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Schriftgeschichte

Die Schrift ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit, eine Technik zur Weitergabe und Archivierung

Die Schrift ist eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit, eine Technik zur Weitergabe und Archivierung von Wissen.

Sie stellt die wohl höchste geistige Leistung des Menschen dar. Von den kleinsten Anfängen vor 6000 Jahren, einfachen Bildersymbolen, Strichen und Punkten die Gegenstände oder Zahlen be- zeichneten, entwickelten sich die verschiedenen Schriftsysteme immer weiter, bis sie menschli- ches Denken und Fühlen auszudrücken vermoch- ten. Die Konsequenzen hieraus veränderten die Welt. Ohne die Schrift wäre es nicht möglich gewesen, menschliche Erfahrung über die Le- benszeit eines Menschen hinaus weiterzugeben. Doch mit Hilfe einiger seltsamer Zeichen auf Ton, Stein, Metall oder Papier, konnte das mensch- liche Gedächtnis fast unbegrenzt fortbestehen. Das Werden und Vergehen großer Kulturen hing eng mit ihrer Fähigkeit zusammen Gedanken zu vermitteln und weiterzugeben. In der Entwick- lung unserer Schriftarten spiegelt sich der Formen- wandel aller Kunstrichtungen Europas.

Anwendung

Mithilfe von Typografie kann der Inhalt, Zweck und die Anmutung eines Werkes verdeutlicht werden.

Die Aussage eines Textes kann visuell unterstützt werden, wobei die gute Lesbarkeit i. d. R. an erster Stelle steht. Zu den Anwendungsbereichen der Typografie zählen neben der Ge- staltung von Mengentexten in Ro- manen oder Sachbüchern (Werksatz) vor allem der Akzidenzsatz. Dazu ge- hören Geschäftsdrucksachen (Brief- blätter, Visitenkarten, Formulare), Werbedrucksachen (Flyer, Prospekte, Plakate) oder auch Familiendrucksa- chen (Einladungen, Gedenkkarten). Bei der visuellen Erscheinung von Kommunikationsmedien versu- chen Typografen meist die Gestal- tung mit dessen Inhalt (Botschaft) in Einklang zu bringen. Manchmal wird auch versucht, eine unterschwellig andere Botschaft (Subtext) zu ver- mitteln, die dem Inhalt des Textes durchaus widersprechen kann. Durch derartige Beeinflussung der Aussa- ge eines Textes bzw. einer Botschaft kann einem Typografen die Rolle des Co-Autors zukommen. Möglichkeiten typografischer Gestaltung sind tradi- tionell der Einsatz unterschiedlicher Schriftarten, Schriftgrade/-größen und Auszeichnungsarten, die Wahl der Satzbreite (Zeilenlänge), des Zei- lenfalls, des Satzspiegels innerhalb des Papierformates, die Zuordnun- gen unterschiedlicher Elemente zu- einander im Layout, die Auswahl des passenden Papiers und vieles mehr.

Layout, die Auswahl des passenden Papiers und vieles mehr. War Typografie seit Gutenberg Teil des Fachwissens

War Typografie seit Gutenberg Teil des Fachwissens der Drucker und Schriftsetzer, so ist sie heute ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung der Grafiker, Mediengestalter Digital und Print und ähnlicher Berufsgrup- pen. Gerade die neuen Medien und das Entwerfen von Websites stellten die Typografen vor neue Herausfor- derungen wie etwa die Frage nach Nutzerfreundlichkeit und Funktio- nalität. Inzwischen kann fast jeder am Computer Schriftstücke (z. B. Briefe) oder seine Webseiten erstel- len und so typografisch tätig werden. In der Gegenwart spielt die- se Diskussion und damit die Orien- tierung an der Kunst für Typografen eine immer geringere Rolle. Vielmehr bildet sich eine eigene Typografiege- schichte heraus und damit ein eige- nes Selbstverständnis der Disziplin. Dabei spielt die Autorenrolle von Ty- pografen eine große Rolle bei der Ent- wicklung innovativer typografischer Formen. Andererseits nimmt die Zu- rückhaltung zugunsten der Orientie- rung an Zielgruppen bis hin zu parti- zipativen typografischen Arbeiten, in denen Typografen die Kontrolle über ihre Arbeit weitgehend aus der Hand geben, gleichzeitig zu

