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Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden, Teil 1

••• und Genossin Yilmaz glaubt das alles

Nprten Yilmaz glaubt an werden wird. erklärt die eloqu ente,


das, was sie sagt. Die Wiener durchsetzungsstarke SPÖ-Politike-
SPÖ-Gemeinderätin ist davon cin etwas klein laut. dass die Bettle-
überzeugt, dass die neuen ge- rinnen abgemahnt und beim zwei·
setzlichen Verschärfungen gegen ten Vorfinden an der gleichen Stelle
«gewerbsmäßige» Bettler/nnen mit einer Verwaltungsstrafe belegt
ein Sieg im Kampfgegen den werden.
Menschenhandel und die Orga- Hohe Strafen fürs Betteln sollen
nisierte Kriminalität seien. Was ein taugliches Mittel gegen Hinter-
für ein Signal ist die Novellie- männer. Menschenhandel und Or-
"mg des Landessicherheitsgeset- ganisierte Kriminalität sein? «Es
zes wirklich? Vor allem die Be- geht nicht anders., ist die Antwort,
hinderten unter den Bettelnden und mit den bisherigen gesetzlichen
sollen in ihren südosteuropäi- Mittel gegen Menschenhandel hät-
schen Dörfern bleiben und dort te die Polizei nicht genug Handha-
sc/.lauen, wie sie mit ihrem Ver- be gehabt, «denn die organisier-
hungern zurechtkommen. te Kriminalität verfügt über sehr
gut e Rechtsvertreter». Dass ganz
unterschiedliche Bettlerinnen und machen würden, machten Fevzije ergaben, dass die aus Österreich ab-
auch Bettelgruppen unterwegs sind, Bahar, Sprecherin der lnternationa- geschobenen Mädchen sehr schwer
wie mir viele persönliche Gesprä- len Romani Union, und meine We- zu finden waren und in einem Heim
rau Yi!maz hat den Initiativ- che mit Bettlerinnen im Laufe der nigkeituns auf deo Weg, den Leiter an der Grenze steckten. Ceipek gab

