a singular noun like whale is listed in the le-
xicon as a kind-level predicate. Its extension includes, among other kinds, the
elements ‘whale’, ‘blue whale’, ‘dolphin’, ‘sword whale’, ‘beluga’. (19) shows
the semantic representation of whale in terms of predicate logic. Capitals signal
that a variable is kind-level, small letters signal that a variable is object-level
(thus, the information “∈Dk” is, strictly speaking, redundant):
(19) [[ whale ]] = λ X∈Dk . WHALE(X)
In this dissertation, I choose discourse representation theory (DRT) to represent
linguistic meanings. Specifically, I adopt Farkas & de Swart’s (2003) revisi-
7 Compare the discussion in Dölling (1997), who presents arguments against this
solution.
8 This question has been answered in some detail in chapter 6, section 6. Here, I will
only repeat the basic line of argumentation.
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 175

on of Kamp & Reyle’s (1993) original DRT version. Whereas Kamp & Reyle
represent arguments always as discourse referents, Farkas & de Swart draw a di-
stinction between “thematic arguments” (symbolised by x,y,z,. . . ) and discourse
referents (symbolised by u,v,w,. . . ). Thematic arguments are conceived of as ar-
guments that do not appear in the universe of the DRS; the universe of a DRS is
reserved for discourse referents. Farkas & de Swart’s innovation is that a lexical
predicate introduces its condition into the condition set of the DRS under con-
struction without introducing an argument into the universe of the DRS. That is
to say, lexical predicates introduce thematic arguments.
The semantic function of an article is to cause a thematic argument to become
a discourse referent. If an article attaches to a nominal predicate, the thematic
argument x introduced by the nominal will be replaced by a discourse referent
u. Being a discourse referent, u has to be included into the universe of the DRS.
Farkas & de Swart refer to this process as “D-instantiation”. The indefinite ar-
ticle is treated by them as the unmarked determiner element. Its semantic impact
is pure D-instantiation. Other determiners (including the definite article) impose
additional interpretive conditions on the discourse referent they install.
Farkas & de Swart’s formalism does not distinguish between kind-level and
object-level arguments. Therefore, I suggest a modification. Let capital letters
symbolise kind arguments, with X,Y,Z, . . . standing for thematic kind argu-
ments, and U,V,W, . . . standing for kind (discourse) referents 9. Let small letters
symbolise thematic object arguments (x,y,z, . . . ) and object (discourse) referents
(u,v,w, . . . ), respectively.
Given all this, the nominal predicate whale induces the representation (20a),
and the combination with the indefinite article yields (20b):

(20) a. [N whale]

whale(X)

↓ D-instantiation

b. [NP [Det a][N whale]]


U
whale(U)

9 Be careful not to get confused: in Kamp & Reyle (1993), capitals are used to signal
plural reference.
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 176

Please note that the condition “whale(U)” does not imply that the discourse
referent U stands for the kind ‘whale’. Rather, U can stand for any kind which
satisfies the description associated with whale, be it the superkind ‘whale’, or a
subkind like ‘blue whale’, ‘dolphin’ etc.
Thus, by means of the NP a whale the speaker refers to a whale kind. What
happens if this NP is following the copular verb? Here is where the predicate
maker-hypothesis of section 5 comes into play. According to this hypothesis,
the copular verb selects for an entity-referring expression to form a predicate
characterising the set of all entities identical to the input entity. If (20b) appears
in the argument slot of the copular, the input entity will be the one represented
by U.
(21) a. [NP a whale]
U
whale(U)

↓ application of the copular

b. [VP [cop is][NP a whale]]


U
whale(U)
=(X,U)

This way a VP is formed which semantically corresponds to a predicate, the


extension of which is the set of all kinds identical to whatever whale kind is
represented by U. As noted above, I assume that this predicate appears in (17)
as well as in (18). How does the meaning of this predicate compose with the
meanings of the respective subject expressions?
Farkas & de Swart (2003) speak of “A-instantiation” when the meaning of
an argument expression saturates the argument slot of a predicate. Technically,
A-instantiation is the substitution of the predicate’s thematic argument by the
argument’s discourse referent. Let us look at (18) first. In analogy to (20), the
subject NP introduces a kind referent:
(22) [NP a blue whale]
V
blue whale(V)
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 177

The NP introduces a discourse referent standing for a kind, which is required


to satisfy the description associated with blue whale. I assume that, unless there
is information to the contrary, the discourse referent will be interpreted as stan-
ding for the (maximum) kind ‘blue whale’ named by the head noun. Due to this
default mechanism, the condition “blue whale(V)” is specified to “blue wha-
le=V”. If the resulting NP syntactically combines with the predicate is a whale,
the discourse referent V of the NP will a-instantiate the thematic argument X of
the predicate:

(23) a. [VP is a whale]


U
whale(U)
=(X,U)
↓ A-instantiation

b. [S [NP a blue whale][VP is a whale]]


VU
whale(U)
=(V,U)
blue whale=V

The sentence (18) is true in all situations (models) into which the DRS (23b)
is embeddable. These are all those situations in which there is the kind ‘blue
whale’ and in which this kind is identical to a kind satisfying the description
associated with whale. In other words, the sentence is true in all situations in
which the taxonomic domain is structured in such a way that the kind ‘blue
whale’ forms a subkind of the kind ‘whale’, as exemplified in figure 8.12.

MAMMAL

WHALE

BLUE WHALE

Abbildung 8.12: whale and blue whale


8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 178

The proposed analysis can likewise account for identity sentences like the ones
in (24). I take this to be self-evident. The two NPs in (24c) refer to one and the
same (kind) entity:
(24) a. A blue whale is a blue whale.
b. A rose is a rose.
c. A department of defense is a war department.
Let us turn to (17). The problem here is that the subject expression Moby Dick
is object-referring. How can its meaning compose with the meaning of the kind-
level predicate (21b)? My solution to the Moby Dick problem rests on assump-
tions that I argued for in chapter 6 of this dissertation. Here, I repeat only the
gist of it.
Formal semanticists adopt a very abstract perspective onto the empirical facts
to be accounted for. This is necessary to make mathematical tools (in particular
set theory) available for the description of linguistic meanings. Only at a very
abstract level of representation, entities of very different ontological sorts can be
treated on a par as elements describable in set theoretical terms. Unfortunately,
in the case of kinds and objects, essential differences tend to become blurred by
abstracting away from the real nature of things. This is because the difference
between kinds (types) and objects (tokens) lies at the heart of cognition.
The domain of objects is the domain (real world) we live in; the domain of
kinds, by contrast, is the domain that we mentally represent (or construct) in
order to sort the real world we live in. This difference has strong implications.
Whereas objects exist in the common sense of existence, namely in the sense of
existence in space and time, kinds “only” exist in some metaphorical sense of
existence, namely in the sense of existence in the mind. Representing linguistic
meanings as sets made up of entities of various ontological sorts and taking
the overall set of these entities to be the “world” (model), we are in danger of
tracing over the different modes of existence of objects and kinds. Specifically,
we are in danger of tracing over the fact that, cognitively, objects can only be
accessed via kinds.
The purpose of sorting the world of objects into kinds is not to make lingui-
stic life easier, but rather to make it possible at all. By means of categorisation,
a conceptual level of symbolic representation is established without which lan-
guage (and not only language) would be unthinkable. Language is the symbolic
system that enables us to communicate with each other about the real world (of
objects) we live in. Therefore, to talk about real objects, we have to start off
from the conceptual kind domain.
This way of looking at things holds the key to solve the Moby Dick problem.
In this dissertation, I formulate it as the dual-reference-hypothesis. Here it is
again in the DRT version:
8.8. KIND-LEVEL PREDICATIONS AND THE MOBY DICK PROBLEM 179

D UAL -R EFERENCE -H YPOTHESIS (DRT version) Every expres-


sion introducing an object discourse referent must at the same time
introduce a kind discourse referent, and a condition which determines
that the respective object must be an instance of the respective kind.
That reference to objects always involves a kind is pointed out by sortalists
like, for instance, Macnamara et al. (1994), Xu (1997) or Carey & Xu (1999);
compare also chapter 2. Semanticists like Krifka (1995:399) and Dölling (1992,
1993) make the same observation, which leads them to conclude that the kind
domain is ontologically prior to the object domain.
Note that this view implies a quite unusual semantics for proper names. From
a sortalist perspective, reference to an object by means of a proper name involves
a kind, too (Macnamara et al. 1994). Accordingly, a proper name like Moby Dick
induces a DRS containing an object discourse referent, a kind discourse referent
and a relation holding among them. This amounts to the following DRS (the
relation loc, mnemonic for “spatiotemporal localisation”, is a close relative of
the realisation relation R discussed above):
(25) [NP Moby Dick]
vV
Moby Dick=v
loc(v,V)

Thus, I assume that a proper name does not only introduce an object discourse
referent v into the discourse, but also a kind discourse referent V. For which kind
exactly V is standing is semantically underspecified, and must be determined by
pragmatics. What is known about this kind is only that the bearer of the name
must be an instance of it; the semantics allows for a wide range of values for V.
The Moby Dick problem can now easily be solved. Given that (25) is the
semantic representation of Moby Dick, the kind-level predicate is a whale can
assign its property to the kind symbolised by the kind discourse referent V.
In terms of Farkas & de Swart’s extended DRT-version, we can say that the
kind discourse referent V a-instantiates the thematic kind argument X of the
predicate:
(26) a. [VP is a whale]
U
whale(U)
=(X,U)
↓ A-instantiation
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 180

b. [S [NP Moby Dick][VP is a whale]]


vVU
whale(U)
=(V,U)
Moby Dick=v
loc(v,V)

Given the dual-reference-hypothesis is true, a uniform semantic analysis of the


predicate is a whale in (17) and (18) is possible. The generic character of both of
these sentences (the feeling that the assigned property says something essential
or defining about the respective subject referent) is due to the fact that, in both
cases, the predicate is kind-level.

8.9 Predicational sentences

Let us now turn to the class of copular sentences that Geist (2004), in the traditi-
on of Higgins, calls predicational sentences. The following is a simple example
from German. It has the same kind of morphosyntactic structure as has the Mo-
by Dick sentence (17):
(27) Peter ist ein Geiger.
P. is a violinist
‘Peter is a violinist.’
Figure 8.13 (next page) shows the standard analysis for this sentence, based
on the copular of predication. I demonstrate how the sentence is analysed on
the alternative account which makes use of the copular of identity. Figure 8.14
shows the respective semantic composition of the kind-level predicate ist ein
Geiger involving the copular of identity, spelled out in terms of predicate lo-
gic. As above, capital letters X,Y,Z,. . . represent kind-level variables and small
letters x,y,z,. . . represent object-level variables. The indefinite article is semanti-
cally conceived as a choice function10. For ease of exposition, the article and the
copular in figure 8.14 are both represented as kind-level expressions. It would
be more appropriate, however, to leave the German articles and the German
copular semantically underspecified with respect to kind-level/object-level di-
stinction. Instead of being of the semantic type <<ek>,<ek ,t>>, the copular
10 Ifollow Chung & Ladusaw (2004) in conception and representation of the choice
function.
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 181

Peter ist ein Geiger


VIOLINIST(P)
<t>

Peter ist ein Geiger


P λ x.VIOLINIST(x)
<e> <e,t>

ist ein Geiger


λ Pλ x.P(x) λ y.VIOLINIST(y)
<<e,t>,<e,t>> <e,t>

Abbildung 8.13: the standard analysis of a predicational sentence

would be of the semantic type <<e>,<e,t>>. And instead of being of the se-
mantic type <<ek ,t>,ek>, the indefinite article would be of the semantic type
<<e,t>,e>11.

ist ein Geiger


λ X.X=f(VIOLINIST)
<ek,t>

ist ein Geiger


λ Yλ X.X=Y f(VIOLINIST)
<<ek>,<ek,t>> <ek>

ein Geiger
choice function λ Z.VIOLINIST(Z)
<<ek ,t>,ek> <ek,t>

Abbildung 8.14: the composition of a kind-level predicate

11
The Spanish copular ser is of the semantic type <<ek >,<ek ,t>>, in contrast to the
second Spanish copular, estar, which is of the semantic type <<eo>,<eo ,t>>. But this
is a different story.
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 182

In terms of DRT, the semantics of ist ein Geiger is derived as in (28), in analogy
to (21):
(28) a. [N Geiger]

violinist(X)

↓ D-instantiation

b. [NP ein Geiger]


U
violinist(U)

↓ application of the copular

c. [VP ist ein Geiger]


U
violinist(U)
=(X,U)

Its semantic composition with the meaning of the proper name Peter likewise
proceeds in analogy to the Moby Dick case:
(29) a. [VP ist ein Geiger]
U
violinist(U)
=(X,U)
↓ A-instantiation

b. [S [NP Peter][VP ist ein Geiger]]


vVU
Geiger(U)
=(V,U)
Peter=v
loc(v,V)
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 183