Schriftarten

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Typografie ist gestaltete Lesbarkeit

Die Lesbarkeit eines Textes – und damit die Be- reitschaft eines potentiellen Lesers, sich ihn auch tatsächlich durchzulesen – hängt von einigen ge- stalterischen Grundparametern ab, derer man sich bewusst sein muss.

durchzulesen – hängt von einigen ge- stalterischen Grundparametern ab, derer man sich bewusst sein muss. 11

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Schrift

Es gibt eine enorme Anzahl von Schriften, die sich untereinander manchmal jedoch nur in De- tails unterscheiden. Viele Schriften sind allerdings reine Schmuckschriften, bei denen ihr stilistisches Erscheinungsbild über die Lesbarkeit gestellt wur- de. Neben der herkömmlichen, überwiegend an historischen Stilmerkmalen orientierten Schrift- klassifizierung kann man Druckschriften aber auch ganz einfach in Serifenlose und Serifenschriften einteilen. Bei Büchern und längeren Texten sind wir daran gewöhnt, Serifenschriften zu lesen. Sie haben oft einen gediegen-seriösen Charakter. Se- rifenlose Schriften wirken hingegen moderner und nüchterner. Generell ist darauf zu achten, dass eine Schrift ermüdungslos zu lesen ist und der Charakter der Schrift zum Inhalt des Textes passt. Behält man diesen Grundsatz im Hin- terkopf, ist ein Herumexperimentieren mit dem Reichtum der verfügbaren Zeichensätze durchaus erlaubt – Es muss nicht immer Times oder Helveti- ca/Arial sein! Bei der Texterfassung am Computer kann es sinnvoll sein, zunächst mit einer für die Bildschirmdarstellung optimierten Schrift wie z.B. der Geneva zu arbeiten.

Druckschriften

Druckschrift (in der Schweiz auch Steinschrift) im Sinne von Handschrift ist jegliche Schrift, die im Schriftbild der Buchdruckschrift darin ähnelt, dass die Buchstaben innerhalb eines Wortes unverbunden sind, also ohne Ligaturen ge- schrieben werden. Man spricht hier auch von Druckbuchstaben (englisch block letters). Von einer Druckschrift in diesem Sinne spricht man nur bei Alphabet- schriften, die auch eine Schreibschrift kennen. Druckschrift lässt sich weniger flüssig schreiben als Schreibschrift, ist im Gegenzug jedoch besser lesbar.

Schmuckschriften

Zu dieser Gruppe gehören mehrheitlich Designer-Schriften, sogenann- te »Designer Fonts«, die nicht die traditionellen Klassifikationsmerk- male einer Druckschrift aufweisen. Schmuckschriften eignen sich im Segment der Lesetypographie, z.B. für einen Roman, in der Regel nicht als Grundschrift, da in ihrer Formgebung primär der individuelle grafische Entwurf und nicht die Typometrie im Sinne der Lesbarkeit im Vordergrund steht. Decorative werden deshalb überwiegend in der Gebrauchstypographie, im Editorial Design oder in der Kunstty- pographie als Trend- und Schmuckschriften verwendet.

Webschriften

Bezeichnung für einen auf Hyper Text Markup Language (HTML/XHTML) basie- renden Font, dessen typometrische Klassifikationsmerkmale von Webbrowsern (Softwareprogramme zur Darstellung von Webseiten, z.B. Internet Explorer®, Safari®, Google Chrome® oder Firefox®) – unabhängig vom verwendeten Betriebssystem – mehr oder weniger schriftstilnah interpretiert werden kann. Webfonts sind primär für den Einsatz in (X)HTML-Webseiten bzw. für browserbasierte digitale Texte vorgesehen; sie werden in der Regel beim Aufruf einer Webseite nicht aus der lokalen Schriftensammlung (siehe Sys- temschriften) eines Computers (z.B. PC, Tablet, Smartphone), sondern von einem externen Webserver in den Browser (Client) eingeladen.

