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RÜCKBLICK BILDUNGSFAHRT 2015

In die Berge bringt mich dann

RÜCKBLICK BILDUNGSFAHRT 2015 In die Berge bringt mich dann

vorwort

Eine Woche, die gefüllt ist mit Zeitzeug_innen-Gesprächen, Wanderungen, Stadtrundgän- gen, Ausstellungsbesichtigun- gen oder Konzerten, kann sehr anstrengend sein – muss es aber nicht! Dass wir die Möglichkei- ten hatten, an dieser selbstorga- nisierte Reise teilzunehmen, ver- danken wir den ehrenamtlichen Organisator_innen des AKuBiZ e. V. aus Pirna und des Tamara- Bunke-Vereins aus Zittau.

Zu den wichtigen Veran- staltungen unserer Vereine ge- hören die Bildungsfahrten zur Geschichte des Nationalsozia- lismus. In aller Deutlichkeit ist zu erkennen, dass in Bildung die Notwendigkeit steckt, sich ein Bild zu machen. Dies wollen wir in die Praxis umsetzen und damit eine authentische Ausei- nandersetzung mit Erinnerung schaffen. In den letzten Jahren reisten wir dabei nach Polen, Slowenien, Österreich, Frank- reich, Spanien, Griechenland und Dänemark. In diesem Jahr besuchten wir nun die italieni- sche Provinz Reggio Emilia – und dies in der Zeit der Befreiungs- feierlichkeiten. So konnten wir Einblicke in die Geschichte, aber

auch

bekommen.

in

die

Erinnerungsarbeit

Wie auf den anderen Bil- dungsreisen waren es auch hier die persönlichen Kontakte, die unsere Fahrt zu einem beson- deren Erlebnis machten. Wir hörten die ehemaligen Parti- san_innen „Liberta“ und „Willi“ über ihre Erlebnisse während der deutschen Besatzung spre- chen. Wir sprachen mit Carlo über Erinnerung, Gegenwart und Zukunft und diskutierten mit Steffen und Matthias über Chan- cen guter Gedenkarbeit. Die Kol- leg_innen der „Casa Bettola“ be- richteten über die Situation von Asylsuchenden in Italien und ihre Kritik an den offiziellen Fei- erlichkeiten zum Tag der Befrei- ung.

Daneben besuchten wir eine Reihe von Orten, die Zeit- zeugnisse an Faschismus und deutscher Besatzung sind. Am Schießstand in Reggio Emilia wurden die sieben Brüder der Familie Cervi ermordet, im Ört- chen Bettola erinnert ein Denk- mal an ein Massaker deutscher Soldat_innen, eine Mahnstätte in Fossoli gedenkt dem ehema-

ligen Konzentrationslager und 5 Stolpersteine auf der Piazza zei- gen die Ausmaße postfaschis- tischer Politik. Und so wie Ge- schichte nicht nur bloße Zahlen und Fakten sind, so möchten wir auch in dieser Broschüre an re- elle Menschen erinnern: an die Partisan_innen Fernando „Toni“ Cavazzzini, Giovanna „Liberta“ Quadreri, Giacomo „Willi“ Notari, Camillo „Mirko“ Marmiroli und Giacomina Castagnetti sowie Francesco „Volpe“ Bertacchini.

Viele Menschen haben es mit ihrer Unterstützung mög- lich gemacht, dass wir die- se Bildungsfahrt durchführen konnten. Als Dank möchten wir unsere Erlebnisse und Eindrü- cke mit euch teilen. Wir bieten euch an, euch zu besuchen und über unsere Fahrt zu berichten. Eine Ausstellung, ein Film oder ein Vortrag könnten unsere Be- richte begleiten. 70 Jahre nach der Befreiung schwinden nach und nach die Chancen auf Ge- spräche mit Zeitzeug_innen. Wollen wir Erinnerungen wach halten, müssen wir nach neuen Möglichkeiten suchen.

„Ragazzi, haltet die Augen offen, behaltet im Kopf, dass das, was eure Großmutter ge- meinsam mit anderen errungen hat, auch wieder verloren gehen kann.“

DIENSTAG, 21. APRIL 2015

Am Morgen trafen sich die Teilnehmer_innen der antifa- schistischen Bildungsfahrt 2015 am Neustädter Bahnhof in Dres- den. Die jüngste Teilnehmerin ist vor wenigen Wochen geboren.

Zusammen machten wir uns auf den Weg nach Bayrisch- zell-Sudelfeld. Dort erwartete uns am Abend eine Jugendher- berge. Doch zuvor besuchten wir das ehemalige Konzentrationsla- ger (KZ) Flossenbürg.

wir das ehemalige Konzentrationsla- ger (KZ) Flossenbürg. Julius, der in Sachsen stu- diert hat und jetzt

Julius, der in Sachsen stu- diert hat und jetzt in der Ge- denkstätte Flossenbürg arbei- tet, begrüßte uns herzlich. Nach einer kleinen Einführung verab- schiedete er sich und wir wur- den von einer Betreuerin durch das ehemalige Konzentrations- lager geführt.

