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Universität
Ulm


Institut
für
Medienpädagogik


Sommersemester
2008

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“


Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“


Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs­
und

Schwellenländern


Jens
Scherbl

Medieninformatik

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


Inhalt


Einleitung...................................................................................................................................3


Entwicklungs‐
und
Schwellenländer.........................................................................................4


Medienlandschaft .....................................................................................................................5


Übersicht ................................................................................................................................5


Community
Medien ...............................................................................................................6


Die
neuen
Medien
in
der
Entwicklungspolitik .........................................................................4


Vom
Entwicklungs‐
zum
Schwellenland .................................................................................9


UNO
Weltgipfel
zur
Informationsgesellschaft........................................................................9


One
Laptop
per
Child ...........................................................................................................12


Digitale
Inquisition
in
China..................................................................................................13


Literaturverzeichnis.................................................................................................................15


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2
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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


Einleitung


Als
Bürgerinnen
und
Bürger
der
sogenannten
Industrienationen
leben
wir
in
einem

weitgehend
gesicherten
und
mehr
oder
weniger
wohlhabenden
sozialen
Umfeld.
Alte
und

neue
Medien
sind,
bewusst
oder
unbewusst,
zentraler
Bestandteil
unseres
Alltags.

Sie
informieren,
desinformieren,
unterhalten
oder
verdummen
uns
–
je
nach
Bildungsstand,

Intelligenz
und
Kompetenz
im
Umgang
mit
der
enormen
Informationsflut,
die
tagtäglich

durch
die
Medien
über
uns
hereinbricht
–
und
bestimmen
somit
nachhaltig
unser
Weltbild.


Um
jedoch
einen
umfassenden
Gesamteindruck
über
die
globale
Bedeutung
der
Medien
für

Menschen
auf
der
ganzen
Welt
zu
bekommen,
ist
es
außerordentlich
wichtig,
auch
über
den

eigenen
Tellerrand
hinauszublicken.


Aus
diesem
Grund
möchte
ich
in
dieser
Ausarbeitung
die
Rolle
der
Medien
in
den

Entwicklungs‐
und
Schwellenländern
in
den
Vordergrund
stellen.


Neben
einem
kleinen
Einblick
in
die
dort
vorherrschende
allgemeine
Medienlandschaft
liegt

der
Schwerpunkt
dieser
Arbeit
vor
allem
auf
den
neuen
Medien
und
ihrem
viel
propagierten

Potential,
entwicklungsfördernd
Einfluss
auf
die
Länder
der
Dritten
Welt
zu
nehmen.




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16

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


Entwicklungs­
und
Schwellenländer


Doch
zunächst
eine
kurze
Erinnerung:
Was
genau
versteht
man
unter
einem

Entwicklungsland,
warum
werden
einige
Länder
auch
als
Schwellenländer
bezeichnet
und

wo
liegt
eigentlich
die
Dritte
Welt?


Als
Entwicklungsländer
gelten
Länder,
die
–
verglichen
mit
Industriestaaten
wie
zum
Beispiel

Deutschland
oder
den
USA
–
einen
sehr
niedrigen
Stand
hinsichtlich
ihrer
sozialen,

politischen
und
vor
allem
wirtschaftlichen
Entwicklung
aufweisen.


Zwar
unterscheiden
sich
diese
derzeit
ca.
130
Staaten
der
sogenannten
Dritten
Welt,
die
sich

geographisch
gesehen
überwiegend
südlich
des
Äquators
befinden
und
rund
75
%
der

gesamten
Weltbevölkerung
ausmachen,
in
einigen
Merkmalen
erheblich
voneinander.
Allen

gemeinsam
sind
jedoch
die
enormen
Defizite
in
Bereichen
der
Politik
und
der
Infrastruktur

sowie
im
Sozial‐,
Bildungs‐
und
Gesundheitswesen.


