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Biochemie II

Stephan Schwarzinger SS2008

Biosynthese der Nukleotide I

Literatur:

Berg • Tymoczko • Stryer

Biochemistry

Sixth Edition

Kap. 25

Copyright © 2007 by W. H. Freeman and Company

Grundpraktikum BIOCHEMIE Modul II für Biochemiker BSc

02510, 10 SWS

02.06. – 06.06.2008: Seminarwoche

09.06. – 13.06.2008: Kolloquiumswoche

16.06. – 04.07.2008: Praktikumswochen

ANMELDUNG am LS Biochemie (graues Regal) bis

23.05.2008!!!

Vorbesprechung (TEILNAHMEPFLICHT!) 26.05.2008 um 14:00 (s.t.), 1.2.U1.04 (Seminarraum im BioMedTec Gebäude)

Skripten: ca. 4 Wochen vor Praktikumsbeginn im grauen Regal

Nukleotide …

• Aktivierten Vorstufen der Nukleinsäuren

• ATP universelle Energiewährung

• GTP Energiequelle f. spezielle Prozesse

• Nukleotidderivate sind an zB an Glykogen- Biosynthese beteiligt (UDP-Glucose)

• Signalübertragung: cAMP, cGMP

• ATP ist Phosphatquelle für Kinasen

5 4 1 5’ 3 2 1’
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5 4 1 5’ 3 2 1’ aus Lehninger Kap. 8 51A Bausteine der DNA Wh:

aus Lehninger Kap. 8

51A

Bausteine der DNA

Wh: Schmid – Biochemie I

51B

Primärstruktur der DNA 3’ 3’ 3’ 3’ 3’ 5’ 5’ 5’ 5’ 5’ = ACGTA
Primärstruktur der DNA
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= ACGTA
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Wh: Schmid – Biochemie I

aus Lehninger Kap. 8

A-T Basenpaar

G-C Basenpaar

A-T Basenpaar G-C Basenpaar 51D Wh: Schmid – Biochemie I aus Lehninger Kap. 8

51D

Wh: Schmid – Biochemie I

aus Lehninger Kap. 8

Präbiotische Synthese von Adenin

Präbiotische Synthese von Adenin J. Oro (1960): NH 3 , HCN, H 2 0 bei 70

J. Oro (1960): NH 3 , HCN, H 2 0 bei 70 °C, 14 Tage, Ausbeute < 1% Adenin ist formal ein Oligomer aus 5x HCN! HCN wurde im interstellaren Raum nachgewiesen! Sehr harsche Bedingungen, sehr reaktive (giftige) Spezies!

Biosynthese kann auf zwei Wegen erfolgen

(Recycling-Pfad)

Biosynthese kann auf zwei Wegen erfolgen (Recycling-Pfad) (5-Phosphoribosyl-1-pyrophosphat)

(5-Phosphoribosyl-1-pyrophosphat)

de novo Synthese

Pyrimidinbasen

– Synthese der Base

– Anbindung an Ribose

Purinbasen

– Ribose als Grundstruktur

– Base wird schrittweise auf die Ribose aufgebaut

de novo Synthese des Pyrimidin-Rings:

aus:

Hydrogencarbonat Glutamin und Aspartat

HCO 3 - wird durch ATP aktiviert Glutamin liefert NH 3

aus: Hydrogencarbonat Glutamin und Aspartat HCO 3 - wird durch ATP aktiviert Glutamin liefert NH 3

Synthese der CARBAMINSÄURE …

Synthese der CARBAMINSÄURE …

Phosophorylierung der CARBAMINSÄURE …

Phosophorylierung der CARBAMINSÄURE … Reaktion muss enzymatisch katalysiert werden!

Reaktion muss enzymatisch katalysiert werden!

CSP: Carbamoylphosphat- Synthase Besteht aus 2 homologen Domänen, von denen jede einen ATP-abhängigen Schritt

CSP:

Carbamoylphosphat-

Synthase

Besteht aus 2 homologen Domänen, von denen jede einen ATP-abhängigen Schritt katalysiert.

ATP-grasp fold: bindet (umgibt) ATP in der richtigen Orientierung für einen nukleophilen Angriff An der γ-Phorphorylgruppe.