Die heutige Gedenkstätte war zwischen 1938 und 1945 ein Ort des Grauens für rund 100.000 Häftlinge, die von der SS bewacht wurden. Mindestens 30.000 Insassen des Lagers ka- men während der Haft ums Le- ben. Die SS-Führung hatte das Lager errichtet, um durch die Zwangsarbeit der Häftlinge das Granitvorkommen am Ort aus- zubeuten. Ab 1943 wurde das Lager zum Rüstungsstandort. Die Häftlinge mussten für die Firma Messerschmitt Flugzeug-

Häftlinge mussten für die Firma Messerschmitt Flugzeug- teile montieren. Gleichzeitig ent- stand ein System von rund

teile montieren. Gleichzeitig ent- stand ein System von rund 90 Außenlagern, welches sich von Bayern bis nach Sachsen er- streckte. So gab es zum Beispiel Außenlager des KZ Flossen- bürg auch in der Sächsischen Schweiz. Der Verein AKuBiZ aus Pirna hat diese aufgearbei-

tet und stellt seine Erkenntnis- se darüber gern zur Verfügung. 1 Mitte April trieb die SS tausen- de Häftlinge auf Todesmärsche Richtung Süden. Bei der Befrei- ung des Lagers am 23. April 1945 fanden US-Soldaten nur noch 1.500 Todkranke vor.

Am Abend in der Jugend- herberge Bayrischzell-Sudel- feld angekommen, staunten wir nicht schlecht, als wir eine Ge-

angekommen, staunten wir nicht schlecht, als wir eine Ge- und der Mahnung, Mut gegen Unrecht an

und der Mahnung, Mut gegen Unrecht an den Tag zu legen. Am Abend diskutierten die Teilnehmenden intensiv über die Geschehnisse während des Festaktes zur Befreiung des KZ Buchenwald. Dürfen ehemali- ge Häftlinge lautstark kritisiert werden, wenn die die Selbstbe- freiung des KZ verneinen? Wie kann eine andere Antwort auf diese Frage aussehen? Fair dis- kutiert, unterschiedliche An- sichten akzeptierend gingen am Morgen die letzten Diskutant_ innen ins Bett.

gingen am Morgen die letzten Diskutant_ innen ins Bett. Am nächsten Tag machten wir uns auf

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Italien.

denktafel an der JH entdeckten. Diese erinnerte daran, dass die heutige JH früher ein SS–Berg- haus 2 war. Sie enthält auch ei- nen Aufruf gegen das Vergessen

1 http://www.akubiz.de/index.php/angebote/veroeffentlichungen/flyer-gedenkflyer-kz-koenigstein

2 http://de.wikipedia.org/wiki/KZ-Au%C3%9Fenlager_SS-Berghaus_Sudelfeld

MITTWOCH, 22. APRIL 2015

Morgen Richtung Reggio Emilia. Bis zur Provinzhaupt- stadt war es eine 470 km lan- ge Fahrt, die uns über die Alpen führte. Später durchquerten wir die Po-Ebene und beendeten un- sere Tour im Süden an der Gren- ze zum Apennin-Gebirge.

Die Stadt Reggio Emilia hat einen wunderschönen Altstadt- kern, den wir auch in unserer Unterkunft genießen konnten. Die Jugendherberge ist direkt angeschlossen an der Kirche „Basilica della Ghiara“, die schon von weiten zu sehen ist. Nach ei- ner ersten kleinen Runde durch die Stadt und einer Ruhepause begaben wir uns zum ersten Pro- grammpunkt in Reggio.

Auf der Straße der „La Bet- tola“ liegt die seit 2009 besetz- te „Casa Bettola“. Die ehemalige „casa cantoniera“ (Häuser des „Straßenbau“ mit typisch pom- pejanisch rotem Anstrich) am Stadtrand von Reggio Emilia versucht Fragen der gegenwärti- gen Krise bzw. ihrer sozialen und kulturellen Folgen zu beantwor- ten. Im Vordergrund steht das Gemeinwohl und der Austausch zwischen politischen Gruppen,

Gemeinwohl und der Austausch zwischen politischen Gruppen, Vereinen und der Bürgerschaft. Dabei geht es neben den

Vereinen und der Bürgerschaft. Dabei geht es neben den klassi- schen Themen des Antifaschis- mus und Antirassismus auch um die Bereiche: Wohnen, Um- welt, Arbeit, Schule. Das Gebäu- de, das seit vielen Jahren aufge- geben und unbenutzt blieb, wird nun nach und nach verändert und soll der Gesellschaft so zu- rückgegeben werden.

und soll der Gesellschaft so zu- rückgegeben werden. So findet regelmäßig ein „Bio-Markt“ statt, wo lokale

So findet regelmäßig ein „Bio-Markt“ statt, wo lokale Pro- dukte angeboten werden. In der „Schule Frauen für Frauen“ ler-

nen Migrantinnen die italieni- sche Sprache. Und im Kinder- Treff findet der Austausch mit Erwachsenen statt. Zur Beson- derheit der „Casa Bettola“ gehört auch der Pizza-Backtag, über dessen Qualität wir uns selbst überzeugen durften. Dabei konn- ten wir auch mit Aktivist_innen des Hauses sprechen. Neben Meinungen zur gegenwärtigen Politik und zur Situation von Asylsuchenden, wurde auch über das Gedenken an die Befrei- ung diskutiert.

wurde auch über das Gedenken an die Befrei- ung diskutiert. Dabei kritisierten die Mit- glieder der