F antrag eingebracht, der den


VP-Sicherheitssprecher 'Ulm
zu einem Kompliment ve ran-
lasste: «Heute ist ein erfreulicher
Tag fü r Wiens Sicherheit. Betteln
Jahre zeigten.-kann sie sich schwer
vorstellen.
Nur seh r weni ge Mensc hen der
verarmten Dörfer und Städte Süd-
osteuropas, die seit dem Ende des
der «Kinderdrehscheibe. , Norbert
Ceipek zu interviewen. Der Sozi-
alpädagoge aus der Burschenarbeit
zeigte uns sein Fotoalbum diebi-
scher Mädchen und erzählte von
zu, wie er zu seinen hohen, in den
Medien ve rbreiteten Zahlen kam:
Mehrfach-Aufgriffe einzelner Mäd-
chen wurden gezählt, als ob es sich
um verschiedene Fälle handelte.
in Wien wird sehr bald der Vergan- Kommunismus mit zugesperrten einer vorigen Welle von Jungen aus Nun geht es weiter mit der «gut
geheit angehören. Durch dte neue Fabriken, hoher Arbeitslosigkeit Rumänien, die auf der Mariahilfer organisierten Ost -Mafia~ und ih -
Begri ffsbestimm ung wird praktisch und niedrige n staatlichen Unter- Straße geklaut hätten. Durch Ko- rem «Menschenhandel.: Im Club
jede Form der Bettelei, die derzeit stützungen konfrontiert sind. errei- operation mit der rumänischen Re- 2 gab die ÖVP-Politikerin Ursul a
in Wien auftritt, unter Strafe ge- chen Wien. Trotzdem: ~ Wien wird gierung. Zusammenarbeit mit den Stenzei an, (Jass sie der Leiter der
steilt." Als Sozialdemokratin bietet den Bettlern nicht Herr. Es kommen Polizeidienststellen und Mitteln rur Kinderdrehscheibe informiert hät -
uns NUTten Yilmaz eine sozialere immer mehr Bettler», sagt Yilmaz Kinderheime hätte er in einer Art te, dass kö rperlich beeinträchtigte
Interpretation an: ~ Wir woll en den mehrmals. t<Was kann ein e Stadt Einmann-Mission diesen Trend ab- Bettler orga nisiert· nach Wien kä-
kriminellen Strukturen auf dem Rü- lei sten? ~ Sie fordert, dass die Eu- stellen können . • Nun will ich Bulga- men, denn die wären ja schließlich
cken der Ärmsten nicht zuschauen. ropäische Union nicht nur die Thr- rien in die Knie zwingen. ~ alleine nicht mobil. Dass Menschen
Die armen Menschen sind ein Bau- kei in der Kurdenfrage unter Druck Wir stellten fest, dass aus Mangel im Rollstuhl oft wen brauchen, um
ern opfer in diesem Sc hachsp iel», setzt, sondern dass auch Bulgari- an Dolmetscherinnen oder Sprach- an einen Ort zu reisen, auch wenn
sagt Yilmaz, die in Ottakring Be- en, Rumänien oder Moldawien ihre kenntnissen niemand mit den Mäd- sie das möchten, sagte Stenze! nicht.
zirksrätin für Kinder- und Jugend- Volksgruppen vor Mord, Totschlag chen redet, sie dem Amtsarzt vor- Sollen körperlich behinderte Men-
fragen war. Sie gibt zu, dass sie ihre und Armut schützen müssen. «Wo geführt und abgeschoben werden. schen in ihren verarmten Dörfern
Informationen hauptsächlich von bleibt die Europäische Familie? Die Ceipek schreckte uns mit angeb- verhungern ? . Jeder will das Prob-
Polizeivertretern bezieht und von EU pumpte Milliarden Euro in die- lichem Mädche nhandel von Ro- lem los werden., stellt Fevzije Ba-
diesen beeinflusst ist. se Länder. lt ma-Mädchen in die Prostitution har heute fest, . Jeder schiebt das
Dass dieses Gesetz gegen Bett- rur türkische Kunden. Gespräche Problem vor sich hin, keiner nimmt
lerlnnen kein taugliches Mittel ge- Taschendiebinnen, Prostituierte, mit Einzelnen dieser jungen Frau- sich des Problems an, auße r eini-
gen Armut ist, s5>ndern nur die Ar- Obdachlose en über einen längeren Zeitraum ge tatkräftige NGOs wie Frau Bock
men ganz höchstpersönlich selber zeigten, dass sie alleine unterwegs oder dieser Pfarrer Pucher in Graz.
triffi, sei ihr klar.• Über Armut wird Die Stimmungsmache gegen die sind bzw. Opfer eines gewalttäti- Und dass dieser Beamte vom In -
noch Geld verdient, das wollen wir kleine süd os teuropäisc he «Ma- ge n Mannes - und keiner Mafia. nenministerium im Club 2 meinte,
wenigstens abste ll en ~ . beto nt sie fialt der Verarmten begann bereits Recherchen in Sofia mit Hilfe des dass wir hier einen Sozialstaat ha-
mehrmals .• Wir wollen die Hin- vor ein paar Jahren. Aufgeschreckt Roma-TV-Senders und einer Ver- ben und niemand betteln muss, war
termänner mit den dicken Autos durch eine t< Kurierlt-Reportage über treterin einer internationalen Men- ja wohl eine Verhöhnung aller Ob-
treffen. » Auf die Frage, wie das Ge- Hunderte kleine Taschendiebinnen schen rech tsorganisation, die ru r die dachlosen und Bettler."
setz durch die Polizisten umgesetzt aus Bulga rien, die Wien unsicher Stadt Sofia im Jugendschutz arbeitet, Kerstin Kellermann

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Eine Stadt nach der anderen will den Bettlerinnen zur Hölle werden. reil2

Der Mob, das soziale Gewissen

dem Rathaus am Tag der


weiteren Verschärfung des
Bettelverbotes und der Ein-
führung eines Verwahrlos-
ten-Paragraphen im Lan-
dessicherheitsgesetz.
Enttäuschend der parteiin-
terne Widerstand gegen
diese Novelle, die einen
Rechtsruck der SPÖ
signalisiert
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Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen zur Hölle werden. Teil 3

Würden Sie um·70 Cent pro Stunde jobben?