CSP: Carbamoylphosphat- Synthase Glutaminseitenkette wird zur Gewinnung von NH 3 hydrolisiert: es entstehen Glutamat

CSP:

Carbamoylphosphat-

Synthase

Glutaminseitenkette wird zur Gewinnung von NH 3 hydrolisiert:

es entstehen Glutamat und NH 3 . Reaktion wird von einer katalytischen Dyade katalysiert, die aus einem Cystein und einem Histidinrest besteht (vgl. Cysteinproteasen). Auch in Amidotransferasen zu finden, wie CTP- und GMP-Synthase.

ZWISCHENPRODUKTE „TUNNELN“ ZU DEN AKTIVEN ZENTREN

… und diffundieren so gerichtet zum Reaktionszentrum und sind des Weiteren vor vor Hydrolyse geschützt (Carbaminsäure ist nur 1 Sek. bei pH 7 stabil!).

Aspartat-Transcarbamoylase katalysiert Reaktion zu

Aspartat-Transcarbamoylase katalysiert Reaktion zu Oxidation mit NAD + zu OROTAT

Oxidation mit NAD + zu OROTAT

Pyrimidin- Phosphoribosyltransferase: Katalysiert Reaktion einer aktivierten Riboseeinheit (PRPP) mit OROTAT. Das
Pyrimidin- Phosphoribosyltransferase: Katalysiert Reaktion einer aktivierten Riboseeinheit (PRPP) mit OROTAT. Das

Pyrimidin-

Phosphoribosyltransferase:

Katalysiert Reaktion einer aktivierten Riboseeinheit (PRPP) mit OROTAT.

Das gebildete OROTIDYLAT wird weiter zu URIDINYLAT (UMP) decarboxyliert.

OROTIDYLAT-DECARBOXYLASE

OROTIDYLAT-DECARBOXYLASE … beschleunigt die Reaktion ca. 10 1 7 -fach!!! Ohne Enzym nur ca. alle 78

… beschleunigt die Reaktion ca. 10 17 -fach!!! Ohne Enzym nur ca. alle 78 Mio. Jahre, mit Enzym ~ 1 s -1 .

Zur Synthese von CYTIDIN muss zuerst UTP vorliegen

Mono-, di-, und tri- sind ineinander umwandelbar:

UMP zu UDP via UMP-Kinase (spezifische Nucleosid-MP-Kinase) UDP zu UTP via (unspezifische) Nucleosid-DP-Kinase

UMP zu UDP via UMP-Kinase ( spezifische Nucleosid-MP-Kinase) UDP zu UTP via (unspezifische ) Nucleosid-DP-Kinase

CTP: aus Aminierung von UTP

CTP: aus Aminierung von UTP Glutamin ist wieder Quelle für die Aminogruppe (vgl. Carbamoylphos.) ein ATP

Glutamin ist wieder Quelle für die Aminogruppe (vgl. Carbamoylphos.) ein ATP wird benötigt: O-4 wird phosphoryliert (Aktivierung), Phosphorylgruppe wird durch NH 3 substituiert.

Inosinat (Inosin-MP)
Inosinat (Inosin-MP)

Biosynthese der Purine:

Herkunft der Atome im Purin-Ring bei der de novo Synthese.

Recycling von Purin-Basen spart Energie

… z.B. katalysiert Adenin-Phosphoribosyltransferase die Bindung von Adenin und PRPP zu Adenylat und PP i

während Hypoxanthin-Guanin-Phosphoribosyltransferase sowohl die Bildung von Guanylat als auch von Inosinat katalysiert:

die Bildung von Guanylat als auch von Inosinat katalysiert: Inosinat (Inosinmono- phosphat, IMP) ist eine Vorstufe

Inosinat (Inosinmono- phosphat, IMP) ist eine Vorstufe von Guanylat und Adenylat!

Die Purin-de novo Synthese wird am Ribosephosphat begonnen

1. Schritt ist der Austausch der Pyrophosphatgruppe gegen eine Aminfunktion. Es handelt sich hier um eine Schrittmacherreaktion.

Die Aminogruppe hat eine β-Konfiguration!

Der Purin-Ring Aufbau verläuft über aufeinander folgende Phosphorylierungen mit anschließenden Substitutionen

folgende Phosphorylierungen mit anschließenden Substitutionen Die Phosophorylierung wirkt dabei immer als Aktivierung!

Die Phosophorylierung wirkt dabei immer als Aktivierung!

