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Protokollsammlung

zur VU Einführung in das Studium der Geschichte

Univ.-Prof. Dr. Christian-Hubert Ehalt und Tutorin: Carina Vogt

Datum

Ablauf

 

Protokolle

Seite

12.10.09

VU

1. Bsp. von Dr. Ehalt

2 – 4

2. Rathmeier, Wolfgang (8206746)

19.10.09

VU + Tutorium

1. Bauer, Christoph (0003899)

5 – 22

2. Brait, Joachim (0848651)

3. Junghans, Verena (0952509)

4. Rana, Imran (0946413)

5. Rathmeier, Wolfgang (8206746)

09.11.09

VU + Tutorium

1. Frommelt, Fabian (0946440)

23

– 41

2. Hapta, Cornelia (0808794)

 

3. Marx, Alexander (0900536)

4. Mihelic, Stephanie (0848872)

5. Ratzböck, Karina (9806213)

6. Strasser, Verena (0907271)

16.11.09

VU + 1. Bibliotheksführung

1. Flunger, August (0806572)

42

– 49

2. Jachs, Stefan (0850819)

 

3. Rathmeier, Wolfgang (8206746)

23.11.09

VU + Tutorium

1. Hämmerle, Tobias (0904237)

50

– 59

2. Schilk, Dagmar (0204134)

 

3. Schwarzl, Christoph (0627785)

30.11.09

Tutorium

Gruppen-Puzzle Teil 1 => KEIN Protokoll

 

07.12.09

2. Bibliotheksführung

 

KEIN Protokoll

 

14.12.09

VU + Tutorium

1.

Maier, Daniel (0967931)

60

– 67

2. Rudorfer, Veronika (0707224)

 

3. Stummer, Stefanie (0602296)

11.01.10

VU + Tutorium

1. Borkovec, Martin (0828510)

68

– 83

2. Glaser, Bettina (0902744)

 

3. Höfler, Elisabeth (0402012)

4. Holaubeck, Karl (0908582)

5. Mlczoch, Stefan (0907652)

6. Perovic, Marta (0907800)

1. VU am 12.10.09

3
4

2. VU und Tutorium am 19.10.09

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Protokoll

der Vorlesung Quellen und Methodik Univ.-Prof. Dr. Christian-Hubert Ehalt

19.10.2009

Joachim Brait, Matr. Nr.: 0848651 LV: Einführung in das Studium der Geschichte LV-Leiter: Univ.-Prof. Dr. Christian-Hubert Ehalt Studienkennzahl: 603 Geschichte

1.

Allgemeine Informationen

Die Buchrezension sowie die beiden Protokolle der Wiener Vorlesungen sind gemeinsam bis spätestens Mitte März, vorzugsweise bis Ende Februar an folgende Emailadresse zu senden:

carina.vogt@univie.ac.at An Stelle einer Wiener Vorlesung kann auch ein Protokoll einer Vorlesung von Hr. Univ.-Prof. Dr. Christian-Hubert Ehalt zum Thema „Einführung in das Studium der Geschichte“ verfasst werden. Eine Prüfungsfrage wird aus einem historischen Text, der Anfang November bekanntgegeben wird, gestellt. Die Power Point Präsentation von Hr. Univ.-Prof. Dr. Christian-Hubert Ehalt wird ca. 2 Wochen vor der Prüfung verteilt.

2. Wiederholung und Vertiefung der Vorlesung vom 12.10.2009

Was ist Geschichte?

3 große Dimensionen des Begriffes Geschichte:

Geschichte ist der Ablauf des gesellschaftlich, politischen Geschehens, bei dem ständig Gegenwart in Vergangenheit übergeht. Jeder einzelne macht Geschichte. Ein Selektieren in z. B.: politische, diplomatische, geschlechtliche Geschichte im Vorfeld kann nicht durchgeführt werden. Einen bestimmten Bereich sollte man nicht schon im Vorfeld ausschließen. Beispiel:

Die Einschränkung von Politik als Politik von Staaten , Gremien , Parlamenten oder mit weniger demokratischer Legitimation ausgestatteter Gremien ist in der Geschichtswissenschaft nicht zielführend, da sich zum Beispiel Politik mit Wirtschaft immer stark vermischt. Erinnerungen an das gesellschaftlich politische Geschehen, individuell und kollektiv. Erinnerungen ändern sich im Laufe der Zeit. Die kollektive Erinnerung ist in den verschiedensten Medien niedergeschrieben. Es entsteht ein Kanon, d.h. ein Wissen das zu einer bestimmten Zeit aktuell ist über die Welt. Beispiele: Inhalte von Lexika, Fachbüchern etc. Die individuellen Erinnerungen sind persönliche Ereignisse die jedoch von der kollektiven Erinnerung beeinflusst werden. Individuelles und kollektives Gedächtnis sind sehr stark aufeinander bezogen. Die wissenschaftliche (systematisch ausgerichtet mit spezifischen Methoden und Quellen) Erforschung des vergangenen gesellschaftlich-politischen Geschehens. Zur Erforschung von Geschehenem gibt es gewisse Regeln und Methoden.

Zielsetzung der wissenschaftlichen Erforschung von Geschichte

Objektive Analyse und Befunde. Erstellung einer Bilanz / von Bilanzen, die stets gegenwartsbezogen sind. Jede neue Entwicklung ermöglicht neue Fragen an die Vergangenheit. Geschichte ist weder statisch noch jemals abgeschlossen, Geschichte muss immer in Schwebe gehalten werden. Durch Ereignisse wird man gezwungen die Vorgeschichte anders zu bewerten. Es erfolgen je nach Entwicklung immer wieder Korrekturen oder Ergänzungen. Als Beispiel seien hier Witze über die jüdische Bevölkerung genannt, die vor dem Holocaust anders gesehen werden müssen als in der heutigen Zeit. Zitat Jan Huizinga: Geschichte ist die geistige Form in der sich eine Kultur über ihre Vergangenheit Rechenschaft gibt.

Geschichte gehört zu den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

Wie ist der Charakter der Ergebnisse der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften? Wozu sind sie zu gebrauchen? Wie ist der Charakter der Natur- und Technischen Wissenschaften? Wozu sind sie zu gebrauchen? Wie ist das Verhältnis dieser beiden Wissensimperien zueinander? Vorläufige Antwort:

Naturwissenschaften – ständig verbesserte Anwendungen, Geisteswissenschaften – Aufklärung, Kritik, „die Dinge in Schwebe halten“. Die Brauchbarkeit bei den Natur- und Technischen Wissenschaften ist klarer, sie forschen zum Beispiel an Quantencomputer, Krankheiten etc. mit einem raschen, dynamischen Erkenntnisfortschritt.

Der Mensch ist ein Natur- und ein Kulturwesen.

Wäre der Mensch nur ein Naturwesen, könnte man ihn auch als Tier sehen. In der menschlichen Kultur gibt es unterschiedliche Sprachen, Zeichen, Symbole, Bedeutung von Männlichkeit und Weiblichkeit, Kindern und Alten usw. – die Menschen gestalten. Jeder Kulturkreis ist eigenständig zu durchleuchten, es gibt keine Gesamterklärung.

Geschichte als Faktenbefund und als Diskursgeschehen.

Zu den Fakten: ein großer Teil dessen, was geschieht, ist aus- und abmessbar im Raum, in der Zeit, in den Handlungsabläufen. Gleichzeitig macht Geschichte rein positivistisch beurteilt absolut keinen Sinn. Es kommt wesentlich darauf an, wie Sachverhalte von den Menschen gesprochen, argumentiert, erzählt und bewertet werden. Geschichte lebt von Fakten. Diskurse bedeuten im Wesentlichen: wer spricht wie über einen bestimmten Sachverhalt. Beispiel:

Bildung. Alle historischen Zeiten haben ein Interesse daran, dass brauchbares Wissen vermittelt wird. Wissen wird gesammelt und in Lexika oder Enzyklopädien festgehalten. Wissen hat immer einen Macht- und Herrschaftscharakter.

3. Umgang mit Geschichte als Schlüsselqualifikation

Gesellschaften brauchten und brauchen für ihr „Funktionieren“ kluge Institutionen und kluge Individuen. Damit die Institutionen effizient und funktionstüchtig sind und die Individuen qualifiziert und Werte orientiert, bedarf es einer kontinuierlichen gesellschaftlichen Anstrengung. Es bilden sich zwei Pole:

1. Funktionstüchtigkeit (Bildung, Bildungsdiskurse etc.) Damit Institutionen wie Fabriken, Handelsunternehmen, Dienstleister usw. effizient und funktionstüchtig handeln, produzieren, arbeiten können, müssen die verantwortlichen Personen qualifiziert und Werte orientiert sein.

