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DZPhil 2014; 62(3): 487–509

DZPhil 2014; 62(3): 487–509

Hauke Brunkhorst

Privateigentum, Verdinglichungskritik und die Vergesellschaftung der Produktionsmittel

Abstract: The problem of a society based on private ownership of productive forces is the unequal and unjust conditions of producing economic wealth and political power. The bourgeois legal concept of private property is a paradigmatic combination of the reification of universal concepts and class-interest. An exem- plary case is Hegel’s Philosophy of Law. The essay tries to reconstruct the idea of democratic socialism as a still workable alternative.

Keywords: U curve, democracy, socialism, distributive justice, reification, class interest, bourgeois society, concretisation, subjective and objective law, emanci- pation, particularity, legal regime

DOI 10.1515/dzph-2014-0033

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Die U-Kurve, die schon Colin Crouch seiner Abhandlung zur Krise der egalitären Massendemokratie zugrunde gelegt hatte und die durch Thomas Pikettys Lang- zeitstudie zum tendenziellen Anstieg der Profitrate weltberühmt wurde, läßt die Katastrophe, auf die das Kapital im 21. Jahrhundert zusteuert, auf einen Blick erkennen.1 Die, unter Bedingungen strukturell schwacher Wachstumsraten, in einem dreißigjährigen Klassenkampf von oben global durchgesetzte Einkom- mens- und Vermögensverteilung hat heute wieder das Ausgangsniveau des Jahres 1900 erreicht, in dem der Reichtum sich in immer weniger Händen konzentriert und die sozialen Differenzen groteske Ausmaße angenommen hatten. Dadurch geraten die demokratischen Institutionen unter Druck, die Wahlbe- teiligung sinkt insgesamt, steigt aber im oberen Zehntel auf oft über 90 %, und

1  Crouch (2004), 5, 20–30; Piketty (2014), 23–26, 195–196, 402–403.

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst: Universität Flensburg, Internationales Institut für Management und ökonomische Bildung, Auf dem Campus 1, 24943 Flensburg; haukebrunk@aol.com

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 Hauke Brunkhorst

488    Hauke Brunkhorst gewählt wird hier, wie einst in der DDR, immer dieselbe Partei mit

gewählt wird hier, wie einst in der DDR, immer dieselbe Partei mit der neolibe- ralen Agenda. Währenddessen sinkt der Wähleranteil in der unteren Hälfte der Gesellschaft auf bisweilen unter 30 %, während auf Nachfrage die große Mehr- zahl der Nichtwähler sozialistisch wählen würde, wenn es denn noch eine Partei gäbe, die so ein Programm chancenreich anbieten könnte.2 Stattdessen sitzen die linken Parteien, weil der Durchschnitt der tatsächlich wählenden Wahlberech- tigten immer weiter nach rechts ins obere Drittel der Klassengesellschaft driftet, in einer timidity trap fest, die den Parteien diktiert, linken Ballast über Bord zu werfen und oben rechts zu fischen, wo zwar noch Macht gewonnen, aber nicht mehr zur Durchsetzung von Alternativen genutzt werden kann.3 So wird Demo- kratie zur Fassade ubiquitärer Austeritätspolitik, ganz im Interesse einer Hand- voll global operierender Investoren, Banken und Mischkonzerne, die heute über eine ökonomische Erpressungsmacht verfügen, die ihresgleichen sucht.4 Das jeweils nächste Austeritätsdiktat muß fertig sein, bevor die Börse in Tokyo sonn- tags morgens um fünf Uhr mitteleuropäischer Zeit ihre Tore öffnet.

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Das schreiende Unrecht der Ungleichverteilung des gesellschaftlich produzierten und wie im 19. Jahrhundert überwiegend privat angeeigneten Reichtums kann schon lange nicht mehr durch individuell zurechenbare Leistungen und Meriten, geschweige denn durch anspruchsvollere Theorien der Verteilungsgerechtigkeit, die sich wie die Rawlssche am Wohlergehen der Verlierer universeller Konkurrenz orientieren, rationalisiert werden.5 In den oberen Stratosphären der Gesellschaft wird der Reichtum immer seltener durch eine kooperativ-repressive Mixtur aus Management und Ausbeutung erarbeitet und immer häufiger als arbeitsloses Vermögen, für das nur noch die andern arbeiten, vererbt.6 Shareholder-value ist zum überall sichtbaren Maß aller Dinge und die ökonomische Erpressungsmacht von unten, das Streikrecht, zu bloß nominellem Recht auf dem Papier geworden, wird es doch seit über dreißig Jahren kaum noch ausgeübt. Während die unteren Ränge der Stakeholder zusammen mit den Gewerkschaften entmachtet und der König Kunde zum unbezahlten Mitarbeiter in den Shopping-Malls promoviert

2  Schäfer (2013).

3  Krugman (2014).

4  Übereinstimmend: Streeck (2011a); Bofinger et al. (2012).

5  So auch Piketty (2014), 26–27, 330–331.

6  Ebd., 240–243, 377–429.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   489 wurde, sind nicht nur die Milliardenerbschaften,

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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wurde, sind nicht nur die Milliardenerbschaften, sondern auch die Arbeitsein- kommen und Boni der Spitzenfunktionäre globaler Finanz- und Wirtschaftsun- ternehmen von jedem erkennbaren Bezug zu Arbeitszeit und Arbeitsleistung ent- koppelt worden.7 Aber die outputorientierten Theorien bloßer Verteilungsgerechtigkeit greifen ohnehin zu kurz, haben sie doch den schon von Marx beklagten Mangel, sich

ausschließlich auf die passiv-rezeptive Verteilung von brauch- und tauschbaren Gütern zu fixieren und dabei, wie Rainer Forst zu Recht einwendet, nicht nur

1. die ökonomische Produktion des Reichtums durch „lebendige Arbeit“ (Marx) auszublenden, sondern auch

2. den Anteil der gesetzgebenden Gewalt und

3. des öffentlichen Diskurses kämpfender Gruppen und Klassen an der Erzeu- gung, Stabilisierung und Veränderung der jeweiligen Verteilungs- und Pro- duktionsverhältnisse zu vernachlässigen.

Durch die einseitige Fixierung auf das Verteilungsresultat wird der Unterschied zwischen sozialem Unrecht, Ausbeutung und Unterdrückung auf der einen und bloßer Not und Hilfsbedürftigkeit, sofern sie durch sozial invariante Mangella- gen, Unglücksfälle und Naturkatastrophen verursacht sind, auf der andern Seite verwischt.8 Während der durch Unrecht zerrissene sittliche Zusammenhang die rächenden Gewalten auf den Plan ruft, um bei den Betroffenen selbst den „Sinn für Ungerechtigkeit“ (Barrington Moore) zu wecken, kann Not lediglich an die asymmetrische Hilfsbereitschaft der Anderen appellieren. Theorien der Gerech- tigkeit, die diesen Unterschied beachten, geht es um die Aufhebung der gesell- schaftlichen Ursachen und der Ungleichheit am Ursprung der immer groteskeren Ungleichverteilung.9 Damit aber wandert die normative Theorie der Gerechtigkeit in die explanative Theorie der Gesellschaft ein und wird zur Kritik von Produk- tions- (Marx) und Verständigungsverhältnissen (Habermas), die mit der Erzeu- gung und Restabilisierung politischer und unpolitischer (Klassen-)Herrschaft für eine entsprechend ungleiche Verteilung gesellschaftlichen Reichtums sorgen.10

7  Crouch (2011); Streeck (2011b).

8  Vgl. Forst (2014).

9  Vgl. Kreide (2013a); dies. (2013b).

10 Zu diesem Theorietypus vgl. Habermas (1983).

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490    Hauke Brunkhorst 3 Die Kritik an der Ausblendung der gesellschaftlichen Erzeugungsbedingungen des sozialen

