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Vorgelegt von
Selver Islamaj
Matrikelnummer: a0402763
Studienkennzahl: A 300, A 312
am: 05.12.2008

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D#=,#&!P)=262Q!
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I. Einleitung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"#
1. Geschichtlicher Hintergrund !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"#
2. Unabhängigkeitserklärung!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!$#
2.1 Mögliche Folgen nach der Unabhängigkeit auf internationaler Ebene!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!%!
3. Anerkennung durch Staaten !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! ""#
3.1 Serbischer Einspruch im Internationalen Gerichtshof!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! "&!
3.1.1 Konflikte durch Minderheiten"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" #$!
3.1.2 Teilung als Option aus Sicht Serbiens""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" #%!
&!#'()*+,-./*0#1(23456#453#7)(8(5.2(*9* !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! "%#
4.1 Bildung !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! "%!
4.2 Kriminalität !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :"!
4.3 Wirtschaft!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :&!
4.3.1 Ressourcen """""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" &%!
4.3.2 Trep'a-Trepça"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" &(!
$!#;<=;>0#<?@A70#3(B#7C+CD.)(+,-B#EB6(B)4560#3(B#EB6(B)456#(8#?C)3B5#453#3(B#
?FGH+!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! II#
5.1 UNMIK (The UN Interim Administration Mission in Kosovo)!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! I&!
5.2 NGO’s (Non Gouvernmental Organizations)!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! IJ!
5.3 Kosovarische Regierung !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! IK!
5.3.1 Parteien in Kosova """""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )*!
5.3.2 Minderheiten in Kosova """""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )#!
5.3.3 Politisches System Kosovas nach Ismayr"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )&!
5.3.4 Integration in Kosova? – Eine Chance für Minderheiten"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )+!
$!I!&!"#L(B#MC2(*(+,-B#A5*B6).*(C5#5.,-#N!"#$%O#.8#1B(+M(B2#7C+CD.+""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""))!
5.4 Regierung der serbischen Minderheit nördlich des Ibar!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! &$!
5.5 EULEX (European Union Rule of Law Mission)!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! &J!
5.5.1 Polizeibestandteil der EULEX in Kosova """""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" ),!
5.5.2 Justizkomponente der EULEX in Kosova """"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )(!
5.5.3 Die Zollkomponente der EULEX in Kosova"""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""""" )(!
V. Nachwort!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! $:#
X. Literaturhinweise und Medien!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! $I#
I. Einleitung
Das Thema des Kosovo beschäftigt schon seit Jahren die Weltgemeinschaft, jedoch nicht in
dieser Intensität wie dieses Jahr, seitdem Prishtina ihre Unabhängigkeit von Serbien
ausgesprochen hatte, die Einseitig erfolgt war. In dieser Frage waren viele Staaten gespalten,
da der Kosovo als Präzedenzfall von anderen Minderheiten, die unterdrückt werden,
genommen wird um eine Eigenstaatlichkeit zu legitimieren. Verschwörungstheoretiker
sprechen sogar von einer neuen Weltordnung die dadurch geschaffen wird und neue
Konflikte größeren Ausmaßes hervorrufen würde. Dies ist bis jetzt jedoch ausgeblieben, mit
der Ausnahme von Georgien und den dem Problem mit den zwei autonomen Regionen, die
von Russland stark unterstützt wurden.
Beide Seiten, sowohl Belgrad als auch Prishtina, versuchen mit Hilfe von Russland oder den
USA ihre Standpunkte in der Weltgemeinschaft zu repräsentieren. Dieses Lobbying wird mit
starker Intensität betrieben und stößt jedoch bei vielen Staaten auf Missverständnis der
kosovarischen Seite betreffend, was natürlich für die Seite Belgrads und Moskaus ein
Pluspunkt ist. Diese Gegner der Unabhängigkeit lassen sich durch bestimmte Kriterien
definieren, die sich mehr durch innerstaatliche Probleme zu erklären sind.
In dieser Arbeit werde ich versuchen beide Seiten zu analysieren und auch deren jeweilige
Standpunkte zu einem Besprechungspunkt machen. Auch deren Einfluss auf bestimmte
Ereignisse sowie Gruppen sollen nicht zu Kurz kommen. Zudem versuche ich die
Unabhängigkeitserklärung Kosovas aus der Sicht der internationalen Gemeinschaft und dem
Völkerrecht zu analysieren und dessen Rechtsstaatlichkeit zu belegen bzw. widerlegen.
Die EULEX und auch die UNMIK werden mit ihren Aufgabenbereichen und den
vorstehenden Problemen, mit vermeidbaren Schwierigkeiten dargestellt. Auch der Prozess der
Implementierung der EULEX und der Umsetzung des Ahtisaari-Plans stehen in dieser Arbeit
in einem wichtigen Kontext zur Entwicklung in Kosova.
Die Komplexität des Kosovaproblems soll in diesem Bericht eine Vereinfachung erlangen,
wenn wir die Medienanalyse machen und diese in den Entwicklungsprozess einbinden.
Welchen Einfluss diese haben können war schon während des Kosova-Krieges 1998/99 zu
sehen und ist heute ebenfalls nicht zu vernachlässigen.

1. Geschichtlicher Hintergrund
Die Auseinandersetzungen im Laufe der 1980er Jahre veränderten die politische Situation in
Kosova wie auch in Gesamtjugoslawien. Nach den Unruhen von 1981, indem Studierende

1
ihren Unmut aussprachen und sich für mehr Rechte und bessere Bedingungen in den
Bildungseinrichtungen eintraten, wurde die Lage verschärft, nachdem die Arbeiter aus
Trepca sich diesen anschlossen und die Parollen nicht mehr für bessere Bedingungen laut
wurden, sondern durch radikale Kreise eine Republik Kosova verlangt. Diese rief die Spitze
der Kommunisten in Kosova und auch in Belgrad auf etwas zu unternehmen.
Es wurde der Ausnahmezustand über Kosova verhängt und die Lage konnte mit
militärischer Gewalt unter Kontrolle gebracht werden, dabei wird von etlichen Toten und
verwundeten ausgegangen, je nach Berichterstattung von einigen Toten oder mehreren
hunderten Toten, sowie über 1000 Verhaftungen. Jedoch ist dies schwer nachzuweisen, da
jede Seite versuchte die anderen als Unruhestifter oder gewalttätige Gruppe darzustellen.
Im Jahre 1986 sollte sich die Lage noch mehr zuspitzen und den Weg für die spätere Karriere
Milosevics ebnen, sowie den rasanten Zerfall Jugoslawiens beschleunigen. Nachdem das
Referendum zum Genozid der Serben in Kosova durch die Akademie der Wissenschaften in
Belgrad veröffentlich wurde, war eine wende in der Kosovafrage deutlich zu sehen. Galt die
Autonomie Kosovas in Serbien als Verstoß und serbenfeindliche Politik Titos, sollte dieser
Fehler wieder behoben werden, was nur durch einen Aufhebung dieser erreicht werden
konnte. Jedoch sollte es bis zur Gleichschaltung noch einige Jahre dauern, da der Weg bis
dahin geebnet werden musste und die Ruhighaltung der anderen Republiken garantiert war.
So sollte es zwischen 1989/90 zu diesen Schritten kommen, wo die alte Verfassung langsam
Veränderungen erfahren sollte und die Abstimmung in den Parlamenten in Novi Sad und
Prishtina sollten dieses für die jeweiligen Regionen ratifizieren.
Beim letzten jugoslawischen Gesamtkongress 1991 versuchten Slowenien und Kroatien dem
Einfluss Serbiens zu entkommen und müssen feststellen, dass all ihre Vorschläge zur
Wiedereinführung der alten Ordnung von 1974 scheitern. Daraufhin verlassen die Vertreter
Sloweniens und Kroatiens die Versammlung und der Zerfall Jugoslawiens war somit
eingeleitet worden. Die ersten Kriege in Slowenien und Kroatien 1991/1992 sowie 1995
sollten zeigen dass es nicht einfach sein wird sich aus dem Staatenverband zu lösen, ohne
dabei den Unmut Belgrads auf sich zu ziehen. Auch wenn laut der Verfassung, diese
Republiken das Recht auf ihre Eigenstaatlichkeit hatten, wollte Belgrad dies mit allen Mitteln
verhindern. Als Bosnien sich auch für einen eigenen Weg entschied, sollte dies zu einer der
größten Tragödien in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg werden, die bis zu 100 000 Opfer
forderte.
Die Kosovaren verhielten sich dabei ganz ruhig und versuchten einen Weg des friedlichen
Widerstandes zu gehen, der keine Aufmerksamkeit in der Weltgemeinschaft auf sich ziehen
konnte. Dies wurde noch deutlicher als im Vertrag von Dayton, die kosovarische Delegation
keine Berücksichtigung fand und die Kosovafrage links liegen gelassen wurde. In Kosova

2
wurde eingesehen, dass der Weg des friedlichen Widerstandes keine Aufmerksamkeit auf
die schlechte Situation in Kosova richten wird und somit wurden jene Kreise von den
Menschen im Umland stärker unterstützt, die einen bewaffneten Weg des Widerstandes
suchten, den sich auch finden sollten. Vereinzelte Übergriffe auf Polizeistationen und
Konvois von Militärfahrzeugen, machen diese Gruppe vorerst bekannt, doch die Menschen
im Kosovo denken, dass es serbische Propaganda sei und nahmen diese Gruppe nicht
wirklich wahr. Grund dafür waren auch die Stärke und ihre Operationsgebiete, die weit von
den Städten in dem Hinterland lagen. Am Tag der Fahne am 28.11.1997 sollte sich jedoch
diese bewaffnete Widerstandsgruppe, die sich als UCK deklarierte, zeigen und so den
Menschen im Land ein Gesicht zu denjenigen geben, die gegen die serbische Sonderpolizei,
in den letzten Jahren, vorgegangen war. Die Zustimmung der Bevölkerung war jedoch nicht
so stark, dass sie eine wende gebracht hätte, bis es zum Übergriff der serbischen
Sonderpolizei gegen die Familie Jashari in Prekaz gekommen war, wo 56 Familienmitglieder
und zwei Besucher den Tod fanden. Die Solidarität der Menschen wurde hier angesprochen
und es kam zu großen Kundgebungen und Demonstrationen im ganzen Land. Sogar
Kilometerlange Märsche nach Prekaz wurden von den Menschen organisiert um zu zeigen,
dass es allen Nahe geht.
Hier wurde deutlich, dass der friedliche Widerstand nun sein Ende gefunden hatte, da diese
Aktion, gegen Kinder und alte Menschen, wie es in Kosova hieß, ein Zeichen war, dass
Belgrad den Albanern ohne Kampf niemals Rechte zugestehen werde. Zudem war dieses
harte Vorgehen in den Menschen so stark mit der Vergangenheit verbunden, dass sie
einsahen, dass nur die UCK den ersehnten Frieden bringen kann. Der Zulauf nahm
kontinuierlich zu, die sich hauptsächlich aus den Dörfern und Kleinstädten rekrutieren
ließen, da der Zugriff der serbischen Sonderpolizei nicht möglich war und die Kontrolle
dieser Gebiete, durch die schlechte Infrastruktur, der serbischen Armee nicht kontrolliert
werden konnte, geschweige den überhaupt schwere Kriegsmaterialien in diese Gebiete
verlegen.
Die Auseinadersetzungen sollten sich zuspitzen und mit Vertreibungen der
Zivilbevölkerung einhergehen. Da die serbische Sonderpolizei die UCK nicht erreichen
konnte, da sich diese nach etlichen Angriffen in den Gebirgsketten oder Wäldern
zurückzogen, musste die Zivilbevölkerung den Preis zahlen. Somit war die
Weltöffentlichkeit dazu gezwungen etwas zu unternehmen. Waren die Ereignisse von
Bosnien noch in frischer Erinnerung, vor allem Srebrenica sollte sich nicht mehr
wiederholen. Die EU versuchte mit Waffenstillständen und einer Kommission die Lage zu
beruhigen, was aber nicht aufgehen konnte, da sich so viel Hoffnungslosigkeit im Laufe der
1980er und 1990er Jahren in den Menschen gestaut haben, dass sie wussten ein Status quo ist

3
keine Lösung und darf nicht mehr erhalten bleiben. Deswegen waren die Waffenstillstände
nie von langer Dauer, da die UCK provokative Aktionen startete und wußte dass die
Sonderpolizei hart durchgreifen wird. Im Winter 1998 startete die serbische Armee begleitete
von Sonderpolizei eine groß angelegte Offensive gegen Stellungen der UCk, die in manchen
Regionen weite Teile unter ihre Kontrolle gebracht hatten.
Die Folge waren erneute Flüchtlingsströme, die begleitet von einem stärkeren Winter
wurden. Die Menschen mussten in den Wäldern hausen, oder zogen zu Verwandten in den
Städten um dem Kältetod zu entkommen. Der Versuch der internationalen Gemeinschaft auf
friedlichem Weg den Konflikt zu beenden, scheiterte als das Massaker in Recak verübt
wurde, wobei es heißt dass diese von der UCK prepariert worden sei, um eine militärische
Intervention durch die NATO zu sichern. (Im Sommer 2005 traf ich einen Überlebenden aus
Recak, der verwundet wurde und von der Sonderpolizei festgenommen, und mir die
Situation so schilderte, dass sie die für ein Massaker sprechen.)
Nach diesem Vorfall kam es, nachdem die Friedensverhandlungen von Ramboiullet
gescheitert waren, zu Luftangriffen gegen Serbien, die vom 24.3.1999 bis 10.6.1999 dauern
sollten und mit einem Friedensvertrag endeten, der jedoch weitere Probleme in den nächsten
Jahren schaffen sollte, da Serbien mit Hilfe der Russen einen Punkt in den Vertrag verankern
konnte, der bis heute noch seine Wirkung zeigt. Es geht um die Resolution 1244, die zwar
eine Stationierung der UNMIK und KFOR ermöglichen sollte, aber jedoch gleichzeitig die
Unversehrtheit der territorialen Integrität Bundesjugoslawiens sichern sollte.
Zu ersten größeren Ausschreitungen in Kosova kommt es im März 2004, als der Unmut der
Menschen, durch einen Zwischenfall in Mitrovica zum Ausdruck gebracht wird. Dabei
kommt es auch zu übergriffen auf religiöse Institutionen, die durch vorhergehende
Zerstörung zweier alten Moscheen in Nis und Belgrad, den Albanern das vermeintliche
Recht gaben, dies mit den gleichen Mitteln zu tun. Die UNMIK wird jedoch eines der
Hauptaugenmerke dieser unkontrollierten Entladung des Unmuts der Menschen in Kosova,
die behaupteten dass die UNMIK die Lage mehr verschlechtert hat als was für die
Entwicklung zu tun.
Nach etlichen Verhandlungen, über den Status Kosovas, seit 2004, konnten die
festgefahrenen Positionen nicht mehr gelockert werden, da Belgrad mit der
uneingeschränkten Solidarität Russlands rechnete und Prishtina von den USA und manchen
EU-Staaten starke Unterstützung erfuhr. So kam es wie es nun mal kommen musste, dass
sich die Situationen so dermaßen verschärft hatten, nur ein Ausweg blieb, den Prishtina sah.
Sie rief die Unabhängigkeit am 17.Februar 2008 aus und wurde bis jetzt von 52 Staaten
anerkannt.

4
2. Unabhängigkeitserklärung
“Kosovo has been largely peaceful and stable since declaring independence on 17 February
2008, but the outside world has not provided adequate support to guarantee peace and
security and ensure that any attempts to partition the country are pushed back.”1

Durch die geschichtlichen Ereignisse, die sich ab den 1980er Jahren zugetragen haben und
mit 1998/99 in einen Krieg mündeten, kann eine Rückintegration Kosovas in das serbische
Staatsgebilde nicht mehr erfolgen, da bestimmte Faktoren dagegen sprechen.
Zum Einen ist das Land, nach etlichen Übergriffen und der systematischen Vertreibung der
albanischsprachigen Gruppe, durch die Sonderpolizei und Armee, stark gekennzeichnet. Ein
weiterer Faktor ist die faktische Selbstverwaltung unter der UNMIK, die der
albanischsprachigen Gruppe weitgehende Rechte einräumte und ihnen das Gefühl von einer
Eigenstaatlichkeit, die in den Köpfen der Menschen das Bild von Freiheit prägte,
vortäuschte. Die Neugewonnene Freiheit unter der UNMIK und der Aufbau neuer
Strukturen sowie einer neuen besseren Lebensweise, hatte weit reichend in die Gesellschaft
Einzug gefunden und konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Dies wäre aber
geschehen wenn Kosova unter der Kontrolle Belgrads gestellt worden wäre, da die heutige
Politik sich von der Milo!ivi!s nur schwer unterscheiden lässt, mit der Ausnahme dass
Serbien in die EU möchte und gleichzeitig aber auf dem Balkan ihre Ansprüche festigen will.
Aber auch wenn Belgrad den Autonomiestatus von 1974 wiederhergestellt hätte, was in
keinem der Verhandlungen je in Erwägung gezogen wurde, wäre immer noch das Trauma
der Gleichschaltungspolitik von 1989/90 dass in der Erinnerung der Menschen tief verankert
ist. Dies wurde auch von wichtigen Vertretern der Vereinten Nationen gesehen, wie auch
von Ahtisaari, der in einem Interview klar seinen Standpunkt äußerte. „I said in light of
what had happened in Kosovo, the return of Kosovo to Serbia is not a viable option.”2
Zum anderen wäre auch ein Verbleiben Kosovas unter Belgrad eine Option gewesen, die
Wiederum von der serbischen Seite nicht in der Form akzeptiert worden wäre, wie es in
einem demokratischen Staat der Fall ist. Da die kosovarische Bevölkerung zu 90% aus der
albanischsprachigen Gruppe besteht, die immerhin mehr als 2,2 Millionen Einwohner
ausmachen, wäre dies bei Wahlen ein wichtiger Faktor. Um diesen Teil der Bevölkerung
innerhalb Serbiens vertreten zu können, müsste es bestimmte Richtlinien geben, die auch
wichtige politische Ämter dieser Gruppe zusichern. Sei es einen Ministerposten und auch

1
Zitat: http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=5727&1=1
2
http://www.emportal.co.yu/en/news/serbia/66169.html (20.Oktober 2008)

