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Die Reichen und Armen im Himmel

Über die Aufnahme in den Himmel bestehen verschiedene Ansichten. Während einige annehmen,
daß nur die Armen, nicht aber die Reichen aufgenommen würden, glauben andere, sowohl Reiche
als Arme würden eingelassen. Wieder andere meinen, die Reichen müßten zuerst ihren Gütern
entsagen und den Armen gleich werden. Dabei begründet jeder seine Meinung durch das Wort.

Doch wer zwischen Armen und Reichen bezüglich ihrer Aufnahme in den Himmel unterscheidet,
versteht das Wort gar nicht. Es ist nämlich in seinem Schoße geistig und im Buchstaben natürlich.
Wer es daher nur nach seinem buchstäblichen, nicht aber nach seinem geistigen Sinn
versteht, der irrt sich in vieler Hinsicht, insbesondere hinsichtlich der Reichen und Armen,
also wenn er meint, den Reichen falle es ebenso schwer, in den Himmel zu gelangen, wie einem
Kamel, durch ein Nadelöhr hindurchzukommen, den Armen aber falle es leicht, weil sie arm seien,
heiße es doch: "Selig sind die Armen, denn das Himmelreich ist ihr." (Mat 5,3)

Wer aber etwas vom geistigen Sinn des Wortes weiß, denkt darüber anders. Er weiß, daß der
Himmel allen offen steht, die ein Leben des Glaubens und der Liebe leben, seien sie nun reich oder
arm. Im Folgenden soll nun gezeigt werden, wer in Wirklichkeit unter den Reichen und unter den
Armen im Wort zu verstehen ist. Aufgrund vieler Gespräche und meines Zusammenlebens mit
den Engeln durfte ich zur Gewißheit gelangen, daß sich im Himmel Reiche wie Arme finden.
Manche von den Reichen besitzen sogar größere Herrlichkeit und Glückseligkeit als die
Armen.

Gleich zu Beginn darf bemerkt werden, daß der Mensch Reichtümer erwerben und Vermögen
ansammeln kann, soviel er Gelegenheit dazu hat – vorausgesetzt, es geschieht nicht mit List
oder Betrug. Er darf gut essen und trinken, wenn er nur nicht sein Leben darein setzt, darf
seinem Stande gemäß prächtig wohnen und geselligen Umgang pflegen, wie andere auch,
Unterhaltungslokale aufsuchen und über weltliche Dinge sprechen.

Er hat es nicht nötig, stets andächtig, mit niedergeschlagenen Augen, Seufzen und hängendem
Kopf einherzugehen, sondern darf fröhlich und wohlgemut sein. Er muß auch nicht sein Eigentum
den Armen verschenken, wenn ihn nicht Neigung dazu treibt. Mit einem Wort: Er kann äußerlich
ganz wie ein Weltmensch leben, da diese Dinge den Menschen nicht im geringsten daran hindern,
in den Himmel zu kommen, vorausgesetzt, daß er innerlich geziemend an Gott denkt und gegen
den Nächsten aufrichtig und gerecht handelt. Der Mensch ist nämlich so beschaffen wie seine
Neigung und sein Denken bzw. seine Liebe und sein Glaube. All sein äußeres Tun bezieht sein
Leben von daher, denn Handeln ist Wollen und Reden ist Denken. Wenn es daher im Wort heißt,
der Mensch werde nach seinen Taten gerichtet, und es solle ihm nach seinen Werken vergolten
werden, so ist darunter zu verstehen, daß nach seinem Denken und seiner Gesinnung gefragt
wird, denn die Taten sind ganz so wie das Denken und die Neigung. Damit ist klar, daß das
Äußere des Menschen nichts zur Sache tut, sondern nur sein Inneres, der Ursprung des
Äußeren.

Es ist also nicht so schwer, den Weg des Himmels zu betreten, wie viele meinen. Die einzige
Schwierigkeit besteht darin, der Selbstsucht und Weltliebe zu widerstehen und sie so zu
zügeln, daß sie nicht vorherrschen. Denn sie sind der Ursprung alles Bösen. Die Worte des
Herrn zeigen, daß es nicht so schwer ist, den Weg des Himmels zu gehen, wie man glaubt:
"Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden
für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht". (Mat 11,29f.)

