B E RLIN

,
IM MÄ RZ 193 8

NR .3
8. JAHRGANG

ZEITSCHRIFT FÜR DAS GESAMTE GEBIET DES GAS-UND LUFTSCHUTZES DER ZIVILBEVÖLKERUNG

MIITEILUNGSBLATr AMTLICHER NACHRICHTEN

Grundsteinlegung
zur Reichsluitschutzschule
Seit ihrer Gründung mußte sieh die Reiehsluftsehutzsehulc des Präsidiums des Reiehsluftschutz bundes mit einem Gebäude im Nordosten Berlins,
d.as ehemals als Sehule gebaut, dann aber von
einem Bezirksamt benutzt wurde, begni.igcn. Der

beschränkte R,a wn konnte den Anforderun gen .
namentlich hinsichtlich größerer Übungsplätze.
schon lange nicht mehr genügen; die Raumnot
wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, daß
die einzelnen Lehrgänge, deren hundertster ~erade

phot . Atlanti •.
Bild 1. GruD ds t~i Dl e~ uDg für die Reichsluftsch utzschule.
Staatss ekretär der Luftfahrt General der Flieger Mi Ich vollzieht die Hammerschläge ; hinter ihm der Präsident des Reichslultschulzbundes. Generalleutnant von R 0 q u es, ganz links der Cher der Luftwehr. General der FlakartilI ..ie R ü deI.

Bild 2. Grundsteinlegung lür die Reichslultschutzschule.

phot. Weltbild.

schutzbundos, General Jer
Artillerie G r i m m S:' für
die von ihm geleistete Auf~
baua rbeit zu danken, die
den Reiehsluftschutzbund
zu einer Volksbewc <} un CI
gemacht habe. Amschlic':
ßend lIInriß cr die AufQ.l ~
ben der Reichsluftschu'tz ~
sc hule , die eine I-roch ~
schule des Selbstschutzes
werden solle. N eben der
Lehrtätigkc.it durch aus ,
gewäh lte Fachleute stehe
hier die F 0 r s c h u n g s ~
ar bei t, die der Vervoll~
k ommn un g des Selbsb
schutzes diene. Er gab
dem Wunsche Ausdruck,
daß de r Geist des Gene ~
ralfeldmarsc halls Göring ,
die bedingungslose Ein,
satzbereitschaft, auch der
Geist werde, der die Ar ~
bcit in dieser Schule kenn ~
zeichne.

Staatsse kretär der Luftfahrt General der Flieger Mi I c h und der Präsident des Reichslultsch ut zbundes.
Gcn c ral!eutnant vo n R 0 q u es, schreiten die Front des angetre tenen Ehrcns lurm es des RLB. ab.

Nunmehr überbrachte
Staatssekretär der Luft.
fahrt General der Flieger Mi Ich die Grüße des
Reichsm inisters der Luftfahrt und Oberbofehls~
habers der Luftwaffe. Er kennzeichnete als Grund~
?edingung für den Erfolg der Luftschutzarbeit ,das
fachliche K ö n n e n ußld die nationalsozialistische
Ge s i n nun g und forderte im Namen des Ge ~
neralfeldmarschalls Gör i n g engste Kamerad ~
schaft des Reichsluftschutzbundes mit allen Teilen
der Bewegung und allen Schichten des Volkes.
Dann verlas er ,die Gründungsurkunde, die in den
Grundstein eingem,a uert wurde.
. ach Schluß ,des feierlichen Aktes erläuterte
Prof. 01'. Sie cll e r an Hand eines maßstäblichen
Modells die Grundgedanken der Anlage der neuen
Reichsluftschutzschule.
'

zu Beginn dieses Monats lief, stets etwa 200 Teil<
nchmer versammeln, die in mehreren Gruppen
unterrichtet werden.
So ist es zu begrüßen , daß dem Reichsluftsehutz<
bund ein Waldgrundstück von 26 Morgen auf der
dem Wannsce vorgelagcrten Halbin sel für den Neu'
bau der Reiehslufhschutzschule zur Verfügung ge<
stcl1t wurde. Der Entwurf für diesen Bau st.lmmt
von Prof. DrAng. Si e id I er, dem Vors1tzenden
de ~ Reichsba'Uausschusses fi.ir Luftschutz, der sich
die Aufgabe gestellt hatte, eine Anlage zu schaf<
fen, die hinsi·::htlich ihrer luftschutzmäßigen Durch ~
fi.ihrung als vorbildlich zu bezeichnen ist.
Am 2. März legte der Staatssekretär der Luft<
fahrt, General der Flieger Mi Ich, in Anwesenheit
zahlreicher Verh'e~
ter des Staates, der
Wehrmacht, der
Partei und vieler
Ehrengäste
den
Grundstein zu der
neuen
Reichsluft.
schutzschule.
Auf
dem von ein em
Fahnenwald um<
rauschten Bauplatz
war eine Ehrenab<
teilung des Reich s,
luftschutzbund es
angetreten.
Nach Ankunft
des Staatssekretärs
M i 1e h und Ab<
schr eiten der Front
der Ehrenabteilung
nahm der PräSIi'
dent des Reichs luft~
schutzbundes . Ge <
neralleutn~nt von
R 0 q u es, das
Wort, um zunächst
dem Ehrcnpriisiden <
Bild 3. Modellaufnahme
tcn des Rei chs luft~

60

ph ot. Megow.

der neuen Reicb.luftschulzschule.

Organisation und Aufgaben der Prüf- und Versuchsabteilung inder Reichsanstaltfür Luftschutz
Dr. H üs t er, Oberreg.-Rat, Leiter der Prüf- und Versuchsabteilung der Reichsanstalt-für Luftschutz
Die Reichsanstalt für Luftschutz i t eine Dienst '
teile der Wehrmacht, die unmittelbar dcm Rcichs ~
luftfahrtmini sterium untersteht. Sie ist weiten
Kreisen. die mit Luftschutzfragen befaßt sind,
durch die Lehrgängc bekannt, dic von der Sc h u l ~
a ..b t. ei lu n g der Rcichsansta lt für leitende Per,
son hehk eiten auf all en Gebieten des Luftschutzes
durchgeführt werden . Gleiehbedcutend neben der
Sehulabteilung ste ht die Pr ü f , und Ver ,
sy e h s abt ei l u n g der Reichsanstalt. Diesc hat
Ich im vergangenen Jahr infolge p rsonellcn Am;~
baues zu einer technischen Zentral teIle ent ;
wickelt, deren Arbeit alle te c h ni s c h e 11 Pro ~
bl e m e des Lu f t s e hut z e s umfaßt; g l eic h ~
zeitig bearbeitet s ie die ,der Reichsanstalt für Luft ~
schu tz vom Reichsmini tel' der Luftfahrt und
Oberbefehlshaber der Luftwaffe gemäß § 8 des
Luftschutzgesetzes
zugewiesene
E r t eil u n (!
VOn Ver tri e b s gen eh m i gun gen für Luft:
schu tzgege nstünde, die in engstem ZU':iamm c n ~
hang mit ,den von der Prüf, und Versuchsabtei ,
lung bearbeiteten technischen Fra{!en steht. Schon
aus diesem Grundc dürfte eine ' breitere Offcnb
liehk eit an einem Einbli ck auch in ,di eses Auf~
ga bengebiet ,der Reichsanstalt interessicrt sein.
f\llerdings kann es sich, wenn die bersicht über
di eses vielverzwoigte Gebiet nicht verlorengehen
f.oll, nicht um ein e erschöpfende Aufzählung sämt:
Icher bearbeitetcn oder chwebcnden Einzelauf:
~ab en handeln, sondern nur um ein en Gesamb
uberbliek unter bcispielhaftcr ' Kennzeid1l1ung der
versch i denen Fachgebicte.
A ll gemein bearbeitet die Prüf: und V c r s.lIchs ~
a?teilung t c c h n i s c h e Fra gen auf dem Ge:
b~ete des Luftschutzes, deren Dureharbeitung im
einzeln en nicht in den Bereich ministerieller V cr:
wa~tungstätigkeit gehö rt und die ·daher vom
Relchsminister der Luftfahrt und Oberbefehls:
haber der Luftwaffe der Reichsanstalt für Luft:
schutz zugewiesen werden.
t. Wie der Luftschutz selbst in ·die verschiedel1<tr:
Ig ten Gcbiete des m en chlichen Lebens eingreift,
FO wer,den von ihm au ch die mannigfaltigsten
achgebiete <der Technik berührt, der ·die Auf:
ga be erwäch t, durch Lösung der zahlreichen
~ onderprob l e me, di e der Luftschutz der Technik
U? ~ra1! stellt, auch ihrerseits dem Gedanken ,des
zIvilen Luftschutzes und ,damit ,der Stärkung der
Wid erstandskraft der Zivilbevölkerun d zu d{en en,
Wo auch immer ich 1öglichkeiten hi~rzu bicten.
Die zahlr eichen technischen Einzelaufgaben we r~
ren dah er innerhalb der Prüf~ und V crsuchsabtei~
ung in 7 Fa c h g r u p p e n bearbeitet, ,deren R e i ~
henfolg e sich rein historisch erklärt: 1. Gasschutz
und Entg iftun g, 2. Brandschutz, 3. Bauwesen,
4. Fernmelde: und A larmwesen 5. Luft chutz:Sa~
nitätswesen, 6. Luftsehutz:Veterinärwesen, 7. Luft~
SChutz:Rechtswesen, wobei selbstverstän,dlich auf
achb argebieten, wie etwa denen d es Bauwesens
und des Brandschutzes oder des Sanitäts~ und
~ ete.rinärwesens neb~n dem Gasschutz und der
.ntglftung, enge Zusamm enarbeit zwi chen den
einzelnen f,achgruppen erfoflderlich ist.
f Die verschiedenen technischen Fachgruppen prü ~
en und begutacht,e n ·die te c h ni sc h e n E I' ~

z c u g n iss e und Ein I' ich tun gen. die auf
dem Gebiet des Luftschutzes geschaffen werden,
und werten die hi erb ei gcwonn en en theoretischen
Erkenntn isse für die Luftschutzpraxis, namentlich
auch für Schulun gszwecke, aus. Diese Prüf~ und
Begutachtungstätigkeit i t glcichzeitig die Gr'jnd ~
lage für die Erteilun g ,der Genehmigung zum Ver~
trieb von Luftschutzgegenständen na·::h § 8 des
Luftschutzgesetzes, der bestimmt, daß einer Ge:
nchmigung des Reichsministers der Luftfahrt und
Obcrbefehlshabers der Luftwaffe oder der von ihm
bea uftragten Stcll e - der Reichsanstalt für Luft~
schutz - bedarf, "wer Gerät oder Mittel für den
Luftschutz vertreiben will"!). Diese mannigfaltige
Arbeit ·der Prüf: und Ver uchsabteilun~ ist selbst:
ve rs tändlich nicht auf das Material beschriinkt,
das ihr vorgelegt wird, sondern die Abteilung hat
die Aufgabc, aus eigenem Antrieb Fragen, die das
Luftschutzgebiet betreffen, mit den ihr zur Verfü ~
gung stehenden Mitteln weiterzuverfolgen. Auf
Grund der gewonnen en Erkenn tnisse entwickelt
die Prüf: und Versuchsabteilung ferner R ich t ~
I i nie n, Die n s t vor s c h r i f t e n und L ehr:
m a t e r i a l in Zusammcnarbeit mit der Schulab:
teilung und mit der Bild: und filmtechnis chen Ab ~
teilung der ReichsanstaIt, auch betreut sie die
Aus s t e llu n g s r ä u m e , .die als Anschauung., ~
m ate ri a l~ und Lehrmittelsammlung für jedes Fach :
gebiet eingerichtet sind. Gleichzeitig sind die zahl~
reichen wissenschaftlichen Sachbearbeiter als Vor ~
tragende an den von der Schulabteilung durchge ~
führt en L ehr g ä n gen beteiligt.
Will man die in den einzeln en Fachgruppen ge:
leistete Arbeit systematisch gli edern, so kann man
zu folgender Aufte:ilung kommen:
I. W'issenschaftliche Versu·: :hsarbeitcn zur Vor~
bereitung der Entwicklung von Geräten, Vor ~
richtungen und Methoden für Lu ftschutz ~
zwecke,
JI. Entwicklung von Geräten für Sicherheits~
und Hilfs di ens t, Werkluftschutz und Selbst ~
schutz,
In. Prüfung und Begutachtung von Erfin dungen
sowie von industriellen Erzeugnis en für
Luftschutzzwecke,
IV. Erteilung von V ertriebsgenehmigungen ge~
mäß § 8 des Luftschut2lgese tzes für Mittel,
Geräte und Ejnrichtungen für ,den Luft~
s chutz (Luftschutzgegens tände) einschließ:
lich der Ü berwachung der Werbeschriften
u. dgl. für Luftschutzgege n tände.
Diese Gliederung ist rc1n theoretischer Art. In
der Praxis gehen diese Aufgaben vielfach ineinan~
der über. Daher ist sie auch in dem nachfolgenden
Ü berblick über die e.in:belnen Fachgebiete nicht
schematisch durchgeführt. Dieser Ü berblick soll,
wie eingangs angedeutet, lediglich an Hand von
Bei püelen eine Anschauung von der praktischen
Arbeit der Abteil ung vermitteln. Es würde den
R ahmen di eser Ausführungen sprengen, wenn mit
diesem Ü berblick eine Darstellung der 0 r g an i ~
s a ti 0 n des z i v i I e n L u f t s c hut z es als
olcher verbunden würde, der d~ e Klammer bil ~
l]
ZU Ill

V~l. hi erzu de n Wortlaut d er Vi erlen Durc hführungsve rordnun g

Lu fl schulzgcsc l z a uf S. 85 I. cf. H .

61\

det, die scheinbar völlig auseinarudcl'strebende
technische Gebiete zusammenkoppelt, und auf den
die ge amte Arbeit der Prüf. und Versuchsubtei.
lung der Reichsanstalt für Luftschutz ausgerichtet
ist. Seinen personell und materiell ganz verschie.
den zusammengesetzten Organisa tionszweigen
dient die gesamt,e technische Entwicklung im zi.
vilen Luftschutz, auf dieser Organisation baut sich
daher auch die Arbeit innerhalb der einzelnen
Fachgruppen der Prüf. und Versuchsabteilung der
Reichsanstalt für Luftschutz auf, die nachstehend
kurz skizziert werden soll.
1. Gasschutz und Entgiftung.
Bei der Fachgruppe Gasschutz und Entgiftung
der Prüf. und Versuchsabteilung stehen die Ent.
wioklung und Prüfung von Geräten und Mitteln
für Ga chutz urud Entgiftung in chemischer und
physikalischer Hinsicht im Vordergrund des alt.
gemeinen Interesses.
Die P r ü fun g sau f gab e n umfassen fol.
gende Gebiete:
Gasschutzgeräte, wie z. B. verschiedene Arten
von Masikenkörpern, Zubehör teile hierfür, Ventile,
Aufstecksiebe, Schutzkappen, verschiedene Arten
von Atemfiltern, Filtern für Belüftungsanlagen,
auer toff.Schutzgeräten, Gasschutzbekleidung,
Prüfgeräte für Ga&Schutzzwecke, so neue Ar.
ten von Ventilprüfern, Atemwjderstandsprüfern,
Geräte zum Prüfen von Maskenkörpern,
Ausrüstung gegenstände für den Entgiftungs.
dienst, wie Pulver. und Flüssigkeitszerstäuber,
Chlorkalkstl'leuer, Schnüffelventile, Gasspürkä,>ten
und .tornister.
Von ,der Gruppe Gasschutz und Entgiftung der
Prüf. und Versuchsabteilung ind die endgültigen
Formen einer größeren Anzahl der obengenannten
Geräte, namentlich auch der Gasbekleidung (Gas.
anzüge, Gasstiefel, Gashandschuhe), festgelegt o.
wie die erforderlichen Genehmigungen zum Ver.
trieb derartiger Gegenstände erteilt wor,den. Von
chwebenden Entwicklun~ aufg,a ben sirud die Ent.
wicklung eines Entgiftungskraftfahrzeuges für den
beweglichen Sicherheits. und Hilfsdienst sowie
der Au bau eines vollständigen Entgiftungsparks
für Fahrzeuge und Geräte und einer Sachcnentgif.
tungsanstalt zur Reinigung insbesondere auch bc.
giftetet' Kleidungsstücke zu erwähnen.
2. Brandschutz.
Die B ra nd ver s u c he, die die Gruppe
BranJdschutz der Prüf. und Versuch abteilung teil.
weise in einem neu errichteten Brandversuchs.
haus, teilweise an Abrißhäusern durchführt, die.
nen einmal der Erforschung der Entzündlichkeit
von Bauteilen, zum andern der Erprobung von
Feuerlöschgeräten sowie ,der Entwicklung einer ge.
eigneten Feuerlöschtaktik für den Kriegsfall, in
welchem nicht damit gerechnet wer,den kann, daß
die Beroufs.feuerwehren jeden Brandherd, der durch
Abwurf von Brandbomben erzeugt wird, selbst be.
kämpfen können, son,dem in welchem die Bekämp.
fung von Bränden in großem Umfang den Kräften
des Selb tschutzes und des erweiterten Selbst.
chutzes überlassen werden muß. Die bei Groß.
brandver.suchen in Dachstühlen gewonnenen Er.
fahrungen sind Idementsproechend in einer Dienst.
vorschrift für Hausfeuerwehren verarbeitet wor.
den.
Weiterhin gehören in diesen Arbeitsbereich die
P r ü fun gun d Beg u t ach tun g von Firmen.
er~eugnissen auf dem Gebiete ,des Brandschutzes
und der Brandbekämpfung im Luftschutz, namenV

62

lich von Brandsätzen, Brandbekämpfungsmitteln
und Erfind,u ngen zum Schutz gegen Brandbomben.
Unter den E n t w i c k I u n gar bei t e n ist
die EntwJcklung einer Kr a f t zug s p r i t z e für
die Feuerwehr. und Bergungstrupps des Sicher.
heits. und Hilfsdienstes mit geschlossenem An.
hänge r besonders hervorzuheben, die zunächst zu
baulichen Verbesserungen der hierfür entwickel.
ten ersten Modelle, sodann zur Ausarbeitung von
Liefervorschriften sowie eincs Beladeplans für den
serienmäßigen Aufbau und die Ausrüstung der
Fahrzeuge geführt hat. Gleichzeitig war das bis.
herig,e in den Luftschutzorten 1. Ordnung verwen.
detc Ein a ch s fa h r z e u g so umzugestalten,
daß es auch mit dem neuen Zugfahrzeug weiter
Verwendung finden konnte. Die Gruppe Brand.
schutz hat ich weiterhin mit ,der Entwicklung von
Baurichtlinien für Lös c h kar ren befaßt, die
im erweiterten Selbstschutz und Werkluftschutz
als Fahrzeug für Schlauchmaterial und Gerät des
Hydrantentrupps Verwendung finden sollen. Dem
Selbstschutz der Zivilbevölkerung sowohl als auch
dem Sioherheits. und Hilfsdienst und dem Werk.
luftschutz dient die Entwicklung eines S t a h I .
hel m s als Kopfschutz für alle im Feuerlösch.
dienst eingesetzten Kräfte. Eine besondere Be.
deutung für ,den Feuerlöschdienst im Luftschutz
kommt auch der Erprobung von Kunststoffen für
Ausrüstungsgegenstände zu.
Während Richtlinien für die Löschwasserversor.
gung bereits veröffentlicht sind, befindet sich u. a.
die Aufstellung von Richtlinien für ,die Sicherung
der Trink. und Nutzwasserversorgung noch in Be.
arbeitung.
Von Dienststellen, mit denen die Gruppe Brand.
schutz bei 'd er Bearbeitung ihrer Aufgaben in dau.
cmder Verbindung steht, sind der Deutsche or.
menausschuß sowrie die Feuerwehrtechnische Nor.
mcnstelle hervorzuheben .
3. Bauwesen.
Beim Bauwesen handelt es sich um ein weitver.
zweigte Gebiet, das in allen seinen Teiler. in so
starkem Maße von den Forderungen des Luft.
schutzes berührt wird, 'd aß die Gruppe Bauwesen
der Prüf. und VefiSuchsabteilung eine weitere spe.
zialisierte Unterg1ie,derung erfahren mußte, und
so hat sich naoh luftschutzbautechnischen Ge.
sichtspunkten in ,g roßen Zügen ,f olgende U~1tertei.
lung ergeben:
1. Planung (Reichs. und Landesplanung, Städte.
bau und Siedlungswesen),
2. Luftschutz bei der Einrichtung und dem Au'>.
bau von Erzeugung stätten, VefiSor,g ungs.
und Verkehrsanlagen,
3. Ingenieurhautechnisches achgebiet,
4. Täuschung, Tarnung, Verdunklung,
5. Schutzraumbau (Schutzräume, ,öffentLiche
ammelschutzräume, Befehls. und Rettungs.
stellen usw.).
'
Zusammengefaßt unter dem Leiter der Gruppe
Bauwesen, sind ,diese Gebiete, deren Aufgaben, wie
schon ,die Elinteilung zeigt, sich mannigfach be.
rühren, ich auch hier und ,da überschneiden, auf
engste Zusammenarbeit untereinander ange.
wiesen.
Der weite Spielraum Ides baulichen Luftschutzes
hat es mit sich ,g ebracht, daß auf diesem Gebiet
die weitaus meisten Einzelanträge auf Prüfungen,
Begutachtung, Erteilung von Vertriebsgenehmi.
gungen für Luftschutzg,eg,erustände eingehen. Unter
diesen Anträgen haben die Anträge auf Genehmi.
gung von Ver dun k 1 u n g sm i t tel n und

~

VOr r ich tun gen einen besonders großen Um~
fMan g angenommen, erklädich dadurch, daß die
aßnahmen der Vel'ldunklung jeden einzelnen
Volksgenossen erfassen und gegenüber anderen
Luftschutzmaßnahmen im Bereich des Bauwesens
einen verhältnismäßig geringen Kostenaufwand er;
fordern. Daher haben lichttechnische Versuche
f.l:'r Fe tstellung noch zulässiger Helligkeitswerte
Ur Verdunklungszwecke und die Prüfung von
~erdunklungsmitteln und .vorrichtungen, obwohl
SIe - vom technischen Standpunkt gesehen nUr einen sehr losen Zu ammenhang mit dem Bau ~
lesen haben, zu Beginn der technischen Entwich
un):! des baulichen Luftschutzes im Vordergrund
der Bearbeitung gestanden. So sind auch beson.
~ers zahlreiche Vertriebsgenehmigungen für Ver.
unklungsmittel (Stoffe, Papiere, Kunststoffe),
VL.erdunklung vorrichtungen zum Abblenden von
Ichtaustrittsöffnungen, Leuchten und deren Ab.
blendvorrichtungen für Ver,dunklungszwecke (In.
nen~, Außen., Fahrzeugleuchten) erteilt. Wie je'
~oc~ die technische Entwicklung nie stillsteht, so
edurf,en auch heute schon manche der ursprüng.
Jj
ch erteilten Genehmigungen der Nachprüfung.
eUe Prüf. und Gütevorschriften für Leuchten
und deren Abblendvorrichtungen sowie Verdunh
r~~gSvOrrichtungen und :mittel, ferner neue Rioht~
In~en für die Abdunklung von Kraftfahrzeug.
scheinwerfern stehen vor dem Abschluß und wer.
~~n in Zukunft als Richtschnur für den Vertrieb
leser Gegenstände dienen .
~inen s teigenden Umfang haben danebcn die
Prufungen und Genehmigungen von S c hut z •
r a ~u m a b sc h I ü s sen (Tür., Fenster., chorn.
stemabschlüsse) angenommen. Ferner werden von
der Gruppe Bauwesen geprüft Schutzraumbauwei.
Sen, Bau toffe, Tarnmittel, Leuchtfarben.
. Schließlich gehören in ihr Arbeitsbereich sämt.
hche luftschutztechnischen Frag.en aus dem übri.
gen oben gekennzeichneten Arbeitsbereich der
verschiedenen achbearbeiter, unter denen die
SChutzraumplanung in den Luftschutzorten, die
tusarbeitun.g von Plänen für die bautechnische
.estaltung von Befehls. urud Rettungs tellen so.
wI.e LuftschutzwarnZ'entralen besonders genannt
Selen.
.. Wie auf andern Gebieten führt die Reichsanstalt
fUr Luftschutz auch auf dem Gebiet des Bauwe.
ens nicht alle Prüfungen ausschließlich elbst
durch, sondern jn Zusammenarbeit mit anderen
geeigneten technischen teIlen. So sind z. B. die
ftaat1~chen Materialprüfungsämter in großem Um.
ang m die Prüfung eingeschaltet, z. B. bei den
~hutzraumabschliissen und den Vel1dunklungs.
lllittein für Lichtaustrittsöffnungen. Die R,e ichsan.
~t:alt für Luftschutz ist jedooh allein zuständig für
dIe Erteilung der Y.ertriebsgenehmigung nach § 8
es Luftschutzgesetzes.
4. Fernmelde. und Alarmwesen.
Die Arbeit der Gruppe Fernmelde. und Alarm.
wesen dient in erster Linie der technischen Fort.
entWicklun g Ides Luftschutzwarndienstes und hat
~e en der Prüfung und B gutachtung von Erfin.
d~nge~ auf. diesem Gebiet z~ei Hauptaufgaben:
le ..M:ltarbeü an der FortentwJOklung von Alarm.
~raten sowie .die Förderung der Planung und des
uibaue örtlicher Anlagen.
Die Gruppe ist an ,der Entwicklung, Prüfung
nd Zulassung einer Reihe von neuentwickelten
ypen von G roß a I arm ger ä t e n beteiligt
Und befaßt sich zur Zeit u. a. mit der Frage der