5
eine Minderheitenklausel, die alle Gesetze blockieren kann, die gegen die Minderheit
beschlossen würden. Ob Belgrad sich mit einem albanischsprachigen Außenminister,
Finanzminister oder sogar Prämierminister abgefunden hätte, wäre nun mal dahingestellt,
da die Vorbehalte gegen Albaner im Allgemeinen in der serbischen Bevölkerung und auch in
der Elite stark verbreitet sind. Die Verbreitung und Erhaltung dieser wird durch Medien und
verstärkte Stereotypen am leben erhalten. Dadurch dass die albanischsprachige Gruppe als
barbarisch, kriminell und primitiv gesehen wird, wäre es schwer der Bevölkerung klar zu
machen, warum nun so ein „Primitivling“ in der Regierung sitzen soll. Auch der Westen
übernimmt ohne zu Hinterfragen gewisse Clichés die von Russland und Serbien verbreitet
werden, wie dies in einem Bericht deutlich zum Vorschein kommt. „Surely, Mr Bush knows

that the KLA […] is tied in with every known middle and far eastern drug cartel. Interpol,
Europol, and nearly every European intelligence and counter-narcotics agency has files open
on drug syndicates that lead right to the KLA, and right to Albanian gangs in [Kosovo].
Furthermore, the KLA was involved in sex slaves. Furthermore, they were supported by
Osama Bin Laden.”3
Durch diese pro und contra, von denen es noch viel mehr aufzuzählen mir möglich wäre,
jedoch nicht als Hauptaugenmerk in dieser Arbeit behandelt wird, scheint es mir nun
wichtig zu sein sich etwas auf die Unabhängigkeitserklärung zu stützen und ob es
Völkerrechtswidrig war oder Kosova das Recht dazu hatte sich Selbständig zu machen. Es
wurden Szenarien ausgearbeitet die Folgen könnten wenn das Kosova unabhängig wird.
Diesen Punkt werde ich jedoch extra behandeln, da es mir wichtig scheint sich mehr damit
zu befassen.
Warum darf dieser Kleinstaat seine Unabhängigkeit ausrufen und welche Voraussetzungen
waren dafür gegeben? Wenn wir uns auf diese Frage stützen, dann ist es nicht von
unwesentlicher Bedeutung wenn wir die Statusfrage von 1974-1989 uns näher bringen, um
einen Einblick in die rechtliche Stellung Kosovas innerhalb Jugoslawiens zu haben. In den
Verhandlungen wurde immer davon geredet, dass Kosova im Laufe der 1990er Jahre keinen
besonderen Status innerhalb Serbiens bzw. Restjugoslawiens innehatte. Wir müssen aber
einen weiten Einschnitt in die Politikgeschichte machen um zu sehen was Kosova für Rechte
und Pflichten hatte und ob eine Abspaltung einen Präzedenzfall schafft oder nicht.
Laut der Verfassung von 1974 war Kosova eine autonome Provinz mit weitgehender
Selbstbestimmung innerhalb Serbiens.4 Dies wurde weitergeführt und Kosova auch

3
http://www.brusselsjournal.com/node/2988 (10.Oktober.2008)
4
„The inevitable starting point is the juridical reality that, by virtue of the constitution of the former Yugoslavia,
Kosovo, while nominally not enjoying the status of a fully-fledged republic, nonetheless possessed practically all
attributes and functions pertaining to the republics of the Socialist Federal Republic of Yugoslavia (SFRY),

6
weitgehende Befugnisse über das eigene Territorium eingeräumt, was über Bildung,
Gesundheit, Legislative, Judikative und Exekutive reichte. „Thus according to both the

federal constitution and its own, Kosovo functioned within the Yugoslav federation as an
independent and self-governing unit. The political administration of Kosovo consisted of
structures wielding autonomous legislative, executive, and judicial powers. The Assembly
was the highest legislative body within the territory of Kosovo, and the Constitutional Court
of Kosovo the highest judicial authority. Like the other federal units - the six republics and the
province of Vojvodina - Kosovo had its own independent judiciary, while executive power
rested in the hands of its own government, which controlled its police and territorial defense
forces.”5 Dies kann auch veranschaulicht werden, dass in dieser Zeit die Universität in
Prishtina und weitere Institutionen Landesweit aufgemacht wurden, wie die Hochschule in
Prizren. Die Polizeikräfte waren nach dem ethnischen Verhältnis aufgebaut worden und
auch die staatlichen Betriebe sowie Institutionen folgten dem Muster der ethnischen
Zusammensetzung des Landes. Aus diesem Grund ist es nicht vergleichbar mit anderen
Regionen, wie dies auch oft in den Medien verbreitet wird, mit der Begründung wenn
Kosova unabhängig werden sollte, dann hat auch Südossetien oder sogar die Srpska
Republika ein Recht auf Sezession. Die beiden genannten territorialen Konstrukte wurden
Mehr oder Weniger aus Verträgern oder außenpolitischen Druck geschaffen und hatten vor
ihrer Gründung und nachher auch keine weit reichende Kompetenzen, wie dies aber in
Kosova der Fall war.6 Hier ist auch eine Abfolge von Ereignissen eingetreten die eine
Staatswerdung im Laufe der 1990er Jahre verhindert hat und somit auch einen möglichen
friedlichen Ausgang endgültig zunichte machte.
Auch wenn die Möglichkeit bestanden hat, dass diese Region mit friedlichen Mitteln ihre
Unabhängigkeit erreichen konnte, sind die Umstände nach dem Kriegsverlauf 1998/99
zunichte gemacht worden und müssen nun in einem anderen Kontext gesehen werden.
Zudem waren die internationalen Vertreterstaaten, vor allem die USA und grossteil der EU
von Anfang an damit beschäftigt einen eigenen Staat mit dementsprechenden Strukturen

subsequently recognized as the latter’s legal successors.” Im Artikel vom 28.August 2008 im Web zu finden
unter http://www.newkosovareport.com/200808281169/Views-and-Analysis/Kosovo-s-constitutional-position-
in-the-former-Yugoslav-Federation.html (New Kosova Report)
5
http://www.newkosovareport.com/200808281169/Views-and-Analysis/Kosovo-s-constitutional-position-in-
the-former-Yugoslav-Federation.html
6
„The fact that Kosovo functioned as an independent entity for nearly five decades, half of that time with full
self government, challenges the allegation that the Republic of Kosovo had never been a state entity or that it
arose out of nothing. Given its former status as one of Yugoslavia’s eight self-governing territories, Kosovo is
neither politically nor legally comparable to such recent secessionist creations as Republika Srpska in Bosnia-
Herzegovina and South Ossetia in Georgia.” Im Artikel vom 28.August 2008 im Web zu finden unter
http://www.newkosovareport.com/200808281169/Views-and-Analysis/Kosovo-s-constitutional-position-in-the-
former-Yugoslav-Federation.html

7
aufzubauen.7 Dadurch dass sich die Fronten dermaßen verhärtet hatte, konnte kein
Kompromiss mehr gefunden werden und Kosova musste die Unabhängigkeit einseitig
ausrufen, die bis jetzt von 52 Staaten anerkannt wurde.
Ob nun Kosova ein Recht auf seine Unabhängigkeit hat und ob dieses Völkerrechtswidrig
sei, ist schwer zu beantworten, da es in der Auslegung des Völkerrechts, welches meiner
Meinung nach auch etwas überaltert ist, für beide Seiten ein Pro und ein Contra gibt, wenn
nicht mehr. Betrachten wir jedoch die Ausgangsjahre der 1970er mit der Jugoslawischen
Verfassung, dann steht Kosova dieses Recht zu sich von Serbien zu spalten, da nur ein
Rechtsstaat vorbehalten bleibt Gesetze zu verabschieden und diese auch durchzusetzen, was
ja auch das Völkerrecht definiert.8

2.1 Mögliche Folgen nach der Unabhängigkeit auf internationaler Ebene


Es wurden alle möglichen Szenarien besprochen und sollten in der internationalen
Gemeinschaft einen Zwiespalt schaffen, der bis heute auch deutlich zu spüren ist. Jene
Staaten die auch eine Minderheitenproblematik aufweisen, wie die Slowakei, Spanien,
Griechenland (das offiziell keine Minderheiten beherbergt), Rumänien, Russland, China,
Indien, etc. scheinen diese Probleme ernster zu nehmen.9 Geht doch jeder dieser Staaten
davon aus, dass eine Anerkennung Kosovas zu weiteren Sezessionsbewegungen in ihrem
Land führen könnte und die allgemeine Weltordnung eine andere Wende nehmen würde.
Natürlich waren nach der Unabhängigkeitserklärung Kosovas auch Unruhen in Tibet zu
verzeichnen, 10 doch gingen diese mehr mit den Olympischen Spielen in China einher, da es
galt eine starke westliche Präsenz zu nutzen um auf ihre Problematik aufmerksam machen
zu können.

7
“The international community was supposed to supervise independence based on the "Comprehensive Proposal
for the Kosovo Status Settlement" drafted by Martti Ahtisaari, the UN Secretary-General's special representative.
Although the plan was never approved by the Security Council, it still offers the best blueprint for a multi-ethnic
and democratic Kosovo, and to its credit, the Kosovo government has committed to implementing the proposal,
which deals with such challenges as decentralization, minority rights, the security sector, and the future role of
the international community.” Im Artikel vom 14.Oktober 2008, im Web unter der Seite
http://www.crisisgroup.org/home/index.cfm?id=5727&1=1
8
„ The legal and constitutional differences between the status of Kosovo and that of the six republics were minor
and nonessential, whereas their similarities in terms of competency were crucial. For example, at the all-
Yugoslav level Kosovo exercised a right of veto in legal, political and economic decision-making equal to that of
other federal units. Moreover, it is well known that the right to adopt and repeal laws defines the sovereignty of a
state.” Im Artikel vom 28.August 2008 im Web zu finden unter
http://www.newkosovareport.com/200808281169/Views-and-Analysis/Kosovo-s-constitutional-position-in-the-
former-Yugoslav-Federation.html
9
“Others, however, have serious misgivings. Spain, Cyprus, Greece, Bulgaria, Romania and Slovakia oppose
Kosovo’s independence.” Im Artikel von 18.Februar 2008 im Web unter
http://www.brusselsjournal.com/node/2988
10
“Lavrov also pointed to unrest taking place in Tibet at the time, suggesting that Kosovo’s breakaway had
helped to trigger the “disorder” in the Chinese-ruled region.” Im Artikel vom 30.September 2008 im Web unter
http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572. (CNS News)

8
Doch das Paradebeispiel ist, wie es in der Balkanpolitik eh und je gewesen war, Russland,
dass mit einer Anerkennung Abchasiens und Südossetiens genau dem Widersprach,11 was
sie eigentlich der EU und den USA im Falle Kosovas vorgeworfen hatten. Der Vergleich
zwischen diesen beiden Fällen und Kosova ist jedoch aus den oben genannten Gründen
nicht möglich, da die Voraussetzungen unterschiedlicher politischer Natur sind.12
Die Vermutungen reichen von einem Failed State, wo die Kriminalität die Oberhand
gewinnen würde,13 bis hin zu einem Anschluss an Albanien, womit auch das Hirngespinst
Großalbanien wieder ins Leben gerufen wurde,14 was aber in der kosovarischen Gesellschaft
nur als Propaganda Serbiens und Russlands hingestellt wird, da eine Tendenz des
Anschlusses nicht existent ist, wie dies auch in Berichten vom Balkan Anders, durch
Christine von Kohl erfasst wurde, indem eine Befragung die Bereitschaft eines Anschlusses
festschreiben sollte.
Viele Thesen wurden vor der Unabhängigkeitserklärung aufgestellt, wie es weitergehen
könnte und mit welchen Problemen sich die Weltgemeinschaft danach zu befassen hat.
Durch die Positionen schon während der Statusverhandlungen konnte sich auch eine
Tendenz bemerkbar machen und zwar in jene die, die Unabhängigkeit favorisierten und jene
die sich, außer Serbien und Russland, noch vehement dagegen aussprechen. Diese, wie
schon erwähnt, haben mehr die Angst von inneren Konflikten, wenn sie diesen neuen Staat
anerkennen würden, wie dies auch auf Argentinien zutrifft, die vor einer Sezession der
Falkland Inseln führten, sowie die Zypernfrage, wieder vor einem neuen Konflikt stehen

11
“Russia furiously opposed Kosovo's independence, and pointed to it as justification of its own recognition of
Abkhazia and South Ossetia, pro-Russian enclaves in Georgia. Ahtisaari rejected the parallel.“ Im Web unter
http://www.emportal.co.yu/en/news/serbia/66169.html. (Emportal online)
12
"We did Kosovo within the UN framework. In Georgia there was not even an attempt," he argued. "You
cannot go into an independent country and do whatever you like. Even if you are Russia." Im Web unter
http://www.emportal.co.yu/en/news/serbia/66169.html.
13
„ Only last week, General Fabio Mini, the Italian general who commanded the NATO troops in Kosovo in
2002-2003, warned that the recognition of Kosovo’s independence would turn out to be a “fatal mistake.” This
new state, the general said, will only benefit the clans who currently rule Kosovo: i.e. the clans of the current
Prime Minister, Hashim ‘the Snake’ Thaçi “who is in business with the oil companies,” of his predecessor
Ramush Haradinay, who is standing trial for war crimes in The Hague, of former Prime Minister Agim Ceku
“who wants to become a generalissimo” and of Behgjet Pacolli, a billionaire “who needs somewhere to stack the
money of his empire.” “What these clans want,” General Mini said, “is a place in Europe where they can open
new banks, a free haven for the money that flows in from the East.” Im Artikel von 18.Februar 2008 im Web
unter http://www.brusselsjournal.com/node/2988.
14
„In Serbien besteht die Befürchtung, dass die albanische Nationalflagge in Zukunft für einen neuen Staat
wehen könnte, ein Großalbanien nämlich, das sich über sämtliche albanischen Siedlungsgebiete in Griechenland,
Mazedonien, Serbien, Kosovo, Montenegro und natürlich Albanien erstreckt. Einer solchen zweifellos blutigen
Entwicklung würde, so die Behauptung in Belgrad, mit einer Unabhängigkeit Kosovos Tür und Tor geöffnet.“ ...
„Der gut fundierte und sehr lesenswerte Bericht kommt zum Schluss, die Behauptung, wonach alle Albaner im
Grunde ihrer Herzen nach einem Großalbanien trachteten, treffe eindeutig nicht zu.“ … „Dieses demographische
Gleichgewicht würde sich in einem Großalbanien unweigerlich zuungunsten der Tosken verändern, da die
albanische Bevölkerung Kosovos gegischen Ursprungs ist. Allein schon darum seien panalbanische
Bestrebungen in Tirana höchst unpopulär, lautet die Beweisführung der ICG-Studie.“ Im Bericht vom 17.März
2004 in der NZZ (Bericht online auf
http://www.gegeninformationsbuero.de/frameset.html?/krieg/jugos_fuenf_gross.htm.

9
würde. Wie auch Spanien verlauten ließ, dass die Ausrufung Völkerrechtswidrig sei und aus
diesem Grund nicht anerkannt werde. Auch Stimmen in Palästina werden laut, die eine
Unabhängigkeit Kosovas nicht anerkennen, da sie der Meinung seien, sie wären übergangen
worden.
Aus den Kritikern wird der Ruf lauf, dass die USA sich nicht über das internationale
Völkerrecht stellen dürfen und auch nicht die Befugnis habe Staaten nach Gutdünken
entstehen zu lassen.
Doch bis heute haben sich keine Änderungen in der internationalen Gemeinschaft
bemerkbaren gemacht, was für negative Folgen gesorgt hätte. Vielmehr ist die Angst und
Panikmache über die Statusfrage so weit vorangeschritten, dass schwer vorhersehbar sein
wird die Folgen längerfristig zu erfassen. Zwar wäre Kosova nicht zu einem Präzedenzfall
geworden, jedoch wurde dies weitgehend in die Weltöffentlichkeit als solches getragen, dass
nun jene rechtlosen Völker, ebenfalls eine Eigenstaatlichkeit fordern könnten.
Es gibt mehrer Möglichkeiten um eine Erklärung zu finden, warum sich in der
Weltgemeinschaft nicht wirklich was geändert hat. Zum Einen wurde die Unabhängigkeit
Kosovas von den westlichen Staaten15 vorbereitet und auch Großteils anerkannt, mit der
einigen Ausnahmen. Durch diese Maßnahme konnte meiner Meinung nach ein
Präzedenzfall verhindert werden, obwohl einige Staaten gerne daraus einen machen
würden. Dies ist mit Russland am Besten zu belegen, indem im laufe des Jahre 2008 ein
Konflikt mit Georgien vom Zaun gebrochen wurde, der zu einer quasi Besetzung Georgiens
führte und die Provinzen Abchasien und Südossetien unter ihrer Kontrolle brachte, mit dem
Argument sie müssen geschützt werden und Russland übernehme die Protektoratsrolle in
diesen Gebieten. Auch dieses Einschreiten Russlands, konnte nicht in der Weltgemeinschaft
auf Freunde stoßen, auch bei den eigenen Verbündeten keine Zustimmung fanden.
Dies ist ein gutes Bespiel um zu zeigen, dass Kosova nicht als Präzedenzfall gesehen werden
kann, da die internationale Gemeinschaft die Schaffung dieses neuen Staates als eine
einmalige Aktion verstehen die sich nicht mehr wiederholen soll.
Die Unabhängigkeit Kosovas wirft jedoch neue Fragen innerhalb des serbischen
Territoriums auf, die sich mit der Frage der Vojvodina beschäftigt. Diese autonome Provinz,
die seit 2002 mit eingeschränkter Autonomie, sich verwalten darf, würde zwar zu einem
Problem werden, jedoch ist die Bevölkerungsstruktur in einem Gegensatz zu Kosova. Gilt
Vojvodina immer noch als ein multiethnisches Gebiet, war Kosova so gut wie einheitlich

15
„His plan for supervised independence coupled with extensive minority rights for Kosovo's Serb minority was
rejected by Serbia and Russia last year. However, Kosovo - with western backing - declared independence in
February.” Im Artikel vom 20.Oktobert 2008 im Web unter
http://www.emportal.co.yu/en/news/serbia/66169.html.

10
geschaffen. In Vojvodina macht die serbischsprachige Bevölkerung rund 65%16 aus und ist
mit Kosova, wo sind rund 5%17 ausmachen, kaum zu vergleichen.
Die Auswirkungen dieser Unabhängigkeit werden in den nächsten Jahren deutlich spürbar
sein, da sich die letzten Monaten keine Trends verzeichnen lassen, da keine Ausrufungswelle
neuer Staaten sich bis jetzt abgezeichnet hat. Auch wenn ständig vor dieser Bedrohung
gewarnt wurde. Es wer nicht das erste Mal, dass die so genannten Experten sich in einer
politischen Entwicklung neben den realen Begebenheiten bewegen und Szenarien sowohl
vor als auch nach dieser Unabhängigkeitserklärung beschwören, wie die Vorhersage, dass
alle Serben abwandern werden, sobald Kosova ein Staat werden würde.18

3. Anerkennung durch andere Staaten


„Kosovo's ethnic Albanian majority proclaimed independence from Serbia on February 17, a
move that has been recognised more than 50 countries, including most of the EU members
and the United States.”19
Tage vor der Unabhängigkeit wurde starkes Lobbying von Kosova, den USA und der EU
aus betrieben, die eine Anerkennung Kosovas, bei möglichst vielen Staaten, erreichen sollte,
wobei die russisch-serbische Strategie, ein Ziel der Ablehnung durch Drittstaaten erreichen
wollten. Russland und Serbien argumentierten mit dem Völkerrecht und dass ein
Präzedenzfall geschaffen würde und eine Kettenreaktion zu erwarten sei, das auch viele
Staaten selbst betreffen würde.20
Die Weltgemeinschaft lässt sich nach dem 17.Februar 2008, in drei Lager gliedern, die sich
wie folgt unterscheiden lassen.