2. Ein Bereich der der Ethik zuzuordnen ist. Bereich einer kritischen Reflexion des Geschehens in

der Vergangenheit und Gegenwart im Sinne von Werten wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Humanität. Funktionstüchtigkeit und Ethik sind die Hauptbrennpunkte gesellschaftlichen Handelns. Beispiele: wirtschaftliche Bedürfnisse müssen mit ethnischen abgestimmt werden. Produktionskosten sind mit kollegialen, vernünftigen Arbeitsbedingungen für die damit beschäftigten Menschen

abzustimmen. Frauen und Männer müssen mit gleichen Chancen ausgestattet werden. Vor allem im Bereich Ethik sind Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften gefordert, sich gegen Vorurteile, Mythen usw. einzusetzen, die Dinge kritisch zu betrachten.

Die Erhaltung von Macht und Herrschaft war in allen Gesellschaftssystemen wichtig. Für diese wurden und werden große logistische und PR Anstrengungen unternommen. Für Historiker ist es wichtig etwaige Übergriffe, Missbräuche durch kritisches Hinterfragen zu erkennen. Institutionalisierte Kritik und Personen, die bereit sind kritisch zu denken und sich zu äußern, werden immer wichtiger. Diese Faktoren sind die Grundlage zur Sicherung von Demokratie und Gesellschaft. Historiker können eine

Schlüsselqualifikation darin haben, dass sie hinter die Kulissen schauen, dass sie die PR Thesen mit denen sich Unternehmen, Regierungen, Parteien absichern durchschauen / erkennen. Das Funktionieren von Gesellschaften im Sinne und im Dienste ökonomischer Rationalität und Effizienz wird in den letzten 15 Jahren massiv unterstützt und gefördert. Bildung, Wissenschaft und Kultur werden gegenwärtig immer deutlicher auf ökonomische Produktivität eingestellt. Wie bzw. in welchen Diskursen ist die Kunst davon betroffen? Kunst muss in der heutigen Zeit eine gewisse Umweg- Rentabilität erzielen. Das bedeutet, dass geförderte vorerst unrentable Kunst über Umwege wieder nützlich und rentabel wird. Dies geschieht zum Beispiel durch verstärkten Tourismus. Durch erhöhte Nächtigungszahlen bzw. durch Mehrausgaben von Touristen wird Kunst rentabel.

Offene Gesellschaften brauchen Kritik. Nicht nur Machtlogistiken und Technologien, sondern auch freie und unabhängige Analyseinstanzen, „Beobachtungswarten“ die nach den Parametern des Rechtstaates eingestellt und adjustiert werden. Durch die zunehmende Technologie werden immer besser Leistungen, die an einem Arbeitsplatz verrichtet werden oder die verbrauchte Arbeitszeit für die Herstellung eines Produktes, gemessen. Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften müssen auch dieses zunehmende Technologieaufkommen kritisch hinterfragen. Kritik an die Selbstreflexion ist ein wesentliches Thema von Wissenschaftstheorie heute. Die eigene Position, Voraussetzung, Interessen müssen mitgedacht werden. Man sollte niemals die eigene Position auf ein Podest stellen von wo aus man kritisch die Welt betrachtet sondern diese in die kritische Reflexion miteinbeziehen. Kritischer Umgang mit Geschichte ist eine Schlüsselposition für jeden einzelnen.

Junghans Verena Zusammenfassung der Vorlesung „Einführung in die Geschichte“ von Univ. Prof. Dr. Ehalt Zweite Einheit, am 19.Oktober 2009

Geschichte ist/ besteht aus…

Ein riesiger Komplex, wo hört es auf, wer gestaltet es?