Dabei kritisierten die Mit- glieder der „Casa Bettola“ das offizielle Gedenken als Feigen- blatt. Da am gleichen Tag auch

eine Kundgebung der rechtspo- pulistischen Partei „Lega Nord“ stattfinden sollte, mobilisierte sie ihre Unterstützer_innen zum Gegenprotest und nicht zur Ge- denkfeier. Für sie zählte ohnehin der Tag der Selbstbefreiung am 24. April zu den wichtigeren An- lässen. Zu der dafür stattfinden- den Veranstaltung wurden wir dann auch noch einmal eingela- den. Der Abend endete mit Piz- za, Lambrusco und jeder Menge Diskussionsbedarf.

wurden wir dann auch noch einmal eingela- den. Der Abend endete mit Piz- za, Lambrusco und

DONNERSTAG, 23. APRIL 2015

Wir trafen uns vormittags mit Carlo Marmiroli, Sohn des ehemaligen Partisanen Camillo Marmiroli (Kampfname „Mirko“), um mit ihm und seiner Tochter Ariana zum Grab seines Vaters auf dem Friedhof von Corviolo (Stadtteil von Reggio nell’Emilia) zu fahren. Dort erzählte er uns aus dem Leben von Mirko und seinem Wirken als Partisan. Die- ser war als Soldat zum Balkan-

Wirken als Partisan. Die- ser war als Soldat zum Balkan- feldzug des faschistischen Itali- ens, welches

feldzug des faschistischen Itali- ens, welches diesen zusammen mit Nazi-Deutschland durchge- führt hatte, rekrutiert worden. Dort war der zuvor nicht politi- sierte Camillo in zunehmendem Maße angewidert vom Krieg.

Ein Schlüsselerlebnis war für ihn, dass er dazu eingeteilt wurde, Gebiete abzusperren, in denen Erschießungen an mili- tärischen Gegner_innen durch- geführt wurden. Er sei, so hatte er gesagt, nicht bei der eigentli- chen Erschießung dabei gewe- sen und doch sei er daran be- teiligt gewesen, was ihm sehr nahe ging. Schließlich traf er den Entschluss zu desertieren und kehrte auf eigene Faust nach Ita- lien zurück. Dort versuchten ihn die Behörden der faschistischen Marionettenregierung der „Itali- enischen Sozialrepublik (RSI)“ in die italienischen Reihen der Waf- fen-SS zu pressen. Ihm gelang es jedoch zu entkommen und er traf sich an der „Casa Roma“ mit Par- tisan_innen, da er erfahren hat- te, dass dort mit ihnen Kontakt aufgenommen werden konnte. Nachdem sie ihn bezüglich sei- ner Beweggründe und seines Le- benslaufs verhört hatten, wurde ihm erlaubt, in ihren Reihen zu kämpfen und so ging er, wie viele andere in dieser Zeit, als Parti- san_innen in die Berge. Er stritt in einer Einheit der kommunis- tischen Garibaldi-Brigaden und wurde später dort Vizekomman- dant. Von seinen Mitstreiter_in-

Camillo „Mirko“ Marmiroli

Camillo wurde am 23. Januar 1920 in Reggio Emilia geboren. Der erfahrene Soldat schloss sich Anfang Mai 1944 unter dem Kampfnamen „Mirko“ der Resistenza an und wurde Vizekommandant einer Gari- baldi-Brigade. Er war an einer wichtigen Aktion in den Bergen beteiligt und wurde dafür sehr hoch ausgezeichnet.

Am 9. April 2011 starb „Mirko“ in Reggio Emilia.

in den Bergen beteiligt und wurde dafür sehr hoch ausgezeichnet. Am 9. April 2011 starb „Mirko“

nen wurde er liebevoll „Camillino col pistolino“ (in etwa: der klei- ne Camillo mit dem Pistölchen) genannt. Zu seinem Kampfna- men kam „Mirko“ zu Ehren ei-

nes berühmten Partisanen aus den Reihen der jugoslawischen „Volksbefreiungsarmee“.

Entscheidend trug Camillo zum Sieg der Antifaschist_in- nen bei der „Schlacht von Spa- ravalle“ bei, als er mit seinem Maschinengewehr die sich zu- rück ziehenden Deutschen unter Beschuss nahm und viele von ihnen töten konnte. Dieser Er- folg der Partisan_innen war eine Initialzündung, die dazu führte, dass gerade viele junge Men- schen neue Hoffnung schöpften und sich so dem antifaschisti- schen Widerstand anschlossen.

Nach dem Krieg ist er zwei- mal (1955 und 1968) für seine Tätigkeiten ausgezeichnet wor- den. Von der aktuellen Politik sei Camillo sehr angeekelt gewesen, so Carlo, da diese seiner Mei- nung nach mit ihrer Ideen- und Phantasielosigkeit vieles von dem, was die Menschen nach dem Krieg aufgebaut hatten, wie- der zerstört hätte.

Wir haben uns im Lauf der Reise noch einige Male mit Car- lo, seinen beiden Töchtern und seiner Freundin getroffen und

haben viele sehr interessante Gespräche gehabt und schöne Stunden miteinander verbracht.