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Die Kritik an der Ausblendung der gesellschaftlichen Erzeugungsbedingungen des sozialen Unrechts durch die Theorien distributiver Gerechtigkeit erinnert an ältere, vorwiegend marxistische (Lukács) oder pragmatistische (Dewey), aber auch rechtspositivistische (Kelsen) Kritiker der bürgerlichen Philosophie und Wissenschaft.11 Diese, zeitlich auf die junghegelianische Konstellation zurückge- hende Kritik hat (1) eine sachliche und (2) eine soziale Seite. Das nötigt (3) zur geschichtlich gesellschaftlichen Korrektur, nicht zur Preisgabe des abstrakten Begriffs der Gleichheit. (1) Sachlich trifft sie sich mit der Kritik der phänomenologischen, hermeneu- tischen und sprachanalytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts an der Verding- lichung des Universellen (Quine) durch Ontologie und Bewußtseinsphilosophie.12 Kritisiert wird die Herrschaft der Reflexionsmetapher (Rorty) auf der einen, die des Begriffs (Adorno) auf der andern Seite. Zurückgewiesen wird von den einen der Vorrang der kognitiven Darstellung (Austin), von den andern die Hegemonie instrumenteller Vernunft (Horkheimer). Kritisiert wird die dualistische Metaphy- sik, die davon ausgeht, daß sprachliche Ausdrücke für Klassen möglicher Gegen- stände auf etwas verweisen, was nicht begrifflich und durch menschliche Praxis hervorgebracht und deshalb änderbar ist.13 Ontologie und Bewußtseinsphiloso- phie haben das Nachdenken über unsere Verständigungspraktiken „sogleich zu einem übersinnlichen Seienden vergegenständlicht“.14 Die Definition der Wahr- heit als Übereinstimmung (oder Ähnlichkeit) zwischen Sätzen und Sachen ist das Musterbeispiel einer Verdinglichung unserer Praxis, uns der Triftigkeit strittiger Sätze in intersubjektiven Verfahren und Diskursen zu vergewissern. Auch das veritative Sein ist ein Zu-Sein (to be).15 Ganz so wie die alten Propheten gegen die Verdinglichung ihres universellen Gottes zum hölzernen Götterbild polemi- siert haben, polemisiert der Pragmatismus gegen die Verdinglichung universeller Wahrheitsansprüche, auf die wir uns im zeitlich situierten Sprachgebrach andern gegenüber festlegen, zu zeitlosen Entitäten: „When we go, so do our norms and

11  Pragmatisten bevorzugen oft den Ausdruck „aristokratisch“, um das gesamte Denken von

Platon bis Hegel in einen Topf zu packen. 12 Oft verbunden mit einer entwicklungsgeschichtlichen Stufung in Ontologie, Bewußtseins- philosophie und Sprachanalyse (linguistic turn) bzw. in vor- und nachmetaphysisches Denken,

vgl. z. B. Apel (1973); ders. (2011); Tugendhat (1976), 35–51, 80–104; Rorty (1980); Schnädelbach (1985), 46–76; Habermas (1988), 20–26, 35–60.

13  Quine (1951), 123.

14  Tugendhat (1976), 51.

15  Ebd., 484–494.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   491 standards of rational assertibility. Does truth go

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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standards of rational assertibility. Does truth go too? Truth neither comes nor goes. That is not because it is an entity that enjoys an atemporal existence, but because it is not an entity at all. The word ‚truth‘ in this context is just the reification of an approbative and indefinable adjective.“16 Mit ähnlichen Argumenten hat Hans Kelsen die Assimilation der Normativität des Rechts an die Faktizität der Macht, die Vergöttlichung des Staats und die Verdinglichung der rechtlich organisierten Erzeugung und Legitimation des Rechts zur höheren Legitimität einer hinter dem Recht stehenden Staatssouveränität kritisiert.17 Indem sie an ein übersinnliches Seiendes fixiert werden, werden bedeutungsgenerierende Verständigungsprakti- ken zu einer zweiten Natur fetischisiert, durch die gesellschaftliche Verhältnisse zwischen Menschen und von Menschen geschaffenen Begriffen in dingliche Naturverhältnisse zurückverwandelt werden. Gesellschaftliche Rechtsverhält- nisse werden vom bürgerlichen Staatswillenspositivismus in Naturverhältnisse umgedeutet und dadurch „gerechtfertigt“, „verklärt“ und „verhüllt“.18 (2) Der Übergang von der sachlichen Kritik an der Verdinglichung des Uni- versellen zur praktischen Kritik der sozialen Klassenschranken einer philosophi- schen oder wissenschaftlichen Denkweise ist vor allem dann plausibel, wenn Herrschaftsverhältnisse „zwischen Personen“ den „Charakter einer Dinghaftig- keit“ und „gespenstigen Gegenständlichkeit“ annehmen, durch die „verdeckt“ wird, daß es sich um eine zeitliche und änderbare „Beziehung zwischen Men- schen“ handelt.19 In solchen Fällen kann die latente Bindung an materielle und ideelle Klasseninteressen zur Erklärung von Inkonsistenzen und Anomalien des jeweiligen Forschungsprogramms herangezogen werden. So erklärt John Dewey in den 1920er Jahren die ontologische Verdinglichung des Universellen durch die Nähe der optischen Metapher zur aristokratischen Distinktion, dem Blick von oben herab, den das verständigungsorientierte Ohr im symmetrischen Modus demokratischer Partizipation überwindet.20 Ungefähr zur selben Zeit erklärt Lukács die Antinomien des bürgerlichen Denkens aus seiner Beschrän- kung durch das bürgerliche Klasseninteresse. Der transzendentalphilosophische Rückzug der (neukantianischen) Kritik auf die „formellen Geltungsvorausset- zungen […] der Einzelwissenschaften“ hat zwar die alteuropäische Ontologie überwunden, diesen Fortschritt aber damit erkauft, daß die Kritik an den Ein-

16 Rorty (1993), 453. 17 Vgl. Kelsen (1960); vgl. auch ders. (1981), 45–56; zu Kelsens Begriff der Souveränität Möllers (2000), 251, 254–255. 18 Kelsen (1967), 73. 19 Lukács (1923), 94. 20 Dewey (1984), 371.

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 Hauke Brunkhorst

492    Hauke Brunkhorst zelwissenschaften Halt macht, um diese „unangetastet und unkorrigiert“ einer rein

zelwissenschaften Halt macht, um diese „unangetastet und unkorrigiert“ einer rein technisch-instrumentellen Rationalität zu überlassen. Mit wachsender, technisch-instrumenteller „Beherrschung“ der „Einzelheiten ihres gesellschaft- lichen Daseins“ erscheint jedoch das „Ganze“ der „bürgerlichen Gesellschaft“ umso unbeherrschbarer. Damit aber werden die bestehenden Herrschafts- und Produktionsverhältnisse jeder Kritik entzogen und in ein „schlechthin Hinzuneh- mendes“: in unveränderliche, dingliche „Faktizität“ verwandelt.21 Zwar hat die Bewußtseinsphilosophie in „reflektierender Abstraktion“ (Piaget) einen universellen und egalitären Freiheitsbegriff entwickelt und ihrer Rechts- und Staatsphilosophie zugrunde gelegt, der sich als scharfe „Waffe der Kritik“ (Marx) am alteuropäischen Ordnungsdenken erwiesen und einen wesent- lichen Anteil am Erfolg der großen Verfassungsrevolutionen des 18. Jahrhun- derts hatte. Aus privilegierten Freiheiten wurden universelle Freiheitsrechte. Aus höherer, monarchischer Legitimität wurden Verfahren egalitärer Legitimation, und das Volk wurde in den beiden Rollen der verfassungsgebenden und der verfaßten Gewalt zum Souverän. Überdies wurde die durch Rechte ermöglichte Volkssouveränität durch die funktionalen Gliederung der drei Gewalten verwirk- licht, zu einem „Festen an Organisation“ (Hegel) und für alternativlos erklärt (Art. 16 französische Rechteerklärung). Aber zur gleichen Zeit scheidet der Begriff des Privateigentums an Produkti- onsmitteln den selbständigen Perückenmacher vom unselbständigen Friseur, die selbstbestimmte Aktivbürgerschaft vom fremdbestimmten Untertan, den freien weißen Herrn von der farbigen Sklavennatur, die gleichberechtigte Herrschaft männlicher Bürger vom „inneren Feind“ des „Gemeinwesens“, der ihm in Gestalt des Weiblichen entgegentritt.22 Schon in den ersten Tagen der Revolution beset- zen die jakobinischen Verkünder der allgemeinen Menschenrechte alle wichti- gen Positionen in Staat und Gesellschaft mit ihren Klassengenossen.23 Nur ein einziges Recht wird in der knappen Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers, die ansonsten kein einziges überflüssiges Wort enthält, alles „Ständi- sche und Stehende“ „verdampfen“ lässt und „alles Heilige“ „entweiht“24, gleich zweimal zur „unverletzlichen und heiligen“ (Art. 17) Norm aller Verfassungen erklärt: das Privateigentum (Art. 2 und 17). Das „tragische“ Element im „dialek- tischen Widerspruch“ zwischen universell hochfliegendem Klassenbewußtsein und partikular ernüchtertem Klasseninteresse der Bourgeoisie sieht Lukács