T

Entwicklung von ~ lei n sir e n e n zur Ausfül.
lung von Lücken im Alarmnetz der Großalarm.
geräte. Auch ist die Entwicklung einer fahrbaren
Sirene zum Abschluß gebracht. B ehe I f s a I arm;
ger ä te werden auf ihre Eignung geprüft.
Neben der Geräteentwjcklung wird die Gruppe
stark durch den fortschreitenden Ausbau von
Al arm an lag e n in Luftschutzorten I. Ordnung
in Anspruch genommen. ie hat ,daher Richtlinien
für die Planung von Großalarmanlagen und ihre
Abnahme entwickelt und mit Genehmigung des
Reich luftfahrtmini terium herausgegeben sowie
Vorschriften für eine Vereinheitlichung von Steu.
erzentralcn und Steuergeräten in Fe u e r me 1 d e.
n e t zen aufgestellt. Mit Rücksicht auf die
Schwierigkeit der Benutzung mancher Feuermelde.
anlagcn hat sich die Notwendigkeit zur Neuent.
w~cklung von Steuersystemen ergeben. Die end.
gültige Ausbildung neuer geeigneter Systeme ist
in Angriff genommen. Die entwickelten Abnahme:
bedingungen für Alarm., Sohalt. und Steuergeräte
müssen der technischen Entwicklung auf diesem
Gebiet laufend angepaßt werden.
Da die e Aufgaben vorwiegend elektrotech.
nischer atur sind, hat es ich als zweckmäßjg er.
wiesen, dieser Gruppe auch die Fragcn der an sich
nicht in das Gebiet des Fernrneide. und Alarm.
wesen
gehörigen
0 t
t rom ver S 0 r gun g
sowie den elektro; und maschinenbautechll1lischen
Teil von Bel ü f tun g an lag e n zuzuwei en.
Für Versuche auf den vorgenannten Gebieten
steht der Gruppe ein eigenes Kraftmascruinenprür.
feld zur Verfügung.
5. Luftschutz.Sanitätswesen.
Untcr den Aufgaben der Gruppe Luftschutz.
Sanitätswesen teht an er ter Stelle die Entwicklung der Lu f t sc hut z san i t ä t s ger ä te, an
der die Gruppe sowohl hinsichtlich der Beschaf.
fenheit als auch hinsichtlich der inh altlich en Zu.
sammensetzung führend mitbeteiligt ist. Sie steht
dabei in enger Zusammenarbeit u. a. mit ,dem Hee.
res" affenamt, der Militärärztlichen Akademie,
dem Deut chen Roten Kreuz, der Deutschen Apo •
thekerschaft, dem Verband Deutscher Berufsge.
nossenschaften, ,der Fachgruppe Ver'bandmittel.
her teller der Wirtschaftsgruppe Textilindustrie.
An Ausrüstungsgegenständen für d n Sanitäts.
trupp des Sicherheits. und Hilfsdienstes sind auf
diese Weise entwickelt und als Luftschutzgegen.
stände gemäß § 8 des Luftschutzgesetzes geneh.
migt wor,den
die Sanitätstaschen und Gastaschen, von denen
jeder Sanitätstrupp (1 Führer und 8 Mann) je
4 erhält,
die Luftschutzverhandkästen, je einer für den
Trupp,
die Luftschutzkrankentragen, von ,denen eine
für je 2 Mann eines Sanitätstrupps bestimmt
ist,
die Gastaschen für Ärzte, die für den Arzt der
Sanitätsabteilung bestimmt sind,
die Luftschutzhausapotheken, die für den elbst.
schutz bestimmt sind,
die Luftschutzzusatzverbandkästen für den
Werkluftschutz.
Im Zusammenhang ,damit sind Vorschriften über
die Lagerung des Luftschutzsanitätsgeräts und ,die
Pflege der einzelnen Teile 'a usgearbeitet worden.
An Entwioklung auf.gaben stehen zur Zeit im
Vordergrund die Entw~cklung eines Ein ach sb z w. Ein man n an h ä n ger s zum Transport
von Verletzten sowie der Ein bau von Kr an.

63

k e n t rag e n in nicht genormte Kr a n k e n ~
wa gen .
Für Unterrichtszwecke werden von der Gruppe
Sanitätswesen Mo u 1 a gen über Kampfstoner ~
krankungen und Phosphorverbrennllngen ent:
wickelt.
6. Luftschutz" Veterinärwesen.
Auf dcm Gcbicte des Lllftschutz ~ Veterinärwc ~
sens hat 'in neuerer Zeit im Vordergrund der Ar~
beiten die Herausgabe eines L u f t s eh u t z ~ V e~
te r i n ä r k ast e n s für Tierhaltcr gestanden. Die
Entwürfe und Erprobungen sind gemeins,a m mit
dem Leiter des Heeresveterinärunters uchungsam ~
tes durchgeführt worden.
7. Luftschutz"Rechtswesen.
Die Bestimmungen ,des Luftschutzgesetzes vom
26. 6. 1935 und die Durchführungsverordnungen
vom 4. 5. 1937 (RGB!. I S. 559 H.) und vom 31. 1.
1938 (RQBI. I S. 197 f.) schneiden ebenso wie der
Luftschutz selbst in alle Sphären des mens·::hliehen
Lebens ein . Man braucht nur an die L u f t ~
sc hut z d i ,e n s t p f 1 ich t zu denken, deren Ein ~
führung ein namhafter Verwaltungsbeamter zw
treffend mJit der Umwälzung verglichen hat, die
die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht sei ~
nerzeit bedeutet hat.
Abgesehen aber von zahlreichen Rechtsfra(Jen,
die die Organisation des z-ivilen Luftschutzes "'be:
treffen und in alle technischen Gebiet,e hincinspic ~
len, wird die von dcr Prüf~ und Versuchsabteilung
durchgeführte Arbeit der einzelnen Fachgruppen
aufs stärkste beeinflußt ,durch die bereits oben
wiederholt erwähnte Bestimmung des § 8 des
Luftschutzgesetzes, wonach der Vertrieb von Luft ~
schutzgegenständen
genehmigungspflichtig ist,
weiter durch die Bestimmung, daß diese Gench ~
migung von ,der Reichsanstalt für Luftschutz als
der vom Reichsminister der Luftfahrt und Ob e r ~
befehlshaber ,der Luftwaffe beauftragten Stelle zu
erteilen ist. T,echnische und juristische Fragen
wenden daher in diesem Bereich derart zusam ~
mengeschweißt, daß sie nur in engstem laufendcm
Zusammenwirken zwischen den einzelnen Fa·::h ~
gruppen und dem Luftschutzrechtsreferat gelöst
werden können. Die Darstellung der hierbei auf~
tretenden Rechtsfragen und des Verfahrens ,der
Erteilung der Vertriebsgenehmigungen im einzel.
nen sei, um den Überblick über die vorgenannten
fachtechnischen Gebiete nicht zu verwischen,
einem besonderen Aufsatz vorbehalten. An dieser
Stelle seien nur zur Abroundung der bisher gegc ~
benen Übersicht ein paar all gemein interessicrende
Punkte herausgegriffen:
Ober jede erteilte Vertriebsgenehmigung wird
eine besondere Ur k und e ausgestellt. In diese r
Urkunde wir,d ein e K e n nu m m e r erteilt und die
Bestimmung getroff en, daß der Gegenstand, für
den diese Kennummer erteilt wird, mit dieser
Kennzeichnung und ,dem Vermerk "Vertrieb ge ~
mäß § 8 ,des Luhschutzgesetzes genehmi gt" zu
versehen ist, so daß der Käufer von Luftschutz ~
gegenständen, der sich 'h iervon überzeugt, die Ge ~
währ dafür hat, daß es sich um einen Gegenstand
handelt, ,der ,die erforderliche luftsehutztechnische
Eignung besitzt. Die erteilten V ertriebsgenehmi ~
gungen werden im "Deutschen Reichs~ und Preußi"
sehen Staatsanzeiger" laufend veröffentlicht. Die
Vertriebsgenehmigung wind grundsätzlich nur
ein mal, und zwar dem Her s tell er, erteilt.
Der ZwischenhändJer muß sich beim Erwerb eine
Abschrift der Vertriebsgenehmigung urkunde !o!e"

64

ben lassen und sich durch Vergleich der in dei
Vertriebsgenehm i'g ungsurkunde erteilten Kennum.
mer mit der auf den frag li chen Gegenständen ent ~
haltenen davon überzeugen , daß es sich um Luh.
schutzgegenstände handelt, deren Vertrieb ord~
nungsgemäß genehmigt ist.
Ver s t ö ß e hiergegen oder gegen die beson>
deren Auflagen, die ,die Reichsanstalt für Luft~
schutz für den Vertrieb oder die Art ,d er Wer.
bung in der Vertriebsgenehmigun gsurkunde oder
~hren Anlagen gemacht hat, sind nach § 9 des Luft"
schutzgesetzes strafbar. Eine solche S t r a f be "
s tim m u n g ist als Rückgrat der Vorschrift des
Luftschutzgesetzes, die den Vertrieb von Luft~
schutzgogenständen an die Erteilung einer beson"
deren Genehmigung knüpft, unerläßlich. damit der
Zweck des § 8 des Luftschutzgesetzes erreicht
wir,d:
S c h II t z der Bevölkerung vor u n g e c i g n e ~
t e n L u f t s eh u t z g e gen s t ä n den, die im
Ernstfall unbrauchbar sind und ,die Widerstands.
kraft der Bevölkerung mindern,
sowie Sam m 1 u n g einer Ü bersicht über alle
den Luftschutz betreffenden Erzeugnisse an zen.
.traler Stelle und damit die Mö.gl:ichkeit einer
Sie h tun g sowie einer Beeinflussung der F 0 r t "
e n t wie k 1 u n g und eines z w e e k m ä ß i gen
Ein s atz e s aller Mittel ,der Technik zur laufen.
'den. Vervollkommnung ,des Luftschutzes.
Abschließend ein Wort über ,die G run d •
s ät z.e für die E r t eil u n g von Vertriebs"
genehmigungen in technischer Hinsicht. Wieder.
holt wurde oben darauf hingewiesen, daß die aus.
gearbeiteten Richtlinien und Vorschriften auf den
einzelnen technischen Gebieten laufender Ergän"
zung und Anpassung bedürfen. Auch die
in j e"
dem Fall widerruflich - erteil~en Vertriebsge"
nehmigungen dürfen nicht mit der technischen
Weiterentwicklung in Widerspru·::h gerat en. Der
] dealzustan ·d wäre erreicht, wenn der Ver:
trieb nur solcher Luftschutzgegen tärode zugelas.
sen würde, die die Forderungen des Luftschutzes
in vollem Umfang auf absehbare Zeit erfüllen.
D~ese For,derung aufstellen heißt die Unmöglich.
keit ihrer Erfüllun g erkennen; ,denn die Technik
steht nicht still, und der Fall, daß der gesamte
Luftschutz in Wirksamkoit tret en muß. kann sich
schon morgens ereignen. Darum sin1d Be hel f s "
1 ö s u n gen mitunter unvermeidlich und besser
als der Verzicht auf Zwischenlös,ungen in dem
Gedanken, daß erst ,das Beste - ,des Guten Feind
_. gefunden weT,den müsse. So stellt alle luft"
schutztechnische Arbeit eine Zwischenlösung dar
zwischen dem erst rebten Idea lzustand und den
Erfordernissen des Augenblicks, ein Zustand, wie
wir ihn bei ieder technischen Entwicklung in der
gesamten Wehrmacht kennen, der aber auf dem
jungen Gebiet ,des Luftschutzes im Bereich der
zur Mitarbeit berufenen technischen Stellen ge"
lcgentlich Ibosonders deutlich in Erscheinung tritt.
Die Arbeit der Prüf~ und Versuchsabteilung der
Reichsans talt für Luftsehutz hat sich au kleinen
Anfängen in kurzer Zeit zu einem U mfang ent"
wickelt. dessen Vielgestaltigkeit den ganzen wei"
ten Rahmen des zivi len Lufts,::hutz cs überhaupt
widerspi,e gd t Ul'Ld in den hin einzuw achsen kein e
leichte, aber ei ne überaus anregende Aufgabe war.
Dank der Förderung ihrer Arbeit, materiell und
personell, durch die dafür zuständigen Dienststel,
len bildet s ie heute, wie der vorstehende Oher ~
blick zeigt, ein wesentliches Werkzeug für die Be.
a rb eitung luftschutztechnischer Fragen.
-1

Wie können wir die taktische Schulung
der Führer im zivilen Luftschutz weitertreiben ?
Dip1.-Ing. He n ne k e Zwickau
I

Vorbemerkung der Schriftwaltung.
In den folgenden Zeilen kommt ein Mann der
Praxis zu Wort, der seine Au~führungcn auf grundsätzlich richtige Ged.a.nken stützt. lhnen kann allerdings nicht in allen Punkten beigetreten werden,
da die Schlußfolgerungen, insbesondere die V~r­
schläge für den Kräfteeinsatz, weit über das mogliche hinausgehen.

Um "rationale" Maßnalunen ergreifen zu kön ~
nen, muß der Menschengeist von den Dingen und
Ereignissen in seiner Umgebung ein rationales
Bild besitzen. Ratio heißt "Ver nun f t". Aber
selbst die größten Philosophen geraten in. Ver ~
l~genheit, wenn sie angeben sollen, was elgex:t~
hch der Inhalt unseres vernünftigen Denkens Ist
bzw. wo seine Grenzen liegen. Ein Jäger oder
Fischer der auf Beute zieht, weiß sehr genau, wie
eng di~ Grenzen sind, die das S chi c k s a I sei~
~em vernunftgemäßen Planen se~~t. Sein ~rfo~~
1st weitgehend Sache .des "Zufalls, des "Glucks ,
der "Fügung". Auch der Bauer und der Berg~
mann wissen noch .darum, daß un~eachtet alles
vernunftgemäßen Strebens an Gottes Segen a~es
gelegen ist. Anders ,der Fabrikant, dessen Arbelts~
programm sich nicht unter freiem Himmel, unter
der El1de oder auf offenem Meer abwickelt, son~
~ern in wohlgesicherten überdachten Räumen. F~r
~hn ist der Herstellungsprozeß ein nüchternes, bIS
In die letzten Möglichkeiten durchschaubares
Rechenexempel. Damit ist aber noch nicht ~e~
sagt, daß seine wirtschaftliche Existenz dem Em~
bruch "irroationaler" Momente entzogen ist, denn
ROhstofflage und Absatzmarkt bleiben mehr oder
weniger in jedem Erwerbszweig schwankend u~d
ungewiß. Der Zukunftstroaum einer "durchratlO~
nalisierten" Wirtschaft bleibt ewig eine Utopie,
Weil der Mensch selbst, .das Subjekt alles Wirt ~
schroftems, eine irrationale Größe ist.
Was von der Wirtschaft gilt, ~ilt von der
K r i e g f ü h run g .in verstärktem Maß~ . Sie. ent~
hält selbstverständlich Teilelernente, dIe ratIOnal
berechnet werden können. Die Waffenwirlc.ung,
die Marschgeschwindigkeit von Truppenkörpe.rn,
das Maß der eigenen Rüstung, das bek.annt J~t,
das AUS'lJlaß ,der feindlichen Rüstung smd Tell~
elemente die als mehr oder weniger feste Größen
im Kriegsplan der Parteien verwertet werden.
Aber kein fähiger Soldat wird ernsthaft glauben,
~aß er das Schlachtenglück errechnen kanr~. Gott
rst ni c ob t immer bei den stärkeren Bat.a111onen.
Er war sowohl bei Tannenberg als auch an .der
Marne bei den schwächeren. Die Entschlußkraft
des Führers die Moral der Truppe, das Wetter,
die tausenderlei Möglichkeiten der "zufälligen"
Verknüpfung bleiben in der Erfolj4srechx:ung un~
'b ekannte Größen. Der große Theoretiker des
Krieges ist daher nicht immer ein großer Feld~
herr. Andererseits wird aber niemand die
ot~
Wendigkeit einer theoretischen Vorbereitung auf
,den Erfolg zu leugnen wagen . Es ist bekannt, ?aß
Mol t k e die verschiedenen Möglichkeiten emer
europäischen Verwicklun~ lange vor den deut ~
schen Einigungskriegen fertig bearbeitet hatte. So
~ewa1tig ,die Macht des Irrationalen sich ~erade
1m Kriege äußern mag, es liegt nun einmal im. We~
Sen des Menschendeistes
.
, daß er immer WIeder
."

ver uchen wird, der unbek.annten Schicksalsmacht
wenigstens einige Fußbreit ,durch vorsorgliche
Überlegung abzuringen. Alle Schulung ,d er Führer
für ,den Krieg hat zur Voraussetzung, daß die
Zahl der möglicherweise eintretenden Fälle vor~
ausschauend unter den Gesichtspunkten einer ra~
tionalen Theorie betrachtet wir,d.
Stellen wir uns nun die Frage, was bei der Ab~
wehr der modernen Lu f t a n g r i f f e vorausbe~
rechnet werden kann, so mÜSiSen wir zunächst un~
terscheiden zwischen ,der militärischen Abwehr,
die außerhalb dieser Betrachtung bleibt, und dem
zivilen Luftschutz. Die militärische Abwehr Jagdstaffel, Flak, FlaMG. - bekämpft den Ge g ~
n er, der zivile Luftschutz lediglich den "S c h a ~
.d e n". Wir bemerken bei dieser Gegenübt'rstel~
lung sofort den Trennungsstrich, der die Taktik
des zivilen Luftschutzes von jeder militärischen
Art des Operierens soheidet. Hier das Messen
zweier menschlicher Energien mit dem Endziel
der gegenseitigen V,ernichtung, im zivilen Luft~
schutz Kampf gegen einen unpersönlichen Gegner,
,der zwar erst durch die feindlichen Einwirkungen
in Erscheinung tritt, aber als Gefahr, als Mög~
lichkeit bereits lange vor jedem Angriff vorhan~
den istt). Indem wir diese Feststellung machen,
haben wir aus der unendlich großen Fülle des Un~
gewissen, Irrationalen, bereits ein Teilgebiet her~
ausgehoben, das der rationalen Erforschung zu~
gänglioh ist. Unser Feind, der Scha.den, ist der
Möglichkeit nach schon im Frieden da und so~
mit e r ku n dun g s f ä h i g, lediglich seine Aus~
lösung, die Überführung aus dem Zustand ,d es
Vorhandenseins in potentia in den Zustand des
Vorhandenseins in actu erfolgt durch den Feind~
angriff. Überlegen wir uns, welche Mühe die Ge~
neralstäbe im Frieden aufwenden, um die unbc;
kannten Möglichkeiten beim Feinde zu erfor~
sehen, und wie dankbar .der Feldherr nach Beginn
der Operationen für jede sichere Nachricht vom
Feinde ist, so erkennen wir, wie unverantwortlich
es wäre, eine Erkundung ni c h t 'd urchzuführen,
die vollkommen gefahrlos im Frieden möglich ist.
Der Schaden - die Möglichkeit seines Umfanges,
die Art seiner Entstehung sowie das Tempo sei~
ncr Ausbreitung - muß weit mehr, als es bisher
geschehen ist, im Fdeden erkundet werden, um
als bekannter Gegner in .den Planspielen und
Übungen seinen Platz zu finden. Mit Recht be~
merkt Major d. Sch. von Re ich e, daß "der
Schwerpunkt der Erkundung nicht nach, sondern
vor ,dem Fliegerangriff liegt".
Der Um fan g des voraussichtlichen Schadens
hängt nur zum Teil ab von dem Umfang der
feindlichen Einwirkungen. Selbstverständlich wird
der Gegner mit einem wiederholten oder Massen ~
abwurf von Spreng~, Brand~ oder Gasbomben vor~
aussichtlich größeren Schaden erzielen als bei
einem einmaligen Angriff weniger Flugzeuge. Ent~
scheidend für die Aouslösung von Katastroph en
ist aber ,doch die SohadeTIlSffiöglichkeit, die im an ~
gegriffenen Obiekt setber liegt, also das Scha~
denspotential, das gewissermaßen wie ein gefes~
'1 Vgl. hierzu und zu d en anschließenden Betrac htungen auch di e
Ausrührun~cn vo n v. R e 'i ehe in " Gasschutz und Luftschutz", 6. Jg.
(1916]. S. 85 rr. , und 7 ..Tg. (1 937). S . 173 rr. und 283 rr.

65

selter Dämon im Objekt "la'\.lert", um, ,durch einen
vielleicht nur winzigen Anstoß ausgelöst, sich
seI b s t t ä ti g auszubreiten. In der elbsttätigen
Ausbreitung des Schadens liegt die Hoffnung des
Gegners auf einen durchschlagenden Erfolg.
ie.
mals wird seine Kampfkraft ausreichen, um durch
wiederholtes Herantragen von An~riffsmitteln
auch nur ein e größere Stadt artilleristisch .. ein.
zutrichtern" . Seine stummen Verbündeten sind die
im Objekt liegenden Elemente der Zerstörung, die
wir nach dem Grad ihrer Gefährlichkeit erkun.
den können und müssen, um danach unsere vor.
sorglichen Maßnahmen einzurichten. Wann und
was an Angriffsmitteln an das anzugreifende Ob.
jekt herangetragen wird, bleibt vorher ungewiß.
Welche Möglichkeiten -der Schadensentstehung
und -ausbreitung aber in den Objekten schlum.
mern, ist bis zu einem gewissen Grade feststell ;
bar und kann schon im VONlUS bei ,der Bereitstel.
lung und ,dereinruschlagenden Taktik der Ab.
wehrkräfte veranschlagt werden.
ind wir 'Uns damit über den Wert der vorzu;
nehmenden Erkundung klargeworden, so erhebt
sich nunmehr die Frage, worauf sie sich im ein.
zeInen zu erstrecken hat. Wie schon bemerkt un<
terscheiden wir grundsätzlich zwischen 'dem
Schadenspotential, ,das in der Natur des
Angrifffimittels, und dom, das in der
atur des
angegriffenen Objekts gegeben ist. Eine ein chla.
gende S pr eng born b e wird unter allen Um.
ständen
a) eine Splitterwirkung,
b) eine Sog. und Druckwirk\lJTIj:!
ausüben. Insofern sie hiermit Verwüstungen 'Und
Verletzungen mechanischer Art verur acht endet
ihre Wirkung unmittelbar nach -dem Ein'schlag,
und 'es bedarf neuer Bombenabwürfe um neue
Schadenswirkungen hervorzurufen. Die~elbe Born.
be kann aber auch in ein 0 b j e k teinschlagen,
das den Schaden selbsttätig vergrößert 'Und weitergibt. Sie kann, gün tige Zündwirkung voraus.
gesetzt, verursachen
a) einen Brand,
b) eine Explosion,
c) eine Rauchgasgefahr, sie kann ferner
cl) durch Zerschlagen eines Gas. oder Wasser.
rohres eine Überschwemmunj:! oder eine Koh.
lenoxydgefahr heraufbeschwören 2 ).
In allen ,diesen Fällen ist der Schaden f.all weni.
ger durch die Natur ,des Angriffsmittels - denn
er könnte in den Fällen abis c auch durch eine
Brandbombe verursacht werden -, als durch die
Natur des Objekts selbst bedingt, das gewisser.
maßen nur eines Anstoßes bedurfte, um rum An.
fangsglied einer Kette weiterer Sch adensfälle zu
werden. Es erscheint daher ohne weiteres als die
erste und wichtigste Auf.gabe unserer Fr i e den S<
e r k u n ,d u n g, diese Hauptsorgenkinrder der
Schadensabwehr festzustellen und in einen Stadt.
plan farbig einzutragen, damit im Ernstfalle beim
Eintreffen einer Schadensmeldung die zuständige
BefehlsstelIe sofort im Bilde ist, ob der Abwehr.
einsatz mehr oder weniger. dringlich ist. Zeichnen
wir in einen ,derartigen "L u f t ~ e f ä h r dun g s •
pI a n" die Hauptleitungen der Versorgungsnetze.
ferner die Hauptherde der Brand_. Explosions. und
sekundären Gasgefahr in verschiedenen Farben
ein, so werden wir nicht bloß wichtige Anhalts.
punkte für die Bereitstellung gewinnen, sondem
auch für ,die Abwehrtaktik. insb esondere für den
Zeitpunkt de. erforde rlichen Ein atzes. D enn
seihstverständlich muß es erster Grundsatz dp.r
Abwehr sein, überall dort, wo jene verhängnisvolle

66

Kette ,der selbsttätigen Sohadensübertragung an .
geschlagen wird, sie ofort beim Anfangsglied zu
zerreißen, ehe sie Zeit gehabt hat, sich in weiteren Schadensfällen fortzusetzen. Es ist offenbar
unsinnig, einen Schadensfall, der aus der
ähe
eines Hauptgefahrenherdes gemeldet wird, erst
erledigen zu wollen, nachdem alle Scha·densmeldungen aus dem Revier gesammelt vorliegen. Hier
liegt Gefahr im Verzuge, weil der Schaden sohon
in der nächsten Viertelstunde eine Ausdehnung
annehmen kann, 'die den notwendigen Einsatz an
Abwehrkräften vervielfacht. Von einem eingear.
beiteten Luftschutzleiter muß gefordert werden,
,d aß er den Schadensumfang, der möglicherweise
an einem Anfangsschaden hängt, schon beim Ein.
treffen ,der Schadensmeldung übersieht, und es ist
ein Hauptvorzug der fertigen Luftgefährdungs.
pläne, daß vor ihnen Planspiele stattfinden können,
in denen richtige Vorstellungen über die voraus<
sichtliche Schadensausbreitung vermittelt werden.