Inzwischen
haben
einige
Entwicklungsländer
aufgrund
ihrer
überwiegend
industriellen

Fortschritte
und
eines
anhaltend
hohen
Wirtschaftswachstums
den
Sprung
zur

Industrienation
annähernd
geschafft.


Staaten
wie
Südafrika,
Indien,
China,
Russland
oder
die
Türkei
werden
deshalb
von
der

Weltbank,
der
OECD
und
anderen
Organisationen
begrifflich
von
den
traditionellen

Entwicklungsländern
getrennt
und
als
Schwellenländer
bezeichnet.


Übrig
bleiben
mehr
als
40
„echte“
Entwicklungsländer,
die
selbst
im
Vergleich
zu
den

Schwellenländern
durch
ihre
enorme
Unterentwicklung
und
Armut
gekennzeichnet
sind.

Diese
befinden
sich
überwiegend
auf
dem
afrikanischen
Kontinent
und
weisen
nicht
die

nötigen
Voraussetzungen
für
ein
Wirtschaftswachstum
auf.



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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


Medienlandschaft


Die
Medienlandschaft
in
den
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern
ist
der
unseren

mittlerweile
sehr
ähnlich.


Einer
2006
von
der
britischen
Rundfunkanstalt
BBC
und
der
Nachrichtenagentur
Reuters

durchgeführten
Studie
zufolge
ist
sogar
gerade
in
den
Entwicklungsländern
das
Vertrauen
in

die
Medien
als
Nachrichtenquelle
wesentlich
höher
als
gegenüber
der
eigenen
Regierung.

Während
in
den
USA
noch
59
Prozent
der
Befragten
den
Medien
trauten,
waren
es
in

Deutschland
hingegen
nur
noch
43
Prozent.


Wie
es
sich
mit
der
Medienkonzentration
in
der
Dritten
Welt
konkret
verhält,
wird
nun
im

Folgenden
ausführlich
am
Beispiel
Venezuelas
erläutert:


Überblick


Bereits
1996
galt
Venezuela
mit
über
75
Tageszeitungen
als
eines
der
Zeitungsreichsten

Länder
Lateinamerikas.
Dabei
sind
unter
den
größten
und
meistgelesenen
Zeitungen

Venezuelas
je
nach
Herausgeber
und
Zielgruppe
von
konservativ
(El
Universal)
über

linksliberal
oppositionell
(El
Nacional)
bis
hin
zu
regierungsnahen
Blättern
(Diario
de
Caracas)

die
unterschiedlichsten
politischen
Ausrichtungen
vertreten.
Aber
auch
Printmedien
mit

bestimmten
inhaltlichen
Schwerpunkten,
wie
zum
Beispiel
das
Boulevardblatt
Últimas

Noticias
oder
die
englischsprachige
Wirtschaftszeitung
Daily
Journal,
finden
hier
ihre
Leser.


Vier
der
insgesamt
sieben
landesweit
ausstrahlenden
Fernsehsender
Venezuelas,

Venevisión,
Radio
Caracas
Television,
Televen
und
Globovision,
befinden
sich
in
der
Hand

privater
Unternehmen,
die
untereinander
kooperieren
und
als
selbsternanntes
„Sprachrohr

der
Opposition“
eher
regierungsfeindlich
eingestellt
sind.
Zu
ihrem
Netzwerk
gehört
außerdem

ein
Großteil
der
nationalen
Radiostationen
und
der
Presse,
darunter
auch
die
beiden
oben

erwähnten
großen
Tageszeitungen
El
Universal
und
El
Nacional.


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



Finanziert
werden
die
privaten
Medienanstalten
überwiegend
aus
den
USA.
Auch
inhaltlich

dominiert
ein
kommerziell
orientiertes
und
deutlich
an
US‐Vorbilder
angelehntes

Unterhaltungsprogramm,
das
eher
auf
eine
wohlhabendere
Oberschicht
als
auf
die
breite

Bevölkerung
ausgerichtet
ist.