16
„Although Serbs form an overall majority with 65 percent, Hungarians comprise over 14 percent of the
population, with Slovaks and Croats tied at just under 3 percent, “Yugoslavs” at over 2 percent, Montenegrins at
1.75 percent and Romanians at 1.5 percent. Smaller ethnic groups include the Roma, Macedonians, Ukrainians,
Rusyns and Germans.” Im Artikel vom 16.Februar 2008 im Web unter
http://kanadaihirlap.com/2008/02/16/sovereign-kosovo-raises-questions-for-hungarian-minority/. (Kanadai
Magyar Hírlap)
17
„In Kosovo, ethnic Albanians comprise more than 90 percent of the total population, which stands at around
two million. Population estimates for the remaining Serb minority can be anywhere from just under six percent
to as much as ten percent.” Im Artikel vom 16.Februar 2008 im Web unter
http://kanadaihirlap.com/2008/02/16/sovereign-kosovo-raises-questions-for-hungarian-minority/.
18
„So much for what ought to happen: what will happen? This is regrettably easy to predict: on Sunday,
February 17th, 2008, Kosovo will declare its independence. Many if not most of the remaining Serbs will
migrate to Serbia proper. Some Serbs will stay and try to force a partition of the province; this will swiftly
degenerate into violence as the Kosovar Albanian government seeks to extend its writ to the full territory it now
claims.” Im Artikel vom 11.Februar 2008 im Web unter http://www.brusselsjournal.com/node/2956.
19
http://www.thenews.com.pk/updates.asp?id=58111 Artikel vom 19.Oktober 2008. (The News International)
20
„Certain circles even talk about a possible domino effect, claiming that recognition of Kosovo’s independence
would lead to further divisions in the Balkans. Such arguments are frequently voiced also by Serbian parties and
governmental circles. But they completely ignore the political context of the wars of the Yugoslav succession,
which inevitably came to involve also Kosovo and which motivated Kosovo’s demand for independence.” Im
Artikel vom 28.August 2008 im Web unter http://www.newkosovareport.com/200808281169/Views-and-
Analysis/Kosovo-s-constitutional-position-in-the-former-Yugoslav-Federation.html.

11
a. Befürworter: USA, EU und Staaten Kosova anerkannt haben und eine Anerkennung in
Erwägung ziehen.
b. Vehemente Gegner der Unabhängigkeit: Russland, Serbien, China, sowie Staaten mit
Minderheitenproblematik
c. Neutrale und Unentschlossene: Staaten die noch keine konkrete Stellungnahme
abgegeben haben und die Entwicklung abwarten.

Die Anerkennung Kosovas, ging von Staaten aus, die durch eine US-Politik beeinflusst sind
um den Weg für die westlichen Staaten zu Ebnen. In Belgrad kam es nach der Anerkennung
durch die USA, GB, Frankreich, Deutschland etc. zu größeren Demonstrationen, die in
Ausschreitungen endeten. „Kosovo declared independence from Serbia on February 17 and

while the United States and many European Union states were were quick to recognise the
new state, the move provoked outrage in Belgrade and Moscow.”21 Zudem wurden die
serbischen Botschafter aus allen Staaten abgezogen, die Kosova anerkannt hatten.
Anfangs ging eine zahlreiche Anerkennung durch westliche Staaten einher, das aber schnell
die Zuversicht der kosovarischen Regierung nehmen sollte, weil sich Staaten nun vereinzelt
dazu entschließt einen Schritt in Richtung Anerkennung zu machen. Die letzten Staaten die
Kosova anerkannt haben, sind Montenegro, Mazedonien, Portugal, Emirat und Malaysien.
Portugal war bis vor kurzem eines der wenigen EU-Mitglieder die Kosova nicht anerkannt
haben, wobei sich die politische und öffentliche Meinung sich geändert zu haben scheint,
indem auch der Außenminister Luis Amado, meinte, dass eine Unabhängigkeit Kosova nicht
mehr rückgängig gemacht werden könne. Zudem ist es auch im Interesse Portugals mit
diesem neuen Staaten Verhandlungen aufzunehmen, da der grossteil der EU hinter der
Souveränität Kosovoas stehe.22
Ob dies aber auch jene EU-Mitglieder sehen, die sich mit Minderheitenproblemen
konfrontiert sind, ist abzuwarten. Die Staaten Mazedonien und Montenegro, sahen sich mit
anderen Problemen konfrontiert, wenn sie Kosova als Staat anerkennen sollten. Zum Einen
galt die ungelöste Grenzfrage mit Mazedonien zu klären und auch die albanischsprachige
Minderheit im Lande zu beschwichtigen und zum Anderen hat Montenegro eine große
serbische Minderheit im Lande, die für Unruhe sorgen könnte, was auch dann tatsächlich
passieren sollte. Damit war Montenegro zum Teil belastet, da auch die Vergangenheit und
die traditionelle Bindung an Serbien eine wichtige Rolle bei diesem Schritt spielen sollten.

21
http://afp.google.com/article/ALeqM5iO93H5hF62harbEDmBKzkXth7E6g Artikel vom 8.Oktober 2008.
22
"It is in the interests of the Portuguese state to proceed today to the formal recognition of Kosovo," Foreign
Minister Luis Amado told the national assembly's foreign affairs committee.
"We are convinced that the independence of Kosovo has become irreversible," he added. Im Artikel vom
8.Oktober 2008 im Web unter http://www.unpo.org/content/view/8755/122/.

12
Somit hatte sie eigentlich mehr oder weniger keine wirklichen Vorteile durch die
Anerkennung Kosovas zu erwarten, außer den starken Tourismus im Sommer, der dieses
Jahr fast zur Gänze ausgeblieben war.
Der wichtigste Ansporn für diesen Schritt war jedoch ein ganz Anderer gewesen, wenn wir
dem Außenminister Milan Rocen glauben schenken, dann war die EU ein wichtiger Akteur
für diesen Schritt, der politisch nicht hätte besser sein können.23 Zum Einen hat Montenegro,
durch die lange Tradition mit Serbien, den Un-Antrag unterstützt und kurz darauf einen
Schritt gemacht, womit Serbien nicht gerechnet hatte. Aber die Entscheidung in Prodgorica
fiel aus dem Grund, dass sie schneller in die EU aufgenommen werden würde und somit
bessere Zukunftsperspektiven sich eröffnen würden.24 Ob wir diese Politik gut heißen
können, ist fraglich, da eine Anerkennung aus dem Willen des Volkes und der Regierung
selbst geschehen sollte, da wir uns danach mit anderen Problemen konfrontiert sehen
werden.
Auch Mazedonien musst sich zu diesen Schritt bewegen, da die albanischsprachige
Minderheit, die auch einen guten Kontakt, sowohl familiär als auch politisch, zu Prishtina
pflegt, den Druck auf die Regierung erhöhte.25 Es war wichtig diese beiden Staaten dazu zu
bewegen Kosova als Staat anzuerkennen, da sie als verbündete Serbiens gesehen wurden
und sich auch als einzige Staaten friedlich aus Jugoslawien (Mazedonien 1992, Montenegro
2006) lösen konnten.
Doch dies soll nun der Anfang gewesen sein, da die traditionellen Verbündeten Serbiens und
Russlands ins Augenmerk der Lobbygruppen getreten sind und mit großem Aufwand von
Prishtina und Belgrad von den jeweiligen Standpunkten überzeugt werden sollen. Wobei

23
„Die Entscheidung, diplomatische Beziehungen mit dem Kosovo aufzunehmen, fiel nur einen Tag, nachdem
der Vertreter Montenegros Serbien bei einem UN-Antrag an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag
unterstützt hatte, der die Rechtmäßigkeit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo untersucht. „Wir hatten
keine Wahl“, sagte Außenminister Milan Rocen nach einer Regierungssitzung in dem Versuch, den Albanern
entgegenzukommen. „Serbien wird verstehen, dass es nicht gegen sie gerichtet ist. Es wird unseren Weg in die
EU und die NATO beschleunigen. Hätten wir anders gehandelt, hätten wir und eine Menge Probleme
eingehandelt“, so Rocen.“ Im Artikel vom 17.Oktober 2008 im Web unter
http://www.cafebabel.com/ger/article/26836/trans-riots-reactions-in-montenegro-and-macedonia-.html. (Das
Europamagazin Cafebabel)
24
„Sogar die EU ist bereit, auf ihre zentralen Forderungen zu verzichten. „Bevor Montenegro ein
Beitrittskandidat für die Europäische Union werden kann, muss die Verwaltung effizienter gestaltet, die
Korruption bekämpft, Verbindungen zwischen der Politik und dem organisierten Verbrechen gekappt, die
russischen Investitionen, die ins Land fließen, unter Kontrolle gebracht und eine unabhängige Justiz geschaffen
werden“, so forderten offizielle Stellen in Brüssel. Jetzt scheint man bereit, Montenegros Beitrittsgesuch noch
vor Ende des Jahres entgegenzunehmen.“ Im Artikel vom 17.Oktober 2008 im Web unter
http://www.cafebabel.com/ger/article/26836/trans-riots-reactions-in-montenegro-and-macedonia-.html.
25
„In Mazedonien begann der Anerkennungsprozess, als albanische Abgeordnete eine Resolution für das
Kosovo verabschiedeten. „Ich bin mir bewusst, dass dies bei einigen Menschen unangenehme Empfindungen
hervorrufen könnte“, betonte der konservative Premierminister Nikola Gruevski am 11. Oktober.“ Im Artikel
vom 17.Oktober 2008 im Web unter http://www.cafebabel.com/ger/article/26836/trans-riots-reactions-in-
montenegro-and-macedonia-.html.

13
Prishtina von den USA26 und EU unterstützt werden und Belgrad die Hilfe Russlands27 auf
seiner Seite weiß. Auch der kosovarische Außenminister, Skender Hyseni, sowie sein
Kontrahent, der serbische Außenminister, Vuk Jeremic, sind unermüdlich unterwegs um für
ihre Sache zu werben. Dabei versuchen sie unentschlossene Staaten durch Argumente zu
überzeugen. Die arabische Liga ist ein wichtiger Faktor, wenn sie dazu bewogen würde
Kosova anzuerkennen, würde sich die politische Situation Kosovas komplett ändern, da sie
die gewünschte Zahl der Anerkennungen damit erreicht.
Auf dem Weg nach New York machen beide Außenminister einen Zwischenstopp bei
wichtigen Vertretern der arabischen Liga, um ihre jeweiligen Standpunkte zu präsentieren.28
Für beide Staaten gilt eine verstärkte Lobby um andere Staaten davon zu überzeugen sich
auf der jeweiligen Seite zu schlagen. Die wird im verstärkten Ausmaß betrieben und wird
sich im Laufe der Zeit zeigen, welche Erfolge damit erreichen werden konnte.

3.1 Serbischer Einspruch im Internationalen Gerichtshof


„Belgrade has vowed never to accept Kosovo’s sovereignity, but Ahtisaari said Serbisa would
have to relent i fit wanted eventual European Membership. „You can’t be poking the EU in
the eye (while) saying you want to join EU,“ he said.“29
Die Auseinandersetzung zwischen Serbien und Kosova ist in eine neue Phase getreten, die
durch das Völkerrecht geklärt werden soll. Obwohl die Entscheidung des internationalen
Gerichtshofes nichts an den bestehenden Tatsachen ändern kann, konnte diese
Untersuchung von Serbien erreicht werden. Aber dies soll nicht die einzige Einmischung
Serbiens in die Kosovarische Angelegenheiten sein, wie wir dann später sehen werden, wenn
es um die EULEX geht, die noch immer ihre Arbeit nicht aufnehmen konnte.
Belgrad versucht mit der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes die rechtliche
Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovas zu überprüfen.30 Im Falle einer nicht legitimen

26
„US President George W. Bush promised in July [2008] that he would try to convince more nations to
formally recognise Kosovo. He has also expressed support for Kosovo's efforts to join the NATO alliance and
the European Union.” Im Artikel vom 8.Oktober 2008 im Web unter
http://www.unpo.org/content/view/8755/122/.
27
„In mid-March, Foreign Minister Sergei Lavrov said before beginning a Middle East visit that Moscow was
urging Muslim states to withstand pressure to recognize Kosovo, a state he said had been “illegally formed.”
“I would like to warn against the temptation to give in to calls from non-Arab and non-Islamic states addressed
to Islamic countries to show Islamic solidarity and recognize Kosovo,” he told the state newspaper Rossiiskaya
Gazeta.” Im Artikel vom 30.September 2008 im Web unter
http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
28
„While the Kosovar was in Jeddah, his Serbian countrapart, Vuk Jeremic, was in Cairo, visiting the seat of
another organization, the Arab League – all 22 of whose members are also in OIC.“ Im Artikel vom
30.September 2008 im Web unter http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
29
Im Artikel von 20.Oktober 2008 im Web unter http://www.emportal.co.you/en/news/serbia/66169.html.
30
„Serbia wants the General Assembly to back ist request fort he International Court of Justice to give an
‚advisory opinion’ on whether ist southern province’s unilateral declaration of independence is in line with

14
Ausrufen, kann diese aber nicht mehr Rückgängig gemacht werden, auch wenn es heißt,
dass sich manchen Staaten dazu überreden werden die Anerkennung zurück zu ziehen. Das
Ziel ist jedoch vorerst einmal einen Stopp der Anerkennungen zu erreichen, bis die
Entscheidung vom Internationalen Gerichtshof gefallen ist. 31
Hier sollten hauptsächlich Staaten mit Minderheitenproblemen angesprochen werden, die
sich nicht dazu durchringen sollten Kosova anzuerkennen.32 Doch schon wenige Tage nach
der Abstimmung in der Generalversammlung der UNO, wurde Kosova von Montenegro,
Mazedonien und Portugal anerkannt, wie schon berichtet. Die Anerkennungen bewegen sich
immer noch im gleichen Tempo wie schon vor der Entscheidung in der
Generalversammlung.
Es war jedoch schon klar, dass die Entscheidung für eine Untersuchung der Unabhängigkeit
Kosovas sein wird, da aus den Berichten zu entnehmen war wie sich die meisten Staaten
verhalten werden, wenn es zur Entscheidungsfrage der Abstimmung kommt.33
Serbien würde eine relative Mehrheit genügen um eine Untersuchung in diesem Fall
einleiten zu können, was ihr auch bei der Abstimmung in der Generalversammlung gelingen
sollte.34
Nun ist die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes abzuwarten das wahrscheinlich
einige Jahre auf sich warten lässt, bis die Unabhängigkeit Kosovas auch durch die EULEX
legitimiert wird.

3.1.1 Konflikte durch Minderheiten


Da Belgrad in manchen Regionen keinen direkten Einfluss mehr hat, wie dies der Fall im
Laufe der 1990er Jahre war, muss sie sich mit Hilfe der Minderheiten in diesen Staaten und
Regionen bemerkbar machen. Dies ist auch deutlich geworden, in den Staaten in denen es

international law.“ Im Artikel vom 30.September 2008 im Web unter


http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
31
„An ICJ opinion will not be binding on governments, but Serbia hopes that any ruling in ist favor will make it
less likely that more nations will recognize Kosovo.“ Im Artikel vom 30.September 2008 im Web unter
http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
32
„In ist lobbying, the Serbs are appealing to countries like Indonesia, which has grappled with separatist
conflicts in Aceh and Papua, ans Azerbaijan, home to the ethnic Armenian breakaway enclave of Nagoro-
Karabakh.“ Im Artikel vom 30.September 2008 im Web unter
http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
33
„Belgrade’s Labor Minister Rasim Ljajic told Serbian media that some OIC and Arab League members had
indicated that they would vote against the measure, likely abstaining instead.“ Im Artikel vom 30.September
2008 im Web unter http://www.cnsnews.com/public/content/article.aspx?RsrcID=36572.
34
„In an unusual resort to international law, Serbia won a bid on Wednesday to have the International Court of
Justice review the manner in which Kosovo declared ist independence. The vote in the United Nations General
Assembly was sharply polarized, with 77 countries supporting Serbia’s request, 6 opposed, including the United
States, and 76 nations abstaining.“ Im Artikel vom 8.Oktober 2008 im Web unter
http://www.nytimes.com/2008/10/09/world/europe/09nations.html?_r=1&ref=world&oref=slogin. (New York
Times)

15
eine große serbische Diaspora gibt, die nach der Unabhängigkeit Kosovas für mediale
Schlagzeilen gesorgt haben. Auch in Wien selbst ist es dabei zu Ausschreitungen gekommen,
die generell gegen albanische Lokale gerichtet waren. Da der Einfluss hier jedoch nicht so
gravierend ist, konnte die Situation binnen kurzer Zeit wieder unter Kontrolle gebracht
werden, jedoch sollte dies auch zeigen wie weit der Einfluss Belgrads reichen kann. Die
größten Probleme sind aber in der Region selbst zu finden, wo Serbien einen direkten Zugriff
auf die serbischen Minderheiten in den jeweiligen Staaten hat. Ganz zu schweigen von
Kosova selbst, wo die serbischen Gemeinden den Einfluss Belgrads unterliegen und somit zu
Marionetten dieser Regierung geworden sind.35 Das Konfliktpotenzial ist hier deutlich
absehbar und kann jederzeit aktiviert werden, was zu erneuten Ausschreitungen, wie dies in
Mitrovica nördlich des Ibar, im Februar der Fall war, wo serbische Extremisten versuchten
die UNMIK-Verwaltung zu übernehmen und nach gewalttätigen Auseinandersetzung mit
der KFOR die Lage etwas beruhigt werden konnte. Dabei wurde ein ukrainischer Soldat
getötet und weiterere KFOR-Soldaten verwundet. Natürlich ist die Angst in Montenegro
und Mazedonien stark präsent, dass bei einer Anerkennung Kosovas zu ähnlichen
Ausschreitungen kommen könnte, womit sie recht behalten sollten. Vor allem in
Montenegro, dass eine große serbische Minderheit beheimatet, wurden Kundgebungen
abgehalten und Demonstrationen gegen die Regierung in Podgorica organisiert.36 Diese
nahmen gewalttätige Ausmaße an und endeten mit etlichen Verwundeten und dutzenden
Inhaftierungen. Es dauerte immerhin einige Wochen, bis sich die Lage auf den Straßen
beruhigt hatte und die Kontrolle völlig in die Hand der Polizei und Regierung gelangt war.
In Kosova ist die große Frage nun, was mit der serbischen Minderheit passieren soll, wenn
sie sich so stark von Belgrad kontrollieren lässt und die Kosovarische Regierung in Prishtina
nicht anerkennt. Diese ist schon so weit gegangen, dass sie eine eigene Regierung in
Mitrovica ins gegründet hat und nur die Order von Belgrad entgegen nimmt. Die
Einmischung in interne Angelegenheiten Kosovas ist somit in eine neue Stufe getreten und
kann in Naher Zukunft zu neuen Problemen führen. Um dies zu vermeiden, sollten nicht,
wie vor Kurzem Pläne vorgeschlagen werden, die den Konflikt verschärfen. Auch wenn Ban
Ki-Moon meint dass sein Vorschlag eine gute Idee sei, widerspricht dieser ganz dem
Ahtisaari-Plan und der Kosovarischen Verfassung. (Dazu komm ich im Punkt über die

35
"But the Serb minority - some 100 000 who habe remained in Kosovo - are backed by Belgrade and its
powerful ally Russia in rejecting the independence of the territory which they still consider as Serbia's southern
province." Im Artikel vom 19.Oktober 2008 im Web unter http://www.thenews.com.pk/updates.asp?id=58111.
(The News)
36
„ Montenegro droht unterdessen eine innenpolitische Krise. Oppositionelle Politiker organisierten einen nach
ihren Angaben friedlichen Protest. Aber als die Serben ihrem Ärger Luft machten, wurden in den Unruhen am
13. Oktober 34 Menschen verletzt.“ Im Artikel von 17.Oktober 2008 im Web unter
http://www.cafebabel.com/ger/article/26836/trans-riots-reactions-in-montenegro-and-macedonia-.html.