1)
1)

Phosphorylierung der Carboxyl- gruppe eines Glycinrestes, Verknüpfung mit dem Phospho- ribosylamin Entstehung einer neuen Amidbindung, Amin des Glycins frei (nucleophiler Rest)

2)
2)

Anfügen eines aktivierten Formiats von N 10 -Formyl-THF. Enzymatische Reaktion: Formiat wird zum Formylphosphat aktiviert.

3) Aktivierung der inneren Amid- funktion . Umwandlung in ein Amidin mit Aminogruppe aus Glutamin.
3)
3)

Aktivierung der inneren Amid- funktion. Umwandlung in ein Amidin mit Aminogruppe aus Glutamin.

4)
4)
4) Produkt zyklisiert 5-Ring . ATP wird verbraucht um die Reaktion (wahrscheinlich ohnehin thermodynamisch

Produkt zyklisiert 5-Ring. ATP wird verbraucht um die Reaktion (wahrscheinlich ohnehin thermodynamisch begünstigt) irreversibel zu machen.

5)
5)
5) Aktivierung von Hydrogen- carbonat. Angriff durch die exo- zyclische Aminogruppe . Es folgt eine Umlagerung

Aktivierung von Hydrogen- carbonat. Angriff durch die exo- zyclische Aminogruppe. Es folgt eine Umlagerung: Carboxylat wird auf den Imidazolring übertragen.

6)
6)

Aktivierung der Carboxylgruppe. Substitution von P i durch die Aminogruppe eines Aspartates.

Fumarat wird abgespalten, das N-Atom von Asp bleibt am Imidazol- ring gebunden. Auf das Amin

Fumarat wird abgespalten, das N-Atom von Asp bleibt am Imidazol- ring gebunden. Auf das Amin wird eine Formyl-Gruppe übertragen. Es folgt der Ringschluss zur Inosinat-Bildung.

Synthese von AMP und GMP ausgehend von Inosinat

Synthese von AMP und GMP ausgehend von Inosinat Adenylat : C´-O Atom Nr. 6 wird gegen

Adenylat: C´-O Atom Nr. 6 wird gegen Aminogruppe getauscht. Adenylosuccinat-Synthase: GTP kein ATP-grasp fold! Gyanylat: Oxidation von Inosinat zu Xanthylat (XMP) und Einfügen einer Aminogruppe am C-2.

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5 4 1 5’ 3 2 1’ aus Lehninger Kap. 8 51A Bausteine der DNA Wh:

aus Lehninger Kap. 8

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Bausteine der DNA

5 4 1 5’ 3 2 1’ aus Lehninger Kap. 8 51A Bausteine der DNA Wh:

Wh: Schmid – Biochemie I

Desoxyribonukleotide werden durch Ribonukleotid-Reduktase erzeugt:

obwohl sehr unterschiedlich in versch. Organismen – gleicher Mechanismus

werden durch Ribonukleotid-Reduktase erzeugt: obwohl sehr unterschiedlich in versch . Organismen – gleicher Mechanismus

Ribonukleotid Reduktase aus E. coli:

87 kDa

43 kDa

Das Tyrosylradikal wird durch ein benachbartes Eisenzentrum erzeugt:

Das Tyrosylradikal wird durch ein benachbartes Eisenzentrum erzeugt: Ferri-Ionen (Fe 3 + )

Ferri-Ionen (Fe 3+ )

Strukturen der R2-Untereinheiten:

Strukturen der R2-Untereinheiten: zu sehen ist der Tyrosin-Rest und das Di-Eisen-Zentrum. aus: Lehninger – Principles

zu sehen ist der Tyrosin-Rest und das Di-Eisen-Zentrum.

Das Tyrosyl-Radikal ist zu weit entfernt vom reaktiven Zentrum – das Radikal wird daher auf eine andere Aminosäure übertragen, In diesem Fall auf ein Cystein. So entsteht ein extrem reaktives Cysteinthiyl-Radikal.

So entsteht ein extrem reaktives Cysteinthiyl-Radikal. aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion,
Transfer eines Elektrons zum ungepaarten e - (Radikal) am Tyrosin es resultiert ein CYSTEINTHIYL-Radikal

Transfer eines Elektrons zum ungepaarten e - (Radikal) am Tyrosin es resultiert ein CYSTEINTHIYL-Radikal hochreaktive Spezies

Cysteinthiyl-Radikal zieht ein Proton vom C-3´ der Ribose ab es entsteht ein Kohlenstoff-Radikal am Zucker

Cysteinthiyl-Radikal zieht ein Proton vom C-3´ der Ribose ab es entsteht ein Kohlenstoff-Radikal am Zucker

Das C-3´ Radikal führt zur Ab- spaltung der Hydroxylgruppe am C-2´ Kohlenstoff. Das Radikal wandert

Das C-3´ Radikal führt zur Ab- spaltung der Hydroxylgruppe am C-2´ Kohlenstoff. Das Radikal wandert auf C-2´. Die OH- Gruppe verlässt mit dem Proton eines Cysteinrestes die Reaktion als Wassermolekül.