Schriftklassifikation

nach DIN 16518

Deutsches typographisches Schriftklassifikations- modell aus der Periode des materiellen Schriftsatzes für physische Werksatzschriften und Akzidenzschrif- ten, das durch das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) 1964 standardisiert wurde und bis heute unverändert dokumentiert wird. Die DIN 16518 teilt Schriftgattungen in elf Untergruppen ein.

wurde und bis heute unverändert dokumentiert wird. Die DIN 16518 teilt Schriftgattungen in elf Untergruppen ein.

nach Form und Stil

H. P. Willberg ging in seiner Einteilung auf die forma- len und stilistischen Merkmale der Schrift ein. Der Versuch klammerte die gebrochenen Schriften aus. Willberg versuchte keine lückenlose Systematik oder endgültige Klassifizierung der Schrift aufzustellen, sondern wollte einen „Wegweiser für die Schrift“, der beispielsweise auch für das Mischen von Schriftfami- lien verwendet werden kann, darstellen. Die Grotesk- schriften, die für diese Arbeit von Bedeutung sind, teilte der Fachmann in dynamische, geometrischeund statische Grotesk.

STIL Dynamisch Statisch Geometrisch Dekorativ Provozierend Humanistisches Klassizistisches Konstruierte Formen
STIL
Dynamisch
Statisch
Geometrisch
Dekorativ
Provozierend
Humanistisches
Klassizistisches
Konstruierte Formen
Display
Display
Formprinzip
Formprinzip
»Wanderer«
»Soldaten«
»Roboter«
»Dandys«
»Freaks«
FORM
Zum Beispiel
Zum Beispiel
Zum Beispiel
Zum Beispiel
Zum Beispiel
Antiqua
Synonym: Serif
Annabelle
Strichstärkenkontrast,
Bembo
Bodoni
-
Blindfold
Matinee
Serifen
Antiqua-
Varianten
Strichstärkenkontrast,
Optima
-
Broadway
Peignot
keine Serifen
Grotesk
Synonym: Sans Serif
Gleichmäßige
Strichstärken,
keine Serifen
Renee
Gill Sans
Helvetica
Futura
AVANTGARDE
Display
Egyptienne
Synonym: Slab Serif
Gleichmäßige
Strichstärken,
kräftige Serifen
Decaying
Caecilia
Glypha
Rockwell
Rosewood
Kuntry
Schreibschriften
Synonym: Script
Zapf
Sloop
-
Choc
agrafie
Chancery

Die dynamische Grotesk

Die Achsen der Rundungen sind schräg versetzt wie bei der dynamischen An- tiqua. Betonung der Waagerechten. Die Buchstaben sind deutlich unterschie- den geformt (zweistöckiges g, offenes a). Die Buchstaben nehmen Kontakt zu ihren Nachbarn im Wortbild auf und gehen wie Wanderer gemeinsam durch eine Zeile. Eindeutige Zeilenführung und leicht erkennbare Wortbilder. Gute Lesbarkeit. Ohne Probleme für vielerlei Aufgaben einsetzbar. Die Entstehung der Formen kann man so erklären: Wenn die Haarstriche einer dynamischen Antiqua verstärkt werden, ergibt sich eine ‚dynamische Grotesk‘. So bleibt eine Spur vom Schreiben mit der Breitfeder mit diesen Schriften verbunden (Will- berg, 2003: 60).

Die geometrische Grotesk

Die kreisrunden Buchstaben der konstruierten Groteskschriften treffen auf ihre Nachbarn im Wort wie Billardkugeln, sie stoßen einander ab. Manche Buchstaben sind einander sehr ähnlich, sie müssen dem Programm folgen – mehr Roboter als Indivi- dualisten. Wer mit diesen Schriften funktionieren- de Typographie machen möchte, muss viel kön- nen. Der Buchstabenabstand muss sehr sorgfältig austariert werden, nicht zu eng und nicht zu weit, ebenso der Wortabstand. Ausreichender Durch- schuss ist nötig. So wie sie aus dem Computer kom- men, sind diese Schriften meist nicht einsatzfähig. Die Idee, eine Schrift nicht vom Schreiben her ‚wachsen‘ zu lassen sondern zu konstruieren, stammt aus den 20er Jahren. Funktionalismus, ‚Mechanisierte Graphik‘ (Paul Renner). Damals entstand eine ganze Reihe von derartigen Gro- tesk-Schriften. Am berühmtesten und beliebtesten wurde die Futura. Sie ist bis heute im Einsatz. Die konstruierten Grotesk-Schriften können ästhetisch sehr reizvoll sein, machen aber dem Typographen das Leben nicht leicht, wenn es um längere Lesetex- te geht (w. o.).