Sanft ist das Joch des Herrn und leicht ist seine Last, denn je wie der Mensch dem seiner Eigen-
und Weltliebe entspringenden Bösen widerstrebt, wird er vom Herrn und nicht von sich selbst
geführt. Der Herr widersteht dann dem Bösen beim Menschen und entfernt es.

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Ich sprach mit einigen nach ihrem Tode, die während ihres irdischen Lebens der Welt entsagt und
sich einem einsamen Leben ergeben hatten. Sie meinten durch Abwendung ihrer Gedanken von
weltlichen Dingen fromme Betrachtungen pflegen zu können, um auf diese Weise den Weg des
Himmels zu betreten.

Solche Menschen sind jedoch im anderen Leben von trauriger Gemütsart: sie verachten
andere, die nicht sind wie sie und zeigen sich ungehalten darüber, daß ihnen kein
glücklicheres Los zuteil wird als den anderen. Sie glauben nämlich, daß sie es verdient hätten.
Dabei kümmern sie sich nicht um andere und beteiligen sich nicht an den Werken der
Nächstenliebe, durch die allein eine Verbindung mit dem Himmel zustandekommt. Aber
gerade sie verlangen mehr als andere nach dem Himmel. Wenn sie aber zu den Engeln erhoben
werden, gehen Beängstigungen von ihnen aus, welche die Seligkeit der Engel stören. Deshalb
werden sie abgesondert und begeben sich dann in öde Gegenden, um dort ein ähnliches Leben zu
führen wie in der Welt. Der Mensch kann nämlich nur durch die Welt für den Himmel gebildet
werden, denn in der Welt enden die letzten Wirkungen, welche die Neigung eines jeden
abrunden müssen. Damit ist klar, daß nur ein Leben tätiger Liebe zum Himmel führt, keineswegs
aber ein sogenanntes frommes Leben ohne tätige Liebe. Taten der Nächstenliebe sind eben nur
möglich, je wie der Mensch an den Geschäften dieser Welt Teil hat, nicht aber, wenn er sich
davon zurückzieht. (360)

Das Los vieler Reicher im Himmel ist, daß sie mehr als andere im Wohlstand leben. Einige von
ihnen wohnen in Palästen, die im Inneren von Gold und Silber glänzen und haben Überfluß an
allem. Aber sie hängen ihr Herz nicht an diese Dinge, sondern an die dadurch möglich werdenden
Nutzwirkungen. Diese sehen sie in aller Klarheit und wie im Licht, das Gold und Silber aber im
Vergleich dazu wie in der Dunkelheit oder im Schatten. Gute Nutzwirkungen sind: Sich und die
Seinen mit den Lebensnotwendigkeiten versehen, Reichtum erstreben zum Wohl des Vaterlandes
und des einzelnen Nächsten, dem ein Reicher in vieler Hinsicht mehr wohltun kann als ein
Armer.

Er kann dann auf diese Weise auch sein Gemüt vor Untätigkeit bewahren. Untätigkeit ist verderblich,
weil in einem solchen Leben der Mensch aus dem ihm eingepflanzten Bösen heraus böse denkt.

Alle diese Nutzwirkungen sind gut, soweit sie das Göttliche in sich tragen, das heißt soweit der
Mensch dabei auf das Göttliche und den Himmel blickt und sein Gutes darein setzt, im Reichtum
aber nur das Mittel zu diesem Guten sieht.

Den Reichen aber, die nicht an das Göttliche geglaubt und die alles aus ihrem Gemüt verbannt
haben, was zum Himmel und zur Kirche gehört, wird das entgegengesetzte Los zuteil. Sie finden
sich in der Hölle wieder, in Schmutz, Elend und Dürftigkeit. Darein verwandelt sich nämlich ein
Reichtum, der als Endzweck geliebt wird.