Ein
sowohl
inhaltliches
als
auch
politisches
Gegengewicht
hierzu
bilden
die
von
der

Regierung
betriebenen
staatlichen
Sender
Venezolana
de
Televisión
und
Visión
Venezuela

sowie
der
2007
gegründete
öffentlich‐rechtliche
Sender
Televisora
Venezolana
Social.


Letzterer
untersteht
zwar
dem
Informationsministerium
und
wurde
zunächst
auf

Staatskosten
ins
Leben
gerufen,
wird
aber
autonom
betrieben
und
soll
sich
über
kurz
oder

lang
durch
Werbeeinnahmen
und
Sponsorengelder
selbst
finanzieren.


Der
Vollständigkeit
halber
sei
an
dieser
Stelle
auch
noch
auf
teleSUR
hingewiesen,
ein

multistaatlicher
Sender
mit
Ursprung
und
Sitz
in
Venezuela,
der
als
Lateinamerikanisches

Gegenstück
zu
CNN
und
BBC
gedacht
ist.



Auch
sonst
unterstützt
die
Venezuelanische
Regierung
verstärkt
den
Aufbau
von
kleinen,

lokalen
Radiostationen,
den
sogenannter
Community
Radios.


Community
Medien


Wie
wichtig
die
Rolle
dieser
–
meist
von
den
lokalen
Gemeinschaften
selbst
betriebenen
–


alternativen
Sender
für
eine
unabhängige
Berichterstattung
auch
und
vor
allem
in

Krisenzeiten
ist,
zeigte
sich
bei
einem
beinahe
erfolgreichen
Putschversuch
im
April
2002,
bei

dem
nicht
zuletzt
die
privaten
Medien
eine
zentrale
Rolle
spielten.


Unter
anderem
verbreiteten
diese
gezielt
Falschinformationen
über
einen
freiwilligen

Rücktritt
des
Venezuelanischen
Präsidenten
Hugo
Chavez,
während
dieser
in
Wahrheit
von

der
politischen
Opposition
festgehalten
wurde.
Als
die
Opposition
dann
im
weiteren
Verlauf

dieser
Aktion
die
Kontrolle
im
Präsidentenpalast
übernahm,
sahen
die
privaten

Sendestationen
von
einer
Berichterstattung
ab
und
setzten
ihr
reguläres
Programm
fort.

Darüber
hinaus
wurden
die
staatlichen
Rundfunkanstalten
von
den
Regierungsgegnern


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



beschlagnahmt,
sodass
lediglich
eine
kleine
Anzahl
unabhängiger
Radiostationen
in
der
Lage

war,
die
Bevölkerung
über
den
Putsch
zu
informieren.
Diese
reagierte
daraufhin
mit

massiven
Gegendemonstrationen,
wodurch
Präsident
Chavez
letztendlich
sein
Amt
halten

konnte.


Durch
strenge
Auflagen
und
finanzielle
Unterstützung
von
Seiten
der
Regierung
sind
die

Community
Radios
aber
lange
nicht
so
frei
und
unabhängig,
wie
sie
es
gerne
sein
würden.

Zwar
werden
sie
nicht
im
selben
Maße
für
politische
Propagandazwecke
eingesetzt
wie
die

staatlichen
Medien
(auch
wenn
die
privaten
Sendeanstalten
den
Community
Radios
genau

das
vorwerfen),
eine
allzu
kritische
Haltung
gegenüber
Chavez
„Sozialismus
des
21.

Jahrhunderts“
könnte
jedoch
den
Entzug
der
Sendelizenz
bedeuten.