Die statische Grotesk

Die Formen der Buchstaben sind in sich geschlos- sen. Sie stehen im Wortbild nebeneinander wie Soldaten, lehnen sich aneinander an, aber bewegen sich nicht miteinander durch die Zeile. Die Senk- rechte ist betont. Die Achsen stehen senkrecht und waagerecht. Das a ist offen, das g ohne unte- re Schleife. Wenn sie zu eng gesetzt werden, kann sich eine ‚Gartenzaun-Wirkung‘ ergeben. Bei mehr- zeiligen Texten ist deshalb ein ausreichend großer Durchschuss nötig. Ruhiges, nüchternes Gesamt- bild. Wer sie für längere Lesetexte verwenden will, braucht typographische Erfahrung (w. o.: 61).

Die statische Grotesk, amerikanische Grotesk

Schmale Buchstaben, einfache, aber eindeutig ausgeprägte Formen (doppel- stöckiges g), die auch bei schlechter Behandlung ihren Zweck erfüllen. Diese Untergruppe der statischen Grotesk wird auch ‚Amerikanische Grotesk‘ ge- nannt. Die oben beschriebene statische Grotesk hat eine Schwester. Ihre Buch- staben sind eher Arbeiter an der gemeinsamen Aufgabe als Soldaten in Reih und Glied. Die Aufgabe lautet: Auch bei schlechtem Druck auf groben Papier in kleinen Schriftgraden gut lesbar sein, wenig Platz in Anspruch nehmen, kurz:

für den Zeitungsdruck im Rotations-Hochdruck spezialisiert sein. Das war um 1906. Ihre so entwickelten Eigenschaften wurden von einigen neueren Schrif- ten übernommen, sie erweisen sich auch heute als Vorzüge (w. o.).

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Mikrotypografie

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Anatomie der Schrift 24 25

Anatomie der Schrift

Anatomie der Schrift 24 25

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Mikrotyporafie

Segment der angewandten Typog- raphie, auch als Detailtypographie bezeichnet. Im Gegensatz zur Mak- rotypographie beschreibt die Mikro- typographie die Schrift und ihre An- wendung selbst. Mikrotypographie umfasst sowohl die fundierte Inter- pretation der Typometrie von Buch- staben, Ziffern und Zeichen, als auch deren ins Detail gehende Anwendung im Schriftsatz.

Schriftgröße

Bei Texten für normalen Leseabstand liegt die angemessene Schriftgröße zwi- schen 9 und maximal 12 Punkten. Da verschiedene Schriften bei gleichem Schriftgrad dennoch unterschiedlich groß wirken, muss man es einfach aus- probieren.

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Überschriften dürfen größer sein.

Bei Schrifgraden unterhalb der normalen Lesegröße spricht man von Konsultationsgrößen. Sie eignen sich für Marginalien (Randbemerkungen), Fußnoten und das Kleingedruckte.

Schriften für Overheadprojektor-Folien müssen mindestens 14 Punkt haben! Die Schriftdarstellung am Bildschirm mit seiner groben 72-ppi-Auflösung wirkt anders als ein Ausdruck mit einem

600-dpi-Drucker.

Von einer noch unbekannten Schrift sollte ein Probeausdruck gemacht wer- den. Zur besseren Monitordarstellung wird der Schriftgrad gegebenenfalls erst nach der Texterfassung auf das endgültige Ausgabemaß reduziert, oder man kann die Ansichtsgröße im Computer auf mehr als 100% stellen, um auch bei 10 Punkt noch gut zu erkennen, was man da schreibt.

