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Der Besitz

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Der Besitz stellt die tatsächliche Sachherrschaft (im Gegensatz zum Eigentum als rechtlicher Sachherrschaft) dar, die mithin auch bei Nichtberechtigten, wie dem Dieb, vorliegt.

   

I.

Arten des Besitzes

   

Unmittelbarer Besitz, § 854 BGB

 
Mittelbarer Besitz, § 868 BGB
Mittelbarer Besitz, § 868 BGB

Erwerb durch Erlangung der tatsächlichen Sachherrschaft, §§ 854, 856 BGB Selbst oder durch Besitzdiener (§ 855 BGB)

oder

Mitbesitz (§ 866 BGB) als Fremd- oder Eigenbesitz (§ 872 BGB) Der Besitzerwerb/-verlust ist Realakt, der lediglich einen hinreichenden natürlichen Willen voraussetzt.

auch

als

Teil-

865

BGB)

Der unmittelbare Besitzer (Besitzmittler) vermittelt kraft Besitzmittlungsverhältnis einem Dritten eine Besitzposition:

Rechtsverhältnis gewährt Besitzrecht nur auf Zeit (z. B. Miete).

Besitzmittler will für Dritten besitzen.

Auch mehrstufig denkbar, § 871 BGB (z. B. bei Untervermietung); nicht bei weisungsabhängigem Besitzer im Haushalt oder Erwerbsgeschäft:

Besitzdiener, § 855 BGB.

Bähr, S. 348

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II. Rechtsfolgen

Besitzschutzrechte

I. Selbsthilfe

Eigenmacht, §§ 859, 860 BGB Besitzwehr und -kehr bei gegenwärtiger Störung oder Entziehung

Auch durch Besitzdiener, § 860 BGB

II. Possessorische Ansprüche (Heraus-

gabe, Beseitigung, Unterlassung) §§ 861, 862, 869 BGB Voraussetzungen:

Verbotene Eigenmacht, § 858 Abs. 1 BGB Fehlerhafter Besitz, § 858 Abs. 2 BGB Frist, § 864 Abs. 1 BGB Auch gegenüber besser Berechtigten, § 863 BGB (Ausnahme: Bessere Berechti-

verbotene

gegen

Bähr, S. 348

gung rechtskräftig festgestellt: § 864 Abs. 2 BGB); Grund: Verhinderung von Selbstjustiz! III. Weitere Ansprüche § 1007 BGB (bösgläubiger neuer Besitzer oder Abhandenkommen, es sei denn jetziger Besitzer ist besser berechtigt, Abs. 3); § 823 Abs. 1 BGB: Besitz als sonstiges Recht

Publizitätsfunktion
Publizitätsfunktion

Eigentumsvermutung für gegenwärtigen unmittelbaren Besitzer, § 1006 BGB (Beweislastumkehr). Anknüpfungspunkt für den Rechtsschein bei gutgläubigem Erwerb, §§ 932 ff BGB.

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Das Eigentum

Im Gegensatz zum Besitz stellt Eigentum die rechtliche Herrschaft über eine Sache dar. Möglich ist Miteigentum mehrerer Personen gemäß §§ 1008 bis 1011 BGB (gesamthänderisch oder Bruchteilseigentum).

Inhalt und Schranken

§ 903 BGB berechtigt den Eigentümer zur beliebigen Verfahrensweise mit der Sache unter Ausschluss anderer. Schranken:

1. Öffentlich rechtliche Grenzen (z. B. Bau-, Umwelt-, Naturschutzrecht) 2. Entgegenstehende fremde Rechte, insbesondere Nachbarrecht, §§ 905 ff BGB Duldung unwesentlicher oder ortsüblicher Immissionen des Nachbargrundstücks, § 906 BGB 3. Rechtsgeschäftliche Einschränkungen schuldrechtliche Vereinbarung des Eigentümers mit Dritten (z. B. Mietverträge) Einräumung beschränkt dinglicher Rechte an Dritte (z. B. Wegerecht)

Bähr, S. 354

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Schutz des Eigentums

1. Herausgabeanspruch, § 985 BGB

Eigentum des Anspruchstellers

Besitz des Anspruchsgegners

Kein Recht zum Besitz, § 986 BGB

2. Abwehranspruch (Beseitigung und Unterlassung), § 1004 BGB

Beeinträchtigung des Eigentums durch Anspruchsgegner (Störer)

Rechtswidrigkeit (keine Duldungspflicht, § 1004 Abs. 2 BGB, siehe Schranken)

Für Unterlassungsanspruch: Wiederholungsgefahr, § 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB

3. §§ 823, 812 BGB

4. § 47 InsO: Aussonderung im Insolvenzverfahren; § 771 ZPO: Widerspruch

gegen fremde Zwangsvollstreckungsmaßnahmen

Bähr, S. 354

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Erwerb von Eigentum an beweglichen Sachen

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Der Erwerb von Eigentum kann aufgrund gesetzlicher Anordnung oder durch Rechtsgeschäft erfolgen. Bei Letzterem sind der Erwerb vom Berechtigten und der gutgläubige Erwerb vom Nichtberechtigten zu unterscheiden.