~-f-L.Ll. JL L.L.LUEf i. J.e. .lk. LfiVSC.L J.h ...L*-

Bild I.

eben dem Umfang und der Art des zu er.
wartenden Schadens ist selbstverständlich auch
,das voraussichtliche Tempo der Schadensausbrei<
tung zu erörtern. Dieses kann, wie die nachste<
henden Schadensdiagramme zeigen, in denen nach
der Waagerechten der Zeitabstand, nach der Senkrechten die Sohadensausdehnung aufgetragen sind,
reichlich v,e rschieden sein. Wird eine Kokshalde
in Brand gesetzt, so brennt diese, da keine leicht
entflammbaren Bestandteile vorhanden sind, mit
einer sich ziemlich gleichbleibenden Geschwindig.
keit weiter. Die Gefahr im Verzuge ist also nicht
sehr groß, der Effektivschaden wächst proportio~
nal mit dem Zeitab tand (Bild 1).
In id en meisten Fällen wird aber bei einem
B r a nd die Schadensausdehnung mit dem Zeit<
abstand wachsen, zumal wenn eine günstige An_
ordnun~ leicht entflammbarer Gegenstände ge.
geben 1st (Theater., Warenha.us., Turmbrände
usw.). Setzt hier nicht spätestens im Zeitpunkt x
(Bild 2) die Schadensbekämpfung ein, so ist der
Zeitpunkt, zu
dem mit gerin.
geren Abwehr.
Bild 2.
kräf ten noch et.
was zu errei.
ehen ist. end.
gültig verpaßt.
Läßt s ich der
Zeitpunkt x
auch nicht Uena·u vor,ausbe<
rech nen, so ver;
mag der Feuerwehrfachführer doch vor dem Luftgefährdungs.
plan oder auch am Objekt selbst zu erläutern, ob
,die voraussichtliche Schadensausbreitung schneit
oder langsam i t.
Die verschiedenen Ex p los ion s g e f.a h r e 1V
her d e bedürfen selbstverständlich einer beson .
ders eingehenden Belehrung. Obschon hier da
Tempo der Schadensau breitung ein so reißendes
ist, daß nach Beginn der eigentlichen Explosion
eine Abwehr unmöglich ist, so erfolgt die Ver<
~ l Von d e n w e it e re n se kund ä re n Au sw irkun J1c n soll hje r ni c ht Ilc..:;~ rochen we rd e n, da .:i nc solc he E !-ö rt c run J! in s Ur r r! osc führ e n wütd c_

nichtung z. B. eines Tanklagers ,doch meistens m

m~hr.eren Teilexplosionen (Bild 3), zwischen denen

moghcherweise noch ein Abwehreinsatz erfolgen
kann. Immer aber wird der Abwehreinsatz nur
dann zweckdienlich unld zeitgemäß erfolgen kön ~
nen, wenn nicht bloß die Fachführer, sondern auch
die Luftschutzlciter sich in einem besonderen Un~
terricht über "Schadenskunde" klare Vorstellun~
gen technischer und wissenschaftlicher Art er~
worben haben.
. Damit sind wir bei ,den ' Mängeln, die der tab
tIsohen Schulung der Luftschutzleiter heute noch
anhaften, angelangt. Die Tatsache, daß ein ein~
z~lner Mensch die versohiedenen Fachgebiete des
~Icherheits~ und Hilfsdienstes kaum gleichzeitig
eherrschen kann, hat dazu geführt, daß die
(\. u sb i 1 dun g der Pol i z ei 0 r ga n e sich
Im allgemeinen auf die Befehls~ und N achrich t en~
technik beschränkt. Für ,die Beurteilung techni ~
scher Fragen sind die verschiedenen F ,a c hf ü h ~
re r da. Im Ernstfalle werden sich aber an einem
~chadensfal1 verschiedene F achgebiete üb erschn ei~
fS: und die Ansichten der verschiedenen Fach~
u rerdann vielfach auseinandergehen. Di e
~chnel1igkeit ,des Entschlusses ist zudem für den
Er~?lg von ausschlag,g ebender Bedeutung und die
.foffnung einer technischen Debatte im Anblick
eIDer ständig wachsenden Gefahr ein Ding der
Unmöglichkeit. Daraus folgt, daß ,der örtliche
L.uft:schu.tz~, Abschnitts~, Revierleiter weni,g stens
hmslchthch derjenigen Schadensfälle ein selbstän~

l eif _

Bild 3.

~ges Urteil haben muß, hei denen Gefahr im

.erzuge liegt. Er muß wissen, welches Tempo

~Ie. Scha;densausbreitung erreichen kann, wieviel

elt mit dem Einsatz der Abwehrkräfte vergeht,
b'elch.e Erfolge für sie in der Zeiteinheit erreich~
f ar SIDd und wie lange ihr Herausziehen dauert,
alls der Einsatz an einer noch ,dringlicheren Stelle
notwendig werden sollte. Er muß aber vor allem,
:venn eine Anzahl von Schadensmeldungen vor
kh~ liegt, die Rangordnung der Einsatzdringlich~
e t 'blitzartig erfassen, die verwundbarste Stelle
0
ort erkennen und erst dann, wenn er hinsicht~
Icr der Hauptgefahrenherde das Erforderliche ver~
a aßt hat, die weniger dringlichen angreifen. Das
~.es aber erfOfldert t ec hnisches Verständ~
l' I ~, ,das der Polizeiführer, wie man an der zum
l s~hematisch~formelhaften Erledigung der bei
n a'hsPlelen angenommenen Schadensfälle sieht,
vert~efen muß. Es erscheint durchaus erfor~
d
er)lch, diese Lücke auszufüllen, und ~w~r
a am Lu f t s c hut z 0 r t durch haufl ge fach~
m.~nnische Belehrungen am Objckt und Vor ~
trage der Fachführer aus dcm Schatz ihrcr
Erfahrungen,
b) an der Reichsanstalt für Luft ~
sc hut z durch fortgesetzte Versuche zum
Thema Schadensk,unde sowie Anlage eines
"Katastrophcnarchivs", in dem alle den LuFt~
schutz interess ierenden Schadensfälle der

i- f
Ü

pt
0\

letzten Menschenalter gesammelt und a usge~
wertet werden. Bei kriegerischen Verwick~
lungen im Auslande ist zu diesem Zweck die
Beigabe eines Luftsohutzattaches zur , diplo~
matischen Vertretun~ zu erwägen.
Unsere fortschreitendc Erkenntnis über die Na~
tur des "Schadcns" wird in den Grundsätzen über
Bereitstellung und Abwehreinsatz einen nicht un ~
erheblichen Wandel schaffen. Di es gilt zunächst
hinsichtlich der Ausscheidung von Reserven. Die
Maßnahme, beim Eintreffen der crsten Schaden.s~
meldungen sparsam im Einsatz zu sein, kann im
Ernstfall zu Katastrophcn führen, ,die bei ver~
ständnisvollem Einsatz durchaus vermeidbar sind.
Selbstvcrständli ch werde ich zunächst keinen
Finger rühren, wcnn als erste Schadensmeldung
ein Brand aus einem Viertel mit offener Bauweise
gemeldet wird, denn dieser Brand kann keine gro~
ßen Folgen haben. Aber zu zögern, wenn ich an
meinem empfindlichsten Gefahrenherd getroffen
werde, wäre einfach unsinnig. Das Eintreffen einer
noch dringlichcren Schadensmeldun g ist gar nicht
möglich, und es ist klar , daß die Frage: "A b ~
war t e n 0 der So f 0 r te ins atz?" nur unter
Berücksichtigun~ der Wichtigkeit des Objekts be ~
antwortet werden kann. Eben hi er zeigt sich
die BCldeutung ein er sorgfältigen Friedenserkun~
dung und der auf Grund der Luftgefährdungs ~
pläne durchgeführten Planspiele. Die Einschätzung
der Objekte nach vei'schi edenen Gefahrenklassen
muß jedem Luftschutzleiter geläufig und für seine
Entschlüsse hinsichtlich der Reihenfolge des Ein~
satzes bestimmen.d sein. Dabei muß sich die Ent~
scheidun g über die Dringlichkeit weniger nach
der derzeitigen Schadensausdehnung richten als
nach den Folgen, die eine Verzögerung oder Un~
terlassung des Einsatzes in naher Zukunft haben
kann. Ha-t ein Schaden bereits das Größtmaß sei~
ner Ausdehnung erreicht, ist somit die Umwand ~
lun g des potentiellen Schadens in Effektivschatden
zum größten Teil vollendet, so ist ein großer
Kräfteaufwand vielleicht gar nicht mehr lohnend
und die Bekämpfung kl ein er Schadensfälle, die
sich zu Großschadenstellen auswachsen können,
dringlicher. Von Wichtigkeit für unsere Ent<
schlüsse muß immer sein, ,daß wir den Feind im
richtigen Augenblick anpacken, nämlich in dem
Augenblick, in dem er anfängt, aus dem Zustand
des Vorhandenseins in potentia in das Vorhan ~
densein in ac tu überzu gehen. Dieser Gesichts~
punkt muß auch die Erkundung nach dem Luft~
angriff bestimmen. Zunächst Feststellung: Habe
ich im Hinblick auf die Hauptgefahrenherde den
Rücken frei? Sobald ,dies feststeht oder durch So~
forteins atz veranlaßt ist, Angreifen anderer Scha~
densfälle.
Es ist klar, ,daß für ,diese Art der Schadens<
erledigung der Instanzenzug vom Erkunder über
den Revierführer zum Abschnittsführer, der als
crs'ter über größe re Bereit5chaftskräfte verfügt,
zu weit ist. Es ist bei fehlender Drahtverbindung
zum Ab schnitt unsinnig, daß ein Revierführer, in
dessen Be reich ein Bereitschaftstrupp Z'llr V cr~
fügung des Abschnittsführers steht, nicht unmib
telbar über diesen Trupp verfügen darf, wenn er
dadurch einen sich entwickelnd en Großschaden
im Keim ersticken kann. Viclleicht ist bei einem
Soforteinsatz ,die Ei nsatzzeit so gering, daß dem
A'bschnittsfü hrer 'd er zeitweise Ausfall in seinen
Reserven Qar nicht fühlbar wird, während beim
Einhalten ,d es Instanzenweges noch Rescrven aus
anderen R evieren geholt werden müssen, um die
Zeitversä umni s wiedergutzumachen . Das Bestre ~

67

felhaft ist allerdings, ob der Durchschnittsrevier~
führer imstande ist, neben scinen bisherigen Auf~
gaben auch noch den Soforteinsatz von Bereit~
schafbskräften zweckdienlich zu regeln. Hier er~
scheint die Z'llteilung eines mögliohst allseitig
durchgebildeten Fachführers zu jedem Revier er~
wägenswert, dem gleichsam als Bevollmächtigten
des Abschnittsleiters die im Revier umtergebrach~
ten Bereitschaftskräfte unterstehen 'Und der über~
haupt Auge und Meldekopf der übergeordneten
Stelle ist, während der Revierführer die Verbin<
dung nach unten mit den Luftschutzhauswarten
aufrecMerhäl t. Diese Regelung würde den Vorteil
haben, daß sich an der bisherigen Organisation
trotz wesentlich verbesserter Einsatzgeschwindig<
keit nichts ändern würde. Hauptsache für ein
richtiges Zusammenspiel des Befehlsapparates
wird aber immer 's ein, daß schon im Frieden vor
dem Luftgefähr,durugsplan alle möglicherweise vor<
kommenden Fälle durchgespielt worden sind und
Abschnitts~, Revier< und Fachführer sich ein~
gehend - gegebenenfalls ,a uch mit den Werkluft~
schutzleitern darüber ausgesprochen haben,
wie sie sich 'bei 'd en verschiedenen Schadenskom<
binationen verhalten wer,den. Daß dabei im Ernst<
fall alle persönliohen Eifersüchteleien und Emp~
findlichkeiten zu schweigen haben und nicht was schon im Frieden gelegentlich vorkommt zunächst lange Debatten ausgetragen wer,den,
wem eigentlich ,das Feuer "gehört", ist eine Selbst<
verständlichkei t. Derartige AllZ'Umenschlichkei ten
durch stete persönliche Einflußnahme zum SchW'ei~
gen Z'u bringen, gehört zu den wichtigsten Auf~
gaben des örtlichen Luftschutzleiters.
Damit ist über die Weiterbildung der Polizei~
führer am LUlftschutzort ,das Wichtigste gesagt.
Zu erwähnen bleibt noch, daß auch für die Offj~
ziere der Luftgaukommandos das gleiche gilt wie
für ,die Polizeioffiziere, daß nämlich ihr tech~
nisches Verständnis den im Ernstfall gestellten
Anforderungen entsprechen m'Uß. Beim gleichzei~
tigen Angriff auf mehrere Eisenbahmknoten~
punkte Kraftwerke und Wehrwirtschaftsbetriebe
sofort ~u übersehen, welche wirtschaftlichen, ver~
sorgungs< und nachschubtechnischen Gefahren
auftreten und wie sich diese möglicherweise aus~
wachsen können, und danach schnell und richtig
über den Einsatz von Abwehrkräften zu entschei~
den, ist eine Kumst, die besonderer Schul'Ung be~
darf. Eine Weiterbildung dürfte auch an dieser
Stelle unerläßlich sein.

ben ,der oberen Befehlsstellen, sich zunächst ein
Bild von ·der Gesamtlage zu machen, kann im
Ernstfall dazu führen, daß ihre Entschlüsse im~
mer wieder von den Ereignissen überholt werden.
Mit Recht bemerkt von Reiche: "Die Entschei~
dung über unseren Sieg oder unsere Niederlage
entwickelt sich nicht langsam" - wie in der Feld~
schlacht -, ,;sondern fällt im den ersten Minuten
... " "Daraus folgt, ,daß die Übertragung des waf~
fenwehrmäßigen Begriffs Reserven für uns nicht
aIIein falsoh, sondern gefährlich ist." Die Übertra~
gung waffenwehrmäßigen Denkens auf den zivilen
Luftschutz hat eben insofern schwerste Bedenken,
als die Natur ,d es Feilndes, mit dem wir zu kämp~
fen haben, so völlig anders ist. Unser Feind, der
sich ausbreitende Schaden, entsteht gleichsam aus
sich selbst - die Bombe "löst" ihn ja nur ",a 'Us"-,
er vernichtet sich aber auch von selbst, freilich
unter Zurücklassung von Schaden. Unsere Ab~
wehrtaktik stellt sich dar als die Kunst, diesen
Prozeß des Umsatzes vom potentiellen in effeb
tiven Schlliden so frühzeitig wie möglich zu unter ~
brechen. Das aber erfordert ,die Abkürzung des
N ach r ich t e n ~ und B e feh I s we g e sauf
ein Mindestmaß, was allein dadurch möglich wird,
daß man ,die Befehlsbefugnis zum Einsatz soweit
wie möglich auf die Außenstellen verlagert. Das
bedeutet nooh nicht - in diesem P'Unkt gehen ·die
Folgerungen, ,die von Reiche in seinem Aufsatz
zieht, viel zu weit -, daß eine einheitliche Leitung
der Abwehraktion unmöglich ist. Der Abschnitts ~
führer bzw. der örtliche Luftschutzleiter m'Uß
stets darüber unterrichtet sein, was an Bereit~
schaftskräften in den Revieren noch verfügbar
ist, wie er seinerseits ,die Revierführer fortlaufend
unterrichtet, wie die Lage in den übrigen Revieren
ist 'Und ob er voraussichtlich von sich aus über
,die Bereitschaftskräfte verfügen wir,d. Ebenso ist
selbstverständlich, daß nach ,dem ersten Luft.
angriff nicht alle Kräfte zum Einsatz kommen
dürfen, ,da immer die Möglichkeit besteht, daß
durch einen zweiten Angrißf noch ein neuer
Hauptgefahrerrherd zur Auslösung gelangt. Aiber
der Verkehr ,der Zentralstelle mit ihren Außen~
stellen muß mehr Iden Charakter von allgemeinen
Weisungen als von spezialisierten Befehlen tragen.
Zu diesen ist ,die ZentralsteHe sohon aus 'd em ein~
fachen Grunde nicht geeignet, weil sie den Scha ~
den nicht sieht.
Weit mehr als in der Feldschlacht ist bei ,der
Schadensabwehr das Sehen der befehlenden Stelle
Voraussetzung für ,den richtigen Einsatz. Zwei ~

auf kleinste Teile des Ganzen beschränkt blieben, ohne
sich auf andere Zellen des Gemeinwesens bzw. des
Staates ausdehnen zu können.
Die
Ar bei t s g e m CI ins c h a f t
"K r i e g s g e'
sc h ich t e begrüßte am 2. März als Vortragenden
einen Gast aus österreich. Generalstaatsarchivar Oberst
a. D. K i ß I i n g (Wien) behandelte Bedeutung, Leben
und Wirken Co n rad s von H ö t zen d 0 r f, dessen
Verdienste als Soldat und Politiker der Vortragende mit
warmen Worten schilderte.

Deufsche Gesellschaft für W ehrpolilik
und Wehrwissenscha{fen

U

In der A r bei t s g e m ein s c h a f t "L u f t s c hut z"
sprach am 25. Februar Dr. Lud 0 wie i über das Thema
"Wie dient der Lu f t s c hut z der nationalsozialistischen Arbeit für Weh r k r a f t, V 0 I k s g e s und he i t und Sei b s t ver s 0 r gun g des deutschen Vol ·
kes?" Der Vortragende, der durch sein Buch "Totale
Landesverteidigung"l) weitesten. Kreisen bekannt geworden ist, erörterte an Hand zahlreicher Lichtbilder die
Zusammenhänge von Wehrhaftigkeit und wirtschaftlicher Stärke. Er wies darauf hin, daß die Wehranlagen
aus der Blütezeit der deutschen Städte nur entstehen
konnten, weil diese Städte auch wirtschaftlich selbständige, in sich geschlossene Einheiten waren. Dieser Gesichtspunkt müsse daher jetzt und künftig bei allen
Planungen von Neuanlagen jeder Art an erster Stelle
berücksichtigt werden; hierdurch werde erreicht, daß
durch Luftangriffe verursachte Störungen immer nur

68

Personalien

I

]

Der Heeressanitätsinspekteur Generaloberstabsarzt Dr.
Wal d man n beging am 21. Februar d. 1. seinen
60. Geburtstag.
Generalleutnant von Co ehe n hau sen von der
Luftkriegsakademi,e erhielt den Charakter als General
der Flieger.
1) Vgl. "Gasschutz und Luftschutz", 7. Jg. (1937), S. 223,

Das Feuerwehr-Regiment von Paris
I. Bis zum Weltkriege
Branddirektor Rum p f

f

Kommandeur der Feuerlöschpolizei Leipzig

.In. Fachkreisen sind Erörterungen über die zweck-

~aßlg e Form der künftigen Brandschutzorganisation

1m Gll!l1ge. Wir bringen zu diesen Erörterungen die

~eh~tehenden Ausführungen über das Wirken einer
ewahrten und kampferprobten Mi I i t ä r f e u e r -

Weh r. Durch private Beziehun gen stand dem Verf.
M.aterial zur Verfügung, das bisher in Deutschland
unbekannt war.
Die Schriftwaltung.

Der Feuerschutz von Par i s, einst von den Rö.

m~rn straff organisrlert und gehandhabt, hatte im

MIttellllter und in ,der späteren Zeit wie in fast
allen tädten ein wechselvolles Schicksal. Höhen
nd Tiefen wech elten ab. Au gangs des 17. Jahr.
underts, nachdem wieder einmal ein auf die
Dahuer unhaltbarer Tiefstand erreicht war, über;
Da m es im Jahre 1699 ein tatkräftiger Mann,
~ m 0 u r i e rd u Per r i er, Or,d nung in die
h~illose Verwirrung ,zu bringen, indem er sich
d.~rch kön~gliches Privileg die e:inheitliche Aus;
rustung der Löschkräfte mit Spritzen nach Art der
~euen "van;der.Heyde.Pumpen" auf 30 Jahre üb er.
ragen ließ.
ach und nach erhielt Paris 30 sol<
bhe~ Spritzen, die Perrier durch eigenes Person'll
Sed.lenen ließ. 1712 wurde er zum städtischen
pntzenm~ster ernannt.
1722 W1Urde die erste B e ruf s f e u e r weh r in
Stärke von 60 Mann geschaffen und seinem Befehl
interstellt. Die Mannschaften erhielten eine Uni.
orm aus blauem Rock mit blanken Knöpfen und
gelbe~ Verschnürung, die Kopfbedeckung bestand
~s emer mit Drahtgeflecht verstärkten Filzkappe.
'cl ußer der Feuerwehrorgani ation des Perrier, die
Aem Polizeipräfekten unterstand, gab es noch eine
nzahl älterer Feuerspritzen unter dem Kom.
~ando des Vorstehers der Kaufmannschaft. Von
Jhem Zeitpunkt an w.urden auch die französi .
SC"e Garde und die chweizergarde bei Groß.
branden zum Feuerlöschdienst herangezogen. 1760
E'u Iide die Berufsfeuerwehr auf 80 Mann verstärkt.
.wurden echs Feuerwachen eingerichtet. Die
btlform wUl'lde wie folgt geändert: Messinghelm,
k a.~er Rock mit schwarzem amtkragen, Leder.
dnopfe und gelbe Epauletten. 1770 wurde die Zahl
Ser. Mannschaften auf 160 Mann und die der
pPfltzenhäu er auf 16 erhöht. 1789 verfügte das
Wuerwehrkorps bereits über 56 Spritzen und 242
as erkufen. Sein Per on al hatte folgende Zu.
~ammensetzung: der Kommandant, 1 Leutnant,
w ~nterleutnants, 3 Offizier.Stellvertreter, 27 Feld.
Me el, 27 Unteroffiziere, 28 Gefreite und 174
d' annschaften. Die Zahl der Wachen betrug 27,
'pIe de~ Depots 15. In .dieser Zeit wUl'lden auch
.eUherSlcherheitswachen in den Theatern einge.

h

11

1'!e

tret.

r" Gut geleitet, gut diszipliniert und gut ausge·
d~tef, War das Par i s e r F e u e r weh r kor p s
l·leser .Zeit fiür alle e uropäischen Länder vorbild.
h , <he die Pariser Feuerschutzorganisation als
uster studierten und mit mehr oder weniger Er.