Nachmittags fanden wir uns noch einmal zusammen, um bei einem gemeinsamen Stadt- spaziergang historische Statio- nen der Resistenza und der Na- ziverbrechen aufzusuchen. Diese waren so zahlreich und es gibt

aufzusuchen. Diese waren so zahlreich und es gibt sehr viele Orte des öffentlichen Gedenkens, so dass

sehr viele Orte des öffentlichen Gedenkens, so dass hier nur ei- nige ausgewählte genannt wer- den sollen. Zunächst suchten wir das Gebäude der ehemaligen Syna- goge von Reggio auf. Die jüdische Gemeinde existiert nach den damaligen Deportationen in das

Lager von Fossoli nicht mehr; die örtlich nächste, noch existieren- de jüdische Gemeinde befindet sich in Modena. Eine Gedenkta- fel erinnert an die ermordeten Juden der Stadt Reggio. Heutzu- tage finden im Gebäude Kultur- veranstaltungen statt, die sich auf die Geschichte der jüdischen Gemeinde beziehen. Als der Sturz Mussolinis und die Etablierung der Regie- rung Badoglio bekannt wurden, kam es landesweit zu Demonst- rationen für ein Kriegsende. So auch durch die Arbeiter der „Of- ficine Reggiane Meccaniche)“ (= Mechanische Werkstätten Reg- giane). Als diese sich am 28. Juli 1943 zum Demonstrationszug sammelten, wurde auf sie – vom Wachschutz oder von der örtli- chen Infanterieeinheit, das ist bis heute nicht restlos geklärt – das Feuer eröffnet. Dabei star- ben neun Arbeiter_innen, un-

das ist bis heute nicht restlos geklärt – das Feuer eröffnet. Dabei star- ben neun Arbeiter_innen,

ter ihnen eine schwangere Frau. Ein Wandgemälde und eine Ge- denktafel erinnern an diese Vor- kommnisse.

Die ersten Partisan_innen der Region waren zweifelsohne die Familie Cervi. Die sieben Brü- der wurden im Gebäude, welches noch heute als Schießplatz ge- nutzt wird, 1943 inhaftiert und am 28. Dezember desselben Jah-

wird, 1943 inhaftiert und am 28. Dezember desselben Jah- res erschossen. Der Vater, Alci- de Cervi,

res erschossen. Der Vater, Alci- de Cervi, konnte fliehen und ver- fasste mit seinem Buch „I miei sette figli“ (= Meine sieben Brü- der), in welchem er das Leben und politische Wirken der Fami- lie fest hielt, ein Werk von großer literarischer Bedeutung.

Am zentralen Platz von Reg- gio nell’Emilia, der „Piazza 7. lug- lio 1960“ gibt es Einiges zu sehen:

zum einen stehen dort das große Denkmal „A gloria e ricordo della Resistenza“, sowie die nur weni- ge Schritt entfernten Gedenkta- feln für die 600 gefallenen Parti- sanen Reggios. Zum anderen ist aber auch die Namensgebung des Platzes von großer Bedeutung:

am 7. Juli 1960 kam es dort zu ei- ner großen Demonstration gegen die Entscheidung von Christde- mokraten, Faschisten des „Movi- mento Sociale Italiano (MSI)“ in die Regierung aufzunehmen. Bei der Demonstration eröffneten Angehörige einer nicht-lokalen Polizeieinheit das Feuer auf die Demonstrant_innen mit dem Er- gebnis, dass fünf junge Kommu- nisten starben. Die Morde führ- ten zu einem Generalstreik, der schließlich auch das Ende der fa- schistischen Beteiligung an der Regierung bewirkte. Fünf in den Boden eingeschraubte Gedenk- tafeln erinnern an die Ermorde- ten.

Abends wurden von einem Teilnehmer der Reise noch die „Fatti di Parma“, den antifaschis- tischen Widerstandskampf ins-

besondere der Einwohner Oltre- torrentes, eines Stadtteils der nahe bei Reggio gelegenen Stadt Parma, vorgestellt. Diese waren 1922 im Zuge des von Mussoli- ni angestrebten „Marsches auf Rom“ einer von langer Hand ge- planten, faschistischen Bestra- fungsaktion ausgesetzt gewe- sen, welche aber zum Desaster wurde und in deren Zuge sie die Schwarzhemden erfolgreich in die Flucht schlagen konnten. Beim Vortrag nahmen die poli- tischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe der

gesellschaftlichen und ökonomischen Hintergründe der Ereignisse einen breiten Raum ein. FREITAG, 24. APRIL 2015

Ereignisse einen breiten Raum ein.

FREITAG, 24. APRIL 2015

Am 4. Tag haben wir uns der Gruppe des Istoreco ange- schlossen und sind auf große Wandertour gegangen. Gestartet sind wir in Vezzano. Unterwegs trafen wir an der Villa Rossen die Zeitzeugin „Liberta“ (Giovan- na Quadreri). Leider war „Toni“ (Fernando Cavazzani) krank, so- dass wir den zweiten Zeitzeugen nicht erlebten.

Giovanna war eine Verbin- dungsfrau der schwarzen Eulen („gufo nero“), die vor allem mit britischen Offizieren kooperier-

nero“), die vor allem mit britischen Offizieren kooperier- ten. Als 16-jährige junge Frau kam sie in

ten. Als 16-jährige junge Frau kam sie in den Widerstand und befolgte stets die Befehle. So hat- te sie es von ihren Eltern gelernt. Widerstand gegen den Faschis- mus war für sie eine Pflichtauf- gabe, die es jederzeit zu erfüllen gab. Giovanna war eine Stafette und musste oft 70 Kilometer lau-

Giovanna „Libertà“ Quadreri

Giovanna wurde am 14. Juli 1928 in Carpineti (RE) geboren. Im September 1944 schloss sie sich unter dem Kampfnamen „Libertà“ dem Widerstand an und war als Staffette zuständig für die Nachrichtenübermitt- lung. Anfang 1945 kam sie zur Einheit „Gufo Nero“ (Schwarze Eule), die Verbindungen zum alliierten Bataillon unter dem britischen Offizier John Lees hatte.

