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Mittwoch, 23. Dezember 2015 / Nr. 296

Neue Zuger Zeitung

Kultur

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Zugs stolze Knechte SYMBOLIK Wappen präsentieren sich oft mit prunkvollem Zusatzschmuck. Dazu gehören die sogenannten
Zugs stolze Knechte
SYMBOLIK Wappen präsentieren sich oft mit prunkvollem Zusatzschmuck. Dazu gehören die sogenannten Schildhalter.
Ein besonders schönes Beispiel in Zug verdient mehr Aufmerksamkeit.
E in Wappen an sich hat bereits einen
stark repräsentativen Charakter. Ob
Familie, Gilde, Zunft, Verein, Dorf,
Stadt
– das Wappen als Hoheitszei-
chen ist ein stellvertretendes Emblem
gegen aussen. Da ein Wappen auch mit
Stolz, Ansehen und Rang verbunden ist,
!
giebels mit grobem Zahnfries weitge-
hend den Klassizismus aufgreift, zitiert
die grosse Kartusche mit dem bekrönten
Zuger Wappen in reicher Fassung die
Formen des Barock. Auf dem schwung-
voll geformten Postament sich abstüt-
zend posieren links und rechts die
beiden muskelbepackten Löwen. In auf-
rechter, streng bewachender Haltung
sind ihre Körper zum Wappen hin ge-
richtet, ihr Blick schweift selbstbewusst
in die Ferne, als wären sie sich der
Unversehrbarkeit Zugs sicher.
HINGESCHAUT
beschränkt sich die Darstellung häufig
nicht auf den simplen Wappenschild
mit den entsprechenden heraldischen
Symbolen und/oder Farben. Vor allem
in der Barockzeit und in der entspre-
chenden historistischen Strömung im
19. und frühen 20. Jahrhundert wurden
Wappen mit zuweilen überbordender
Aufmachung gestaltet, sei es in abgebil-
deter Form oder als halb- bis vollplas-
tische Kartuschen über Portalen oder
andernorts an Fassaden – als hochre-
präsentatives Element. Die Schilder zei-
gen sich häufig üppigst umrankt von
Rocailles, Voluten oder floralem Zier-
werk, sind reich bekrönt als Hinweis auf
Rang oder Status, tragen zuweilen auch
einen Wahlspruch als Inschrift und wei-
teren Prunk und Glorifizierungen. Alles
fakultativ, denn massgeblich ist und
bleibt der Inhalt des Schildes.
Betrachtet man dieses beeindrucken-
de Relief im Giebel vom Trottoir der
Neugasse aus, so braucht man sich bloss
umzudrehen und um die Ecke des
gegenüberliegenden Gebäudes zu schau-
en, um ein anderes, ebenfalls imposan-
tes Paar an Schildhaltern auszumachen:
Auf der Brüstung des ausschwingenden
Mittelrisalits der einstigen Hauptpost
prangt das Schweizer Wappen. Es wird
gehalten von zwei menschlichen Figu-
ren. Sie sitzen in entspannter Haltung
auf der Balustrade und scheinen ledig-
lich dafür zu sorgen, dass die Wappen-
kartusche nicht runterfällt.
Und zu guter Letzt – wer gerne ver-
gleichen mag: Ein anderes, bemerkens-
wertes Beispiel von Schildhaltern in Zug
ebenfalls Löwen – finden wir an der
Zwei erhabene Löwen bewachen das Zuger Wappen
im Giebel des Verwaltungsgebäudes am Postplatz.
Rückseite der Ankenwaage zur Graben-
strasse hin – Hausnummer 18. Die in rot
gefasste quadratische Kartusche über der
Tür zeigt das bekrönte Reichswappen mit
Doppeladler auf gelbem Grund. Die zwei
Löwen stehen dabei je hinter einem
Zuger Wappen. Ihre aufrechte Haltung
auf den Hinterläufen stehend, die
Bild Werner Schelbert
Eines der häufigsten Elemente solch
zusätzlichen Wappen-«Beiwerks» sind
die sogenannten Schildhalter oder Wap-
penknechte. Das sind Wesen, welche den
Wappenschild halten oder ihn zumindest
flankieren – offensichtlich in der Funktion
als Wächter. Schildhalter können mensch-
liche Figuren sein, Tiere, allegorische
Gestalten, Fabel- oder auch Himmels-
wesen. Unter den Tieren ist der Löwe
der beliebteste Schildhalter. Naheliegen-
derweise ist diese Popularität in der
Wappenschilder haltend – unterscheidet
Symbolik des Löwen als (Wappen-)Tier
zu suchen: Er steht für Mut, Tapferkeit,
und als «König der Tiere» für das Roya-
le, Erhabene. Fast immer wird der Löwe
in stolzer Pose gezeigt, aufrecht, siegreich,
manchmal gar kampf- oder abwehrbereit.
bauten Verwaltungsgebäudes Neugas-
se 2, einer der dominantesten Bauten
um den Postplatz, in dem unter anderem
die Direktion des Innern ihre Büroräu-
me hat. Als Prunkstück der eigentlichen
Schaufassade entzieht sich das Figuren-
paar leider aufgrund der Ausrichtung
auf die Neugasse weitgehend dem Blick
des Vorbeikommenden. Während die
strenge Form des mächtigen Dreieck-
sich stark von derjenigen der beiden
Löwen am Verwaltungsgebäude.
ANDREAS FAESSLER
andreas.faessler@zugerzeitung.ch
HINWEIS
Ein besonders imposantes Paar Lö-
wen als Schildhalter finden wir in Zug
im Giebel an der Ostseite des 1912 er-
Mit «Hingeschaut!» gehen wir wöchentlich mehr
oder weniger auffälligen Details mit kulturellem
Hintergrund im Kanton Zug nach. Frühere Beiträge
finden Sie unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut

Mit der Rathus-Schüür gehts beschwingt ins neue Jahr

BAAR Josepha, Clärchen, Sigismund und Co. lassen freundlichst bitten: Die Quick- change Company zeigt das «Weisse Rössl» – komprimiert.

Die Quickchange Company reduziert abendfüllende Operetten und Musicals auf ein angenehm-kurzatmiges Taschen- format, ohne die Geschichte zu be- schneiden. Ihre Produktionen sind somit für die ganze Familie geeignet. Das 2006 gegründete Bühnenensem- ble kommt nach Baar und läutet im Gemeindesaal – im Rahmen des Pro- gramms der Rathus-Schüür – mit einem unsterblichen Operettenklassi- ker der silbernen Ära das neue Jahr ein: «Im weissen Rössl» von Ralph Benatzky (1884–1957) ist wohl eine der volkstümlichsten Operetten aller Zei- ten. Beschwingte Walzerlieder und neckische Duette greifen hier ungeniert in die Folkloristik über, da und dort angereichert mit herzhaften Jodlern. Und wer das heitere Lustspiel um das legendäre Hotel direkt an den Ge- staden des Sees in St. Wolfgang schon einmal gesehen hat, der weiss, wie lustig man im Salzkammergut sein kann, dass es was Wunderbares sein muss, «von dir geliebt zu werden» oder dass der gute Sigismund nichts dafür kann, dass er so schön ist. Und es versteht sich im Herzen von Österreich, wo die ganze Welt himmelblau ist, ohnehin von selbst: Ein Liebeslied muss ein Walzer sein.

ohnehin von selbst: Ein Liebeslied muss ein Walzer sein. Die Schauspieler der Quickchange Compa- ny bieten

Die Schauspieler der Quickchange Compa- ny bieten Operette im Taschenformat.