16
EULEX genauer zu sprechen) Aus diesem Grund muss eher der Konsens geschaffen werden,
dass Belgrad den Einfluss in dieser Region verringen muss.
Es ist nicht schwer eine unzufriedene Gruppe zu mobilisieren, der es wirtschaftlich und
sozial schlecht geht. Dies trifft in Kosova auf beide Gruppen leider zu, wenn wir uns die
Armutsgrenze anschauen, wo mehr als 54% der Menschen mit weniger als 1" pro Tag leben
müssen. Deswegen sollten Lösungsansätze kommen, die zur Entschärfung der Lage
beitragen und nicht zu einer erneuten Destabilisierung.

3.1.2 Teilung als Option aus Sicht Serbiens


Die Idee eine Teilung ist schon seit 1999 an der Tagesordnung und wurde in etlichen
Punkten angeschnitten, dem die Kosovaren jedoch nicht zustimmen wollen und können, aus
unterschiedlichen Gründen. Sei es zum Einen dass es zu einer Verschärfung des Konflikts
zwischen den Gruppen führen könnte die innerhalb Kosovas leben, zum Anderen könnte
diese Idee auch auf Bosnien und anderen Gebieten im Balkan übergreifen. Jedoch ist auch
ein wirtschaftlicher Hintergrund zu nennen, der sich um die Region von Mitrovica
entwickeln kann der zu einer raschen Entwicklung in Kosova führen kann. Auch wenn viel
Investieren werden muss, ist die Gewinnsparte dennoch hoch genug, dass sie eine
Investition rentieren würde.
Nachdem Kosova seine Unabhängigkeit ausgerufen hat, versucht Serbien durch ihre
Minderheit eine Instabilität in dieser Region zu schaffen, die weitgehend vom nördlichen
Teil Mitrovicas getragen werden. Auch der serbische Präsident, Tadic,37 sprach sich kürzlich
für die Option der Teilung aus und fand jedoch in dem Vertreter der USA, Robert Gates,
einen Kontrahenten der die Teilung des Landes als eine politische Unruhestiftung sieht und
mögliche Folgen für den Balkan nicht absehbar seien.38 Tadic meinte, dass dies die
bestmögliche Lösung für beide Parteien sei, dass aber Gates vehement bestritt und die
Unterstützung für Kosova aussprach, dass sich nichts an den Grenzen Kosovas was ändern
wird. Durch den Sechs-Punkte-Plan von Ban Ki-Moon scheint diese Vorstellung in den
Köpfen der Belgrader Führung noch bestätigt worden zu sein, indem der Vorschlag
unterbreitet wurde, die serbischen Enklaven von der UN Kontrollieren zu lassen und den
Rest des Landes durch die EULEX, was einer praktischen Teilung gleich kommen würde.

37
„ Ende September erklärte sich der serbische Präsident Boris Tadic bereit, in letzter Instanz über eine
Aufteilung des abtrünnigen Kosovo nachzudenken, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft seien.“ Im Artikel
vom 7.Oktober 2008 im Web unter http://de.rian.ru/world/20081007/117524648.html. (Novosti online)
38
„ Die USA sind gegen eine Aufteilung des Kosovo zwischen den Albanern und den Serben.... Er glaube nicht,
dass eine Aufteilung des Kosovo eine gute Lösung sei, sagte Gates. "Die USA unterstützen die territoriale
Einheit des Kosovo." Im Artikel vom 7.Oktober 2008 im Web unter
http://de.rian.ru/world/20081007/117524648.html.

17
Die Gefahr einer Teilung ist immer gegenwärtig, wenn wir uns die Situation in Kosova
anschauen und versuchen dort die Regierungsarbeit unter die Lupe nehmen. Diese hat nicht
im gesamten Territorium ihre Legitimität erfahren und kann nicht Flächendeckend agieren.
Auch wenn der Ahtisaari-Plan schon weitgehende Kompetenzen für die ethnischen Gruppen
vorsieht, die eine Minderheit in Kosova bilden, scheint Belgrad nicht damit zufrieden zu sein
und mischt sich in die internen Angelegenheiten eines Staates ein, welches zudem von der
Weltgemeinschaft auch toleriert wird.

4. Wirtschaft, Bildung und Kriminalität


Für Kosova gelten jedoch andere Punkte genauso, wie sie für alle anderen Staaten zutreffen
würden. Es gilt eine stabile Wirtschaft zu schaffen, die Bildung zu verbessern und der
Kriminalität den Kampf anzusagen.
All diese drei Punkte sind mit etlichen Problemen konfrontiert, da es gilt einen Staat von
Grund auf zu entwickeln, mit etlichen Problemen die zu bewältigen sind. Diese sind jedoch
sehr ausschlaggebend, damit die Menschen im Land auch eine Zukunftsperspektive haben
und weiterhin für die Entwicklung des Staates beitragen. Diese Punkte werden im einzelnen
genauer Analysiert um auch auf ihre Problematik hinweisen zu können.

4.1 Bildung
Da rund die Hälfte der kosovarischen Bevölkerung jünger als 23 Jahre ist, hat die Bildung
einen wichtigen Stellenwert in dieser Gesellschaft bekommen. Hier gilt es jedoch die
Kriterien für eine gute Bildungsmöglichkeit zu erfüllen und auch die Jugend zu fördern.
Wenn die Ausbildung der Jugend gut ist, kann es auch zu einer verbesserten
wirtschaftlichen Lage in Kosova kommen, da diese politisch emanzipierter sind und auch
das Konfliktspotenzial verringern. Eine höhere Bildung fördert auch Investitionen und eine
verbesserte Lebenslage.
Österreich ist in dieser Sparte sehr engagiert und hilft beim Aufbau von
Bildungseinrichtungen im ganzen Land.39 Diese Förderung hat auch in Suhareka, sowie in
Prizren zu verbesserten Lehr- und Lernbedingungen geführt, die von den Jugendlichen
genutzt werden. Es wurden weitgehende Reformen durchgeführt, die für eine bessere
Ausbildung sorgen sollen und dem europäischen Niveau näher gebracht werden.

39
„ Und da die Jugendlichen im Kosovo laut Fritz „europa-oriertiert sind und regelrecht nach Bildung hungern“,
unterstützt Österreich seit mehreren Jahren den Aufbau des kosovarischen Bildungssystems. Investiert wird vor
allem in die bessere Ausstattung der Universitäten. Das Hochschulsystem wird aber auch reformiert und
„europatauglich“ gemacht. Konkret betroffen von der Unterstützung aus Österreich sind immerhin 45.000 junge
Menschen.“ Im Artikel vom 2.Oktober 2008 im Web unter
http://www.nachrichten.at/politik/aussenpolitik/739351?PHPSESSID=c8bb47a461ab2dde2fd6352d62e85055.

18
Graphik 1: Bildungssystem Kosovas 40

Zwar ist die Bevölkerung am Land noch stärker benachteiligt jedoch nicht die
Stadtbevölkerung die starke Verbesserungen ausweisen kann sei es in der Alphabetisierung
wie auch in der Bildung. Dies ist durch die gegeben Bedingungen auch leichter zu erklären,
da sich die meisten Eltern aus dem Land, nicht leisten können alle Kinder zu höheren
Bildungseinrichtungen zu schicken. Hier wird auch meistens das männliche Kind, aber seit
wenigen Jahren auch jenes Kind welches den Lernwillen zeigt, in die Stadt auf die höheren
Schulen geschickt, was für die kosovarische Gesellschaft auch ein Bruch mit alten
Traditionen bedeutet.
Auch das Studium im Ausland ist eine der wichtigsten Augenmerke der Jugendlichen in
Kosova. Sie wollen die Welt sehen, sagen sie und sie auch verstehen lernen. Dies ist auch

40
Kosovo in figures 2005, veröffentlich von der Kosovarischen Regierung und dem Ministerium für Öffentliche
Angelegenheiten. (Prishtina, 2006), S 17.

19
verständlichen, wenn wir die große Migrationsgruppe in den Westen im Laufe der 1990er
Jahre uns vor Augen führen. Viele der Jugendlichen haben Verwandte im Ausland und
würde auch gerne sehen wie das Leben dort ist, was aber leider durch die
Visabeschränkungen, nicht so leicht möglich gemacht werden kann. Österreich ist
diesbezüglich eines der wichtigsten Anhaltspunkte, da auch die Entfernung leicht zu
meistern ist und auch eine Tradition aufgewiesen werden kann, da auch der
Bildungsminister Enver Hoxhaj in Wien sein Studium absolvieren dürfte.
Die große Problematik, die es in Kosova selbst zu bewältigen gilt ist jene des Lehrermangels
sowie der weiterhin fehlenden Institutionen in ausreichender Zahl, da der Unterricht in drei
Schichten gehalten werden muss, um alle Schüler, sei es in den Gesamtschulen wie auch den
weiterführenden Schulen, zu unterrichten. Wie dies in den Statistiken gezeigt wird, haben
wir einen Überschuss an Schülern und Studierenden, die durch eine geringe Anzahl von
Professoren und Lehrenden unterrichtet werden müssen.
Es kommen auf einem Lehrenden rund 20-30 Schüler, je nach Alterstufe. Dies kann schwer
dazu beitragen, dass es Qualität in den Schulen gibt. Zudem steht die Lehrerschaft unter
einem enormen Druck, den Unterricht in mehreren Schichten über den Tag verteilt zu
gewährleisten. Zu den schlechten Löhnen kommt auch schlecht ausgebildetes Personal
hinzu, dass zu unterschiedlichen Bildungsniveaus innerhalb der Schulen führt.

Statistik 1: Anzahl der Schüler und Studierender im Jahre 2002/03 41

41
Kosovo in figures 2005, veröffentlich von der Kosovarischen Regierung und dem Ministerium für Öffentliche
Angelegenheiten. (Prishtina, 2006), S 18.

20
Statistik 2: Anzahl der Schüler auf je einen Lehrer42

Die 1990er Jahre schufen eine Lücke in der Ausbildung von Lehrpersonal, das sich heute
bemerkbar macht und nicht unterschätzt werden darf bei der Entwicklung dieser Sparte. Die
Hoffnung liegt darin, im Laufe der nächsten Jahre diese Lücke durch albanischsprachige
Professoren und Lehrer vom Ausland zu ergänzen, neben der Ausbildung von Lehrpersonal
im Land selbst.

4.2 Kriminalität
„In der Grenzstadt Mitrovica trennt Serben und Albaner wie überall im jungen Staat Kosovo
politischer Streit bis hin zu blindem Hass. Doch wenn es um kriminelle Geschäfte geht,
nennen sie sich Partner, Freund oder gar Bruder.“43
Es ist immer erstaunlich wie schnell die Kriminalität aus Feinden wieder Freunde machen
kann, wenn es dabei um die persönliche Interessen und Bereicherung geht. Dies ist jedoch
eine der wenigen Punkte wo sich die Albaner und Serben einig sind. Es geht dabei um
skrupellose Menschen, die aus dem Leid Anderer einen Profit ausschlagen und Serbien
fördert durch seine Politik die Verhärtung der Fronten, indem der Teil nördlich des Ibar zu
einem Nirvana der Kriminalität geworden ist. Würde die kosovarische Regierung eingreifen
um die Situation zu entschärfen, könnte dies folglich zu Ausschreitungen führen, die in der
aktuellen Situation niemand haben möchte. Es war schon schwierig genug, dass die UNMIK
und KFOR Anfang März wieder die Kontrolle über den Gemeindesitz bekommen konnte,
der von ultranationalistischen Kräften besetzt worden war, die nicht vor dem Gebrauch ihrer
Schusswaffe zurückschreckten.
Wie heikel die Situation mit der Kriminalität in Kosova ist, ergibt sich dadurch, dass die
Strukturen scheinbar so weitreichend sind, denen auch die aktuellen Politiker nicht viel
entgegensetzen können. Auch wenn Anschuldigungen gegen Thaci und Co in den Medien

42
Kosovo in figures, S 19.
43
Im Artikel vom 19.September 2008 im Web unter http://www.wiesbadener-
kurier.de/politik/objekt.php3?artikel_id=3441679. (Wiesbadener Kurier)

21
die Runde machen, sei es um Organhandel oder anderen Tätigkeiten, kann ich mit
Gewissheit sagen, dass diese geschürte Propaganda durch die russisch-serbischen Medien
und Geheimdienstberichte ins Leben gerufen wurden und von manchen westlichen
Befürwortern gerne weitergetragen werden, wie dies im Fall von Carla Del Ponte, die von
Organhandel während und nach dem Krieg in Kosova spricht, an denen auch hohe Politiker
beteiligt gewesen sein sollen.44
Tatsache ist dass einige Vorgänge vor den Augen der Menschen passieren, von denen alle
was wissen jedoch alle ihre Augen verschließen, da die Angst groß ist ihr eigenes Leben zu
riskieren. Auch in den Regierungskreisen gibt es beteiligte, die des Öfteren in den Medien
auftreten und für die Komplexität des Problems sprechen. Vorwürfe gegen Harajdinaj laut,
der Chef der AAK (Alliance per Ardhmerine e Kosoves) war (ist) und auch Prämierminister
gewesen ist. Diese beziehen sich auf die Zeit während und vor allem nach dem Krieg, indem
er sich auf Drogegeschäfte, Waffenhandel und sogar in der Politik seine Finger im Spiel hatte
indem er Funktionäre in seiner Region kontrollierte.45 Die Klanstruktur in dieser Region
fördert die Machtstruktur dieser Regionalchefs, die auch durch den Krieg an Berühmtheit
gelangt sind und eine Statusfigur geworden sind. Diese Verflechtung mit Politik, Wirtschaft
und der organisierten Kriminalität in Kosova hält die Lage auf Dauer instabil dass die
Attraktivität für Investitionen aus dem Ausland nicht fördert.46
Hier können wir versuchen uns ein Bild von der weitreichenden Auswirkung und dem
Einfluss der organisierten Kriminalität machen. Es wird sicher noch einiges an Arbeit zu
bewältigen sein bis sich diese Machtstrukturen gelockert bzw. nahe am Verschwinden sein
werden.
Wir dürfen dieses Problem aber nicht nur auf Kosova beziehen, da die Vernetzung weit in
den EU-Raum reicht und auch über den Atlantik hinweg. Dies ist jene Struktur, die eine

44
„In «La caccia» (Die Jagd) bringt sie Hashim Thaçi (39), den Regierungschef der Repub lik Kosovo, mit
einem fürchterlichen Verbrechen in Verbindung. Thaçi, der den Kosovo eben erst in die Unabhängigkeit geführt
hat, soll an Mord und Organhandel beteiligt gewesen sein.
Es liest sich wie ein Horror-Roman, was Del Ponte über die Entführung von 300 Serben 1999 schreibt: Im
albanischen Ort Burrel seien die Menschen von der Kosovo-Befreiungsarmee UCK ermordet und ausgeweidet
worden. Ihre Organe habe man nach Westeuropa verkauft.“ Im Artikel vom 5.April 2008 im Web unter
http://www.blick.ch/news/schweiz/organhandel-87795. (Blick)
45
„«Die im Raum Decani auf Familienclan basierende Struktur um Ramush Haradinaj befasst sich mit dem
gesamten Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten, die die Sicherheitsverhältnisse im
gesamten Kosovo erheblich beeinflussen. Die Gruppe zählt etwa 100 Mitglieder und betätigt sich im Drogen-
und Waffenschmuggel und im illegalen Handel mit zollpflichtigen Waren. Ausserdem kontrolliert sie
kommunale Regierungsorgane.» Die Kfor bezeichnet diese Gruppe in einem Geheimbericht vom 10. März 2004
als «the most powerful criminal organization» der Region und schreibt, Haradinaj habe auch die Verteilung
humanitärer Hilfsgüter kontrolliert und als Machtinstrument missbraucht.“ Bericht von Jürgen Roth am 13.März
2008 im Web unter http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2008/nr14-vom-3132008/organisierte-kriminalitaet-in-
kosovo/. (Zeit-Fragen)
46
„Die Organisierte Kriminalität verschaffe sich so «ein geeignetes politisches Umfeld», heisst es in der Analyse
des Bundesnachrichtendienstes, gestempelt als «Verschlusssache - amtlich geheimgehalten».“ unter
http://www.zeit-fragen.ch/ausgaben/2008/nr14-vom-3132008/organisierte-kriminalitaet-in-kosovo/

