Sie sind auf Seite 1von 14

/ad'/4??

Ubersicht
Zuerst will ich kurz erkläirer! was ich mit die-
Globalisierung sem Referat erreichen will. Ich werde dazu
einige Anmerkungen zum Begriff ,,Globalisie-
rung" machen.
Im Hauptteil will ich zwei ,,Schlüsselereignis-
Tatsachen und se" nehmen, die immer als Beispiel firr die Glo-
balisierung genannt werden und diese dann in
Mythen den allgemeinen Zusammenhang stellen.

Das erste Beispiel ist die sogenannte ,,Mexiko-


Krise", an der ich deutlich machen will, welche
wesentlichen Entwicklungen es in der Welt-
wirtschaft gegeben hat.
Speziell die W,ihrungsspekulation soll ja ein
lnhalt Kennziichen der Globalisierung sein, deshalb
werde ich ats zweites Beispiel die angebliche
Übersicht I Spekulation gegen das britische Pfund nehmen
Zum Begriff ,,Globalisierun g" 1 und dabei darstellen, wie das Weltwährungssy-
stem heute aussieht.
,,Globalisienrng" als Schicksal I
Zum Schluß will ich zusammenfassen, warum
,,Globalisiemng" als Mythos 2
der Begriff ,,Globalisierung" nicht die wirkli-
Was ist neu und was bedeutet es? 2
chen Verhälurisse beschreibt.
Die Krise des mexikanischen Pesos 7

Die Story 2

Ausweihrng der Krise J Zum Beg riff ,,G lobal isie-


r(
Der IWF 4 ru ng
Was ist geschehen? 5
Die Diskussion um die ,,Globalisierung" ist nun
Entwicldungen der Weltwirtschaft 6 schon eine Zeitlang im Gange. Der Begriff
wurde benutzt als Begründung für den gesell-
Globalisierungsthese und Realität 6
schaftlichen Zugriff, der in Landern wie der
Hemmende Faktoren 6 Bundesrepub lik statcEndet.
GATT, OECD, MAI usw. 7

Nach der Wende 8


,,Globalisierung" als Schicksal
Spekulation gegen das britische Im Reader haben wir natürlich keinen Beitiag,
Pfund 8
der z.B. die Sparpolitik begriurdet, sondern die
Das Ende des EWS 8 Gegenpositionen dazu, aus neukeynesianischer
Politik der Bundesbank 9 Sicht z.B. bei Herbert Schui nach dem Motto
,,Geld ist genug da".
Enfwicklung des
Weltwährungssystems 9 ln dieser Fraktion wird von allen Seiten vbraus-
gesetzt, daß es die Globalisiemng gibt und
Die Kreditnehmer l0
zwar als unauftialtsamen Trend.
Nationale Kontrolle ll
Im Reader wird das deutlich z.B. am Beitrag
Fazit 72 von Fred Schmid oder an den Karikaturen aus
Die,,Globalisienmg" ist keine dem ,,isw-report". Alwater und Mahnkopf ma-
Globalisierung 12 chen sich sogar daran, die Sache noch tiefer
soziologisch und philosophisch zu begründen.
Die Sucht nach der Krise t2
Hierher gehört auch die Krisentheorie von Sei-
ten der Linkeq die wir am extremsten bei Ro-
Die Krise des mexikanischen Pesos

bert Kurz mit seiner ,$immelhhrt des Geldes" Die Krise des mexikani-
finden.
Eine Sonderstellung nimmt Karl Heinz Roth
schen Pesos
ein, der die Entwicklung anders charakterisiert
und ihre Chancen für die Linke sucht. Die Story
Mexiko hatte 1994 ein Flandelsbilanzdefizit von
,,Globalisierung" als MYthos z4lvkd$. Am Jahreswechsel 1994/1995 ent-
wickelte sich eine Krise des mexikanischen
Dazu existiert sozusagen eine Gegenfraktion'
Pesos durch Kapitalflucht in andere Wättrun-
Linke Wirtschaftstheoretiker bezeichnen die gen. Offenbar war zusatzlich Angst vor unsta-
Globalisierung als Mythos, geschaffen zur 6üen politischen Verhältnis5en ausgebrochen'
Durchsetzung durchsichtiger Ziele.
Die mexikanische Regienrng hindigte am 20'
Im Reader haben wir da z.B' den Artikel von Dezember 1994 eine Abwernmg des Pesos um
Hans-Jürgen Burchardt oder das Memorandum 15 % anr. Zu dieser Zeitbatte' Mexiko Staats-
der Gruppe um Jörg Huffschmid' anleihen im Wert von 50 Mrd $ ausgegeben'
Die Abqertung hatie ca. die Zinsen eines Jahres
vernichtät. Oie gnleihen fielen entsprechend im
Was ist neu und was bedeutet Wert. Aber auch mexikanisches lGpital flüch-
es? tete aus seiner Währung. Notmaßnahmen wie
Preiskontrollen, Lohnstopp und die Ankündi-
Nach meiner Meinung sollten wir nicht versu- gung von Privatisierungen halfen .nicht- Eine
chen zu leugnen, daß es bedeutende Entwick- SofJttnife von 18 lvkd $ der USA und Stüt-
lungen in dei Welwirtschaft gegeben hat' Son- zungskäufe durch die US-Bundesbank ver-
deÄ, es geht darum, wie wir diese Entwicklun- suirfren nur das Mißtrauen. Schließlich fiel der
gen einschätzen. Peso bis Mitte Januar auf frst die Hälfte seines
Der Begriff ,,Globalisierung" verbindet zwei früheren Wertes.
verschiedene Aussagen. Er wird einerseits'so In der beigefirgten Grafik2 habe ich den Kurs
verwendet, als würde er'nur eine bestimmte des Peso in Oott* in den Jahren 1994 und 1995
wirtschaftliche Entwicklung beschreiben' Ande- dargestellt.
rerseits enthält er aber schön Schlußfolgerun-
gen, nämlich, daß dies ein weltweiter Prozeß Ich will damit vor allem den Gesamtverlauf vor
Ist, dag eine Angleichung der Verhältnisse über Augen firhren:
die Grenzen von Staaten hinweg erfolgt usw' . Der Peso wurde schon vor der Krise
. Wollte num nur die wirtschaftliche Entwicklung
standig Planmäßig abgewertet'
*.'l benennen, darur wären Begriffe wie Liberalisie-
rung oder Monetarismus völlig ausieichend, n Die Krise selbst war nur eine vorüberge-
woüei besser noch hinzugefitgt würde, welche hende Beschleunigung der langiZihrigen
Liberalisierung gemeint ist, z.B. Liberalisierung Entwicklung
des intematioo.ltn Geldverkehrs' Schon die . Der IW'F-Kredit stoPpte nicht die Ab-
Meinung, d"ß es eine allgemeine Liberalisie- wertung3, er stellte nur den Trend sicher'
rung gibt, wäre ja keine Sachaussage mehr'
Eine Vermischung dieser beiden Aspekte des
Begnffs ,,GlobaüJierung" ist'firr manche Dis-
kussionsteitnehmer nützlich. Da folgt dann aus
einer wirtschaftlichen Voraussetzung, z'B' der I ,fischer-Weltalmanach'96", Sp'
465 ff'
angeblichen relativen Zunahme des Finanzka-
pit ls, eine ideologische Schlußfolgerung, 2 Diese Grafik ist nur als vorllufige Veranscbauli-
'narnficfr chung anzusehen Sie wurde aus PesolDM und
z.B. der Bedeutungsverlust der Natio-
OWI Uerechnet, da mir die Originaldaten im
nalstaaten.
Moment nicht zur Vefügung standert Man sieht'
Ich möchte diese beiden Seiten getrennt sehen: drß die Prozentwerte auf diese Grafik nicht zu-
Es gibt tatsächlich bedeutende Veränderungerq r"f.tL wobei der Fehler eben in der Grafik liegt'
abei sie bedeuten ganz etwas anderes' Das war auchnicht sein Ziel, dazu unten mehr'
Die Krise des mexikanischen Pesos