Kraft Rechtsgeschäft

Vom Berechtigten

§ 929 Satz 1 BGB

§ 929 Satz 2 BGB

§ 930 BGB

§ 931 BGB

Vom Nichtberechtigten

§ 932 Abs. 1 Satz 1 BGB

§ 932 Abs. 1 Satz 2 BGB

§ 933 BGB

§ 934 BGB

Bähr, S. 365, 370

Kraft Gesetz

Verbindung/Vermischung,

949 BGB

§§

946

bis

Verarbeitung, § 950 BGB Beachte: Unabhängig von Verfügungs- befugnis oder Abhandenkommen auch durch Nichtberechtigten; Ausgleich gemäß § 951 BGB

Erbfall, § 1922 BGB

Ersitzung, §§ 937 ff BGB

Fund, § 973 BGB

Aneignung, § 958 BGB

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Der rechtsgeschäftliche Eigentumserwerb an beweglichen Sachen

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Zu unterscheiden ist zwischen dem Erwerb vom Berechtigten (§§ 929 – 931 BGB) und dem gutgläubigem Erwerb vom Nichtberechtigten (§§ 932 – 935 BGB).

Erwerb von Berechtigten

Der Eigentumserwerb vom Berechtigten hat drei wesentliche Voraussetzungen:

Einigung

Übergabe
Übergabe

Berechtigung

I. Einigung

Vertrag (§§ 145 ff BGB) mit dem Inhalt, dass Eigentum übergehen soll

II. Übergabe

1. Definition Vollständige Besitzaufgabe und Verschaffung des Besitzes an Erwerber (bzw. dessen

Besitzdiener/-mittler), falls der nicht schon besitzt (§ 929 Satz 2 BGB). 2. Übergabesurrogate Die Übergabe kann ersetzt werden, nämlich

§

Erwerber

930

BGB:

Besitzkonstitut

(Besitzmittlungsverhältnis,

kraft

dessen

mittelbarer Besitzer wird, z. B. bei der Sicherungsübereignung),

Bähr, S. 365

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§ 931 BGB: Besitz eines Dritten, Veräußerer nur mittelbarer Besitzer, statt Übergabe Abtretung des Herausgabeanspruchs gegen Dritten. III. Verfügungsbefugnis Der Veräußerer muss zur Übertragung des Eigentums befugt sein, d. h. Eigentümer, sofern nicht Einschränkung (z. B. gemäß § 80 InsO!). sonst Verfügungsbefugter, z. B. Ermächtigter, § 185 BGB, oder Insolvenzverwalter, § 80 InsO

Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten

Veräußerung durch Nichtberechtigten
Veräußerung durch
Nichtberechtigten
Guter Glaube
Guter Glaube
Kein Abhandenkommen
Kein
Abhandenkommen

Der Rechtsverkehr darf grundsätzlich vom Besitz auf das Eigentum einer Person schließen (§ 1006 BGB). Daher ist ein Eigentumserwerb des gutgläubigen Erwerbers trotz fehlender Berechtigung des Veräußerers gerechtfertigt, wenn der Eigentümer den Rechtsschein des Besitzes veranlasst hat.

Bähr, S. 365

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Voraussetzungen

I. Übereignung gemäß §§ 929 – 931

BGB durch Nichtberechtigten

II.

Gutgläubigkeit des Erwerbers

1.

Definition, § 932 Abs. 2 BGB

Glaube an das Eigentum des Veräußerers (bei Veräußerungen eines Kaufmannes auch an dessen Verfügungsermächtigung, § 366 HGB)

Keine Kenntnis/grob fahrlässige Unkenntnis vom fehlenden Eigentum

2.

Zeitpunkt

Bei Abschluss des Erwerbes, d. h. abweichend von den §§ 930 und 931 BGB grundsätzlich bei Übergabe vom Veräußerer an den Erwerber (Ausnahme:

§ 934 Fall 1 BGB).