22
Instabilität im gesamten Balkan braucht um ungestört ihren Geschäften nachgehen zu
können. Vor allem der Drogenhandel ist sehr lukrativ, da die Routen alle über den Balkan
verlaufen und dort auch keine größeren Hindernisse erfahren. Durch die Aufnahme
mancher Balkanstaaten, mit erheblichen Korruptionsproblemen, bleibt es in der Hand der
Kriminalität über diese Region zu bestimmen.47
Die Drogenmafia in Kosova hat ein weitreichendes Netzwerk in den EU-Raum aufgebaut
und beliefert manche dieser Staaten mit bis zu 80% der Drogen die in diesem Staat
konsumiert werden. Durch die Funktion des Umschlagplatzes in Kosova wurde eine
Vormachtstellung aufgebaut die zu verheerenden Problemen für den neuen Staat führen
werden da es gilt eine Sicherheit für Investitionen zu garantieren. Die aggressive
Vorgehensweise der kosovarischen Mafia, spricht für sich, wenn wir die Bericht der
internationalen Polizei heranziehen.48
Kosova ist ein wichtiger Faktor für die Kriminalität da sie durch die politische Instabilität im
Laufe der 1990er Jahre und des Machtvakuums von 1999 bis 2007/08 diesen neuen Staat
schon früh als Umschlagplatz ausgesucht hat. Es werden zwar einzelne Erfolge verzeichnet,
die aber leider nicht von großer Bedeutung sind, da durch die hohe Arbeitslosigkeit die
Bereitschaft der Menschen hoch ist schnelles Geld zu machen, solange die Regierung noch
keine flächendeckende Kontrolle hat. Dafür bietet sich Mitrovica nördlich des Ibar sehr gut
an, da dort die Institutionen noch nicht Fuß fassen konnten und eine instabile Situation
durch die Minderheitenfrage gebildet hat.
Die Polizei hat auch mit etlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, die sich auf Qualität der
Ausbildung, schwach ausgebildete Struktur und zudem auch die schlechte materielle
Ausrüstung. Außerdem ist es schwer in einem Land, indem sich die Menschen
untereinander kennen verdeckte Ermittler zu schleusen. Die Bevölkerung kennt das Problem
und auch die Polizei hat oft wichtige Indizien um einen Zugriff zu starten, die jedoch ohne

47
„ Southeastern Europe lies along the most conventional route - the so-called Balkan route - between the
supplier of some 82 percent of the world's heroin, Afghanistan, and its most lucrative consumer market, western
Europe.
Today the Balkan route has split in three – a northern path (Afghanistan-Pakistan/Iran-Turkey-Bulgaria-
Romania-Hungary), a central, original path (Afghanistan-Pakistan/Iran-Turkey-Bulgaria-Former Yugoslav
Republic of Macedonia/Serbia-Bosnia and Herzegovina-Croatia-Slovenia-Italy) and a southern route
(Afghanistan-Pakistan/Iran-Turkey-Bulgaria-Macedonia-Kosovo-Albania-Italy).“ Im Artikel vom 28.August
2008 im Web unter http://www.savekosovo.org/default.asp?p=5.
48
„The central Balkans' drug smuggling route, under observation of international police since 1999, runs through
Kosovo. According to Europol, ethnic Albanian organized crime groups now control 80 percent of heroin
smuggling in some northern European countries, and 40 percent in Western Europe. Officials at UNMIK in
Pristina are familiar with the reports, as well as the warnings of a "further aggravation of the security situation" --
now that the tiny republic's independence facilitates access to government business for the ruling clans.“ Im
Artikel vom 26.April 2008 im Web unter http://www.savekosovo.org/default.asp?p=5&leader=0&sp=505.

23
großen Erfolg bleiben, da Maulwürfe in der Polizei vor jeder Aktion ihre „Freunde“
informieren und die Tatorte werden ohne jegliche Beweismittel gefunden.49
Es ist nun in der Hand der kosovarischen Regierung gegen diese Organisation vorzugehen,
wobei hier auch Opfer gebracht werden müssen. Es müssen auch Menschen aus der
ehemaligen UCK zur Verantwortung gezogen werden auch wenn sie als Helden gesehen
wurden sind sie es seit Jahren nicht mehr. Die Medien berichten zwar immer davon, dass es
schwer sei diese Menschen für etwas zu belangen wegen dem was sie für Kosova getan
haben, aber dies sieht die Bevölkerung anders.
Abzuwarten wird nun die Entwicklung sein, die den Aufbau von Wirtschaft fördern soll
sowie die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die unter anderem ein wichtiger Faktor für die
starke Position der Mafia in Kosova ist.

4.3 Wirtschaft
Ausgehend von den Herausforderungen die noch auf das Land zukommen werden, muss
auch die Wirtschaft entwickelt werden. Die gegebenen Bedingungen sind jedoch mehr als
Dürftig und stellen zudem ein Hindernis für Investitionen dar. Es wird vom Reichtum und
Bodenschätzen in Kosova gesprochen, doch diese müssen durch Fachkräfte ans Tageslicht
gebracht werden, wofür neue Technologien benötigt werden und auch die
Weiterverarbeitung garantiert ist. Abgesehen von diesen muss die Infrastruktur kompatibel
für den Transport sein und auch das Know How der Produktion im Land vorhanden sein.
All diese Sparten sind in einem Entwicklungsstadium der sich auf niedrigem Niveau
befindet. Durch die aktuelle politische Situation ist es leider nicht möglich dass eine
Änderung abzusehen ist. Die Armut in Kosova befindet sich im stetigem Wachstum und
führt immer stärker zu einer Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Dabei sind nicht nur die
Albaner sondern alle Gruppen davon betroffen.
Nach Angaben der Weltbank leben 37 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze
(Einkommen unter 1,37 Euro pro Tag und Erwachsener) 15 % unterhalb der Grenze extremer
Armut (Einkommen unter 0,93 Euro pro Tag und Erwachsener).
Albanischen Medien zufolge ist die aktuelle Armut jedoch weitaus höher als vermutet.
Zurzeit bewegen sich die Zahlen der Menschen, die unter 0,93 " pro Tag leben müssen, bei
18% und die Zahl der Menschen die unter 1,86 " pro Tag verdienen liegt bei rund 50%.50

49
„We are fighting with wooden swords against an extremely well-armed opponent," says one of the
investigators, who prefers to remain anonymous. "In 2005 and 2006, when the first locals were admitted into the
Kosovo police, we suddenly found not a single gram of heroin. Our undercover investigators and informants
disappeared. We know literally nothing since then." Im Artikel vom 26.April 2008 im Web unter
http://www.savekosovo.org/default.asp?p=5&leader=0&sp=505.
50
Express, Ausgabe von Dienstag dem 2. August 2006, Seite 10. (albanische Zeitung)

24
he shallowness of poverty also implies that a small positive change
ent generating growth, can pull many people out of poverty.

ated

agnation is reflected in the lack of progress in improving living


t of the population is estimated to be extremely poor, defined as
Graphik 2: Armut in Kosova in Prozent 51
ty meeting
(Figure i). Figure i: Absolute and Extreme Poverty Rates
ittle over 2
50.0

50
onsumption
Absolute

, which in 43.5
45.1

s per adult
40.0

40
se poverty
mpared to
30.0

30
re ii) and
egion, have
20.0

20
Extreme
16.7
13.6
cent of the
10.0

10
ive growth 2003/04 2005/06

3 and 2005, Confidence Interval


ve growth.
the losses Source: World Bank staff calculations from HBS data.
fifth of the
umption loss Im of Vergleich
around 10zupercent.
den anderen Staaten im
Examining theBalkan
changesist Kosova
in ein Vorreiter im Anstieg der
ban and rural Armut,
areas shows
da sichthat consumption
durch die Jahre immerdeclinedmehr forverstärkt
nearly all
anstatt zu sinken. Grund für die Lage
ban areas only ist
theeinerseits
bottom fifth
die of the population reported
Fehlinvestitionen decreasedGelder der EU und USA für die
der vorgesehenen
Wirtschaft, die in die Taschen von UNMIK-Vertretern fließen dürften, wie dies der Fall mit
t poverty a large
der fraction of theist,population
KEK gewesen als rund 4 is vulnerable.
Millionen A shock
Euro verschwunden waren.52 Aber auch beim Zoll
ercent could send an additional 18 percent of the population below
und auch Flughafen wurden Gelder veruntreut. Die Wirtschaft konnte davon nicht
positive increase in the incomes of the population can lift as many
the phenomenon profitieren, ganz
that while im Gegenteil
poverty wurde sie
is widespread, it isdurch dasinfehlende Geld, dass für bestimmte
shallow
of the population is just
Projekte around the
vorgesehen warpoverty line. About
in Mitleidenschaft 40 percent
gezogen worden. Die KEK war mit mehreren 100
d to live in Pristina and Prizren.
Millionen Euro immer wieder restauriert worden, obwohl Experten der Meinung waren,
dass nur ein neuer Betrieb die gewünschte Kapazität ohne Ausfälle und Störungen bringen
würde. Diesem Rat wurde nicht folge geleistet, sondern es wurden die alten Geräte
irgendwie restauriert und dafür hohe Summen abgeschrieben.
Eine stabile Wirtschaft kann nur dann Reibungslos funktionieren, wenn es die
Energieversorgung dafür gibt, da die Maschinen durch ständige Stromausfälle binnen kurzer
Zeit ruiniert sind und auch die reibungslose Produktion dadurch nicht gegeben ist.

51
http://www-
wds.worldbank.org/external/default/WDSContentServer/WDSP/IB/2007/11/01/000020439_20071101092530/R
endered/PDF/397370XK.pdf, S 13.
52
„Gegen einen hohen Ex- Mitarbeiter ( 36) der UN- Verwaltung im Kosovo, einen Essener; hat die Bochumer
Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, wegen Veruntreuung von EU- Hilfsgeldern in Höhe von fast 4,2 Millionen
US- Dollar.
Der 36- jährige war in Kosova mit der Aufsicht über den Energieversorger des Kosovo ( KEK ) beauftragt. Laut
Anklage soll der Essener insgesamt 4,3 MIO Dollar auf versteckte Konten nach Gibraltar geschafft haben und
dort das Geld in einen Pensionsfond angelegt haben.“ Im Web unter
http://www.trend.infopartisan.net/trd0403/t490403.html. (Trend Onlinezeitung)

25
In diesem Sinne ist es Notwendig dass eine stabile Regierung geschaffen wird die auch für
die Sicherheit sorgen kann, sei es von Investitionen als auch jene gegen die Kriminalität.
Aber auch die serbischen Enklaven, für die mehrere Millionen Euro53 vorgesehen waren,
konnte das Geld nicht für die vorgesehenen Investitionen verwenden. Die Gelder flossen in
die Hände radikaler Kreise, die für ihre eigenen Verwandten und Familienmitglieder von
Freunden das Geld ausgaben. Dabei nutzten sie auch den Status des Minderheitenschutzes
und konnten sogar zwei Gehälter in Anspruch nehmen, wie dies bei 300 Angestellten
angeführt wird. „Vertreter der DSS und der heute mitregierenden Sozialisten (SPS) wollen

300 Freunde und Verwandte im Kosovo angestellt haben, dabei seien diese bis heute niemals
in der Region tätig gewesen, berichtete die Zeitung „Blic“. Viele serbische Staatsangestellte
hätten sich doppelt von der Kosovo-Regierung und von Belgrad bezahlen lassen.“54
Dabei versucht auch die serbische Regierung ein Vielfaches in das Land zu investieren um
die Minderheiten auf dessen Seite zu halten. Es sollen bis zu 500 Millionen Euro jährlich nach
Kosova fließen, dass für dieses Jahr rund 40% vom Kosovarischen Budgets ausmachen
würde. Dieses Geld fließt jedoch nur für die serbischen Enklaven und kann von der
Kosovarischen Regierung nicht genutzt werden. Hier haben hauptsächlich politische
Akteure einen Profit ausschlagen können, indem sie auch die politische Situation in Kosova
selbst instabil hielten.55
Die Region um Trepça, die vielversprechend ist und einen möglichen Wandel in der
wirtschaftlichen Lage bedeuten kann, befindet sich in der brisanten Zone um den Fluss Ibar,
wo die Grenze zwischen dem serbischdominierten Norden um dem anderen Landesteil
verläuft. In diesem traditionellen Bergbaugebiet wurden im Jahre 1989 mehrer tausend
Arbeitskräfte beschäftigt, die den Abbau von Rohstoffen gewährleisteten. In einem Interview
mit Aziz Abrashi sagt dieser, „Die Fabriken, die verschiedenen Abteilungen, lagen in
Serbien, Montenegro, Vojvodina und in Kosova. 1989 waren alleine in Kosova insgesamt
21.500 Arbeiter beschäftigt.“56 Der ehemalige Direktor des Kombinats von Trepça geht auch
auf weitere Probleme und Lösungsvorschläge ein, die zu einer Stabilisierung der Lage in

53
„ Allein die UN- Entwicklungshilfe-Organisation UNDP und die USA stellten nach eigenen Angaben der
serbischen Minderheit im Kosovo über 17 Millionen Dollar zur Verfügung, die verschwunden seien.
Verantwortlich seien vor allem Politiker aus der DSS-Partei des früheren serbischen Regierungschefs Vojislav
Kostunica, gegen die zahlreiche Strafanzeigen vorlägen.“ Im Artikel vom 26.November 2008 im Web unter
http://www.haz.de/newsroom/politik/zentral/politik/ausland/art666,741424. (Hannoversche Allgemeine)
54
Zitat unter http://www.haz.de/newsroom/politik/zentral/politik/ausland/art666,741424.
55
„Serbien finanziert seine Minderheit in dem seit neun Monaten unabhängigen Kosovo jährlich mit
umgerechnet einer halben Milliarde Euro, wovon ein großer Teil nach Behördenangaben zweckentfremdet
wurde. Der frühere Spitzenbeamte im Kosovo-Ministerium, Milorad Todorovic, wurde inzwischen verhaftet.
Belgrad habe den Bau von Häusern und Straßen für Flüchtlinge finanziert, die nie gebaut wurden, hieß es
weiter.“ Im Artikel vom 26.November 2008 im Web unter
http://www.haz.de/newsroom/politik/zentral/politik/ausland/art666,741424.
56
Zitat unter http://www.labournet.de/solidaritaet/TrepcaInterviews.html.

26
Kosova führen könnten. Da die Investitionen jedoch bis jetzt ausgeblieben sind, befindet sich
dieser Industriekomplex in einem desolaten Zustand. Ein Wiederaufbau ist unter enormen
Geldmitteln möglich, würde sich wahrscheinlich erst nach einigen Jahren als
Gewinnbringend erweisen, da die Investitionskosten erst eingenommen werden müssten,
was aber durchaus keine Schwierigkeiten darstellen sollte.57
Doch es gibt Menschen, die in Kosova zurückgekehrt sind mit der Hoffnung einen
Neuanfang dort machen zu können, womit sie auch erfolgreich waren. Sie ließen das Leben
in der Schweiz, Deutschland oder anderen Teil der EU zurück um in ihrer alten Heimat
wieder Fuß fassen zu können. Diese Menschen versuchen den wirtschaftlichen Aufbau zu
beschleunigen indem sie das Know How aus dem Westen mitnehmen und in diesen
Bereichen investieren. Da in Kosova es an Allem fehlt, kann die Investition nicht ins Leere
gehen, außer es ist nicht für ausreichend alternative Energie gesorgt während den
Stromausfällen. Doch die große Anzahl an jungen Arbeitskräften kann auch durch diese
Investitionen nicht aufgefangen werden, da jährlich rund 30 000 junge Kosovaren in den
Markt kommen und nur 8 000 Arbeitsplätze für diese geschaffen werden können. Deswegen
wird es weiterhin viele junge Menschen geben, die ihr Glück im Ausland versuchen.58
Wenn die Jugend eine Sicherheit hat und die Menschen eine Beschäftigung finden können,
wird sich die Lage in Kosova von selbst entspannen. Doch zu dieser Beschäftigung muss es
mal kommen, damit wir auch mit Sicherheit sagen können, dass der Konflikt nun in eine
andere Sichtweise rückt, bzw. langsam verschwinden wird.

4.3.1 Ressourcen
Aus Seiten der kosovarischen Regierung ist zu entnehmen, dass Belgrad an den Ressourcen
in Kosova interessiert sei und nicht an die kulturellen Güter. Dies wiederum entgegnet
Belgrad, sei eine Propaganda der kosovarisch-albanischen Seite. Viele Internetseiten und
auch Zeitungsartikel beider Seiten setzen ihre Schwerpunkte auf diese genannten Bereiche.
Aber auch internationale Zeitungen widmen sich ab und zu diesem Thema, so betitelte die
Neue Zürcher Zeitung am 15.2.05 ihr Blatt mit „Kosovos verborgener Reichtum…“, indem
geschrieben steht, dass die Schürfrechte in die Milliardenhöhe gehen würden.

57
„ Geologen vor kurzem eine Umfrage und kam mit einigen guten Nachrichten. Kosovo Mai wohlhabenderen
dann werden viele denken, mit Unmengen von qualitativ hochwertigen Braunkohle Kohle (bis zu 15 Milliarden
Tonnen), rücksichtsvoll Mengen von Nickel, Blei, Zink, Bauxit und sogar einige Spuren von Gold.“ Im Artikel
vom 21.Februar 2008 im Web unter
http://translate.google.at/translate?hl=de&langpair=en|de&u=http://rationaleuropean.wordpress.com/2008/02/21/
independent-kosovo-faces-an-uncertain-economic-
future/&prev=/translate_s%3Fhl%3Dde%26q%3DKosovo%2BEconomy%26tq%3DKosovo%2BEconomy%26s
l%3Dde%26tl%3Den.
58
http://www.zeit.de/2008/22/Kosovo?page=1 (Bericht über die wirtschaftliche Situation und Perspektiven im
Kosovo in naher Zukunft)

27
Ende der 1970er Jahre waren zwei Personen damit betraut die wirtschaftliche Entwicklung in
Kosova festzuhalten, und auch eine Angabe möglichst genaue Angabe der Rohstoffe des
Landes wiederzugeben.
„Jedoch das Hauptpotential dieses im Hinblick auf den Entwicklungsgrad rückständigsten Teil
Jugoslawiens stellt die Rohstoffbasis für Energetik und Buntmetallurgie dar. Die Lignitreserven in
Bela!eva und anderen Tagebauzechen in der Nähe von Prishtina/Pri!tina werden auf Milliarden
Tonnen geschätzt.“59
Auch über die Zahl der Beschäftigten werden Angaben gemacht. Kann sein, dass diese
Zahlen zur Verschönerung gedient haben, aber sie zeigen eine enorme Verbesserung der
Wirtschaft und der Arbeitslage in Kosova in dieser Zeit.
Hoch gelobt werden die Vorkommen von Trepça, die beträchtliche Produktionsanteile in
Jugoslawien ausmachten. So wird die Bleiproduktion von Jugoslawien, Weltweit an sechster
Stelle genannt, wobei aber 80% der Produktion in Trepça hergestellt werden. Das Kombinat
Trepça beschäftigt rund 15 000 Menschen.60
Natürlich wurde in die Wirtschaft Kosovas viel investiert, jedoch war auch viel
herauszuholen.
„Die Kräftige Entwicklung der jungen Industrie der Provinz kann auch mit folgenden Angaben
illustriert werden (Stand von 1979): Kosovo beteiligte sich an der Kraftstromproduktion Jugoslawiens
mit 7% (Wärmeenergie 13%), an der Lignitproduktion mit 21%, der Produktion von Natrohren mit
11%, von raffiniertem Blei mit 63%, von Silber mit 60%, Zink 26%, Chrom (Erz) mit 100%, von
kaustischem gebranntem Magnesit mit 100%, von Rohmagnesit mit 36%, Sintermagnesit mit 26%,
bei der Produktion von Akkumulatoren mit 21%, Schwefelsäure mit 10%, Phosphatdünger mit 12%,
Bauwollgarn mit 13%, technische Gummiwaren mit 14%, von Gemüsekonserven mit 3% raffiniertem
Spiritus mit 5%, fermentiertem Tabak mit 4% u.a.m...“61 Diesem Teil kann entnommen werden,
dass Kosova einen wichtigen Beitrag zur jugoslawischen Produktion geleistet hat. Warum
sich dass Land in den Folgejahren, vor allem 1990er, wieder in einem Abgrund gezogen
sieht, liegt an der Politik Milo!evi!s. Es wird nichts investiert, aber viel herausgeholt, und
die Industrie wird an die serbischen Konzerne eingegliedert. Somit kann gesagt werden,
dass seine Politik eine Jahrzehnte lange Entwicklung, ruiniert hat und die Industrie von
neuem aufgebaut werden muss.