21  Lukács (1923), 133–134.

22  Hegel (1952), 340; vgl. auch Wesche (2014).

23  Tilly (1995), 167–168; vgl. Thornhill (2011), 221; Bellomo (1995), 7–11.

24  Marx/Engels (1997), 23.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   493 darin, „daß die Bekämpfung der ständischen

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darin, „daß die Bekämpfung der ständischen Organisation der Gesellschaft im Namen einer ‚Freiheit‘ geleistet wurde, die im Moment des Sieges zu einer neuen Unterdrückung verwandelt werden mußte“.25 Kants „Entdeckung“, so auch Adorno, „war progressiv: […] Durch die Etablierung der vernünftigen Einheit des Willens als alleiniger sittlicher Instanz erlangt“ das menschliche Subjekt „Schutz gegen die ihm von der hierarchischen Gesellschaft angetane Gewalt […]. Verin- nerlichung der Gesellschaft als ganzer tritt anstelle der Reflexe einer ständischen Ordnung“.26 Der freie Wille ist „die Kraft des Bewußtseins, mit der es den eigenen Bannkreis verläßt und dadurch verändert, was bloß ist“.27 Aber genau hier stößt die Kraft des Bewußtseins auf eine Antinomie des bürgerlichen Denkens: Kants „bürgerlich verzagter Abscheu vor Anarchie ist nicht geringer als sein bürger- lich selbstbewußter Wille gegen Bevormundung. […] Daß Kant Freiheit eilends als Gesetz denkt, verrät, daß er es so wenig streng mit ihr nimmt wie je seine Klasse.“28 Am Ende schlägt „absolute Autonomie des Willens“ in „absolute Herr- schaft über die innere Natur zurück“.29 (3) Zwar gilt mit John Rawls, daß es dieselbe Gleichheit, die schon die ame- rikanische Unabhängigkeitserklärung allen Menschen zuschreibt, ist, auf die Lincoln sich berufen hat, „um die Sklaverei zu verurteilen“, und auf die sich im 20. Jahrhundert diejenigen berufen, die die „Ungleichheit und Unterdrückung der Frauen (…) verurteilen“.30 Aber, und das ist die doppelte Quintesssenz der sachlichen und der sozialen Kritik an der Verdinglichung des Universellen, das kann man erst wissen, wenn man es getan hat. Solange die postulierte gleiche Freiheit aller die Sklaven, Frauen, Unselbständigen und Farbigen ausschließt, bleibt sie für diese eine schlechte Abstraktion, die sie im Namen der Menschheit um ihre Menschlichkeit betrügt. So wie es keinen Baum hinter dem Stamm, den Ästen und Blättern gibt, so gibt es keinen Staat hinter den Recht, und kein Recht hinter der Vielzahl seiner Gesetze, Verordnungen, Urteile und Vollstreckungsbe- fehle.31 Die gleiche Freiheit aller ist so wenig eine zeitlose Entität wie die Wahr- heit oder eine Klasse möglicher Gegenstände. Sie existiert ausschließlich in ihren jeweiligen gesetzlichen und normativen Konkretisierungen und nur in diesen und nicht dahinter.

25 Lukács (1923), 73–74. 26 Adorno (2003), 237. 27 Ebd., 240. 28 Ebd., 248. 29 Ebd., 253. 30 Rawls (1998), 27. 31 Kelsen (1960), 177.

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 Hauke Brunkhorst

494    Hauke Brunkhorst 4 Privateigentum ist ein Rechtsbegriff, in dem die Gleichgültigkeit des Rechts mit

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Privateigentum ist ein Rechtsbegriff, in dem die Gleichgültigkeit des Rechts mit der administrativen Macht des Staates und den Verwertungsimperativen der kapitalistischen Ökonomie zusammentrifft, deren Arbeitsmarkt das Zeit kon- sumierende Diktat der toten über die lebendige Arbeit entspringt. Indem die Bewußtseinsphilosophie und die ihr folgende Verfassungs- und Rechtstheorie des 18. und frühen 19. Jahrhunderts das Privateigentum in der Beziehung einer Rechtsperson zu einer Sache begründet und daraus ein subjektives Recht ableitet, das der objektiven Ordnung des positiven Rechts transzendental vorgegeben ist, verbindet sich im Begriff des Eigentums exemplarisch die Verdinglichung des uni- versellen Rechtsbegriffs mit dem Klasseninteresse des Bürgertums. Noch Hegels Rechtsphilosophie folgt dieser Ordnung der Dinge.32 Hegel geht dabei, ganz so wie die Rechterklärungen und die Rechtstheorien seiner Vorgän- ger, vom universellen Rechtsbegriff aus, indem er das Recht als freien, sich selbst reflektierenden und wollenden Willen bestimmt (§§ 4, 21, 27), der sodann als dessen „Dasein“, und das heißt, als dessen geschichtlich gesellschaftliche Wirk- lichkeit, näher bestimmt wird (§ 29). Doch wie in den frühen Verfassungstexten und bei seinen Vorgängern konkretisiert sich das rechtliche Dasein universeller Freiheit einer und eines jeden in einer gültigen Rechtsordnung, deren „ideologi- sche Funktion“ darin liegt, die Erhaltung und Vermehrung des Privateigentums und damit die private Kapitalakkumulation zu gewährleisten und dem gestalten- den Zugriff des Gesetzgebers eine „unübersteigbare Schranke“ entgegenzuset-

zen.33

Indem Hegel das „Prinzip des Idealismus“, das logisch in der negativ abstra- hierenden Reflexion des Subjekts, rechtlich im Dasein des freien Willens liegt, privatrechtlich konkretisiert und mit dem „Prinzip des Eigentums“ vereinigt, „verliert die Hegelsche Auffassung ihren kritischen Inhalt und dient schließlich zu einer metaphysischen Rechtfertigung des Privateigentums“.34 Der Idealismus, der (als kritische Theorie) lediglich darin besteht, „die Dinge“ nicht zu verabsolu- tieren, sie also „nicht, wie sie sind, für an und für sich“ feststehend, sondern für änderbar zu halten (§ 44, Zusatz) – Adornos Kraft des Bewußtseins, zu ändern, was bloß ist (siehe oben, Abschnitt 3) – verabsolutiert ausgerechnet die Institu- tion des privaten Eigentums. Hegel löst sie (wie der Platoniker das Universelle) aus „jedem zufälligen Zusammenhang“ heraus und „hypostasiert“ sie „als eine

32  Hegel (1970), im Folgenden mit Paragraphenangaben in Klammern zitiert.

33  Kelsen (1960), 175.

34  Marcuse (1962), 170.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   495 ontologische Beziehung“.35 Damit wird das

