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10 mai/juni 2009 Unbezahlbar – einfach mitnehmen! www.jugendzeitung.net jugend@graswurzel.net

Auf in den Streik!


Am 17. Juni demonstrieren bundesweit SchülerInnen und Studierende für ihr Recht auf Bildung

Streiken ist eigentlich etwas, das vor allem LohnarbeiterInnen tun, Schulsystem sehen viele Experten, wie der Sonderberichterstatter genug Bestrafungs- und Unterdrückungsinstrumente: Angefangen
wenn sie mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Doch auch der Vereinten Nationen (UN) oder VertreterInnen der Gewerkschaft vom „klassischen“ Nachsitzen, bis hin zur völligen Willkür bei der
mehr als 100.000 SchülerInnen und Studierende streikten im ver- Erziehung Wissenschaft (GEW) als falsch an. Dennoch halten die Vergabe mancher Noten, insbesondere der Kopfnoten, die (angeblich)
gangenen November für ihr Recht auf Bildung. Am 17. Juni findet der meisten regierenden PolitikerInnen daran fest, anstatt den Weg für das Arbeits- und Sozialverhalten von SchülerInnen bewerten sollen.
nächste bundesweite Bildungsstreik statt, denn unser Bildungssystem Alternativen zu ebnen. Eine solche Alternative sind zum Beispiel Freie und demokratische Schulen gibt es auch, sogar in Deutschland
ist mehr als nur marode... Integrative Gemeinschaftsschulen, in denen SchülerInnen auch über – allerdings sind dies ausnahmslos Privatschulen und deren Zahl und
die vierte Klasse hinaus gemeinsam unterrichten werden und gleiche Größe ist viel zu gering, um flächendeckend etwas zu erreichen.
Das Bildungssystem ist ungerecht Chancen auf „höhere“ Bildung haben.
Bildung statt Banken!
80 Prozent der KinderVier von fünf Kindern aus dem „oberen Zehn- Zur Selektion nach arm und reich kommt es auch dadurch, dass Bildung
tel“ der Bevölkerung, also den reichsten zehn Prozent, machen in kostet – nicht nur den Staat, sondern auch die Lernenden und ihre Fa- Bei den vergangenen Bildungsprotesten waren immer wieder Schilder
Deutschland das Abitur. Das zeigt eine Studie des deutschen Studen- milien. Das fängt bei kostenpflichtigen Unterrichtsmaterialien an und und Transparente mit Anspielungen auf die Finanzkrise zu sehen:
tenwerkes. Damit entstammen 40 Prozent aller Studierenden dieser gipfelt in den Studiengebühren. Diese Studiengebühren sind für Mil- „Bildung statt Banken!“, oder „Ne marode Bank müsste man sein“.
reichen „Oberschicht“ und nur jede/r zehnte Studierende entstammt lionärInnen wie für ArbeiterInnenkinder gleich hoch und verhindern, Jahrzehnte lang hieß es immer wieder, es sei ja kein Geld da, dass in
der gesamten „unteren Hälfte“ der Bevölkerung. dass auch finanziell schwach gestellte Jugendliche ihr Menschenrecht die Bildung gesteckt werden kann. Dabei wird das bei Klassengrößen
Das hängt unter anderem damit zusammen, dass an deutschen Schulen Recht auf Bildung wahrnehmen können. von teilweise über 30 SchülerInnen und dauerhaftem Unterrichtsaus-
in der Regel bereits nach der vierten Klasse entschieden wird, wie die fall und LehrerInnenmangel dringend benötigt. Jetzt, im kollektiven
weitere Sschulische Laufbahn eine Kindes aussehen soll. Einem großen Unsere Schulen sind undemokratisch „Krisenwahn“, sind die Milliarden auf einmal da. Anstatt sie aber in
Teil der Kinder wird dadurch schon im Alter von zehn Jahren die Mög- die Bildung zu investieren, werden mit dem Geld die gestützt, die die
lichkeit auf das Abitur und ein Studium verbaut. Dieses dreigliedrige Wirklichen Einfluss auf Entscheidungen und Unterrichtsgestaltung Krise zu verantworten haben.
haben SchülerInnen in der Regel nicht. Im Unterricht entscheidet meist Doch unsere Bildung ist wichtiger als euer Kapitalismus!

Wahlkrampf
die Lehrerin was getan und gelernt wird und auch in der Schulkonferenz
Bereits in über 40 Städten gibt es SchülerInnenbündnisse, die den Bildungsstreik vorbereiten und sich
haben SchülerInnen nicht genug Stimmen um das Schulgeschehen inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen. Eine Liste dieser Gruppen gibt es unter www.bildungs-
entscheidend mit- oder gar selbst zubestimmen. Trotzdem engagieren streik2009.de
sich viele SchülerInnen in SchülerInnenvertretungen, bei Schulstreiks
und anderen Aktionen. Für „unbequeme“ SchülerInnen gibt es darum Felix H.
Editorial