Entwicklungsprozess in den Nachkriegsjahren von 1945 bis 198062:

59
Dushi Albert, Mladenovi! Mihailo; Sozialistisch Autonome Provinz Kosovo. (Beograd; 1981), S 5.
60
Dushi; SAP Kosovo, S 9.
61
Mladenovi!; SAP Kosovo; S 31.
62
Mladenovi!; SAP Kosovo; S 23.

28
• Die Grundfonds der gesellschaftlichen Wirtschaft haben sich in der Periode von 1952
bis 1978 um das 12,3 fache erhöht, und in der Industrie um das 16 fache;
• Das Sozialprodukt der gesamten Wirtschaft wuchs realerweise in der Zeitspanne von
1947 bis 1979 um das 6,1 fache, pro Einwohner um das 2,8 fache und in der Industrie
um das 14,6 fache;
• Im gesellschaftlichen Sektor wurden 1979 78% des gesamten Sozialprodukts der
Provinz realisiert;
• Die Industrie wurde zur führenden Tätigkeit in der Wirtschaftsstruktur: ihr Anteil
am gesamten Sozialprodukt stieg von 16,1% 197 auf 38,7% 1979. In der gleichen
Zeitspanne verringerte sich der Anteil der Landwirtschaft von 58,9% auf 20,9%;
• Der Anteil der Landwirtschaftlichen an der gesamten Bevölkerung fiel von 80,9%
1949 auf 42,2% 1979;
• Die Beschäftigtenzahl im gesellschaftlichen Sektor stieg um 4,4 fache in der Zeit von
1952 bis 1979, so dass sie 1979 die Zahl von 164.000 erreicht hat;
• Intensiviert wurde der Städtebauprozess: der Anteil der städtischen an der
Gesamtbevölkerung stieg von 14,6% 1953 auf 32,8% 1979;
• Die Zahl der Grundschüler stieg von 98.500 im Jahre 1948 auf 307.500 1979, der
Mittelschüler von 3.300 auf 74.700 während 1979 die Zahl der Studenten an der
Universität Prishtina etwa 48.000 betragen hat, so dass dieses Universitätszentrum
heute im Hinblick auf die Studentenzahl den zweiten Platz im Lande belegt.
Es sind noch einige andere Daten zu nennen, die eine wichtige Rolle für den wirtschaftlichen
Aufschwung spielen. Kosova hat riesige Ackerflächen, die für Getreideproduktion
verwendet werden. Zudem kommt noch der Wasserreichtum (ca. 1Mio L/pro Sekunde),
dass die Bewässerung begünstigt.
Hinzu kommen noch andere Rohstoffe die in Kosova sehr stark verbreitet sind, wie die
Kohlevorkommen, die die zweitgrößten in Europa sein sollen.63 Um weitere wichtige Daten
zu nennen nehmen wir das Minengebiet Trepça welches zu den reichsten Regionen
Jugoslawiens gehörte.

4.3.2 Trep!a-Trepça
Diese Region war, ist und wird die Wirtschaftsquelle Kosovas sein. Seit dem Mittelalter wird
hier Silber abgebaut und mit der Zeit auch Kohle und andere Rohstoffe. In der
Zwischenkriegszeit konzentrierte sich Belgrad auf die Ausbeutung der Rohstoffe in dieser

63
http://derstandard.at/Text/?id=2510688. (Der Standard)

29
Region, womit sie gute Zahlen schreiben kann.64 Während dem 2. Weltkrieg kontrollieren
Deutsche Truppen das Gebiet (1941-1944), aus dem sie Blei gewinnen für die
Waffenindustrie.
Nach dem Ende des Krieges, wird Trepça zum wichtigsten Investitionsgebiet im südlichen
Bereich. Es werden mehrere Tochtergesellschaften gegründet, die sich auf verschiedene
Gebiete spezialisieren. Die Zahl der Arbeiter nimmt stetig zu. Sind es 1960 gerade mal 8.000
werden 1988 22.885 Menschen beschäftigt.65
Einige Graphiken zeigen, dass die Minen in Trepça eine enorm hohe Kapazität aufweisen.

Graphik 3: Die Mine von Stari Trg66

Wie in dieser Graphik deutlich zu sehen ist, wurden die Minen von Stari Trg in der
Zwischenkriegszeit am stärksten ausgebeutet, und nach dem Zweiten Weltkrieg, bis zu
Autonomieregelung. Durch die Politik Milo!evi!s sinkt jedoch der Abbau an Zink deutlich
ab, und kommt für kurze Zeit sogar zum Stillstand.

"

64
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_b.pdf, S 1. (21.9.06)
65
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_b.pdf, S 2.
66
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_a.pdf, S 9.

30
Graphik 4: Hier sind die Zahlen zu der Graphik 3 67

Hier sind die genauen Zahlen der oben angeführten Graphik, die eine impulsante
Entwicklung von Stari Trg aufzeigt.

67
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_a.pdf, S 10.

31
Graphik 5: Verarbeitung von Zink 1797-2000 68

"
Graphik 6: Rolle Kosovas für Serbien 69

Hier ist es unschwer zu erkennen, dass die Stadt Mitrovica, mit den umliegenden
Rohstoffgebieten eine wichtige finanzielle Rolle für Serbien gespielt hat. Deswegen ist es

68
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_a.pdf, S 11.
69
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_a.pdf, S 32.

32
auch leichter Nachvollziehbar warum Serbien auf dieses Gebiet nicht verzichten möchte, wo
sie doch rund 74,1% der Umsätze herbekam.

"
Graphik 7: Export von Rohstoffen nach Serbien 1994-1999 70

Ein weiteres Beispiel, dass die Rohstoffe Kosovas, ein wichtiger Lebenselixier für Serbien
sind, zeigen diese Daten. Im laufe von nur 5 Jahren wurden mehrere Millionen Tonnen an
Rohstoffen aus den kosovarischen Minen nach Serbien transportiert.

5. EULEX, UNMIK, die Kosovarische Regierung, die


Regierung im Norden und die NGO’s
Die UNMIK wurde als Übergangslösung in Kosova durch die Resolution 1244 des
Sicherheitsrates eingeführt und legitimiert auch deren Arbeit. Diese wurden nach dem
Kriegsende 1999 eingesetzt und sollten helfen die Institutionen in Kosova aufzubauen und
diese auch zu fördern. Die Staatlichkeit und eine demokratische Funktionsweise waren das
Hauptziel, dass jedoch immer noch umstritten ist ob es jemals erreicht worden wäre, wenn
die albanische Seite nicht die Zügel in die Hand genommen hätte um die Unabhängigkeit
einseitig zu deklarieren. Die EULEX sollte diese durch den Ahtisaariplan ablösen, was aber
durch eine kleine Abänderung von Ban Ki-Moon nicht mehr möglich sein wird.

70
http://www.esiweb.org/pdf/esi_bridges_id_2_a.pdf, S 36.

33
Die NGO’s (von denen es laut Hannes Hoffbauer ca. 4 000 in Kosova gibt), nehmen ihre
Arbeit auch wahr und versuchen sich als State-Building-Institutions zu engagieren. Das
Experiment Kosova ist somit einen Schritt näher erläutert. Jedoch müssen wir nun auch die
beiden Regierungen anschauen, die es in Kosova auch noch gibt und zwar jene in Prishtina
und jene in Mitrovica nördlich des Ibar, die von Belgrad aus dirigiert wird.
In diesem Punkt werde ich jeder dieser einzelnen Institutionen vorstellen und versuchen
auch deren Aufgabenbereiche zu erfassen, dabei gehe ich von der zeitlichen Folge aus und
beginne mit der UNMIK.

5.1 UNMIK (The UN Interim Administration Mission in Kosovo)


Die Arbeit der UNMIK konnte erst durch die Resolution 1244 vom UN-Sicherheitsrat, mit
einigen Änderungen im Laufe des Frühjahres 1999, dass am 10.Juni verabschiedet werde
konnte und die UNO-Friedensmission installiert. Die Aufgabe der UNMIK sollte darin
liegen, eine Entmilitarisierung Kosovas zu überwachen und die Rückkehr der Flüchtlinge.
Weitere Punkte waren die Wiederherstellung und der Wiederaufbau Kosovas, sowie die
Vorbereitung der Region auf freie Wahlen und einer Autonomie.
Neben der Entmilitarisierung Kosovas, die laut der Resolution 1244 durchgesetzt werden
muss, sieht sie auch die Stationierung einer NATO-Sicherheitstruppe (Kosovo Force – KFOR)
vor, die diesen Abzug der jugoslawischen Armee aus Kosova überwachen und solange für
Recht und Ordnung sorgen soll, bis eine lokale Kosova Polizei und eine zivile Verwaltung
aufgebaut worden sind.71
Die UNMIK soll mit Hilfe der Kosovarischen Bevölkerung die Zivilverwaltung übernehmen
und den Aufbau demokratischer Institutionen fördern, damit die Voraussetzungen für ein
friedliches Miteinander in Kosova garantiert wird. In den ersten Monaten sollte sie die
Aufgabe der Hilfsgüterverteilung übernehmen, sowie die Erfassung von den zerstörten
Gütern im Land. Außerdem übernahm sie auch die Koordinierung der Rückkehrenden
Flüchtlinge und die Verteilung von Baumaterial. Ihre Aufgabe lag darin die Infrastruktur
wieder Funktionsfähig zu machen und für die Grundbedürfnisse, wie Schulen,
Krankenhäuser, Wasserleitungen, Stromversorgung, Telefon, Rundfunk, Fernsehen etc.
wieder instand zu setzen.
Vor allem die Wirtschaft ist ein wichtiger Faktor, die im Laufe der Verwaltung durch die
UNMIK aufgebaut und gefördert werden soll.72

71
Resolutionen und Beschlüsse des Sicherheitsrats 1999. Sicherheitsrat - Offizielles Protokoll.
Vierundfünfzigstes Jahr. Seite 35-43.
72
Dies ist jedoch bis zur Unabhängigkeitserklärung im Februar 2008 nicht der Fall gewesen, da wie schon
erwähnt Gelder nicht in die vorgesehenen Bereiche investiert wurden, sondern der Großteil des Geldes durch

34
Der Aufbau der Polizei und der Justiz müssen zudem von Neuem erfolgen, da diese
Institutionen über die Jahre hinweg seit 1989 in serbischer Hand waren und die Ausbildung
der albanischen Bevölkerung in dieser Hinsicht fehlt. Es gab einige wenige die während der
Autonomiezeit ihre Tätigkeit als Polizeibeamte oder Richter ausgeübt haben, jedoch mit dem
Stand und den Kenntnissen der kommunistischen Gesetzesausübung. Diese mussten
ebenfalls Schulungen unterzogen werden.
Doch bis die einheimische Bevölkerung in die Institutionen integriert werden konnte, sollten
diese Aufgeben von internationalen Richtern und Polizeibeamten ausgeübt werden, was
Anfangs auch zu kleinen Problemen führten, da die gesetzlichen Rahmen Kosovas nicht
geschaffen waren. Die UNIP (UNO-Polizei) übernahm die Funktion von Grenzbeamten und
sorgte dafür, dass die gesetzlichen Grundlagen eingehalten werden. Dies konnte nicht
Flächendeckend umgesetzt werden, da die serbischen Enklaven die UN nicht akzeptierten
und ihre Gesetzesgebung dementsprechend nicht folge leisteten, sondern das serbische
Recht praktizierten. 73
Die UNMIK hat innerhalb der letzten 9 Jahre, die sie Kosova verwaltete, mit etlichen
Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Sei es die kurzen Amtszeiten der Verwaltungschefs
oder die problematische Situation der Wirtschaft, sowie die steigende Kriminalität schufen
weitreichende Probleme, die heute ihre Nachwehen haben.
Die UNMIK sollte zwar abgelöst werden und die Aufgabe an die EULEX weitergereicht
werden, was aber durch den Vorschlag von Ban Ki-Moon, dem UNO-Generalsekretär sechs
Punkte in den Plan von Ahtisaari einzubinden. Dies bedeutet eine neue Herausforderung,
die nur mit Mühe bewältigt werden kann, da dieser Vorschlag, der vom UN-Sicherheitsrat
angenommen wurde, eine faktische Teilung des Kosovas bedeutet.74 Jedoch ist es nicht
vorauszusehen wie sich die politische Situation ändern wird und ob es die EULEX schafft
sich in den Teil nördlich des Ibar zu etablieren.
Es bestehen bei der UNMIK MISSION 4 Abteilungen welche die Kompetenzen der internationalen
Organisationen Regeln sollen und die Kernbereiche des Wiederaufbaus in Polizei und Justiz, Ziviler
Verwaltung, Aufbau der Institutionen und wirtschaftlicher Wiederaufbau; darstellen.
1. Bei Pillar I liegt der Fokus für die Anstrengungen der UNMIK darin, die Regeln und
Gesetze in Kosova zu stabilisieren. Dabei wird Justiz und UNMIK Polizei in eine
koordinierte Administration zusammengefügt, um somit eine möglichst effektive

Fehlinvestitionen, wie dies bei der KEK der Fall war oder auch das Verschwinden von Geldern, die in die
Taschen der internationalen Vertreter geflossen waren.
73
Infos unter www.unmikonline.org sowie unter http://www.unric.org/html/german/kosovo/unmik.htm#Polizei.
74
„ Es ist vorgesehen, dass die EU-Mission in den albanischen Regionen des Kosovo tätig sein wird und dort die
Verwaltung in den Sphären der Rechtsordnung, der Rechtswahrung und der Einhaltung der Menschenrechte
durchführen wird. Zugleich verbleibt die Verwaltung in den serbischen Regionen in der Hand der UN-Mission.“
Im Artikel vom 27.November 2008 im Web unter http://de.rian.ru/world/20081127/118570479.html.

35
Koordination bei Nachforschungen bezüglich krimineller Handlungen anstellen und
diese in den Verwaltungsbereich der Justiz übergeben zu können.75
2. Aufbau des “Provisional Institutions of Self-Government” (PISG)
3. Die OSCE Mission in Kosova, die größte OSCE “Field – Operation”, stellt eine
wesentliche Komponente der „United Nations Interim Administration“ dar. Es ist mit
Vollmachten für Institution - und Demokratie - Bildung und die Durchsetzung von
Menschenrechten und die Durchsetzung von Gesetzen ausgestattet.76
4. Die Erschaffung einer robusten, modernen Wirtschaft in Kosova wird einen
wichtigen Schritt Vorwärts in der Stabilisierung des Balkans darstellen. Weiters
könnte man damit auch einen wichtigen Schritt in die Richtung einer toleranten,
multi – ethnischen Gesellschaft erreichen und einen ebenfalls bedeutenden Schritt für
die Integration dieser in Europa.
Die EU Pillar (Pillar IV) ist ein Teil der „United Nations Mission“ in Kosova. Ziel ist es eine
Modernisierung in der wirtschaftlichen Basis Kosovas durchzuführen, um damit auch eine
Sichtweise auf die Entwicklung hin zu einer wettbewerbsfähigen Struktur zu erhalten. Die
EU Pillar hat damit einen Grundstein für die Arbeit in Kosova und dessen wirtschaftliche
Entwicklung gelegt. Die weiteren Ziele werden dabei wie folgt beschrieben:77

• The creation of a modern market economy through the introduction of commercial


and economic legislation conforming to European Standards.
• The launch of the privatisation process stimulating economic development and
investment.
• The successful changeover to the euro as the single currency.
• The creation of a working banking system with nine commercial banks including
over 240 branches.
• The initiation of free trade agreements and integration of Kosovo into various
regional and European economic structures.
• The transformation of the customs service into a modern organisation collecting over
70% of the Kosovo Consolidated Budget (KCB) funds.
• The introduction of various measures to counter economic crime and corruption; and.
• The stabilisation of Kosovo's fragile power situation.

75
http://www.unmikonline.org/justice/index_pillar1.htm.
76
http://www.osce.org/kosovo/
77
http://www.euinkosovo.org/uk/about/about_pillar.php.

36
Grafik 8 – Aufbau des PISG78

5.2 NGO’s (Non Gouvernmental Organizations)


„Zur Zeit sind mehr als 200 Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Kosovo registriert.
Ähnlich wie die Dienstleistungszentren für politische Parteien geben auch die
Betriebszentren der NGO logistische Unterstützung und bieten Ausbildungsgelegenheiten
für diese Organisationen an. Von zehn geplanten Zentren sind bereits vier eröffnet.“79

78
http://www.unmikonline.org/civiladm/index.html.
79
http://www.internationalepolitik.de/archiv/jahrgang2000/juli00/bericht-des-un-generalsekretars--kofi-annan--
uber-die-mission-der-vereinten-nationen-zur---bergangsverwaltung-in-kosovo--unmik--vom-6--juni-2000-an-
den-sicherheitsrat--auszuge-.html.