Accordingly, (27) expresses that Peter is an instance of a kind identical to some


violinist kind. The sentence will be true if, within the kind extension of Geiger,
there is a kind of which Peter is an instance. Note that, given this analysis, the
postcopular NP is not non-referential. It is referential because it refers to some
violinist kind. To request it, the question word was (what) must be used:
(30) Was ist Peter? – Peter ist ein Geiger. Außerdem ist er ein guter
what is P. P. is a violinist moreover is he a good
Koch.
cook
‘What (kind of person) is Peter? – Peter is a violinist. He is also a good
cook.’
The person asking the question in (30) is acquainted with Peter, but wants to
learn more about him. The question targets at properties making up the personal
identity of Peter. What is asked for is what sort of person Peter is. What is asked
for is, in other words, the kinds instantiated by Peter. The person giving the
answer replies two such kinds, ‘violinist’ and ‘good cook’.
However, the NP ein Geiger can also be understood as referring to an object.
In this case, the predicate ist ein Geiger forms an object-level predicate; its
extension covers the set of all objects which are identical to the violinist object
referred. To ask for the latter, the question word wer (who) has to be used 12 . Let
us look at an example.
Imagine the following situation: Together with your best friend Katharina
you visit a concert of the Leipzig Gewandhausorchester. Katharina wants to
show you her new lover, Peter, who is a member of the orchestra. You take your
seats, the musicians enter the stage, the concert is about to start. You are curious,
and so you ask Katharina. And she answers:
(31) Wer ist Peter? – Peter ist ein Geiger, und zwar der zweite von
who is P. P. is a violinist specifically the second from
links, der mit den lockigen Haaren.
left the with the curly hair
‘Who is Peter? – Peter is a violinist. In fact, the second one from the
left, the one with the curly hair.’
This time, the person asking is not acquainted with the bearer of the name Peter.
The very goal of the question is to find out who Peter is. Thus, what is asked for
is an object. The person answering (Katharina) identifies the requested object
by using the referential indefinite NP ein Geiger.
12 Another possibility is welcher (which one).
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 184

Kind-level predications are understood generically, object-level predications


episodically. Imagine another performance of the Gewandhausorchester. This
time Peter is not playing the violin but the trumpet. Katharina whispers to you:
(32) Peter ist ein Geiger.
P. is a violinist
‘Peter is a violinist.’
Is (32) true or false given the described situation? It depends on what Katharina
means. If Katharina intends to utter a kind-level predication, the sentence may
well express a true proposition even though Peter is not playing the violin at the
respective moment. The sentence will be true, for example, if Peter is a violinist
by profession, but in the given situation he has to jump in for a trumpet player
who got ill at short notice. Although Peter is not actually playing the violin, he
qualifies for a referent of the kind term ein Geiger. If Katharina’s intention is
to to utter an object-level predication, however, the sentence will express a false
proposition. The reason is that, by playing the trumpet, Peter does not qualify for
a referent of the object term ein Geiger. To utter a true object-level predication,
Katharina would have to say something like (33):
(33) Normalerweise ist Peter ein Geiger, aber heute ist Peter ein
usually is P. a violinist but today is P. a
Trompeter.
trumpet player
‘Usually, Peter is a violinist, but today, he is a trumpet player.’
In (29) we saw the semantic representation induced by the sentence structure
Peter ist ein Geiger in the kind-level reading. (34) shows the semantic repre-
sentation of the same sentence structure in the object-level reading. The first
difference is that in the latter case, the meaning of the NP ein Geiger under-
goes spatiotemporal localisation. As a consequence, the interpretation of the
NP entails the existence of an object satisfying the description associated with
Geiger. In other words, its interpretation entails the existence of some spatio-
temporal manifestation of the kind ‘violinist’. The second difference is that the
copular takes not a kind but an object as argument:
(34) a. [N Geiger]

violinist(X)

↓ spatiotemporal localisation
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 185

b. [N Geiger]

violinist(X)
loc(x,X)
↓ D-instantiation

c. [NP ein Geiger]


uU
violinist(U)
loc(u,U)
↓ application of the copular

d. [VP ist ein Geiger]


uU
violinist(U)
loc(u,U)
=(x,u)
↓ A-instantiation

e. [S [NP Peter][VP ist ein Geiger]]


vVuU
Geiger(U)
loc(u,U)
Peter=v
loc(v,V)
=(v,u)

Summing up, we saw that the German sentence Peter ist ein Geiger allows for
two interpretations. Under the first interpretation, the truth or falsity of the sen-
tence depends on the perceivable conditions holding in the actual world of ob-
jects (which particular instrument Peter is playing; more abstractly put, which
role he is actually performing). Under the second interpretation, the truth or fal-
sity of the sentence depends on the relations holding within the kind taxonomy
(as what kind of musician Peter is categorised by us; which role we expect him
to perform).
8.9. PREDICATIONAL SENTENCES 186

Of a particular person (like Peter), the predicate ist ein Geiger may be (i) true
as a kind-level predicate and true as an object-level predicate, (ii) true as a kind-
level predicate and false as an object-level predicate, (iii) false as a kind-level
predicate and true as an object-level predicate, (iv) false as a kind-level predicate
and false as an object-level predicate. In the case of (i), Peter will do what we
expect him to do (playing the violin). In the case of (ii), the conditions holding in
the object domain do not map the conditions holding in the kind domain. Peter
is not doing what we expect him to do (playing the violin), but something else
(playing the trumpet, sleeping, . . . ). In the case of (iii), we would not expect
Peter to play the violin but, to our surprise, this is exactly what he is doing.
Finally, in the case of (iv), we would not expect Peter to play the violin and,
indeed, he is not doing so.
As noted above, the distinction between kind-level and object-level predica-
tions manifests itself in the grammar of German with respect to the selection
of question words. Apart from that, it is reflected in the form of the pronoun
which is chosen to anaphorically pick up the referent of a left dislocated subject
(Altmann 1981):
(35) a. Peter, der ist ein Geiger.
P. Pron.MASC is a violinist
‘Peter is a violinist.’
b. Peter, das ist ein Geiger.
P. Pron.NEUT is a violinist
‘Peter is a violinist.’
Whereas (35a) allows for both interpretations, (35b) is restricted to the kind-
level interpretation. This is evidenced by the following example:
(36) Sieh doch nur! Peter, {*das/ der} ist heute ein Geiger.
Look! P. Pron.NEUT Pron.MASC is today a violinist
‘Look! Peter is a violinist today.’
In German and English, the contrast between kind-level and object-level pre-
dications manifests itself indirectly as a “covert grammatical category” (Bach
1994); in other languages it is directly expressed by overt grammatical means.
Russian is a well-known case in point: in non-present tense contexts, instrumen-
tal case on the postcopular NP signals that the predication is object-level.
(37) a. Puškin byl velikij poėt.
P. was famous.NOM poet.NOM
‘Pushkin was a great poet’
8.10. IDENTIFICATIONAL SENTENCES 187

b. Puškin byl velikim poėtom.


P. was famous.INSTR poet.INSTR
‘Pushkin was a great poet at his time’

8.10 Identificational sentences

Typical identificational sentences are sentences in which a precopular object


term combines with a postcopular definite description:
(38) a. Walter Scott is the author of Waverley. [Geist 2004]

b. Peter ist der mit den lockigen Haaren.


P. is the with the curly hair
‘Peter is the one with the curly hair’
c. I am your new neighbour.
Apart from the referent of the subject-NP, there can be no object which fulfills
the condition of the predicate. According to this criterion, the following example
is no identificational sentence:
(39) Look kids, this is the lion. [Krifka et al. (1995)]

Geist observes that sentence (38a) is two-way ambiguous. On the one hand,
it can be used to acquaint the hearer with Walter Scott; on the other hand, it
can be used to inform the hearer, who is already acquainted with Walter Scott,
about (more) properties of Walter Scott. The latter reading can be called the
“biography reading”:
Als Antwort auf die Frage Wer ist Walter Scott? wird der Autor von
“Waverley” referentiell interpretiert und entspricht syntaktisch einer
DP. In einem biographischen Kontext oder als Reaktion auf die Auffor-
derung Erzähl mir mehr über Walter Scott, würde die Nominalgruppe
der Autor von “Waverley” [...] einen anderen grammatischen Status ha-
ben. In diesem Fall würde der Autor von “Waverley” eine Eigenschaft
bezeichnen (Geist 2004:67)
As an answer to the question Who is Walter Scott? the expression the
author of “Waverley” will be interpreted referentially, syntactically
corresponding to a DP. In the context of a biography or as a reacti-
on to the request Tell me more about Walter Scott, the NP the author of
“Waverley” [...] would have a different grammatical status. In this case,
the author of “Waverley” would denote a property (own translation)
8.10. IDENTIFICATIONAL SENTENCES 188

Obviously, the ambiguity of Walther Scott is the author of “Waverley” resem-


bles the ambiguity of the above-discussed Peter ist ein Geiger. The difference
lies only in the (in)definiteness of the postcopular NP. I agree with Geist that
the semantic type of the postcopular NP is the locus of the ambiguity. Unlike
Geist, however, I believe that, under both possible interpretations, the postcopu-
lar NP is a referential expression. In the biography reading, it is kind-referring
(of semantic type <ek>); in the acquainting reading, it is object-referring (of
semantic type <eo >).
The semantic representations that I offer are structurally identical to the two
representations offered for Peter ist ein Geiger. The only difference is that, in
(38a), the presence of the definite article imposes an additional condition on the
discourse referent of the postcopular NP. For ease of exposition, I follow Kamp
& Reyle (1993) in noting the semantic impact of the definite article simply as
an additional relation in the condition set of the DRS13 .
The semantics of the sentence in the biography reading, that is, as a kind-level
predication, that is, as a predicational sentence, is as follows:

(40) a. [S [NP Walter Scott][VP is the author of “Waverley”]]


vVU
author of “Waverley”(U)
definite(U)
Walter Scott=v
loc(v,V)
=(V,U)

The semantic representation of the sentence as an object-level predication, that


is, as an identificational sentence, corresponds to the following DRS:

(41) a. [S [NP Walter Scott][VP is the author of “Waverley”]]


vVuU
author of “Waverley”(U)
loc(u,U)
definite(u)
Walter Scott=v
loc(v,V)
=(v,u)
13 Geurts (1999) shows how to implement the presupposition-inducing semantics of
definite NPs into the DRT framework (see also chapter 7, section 2).
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 189

The possibility that there are two or more authors of “Waverley” is ruled out
under the object-level interpretation (41). Not so under the kind-level interpre-
tation (40). Understood as a predicational sentence, (38a) could be continued
by, for example, . . . , and his wife, too without leading to a contradiction14 .

8.11 Specificational sentences

The typical specificational sentence consists of a definite description which is


followed by the copular verb which in turn is followed by a proper name. Mik-
kelsen (2002, 2004) observes that in the question tag of an English specificatio-
nal sentence (42a), unlike in the question tag of a predicational sentence (42b),
the pronoun it must be used. She counts this as evidence that the precopular
NP15 of a specificational sentence is non-referential, i.e. of semantic type <e,t>:
(42) a. The lead actress in that movie is Ingrid Bergman, isn’t it?
b. The lead actress in that movie is Swedish, isn’t {she/*it}?
The question tag test is not applicable to German, but the contrast at issue can
be observed with respect to pronoun choice at the level of discourse. Consider
the following dialogue, adopted from Geist (2004:57). If the precopular NP of
the specificational sentence is anaphorically picked up by a personal pronoun
of identical gender, the text will be awkward. The adequate choice is the neuter
pronoun es (the specificational sentence is bold-faced):
(43) Wer war der Mörder? – Der Mörderi war Raskolnikov. – Nein, das
who was the murderer the murderer was R. no this
glaube ich nicht. – Doch, {es/ #eri } war wirklich Raskolnikov.
believe I not yes it he was really R.
‘Who was the murderer? – The murderer was Raskolnikov. – No, I don’t
believe that. – But it was really Raskolnikov.’
For Geist, this is evidence that the precopular NP is not an argument expression,
but rather a predicate. However, as she points out, there is evidence for the
opposite conclusion, too.
Da NP1 eine Existenzpräsupposition enthält, kann sie nicht als eine
prädikative NP analog zu Lehrer in Er ist Lehrer analysiert werden,
14
Compare the discussion in chapter 6, section 5.
15 Whether or not the precopular NP of a specificational sentences is the syntactic
subject of the sentence is an open question (cf. Matić 2007). Therefore, I will use the
neutral term “precopular NP” throughout this chapter. For the same reason, Geist speaks
of “NP1”.
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 190