 

o

Einschränkungen sind schlecht, Geschichte wird von allen Akteuren gestaltet! Bsp.: Finanzkrise

o

Manche haben einen größeren Spielraum, manche einen kleineren.

o

Jeder notiert Geschichte, auch zukunftsorientiert, historischer Vergleich und Erinnerungen schalten sich automatisch ein! (Bsp.: Pensionsalter, Kindererziehung)

Individueller und Kollektiver Erinnerung

 

o

Individuelle Erinnerung: Erinnerungen sind kein festes Gesetz, modifizieren sich ständig, sind ein ständiger Fluss.

o

Kollektive Erinnerung: Erinnerung der Gesellschaft, beeinflusst die individuelle Erinnerung, es entsteht ein Kanon = Wissen, dass gerade aktuell ist zu der Zeit, das was man in einem Lexikon/ Enzyklopädie vorfindet. Bspe.: Kinderlieder (10 Kleine Negerlein), Kinderreime

o

Kollektive Erinnerung und individuelle Erinnerung sind sehr stark aufeinander bezogen.

o

Kollektives Gedächtnis: Österreich war nach 1945 in der Opferrolle, obwohl viele im individuellen Gedächtnis wussten, dass es nicht so gewesen war.

Im ständigen Fluss

 

o

Jede neue Entwicklung ermöglicht neue Fragen an die Geschichte, dadurch kann eine Frage nicht zu einem Ende erforscht werden, ständig muss alles ein bisschen umformuliert werden.

o

Bsp.: Holocaust (und andere Völkermorde) – setzen neue Akzente, eröffnen einen neuen Blick. Im 19. Jhd. Waren Antisemitenwitze „harmlos“, nach 1945 sah man diese Vorgeschichte unter einem völlig anderen Blickwinkel.

o

Paradigma: Aktuelles konstruktivistisches Paradigma ist nicht das einzige, gibt ständige Veränderung.

o

Geschichte ist kein linearer Prozess.

o

Geschichte im Laufe der Zeit:

 

ß Bis zu den 70ern: Geschichte konzentriert sich auf Persönlichkeiten

ß 70er/ 80er: Geschichte heißt die Gesellschaft auszuleuchten

ß 80er: Geschichte konzentriert sich auf das Leben eines Einzelnen, auf die Ausleuchtung des Alltags

Faktenbund und Diskursgeschichte

 

o

Faktenbund: Geschichte strotzt von ausmessbaren Faktizitäten.

o

Diskursgeschichte: Wer spricht wie über einen Sachverhalt?

Bsp.: Bildung Heutzutage: Bildung ist wirtschaftliches Kapital, muss mehr Out- als Input bringen. Universität- bzw. Schuldiskurse fokusieren auf Anwendung und nicht so sehr auf

Kritik,… Frage: Wann war das anders?

Verstärkung auf Anwendung, dynamische Veränderung, alle historischen Zeiten haben Interesse daran, das Wissen auch anwenden zu können. Frage: Wofür wurde Wissen früher noch gebraucht? Man sammelte Wissen über die Welt. Wissen hat immer einen Machtcharakter - Herrschaftswissen Bsp.: Gesellschaften von Männern dominiert Forschungen stellen „wissenschaftlich“ ihre Interessen dar (rein ideologische Konstrukte) Bsp.: Missionarsethnologie = gute Befund über Missionare aber nicht über die Völker

Geisteswissenschaften bedeutet/ umfasst… Dinge in der Schwebe halten

Umgang mit GS als Schlüsselqualifikation

Kulturmensch: Gibt keine Gesamterklärung oder -anleitung für alle Menschen wie bei

einer Tiergattung, denn jedes Volk hat eigene Symbole, Sprache,… Geisteswissenschaften kämpfen gegen Vorurteile und Mythen an.

Für diesen Bereich der Festigung und Affirmation wurden (und werden) große logistische und PR Anstrengungen unternommen.

Gesellschaften brauchen fürs Funktionieren kluge Individuen und Institutionen.

Um die zu erhalten bedarf es einer kontinuierlichen gesellschaftlichen Anstrengung, Bsp.:

Fünf Ethikstunden mehr liefern nicht gleich großartige Ergebnisse. Funktionstüchtigkeit und Ethik sind die beiden miteinander korrespondierenden

Hauptbrennpunkte gesellschaftlichen Handelns. Funktionstüchtigkeit liegt im Bereich einer Sicherung von Produktivität und Effizienz.