Bähr, S. 367

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III. Kein vorheriges Abhanden- kommen, § 935 BGB

unmittel-

unfreiwilliger baren Besitzes

beim Eigentümer oder Besitzmittler

keine

Inhaber-

öffentlicher

Verlust

des

Geltung

bei

Versteigerung, Geld

papieren

oder

Rechtsfolgen

Der Erwerber wird Eigentümer, Herausgabeansprüche bestehen daher nicht (Ausnahme: § 816 Abs. 1 Satz 2 BGB für unentgeltlichen Erwerb). Der frühere Eigentümer kann vom Veräußerer Schadensersatz oder Erlösherausgabe verlangen §§ 823 ff, 816 BGB.

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Das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (EBV)

Nutzungsersatz

Schadensersatz

Verwendungsersatz

Ist der Besitzer (z. B. als Mieter) dem Eigentümer gegenüber zum Besitz berechtigt, hat er nicht herauszugeben (§ 986 BGB). Die Rechte und Pflichten ergeben sich dann aus dem zum Besitz berechtigenden Rechtsverhältnis. Anders liegt dies beim unrechtmäßigen Besitzer. Der Herausgabeanspruch ist nur die Hauptfolge, die Nebenfolgen (Nutzungsersatz, Schadensersatz und Verwendungsersatz) ergeben sich grundsätzlich unter Ausschluss sonstiger gesetzlicher Schuldverhältnisse aus den Regeln des EBV (§§ 987 ff BGB). Der bösgläubige Besitzer, der wusste oder grob fahrlässig nicht wusste, dass er mangels Besitzberechtigung herausgeben musste, haftet nach diesen Vorschriften verschärft. Ihm wird der auf Herausgabe bereits verklagte Besitzer gleichgestellt. Der gutgläubige Besitzer, der sich ohne grobe Fahrlässigkeit für berechtigt hält, hat dagegen grundsätzlich nur herauszugeben. Im Einzelnen:

Bähr, S. 361

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Nutzungsersatz Nutzungsersatz

Sind die in der Besitzzeit gezogenen Nutzungen (z. B. Gebrauchsvorteile, § 100 BGB) heraus- zugeben?

Bösgläubiger oder ver- klagter Besitzer, §§ 987,

990 BGB

Schadensersatz
Schadensersatz

Ist

Beschädigung oder Untergang der Sache während der Besitzzeit Schadensersatz zu leisten?

schuldhafter

bei

Bösgläubiger oder ver- klagter Besitzer, §§ 989, 990 BGB

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Verwendungsersatz

Erhält

Wertersatz für die auf die herauszugebende Sache getätigten Verwendungen?

Bösgläubiger oder ver- klagter Besitzer: nur notwendige Verwendun- gen, § 994 Abs. 2 BGB

der Besitzer

Gutgläubiger Besitzer

Deliktischer Besitzer

Gutgläubiger Besitzer:

nur,

wenn

unentgelt-

(ohne Verschulden), §§

notwendige und nütz-

licher

Besitz,

§§

988,

992, 848 BGB

liche (werterhöhende)

993

BGB

Keine Ersatzpflicht des Gutgläubigen, § 993 BGB

Verwendungen, §§ 994, 996 BGB Luxusverwendungen nie; wegen Verwendungsersatz Zurückbehaltungsrecht, § 1000 BGB

Bähr, S. 361

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Beschränkt dingliche Rechte an beweglichen Sachen

Nießbrauch

§ 1030 BGB

Der Nießbrauch berechtigt zur Fruchtziehung und zum Besitz, lediglich Verfügungen über die Sachsubstanz sind unzulässig, §§ 1030, 1036, 1037 BGB). Gegenüber Dritten besteht ein Schutz analog den Eigentumsvorschriften (§ 1065 BGB). Der Nießbrauch ist nicht übertragbar oder vererblich (§§ 1059, 1061 BGB).

Bähr, S. 372, 374

Pfandrecht

§§ 1204 ff BGB

I. Inhalt

Sicherung einer Forderung durch besonderes Zugriffsrecht auf eine Sache:

Verwertungsrecht durch öffentliche Versteigerung bei Pfandreife (§§ 1228 ff BGB); Verwendung des Erlöses zur Befriedigung der gesicherten Forderung.

II. Entstehung

Von den Fällen gesetzlicher Pfandrechte

(Werkunternehmerpfandrecht, § 647 BGB; Vermieterpfandrecht, §§ 562 ff BGB)

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abgesehen, entsteht das Pfandrecht durch Rechtsgeschäft, §§ 1204 bis 1207 BGB.