weil solche genuin prädikativen NPn keine Existenz von Referenten


präsupponieren. (Geist 2004:58)
Because NP1 entails an existence presupposition, it cannot be analysed
as a predicative NP in analogy to Lehrer (a teacher) in Er ist Lehrer
(He is a teacher), because such genuinely predicative NPs do not pre-
suppose the existence of referents. (own translation)
On the one hand, there is reason to analyse the precopular NP as a predicate;
on the other hand, there is reason to analyse it as an argument. How to solve
this problem? Geist suggests to analyse precopular NPs in specificational sen-
tences as belonging to a special syntactic category, “IdentDP”, associated with
special semantic features. Basically, IdentDPs are predicates, i.e. they are of the
semantic type <e,t>. Because, unlike ordinary predicates, their derivation in-
volves the derivational stage of an argument-DP (semantischer Typ <e>), they
presuppose the existence of an object individual, in spite of being predicates:
Die IdentDP impliziert die Existenz eines Referenten, weil die Vorstufe
von IdentDP eine referenziell abgeschlossene DP ist. [. . . ] Da aber die
IdentDP als Ganzes ein Prädikat ist, ist sie kein geeignetes Antezedens
für ein Personalpronomen. (Geist 2004:60)
The IdentDP implies the existence of a referent because the derivatio-
nal stage prior to IdentDP is a referentially bounded DP. [. . . ] Because
the IdentDP as a whole is a predicate, however, it is no appropriate
antecedens for a personal pronoun. (own translation)
In German, the peculiarity of the precopular NP of a specificational sentence
can also be observed in connection with left dislocated subjects. Compare the
following contrast, adopted from Altmann (1981)16:
(44) a. Karl Krause, {? das/ der} ist der Liebhaber von Auguste.
K.K. Pron.NEUT Pron.MASC is the lover of A.
‘Karl Krause is the lover of Auguste’
b. Der Liebhaber von Auguste, {das/ ? der} ist Karl Krause.
the lover of A. Pron.NEUT Pron.MASC is K.K.
‘The lover of Auguste is Karl Krause’
Interestingly, this pattern can also be observed with indefinite NPs (Altmann
1981:246):
16
Here I reproduce Altmann’s judgements. To my mind, the neuter pronoun in (44a)
is acceptable. With respect to the critical datum, however, I agree with Altmann: the
masculine pronoun in the specificational sentence (44b) is odd.
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 191

(45) a. Karl Krause, {? das/ der} ist ein Liebhaber von Auguste.
K.K. Pron.NEUT Pron.MASC is a lover of A.
‘Karl Krause is a lover of Auguste’
b. Ein Liebhaber von Auguste, {das/ ? der} ist Karl Krause.
a lover of A. Pron.NEUT Pron.MASC is K.K.
‘A lover of Auguste is Karl Krause’
The assumption of a new category “IdentDP” has the drawback that it extends
the range of possible noun phrase interpretations. In addition to Partee’s (1987)
predicative, referential and quantificational noun phrases, we would have to cal-
culate with IdentDPs. The less meaning formats we need in association with a
single form, the better from a theoretical point of view (ideally, one form cor-
responds to one semantic type). Therefore, I want to propose an alternative to
Geist’s solution that does without postulating a new syntactic category for an
article-noun syntagm. I will explain the peculiarity of the precopular NP of a
specificational sentence exclusively by general, linguistically well-established
principles17.
The first “general principle” is the assumption that a referential expression, li-
ke the definite NP the murderer, can determine its referent either in the object
domain or in the kind domain (Carlson 1977, Krifka et al. 1995, Dayal 2004).
17
It seems to me that Geist’s idea of a covert type shifter which maps (referential)
DPs, when they appear in syntactic predicate position, onto (non-referential) IdentDPs
faces a conceptual problem, too. Geist’s operator is automatically activated whenever a
certain kind of expression appears in a predicative position. Syntactically, this expression
must be a syntagm of an overt article and a nominal, i.e. a DP. Semantically, it must be a
referential (or existentially quantified) expression. Geist must include the semantic con-
dition in order to prevent the operator from automatically applying to expressions like
a doctor in predicational sentences like Mary is a doctor. Thus, Geist subscribes to the
common view that the postcopular NP of a predicational sentence is a predicate, in spite
of the overt determiner. According to this view, an overt article can be “semantically
vacuous” (Heim & Kratzer 1998) or “semantically idle” (Geist 2004:32) under special,
well-defined circumstances. The problem is that these “special circumstances” are ex-
actly the circumstances for which Geist’s type shifter is defined. As a consequence, there
are two possibilities how an article-noun syntagm can be interpreted in <e,t>-position.
Either, the predicative position causes the article to be semantically vacuous; what looks
like a DP is in reality an NP. Or, the article is not vacuous but displays its ordinary mea-
ning, creating a regular DP in predicative position. Now, the predicative position causes
Geist’s type shifter to appear which in turn transforms the DP into a predicative IdentDP.
Importantly, the type shifter can only apply if the predicative position does not cause the
article to be semantically vacuous beforehand. The question is: What can prevent this
from happening?
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 192

The second “general principle” can only be understood against the background
of the first: if a kind-referring expression appears in the argument slot of an
object-level predication, instances (objects) of the kind will be inferred. I take
this semantic effect, which Chierchia (1998) calls “derived kind predication”,
to be crucial for the understanding of specificational sentences; specifically, for
understanding the special referential-semantic character of the precopular NP.
By referring to the rule of derived kind predication (DKP-rule), Chierchia
manages to explain why a sentence like (46a) entails the existence of (at least)
one particular potato (“potato-object”) in the 18th century, even though the sub-
ject NP the potato by itself does not refer to a particular potato. The other ex-
amples in (46) can be explained by the same token (cf. Krifka et al. 1995:12):
(46) a. The potato reached Europe in the 18th century.
b. Man set foot on the Moon in 1969.
c. The rat was reaching Australia in 1770.
Why should the DKP-mechanism be restricted to definite subjects of verbal pre-
dicates? I claim that it can participate in copular sentences too. A specificational
sentence is a copular sentence in which the (definite) precopular NP is a kind
term and in which the copular verb together with the postcopular NP forms an
object-level predicate. The speaker utters a specificational sentence in order to
provide the hearer with information inform about a certain kind. In particular,
the speaker specifies who (or what) it is that instantiates the kind18 :
(47) a. The language of good science is bad English.
b. The lead actress in that movie is Ingrid Bergman.
c. Today, the duty nurse is Rina.
d. Der Gewinner ist Peter.
the winner is P.
‘The winner is Peter.’
If the precopular NP introduces only a kind referent into the discourse, the use
of the pronoun (s)he in a question tag will be impossible because the use of
(s)he in a question tag is generally restricted to object reference:
(48) a. ? The
Neanderthal has died out, hasn’t he?
b. ? The
Neanderthal lived from about 130,000 to 30,000 years ago,
didn’t he?
c. The Neanderthal has died out. He lived from about 130,000 to
30,000 years ago.
18 Thiskind-based analysis of specificational sentences is presented in more detail in
Mueller-Reichau (2007).
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 193

d. The Neanderthal has died out. They lived from about 130,000 to
30,000 years ago.

As (48c) shows, the English pronoun (s)he can refer to a kind. In a question tag,
however, it cannot (49a-b)19.
To sum up so far, I propose to analyse the precopular NP of a specificational
sentence as a referential expression. Its peculiarity is explained by the assumpti-
on that it refers not to an entity of the ontological sort object, but to an entity of
the ontological sort kind. This is contra to Mikkelsen and Geist, who both ana-
lyse the precopular NP of a specificational sentence as a predicative expression.
Whereas for them, the NP the murderer in the murderer is Raskolnikov is of the
semantic type <e,t>, for me, it is of the semantic type <e>, more precisely:
<ek>.
I take it to be an advantage of my analysis that, with respect to noun phrases,
it amounts to a very simple relationship between the syntactic form and the se-
mantic content. We can state the following simple rule (cf. chapter 7, section 6):
The syntactic category NP corresponds to the semantic type <e>. Sometimes,
an NP is of semantic type <eo>; sometimes, it is of the semantic type <ek >.
At any rate, the semantic function of an NP is always to introduce a reference
marker into the discourse.
Mikkelsen (2005b:9) points to a drawback of her own theory. How can a non-
referential expression provide the topic of the utterance? It is another advantage
of my analysis that it does not face this problem: the topic of a specificational
sentence is a kind.
However, my proposal faces a problem, too. Remember that, as pointed out
by Geist, the precopular NP of a specificational sentence carries an existence
presupposition. I cannot account for that. Under the assumption that the NP the
murderer in The murderer is Raskolnikov is a kind term, the murderer cannot
semantically entail the existence of objects, let alone presuppose it. To defend
my thesis, I have to demonstrate that, upon interpreting the precopular NP of
a specificational sentence, the existence of objects is not presupposed. Geist
(2004:57-58) uses the classic negation test to prove the presence of an existence
presupposition, applying it to the following example:

(49) Unsere neue Mitarbeiterin ist nicht Frau Schmidt.


our.FEM new.FEM colleague.FEM is not Mrs. S. .
→ presupposition: We have a new colleague
19
My informants accepted (48c), but still preferred (48d) in which the pronoun refers
to the instantiation set of the kind referred to by the Neanderthal. I count this as a further
piece of evidence that a gendered pronoun and reference to a person kind do not fit well.
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 194

I completely agree with Geist that the truth or falsity of (49) presupposes the
truth of the sentence We have a new colleague. However, I deny that (49) is (in
the more neutral context) understood as a specificational sentence. Structurally,
(49) is ambiguous. Depending on whether the precopular NP is interpreted at the
kind-level or at the object-level, we do or we do not deal with a specificational
sentence. With respect to (49), the preferred interpretation is not specificational,
but identificational.
(50) We had invited our new neighbour for dinner.
{He/It} was a young man with sporty looks. [Bache & Davidsen-Nielsen 1997:406]

Example (50) illustrates that both, the pronoun he and the pronoun it, can be
used to anaphorically refer to the referent of the expression our new neighbour.
Given that he is used if the referent of our new neighbour is an object and it if
it is a kind, the sentence (51) turns out to have two readings:
(51) Our new neighbour was a young man with sporty looks.
On the one hand, our new neighbour can refer to an object. This object will be
asserted to be identical to the object referred to by the postcopular NP a young
man with sporty looks. In this identificational reading, the precopular definite
description could be replaced by the pronoun he. On the other hand, our new
neighbour can refer to a kind, and this kind will be asserted to be instantiated
by the object referred to by the postcopular NP. In this specificational reading,
the precopular definite description cannot be replaced by the pronoun he. Be-
cause only in the case of the identificational interpretation our new neighbour
is an object-level expression, only in this case it is associated with an existence
presupposition.
Mikkelsen points out that it is not impossible to use the pronoun (s)he in the
question tag of an apparent specificational sentence:
(52) a. The lead actress in that movie is Ingrid Bergman, isn’t {it/she}.
b. The tallest girl in the class is Molly, isn’t {it/she}.
However, Mikkelsen considers the examples with she in the tag not to be speci-
ficational sentences:
A natural interpretation of these facts, is that The lead actress in that
movie is Ingrid Bergman is ambiguous between an equative reading
(forced by she) and a specificational reading (forced by it). (Mikkelsen
2002:150)
[W]ithout the tag (52b) is ambiguous between a specificational reading
and an equative reading (due to the possibility of either a predicative or
referential interpetation of the definite description). The specificational
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 195

reading, which is the more neutral one, is forced by using it in the


tag, whereas the equative reading is forced by using she in the tag.
(Mikkelsen 2004:107 [Number adjusted] )
Thus, there is good reason to assume that there are two interpretive options
for the precopular NP in Geist’s example (49). In one reading, the NP unsere
neue Mitarbeiterin refers to an object. Of course, for the definite description
unsere neue Mitarbeiterin to successfully refer to an object, we must have a
new colleague. This is not the specificational reading, however. From the fact
that the interpretation of the precopular NP in (49) presupposes the existence of
an object referent we cannot conclude that the precopular NP in a specificational
sentence presupposes the existence of an object referent.
Next, I want to demonstrate that the negation test, when applied to specifica-
tional sentences, proves that there can be no existence presupposition associated
with the precopular NP. Imagine the following situation: Karpov and Kasparov
are about to play a chess match. You bet me 10 Dollars that Karpov will win
and I accept your bet. Hence, you will have to pay me 10 Dollars either if Kar-
pov wins, or if they end in a draw. After the match (which, for some reason,
you could not witness) I inform you about the result, by saying the following
German words20:
(53) Sie haben Remis gespielt. Der Gewinner ist also NICHT Karpov. Du
they have draw played the winner is thus not K. you
schuldest mir 10 Dollar.
owe me 10 $
‘They ended in a draw. So the winner isn’t Karpov.’
This shows that the negated specificational sentence can be uttered in situations
where there is no winner. Note that the information about the non-existence of
a winner is given directly before the critical NP der Gewinner (the winner) is
uttered. By the same token, we are not committed to believe in the real existence
of someone who can please Mary or in the real existence of the Antichrist given
the truth of the following sentences.
(54) a. The one to please Mary is definitely not Peter.
b. The Antichrist is definitely not George W. Bush.
Obviously, the use of a definite description in the precopular slot of a specifi-
cational sentence does not require the actual existence of an object satisfying
the description. This is unexpected under the assumption that the precopular NP
20 The negation word is accentuated. This is necessary to make sure that the negation
is not interpreted with local focus on Karpov.
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 196