Bataillon unter dem britischen Offizier John Lees hatte. fen, um eine Nachricht zu über- mitteln. Bei

fen, um eine Nachricht zu über- mitteln. Bei dringenden Angele- genheiten musste sie die gleiche Strecke zurück laufen ohne Er- holung. Zu ihren Aufgaben ge- hörte auch die Überprüfung, ob

die Wege sicher sind. Besonders hat sie hervor- gehoben, und darauf ist sie stolz, dass die Aktionen immer sehr gut geplant waren und nie je- mand verletzt wurde. So konnten auch keine Vergeltungsschläge gegen die Zivilbevölkerung aus- geübt werden. Wir waren an der Villa Ros- sen, die damals von den Nazis besetzt und als Kontrolllager ge- nutzt wurde. Sie berichtete, wie die italienischen Partisanen_in- nen gemeinsam mit 120 Perso- nen darunter englischen Fall- schirmjägern_innen, russischen Partisanen_innen und Garibaldi Einheiten, diese Villa und die Vil- la Calvie zurück eroberten. Dabei sind viele Nazis gestorben, aller- dings wurde auch hier keine Ver- geltung geübt. Stafetten hatten dabei die Aufgabe, die Verletz- ten aus dem Kanonenfeuer her- auszuholen und in Sicherheit zu bringen. Schwerverletzte sollten sofort erschossen werden. Gio- vanna war froh, dass sie keinen Schwerverletzten gesehen hat. Großbritannien wollte zum gleichen Zeitpunkt einen Bom- benangriff auf die Gegend star- ten. Durch die guten Kontakte zu den Briten konnten die Parti-

san_innen dies verhindern. Am 25. April 1945 kamen die Parti- san_innen vom Berg herunter. Danach begann für Giovanna

san_innen vom Berg herunter. Danach begann für Giovanna und viele andere der Alltag: Wer die Möglichkeit

und viele andere der Alltag: Wer die Möglichkeit hatte, konnte noch die dritte Klasse vollenden, der Rest musste arbeiten. Giovanna freut sich jedes Mal und ist überwältigt, wie viele Menschen sich für die Gescheh- nisse von damals interessieren und heute dafür kämpfen, dass der Faschismus keine Chan- ce mehr hat. Giovanna und ihre Generation hatte damals kaum Bildung. Umso mehr legt sie es uns nahe, die Bildung, die wir genießen können, intelligent zu nutzen.

Unsere Wanderung ging weiter und wir hatten ausrei- chend Zeit, Giovannas Worte zu verdauen und uns darüber auszutauschen. In Reggio Emi-

zu verdauen und uns darüber auszutauschen. In Reggio Emi- lia angekommen, hielten wir bei einigen Partisan_innen-Denk-

lia angekommen, hielten wir bei einigen Partisan_innen-Denk- mälern. Im Vergleich zur BRD erhielten wir einen kleinen Kul- turschock: Die Einheimischen interessierten sich dafür, legten rote Nelken nieder, sangen Par- tisan_innen-Lieder und vor al- lem schlossen sich immer mehr Menschen dem Gedenk-Zug an.

Besonders erschreckend ist das Resistenza-Monument. Nach dem Krieg, 1958, schos- sen Faschist_innen wahllos in die Menge und ermordeten 626 Menschen. Unter ihnen bekann- te Partisan_innen, die scheinbar durch Scharfschütz_innen ge- zielt getötet wurden. Das Denk- mal ist zudem noch einzigartig, weil es keine Waffen enthält und

allen Menschen gedenkt. Viele Menschen versammelten sich am Abend an diesem Denkmal, wo der Gedenkzug

allen Menschen gedenkt. Viele Menschen versammelten sich am Abend an diesem Denkmal, wo der Gedenkzug endete. Nel- ken wurden um das Monument gelegt, Bella Ciao gesungen und an das Massaker gedacht. Zum Abschluss des Abends gingen wir in das Haus von Istereco, wo noch einmal viele Gespräche ge- führt wurden und Carlo wieder zu uns stieß. Wir sahen den Film „Sabatori“, der vor allem über Toni handelte, aber auch Men- schen aus anderen europäischen Ländern zu Wort kommen lässt.

aus anderen europäischen Ländern zu Wort kommen lässt. SONNABEND, 25. APRIL 2015 Der siebzigste Jahrestag der

SONNABEND, 25. APRIL 2015

Der siebzigste Jahrestag der Selbstbefreiung von Reg- gio nell‘Emilia begann für uns mit einer Demonstration. Nicht weit von unserer Herberge ent- fernt sammelte sich eine bunt gemischte Menge von etwa 300

fernt sammelte sich eine bunt gemischte Menge von etwa 300 Menschen, samt Kapelle, mit Or- den