Allerdings
ist
es
auch
nicht
im
Interesse
der
Community
Radios,
politischen
Ansichten
–
ganz

gleich
ob
denen
der
Regierung
oder
der
Opposition
–
eine
Stimme
zu
geben.
Vielmehr

wollen
Sie
mit
ihrer
vielseitigen
und
abwechslungsreichen
Programmgestaltung,
von

Geschichte
und
Kultur
über
Unterhaltung,
Kinder‐
und
Musikprogramme
bis
hin
zu
sozialen

und
Politischen
Themen,

den
Anliegen
der
Bevölkerung
gerecht
werden
und
eine
echte

Alternative
zu
den
kommerziell
orientierten
oder
politisch
gefärbten
Programmen
der

privaten
und
staatlichen
Medien
anbieten.


Doch
nicht
nur
in
Venezuela
haben
die
von
der
Gemeinschaft
selbst
getragenen
Medien

einen
derart
hohen
Stellenwert.


Die
deutsche
Organisation
Solifonds
(Solidaritätsfonds
Demokratische
Medien
in
der
Welt

e.V.)
unterstützt
bereits
seit
1993
Basismedien
und
Kunstprojekte
in
der
ganzen
Welt,
so

zum
Beispiel
den
Radiosender
Radio
Panamericana
in
Uruguay,
der
sich
in
den
90er
Jahren

für
eine
gerechte
Bestrafung
von
Diktaturverbrechern
einsetzte.


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



„Das
Radio
hat
in
den
Ländern
des
Südens
wichtige
Funktionen.
Es
mobilisiert,
stützt

die
Demokratie,
klärt
die
Leute
auf,
zum
Beispiel
über
Seuchen.
[…]
Radio
ist
ein

wunderbares
Medium,
um
mit
kleinen
Mitteln
gigantische
Wellen
zu
schlagen.“,
1



meint
Peter
Völker,
einer
der
Gründer
von
Solifonds.




„Für
die
[privaten
Sender]
ist
Information
ein
Produkt.
Gesendet
wird
nur,
was
sich

verkauft.
Bei
uns
nicht,
wir
kümmern
uns
auch
um
unbequeme
Themen“,
1


sagt
Inés
Farina
vom
Radiosender
La
Tribu
in
Buenos
Aires,
der
sich
–
neben
eigenen

Einnahmen
aus
CD‐
und
Buchprojekten,
Konzerten,
und
Radiowerbung
–
auch
durch

Fördergelder
von
Solidfonds
finanziert.



„Wir
berichten
über
Dinge
wie
den
Kampf
der
Arbeitslosen
um
ihre
Rechte.
Oder

über
die
Arbeiter,
die
Fabriken,
die
in
der
Krise
pleite
gegangen
sind,
auf
eigene
Faust

weiter
betreiben.“
1


Auch
Alejandro
Simonazzi
gehört
zu
den
zahlreichen
ehrenamtlichen
Mitarbeitern
von
La

Tribu.



„Radio
ist
für
uns
Passion.
Wir
wollen
nicht,
dass
die
Medienkonzerne
alle

Informationen
dominieren“,
1


sagt
er
und
freut
sich,
wenn
seine
Sendung
die
Hörer
berührt:



„Kürzlich
haben
wir
was
über
hungernde
Kinder
in
Argentinien
gemacht.
Ein
Hörer

rief
danach
an
und
weinte.
Er
hatte
nichts
davon
gewusst.“
1
































































1

„Internationaler
Erfahrungsaustausch
–
Wenn
Radio
die
Hörer
berührt“,
Karen
Naundorf
(www.solifonds.de)


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


Die
Neuen
Medien
in
der
Entwicklungspolitik


Neben
Tageszeitung,
Radio
und
Fernsehen
gewinnen
vor
allem
in
den
Schwellenländern

auch
zunehmend
die
sogenannten
neuen
Medien
an
Bedeutung.


Vom
Entwicklungs­
zum
Schwellenland


Den
Schritt
vom
Entwicklungs‐
zum
Schwellenland
verdanken
die
meisten
dieser
Länder

überwiegend
ihrer
enormen
Eigenleistung,
durch
die
in
den
letzten
Jahren
beeindruckende

wirtschaftliche
und
soziale
Fortschritte
möglich
waren.