Alle Jahre wieder…


Europa- und Bundestagswahl stehen an. Das bedeutet Wahlkampf.
So mancher wettert gegen den „Populismus“ der Parteien, die den
Menschen das Blaue vom Himmel versprechen. Doch das Problem
liegt ganz woanders.
Während die Bürgerinnen und Bürger im Wahlkampf doch zumin-
dest angehört werden, haben sie die restlichen dreieinhalb Jahre …werden Parlamente gewählt. Zuviel erwarten sollte mensch sich davon nicht.
gar nichts mehr zu sagen. Wenn nun in Wahlkampf-Zeiten also
ein Gentechnik-Verbot und eine höhere Besteuerung der Reichen 2009 ist das „Superwahljahr“. Es scheint, als hätten die Menschen in
gefordert wird, so ist das ein Eingehen auf die Wünsche der Bevöl- Deutschland ganz schön viel zu wählen: Kommunalwahlen in vielen
kerung – und das sollte eigentlich ganz normal sein. Doch schon Bundesländern, die Wahl zum Europäischen Parlament am 7. Juni
jetzt ist klar: Nach der Wahl gelten wieder andere Gesetze für die und schließlich die Bundestagswahl im September. Bloß: Haben wir
Entscheidungen die Politikerinnen und Politiker. Da wird der Wille überhaupt eine richtige „Wahl“?
der Bevölkerungsmehrheit wieder dreist ignoriert.
Aber machen wir uns nichts vor: Zu den Wahlkampfgeschenken Das politische System in Deutschland nennt sich „parlamentarische
gehören auch Unverschämtheiten wie die Abwrackprämie, die Demokratie“. Die BürgerInnen geben alle paar Jahre einer Handvoll
zwar die Automobilindustrie und die Autoverrückten freut, öko- Menschen ihre Stimme, die sie dann zu allen möglichen Fragen reprä-
logisch aber grober Unfug ist. Doch auch die Abwrackprämie sentieren sollen. Es wird also eine Vertretung ausgesucht, die sich um
funktioniert nur als einmaliger Bestechungsversuch der Politik. die Belange aller zu kümmern hat. Das klingt irgendwie merkwürdig:
Hätten die Menschen über die Wahl hinaus etwas zu sagen, würde die eigene Stimme abgeben. Es beschreibt aber ziemlich genau, was im
ihnen irgendwann auffallen, dass hier viele zahlen, damit wenige Parlamentarismus passiert: Mit der Wahl und der Abgabe ihrer Stimme
profitieren. ist für die meisten BürgerInnen die politische Aktivität dann auch schon
Zuschüsse sind eben beliebt, Steuern nicht. Dieses Schwarz-Weiß- wieder für einige Jahre vorbei. Denn nach der Wahl entscheiden ja
Denken ist Resultat eines politischen Systems, in dem die aller- die Abgeordneten, was gemacht wird und was nicht.
meisten nicht mitreden dürfen und deswegen nur gucken, was für In Deutschland haben die Abgeordneten ein freies Mandat. Das heißt,
sie selbst rausspringt. Wer von einer gemeinsamen Entscheidungs- sie sind nicht an Aufträge oder Weisungen gebunden und nur ihrem
findung ausgeschlossen ist, denkt eben nur an sich. So erzieht uns Gewissen unterworfen; so steht es im Grundgesetz. Stutzig macht da
die Politik zum Egoismus. nur, dass das Handeln mancher Abgeordneter durchaus an Weisungen
gebunden zu sein scheint – jedoch nicht an die ihrer WählerInnen,
Wir wollen in dieser utopia Alternativen aufzeigen. Viel Spaß sondern von ganz anderen, viel „mächtigeren“ Gruppen: Lobbyisten,
beim Lesen! Verbände und Vereine, Handel, Industrie und Wirtschaft mischen sich
- nicht zuletzt durch Parteispenden - in politische Entscheidungen ein
Eure utopia-Redaktion und werden vor der Gesetzgebung um ihre Meinung oder ihren Rat
gebeten. Und dass deren Interessen nicht unbedingt dem Gemeinwohl
dienen, hat sich auch schon herumgesprochen.
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seite 2 utopia 10 mai/juni 2009
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Zu dumm für direkte Demokratie? viele Angelegenheiten zentralistisch geregelt werden Andere Demokratieformen sind möglich! weil alle mit dem Beschluss einverstanden sind; wo