Ein Hydridion (H - ) wird zur vollständigen Reduktion an C-2´ benötigt: Es wird vom

Ein Hydridion (H - ) wird zur vollständigen Reduktion an C-2´ benötigt:

Es wird vom 3. Cysteinrest auf das C-2´ übertragen Dabei bildet sich eine Disulfidbrücke aus. Das Radikal wandert wieder auf das C-3´ Atom.

Das Radikal am C-3´ fängt das gleiche Proton ein, das ursprünglich in Schritt 1 durch

Das Radikal am C-3´ fängt das gleiche Proton ein, das ursprünglich in Schritt 1 durch den 1. Cysteinrest vom C-3´ abgespalten wurde.

Somit ist das Desoxyribonukleotid fertig und kann das Enzym verlassen!

Regeneration des Enzyms: Die R2-Untereinheit stellt ein Elektron zur Reduktion des Cysteinthiyl- radikals zur

Regeneration des Enzyms:

Die R2-Untereinheit stellt ein Elektron zur Reduktion des Cysteinthiyl- radikals zur Verfügung.

Die Disulfidbrücke zwischen dem 2. und 3. Cysteinrest wird durch ein anderes disulfidhaltiges, spezfisches Enzym, z.B. Thioredoxin, reduziert.

Thioredoxin muss auch regeneriert werden NADPH abhängige Reaktion, die durch Thioredoxin-Reduktase katalysiert wird.

Elektronen werden entlang der blauen Pfeile von letztendlich NADPH auf das Enzym übertragen. Die Übertragung

Elektronen werden entlang der blauen Pfeile von letztendlich NADPH auf das Enzym übertragen. Die Übertragung kann entweder via Thioredoxin oder via Glutarredoxin erfolgen.

GSH = Glutathion GSSG = oxidiertes Glutathion

Konservierung der Ribonukleotid-Reduktasen

• Ribonukleotid-Reduktion ist eine sehr schwierige Reaktion, die einen sehr effizienten Katalysator erfordert!

• Andere Radikalquellen in anderern Organismen, z.B. Adenosylcobalamin

• Gemeinsamer Mechanismus über Cysteinthiyl- Radikale, die sehr reaktiv sind

• Offenbar gibt es einen gemeinsamen Vorläufer für diese Enzyme

• Hinweis für die Beteiligung von Proteinen an der RNA-Welt, bevor DNA als genetische Speicherform sich etabliert hat

Thymidyliat entsteht durch Methylierung von Desoxyurdilylat

… katalysiert von der Thymidylat-Synthase. CH 3 Gruppe kommt von N 5 ,N 10 -Methylene-THF
… katalysiert von der Thymidylat-Synthase.
CH 3 Gruppe kommt von N 5 ,N 10 -Methylene-THF

Dihydrofolat-Reduktasen (DHFR) katalysiert THF-Regeneration

Dihydrofolat-Reduktasen (DHFR) katalysiert THF-Regeneration THF agiert als Überträger von C 1 -Einheiten (Formyl,

THF agiert als Überträger von C 1 -Einheiten (Formyl, Methyl)! NADPH dient wieder als Reduktionsmittel Hydridion wird auf den Pteridin-Ring von DHF übertragen.

Exkurs: THF und DHFR (nicht Prüfungsstoff)

DHFR katalysiert die Reduktion von DHF zu THF mittels NADPH

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H H O H N N N OH N O N N OH O H
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O H N N N OH H N H O N N OH O H N

DHFR ist ein ca. 18 kDa großes Protein. Es muss zwei relativ große Kofaktoren aufnehmen, d.h. sie in entsprechendem Abstand in die richtige Orientierung zueinander bringen.