carries an existence presupposition. The use of a definite description in a speci-


ficational sentence only requires the expected existence of an object satisfying
the description. Analysing the precopular NP of a specificational sentence as an
expression referring to a kind (associated with a singleton instantiation set), we
predict that there need not be instances. After all, kinds are intensional entities,
which define potential objects and which may, but need not, have actual object
instances. But where does the expectation of instances come from?
Due to the presence of the definite article, the kind referred to by the defini-
te NP must be understood as a kind which is well-established in the common
ground of speaker and hearer (Krifka et al. 1995:11). As the purpose of esta-
blishing kinds is to sort real objects, upon encountering a well-established kind,
we are tempted to infer the existence of instances of the kind (or, if the kind
is associated with a singleton instantiation set, of the one instance of the kind).
Why, the reasoning goes, should the speaker talk about a well-established kind
if it had no instances?
In a sense, we can say about a well-established kind that it is “familiar”.
To refer to well-established kinds is to refer to discourse-familiar entities at
the kind-level. The interpretation of a definite kind-level NP presupposes the
“existence” (establishedness) of the kind in the universe of discourse. In other
words, a definite precopular NP of a specificational sentence does carry an exi-
stence presuppositon, not regarding an object but regarding a kind.
Given a kind is well-established, the existence of instances of it is likely, but
not necessary. Indeed, we may well refer to kinds which are presupposed to
exist in the common ground, but which lack instances:
(55) a. The unicorn has a horn.
b. The Neanderthal man no longer exists.
c. The one to please Mary must still be born.
As far as I can see, nothing speaks against the analysis according to which the
precopular NP of a specificational sentence is a kind term, and the postcopular
NP is an object term. How do these constituents semantically compose with
each other? Let us take the sentence The winner is Peter for example. Being a
kind term, the meaning of the precopular NP is derived as follows. Again, I note
definiteness provisionally in the condition set as “definite(U)”.
8.11. SPECIFICATIONAL SENTENCES 197

(56) a. [N winner]

winner(X)

↓ D-instantiation

b. [NP the winner]


U
winner(U)
definite(U)

The derivation in (57) shows the composition of the object predicate is Peter.
Remember that a proper name introduces three things into the DRS: an object
discourse referent which represents the bearer of the name, a kind discourse
referent which is semantically underspecified, and a condition which says that
the object referent must be an instance of the kind referent:
(57) a. [NP Peter]
vV
Peter=v
loc(v,V)
↓ application of the copular

b. [VP is Peter]
vV
Peter=v
loc(v,V)
=(x,v)

The step from (57a) to (57b) represents the semantic computation of the copular.
The copular verb contributes a relation of identity holding among two objects.
Its composition with the postcopular NP Peter yields the (episodic) object level
predicate is Peter. This predicate denotes the set of all objects identical to Peter.
According to my analysis of specificationals, the argument position of the
object-level predicate is occupied by a kind-level NP. In (58) we see the resulting
mismatch: As the kind term the winner does not provide an object discourse
8.12. IDENTITY SENTENCES 198

referent, the thematic object argument x of is Peter cannot be instantiated (the


dotted line separates the conditions brought in by the kind-level argument from
the conditions brought in by the object-level predicate):
(58) [S The winner is Peter]
UvV
winner(U)
definite(U)
.......................
Peter=v
loc(v,V)
=(x,v)

The required object discourse referent can be inferred, however, because the
constellation arrived at in (58) is exactly the constellation for which Chierchia’s
DKP-rule is defined. The application of the DKP-rule brings about the instan-
tiation of the thematic object argument of the predicate is Peter.
(59) [S The winner is Peter]
UuvV
winner(U)
definite(U)
loc(u,U)
Peter=v
loc(v,V)
=(u,v)

Please note that the definiteness condition does not relate to the inferred object
discourse referent u, but only to the initially established kind discourse referent
U.

8.12 Identity sentences

A classic identity sentence is made up of two proper names flanking the copular
verb:
(60) a. Cicero is Tullius.
b. Superman is Clark Kent.
8.12. IDENTITY SENTENCES 199

c. Norma Jean Baker is Marilyn Monroe.


d. The morning star is the evening star.
Identity sentences require a very special context. Mikkelsen describes it as fol-
lows:
[T]o use them, we need a context where the hearer has revealed in some
way that he or she is harboring a misconception about the names and/or
identities of certain individuals (Mikkelsen 2004:81)
Less attention has been paid to identity sentences in which two kind terms flank
the copular verb. (61) shows some examples:
(61) a. The AK 47 is the Kalashnikov.
b. If Reinhold Messner is right, the yeti is nothing but the brown bear.
c. The output of the morphological system is the input to syntactic
system.
Identity sentences equating two kinds have similar conditions of use as have
identity sentences equating two objects. To use Mikkelsen’s words, the hea-
rer must harbour a misconception about the names and/or identities of certain
kinds. That is to say, the speaker has reason to believe that the hearer is misin-
formed about certain relations holding within the kind domain. Consider (61b).
Reinhold Messner’s main message in “Yeti – Legende und Wirklichkeit” (Yeti
– Myth and Reality)21 is that the kind ‘yeti’ and the kind ‘brown bear’ are really
one and the same. Messner’s motivation to write the book probably was 22 that
whereas, for many people, the kind ‘brown bear’ is known to be a subkind of
the kind ‘bear’, the kind ‘yeti’ is not known to be a bear kind, but rather a kind
of extraordinary creature. Messner’s goal is to correct this misconception. He
wants that the reader, upon reading the book, reorganises her taxonomic know-
ledge system. If the reading serves its purpose, the nouns yeti and brown bear
will end up as two linguistic symbols for one and the same animal kind in the
reader’s mind23 . The semantic composition of the sentence The yeti is the brown
bear proceeds as follows:
21
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M., 2000.
22 Apart from commercial reasons.
23 In fact, the situation is much more complicated. That yeti and brown bear are two
symbols for one kind is true only under a genetic perpective (you see, I reorganised my
taxonomic system.). Under a habitat perspective, ‘brown bear’ is a subkind of, among
others, the kind ‘animal living in Canada’, but ‘yeti’ is not. Under an esoteric perspective,
‘yeti’ is a subkind of the kind ‘mysterious creature’, but ‘brown bear’ is not.
8.12. IDENTITY SENTENCES 200

(62) a. [NP the brown bear]


V
brown bear(V)
definite(V)
↓ application of the copular

b. [VP is the brown bear]


V
brown bear(V)
definite(V)
=(X,V)
↓ A-instantiation

c. [S the yeti is the brown bear]


VU
yeti(U)
definite(U)
brown bear(V)
definite(V)
=(U,V)

If the copular is flanked by two object terms, the resulting sentence will express
the identity of the two object referents. One might want to think of the following
semantic derivation:
(63) a. [NP Clark Kent]
vV
Clark Kent=v
loc(v,V)
↓ application of the copular

b. [VP is Clark Kent]


vV
Clark Kent=v
loc(v,V)
=(x,v)
8.12. IDENTITY SENTENCES 201

↓ A-instantiation

c. [S Superman is Clark Kent]


vVuU
Clark Kent=v
loc(v,V)
=(u,v)
Superman=u
loc(u,U)

There is, however, a problem with this analysis. The problem relates to the fact
that there are two notions of object identity. On the one hand, two names can
be used to refer to one and the same object in all possible situations; on the
other hand, two names can be used to refer to one and the same object in some
situations (maybe in only one situation), but not in others. Let us call the former
“generic identity” and the latter “episodic identity” for the time being. All of
the examples in (60) express generic identity statements (in the more neutral
reading). (64) shows examples of episodic identity statements:
(64) a. At the fancy ball, John is Tarzan and Mary is Jane.
b. Yesterday, you were Winnetou, today, I am Winnetou.
c. For the time being, this orange box is my table.
In these cases, the validity of the stated identity is relativised to a particular
spatiotemporal location. The problem is that it seems plausible to represent the
meanings of (64) in the way we represented the meaning of Superman is Clark
Kent in (63). Accordingly, Mary is Jane will be true if the object, to which we
may refer by means of the name Mary, is identical to the object, to which we
may refer by means of the name Jane. The fancy ball is the situation into which
this DRS is embeddable. Outside of the fancy ball, (65) will be false:
(65) a. [S Mary is Jane]
vVuU
Mary=v
loc(v,V)
Jane=u
loc(u,U)
=(u,v)
8.12. IDENTITY SENTENCES 202

In this dissertation, I assume that objects are spatiotemporally bounded entities.


Under this assumption, properties of objects and relations among objects must
always be interpreted relative to particular spatiotemporal locations. This also
holds for the identity relation among objects.
Clearly, classic identity sentences like those in (60) do not express spatio-
temporally relativised identity relations. Rather, the identity relations are valid
independently of particular spatiotemporal conditions. To capture this intuition,
I propose the following: while the specific copular appearing in (64) expresses
an identity relation at the object-level, the specific copular appearing in (60)
expresses an identity relation at the kind-level. What do I mean by this?
Functionally, the copular is a predicate maker. It is used to form predicates
from arguments. Semantically, it adds a condition “=(x? ,u? )” to the DRS of the
argument expression, whereby “x” is a thematic argument and “u” is the dis-
course referent introduced by the argument expression. The predicate coined by
the copular characterises the set of all entities identical to the entity which is
symbolised by u. As a matter of principle, this entity can be an abstract kind or
a spatiotemporal object (the question marks are used to indicate this kind of un-
derspecification). Thus, depending on whether the copular is interpreted at the
kind-level or at the object-level, its actual semantic contribution is specified to
either “=(xk ,uk)” or “=(xo ,uo)”. In any case, however, the two arguments must
be of the same ontological level.
Whereas the kind-level copular is realised in (61), the object-level copular is
realised in (64). My idea is that the copular which is realised in (60) is likewise
the kind-level copular, and that this explains the generic meaning of classic
identity sentences.
Let me spell out my proposal taking sentence (66) for example. The sentence
is two-way ambiguous. It can either mean that Peter is the real Santa Claus, or
that Peter plays the role of Santa Claus:
(66) Peter is Santa Claus.
If Peter is the real Santa Claus, he will have all of the properties that the real
Santa Claus has (and the other way around). If Santa Claus can climb chimneys,
so can Peter (etc.). If Peter plays the role of Santa Claus, he will not have to have
all of the properties that the real Santa Claus has. It suffices that Peter fulfills
enough conditions (red dress, white beard, etc.) to qualify as the referent of the
name Santa Claus in the particular situation. Thus, under the role interpretation,
Peter need not (necessarily) be able to climb chimneys.
In the role reading, two apparently different spatiotemporal manifestations,
that is, two apparently different objects, are asserted to be one and the same.
What manifests itself as Peter in a particular situation is asserted to be identical
to what manifests itself as Santa Claus in this situation:
8.12. IDENTITY SENTENCES 203

(67) a. [S Peter is Santa Claus]


vVuU
Peter=u
loc(u,U)
Santa Claus=v
loc(v,V)
=(u,v)

This episodic reading contrasts with the generic reading according to which Pe-
ter is the real Santa Claus. The generic reading will result if the copular identifies
the two kind discourse referents which, by virtue of the principle of dual refe-
rence (see above), are introduced by the proper names Peter and Santa Claus:
(68) a. [NP Santa Claus]
vV
Santa Claus=v
loc(v,V)
↓ application of the copular

b. [VP is Santa Claus]


vV
Santa Claus=v
loc(v,V)
=(X,V)
↓ A-instantiation

c. [S Peter is Santa Claus]


vVuU
Peter=u
loc(u,U)
Santa Claus=v
loc(v,V)
=(U,V)

Informally put: whatever kind is instantiated by Peter is asserted to be a kind


instantiated by Santa Claus.
8.13. CONCLUSIONS 204

8.13 Conclusions

This chapter was dedicated to the semantics of English and German copular
sentences. I started off from the unusual assumption that the copular is always
the copular of identity. The use of the copular varies with respect to whether it
is realised at the kind-level, leading to a generic reading, or at the object-level,
leading to an episodic reading.
In a generic copular sentence, the copular and its complement form a kind-
level predicate. If the precopular NP is a kind term, the result will be a defini-
tional statement, as in the following examples:
(69) a. The Blue Whale (Balaenoptera musculus) is a marine mammal be-
longing to the suborder of baleen whales.
b. A class is a set if it is a member of a class. (Quine)
The precopular NP of a generic copular sentence can also be formed by an object
term. This amounts to categorising statements in which the object referent is
claimed to be an instance of the kind denoted by the postcopular expression.
The kind can be presented as a novel entity or as a familiar entity:
(70) a. Noam Chomsky is a convinced anarchist.
b. Noam Chomsky is the author of “Perspectives on Power”.
In an episodic copular sentence, the copular and its complement form an object-
level predicate. If the precopular NP is a kind term, the sentence will express a
specificational statement:
(71) a. The greatest is Muhammad Ali.
b. The lead actress is Ingrid Bergman, isn’t it.
If, by contrast, the precopular NP is formed by an object term, the result will be
an episodic identity sentence expressing a role-identificational statement:
(72) a. Jonny Weissmüller is Tarzan (in this film).
b. At the time of the G8 summit, this city was a fortress.
Classic identity statements are generic statements. Due to the dual reference of
object terms, the predicate can be kind-level even though the postcopular ele-
ment is a proper name. (73b) nicely shows that it cannot be two objects which
are being identified in classic identity sentences: although there was no Mu-
hammed Ali at the time of the real Cassius Clay, the sentence expresses a true
statement:
(73) a. Clark Kent is Superman.
8.13. CONCLUSIONS 205

b. Formerly, Muhammed Ali was Cassius Clay.