müssten oder ob nicht viele Beschlüsse dezentral keine „AnführerInnen“ gewählt werden, können Hi-
Oft wird behauptet, die Menschen seien „einfach und auf „niedrigeren“ Ebenen getroffen werden Trotzdem denkt kaum jemand daran, demokratische erarchien und somit Ungleichheiten vermieden wer-
noch nicht reif“ für Formen direkter Demokratie, zu können, damit letztlich die entscheiden können, Teilhabe zu probieren, die nicht mit den Institutionen den. Ob mensch dann trotzdem noch an den Wahlen
wenig gebildet, besäßen zu wenig Spezialwissen, als die direkt betroffen sind. Dafür bedarf es aber des „Partei“ und „Parlament“ verbunden ist. für das repräsentative System teilnimmt, muss jede
dass man beispielsweise mehr Volksabstimmungen politischen Willens und der Institutionen, die es den Dabei gibt es konkrete Ideen, wie diese aussehen und jeder selbst entscheiden. Ein Wahlboykott kann
über neue Gesetze durchführen könnte oder sie selbst Menschen erst ermöglichen, direktdemokratische könnte: radikal- bzw. basisdemokratische Modelle ein wichtiges Zeichen für die Unzufriedenheit mit
die Gesetze schreiben ließe. Die Frage ist nur: Warum Teilhabe verantwortungsvoll zu praktizieren. sind von mehreren Theoretikerinnen und Theoreti- dem Parlamentarismus sein. Andererseits ist auch die
sollten BerufspolitikerInnen für wichtige Entschei- Im bestehenden repräsentativen System sind viele kern entwickelt worden und manche wurden sogar parlamentarische Demokratie eine Errungenschaft,
dungen besser geeignet sein? Wie viel Spezialwissen Menschen unzufrieden mit der Politik der Parteien, bereits ausprobiert (teilweise jedoch mit geringen die hart erkämpft werden musste. Auf jeden Fall
braucht es für grundsätzliche Entscheidungen? Und: die sie gewählt haben. Trotzdem gehen sie wieder repräsentativen Elementen), zum Beispiel bei den sollten wir Methoden entwickeln, anwenden und
Wenn die Menschen „zu dumm“ sind für direkte De- zur Wahl und wählen „das kleinere Übel“. Viele AnarchistInnen während des spanischen Bürger- bekannt machen, mit Hilfe derer wir das Zusam-
mokratie – wie sollen sie dann verantwortungsvoll kriegs in den 1930er Jahren oder in der Münchner menleben demokratischer und mit mehr Teilhabe
halten das System auch für ungerecht: Die Beset-
ParlamentarierInnen wählen können? Räterepublik 1919. Jedoch wurden solche Versuche aller organisieren können.
zung des Bundestages, in dem fast nur Studierte und
Begründet wird das Defizit an direkter Demokratie relativ schnell wieder zum Scheitern gebracht, meist Denn wer will immer nur - alle Jahre wieder - die
meist damit, dass es unmöglich sei, diese prakti- BeamtInnen sitzen, spiegelt keinesfalls die Bevöl- durch diejenigen, die bei hoher Mitbestimmungsbe- eigene Stimme abgeben müssen?
kabel auf einem größeren Gebiet, wie z.B. in ganz kerungsstruktur wider. Zudem ist es fast unmöglich, fugnis des Volkes Angst hatten, ihre Macht und ihren
Deutschland, umzusetzen – der Aufwand wäre zu ohne „Beziehungen“ überhaupt nur als KandidatIn Reichtum zu verlieren. Ani K. (20)
hoch, wenn über alles und jedes erst die Meinung al- aufgestellt zu werden. Die Ideen lassen sich aber im alltäglichen Zusam-
Ein Sonderheft der Zeitung „Graswurzelrevolution“, das sich mit der
ler Bürgerinnen und Bürger eingeholt werden müsse. menleben umsetzen. Wo nach dem Konsensprinzip Kritik an der parlamentarischen Demokratie beschäftigt, ist erhältlich
Fraglich bleibt dabei aber, ob es überhaupt besonders entschieden wird, kann besser gearbeitet werden, unter abo@graswurzel.net