E = Enzym

Der Reaktionszyklus von DHFR ist sehr komplex: zuerst liegt DHFR mit NADPH beladen vor. DHF bindet – es bildet sich der Michaelis-Komplex aus, die Reduktion von DHF zu THF findet statt. Danach liegt das Enzym mit NADP+ und THF gebunden vor. NADP+ dissoziiert aus dem Protein ab, THF bleibt alleine gebunden. Es erhöht die Affinität für NADPH, das nun wieder an das Enzym bindet. Dadurch wird die Affinität für THF erniedrigt und es dissoziiert ab. Neues DHF kann aufgenommen werden.

DHFR-Ansicht von „oben“ und „unten“: Es sind spezifische Bindungstaschen für die Kofaktoren zu erkennen. Die

DHFR-Ansicht von „oben“ und „unten“: Es sind spezifische Bindungstaschen für die Kofaktoren zu erkennen. Die reagierenden Teile ragen in eine Art „Tunnel“ und stehen so für die Reaktion gegenüber.

Gekoppelte Beweglichkeit?

DHFR ist eines der am besten Untersuchten Enzyme betreffend seinen molekularen Mechanismus. Für die Bindung und das Entlassen der Substrate / Produkte, wie auch für den katalytischen Schritt ist es erforderlich, dass die Proteine sich bewegen können – sie sind keine starren Einheiten! Kleine Konformationsänderungen sind z.B. wichtig, um die Affinität in Bindungs. taschen zu modulieren. In den letzten Jahren zeigten Untersuchungen mittels magnetischer Kernresonanzspektroskopie, das viele Enzyme auch in Abwesenheit von Substraten kleine interne Bewegungen durchführen, die charakteristisch für die Geschwindigkeit des katalytischen Umsatzes sind! Das bedeutet, das möglicherweise die interne Beweglichkeit von Enzymen ein wichtiger Faktor für ihre reaktionsbeschleunigende Wirkung ist.

ENDE EXKURS!

Nukleotid-Biosynthese ist …

• … wichtig für den Erhalt der genetischen Information • … essentiell für die Biosynthese der Proteine und von Cofaktoren

• … ein wichtiger Angriffspunkt für Therapien, z.B. bei Krebs

Fluoruracil Aminopterin Methotraxat
Fluoruracil
Aminopterin
Methotraxat

Wirkstoffe, die in die Nukleotid-Biosynthese eingreifen:

Fluoruracil wird im Körper in Fluordesoxyuridinylat umgewandelt hemmt die Thymidylat-Synthase irreversibel! Dieser Synthese- schritt hat eine Abspaltung eines Protons erfordert – das nun jedoch durch F ersetzt ist. Fluor kann nicht abgespalten werden, die Reaktion stoppt mit dem kovalenten Komplex aus F-dUMP und Methylen-THF. Beispiel für eine Suizidhemmung.

werden , die Reaktion stoppt mit dem kovalenten Komplex aus F-dUMP und Methylen-THF. Beispiel für eine

Die Mechanismen im Detail und im Vergleich zueinander:

Die Mechanismen im Detail und im Vergleich zueinander:
… sind hochwirksame Inhibitoren (< 1 nM) von DHFR: M ist wirksam gegen schnell wach

… sind hochwirksame Inhibitoren (< 1 nM) von DHFR:

M ist wirksam gegen schnell wachsende Tumore (akute Leukämie, Chorionkarzinom aus Plazentazellen). Kann aber nicht zwischen gut / böse unterscheiden starke Nebenwirkungen z.B. auf Knochenmark- Stammzellen (BMSC), Epithelzellen des Intestinaltraktes und Haar- folikel …

Zellen in Gegenwart von Methotrexat (DHFR-Hemmer) reagieren mit Vervielfachung des entsprechenden Gens.
Zellen in Gegenwart von Methotrexat (DHFR-Hemmer) reagieren mit Vervielfachung des entsprechenden Gens.

Zellen in Gegenwart von Methotrexat (DHFR-Hemmer) reagieren mit Vervielfachung des entsprechenden Gens.

… ist ein Theapeutikum im Kampf gegen Bakterien und Protzoen: Folat-Analogon: bindet 10 5 -fach

… ist ein Theapeutikum im Kampf gegen Bakterien und Protzoen:

Folat-Analogon: bindet 10 5 -fach schwächer an Säuger-DHFR als an die von Mirkoorganismen.

Wie wird die Nukleotidsynthese reguliert?