Wichtige
Voraussetzungen
für
eine
solche
Entwicklung
müssen
in
Form
entsprechender

politischer,
wirtschaftlicher
und
sozialer
Rahmenbedingungen
von
den
jeweiligen

Regierungen
selbst
geschaffen
werden.
Das
beinhaltet
zunächst
unter
anderem
einen

sicheren
Rechtsstaat
aufzubauen,
der
auf
den
Grundsätzen
der
Demokratie
fußt,
die

Menschenrechte
wahrt,
Korruption
bekämpft
und
eine
nachhaltige
Politik
zugunsten
der

ärmeren
Bevölkerungsschichten
betreibt.

Durch
eine
marktwirtschaftlich
und
zugleich
sozial
orientierte
Wirtschaftsstruktur,

zusammen
mit
einer
entwicklungsfördernden
Politik
der
Industrienationen,
sind
letztendlich

auch
die
innen‐
und
außenwirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
vorhanden,
um
den

Menschen
in
den
Entwicklungsländern
eine
reelle
Zukunftsperspektive
zu
bieten
und
so
die

Chance
zu
geben,
das
Leistungspotential
ihres
Landes
zu
entfalten.


UNO
Weltgipfel
zur
Informationsgesellschaft


Aber
auch
wir
entwickeln
uns
im
Zuge
der
Globalisierung
weiter,
hin
zur
weltweiten

Informationsgesellschaft,
nicht
zuletzt
unter
dem
Einfluss
digitaler
Kommunikationskanäle

wie
dem
Internet.


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



Die
Möglichkeit
zum
freien
Austausch
von
Informationen
über
elektronische
Medien
ist
nicht

nur
zu
einem
entscheidenden
Faktor
für
den
Aufbau
ökonomischen
Wohlstandes
geworden.

Einschränkungen
auf
diesem
Gebiet
können
gar
zu
dessen
direkter
Verminderung
führen.


Angesichts
der
aufkeimenden
Hoffnung
auf
bessere
Lebensbedingungen
für
die
Menschen
in

den
ärmeren
Regionen
dieser
Welt
wäre
es
daher
überaus
fatal,
eine
neue
Kluft
zwischen

den
Nationen
entstehen
zu
lassen,
indem
wir
den
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern
den

Zugang
zur
Informationsgesellschaft
vorenthalten.


Das
Potential
dieser
Informationsgesellschaft
und
den
damit
verbundenen
neuen
Medien
für

die
Entwicklungspolitik
haben
auch
die
Machthaber
dieser
Welt
erkannt.
2003
fand
deshalb

in
Genf
erstmalig
ein
UNO
Weltgipfel
zur
Informationsgesellschaft
statt,
für
ein
zweites

Treffen
zu
diesem
Thema
kamen
die
Vertreter
der
Vereinten
Nationen
noch
einmal
2005
in

Tunis
zusammen.


Im
Rahmen
des
Weltgipfels
wurde
noch
einmal
deutlich
die
gegenseitige
globale

Abhängigkeit
aller
Nationen
sowie
die
Bedeutung
eines
freien
Informationsaustausches

zwischen
den
Ländern
erörtert.

Unter
anderem
wurde
auch
darüber
beraten,
wie
man
moderne
Technik

entwicklungsfördernd
einsetzen
könnte,
um
zum
Beispiel
das
Bildungs‐
und

Gesundheitswesen
zu
verbessern
oder
den
Hunger
zu
bekämpfen.

Denn
auch
wenn
Mosambiks
damaliger
Präsident
Chissano
davon
sprach,
die
Menschen
in

seinem
Land
hätten
„Hunger
nach
Informationen“2,
so
ist
in
vielen
Ländern
eine

ausreichende
Grundversorgung
mit
Nahrung
noch
immer
nicht
gewährleistet.