Da staunten die Blauen, als den Jahren vor und nach der vor-
die Roten die Initiative er- letzten Jahrhundertwende (1900)
griffen; das Wien er Sicher- machte sich in vielen südburgen-
heitsgesetz so zu ändern, ländischen Gemeinden ein Fünftel
dass die Polizei nunmel1r . seiner Bewohnerlnnen auf den Weg
praktisch jede Form von über den großen Teich. Die Fabri-
Betteln verhindern kann. ken der boomenden US-Wirtschaft
rauften sich um die Neuankömm-
linge, deshalb glich die Situation der
BurgenländerInnen nicht denen der
als Kraft· der Volksbil- verarmten OsteuropäerInnen. de-
1889 dung und der Aufklä-
rung. vor allem als Lobby der sozial
nen in Wien der Arbeitsmarkt ver-
schlossen ist. Aber ;die Ausgangssi-
Schwächsten gegründet, strandet die tuation war ähnlich: in der Heimat
SP heute als Lobby für aUe in mul- «no future». .
tiple Ängste Getriebene: Angst vor Eine Hilfe beim Darstellen des
«Fremden)!, vor «Normabweichlern», Wes t-Ost-Gefalles ist der Ver-
vor sichtbar Heruntergekommenen. ~ gleich der gesetzlichen Mindest-
vor den zeitgemäßen Aussätzigen. , löhne. Spitzen reiter sind Luxem-
vor der allgemeinen Unsicherheit; :r burg (ca. 1600 Euro Monatslohn),
vor unbeleuchteten Parks, vor der ~ Großbritannien (ca. 1400 Euro).
«explodierenden Ausländerkrimi- j Belgien. Frankreich und Nieder-
nalität» ete . ... Das Dilemma der SP: lande (rund 1300 Euro}. In Spanien
Junge Frauen I US Aoskovce, einem Romadorf in der Zentralslowakei: Hier war der
Diese RoUe ist längst von VP und FP «Ausbruch der Krise. nicht zu spüren. Krise herrscht hier seit ihrer Geburt und Griechenland liegt er unter 700
besetzt. In der Politik der Gefühle ist Euro. Österrekh ist eines der weni-
die Rechte erfahrener. gen EU-Länder ohne gesetzlichen
Eine Politik der Gefühle ist leider so absurd groß. dass kein BH-Ost- auf Schwächere, die ihnen als Sün- Mindestlohn, jedoch haben sich die
resistent gegen eine simple Wahr- grenzen-Einsatz und kein Bettel- denböcke vorgeftihrt werden, würde . Sozialpartner. geeinigt. sich für
heit: Armut kann man nicht durch verbot den Zuzug der zuhause Per- ihnen ein inneres Lichtlein aufgehen. die Kollektivverträge an einer Un-
polizeiliche Amtshandlungen be- spektivlosen stoppen kann. Wir Eine kollektive neue Erkenntnis, wie tergrenze von 1000 Euro zu orien-
kämpfen. Die ärmsten Länder Euro- empfehlen Zuwanderungsgegnern, «Es ist doch schön, in einer Metro- tieren. Tschechien und die Slowa-
pas sind heute die «postkommunis- die mexikanische Lektion zu ler- pole zu leben. die andere magnetisch kei haben Mindestlöhne unter 300
tischen» Länder Osteuropas. Einer nen. Mindestens eine halbe Milli- anzieht». würde eine Art Tauwet- Euro, und in Rumänien und Bulga-
Ironie der Geographie zufolge liegt on Mexikanerinnen erreichen jedes ter einleiten. und die Schmelz-Stre- rien liegt die Grenze bei 100 EllCO.
eine der reichsten Städt~ des Wes- Jahr «illegallt das Territorium der cke zwischen Viktor-Adler-Markt Ein Vergleich der gesetzlichen Mi-