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Zeilenlänge

Die Breite einer Spalte darf einen gewissen Betrag nicht über- schreiten, da sonst das Zurückgleiten des Auges vom Zeilenen- de zum nächsten Zeilenanfang gestört wird und der Leser die

Orientierung verliert. Zu kurze Zeilen erfor- dern ein unnötig häufi- ges Zurückschwenken und viele Trennungen. Die absolute Zeilen- länge ist abhängig von der gewählten Schrift- größe: Faustregeln schlagen 50 bis 70 An- schläge pro Zeile vor, durchschnittlich acht Wörter oder eine Länge, die sich von der Punkt- zahl des Schriftgrades herleitet: 12 pt bedeu- tet 12 cm Zeilenlänge. Gegebenenfalls ist eine mehrspaltige Textan- ordnung auf der Seite zu prüfen. In Zusam- menhang mit der Zei- lenlänge steht auch die Ausrichtung des Textes.

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Für die meisten Texte besteht praktisch nur die Wahl zwischen Blocksatz und linksbündigem Flattersatz. Wie es von den gut überschaubaren, aber relativ kurzen Zeilen in Zeitungen her be- kannt ist, muss die zwangsläufig unterschiedliche Zeichenanzahl pro Zeile beim Blocksatz durch die Wortabstände ausgeglichen werden. Das stört den homogenen Grauwert der Spalte und kann sogar zu unschönen senkrechten Lücken über mehre- re Zeilen hinweg führen. Erst bei längeren Zeilen kann der Ausgleich auf so viele Wortzwischenräu- me verteilt werden, dass er kaum noch auffällt. Diese Probleme treten im Flattersatz naturgemäß nicht auf, wobei allerdings der geschlossene rechte Spaltenrand verloren geht. Um möglichst gleichlan- ge Zeilen zu erzielen, sollte die Silbentrennung zu- gelassen werden. Treten dabei störend viele Tren- nungen oder mehr als drei in Folge auf, muss die Spaltenbreite geändert – in der Regel vergrößert – werden.

Auszeichnungen

Um einzelne Wörter oder ganze Passagen im laufen- den Text hervorzuheben, bieten Textverarbeitungs- programme eine ganze Palette mehr oder weniger aufdringlicher Auszeichnungsformen an. Da Aus- zeichnungen zwar beim Lesen auffallen, jedoch nicht die Homogenität des Textbildes stören sollen, kom- men eigentlich nur der Kursivschnitt der Schrift oder das Schreiben in Kapitälchen in Frage. Der Kursiv- schnitt umfasst etwas geschwungenere Buchstaben als der Normalschnitt mit leichter Rechtsneigung. Die Formen erinnern oft an eine handschriftliche Schreibweise. Kapitälchen sind kleine Großbuch- staben in Höhe der Mittellängen, wobei die Groß- und Kleinschreibung erhalten bleibt. Eine gut aus- gebaute Schrift umfasst eigens für diesen Zweck entworfene Varianten der normalen Großbuchsta- ben, die in ihren Proportionen für die verkleinerte Ausgabe optimiert sind. Kapitälchen-Satz eignet sich besonders für die Hervorhebung von Eigenna- men, während ansonsten in erster Linie die Kursiv- schreibung zur Auszeichnung genutzt werden sollte.

Die Überschriften dürfen zur Auszeichnung etwas fetter als der laufende Text gesetzt werden und können auch räumlich abgesetzt stehen.

Zudem ist es generell möglich, eine andere Schriftart zu wählen, die sich von der Grundschrift allerdings hinreichend deutlich unterscheiden muss. Durch unterschiedliche Hervorhebung wird eine hierarchische Staf- felung in Haupt- und Nebenüberschriften verschiedenen Grades deutlich. Im Übrigen gilt bei den Auszeichnungen das Gebot der Sparsamkeit: Wenn eine Überschrift, die bereits größer, fetter und vom Grundtext abgerückt ist, im- mer noch nicht genügend ins Auge fällt, ist mit dem Unterstreichen als vierte (!) Hervorhebung auch nichts mehr zu gewinnen. Die vielfältigen Aus- zeichnungsformen in den Titelseiten der Boulevardpresse dienen einem ande- ren Zweck, als die Lesbarkeit zu verbessern.