Voraussetzungen

1. Bestehende Forderung (Akzessorietät)

2. Einigung

3. Übergabe der Pfandsache, § 1205 BGB

4. Berechtigung

(bei

Fehlen:

Gutgläubiger Erwerb, § 1207 BGB)

Bähr, S. 372, 374

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III. Sonstiges

Beachte: Übertragung durch Abtretung der gesicherten Forderung (§ 1250 BGB); Erlöschen mit der Forderung (§ 1252 BGB) oder durch Besitzaufgabe (§ 1253 BGB).

Nachteil des Pfandrechtes ist die erforderliche Übergabe an den Sicherungsnehmer, das Pfand kann daher vom Sicherungsgeber wirtschaftlich nicht mehr genutzt werden, der Sicherungsnehmer hat bei großen Maschinen u. ä. Lagerungsprobleme. Im Wirtschaftsverkehr hat sich daher die Sicherungsübereignung durchgesetzt.

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Formen der Forderungssicherung

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Im Wirtschaftsverkehr bestehen häufig für längere Zeit ungetilgte Forderungen, sei es infolge eines Gelddarlehens, sei es bei einem Warenkredit durch aufgeschobene Kaufpreisfälligkeit. Zwar haftet der Schuldner mit seinem gesamten Vermögen, die tatsächliche Durchsetzung hängt aber von dessen Vermögensstand ab. Insbesondere im Rahmen eines Insolvenzverfahrens besteht eine Konkurrenz zu anderen Gläubigern. Daher ist die Sicherung von Forderungen von großer Bedeutung. Instrumente:

Personalsicherheiten

Bürgschaft, §§ 765 ff BGB Persönliche Verpflichtung eines (solventen) Dritten

Realsicherheiten

Reservierung einzelner Vermögensgegenstände für den Zugriff eines bestimmten Gläubigers (Aus- oder Absonderungsrecht in der Insolvenz, §§ 47, 50, 51 InsO; Schutz vor Zwangsvollstreckungszugriffen Dritter (§ 771 ZPO) oder vor späteren Verfügungen.

Bähr, S. 288, 372, 391

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An Forderungen

Forderungsverpfändung

Nachteil:

mit

Anzeige

Schuldner, § 1280 BGB.

Wirksam

erst

(oft

ungewollter)

an

den

Sicherungsabtretung Insbesondere in der Form der Globalzession bezüg- lich aller oder bestimmter Forderungen eines Unter- nehmers (problematisch:

Bestimmbarkeit und ggf. Sittenwidrigkeit wegen Übersicherung oder Kne- belung).

Bähr, S. 288, 372, 391

An beweglichen Sachen
An beweglichen Sachen

Pfandrecht

Eigentumsvorbehalt

Sicherungseigentum

Vorteil gegenüber Forde- rung: Rechtlicher Bestand ist sicher, keine Abhän- gigkeit von Solvenz eines Dritten; aber: gutgläubiger Erwerb Dritter und tat- sächliches Verschwinden möglich.

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An Grundstücken

Grundschuld

Hypothek

Vorteil gegenüber beweg- lichen Sachen: Sicherheit vor tatsächlichen und rechtlichen Verschiebun- gen durch den Sicherungs- geber; in der Regel dauer- haft werthaltig.

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Der Eigentumsvorbehalt

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Der Eigentumsvorbehalt ist das Sicherungsmittel des Warenkreditgebers. Soll die Zahlung des Kaufpreises nicht Zug um Zug, sondern erst nach der Lieferung (ratierlich oder mit Zahlungsziel) erfolgen, sichert der Eigentumsvorbehalt den Rückgriff auf die Kaufsache, wenn der Kaufpreis nicht gezahlt wird.

Voraussetzungen

Übereignung unter aufschiebender Bedingung vollständiger Kaufpreis- zahlung (§§ 449, 158 Abs. 1 BGB)

Vereinbarung

gabe

Bähr, S. 375

spätestens

bei

Über-

Besondere Arten

1. Erweiterter Eigentumsvorbehalt

Aufschiebende Bedingung der Begleichung weiterer Forderungen aus

einer Geschäftsverbindung

2. Verlängerter Eigentumsvorbehalt

Eigentumsvorbehalt mit Ermächtigung des Käufers zur Weiterverarbeitung/-ver- äußerung (§ 185 BGB); Vorausabtretung der daraus resultierenden Forderungen gegen die Kunden des Käufers.

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Rechtsfolgen

1. Verkäufer bleibt Eigentümer, Käufer wird Besitzer; Besitzrecht des Käufers aus dem Kaufvertrag.

2. Verkäufer ist durch den Kaufvertrag gebunden; vertragswidrige Ver- äußerungen an Dritte scheitern am Anwartschaftsrecht des Käufers, § 161 Abs. 1 BGB.