o

Wie schafft man es Frauen und Männer gleichzustellen, ein kollegiales Verhältnis

zu erhalten? Man braucht zwar effiziente Leistungen muss es aber auch vom ethnischen Blickpunkt

aus betrachten Ë Ethik liegt im Bereich der Betrachtung Die Erhaltung von Macht und Herrschaft war in allen Gesellschaftssystemen wichtig

o

Auch Demokratien sind vor Verbrechen/ Missbräuchen nicht gefeit

o

Ausforschung, Durchleuchtungsarbeit, um kritische Gegenposition zu Herrschaftssystemen zu haben, Machtsysteme brauchen Kontrolle von Experten, Menschen, die sich sehr gut auskennen.

o

Historiker haben Schlüsselqualifikationen indem sie hinter die Kulissen schauen,

sie verbesserungswürdiger, demokratischer zu machen. Bsp.: Herr Karl – bürgerlicher Opportunismus. In der Neuzeit und insbesondere seit der Aufklärung wurden und werden auch Offenheit,

Demokratie, Kritik und Individuen, die die Fähigkeit und Bereitschaft haben, Kritik zu denken und zu äußern wichtig - Grundlage für die Zivilgesellschaft. Kritische Nachdenkarbeit hat immer neu auszusehen. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus

dem dies grocht“ – Der Schoß ist fruchtbar für Barberei, man weiß nicht, wie sie ausschauen wird Es muss eine große Personengruppe geben, die eine freie gesellschaftliche Welt will. Historiker sind dafür zuständig zu schreiben, zu deuten,…

z.B. Fragestellung: Gesellschaft wird mit der Anforderung wirtschaftlich zu sein verändert?

Also: Das Funktionieren von Gesellschaften im Sinne und im Dienste ökonomischer Rationalität und Effizienz wird in den letzten 15 Jahren massiv unterstützt und gefördert. Bildung, Wissenschaften und Kultur werden immer mehr auf Produktivität eingestellt.

Trifft das auch auf Kunst zu? Bsp.: „Umwegrentabilität“ – Über einen Umweg ist das zuerst nutzlose dann doch nutzvoll, v.a. im Hinblick auf Tourismus. Creative Industry – beispielsweise Schmuck, Kunstmarkt, geht nicht so sehr um Impulse als Kunst, die die Welt beeinflussen sondern um die Verwertung.

Offene Gesellschaften brauchen Kritik, brauchen nicht nur technologisches Schmieröl sondern auch „kritischen Sand im Getriebe“! Sehr genaue Ausmessung der Leistung Bsp.: Stechkarten für Arbeitnehmer, Gefahr dass man Persönlichkeiten zu gut funktionierenden Maschinen machen will.

Auch die Wissenschaften und für Wissenschaft und Forschung verantwortliche Industrien lauften stets Gefahr, von der ökonomischen Produktivität vereinnahmt werden. Reflexive Kulturwissenschaft = das Subjektive wird mit eingebracht Umgang mit Geschichte ist eine Schlüsselqualifikation für jeden einzelnen

Brainstorming zum Thema Geschichte:

Geschichte ist nicht objektiv Geschichte als Poesie – Cultural Studies sagen: „Geschichte ist Text, Erzählung“ Geschichte als Dichtung und Wahrheit Begriff Wahrheit: „Wahrheit ist wichtig in der Poesie des Alltags“ Geschichte wird von Siegern geschrieben, wenn die Schreibweise nicht gewünscht ist, kann man nicht veröffentlichen. Bsp.: Radetzkymarsch – Marsch der niedergeschlagenen Revolution von 1848. Geschichte als Affirmation/ Rechtfertigung

Rana Imran: Einführung in die Geschichte

HS 23, 16:00 bis etwa 18:45

Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt

Wien, 19.10.2009

Was ist Geschichte? Dimensionen der Geschichtsforschung

1. Keine Vorab-Selektion

Nicht vorab selektieren vor allem Politik-, Nationalgeschichte

nicht vorschnell einen Bereich ausschließen. Die Politik hat sich in den vergangenen dreißig Jahren sehr eng mit wirtschaftlichen Fakten verwoben.

Man kann

Demokratisch Denken Männer sind weitaus wichtiger als das weibliche Geschlecht, daher erhalten Männer 65 %, Frauen nur 35. %. Das muss man sofort vom Tisch wischen!

Die Geschichtsforschung jüngerer Zeit ist vom Heroisieren großer Persönlichkeiten und deren einzeldarstellerischen Lebensbildern dazu übergegangen, sich mit dem Menschen und dessen geringeren Einflusses, kleineren Wirkungs- und Machtkreises genauer zu beschäftigen.