Was ist eigentlich...


Kinder an die Macht!
Basisdemokratie? Für ein Wahlrecht ohne Altersgrenze
„Die Zeitung ist basisdemokratisch organisiert.“. dung sämtliche EinwohnerInnen eines Staates
So steht es im Selbstverständnis der utopia. abstimmen zu lassen, hauptsächlich wegen des In den meisten Staaten ist das Wahlrecht eines der Deshalb kann es auch nur um ein persönliches Wahl-
Aber was bedeutet „basisdemokratisch“ bzw. Aufwands und der Gefahr, dass Ergebnisse bei wichtigsten politischen Rechte. Kinder und Jugendli- recht für Kinder und Jugendliche gehen und nicht
„Basisdemokratie“ überhaupt? Und worin einer solch großen Wahl verfälscht werden kön- che bilden in Deutschland die größte Bevölkerungs- darum, dass Eltern für jedes Kind eine zusätzliche
unterscheidet sie sich von anderen Demokra- nen. Das trifft zumindest auf Angelegenheiten zu, gruppe, der dieses Recht nach wie vor vorenthalten Stimme abgeben können. Letzteres wäre kein Kin-
tieformen? die eine immense Menge von Menschen betreffen wird. Durch die im Grundgesetz (Art. 38 Abs. 2) derwahlrecht, sondern ein Elternwahlrecht.
Basisdemokratische Abstimmungen im kleineren für Bundestagswahlen festgelegte Altersgrenze von
Das Wort Demokratie kommt aus dem Grie- Rahmen sind dagegen sehr wohl möglich. Selbst 18 Jahren werden mehr als 13 Millionen Menschen Das Wahlrecht ist ein Recht und keine Pflicht.
chischen und bedeutet „Herrschaft des Volkes“. innerhalb einer Familie können Entscheidungen ausgeschlossen. Kinder, die sich nicht
Auch die Basisdemokratie verfolgt das Ziel, der auf diese Weise gefällt werden. für Politik interessieren,
Basis einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe, Eine Möglichkeit für die Bevölkerung eines PolitikerInnen orientie- können der Wahl ein-
also z.B. den EinwohnerInnen eines Staates, die Landes, das politische Geschehen direkt zu be- ren sich – zumindest in fach fernbleiben. Andere
Entscheidungsmacht zu geben. einflussen, sind beispielsweise Volksbegehren. Wahlkampfzeiten und so- Grundrechte gelten be-
In den meisten Staaten ist die Regierungsform je- Mittlerweile werden auch Überlegungen ange- mit bei der Erstellung von reits ohne Altersgrenze,
doch eine so genannte repräsentative Demokratie. stellt, ob und wie mensch das Internet zugun- Wahlprogrammen – da- wie etwa die Meinungs-
Wie der Name schon sagt, werden Repräsentan- sten der Demokratie einsetzen kann. Vielleicht ran, was die WählerInnen freiheit und die Versamm-
tInnen gewählt, die über wichtige politische Fra- werden in Zukunft politische Entscheidungen wollen. Schließlich wol- lungsfreiheit. Auch wenn
gen entscheiden. In einer Basisdemokratie wer- online getroffen. len sie ja gewählt wer- Babys natürlich nicht in
den Beschlüsse dagegen direkt von einer Gruppe den. Wenn Kinder und der Lage sind, zu einer
gleichberechtigter Individuen festgesetzt. Der Begriff Basisdemokratie wurde, zumindest in Jugendliche jeden Alters Demonstration zu gehen,
Ein wichtiges Prinzip in vielen basisdemokratisch Deutschland, besonders durch die neuen sozialen wählen dürften, würden haben sie dennoch das
organisierten Verbänden ist der Konsens. Alle Bewegungen in den 70er-Jahren geprägt. Dazu Themen wie Schulpoli- Recht dazu.
Mitglieder müssen einer Entscheidung zustim- zählen unter anderem die Frauen- und Friedens- tik und Jugendschutz si- Gegen ein Kinderwahl-
men, ansonsten wird ein neuer Lösungsansatz bewegung. Doch auch in vielen anderen Ländern cherlich anders diskutiert recht wird meistens ar-
diskutiert. Damit soll einerseits die Unterdrü- der Welt, z.B. in Venezuela, hat mensch sich die als es heute der Fall ist. gumentiert, dass Kinder
ckung von Minderheiten verhindert werden, Basisdemokratie oder zumindest basisdemokra- Bislang laufen Politike- sich zu leicht beeinflussen
andererseits der damit einhergehende Zwang, tische Elemente als Ziel gesetzt oder bereits um- rInnen Gefahr, andere ließen. Dieser Einwand
dass die Minderheit sich an den Beschluss der gesetzt. Es lohnt sich also, diesen Gedanken WählerInnenkreise zu verkennt die Tatsache,
Mehrheit anpasst. Problematisch wird es, weiter zu verfolgen! verprellen, ohne neue dass jeder Mensch, egal
wenn nicht klar ist, welche Entscheidungen hinzuzugewinnen, wenn welchen Alters, durch
per Konsens getroffen werden müssen und Lisa B. sie sich etwa für Verän- sein Umfeld, wie zum
welche nicht. derungen des Bildungs- Beispiel Freunde, Ver-
wesens nach den Wün- Foto: (M.E) Morgan wandte oder die Medien,
Die Basisdemokratie ist nur eine von schen der SchülerInnen beeinflusst wird. Häufig
vielen Demokratieformen. Sie zählt aussprechen würden. Es wird auch behauptet, dass
zu den Formen der direkten De- geht nicht darum, ob die eine oder andere Partei da- Kinder nicht schlau genug seien um mitentschei-
mokratie. Schließlich werden alle durch ein paar Prozentpunkte zulegt. Dürften junge den zu dürfen. Nach dieser Logik könnte man das
Entscheidungen unmittelbar von Menschen wählen, müssten sich alle Parteien auf Wahlrecht auch vom Schulabschluss oder von einem
der Bevölkerung getroffen. Die Anliegen junger Menschen zubewegen. Intelligenztest abhängig machen. Wenn Menschen
repräsentative Demokratie gehört aber aufgrund ihrer vermeintlich fehlenden Intelli-
entsprechend zu den indirekten Ein weiterer wichtiger Effekt des Kinderwahlrechts genz das Recht auf politische Beteiligung aberkannt
Demokratieformen. Warum wird wäre, dass sich damit der gesellschaftliche Status wird, ist das zutiefst undemokratisch.
zum Großteil dieser Entschei- von Kindern ändern würde, ähnlich wie es bei Be-
dungsprozess bevorzugt? Das sitzlosen und Frauen war, als diese das Wahlrecht Martin Wilke
Problem der Basisdemokratie erhielten. Die Sichtweise von Erwachsenen auf Umfangreiche Informationen und Antworten auf die häufigsten Einwände
liegt in ihrer praktischen Umset- Kinder würde sich zwar nicht von einem Tag auf und Fragen gibt es unter de.kraetzae.de/wahlrecht/ und unter www.ich-
den anderen ändern, aber im Laufe der Jahre wür- will-waehlen.de
zung: Es ist so gut wie unmöglich,
bei jeder politischen Entschei- den immer mehr Menschen erkennen, dass Kinder
gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft sind.

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utopia 10 mai/juni 2009 seite 3

„Aber, woher kommst du wirklich?“ „Schwarz“ und „weiß“ ?