Bähr, S. 375

3. Käufer darf vor Zahlung noch nicht weiterveräußern; Schutz des Verkäufers bei Insolvenz des Käufers (Aussonderung, § 47 InsO) und bei Zwangsvollstreckungs- zugriffen von Käufergläubigern (§ 771 ZPO).

4. Bei Zahlungsverzug Rücktritt und Herausgabe (§§ 346, 985 BGB); bei vollständiger Zahlung wird aus dem Anwartschaftsrecht (Vorstufe zum Eigentum) automatisch Eigentum des Käufers (vgl. § 158 Abs. 1 BGB).

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Die Sicherungsübereignung

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Die Sicherungsübereignung (SÜ) stellt den Umkehrfall zum Eigentumsvorbehalt dar. Der Schuldner (Sicherungsgeber) übereignet aus seinem Vermögen eine Sache zur Si- cherung einer Forderung an den Gläubiger (Sicherungsnehmer), behält aber den Besitz.

Voraussetzungen

Übereignung einer Sache gemäß §§ 929, 930 BGB

Sicherungsabrede: Verwertungsrecht

Forderung

nur,

wenn

gesicherte

notleidend wird

auch

B.

Lagerbestand), wenn hinreichend be-

stimmt

an

künftigen

Sachen

(z.

Bähr, S. 379

Rechtsfolgen

1. Sicherungsnehmer wird Eigentümer; Sicherungsgeber bleibt Besitzer; Besitzrecht aus Sicherungsabrede, solange gesicherte Forderung nicht notleidend (Sicherungsfall); Anwartschaftsrecht nur bei auflösend bedingter SÜ (§ 158 Abs. 2 BGB). 2. Bei Sicherungsfall: Verwertungsrecht; Schutz vor Insolvenz des Sicherungsgebers (§ 51 InsO) und Zwangsvollstreckungs- zugriffen, § 771 ZPO 3. Bei Erfüllung der gesicherten Forderung:

Automatischer Rückfall des Eigentums, wenn SÜ auflösend bedingt (§ 158 Abs. 2 BGB); anderenfalls Anspruch auf Rückübereignung aus Sicherungsabrede.

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Das Grundbuch

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Ein Grundstück ist ein katastermäßig vermessener Teil der Erdoberfläche, der in einem eigenen Grundbuchblatt registriert ist. Das Grundbuch übernimmt bei Grundstücken anstelle des Besitzes die Publizitätsfunktion. Bei rechtsgeschäftlichen Vorgängen an Grundstücken ist daher die Eintragung in das Grundbuch erforderlich (§ 873 BGB).

Inhalt des Grundbuches

Akte/Datei mit folgenden Teilen:

Bestandsverzeichnis:

Angaben

Katastermäßige

Abteilung I: Eigentümer

Abteilung III: Grundpfandrechte

Abteilung II: Sonstige Belastungen

Bähr, S. 381

Verfahren

Das Verfahren zur Grundbucheintragung (formelles Grundbuchrecht) ist in der Grundbuchordnung (GBO) geregelt. Voraussetzungen:

Antrag, § 13 GBO Bewilligung des Betroffenen, § 19 GBO in öffentlich beglaubigter Form, § 29 GBO Beachte: Für den materiellen Erwerb gemäß § 873 BGB ist die Einhaltung der formellen Vorschriften irrelevant!

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Wirkung der Grundbucheintragung

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1. Rangwirkung

Für den Rang verschiedener Rechte ist der Zeitpunkt der Eintragung maßgeblich, § 879 BGB. Ausnahme: Sicherung des Vorrangs durch Vormerkung, §§ 883 ff BGB, oder Vorkaufsrecht, §§ 1094 ff BGB.

2. Richtigkeit?
2. Richtigkeit?

Der im Grundbuch Eingetragene muss nicht tatsächlich Rechtsinhaber sein, möglich sind auch Fehler des Grundbuchamtes oder Erwerbsvorgänge außerhalb des Grund- buches (z. B. Erbfall!). In diesen Fällen hat der wahre Berechtigte einen Berichtigungs- anspruch gemäß § 894 BGB. Per einst- weiliger Verfügung kann ein Widerspruch erwirkt werden (§ 899 BGB), dies verhindert gutgläubigen Erwerb von Dritten. Gemäß § 891 BGB besteht aber die Vermu- tung, dass der Grundbuchinhalt der wahren Rechtslage entspricht. Dieser öffentliche Glaube des Grundbuches ist Grundlage für einen möglichen gutgläubigen Erwerb von Dritten, die berechtigterweise auf den Inhalt des Grundbuches vertrauen (§ 892 BGB).

Bähr, S. 381

Wirtschaftsprivatrecht © J. Ehrig

Bähr, S. 381

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