tens, nämlich Wien, greifbar nahe USA, obwohl die Grenze als best be- und dem Keplerplatz würde genü- nimalstundenlöhne: Bulgarien 7 \
bei den Regionen des Ostens, die - wachte gilt. Eine kleine Rechenauf- gen, um den Eisblock Strache in eine . Cent, Luxemburg 9.73 Euro.
anstatt den Rückstand aufzuholen gabe: Die Grenze zwischen Mexiko trübe Lacke zu verwandeln. Aber " Die Zahlen spiegeln übrigens
- ökonomisch weiter «abgehängt ~ und den USA ist 1900 US-Meilen solche Wunder gibt es nicht, des- nicht die reale Lage wieder: Man
werden, aus Gründen, die hier nkht lang. Wenn es pro Meile und Tag halb ist die Mühsal der Aulklärung müsste recherchieren, wie viel Pro-
ausgeführt werden können. Die rei- zwei Personen gelingt, auf die andere zu wählen, um Nüchternheit und zent der Unselbständigen nicht ein-
che Stadt kann nicht anders als sau- Seite zu kommen, sind das 3800 . Il- Gelassenheit in die von der Politik mal den "gesetzlichen Mindestlohn
gen: einem Magneten gleich zieht legale. mehr pro Tag. 1,3 Millionen der Gefühle aufgewühlte Bettel-De- erhalten. In vielen Roma-Siedlungen
sie jene Menschen an, die doppelt mehr pro Jahr. Armuts-Massen-Mi- batte zu bringen. der Slowakei. Rumäniens und Bulga-
abgehängt sind: abgehängt vom Ar- gration ist nicht verhinderbar, außer riens können die Menschen von ei-
beitsmarkt einer abgehängten Ecke durch eine Angleichung der Lebens- Ein Mindeststundenlohn von 70 nem solchen Mindestlohn ohnehin
Europas. Die hierher Absorbierten standards. Zudem kann das ökono- (ent ,.. kein Grund, auszuwandern? nur träumen. Sie waren schon vor
landen auf dem Pfuscharbeiterstrich. mische System des ZieUandes nicht der Krise arbeitslos. Dass sie sich
wenn sie fit und kräftig sind, in der ohne die lllegalisierten leben. weil Die größten Armutsbekämpfungs- zusamme ntun. um nach Wien zu
Sexarbeit oder - vor allem, wenn sie niemand sonst so effektiv gegen die projekte der Geschichte waren im- fahren. wo nach einem Monat viel-
körperlich undloder psychisch dem gewerkschaftliche Lohnpolitik inst- mer die Migrationsbewegungen: leicht der doppelte Mindestlohn im
geforäerten Arbeitstempo nicht ge- rumentalisiert werden kann. weil das politische System der Her- Plastikbecher liegt, ist nicht weni-
wachsen sind - auf den Gehsteigen Könnten die Wienerinnen und kunftsländer nicht zur Armutsbe- ger logisch als der massive Grenz-
des Bettelns. Wiener wie durch ein Wunder ihre kämpfung taugt. Die Verarmung des übertritt zum dritten Gebiss: Der
Das ökonomische GefaIle zwischen Xenophobie abschütteln. und auch südlichen Burgenlands wurde durch Ansturm .der Wiener Bevölkerung
Wien und ihren Herkunftsorten ist ihre Disposition zum Hinuntertreten die Massenemigration «gelösb: In auf die Ordinationen der Soproner
AU4USTIN
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Eine Stadt nach der anderen will den BettlerInnen
zur Hölle werden. Teil 4
Linz: Streetwork statt Stadtwache!
oder Mosonmagyar6varer Zahnärzte
als ein weiteres Phänomen der Physik
des Gefalles.