M

folg nachzuahmen versuchten. Bis in die heutige
Zeit ist die von Perrier 1699 geschaffene Organi.
sation der Kern und die Grundlage für den Feuer.
schutz der Stadt gebLieben. Während der großen
Revolution wurde die Stelle des Kommandanten
aufgehoben und das Feuerwehrkorps nach revo.
1utionären Gesichtspunkten umorganisiert, auf 376
Mann gebracht und dem K r i e g<s m i n ist e r
u n t e r s tell t. Die Einteilung erfolgte von nun
an zunächst in drei Kompanien ; ,das Korps erhielt
eine Fahne und bezog am 6. Juli 1801 die von der
Stadtverwaltung erbauten neuen Kasernen. Sei.
nen Ersatz erhielt es aus dem Bauhandwerk. The
revolutionäre Neuordnung bewährte ~ch rocht.
Durch ungee~gnete und schlecht vorgebildete Füh.
rer, mangelhaften Ersatz und schlechte Disziplin
verlor das Korps seinen alten guren Ruf. So blie:
ben die Dinge bis zu der großen Brandkatastrophe
am 2. Juli 1810 im Palais des Fürsten chwarzen.
berg w ährend der Hochzeit des Ka~sers . Die
Feuerwehr wurde für den mfang und die Folgen
des BDandes zur Verantwortung gezogen, der un.
fähige Kommandant abgesetzt. Am 18. September
1811 wurde auf .der alten, bewährten vorrevolutio.
nären Grundlage das "Corps des Sape'llrs.
P 0 m pie r s dei a ViiI e d e Par j .. einge.
richtet und dieses den M i U t ä r g e set zen un.
terworfen. Es bestand aus 1 Bataillon zu 4 Kom.
pan~en mit 13 Offizjeren und 563 Mann. Außer
dem Feuerwehrdienst sollte das Bataillon als Poli.
zeitruppe Idem Innenminister und dem Polizeiprä.
fehen zur Verfügung stehen. Hierzu war es mit
Gewehren ausgerüstet. Die Offiziere wurden wie
die Armeeoffiziere ernannt, die Truppe rekrutierte
sich aus Freiwilligen. Löhnung, Ausrü tung und
Unterhalt gingen zu Lasten der Stadt.
Am 7.
ovember ]821 wuDde die Truppe als
"B a t a i 11 0 n des S a p e urs. P 0 m pie r s d e
1 a Viii e d e Par i s" völlig i n die Arm e e
e~ n ge g 1 i e der t. Nach einem Erlaß vom Jahre
1824 erhalten (die Offiziere und Unteroffiziere nach
zehnjähl'iger Dienstzeit das Gehalt de nächst.
höheren Dienstranges, eine Regelung, die auch
heute noch besteht. Jede Kompanie hat vier OfR.
ziere. 1836 wird die Mindestgröße der Mannschaf.
ten auf 1,62 m fcstgesetzt. 1840 wird das Bataillon
auf fünf Kompanien gebracht. Fünf w eitere neue
Feuerwehrkasernen wurden durch
mbau geei~.
neter Gebäude geschaffen.
Auch ,die Revolution von 1848 brachte wjeder
ernste Störungen. Der Kommandeur legte das
Kommando ni~der, d~e Mannschaften wählten
einen neuen Chef, .der durch die provisorische Re.
gierung bestätigt wurde. Nach den J uni.Ereig.
nissen wurden dem Batamon die Gewehre ge.
nommen. 1850 erhielt es seinen alten Komman.
Ideur und 'die Waffen meder. Die Aufwiegler wur.
den in andere Truppenteile versetzt und. die Dis.
ziplin wiederhergestellt.

69

1855 · wurden zwei weitere Kompanien aufge.
stellt, eine als Spezialtruppe zur Verwendung auch
außerhalb der Stadt. Diese Kompanie wurde bald
darauf ,der Or.ientarmee im Krimkrieg zugeteilt.
Bis 1859 erfolgte eine Verstärkung Id es Bataib
Ions, das nunmehr von einem Oberst geführt
wunde, auf zehn Kompanien. Diese Vermehrung
war als Folge des Anwachsens 'der Stadt Paris
notwendig geworden, erwies sich jedoch bereits
1860 als kaum aJUsreichend.
1866 wurde daher das Bataillon ,i n ein Reg~ment
mit zwei BatJa.illonen zu je sechs Kompanien um.
gewanJdelt mit einem Bestand von 50 OffiZ'ieren
und 1498 Mann. Die Fahne wur.de ,dem neuen Re.
giment durch M,a rschall Canrobert persönlich vor
dem Invali'dendom Übe1'geben.
1878 w:urde ,die Iststärke um 12 Unteroffiziere
und ]80 M,ann erhöht, ,d a w egen ·der zahlreichen
Feuer~cherheitswachen dn Id en Theatern um.d Ver.
gnügungsstätten, .die sich .in ,dieser Zeit ungeheuer
vermehrten, der alte Mannschaftsstand n~cht mehr
genügte.
Die te c h ni s c he n Ein r ich tun gen wur.
den ständig ,der fortschreitenden Entwicklung an.
gepaßt. Dampfspritzen waren wb 1867 .in Ge.
brauch und ab 1871 allgemein eingeführt. Im glei.
chen Jahre mrd die öffentliche Wasserle.itung ein.
gerichtet und d~e Löschwasserversorgung Idurch
Hyrlranten sichergestellt. 1884 erhält jede Ka.
serne neben den Feuerlöschfahrzeugen einen Ge.
rätezug. In diesem Jahre ist die 0 r g a n isa.
ti 0 n nach Abschluß zahlreicher Verbesserungen
folgerude: 2 Bataillone -zu je 6 Kompanien. Be.
stand: 51 Offiziere urrd 1693 Mann in 12 feuer .
wehrkasernen.
Jede K ase r n e we,i st einheitHch folgende Be.
setzung auf:
1.

Abmarsch.

Per s 0 n a 1: 1 Offizier, 3 Unteroffiziere,
8 Mann , 1 F.ahrer, 1 Hornist.
M a t e r i al: 1 Handldruckspritze, 2 Schlauch.
karren mit je 200 m Schlauch, 1 fahrbare Leiter,
1 GerätCIWagen.
2.

Abmarsch.

1 Hanrddruckspritze, 2 Schlauchkarren wie oben,
1 fahrbare Leiter, 1 Entlüftungsgerät, Brandstel.
lenbeleuch tung.
3. Abmarsch.

1 Dampfspritzenzug, bestehend aus Dampf.
spritze und Tender.
Außerhalb der Kasernen waren stat~oniert: 85
Feuersicherheitsposten, 36 gemischte Sicherheits.
wachen, 26 ständige ~cherheitswachen in den
Theatern und V:ergI1'Ügungsstätten.
Mit dem Ausbau der ersten öffentLichen Feuer.
melderanlage wuride damals begonnen. .
Dieser umfangreiche Apparat an Pers onal und
Materdal konnte je,doch nicht immer rationell aus.
genutzt wer,den, ,da durch die Vermehrung der
H y dranten idtie Handdruckspritzen nach und nach
entbehrlich wurden. Dafür wUl'iden ,die Dampf.
spritzen vermehrt. Die übermäßige Dezentralisie.
rung der Wachen und Posten erschwerte den
DienstJbetnieb in steigendem Maße. In der Mehr;
zahl der Fälle konnten ,diese kleinen Posten nicht
selbständig arbeiten und waren fast oomer auf
Hilfe aus den Kasernen angewiiesen. DIa raus er.
gaben sich unzulässige Verzögerungen bei der
Alarmierung urrd ,dem rechtzeitigen Löschangriff.
Die Folgen waren auf Idie Dauer unhaltbar. Außer.
'dem wurden ,die kleirnen Posten ;n eimern erheb.
lichen Umfang m~ßbräuchlich zu HilfeleJstungen

70

aller Art in Anspruch genommen, die sic schwer
ablehnen konnten , die aber .mit ihrer eigentlichen
Aufgabe nichts zu tun hatten (Mädchen für
alles!).
1889 wur,de die Dienstzeit von fünf auf drei
Jahre herabgesetzt. H~erdurch ging zunächst die
Güte ,der Truppe, was Erfahrung und Pflichtauf.
fassung betrifft, zurück.
Durch 'diese veräOlderten Verhältnisse wurde eS
nötig, die kleinen Posten einzuziehen urrd die Zahl
der selbständigen Feuerwachen auf 24 zu erhöhen.
Jede dieser Wachen erhielt zwei Löschzüge (1. und
2. Abmarsch). Jeder Bezirk hatte damals 25 öffent.
liehe Feuermetder.
Bei Durchführung dieser Neu 0 r g a n isa ;
ti 0 n zeigte sich deutlich 'die Unhaltbarkeit des
bisherigen Dienstverfahrens. Alles, was hisher an
Verbesserungen durchgeführt worden war, konnte
nur durch das Spriel persönlicher Beziehungen des
Kommandeurs zu den maßgeblichen Personen
der Stadtverw:altung erreicht werden. Die meisten
dringenden Anträge gingen in einem hoffnungs.
losen Bürokratismus unter oder waren, wenn
ihnen en'dlich entsprochen wurde, veraltet und
längst überholt. Um diese Verhältnisse 4U än.
dern, WlUrde das "C 0 mit e ,d e per fee t ion.
nemcnt Id u Regiment de Sapeurs;
Po m pie r so. geschaHen. Unter dem Vorsitz des
Polizei präfekten von Pa ris und dem stellvertreten.
'den Vorsitz des PLatzkommandanten setzte sich
dieses ,aus sieben Offizieren des Rie~iments, vier.
zehn Vertretern ,der Stadt und vier Beauftragten
der Polizei zusammen. Es sollte die notwendigen
Verbesserungen bezügLich Personal, Material, Or.
ganisation, Wirtschaftsbetrieb usw. begutachten
und dazu Stellung nehmen. Diese Kommission be.
steht heute noch. Seither ist keine wichbgere
Neuerung ohne ihre Mitwirkun g erfolgt, und in
keinem Falle ist ein von ihr unterstützter Vor.
schlag von der Stadtv,e rwaltung UIl!d vom Krieos;
ministerium abgelehnt worden.
'"
Die erste Aufgabe war die Erl"'ichtung neuer
Feuerwachen und die Erweiterung alter Wachen,
die in keiner Weise mehr Id en Anforrderungen d es
Dienstes entsprachen. Es sind nunmehr Kasernen
und Feuerwachen vorhanden. In den Kasernen
wohnen 'die Mannschaften. Hier erhalten sie ihre
AiusbiMung. Die K,asernen stellen ,das Personal
für 'die Wachen; die technische Ausrüstung an
Fahrzeugen usw. ,i st bei beiden gleich.
1902 wUI"lde der Regimennsfahne als Anerken~
nung für di,e Leistungen des Regriments auf An~
trag des Kriegsministers das Kreuz der Ehren.
legiorn durch den Präm'denten ,der Republik ver.
liehen.
1904 wurde das Re,giment um 100 Mann ver.
stärkt. Aus dieser Verstärkung wurden sechs Son;
derkornmandos einger.ichtet, die ·die Aufgabe hab
ten, Id en Wasserschaden auf der Brandstelle zu
begrenz,e n dder zu verhindern. Diesen Komman .
dos standen Spezialfahrzeuge mut Sonderaus.
rüstung zur Verfügung.
1897 wurden 'die ersten Versuchsautomobile Elektro. und Dampfwagen - eingeführt. Die e
VIe rsuche wunden mit wechselndem Erfolg forb
gesetzt, bis 1906 drie ersten automobilen Benzin ;
fahrzeuge und mechanischen Drehleitern in
Dienst gestellt werden konnten . Die Motor;
sprlitzen leisteten 2000 wter in der Minute und
konnten sechs kleine Schlauchleitungen s·p eisen.
1908 wurde 'der endgültige Ersatz der pferdebe.
spannten oder elektrisch en Fahrzeuge ,durch Ben.
zinfahrzeuge beschlossen. Der erste geschlossene

Auftrag umfaßte 72 Fahrzeuge, und zwar: 59 Mo>
torsprützen, 27 mechanische Leitern und 7 Geräte;
wa;~en. Die Motorspritzen waren teils als Gas;
sPrJ.tzen, teils als schwere Großfeuergeräte aus;
gebIldet. Die Leitern hatten eine Höhe von 20 m.
.1914 befand sich die Organisation auf durchweg
einheitlichem und technisch höchstmöglichem
Stand und trat som~t bestens gerüstet in den
Weltkrieg ein. Jede Feuerwache war bese tzt mit

1 Offizier, 3 nteroHizieren und 21 Mann einem
Dreifahrzeugzug (zwei Motorspritzen, ein'er me;
chanischen Leiter); inden Wachen an der Stadt;
grenze standen fünf Oberlandlöschzüge bereit.
Vier Wachen hatten außel"ldem einen automobi;
len Gerätezug zu je zwei Fahrzeugen. Dlie alarm;
technischen Einrichtungen der Wachen waren so
verbessert, ,daß der Alarm nur 22 Sekunden er;
forderte').

Gasabwehrdienst und Verbandsausbildung
H i e b er, Major an der Heeres-Gasschutzschule
I.
Mit den "Winken für die Ausbildung der Rekru;
ten in ,der Gasa;bwehr 2 )" habe ich versucht, Um;
fang und Erfordernisse ,der Ausbildung im Gasab;
wehr,dienst wfzuzeigen und einen Hinweis zu
geben, W1ie sich das AusbHdungspensum etwa in
d.~n Gesamtausbildungplan eingliedern und durch,
uhren läßt.
d SChulung des einzelnen im Maskenurill und in
. er T e c h n i k des per s ö n I ich e n Schutzes,
Insbesondere gegenüber Geländekam pfstoffen,
stand hierbci im Vorder,g rund. Aufgabe ,der Ver;
ban d sausbildung da:gegen ist: Erziehung der
g a n zen Ein h e i t zur Gas dieS Z i pli n , d. h.
~ richtigem taktischem Verhalten innerhalb des
erbandes als Ergänzung des persönliohen Gas;
schutzes. Darüber hinaus sollen gleichzeitig die
U:nte.~führer 'i n Aufgaben geschult werden, die das
Auslosen besonderer Entschlüsse und Führungs;
maßnahmen auf gastechnischem Gebiet be;
Zwecken.
Zunächst ein Wort über den S. chi e d s r ich ;
t e r ,d i e n s t.
d Ric~tJiger Einsatz der GasschutzübungsmHtel.
. h. 1Jll Einklang mit den id amit darzustellenden
Angriffsverfahren, und Oherw.achun~ der Truppe
d.urch bis in Einzelheiten belehrte Schiedsrichter
Sn~ die Voraussetzungen für das Gelingen des
chJedsrichterdienstes.
.. D:a die Wirkung der Kampfstoffe meist nicht
o~thch begrenzt ist, sondern sich nach Breite und
JI~fe ausdehnt, erfordert der Schiedsrichterdien<;t
el GasabwehrübUJngen eine ,erheblich ~rößere An;
zahl von Schiedsrichtern, als es sonst nötig ist.
Je mehr Schiedsrichter und Schiedsrichtergehilfen,
entsprechend der Größe des Verhandes und je
f~ch dem beabsichtigten Übungszweck, zur Ver;
ufung stehen, desto größer wird der Ausbildungs;
er olg sein. Mit den zugewiesenen Mengen an
Gasschutzübundsmitteln kann Id as Ausbildungsziel
nUr erreicht we"'r,den, wenn sie planvoll eingesetzt
u~g die Übungen sorgfältig vorbereitet werden.
I obal~ der Rahmen der übenden Truppe bei der
nf~ntene Zugstärke übersteigt, müssen im allge;
memen zw,ei Arten von Schiedsrichtergehilfen ein;
geteil t werden:
s a) O..r t s fes t e ; deren Aufgabe ist es, die Gas;
d~hutzubungSmittel zeitgerecht einzusetzen und
le vom Leiter des Schiedsrichter,dienstes zwecb

f

mäßigerweise von Fall zu Fall schriftlich festde;
legten Schiedsrichterang,aben an die Truppe "z,u
machen bzw. dafür zu sorgen, daß nachfolgende
Teile durch entsprechende Einlagen zu richtigem
Hamdeln vel'anlaßt werden, wenn die eingesetzten
Ga,s schutzübungsmittd von ,den vor,deren Teilen
nicht wahrgenommen oder nicht beachtet werden .
b) B oe weg I ich e; sie begleiten die Truppe
und sollen bei
ichtbeachtung der Kampfstoff.
wirkung die z e i tl ich erst s p ä t er wirksam
werdenden körperlichen Schädigungen durch ent.
sprechende Strafmaßnahmen (Ausfall einzelner
oder mehflerer Leute, Kampfunfähigkeit bestimm.
ter Binheiten oder einze1ner schwerer Waffen
usw.) ,durchführen oder durch entsprechende er;
neu te Schilderungen der für die Truppe vorhan.
denen Gasgefa'hr diese zu richtigem Handeln ver.
anlassen.
Der beabSlichtigte Obungszweck muß und kann
nur 0 erreicht werden.
Schiedsrichterangaben über la n gen om m e.
ne n Einsatz von Kampfstoffen allein werden
stets ein Notbehelf bleiben müssen. Sie werden
nur dann einen gewissen Zweck erfüllen, wenn
die TfrUppe die Wirkun g ,der Gasschutzübungsmit.
tel bereits ken'l1engelernt hat.
Bei Anwendung der GaJsschutzühungsmittel
müssen die Schiedsrichterangaben nach Einsatz.
verfahren und Wirkungsmöglichkeit den tatsäch •
lich gegebenen Witterungs. und Gelän,deverhält;
nissen Rechnung trag,en. Dies erfordert eingehende
Belehrung .der Schiedsrichtergehilfen und zwar
möglichst im Gelände. Klare Aufträg~ an das Un.
ter.Schiedsrichterpersanal bei allen Unterweisun.
gen sind unerljißlich.
Beisp,iel: Unteroffizier X., Sie haben im Grund .des
Z.-Baches zwischen der B.-Mühle und Brücke ostwärts
F.-Dorf südlich des Baches eine Geländevergiftung darzustellen, die ab 6,00 Uhr wirks~m ist. (Bei Einweisung
im Gelände die einzelnen Punkte durch Unter-Schiedsrichter b~i Wiederholung des erhaltenen Auftrages genau beze.lchnen lassen t)

Weiterhin erfolgt je nach Obungszweck genaue
Anweisung, welche Angaben der Schiedsrichter.
gehilfe bei Nichtbeaohtung der Geländevergiftung
I) Ober di e ,~achkriegserganisaüon des Regiments vgl. "Ga .. chutz
und Lultschutz . R, Jg. (1938). S . 14. Ein Aufsatz über das Wirken
dos Feuerwehr·Regiments von Paris im Weltkriege fol gt.
2) VgJ. "Gasschutz und Luftschutz", 7, Jg . (1937), S, 293, und 8 , Jg.
(1938), S. 17.

71

durch die Gefechtsaufklärung oder die
Truppe selbst zu machen hat, ob er ortsfest
ist oder die Truppe zur Durchführung der
Strafmaßnahmen zu begleiten hat.
\

11.
Nun zur Verban<dsausbill<iung
selbst.
Sie beginnt mit der technischen Weiter.
bildung .der ganzen Einheit hinsichtlich ,der
Gaswarnverfahren, des persönlichen Gas·
schutzes und der Gasdisziplin. Zunächst
sin'd die "Gaswarnverfahren", wie in den
"Winken für die Ausbildung der Rekruten
im Gasabwehrdienst" besprochen., mit der
ganzen Einheit einzudrillen. Je der man n
muß w iss e n, wer die einzelnen Warn.
verfahren geben ,darf und welche Z e ich e n
dazu vorgesehen sind.
Auch die verschiedenen Tragweisen der
Gasmaske zu Fuß, zu Pferde und auf Fahr.
zeugen sind bei jeder sich bietenden Gele.
genheit auf vorschriftsmäßige Durchführung
zu überprüfen.
Glejchzeiti~ werden. die mit den Gas.
sc hut z ü b u n g sm i t tel n darzustellen.
den Ein s atz ver f a h ren zu erklären
sein, wie sie in den einschlägigen Bestim.
mungen festgelegt sind. Um Mißverständ.
nissen :vorzubeugen, darf ich hier darauf
hinweisen, daß Gas b e s c h u ß in irgendeiner
Forin nie durch Rauch. oder Knallkörper dar.
gestellt wird. Ihre Anwendung bedeutet stets Ein.
satz reiner Sprengmunition. Eine Belehrung der
ganzen Einheit über Innehaltung ,der angeordneten
Sicherheitsbestimmungen ist ebenfalls an~ezeigt,
um etwaige schädigende Folgen einzelner Gas.
schutzü'bungsmittel bei unsachgemäßer Anwen.
dung zu verhindern.
Die Auswirkung ,der einzelnen Einsatzverfahren
auf das Verhalten der Truppe ist gleichzeitig mit
der Vorführung ,der Gasschutzübungsmittel zu be.
sprec'l en.
Wie die te c h ni s c he Weiterbildung eines
Verbandes gefördert werden kann, worauf es im
einzelnen ankommt, mögen folgende Beispiele die selbstverständlich "Gaswetter" zur Voraus.
setzung haben und unter Umständen a,u ch am
Sandkasten besprochen werden können - veran.
schaulichen:
A. Luftkampfstoffe.
Bei s pie I 1 (Bnd 1).
üb u n g s z we c k: V,erhalten der Sicherer,
"Gaswarnung", Maßnahmen hinsichtlich "Gasbe.
reitsohaft" und "Gasalarm" im Vorgehen.
.
Lag e : Kompanie - Gasmaske in Marschlaoe
- im entfalteten Vorgehen gegen eine Höhe. R~.
servezug, zunächst ohne Augenverbindung, im
Wald tück dahinter zurückgehalten, soll später
mit 400 m Abstand folgen. Sicherer, 500 m vor.
aus, haben die Höhe schon überschritten und nä.
hern sich einem quer zur Vormarschriohtung lau.
fenden Bachgrund.
Ein 1 ag e 1: Durch Schiedsrichteroehilfen war
der Grund kurz vor Eintreffen der Sicherer mit
Übungsreizstoff begast worden.
Folgendes ist zu üben:
Verhalten der Sicherer (Fehler werden durch Schiedsrichtergehilfen für Besprechung notiert).
Art 'lIIIld Durchführung der "Gaswarnung" an die nachfolgende Truppe.
Wer löst die Gaswarnung bei der Kompanie aus; wer
ist dafür verantwortlich?

72

()

ETliiültrungl

<--

Gtrufosftld dn .1l1ith..d",
Ub.- Rtiuloffts .
Soo m .

Bild 1.

Werden auc h die rückwärtigen Teile der Kompanie
(Res.-Zug, Gefechtsfa.hrzeuge) benachrichtigt ?
Wie? Benötigte Z eit?
Was löst der Befehl "Ga~bereitschaft" aus (Bereitschaftslage der Gasmaske, Waffenschutz, Gasschutz der
Tiere?).
Kontrolle der richtigen "Bereitschaftslage" durch Leitenden.
(Zeitbedarf für Änderung der Marsch- in Bereitschaftslage.)
Meldung an vorgesetzte Dienststclle - Nachbarabteilung?

Ein 1 a ge 2: Urunittelbar nach Durchführung
der Maßnahmen für "Gasbereitschaft" wird von
Schiedsriohtern in nächster Nähe des im Walde
haltenden Res .• Zuges durch Werfen mehrerer
Reizkerzen ein Gasüberfall dargestellt.
Geübt wird:
Wer befiehlt den "Gasalarm"? Welche Möglichkeit
gibt es hierzu? Werden alle Teile der Kompanie sofort
benachrichtigt? Auf welche Weise?
Zeitda,uer, bis der Befehl die ganze Kompanie erreicht
hat und der Gasalarm bei allen Teilen dUl'chgeführt ist.
Wie verhalten sich die im Walde haftenden Teile der
Kompamie?
.
Kontrolle des M.a.skensitzes (Augenhöhe, nicht zu
straffe Bänderstellung), Kontrolle, ob außer der Gasmaske alle anderen Gasschutzmittel usw. (Hautentgiftungsmittel, Maskenbrillen, Brillenglassalbe, Ersatzklarscheiben, Reinig'ungslappen) vorhanden sind.