Der Kurs fiel in den Folgejahren noch weiter, Trenkle liegt damit voll im Trend der neolibe-
inzwischen ist er wieder bei 0,13 $ angekom- ralen Argumentation. Zu Zeiten der Sowjetuni-
men. on und der ,,Entwicklungshilfe" wurde immer
Ich will jeta nicht die ganze Story erzählen, in beklagt, daß die Staaten. diese Hilfe für Luxus
(gezeigl wurden goldend Better\ gemeint waren
dem Buch ,,Die Globalisierungsfalle'q ist das
Sozialausgaben) benutzten. Aus diesem Grunde
unnachahmlich gemacht worden. Die Autoren
wurde Nasser gesturzt. Nicht zufüllig war der
ziehen den Schluß:
Putsch gegen Salvador Allende in Chile der
,,ln seltener Schärfe beleuchtete die Me- Endpunkt dieser Phase und der Beginn der
xiko-Krise das Gesicht der neuen Welt- Machtubernahme des Neoliberalismus. Die
ordnung im Zeitalter der Globalisierung. Staaten sollen nicht selbst?indiger werden" son-
Wie noch nie zuvor demonstrierten die dern offener fur das Kapital, sie sollen nicht die
Alleure, mit welcher Wucht die globale Lage der Bevölkerung verbessern, sondern die-
ökonomische lntegration das Machtgefir- se billiger auf den Weltmarkt werfen.
ge der Welt verändert hat. Als seien sie
von unsichtbarer Hand gesteuert, unter-
warfen sich die Regierulg der Super- Ausweitung der Krise
macht USA, der einst allmächtige IWF
Es kam zu einem allgemeinen Mißtrauen in die
und alle europäischen Notenbanken dem
Währungen von Übergangsländern. Der Ringgit
Diktat einer höheren Gewalt, deren Zer-
von Malaysia, der Taiwan-$, aber auch z.B. der
störungskraft sie gar nicht mehr einschät-
australische Dollar und der US-$ fielen gegen-
zen können: dem internationalen Fi- über DM und Yen. Aber dies galt auch nicht
nanzmarkt."5
allgemein. Nicht wesentlich betroffen war z.B.
Nach meiner Meinung ist das großer Quatsch, der Singapur-S. Es wird daran deutlich, daß es
das Gegenteil ist wahr. Aber hören wir zuerst gar nicht um eine Weltwzilrrungskrise ging. Es
noch Robert Trenkle, einen Autor aus dem handelte sich um eine konkrete Krise im Um-
Uml:eis von Robert Kurz: feld des IWF und der USA. Unter welchen Be-
dingungen würden die USA ihr Nachbarland
,,Zwangsläufiger Zsammenbruch" eines Mexiko unterstutzen und unter welchen Bedin-
,,simulienen Aufscirwungs",,,Fiktivisie- gungen würde der IW-F einer schwächelnden
rung des Kapitals" und ,,Spekulationsbla-
Währung zu Hilfe kommen? Was geschieht in
se". Es habe sich um eine ,,Stunde der
solchen Fällen unter den Bedingungen des
Wahrheit" gehandelt.6
Neoliberaiismus?
Nach Meinung von Trenkle hat Mexiko die
Die Regierung Clinton hatte die Stabilisierung
Kredite aus dem Ausland nicht für eine Ent-
von Mexiko und seine Integration in die
wicklung des Kapitals, sondern firr KonsumT
NAFTA zu ihrer besonderen Aufgabe geiracht.
und Spekulation verwendet.
Ab 1994 war Mexiko Mitglied der NAFTAs.
Am Beispiel Mexikos wurde nun durchgespielt,
wie die Beziehungen der USA zu den Ltindern
Amerikas aussehen sollen. Vor der Krise im
Hans-Peter Martin i }laratd Schurnann: ,,Die Dezember 1994 galt Mexiko als erfolgreich
Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokra- saniert.
tie und Wohlstand". Rowotrlt Verlag 1996.
Clinton beantragte einen Stützungskredit von
,.Die Globalisienrngdalle", siehe Fußnote 4, S. 40 Md S firr Mexiko. Dieser wurde vom Kon-
70.
Alle Zitate aus:

Norbert Trenkle:,,Chronik einer angekündigten


Krise - Der zwangsläufige Zusammenbruch des
simulierten ,Erfolgsmodells Mexiko"'.
htrp ://wwlv. magneL atlKrisis/texte/trenklemexico
.htnl Siehe dazu den Reader-Artikel von Robert Kurz
Berthold wird darauf näher eingehen
Hier besteht ein Zusammenhang mit der irnvitzi-
gen Definition dessen, was alles Konsum sei. 8 Mitglieder zZt.: Karrad4 USA Mexiko.
_>
Die Krise des mexikanischen Pesos