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ontologische Beziehung“.35 Damit wird das Privateigentum zusammen mit den ungleichen Bedingungen seiner Erzeugung und Verteilung zum eigentlichen Maß rechtlicher Freiheit: Einheit von begrifflicher Verdinglichung und sozialer Herr- schaft. Die gleiche Freiheit aller verkehrt sich nicht nur im Begriff, auch im wirkli- chen Leben, in ihre Verdinglichung: „Die Person geht in ihrem Eigentum unter und ist nur aufgrund ihres Eigentums Person.“36 Das Eigentum an der eigenen Arbeitskraft wird dem Verwertungsimperativ toter Arbeit (konstantes und varia- bles Kapital) unterworfen und die Lebenszeit bis auf den Rest, der zur Reproduk- tion des materiellen, geistigen und rechtlichen Lebens erforderlich ist, zu fremd- bestimmter Arbeitszeit, wie schon Hegel selbst klar erkannt hat: „Von meinen besonderen […] Geschicklichkeiten […] kann ich […] einen in der Zeit beschränkten Gebrauch von einem anderen veräußern. Durch die Veräußerung meiner ganzen, durch Arbeit konkreten Zeit […] würde ich […] meine Persönlichkeit zum Eigen- tum eines anderen machen.“ (§ 67, Hervorhebungen im Original) Ein „großer Fortschritt“ „politischer Emanzipation“, aber keiner der „menschlichen“.37 In der wirklichen Geschichte wird die Sklaverei, sowie sich die Fabriktore hinter dem freien Arbeiter geschlossen haben, zum Modell der Lohnarbeit.38 Die im Eigentum vergegenständlichte Freiheit befestigt die Schranke des sub- jektiven gegen das objektive Recht als Klassenschranke der politischen Emanzipa- tion des Menschen und des Bürgers. Eigentum ist, wie Hegel nüchtern materia- listisch feststellt, der „Boden der Ungleichheit“ (§ 49), der von der Gleichheit nur ein Recht im Konjunktiv, daß „jeder Mensch Eigentum haben“ „müßte“, übrig-, und es ansonsten bei der Gleichgültigkeit des Rechts „gegen die Besonderheit“ bewenden läßt (§ 49, Zusatz). Ist die politische Emanzipation zur Allgemeinheit des Gesetzes, das für jeden gleichermaßen gültig ist, progressiv und in der Tat ein großer Fortschritt, so ist ihre rechtliche Konkretisierung für das menschliche Wesen des Individuums regressiv, wird doch seine Besonderheit – Adornos Nich- tidentisches – unter der Herrschaft des Privateigentums und der privaten Kapi- talakkumulation vergleichgültigt und den Real-Abstraktionen administrativer Macht, technischen Rechts und ökonomischer Verwertbarkeit unterworfen.39

35 Ebd., 174. 36 Ebd., 175. 37 Marx (1976), 356, 370. 38 Ders. (1969), 190–191; mit Verweisen auf die historische Forschung: Buck-Morss (2009). 39 Marcuse (1962), 175; zum doppelsinnigen Begriff der Gleichgültigkeit vgl. Theunissen (1980),

433–471.

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 Hauke Brunkhorst

496    Hauke Brunkhorst Mehr noch, unter der Herrschaft des Privateigentums blockiert die politische die

Mehr noch, unter der Herrschaft des Privateigentums blockiert die politische die menschliche Emanzipation zu einer „Welt“ „wirklich individueller Menschen“, die sich in ihrem „empirischen Leben“, ihrer „individuellen Arbeit“ und ihren „individuellen Verhältnissen“ selbst bestimmen könnten.40 Erst die Befreiung von der Herrschaft des Privateigentums, der privaten Kapitalakkumulation und ihres Zeitdiktats würde den „eigentümlichen Wert“ der „Menschenwelt wie [der] Natur“,41 ja, auch des „Menschen als Bekenner einer besondern Religion“ in „seinem wirklichen individuellen Leben“ zu gleicher Geltung bringen.42 Marx gibt in dieser Zeit, im Jahr 1844, nur ein einziges, aber signifikantes Bei- spiel für die Differenz zwischen politischer und menschlicher Emanzipation. Die Schwelle zur menschliche Emanzipation wäre, so argumentiert er in Die Heilige Familie, genau dann überschritten, wenn der „jüdische Sabbat“ „dasselbe Recht“ auf einen gesetzlichen Feiertag hätte wie der christliche Sonntag, den die christli- che Parlamentsmehrheit im politisch emanzipierten Frankreich wenige Jahre zuvor durchgesetzt hatte.43 Erst dann wäre es „dieselbe Gleichheit“ (Rawls) der französi- schen Verfassung, die der Besonderheit des christlichen Sonntags ebenso gerecht würde wie der des jüdischen Sabbats.44 Aber affirmative action und Antidiskrimi- nierungsnormen, die das Verlangen menschlicher Emanzipation, dem Besonderen und den je besonderen Lebensumständen gerecht zu werden, in (wie immer unzu- reichende) Rechtsbegriffe fassen, gab es in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die noch durch und durch bürgerlich in ihrem Klassencharakter war, nicht. Ein anderes, wichtiges Beispiel menschlicher Emanzipation findet sich im ersten Band von Das Kapital. Es betrifft die gesetzliche Limitierung des Arbeits- tags, durch die der „Zwang“ der Lohnarbeit, „sich selbst freiwillig zu verkaufen“, gelockert und ein Teil des „individuellen Eigentums“ frei verfügbarer Zeit, das Marx vom Privateigentum unterscheidet, „wieder hergestellt“ wird.45 Das Bei- spiel des erfolgreichen Kampfes um den Normalarbeitstag in England 1833–1864 zeigt, daß die Blockade der menschlichen Emanzipation durch die politische im Medium der politischen Emanzipation – durch öffentlichen Klassenkampf, gewerkschaftliche Assoziation und Parlamentsgesetze – aufgehoben und die negative Dialektik dieses großen Fortschritts durch ihn selbst korrigiert und dem kapitalistischen Zeitdiktat abgerungen werden kann. An die Stelle des „prunk-

40  Marx (1976), 370.

41  Ebd., 375–376.

42  Ebd., 355.

43  Ders. u. Engels (1990), 122.

44  Zum Begriff der Besonderheit erhellend vgl. Hindrichs (2014).

45  Marx (1969), 294–320, 791, 793; zum Kriterium frei verfügbarer Zeit vgl. auch ders. (1953), 594,

596; ders. (1968), 252–253.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   497 vollen [subjektivrechtlichen] Katalogs der

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vollen [subjektivrechtlichen] Katalogs der ‚unveräußerlichen Menschenrechte‘“, die den Fortschritt politischer Emanzipation verkörpern, aber seinen ökonomi- schen Kern, die private Kapitalakkumulation, dem verändernden Zugriff des Gesetzgebers entziehen, „tritt die bescheidene [objektivrechtliche] Magna Charta eines gesetzlich beschränkten Arbeitstages“, die einen weiteren Fortschritt, den ersten, politisch erkämpften Schritt zur menschlichen Emanzipation macht und damit einer radikalen – sei’s reformistischen, sei’s revolutionären – Uminterpre- tation der Menschenrechte die Tür öffnet: „Quantum mutatut ab illo!“46 Die Kritik des gesellschaftlichen Unrechts der Klassenherrschaft und der durch sie unterdrückten Besonderheit zielt in diesen Beispielen nicht auf die Kor- rektur des Resultats ungleich verteilter Güter, sondern auf die Aufhebung unglei- cher und ungerechter Produktions- und Erzeugungsbedingen gesellschaftlicher Herrschaft (siehe oben, Abschnitt 2).