„Schwarz“ ist die politisch korrekte und
vor allem selbst gewählte Bezeichnung für
Über den alltäglichen Rassismus. Schwarze Menschen. Dass „Schwarz“ hier
immer groß geschrieben wird, soll darauf
aufmerksam machen, dass es kein wirkliches
In das „Museum of Tolerance“, einem beeindru- ich meine, woher kommst du Attribut ist, also nichts „Biologisches“, son-
ckenden Museum über die Shoah und über die wirklich? Anscheinend kön- dern dass es eine politische Realität und Identi-
Dynamiken von Rassismus und Vorurteilen in Los nen sich viele weiße Deutsche tät bedeutet.
Angeles, führen zwei Türen: Eine für „Menschen mit einfach nicht vorstellen, dass Diese Schreibweise hat sich im akademischen
Vorurteilen“ und eine für „Menschen ohne Vorur- es auch Schwarze Deutsche Umfeld und in Fachpublikationen etabliert.
teile“. Wer allerdings durch letztere gehen will, wird gibt. Die Vorstellung, dass je-
böse überrascht: Er läuft gegen eine Wand, da diese deR Schwarze einE „Auslän- „weiß“ ist die politisch korrekte Bezeichnung
Tür nur aufgemalt ist. So steht schon am Anfang des derIn“ oder gar einE „Afrika- für weiße Menschen.Bei „weiß“ handelt es
Museumsbesuches eine wichtige Erkenntnis: Kein nerIn“ sein muss, ist eindeutig sich ebenfalls um eine Konstruktion.
Mensch ist ganz frei von Vorurteilen. Viele Men- rassistisch. In Deutschland le- Da dieser Begriff aber im Gegensatz zu
schen denken dennoch bei den Worten „Rassismus“ ben mehrere hunderttausende „Schwarz“ keine politische Selbstbezeichnung
und „Vorurteile“ sofort an Rechtsextremismus und Schwarze und das nicht erst aus einer Widerstandssituation heraus ist, wird
Neonazis. Doch Nazis und ihre Gewalt bilden nur seit gestern. sie als Adjektiv klein geschrieben.
die Spitze des Eisbergs eines alltäglichen Rassismus. Während viele Weiße stolz Übernommen aus Deutschland Schwarz-Weiß.
Sozialisiert in einer Gesellschaft, in der wir im Kin- sagen, für sie spiele die Haut-
dergarten „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ farbe überhaupt keine Rolle, die Szenen, in denen am Hauptbahnhof Schwarze
spielten und in den Medien lernen, dass Schwarze werden Schwarze in Deutschland alltäglich und ins Visier der Polizei geraten, während Weiße, die verbandsdirektors, der meinte: „Die Bewohner des
Menschen „exotisch“, „fremd“ und einfach „anders“ ständig damit konfrontiert, dass sie eine andere ja ebenso VerbrecherInnen aus dem In- und Ausland Asylbewerberheims sollen sich an die Gepflogen-
sind, schleppen wir alle einige Stereotypen mit uns Hautfarbe als die Mehrheitsgesellschaft haben. Es sein könnten, in der Regel unbehelligt bleiben. Auf heiten des Gastlandes halten oder wieder zurück in
herum. Die Frage, die wir uns stellen müssen, wenn ist also schon ein Privileg von Weißen in der weißen der ganzen Welt wird „Racial Profiling“ bekämpft den Kongo gehen, wo sie ums Feuer tanzen können,
wir Rassismus bekämpfen wollen, lautet also nicht, Mehrheitsgesellschaft, die eigene Hautfarbe einfach und abgeschafft, aber in Deutschland werden damit bis sie schwarz werden, was sie aber schon sind.“
ob wir selbst Vorurteile haben oder nicht, sondern vergessen zu können. Das fällt einem Schwarzen weiter jeder Person, die nicht weiß ist, grundsätz- Erschreckend, dass so oftmals gerade diejenigen
wie wir mit diesen umgehen und wie wir sie wieder Menschen nicht so leicht, weil sich die unzähligen liche BürgerInnenrechte aberkannt. rassistische Vorurteile in der Gesellschaft schüren,
loswerden können. undifferenzierten und stigmatisierenden Bilder der Es kommt immer wieder vor, dass PolitikerInnen die politische Verantwortung übernehmen wollen.
Schwarze Menschen sind als „äußerlich erkennbare deutschen Mehrheitsgesellschaft auf sein tägliches demokratischer Parteien die in der Bevölkerung Die Situation macht klar, dass antirassistisches En-
Minderheit“ in Deutschland besonders häufig und Leben auswirken. Sei es in der Schule, bei der Job- weit verbreiteten rassistischen Vorbehalte nutzen gagement nicht beim Kampf gegen Neonazis - so
in besonderem Ausmaß mit Rassismus konfron- oder Wohnungssuche. Die Polizeikontrollen haben wollen, um Stimmen zu gewinnen. Beispiele aus wichtig dieser ist - aufhören darf. Die Strukturen
tiert. Das fängt schon damit an, dass viele Schwar- in Deutschland eine besondere Qualität. „Racial Pro- der jüngsten Vergangenheit sind die rassistischen des alltäglichen Rassismus müssen reflektiert, auf-
ze ständig von Wildfremden gefragt werden, wo filing“ nennt man die polizeiliche Fahndungstech- Äußerungen des CDU-Politikers Roland Koch in gezeigt und aufgelöst werden. Fangen wir bei uns
sie denn herkommen würden. Ist die Antwort dann nik, die der Polizei erlaubt, „verdachtsunabhängige Hessen zum Thema Jugendkriminalität oder die selbst an!
etwa „Hannover“ wird immer weiter gefragt: „Nein, Personenkontrollen“ durchzuführen. Jeder kennt Aussage von Klaus Eckhard Walker, Kandidat der
Linkspartei für das Amt des Saarbrücker Regional- Christoph M (22)