Auf wessen Kosten stieg ÖSterreichs


Ab September dieses Jahres soll in Linz
unter dem Titel .Ordnungsdiensl» eine
Stadtwache für Anstand und Ordnung
sorgen, Die Sheriff- Truppe wird in Form eines
~",= '.~·" ·" b" .. 1.". m
Edith Friedl allergisch gegen Polizeigewalt. Sie war
Augenzeugin einer mehrstündigen Einkesseluhg lin-
ker Jugendlicher durch die Linzer Exekutive.• Nach
Durchschnittslebensstandard? ausgegliederten Unternehmens in der Unter- zwei Stunden eskalierte die Situation. Die Youngs-
nehmensgruppe der Stadt Linz organisiert. Eine ters hielten die Spannung nicht mehr aus. Sie schrien,
Um neben den nackten ökonomi· Bürger[nnen-Iniative muss nun 3000 Unter- wurden zusehends ungeduldiger, wollten raus, und
sehen Zusammenhängen nun auch schriften sammeln. damit sie eine neuerliche plötzlich brach die Hölle los: Polizisten schnappten
die Moral ins Spiel zu bringen: Ös- Thematisierung im Gemeinderat sichern kann. sich einzelne aus der Gruppe, warfen sie zu Boden,
terreicherlnnen sollten nicht allzu 1000 hat sie bereits gesammelt. Die Einsetzung droschen mit Schlagstöcken auf sie ein. Nachher be-
überheblich übe r die Armut der ost- der Stadtwache könne ihre Logik nur aus einem haupteten sie. den Befehl bekommen zu haben. ge-
europäischen Länder urteilen. Öster- Generalverdacht auf alle. die nicht der Norm gen Vermummte vorzugehen. Keiner und keine die-
reichische Konzerne profitieren von entsprechen. schöpfen. argumentieren die ser Burschen und Mädel, etwa 50 insgesamt, war
den Dumpinglöhnen im Osten, in- SkeptikerInnen. vermummt! Ich habe sie ja alle fotografiert. Dann
dem sie etwa in dorthin verschobenen schnappten sich die Bürgerkriegsbeamten den Vize·
Produktionsstätten selbstverständlich Rektor der Linzer Kunst-Universität, Herrn Rainer
nicht österreichische, sondern rumä- Zendron, der sich ebenfalls ob der Polizeiübergriffe
nische oder bulgarische Löhne zah- empörte und einem Mädchen ~e lfe n wollte. das Po-
len. Die SkJavenlöhne, eine Attrakti- lizisten wegzerrten. Ihn warfen sie zu Boden, rissen
vität für das KapitaJ aus dem Westen.
sind der Hauptgrund daflir. dass über
20 Prozent des österreichischen Brut-
«L inz braucht keine Stadtwache. egal mit wel-
ehen Kompetenzen diese ausgestattet sein
soll und egal wie sie heißen soll. Sie bedeu-
ihm die Arme auf den Rücken, legten ihm Hand-
schellen an und fuhren mit ihm davon. Das Ganze
war so etwas wie das Entree in eine ös!trreichische
tosozialprodukts in den ehemaligen tet eine Militarisierung des öffentlichen Raums. Der Bananenrepublik ... »
kommunistischen Ländern investiert öffentliche Raum der Stadt soll einzig als Konsuma- Rainer Zendron hat ebenfalls seine Lehren aus
wurden (Quelle: Industriellenvereini- rena definiert werden und nicht als Ort des Zusam- dem I. Mai 2009 gezogen. Er ist einer der Gründe-
gung. Mai 2009). Aus einer Bilanz der men'lebens der Menschen. Eine Stadtwache bedeu- rInnen der Bürgerinitiative gegen die Stadtwache.
Österreichischen Nationalbank 2006 tet zusätzliche Repression. ausufernde Überwachung <Ich glaube. dass die Stadtwache mitten in der Krise.
(am Höhepunkt des Goldrausches): und schließlich eine Eskalation von Gewalt. Wahrend wenn die Arbeitslosigkeit jeden Monat Rekordzah-
«Ln einigen osteuropäischen Ländern sich im Stadtbudget ein Sparkurs abzeichnet. sollen len erreicht, nicht das geeignete Mittel ist, sozialen