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Die Hegelsche Rechtsphilosophie bleibt bei ihren Voraussetzungen im „abstrak- ten“, subjektiven Recht nicht stehen, sondern holt sie Schritt um Schritt ein, um sie am Ende in die sittliche Totalität des vernünftigen Staates aufzuheben.47 Dadurch soll die Beschränktheit der jeweils vorhergehenden Form negiert und überwunden, das Abstrakte konkretisiert und die Vernunft verwirklicht werden. Aber das aufhebende Einholen der Voraussetzungen durch eine kritische und negative Theorie von Recht und Gesellschaft endet in Hegels Rechtsphilosophie mit der vollständigen Affirmation der Herrschaft des Privateigentums und seiner Verklärung zur substantiellen Sittlichkeit der bürgerlichen Gesellschaft. Die Men- schenrechte, deren cash value sich 1820, als die Grundlinien publiziert wurden, im subjektiven Recht des Privateigentums erschöpfte (siehe oben, Abschnitt 3), markieren die Grenze der rechtlichen Konstitution des Systems der Bedürfnisse (§ 209). Hegel beschreibt dieses System als ein funktional ausdifferenziertes, kapi- talistisches Wirtschaftssystem (§§ 198–200), das seiner „gefährlichen Zuckun- gen“, „Interessen“-„Kollisionen“ (§ 236) und „dem Übermaße der Armut und der Erzeugung des Pöbels“ nicht Herr werden kann (§ 245).48 Die subjektiven Men- schenrechte, die für die politische Emanzipation der unpolitischen bürgerlichen

46 Ders. (1969), 320; vgl. Çıdam (2012). 47 Zur zentralen dialektischen Denkfigur des Einholens der Voraussetzungen vgl. Bubner (1973). 48 Zu letzterem vgl. Ruda (2011).

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 Hauke Brunkhorst

498    Hauke Brunkhorst Gesellschaft und die Freiheit des Warenverkehrs „von unendlicher Wichtigkeit“ sind,

Gesellschaft und die Freiheit des Warenverkehrs „von unendlicher Wichtigkeit“ sind, grenzen jedoch zugleich das System des expandierenden und in immer weniger Händen konzentrierten Privateigentums (§ 244) gegen den gestaltenden Zugriff der gesetzgebenden Gewalt ab. Das Menschenrecht wird in dem Augen- blick „mangelhaft“, in dem es „als Kosmopolitismus sich dazu fixiert, dem kon- kreten Staatsleben“ und seiner Bindung durch das subjektive Recht des Privatei- gentums „gegenüberzustehen“ (§ 209, Hervorhebung im Original). Zwar ist für Hegel das System privater Kapitalakkumulation ein „System der […] verlorenen Sittlichkeit“ (§ 184), ein „Schauspiel […] sittlichen Verder- bens“ (§ 185), bloßes „Scheinen der Vernünftigkeit“ (§ 189) aus einem geschicht- lich („geistig“) erzeugten „Rest des Naturzustandes“, der die „von der Natur […] gesetzte Ungleichheit der Menschen […] nicht nur nicht aufhebt, sondern aus dem Geist produziert“ und vervielfältigt (§ 200). Aber auch die Unterordnung des „Not- und Verstandesstaates“ (§ 183) der bürgerlichen Gesellschaft (Wirtschaftssystem, Rechtssystem, Korporation und Polizei) unter die höhere Vernunft des autonomen Verfassungsstaats bleibt dem Zweck verpflichtet, die Selbsterhaltung der bürger- lichen Gesellschaft zu gewährleisten und deren Kerninstitution, das „Palladium des sittlichen Staats, das Eigentum“ (Heine) zu verklären und vor Übergriffen des Pöbels, der öffentlichen Meinung und des Gesetzgebers zu schützen. Zwar bestimmt Hegel die im subjektiven Recht des Privateigentums objek- tivierte Freiheit als deren „erste“, noch „schlechte Realität“ (§ 41, Zusatz) und hebt diese Voraussetzung in der (wie immer dann restriktiv konkretisierten) poli- tischen Freiheit des Individuums, die Gesetze, deren Adressat es ist, selbst zu bestimmen, auf. Er legt die Gesetzgebung aber von vornherein auf den Zweck fest, den „Schutz des Eigentums durch die Rechtspflege“ (§ 208) zu verwirkli- chen.49 Das subjektive Freiheitsrecht erweist sich für Hegel als „unübersteig- bare Schranke“ (Kelsen) der politisch-rechtlichen „Herrschaft Beherrschter“.50 Das Einholen dieser Voraussetzung, die das Recht mit der ökonomischen Basis der Gesellschaft verklammert, scheitert: Das System des Privateigentums bleibt Zentrum und Basis der Rechtsphilosophie, ihre Klassenschranke. Das ist jedoch keineswegs das letzte Wort der dialektischen Gesellschafts- theorie Hegels, relativiert diese doch schon im abschließenden Kapitel über das Völkerrecht das Recht von Staat und Gesellschaft am Recht des Weltgeistes.51 Noch deutlicher fällt die Relativierung aus, wenn Hegel den Wahrheitsanspruch des Staates bzw. des objektiven Geistes auf die Gestalten, Wertsphären (Weber)

49  Vgl. Marcuse (1962), 181, 187–188.

50  Vgl. Möllers (1997), 97.

51  Vgl. Fine (2003).

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   499 oder Subsysteme (Parsons) des absoluten Geistes,

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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oder Subsysteme (Parsons) des absoluten Geistes, auf Religion, Kunst und Wis- senschaft bezieht, um jenen der in diesen verkörperten „ungeheuren Macht des Negativen“ auszusetzen.52 Gemessen am Freiheits-, Gleichheits- und Vernunftbe- griff des absoluten Geistes wird nicht nur der bürgerliche Staat des Privateigen- tums an Produktionsmitteln, sondern der Staat überhaupt für zu kurz befunden und zur bloßen Episode im Ozean der Weltgeschichte entzaubert.53 Die Grund- begriffe der Freiheit und der Vernunft, die dem objektiven Geist zugrunde liegen und die – wechselseitig relativierende – Verbindung zum absoluten Geist herstel- len, dürfen jedoch ihrerseits nicht zu einer zeitlosen Entität oder einer in allem Wandel beharrenden Wesenheit verdinglicht werden. Nur wo sie tatsächlich als Negation ihrer beschränkten Konkretisierungen vollzogen wird, existiert die Ver- nunft, Freiheit und Gleichheit der Rechteerklärungen des 18. Jahrhunderts als dieselbe, die erst in der sozialen Kritik des Privateigentums und dann in der femi- nistischen Kritik der Unterdrückung der Frauen eingeklagt worden ist. Herbert Marcuses Interpretation der Hegelschen Rechtsphilosophie ist inte- ressant, weil sie die affirmative Schließung dieser Philosophie nicht nur auf die resignativ materialistische Einsicht Hegels in die faktische Übermacht der gesell- schaftlichen Basis zurückführt54, sondern, wie Kelsen und andere Kritiker der Verdinglichung des Universellen, auch auf die begriffliche Hypostasierung zufäl- liger, geschichtlicher und intersubjektiver Rechtsbeziehungen zwischen Perso- nen zu einer ontologischen Beziehung zwischen dem Subjekt und den Sachen.55 Schon Hegel selbst hat deshalb zwischen der Verdinglichung des Eigentums zu einer ontologisch unverrückbaren, in der natürlichen und naturrechtlichen Beziehung der Person zu einer Sache begründeten Voraussetzung allen positi- ven Rechts, die er in den Grundlinien vollzogen hat, und einem (in der Jenenser Realphilosophie und der Phänomenologie des Geistes ausgeführten) Verständnis des Privateigentums als einer Beziehung zwischen Menschen, die sich gesetzlich ausgestalten und ändern läßt, geschwankt.

52 Hegel (1952), 29. Zur Rolle der Relativierung aller Substantialisierungen bei Hegel vgl. jüngst Larmore (2014), 151. 53 Vgl. Marcuse (1962), 161–162, 181–183, 198–199. 54 „Hegel wußte, daß ‚eine Gestalt des Lebens‘ alt geworden war und daß sie durch die Philosophie niemals verjüngt werden konnte. Die letzten Abschnitte der Vorrede kennzeichnen den Tenor der gesamten Philosophie des Rechts. Sie markieren die Resignation eines Mannes, der weiß, daß das Ende der von ihm dargestellten Wahrheit sich abzeichnet und daß sie die Welt nicht länger beleben kann.“ Ebd., 165–166. 55 Ebd., 173, Fn. 2, 174.