Nazis im Netz
Wenn das Internet plötzlich Weltnetz heißt.
Impressum
Neonazis benutzen das weltumspannende Compu- und informieren über den aktuellen Planungsstand. auch eigene Videoportale von Neonazis: „Media
ter-Netzwerk um ihre braune Ideologie zu verbrei- Das Portal hat seinen Ursprung in Frankreich – mitt- pro patria“ nennt sich eines dieser rechtsextremen
ten. Weil es ihnen an personellen und finanziellen lerweile gibt es in fast jedem europäischen Land ein Portale. Auf der Website finden sich vor allem Vi- Impressum Utopia Nr. 10
Mittel mangelt, ist das Internet für Neonazis eine eigenes nationalistisches „Altermedia“. deos von Neonazi-Aufmärschen, aber auch zum
einfache Werbemöglichkeit, über die vor allem Teil volksverhetzende Kurzdokumentationen. Auch utopia herrschaftslos – gewaltfrei,
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junge Menschen gut erreicht werden die rechtsextreme Partei NPD hat das www.jugendzeitung.net jugend@graswurzel.net,
können. Ein weiterer Vorteil für die Potential von Internetvideos erkannt www.myspace.com/jugendzeitung
Neonazis: Über das Internet können und unter dem Namen „Offensiv.tv – Layout: BRiB
Inhalte verbreitet werden, die in Hier sendet Deutschland“ eine eigene Auflage: 25.000.
Deutschland verboten sind. Die Videoreihe.
Server der rund 1.000 deutschen utopia wird von Jugendlichen für Jugendliche gemacht. Sie erscheint alle
zwei Monate, separat und als Beilage der Monatszeitung Graswurzelrevo-
Neonazi-Websites stehen oft im Nazis im Internet lution. utopia kann und soll kostenlos z.B. auf Demos, in Schulen, Unis,
Ausland um der deutschen Justiz zu Jugendtreffs usw. verteilt werden. Spenden sind erwünscht.
entgehen. Die Medienportale sind aber nur utopia Nr.11 erscheint Ende Juni 2009.
Verlag Graswurzelrevolution e.V.: Sitz Heidelberg. Redaktion Gras­
der eine Teil der Aktivitäten von wurzelre­vo­lu­tion: Breul 43, 48143 Münster, Tel. 0251/48290-57, Fax:
Da die Medien meist um eine objek- Neonazis im Internet. Beinahe jede -32, redaktion@graswurzel.net. GWR-Vertrieb, Bir­kenhecker Str. 11 Str.
tive Berichterstattung über Neonazis Neonazi-Gruppe betreibt heute eine 24, D-53947 Net­tersheim. Verantwortlich sind im Grunde alle, doch im
Sinne des Presserechts ist dies: Michael Schulze von Glaßer, c/o GWR-
bemüht sind und deshalb deren Men- eigene – mehr oder weniger aktuelle Red. Münster. www.graswurzel.net
schenfeindlichkeit klar benennen, su- – Website. Auch Internetforen sind
chen die Neonazis nach eigenen Mög- ein wichtiges Element der Kommu-
lichkeiten ihre menschenverachtende nikation zwischen den Nazigruppen utopia ist eine Zeitung zum Mitmachen. Bei uns können junge Menschen
Propaganda ungefiltert zu verbreiten. untereinander. Diese, wie auch die Artikel schreiben über Themen, die sie interessieren. Bei uns kannst du
Das Internet eröffnete ihnen da ungeahnte Möglich- Online-Videos: Bei YouTube und anderswo Datenbänke neonazistischer Online-Shops, sind dein Schreibtalent unter Beweis stellen, nette Menschen kennen lernen,
dich am Layout beteiligen, deine Ideen einbringen. Genauso suchen
keiten. Die Website „Altermedia – Störtebeker Netz“ häufig Ziele antifaschistischer Aktivitäten. Im Au- wir noch Leute, die utopias unter die Leute bringen. Gehst du auf
ist wohl das größte neonazistische deutschsprachige Auch den Erfolg von Internetvideos versuchen gust 2008 wurde beispielsweise das internationale Demos? Oder du machst Veranstaltungen? Wir schicken dir gerne einige
Nachrichtenportal im Internet. Hier wird sowohl über Neonazis für sich zu nutzen. Neonazis können ihr Neonazi-Forum „Blood&Honour“ gehackt. Ebenso Exemplare zu!
Wir warten auf deine Mail: jugend@graswurzel.net
aktuelle Ereignisse und öffentliche Diskussionen als Gedankengut fast ungestört auf Plattformen, wie wie auf den Straßen ist auch im World-Wide-Web
auch über szene-interne Dinge berichtet. Das Portal youtube verbreiten. Sie offerieren tiefe Einsichten kein Platz für Nazis.
fällt vor allem durch revisionistische Berichterstat- in braune Propaganda, historischen Revisionismus,
tung auf: Holocaustleugner werden verteidigt und Holocaustleugnung und szeneinterne Veranstal- Weitere Informationen:
www.antifa-gaming.de
Opfer rechter Gewalt verhöhnt. Dem Portal kommt tungen. Hunderte Besucher der Seiten hinterlassen
dabei eine vernetzende Funktion zu. Neonazis mobi- in ihren Kommentaren zu eingestellten Videos ihre
Michael Schulze von Glaßer
lisieren auf der Seite zu bevorstehende Aufmärschen menschenverachtenden Einstellungen. Doch es gibt

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Mehr zum Programm: www.edition-nautilus.de
seite 4 utopia 10 mai/juni 2009