Einem jeden Menschen bleibt nach dem Tode seine Grundneigung oder herrschende Liebe.
Sie wird in Ewigkeit nicht ausgerottet, weil der Geist des Menschen ganz so ist, wie diese seine
Liebe und – was ein Geheimnis ist – weil der Leib jedes Geistes oder Engels die äußere Form
seiner Liebe darstellt. Sie entspricht ganz und gar der inneren Gestalt, nämlich der seiner
Gesinnung und seines Gemüts. So kommt es, daß die Art der Geister aus ihrem Angesicht, ihren
Gebärden und ihrer Rede zu ersehen ist. Auch der Geist des irdischen Menschen ließe sich
erkennen, hätte er es nicht gelernt, mit Gesicht, Gebärden und Worten etwas vorzutäuschen, was
gar nicht sein eigen ist. Daraus ist ersichtlich, daß der Mensch in Ewigkeit so bleibt, wie seine
Grundneigung oder vorherrschende Liebe ist.

Die Armen kommen nicht ihrer Armut, sondern ihres Lebens wegen in den Himmel; denn einem
jeden, er sei reich oder arm, folgt sein Leben nach. Es gibt keine besondere Barmherzigkeit, die
dem einen mehr gewährt als dem anderen. Aufgenommen wird, wer einen guten, zurückgewiesen,

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wer einen schlechten Lebenswandel geführt hat. Zudem wird der Mensch durch Armut ebenso
verführt und vom Himmel abgewendet, wie durch Reichtum. Unter den Armen gibt es sehr viele,
die mit ihrem Schicksal unzufrieden, voller Begehrlichkeit sind und Reichtum für einen
Segen halten. Erlangen sie ihn nicht, werden sie zornig, denken schlecht von der göttlichen
Vorsehung und beneiden andere um ihre Güter.

Außerdem betrügen sie ebenso wie die anderen, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet, und leben
auch genau wie sie in schmutzigen Wollüsten. Anders freilich die Armen, die nicht mit ihrem
Geschick hadern, sorgsam und fleißig in ihrem Geschäft sind, Arbeit über Müßiggang stellen,
gewissenhaft und treu handeln und dabei zugleich ein christliches Leben führen.

Damit dürfte feststehen, daß die Reichen ebenso in den Himmel kommen wie die Armen, die einen
so leicht wie die anderen. Die Meinung, Arme hätten es leichter als die Reichen, beruht auf einem
mangelhaften Verständnis der Stellen, in denen das Wort Gottes von den Reichen und Armen
spricht. Unter den "Reichen" werden im geistigen Sinne alle verstanden, bei denen Überfluß an
Kenntnissen des Guten und Wahren herrscht, also die Angehörigen der Kirche, in der das Wort
bekannt ist. Die "Armen" hingegen bezeichnen die, denen jene Kenntnisse fehlen, die aber
gleichwohl danach verlangen, also die Menschen außerhalb der Kirche, wo das Wort nicht bekannt
ist. Unter dem "Reichen", der sich in Purpur und Byssus kleidete und in die Hölle geworfen wurde
(Luk 16,19-31), ist das jüdische Volk zu verstehen. Es heißt reich, weil es Überfluß an
Kenntnissen des Guten und Wahren durch das Wort besaß.

Unter dem "Armen" hingegen, der vor der Tür des Reichen lag, sich von den Brosamen sättigen
wollte, die von dessen Tisch fielen, und der von Engeln in den Himmel emporgetragen wurde,
werden die Heiden verstanden. Sie besitzen keine Kenntnisse des Guten und Wahren, haben aber
ein Verlangen danach. Es soll auch erklärt werden, wer jener "Reiche" sein soll, von dem der Herr
sagte: "Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich
Gottes komme". (Mat 19,24)

Dieser "Reiche" bezeichnet die Reichen in beiderlei Sinn, im natürlichen wie im geistigen: Die
Reichen im natürlichen Sinne, die ihr Herz an ihren materiellen Überfluß hängen, und die Reichen
im geistigen Sinne, deren Überfluß an Kenntnissen und Wissen – denn darin bestehen die geistigen
Reichtümer – sie dazu verführt, sich aus eigener Einsicht der Dinge im Himmel und in der Kirche zu
bemächtigen. Weil das gegen die göttliche Ordnung verstößt, heißt es, daß ein Kamel eher durch
ein Nadelöhr gehe. In jenem Sinn bezeichnet nämlich das "Kamel", das Erkennen und Wissen im
allgemeinen, das "Nadelöhr" aber das geistige Wahre.