In languages like German and English, the difference between generic and epi-
sodic copular sentences is not morphosyntactically expressed. Other languages
overtly signal whether the copular sentence must be understood generically or
episodically. Thus, Spanish uses two different copular verb paradigms to ex-
press this difference (cf. Maienborn 2003). The situation in Modern Hebrew
will be the topic of chapter 9. Figure 8.15 shows the semantic classification of
copular sentences which has been worked out in the present chapter:

episodic SPECIFICATIONAL
(object-level) ROLE - IDENTIFICATIONAL
Copular sentence DEFINITIONAL
generic CATEGORISING
(kind-level) “ CLASSIC ” IDENTITY

Abbildung 8.15: classes of copular sentences


Figure 8.16 specifies for each of these classes the semantic types of the NPs
which fill the precopular slot and the postcopular slot, respectively. It further-
more shows for each case, which one of the two possible realisations of the
copular is at work. In the realm of episodic copular sentences, there arises a
semantic mismatch with respect to specificationals: the expression filling slot 1
does not have the semantic format required by the copular verb. As discussed
above, this mismatch is repaired by virtue of the DKP-rule. In the realm of ge-
neric copular sentences, mismatches arise with respect to slot 1 in categorising
sentences and with respect to both slots in classic identity sentences. However,
these mismatches are only apparent. As every object-referring expression also
refers to a kind, the <eo>-expressions do match the requirement of the generic
copular.
copular sentence classslot 1 copular slot 2
SPECIFICATIONAL <ek > =(xo ,uo) <eo>
ROLE - IDENTIFICATIONAL <eo > =(xo ,uo) <eo>
DEFINITIONAL <ek > =(xk ,uk) <ek>
CATEGORISING <eo > =(xk ,uk) <ek>
“ CLASSIC ” IDENTITY <eo > =(xk ,uk) <eo>

Abbildung 8.16: the interplay of the copular and its arguments


8.13. CONCLUSIONS 206
Kapitel 9

Generic and episodic copular sentences –


two copular constructions in Modern
Hebrew

9.1 Overview

In present tense, Modern Hebrew displays two syntactically different copular


constructions. One of them seems to be reserved for generic statements. In the
preface to her thesis, Greenberg (1994), who investigates these two construction
types, says the following:
A more general conclusion of this thesis, then, is that not only can we
use theories about genericity and the stage/individual level distinction
to understand the semantic-syntactic interface in Hebrew nominal sen-
tences, but also vice versa. That is, examining this Hebrew construction
we can gain further understanding of these general and important topics
in semantics, and in the interaction between semantics and syntax. [. . . ]
Thus, I believe any theory which offers an explanation of genericity, or
the stage/individual level distinction should take the Hebrew data ana-
lyzed in this thesis into consideration. (Greenberg 1994:abstract)
This is what I am going to do in the present chapter. In section 2, I will describe
the general situation, with Modern Hebrew being one example out of a number
of languages which possess more than one copular construction. In section 3, I
will turn to the specific situation in Hebrew. Strictly following Greenberg (1994,
1998, 2002), I will describe the distribution of the two constructions that needs
to be accounted for. In section 4, I will introduce Greenberg’s (2002) analysis. In
section 5, I will point to a drawback of Greenberg’s proposal, namely to the way
Carlsonian kind-level predicates are treated. In section 6, following Greenberg’s
demand (see above), I will demonstrate how the Hebrew facts can be accounted
9.2. THE GENERAL SITUATION 208

if we apply the kind-based theory developed in this dissertation. The gist of my


analysis is that the +Pron construction is chosen in order to express that the topic
of the utterance is a kind. Section 7 will summarise the chapter.

9.2 The general situation

Unlike the speaker of German or English, a speaker of Spanish has two opti-
ons to realise a copular sentence. She can either choose the copular verb ser or
the copular verb estar. Even from a superficial look it is evident that the con-
ditions of use of these two forms must have something to do with Carlson’s
(1977) stage-level/individual-level distinction: intuitively speaking, ser is used
to express essential or permanent properties, whereas estar is used to express
accidental or temporary properties. For many languages, which likewise con-
trast essential and accidental nonverbal predications, a similar story can be told.
Consequently, a number of linguists tried to make use of the Carlsonian theory
in order to explain the manifestation of the contrast in one language or the other.
Greenberg (1994) applied the stage-level/individual-level theory to Modern He-
brew, Geist (1999) applied it to Russian, Finch (2001) to Bangla, Maienborn
(2003) to Spanisch and Ramchand (1996) to Scottish Gaelic. They all came to
conclude that the Carlsonian theory is not able to correctly cover the whole data
set. Greenberg’s words are representative:
[A]lthough I have established the basic connection between the He-
brew data and the stage/individual level distinction, applying Carlson’s
original analysis and characterization of this distinction to the Hebrew
data still encounters serious problems. This is because this theory can-
not account for the whole range of data in Hebrew nominal sentences
(Greenberg 1994:88)
Let us familiarise with the situation in Modern Hebrew to see what went wrong.
In present tense, Modern Hebrew has two copular predicative constructions. In
the construction which is referred to as “-Pron” in the literature, the subject
expression and the predicate expression appear juxtaposed to each other. In the
construction which is referred to as “+Pron”, a pronominal element shows up
in between of subject and predicate. The pronoun agrees with the subject with
respect to number and gender1:
(1) a. ha-Samayim kxulim. [Greenberg 1994]
the-sky.pl blue
1
The inventory of forms includes: hu (masculine, singular); hi (feminine, singular);
hem (masculine, plural); hen (feminine, plural); ze (impersonal). For ease of exposition,
I will uniformly gloss every instance of this pronominal element as “Pron”.
9.2. THE GENERAL SITUATION 209

‘The sky is blue (at the moment)’


b. ha-Samayim hem kxulim.
the-sky.pl Pron blue
‘The sky is blue (by nature)’
(2) a. ‘aba Seli Sikor. [Greenberg 2002]
father mine drunk
‘My father is drunk’
b. ‘aba Seli hu Sikor.
father mine Pron drunk
‘My father is a drinker’
Intuitively speaking, the difference seems to be that in the (b)-sentences, that
is, in the +Pron sentences, the property ascribed to the subject referent is in-
terpreted as an inherent property; the sentences are understood generically. The
property seems to be constitutive of the identity (whatever that is) of the subject
referent. If the subject referent lost the property, we would be inclined to say that
it is no longer the same individual. In the following, I will speak of “essential
properties”.
Essential property assignments contrast with accidental predications, as ex-
emplified by the (a)-examples or -Pron examples, respectively. Intuitively, ac-
cidental properties do not make up a part of the identity of the bearer of the
property. Rather, the subject referent possesses the property simply by virtue of
the accidentally valid constellation of things in the world. Therefore, the loss of
an accidental property will not question the identity of the bearer of the property.
Here is another example that illustrates the semantic contrast:
(3) a. Dani ‘acbani. [Greenberg 2002]
D. nervous
‘Dani is nervous’
b. Dani hu ‘acbani.
D. Pron nervous
‘Dani is nervous’
Greenberg describes the conditions of use for (3a) and (3b) as follows:
I will appropriately say (3a) to somebody who knows Danny, but
doesn’t know that he is nervous now, whereas the +Pron in (3b) will
be more appropriately directed to a listener who does not know Danny.
This is because (3b) ‘defines’ who Danny is, i.e. what kind of person
he is, i.e. asserts that nervousness is an inherent property of his.
(Greenberg 2002:280 [numbers adjusted] )
9.3. THE DISTRIBUTION OF THE TWO CONSTRUCTIONS 210

So far we note that +Pron sentences are used to make generic statements, whe-
reas -Pron sentences are used to make episodic statements. The challenge is to
identify what precisely governs the distribution of the two constructions.

9.3 The distribution of the two constructions

Not for every -Pron sentence, there is +Pron counterpart, and not for every
+Pron sentence, there is a -Pron counterpart. The following sentences, for ex-
ample, can only be realised as +Pron constructions:
(4) a. *le-Saker lo musari. [Greenberg 1994]
to-lie neg moral
‘Lying is immoral’
b. le-Saker ze lo musari.
to-lie Pron neg moral
‘Lying is immoral’
(5) a. *Stayim ve-‘od Stayim ‘arba. [Greenberg 1998]
two and two four
‘Two and two equals four’
b. Stayim ve-‘od Stayim hem ‘arba.
two and two Pron four
‘Two and two equals four’
(6) a. *Saxor Zeva.
black colour
‘Black is a colour’
b. Saxor ze Zeva.
black Pron colour
‘Black is a colour’
The examples (7) to (9) likewise can only be +Pron:
(7) a. *balSanim xaxamim. [Greenberg 1994]
linguist.pl smart.pl
‘Linguists are smart’
b. balSanim hem xaxamim.
linguist.pl Pron smart.pl
‘Linguists are smart’
9.3. THE DISTRIBUTION OF THE TWO CONSTRUCTIONS 211

(8) a. *‘orev Saxor. [Greenberg 1998]


raven black
‘A raven is black’
b. ‘orev hu Saxor.
raven Pron black
‘A raven is black’
(9) a. *‘orvim (yecurim) Sxorim. [Greenberg 2002]
raven.pl (creature.pl) black.pl
‘Ravens are black (creatures)’
b. ‘orvim hem (yecurim) Sxorim.
raven.pl Pron (creature.pl) black.pl
‘Ravens are black (creatures)’
The interesting observation is that, when the subject expression is modified in a
certain way, the -Pron construction becomes possible too:
(10) a. balSanim ba-‘unuversita ha-zot xaxamim. [Greenberg 1994]
linguist.pl in-university the-this smart.pl
‘Linguists in this university are smart’
b. balSanim ba-‘unuversita ha-zot hem xaxamim.
linguist.pl in-university the-this Pron smart.pl
‘Linguists in this university are smart’
(11) a. ha-‘orev ha-ze Saxor. [Greenberg 1998]
the-raven the-this black
‘This raven is black’
b. ha-‘orev ha-ze hu Saxor.
the-raven the-this Pron black
‘This raven is black’
(12) a. ha-‘orvim Se-yoSvim ‘al ha-‘ec ha-ze Sxorim. [Greenberg 1994]
the-raven.pl that-sit on the-tree the-this black.pl
‘The ravens sitting on this tree are black’
b. ha-‘orvim Se-yoSvim ‘al ha-‘ec ha-ze hem Sxorim.
the-raven.pl that-sit on the-tree the-this Pron black.pl
‘The ravens sitting on this tree are black’
Obviously, bare plural subjects as well as bare singular subjects cannot appear
in -Pron sentences. The -Pron option seems to require that the nominal is exten-
ded by additional linguistic material. (13a) shows examples of English transla-
tions of Hebrew sentences which are obligatory +Pron. (13b) shows examples
9.3. THE DISTRIBUTION OF THE TWO CONSTRUCTIONS 212

of English translations of Hebrew sentences which allow for both, +Pron and
-Pron. All of these examples are taken from Greenberg:
(13) a. Rabbits’ eyes are red.
Sailors are intelligent.
A wolf is dangerous.
Plants are green.
Ravens are black.
b. Sara’s eyes are red.
These sailors are intelligent.
The wolf is dangerous.
These plants are green.
My ravens are black.
This pattern repeats itself for sentences with quantified subjects. Only by mo-
difying the subject expressions in a certain way, as in (15), -Pron becomes pos-
sible:
(14) a. ?? kol
yalda ‘amica. [Greenberg 2002]
every girl brave
‘Every girl is brave’
b. kol yalda hi ‘amica.
every girl Pron brave
‘Every girl is brave’
(15) a. kol yalda ba-kita Seli ‘amica. [Greenberg 2002]
every girl in-class mine brave
‘Every girl in my class is brave’
b. kol yalda ba-kita Seli hi ‘amica.
every girl in-class mine Pron brave
‘Every girl in my class is brave’
Greenberg (2002) uses the terminology “actual” versus “potential” to describe
the regularity behind the distribution of Pron:
[A] sentence like Every girl in my class is brave can either assert that
it happens to be the case that every actual girl in my class is brave (a
nongeneric statement), or every actual and potential girl in my class
is brave (a generic statement), maybe due to some requirement saying
that only brave girls are accepted to this class. This optionality of the
generic reading [. . . ] is what leads to the optionality of Pron in the
Hebrew version of this sentence (Greenberg 2002:274)
9.3. THE DISTRIBUTION OF THE TWO CONSTRUCTIONS 213