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 Hauke Brunkhorst

500    Hauke Brunkhorst 6 Das nun ist genau der Punkt, an dem nicht nur (1)

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Das nun ist genau der Punkt, an dem nicht nur (1) die Marxsche Kritik an den ungleichen, durch die unpolitische Herrschaft des Kapitals über die Arbeit („Aus- beutung“) geprägten Erzeugungsbedingungen des gesellschaftlichen Reichtums einsetzt, sondern auch (2) Kelsens Kritik an den ungleichen, durch politische Herrschaft eines politisch-ökonomischen Machtblocks über die Bürgerschaft geprägten Erzeugungsbedingungen des positiven Rechts. Beider Kritiken stehen eher in einem Ergänzungs- als in einem Konkurrenzverhältnis. Sie widersprechen sich nur, wenn, wie im orthodoxen Marxismus, das eine auf das andere reduziert

wird.56

(1) Die Kritik der Produktionsverhältnisse antwortet auf das Unrecht der ungleichen Erzeugungsbedingungen des gesellschaftlichen Reichtums mit der Formel von der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die „ökonomische Basis“ (Marx) gehört auch bei Rawls zur basic structure gerechter Institutionen.57 Dabei geht es um „Alternativen zum Kapitalismus“, die „fairen Zugang zu fairen Verfahren“ gewährleisten sollen, denn der Laissez-faire- Kapitalismus „gewährleistet nur formale Gleichheit und lehnt sowohl den fairen Wert der gleichen politischen Freiheiten als auch faire Chancengleichheit ab.“58 Faire Chancengleichheit wird von Rawls in der Theorie der Gerechtigkeit durch die Kombination der beiden Dimensionen „jedermanns Vorteil“ (Differenzprinzip) und „jedem offen“ (Chancengleichheit) als demokratische Gleichheit bestimmt und von der liberalen Gleichheit des Laissez-faire-Kapitalismus scharf abgegrenzt (political vs. neo-liberalism).59 Um demokratische Gleichheit zu ermöglichen, müssen die strukturellen Eingangsbedingungen distributiver Gerechtigkeit zumin- dest so beschaffen sein, daß die „freien Märkte […] in politische und juristische Institutionen eingebettet werden, die den wirtschaftlichen Gesamtablauf regeln und die gesellschaftlichen Verhältnisse aufrechterhalten, die für faire Chancen- gleichheit notwendig sind.“60 Zu diesen Eingangsbedingungen an der ökonomischen Basis des nach außen (external) „adaptive system“ (Parsons), also der Wirtschaft der Gesellschaft gehört aber auch deren „Naturbasis“ (Marx), insbesondere der menschliche Organismus. Die (wie bei Hegel) weder gerechte noch ungerechte, aber aus der

56  Für diese treffende Kritik vgl. Kelsen (1967).

57  Rawls (2003), 210 ff.

58  Ebd., 206, 211, 214.

59  Ders. (1971), 86.

60  Ebd., 93.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   501 Perspektive immer schon sozialisierter Akteure

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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Perspektive immer schon sozialisierter Akteure willkürliche und deshalb (anders als in Hegels bürgerlichem Denkhorizont) gerechtigkeitsrelevante Lotterie der Natur muß kompensatorisch ausgeglichen werden.61 „Gerecht oder ungerecht ist die Art, wie sich die Institutionen angesichts dieser Tatsache verhalten.“ Die basic structure der Gesellschaft übernimmt die „Willkür der Natur“. Doch die Menschen müssen sich „diesen Zufällen nicht […] unterwerfen. Das Gesell- schaftssystem ist keine für Menschen unveränderliche Ordnung, sondern ein menschliches Handlungsmuster.“62 Deshalb darf, wer „von der Natur begünstigt ist, sei es, wer es wolle, […] sich der Früchte nur soweit erfreuen, wie das auch die Lage der Benachteiligten verbessert“.63 Die Kritik an den ungleichen und ungerechten Erzeugungsbedingungen des Reichtums trifft aber nicht nur den Laissez-faire-Kapitalismus, sondern auch den in jüngster Zeit gern verklärten „wohlfahrtsstaatlichen Kapitalismus“ (New Deal, Rheinischer Kapitalismus, Beveridge-System, Folkhemmet), der den Reich- tum gerechter verteilt, zumindest unten mehr übrig läßt, aber die Demokratie technokratisch aushöhlt, was dann in Motivationskrisen, Struktur- und Legiti- mationsproblemen manifest wird.64 Die technokratische Überformung der demo- kratischen Institutionen hat dazu geführt, daß „affirmative action“ „white“ und männlich bestimmt blieb, trotz entgegenstehendem, inklusivem Wahlrecht.65 Der wohlfahrtsstaatliche Kapitalismus ist ein exemplarischer Fall des strukturel- len Unrechts rein ergebnisorientierter Verteilungsgerechtigkeit. An den Eingangs- bedingungen der Produktion sind nämlich Macht und Ohnmacht, Selbstbestim- mung und Fremdbestimmung höchst ungleich verteilt, gestattet er doch ein immer noch sehr „hohes Maß an Ungleichheiten hinsichtlich des Besitzes von realem Eigentum (Produktionsmittel und natürliche Ressourcen), so daß“ – vor allem an der Eingangsseite des Systems – „die Steuerung der Wirtschaft und ein großer Teil des politischen Lebens in wenigen Händen liegen“.66 Ähnliches gilt, massiv verschärft, vom sowjetischen System des bürokratischen Sozialismus mit seiner nicht Marx, sondern dem Zarismus entlehnten Planwirtschaft.67 Zu einer anspruchsvollen Gerechtigkeitstheorie demokratischer Gleich- heit passen am besten vergesellschaftete Produktionsmittel, also der „liberale“

61 Ebd., 94, 121 ff. 62 Ebd., 123. 63 Ebd., 122. 64 Offe (1972); Habermas (1967), vor allem der Titelaufsatz; ders. (1973); vgl. auch Marcuse (1964); spezifischer: ders. (1970). 65 Katznelson (2005). 66 Rawls (2003), 214–215. 67 Ebd., 215.

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 Hauke Brunkhorst

502    Hauke Brunkhorst oder „demokratische Sozialismus“.68 Zwar wäre, Rawls zufolge, die demokrati- sche

oder „demokratische Sozialismus“.68 Zwar wäre, Rawls zufolge, die demokrati- sche Gleichheit auch – nach Rousseauschem Muster – mit einer Form des Pri- vateigentums an Produktionsmitteln verträglich, die jede Form der Ausbeutung lebendiger Arbeit durch private Kapitalakkumulation verbietet, sofern diese dem „Naturgesetz“ der bürgerlichen Gesellschaft folgt, daß „der Anteil des Kapitals, der Profit […] in demselben Verhältnis [steigt], worin der Anteil der Arbeit, der Taglohn, fällt“.69 Das Modell, soweit hatte Rousseau recht, hat wahrscheinlich hunderttausende von Jahren in einfachen, segmentären Gesellschaften funk- tioniert. Aber, einmal abgesehen davon, daß es kaum mit modernen Begriffen individueller und gemeinschaftlicher Selbstbestimmung, geschweige denn mit den dazu erforderlichen, posttraditionalen und individualisierenden Sozialisati- onsbedingungen kompatibel sein dürfte: Es ist schlicht unterkomplex und in der funktional differenzierten Weltgesellschaft nur in Kleingruppen und einfachen Interaktionssystemen anwendbar, nicht aber in komplexen Organisationen und Funktionssystemen. So bleibt nur ein demokratischer Sozialismus, der die Eigenlogik des Wirt- schaftssystems und den technischen Informationsmechanismus freier Märkte, zumindest freier Konsumgütermärkte, nicht stört. In einem solchen System, dem gut funktionierende Modelle betrieblicher Mitbestimmung bereits nahe kommen, „gehören die Produktionsmittel der Gesellschaft“, während „Betriebsleitung und Management beispielsweise von der jeweiligen Belegschaft gewählt [werden], wenn sie nicht direkt in deren Händen liegen“.70 Ganz so wie heute schon das (einklagbare) Grundrecht auf Eigentum in Ländern wie der Bundesrepublik durch den Gesetzgeber so ausgestaltet ist, daß nur ein Kernbereich persönlichen Eigentums grundrechtlich geschützt ist, nicht aber das Privateigentum an Produk- tionsmitteln, ist Rawls wichtigste Voraussetzung, die grundrechtliche Trennung dieser beiden Eigentumsformen, schon lange keine Utopie mehr.71 Vom starken Grundrechtsschutz ausgenommen und damit jederzeit vergesellschaftbar wären insbesondere das Privateigentum „an natürlichen Ressourcen und Produkti- onsmitteln, einschließlich des Rechts auf Erwerb und Vererbung“.72 Rawls hat sicher recht, wenn er sagt, daß der demokratische Sozialismus, der mit einer nicht mehr kapitalistischen, wohl aber nach wie vor funktional differenzierten und deshalb leistungsfähigen Wirtschaftsordnung verträglich ist, nicht an der