Quelle: Über das Leben nach dem Tode

Nächstenliebe
Aus www.prophetia.org

3
Der gute Samariter (Vincent van Gogh)
Die eigentliche Nächstenliebe besteht darin, daß man jedem Wesen seine Freiheit läßt und ihm das Seinige
gibt[1] und man seinen Mitmenschen ohne Ausnahme ihres Standes oder Glaubens, alles das tut, was man
vernünftigerweise sich selbst im Notfall tun möchte. Wer so handelt, erfüllt damit das ganze Gesetz und die
Lehre der Propheten und alle Sünden sind ihm vergeben.[2][3][4][5]

Der Mensch erkennt den Menschen fortwährend durch die Nächstenliebe. Wem diese fremd ist, dem bleibt
auch sein Bruder fremd.[6]

Wer den Menschen wahrhaft helfen will, der lehre sie vor allem, wie sie sich selbst zu helfen haben, denn
ohne eine ernst vorangehende Selbsthilfe ist auch keine Hilfe von Gott aus möglich.[7]

Zuerst soll man die Welt in sich selbst besiegen, worauf es ein leichtes sein wird, sie auch in den
Mitmenschen zu besiegen. Es kann niemand seinem Nächsten etwas geben, das er zuvor nicht selbst besitzt.
Wer in seinem Bruder Liebe, Demut, Geduld, Güte usw. erwecken will, der muß ihm damit
entgegenkommen.[8]

Wer von Herzen ein Freund der Armen sein wird, dem wird auch Gott ein Freund und ein wahrer Bruder sein
zeitlich und ewig. Er wird nicht nötig haben, die innere Weisheit von anderen Weisen zu erlernen, sondern
Gott wird sie ihm geben in aller Fülle in sein Herz. Wer seinen armen Nächsten lieben wird wie sich selbst,
und ihn nicht abweist, welchen Stammes und welchen Alters er oder sie auch sei, zu dem wird Gott allzeit
Selbst kommen und Sich seinem Geist, der die Liebe ist, getreu offenbaren. Was so jemand dann reden oder
schreiben wird, das wird von Gott geredet und geschrieben sein für alle Zeit.[9][10] Die Seele des Hartherzigen
aber wird ergriffen werden von argen Geistern und diese werden sie verderben und einer Tierseele
gleichmachen, als die sie dann auch jenseits offenbar werden wird.[11] Man soll gerne und reichlich geben,
denn wie man austeilt, so wird einem wieder zurückerteilt werden. Der Hartherzige wird vom Gnadenlicht
Gottes nicht durchbrochen werden und in ihm wird die Finsternis und der Tod mit all seinen Schrecken
wohnen.[12]

Inhaltsverzeichnis
[Verbergen]

• 1 Gründe
• 2 Gerecht oder ungerecht
• 3 Praktizierte Nächstenliebe
o 3.1 Wodurch die praktizierte Nächstenliebe gefördert wird
o 3.2 Wodurch die praktizierte Nächstenliebe beeinträchtigt oder ruiniert wird
• 4 Siehe auch

4
• 5 Quellenverweise

Gründe
Die Liebe zu Gott ist ohne die Liebe zum Nächsten ewig nicht denkbar und auch nicht möglich. Darum soll
man seine Nächsten lieben, weil sie gleich einem selbst (potentielle) Kinder Gottes sind, und dadurch wird
man auch Gott über alles lieben.[13] Niemand kann Gott lieben in seinem finsteren Fleisch, wenn er seinen
Bruder haßt; wie könnte jemand Gott lieben, den er nicht sieht, so er seinen Bruder nicht liebt, den er
sieht?[14][15]

Die Menschen sind Ebenbilder Gottes, und das ist auch der Grund, darum ein Mensch den Mitmenschen zu
lieben und zu achten hat.[16]

Nichts wird von Gott und allen Engeln mit größerer Liebe und Segnung angesehen als die Nächstenliebe.
Diese aber kann nur dann zu walten anfangen, wenn die Menschen sich in aller Wahrheit und im hellsten
Licht aus Gott entgegenkommen. Denn die reine Wahrheit befriedigt das Herz und macht es sanft und
demütig und dadurch gegen jedermann freundlich und liebdienstlich beflissen, weich und barmherzig.[17]

Die der inkarnierten Seele allein das wahre, ewige Leben gebenden guten Werke an den Mitmenschen,
werden am Jüngsten Tag zu deren ätherischem Leib auferstehen. (siehe: Auferstehung des
Fleisches)[18][19][20]