37
Die UNMIK hatte zu Beginn die Aufgabe sich ein Bild über die Situation nach dem Krieg zu
verschaffen, damit das Ausmaß der Hilfeleistungen berechnen werden konnte. Anhand
dieser konnten rasche Finanzmittel und Hilfsgüter in das Land geschaffen werden um dem
drohenden Wintereinbruch nicht unvorbereitet anzutreffen. Es wurden zahlreiche
Programme von unterschiedlichen Organisationen der Vereinten Nationen für humanitäre
Hilfestellungen einbezogen, wie die UNICEF, Welternährungsprogramm,
Weltgesundheitsorganisation und weitere 45 NGO’s, zusätzlich zu jenen die schon in Kosova
während des Krieges waren.
Die Koordinierung der humanitären Hilfestellung wurde durch die UNHCR geleistet. Es
wurden für die Rückkehrenden vorsorgen getroffen, die sich auf Unterkunft, Nahrung,
Medikamente und Trinkwasser konzentrierten. Die Vorkehrungen für den Winter wurden
mit Notzelten und Kleidung so gut wie möglich getroffen, damit die Bevölkerung den ersten
Winter gut über die Runden bringen konnte.
Dies war eine erstaunliche Arbeit, wenn wir bedenken, dass rund 800 000 Flüchtlinge bis
Mitte September nach Kosova zurückgekehrt waren und meistens vor einem Nichts
standen.80
Weitere Organisationen sind ebenfalls ins Land gekommen, die sich um die Einhaltung von
Menschenrechten bemühen und die Übergriffe dokumentieren, die vor allem nach dem
Abzug der serbischen Truppen vereinzelt verübt wurden. Viele Serben flohen aus Angst vor
Rachakten nach Serbien mit ihrem Hab und Gut. Die Zahl der Flüchtlinge ist ungewiss, da
die Zahlen sehr stark variieren, da es von der Kosovarischen Seite heißt es seien rund 80 000
Serben geflohen und von der Serbischen Seite die Rede von über 200 000 ist. Dies kann durch
eine Volkszählung eruiert werden, indem die Zahlen der 1990er Jahre genommen werden,
um die Bevölkerung genauer zu erfassen, vor allem die Serbische im Vergleich zwischen
1991 und 2008 ziehen könnte.
Weitere Organisationen sind für familienlose Kinder nach Kosova gegangen, die ihre
Kinderdörfer eingerichtet haben um nach dem österreichischen Vorbild zu arbeiten. Auch
Organisationen die ein friedliches Miteinander ermöglich sollen, arbeiten in den Regionen
mit Minderheiten zusammen und fördern den Wiederaufbau sowie die Kommunikation
zwischen den Gruppen. Auch religiöse Institutionen sind in Kosova unterwegs, die für ihre
Sache Werbung machen. Die sind vor allem in den Regionen die mit christlicher

80
„430.000 aus Albanien, 217.000 aus der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, 11.000 aus
Bosnien und Herzegowina und mehr als 50.000 aus anderen Ländern außerhalb der Region.“ Im Web unter
http://www.unric.org/html/german/kosovo/unmik.htm#Soforthilfe.

38
Bevölkerung vertreten sind. Dort helfen sie die religiösen Institutionen und Bauten zu
fördern und zu erhalten.81
Auch für die Rechte der Frauen und gleichgeschlechtlichen Beziehungen werden mehrere
Organisationen in Kosova aktiv. Sie versuchen durch bessere Ausbildungsmöglichkeiten
und Abschaffung von unterschiedlichen Barrieren den Frauen mehr Selbstvertrauen und
Unabhängigkeit zu geben.82
Jeder dieser Organisationen ist für Kosova ein wichtiger Faktor für die Entwicklung, nur
sollten nicht zu viele für die gleiche Sache sich einsetzen und um die beste Umsetzung auf
eigene Faust bemühen, mit dem Motto, wir müssen besser als die Anderen sein. Der
Vergleich mit den vielen Köchen und dem versalzenem Gericht, ist in diesem Fall gut
angebracht.

5.3 Kosovarische Regierung 83


Präsident : Fatmir Sejdiu (LDK)
Premierminister : Prime Minister Hashim Thaçi
Regierung: PDK, LDK
Parlament: Alle 4 Jahre Neuwahlen
Ministerien : Innen-, Finanz-, Gesundheits-, Wirtschafts-, Verkehrs-, Justiz-, Handels und
Industrie-, Bildungsminister etc.84

Wie man an Hand der Grafik 8 erkennen kann, gibt es zwei große Parteien in Kosova. Dies
sind die LDK und die PDK die heute die Regierung stellen.
Die Sitze der Minderheiten sind ebenfalls garantiert, nach dem Prinzip der
Bevölkerungsaufteilung (siehe Graphik).

81
http://www.riversee.org/download/publication/TOTAL%20FILE%20KOSOVO%20WEB.pdf.
82
http://www.amica-ev.org/de/content/view/30/60/.
83
http://www.parties-and-elections.de/kosovo.html, http://www.assembly-kosova.org/?krye=grup&lang=en
84
http://www.assembly-kosova.org/?krye=komision&lang=en, sowie
www.unmikonline.org/civiladmin/index.html.

39
5.3.1 Parteien in Kosova
Grafik 9– Parteien in Kosova nach den Wahlen 200785

Detaillierte Auflistung: Die Sitzaufteilung im Parlament nach Nationalität86


120 seats of the Assembly of Kosova:
! 100 seats for all the political subjects directly voted
! 10 seats set aside for the representatives of the Serb community
! 10 seats set aside for the representatives of other communities:
! 4 seats for the Roma, Ashkali and Egyptian communities (RAE)
! 3 seats for the Bosniak community
! 2 seats for the Turkish community
! 1 seat for the Goran community"

"

85
http://www.parties-and-elections.de/kosovo.html, sowie http://www.assembly-
kosova.org/?krye=elections&lang=al
86
http://www.assembly-kosova.org/?krye=grup&lang=en

40
"
Karte 1: Ethnien in Kosova87

5.3.2 Minderheiten in Kosova


Mehrheitlich bewohnen Albaner Kosova. Daten aus dem Jahr 2000 auf Grund einer
Schätzung der Weltbank zur Folge handelt es sich dabei um folgenden Prozentsatz: (Diese
Schätzung kann durch eine Tabelle genauer erläutert werden, die aber Zahlen aus dem Jahre
1993 als Hintergrund aufführt).

• 88% Albaner
• 7% Serben
• 5% Rest (Türken, Bosniaken, Torbeschen, Goranen, Kroaten, Roma und Aschkali)

Graphik 10: Bevölkerungsstruktur 88

Ethnische Struktur der Bevölkerung Kosovas am 30.Juli 1993

87
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e3/Kosovo_eth_Verteilung_2005.png
88
http://www.kosova.de/archiv/politik/d-graphie.html

41
Nationalität Anzahl in %

Albaner 1.845.000 87,8

Serben 140.000 6,6

Muslime 50.000 2,4

Montenegriner 10.000 0,4

Türken 10.000 0,4

Andere 45.000 2,1

Kosova 2.100.000 100,0

(Quelle: KIZ-PR, KIZ-PR = Kosova Informationszentrum Prishtinë)


Man kann dies an Hand der oben gezeigten Grafik sehr schön erkennen.
Vgl.: Karte 1 – Ethnien in Kosova

5.3.3 Politisches System Kosovas nach Ismayr


„Am 14.5.2001 verabschiedete der Leiter der UN – Verwaltung für Kosovo einen
Verfassungsrahmen für eine provisorische Selbstregulierung.“ 89
Ausgehend von diesem Dokument fanden am 17.11.2001 die ersten Parlamentswahlen statt.
Zu vergeben waren 120 Mandate, wovon 100 Abgeordnete – Mandate nach dem
Verhältniswahlrecht und je 10 Sitze für die serbische Volksgruppe und die anderen
Minderheiten in Kosova zu vergeben waren. Der Provinz steht ein Präsident und eine
Regierung vor. Es wird weiterhin jedoch letztinstanzlich von der UN – Verwaltung regiert,
was man an der Außerkraftsetzung zahlreicher Beschlüsse des Parlaments durch den Leiter
der UN – Verwaltung erkennen kann.90
Bei den aufgehobenen Parlamentsentscheidungen handelte es sich fast immer um Themen
der Frage nach der Unabhängigkeit. Für diese Bestrebungen gilt das gängige Argument, dass
sich die ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken aus der Südslawischen Föderation in den
90er Jahren losgelöst haben. Es wird nämlich hierfür mit der Durchsetzung des
Selbstbestimmungsrechts der Völker argumentiert.
„Kosovo und Vojvodina seien zwar formalrechtlich nur Provinzen der Republik Serbien in
der zuletzt gültigen Verfassung der sozialistischen föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ)
aus dem Jahr 1974 gewesen, jedoch funktional den Teilrepubliken gleichgestellt. Somit sei

89
Ismayr Wolfgang (Hrsg.); Die politischen Systeme Osteuropas; (Wiesbaden; 2004), S 729.
90
Ismayr; Politische Systeme; S 729.

42
nicht Serbien, sondern die SFRJ das völkerrechtliche Subjekt, dessen Bestandteil die Provinz
Kosovo gewesen sei. Mit dem Ende nicht nur der SFRJ, sondern auch der BRJ, gäbe es dieses
völkerrechtliche Subjekt nicht mehr, und somit stünde Kosovo die Unabhängigkeit zu.“91
Nach Einmarsch der internationalen Friedenstruppen verließen 230000 (laut ESI waren es
rund 65000)92 Serben Kosova. Es lebt eine beträchtliche Anzahl Albaner im benachbarten
Makedonien, sowie in den Grenzgebieten zu Montenegro und in dem südlichen Serbien. Es
ist nach den bewaffneten Auseinadersetzungen in West - Makedonien 2001 faktisch ein
zusammenhängendes, monoethnisches Gebiet entstanden. Unter diesen Umständen könnte
die Gewährung der Unabhängigkeit für Kosova den Ideen für ein Großalbanien neue
Begeisterung finden. Ein Haupthindernis zur Stabilisierung der Region liegt in der
„Albanischen Frage“, welche sich am Status Kosovas herauskristallisiert. Es wird bis auf
weiteres ein neuer Verfassungsentwurf für die Teilrepublik Jugoslawiens von Kosova –
Albanern mit Protest abgelehnt. 93

5.3.4 Integration in Kosova? – Eine Chance für Minderheiten


Wenn man nun in der Folge von Integration spricht, so ist es vorab wichtig, diesen Begriff
noch einmal genauer zu definieren.
„Unter Integration versteht man die Herstellung oder Entstehung einer Einheit oder
Ganzheit aus einzelnen Elementen. Dabei muss die gewonnene Einheit mehr als die Summe
der vereinigten Glieder darstellen. Die Integration lässt bei dem Zusammenschluss die
einzelnen Faktoren in ihrer Besonderheit bestehen, schmälert nicht ihre Eigenart, sondern
ordnet sie lediglich zu einem gemeinsamen hin.“
Nun muss man weiter auch differenzieren: Integration darf nicht mit Assimilierung
verwechselt werden, denn Integration verschiedener Ethnien setzt die Anerkennung der
ethnischen Unterschiede voraus.94
Der Integrationsvorgang wird erst dann wichtig, wenn der Integrationsprozess gescheitert
ist. Es gibt nach Smend drei Integrationstypen: Die persönliche, die funktionelle und die
sachliche Integration.

91
Ismayr; Politische Systeme; S 730.
92
In der Neuen Zürcher Zeitung, aus dem 21.3.05 kommt jedoch hervor, dass diese Zahl von Belgrad
übertrieben scheint, und die Zahl der Flüchtlinge seit 1999 sich mit 65000 beziffern lässt.
http://www.esiweb.org/pdf/esi_fiveyears_press_id_32.pdf.
93
Ismayr; Politische Systeme; S 731.
94
Brems Michael; Die politische Integration ethnischer Minderheiten aus staats- und völkerrechtlicher Sicht;
(Frankfurt am Main, Wien; 1995), S 5.

43
„Die persönliche Integration zeigt sich vor allem in dem durch Führungspersönlichkeiten,
Herrscher, Monarchen aber auch durch Richter, Verwaltungsbeamte und Funktionäre jeder
Art erfolgenden Zusammenschluss zum Staatsganzen.“
„Die funktionelle Integration wird in jeder Art von „kollektivierenden Lebensformen“
gesehen, von den primitiven Integrationsweisen, bis hin zu den rein geistigen Prozessen von
Wahlen und Abstimmungen.“
„Sachliche Integration erfolgt schließlich durch Symbole, Fahnen, Wappen, Gebräuche und
die staatliche Wertegemeinschaft.“95
Um sein Überleben zu sichern muss der Staat die einzelnen Volksgruppen an den politischen
Prozessen teilhaben lassen. Es ist eine Integration aber nun dann möglich, wenn die zu
integrierenden mit dem Ganzen sich identifizieren können. Ein Integrationsprozess ist erst
dann erfolgreich, wenn die Volksgruppen ihre eigene Identität – zumindest teilweise – über
dieses Ganze definieren.96
Wichtig ist auch eine deutliche Abgrenzung des Begriffs der Integration von dem des
„Nation - Building“ vorzunehmen. Tatsache ist, dass man in Kosova eine stabile politische
Einheit schaffen möchte, effektive diese von Nöten wäre. Wenn dies aber nun als ein
Versuch des Einschmelzens verschiedener Völker passieren sollte, so würde dies nicht im
Sinn einer Integration vor sich gehen. In anderen Worten formuliert bedeutet dies, dass man
am Beispiel Kosovas versuchen sollte, die eigenständigen kulturellen Identitäten zu wahren
und eine Anteilnahme an politischen Prozessen zu fördern.97

5.3.4.1 Die politische Integration nach „Smend“ am Beispiel Kosovas


Ausgegangen wird nach „Smend“ von der These, dass es sich beim Staat um ein
fortwährendes Integrationssystem handelt. Dies bedeutet, dass vor allem auch in Kosova
den Vorgängen der Willensbildung eine besondere Bedeutung zukommt.
Wie nämlich schon in der Arbeit zuvor angesprochen wurde, sollte eine Möglichkeit zu einer
politischen Integration gegeben werden, um so eine funktionelle Basis für eine weitere
Entwicklung zu schaffen, denn der politische Kampf ist ein wesentlicher Lebensakt des
Staates.

95
Brems; Völkerrecht; S 8.
96
Brems; Völkerrecht; S 10.
97
Brems; Völkerrecht; S 10.

44
„Während Herrschaft als Grundlage sozialen Lebens stets legitimierungsbedürftig ist, ist der
Vertrag die einfachere und ursprünglichere Integrationsform.“ – So ist auch in der
Naturrechtslehre der Vertrag die grundlegende soziologische Kategorie der Staatstheorie.98
Den eigentlichen Vorteil für Kosova sehen wir in der politischen Integration insofern, als
damit auch ein Schutz der ethnischen Minderheit verwirklicht wird. Solche „vitale politische
Interessen“, wie man sie auch in Kosova vorfindet, dürfen auf Dauer nicht aus der
Mitverantwortung im Gesamtstaat ausgeklammert werden. Sollte dies aber dennoch der Fall
sein, so wäre ein eigenständiger Staat Kosova ebenfalls eine denkbare Lösung. Das
Grundprinzip für die Erhaltung und die Entfaltung eines Staates, wie sie zuvor
angesprochen wurde, bleibt aber in beiden Fällen gleich.99

5.4 Regierung der serbischen Minderheit nördlich des Ibar


„Kosovo - Trotz der bislang (so scheint es) guten Entwicklung im Kosovo, gibt es noch
zahlreiche Diskrepanzen, die dieser junge Staat zu bewältigen hat. So zum Beispiel die
Kosovo-Serben, die sich absolut unzufrieden mit der Situation zeigen.“100
Nachdem in Prishtina am 17.Februar 2008 die Unabhängigkeit ausgerufen worden war,
machte sich kurz darauf der Unmut der serbischen Gruppe in Kosova breit. Nach den
Unruhen in weiten Teilen Serbiens und auch Europas, die von Serben getragen wurden,
sollte auch eine neue Eskalation breit machen, als die Serben in Mitrovica, nördlich des Ibar
eine Auseinandersetzung mit der UNMIK und den KFOR-Truppen provozierten.101 Hier
heißt es, dass Belgrad die Finger im Spiel hatte und die instabile Situation ausnutzen würde
um die Region auch weiterhin zu destabilisieren. Ein Aufruf von Kostunica und dem
Präsidenten Boris Tadic legten die Weichen für die Auschreitung, indem sie zum Boykott
aufriefen. „Jetzt müsse man die serbischen Institutionen im Kosovo stärken. Ein paar Tage
später wurde klar, was das heißen sollte. Belgrad rief alle Serben auf, sich aus der Kosovo-
Verwaltung, der Justiz und der Polizei zurückzuziehen. Es sollte wieder serbische Polizei,
serbische Justiz, serbische Verwaltung geben.“102
Schon unter der UNMIK war es den Serben gelungen eine Parallelinstitution aufzubauen,
die weder Prishtina noch der UNMIK Rechenschaft schuldig war, sondern nach Belgrad hin

98
Brems; Völkerrecht; S 11.
99
Brems; Völkerrecht; S 12.
100
http://www.kosovo-forum.de/plugin/tag/kosovo-serben.
101
„Die Unruhen am Montag in Mitrovica dagegen sind schon ein Schachzug in einer gut kalkulierten Strategie.
Am 11. Mai wird in Serbien ein neues Parlament gewählt. Bis dahin dürfen sich das Kosovo und seine
Schutzmächte noch auf einiges gefasst machen.“ Im Artikel von 18.März 2008 im Web unter
http://www.zeit.de/online/2008/12/mitrovica-kommentar-mn. (Die Zeit Online)
102
http://www.zeit.de/online/2008/12/mitrovica-kommentar-mn. (Die Zeit Online)

45
ihre Ausrichtung erfuhr. Dies sollte sich durch die Tage nach der Unabhängigkeit Kosovas
deutlich zeigen. Unverständlich ist jedoch wie es gelingen konnte, dass diese
Parallelstrukturen weitgehend von der UN mitfinanziert wurden, da die Beamten in den
Enklaven und auch in Mitrovica nördlich des Ibar, auch von der internationalen Präsenz
ihren Profit abschlagen konnten.103
Die Unruhen, die Anfangs nur eine friedliche Demonstration waren wurden zunehmend mit
übergriffen und sogar Besetzungen von Gemeindegebäuden überschattet. Es kam zum
Waffengebrauch von beiden Seiten, dass schnell eine Ausartung des Konflikts bedeuten
könnte. Die KFOR konnte jedoch rasch die Situation wieder in den geregelten Ablauf
bringen, nachdem hunderte Personen verletzt wurden, unter denen auch Soldaten der KFOR
waren.104 Dabei war auch ein ukrainischer Soldat seinen schweren Verletzungen erlegen.
Die serbischen Wahlen dürften auch in den Enklaven Kosovas abgehalten werden die am
11.Mai 2008 stattgefunden hatten. Dies gab der serbischen Gruppe in Kosova die Möglichkeit
weitgehende Rechte zu verlangen, da es ihnen gelungen war innerhalb Kosovas ein
Wahlrecht durchzusetzen, dass eigentlich nicht für Kosovarische Staatsbürger gelte, jedoch
sehen sich die Serben in Kosova nichts als Kosovarische Staatsbürger, sondern als
Serbische.105
Nach den Wahlen vom 11.Mai wurden auch Vertreter für Kosova gewählt, die ihre Arbeit an
dem Vidovdan begannen und somit eine neue Regierung nördlich von Ibar ins Leben riefen,
die Belgrad unterstellt ist und die Regierung in Prishtina nicht akzeptiert. „Laut einem am