Ein
erster
Ansatz
wäre,
das
Internet
zu
nutzen,
um
günstigere
Angebote
für
Güter
und

Dienstleistungen
zu
finden.
Der
Aufbau
webgestützter
Datenbanken
oder
der
Einsatz
von

entsprechender
Verwaltungssoftware
könnte
in
vielen
Bereichen
erheblich
zur

Modernisierung
der
Infrastruktur
beitragen.
So
wäre
es
beispielsweise
im
Gesundheitswesen

schneller
und
effizienter
möglich,
Patienteninformationen
auszutauschen
und
damit
die

medizinische
Grundversorgung
der
Bevölkerung
zu
optimieren.

































































2

„Die
Dritte
Welt
sucht
Brücke
über
digitale
Schlucht“,
Eric
Bonner
(dpa,
www.pcwelt.de
11.12.2003)


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



Aber
auch
im
wirtschaftlichen
Bereich
könnten
durch
den
Einsatz
digitaler

Übertragungsmöglichkeiten
zumindest
einige
der
bisherigen
Wettbewerbsnachteile
auf
dem

Weltmarkt
ausgeglichen
werden.


Während
viele
der
in
der
Debatte
um
die
Informationsgesellschaft
beschriebenen
Szenarien

in
den
meisten
entwickelten
Ländern
bereits
gängige
Praxis
sind,
muss
man
sich
doch
sehr

wundern,
dass
auch
bei
uns
gerade
im
öffentlichen
Dienst
bei
Ämtern
und
Behörden

vernetzungstechnisch
noch
einiger
Nachholbedarf
besteht
und
eine
Modernisierung
der

vorhandenen
Strukturen
nur
sehr
schleppend
stattfindet.


Im
Gegensatz
zu
einer
Nation
wie
Deutschland
verzögert
sich
der
Aufbruch
ins
digitale

Zeitalter
in
den
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern
jedoch
nicht
durch
die
Trägheit
und

mangelnde
Flexibilität
des
Systems,
sondern
durch
die
fehlende
technische
Infrastruktur.


Noch
im
Jahr
2003
konnte
lediglich
ein
Anteil
von
10%
aller
Internetzugänge
Weltweit
de

Dritten
Welt
zugeordnet
werden.
Alleine
die
Stadt
New
York
war
zu
diesem
Zeitpunkt

zugangsmäßig
stärker
im
Internet
vertreten
als
der
gesamte
Afrikanische
Kontinent.

Für
die
Bevölkerung
dieser
Länder
sind
oft
die
sogenannte
„Multimedia‐Zentren“
in
den

größeren
Ballungsräumen
die
einzige
Möglichkeit,
zu
telefonieren,
ihre
E‐Mails

abzurufen

oder
auf
Informationen
im
Internet
zuzugreifen.


Experten
aber
warnen,
dass
die
technischen
Möglichkeiten
alleine
nicht
ausreichen,
um
den

Problemen
der
Entwicklungsländer
endlich
erfolgreich
entgegenzuwirken.
Ebenso
wichtig
ist

es,
den
Menschen
die
entsprechende
Kompetenz
im
Umgang
mit
den
neuen
Medien
zu

vermitteln
und
ihr
Interesse
für
deren
Inhalte
zu
wecken.

So
ist
es
beispielsweise
nahezu
aussichtslos,
mit
Hilfe
von
Medienberichten
über
käufliche

Behörden
die
Korruption
einzudämmen,
wenn
sich
die
Bevölkerung
nicht
für
Nachrichten

interessiert
oder
die
politischen
Hintergründe
nicht
versteht.


Deshalb
legt
das
nach
dem
zweiten
UNO
Weltgipfel
zur
Informationsgesellschaft
im
Jahr

2005
gestartete
One
Laptop
per
Child‐Projekt
besonderen
Wert
darauf,
Kindern
in

Entwicklungsländern
neben
dem
technischen
Werkzeug
auch
die
entsprechenden

Fähigkeiten
im
Umgang
mit
den
neu
verfügbaren
Informationen
zu
vermitteln.