greß abgelehnt,e Es wurde deutlictr, daß der 1994 hatte der IWF einen Kreditrahmen von ca.
IWF sich stärker engagieren sollte. Sll, dieser ist inzwischen - u.a. wegen
25 l\r1rd
der Erfatrungen bei der Mexiko-Krise - auf
50 Ivkd $ verdoppelt worden. Die Kredite lau-
Der IWF fen relativ lorrzfristig und sind bisher fast im-
mer zurückg ezahlt worden.
Dem IWF gehören inzwischen fas alle Länder
an. Eine Reihe von Geberländern füllt den Die Kredite
Fonds auf, aus dem zinsgünstige Kredite zur
,,erfolgen nur nach einem besonderen
Stabilisierung von Währungen vergeben werden Prüftngs- und Rechtfe*igungsverfatren,
können. Die Vergabe der Kredite ist an heftige bei dem der Fonds an die Bemühungen
Aufl4gen geknüpft: Einschränkungen des Ka- des ziehenden Landes zur Überwindung
pitalverkehrs müssen aufgehoben, Sozialpro-
seiner Schwierigkeiten konkrete Anfor-
gramme gestricherg Staatsapparate geschmmpft
derungen stellt und wirschafupolitische
und die Ressourcen des Landes dem Weltmarkt Bedingungen auferlegt. Zweck dieser so-
geöffrret werden.
genannten Konditionen ist es, daß das
Hauptziel ist eine Stabilisierung des Wechsel- kreditnehmende Land auf mittlere Frist
kurssystems: im eigenen und im internationalen Inter-
-, esse wieder eine tragfiihige Zahlungsbi-
,,... jedes Land ist zwar frei in der Wahl
la:r4osition eneichq daß die Ruckzah-
seines eigenen Wechselkursregimes, un-
lung der Kredite an den Fonds gewährlei-
terwirft seine Wechselkurspolitik aber
stet ist und daß die Mittel des Fonds re-
der Überwachung durch den IWF- ... Je-
volvierend eingesetzt werden können."l2
des Land ist gehalten, eine Wiruchafu-
und Währungspolitik zu betreiben, die Empfüngerländer müssen sich verpflichten,
auf ein geordnetes Wirtschafuwachstum
,,eine Wirtschafu- und Finanzpolitik zu
bei angemessener Preisstabilität ausge-
verfolgen, die geeignet sind, da* Umfeld
richtet ist. Es muß sich ferner um stabile
firr die Spar- und lnvestitionstätigkeit zu
Wechselkurse ohne,erratische' Storun-
verbessern und dazu beizutragen, die Ka-
gen bemühen, indem es geordnete Wirt-
pitalflucht umzukehren und private Ka-
schafu- und Wähmngsverhiiltnisse an- pitalzu{lnsse und Direktinvestitionen an-
strebt, und hat Manipulationen der
zuregen."l3
Wechselkurse zu unterlassen" mit denen
es eine wirksame AnPassung seiner Der IWF bildet also sozusagen die Gegenspe-
Zahlungsbilanz verhindern oder sich ei- kulation unter dem Primat des Neoliberalismus:
nen unfairen Wettbewerbsvorteil ver-
g 'l ,,D# finan"ielle Rückhalt im IWF dient
schaffen würde."lo d4zu, das kooperative Verhalten gegen
Dies bedeutet auf deutsch unter Weglassung der zeitweilige Zahlungsbilanzstörungen ab-
monetaristischen Scheinbegrirndungen: Jedes zuschirmen."l4
Land soll es dem Markt überlassen, das Urteil Deregulierung ist nur die eine Seite, Regulie-
über seine Wiruchaft zu sprechen. Es ist wohl rung ist die andere, nur in diesem Wecbselspiel
klar, daß solche Liberalisierung nur den Starke- entwickelt sich der Kapitalismus weiter. Der
ren nützt.
IWF ist ein Beispiel frr diese andere Seite. Ich
komme darauf noch zuruck'

ll 17 MrdSä- Anfang 1996 war ein Sonderzie-


Man könnte hier weitere Betrachnrngen an den hungsecht (Sß) ungefähr gleich 1,5 $ oder
2 DlvL
lnteressenverschiebungen USA fWF, Europa
usw. anstellen Das ist hier nicb[ mein Thema- t2 Siehe Fußnote 10. S. 35.

Deutsche Suadsslankl -Weltweite Organisatio- l3 Siehe Fußnote 10. S. 46.


nen und Gremien im Bereich von Wähnrng und
l4 Siehe Fußnote 10. S. 12.
Wirtschaft", April 1997. S. 21.
Die Krise des mexikanischen Pesos

Was ist geschehen? ßen ja längst an die Grenzen ihrer Liqui-


I 6
ditätsschöpfu ngsfähigkeit".
Der schließlich gewä.hrte Kreditrahmen von
48 Md S setae sich wie folgt zusammen: Kri- Das ist eine Verwechslung. Der IWF steuert
seninterventionsfonds der US-Regiemng Währungsturbulenzen entgegen. Daraus kann
20 Mrd $, BIZr5 l0 Md $, IWF 7,7\\rkd $ und man nicht schließen, daß die Weltwirtschaft nur
IWF Sonderkredit l0 Mrd $. noch durch Notaktionen aufrecht erhalten wird.
Außerdem würde dieses Argument ja auch im
Wurden Anleger freigekauft, d.h. war dies ein Widerspruch dazu steheq daß die Weltwirt-
Geschenk der Steuerzahler an die Reichen? So schaft sich in einem unsteuerbaren Selbstlauf
sehen es die Autoren des Buches ,,Die Globali- befindet.
sierungsfülle".
Die mexikanische Währung ist trotz der Inter-
Der IWF kann natürlich nicht die Gewinne der vention weiter gefallen. Es ist also gar nicht das
Spekulanten garantieren. Auf diese Tatsache Ziel des fWF, eine fallende Wrihrung festzu-
mußten die Spekulanten nachdrücklich auf- halten. Es geht darum, das System der Aus-
merksam gemacht werden. Das ist das eine, was landskredite zu sichern, nicht jede einzelne
die Peso-Krise ausgesagt hat. Staatsanleihe. Das fusiko von Krediten und
Drohte eine Weltfuranzkatastrofe? So sieht es Anleihen soll in einem Rahmen gehalten wer-
Trenkle und andere Krisentheoretiker. den, in dem Anleihen und Kredite überhaupt
möglich sind und es wird mit Hilfe des ökono-
Wir brauchen nur hinzusehen: wir sehen das mischen Drucks dann dafur gesorgt, daß die
Gegenteil von dem, was behauptet wird: Hier Schuldnerländer ihren Verpflichtungen nach-
wird eine Krise politisch und wirtschaftlich kommen.
bewältigt.
Es kann keine Rede davon sein, daß hier
Irsofern markiert die Mexiko-Krise einen 48 Mrd $ zur Abwehr des Zusammenbruchs der
wichtigen Punkt der Entwicklung der Weltwirt- Weltwirtschaft ausgegeben worden wären. Es
schaft unter dem nun weltweiten Kapitalismus, handelt sich um Kredite, die Mexiko abtragen
nämlich daß er auch im liberalisierten System muß. Die Krise beruhte auf inneren Faktoren
seine Krisen meistern kam. und wurde durch politische Ereignisse, u.a. den
Die Krisentheoretiker um Robert Kurz, in die- Außtand in Chiapas ausgelöst. Denn naturlich
sem Fall Trenkle sehen die Mexiko-Krise als wurden auch die Kosten der Krise in Mexi-
Menetekel: ko getragen. Die Handelsbilanz wurde wieder
positiv, aber dies heißt vor allem, daß Mexiko
,,Der völlige Zusammenbruch des Spe- sich notwendige Importe nicht mehr leisten
kulations-Kartenhauses konnte gerade darf. Das Bruttosozialprodukt fiel um l0 %, die
noch einmal verhindert werden". Die lnvestitionen um 60 %, 60000 Baufirmen gin-
Retlungsaltion ,habe ,,vor allem propa- gen in den Konkurs. 2,4 Mio Menschen wurden
gandistische Grunde firr das Markhvirt- innerhalb eines halben Jahres zusätzlich ar-
schaftssystem gehabt". Denn sonst ,,hätte beitslos.lT Der Sttrtzungskredit erhöhte , die
sich gezeigS, da3 das kapitalistische Staatsverschuldung entsp rechend, als S icherhe it
Weltsystem selbst auf tönernen Ftrßen wurden die Ölreserven verpfündet. Die Lebens-
steht und strukturell nicht weniger auf haltungskosten der Menschen haben sich er-
das bestjindige Recycling riesiger Ströme höht, ihr Einkommen hat sich verringert, ihr
fiktiven Kapitals angewiesen ist". ,,Wenn Leben hat sich entsprechend verschlechtert.
aber die Blase ein nächstes Mal platzt, Damit werden die Kosten bezahlt. Und es sind
werden die Kosten noch sehr viel höher nicht Spekulanterg sondern die reichen Läinder,
sein. ... Denn die westlichen Staaten sto- die davon profitieren.