Samstag (28. Juni) gefaßten Beschluß soll das Parlament Erklärungen und Resolutionen
verabschieden sowie Gesetze vorschlagen, »die für das Leben der Bürger in der Provinz« (im
Kosovo) »wichtig sind«. Die Serben des Kosovo demonstrieren mit der Bildung ihrer eigenen
Volksvertretung die Ablehnung der Unabhängigkeit des Kosovo.“106

103
„uvor hatten die Serben im Kosovo eine schlaue und nebenbei auch einträgliche Parallelstruktur unterhalten.
Die gut zehn Prozent serbischen Beamten der Kosovo-Polizei, ebenso die Verwaltungsangestellten im serbischen
Norden und in den Enklaven waren in Personalunion Amtsträger sowohl der UN-Verwaltung als auch der
Republik Serbien. Es gab zwar nur eine Polizei-Uniform, in den Ämtern allerdings zweierlei Formulare. Wer ein
Nummernschild für das Auto brauchte, konnte sich vom selben Beamten ein serbisches und ein Kosovo-
Kennzeichen ausstellen lassen. Für die „zwei Hüte“ bekamen alle zwei Gehälter: eines von der UN in Prishtina,
eines von der Regierung in Belgrad.“ Im Artikel von 18.März 2008 im Web unter
http://www.zeit.de/online/2008/12/mitrovica-kommentar-mn. (Die Zeit online)
104
„ Rund 70 Serben sowie Dutzende internationale Polizisten und Soldaten waren bei den gewalttätigen
Auseinandersetzungen verletzt worden, darunter allein 22 polnische Polizisten und acht französische Soldaten.“
Im Artikel vom 18.März 2008 im Web unter http://www.uni-
kassel.de/fb5/frieden/regionen/Serbien/kosovo50.html. (Neues Deutschland)
105
„In Serbien finden am 11. Mai Parlaments- und Kommunalwahlen statt. Daran sollen sich nach dem Willen
Belgrads auch die Kosovo-Serben beteiligen. Gegen die Wahlen zum Parlament gibt es keine Einwände. Weil
die im seit Februar unabhängigen Kosovo ansässigen Serben die serbische Staatsbürgerschaft haben, können sie
als Auslandsserben ihre Stimme abgeben.“ Im Artikel vom 5.Mai 2008 im Web unter http://www.dw-
world.de/dw/article/0,,3303118,00.html?maca=de-rss-de-all-1119-rdf. (Deutsche Welle World)
106
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Serbien/kosovo55.html

46
Die Rolle dieses Parlaments nördlich des Ibar in der Stadt Mitrovica, kann keine Gesetze
verabschieden, sondern dient nur zur Aufheizung der Stimmung zwischen Prishtina und
Belgrad. Dies ist bis heute auch gut gelungen und wird wahrscheinlich bis die
Implementierung der EULEX zu Problemen führen und wahrscheinlich auch danach die
Herausforderung für das Land sein, da die Kriminalität hier weite Strukturen gefasst hat
und kein Interesse an eine stabilen Situation interessiert sind.
Die Aufgabe der Kosovarische Regierung liegt nun darin über die EULEX in diese Region
Fuß fassen zu können. Da die Etablierung der EULEX ab dem 9.Dezember 2008
Flächendeckend eingesetzt werden muss.

5.5 EULEX (European Union Rule of Law Mission)


Der EU-Auftrag in Kosova (EULEX) ist der größte Zivilauftrag, der überhaupt unter die
europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESDP) gestartet wird. Das zentrale Ziel
ist, die Kosovabehörden im Rechtsgrundsatzbereich, spezifisch in den Polizei-, Justizgewalt-
und Gewohnheitsbereichen zu unterstützen und zu stützen. Der Auftrag in Kosova ist nicht,
zu regeln oder anzuordnen. Es ist ein technischer Auftrag, bei der es gilt eine
Mentorfunktion auszuüben und die Überwachungsfunktion zu übernehmen, während sie in
einigen Bereichen begrenzte ausführende Gewalt haben. Die EULEX arbeitet im Allgemeinen
Rahmen der Sicherheitsresolution 1244 der Vereinten Nationen und hat einen
vereinheitlichten Instanzenweg nach Brüssel.

Fakten:
Personal: 3 000 (1 900 internationales und 1 100 lokales Personal)
Budget: 205 Millionen Euro für die ersten 16 Monate
Leiter der Mission: Yves de Kermabon
Hauptquartier: Prishtinë, Kosovë
Teilnehmende Staaten: EU und auch Norwegen, Schweiz, Türkei, USA, Kroatien und andere
die später dazukommen.

Die EULEX unterstützt die Kosovabehörden, die Gerichtsbehörden und die


Vollzugsbehörden in ihren Fortschritten hinsichtlich der Nachhaltigkeit und der
Verantwortlichkeit. Weiters entwickelt und verstärkt es ein unabhängiges und
multiethnisches Rechtssystem und eine multiethnische Polizei sowie ein Zollamt und stellt
sicher, dass diese Institutionen nicht von politischen Störungen betroffen werden. Zudem

47
wird sichergestellt dass die internationalen und europäischen Standards erfüllt und
eingehalten werden.
Die Mission, steht in völliger Zusammenarbeit mit der EU-Kommission zur Unterstützung
des Programms und führt seine Vollmacht durch Förderung, Überwachung und die
Beratung, sowie eine begrenzten Exekutivbefugnis bei Verstößen wichtiger Punkte in der
Rechtsfrage.
Das Ziel des Auftrags ist, den Rechtsgrundsatz innerhalb Kosovas zugunsten aller seiner
Einwohner zu verstärken. Die Arbeit der EULEX wird durch eine kleine Mannschaft der
internationalen und lokalen Experten, im sogenannten „Program Office“ festgehalten
werden. Es wird eine monatliche Rücksprache der EULEX über den Erfolgsverlauf mit
diesem Gremium gehalten werden. Im Laufe der Zeit wird eine Abbildung der Änderungen
im lokalen Polizei-, Rechts- und Zollsystem durch die EULEX verfasst um einen Überblick
über den Fortschritt der Rechtsgrundlagen in Kosova zu geben. Diese Resultate werden an
den strategischen Vorgaben gemessen die durch die EU-Mitgliedsstaaten vereinbart wurden.
Dieses System ist unter dem „Program Approach“ bekannt und ist das Erste dass von der
EU in so einer Intensität angegangen wird. Das Ziel ist die Verantwortlichkeit der EULEX zu
sichern und den Erfolg nach einer statistischen Bewertung zu erfassen.
Die drei Säulen der werden hier kurz angeführt und deren Aufgabenbereich erfasst.107

5.5.1 Polizeibestandteil der EULEX in Kosova


Der Polizeibestandteil ist ein Teil der EULEX zur Unterstützung der Kosovobehörden im
Bereich der Rechtsumsetzung. Diese unterstützen die Kosova Polizei (KP) beim Hinarbeiten
auf eine multiethnische Polizei, die von politischen Störungen frei ist und den Menschen von
Kosova dient.
Dies wird in der Form von Überwachung, Beratung und Förderung der Kosova Polizei.
Folglich werden die Polizeibeamten der EULEX neben der KP stationiert um so die
Überwachung zu erleichtern. Da die regionalen Grundregeln respektieren, wird die Rolle
der EULEX darin liegen für die Lokalen Behörden unterstützend zu begleiten. Die Kosova
Polizei hat die Führung Inne und nicht die EULEX, wie dies meistens behauptet wird.
Ihre Vollmacht ermöglicht ihnen auch eine korrigierende Funktion auszuüben. Aber sie
greifen nur in Sonderfällen ein, wenn zum Beispiel die Kosovabehörden gewalttätige
Übergriffe gegen Gemeinden von Minderheiten nicht verhindern können. Aber auch wenn
es eine politische Positionierung gibt, die gegen die Rechtsgrundlagen verstößt. Die Polizei
der EULEX hat eine Gesamtstärke von rund 1 400 internationalen Polizeibeamten, deren

107
http://www.eulex-kosovo.eu/

48
Verteilung über Gesamtkosova vorgesehen ist. Das Personal wird entsprechend ihren
jeweiligen Aufgaben in drei Abteilungen geteilt. Für die Verstärkung von den Abteilungen,
die Exekutive Polizeidienststelle und in die spezielle Polizeidienststelle.
Die Leitung der EULEX-Polizei wird von Reiner Kuehn übernommen.108

5.5.2 Justizkomponente der EULEX in Kosova


Eins der zentralen Ziele der Rechtsordnung der EULEX ist, Kosovas Justizgewalt zu
verbessern und zu verstärken. Diese soll frei vom politischen Einfluss und fähig sein, einen
völlig multiethnisches und unparteiisches Gerichtsverfahren entsprechend internationalen
und europäischen Standards zu entsprechen. Dabei sollen die Gerichtsverfahren unter fairen
Bedingungen abgehalten werden und von politischen Vorurteilen frei.
Die EULEX Richter und ihre Vertreter üben ihre Funktionen entsprechend den objektiven
Kriterien aus, die durch Gesetz vorgegeben werden. Sie werden eng mit den lokalen
Gerichten und Richtern arbeiten und ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Die EULEX Richter
und ihre Vertreter haben ebenfalls eine Überwachungs- und Beratungsfunktion Inne.
Der Justizteil der EULEX macht rund 10% des Gesamtpersonals der EULEX aus, die aus
rund 300 Personen besteht. Von diesen arbeiten rund 70 Personen im Gefängnissystem,
sowie mehr als 40 Richter und circa 20 Staatsanwälte.
Das Justizpersonal der EULEX wird eng mit der Kosovarischen Justizverwaltung
zusammenarbeiten und im täglichen Kontakt zu diesen stehen wird. Sie teilen ihre
Erfahrung mit ihren lokalen Behörden und geben diese weiter. Die Kosovarische Justiz soll
davon profitieren und ein Vertrauen in die Justiz erhöhen werden soll. Die Verwaltung der
Justizbeamten wird unter die Führung von Alberto Perduca gestellt werden.109

5.5.3 Die Zollkomponente der EULEX in Kosova


Das Zollamtswesen in Kosova ist jung und ehrgeizig. Wie andere westliche Balkanzollämter
gibt es eine europäischen Perspektive und hat bereits bedeutende Fortschritte im Bezug auf
die Anpassung zu den EU-Standards gemacht.
Dieses Personal hat ein gutes Wissen über die EU-Zollbehörden und ihrer Arbeit. Daraus
lässt sich erschließen, dass diese Gruppe gute Arbeit im Dienste der EULEX leisten werde.
Diese überwachen die Arbeit der Zollbeamten in Kosova und gehen damit auch sicher, dass
die Zielsetzungen erreicht werden, die der Kosovarischen Gesellschaft eine positive

108
http://www.eulex-kosovo.eu/
109
http://www.eulex-kosovo.eu/

49
Entwicklung bringen werde. Es gibt 27 Internationale Beamte und 19 lokale Angehörige, die
hier in diesem Bereich arbeiten werden.
In einer sich schnell ändernden Welt mit dem globalen Handel, der so wichtig wird, ist es
wesentlich, dass das Zollamt zwei Arbeiten verrichtet, einerseits den gesetzmäßigen Handel
erleichtert, dadurch hilfst sie eine stichhaltige Wirtschaft zu stützen und zum Anderen stellt
sie eine wirkungsvolle Umsetzung der Gesetze sicher, damit ein illegaler Handel verhindert
werden kann. Die Bekämpfung des illegalen Handels in Zusammenarbeit mit anderen
Vollzugsbehörden führt zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Dadurch wird die
Sicherheit verbessert und der Schutz des Eigentums gesichert.
Die Kosovarische Zollbehörde hat die ausführende Funktion Innen und auch das Sagen. Die
EULEX Gruppe für diesen Bereich hat wie bei den anderen Bereichen nur die beobachtenden
und beratende Funktion, wobei sie in manchen Fällen eingreifen kann, wenn es zu Verstößen
der gesetzlichen Vorlagen kommen sollte. Es soll auch ein multiethnisches Zollteam
aufgebaut werden, dass den internationalen Standards entspricht. EULEX arbeitet auch mit
den EU-Programmen der Zollbehörden zusammen.
Das Zollamtsteam untersteht Paul Acda, der versuchen wird ein bestmögliches Zollsystem in
Kosova einzuführen, dass den europäischen Standards konform ist.

5.5.4 Implementierung der EULEX


Nach einigen weitgehenden Einsprüchen Serbiens und Russlands, musste ein neuer Weg
geschaffen werden um diesen Boykott zu umgehen, was aber auch erstaunlich ist, dass ein
anderer Staat über das Schicksal eines souveränen Staates gefragt werden muss. In Prishtina
stellen sich etliche Menschen gegen die Implementierung der Sechs Punkte von Ban Ki-
Moon. Es heißt, dass nicht Belgrad mehr über die Kosovaren zu entscheiden hat, sondern
Prishtina. Sie sind dafür dass der Ahtisaari-Plan in seiner ganzen Form umgesetzt werden
soll und nicht eine Teilung des Landes gefördert. Der Ahtisaari-Plan sah vor das eine
weitgehende Selbstverwaltung der Gemeinden garantiert werden.110 Dieser sieht eine
Überwachung der Unabhängigkeit Kosovas vor, die durch eine Expertengruppe von der EU
sichergestellt wird und in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden steht.
Jedoch ist es zu Problemen mit der Umsetzung dieser gekommen, da die Resolution 1244
noch aktiv ist und die EULEX nicht ihre Arbeit anfangen kann ohne dass diese aufgehoben
wurde. Dies kann jedoch nur durch den UN-Sicherheitsrat verabschiedet werden und so die
Arbeit der EU in die Wege leiten. Aus dem Grund musste ein Kompromiss geschaffen

110
http://www.unosek.org/unosek/en/statusproposal.html.

50
werden, der vor allem die Serben und Russland zu einer Zustimmung bewegen sollte. Ban
Ki-Moon sah nur die Möglichkeit eines neuen Plans vor, der jedoch im Gegensatz zu
Ahtisaaris Plan steht, aber von der UNO-Generalversammlung verabschiedet wurde und
dadurch die Arbeit der EULEX beginnen kann. Diese Mission wird nun der UNMIK
unterstellt, aber wird sich über das gesamte Kosovarische Gebiet ausstrecken und nicht wie
von der serbischen Seite gefordert, dass die UNMIK die Enklaven kontrolliert und die
EULEX sich im restlichen Teil Kosovas breit macht.
Unklar ist nun zu sagen was genau die nächsten Monate und Jahre passieren wird, wenn wir
uns mit der Entwicklung des serbischen Einflusses beschäftigen, die jetzt sogar so ein starkes
Selbstbewusstsein durch die Durchsetzung des Sechs-Punkte Plan von Ban Ki-Moon in der
UNO-Generalversammlung sowie nach der Durchsetzung einer Untersuchung der
Unabhängigkeit Kosovas im November. Jetzt wird gefordert, dass der Vertrag von
Kumanovo neu ins Rollen gebracht werden und die Möglichkeit einer Entsendung
serbischer Polizei nach Kosova ermöglich soll.
Auch eine Diskussion über den EU-Beitritt möchten sie im Rahmen der Grenzen inklusive
Kosova machen, dass aber von vielen Staaten nicht akzeptiert wird.
Unter diesen Voraussetzung wird die ELEX vor großen Herausforderungen stehen und mit
etlichen Problemen zu kämpfen haben. Da sie auch der UNMIK unterstehen soll und die
Resolution 1244 immer noch Aktiv ist, wurde ein paradoxe Situation geschaffen, da
eigentlich die Resolution 1244 durch die Kosovarische Verfassung aufgehoben wurde und
somit die UNMIK ihre Arbeit seit Monaten offiziell beendet haben müsste und die EULEX
nun ihre Aufgabe übernehmen sollte, die aber nur auf Beobachtung, Beratung und im
geringen Ausmaße zum Eingreifen berechtigt ist.
Die Kosovarische Regierung hat den Sechs-Punkte Plan von Ban Ki-Moon strikt abgelehnt
und fordert eine Umsetzung der EULEX wie vorgesehen die sich der Kosovarischen
Gesetzgebung unterordnet und ihre Aufgabenbereiche eindeckt. Sie muss sich über das
ganze Land erstrecken und ihre Aufgabe wahrnehmen.

51
Graphik 11: Vorgesehene EULEX-Struktur111

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V. Nachwort
Es ist nun abzuwarten wie sich die politische Situation in der Region sich entwickelt und mit
welchen Folgen wir rechnen müssen. Zwar blieb der Präzedenzfall aus, vor dem die ganze
Zeit gewarnt wurde, jedoch schaffen Russland und Serbien immer wieder neue Probleme,
die sich auf internationaler Ebene austragen lassen. Je mehr dem nachgegeben wird umso
mehr fühlen sich Belgrad und Moskau dazu ermutigt neue Forderungen zu stellen, da sie
wissen dass es eine Durchsetzungsmöglichkeit gibt, die Notfalls durch die UNO-
Generalversammlung geschafft werden kann.
Um eine friedliche Lösung in der Region zu schaffen, müssen die Potenziale des Landes
genutzt werden, sei es die menschliche Ressource oder auch die Bodeschätze. Die Wirtschaft
ist ein wichtiger Faktor um für ein friedliches Zusammenleben zu sorgen. Die Kriminalität ist
die Hauptursache warum es zu einer langsamen Stabilisierung in der Region kommen kann,

111
www.eulex-kosovo.eu

52
da die Interessen dieser Gruppe in einem instabilen Staat liegen. Auch die serbischen
Politiker in den Enklaven profitieren von dieser Situation Doppelt, da sie von Belgrad und
auch von der UNMIK ihre Finanzen beziehen, sowie die organisierte Kriminalität fördern,
die nördlich des Ibar ungehindert ihrer Arbeit nachgehen kann.
Es gilt diese Region zu stabilisieren damit die Menschen auch sehen, dass eine Zukunft unter
Prishtina ebenfalls Vorteile bringt und nicht als ein Dämon zu sehen ist, der ihre Zukunft in
den Ruin treiben werde. Dadurch dass die Entwicklung sich die letzten Monate in eine
Dynamik zeigt, die keine deutliche Entwicklung voraussehen lässt, wird es nach der EULEX-
Implementierung zu sehen sein ob es eine Trendlinie gibt, die für einen bestimmten
Fortschritt sprechen.

X. Literaturhinweise und Medien


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Beograd; 1981.
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völkerrechtlicher Sicht; Frankfurt am Main, Wien; 1995.
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Ministerium für Öffentliche Angelegenheiten. (Prishtina, 2006).
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Protokoll. Vierundfünfzigstes Jahr
• Express (albanische Zeitung)

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