Gerecht oder ungerecht


Die Nächstenliebe ist gerecht oder ungerecht, je nachdem sie dem Maß der göttlichen Ordnung entspricht
oder nicht. Wer den Nächsten über dieses Maß hinaus liebt, der treibt mit ihm eine Abgötterei und macht ihn
dadurch nicht besser, sondern schlechter.[21]

Beispiele für ungerechte Nächstenliebe:

• Liebt ein Volk einen aus seiner Mitte wegen seiner Talente übermäßig, dann macht es ihn zum
Herrscher über sich und wird dann von ihm oder seinen Nachkommen für diese Untugend gestraft.
Herrscher sind zwar von Gott aus eingesetzt (weil es die Menschen selbst so wollen), aber nicht als
Segen, sondern zum Gericht (1Sam 8.7).[22]
• Wenn arme, aber sonst brave und schätzenswerte Menschen mit zuviel Vermögen bedacht werden,
macht man aus ihnen schnell luxusverliebte Reiche, die besonders hartherzig sind und sich heimlich an
jenen rächen, die sie in ihrer Not nicht ansehen wollten. Die übermäßige Nächstenliebe hat ihnen nicht
genützt, sondern geschadet, insbesondere was das ewige Leben betrifft.[23]
• Liebt ein Mann seine Gemahlin zu sehr, dann verdirbt er sie, indem er sie eitel und kokett macht.[24]
• Ein Bräutigam verdirbt sich durch zu große Liebe seine Braut, und macht sie dreist und am Ende
untreu.[25]

Wenn man einem Armen Geld leiht, von dem nicht zu erwarten ist, daß er es nützlich verwenden könnte,
sondern es gleichsam wegwirft und damit allerei Ausschweifung treibt, dann ist das zwar kein direkt
schlechtes Werk, aber ein sehr dummes, das weder der Liebe Gottes und noch weniger der Weisheit Gottes
angenehm sein könnte. Etwas ganz anderes ist es, wenn man das Geld einem Armen gibt, von dem man weiß,
daß er damit umgehen kann und er nur durch widrige Zufälle arm geworden ist. Dem soll man das Geld auf
jeden Fall geben, auch ohne Zinsen und ohne Zuversicht, es je wieder zu erhalten. Hat der Bedürftige das
Geld gut verwendet, dann wird er als Bruder wissen, was er zu tun haben wird und welche Verpflichtung er
hat. Kann er es nicht zurückerstatten, dann soll man ihm nicht ärgerlich werden oder das Guthaben bei seinen
Nachkommen suchen, denn dies wäre hart und wieder die Ordnung Gottes, außer die Kinder oder Enkel tilgen

5
die Schuld bei einem Menschenfreund ihres armen Vaters oder Großvaters von sich aus, was sie Gott
wohlgefällig macht.[26]

Praktizierte Nächstenliebe
Es ist bei weitem nicht genug, zu behaupten, man liebe seine Nächsten und sei ihnen sehr freundlich. Die
wahre und vor Gott allein gültige Liebe muß in Werken bestehen, wenn die Nächsten derselben bedürfen,
geistig oder leiblich. Diese Liebe ist der wunderbare Schlüssel zum Licht aus Gott im eigenen Herzen.[27]

Die Nächstenliebe hängt nicht davon ab, ob man die materiellen Mittel für wohltätige Gaben besitzt, was bei
der überwiegenden Mehrheit der Menschen nicht oder nur unzureichend der Fall ist. Es gibt viele, die den
besten Willen haben, etwas Gutes zu tun, aber denen die Mittel und äußeren Kräfte und Geschicklichkeiten
fehlen. In solchen Fällen gilt der gute Wille soviel wie die Tat selbst. Praktiziert wird die Nächstenliebe durch
allerlei gute Taten und ehrliche und redliche Dienste, bei denen es am guten Willen nicht fehlen darf. Der gute
Wille ist die Seele und das Leben eines guten Werkes; ohne ihn hätte auch das beste Werk gar keinen Wert
vor Gott. Wer nicht die materiellen Mittel oder Fertigkeiten hat, seinem Nächsten zu helfen, obwohl er es gern
würde, wenn er nur könnte, dessen bloßer guter Wille gilt vor Gott viel mehr als das Werk eines anderen, der
erst dazu verlockt werden mußte.[28][29]