Menschen, samt Kapelle, mit Or- den behangener Polizist_innen, Zeitzeugen, einer Israelflagge, Mitglieder des Partisan_innen- Verbandes und uns. Während wir durch die Innenstadt zum zent- ralen Marktplatz zogen, schlos- sen sich viele weitere Menschen der Demonstration an, die laut Bella Ciao und andere Lieder aus dem Italienischen Widerstand sangen. Viele Leute am Weges- rand sangen mit oder klatsch- ten. Auf dem Marktplatz, wo

Fernando „Toni“ Cavazzini

Fernando wurde am 23. Sep- tember 1923 in Reggio Emilia geboren. Am 25. April 1943 be- teiligte er sich an der Demons- tration für Frieden und gegen Faschismus. Unmittelbar nach dem 8. September 1943 be- gann er aktiv zu werden, später kämpfte er unter dem Deck- namen „Toni“ in der 26. Briga- de Garibaldi. Er wurde Chef der Sabotage-Einheit „Demonio“.

er unter dem Deck- namen „Toni“ in der 26. Briga- de Garibaldi. Er wurde Chef der

sich zwischenzeitlich etwa 1.000 Menschen versammelten, wur- den viele rote Nelken an einem großen Resistentia-Denkmal niedergelegt, während der Chor des Partisanen_innenverbands weiter Lieder sang. Anschlie-

ßend gab es einige Redebeiträge, unter anderen vom Bürgermeis- ter der Stadt, in denen der histo- rische Widerstand gegen den NS und ihre italienischen faschisti- schen Kamarad_innen themati- siert wurde. Auch die anhaltende Katastrophe der im Mittelmeer sterbenden Flüchtlinge und die Ignoranz der europäischen Poli- tik wurden thematisiert.

Es wurde betont, dass die Resistentia vor 70 Jahren für ein anderes Europa kämpfte! Für uns ging es nachmittags weiter nach Massenzatico, wo es ein kleines anarchistisches Fest gab und wir zum Befreiungsmittag- essen eingeladen worden waren. Dieses fand mit etwa 200 wei- teren Genossen und Genossin- nen jeden Alters in einer großen Halle und an langen Tafeln statt. Leider wurde wir alle an eine Tafel gesetzt, so das ein Aus- tausch mit den italienischen Ge- noss_innen schwierig war. Wir wurden herzlich begrüßt und bestens mit fleischlicher und veganer Kost sowie Lambrusco versorgt. Zu essen gab es unter anderem mit Fleisch gefüllte Nu- deln, die im Faschismus gerne am 1. Mai von Antifaschist_in-

nen gegessen wurden, aber von den Faschist_innen verboten wurden. Ein Gericht als antifa- schistischer Widerstand! Nach einem ebenso herz- lichen Abschied und mit vollen Mägen fuhren wir im ersten Re- genschauer einige Orte weiter nach Correggo zu einem großen antifaschistischen Festival. Vor- her besuchten wir allerdings noch einen Gedenkstein für ei- nen spanischen Antifaschis- ten, der in Italien fiel, sowie eine Ausstellung (samt Führung) mit internationalen Kunstwerken anlässlich des Jahrestags der Selbstbefreiung. Wieder auf dem Festival mischten wir uns unter die tausenden feiernden Men- schen. Die Rückreise zur Herber- ge wurde gestaffelt organisiert, so dass einige noch länger auf

gestaffelt organisiert, so dass einige noch länger auf dem Fest bleiben konnten. Insgesamt ein bewegender Tag,

dem Fest bleiben konnten. Insgesamt ein bewegender Tag, der durch die sichtbar ge- lebte antifaschistische Kultur,

der durch die sichtbar ge- lebte antifaschistische Kultur, das vielfältige Gedenken und die Heterogenität der

das vielfältige Gedenken und die Heterogenität der Teilnehmen- den in lebhafter Erinnerung blei- ben wird.

Francesco „Volpe“ Bertacchini

Francesco wurde am 24. Juni 1926 in Reggio Emilia gebo- ren. Als Lehrling im Radio- und Grammofongeschäft entdeck- te er seine Liebe zur Musik. Sein Hass auf den Faschismus ent- wickelte sich durch die vielen Alltagseinschränkungen. Mit 17 Jahren schloss er sich der 144. Brigade Garibaldi an, wo „Mir- ko“ einer seiner Kommandan- ten wurde.

Mit 17 Jahren schloss er sich der 144. Brigade Garibaldi an, wo „Mir- ko“ einer seiner

SONNTAG, 26. APRIL 2015

Nach den gemeinsam ver- brachten Tagen mit den wan- derfreudigen Interessierten aus Hamburg, Erlangen und Erfurt stand zu Beginn des 6. Tages de- ren Abreise an. Da es aber unse- ren kleinen Verband noch in die Apenninen zog, entfiel des Mor- gens der Sekt zur Verabschie- dung. Und wir fuhren auf der SS 63 Richtung La Bettola in bergi- ger werdende Gefilde.

In dem Örtchen selbst trie- ben deutsche Truppen am 23. und 24. Juni 1944 Zivilist_in- nen zusammen. Sie erschossen und verbrannten die Selektier- ten im Hinterhof und der Ga- rage der lokalen Osteria. Parti- san_innen hatten in der Gegend zuvor eine Brücke gesprengt und Wehrmachtssoldat_innen in ein Feuergefecht verwickelt. Heute erinnert eine Installation mit Plakette an das Massaker. Während der Diskussionen am Mahnmal stellte sich heraus, wie das postfaschistische Italien die Akten jener Kriegsverbrechen im „Schrank der Schande“ in Pa- lazzo Cesi bewusst ignorierte. Auch deshalb wurden zahlreiche Täter_innen nie belangt.