68  Ebd., 212.

69  Marx (1973), 414; Rawls (2003), 216–217.

70  Ebd., 215.

71  Ebd., 180, 216. Zur Bundesrepublik: Denninger (1984), 817.

72  Rawls (2003), 180.

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   503 utopischen Überspanntheit der Idee, sondern daran

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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utopischen Überspanntheit der Idee, sondern daran gescheitert ist, daß die Idee der „von Arbeitern geleiteten Firmen“ in der kapitalistischen Klassengesellschaft bislang „keine faire Chance gehabt [hat]“. Ihr stehen vor allem mächtige Klas- seninteressen entgegen. Aber auch wenn wir, solange keine effektiven funktiona- len Äquivalente existieren, mit den Systemimperativen einer ausdifferenzierten Weltwirtschaft leben müssen: Die von ihnen profitierenden Interessen der heute transnational herrschenden Klassen sind kein Systemimperativ. (2) Zumindest rechtlich stehen im nationalen und internationalen Verfas- sungsrecht einem Übergang vom technokratischen Wohlfahrtsstaat zum demo- kratischen Sozialismus keine wesentlichen Hindernisse mehr entgegen. So bindet sich beispielsweise der Gesetzgeber des Grundgesetzes (Art. 20 (2), Art. 146) an die Verwirklichung der in Art. 3 (1) (Gleichheit vor dem Gesetz) in Verbindung mit Art. 20 (1) („sozialer […] Staat“), Art. 23 (1) (Bindung der Übertragung von Hoheitsrechten an soziale Grundsätze) und Art. 28 (1) („sozialer Rechtsstaat“) festgelegten Sozialstaatsprinzipien.73 Das Grundgesetz schreibt ausdrücklich vor, daß „alles, auch die ökonomische Ordnung zum Thema der Politik“, also der parlamentarischen Gesetzgebung werden kann: Ein „absoluter, feststehen- der, sozusagen von der ‚Logik des Rechtsstaats‘ geforderter Inhalt des Eigentums […] existiert nicht“. Das Eigentumsrecht ist nach Maßgabe des Grundgesetzes ausdrücklich „für gesetzgeberische Fortentwicklungen offenzuhalten“.74 Auch in den Vereinigten Staaten ist die Rechtslage seit dem New Deal – trotz einer Serie gegenläufiger Supreme-Court-Urteile aus der jüngsten Zeit (Citizens United, Campaign Finance, Health Care, Religious Rights of Corporations) – ähnlich. Charakteristisch ist die berühmte Second-Bill-of-Rights-Rede Franklin D. Roose- velts vom 11. Januar 1944, in der neben einer langen Liste sozialer Rechte zwar die Habeas-corpus-Rechte und die politischen Freiheitsrechte der Verfassung erwähnt werden, das Recht auf Eigentum aber gar nicht mehr. Statt der auf Locke zurückgreifenden Garantie von „property“ in der Verfassung von 1788 erwähnt Roosevelt lediglich das auf Vattel und Leibniz zurückgehende Recht auf „pursuit of happiness“, das Roosevelt jedoch zu „equal pursuit of happiness“ verstärkt.75 Damit wären wir bei der entscheidenden Frage egalitärer Erzeugungsbe- dingungen politischer Herrschaft. Nur wenn diese selbstbestimmt sind, also der

73 Vgl. Abendroth (1968). Abendroths Grundgesetzinterpretation war in den 1950er Jahren noch ein einsamer Ruf in der Wüste deutschen Staatsrechts, ist aber längst herrschende Meinung, vgl. Möllers (2000), 141. 74 Denninger (1984), 815, 839 ff. 75  Second Bill of Rights, zit. n. http://en.wikipedia.org/wiki/Second_Bill_of_Rights#.E2.80.9C The_Economic_Bill_of_Rights.E2.80.9D. (Zugriff am 5. Juli 2012).

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 Hauke Brunkhorst

504    Hauke Brunkhorst egalitären Herrschaft Beherrschter entspringen, lassen sich alternative Ideen

egalitären Herrschaft Beherrschter entspringen, lassen sich alternative Ideen wirtschaftlicher Organisation und sozialer Differenzierung so diskutieren und entscheiden, daß sie jedem und jeder Gesetzesunterworfenen in ihren beson- deren Lebensumständen gerecht werden. Nur so, durch radikale Demokratie, könnte gewährleistet werden, daß die (durchaus sekundäre) Ergebnisgerechtig- keit, wenn sie denn überhaupt zustande kommt, nicht mehr durch ungleiche und ungerechte Ermöglichungs- und Eingangsbedingungen politischer Herrschaft zunichte gemacht wird. Hier kehrt das alte Problem der permanent konstituieren- den Legislativgewalt wieder, die imstande sein müßte, die sozialen, politischen, kulturellen und ökonomischen Bedingungen ihrer Ausübung selbst zu erzeu-

gen.76

Zwar sind die rechtlichen Voraussetzungen parlamentarisch organisierter, demokratischer Selbstbestimmung noch vorhanden, aber durch die dreißigjäh- rige Weltherrschaft der neoliberalen Episteme und die Verkehrung der Abhän- gigkeitsverhältnisse zwischen Weltmarkt und national fragmentierter Staaten- welt zugunsten von Märkten und Investoren ist die Demokratie überall unter Druck geraten und mehr und mehr auf den Status nominellen Verfassungsrechts

zurückgefallen.77

Mit der faktischen Wiederkehr der sozialen Differenzierungsverhältnisse des späten 19. Jahrhunderts – der Aufschwung der U-Kurve seit den 1980er Jahren (siehe oben, Abschnitt 1) – gerät die Rechtsordnung erneut in die Lage, zur unübersteigbaren Schranke der inhaltlichen Gestaltung des Eigentums- und Ver- mögensrechts zu werden. Im öffentlichen Diskurs hat sich nach dreißig Jahren Staats- und Steuerbas- hing und der gleichzeitig gewachsenen Akzeptanz und Autorität von nationalen und transnationalen, von parlamentarischer Gesetzesbindung weitgehend ent- koppelten Gerichten und Höchstgerichten, die zu solcher Faktizität passende Ideologie erneut durchgesetzt, Freiheit sei einzig und allein Privatautonomie und die immer noch demokratische Gesetzgebung nichts als Fremdherrschaft. Der alte, liberale Dualismus von subjektivem Freiheits- und objektivem Zwangsrecht scheint erneut das öffentliche Rechtsbewußtsein zu bestimmen, und nicht nur bei den von der Weltbank oder aus der DDR ausgeliehenen Bundespräsidenten oder in der bayrischen Provinz zwischen Prantl und Hoeneß. Wer dreißig Mil- lionen Euro Steuern hinterzieht, kann, unter dem öffentlich goutierten Beifall seiner Kumpane, die sich nur wenige Tage zuvor mit zwei Rolex-Uhren am selben Arm vom Zoll erwischen ließen, als aufrechter Freiheitskämpfer in den Knast