Konzept für Sozialisation:

Vater, Mutter, Kind. Das ist Erinnerung. Die Erinnerung wird nicht nur immer wieder modifiziert, sondern auch umformatiert. Erinnerung ist nur subjektivistisch. Sie ist ein ständiger Fluss!!!

2. Kollektive Erinnerung:

Z.B.: Die Erinnerung Österreichs, die Hörsaalschweinerei (im Jahre 1968, Hörsaal 1)- Die sogenannte Hörsaalschweinerei kann man noch in verschiedensten Medien, Archiven, Tageszeitungen, wie u.a. der Kurier und die Arbeiterzeitung "neues Österreich“, die heute nicht mehr existent ist, nachlesen.

Es entsteht ein Kanon: Wissen, das zu einer gewissen Zeit aktuell ist – findet Erwähnung in jeder Zeit, Lexikon, Reihe der wichtigsten Autorinnen, prägenden Politikerinnen, ? dies ist das kollektive Gedächtnis.

Indianer mit Schlag, 10 kleine Negerlein

Gedächtnis sind also sehr stark aufeinander bezogen = Korrespondenz zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis.

Individuelles und Kollektives

3. Professionelle Geschichte der Geschichtswissenschaft (Wie ein Ingenieur

nach einer neuen Methodik)

Geschichtsforschung hat als unbedingte Zielsetzung der geschichtlichen Erforschung das professionelle Gedächtnis. Neue Entwicklungen werfen Fragen an die Geschichte auf.

Man kann nicht eine Frage an das Ende formulieren. Das Erlebnis, die Geschichte wird neu gedeutet durch neue Fragen (zB:

Judenfrage im dritten Reich oder andere Genoziden). Antisemiten wurden nach dem Völkermord anders bewertet. Ereignisse zwingen einen, die Vorgeschichte neu zu hinterfragen.

Huizingeo Zitat: "Geschichte ist eine geistige Form gehört zu den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

Die Dinge in der Schwebe halten

das ist Geschichte.

Entzauberung der Mythen und Mythologien und der vergangener Zeit = Geschichte

Die jeweilige Wahrheit ist ein Übereinkommen, worum man sich in Gremien, Politik einig werden und beschäftigen muss.

Es gibt keine Gesamterklärung, so wie man es bei einer Tiergattung machen könnte.

Geschichte ist ein Faktenbefund und ein Diskursgeschehen. Man kann es abmessen, ausmessen, wer handelt, wieviele handeln, wie alt waren sie, welche Zünfte. Ausmessbare Faktizitäten. Gestaltung der Wahrnehmungsweisen der jeweiligen Gruppen, Satzbau, Begriffe. Wie wird in einer gewissen Zeit über Bildung, Sexualität, Politik, Zusammenleben diskutiert? Wodurch ist der Bildungsdiskurs gekennzeichnet?

Die Arabistik ist in den letzten 10 Jahren konjunkturell aufgestiegen. Geschichte = Anwendungsorientierung, Diskurse und Faktizität. Literaturhinweis:

Autor: Jürgen Habermass Titel: Interesse, soziale Gruppen an Wissen.

Wissen und Interesse gab es nachweisbar quer durch die Geschichte. In den heutigen Tagen ist eine extreme Dynamisierung und Verstärkung im Bereich der Anwendbarkeit und Brauchbarkeit zu vermerken.

Wissen hat immer einen Macht- und Herrschaftscharakter.

Möbius: Über den biologischen Schwachsinn des Weibes. (Feminismus hat es lange ausgelegt und Ad Absurdum geführt). Ist ein äußerst ideologisches Buch. Genanntes Buch ist Über 20 Jahre lang dutzende Male erschienen, stand in allen Bibliotheken. Darin wurden Männer hochgehoben. Mönche und Missionare. Missionar-Ethnologie: guter Befund der Missionare, nicht aber der Geschlechter. Herrschaftswissen Wissen wird als Herrschaftsmittel genutzt. Wissensbestände.

Ethik ist sozusagen eine Arbeit auf eigenen Kosten, auf eigener Rechnung. Ethik ist eine unbelohnte Aktivität. Ethik ist keine direkte Zielsetzung einer Gesellschaft.