Termine
01.05.2009, Hannover und Berlin: Naziaufmärsche verhindern,
www.antifa.de
Fair tragen
08.05.2009, Köln: Antinationale Vorabenddemo gegen „Anti-
Islamisierungs-Kongress“, www.no-racism.mobi Ein Trend, der in der breiten Masse ankommt: öko-faire Kleidung
09.05.2009, Köln: „Anti-Islamisierungs-Kongress“ verhindern,
www.no-racism.mobi Essen kaufen ohne schlechtes Gewissen? Viele Menschen kaufen des- Kilogramm Baumwollfasern wird ein Kubikmeter, also eintausend
12.05.2009, Dresden: Aktionen und Demo gegen die Jahrestagung wegen Bioprodukte. Aber shoppen gehen, ohne sich Gedanken machen Liter Wasser benötigt.
des Deutschen Atomforums, www.contratom.de/dresden zu müssen wie die Kleidung hergestellt wurde?
15.-17.05.2009, Göttingen: Kann kaufen retten? Jugendkongress Unsere Kleidung wird größtenteils in den Entwicklungsländern her-
zu nachhaltigem Konsum, www.janun.de Immer mehr Menschen legen Wert darauf, dass nicht nur ihre Nah- gestellt. Viele der dort lebenden Menschen haben darunter zu leiden,
20.-24.05.2009, Köln: Aktionsakademie von attac, www.attac.de/ rung, sondern auch die Kleidung fair und ökologisch gut verträglich dass wir Kleidung zu möglichst niedrigen Preisen kaufen können. Um
aktionsakademie hergestellt wurde. Die Nachfrage nach umweltverträglichen und sozial Baumwolle zu ernten, werden in einigen Ländern einfach die Schulen
21.5.2009, 20 Uhr, Osnabrück: ja! Anarchismus. Gelebte Utopie hergestellten Textilien ist immer höher geworden und wird sich in den geschlossen, damit die Kinder auf dem Ackerbau arbeiten können.
im Spiegel libertärer Medien, Veranstaltung mit GWR-Redakteur kommenden Jahren wohl noch steigern. Ökokleidung ist ein Trend, Viele Eltern verkaufen ihre Kinder in der Hoffung auf ein besseres
Bernd Drücke, Infos: www.graswurzel.net der in der breiten Masse ankommt. Leben für sie, da sie selbst nicht genug verdienen, um die ganz Familie
21.-24.05.2009, Lüneburg: BUKO32, Kongress der Bundeskoor- Der hohe Energie- und Ressourcenverbrauch bei der Herstellung kon- zu ernähren. Doch viele Kinder werden wie Sklaven behandelt und
dination Internationalismus, www.buko.info ventioneller Kleidung wie auch die Gifte, die sich in solchen Textilien weiterverkauft.
21.-24.05.2009, Wien: Liberation Days gegen Käfige und Knäste, festsetzten und allergische Reaktionen hervorrufen - im schlimmsten NäherInnen arbeiten für Hungerlöhne in Textilfabriken, um Hosen,
www.basisgruppe-tierrechte.org Fall auch krebserregend sein können - schrecken immer mehr Leute von T- Shirts, Jacken zu schneidern, und können nur durch enorme Über-
29.05.2009, Rheine: Bundeswehr-Gelöbnis verhindern, www. dem Kauf ihrer Kleidung ab. 150 Gramm Gift enthält laut Greenpeace stunden überleben. Selbst wenn es einen Mindestlohn gibt, ist dieser
geloebnix-rheine.de durchschnittlich ein Baumwoll-T-Shirt, da die Baumwolle mit Hilfe zu niedrig. In Bangladesh liegt dieser beispielsweise bei umgerechnet
06.-07.06.2009, bundesweit: Aktionstage gegen AKW-Neubau in von Pestiziden, chemischen Substanzen, angebaut wird. 20 Euro monatlich.
Frankreich, www.nirgendwo.info Die Regelung für die Anwendung der Pestizide besagt, dass die Bauern Bei vielen Bauern ist die Baumwolle die einzige Einnahmequelle. Da
15.-17.06.2009, Hamburg: Linker Jugendkongress „Her mit dem Mundschutz und Schutzanzug tragen müssen. Die Praxis sieht leider der Preis aber durch die Industrieländer bestimmt wird - insbesondere
schönen Leben!“, http://jugendkongress.kilu.de anders aus: Baumwolle wird meist in armen Ländern geerntet, in durch die USA - wird dieser so niedrig, dass die Bauern keinen Ge-
10.-12.07.2009, Berlin: Linke Buchtage, www.linkebuchtage.de denen die nötigen Gelder für solche Sicherheitsmaßnahmen gespart winn erzielen und gezwungen sind, ihre Ware zu Dumping- Preisen
werden. Dadurch sterben jährlich 20.000 Menschen an Vergiftungen. zu verkaufen.
Aber die Nachfrage nach fair gehandelter Baumwolle steigt. Dadurch
Kampagnen Außerdem werden die Chemikalien häufig auf Feldern ausgewaschen,
dadurch gelangen sie in das Grundwasser und somit in das Trinkwasser können immer mehr Bäuerinnen und Bauern Mitglied einer Koope-
der Menschen. Auch die Umwelt hat unter der Herstellung solcher rative werden, die Produkte hergestellt, die das FairTrade-Zeichen
Kampagne „Atomkraft jetzt abschalten“:
Textilien zu leiden. Da bei der Produktion viel Energie benötigt wird, erhalten. Dort werden ihnen feste Mindestpreise gezahlt, die über den
www.atomkraft-abschalten.de
wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. Um nur ein T-Shirt lokalen Marktpreisen liegen. Zudem können sie durch den Anbau von
Kampagne gegen den Überwachungsstaat:
herzustellen, werden 7 Kilogramm CO2 verbraucht. Zusätzlich wird Biobaumwolle ihr Einkommen um 10 Prozent erhöhen.
www.safer-privacy.de
für die Baumwollproduktion viel Wasser verbraucht: Für nur ein
Kampagne gegen den Pelzhandel bei ESCADA:
Ana Mari M.
www.antifur-campaign.org
Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen:

