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Menschen sind nur eine Station im Leben

Diese Annahme so trivial wie sich auch erscheinen mag, tritt nur selten mit voller Akzeptanz in das Leben
eines jeden Einzelnen. Bezeichnend hierfür ist die teilweise innige Bindung an Menschen, gefolgt von einer
nicht zu unterschätzenden Öffnung der eigenen Person, die im Hinblick auf die geistig-emotionale
Gesundheit fast als suboptimal bezeichnet werden muss.
Um diesen Fakt zu konkretisieren, sei folgendes Gedacht.
Die Annäherung an eine Person die eine längere Bindung in Aussicht stellt, ist nur zu oft gefolgt von
Hindernissen die zwischenmenschlicher Natur sind. Diese stellen dahingehend meist kein Problem dar, da
schon der Wunsch nach Bindung einen gewissen Grad der Toleranz mit sich bringt, der wiederrum gewisse
Unzulänglichkeiten vergessen lässt. (Ebenso gut bestünde hier die Möglichkeit von Ignoranz zu sprechen,
dies wird aber aufgrund der negativen Konnotation vermieden.)
Ist in dieser Hinsicht diese erste Hürde genommen, stellt sich unweigerlich das Verlangen ein, mehrere
Dinge zu teilen, als nur das Bett. Da auch hier beiderseitiges Einvernehmen an erster Stelle steht, was auch
ganz logisch ist, da eine egozentrische Position nicht den nötigen Ausgleich für alle Beteiligten bringt,
verstärkt sich der Bindungseffekt weiter.
Im Besten möglichen Fall verläuft diese Form der Koexistenz ohne weitere schwerwiegende Zwischenfälle
und endet mit dem Dahinscheiden beider Parteien.
Da diese Vorstellung allenfalls romantisch verträumt ist, dazu ist keine tiefschürfende Analyse der Welt
erforderlich, erfolgt nun die Betrachtung des Regelfall. Man möge sich zu seinem Privatleben hinwenden
und sich fragen, wann bestand dieser Zustand schon einmal und wie lange hielt eben dieser an? In den
relevanten Fällen reicht die Zeitdauer nicht über das verflixte siebte Jahr hinaus (Scheidungsrate 2005 rund
50%, immerhin steigt die Ehedauer wieder, 2008 zuletzt rund 14 Jahre)
Der relevante Teil der hinsichtlich dieser Zahlen nicht untersucht werden kann, sind die Mikrobeziehungen.
Mikro bezieht sich hier weniger auf die mangelnde Nähe, sondern vielmehr auf die Kürze der Zeit die sie
existieren. Sie begegnen uns jeden Tag und reichen von zerbrechenden Freundschaften bis zu mehr oder
minder einseitig verlaufenden Liebesbeziehungen. Diese in Summe betrachtet lassen nur einen Schluss zu,
Menschen sind nichts weiter als Stationen im Leben eines jeden Einzelnen, wie viel man mit ihnen zu tun
haben möchte oder welchen Stellenwert man ihnen beimisst, ist ebenso willkürlich egal, wie jeder andere
Aspekt der Menschen vermeintlich verbindet. Stets hängt das Gelingen von ebenso vielen Faktoren ab, wie
der Flug ins All. Es bleibt eine reine Kalkulation von Variablen die mit unterschiedlichen Größen in dem
großen Bezugsrahmen Welt nebeneinander existieren. Dies würde zwar einen indirekten Wink hin zum
Determinismus bedeuten, der sich schwerlich hier entkräften lässt, doch wird wohl auch niemand
abstreiten können, dass wir uns in gewisser Hinsicht immer im Widerstreit mit den, wie man es etwas
pathetisch formulieren könnte, Elementen befinden.
Schlussendlich stellt sich die Frage nach dem Grad der Verachtung die hier (un)angebracht ist? Diese ist je
nach Standpunkt sicherlich schneller beantwortet als angenommen wurde. Da gewisse gefühlskalte
Momente jedes Leben beeinflussen. Es soll keine Vergrämen unterstützt werden aber es liegt hier
womöglich nahe aus dem Fenster zu springen, da sich auf weite Sicht nichts ändern wird, allenfalls besteht
in einer Gelassenheit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben eine minimale Chance auf geistige
Gesundheit, es sei denn, dies ist auch schon ein Zeichen für einen Mangel an selbiger.
Was bleibt ist die Gewissheit, dass nichts verboten und alles erlaubt ist, wenn man sich einem Menschen
gegenübersieht, der es nicht so genau nimmt mit der Achtung vor dem Wesen des Betroffenen.
Möge der Besserer gewinnen, falls das möglich ist.

OG3r