76  Dazu jüngst: Niesen (2014).

77  Zum Begriff der nominellen Verfassung vgl. die Fallstudie: Neves (1992).

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   505 gehen, weil hinter ihm die wiedererweckte Ideologie

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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gehen, weil hinter ihm die wiedererweckte Ideologie steht, sein Eigentumsrecht entwüchse seiner rein individuellen Beziehung zu einer Sache, selbst wenn die Sache ontologisch flüchtiges Geld ist, das niemals gedruckt wird, niemals zuhan- den ist.78 Hoeneß denkt wie der bürgerliche Rechtstheoretiker in Kelsens tref- fender Beschreibung: „Erst entstehen subjektive Rechte (und zwar im Wege der ursprünglichen Aneignung [z. B. zweier Rolex-Uhren]), und erst später kommt das objektive Recht als staatliche Ordnung schützend, anerkennend, gewährleistend zu dem unabhängig von ihm entstandenen subjektiven Rechte hinzu.“79 Wenn diese Ordnung den Besitzenden nicht mehr schützen kann und ihm mit der Steu- erfahndung oder der Zoll auf den Pelz rückt, ist der scheidende und kommende Präsident des Fußballvereins eben wieder, wie bei Hobbes, im Naturzustand, und die ganze Geschichte des possessiven Individualismus kann von vorn beginnen, mit dem Rolex-Uhrenträger subjektiver Rechte als „Bewährungshelfer“80: „Ich hab einen Fehler gemacht. […] Das Gericht hat seinen Job gemacht […]. Wenn ich zurück bin, werd ich mich noch nicht zur Ruhe setzen. Das war’s noch nicht.“81 Kelsen hat diese Ideologie, als sie noch festes Recht war, vernichtend kri- tisiert. Das „sogenannte Privatrecht“ ist bestenfalls „Autonomie in einem sehr beschränkten und uneigentlichen Sinn“, kann sich doch niemand „selbst Rechte einräumen“,82 denn das können erstens nur mindestens zwei – mit Habermas „horizontal vergesellschaftete“83 – Personen wechselseitig tun, und einen gül- tigen Vertrag können sie, zweitens, nur schließen, wenn die objektivrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.84 „Die ideologische Funktion dieser ganzen […] Begriffsbestimmung des Rechtssubjekts […] ist leicht einzusehen: Es gilt, die Vorstellung aufrechtzuerhalten, daß die Existenz […] des Privateigentums eine gegenüber dem objektiven, und zwar positiven, durch Menschen geschaffenen und abänderbaren Rechts transzendente Kategorie sei, eine Institution“ Geh- lenschen Zuschnitts, „an der die inhaltliche Gestaltung der Rechtsordnung eine unübersteigbare Schranke findet.“ Der Begriff eines objektivrechtlich unabän- derlichen subjektiven Rechts wird als Ideologie „umso wichtiger“, je deutlicher die Rechtsordnung, „die die Institution des Privateigentums“ gewährleistet, „als eine wandelbare und sich stetig wandelnde, durch menschliche Willkür geschaf- fene und nicht auf dem ewigen Willen der Gottheit, auf der Vernunft oder auf der

78 Dazu Herzog (2014). 79 Kelsen (1967), 105. 80 So der Rolex-Uhrenträger über sich im deutschen Fernsehen. 81 Althoff/Verhoff (2014). 82 Kelsen (1960), 174. 83 Habermas (1992), 306. 84 Kelsen (1960), 175.

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 Hauke Brunkhorst

506    Hauke Brunkhorst Natur ruhende Ordnung erkannt wird: zumal dann, wenn die Erzeugung dieser Ordnung

Natur ruhende Ordnung erkannt wird: zumal dann, wenn die Erzeugung dieser Ordnung in einem demokratischen Verfahren vor sich geht“.85 Diesen Text hat Kelsen 1934 publiziert. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich, in mehreren Schüben, parlamentarisch organisierte, egalitäre und zuneh- mend inklusive Massendemokratie durchgesetzt und gleich damit angefangen, den privilegierten Schutz der Institution des Privateigentums aufzuheben. Das führte historisch zur Formation des technokratisch überformten, demokratisch- kapitalistischen Wahlfahrtstaats. In den 1960er Jahren begann eine umfassende Reform seiner Institutionen, die auf die alternative Formation eines demokrati- schen Sozialismus, der sich an der Gleichheit der besonderen Lebensumstände orientierte, programmiert war. Die z. T. (etwa in der Bürgerrechtsgesetzgebung der Vereinigten Staaten) sehr erfolgreichen Reformen waren nicht, wie die libe- rale Ideologie oft insinuiert, das Werk der Gerichte, sondern, wie die vorherge- henden, radikalen Sozialreformen, das Werk parlamentarischer Gesetzgebung, die von Diskussionen und Pflastersteinen, vom öffentlichen Streit und vom organi- sierten Kampf um umfassende Inklusion angetrieben wurde.86 Doch die Reformen scheiterten in den späten 1970er Jahren am anhaltenden Widerstand der herrschenden Klassen, die durch den Wohlfahrtsstaat ja nicht schwächer, sondern stärker geworden waren und dankbar auf die selektiv erfolg- reiche Ideologie des Neoliberalismus zurückgriffen, die in einer sehr aktiven, evolutionären Nische die Unbill wachsender Gleichheit und sinkender Profite überlebt und nur auf die Gelegenheit gewartet hatte, Struktur- und Legitimati- onsprobleme, die in den 1970er Jahren eintraten, zu nutzen, um die verlorene kulturelle Hegemonie des Liberalismus mit einer am Mont Pèlerin mutierten For- mation zurückzuerobern. Aber anders als in der großen Zeit des ersten Gipfels der U-Kurve kam zwar die Ideologie, nicht aber das feste liberale Recht unabänderlich subjektiver Rechte zurück. Die Rechts-und Verfassungsordnung blieb – more or less und trotz Hartz IV etc. – auf demokratischen Sozialismus programmiert. Aber sie wurde in einen komatösen Schlaf zurückversetzt und im faktischen Rechtsvollzug durch eine, nicht auf gerades Recht, sondern auf Effektivität programmierte, „flexible und elastische“ (Carl Schmitt), konkrete Ordnung technisch-instrumenteller Rechts- regimes, das managerial mindset (Martti Koskenniemi) ersetzt. Unter der neuen Fahne der „Governance“ erzeugt sie Legitimität ohne Legalität, baut Rettungs- schirme und Sicherheitsregimes, Sonderwirtschafts- und Sonderfolterzonen, alles im Dienst des schon weit fortgeschrittenen Projekts, Nationen, transna-

85  Ebd.

86  Vgl. Wright (2014); siehe auch Katznelson (2014).

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Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung   507 tionale Föderationen und Weltorganisationen,

Privateigentum, Verdinglichungskritik und Vergesellschaftung

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tionale Föderationen und Weltorganisationen, überhaupt alles, vor allem die Universitäten, in Firmen zu verwandeln. Wenn die Theorie, daß Gesellschaften sich nicht ohne intrinsisch ernsthaften (und nicht nur instrumentell verspielten) Bezug auf (nachidealistische) Wahrheit, Vernunft und egalitäre Freiheit reprodu- zieren können, richtig ist, kann das nicht gut gehen. Das in Tiefschlaf versetzte Recht könnte, in den Wachzustand zurückversetzt, zurückschlagen. Dann aber scheint es nur noch zwei Alternativen zu geben, die ethnisch-rassistische Regres- sion unter das Niveau nationaler Solidarität – oder die Transnationalisierung des demokratischen Sozialismus.

Literatur

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