Ethische Ausrichtung eines Zusammenhanges, Migranten dürfen nicht vernachlässigt werden, Behinderte dürfen nicht diskriminiert werden

Kritische Reflexion des Geschehens, gegen Vorurteile.

Gegen Mythen ist die Arbeit der Geistes- Kultur- und Sozialwissenschaften.

Thematisierung von Missbrauch erfordert höchste Ausbildung und Qualifikation. Kritische Durchleuchtungsarbeit, um eine Gegenposition zur Machtposition und Herrschaftspositionen einzunehmen.

Bedeutung der Kulturwissenschaften als Schlüsselqualifikation.

These: teilnehmende Beobachtung, Schlüsselqualifikation, das man hinter die Kulissen schaut, Regierung, politische Oppositionsparteien 1795 - 1886: Leopold Ranke

Umweg-Rentabilität:

Die Kunst ist Umweg-Rentabilität: (z.B.:Tourismus) d.h. die Kunst oder das Wissen ist zwar im Augenblick nutzlos, bringt aber hernach Gewinn und wirkt bereichernd.

Helmut Qualtinger - Herr Karl: 80 Seiten. Opportunismus. Zitat Helmut Qualtinger: "Hinter meiner, vorder meiner, rechts, links, gibt's nichts."

Literatur aus der eine Frage zur Prüfung kommen wird:

Stefan Zweig: Welt von Gestern (Wien)

In unserer pluralistischen Gesellschaft kann man die Dinge gestaltbar, Verbesserungsfähig zu machen.

Es geht in Richtung Sozialtechnologien: Stechuhr, E-Card etc.

Kritische Gegenposition entwickeln. Ehalt Zitat: "Man braucht nicht nur Schmieröl, sondern auch kritischen Sand im Getriebe."

Reflexive Soziologie, reflexive Anthropologie. Die eigene Position, eigene Interessen, reflexive Geschichtswissenschaft. Auch sich und seine Interessen miteinbeziehen: reflexive Geschichtswissenschaft. Geschichtswissenschaft hat sich in den 90er Jahren mit Persönlichkeiten beschäftigt.

In den 90er Jahren: Paradigma Kultur und das Konstruktivistische Paradigma ? Geschichte als Schlüsselqualifikation!!! Recherche

Vernetzung des Wissens, es gibt Keine Monokausalität. Es gibt keine lineare Aufwärtsentwicklung einer Gesellschaft. Sie ist nicht monokausal, sondern Polyvalent.

Das nächste Mal: Geschichte als Aufklärungsprozess Der gesellschaftliche Schoß ist fruchtbar für Barbarei (wer werden die zukünftigen Feindbilder sein).

Objektivitätsparadigma ist wichtig. Keine Ideologien reproduzieren. Objektiver Befund nach gutem Studium und guter Recherche. Objektive Gerichtsbarkeit. Präzise, objektive, angemessene Beurteilungsweise.

Zeichnung im Hörsaal:

Die cultural studies sagen, Geschichte ist im Wesentlichen Texte, nicht objektiv, Dichtung und Wahrheit (Goethe, Egon Fridell), der Sieger hat die Definitionsmacht. z.B. 1845: Radecky war ein guter, effizienter Soldat. ? Definitionsmacht hat der Sieger.

Cultural studies sagen: Geschichte ist Text. Das, was wir haben, sind nur Texte. Sie schreiben sich ja nicht automatisch.

Geschichte = Die großen Erzählungen

Jedes Gespräch hat im Grunde eine Textdramaturgie. Eine Personengruppe hat ein Objektivitätsparadigma z.B. Sprache, Kultur auseinander zu setzen. Warum hat Wien einen Radecky-Marsch, und nicht einen Jakobiner Marsch? (Frankreich: das Lied des Siegers = Jakobinerlied)

Jede Quelle kann in den Geschichtswissenschaften herangezogen werden.

Die erste Republik ist nicht bewertet. Man hat erst ab etwa 1989 sich damit beschäftigt.

Affirmationsprojekte entstehen unentwegt.

Folgende Werke sollen von allen Studenten als Vorbereitung zur Prüfung gelesen werden:

1. Diterot: Jacques Le Fataliste

2. Zweig: Welt von Gestern

3. Voltaire: Candide