… wichtige Schritte werden über einen Rückkopplungs- mechanismus reguliert (gehemmt).

einen Rückkopplungs- mechanismus reguliert (gehemmt). Aspartat-Transcarbamoylase reguliert die

Aspartat-Transcarbamoylase reguliert die Pyrimidinbiosynthese:

Aktivierung durch ATP Hemmung durch CTP (= Endprodukt der Pyrimidinbiosynthese)

Auch die Carbamoylphosphat-Synthase kann reguliert werden.

Regulation der Purinbiosynthese erfolgt an mehreren Stellen:

Regulation der Purinbiosynthese erfolgt an mehreren Stellen: Hemmung der Schrittmacherreaktion

Hemmung der Schrittmacherreaktion (Glutamin-PRPP-Amidotransferase) durch Purinribonukleatide (AMP und GMP wirken hier synergistisch)

Hemmung der vom Inosinat ausgehenden Reaktionen:

AMP hemmt Umwandlung von Inosinat in Adenylsuccinat GMP hemmt Umwandlung von Inosinat in Xanthylat

GMP hemmt Umwandlung von Inosinat in Xanthylat direkte Vorstufen Verhältnis von AMP/GMP: GTP ist Substrat

direkte Vorstufen

Verhältnis von AMP/GMP: GTP ist Substrat bei der AMP Synthese ATP ist Substrat bei der GMP Synthese

Desoxyribonukleotid-Reduktase wird allosterisch reguliert:

Jede R1-Untereinheit hat 2 allosterische Zentren

reguliert: Jede R1-Untereinheit hat 2 allosterische Zentren Kontrolle der Gesamtreaktivität Bindung von dATP

Kontrolle der Gesamtreaktivität Bindung von dATP Hemmung (Überschuss von dNTPs) ATP-Bindung Aktivierung

Kontrolle der Substratspezifität Bindung von dATP/ATP:

begünstigt Reduktion von UDP und CDP Bindung von TTP: Reduktion von GDP, ansteigende dGTP-Konzentration stimuliert dATP Synthese.

Noch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel:

Noch einmal aus einem etwas anderen Blickwinkel: aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion,

Krankheiten als Folge von Störungen des Nukleotidstoffwechsels

Severe combined immunedeficiency: Verlust der T-Zellen Schwächung der Immunabwehr („bubble boy disease“) - ausgelöst durch Fehler im Abbau von Adenosin (A-Desaminase)

ausgelöst durch Fehler im Abbau von Adenosin (A-Desaminase) Abbau von Xanthin zu Urat: Hoher Urat-Spiegel im

Abbau von Xanthin zu Urat: Hoher Urat-Spiegel im Serum löst Gicht aus.

Natriumuratkristalle schädigen Nieren und Gelenke. … Xanthin-Analogon, zuerst Substrat, dann Inhibitor der

Natriumuratkristalle schädigen Nieren und Gelenke.

Natriumuratkristalle schädigen Nieren und Gelenke. … Xanthin-Analogon, zuerst Substrat, dann Inhibitor der

… Xanthin-Analogon,

zuerst Substrat, dann Inhibitor der Xanthin-Oxidase …

Weitere pathologische Konditionen:

Lesch-Nyhan-Syndrom:

Folge von Mutationen an Hypoxanthin-Guanin Phosphoribosyltransferase

geistige Behinderung, Selbstzerstörungszwang

Folsäuremangel fördert Geburtsdefekte:

fehlende oder unvollständige Ausbildung des Neuralrohres kann durch Gabe von Folsäure im 1. Schwangerschaftsdrittel reduziert werden.

… und nochmals der Mechanismus der Ribonukleotid-Reduktase:

… und nochmals der Mechanismus der Ribonukleotid-Reduktase: aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion,
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel
aus: Lehninger – Principles of Biochemistry, 4th edi tion, 2005 W.H. Freeman and Company, Kaptiel

Lernhinweise:

• Arbeiten Sie das Kapitel im Stryer durch.

• Beantworten Sie die Fragen nach dem Kapitel!

• Zeichnen Sie sich die chemischen Strukturen der Verbindungen auf. Achten Sie auf die Stereochemie!

• Versuchen Sie sich als „Elektronenschieber“ bei Reaktionen (wo möglich)!

• Nutzen Sie die Webseite mit zusätzlichen Aufgaben zum Stryer:

http://bcs.whfreeman.com/biochem6/default.asp?s=&n=&i=&v=&o=

&ns=0&uid=0&rau=0

• Bilden Sie Lernpartnerschaften – gemeinsam Nachdenken hilft!