Bei der Nächstenliebe kommt es nicht auf reich oder arm an, sondern nur auf einen wahrhaft lebendig guten
Willen, demnach ein jeder mit aller Hingebung gerne tut, was er nur kann.[30]

Wodurch die praktizierte Nächstenliebe gefördert wird

Was man tut oder gibt, das soll mit viel Freude getan werden; denn ein freundlicher Geber und Täter kommt
in der geistigen Vollendung doppelt so schnell voran, weil in der Herzenswärme die Liebe waltet. Je saurer
und unfreundlicher ein auch sonst eifriger Geber und Wohltäter ist, desto weiter ist er von der geistigen
Lebensvollendung entfernt, denn in ihm steckt noch materiell Weltliches.[31] Ein freudiger und freundlicher
Geber, der keine Mahnpredigten hält, tröstet das Herz des Nehmers und versetzt es in eine dankbare
Stimmung. Der Nehmer wird mit einem liebevollen Vertrauen gegenüber Gott und den Menschen erfüllt, und
sein sonst so schweres Joch wird ihm zu einer leichteren Bürde, die er dann mit mehr Geduld und Hingebung
trägt als zuvor.[32]

Wodurch die praktizierte Nächstenliebe beeinträchtigt oder ruiniert wird

Wohltätigkeit gilt vor Gott nichts, wenn dafür Geld oder Untertänigkeit verlangt wird.[33]

Wer sich besinnt, ob er etwas Gutes tun soll oder nicht, indem er gewisse Rücksichten auf sich selbst, seine
Kinder und Verwandte gegenüber fremden Bedürftigen nimmt, weil der Fremde vielleicht ein fauler Lump
und der Gabe weniger würdig sei - was ein Wohltäter aber kaum je sicher wissen kann - weswegen dann der
Fremde wenig oder gar nichts erhält, dessen guter Wille hat noch lange nicht das rechte Leben und daher
zählen weder sein guter Wille, noch seine guten Taten als etwas Besonderes vor Gott. Wo das Vermögen ist,
müssen Wille und Werke gleich sein (gegenüber allen Bedürftigen), sonst nimmt eines dem anderen den Wert
und die Geltung vor Gott.[34]

Beim Geben und Tun soll man keine oft bitteren Ermahnungen mitgeben, denn dadurch erzeugt man bei dem
Bedürftigen eine oft bedeutende Traurigkeit und er sehnt sich dann danach, von diesem Wohltäter nichts mehr
annehmen zu müssen. Den Wohltäter machen solche unzeitige Ermahnungen nicht selten ein wenig stolz,
wodurch sich der Bedürftige erniedrigt fühlt und erst recht seine Not vor dem Wohlstand des Wohltäters
merkt, wodurch ihm das Nehmen bei weitem schwerer als das Geben wird. Eine Mahnpredigt bedeutet dem
Armen soviel wie: "Komme du mir ja nicht sobald - oder auch gar nie wieder!", obwohl der Geber sicher
nicht im entferntesten Sinne daran gedacht hat.[35]

6
Siehe auch
• Armut
• Feindesliebe
• Nächster
• Spenden

Quellenverweise
1. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.105.6
2. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 3.215.4
3. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 8.63.13
4. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 8.166.20
5. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 7.59.4
6. ↑ Lorber, Haushaltung Gottes 2.133.18
7. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 8.194.8
8. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 10.90.3
9. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.79.5
10. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.79.8
11. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.79.6
12. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.79.7
13. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 10.140.4
14. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 3.207.13
15. ↑ Lorber, Bischof Martin 21.21
16. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 5.272.16
17. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 8.146.4
18. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 5.238.1
19. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 6.54.10
20. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 10.9.8
21. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.103.4
22. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.103.5-7
23. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.103.16-18
24. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.103.19
25. ↑ Lorber, Geistige Sonne 2.103.20
26. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.98.4-6
27. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 3.207.14
28. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.4-6
29. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 3.171.8-12
30. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.8
31. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.11-14
32. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.17
33. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.7
34. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.9-10
35. ↑ Lorber, Gr. Evangelium 4.81.15-16