Auf unserem weiteren Weg durch die bewaldeten Hügel und Dörfer hielten wir im Anschluss an acht Tafeln, welche in bild- haften Ausschnitten Frauen in der Resistenza würdigte. Vor allem im logistischen Bereich bildeten sie das Rückgrat der kämpfenden Truppen als Bo- tinnen und Sanitäterinnen, wie es uns auch Giovanna bereits berichtet hatte. Um die Kämp- fenden zu versorgen, mussten in der damals rückständigen landwirtschaftlich geprägten Region mehrere Menschen Gü- ter und Unterkunft bereitstellen. Da dies jedoch nicht ausreichte, wurden Zwangsabgaben einge- fordert. Die Bevölkerung erhielt dafür Wertmarken, welche nach dem Krieg wieder eingetauscht werden konnten. Einige glaubten aber den Worten nicht und entle- digten sich der Marken nachdem sie sie erhalten hatten.

Im Anschluss an diese Un- terredung über die Versorgungs- lage fuhren wir weiter in Rich- tung Sparavalle. Dieser Ort auf einer Anhöhe gelegen und über Serpentinen zu erreichen, war bereits aus Carlos Erzählungen über seinen Vater Mirko bekannt.

Giacomina

Castagnetti

Giacomina wurde am 11. No- vember 1925 in Roncolo di Quattro Castella (RE) gebo- ren. Sie stammte aus einer an- tifaschistischen Familie und wurde mit 15 Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei. Nach dem 8. September 1943 schloss sie sich dem Wider- stand an und wurde Mitglied einer Frauenbefreiungsgruppe (Gruppi di defesa della donna).

1943 schloss sie sich dem Wider- stand an und wurde Mitglied einer Frauenbefreiungsgruppe (Gruppi di defesa

Partisan_innen erwarteten hier

1945 einen deutschen Konvoi,

welcher sich nach dem Beschuss durch die Widerstandskämpfer_ innen bergabwärts zurückziehen musste, im Tal erwartete Mirko die flüchtenden Soldat_innen

mit dem Maschinengewehr. Heu- te erinnern Gedenksteine mit roten Sternen an die bei der an- schließenden Durchkämmungs- aktion getöteten Kämpfer_in- nen.

Unsere Pfade führten uns sodann nach Ligonchio und so-

nen. Unsere Pfade führten uns sodann nach Ligonchio und so- mit zu einer weiteren Gefechts- station.

mit zu einer weiteren Gefechts- station. In der Gemeinde befin- det sich ein Wasserkraftwerk, welches die gesamte Bergkette versorgt. Als die Deutschen sich im Anfang April 1945 zurückzo- gen, hatten sie den Auftrag je- nes Kraftwerk zu zerstören. Je- doch war es der Resistenza vor dem Eintreffen der Wehrmacht gelungen die lokale Carabinieri- Station durch Verhandlungen einzunehmen und sich mit dem- entsprechend ausreichender Bewaffnung im Gelände zu ver- schanzen. Verschiedenste Ein-

heiten waren hier versammelt, so etwa auch eine bestehend aus sowjetischen Kriegsgefangen, die mit den

heiten waren hier versammelt, so etwa auch eine bestehend aus sowjetischen Kriegsgefangen, die mit den Italienern zu Felde zogen. Das Kraftwerk nahm kei- nen Schaden und die Deutschen konnten zurückgeschlagen wer- den, was für die Stromversor- gung nach dem Krieg immens wichtig war.

Den Abschluss des Tages bildete die Fahrt auf den noch schneebedeckten Kamm an der Grenze zwischen Emilia Roma- gna und Toskana. Ein Stein mit einer italienischen Inschrift nannte die Namen von hier Gefal- lenen. Der Ruf der Inschrift nach einer Republik der Freiheit und sozialen Gerechtigkeit im Kon- sens bleibt im Gedächtnis und heute noch erstrebenswert. Von Norden her brachen sich dichte Wolken am Gipfel und tauchten

die Ebene immer wieder in Ne- bel. Die Freizeit nun hier wurde nun unterschiedlichst genutzt. Einige nutzten sie für die letzte Schneeballschlacht des Winters, andere folgten kurz den eisigen Wegen in die Wälder und wieder andere genossen den Kaffee des ansässigen Wirtshauses bevor es zurück nach Reggio Emilia ge- hen sollte.

und wieder andere genossen den Kaffee des ansässigen Wirtshauses bevor es zurück nach Reggio Emilia ge-

MONTAG, 27. APRIL 2015

Unser Tag begann diesmal recht entspannt, denn der Rest unserer Reisegruppe besuchte uns zum Frühstück in der „Casa Mirko“. Wir hatten das Glück für die Tage in Reggio Emilia bei un- serem Freund Carlo wohnen zu dürfen und so als junge Eltern nicht für die schlaflosen Nächte der Mitreisenden verantwortlich sein zu müssen.