Accordingly, for +Pron sentences it suffices that the subject expression refers
to potential ravens, linguists, sailors, etc. -Pron sentences, by contrast, imply
the existence of real (actual) ravens, linguists, sailors, etc. Greenberg points
out that only the truth of a +Pron sentence entails the truth of a counterfactual
like If I were a girl in this class, I would be brave. Thus, we note that Hebrew
bare nominals cannot refer to actual entities, but “only” to potential entities.
Reference to actual entities requires a certain operation on the meaning of the
bare nominal. It must be “anchored” in the actual world, so to speak.
Anchoring the meaning of a bare nominal can be achieved by means of in-
dexicals, e.g. by means of demonstratives (these sailors). If a local adverbial
contains an indexical expression, it will likewise have the capacity to anchor a
nominal in the actual world (linguists in this university). Furthermore, a nominal
can be anchored by being related to a proper name (Sara’s eyes) or to a pronoun
of first or second person (my ravens). Also, the presence of an ordinary definite
article suffices to make -Pron possible:
(16) a. ha-ze‘ev mesukan. [Greenberg 2002]
the-wolf dangerous
‘The wolf is dangerous’
b. ha-ze‘ev hu mesukan.
the-wolf Pron dangerous
‘The wolf is dangerous’
Besides obligatory +Pron examples and examples allowing for both +Pron and -
Pron, there are also obligatory -Pron examples. +Pron is ruled out in those cases
where the validity of the predication is limited to a particular time due to the
presence of an overt temporal adverbial:
(17) a. ha-xoref ‘arox ha-Sana. [Greenberg 1994]
the-winter long the-year
‘The winter is long this year’
b. ?? ha-xoref hu ‘arox ha-Sana.
the-winter Pron long the-year
‘The winter is long this year’
This fits the picture, of course. By means of the temporal adverbial, the state of
being long is anchored in the actual world. Accordingly, the predication relates
to some actual referent, namely to the particular winter that there is at the time of
the utterance. The generic +Pron variant is impossible. In the examples (18) and
(19), there is no temporal adverbial that could be made responsible for ancho-
ring the predication in the actual world. Nevertheless, out of the blue, -Pron is
9.4. GREENBERG’S (2002) ANALYSIS 214

at least strongly preferred. Presumably, this is due to the lexical (“stage-level”)


meaning of these predicative adjectives:
(18) a. Dani ‘ayef. [Greenberg 2002]
D. tired
‘Dani is tired’
b. ?? Dani hu ‘ayef.
D. Pron tired
‘Dani is tired’
(19) a. aba Seli ra‘ev. [Greenberg 1994]
my father hungry
‘My father is hungry’
b. ?? aba Seli hu ra‘ev.
my father Pron hungry
‘My father is hungry’
The distribution of +Pron and -Pron in Modern Hebrew can be summarised as
follows:
• If +Pron as well as -Pron are possible, +Pron will express an essential pro-
perty assignment and -Pron will express an accidental property assignment.
• A -Pron sentence implies the existence of actual (as opposed to potential)
subject referents.
• If the predication is (explicitly or implicitly) temporally anchored in the
actual world, -Pron will be preferred, if not necessary.
It is beyond doubt that +Pron encodes a generic meaning, while -Pron encodes a
non-generic (episodic) meaning. The question is how to model the genericity of
+Pron sentences. In the following section, I introduce the analysis of the +Pron
construction put forward by Greenberg (2002).

9.4 Greenberg’s (2002) analysis

First of all, it must be noted that Greenberg does not assume that every +Pron
sentences is a generic sentence. She believes that, under specific syntactic cir-
cumstances, the pronominal element Pron can appear independently of generi-
city. This is supposed to the case in identity sentences.
This rests on the theoretical assumption that two general types of copular
sentences must be distinguished: predicational copular sentences and identifi-
cational copular sentences. Greenberg (2002:293) assumes that, whereas the
9.4. GREENBERG’S (2002) ANALYSIS 215

former allow for both +Pron and -Pron, the latter must always be +Pron. This is
illustrated by the following example:
(20) a. *Dani mar Cohen. [Greenberg 2002]
D. Mr Cohen
‘Dani is Mr Cohen’
b. Dani hu mar Cohen.
D. Pron Mr Cohen
‘Dani is Mr Cohen’
For Greenberg, the obligatory presence of Pron in identity sentences has purely
syntactic reasons. In predicational sentences, by contrast, the presence of Pron
is no syntactic necessity. As a consequence, the presence or absence of Pron can
be used to signal a meaning contrast: +Pron predicational sentences are generic,
while -Pron predicational sentences are episodic. I will come back to the case
of identity sentences. At this point, let us recall how current genericity theories
attempt to capture the meaning of generic sentences2.
Generally speaking, generic sentences express regularities. According to
Carlson (1995), two kinds of genericity theories can be distinguished. In “rules-
and-regulation” approaches, it is assumed that generic sentences downright de-
note rules: The truth or falsity of a generic sentence relative to a particular
world/situation depends on whether or not the world/situation harbours the ru-
le described by the sentence3 It can be assumed, for example, that the sen-
tence Bishops move diagonally is true if, in the world under debate, there is
a rule (here: of chess) determining that bishops have to move diagonally. In
“generalisation-over-instances” or “inductive” approaches, by contrast, generic
statements are considered to be the result of generalising over particular, obser-
vable events occurring in the world under debate. Thus, in this conception, rules
do not exist per se, but result from generalisations. The generalising nature of
a generic sentence is modeled as a quantification structure. As commonly as-
sumed for quantification structures, a generic sentence is supposed to translate
as a tri-partite quantification structure. First, a set of relevant entities is filtered
out of the world/situation under debate, forming the “domain of quantificati-
on”. Which particular condition an entity must fulfill to belong to the domain of
quantification is noted in the “restrictor”. Secondly, there is a quantifier which
determines, on the basis of the domain of quantification, a certain quantum of
2 Compare chapter 1.
3
The kind-based approach advocated in this dissertation is a rule-and-regulation ap-
proach in the sense that rules exist in the speaker’s mind in the form of taxonomic rela-
tions among kinds.
9.4. GREENBERG’S (2002) ANALYSIS 216

entities. Thirdly, a property is assigned to the entities determined by the quanti-


fier. Which particular property these entities are asserted to have is noted in the
“nuclear scope”.
In line with the inductive approach, Greenberg models the genericity of (pre-
dicational) +Pron sentences as a quantificational structure. Specifically, she as-
sumes the following:
• +Pron sentences are to be represented as tri-partite quantificational structu-
res.
• The quantifier is the universal quantifier ∀.
• The restrictor contains a conceptual condition R. This condition determines
all those non-actual worlds w’ “accessible” from the actual world w. The
worlds accessible from w are also called the “neighbouring worlds” of w.
The set of neighbouring worlds of our actual world w includes the set of all
worlds “where what is known in our world holds” (Greenberg 2002:270).
• Furthermore, the restrictor contains a conceptual condition C. This con-
dition makes sure that only “contextually relevant” events (involving the
respective entities) enter the domain of quantification. Whether an event is
contextually relevant depends on the kind of property noted in the nuclear
scope. If, for instance, the property of flying is assigned to a bird, all those
events will be ruled out by C, in which the bird is sleeping.
• The quantification operates on neighbouring worlds, events and entities.
Accordingly, a generic sentence like Ravens are black has the following seman-
tic representation:
(21) ∀x,s,w’[restrictor RAVEN(x) in w’& C(s,x) in w’& R(w,w’)]
[nuclear scopeBLACK(s,x) in w’]
The meaning of the sentence can be paraphrased as follows: ‘In all worlds ac-
cessible from the actual world, every contextually relevant event in which there
is an element of the set of ravens is an event in which this raven is black’.
Thus, Greenberg (2002) analyses +Pron sentences as quantificational sen-
tences involving a modal meaning component:
+Pron sentences [. . . ] are semantically tripartite structures headed by
a universal modal, unselective operator, and are interpreted as generic
and modalized. In contrast, -Pron sentences [. . . ] are not headed by
such a Gen operator, and are interpreted as accidental and extensional.
(Greenberg 2002:291)
9.4. GREENBERG’S (2002) ANALYSIS 217

This approach has a number of more or less problematic consequences. Green-


berg herself points out that her analysis commits her to the view that not only
Carlsonian stage-level predicates, but all predicates, contain a referential event
argument. This is, for example, contra Kratzer (1995). However, this is not re-
ally problematic. Indeed, given Greenberg’s analysis was successful, one could
count it as an argument in its own right in favor of the thesis (e.g. Chierchia
(1995)) that every predicate without exception carries an event argument.
A second consequence following from Greenberg’s approach concerns iden-
tity sentences. In the face of the data presented in section 3, one might want to
conclude that the overt pronominal element Pron is a marker of genericity. This
is the position of Greenberg (1998). If Greenberg (2002) was right, however,
that the presence of Pron in identity sentences has purely syntactic reasons, this
would weaken the analysis according to which Pron is an exponent of generici-
ty. Let us see what kind of syntactic principles are supposed to be responsible
for the obligatory presence of Pron in identity sentences.
Generative theories of syntax generally assume that, above VP, there is a
functional projection I(nfl)P at which the tense, aspect and agreement features
of the finite verb must be checked. Greenberg assumes that, in Hebrew, the
Infl node will be realised by Pron if the finite predicate is non-verbal: Pron is
supposed to be the syntactic manifestation of the agreement features of the finite
predicate. That Pron does not express tense or aspect features is explained by
the fact that generic predications are atemporal by nature (Greenberg 2002:295).
Greenberg believes that this is in accordance with the universal rule observed
by Dahl (1995), according to which generic predications always pattern with the
morphologically least marked form of the tense/aspect paradigm of a particular
language, unless the language possesses a form which is specialised in signaling
that the tense/aspect value is generic.
For Greenberg, predicational +Pron sentences and identificational +Pron sen-
tences have different underlying syntactic structures. This view is motivated by
the common assumption that non-verbal predicates (copular sentences) are de-
rived from small clause structures. A small clause is a syntactic unit consisting
of an argument expression and a predicate expression. Greenberg follows Roth-
stein’s (1995) syntactic analysis of Modern Hebrew copular sentences. Episodic
-Pron sentences are matrix small clauses:
(22) [SC Dani ‘acbani]
In generic copular sentences, the generation of Pron forces the argument expres-
sion (the subject) of the small clause to move to the specifier position of of the
IP:
(23) [IP Danii [I’ hu[SC ti ‘acbani] ] ]
9.4. GREENBERG’S (2002) ANALYSIS 218