Soll noch außerdem das Vorgehen Jer Kompanie
durch den begasten Grund geübt werden, so kön.
nen damit auch die Durchgabe von Befehlen und
Zeichen, das Verhalten der Kompanie gegenüber
Luftkampfstoffen, anschließend die Riech. und Ab.
setzprobe durchgenommen und gegebenenfalls die
Atemteohnik überprüft wer,den.
Bei s pie 1 2 (Bild 2).
ü b u n g s z w eck:
Gaswarnverfahren und
Maßnahmen für "Gasb ereitschaft " bei einer
rastenden Truppe.
Lag e: Verst. Bataillon - beiderseits ange.
lehnt - ist in Verfolgung eines geschlagenen Geg.
ners in nördl. Richtung nach vierstündig,e m' Nacht.
marsch um 7,00 Uhr vormittags i.n B .•Dorf zu ein.

stündiger Rast übergegangen . Bisher noch keine
Fejndeinwirkung. Aufstellung örtlicher · Nahsiche.
rungen siehe Bild. Feldküchen sind zur Ausgabe
der Morgenkost herangezogen . Verpflegungsaus.
gabe ist im Gange. Leute sind teilweise weggeh·e.
ten (Gasmaske beim Manne). Einzelne Leute
Schlafen. Pferde sind abgesattelt und werden ge.
tränkt und gefüttert (Temperatur - 5°, Westwind
3 m /sek .).
Ein l ag e 1: Als ein gegen Z .•Bachgrund vor.
gehender Spähtrupp noch 100 m von der über den
Z .• Bach führenden Brücke entfernt ist, wird durch
S~hiedsrichtergehilfen durch m ehrere Reizkörp er
eIn Gasüberfall .auf di e Brücke dargestellt. Er
wil'd in Abständen von fünf Minuten zweimal
wiederholt.
Geübt wird : a) Verhalten des Spähtrupps (Maske a uf !
Weiteres Verhalten durch Schiedsrichter
uberprüfen lassen).
b) Verhalten des Unter feldwebels H., der das Vorgehen des Spähtrupps von Höhe 85 aus beobacht~t hat:
Benac hrichtigung des Batls., mit dem Auge nverbm.dung
besteht, nicht durch Melder, sondern durch Zelchen
"Gaswarnun,g". Weshalb?
c) Verhalten des Unteroffiz iers K., der am Ortseingang das Zeichen "Gaswamung" aufnimmt. .

9aswa rnung!

Ein la g e 2: Zu derselben Zeit, zu der nter.
offizier K. seine Meldung macht, wird dem Batls .•
Kdr. durch Schiedsrichter eine Meldung ausgehän.
digt, die besagt, daß ,das linke Nachbarbataillon,
auf einer 4 km entfernten Nebenstraße vorgehend,
Von feindlichen Fliegern mit Geländekampfstoffen
beregnet word en ist.

Auf gab e: Durch wen und wie werden die hi~r
nac h der Lage erJo rd er li chen Schutzmaßnahmen fur
"Gasbereitschaft" ausgelöst?
."
Was hat die Truppe auf Gasbereltschnft auszu"
führ en?
a) Sämtliche Leute bringen ,die Maske in Bereitschaftslage, sofern sie nicht mit der Marschlage übereinstimmt.
b) Die Kompanie- usw. Führer lasse n lnfanteriewaffen
zug_ und gruppenweise zum Schutz gege? !-bgießen von
Kampfstoff aus Flugzeugen unter Dach brmgen. FhegerM.G., Geschütze und Fahrzeuge, die nicht untergeb racht

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Bild 3.

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= durch Aussprühen
von
Ob.-Reizstoff
begastes Gelände (Einl.l).
= WurfsielIen
einzelner
Reizkerzen
(Einl. 2, D3r·
stellung
des
Nachg3sens) .

bleibende Lebensmittel in der Feldküchenprotze gassicher abgeschlossen.
Die Mannschaften bringen die gerade ausgegebenen
Abendportionen nicht im Brotbeutel unter, sondern verpacken sie kruIlTpfstoffsicher, ebenso wie ihre sonstigen
Genußmittel und Rauchwaren, im Kochgeschirr.
d) Der Kälteschutz wird auf Befehl des Batls. abgelegt,
damit die Gasmaske rascher aufgesetzt werden kann.
e) Die Zeltbahnen werden abgeschnallt, um sie beim
A bregnen von Lost gleich zur Hand zu haben.
f) Alles tritt unter bis auf die Leute, die an den Flieger-MG.s und Fahrzeugen bleiben müssen oder als Gasposten oder Verbindungsleute eingeteilt sind.
g) Ruhende Leute, Melder USW. haben stets Gasmaske
bei sich.
h) En tsendung von GasspÜIern ,durch ,das Bataillon
zur Brücke und Meldung an Regiment und rechten
Nachbarn.
.

Ein la g e 3: Darstellung eines Gasüberfalles
auf Nordausgang B.. Dorfdurch Schiedsrichter
mittels R eizk erzen. ,ü b erprüfun g ,der ge troffenen
Maßnahmen ähnlich Beispiel 1.

,.,

Wind
J '",.

~

Bild 2.

Bei s pie 1 3 (Bild 3).
O b u n g s z w eck: Durchführung eines An.
griffs (Feuergefechts) mit aufgesetzter Gasmaske,
Durchgab e von Feuerbefehlen u w. sowie Durch.
führung von :ßehelfsmaßnahmen im G asschutz,
Maßnahmen nach Gasgefahr.
L a ,g e: Eine b eiderseits angelehnte Kompanie
im Vorgehen aus südl. Richtung gegen ein en
schwäch eren Feind, der Höhe 154 verteidigt. Sie
ha t feindliche Sicherungen aus Wäldchen 800 m
südlich davon geworfen und stellt sich hier zum
Angriff gegen Höhe 154 bereit. Bisher geringe
Verluste durch feind!. Abwehr. und Artl..Streu.
feuer ( ordwestwind).
Ein la g e 1: Zu diesem Z eitpunkt wird durch
die Schiedsrichtergehilfen ein Gasüb.erfall mit
Luftkampfstoffen auf das Waldstück da rgest ellt,
wobei Reizkerzen die Einschläge mehrerer "Grup.
pen" Gasgeschosse ,andeuten. Anschließend wird
zur Darstellung ,des nachfolgenden LähmUll1gsschie.
ßens mit "Blaukr,euz" Obungsreizstoff am Nord.

73

rand des Waldes und im Grund ,davor in einer sol.
chen Ausdehnung versprüht, daß die Kompanie
gezwungen ist, den Angriff mit a'ufgesetzter Gas.
maske durchzuführen.
G e ü 'b t wir d :
Durchführung des Gasalarms, Durchga.be von Meldungen u:nd Feuerbefehlen, Anschlag, Sprünge u n te r ~er
Gasmaske. (Die Gefechtstäti,g keit der Truppe wIrd
durch den Gasbeschuß zunächst' nicht beeinflußt.) Unter
Umständen Verkürzung der Bereitstellungszeit im Waldstück. Ausweichen a'IJS ,der Geruchszone durch Stellungswechsel usw.

Ein lag e 2: Während des Angriffs der Kogt.
panie durch den begasten Grund wer·den durch
die Schiedsrichter zur Dar teilung des ~chgasens
7Jwischen die vorgehenden oder in Stellung befind.
lichen Leute einzelne Reizkerzen geworfen.
Zu überprüfen:
Verhalten der Leute gegenüber den dichtesten Kampfstoffschwaden, in die sie nicht hineinlwufen ,d ürfen .

Ein lag e 3: Außerdem werden (als Folge des
wirksamer werderuden feindliohen Inf.. und wieder
einsetzenden Artl..Brisanzfeuers) einzelnen Leuten
durch die Schiedsrichter Angaben über bestimmte
durch Inf .• Geschosse oder Granatsplitter usw. her.
vorgerufene Beschä,digungen an der Gasmaske ge.
macht.
Geübt wird:
Durchführung der durch Beschädigung der Gasmaske notwendig werdenden Behelfsmaßnahmen .(vgl.
"Winke".. ), soweit möglich; andernfalls durch SchIedsrichter cLana.ch fragen lassen.

Der Angriff wird bis zum Einbruch durchgeführt.
Anschließend werden die bisher aufg,e tretenen
Fohler und unter der Annahme, daß zunächst
nicht weiter vorge<g,angen werden soll, auch die
Maßnahmen na c h einem Gaskampf befohlen
bzw. be prochen. (Vgl. "W'inlke für die AUSbildung
der Rehuten".) Es empfiehlt sich, daß der Lei.
tende ,die Art und Menge der verbrauchten Gas.
schutzmittel festlegoo oder feststellen läßt und
Maßnahmen für Ersatz und Nachschub bespricht.
Bei s pie 1 4.
üb u n g s z w eck: Verhalten der Truppe bei
längerem Aufenthalt in einem Gelände, das nie h t
u n mit tel bar mit K,ampfstoffen beschossen, je.
doch, unter Wind liegend, von einer seitlich lie.
gooden Gaswolke gefähndet wird.
Lag e: Dje Reserven eines verst. im K.ampf
Iieg,enden beiderseits angelehnten BataIllons
(1 Kompanie, 1 s. MG .• Zug, 1 Zug IG .•Kompanie)
liegen in einer Mulde, gegen direkte Sicht ge.
deckt, et-wa 800 m hinter der vorderen Linie.
Im Absehruitt des N ae'hbarbataillons ist zur Zeit
heftiger Artilleriekampf im Gange.
Ein 1ag e: Das vom N achbarabschl1'itt vernehmbare ArtL.Feuer wird durch Schiedsrichter.
gehilfen zunächst durch Riauchkörper angedeutet
und da-s vom Gegner durchgeführte Vergiftungs.
chießen durch Ausgießoo von Geländcstoff für
Spürübungen in einer Entfernung von etwa 300 m
dargestellt; der etwa 4 m/sek. stark wehen,d e Sei.
tenwtind treibt die Gaswolke auf ,die Reserve des
übenden Bataillons zu. (Auch ein "Gasüberfall"
im Nachbarabschnitt kann dargestellt werden.)
Aufgabe für Schiedsrichter :
a) Die Truppe, auch wenn sie nicht unmittelbar unter
Gasbeschuß J.iegt, hat die Gasmaske aufzusetzen.
ob) Falls der Aufenthalt in der Mulde längere Zeit
dauert, müssen die tiefsten Stellen gemieden umd
Deckungen am feindwärtigen Hang au.fgesucht werden.
c) PFerde sind aus der Gaswolke in ruhiger Gangart
herauszuführen.

74

B. Geländekampfs toffe.
achdem die Technik des Gelbkreuzschutzes
des einzelnen Mannes an mehreren Beispielen, wie
in den "Winken" ... angegeben, geübt worden ist,
lassen sich solche Schutzmaßnahmen mit Gefechts~
übungen der ganzen Einheit vereinen. Das fol.
gende Beispiel soll eine ,derartige Übung zeigen.
Ü b u n g s z w eck: Schutz gegen Abregnen
von Kampfstoffen aus der Luft; behelfsmäßige
Entgiftung.
Lag e: Verst. Kompanie in Fliegermarschtiefe
im Vormarsch auf Straße von A .• Stadt auf B..
Markt, weil fdl. Flieger beobachtet. "Gasbereit.
schaft" war befohlen (Zeltbahnen sind bereitge.
halten).
Ein lag e 1: Als die Kompanie mit zwei Zü.
gen K..Dorf durchschritten hat, erfolgt durch ,den
Leitenden der Ruf: "Fliegerangriff". Wenige Augen.
blicke später wird ,der Angriff ,einer Kett.e fd!. Flie.
ger angedeut.et, die im kombinierten Verfahren
Brisanz. und Gasbomben abwerfen und mit einem
Flugzeug Geländekampfstoffe absprühen.
Die zur Darstellung ,des Fliegerangriffs be.
stimmten Schiedsrichtergehilfen werfen Rauchkör.
per (BrisanzbomJben) auf die Straße, während ein
anderer Teil gleichzeitig beiderseits der Straße
enUang der Marschkolonne und je am Anfang und
Ende der Züge "Geländestoff für Spürübungen"
ausgießt.
Geübtwird:
"Gasalarm" mit Zusatz : "Gelbkreuz". Untertreten
des noch in K. -Dorf befindlichen Zuges in die Häuser,
der übrigen Züge unter Straßenbäume bzw. im freien
Gelände Ober.decken mit Zeltbahnen. Gasmaske auf
(Durchführung überprüfen, Zeitbedarf?).

Ein I :l g e 2: Leitender ruft: "Luftgefahr be.
endet".
Geübtwird:
Verhalten der Leute, um zunächst die vergiftete Straße
verla en zu können (die zum Fliegerschutz benutzten
Zeltbahnen vorsichtig über vergiftete Stellen ausbreiten).

E 'i n lag e 3: Die Schiedsrichtergehilfen be.
zeichnen bestimmte Haut. oder toff teile einzel.
ner Leute, Teile von Waffen und Ausrüstwngs.
stück'en, Fahrzeuge usw., als lostbespritzt oder
stark lostbefleckt.
Geübtwird:
Durchführung behelfsmäßiger Entgiftung all dieser
Teile; sanitäre und sonstige Maßnahmen des Führers.
Bei allen Maßna.hmen, die durch eine Gelbkreuzgefahr
notwendig wcrden, die Fr,age des durch behelfsmäßige
Entgiftung entstehenden Zeitverlustes klären .
Wo befinden sich die betr. Entgiftungsmittel?
W.ie verhalten sich stark mit Lost BeEleckte bei den
auf dem Gefechtsfeld liegenden Schützenkompanien
(Abmeldung bei einem Führer möglich?).

Ähnliche Übungsbeispiele zur Erklärung der
Technik des Gasabwehrdienstes lassen sich bei
mancher Gelegenheit einflechten, z. B. kann je.des
Erscheinen niedrig fliegender Flugzeuge hierzu
ausgenutzt werdcn.
III.
Bei Verbandsübungen (,assen sich Gas t e c h •
ni kund Gas ta k ti k meist chWier trennClfl.
Worauf es bei Übungen in der Gasabwehr an.
kommt, bei ,denen das ta k t i sc h e Verhalten der
Truppe und die Schulung in Fü'hrerentschlüssen im
Vordergrund stehen, ist aus folgender Zusammen.
stellung ersichtlich, die die im gesamten Schrift.
tum des Auslandes über Gasa,bwehr zum Aus.
druck kommenden taktischen Anschauungen kurz
zus!1!mmenfassen:
1. Gegen Lu f t kam p f s t 0 f f e und künc;t.
lichen
rebel: Gasalarml Aufenthalt und Be.

wegung im begasten Gelände mit aufgesetzter
Maske möglich, doch Meiden besonders gefährde~
ter Plätze und der unmittelbaren ähe von Gra~

nate~nschlägen.

Warnung benachbarter und rückwärtiger Teile!
2. Gel ä n d e kam p f s t 0 f f e :
Gelbkreuz~
warnung, u. U. Gasalarm!
In Bewegung: a) Abregnen aus Flug~
z eu g : V,erhalten wie bei Regen (Zeltbahnen um ~
hängen).
b) Gelbkreuzbeschuß: A,uftrag wie bei
Brisanzschießen durchführen; Vorsicht im Ge~
lände! Seitliche oder rückwärtige Teile ausbiegen!
c) Ver g i f t e te s Gel ä n d e :
Betretbar = nur durch Kraftfahrzeuge und Fahr~
räder; Vorsicht beim Absitzen; spätere Entgif~
tung der Fahrzeuge.
'Gesperrt = für Truppen zu Fuß und z,u Pferde:
Halt! Einsatz von Gasspürern ! Meldung der A:uf~
klärungsergebnisse an höhere Dienststelle! Befehl
abwarten!
Führcrentsehluß: je nach Lage:
Um geh e nl
achfolgende Truppen warnen!
Gelände sperren! (Fähnchen!)
Oder: E n t g i f tun g einzelner Punkte durch
G~s pürer der Truppe; Feuerschutz! Größere
Flachen mit Gasspürfähnchen umgrenzen, Maß ~
nahmen der Führung abwarten.
Oder:
Be hel f sm aß nah m e n : Ü be r ~
d eck e n eh mal e r R i e gel mit Reisig, Stroh,
Erde usw. (30 cm hoch), Albschwemmen mit viel
Wasser; Schuhe umwickeln.
Oder in besonderer La'ge: Durchführung des
Auftrages ohne Rücksicht auf Verluste; Entgif~
tungsmaßnahmen na c h seiner Erledigung.

N

t

In Stellung: Räumung von Rast< und Bereit~
stellung plätzen g es tat t e t; G e fee h t s s tel ~
lu n g durch untere Führer nur nach Gen e h ~
mig u ng.
Stets: Herausziehen vergifteter Leute, Waffen
und Geräte!
Im Zusammenhang damit sei kurz skizziert,
~orauf die unteren Truppenführer neben den in
en Beispielen besprochenen Maßnahmen je nach
g~gebener Gaslage noch zu .achten haben, und an
~.1I1em Beispiel ~ezeigt, wie Unterführer !.n gastab
ISc~en Entschlussen ,g esohult werden konnen:
Smd bei .. Gaswetter" oder in einem für Kampf~

stoffverwcndung günstig.cn Gelände durch die Füh~
rung taktischer Einheiten
a) den Trägern der taktischen Aufklärung beson ~
dere Aufträge bezüglich der Gasabwehr ert,eilt?
b) ihnen besondere Gasspürer zugeteilt?
c) in Bereit~, Gefechts~ oder Feuerstellungen die
Gasspürtrupps auf die einzelnen Einheiten
",erteilt?
d) bei ruh end e n Truppen, Troß oder rück~
wärtigen Diensten Vorkehrungen für den
Gasschutz getroffen? Sammclschutzräume!
Gaswachen?
e) W,e\che Maßnahmen sind dur-:::h ,den Trup~
penführer na c h einer Gasgefahr allgemein
und im besonderen für den
achschub an
Gasschutzübungsmitteln zu treffen?
Beispiel zur Entschlußschulung (Bild 4). .
Lag e: Ein durch zwei s. MG. ver tärkter Zug
- rechte Seitendeckung d,es Bataillons - im Vor~
gehen gegen Schwabenbrücke hat Auftrag, sich in
Besitz der jenseits der Brücke gelegenen Höhe 9S
zu setzen. Schwacher Feind hat Brücke besetzt.
Ein 1 a g e: Als der Zug sich un ter dem Schutz
des s. MG.~Feuers auf 100 m an ,die Brücke herail ~
gearbeitet hat, gießen Schiedsrichter "Geländestoff
für Spürübungen" auf der Brücke aus und s.agen
den vordersten Leuten des Zuges X an , daß vier
Gelbkreuzminen an der Brücke hochgegangen sej~
en. Unmittelbar darauf geht der Feind nach
Höhe 9S zurück.
Aus dem Verhalten bei seinem Zurückgehen ist
zu erkennen, daß das jenseits ,der Brücke gelegene
Gelände n ich t, also nur die Brücke vergiftet
sein kann.
Auf gab e: Verhalten der Leute, die zunächst
an der Brücke liegen, und denen die Schiedsrich,
teransage gemacht wur.de. En tschluß des Leut~
nants X für das weitere Verhalten.
Folgende Möglichkeiten sind zu er~
wägen:
1. Hai t vor der Los t s per r e, Meldung
an das Batl. und Befehl für weiteres Verhalten ab~
warten? Bei GelärudevergiftUJl1gen unbekannter
Ausdehnung zwar die Regel. Nach der Lage ist
nur die B r ü c k e vergiftet, deshalb unter Be~
rückskhtigung des Gefechtsauftrages untätiges
Abwarten falsch.
2. U m ,g ehe n? Die näch te Brücke ist 2 km
f1ußaoufwärts; dies würde also einen Umweg von
einer Stunde bedeuten, wobei nicht fe tsteht, ob
diese Brücke nicht ebenfalls vergiftet ist.
3. E n t g i f t e n mit E n t g i f tun g s s t 0 f f ?
Dazu müßte ein Entgiftungstrupp des Bataillons
hefiangezogen weflden = Erheblicher Zeitverlust.
4. E n t g i f t e n ,der Brücke durch Abschwem.
men mit B ehe I f ger ä t (Munitions:kästen,
Kochge cJl'irr, Futterbeutel,
Wassertragesäcke
usw.)? Zeitbedarf?
S. F 1 u ß oberstrom .cl u r c h w a t e n oder durch~
schwimmen? = Von Strömung und Tiefe des
Flusses abhängig.
6. Übe r d eck e n der vergifteten Brücke mit
Zeltbahnen oder anderen Behelfsmitteln , je nach~
dem, ob einzelne Leute (Umwickeln ,der Schuhe
mit T'uch, Zeltbahn 'usw.) oder auch Fahrzeuge die
Brücke überschreiten ollen. (Übendecken der ver~
gifteten Brücke mit Ästen, nicht vergifteter Erde
usw.) ( äheres siehe einschlä,gige Bestimmung.en.)
7. So f 0 r t i ge s Übe r sc oll r ei t e n dieser
s c h mal e 11 Kampfstoffsperre, Hohe 9S in Be~
sitz nehmen und anschließend. Schutzmaßnahmen
durchführen (Entgoiftil\11Jj:! der Schuhe usw.).

75

Die drei letzten Entschlüsse sind mer durch.
führbar. Handeln nach Ziffer 7 setzt voraus, daß
Brücke und Umgebung ni c h t zu dicht mjt Lost
belegt und Höhe 95 in wenigen Minuten erreicht
s'ind.
Es ließe sich hier noch manches zu solchen
übungen anführen. Aus Raumgründen habe ich
mich auf das Wesentlichste und auf übungsaus.
schnitte besc:hränkt. Deshalb hin ich hier auch
nicht näher auf die Maßnahmen der Gasaufklä.
rung und des Gasspürdienstes eingegangen. Sie
sollen bei ,der 'i hnen für die Gassicherheit der
Truppc zukommenden Bedeutung in einem beson;
deren Aufsatz besprochen werden.

IV.
Wenn auch mit solchen Gasabwehrübungen stets
die Gewöhnung an das Maskentrag1en verbunden
ist, so sind gelegentliche Märsche mit flufgesetzter
Maske bis zu fünf Stunden als Drillübungen wün.
schenswert. Wo es sich ermöglichen läßt, ist es
zweckmäßig, sie in der Nähe des Gasraumes en.
den zu lassen und die Leute unmittelhar anschlie.
ßend einer Gasraumprobe zu unterziehen
Beschäsdigte und fehlerhaft sitzende Masken
bzw. unerlaubte "Marscherleichterungen" hinsicht.
lich der Gasmaske wer,den dabei am sichersten
festgestellt werden können.
In den "Winken" ist bereits vor überschreiten
gewisser Leistungsforderungen gewflrnt worden.
Für längere und besonders große Anforderungen
unter der Maske muß abschließend noch auf foI.
gendes hingewiesen werden:
Die Tag e s t e m per a t u r und vor allem der
F e °U c h t i g k e i t s geh alt der Luft dürfen bei
Dauerleistungen unter der Maske nicht außer acht
gelassen werden. Schon an kühlen Tagen ist di e
Temperatur unter der Maske erheblich höher ·a ls
die umgebende Außenluft und beeinflußt jede T i.

tigkeit. Mit zunehmender Luftwärme. besonder
an schwülen Tagen, nimmt die Leistungsfäshigkeit
der Truppe sehr schnell ab. Das verlangt von den
Truppenführern aller Dienstgrade besondere Maß.
nahmen; andernfalls sind erhebliche Ausfälle (Hitz.
schlag!) zu erwarten. Frühzeitige vermehrte An.
zugserleichterungen auf Märschen oder während
der Gefechtstätigkeit, langsameres Marschtempo
und mit zunehmender Maskentragezeit immer häu.
Hger einzulegende und länger werdende Marsch.
rasten sind erforderlich, wenn die Leistungsfähig.
keit für das Gefecht erhalten bleiben soll. Die
Teilnahme eines Sanitätsoffiziers an solchen übun.
gen ist ratsam.
Bei normalem Wetter muß und k a n n auch
im Feldanzug unt,e r der Maske verlangt werden,
was die Gefechtstätigkeit erheischt, also kurzes.
Berganlaufen, überwinden .einzelner Hindernisse.
kurze Strecken in schnellstem Tempo (Sprüng e
von Deckung zu Deckung) oder größere im mäßi:
gen Laufschritt. übertreibungen, wie Exerzier;
marsch, Dauerlauf über m ehrere Kilometer, zahl.
reiche Sprünge hintereinander 0 h ne Atempause
unter der Maske, sind zu unterlassen.
Schließlich muß noch bedacht werden, daß alle
Arbeiten unter der Maske n e ben der Lei.
s tun g s m i n der u n gauch infolge Be hin d e •
run g durch die Maske m ehr Z ei t erfor·d ern
als solche ohne Maske (z. B. verringertes Blick.
feld, Behinderung bei Bedienung von Richt: und
optischen Geräten, Erschw erung bei dem Durch.
sagen von Befehlen usw.). Solche Zeitverluste las.
sen sich durch entsprechende ü bungen mindern,
jedoch nicht ganz ausschalten.
Das Ziel bei der Steigerung der Leistungsanfor.
derungen im Gasabwehrdienst muß sein, dieTruppe auch unter Maskenzwang möglichst frisch
zu erhalten und voll kampfkräftig in das Gefecht
treten zu lassen.