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Laufweite

Am kleinsten ist der Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben und Zeichen,

die Laufweite. Sie ist in den Schriften der Textverarbeitungsprogramme vorein- gestellt. Bei guten Druckschriften ist der Buchstabenabstand nicht an allen Stel- len genau gleich; für optisch ungünstige Buchstabenkombinationen verfügen sie über eigene »Unterschneidungspaare« mit verringerter Laufweite, so dass etwa der Fuß des A ein wenig unter den Überstand des W geschoben ist: »AW«.

Textverarbeitungspro -

g

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wo er ein Wort s p e r r e n will. Die Typogra -

z u v e r g r ö ß e r n ,

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wie den Doppelpunkt stärker abzusetzen.

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Handreichungen

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hingewiesen.

Wortabstand

Für den Wortabstand hingegen ist jeder Anwender in hohem Maße selbst verantwortlich. Da die einzel- nen Buchstaben und Zeichen in den meisten Schriften unterschiedlich breit sind und die Wörter zudem aus unterschiedlich vielen Buchstaben bestehen, kommen die Zeilen fast immer unterschiedlich aus: Man spricht daher vom »Flattersatz«, in dem auch der Fließtext unserer Typo- graphischen Handreichungen gesetzt ist.

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Beim »Blocksatz« hingegen werden die Wortabstände automatisch Zeile für Zeile so vergrößert, dass beide Seiten des Textes genau bündig schließen:

Für den Wortabstand ist also entschei- dend, ob man Flatter- oder Blocksatz wählt, Silben trennt oder nicht. Zwar gewährleisten die Programme die Ein- haltung eines Mindestwortabstands, sie verhindern aber keine übergroßen Lücken. Es liegt am Anwender, die Wortabstände möglichst klein zu hal- ten. Abstände, die sich bedenklich der Durchschussbreite zwischen den Zei- len annähern, lassen sich fast immer, und sei es durch Wortumstellung, ver- meiden.

Zeilenabstand

Zwischen den Zeilen muss genügend freier Raum

vorhanden sein, um die Augen beim Lesen sicher

zu führen und ein Abgleiten in eine Nachbarzeile zu

verhindern. Die vertikale Zergliederung darf jedoch

nicht so weit führen, dass der Text unzusammen-

hängend wirkt und mehr Platz beansprucht, als nö-

tig. Wenn der Zeilenabstand so groß wie der Schrift-

grad ist, spricht man von kompress gesetztem Text.

Für gute Lesbarkeit ist jedoch Leerraum zwi-

schen den Zeilen unerlässlich. Dieser wird Durch-

schuss genannt. Durchschuss und Schriftgrad erge-

ben zusammen den Zeilenabstand, den Abstand von

Grundlinie zu Grundlinie. Als Faustregel gilt, dass

der Zeilenabstand etwa 120% bis 130% des Schrift-

grades betragen sollte. Eine 10-Punkt-Schrift benö-

tigt demnach 12 bis 13 Punkte Zeilenabstand, also

2 bis 3 Punkte Durchschuss. Die Erfahrung zeigt,

dass kleinere Schriften eher mehr Zeilenabstand

benötigen, während größere Schriften mit weniger

auskommen. Oft wird die Lesbarkeit eines Textes

durch die Vergrößerung des Zeilenabstandes um

ein oder zwei Punkte mehr verbessert, als um eine

entsprechende Erhöhung des Schriftgrades.

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Durchschuss

Als Durchschuss bezeichnet man das Weiße zwi- schen den Zeilen, genauer: den Abstand zwischen den Mittellängen zweier übereinanderstehender Buchstabenzeilen. Die Mittellänge ist die Höhe, die das »a« und »o« bzw. der Bauch des »p« oder »d« in einer Schrift einnehmen: Damit sich Ober- und Un- terlängen der Buchstaben nicht ineinander verha- ken können, ist der Durchschuss wie die Laufweite in den Schriften voreingestellt. Weil die Ober- und Unterlängen in den verschiedenen Schriften wie zwischen der Verdana und der Garamond beispiels- weise unterschiedlich ausfallen, hat jede Schrift ih- ren eigenen optimalen Durchschuss.

Der Durchschuss darf nicht mit dem Zeilen- abstand verwechselt werden. Dieser bemisst sich von Grundlinie zu Grundlinie, entspricht also einer Mittellänge zuzüglich des Durchschusses. Den Zei- lenabstand kann jeder Anwender eines Textverar- beitungsprogramms selbst einstellen, etwa einzei- lig für Fußnoten und Zitate, anderthalbzeilig für den Fließtext.