Identity sentences, however, cannot be derived from small clauses, for the sim-
ple reason that, in identity sentences, it is two argument expressions which are
related toward each other. Therefore, the surface structure of identity sentences
must be generated along different lines than the surface structure of predicatio-
nal +Pron sentences is generated. The identity at the syntactic surface is only by
chance. With respect to identity sentences, Greenberg assumes (still following
Rothstein 1995) that Pron does not select for a small clause, but for an NP, and
that the second NP, the subject, is base-generated in the specifier position of IP:
(24) [IP Dani [I’ hu[NP mar Cohen] ] ]
This analysis leaves a fact unexplained, which is pointed out by Greenberg her-
self, namely the fact that predicational copular sentences like This animal is a
zebra semantically resemble identity sentences like Dani is Mr Cohen. Accor-
ding to Greenberg’s (2002) analysis, This animal is a zebra expresses that, in all
worlds accessible from the actual world, every contextually relevant event, in
which this animal is involved, is an event in which this animal is a zebra. There
is a strong intuition which suggests a similar understanding for Dani is Mr Co-
hen: in all worlds accessible from the actual world, every contextually relevant
event, in which Dani is involved, is an event in which Dani is Mr Cohen.
The identity relationship or the property of being identical to oneself,
seems to be one which is true not only in the actual world, but in all
possible, close enough worlds as well. In other words, being Mr. Cohen
seems to strongly ‘define’ the identity of Danny (Greenberg 2002:293)
Therefore, identity sentences like (20b) could easily be subsumed under Green-
berg’s analysis of generic copular sentences. Nevertheless, Greenberg wants to
exclude identity sentences from her analysis. The reason are not identity sen-
tences of the type Dani is Mr Cohen, but rather identity sentences of the follo-
wing type:
(25) a. *ha-yom ha-‘axot ha-toranit Rina [Greenberg 2002]
the-day the-nurse the-duty R.
‘Today, the duty nurse is Rina’
b. ha-yom ha-‘axot ha-toranit hi Rina
the-day the-nurse the-duty Pron R.
‘Today, the duty nurse is Rina’
Examples like (25) demonstrate that the presence of Pron is not necessarily tied
to predicate genericity: “Identity sentences [. . . ] are +Pron even when they are
clearly nongeneric” (Greenberg 2002:293). One arrives at the following pic-
ture: In the overwhelming majority of cases , +Pron sentences are associated
9.5. THE PROBLEM OF KIND-LEVEL PREDICATES 219

with generic meanings. There are, however, examples like (25), which repre-
sent exceptions to this rule.
Greenberg concludes from this that there are basically two sources of Pron.
In some case, Pron shows up as an expression of genericity; in other cases,
Pron shows up for purely syntactic reasons. The “other cases” are identified
by Greenberg as identificational sentences. In section 6, I argue we need not
resort to two independent sources of Pron. (25) is a specificational sentence (cf.
chapter 8). Specificational sentences are special in that their subject is formed by
a kind term; the referent of this kind term functions as the topic of the utterance.
This feature is responsible for the fact that sentences like (25) must be realised
as +Pron. As kinds are generic, sentences like (25) turn out to be exceptions
which support the rule.
In (20), we saw that identity sentences are realised as +Pron. However, as
Greenberg (1994:67-68) points out, identity sentences may also be -Pron, na-
mely under the “role-reading”. When the referent of the subject noun phrase
(NP) is asserted to play the role of the referent of the second NP (for example,
in the context of a particular theater performance), Pron turns out to be no lon-
ger obligatory. Thus, certain identity sentences are realised along the lines of
the -Pron construction. They express accidental property assignments:
(26) a. ha-yom dani ben gurion ve-roni moSe Saret. [Greenberg 1994]
the-day D. Ben Guryon and-R. MoSe Saret
‘Today, Dani is Ben Gurion and Roni is MoSe Saret’
b. ha-yom dani hu ben gurion ve-roni hu moSe Saret.
the-day D. Pron Ben Guryon and-R. Pron MoSe Saret
“Today, Dani is Ben Gurion and Roni is MoSe Saret’
In this section, I introduced Greenberg’s (2002) analysis according to which
+Pron sentences either express modalised universal quantifications, or are iden-
tity sentences. I discussed some of the consequences that follow from this ap-
proach. There is no problem in assuming that every predicate carries an event
argument. It is unfortunate, however, that the presence of Pron in identity sen-
tences is explained in syntactic terms, although most identity sentence may well
be viewed as modalised universal quantifications. Such identity sentences would
have, so to speak, a double reason for realising Pron. A real problem arises with
respect to Carlsonian kind-level predicates.

9.5 The problem of kind-level predicates

Greenberg (2002) is well aware of the fact that there are many predicational
+Pron sentences that, prima facie, are not covered by her approach. Specifically,
9.5. THE PROBLEM OF KIND-LEVEL PREDICATES 220

this regards sentences expressing kind-level predications:


(27) a. *livyatanim kxulim yecurim nedirim. [Greenberg 2002]
whale.pl blue.pl creature.pl rare.pl
‘Blue whales are rare creatures’
b. livyatanim kxulim hem yecurim nedirim.
whale.pl blue.pl Pron creature.pl rare.pl
‘Blue whales are rare creatures’
It is impossible to capture the truth conditions of (27) in the following way: ‘In
all worlds accessible from the actual world, every contextually relevant event
in which there is a blue whale is an event in which this blue whale is a rare
creature. The is impossible because the property of being rare cannot be true of
an individual exemplar. This discovery is due to Carlson:
[T]here is the problem of a special set of predicates which cannot mea-
ningfully be said of any particular individuals, nor can they meaning-
fully be said of any of the quantified NP’s of the language. One predi-
cate [. . . ] is the adjective ‘widespread’. This adjective appears to select
the Bare plural to the exclusion of all other quantified NP’s.
(Carlson 1977:80-81)
Carlson (1977) concludes that predicates like rare and widespread select for
special entities, kinds. Accordingly, they must be analysed as kind-level predi-
cates. The property of being rare or the property of being a rare creature cannot
be true or false of an object, but only of a kind (cf. Carlson 1977:80-82; Green-
berg 2002:276).
Kind-level predications question Greenberg’s attempt to explain the presence
of Pron in generic sentences by a uniform meaning component:
The best we can say is that all +Pron sentences are either quantificatio-
nal generic or ‘kind generic’. But this leaves us in a rather descriptive
position. It is not clear why a single syntactic construction will manifest
two different semantic structures. (Greenberg 2002:281)
Greenberg’s way out of this dilemma is to subsume kind-level predications like
(27) under the modalised quantification approach. This way, she wants to trace
every instance of predicational +Pron back to a common semantic trigger. This
is problematic. I reproduce Greenberg’s argumentation step by step:

Step 1: Greenberg diagnoses that “ordinary” generic predications like Ravens


are black creatures (=(9)) as well as kind-level predications like Blue whales are
rare creatures can express a kind of definition:
9.5. THE PROBLEM OF KIND-LEVEL PREDICATES 221

[E]ven the ‘kind generic’ cases [. . . ] seem to express some kind of defi-
nitional, nonaccidental statements, namely statements which are taken
to be true in general, in other sets of circumstances (i.e. in other worlds)
besides the actual one. (Greenberg 2002:281-282)
Step 2: To demonstrate that not every kind-level predication has this definitional
character, Greenberg presents the following sentences. These sentences describe
accidental states-of-affairs even though their subjects refer to kinds (cf. Krifka
et al. 1995:12):
(28) a. Rats reached Australia in 1876.
b. Man set foot on the moon in 1969.
Step 3: Greenberg concludes that the meaning component responsible for the
definitional character of an utterance cannot be contained in kind-level predica-
tes. This leads her to claim the following:
My claim is that the sentences in (29) express, not merely that a certain
property is true of a kind in the actual world, but that this is some sort
of necessity. In other words the predication holds in other worlds as
well and specifically, in all worlds where the language is interpreted as
in our world. (Greenberg 2002:282)
(29) a. Blue whales are rare creatures.
b. Football is a popular game.
c. Smoking is a dangerous habit.
Greenberg believes that the sentences in (28) express pure kind-level predica-
tions, while those in (29) express modalised kind-level predications. Sentence
(29a) should not be analysed in the traditional Carlsonian way (30a), but better
in the way of (30b):
(30) a. RARE CREATURE (BLUE WHALE)
b. ∀w’[R(w’,w)][RARE CREATURE (BLUE WHALE) in w’]
In general, modalised kind-level predications can be paraphrased as follows
(with respect to (29a) insert “RARE CREATURE” for Q and “BLUE WHALE”
for P):
In all worlds accessible from our world (w.r.t. the way the language is
interpreted, what we know etc.) the property Q is true of the kind P.
(Greenberg 2002:282)
This way Greenberg manages to make one meaning component responsible for
the overt realisation of Pron in predicational sentences, namely the presence of
a universal modalised generic operator.
9.5. THE PROBLEM OF KIND-LEVEL PREDICATES 222

Step 4: Greenberg (2002:282) uses (31) to illustrate that “non-modalised


kind-level predications” like (28) must be -Pron in Modern Hebrew. This is
counted as evidence that the distinction between generic/modalised and non-
generic/modalised kind-level predications is real.
(31) a. drorim ‘aforim nedirim kan ba-zman ha-‘axaron.
sparrow.pl gray.pl rare.pl here in-the-time the-last
‘Gray sparrows are rare here lately’
b. *drorim ‘aforim hem nedirim kan ba-zman ha-‘axaron.
sparrow.pl gray.pl Pron rare.pl here in-the-time the-last
‘Gray sparrows are rare here lately’
I oppose to the view that kind-level predications come in modalised and non-
modalised varieties. Are the predications in (28) and (31) really kind-level pre-
dications? True, the respective subject expressions seem to refer to kinds. Ho-
wever, that the subject expression is kind-referring does not necessarily imply
that the predicate expression is kind-level. In (28a), the predicate assigns its
property not to the kind denoted by the bare plural, ‘rat’, but to instances of this
kind4. Accordingly, the predication is object-level.
Due to its temporal and aspectual characteristics, the predicate reached Au-
stralia in 1876 is an episodic predicate. As such, it involves an existence as-
sertion concerning objects carrying the property of having reached Australia in
1876. If it syntactically combines with an object-referring argument, this exi-
stence condition will be satisfied, because object-referring expressions imply
the existence of objects, for trivial reasons:
(32) James Cook reached Australia not in 1876, but in 1770.
If a kind-referring expression appears in the argument slot of the object-level
predicate, the kind term by itself will not be able to satisfy the existence con-
dition coming from the object-level predicate. For the existence condition to be
satisfied, the speaker/hearer must infer the existence of objects instantiating the
respective kind5. Accordingly, the predicate in (28a) is a kind predicate only in
the sense that it attaches to a kind term in this particular case. Semantically, it
selects for an object argument, i.e., it is an object-level predicate.
4 Compare Chierchia’s (1998) DKP-rule and the discussion in chapter 7, section 9.
5 This is, in effect, Carlson’s (1977) bare plural theory. However, in Carlson’s system,
the existence condition concerns the existence of stages; Fernald (2000) refers to this
as “evidential coercion”. Not by chance, this is similar to the situation of existential
sentences, like the English there-be construction (McNally 1997,1998). The common
denominator is that an expression without “existential force” (McNally) appears in a
syntactic slot that causes the expression to be interpreted with existential force.
9.5. THE PROBLEM OF KIND-LEVEL PREDICATES 223

The situation in (31) is a little different. In this example, the bare nominal
drorim ‘aforim by itself contributes a kind referent to the semantics of the sen-
tence, and the predicate nedirim by itself contributes a kind-level property. Ho-
wever, these expressions are interpreted under the impact of the adverbials kan
and ba-zman ha-‘axaron. The adverbials embed the core (kind-level) predicati-
on into an episodic frame, so to speak. As a result, the actual predication will be
object-level. The impact of the local and temporal adverbials can be observed
with respect to (33) where the subject is formed by an object term. Dropping
the adverbials renders the sentence odd6:

(33) a. The Rolling Stones are rare here lately.


b. *The Rolling Stones are rare.

If I was right, the sentences (28) and (31) would not be kind-level predications.
As a consequence, Greenberg’s distinction between modalised (definitional) and
non-modalised (non-definitional) kind-level predications would be a non-starter.
I claim:

• Every kind-level predication has a definitional character, that is, is an essen-


tial property assignment. The reason is not the presence of some modalised
universal generic operator in the semantic structure. Rather, the reason is
the genuinely intensional nature of kinds.