Gasmasken-Augenfenster
Dipl.-Ing. K. E. Ku n z e, Referent im Reichskriegsministerium
Unter den mannigfaltigen Anforderungen, die
an eine vollwertige Gasmaske gestellt werden,
stehen die Forod erungen , die sich auf die gut e
Si c h t unter der Maske beziehen, bestimmt mit
an vorderster Stelle.
Dje hohen an die Maske zu stellenden Anfor.
derungen haben sich erst im Laufe der Entwicb
lun!! des Gaskampfes ergeben. Zu Beginn des Ein.
satzes chemischer Kampfstoffe begnügte man sich
mit dem Schutz der Atemwege. Recht bald sah
man sich jedoch gezwungen, auch für den Schutz
der Augen zu sorgen. Da sich S c hut z b r i 11 e n
nicht sonderlich bewährten, ging man bald allge.
mein dazu über, den Schutz der Augen mit dem
Schutz ·der Atemwege zu vereinen: es entst:llld die
U dorm der heutigen Gasmaske.
Viel Zeit zu Versuchen und Erprobungen stand
damals nicht zur Verfügung. Zwei Fassungen mit
Augenscheiben wurden in gummierten Stoff, in
Leder oder in einen sonstigen gasdichten Werb
stoff eingebunden, eingeschellt oder ·eingenäht.
Hinzu koonen noch ein Anschlußstück für den Fil.
tereinsatz oder den Atemschlauch zur Filterbüchse
sowie die Kopfbänder - und die erste Maske war
geschaffen.
Infolgedieser "Schnellentwicklung" wurden an.
schließend an den ·e rsten Gebrauch auch sofort
die el'sten Verbesserungswünsche geäußert. Es

76

galt, schnell und gründlich diese Wün ' chc und Er".
fahrungen zu sammeln und auszuwerten. Da hier
nur beabsichtigt ist, auf die Au gen f e n s t er
näher einzugehen, seien die weiteren Ausführun;
gen auf die Verfolgung ,der En twicklung dieser
Teile b eschränkt ..
Die ersten Schwierigkeiten machte das Verhin;
dern des B e s chi a gen s der Augenscheiben im
Innern der Maske. W i s c h f alt e n verschiede.
ner Art - rechts und links der Augenfenster oder
von einem nasenartigen Ansatz in der MHte der
beiden Augenfenster ausgehend -, in die mit
einem Finger hineingefahren und der Beschlag von
Zeit zu Zeit abgewischt wurde, waren ,die ersten
Lösungsversuche. Erprobt wurden ferner verschie.
dene beschlagverhindernde Ein r e i b e mit tel,
besondere Lu f t k a n ä I e, durch die die Ein~
atemluft über die Augenscheiben geführt wurde
(Deflektoren, Tissot.Prinzip), und auswechselbare.
dünne Scheiben aus Zelluloid mit Gelatine.Auf.
guß, .die sogenannten K I ars c he i ben . Die Ge.
labine ,dieser Klarscheiben nahm für eine gewisse
Zeit die Feuchtigkeit auf, ohne trübe zu werden .
Sämtliche Mittel zur Vermnderung des Beschla.
gens - mit Ausnahme der Wisch falten .- sind
heute noch in Gebrauch. Jedes dieser Mittel hat
seine Vior. und Nachteile. In Deutschlal1Jd hat
man sich durchweg für die Verwendung von Klar,:

ist eine gute S ich t n ach
der Sei t e zu schaffen, was
besonders für die Truppe und
für Fahrzeugführer wichti~ ist.
Jedem Maskenträger ist auch
das unsichere Gefühl bekannt,
wenn er eine Maske tragen
muß, die schlechte S ich t
n ach u n t e n bietet ~ was
an falscher Verpassung oder
schlechter Konstruktion der
Maske liegen kann. Beim Ge~
hen in "holprigem Gelände",
wenn also - wie im Ernstfalle
- keine glatte traße mehr
zur Verfügung steht, wird dies
besonders deutlich. Richtig
konstruierte und richtig ver~
paßte Masken sollen eine Sicht
von mindestens etwa 70 v. H.
des normalen Gesichtsfeldes
bieten.
b) K 1 are Dur c h si c h t :
Das schönste Gesichtsfeld ist
Alle Aufnahmen: Ver!.
1
d
Bild 2. Maske für Arbeiten, l>ei denen bejedoch wert os, wenn
ie
~.ild 1. Maske mit ein e m runden Augeufenster
sonders
gute
Sicht
erforderlich
ist.
Augenferuster
durch
die
Feuch~
lur Grubenrettungszwecke (wahlweiser Anschluß
VOn Filtereinsatz und SauerstoUgerät).
tigkeit der Ausatemluft b e~
schlagen. Es mußten also Mit~
tel gefunden werden, ,durch die dije Feuchtigkeit
scheiben entschieden, desgleichen in Italien,
aufgenommen, der Beschla~ am Entstehen verhin~
Schweden und einigen anderen Staaten.
Allgemein hielt man ,daran fest, für j e des ,dert oder rechtzeitig entfernt wird.
A u g e ein b e s 0 n der e s "A u gen f e n s t e r"
c)Gute mechanische un ld chemische
vorzusehen. Im Mittel hatten diese Fenster 60 mm Beständigkeit der Augenscheiben:
freie Durchsicht. ach dem Kriege wurden Mas ~ Von den Augenscheiben ist zu verlangen, daß sie
ken bekannt, bei denen nur ein g roß e s Fe n ~ unempfindlich sind gegen S chi a g b e ans p r u ~
s t e r verwendet wurde, z. B. die Sondermaske c h u n ge n un cl B e s c heu e run gen, wie sie
für Grubenrettungszwecke (Bilder 1 und 2), bei beim Gebrauch unvermeidlich sind. K ä 1 t e und
der ein gasdicht eingesetzter und von Hand nach W ä r me ,dürfen die Scheiben weder spröde noch
Bedarf zu bedienender "S c he i ben w i sc her" sonstwie empfindlich machen. Bei größerer Wärme,
den Beschlag auf der Innenseite entfernt.
wie sie z. B. beim Auftreffen von brennenden
Ferner sind noch Masken bekanntgeworden, bei Phosphorspritzern zu erwarten ist, darf di e
denen ein Teil oder der g,a nze Maskenkörper mit
Ausnahme ,des Dichtrahmens aus durchsichtigem
~erkstoff (Zellon) hergestellt war. Es sin~ di:s
dIe sOdenannten Voll bl i c k m a s k e n, di e
zuerst in Deutschl~nd hergestellt und dann vom
Ausland insbesondere von Frankreich und Ame ~
rika, üb~rnommen wurden. Bi 1 d 3 zeigt z. B. eine
französische Vollblickmaske mit einem besonde.
ren Leitblech, durch das die Einatemluft über die
Innenseite geführt w.irtd. Derartige Masken wer·
den insbesondere von Frauen und Kindern bevor ~
zugt, da man unter dieser Maske nicht das G e.
fühl hat, besonders eingeengt zu se!n. Es ist je.
doch schwierig, hierbei eine klare SIcht zu erhal~
ten. Außerdem verhalten sich diese Masken bel
der Alterung ungünstig.
.
Bereits im Weltkriege und besonders deutlich
bei der ruhigen Weiterentwicklung der Gas~
masken in der Nachkriegszeit erkannte man klar
den großen Wert ~uter Sichtverhältnisse unter
der Maske. Gute Sicht" wird daher heute von
jedem Mask~nträger gefordert. Die Schwierighi.
ten, die der Verwirkhlchund dieses Wunsches ent.
gegenstehen, werden jed;ch oft verkannt. Be.
trachten wiir uns daher die Hauptforderun gen
etwas näher'
a) Großes Gesichtsfeld: Je weni~cr
dem Maskenträgerdie normale Sicht du.rch di e
Maske beschnitten wird, desto ungehmderter
kann er - was die Sichtverhältnisse anbelangt seine Arbeit verrichten. Die Si c h t ~ e rad c •
Bild 3. Französische Vollblickmaske.
aus ist hierbei einfach zu erreichen. Schwieriger

77

Bild 4. Französische Gasmaske, Innen ansicht.

Scheibe nicht entflammen. Außerdem müssen die
Augonscheiben unempfindlich sein gegen die Ein ~
wirkung gasförmiger und flüssiger Kam p f ~
s t 0 f f e sowie gegen die für diese Kampfstoffe
erforderlichen E n t g i f tun g s mit teL
d) Ger i n g e s G e w ich t der A u gen f e n ~
s t er: Sind brauchbare AU!1enscheiben gefunden,
so gilt es, ·diese Scheiben in Fa s s u n gen unter~
zubrin.gen, die bei geringstem Gewicht aus korro ~
sionssicherem, mechanisch unempfindlichen Werb
stoff gefertigt sind und die ein leichtes Aus ~
w e c h sei n der Sc h e i ben gestatten.
e) K l ei n e r Ab s t a n d z w i s c h end e n
beiden Augenfenstern und zwischen
Au g e und Au gen s c h ci b e: Durch den klei~

Bild 5.
Außenansicht,

78

Au~enfenster

ncn Abstand zwischen den Augenfenstern wird
ein leichteres B e die n e n 0 p t i s c her I n ~
s t rum e n t e mit doppeltem Einblick ermöglicht.
Durch die Verklcinerung der Entfernung zwischen
dem Auge des Maskenträgers und den Augen ~
scheiben soll eine bessere Si c h t n ach 0 b e 11
und na c h u n te n crrcicht werden; ferncr kann
das Auge näher an die Okulare der optischen oder
sonstigen Meßgeräte herangebracht werden . Hier ~
bei ist jedoch darauf zu achtcn, daß die Augen ~
fcnster nicht auf dem 1 ase n r ü c k e n od . :: r
an d c n Na sen f lüg eIn anliegen, da an diesen
Stellcn selbst der kleinste Druck sehr bald uner ~
träglich wird.
f) Lag e der A u gen f e n s t e r i m \ a s <
k e n k Ö r per: Für die gute icht ist eine nur
durch längere Versuche festzulegende Stellung de r
durch die Augenscheiben gcdachten Ebene erfor ~
derlieh. Es müssen daher die Be fes t i gun g der
Augenfenster im Maskenstoff und der M a s k e Jl ~
s t 0 f F sclbst so gewählt werden, daß auch bei an ~
gestrengter Arbeit unter der Maske die als gün ~
stig gefundene Lage erhalten bloibt, d. h. der Mas.
kenkörper darf sich nicht verziehen und beim Ein ~
atmen nicht stark einf,all en.
Au s dieser reichhaltigen Zusammenstellung ist
zu ersehen, daß der Gasmaskenkonstrukteur al ~
lein für die Augenfenster eine große Zahl von An ~
forderungen zu erfüllen hat. Erschwerend ist hi e r ~
bei, daß vor allen Dingen in bezug auf die Ge.
samtheit aller bei einer Gasmaske zu berücksich~
tigenden Einzelheiten Forderungen auftreten , die
sich gegenseitig aufheben oder gar ausschließen.
Es wird daher kaum möglich sein, eine .. Idcal ~
maske" zu schaffen, die allen Wünschen entspricht,
sondern man wird sich - falls man eine Maske
schaffen will, die für einen großen Verbraucher.
kreis bestimmt sein soll - mit einer An näh e ~
run g sI ö s u n g abfinden müssen.
Hieraus erklärt es sich, daß sich insbe onder e
bei der Entwicklung der Augenfenster so manni .g ~
faltige Lösungen finden, von denen anschließend
einige besonders markante herausgegriffen seien.
Bild 4 zeigt d ie Innenseite einer weitverb r ei~
teten französischen Maske. Man erkennt den beu.
te!förmig ausgeb il deten D e f l ek tor, der mit
seinen Außenkanten am Maskenkörper angenüht
und mit seiner Un t er kante auf der Lufteintritts<
öffnung befestigt ist. Durch den Deflektor w ird
die Einatemluft über die A'u genscheiben gefüh rt,
wodurch das Beschlagen der Augenscheiben ver <

einer französischen Gasmaske.

Bild 6.
I~nenansicht.

~i1d 7. Italienische Gummilormmask~. Bei der rechten Augenglaslassung
SInd Krampenring, Augenscheibe, Klarscheibe und Sprengring aus der
Fassung gedrUckt.

hindert werden soll. Eine völlig oinw.andfreie Klar.
haltung wird durch diese Ausführung jedoch nicht
erreicht; das g ilt insb esonde re bei größe~en Tem'
peraturunterschieden zwischen der Luft mnerhalb
der Maske und der Außenluft. Vor allem wirkt es
störend, daß beim Aus a t m e n die Scheiben. be.
schlagen und dieser Beschlag sodann durch emen
neuen Ein a t e m luftstrom "weggeblasen" werden
muß.
Als Augen cheiben werden jetz~ . in Frankreich
allgemein Me h r s chi eh t eng la s e r verwen,
d~t, ,die fast .durchweg zusätzlich auf ei ner Seite
teils mit Gelatine teils mit Cellophan als B e.
Sc h 1 a g S c hut z ~ i t tel überzogen sind. Von
den bisher benutzten, in Metall gefaßten Cello;
Phanscheiben ist man anscheinend abgegangen, da
diese Scheiben durch Aufnahme von Feuchtig.
k~it weich und gegen Druck empfin.dlich wurden.
~e Scheiben werden, wie aus Bild 5 zu ersehen,
In je einen U.förmigen G um m i w u I st gesetzt
Durch den zentral wirkenden Druck des Wulste<;
Soli ein gasdichter itz der Scheibe erz ielt .. w.er.
den. Der aus Leichtmetall ~efer tigte, nachtraghc~
aufgesetzte K r a m p e n r i n g sichert die Schel.
ben ,g egen Herausfallen und bietet bei gcalte r~e~l
Gummi eine gewisse Gewähr für einen ~as~ ~cn .
ten Sitz da er den Druck des Gummis ve rstarkt
oder er~etzt. Die Gummiwülste werden einzeln
als Formteile geheiz t und auf den au~. imprägn~~r.
t(~ Gewebe hergestellten Maskenkorper gen.aht
B~ld .6). Da, abgesehen von de~l Krampennng,
bel dieser Fensterausführung k ein Met all VOr allen Dingen kein Metall, das in das Mask en,

innere hineinragt - verwendet wird, ist bei Bedie.
nung von Geräten eine weiche, angenehme An.
lage des Augenfensters an den Augen und der
Nase zu erwarten.
Bei der italienischen Gummiformmaske (Bilder
7 und 8) werden die Augenscheiben ebenfalls in
G um m i w ü Ist engehalten. Maskenkörper und
Augenwülste sind aus einem Stück geformt. Es
fällt daher das nachträgliche Einnähen und Ab.
dichten der Augenfassungen weg. Auch hier hat
man nicht auf die "Sicherung" der Fenster durch
den Kr a m p e n r i n g verzichtet. Auf Bild 8 sind
Krampenring und Gummiwulst - dieser ohne
Ring und Scheibe - gut zu erkennen. Bei der ita.
!ienischen Gasmaske werden K 1 ars ehe i ben
verwendet. Die Klarscheiben werden durch einen
aus Runddraht geformten S p ren g r i n g gehal.
ten. Auf eine besondere Mctallfassung ist verzieh.
tet. Der Sprengring li egt unmittelbar an dem zylin.
drisch geformten Gummi. Innenrand. Um di e
warme und feuchte Ausatemluft möglichst von
den Augenscheiben fernzuhalten, hat der Kon .
strukteur unterhalb der Augenfenster eine Z w i •
sc h end ich tun gaus Schwammgummi vorge.
ehen, so daß die Ausatemluft auf kürzestem Wege
über das Ausatemventil ins Freie geleitet wird
(am rechten Auge auf Bild 8 zu erkennen). An .
gaben über die Bewährung dieser Zwischendich.
tung fe'hlen. Bei an anderer Stelle mit Schwamm.
~ u m mi an Masken durchgeführten Versuchen
haben sich keine guten Ergebnis e gezeigt. Der
Schwammgummi wird durch den Einfluß der Al.
terung schnell hart, er zerkrümelt. Außerdem zer.
stören beim Gebrauch Schweiß und Fettabson .
derungen Idcr Haut ebenfalls die feinen Poren des
chwammgummis in kurzer Frist. Auch die Ver,
suche mit "M 0 0 s g u m m i", einer Art chwamm .
gummi ohne offene Poren, dCr von einer glatten.
dünnen Schutzhaut umgeben ist, haben noch nicht
befriedigt.
Die tschechisch e Maske (Bilder 9 und 10) ist
ebenfalls eine Gummiformmaske, rue allerdings
auf der Außenseite mit Trikotgewebe üb erzogen
ist. In den auffallend dickwandigen Maskenkörper
sind kräftige Lei e h t m et a 11 r i n g e e in g c,
roll t, in denen die Augenscheiben aus Me h r •
s chi c h t e n ,g las ruhen. Durch das Einrollen
w,ird eine sichere, gasdichte Verbindung zwischen
Maskenkörper und Augenscheibe erreicht. Zum
Aus w e c h sei n der Au gen s ehe i ben muß
allerdings die Fassung zerstört werden, was im
allgemeinen nicht ohne Beschädigung des Mas'

Bild 8. Augenlenster der italienischen Gummilormmaske.

79

Bild 9.
AußenBn.icht.

Tschechische Gasmaske.

Bild 10.
Innenansicht.

kenkörpers abzugehen pflegt. Dagegen können
z. B. bei der vorstehend beschriebenen italieni.
sehen Maske beim Auswechseln der in Gummi.
wülsten lagernden und durch Krampenringe ge.
haltenen Scheiben ,die Krampenringe nach Aufibie.
gen der weichen, etwa 0,5 mm starken Krampen
leicht entfernt und d~e Scheiben ohne Schlllden für
den Maskenkörper ·ausgewechselt werden. Bei der
tschechischen Maske soll das Beschlagen durch
Ein r e i ben der Scheibe mit ein e m
"S c hut z s t i f tU verhindert werden. Störend sind
die scharfkantigen, nach innen stark ·durchragen.
den Fassungen.
Bei der englischen Gasmaske (Bilder 11 und 12)
sind in einem ebenfalls sehr kräftig ·g ehaltenen
Maskenkörper die Augenfenster ein g e b u n •
den. Die Augenscheiben liegen in weit vorstehen.
den A u gen w ü Ist e n. Der Abstand des Auges
vom Augenfenster wird hierdurch zu groß, so daß
die Sicht eingeengt und dllJS Bedienen optischer
Geräte erschwert werden. Interessant ist die zur
Klarhaltung der Augenscheibe vorgesehene Luft.
führung. Unmittelbar vom Anschlußstück aus.
gehend, läuft i n n e rh alb ·d e r M a s k e n k ö r •

per w a n dei n L u f t k a n a I, der zwischen den
Augenfenstern mündet und fächerförm~g nach
rechts und links die Luft über die Augenscheiben
führt (siehe Bild 12, Austrittsöffnung unterhalb
der Zahl 34). Wenn hierdurch auch eine ausrei.
chende Klarhaltung erzielt wird, so ist jedoch zu
beachten, Id aß bei empfindlichen Augen der dau.
emd über ·die Augen streichende Luftzug zu
Augenentzündungen führen kann, was häufiger
der Fall ist, als allgemein angenommen wird.
Vergleicht man zum Schluß die Augenfenster.
konstruktion der deutschen S.Maske und der
Volksmaske mit den vorstehend geschilderten
Ausführungen, so läßt sich unschwer erkennen,
d~ß in der deutschen Augenfensterausführung ein
gerütteltes Maß von Arbeit 'l1II1d Entwicklung
steckt. Am Apertometer (Blickfelclmeßgerät) gec.
messen, haben beide Masken bei Vergleichsmes.
sungen mit anderen deutschen und ausländischen
Masken ein wesentlich besseres Ge sie h t s f eid
ergeben als die Vergleichsmasken. Da bei bei.
den Masken K I ars ehe i ben verwendet wer.
den, ist auch eine gute K1arhaltung gewähr.
leistet; 'd enn es ist nach den vorliegenden Er.

Bild 11. Augenfenster einer en;!lischen Gasmaske.
(Die neue tschechische Maske entspricht dieser Maske.)

Bild 12. Innenansicht einer englischen Gasmaske.

80

f~hrungen einfacher und sicherer, Klarscheiben
eInzusetzen als mit irgcndwelchen Salben die
Scheiben einzuschmieren oder eine umständlichc
Luftführung vorzusehen, die keine vollbefriedi.
ge~de Klarhaltung ergibt und außerd~m bei einem
Tel! der Maskenträger die Augen bclästigt.
. Bei der Volksmaske, die in der Hauptsache für
d~e passive Bcvölkerung vorgesehcn ist und deren
Au gen s c h e i ben daher kaum durch Zer.
kratzen oder sonstige Beanspruchungen unbrauch ,
bar werden, wurde mit Rücksicht a uf sich ere
Handhabung und niedrigen Preis auf eine leichte
Auswechselbarkcit verzichtet. Es können bei dic.
Ser Maske also nicht durch unangebrachten Wis,
sensdrang ader UngeschickLichkeit die Augen.
s~heiben entfernt und dann falsch eingesetzt oder
ein Dichtring vergessen werden. Die Augenfen.
er sind flach , leicht und ragen kaum in das
nnere, sind daher angenehm beim Tragen .
Mit Rücksicht auf die zu erwartendc größere
Beanspruchung der S. Maske sind bci ld iescr Maske
aus w e c h s cl bar c Au gen s c h ei ben vor ,
gesehen. Allerdings ist auch hier dafür gesorgt.
daß nicht jeder Maskenträger an den Augenfcn.
stern herumschrauben kann.
ur mit einem be.
sonderen Schlüssel läßt sich der Au gen r i n 9~erausschrauben. Da bei ,den Augenfenstern dcr
I ·Maske neben der Augenscheibe noch ein Ein ,
e ger i n g - auf dem dcr Augenring gleitet und ein 0 i e h tri n g verwendet werden, ist die'lc
V.orsicht erforderlich. G run d r i n g und S t 0 f f •
r 1 n g sind fest mit dem Maskenkörper verbunden .
Der Stoffring trügt das Gewinde für den Augen.

ring und gibt dem Fcnster die äußere Umrandung.
DeI: Grundring ,dient als Gegenlage für die Augen.
scheibe und trägt den S p ren g r i n g , der die
Klarscheibe auf di~ Augenscheibe preßt. Die Au.
genfenster sind möglichst nahe zusammengerückt;
das Auge liegt dicht an der Augenscheibe, so daß
- wie bereits erwähnt - gute ichtverhältnisse
erreicht werden. Die Augenscheiben aus Cellon
sind unentflammbar und ausreichend scheuerfest.
Entstehen bei längerem Gebrauch, vor allen Din;
gen bei häufiger Benutzung von optischen Instru.
menten , deren Okulare an die Scheiben gepreßt
werden müssen , störende Kratzer, so können di e
Scheiben leicht ausgewechselt werden.
Wenn auch im vorsteh enden nur die interessan.
testen der mannigfaltigen Augcnfensterkonstruk.
tionen gezeigt werden konnten, so rist doch ZIl er,
sehen, welch großer Wert auf die gute Sicht unter
der Maske gelegt wird. Zu den bereits in G e.
brauch befindlichen Konstruktionen komm en
dann noch die reichhaltigen Vorschlä ge in Paten.
ten und Gebrauchsmustern, die sich teils auf die
Konstruktion, teils auf die Ausführu!1g aus ver,
schiedenartigen Werkstoffen beziehen. Da jedoch
die an die Augenfenster zu stellenden Forderun,
gen hinsichtlich Festigkeit, Lagerfähigkeit, Ent,
giftbarkeit, ,g eringer Bauhöhe, geringen Gewichts
und nicht zuletzt auch geringen Preises sehr hoch
sind, wird es nur schwer zu einer grundlegenden
; . nderung der Augenfenster kommen. Sorgfältige
Kleinarbeit, schrittweise Anderung und Erprobung
werden daher auch weiterhin die Formgebung d er
Augenfenster bestimmen.