PD

Leser- Aktion 041 725 44 09
Leser-
Aktion
041 725 44 09

Beschwingt darf man mit der Quick- change Company und dem «Weissen Rössl» ins 2016 taumeln. Für unsere Abonnenten verlosen wir heute 3-mal 2 Billette für besagte Vorstellung am Frei- tag, 1. Januar 2016, um 17 Uhr, im Gemeindesaal Baar. Im Anschluss offe- riert die Gemeinde den traditionellen Neujahrs-Apéro. So funktionierts: Rufen Sie heute zwischen 14 und 14.05 Uhr die links genannte Telefonnummer an. Wenn Sie einer der ersten drei Anrufer sind, haben Sie bereits gewonnen.

ANDREAS FAESSLER

andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Ein Querschnitt durchs Programm

RATHUS-SCHÜÜR fae. Das Kultur- angebot für das erste Halbjahr 2016 im Herzen von Baar ist so viel verspre- chend, wie es beginnt: Mit «Im weis- sen Rössl» steht zum ersten Mal eine Operette auf dem Programm der Rat- hus-Schüür (siehe Hauptartikel). Knapp eine Woche später präsentiert Simon Enzler mit «Primatsphäre» (9. Januar) sein erstes reines Solopro- gramm. Mit «Family Collection» (21. Ja- nuar) zeigt Blues-Legende Vera Kaa eine Art Retrospektive ihres jahrzehn- telangen Schaffens. Ebenso musika- lisch, doch mit einer gehörigen Portion Comedy dazu, ist das Duo Carrington- Brown (28. Januar). Die beiden paro- dieren fast jedes Musikgenre auf hoch- karätige Weise. Dann ist Zeit zum Zuhören und Nach-/Mitdenken: Ge- sprochenes Wort mit musikalischer Untermalung bieten Autor Max Huwy- ler und Akkordeonist Hans Hassler in «Mitunter Überleben» (2. Februar). Und wer kennt nicht das Frölein da Capo. Als Einfrau-Orchester serviert die Demoiselle erfrischende Geschichten aus dem Leben eines Fräuleins (25. Ja- nuar). Auf «Four or more flutes» – Flötenklang mit internationaler Beset- zung (10. März) – folgt bald Kabarettist Fabian Schläper mit «Das grosse Glot- zen» (17. März). Ähnlicher Natur und ein Balanceakt zwischen Humor und Ernst ist die «Milchbüechlirächnig» mit den Senioren Ruedi und Heinz (7. Ap- ril). Magisch wird es mit Zauberer Ralf

Gagel, der mit seinen atemberauben- den Tricks auch in Übersee verblüfft (14. April). Für den modischen Klecks sorgen Hutzenlaub und Stäubli (13. Mai) und für die musikalische Por- tion Irland die Gráinne Holland Band (18. Mai). Mit fantastischen Geschich- ten des «Königs von Berlin» Horst Evers verklingt der Frühling (25. Mai), und es naht der Sommer mit «Musicapriolen» des Quantetts Johannes Kobelt (2. Juni). Und während Hazel Brugger mit ihrem brandschwarzen Humor unter manche Gürtellinie gehen wird (9. Juni), sorgen die Small Town Kids mit einer beschwingten Jazzmatinee für das klingende Programmende (19. Juni) vor der Sommerpause. Mit zwei literarischen Anlässen ist auch die Bibliothek Baar wieder ver- treten im Programm der Rathus-Schüür (Philip Maloney ermittelt am 3. April und Lesung mit Charles Lewinsky am 19. April). Der traditionelle Donschtig- Träff ist selbstverständlich wie immer auch Teil des Programms. Diesmal geht es um Homöopathie, man begegnet Delphinen, ein Asylant aus dem Säuli- amt erzählt, man entdeckt das Seleger Moor und trifft auf den Moderator Dani Fohrler. Mit «Wilhelm Kasperli Tell» bieten Gustavs Schwestern indes auch für die Kinder etwas (5. März). Detaillierte Programminformatio- nen und Angaben zu Vorverkauf und Abo-Erwerb unter www.baar.ch (Ru- brik Kultur&Freizeit, Rathus-Schüür).