l5 Die ,,Bank für internationalen Zahlungsaus- l6 Siehe Fußnote 6.


gleich" ist ein lnstrument der Notenbanken, vor
17 Sp. 436 f.
allem der europäschen Länder. ,,Fischer-Weltalmanach'97",
Enrwicklungen der Weltwirtschaft

Entwicklungen der ,,Casino-Kapitalismus" als Wiederauflage der


antisemitischen Verschwörungstheorie aus den
Weltwirtschaft dreißiger Jalren.

Was sind die neueren Entwicklungen der Welt- ,,Das neue Hauptinuster kapitalistischer
wirtschaft? Ist nun alles total globai geworden? Internationalisierung zeichnet sich nicht
durch eine Globalisierung im Sinne einer
weltweiten Verflechtung aus, sondern
Globalisierungsthese und Rea- durch gleichzeitige Prozesse der Integra-
tität tiorg der Fragmentierung und der Regio-
nalisierung bei einem zunehmend asym-
Hans-Jürgen Burchardtl8 untersucht in seinem metrisch verlaufenden Machteinfluß der
im Reader abgedruckten Artikel, ob die Globa- Triade zuungunsten großer Teile des Sti-
lisierungsthese mit der Wirklichkeit überein- dens."
slimmt:
Auch Michael R Kratkere zeigt- daß die Fakten
,,Bei einer genaueren Betrachtung füllt etwas anderes aussagen:
auq daß die einzelnen Fragmente der
Globalisierungsthese bestechend ,,Bei bundesdeutschen Direktinvestitio-
^Nar dafirr aber
logisch ineinandergreifen, nen zum Beispiel gehen gegenwärtig
! über 80 7o in andere hochentwickelte ka-
vorher kaum empirisch überpruft wur-
den." pitalistische Länder mit durchaus ver-
gleichbarem Niveau der Lohnstiickko-
Das habe seinen ,€uten Grund" darin, daß die sten, also keineswegs in sogenanxte
Globalisierung in den Wi{ruchafudaten nicht Niedriglohnländer."
nachweisbar sei. Er unteisucht verschiedene
Bereiche: Und auch diese seien eher ,,die Fortsetzung
einer Warenexportstrategie mit anderen Mit-
. Die Internationalisierung des Handels teln".
habe gerade mal das Niveau von l9l3
wieder erreicht. Allenfalls die Finanz- und Devisenmärkte seien
6[is sinzigen wirklich globalen M?irkte. Darauf
. Die ausländischen Direktin- werde ich gleich noch genauer eingehen.
vestitionen haben nach wie vor nur
Auch im Artikel von Ebermann und Trampert
einen relativ geringen Anteil an den Ge-
werden die Tatsachen ahnlich dargestellt.
samtinvestitionen.
. Die transnationalen Unter-
nehmen existieren kaum" sie ,,ent- Hemmende Faktoren
'!c,. springen mehr,grenzenlosen' Gedanken-
Die Globalisierung, fünde sie denn statt, wird
spielen als der Realit?it".
immer sofort so gesehen, als würden nun alle
. internationalen Fi-
Allenfalls im Waren in volle Konkurrenz treten. Dazu H4rt-
nanzwesen könne man eine Ent- mut (üchiä-\ ein Autor in den WSI-
wicklung seherq die sich vielleicht als Mitteilüngen:
,,Globalisierung" bescbreiben ließe. ,pieser scheinbare Sachzwang wird ge-
Burchardt widerlegt jedoch grundlic\ daß dies rade in der gegenwärtigen Standortde-
die ideologischen Schlußfolgerungen der Glo- batle gegen den Sozialstaat geltend ge-
balisierungsthese rechtfertigt. Das Finarzkapitat macht. Heise hat jedoch gezeiglzo, daß
könne sich nicht von der produktiven Sphäre selbst die vollständige Faktor- und Gii-
abkoppeln" es handele sich nicht um ,,rein fikf,i- termobilität nur unter völlig unrealisti- I
ves Kapital". Er bezeichnet die Theorien des

Michael R Krä&e: -Globalisiemng und Stand-


18 Hans-Jüryen ortkonkunenf Lu Leviathan, 2 / 1997.
Burcbardt ,pie Globalisienurg-
sthese - von der lqitischen Analyse zum politi- Heise, A.: -Der Standort Deutschland im globa-
schen Oppornnisrnus". ln: Das Argumeni 217, len Wettbewerb". ln: WSl-Mifteilungen,
1996. I t/1995, S. 692 f.
Entwicklungen der Weltwirtschaft

i ' schen Annahmen zum Ausgleich der politische Instabiliüit, Btrokratie und Komrpti-
, I Faktorpreise im globalen ,Weltdorf on". Dies sind politische Bedingungen, deren
' frhfi.'2l Herstellung eine der firr den Kapitalismus ent-
scheidenden Leistungen der entwickelten kapi-
Auch Küchle unterscheidet verschiedene Wirt-
taiistischen Staaten darställt. Der Staat ist damit
schafubereiche:
notwendig firr den Kapitalismus. Die Rolle des
,,Die weitgehend liberalisierten Finaü- Staates wird ftei Linken häufig) unterschätzt,
und Kapitalm?irkte zeichnen sich tatsach- wenn nur die Ökonomie (freier Markt) gesehen
lich durch einen hohen Globalisierungs- wird. Wiruchaftliche Beziehungen sind nicht
grad aus. ... lm Gegensatz (dazu) ist das nur ökonomische B eziehungen.
Realkapital22 schon weit weniger mobil.
Die Entwicklung der Weltrvirtschaft besteht in
.. (Der) weltweite Warenaustausch (ist) der Schaffung solcher Bedingungen. Dabei
weiterhin stark behindert. ... Auf den Ar-
entsteht aber eben keine Globalisierung, son-
beitsmärkten ist die Mobilituit am allerge-
dern das gesamte System von starken und
ringstea.'9:
schwachen, armen und reichen Ländern entwik-
Die Ursache hierfür liegt in der Bedeutung des kelt sich weiter. Wenn alte Regularien, wie z.B.
wirtschaftlichen Umfeldes. Man kann Waren die festen Wechselkurse, überwunden werden,
nur in ein Ausland verkaufen, in dem man die dann'nur, weil neue Interessen modernere For-
Bezahlung notfalls einklagen kann und in dem men von Abhängigkeit installieren.
ein Konkursrecht henscht usw. Bei Fehlen sol-
cher Voraussetzungen kann auch eine erhöhte
Profitrate nicht mehr helfen. GATT, OECD, MAI usw.
Die Wirtschaft selbst sieht dies ganz realistisch. Die Institutionen, mit deren Hilfe solche Ver-
Ich zitiere von den Wirtschaftsseiten der änderungen durchgesetzt werden, fWF, GATT,
,,Frankfu rter Rundschau24 : OECD usrv., bestanden schon lzinger.