Belgien

Italien

. Der Minister für die nationale Verteidigung hat
eInen Plan ausgearbeitet, der die Aufstellung eines beSonderen F I i e ger - A b weh r kor p s vorsieht, dem
d~r a.ktive Luftschutz der großen Städte und lebenswlchttgen Industriezentren übertragen werden so ll. Es
soll unabhängig von den übrigen Truppen sein, jedoch
auf das engste mit dem z i v i I e n L u f t s c hut z
z ~ Sam m e n a r bei te n und Flakabteilungen, Jagdfheger-Formationen und mit ungenannten Spezia lwaffen
ausgerüstete Sonderformationen umfassen. Dem KomOlGandeur des belgischen zivilen Luftschutzes - zur Zeit
eneralleutnant Te r mon i a - wird dem Plan entSprechend besondere Befehlsgewalt verli ehen , um di ese
~nge Zusammenarbeit sicherzustell en, jedoch bleibt er
I em Innenminister unterstellt, während das aufzusteldende Flieger-Abwehrkorps zum Zuständigkeitsbereich
~s Ministers für die na tiona le Verteidigung gehö ren

Der Armee-Erzbischof Monsignore Bar t 0 10m a s i
hat in zwei Rundschreiben an die italienischen Bischöfe
und an die Feldgeistlich en der Wehrmacht bzw. der
faschistischen Wehrverbände auf die Be d eu tun g
des Lu f t s c hut z e s hin gewiesen und der Erwartung
Ausdruck gegeben, daß der italienische Klerus sich
rückhaltlos für den Luftschutzgedanken einsetzen
werde. Insbesondere den Feldgeistlichen sei die Möglichkeit gegeben, in Kasernen und Schul en immer wicder
auf Aufgaben und Totwendigkeit des Luftschutzes hinzuweisen, wobei sie jedoch stets in übereinstimmung
mit den örtlichen Leitungen der U. N . P. A. vorgehen
müßten.

r

WIrd.

B ~~ueren Meldungen z ufol gc sind nunmehr auch in
Ve gl~n die Vorbereitungen zur Schaffung und zum
ertfleb einer V 0 I k s gas m a s k e') zum Abschluß
~el~ngt. Beschreibungen des Gerätes fehlen noch, als
reIS werden 41,50 Belga (= 17,50 RM .) genannt.

Dänemark
L;01 9. Januar feierte der Vorsitzende de.s Dänisch~n
s . tschutzverbandes, Professor . P. L. So r e 11 s e n-),
nemen 70. Geburtstag. Am 1. April d. J. scheidet er
t ~lmehr aus seinem Amte als Leiter der chemischen Abung des Carlsberg-Laboratoriums, jedoch steht zu erL aren, daß er seine Tätigkeit im Di enste des dänischen
tI tschtltzes auch weiterhin ausüben wird.

\:1

Nieder län dis ch=Indien
Die Stadtverwaltung von Bat a via beschloß für
1938 die Bereitstellung von ]50000 Gulden (= 200000
Reichsmark) für die Durchführung des zivilen Luftschutzes. - Das Zen t r al ins pe k tor a t des niederländisch-indischen Luftschutzes hat seinen Sitz in
Ban d 0 eng; es steht unter Leitung von Ing. A. H.
Gas t er und ist dem Departement für di e Landesverteidigung unterstellt.

Schweden
Der nunmehr teilweise fertiggestellten Gas m a s k e n fa b r i k in Brastad 3 ) wurde bereits der erste staat1) Vgl. "Ga sschutz und Luftschutz " , 7. Jg . (1937)

S. 74.
' ) Vgl. "Gasschut z und LuItschutz', 7. Jg. (1937): S. 303.

3) Vgl. " Gasschulz und Lufl, chutz·, 7. Jg. (1937), S . 305.

81

liehe Auftrag über 276000 Gasmasken er teilt, die für
die Ausrüstung des aktiven Luftschutzpersonals bestimmt sind. Entsprechend der vorläufig vorgesehenen
Tagesleistung des Werkes von 400 Stück soll die
Lieferung in monatlichen Raten von je 10 000 Stück
erfolgen. Darüber h inaus findet sei t dem 8. März ein
freihändiger Verkauf des gleichen Gerätes zum Preise
von 22 Kronen (rund 14 RM.) je tück statt. Filtereinsätze schwedischer Fertigung so ll en in Kürze ebenfall s
in den Handel kommen.

Sowjetrußland
ach einer Moskauer Meldung des "Daily Expreß",
die übrigens von schwedischen Quellen bestätigt wurde,
tagte am 16. Januar im Kreml unter persönlichem Vorsitz Stalins der Verteidigungsrat. In mehr als dreieinhalbstündiger Sitzung wurden u. a. folgende Beschlüsse zur Verstärkung der Kriegsbereitschaft der
Sowjetunion gefaßt:
Für die B e v ö I k e run g der G ren z g e b i e te
sollen zunächst weitere 25 Millionen Gas m a 5 k e D
zur Verfügung gestellt werden . In diesen Gebieten wird
der L u f t s c hut z allgemein in höchstem A usmaße
verstärk t ; insbesondere sollen in allen Städt en gewa ltige Schutzraumanlagen entstehen, die je An lage ei n
Fassungsvermögen von 1000 Personen aufweisen.
Die L u f t w a f f e wird durch Einstellung von 500
neuen Beobachtungsflugzeugen, die auch als leichte
Bomber Verwendung ftnden können, sowie von 500
schweren Kampfflugzeugen und durch Zurückziehun g
aller den höchsten Ansprüchen nicht mehr genügenden
älteren Flu gzeuge a us der Front ebenfalls wesen tlich
verstärkt.
Bei Manövern soll zukünftig im Rahmen der Erfordernisse der Manöveranlage auch die Z i v i I b e v ö 1k e run g der Man ö ver g e bi e te zu Dienstleistun gen herangezogen werden.
]n die durch die gena nnten Beschlüsse aufgewiesene
Richtung einer abermaligen Verstärkung der sowjetrussischen Aufrüs tungsmaßnahmen zielt auch eine Rede
Molo t 0 w s im Bundessowjet, in der er ei nen wei teren
A u s b a u d er Rot e n F lot t e ankündigte. Das Baltische Geschwader, die chwarze-Meer-Flotte und die
Ostasien-Flotte würden ganz erhebliche Verstärkungen
erfahren - das sind also gerade die an den Hauptausgangspunkten der bolschewistischen Expansion stehenden sowjetrussischen Flotteneinheiten.
Besonders aggressiven Charakter trägt eine Rede, die
Marschall Wo r 0 s chi I 0 w am 23. Februar in Moskau
anläßlic h des 20. Jahrestages der Gründung der Roten
Armee hi elt. Nach der ein lei tend en Erklärun g, daß di e
Rote Armee bereit sein muß, ihre Macht den "kapitalistischen Staaten" zu zeigen und als Streitmacht der
proletarischen Klasse aufzutreten, ging Woroschilow
auf di e Bedeutung der einzelnen Waffengattungen der
Roten A rmee ein . Er betonte in diesem Zusammen hange insbesondere den Wer t der ehe m i s e h e n
T r u p p e n , die nicht nur Verteidigungszwecken
dienten, sondern auc h zu An g r i f f s h an d I u n gen
vorbereitet und in der Lage wären. Jeder Tropfen
feindlichen Kampfstoffes, der di e Rote A rmee treffe,
werde mit einem Eimer voll beantwortet werden.

Tschechoslowakei
Ende vorigen Jahres ordnete der Erzbi schof von
Olmütz, Dr. Pr e t s c h an, an, daß sich sämtliche
kathoJ'ischen Gei s t I ich e n der Erzdiözese Olmütz
einer Aus b i I dun g im Lu f t s c hut z unterziehen
müssen. Die Geistlichen sollen im Ernstfall befähigt
sein, als aktive Helfer im zivilen Luftschutzdienst eingese tzt zu werden. Auch ist zu bemerken , daß der Erzbischof selbst das Protektorat über die Luftschutzschule
in Lutin übernommen hat. Abt Dr. Zavral begründete
diese Maßnahme in einer Rundfunkrede.
ach neueren Meldungen hat die Regierung einen
Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Aus r ü s tun g
cl: e rZ i v i I b e v ö I k e run g mit Gas m a s k e n 1)
zum Gegenstand hat. Der Geltungsbereich soll sich
jedoch vorerst nur auf Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern erstrecken, in denen sich grundsätzlich jeder

82

Einwohn er eine Gasmaske zum Preise \'on 150 Kc.
13,- RM.) anzusc haffen hat; für Minderbemittelte
stehen Staatsmittel zur U nterstützung zur Verfügung.
Welches Modell staatlicherseits als Volksmaske in Aussicht genommen ist, ist zur Zeit noch nicht gek lärt, jedoch ist zu bemerken, daß tschechische Erzeugnisse in
zunehmendem Maße auf den Auslandsmärkten vertrieben werden, wo sie zum Teil 0 z. B. in der
Schwe iz - sogar die vorgeschriebenen Vertr iebsgenehmigungen erhalten haben.
Bei verschi edenen militärischen übungen der letzten Zeit
gelangte ein neues N e bel a b b las ger ä t zum Einsatz, über das nähere Beschreibungen aber noch fehlen.
ebelkraftMögli cherweise handelt es sich um den
wagen, mit dem auch der zivile Luftschutz bereits auS'2
gerüstet ist ). Weiterhin wurden P fe r d e gas m a s k e n
bemerkt, die aus imprägniertem Gewebe bestehen und
den ganzen Kopf umschließen. ie sollen jedoch einen
so hohen Atemwiderstand aufweisen, daß schDellere
Gangar ten als Schritt bei angelegtem Gasschutz nicht
möglich sind.
(=

Spanien
In der ersten Hälfte des Februar fand im erzbischöflichen Schl osse in Se g 0 via der erste nationalspanische
Gas sc hut z - L ehr g a n g für die Z i v i I b e v ö 1k e run g statt. Dieser Kursus, dessen Vorbereitung in
den Händen der Falange lag und an dessen DurchfühGasfachJeute des
rung sich zahlreiche Offiziere spanischen Heeres - als Lehrer beteiligten, war als
Versuch gedacht. Da der Erfolg die Erwartungen der
Veranstalter voll erfü llte, soll en weitere Lehrgänge
auch in a nderen nationalspanischen Stä dten folgen .

Vereinigte Staaten von Amerika
Jahresbericht 1937 des Chemical Warfare Service.
Generalma jor Ba k er, der am 1. April 1937 an Stelle
des ausgeschiedenen Generals B r i g h arn zum Chef des
C he m i s ehe n Kr i e g s die n s te s ernannt worden
ist 3 ), fordert in seinem ersten Ja h res be r ich t über
die 1937 geleistete Arbeit eine Ver m e hr u n g des
Per s 0 n a l s seines Dienstzweiges, weil das vo rhandene zur Bearbeitung der zahlreichen A ufgaben, die der
Lösung harren, nicht mehr ausreiche. Trotzdem habe
der Chemische Kriegsdienst die Ver fa h ren der
Anwe ndun g
und
Abwe hr
c h em i scher
Kam p fm i t tel besonders im Z usa m m e n wir k e n mit der Kr i e g s m a r i n e planmäßig weiterentwickelt. A ls Ergebnis dieser Bemühungen könne er
feststellen, daß nunmehr di e erfol greich e A bwehr chemischer A ngriffe auf See bei guter Ausb ildun g verhältnismäßig leicht durchführbar erscheine. Die Hauptforderun gen für üb ungen im Kampf mit chemischen Mitteln
seien: reichliche Auss tattung mit übungsmitteln und
gründ liche Schulun g in ihrem Gebrauch.
Wachsendes Interesse am zivilen Luftschutz,
In den Vereinigten Staaten wu rde dem zivilen Gasschutz und Luftschutz bisher fast keine Beachtung geschenkt, was wohl in erster Linie darauf zurückzuführen
sei n dürfte, daß man sich infolge der geographischen
Lage in keiner \,yeise bedroht fühlte. N unmehr scheint
sich jedoch hierin ein Wandel anzukündigen, der nicht
zuletzt durch die Ergebnisse der Flotten- und Luftmanöver an der pazifischen Küste ver ursacht sein
dürfte.
So ist z. B. in der T agespresse die auffällige Erscheinung zu beobachten, daß sie in letzter Zeit mehrfach
über Lu f t s c hut z fra gen berichtete. In erster Linie
sind es di e Luftschutzvorkehrungen der eu ropäischen
Lä.nder, die hier eingehender Betrac htung gewürdigt
werden.
0 brachte die" ew York Times" in ihrer
Wochenbeilage, dem" ew York Times Magazine", vom
3. Oktober 1937 einen ersten derar ti gen Bericht des
Londoner Korrespondenten dieses Blattes, Hanson W.
BaI d w in, der unter dem Titel "Europe gets ready
to meet the menace from the ski es" den damals et t
im Aufhau befindlichen englischen Luftschutz zum
'l "gI. " Gasschut z und Luftschutz", 7. Jg. (1937), S. 76 u . 249.

2) Vgl. ,.Gas8chutz und Luftschutz", 7. Jg. (1937), S. 249.
3) Vgl. "Gassc hut z und Luftschut z", 7. Jg . (1937), S. 162 .

Hauptthema hat. Der mit zahlreichen Bildern ausgestattete Artikel bringt dem europäischen Fachmann
naturgemäß nichts
eues, wohl aber dürfte er der
breiten Masse der amerikanischen Zeitungsleser erstmalig einen wirkungsvollen Eindruck von den Problemen des zivilen Luftschutzes vermittelt haben.
Bereits am 10. Oktober erschien an der gleichen
r~e1Je .ein Beitrag des fachbearbeiters dieses Blattes
ur wIssenschaftliche Fragen, Waldcmar K a e m p f fe r t, in dcm er sich mit der Gas g e f a h rau s der
Lu f t auscinandersetzt. Unter Anführung der Urteile
:zahlreicher namhafter Sachverstä.ndiger der alten und
neuen Welt - er nennt u. a. Oberst Zanetti -USA.,
Oberstleutnant Prentiss-USA., Oberst Chamier-England,
~rof. ~aubcrt-Frankreich - kommt cr zu dem Ergebnis,
a~ dte Gasgefahr für die Zivilbevölkerung im allge!llemen weit überschätzt werde. Tatsächlich komme
Inr nur eine wesentlich geringere Bedeutung zu als
den durch die übrigen Angriffsmittel der Luftwaffe

yerursachten Gefahren, nämlich den Explosions- und
Brandschäden, wie dies auch durch die Kriegsorfahrungen in Spanien und im Fernen Osten bewiesen werde.
K.aempffort verkennt allerdings nicht die Möglichkeiten und Gefahren einer durch Kampfstoffeinsatz verursachten Panik, die auf Grund der jahrelangen ü berschätzung der Wirksamkeit der chemischen K.ampfmittel und ihrer propagandistischen Ausnutzung durch
interessierte Kreise durchaus im Bereich der Möglichkeit liege.
Abschließend befaßt er sich dann mit den in den
wichtigsterr europäischen Ländern getroffenen Maßnahmen für den Gasschutz der Zivilbevölkerung, wobei er
unter wiederholtem Hinweis auf die gründlichen deutschen Arbeiten und unter mehrfacher Bezugnahme auf
"Gasschutz und Luftschutz" eingehende Darstellungen
sowohl des Schutzraumbaues als auch des Problems
einer Ausstattung der gesamten Zivilbevölkerung mit
Gasmaskcn gibt.

___ _ _ _---'1 ,

Luftschutz-Preisaufgaben der Zeitler-Stiftung. Preisverteilung.
Da Kur a tor i u m der Z usa t z s t i f tun g z u
Z e i tl e r s S tu die n hau s - S ti f tun g beriet kürzlich über die Ver t eil u n g der für die drei im Jahre
1935 ausgeschriebenen Luftschutz - Preisaufgaben') bestimmten Preise.
Für die Lösung der 1. Luftschutz-Preisaufgabe, "Erforschung des internationalen Standes der Arbeiten
zum Schwerentflammbarmachen von Holz", erhielt den
ersten Preis Regierungsrat Dr. Ludwig Met z, Berlin,
den zweiten Preis Rechtsanwalt Kr aus s, Göppingen,
den dritten Preis Dr. Friedrich Moll, Berlin.
Für die Lösung der 2. Preisaufgabe, "Erforschung von
dauerhaften Dichtungsstoffen und Konstruktionen von
Dichtungsvorrichtungen für den gassicheren Abschluß
vo n Schutzräumen (Fenster und Türen)", erhielt den
ersten Preis Rudolf Die tel, Düsseldorf, den zweiten
Preis Hans Fis c her , Berlin, den dritten Preis Dr.
Max K 0 b ern e, Neustadt a. d. Haardt, den vierten
Preis Max V 0 lek m a r, Hamburg.
ber die dritte Preisaufgabe, "Erforschung von
Schutzmöglichkeiten für die Glasscheiben geschlossener
Fenster gegen die Einwirkung des Luftstoßes von
Sprengbomben", wurde noch keine Entscheidung gefällt.

'[

Verschiedenes

Verein Deutscher Chemiker.
Am . 23. Februar sprach im Rahmen einer wissen~fthchen Sitzung des Bezirksvereins Groß-Be~lin und
b rk des Vereins D eutscher Chemiker Oberrcglel1ungsurat Dr. M i eie n z vom Reichsluftfahrtministerium
U er .. D i e Be d e u tun g c h e m i sc her Kam p f stoffe für zukünftige Kriege". Der Vortra~ende verwies auf die zahlreichen Veröffentlichungen
111 der ausländischen Fachliteratur, die sich mit der
k?rau:ssichtlichen Rolle der chemischen Kampfstoffe in
unftlgen Kriegen befassen. Insbesondere legte er dar.
welchem Typus nach ausländischer
nsicht etwaige
neue Kampfstoffe angehören müßten. um mit Aussicht
~uf Erfolg eingesetzt werden zu können 1 ). D er Vorrage.n de kam zu dem Ergebnis, daß große überraschun~c:-n In dieser Hinsicht nicht zu erwarten stehen und
I.~ Vorhandenen Schutzmittel 'somit unter allen Umstanden den auch künftig an sie zu stellenden Anforderungen gerecht werden dürften. Im übrigen sei es eine
wesentliche Aufgabe des Chemikers, im Gasschutz mitzuarbeiten und dadurch die Wirksamkeit 3ller im Rahmen ~~r Landesverteidigung getroffenen Maßnahmen
Zu erhohen.

"b

Handbuch der neuzeitlichen Wehrwissenschaften. Her-

~.~gegeben im Auftrage der Deutschen

Gesellsc~ft

Ur Wehrpolitik und Wehrwissenschaften unter MItarbeit zahlreicher namhafter achverständiJ!er von HerBann Fra n c k e, Ge.ner,a lmajor a. D. Bd. II: Das
Tee r. XII, 804 S. mit 14 farbigen und schwarzen
Vafeln und 270 Abbildungen bzw. Skizzen im Text.
L ~rla~ von Walter de Gruyter &
0., Be r I i n und
sklpZlg 1937. Preis in Ganzleinen 36 RM., bei Subrtption auf das ganze Werk 32 RM.
Sa In der .Be prechung des ersten Bandes dieses ~erkes3)
a ~.ten WIr u. a.: "Daß sich bei der Anlage emes derr Jg umfassenden Lexikons gewisse Wiederholungen
~n . Überschneidungen neben einigen Lücken nicht verdelden la sen, ist angesichts der erforderlichen Vielzahl
/ r Mitarbeiter erklärlich."
unmehr dürfen wir nach
dlOgehender Durchsicht des zweiten Bandes mit besonderer Freude feststellen, daß es dem Herausgeber knseres Wissens die gesamte Schriftleitung dieses
a r t~r es allein erledigt - gelungen ist, die Zahl derd Iger überschneidungen zugunsten noch eingehenefrer Darstellung der wichtigsten Gebiete wes~ntlich
B ~~schränken. Auch sonst fand manche Anregung
ere~uckSichtigung, die sich nach dem Erscheinen des
s en Bandes ergab. Das über diesen abgegebene Ur-

V:/

teil, daß das Werk bestimmenden Einfluß auf die gesamte deutsche Wehrpublizistik auszuüben berufen sei,
gilt al 0 in besonderem Maße auch für den nunmehr
vorliegenden zweiten Band.
ü ber die unsere Leser interessierenden Sondergebiete
ist folgendes zu sagen: Die Abschnitte "Chemischer
Krieg" und "Künstlicher Nebel" sind von Generalmajor
von Te m p e I hof f bearbeitet und bringen auf 5~
bzw. 3 Seiten und unter Hinweis auf die bedeutendsten
Veröffentlichungen des In- und Auslandes auf diesem
Gebiete in Kürze alles Wesentliche, was zur sachlichen
Beurteilung dieser Kampfmittel in militärischer Beziehung unumgänglich notwendig ist. Darüber hinaus findet man noch einiges unter "Gasschutz der Heerestiere" (Bearbeiter: 0 t t), Kraftfahrkampftruppen (Bearbeiter: G u der i a n) und Pioniere (Bearbeiter: D i t tm a r) owie etliche Hinweise an anderen Stellen, z. B.
unter Ypern, wo auf den ersten großen Blasangriff Bezug genommen ist. Bei der Schilderung der Kämpfe
um den Kemmelberg fehlt leider ein Hinweis auf den
J) Vgl. auch Ha c k man n, In welcher Richtung geht die Suebe
nach neueIl chemischen Kampfstoffen? Relerat in "Gasschutz \lnd Luftschutz", 5. J~. (1935), S. 79.
2) Vgl. "Gasschutz und Luftschutz', 5. Jg. (1935), S . ISO.
") Vgl. "Gasschut z und Luftschutz'. 6. Jg . (1936), S. 138.