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Kerning

Kerning ist ein Verfahren, mit dem der Abstand zwischen be- stimmten Zeichenpaaren vergrößert bzw. verkleinert wird. Die Anpassung der Laufweite ermöglicht dagegen das Vergrößern bzw. Verkleinern der Abstände innerhalb eines ganzen Textes.

der Laufweite ermöglicht dagegen das Vergrößern bzw. Verkleinern der Abstände innerhalb eines ganzen Textes. 33

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Makrotypografie

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Kontrastwirkung

Beste Lesbarkeit erzielt schwarze Schrift auf hellem Grund. Farbige Schrift ist über größere Passagen eine Zumutung für die Augen. Auch wenn es technisch möglich ist, Bildbereiche hinter Textspalten stark aufzuhellen, wird man damit in der Regel weder Schrift noch Bild gerecht: Der Hinter- grund sollte stets homogen und frei von Strukturen sein, notfalls kann ein zum Rest des Bildes passender heller Farbton gewählt werden. Wird aus gestalterischen Gründen Nega- tivschrift eingesetzt, so sollten diese Passagen etwas fetter als der positive Text gehalten werden, um eine opti- sche Gleichrangigkeit herzustellen.

Makrotyporafie

In der Makrotypographie werden der Gestaltungsaufbau, die Ästhetik (Ordnungsprinzipien), die Komplexi- tät und der mediendidaktische Nut-

zen eines visuellen Kommunikations- mittels bzw. Mediums definiert. Des Weiteren werden auch technische, haptische, semantische und semio- tische (siehe auch Schriftmischung) Parameter festgelegt. Ein makrotypo- graphischer Entwurf erfolgt im Rah-

men eines Zwischenlayouts.

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Interessante Kontraste und Spannungen werden durch die Vertei- lung von Textspalten und unbedruckten Rändern auf der Seite erreicht. Dabei ist gegebenenfalls die Zusammenwir- kung zweier Seiten als Doppelseite zu beachten. Schrift braucht Raum, um ihre ästhetische Wirkung zu ent- falten. Zarte, offene Schriften mit einem hellen Grauwert des Schriftbil- des benötigen mehr weiße Umgebung als schmale oder fette Schriften mit einem kräftigen Grauwert. Eine bis auf den letzten Quadratzentimeter bedruckte Bleiwüste schreckt jeden Leser ab!

Textgliederung

Die Lesbarkeit verbessert sich, wenn ein Text mit Zwischenüberschriften und Absätzen in sinnvolle Abschnitte gegliedert wird. Gera- de beim Flattersatz ist es manchmal schwierig, eine fast volle Zeile als Absatzende zu erkennen. Darum ist es zusätzlich möglich, die ers- te Zeile eines Absatzes etwas einzurücken und so die Gliederung auch am linken Spaltenrand zu ver- deutlichen. Die erste Zeile einer Spalte nach einer Überschrift oder einer Leerzeile wird dementspre- chend nicht eingerückt! Ein angemessener Einzug sollte in seiner Breite dem Schriftgrad entsprechen.

Ein solches schrifthohes Quadrat wird Geviert ge- nannt. Der geviertgroße Einzug stellt eine noch eindeutige Markierung dar, zerhackt den Text je- doch nicht unnötig. Je nach Programm werden Ein- züge am einfachsten durch entsprechend platzierte Tabulatormarken oder über den Einzüge-Befehl des Text-Menüs gesetzt. Manche Programme bieten am Zeilenanfang auch automatisch eine geteilte Tabula- tormarke an: die obere Hälfte steht für die erste Zei- le eines Absatzes, die untere für alle anderen Zeilen. Wählt man eine der beiden letztgenannten an sich sehr eleganten Hilfen, muss für den ersten Absatz der Spalte der Einzug jedoch manuell wieder aufge- hoben werden, bzw. der Absatz darf nicht mit dem einfachen Return-Befehl gesetzt werden. Gekonnte Textverarbeitung zeigt sich eben durch Liebe zum Detail!

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