Das gemeinsame Frühstück fand auf Einladung von Carlo statt, der auch allen anderen Teil- nehmenden unserer Bildungs- fahrt die „Casa Mirko“ vorstellen wollte. Die ehemalige Wohnung des verstorbenen Partisanen ist ein kleines Museum und Carlos Erinnerung an seinen Vater. Ne- ben vielen Bildern hängen auch die Auszeichnungen des Resis- tenza-Paares „Mirko“ und „Kira“ im Wohnzimmer. Viele Bücher zur lokalen Geschichte geben weitere Einblicke. Bei Espres- so, Parmesan, Parma-Schinken, Focaccia und weiteren Speziali- täten konnten wir noch einmal mit Carlo ins Gespräch kommen. Der Abschied aus Reggio Emilia wurde uns so allerdings nicht einfacher gemacht

Dennoch galt es zu star- ten, weil wir noch einen klei- nen Zwischenstopp eingeplant hatten. In der Nähe der Stadt Carpi wollten wir uns das ehe- malige Durchgangslager Fossoli anschauen, in dem ab 1942 auch italienische Oppositionelle in- terniert waren. Mit der Überga- be des Lagers in deutsche Hän-

waren. Mit der Überga- be des Lagers in deutsche Hän- de veränderten sich Struktur, Größe und

de veränderten sich Struktur, Größe und Umgang. Es kam ver- mehrt zu brutalen Übergriffen und Ermordungen. Außerdem wurden zunehmend Menschen in das Lager verschleppt, die als Jüd_innen galten. Darunter auch Beatrice Rava, die in Reg- gio Emilia lebte. Ihre Geschichte hörten wir auf unserem Rund- gang durch die Stadt. Deportiert wurde sie wie viele andere über das Durchgangslager Fossoli. Die bekanntesten Berichte zum La- ger schrieb der Bestseller-Autor Primo Levi in seiner Autobiogra-

fie „Ist das ein Mensch?“. Auch er wurde – wie 650 andere Men- schen – am 22. Februar 1944 von Fossolsli nach Auschwitz depor- tiert. Vier Tage später kam der Zug an. Nur 120 Personen wur- den dann in den Nummernbü- chern registriert, 530 Menschen in Birkenau vergast – darunter Beatrice Rava.

530 Menschen in Birkenau vergast – darunter Beatrice Rava. Unsere Fahrt endete nach 500 Kilometern wieder

Unsere Fahrt endete nach 500 Kilometern wieder auf dem Sudelfeld, wo uns zum Abend-

brot

eine Pasta erwartete.

Der letzte gemeinsame Abend klang dann – sehr un- terschiedlich aus. Die einen er- innerten sich bei italienischen Liedern an die letzten Tage, die anderen beim TV-Fußball an bes- sere Tage von Erzgebirge Aue. So hatten wohl alle eine gute Porti- on Wehmut!

Giacomo „Willi“ Notari

Giacomo wurde am 26. Dezem- ber 1927 in Busana geboren. Als er nach dem 8. September 1943 mehrfach Zeuge von Er- schießungen wurde, trat er un- ter dem Kampfnamen „Willi“ der 145. Brigade Garibaldi bei. Er war an verschiedenen Sa- botage-Aktionen beteiligt und kämpfte in der letzten Schlacht zur Verteidigung des Wasser- kraftwerks bei Ligonchio.

Sa- botage-Aktionen beteiligt und kämpfte in der letzten Schlacht zur Verteidigung des Wasser- kraftwerks bei Ligonchio.

DIENSTAG, 28. APRIL 2015

Der allerletzte Tag begann für uns unendlich zeitig auf dem Sudelfeld. Gestärkt nach dem Frühstück verabschiedeten wir zunächst Steffen und Marita, da- nach ging es zurück auf die Stra- ßen in Richtung Zuhause. Doch bevor wir endgültig nach Sach- sen reisten hielten wir in Fürth, um das jüdische Museum zu be- suchen. Das jüdische Museum befindet sich in einem unschein- baren alten Fachwerkhaus, wel- ches sich kaum von anderen un- terscheidet und doch ist dieses Haus etwas besonderes. Es ist im 17. Jahrhundert entstanden und gehörte bis weit ins 19. Jahr- hundert jüdischen Familien. Das Besondere ist, dass es tief unter der Erde ein jüdisches Ritualbad gibt und auch Laubhütten für das Laubhüttenfest im Haus in- tegriert waren.

für das Laubhüttenfest im Haus in- tegriert waren. All dies erfuhren wir auf der Führung durch

All dies erfuhren wir auf der Führung durch das Museum. Während der Führung konnten wir das eine oder andere über die jüdische Religion im allge- meinen und über die jüdische Kultur im konkreten lernen. Wir haben Sabbatbrot kosten dürfen und uns mit der Thematik „ko- scher“ auseinandergesetzt. Nach der kurzen, aber inter- essanten Führung sollte es nach einer halben Stunde weiterge- hen und wir verständigten uns darauf noch nach Nürnberg zu fahren um das Zeppelinfeld kurz zu besichtigen. Nach diesem kur- zen Stopp ging es dann endgültig wieder auf die Autobahn Rich- tung Sachsen, wo wir alle gut wieder ankamen.

KONTAKT DANKE. Wir bedanken uns bei allen Spender_innen, die unsere Bildungsreise zum 70. Jahres- tag
KONTAKT
DANKE.
Wir bedanken uns bei allen
Spender_innen, die unsere
Bildungsreise zum 70. Jahres-
tag der Befreiung Italiens er-
möglicht haben:
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01796 Pirna-Altstadt
Klaus Bartl (MdL DIE LINKE)
Sabine Friedel (MdL SPD)
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Hanka Kliese (MdL SPD)
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