83

krieges, und ihre Einsc hä tzun g bei hervort'rugenden Offi gerade hi er besonders umfangreichen und a uch erfo lgzieren des Auslandes. Ansc hli eßend erfä hrt der Leser
reichen Ei nsatz der Gaswaffe.
das Wichügste über die chem ischen Kamphtoffe selbst,
Wenn man freilich feststellt, daß z. B. der Abschnitt
ihre Wirkung, ·d ie äußeren Ein flü sse auf die Dauer ihrer
"Fahrlehre" 5 Seiten und der Abschnitt "Uniform en"
Wirksamkeit und die durch ihre Eigenschaften gegebe26 Sei ten (davo n 6 Tafeln) umfassen , drän gt sich dem
nen tak tischen Fo rd erungen. Es folgt eine Beschreibung
sachlichen Beurteiler die Frage auf, ob die chem ische
der Einsatzverfahren und der hierzu verwendeten GeWaffe mit nur rund 1 v. H . des Gesamtumfanges nicht
rä t e und Waffen, die mit einer Kritik der verschiedenen
doch etwas zu kurz gekommen ist, zuma l wenn man
Einsatzverfa hren .a bsc hli eßt. Nach Vermit tlun g der
bedenkt, welch e Bedeutung diesem Kampfmittel nicht
Kenntnis der Organisation des Gasdienstes und der Gasnur in der a usländischen Fachliteratur, so nd ern auc h
ausrüstung fremdstaatlicher Heere zeigt Verf. die Verin den Dienstvorschriften der fremden Hee re eingewendun g der c hem ischen Kampfmittel durch die höheräumt wird; es sei in diesem Zusammenh ange nur a uf
ren Führer in versc hi edenen Gefechtsla.gen.
den letzten Jahrgang (1937) der Zeitschrift "Gasschut z
Der HauptaJbschnitt des Buches ist der Gas a b und Luftschutz" verwiesen, der diese Feststellung in
weh r gewidmet. An di e E r örteru ng verschiedener Or ·
mehreren diesbezüglichen Veröffentlichungen eindr ucksganisat ionsfragen schli eß t sich die Behandlung d er Gasvoll unterstreicht. Es kommt hinzu, daß die Bearbe itun g
schutztechnik. Hier finden der Einze lschutz (Gasmaske,
der einzeln en Teilgebiete dieses Werkes in dem BeKörperschutz, Schutz der Tiere) und der S3mmelsc hut z
streben, nur Höchstwertiges zu veröffentli ch en, den
(Kampfw.agen, g.a ss ichere Schutzräume. Schut z der
berufens t en Fach leuten übertragen wurde, die sich a ls
\ Vaffen und Ge rät e, der Nahrun gs- wld Genußm ittel,
Spezialisten dieser Aufgaben denn auch h ervorragend
Gasa larm) Berücksichtigung. Eine Darstellung des Gasentledigt haben - mitunter a ll erd in gs leider nur a ls
er k ennun gsdienstes leitet über zu den Verfahren des
Spezialisten, die auf Beziehungen zu anderen Waffen
Entgasens und Entgiftens im Geländ e und in Gebä ud en,
nicht in dem Maße verwe isen, wie dies im Hinblick
auf die Mögli chkeiten künftiger Kl'iegführung wün - , der Waffen und Geräte, der Mensc hen und der Lebensschenswert und notwendig wäre. Und hierin li egt und Futtermittel. Kurze Absc hn itte ge.ben einen Ein blick in die erste Hilfe und den Rettungsdienst. Sehr
wenn man anges ichts eines so lch en Grem iums he rvorragender Mitarbeiter diesen A usdruck gebrauchen darf
einge hend werden die gru ndsä tzlichen Bestimmungen
eine gewisse Schwäche einzeln er Abschnitte: daß
für die Durchführung der Gasabwehr beim Felddienst
nämlich die Bearbeiter unter a ll zu starker Besc hrän und im Gefec ht der verhundenen Waffen abge handelt.
kung auf ihr Spezialgeb iet nicht in dem vorn StandIhre Anwendun g in den versc hieden en Lagen - a uf
punkte des Lesers berechtigten A usmaße auf Zusa mdem Marsc h und in der Ruhe, im Angriff und in d er
menhänge verwiesen haben, die nun ein ma l da sind.
Verteidigung, b ei der Verfol.gung und a·uf dem Rückzuge sowie schli eßlich hinter der F ront, ist zum e rstcnSo enthält der im übrigen ga nz vorzüg lich e Abschnitt
mal in der deutschsprachigen Literatur in kurzer, sehr
"Taktik" (Bearbeiter : von Ta y sen) bezüglich der
Gaswaffe lediglich folgende Sätze: "Große Hoffnun ge n
klarer Form zusam menges tellt. Weitere Abschnitt e bcwurden (im Weltkriege) auf das Kam p f gas gesetzt.
handeln die Gasscb u tzausbildung, den Gasschutz der
Zivilbevölkerwlg und den EinFluß der c hem isch en Waffe
Es erwies sich aber bald, daß das Abb lasve rFah ren bei
auf die Seekriegfüh rung. Das Buch schli eßt mit einem
Aufmerksamkeit und genügenden Schutzvorri chtun gen
des Verteidigers wenig Erfolgsaussichten bot. Dagegen
Hinweis auf im Aus lande veröffent lichte Stimm en zur
vermochten die Gasgranaten die feindlichen Ba tterieEn twicklu ngsarbeit an neuen Kampfs toffen und neuen
nester für Stund en zu dämpfen und Feindliches Ge lände
EinsatzverFahren.
durch Verseuchung 1 ) ung,angbar w machen." Hier hätt e
Die Arbeit des Verf. kann, w ie der Ü berblick zeigt,
u. E. doch wo hl gesagt werden müssen, daß sich bereits
als der Grundriß ei ner Gas ta k t i k bezeichnet werim Weltkriege die Grundsätze einer Gastaktik herausden. Aufbauend auf den E lemcnten d er Gilswaffe werden
zuschälen begannen, die in der Nachkriegszeit von un ihr Einsatz und ihre Abwehr durch die verschiedenen
seren damaligen Gegnern vervollständigt und übungsWaffen in den versch ied ensten Gefec htslagen beschriemäßig wiede rh olt erprobt wurden. Gerade für d en E in ben. Die AusFührun gen werden unterst ri chen durch
satz der chemischen Kampfmittel im Rahmen der Takzahlreiche wört li c he Zitate aus der fremdsprachlichen
tik der verb und enen Waffen sind die aus ländi schen
Fachlitel'latur, durch sorgfältig ausgewählte Bilder und
Dienstvorschriften, insbesondere die sowjetrussischen,
durch ein wertvoll es Literaturverzeichnis, das dem Wei wahre Fundgrub en.
terstrebenden e in ein ge h endes Stu dium ermög li cht. Dies
Di ese Bemerkung e rschi en notwendig, um der chemi Buch ge hört in die Hand j edes So l da te n , der sich
schen Waffe auc h im deutschen Wehrschrifttum den
auf die neuzeitliche Krieg'Führung vorbereiten will. Trotz
Platz zu sichern, der ihr a uf G rund der a usländ isch en
all er internationalen Vel'lbote und Abmac hun gen wird
Erfahrungen unzweifelhaft zukommt, und es sei, um
die Gaswaffe nic ht mehr vorn Schl·a chtfelde verschwin Irrtüm er a usz uschli eßen, von vorn here in betont, daß
den; mit di ese r Tatsache muß der So ldat von heut e
damit das Urteil über das Gesamtwerk wie über die
rechn·e n. Grund ve rk e hrt, ja b edenkl ich wäre es, wollte
einzelnen Abschnitte in keiner Weise abgeschwächt
man sie n ic ht erkennen, sie v iell eic ht gar ableugnen
werden sollte. Der ers te Band hat sich üb er di e en o de r ihr a ls unbequem aus d em Wege .g ehen. Aber auch
geren Fachkreise hin a us als un entbe hrliches und zuverder W iss e n s c h a f t I e r wird das Huch gern zur
lässiges Nach schla gewerk erw iesen und von dem vorH a nd n ehmen . Wird ihm doch hier gezeigt, wie der
liegenden zweiten Bande kann ma n das gleiche vorSo ld a t üb er die Gaswaffe d en kt, was er von ihr e raussagen. Der besondere Wert dieses Werkes aber li egt
wa rtet und verl.a,ngt, wie also der Gasscll'lltz weiterzu in seiner Ei nmali gkeit; ihm ist nichts an di e Sei te zu
e ntwickeln is t, um in ein e m e twai gen W+affengang un stellen, was ihm ähnlich ist o der es gar annähernd
li ebsame Folgen auszuschließen. Darüber hinaus sollte
erreichen würde.
31.
das Buch von je dem D e u t s ehe n , der a n Wehrfragen interessiert ist, gelese n werden. Es bietet ein en
Gaswaffe und Gasabwehr. Von Gen e ra lm ajor Fr.
sachlich en und leichtv ers t ä ndlichen Querschnitt durch
von Te m pe 1 h of f. 220 S. 43 Abb. 1 Tabelle. Verdie modernste Waffe und wird d a mit zu ein er richtigen
lag E. S. Mittler & Sohn, Be r li n 1937. Preis brosch.
E insch ä tzung .der Gaswaffe beitr.agen.
21.
4,- RM.
Die begrüßenswerte Neuerscheinung z·um Problem
Death from the Skies. (Tod und Vernichtung dr oh en
.der chemischen Kriegführung ist für die Hand des Sol a us der Luft.) Von Heinz Li e pm a n n, unter Mit.daten bes timmt, d er sich mit Hilfe e in es leic htver ständarbei t von Dr. H . C. R.. S ,i mon s ,London . 286 Seiten.
lichen Buch es einen ü b erblick über die chemische Waffe
M. Secker und Warburg, L 0 nd 0 n 1937.
und ihren Einfluß !lJUf die moderne Kriegführung verSchon die ersten Sei ten dieses Buches, das dm U nterschaffen will . Darüb er hinaus bi e tet sie ei nen Quertitel als ei n e "Studie über d en ch em isch en und b akschnitt durch die Ansichten führender ausländi sch er
t eriolog is·c hen Krieg" bezeichnet wird, lassen eindeutig
Fachleute über die V erwen dun g d er Gaswaffe im Rah die wahren A bsicht·en d es VerFassers erkennen. Durch
men der Ope rationen d er verbundenen Waffen und üb er
den Hinweis: "Aus d em D eutsch en üb erse tzt von .. ."
die Möglichkeiten der Gasa.bwehr im Gefecht.
soll off enba r d e r Ei ndruck erweckt werden, ,a ls sei der
Einleitend gib t Verf. ei n en Abriß über die En twick1) Es muß übri~ e"s ri c hti~ "Vergiftung" heißen . da " Vers euch un g"
lun g d er Gas w a f f e, nam entlich während des Weltein bakteriolo gisch e r Begri ff ist.

84

englischen Ausgabe eine Veröffentlichun~ in Deutschland vorausgegangen. Hierzu kann mit Genugtuung
!estgestellt werd,en, daß dies nicht der Fall ist; zudem
Ist der Verfasser ein emig,rierter Jude.
In den folgenden Kapiteln wird nun keinesFalls versucht, ein wirkl'ichkeitsgetreues Bild von der möglichen
A ~wirkung neuzcitlicher Waffen in einem Zukunftsk nege zu entwerfen. Viclmehr ist der Vcrfasser m
Verdrehung der oeschichtlichen Tatsachen bestrebt, den
d.e utschen Waffe~1erfolg bei Ypernam 22. 4. 1915 als
el~e .Auswirkung von gehcimen und daher völk~rrcchts­
WldNgen Vorbereitungen für den Gaskampf hmzustel~
l~. Deutschland habe sich , so wird behauptct. bel
dieser Gelegenheit des erstmaligen Gd.rauchs dieses
.. unmenschlichstcn" aller Kriegsmittel schuldig gemacht
und sci auch für die weitere Entwick lung, die die chemische WaFfe auf beiden Seiten während des Kriegs,:erlaufs genommen hat, einzig und allein verantworthch zu machcn . (Daß aber bekanntlich das französische
H~c~ schon im August 1914 30000 Gasgcwchrgranaten
mit Il1S Feld genommcn und auch verschossen hat, wird
geflissentlich verschwiegen.) Auch für die Aufr.üstu~g
aller Staatcn in der Nachkriegszeit und fur die
Ausdehnung ihrer kriegschemischen Industrien wird
Deu~schland die alleinige Schuld zugeschoben; es soll
~a~lt zum Unruhestifter gestempelt werden, dcr .dle
ubnge Kulturwelt nicht ZUT Befriedung kammen laßt.
Während der Verfasser in seinen weiteren Ausführungen jede Gelegenheit ben utzt, sich in maßlo en
SChmähungen und Verdächtigungen gegen Führer und
~olk des neuen DeutschLands zu crgc hen. versteigt
s~ch seine üppig wuchernde Phantasie schließli~.h zu
~ll1er Verherrlichung Sowjetrußlands. Mit der lacherhchen Behauptung, daß Deutschland als neiderfülIter
achbar sich diescm in Glück und \Voh lstand lebend~n Lande gegen über mit Angriffsa~sichten trage,
d~rfte der eigentliche Zweck. und dam~t der Unwert
dieser Hctz- und Schmähschrift klar erwiesen sem. Auf
Weitere Einzelh eiten des Buches, insbesondere auf die
fortgesetzt.cn Verlcumdungen und schließlich auf ~ie
Ve!'dächtigung Deutschlands, daß es auch den ?akter~o­
logischen Krieg vorbcreite, lohnt sich daher nicht cmzugehen.
Das Buch, dem nur ein sehr dürftiges und lückenhaFte~ Qucllenverzeichnis angehängt ist, sei daher als
das Erzeugnis einer gegen a ll es Deutschc haßerfullten
Hetz- und Lügenpresse des Auslandes gebu hrend gebrandmarkt.
45.
Wehrchemie
a ls
Dez i mal k La s s i f i kat ion
der Fe u e r -, Ex pI 0 s ion s -, Ne bel -, Rau c h -,
G i f t kam p f m 0 m e n t e.
Von Dr. L a n g ha n s.
475 S. Verlag "Offene Worte", Be r I i n 1937. Preis
Ganzleinen 35 - RM.
Im Sinne e~er bereits besprochenen Broschüre "Explosionsmomente" und eines der chemischen Waffe ge\~idmeten Bändchens!) hat Verf. n1U1mehr ein beide Gebiete umfassendes Gesamtwerk herausgebracht. Er ordnet in diesem die Momente in den strengen Rahmen
der Dezimalklassifikation ein, ein Verfahren, das dem
SprÖden Stoff oft einen Zwang aufcrlcgt, dem dieser
Sich nicht ohne Bruch fügt.
.
In den Mittelpunkt stellt Vcrf. den Bcgnff "Verbre!1 ~
nung" und nimmt den Komplcx aller um diesen Begnff
gruppierten Reaktionen als Wchrchemie" ~lt1S dem
~roßen Gebiet der Wehrtech~ik hcraus. D . E. sollte
JedOch die Wehrchemic als cin Zweig dcr WchrwissenSchaften etwas weiter aufgefa~t werden; sie sollte all c
S toffe, Verfahren und ReaktIOnen, dlc elle LandesverteIdigung benötigt, nicht nur chemisch, sondern auch
techilologisch behandeln. Hinsichtlich der StoffaufteI-

lung kann dem Verf. der Vorwurf nicht erspart werden,
daß er sein eigentliches Arbeitsgebiet stark bevorZtlgt,
indem er den Sprengmitteln neun Zehntel des Buches
widmet und nur ein Zehntel für die chemische Waffe
(Nebel, chemische Kampfstoffe, Gasschutz, Atmung)
zur Verfügung stell t.
Erstaunlich ist die Materialfülle, die Verf. zu bieten
weiß und die in ihrer Anhäufung eine llmfassende
Kcnntnis insbesondere auf dem Gebiete der Schießund Sprengstoffe erkennen läßt. Die Gedankengänge,
denen Verf. folgt, sind d3Jbei allerdin gs vielfach recht
kompliziert, ja erscheinen gewaltsam, zumal sie 3lUf die
Gebiete anderer Wissenschaften (Physik, Biologie usw.)
abschwe ifen. In dieser Stoffülle lna,g auch die seltsame
Form der "Momente" begründet sein ; denn ein Ausa rbeiten der einzelnen Stichworte zu zusammenhängenden Texten würde eine ganze Biblioth ek füllen .
Gegenüber den übrigen Teilen fällt das zehnte Kapitel, das sich mit der chemischen Waffe befaBt, ab.
Auch hat Verf. sich die Ergebnisse der letzten Zeit
noch nicht vollständig zu eigen gemacht.
Alles in allem kann gesagt werden : Das Buch ist
nicht für die breite Masse geschrieben, sondern für
einen kleinen Kreis von Naturwissenschaftlcrn, die
selbst über einen gewaltigen Schatz von Kenntnissen
auf allen einschlägigen Gebieten verfügen und gewohnt
sind, ,d as Gelesene kritisch Z1U veral'beiten. Auch für
sie kann das Buch nur ein achschlagewerk sein, denn
das Lesen dcr aneinandergefügten Stichwörter ist ermüdend. In dieser Eigenschaft überrascht es aber durch
eine Materialfulle.
21.
Erste Hilfe bei Unfällen. Zur Ausbildung von Sanitätsmannschaften, zusammengestellt von Dr. C. F.
Sc h I u e te r. 32 S. R. Herrose Verlag, W i t te n b erg
und Gräfenhainichen. 1937. Preis brosch. 0,60 RM.
In Frage und Antwo rt hat ein lan ge Zeit als Werksund Kolonnenarzt tätiger Praktiker ein kleines Unterrichtsbuch ausgearbeitet, das wegen seiner einfachen.
sachgemäßen Ausdrucksweise, der Beschränkung auf
das Notwendige und der Gediegenheit des Inhaltes Beac htun g verdient. Es soll, wie der Verfasser hervorhebt, kein Lehrbuch ersetzen, sondern für die SamariterAbschlußprüfung lediglich eine Zusammenfassung des
Lchrstoffes zur Wiederholung für den Schüler sein. Im
Abschnitt über Kampfstofferkrankungen und ihre Behandlung wären in einer neuen Auflage einige Schönhei tsfeh ler auszumerzen: S. 25 wird Gelbkreuz fälschlicherweise ab "Schwebstoff" bezeichnet, S. 28: itrose
ase und Ne belsäure sind keine "Kampfgasarten", wie
ie vom Vcrfasser benannt werden; S. 28: für die
BchandLung von Phosphor brandwunden ist seit einigen
.lahren als wirksamstes Mittel Baden in Natriumbikarbonatlösung empfohlen, nicht nur Wasserbad;
S. 29: der Pulmotor zählt nicht zu den "Sauerstoffgcräten", die Gas s c hut z geräte sind und demzufolge
auch richtig "Sauerstoff-Schutzgeräte" heißen müßten,
sondern zsu den Sauerstoff - B e h a n d Lu n g s geräten.
Die Volksgasm3Jske ist noch nicht erwähnt.
25.
Sorgfältige Tarnung ist ein guter Luftschutz! Bilderbogen 70 X 92 cm. Verlag "Offene Worte", Berlin 1937.
Preis 0,70 RM.
Zwölf anschauliche Bilderpaare zeigen falsches und
richtiges Verhalten bei Bewegungen und bei der Aufstellung im Gelände. Der Bogen kann, im Dienstunterricht benutzt oder an den Wänden von Fluren, Lesezimmcrn usw. in den Kasernen angebracht, gute Dienste
Icisten, um dem Soldaten klarzumachen und zwanglos
immer wieder einzuprägen, auf welche Weise man sich
der fcindlichen Luftbeabachtung cntziehen kann und
muß.
~

l) V~1. "Gassc hul z und Lllllschulz", 7. Jg. (1937). S . 112 .

Schluß de:; redakfionellen Teils.

-------------------------------------------------------~

Amtliche Mitteilungen
Vierle Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz
Vom 31. Januar 1938.
§ 1.
Auf Grund dcs § 12 des Luftschutzgesetzes vom
(1) Geräte oder Mittel für den Luftschutz, deren
26: Juni 1935 (RGBI. I S. 827) wird im Einvernehmen
Vertrieb nach § 8 des Luftschutzgesetzes genehmigungsmit den zuständigen Rcichsministern vcrordnet:

pflichtig ist, sind diejenigen Geräte, Mittel, Einrichtungen und Verfahren, die nach der Verkehrsanschauung ausschließlich oder vorwiegend für Luftschutzzwecke bestimmt sind oder die von der Reichsanstalt
für Luftschutz für luftschutzwichtig erklärt werden
(Luftschutzgegenstände). In Zweifelsfällen entscheidet
die Reichsanstalt für Luftschutz.
(2) Vertrieb im Sinne des A bsatzes I ist auch die
kostenlose Abgabe und Verteilung.
§ 2.
(I) Bei der Werbung für Luftschutzgegenstände, deren
Vertrieb gemäß § 8 des Luftschutzgesetzes genehmigt
worden ist, dürfen ohne besondere Genehmigung nur
solche Bezeichnungen, Beschreibungen oder Anpreisun gen der Gegenstände verwendet werden, die inhaltlich
der erteilten Genehmigung einschließlich etwaiger Bedingungen und Auflagen en tsprech en.
(2) Jede Werbung für Luftschutzgegenstände, deren
Vertrieb gemäß § 8 des Luftschutzgesetzes noch nicht
genehmigt worden ist, bedarf der Zustimmung der
Reichsanstalt für Luftschutz.
(3) Bei der Werbung für Gegenstände, die nicht
Luftschutzgegenstände sind, dürfen Bezeichnungen, Beschreibungen oder Anpreisungen, die auf eine ausschließliche oder vorwiegende Eignung für Luftschutzzwecke hinweisen, nicht verwendet werden. Hinweise
darauf, daß die Gegenstände neben ihren sonstigen
Verwendungszwecken auch für Luftschutzzwecke geeignet sind, sind zulässig; der Gebrauch derartiger Hin··
weise kann von der Reichsanstalt für Luftschutz untersagt oder von der Erfüllung von Bedingungen und Auflagen abhängig gemacht werden.
(4) Die Verbindung der Bezeichnung eines nach § 1
nicht genehmigungspflichtigen Gegenstandes mit den
Worten Luftschutz-, Schutzraum- und ähnlichen Zusätzen bedarf der Zustimmung der Reichsanstalt für
Luftschutz.
(5) Für Werbungen, insbesondere Druckschriften,
die über eine Bezeichnung, Beschreibung oder Anpreisung des Gegenstandes hinausgehen, gilt § 8 des Luftschutzgesetzes.
§ 3.
(1) Anträge auf Genehmigung zum Vertrieb von Luft··
schutzgegenständen im Inland und Ausland sind an die
Reichsanstalt für Luftschutz zu richten. Diese entscheidet über die Genehmigung.
(2) Dem Antrag sind prüfungsfähige Unterlagen
(Zeichnungen, Beschreibungen u. dgl.) beizufügen. Die
Genehmigung kann von dem Ergebnis einer Eignungsprüfung, vom Nachweis der geforderten ' Eigenschaften
und von sonstigen Voraussetzungen abhängig gemacht
werden. Insbesondere kann die Vorlage von Mustern
des Gegenstandes und der verwendeten Werkstoffe gefordert werden. Muster und Unterlagen gehen auf Verlangen der Reichsanstalt für Luftschutz entschädigungslos in das Eigentum des Reiches über.
(3) Die Reichsanstalt für Luftschutz kann die zur
Genehmigung erforderlichen Prüfungen selbst vornehmen oder andere Stellen damit beauftragen. Die
Kosten der Prüfung hat der Antragsteller zu tragen.
(4) Gleichzeitig mit dem Antrag auf Genehmigung
ist eine Verwaltungsgebühr von 20 RM. zu zahlen.
(5) In Ausnahmefällen kann die Reichsanstalt für
Luftschutz die Kosten und die Verwaltungsgebühr ermäßigen oder erlassen.
§ 4.
(1) Die Genehmigung wird widerruflich, unbeschadet
der Rechte Dritter und nach freiem Ermessen erteilt.
Der Widerruf ist zu begründen. Gegen den 'W iderruf
ist binnen zwei Wochen die Beschwerde an den Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe zulässig.
(2) Die Genehmigung kann unter Bedingungen und
Auflagen, insbesondere auch hinsichtlich der Art der
Werbung, erteilt werden.
(3) Die Genehmigung erstreckt sich nur auf solche
Gegenstände, die mit den zur Prüfung vorgelegten und
geprüften Unterlagen völlig übereinstimmen.

§ 5.
(1) Die Genehmigung wird in der Regel nur dem
Hersteller erteilt.
(2) Dem Hersteller gleichzuachten ist, wer im Ausland hergestellte Luftschutzgegenstände in das Reichsgebiet einführt.
(3) Die Genehmigung ist nur mit Zustimmung der
Reichsanstalt für Luftschutz übertragbar.
(4) Für Luftschutzgegenstände, an die keine besonderen luftschutztechnischen Anforderungen zu stell en
sind, kann die Reichsanstalt für Luftschutz all gemeine
Vertriebsgenehmigungen erteilen.
§ 6.
Erte ilung und Widerruf der Genehmigungcn werden
gr-u ndsätzlich im .. Deutschen Reichsanze iger und Preußischen Staatsanzeiger" veröffentlicht. Das gleiche g-i lt
für die von der Reichsanstalt für Luftschutz nach § I
Abs. 1 abzugebenden Erklärungen über die Luftschutzwichtigkeit.
§ 7.
(1) Ist -d ie Vertriebsgenehmigung dem H ersteller erteilt, so ist jeder weitere Vertrieb ohne Genehmigung
zulässig, soweit nicht im Einzelfall eb 'as anderes bestimmt wird.
(2) Vor jedem Weitervertrieb muß sich der Vertrei bende von dem Hersteller oder Verkäufer eine Abschrift des für den Gegenstand erteilten Genehmigungs- '
bescheides aushändigen lassen und sich davon überzeugen, daß die Gegenstände, deren Vertrieb er beabsi-c htigt, die in dem Genehmigu:ngsbescheid vorgeschriebene Kennzeichnung tragen. Der Vertreibende ist
dafür verantwortlich, daß der Weitervertrieb den gesetzlichen Vorschriften und etwaigen in dem Genehmigungsbescheid niedergelegten Bedingungen und Auflagen der Reichsanstalt für Luftschutz entspricht.
(3) Der Weitervertrieb kann von der Reichsanstalt
für Luftschutz untersagt werden.
§ 8.
(1) Aus der Erteilung, Versagung oder Zurücknahme
der Genehmigung können Ansprüche gegen das Reieh
nicht hergeleitet werden .
(2) Die Vorschriften über die Haftung des Reichs
für seine Beamten bleiben unberührt.
§ 9.
(1) Die vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung von
anderen Stellen als der Reichsanstalt für Luftschutz erteilten Inlands-Vertriebsgenehmigungen erlöschen mi t
Ablauf des 1. Mai 1938.
(2) Für einen erneuten Antrag auf Genehmigung werden Kosten und Gebühren nicht erhoben.
§ 10.
(I) Bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften
dieser Verordnung können die Gegenstände, auf dip.
sich die Zuwiderhandlung bezieht, eingezogen werden,
auch wenn sie dem Täter oder einem Teilnehmer nicht
gehören.
(2) Kann keine bestimmte Person verfolgt oder verurteilt werden, so kann auf die Einziehung der Gegenstände selbständig erkannt werden.
(3) Die Benutzung der ohne Genehmigung vertriebenen Gegenstände tür Luftschutzzwecke kann untersagt werden .
§ 11.
Der Ortspolizeiverwalter kann die zur Durchführung
dieser Verordnung notwendigen Maßnahmen im Wege
polizeilicher Verfügung durchsetzen . § 17, mit Ausnahme von Satz 4, und § 21 Abs. 1 und 2 der Ersten
Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz vom
4. Mai 1937 (RGBI. I S. 559) finden entsprechende Anwendung.
Berlin, den 31. Januar 1938.
Der Reichsminister der Luftfahrt lind Oberbefeh lsh!\Jber
der Luftwaffe.
Gör i n g.

Schriltwaltung : Präside:>! i. R . H. Pa e ! s c h, Generalmaior a. D. Fr. v. T e m p e I h 0 11. A,bteilungsleiter: Pa e ! .. c h (Luftschutz), v. T e mp • I h 0 11 (militärische Gasabwehr), Dr. Bau m (ziviler Gasschutz), Me h I (Ausland). Z i Ich (Bauwesen).

86