,,Trotz des verstiirkten Globalisie- So sind z.B. im Rahmen des GATT die Indu-
rungstrends deckt die Studie25 nämlich striezölle zwischen den Industrieländern von
beträchtliche Vorbehalte gegen eine al- durchschnittlich 40 % im Jafu 1947 auf 4,6 oÄ
ternative Fertigung im Ausland auf. Un- des Einfthrzollwertes im Jahr 1994 zuruckge-
zureichende Infrastnikrur, mangelnder nornmen worden. 26ln den nächsten Jahren sol-
Schutz von Eigentumsrechten, politische len diese nochmals halbiea werden.
InstabiliUit, Bürokratie und Kom:ption
Das Konkurrenzunternehmen LiNCTAD, das
sowie geringere Qualität der erstellten mehr die Interessen der Entwicklungsländer
Produkte und niedrigere Qualifikation vertreten sollte, hat seit der Wende jede eigen-
der Arbeitskrzifte schrecken nach wie vor
ständige Bedeutung verloren.
viele Firmen ab."
Im Mittelpunkt des Interesses steht ftr dre Zu-
Mir geht es hier vor allem um Punkte wie kunft die Schaffi:ng von besseren Bedingungen
,,rnangelnder Schutz von Eigentumsrechten, firr D irektinvestitionen.
Um diese zu fördern" soll im Rahmen der Welt-
handelsorganisation ein sogenanntes Investiti-
21
Hartrnut Küchle: ,,Deutschlands Position auf onsschutzabkommen geschlossen werden. Als
dem Weltmarkt". ln: WSl-Mitteilungen 511996, Referenz soll das MAI dienen, das ntr Zeit
s. 295 f. verhandelt wird.
22
Küchle bezeichnet damit Investitionen. Es handelt sich um das ,,Multilaterale Abkom-
23
Harunut Küchle, siehe Fußnote 21. men zu lnvestitionen", das von der OECD vor-
bereitet wird:27
24
,Maschinenbau dreht bei der Globalisierung ein
größeres Rad". In: Franldrrter Rr.rndschau,
29j.97.
26
25
Siehe Fu-ßnote 10. S. 146.
Die Franldnter Rundschau nennt ,,eine reprä-
sentative Studie der Universität Mannheim im 27 Phil Hill: ,,Die Multis setzen auf MAI. Neues
Auftrag der branchennahen Impuls-Stiftung". Abkommen soll lnteressen von Unternehmen

-+
Spekulation gegen das britische pfund

,pie erklärten Ziele des MAI (sind), In_ Ganz praktisch haben sich dadurch z.B. die
vestoren im Ausland Rechtssicherheit zu Spielräume von Wirtschafupolitik bei den Län-
verschaffen, die Liberalisienrng der Ka- dern der ,,3. Welt" drastisch verringert..Diese
pitalströme ,auf hohem Standaid. zu er_ Länder können nicht mehr, wie z.B. Agypten
weitern und ,Streitigkeiten verbindlich zu 'eigenslindige
unter Nasser, für ihre Entwick_
schlichten.... lung die Blockkonkurrenz ausnutzen. Sie kön_
Es enthält außerdem ,,Bestimmungen gegen nen nicht mehr, wie z.B. früher Kuba" Welt_
,Enteignungen"'. markpreise für Zucker unterlaufen.

,,Däs von der MAI ?J schaffende


Das Wort von Jörg Huffschmid:
Schiedsgericht könnte milliardenschwere
,,Klar und offensichtlich zutreffend ist
Urteile verhängen...
der Begriffder Globalisierung nur in sei_
,$auptansatz des MAl-Veftrages ist es, ner plattesten Version: Nach dem Zu_
die,Ungleichbeha:rdlung. ausleindischer samrnenbruch des Sozialismus ist der
Firmen in den Vertragsstaaten zu verbie_ Kapitalismus global, weil er überall
ten." ist.'99
In der heutigen Weltlage bewirkt Liberalisie_ hat hilin darur doch seine Substanz.
rung und Gleichbehandlung, die Sicherung der
Vorhenschaft der herrschenden kapitalistischen
Staaten.
Spekulation gegen das
Die OECD will sich in Zukunft auch stärker der
,,Reform der Arbeitsmärkte,. zuwenden. Auf britische Pfund
dem Programm steht u.a.:

,,... Arbeitszeiten von einengenden Re_ Das Ende des EWS


gelungen befreien ... Löhne flexibler ge_
stalten ... Arbeitsplatzsicherungen lok- Irn September 1992 stießen die Kurse von
kern ... Arbeitslosen- und Soziattrltfen Pfi.rnd und Lira an die Grenzen der
im Europäi-
einschränken, aber andererseits das Sozi_ schen Währungssystem festgesetaen Schwan-
al- und Steuerrecht so reformieren, daß kungsbreite.
die Übernahme von 'niedrig bezahlten Auch dieser Vorgang wird in der ,,Globalisie-
Tatigkeiten oder von Teilzeitbesch:ifti_ rungsfalle" wieder als Walten unbeherrschbarer
gungen eine spürbare Erhohung des Ge_ Spekulanten angesehen. Der Jude tritt dabei
samteinkommens ermöglicht.,.2s sogar persönlich auf:
Angesichts dieser gezielt betriebenen politik is
I ,Äls im September 1992 einige hundert
a-' es Unsinn, das als Hilflosigkeit,gegenüber dem Bank- und Fondsmanager dem Beispiel
ungezügelten Walten des Finanzkapitals a) des Finanzgurus George Soros folgten
bezeichnen! und mit Milliardenbeträgen auf die Ab_
werrung des britischen pfund und der
italienischen Lira setzten, konnten d.ie
Nach der Wende Bank of England und die Banca d,Italia
Wenn rvir einmal erkannt habeq da3 die Be_ den Kursverfüll nicht verhinderq obwohl
dingungen für die Bewegung des Kapitals sie fast ihre gesamten Dollar- und D-
politische Bedingungen sind, dann'wird Mark-Reserven für Stützungskaufe ein-
auch klar, ddJ der Zusammenbruch des Realso_ setzten. Beide Regierungen mußten
zialismus eine tatsächliche wichtige Verände_
nrng der Bedingungen der Welnrirtschaft dar_
stellt.
2e Jörg Huffschmid:
,,Globalisierung oder Block-
bildung? Zur Struktur kapitalistischer Internatio-
nalisieruag". In: Bläuer für deutsche und inter-
weltweit sicherstellen. Dritte Welt benachteiligt..
In: junge Welt, l.g.91.
nationale Politit Nr. 8, 1994. S. 1008.
28 Siehe Fußnote Zitiert nach: llans-Jürgen Burchardt, siehe Fuß-
10. S. l7g. note 18.
f a':
L so9o

fw
F *-'"+
I q',^t"6
:.=:
F$:
icr:
i, OrY
.oP
t#ä
:

FIL
,: :

.t ci> :
':

go) ca2 :
*Y""
F
c
o
oc
F sY:*
O.O
o= '\o:
F sYa"
CLc :o\l
\c) t,oi E +?a,
,t5:o i-i Ic"
rO):
wS t {ö*
Y
3
q)
9.
:' o):-
r.L
:C\crl
ji oc
-:] i
,
i
:tq
:
i or< !

_ "".'+
' o,^
i

ji
:! ",i,'e
?.*,
"#:i
"i.!r,
+'3a.
"Fä

q"
. "o.
"o\,(o
""Y",
,r*
o
o o o
l.) o o o o
(f,

d ry ry
ro. o lo o
o
o o d r o
d o o_
o
Entwicklung des Weltwähnrngssystens

schließlich aus dem wirtschaftlich vor- System geöffiret. Zu dieser Haltung ist die
teilhaft en Europiüschen Währungssystem Bundesbank nicht gezwungen worden. Im Ge-
(EWS) mit seinen festen Wechselkursen genteil, dies ist eine bewußte Öffirung, durch
aussteigen."3o die die vorhandene Wiruchafumacht der BRD
erst richtig zum Tragen kommt.
Was Martin und Schumann nicht erwahnen ist,
daß das System zwar für Q1oS$fitannien und So soll sich in Zukunft Europa insgesamt dar-
Italien günstig war, nicht jedoch für die BRD. stellen. Die wirschaftliche Begrenzung von
Für das neue vereinigte Deutschland war das lnnen und Außen verschiebt sich von den euro-
EWS eine Fessel geworden. päischen Nationalstaaten hin rr ganz Eüropa"
das dann mit den USA konkurrieren kann. Dies
Als am 15.9.92 die Bundesbank von Anpassung
des EWS spricht und Stützungskäufe verwei-
ist Ausdruck des gemeinsamen Interesses und
gert, war die Posotion von Pfund und Lira un- der gewachsenen wirtschaftlichen Macht dieser
Staaten.32
haltbar geworden.
Die beigefugte Grafi.k zeigt den Kurs des Pfirnd
in DM im fraglichen Zeitraum. Der,,Kurssturz"
von ca. 2,85 DM auf ca. 2,50 DM macht 12 Yo Entwicklung des Welt-
aus.
währungssystems
Dieser Vorgang war nur der Anfang. lm Juli
Dies ist der vorläufige Endpunkt einer Ent-
1993 kam es zu ähnlichen Turbulenzen des
Kurses des französischen Francs. Als im Früh-
wicklung, die einst mit festen Wechselkursen
jalu 1995 der Kurs der DM auf 1,35 DIW$ fiel, begonnen hat.
wurde der Zustand für die Deutsche Bundes- . Juli 1944, Bretton Woods: Feste Wech-
bank unerträglich. Sctrließlich wurde nach wei- selkurse zum Dollar, Dollar gegen Gold,
teren Krisen am 29. 7 . 1995 eine Erhöhung der Kapitalverkehrskontrol len.
Schwankungsbreite auf l5 o/o beschlossen. Dies
gilt äls Ende des EWS. Ab 1970 Aufgabe der Kontrollen:

Die Deutsche Bundesbank hatte sich durchge-


. USA
setzt. Freie Kurse oder Euro, beides würde der . BRD
neuen Rolle der BRD Raum geben.
Kanada
. Schlveiz
Politik der Bundesbank
1973 wurden die festen Wechselkurse aufgeho-
Die Bundesbank und in der Zielvorstellung ben. 1979 begann die Kopplung der Währungen
auch die europäsche Zentralbank betreiben der EG-Länder im EWS. Weitere Länder ver-
eine monetaristische Politik: zichteten auf Kapitalverkehrskontrollen:
,,Die Bundesbank betreibt keine wech- . 1979 GB
selkursorientierte Politik, hält schon gar
nichts von Dollar-Zielzone,n u.ä., sie be- . 1980 Japan
treibt auch keine Inflationszielpolitilq 1988 war der Beginn des EG-Binnenmarkls.
sondern eine stabilitjits- und potentialge- Nun gaben auch die letzten Länder den Wider-
rechte Geldmengenpolitik."3 I stand auf,
Das ist die neue Ausrichtung: Nicht der Wech- . l99q Frankreich, Italien
selkurs, also die Außenbeziehung ist der ent-
scheidende Faktor im Konkurrenzkampf, son-
dern die Stabilität im Innern. Nach außen ist das
32 Das ist moglicherweise der Grund, warum die
Globalisienrngsthese besonders in Europa gras-
sierl Die ,,Europliisienng* wird als Globalisie-
30
Siehe Fußnote 4. S. 71. rung identifiziert. Sie ist aber drs Gegenteil, sie
ist der Weg, auf dem die europäischen Staaten
3l Hans Hutter: ,$eine Zinswende, aber Fuß vom ihre Eigenständigkeit in der Welt erhalten wol-
Gaspedal!" In: NWP-Ticker, 3.9.97, trrd. len-
(o
o)^ o'X FRo)^ Nro
Oo\ o--,
€EH -cr'.(r)
O.qO) trra? E;
ro o)
N@ 3ü

YN I o| öo)
=qc.,i
rr) t
N
6a
cr)
o o
.(o
o)
o,
to
.u? c'j
Öl
o
:
(f)
.J
Y rf
c

r)
3

N
3

(f)
6
9) (o
g c)
c)
o
o
o
o-
U'
rsf (!
o co
o
t
.ot.
o?
g -01 c)
c lr, o 3
(f) o zo)
Itl P
a = I
Y o)
a= rO o,
eä @
t-
Otl o
ol
a (',
) =o
o
F.
(\ o
o ol cn!
o 9) I
<t-
o6 a (L
Vti
n> z
5o
=6J

tL $
o
c0
O
r (f)
o
c
.9
c c!
c g
l-
$
.F'
lo)
lo)