Rejecting Greenberg’s proposal, I still have to solve the problem that Greenberg
attempted to solve by “intensionalising” Carlsonian kind-level predications. We
are still confronted with two different semantic explanations for the presence
of Pron in generic predicational copular sentences. In some cases, the presence
of Pron in syntax is explained by the presence of a modalised quantificational
structure in semantics. In other cases, the presence of Pron is explained as a
reflex of kind generics. Whereas Greenberg wanted to extend the quantificatio-
nal generic approach to cover also the cases of kind generics, I propose, in line
with the general results presented in this dissertation, to extend kind generic ap-
proach to cover the cases of apparent quantificational generics. As a welcome
consequence, the sentences Blue whales are mammals and Blue whales are rare
mammals fall into a single class of sentences. What is more, we can come with a
uniform explanation for why they both must be translated into Modern Hebrew
as +Pron.
6 Unless (33b) is interpreted in the representative object reading (cf. chapter 6). In
this case, it would mean that bands like the Rolling Stones are rare.
9.6. MY ALTERNATIVE: A KIND-BASED ANALYSIS 224

9.6 My alternative: a kind-based analysis

As noted above, Greenberg observes that +Pron sentences always express essen-
tial, definitional predications. This holds also for identity sentences like (20).
In contrast, -Pron sentences always express accidental predications. The only
exception are sentences like (25). I propose that this can be explained by the
assumption that the presence of Pron signals that the topic of the utterance is a
kind. My proposal can be summarised as follows:
• Essential property assignments are kind-level predications, accidental pro-
perty assignments are object-level predications.
• In kind-level predications, the property is assigned to a kind which is se-
mantically contributed by the subject-NP. Either the kind is directly con-
tributed by a kind-referring subject, or it is indirectly contributed by an
object-referring subject. In the latter case, the object referent functions as
a representative of the kind (cf. chapter 6). In any event, the topic of the
utterance which is expressed by the respective (+Pron) sentence will be a
kind.
• In object-level predications, the property is assigned to an object which
is contributed by the subject-NP. Usually, the object is contributed by an
object-referring subject, and this object will be the topic of the utterance.
There is, however, also the possibility that the required object referent is
inferred (via the DKP-rule) on the basis of the kind contributed by a kind-
referring subject. This is the case of specificational copular sentences. Even
though the predication relates to an object, the topic of the utterance is a
kind in this case (cf. Mikkelsen 2004).
Let me demonstrate how this approach overcomes the problems that arise in
connection with Greenberg’s analysis. Remember: For Greenberg, sentences li-
ke Blue whales are rare animals and sentences like Blue whales are animals
have entirely different semantic structures. While the former are kind-level pre-
dications, the latter are generalised object-level predications. The generic in-
terpretation of the former is due to the fact that they express statements about
kinds. The generic interpretation of the latter is due to the generic quantifier. In
contrast to that, I consider both cases to be kind-level predications.
My approach rests on two theoretical assumptions which are not self evident.
These assumption concern object-referring arguments of kind-level predicates
and the lexical semantic format of nouns, verbs and adjectives:
• Every object-referring expression automatically also refers to some kind,
of which the object referent is an instance. Whenever an object-referring
9.6. MY ALTERNATIVE: A KIND-BASED ANALYSIS 225

expression participates in the semantic composition of a sentence, also the


kind “underlying” the object referent will participate, and, accordingly, can
serve as the target for semantic operators. This holds for any sort of object-
referring expression, including proper names.
• Nouns, verbs and adjectives are listed in the lexicon as kind-level predi-
cates. To be used not as object-level predicates, their meaning must un-
dergo an operation which I call “spatiotemporal localisation”. This opera-
tion is triggered by information coming from the sentence-internal and/or
sentence-external context.
The first of these assumptions has been argued for elsewhere, compare chapter
6 and also chapter 8, section 8. I discussed it under the name“dual-reference-
hypothesis” because it implies that, indeed, object terms always introduce two
discourse referents into the semantic representation: an object referent and an
underlying kind referent. Psychological evidence in favor of this sortalist per-
spective on reference has been provided in chapter 2. The second assumption
was made in order to account for certain empirical facts, in particular for the
linguistic behaviour of bare nominals (cf. chapter 7). The Hebrew data presen-
ted in this chapter can likewise be explained on the basis of this assumption. Let
us see how.
If +Pron constructions must be used to express statements about kinds, it is
self evident why sentences like Two and two equals four are obligatory +Pron
in Hebrew. The referents of the terms which appear in this sentence are mathe-
matical concepts. Mathematical concepts are by definition kinds. There is no
such thing as a spatiotemporally bounded number 4, which came into existence
at some point of time in the past and will cease to exist at some point of time in
the future; and there cannot be such a thing. Thus, we note:
• Sentences which have to be interpreted as statements about kinds must be
realised along the lines of the +Pron construction, because the topic of such
a statement can only be a kind.
This rule covers not only to mathematical sentences but also sentences like lin-
guists are smart (=(7)) . In (7), the subject expression is a non-modified bare
plural noun. As nouns by themselves have a kind-level meaning, and as they
need co(n)textual support to denote at the object-level, out-of-the-blue sentences
like (7) will be understood as statements about kinds.
A noun is a lexical predicate. The use of a noun as a referential expression
requires, at the semantic plane, the application of a function which maps the
predicate onto a term. Such a function may or may not be overtly expressed
at the morphosyntactic plane. Under the assumption noted above, a noun is le-
xically not only a predicate but, more specifically, a kind-level predicate. The
9.6. MY ALTERNATIVE: A KIND-BASED ANALYSIS 226

use of a noun as an object-level predicate requires a semantic operation which


I refer to as “spatiotemporal localisation”. Given this, an overt functor (article)
may basically apply either prior to spatiotemporal localisation, or after spatio-
temporal localisation. In the former case, it will map a kind-level predicate onto
a kind term. In the latter case, it will map an object-level predicate onto an ob-
ject term. A covert functor, by contrast, must apply as soon as possible. Due to
this requirement of earliest possible application, the covert functor always app-
lies prior to spatiotemporal localisation, i.e. at the kind-level. Therefore, unless
there is information to the contrary, a bare nominal in argument position will
refer to a kind. This is the reason why (7) must be realised as +Pron: The +Pron
construction signals the respective sentence expresses a statement about a kind.
Out of the blue, sentence (7) can only be about a kind. As a consequence, Pron
must appear.
The picture is slightly more complicated, however. It is, of course, possible
to modify the head noun before an (overtly expressed or null) article terminates
the derivation of a referential NP. Modification may have an impact on whether
the article applies to a kind-level or to an object-level predicate. In particular,
if the modifier contains an indexical component, it will automatically trigger
spatiotemporal localisation. As a consequence, earliest possible application will
necessarily be application at the object-level. This yields object-referring bare
NPs7. This case is represented by examples like linguists in this university are
smart (=(10)). Due to the modification of the bare nominal subject, the sentence
is not doomed to express a statement about a kind. Pron is no longer obligatory.
Let me repeat example (8). It involves a bare singular subject-NP. Out of the
blue, this sentence must be +Pron. As the subject must be a kind term, the topic
of utterance can only be a kind:
(34) a. *‘orev Saxor. [Greenberg 1998]
raven black
‘A raven is black’
b. ‘orev hu Saxor.
raven Pron black
‘A raven is black’
Compare this with (11), repeated here. Here, the demonstrative element ha-
ze enforces an object-level interpretation of the subject expression. In additi-
on to the kind referent (that is introduced anyway, recall the dual-reference-
hypothesis), an object referent is introduced into the discourse. Both of them
can serve as the topic of the utterance. Depending on which one is chosen as the
topic, the sentence will be realised as +Pron or as -Pron:
7 Indeed, being modified, such a nominal is not completely “bare”.
9.6. MY ALTERNATIVE: A KIND-BASED ANALYSIS 227

(35) a. ha-‘orev ha-ze Saxor. [Greenberg 1998]


the-raven the-this black
‘This raven is black’
b. ha-‘orev ha-ze hu Saxor.
the-raven the-this Pron black
‘This raven is black’
In other words, the optionality of Pron is explained by the dual reference of
object terms. As every reference to an object involves reference to an underlying
kind, there are two possibilities for topic choice. Statements about kinds are
generic statements, statements about objects are episodic statements. In (35b),
the kind underlying the raven object referred to by ha-‘orev ha-ze is asserted to
belong to the extension of the kind-level predicate Saxor. In (35a), the object
referred to by ha-‘orev ha-ze is asserted to belong to the extension of the object-
level predicate Saxor.
This analysis extends to proper names. Recall sentence (2), for example:
(36) a. Dani ‘acbani. [Greenberg 2002]
D. nervous
‘Dani is nervous (at the moment)’
b. Dani hu ‘acbani.
D. Pron nervous
‘Dani is nervous (by nature)’
The difference between a proper name and a descriptive object-referring NP
is that the latter explicitly names the kind underlying the object referent. The
“history” of the derivation of the NP includes a stage, the initial stage, at which
the kind referent is determined by the speaker, simply by choosing this noun
or that. As proper names are labels of objects, they are capable of referring to
objects without at the same time naming the underlying kind (but note that a
proper name is not capable of referring to an object without at the same time
having an underlying kind). In chapter 8, I modeled this by letting the proper
name introduce into the discourse an underspecified kind referent side-by-side
with the object referent.
Contra Kripke, Geurts (2004) argues that connecting a label to an object is
a matter of pragmatics, not semantics. Given this, what would be the semantic
contribution of a proper name? Geurts suggests that a proper name like Dani is
semantically equivalent to the definite description the object called “Dani” (see
also Geurts 1997). If this was right, the kind underlying the proper name Dani
could be read from this definite description: the name Dani not only refers to
the object Dani, but also to the (underlying) kind ‘object named “Dani”’.
9.6. MY ALTERNATIVE: A KIND-BASED ANALYSIS 228

The -Pron sentence (36a) expresses that the object named Dani belongs to the
object extension of ‘acbani. The +Pron sentence (36b) expresses that the kind
underlying the object Dani (i.e. the kind ‘object called “Dani”’, if we followed
Geurts suggestion) belongs to the kind extension of ‘acbani. This leads to the
accidental or, respectively, essential interpretations as indicated in the translati-
ons of (36).
+Pron identity sentences like (20b) express that the kind underlying the bea-
rer of the name Dani (whichever kind this happens to be) is identical to the kind
underlying the bearer of the name Mr Cohen. Accordingly, there can be no kind
which is instantiated by Dani by not also by Mr Cohen (and vice versa). There-
fore, the expressions Dani and Mr Cohen must be two rigid designators for one
and the same designation. In contrast to that, -Pron identity sentences like (26a)
express that the bearer of the name Dani is identical to the bearer of the name
Ben Gurion. This does not rule out the possibility that there are kinds instan-
tiated by Dani but not by Ben Gurion (and the other way around). The asserted
identity relation is valid only relative to a particular spatiotemporal location, e.g.
relative to a particular theater performance.
Let us now turn to the examples (17) to (19). Here is, once again, (17):
(37) a. ha-xoref ‘arox ha-Sana. [Greenberg 1994]
the-winter long the-year
‘The winter is long this year’
b. ?? ha-xoref hu ‘arox ha-Sana.
the-winter Pron long the-year
‘The winter is long this year’
Obviously, the +Pron version is hardly accepted because of the presence of the
temporal adverbial ha-Sana. The following explanation suggests itself: the se-
mantic impact of the temporal adverbial brings it about that the initial kind-level
predicate ‘arox functions as an object-level predicate. As object-level predicati-
ons are used to express statements about objects, the topic of the utterance will
be an object. Therefore, the -Pron option has to be chosen.
When the predicative adjective is “stage-level”, meaning ‘tired’ (18) or ‘hun-
gry’ (19) and the like, -Pron is the preferred option even though there is no overt
(spatio)temporal adverbial. The fact that +Pron is (almost) rejected is, I believe,
a pragmatic effect. Semantically, hungry is a kind-level predicate just like, for
instance, intelligent. Being lexical kind-level predicates, both hungry and intel-
ligent can be used either as kind-level predicates or, given an episodic frame,
as object-level predicates. However, whereas hungry is frequently used as an
object-level predicate, intelligent is rarely used this way. As the frequency of
usage is what feeds our intuition about a linguistic expression, we are inclined
9.7. CONCLUSIONS 229

to interpret the expression the way we mostly encounter it8 .


We are left with the problem of (25). Although the predication is non-generic,
the sentence must be realised along the lines of the +Pron construction. Why is
that?
(38) a. *ha-yom ha-‘axot ha-toranit Rina [Greenberg 2002]
the-day the-nurse the-duty R.
‘Today, the duty nurse is Rina’
b. ha-yom ha-‘axot ha-toranit hi Rina
the-day the-nurse the-duty Pron R.
‘Today, the duty nurse is Rina’
The reason is that this sentence is a specificational sentence (cf. chapter 8). A
specificational sentence is uttered to make a statement about a kind. In parti-
cular, to specify who or what instantiates the kind. Specificational sentences
are special because the topic is generic but the predication is episodic. Given
this, specificational sentences integrate into the analysis of the Modern Hebrew
+Pron construction presented in this chapter: +Pron is chosen to signal that the
topic of the utterance is a kind.

9.7 Conclusions

In this chapter, I presented a semantic analysis for the two copular construc-
tions available in Modern Hebrew present tense contexts. I proposed that the
+Pron construction is chosen to signal that the topic of the utterance is a kind.
If the speaker wants to make a statement about an object, by contrast, she has to
choose the -Pron construction. The analysis is based on the ontological distinc-
tion between kinds and objects. As kind-level predications amount to statements
about kinds, they are +Pron. In contrast, object-level predications are -Pron be-
cause they amount to statements about objects. The systematic exception to this
rule is specificational sentences: even though the predication targets at an ob-
ject, the statement is about a kind. Specificational sentences represent the only
cases of non-generic +Pron sentences.
This analysis will only be possible if we accept the premise that an object
term does not only refer to an object, but at the same time to a kind underlying
the object. Only this enables us to discover that categorising sentences like This
bird is a raven or Dani is (an) intelligent (person) as well as identity sentences
like Dani is Mr Cohen are actually statements about kinds.

8 Compare the discussion in chapter 6, section 7.


9.7. CONCLUSIONS 230
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