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Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



One
Laptop
per
Child


Das
One
Laptop
per
Child‐Projekt
konzipiert
und
vertreibt
den
sogenannten
XO
Laptop,
ein
in

der
Herstellung
besonders
günstiges
Notebook,
das
sowohl
durch
seine
Hardware
als
auch

durch
die
extra
(auf
Basis
von
freier
Software
wie
dem
Betriebssystem
Linux)
entwickelte

Bedienoberfläche
speziell
auf
die
Bedürfnisse
von
Kindern
in
der
Dritten
Welt
zugeschnitten

ist.


Wie
die
Initiatoren
des
Projekts
jedoch
immer
wieder
klarstellen,
soll
dabei
nicht
die
Technik

im
Vordergrund
stehen.
Vielmehr
dient
der
„100‐Dollar‐Laptop“
lediglich
als
Mittel
zum

Zweck.
In
erster
Linie
soll
das
Notebook
in
Schulen
zum
Einsatz
kommen
und
dort
die
Kinder

beim
Lernen
unterstützen.
Wo
sich
die
Menschen
normalerweise
nicht
einmal
einen
Stift,

geschweige
denn
Schulbücher
leisten
können,
ist
der
mobile
Computer
dank
digitaler
Bücher

aus
dem
Internet
und
speziell
entwickelten
Lernprogrammen
ein
universell
einsetzbares

Werkzeug.



Was
One
Laptop
per
Child
von
bisherigen
Projekten
unterscheidet
–
so
sammelt

beispielsweise
die
französische
Firma
Ecomicro
bereits
seit
einigen
Jahren
alte
Computer,

um
sie
aufbereitet
in
Schulen
der
Dritten
Welt
wieder
zum
Einsatz
zu
bringen
–
ist
der

Versuch,
tatsächlich
jedes
Schulkind
mit
einem
eigenen
Laptop
auszustatten.
Unproduktive

Streitereien
um
den
Platz
am
Computer
entfallen
dadurch
von
vorneherein.
Ein
viel

wichtigerer
Effekt
ist
jedoch,
dass
die
Kinder
das
Gerät
nach
der
Schule
mit
nach
Hause

nehmen
können.
So
können
auch
die
Eltern
den
Umgang
mit
der
Technik
erlernen
und
die

Kinder
können
das
in
der
Schule
Gelernte
an
ihre
Familie
weitergeben.


Seit
Dezember
2007
werden
bereits
die
ersten
Geräte,
finanziert
durch
Spenden
von

Unternehmen,
Organisationen
und
Privatpersonen,
an
Schulen
in
Äthiopien
und
zahlreichen

weiteren
Ländern
ausgeliefert.
Die
Resonanz
sowohl
bei
den
Kindern
als
auch
bei
den

verantwortlichen
Betreuern
und
Lehrern
vor
Ort
fiel
bisher
überwältigend
positiv
aus.


Ein
noch
günstigeres
und
effizienteres
Nachfolgegerät
ist
derzeit
in
Planung.


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12
von
16

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



Digitale
Inquisition
in
China


Während
also
manche
Länder
gerade
erst
beginnen,
die
neuen
Medien
zu
entdecken
und

deren
Möglichkeiten
zu
begreifen,
haben
vor
allem
Schwellenländer
wie
China
mit
210

Millionen
Internetnutzern
(Stand
2007)
längst
aufgeholt
und
werden
im
Hinblick
auf
die

absolute
Anzahl
der
Internetnutzer
sogar
bald
die
USA
überholt
haben.



Umso
kritischer
beobachtet
man
daher
in
der
westlichen
Welt
die
Bemühungen
der

chinesischen
Machthaber,
das
Internet
innerhalb
des
eigenen
Landes
zu
kontrollieren.