haben österreichische Firmen sogar mehr als zwei Millionen Euro für eine Stadtwache Atisgleich in der Stadt herzustellen. Sie wird unter-
zweistellige Renditen erzielt. Spitzen- verschwendet werden. Geld. das auf der anderen Sei- schiedliche Gruppen wie Obdachlose, Jugendliche,
reiter bei Investitionen ist Österreich te bei sozialen Aufgaben, in der Gemeinwesenarbeit Hundebesitzer auseinander dividieren. Die Leute
derzeit in Bosnien, Kroatien, Bulga- oder aber in der Kulturarbeit eingespart wird.» Man- werden dadurch eher verunsicherter und die Kon -
rien und Slowenien. In Rumänien che werfen der Sprache der Stadtwache-Gegnerln- flikte größer. Es wäre wesentlich besser, um dassel-
liegt Österreich als Investor auf Platz nen einen Drall zum Alarmismus vor. be Geld Sozialarbeiter oder Streetworker anzustel-
zwei, in der Slowakei, Serbien, Un- Doch die Engagierten wissen, wovon sie reden. len, die dafür ausgebildet sind. Konflikte zu regeln.,
garn, Tschechien und der Ukraine auf Edith Friedl ist Lehrerin. Architektin und Buchau- lautet der Vorschlag des Vizerektors.
Platz 3. Dieses positive Ergebnis zeigt, torin. Unter dem Titel te Nie erlag ich seiner Persön- Andreas Wahl vom nichtkommerziellen oberös-
wie wichtig die Osteuropa- Entwick- Iichkeitlt beschreibt sie die Lebenswege. Arbeitsme- terreichischen Radiosender FRO weist auf den (in-
lung flir den Lebensstandard der Ös- thoden und Weltanschauungen der zwei Größen der ternationalen) Trend hin, das Problem Armut durch
terreicherinnen ist.1t österreich ischen Architektur des 20. Jahrhunderts: Unsichtbarmachung zu lösen: teWas soll denn das
Wenn A gewinnt, muss B verlieren, Margarete Schütte-Lihotzky und Adolf Loos. War- jetzt? Arme Schweine aus dem Subproletariat, die
auch das gebietet die Physik des Kapi - um sie sich für die Bürgerlnnen-Initiative gegen die keinen anderen Job bekommen, sollen nun Unifor-
talismus. B wie Bettler: Auf den Stra- Linzer Stadtwache engagiert. teilt sie auf der Web- men anziehen, damit sie noch ärmere Schweine, die
ßen Wiens holt sich B - organisiert site der Initiative mit: «Es ist für mich unerträglich, kein Dach über dem Kopf haben oder darauf ange-
oder nicht organisiert, gewerbsmä- dass diese FPÖ-Kasperl -Stadtwache ausdrücklich die wiesen sind zu betteln, von öffentlichen Plätzen ver-
ßig oder nicht gewerbsmäßig. einen Order hat. Straßenmusikantlnnen und BettlerInnen jagen. Und warum das? Damit das werte Klein- und
Bruchteil vom Lebensstandardzuge- zu überwachen. Schikanieren wäre wohl der besse- Großbürgertum sich nicht immer an das Elend der
winn der A-Seite zurück. Auch dar- re Ausdruck dafür, denn die Burschen werden mit Welt erinnern muss. Damit die, die Geld haben, sich
in können nachdenkliche Menschen großer Sicherheit ge rade diese Randgruppen zum nicht in ihrem Shopping-Spaß von Gestank der Ar-
eine gewisse Logik entdecken. Die Po- Anlass nehmen, ihr Mütchen zu kühlen - und zu mut belästigt flihlen. Muss man sich wirklich mit sol-
litik der Bettlervertreibung hat nicht Krokodilen mutieren. Ich bin erwachsen. glaub also chen Blödsinn beschäftigen? Ja! »
zuletzt den Zweck. diese Logik zu weder an Kasperl- noch Krokodilspiele und lehne R. S.
verdecken. daher diese Stadtwache mit ihren Machtspielen ent-
Robert Sommer schieden ab!1t . www.stHtwa~inz .at