9)
t
-o o t:
c2
o
t-
oooooooooooooooooo(>oooooooooooooooooooooooooooo
ooooooooooooooooooooooooooooooo oooooooooooooooo
c{ o co (o v N o co (o I c.{ o @ (o s c.{ o co (o I ot o co (o 9 N o co (o I c,t o co (o !q c{ o cq q s c! Q co (o I
(, < rrc)öOöc)o)o)o)o)orcO@@cocot\t-t!F,F*@(Ö(c|(c)(c}rOtÖtr}totr)rtVVgv(f,(f)(O(f)(f)c\l(!Olc\tC{
N I sgF
5,"j..jc'ic-idc.jc"jojoic.ioiöiNoi oiöi oio,i oiöioioioioioioioi oioioioie.ioioic.iöioiöiöi oioic.ioic.ioioioi
. 199? Spanien, portugal so da.fl im Durchschnitt der Geschäfte die
Die Freigabe der Währung war auch immer Durchschnitsprofitrate erzielt wird. Eine ge-
schon Teil der Auflagen, die der IWF für seine wisse Sicherheit ist notwendig, damit das Ge-
Kredite machte: schäft überhaupt möglich wird. Zur imperiali-
stischen Durchdringung'der Welt ist die Schaf-
,,Dies ... bedeutet eine radikale Abkehr fung solcher Sicherheit also notwendig.
von dem System fester paritäterL rtas 2u
Beginn der siebziger Jahre ins Wanken Dies ist die Aufgabe der Wirtschafupolitik der
geriet -..'33 Nationen, aber auch solcher Institutionen wie
des IW.F.
IWF-Kredite wurden zunehmend vergeben:
. 1974 1977 wegen Schwierigkeiten
vieler länder aufgrund der gestiigenen Die Kreditnehmer
Ölpreise in der ,,ersten öil<rise-*, Warum unterwerfen sich die schwächeren
. 1980 - 1984 in der ,,zweiten ölkrise.. Staaten dem neoliberalen Regime? Sie haben
keine Altemative.
kamen Liinder hinzu, die vorher noch
Marktkredite ohne Auflagen erhalten Der geschaffene offene Markt mingt sie, mit-
hatten. zuziehen oder unterzugehen. Dies ist vollends
In dieser Zeit kamen die realsozialistischen altemativlos, seitdem die realsozialistischen
Ltinder in wachsende Schwierigkeiten und lei_ Länder aus Gegengewichten nun selbst zu Kre-
diurehmern des IWF geworden sind.
steten nur noch politische Unterstrltzung.
Der kapitalistische Produktionsprozeß benötig
,lahlreichen Schuldnerländern standen
Kredite wie der lebendige Körper das Blut. Die
danach die internationalen Kreditmtirkte
schwächeren Staaten können diese nicht selbst
nur noch offen, wenn sie ein mit dem
Fonds abgestimmtes programm zur bin_ aufbringen. Sie müssen sich deshalb dem IWF
unterwerfen.
nen- und außenwirtschaftlichen Arrpus_
sung verfolgten." Die damit geschaffene Stabilit{it ermöglicht es
. Ab l99l wurden die ehemals realsoziali_ nun, auch private Kredite in Form von Staats-
anJeihen heränzuziehen. Je stlirker der Einfluß
srischen L:inder selbst,zu Schuldnern des
des [WF, umso sicherer fühien sich die Kredit-
IWF.
geber, umso niedriger können die Zinsen sein,
. 1994 I 1995 schließlich die Krise Mexi_ die das Land zahlen muß. Der IWF hat die
kos. Rolle des Katalysators, mit dessen Hilfe die
Entwicklung in Gang kommt und das I_and dem
Eine ,,Globalisierung" der Art, daß das Wäh_
privaten Finanzkapital geöftret wird.
rungssystem der Welt geöffnet worden ist, ist
offenbar seit 1945 bis heute erreicht worden. Seit den siebziger Jahren ist der Kredit an die
Gesteuert werden nun nicht mehr die Wechsel- ,,Entwicklungsländer" mehr und mehr von ei-
kurse, sondern die Stabilität
des Geld_ nem öffentlichen zu einem privaten gewordep.
wertes.
Schon am Eingang an diesem Markt muß das
Man hört oft, die Ursache ftr
diese Verände_ bereffende Land seine Waffen abliefern" es
rungen liege in der Schnelligkeit der Computer, darf sich nicht gegen den Markt schützen:
mit denen nun die Transaktion.o uo.genoä-.r,
werden. Das sind aber nur die äußeren techni_ ,,Es ist eine der Flauptaufgaben des
Fonds, den laufenden internationalen
schen Miuel. Sie können den Kapitalverkehr
Zahlungsverkehr von staatlichen Be-
vielleicht beschleunigen. AbÄr was er_ schrtinlungen @evisenkontrollen) frei-
möglicht ihn?
zuhalten. Grundsätzlich dtirfen solche
Sicherheit und Kapitalzins hängen zus€rmrnen. Beschränkungen nur vorübergehend und
Erhöhte Unsicherheit muß mit entsprechend nur mit Genehmigung des IWF einge-
dem Risiko erhöhten Zinsen vergolten- werden, führt werden. Die beroffenen Länder

33 Siehe Fußnote 10. S.22.

10
Entwicklung des Weltwähnrngssystems

stehen unter besonders intensiver Über- national agierenden Fonds wird auf über
wachung durch den Fonds.'€a 3000 Mrd Dollar veranschlagt. ... nvei-
stelligen Milliardendollar-Betrag ... Mul-
Fast zynisch schreibt die Deutsche Bundesbank:
tiplikatoreffekt durch Fremdmittel ... sind
,,... üben integrierte Kapitalmrirkte einen sie zu bedrohlichen Gegenspielern der
disziplinierenden Einfluß auf die Politi- Notenbanken geworden."
ken derjenigen Länder aus, die den Zu-
Die Notenbanken selbst sehen da allerdings gar
gang zu den Märkten bewahren oder er-
keine Bedrohung. Warum sollten diese Finanz-
langen wollen."35
anlagen kontrolliert werden und was sollte
Diese Märkte sind das Ergebnis des gemeinsa- kontrolliert werden? Es wäire einer Preiskon-
men Handelns der mächtigen kapitalistischen trolle vergleichbar. Will er im Ernst so was?
Staaten. Trotz scharfer Konkurrenz sind sie zu Warum fühlt Bischoffsich bedroht und wovon?
solchen Vereinbarungen in der Lage, wenn sie Warum wollen ausgerechnet linke Leute eine
ihnen allen nützen. stärkere Ko ntro lle du rch (ihre) Natio nalstaaten?
Oder hören wir eine Srimme aus der ,jungen
Nationale Kontrolle Welt":