Luxus Umwelt
www.atom­waffenfrei.de
Kampagne gegen die Privatisierung der Bahn vom Bündnis
Bahn für alle:
www.bahn-fuer-alle.de
Kampagne gegen Tierversuche an Affen:
www.aerzte-gegen-tierversuche.de Umweltzerstörung ist nicht bloß ein Luxusproblem. Weltweit sind die Armen oft besonders betroffen
Kampagne „save me – Flüchtlinge aufnehmen!“:
www.save-me-kampagne.de Alle tun was für die Umwelt: Naturschutzorganisationen, Politike- sicher ist aber, dass die Anzahl der Dürreperioden in Zukunft steigen
Kampagne „Milliardenhilfe - Schulden? Zahlt der Staat!“: rinnen, Hobbygärtner, selbst die Energiekonzerne brüsten sich damit. wird. Keine guten Aussichten für die Bäuerinnen und Bauern.
www.milliardenhilfe.de Natürlich aus ganz unterschiedlichen Beweggründen und manchmal Eine soziale Frage
ist das auch mehr Schein als Sein. Aber eines scheint selbstverständ-
lich: Aktiv sein für die Umwelt ist immer gut. Komisch. Das Umweltproblem wird dadurch schnell zu einer sozialen Frage:
Ist es in Ordnung, dass wir in Europa und Nordamerika Unmengen
Denn für viele Menschen steht Umweltschutz an zweiter Stelle – wenn an Energie verschwenden, während sich das Hungerproblem weiter
überhaupt. Wichtiger sind Probleme wie Arbeitslosigkeit, Ungerech- verschärft? Letztendlich ist es ein Konflikt zwischen Menschen und
tigkeiten im Bildungssystem, Fremdenfeindlichkeit oder Hungerlöhne gerade bei globalen Umweltproblemen geht es oft um lebenswichtige
im globalen Süden. Kurz: Zuerst das Soziale, dann die Umwelt. Nicht Entscheidungen für ärmere Menschen.
bedacht wird dabei, dass auch Umweltprobleme nichts anderes sind Wenn Urwald gerodet wird, verlieren auch die indigenen Menschen,
als handfeste soziale Konflikte. die dort leben, ihr Zuhause. Wenn riesige Schiffe die Weltmeere leer-
fischen, bleibt nichts mehr für die kleinen Fischerboote übrig. Wenn auf
Wenn Inseln untergehen… Plantagen giftige Chemikalien versprüht werden, erkranken daran die
Arbeitenden. Wenn Uran abgebaut wird, um später Atomkraftwerke be-
Beispiel Klimawandel: Durch den Ausstoß von so genannten Treibh- treiben zu können, atmen die Menschen den radioaktiven Staub ein.
ausgasen wie Kohlendioxid (CO2) erwärmt sich die Erde immer mehr.
Inzwischen ist selbst bei den Regierungschefs angekommen, dass das Ohne Umweltschutz keine Gerechtigkeit
ein Problem ist – nicht weil es „der Umwelt“ schlecht geht, sondern
weil Menschen unter den Folgen leiden. Betroffen sind nicht nur zu- In Europa ist von all diesen Problemen nicht viel zu hören. Viele Men-
künftige Generationen – in den kommenden Jahrhunderten wird die schen befürchten daher durch Umweltschutz vor allem einen Verlust
Temperatur weiter ansteigen, selbst wenn wir heute aufhören würden, der Lebensqualität hierzulande – wenn beispielsweise der Fernseher
soviel CO2 in die Luft zu blasen – sondern auch viele Menschen in nicht mehr rund um die Uhr im Standby-Betrieb läuft. In Wirklichkeit
ärmeren Ländern. geht es aber bei Umweltschutz immer auch um Gerechtigkeit. Ge-
Die Einwohnerinnen und Einwohner der Malediven-Inseln müssen rechtigkeit zwischen den Generationen und Gerechtigkeit zwischen
befürchten, ihre Heimat zu verlieren, weil der Meeresspiegel durch allen Menschen, die auf der Erde leben. Umweltschutz ist daher keine
den Klimawandel ansteigt. Die dortige Regierung spart bereits Geld, Luxus-Aufgabe für eine spätere Zeit, in der Gerechtigkeitsprobleme
um neues Land kaufen zu können. Hier ist offensichtlich: Menschen, gelöst sind.
die fast nichts zum Klimawandel beigetragen haben, werden in die Es stimmt: Umweltschutz kann viel Geld kosten. Aber anders ist
Flucht getrieben. In anderen Weltregionen trägt die Erderwärmung zur weltweite Gerechtigkeit nicht zu haben. Da sollte man sich schon
Verschärfung bestehender Probleme bei: So kann zwar eine Trockenzeit überlegen, ob man sich nicht doch den Luxus leistet.
in Afrika nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden;
Felix W.

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