Aufgrund
der
Zensur
von
Zeitungen
und
anderen
Nachrichtenquellen
durch
die

Propagandaabteilung
der
regierenden
Partei
sahen
viele
Chinesen
im
Internet
endlich

Hoffnung
für
eine
freie
Verbreitung
von
Informationen
und
Meinungen.


Doch
obwohl
selbst
die
chinesische
Verfassung
die
Meinungsfreiheit
garantiert,
dürfen

große
Internetportale
in
China
nur
zensierte
Meldungen
veröffentlichen,
sogar
große

Suchmaschinenanbieter
wie
Google,
Yahoo!
oder
Microsoft
müssen
ihre
Suchergebnisse

gemäß
den
Regierungsvorgaben
filtern,
um
nicht
komplett
blockiert
zu
werden
und
wichtige

Marktanteile
zu
verlieren.


Mit
einer
2005
erlassenen
neuen
Verordnung
zur
„Vereinheitlichung
von
Nachrichten
und

Informationen“
geht
die
Partei
nun
auch
verstärkt
gegen
unabhängige
Blogger
vor,
die
durch

ihre
Veröffentlichungen
„staatsfeindliche
Nachrichten“
verbreiten
oder
anderweitig
die

„nationale
Solidarität“
bedrohen.
Während
sich
viele
Laien
tatsächlich
von
den
bisher
mehr

als
60
inhaftierten
Internet‐Aktivisten
einschüchtern
lassen,
sind
es
in
China
aber
vor
allem

überzeugte
Journalisten
und
Schriftsteller,
die
sich
–
der
drohenden
Gefahr
durchaus

bewusst
–
dem
Blog
als
freiem
Publikationskanal
bedienen.


„Die
Millionen
chinesischen
Blogger
haben
eine
kritische
Masse
erreicht,
nehmen

Einfluss
auf
die
öffentliche
Meinung“,
3


sagt
eine
anonyme
Vorstandsmitarbeiterin
von
sohu.com,
einem
der
führenden
chinesischen

Webportale.

































































3

„Staat
gegen
Blogger“,
Georg
Blume
(Die
Zeit
Nr.41
06.10.2005)


Seite
13
von
16

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern



„Das
Volk
will
eine
Stimme.
Es
gewöhnt
sich
gerade
an,
sie
im
Internet
zu
erheben.

Ich
bin
sehr
skeptisch,
ob
die
Regierung
diesen
Prozess
noch
stoppen
kann.“
4


Laut
Google‐CEO
Eric
Schmidt
wird
allerdings
nicht
China,
sondern
Indien
innerhalb
der

nächsten
5
bis
10
Jahre
der
weltweit
größte
Internetmarkt
werden.


Doch
auch
die
Regierung
der
parlamentarisch‐demokratische
Republik
Indien
unternimmt

bereits
ernsthafte
Anstrengungen,
mit
Hilfe
von
Web‐Filtern
Inhalte
zu
sperren,
die
nach

indischem
Recht
strafbar
sind
oder
die
Sicherheit
des
Staates
bedrohen.


Der
Iran,
das
Land
mit
dem
angeblich
umfassendsten
Filtersystem
der
Welt,
ist
da
längst

einen
Schritt
weiter.
Hier
wird
derzeit
ein
Gesetzentwurf
diskutiert,
nach
dem
für

Internetpublikationen
der
Kategorie
„Schädigung
der
geistigen
Sicherheit
in
der

Gesellschaft“
drastische
Maßnahmen
bis
hin
zur
Todesstrafe
(es
finden
nach
wie
vor

Steinigungen
statt)
verhängt
werden
sollen.
































































4

„Staat
gegen
Blogger“,
Georg
Blume
(Die
Zeit
Nr.41
06.10.2005)


Seite
14
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16

Proseminar
„Medien
und
Gesellschaft“

Die
Bedeutung
der
Medien
in
Entwicklungs‐
und
Schwellenländern


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Proseminar
„Medien
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Gesellschaft“

Die
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