Nur fi:r die schwächeren abhängigen Ltinder ,,Fiu alternative Ansätze stellt sich vor
gilt also, daß sie unter der Herrschaft des Fi- allem die Frage, wie der ungeheure
Machtzuwachs der den nationalen Rah-
nanzkapitals ihre nationale Souveränilät verlie-
men sprengenden Konzerne global zu
ren. Die meisten von ihnen haben sie allerdings
kontrollieren bzw. zu steuern ist."38
auch noch nie besessen.
Wurden die Konzerne etwa jemals kontrolliert
Die These vom ,,Bedeutungsverlust der Natio-
bnv. gesteuert? Was sind das firr Vorstellun-
nen" ist die Kernthese des Begriffs ,,Globalisie-
gen? Und warum soll das nun ausgerechnet eine
rung".
Frage für altemative Ansätze sein? ln dieser
Das Gerede von den außer Kontrolle geratenen Frage ist die Volksgemeinschaft offenbar be-
Finanzen hat inzwischen alle Schichten der reits (wieder) hergestellt.
-filhrten
Bevölkerung erfaßt. So am 24.5.97
Handelt es sich um einen Verlust der Souverä-
Mitglieder einer ,,lnitiative Ordensleute für den
nität der Nationalstaaten?
Frieden" einen Menschenteppich vor der Deut-
schen Bank in Franl<furt auf. ,,Die Deutsche Erstens: Es gibt eben im Kapitalismus auch
Bank ... sei ein Symbol fiir eine Wirtschafts- Entwicklungen. Vergleichbar wäre z.B. die
ordnung, in der sich Finanzströme verselbstän- Tatsache, daß seit einger Zeit der Ehemann
digt habe1"36. nicht mehr über die Berufstätigkeit seiner Ehe-
frau bestimmen kann. Das ist in diesem Sinne
Oder, Joachim Bischoff schreibt3T:
naturlich ein Verlust seiner Souveränität. D.h.
,,Ein beträchtlicher Teil dieser Finanzan- es hanelt sich um ein kurzsichtiges Argument.
lagen steht außerhalb nationalstaatlicher Die Staaten gehen von einer Regulierung'des
Kontrolle. Allein das Volumen der inter- Wechselkurses ab, weil diese Öftrung ihnen
große Vorteile bistet.

Zweitens: Nicht alle Nationen sind gleich. Es


34 Siehe geht aber auch den Kritikern in Wirklichkeit
Fußnote 10. S. 26.
immer um die eigene Nation. Es kümmert
35 Siehe Fußnote 10. S. 64. sie weniger die Souveränität Mexikos.
36 Franldrter Rundschau, 24.5.97 .
3'7
Joachim Bischoff: ,,Auf dem Wege zur Rentier-
Ökonomie. Zu einigen Entwicklungslinien des
intemationalen Finanzsystems". ln: Z, Nr. 21,
März 1995. 38 Jobst Bürkle:
,,strukhrwandel im Welunalstab.
Auch fast identisch in: Joachim Bischoff: ,,Re- Globalisierung und Modernisierung - eine Her-
stauration oder Modernisienrng?' VSA 1995. ausfordemng für die Linke?' ln: ,junge Welt",
s. 83. t2.8.97.

11
Fazit

Mexiko z.B. hat eben in diesem Zusammen-


hang seine Souveränitjit über seine eigene Wirt_
Die Sucht nach der Krise
schaft weiter verloren. Zum Schluß möchte ich eine Frage nur anrei-
ßen, sie wäre ein eigenes Thema: Wo liegen die
Auch die internationalen Organisationen wie
z.B. der IWF sind nicht übemational, sondern Gnlnde ftr die Beliebtheit von Krisentheorien
bei der Linken?
sie sind lnstrumente von Nationalstaaten, deren
Macht größer ist als die der anderen. Warum wird von einer Entmachtung der Natio-
nalsaaten phantasiert? Warum wird die ,,Glo-
In der heutigen Weltl4ge bewirkt Liberalisie_
balisierung" als Krise des Kapitalismus inter-
rung und Gleichbehandlung die Durchsetzung
pretiert? Warum soll das intemational umge-
der lnteressen der mächtigeren kapitalistischen
schlagene Fimnzkapital reine S pekulation sein ?
Staaten.
Jedenfalls kann es kein Zufall sein" daß die
Durch die Tbese der Enfesselung und des Be_
Krisentheoretiker ausgerechnet die Flauptwaffe
deutungsverlustes der Nationen wird verhinderl
des Imperialismus im Zeichen der weltweiten
diese tatsächlich stattfindende Entwicklung zu
Liberalisierung, das Finanzkapital, als Fiktion
sehen.
hinstellen. Es kann kein Zufall seiq daß die
Betreiber dieser Entwicklung als wehrlose
"dargestellt
Objekte werden.
Fazit Ich meine damit keine Verschwörungstheorie.
Es braucht keine Verschwörung, damit Intel-
lekruelle die Zeichen der Zeit erkennerq das ist
Die ,,Globalisierung,, ist keine ihr Job.
Globalisierung lnzwischen ist es soweit gekomrnen, daß jeder
,,Globalisierung" existiert, als neoliberales Fall der Aktienkurse, und seien es nur 3 %o, ein
Projekt der Durchdringung der Welt durch Ver- Krisengeschrei von links auslöst. So titelte z.B.
hinderung von Abschließung. Dies macht die die ,junge Welt" am 18.8.97: ,,schwarzer
entwi ckelten kapital istischen S taaten stjirker. Montag"ll. An diesem Tag war der Dax noch
höher als am I1.7. Im lnnern des Blattes hieß es
Sg!9" dieser geringe Grad der Verlagerung der
dann: ,,Rätselraten weltweit: Kommt es zum
Widersprüche zwischen den, kapiülistischen
Staaten reichte aus fij,r den überwältigenden Börsenkrach?'{
Erfolg gegen den Realsozialismus. -
Und am 1.9. der Kurs war nun immer noch
höher als am 7 .7. - schob Winfried Wolf einen
Diese Entwickiung endete aber nicht, als der
Zusammenbruch des Realsozialismus erreicht Doppelseiter rein4l, in dem er Vergleiche zv'ti-
war, im Gegenteil, jetzt brauchten bei der Ent_ schen 1929 und heute zog. Da bellt der
f"ltuog dieser Politik keine Rücksichten mehr Schwanz mit dem Hun4 da zieht der Börsen-
genommen werden. krach eine Weltwiruchafukrise nach sich.

Kurz gesag! es handelt sich um Imperialismus Dazu mehr im nächsten Teil, in dem ich über
das ,,fiktive Kapital" sprechen werde.
unter den Bedingungen der Weltherrschaft des
Kapitals.
Dies ist eine völlig andere Globalisierung als Eckehard Seidl
sis lns von rechten wie linken Theoretikern
dargestellt wird. Das Fimnzkapital ist nicht von
den Nationalstaaten enfesseli, sondern seine
Freiheit ist in Wirklichkeit sein Einsatz als
Waft weniger Staaten gegen die vielen. Winfried Wolf:,,Schwarzer Montag: Wer'rasiert
hier wen?' In: junge Welt., 18.8.92.
Es gibt eine ,,Globalisierung.., aber sie ist keine
Globalisierung. Winfried Wolf: .Von Crash zu Crash: Ig29
junge Welt'., 18.8.97.
-
1987 - 1997". In:
4l Winfried Wolf:
,Fin Rückblick. Auch ein Aus-
blick? Bönenlrach und Weltwirtscbafukrise
1929". In:,junge Welr.., 1.9.97,

t2