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Ulrich Kobbe

Vom temporal(isiert)en Subjekt
und der paralogischen Zeitlichkeit des Unbewussten

Zeitlichkeit des Subjekts
Will man eine fundamentale Condition humaine des Subjekts
psychologisch (er-)fassen, so muss das Erleben und der Umgang mit
der Zeitlichkeit des Lebens, mit regressiv-progressiven Lebensbezügen,
als dos Grundsatzproblem des Subjekts skizziert werden. Zugleich
aber gilt für alle einem »Junktim« von Heilen und Forschen (Freud)
verpflichteten Psy-Wissenschaften, dass hinsichtlich der Problemlösung
- auch der Lösung des Subjektproblems in der Zeit - »erst die Diagnose,
dann die Therapie« kommt: »Die klassisch-deskriptive Diagnostik ist
unverzichtbar, dennoch ist eine kritische Anwendung geboten, weil
man sich darüber klar sein muss, dass auf psychologischer Ebene
diese Diagnosen selten etwas präjudizieren. Das Subjekt darf durch
sie nicht verdinglicht werden« (Loch 1974, 18). Diesbezüglich besteht
aufgrund der psychiatrisch-psychologischen Interpretationsmatrix, wie
sie durch klassifikatorische Verdinglichungsansätze des ICD oder des
DSM forciert werden, die Gefahr, »eine einseitige Reduktion des Sozialen
auf das Psychologische« (Caruso 1972,60) vorzunehmen.

Geben wir dem Subjekt der Wissenschaft daher Gestalt und Namen:
Dieser Beitrag wird sich die Figur des Julius Corentin Acquefacques
zunutze machen, wie sie der Comic-Zeichner
Marc-Antoine Mathieu1 als >Gefangenen derTräu-
me< durch eine absurde Welt mehr straucheln
denn einfach nur reisen lässt: Dieser Angestellte
in einem Ministerium für Humor erscheint nicht
nur wie eine Karikatur Jean-Paul Sartres - er erlebt
sich mitden fundamentalen Fragen des Seins,des
Nichts, des Ursprungs, der Individualität, des Dop-
pelgängers, des Spiegelstadiums, des Möbius-
Bandes, des Traums, des Dejä-vu, des Artefakts2 Abb. i

1 'Origine< 1991 (deutsch: Der Ursprung 1992);>LaQu <1991 (deutsch: Die
vierF... 1993); >Le Processus< 1993 (deutsch: Der Wirbel 1994);-Le Debüt de la Fin - La Fin
duDebut< 1995 (deutsch: Der Anfang vom Ende-das Ende vom Anfang 1995); o
33e Dimension 2004 (deutsch: Die 2,333. Dimension 2004).
2 Der Name Acquefacques erweist sich als ebenso lautmalerischer Hinweis

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4 »als es sich . . ob er Gesellschaft entwickeln könnte. . es geht um eine »Reziprozitätsrelation« (Lacan). treibt« = lies auch: »als Es sich/sein Ich ..211)..Modell des temporalen Subjekts S3 und parallel dazu die von Mathieu in seinen Bezügen zu Sartre und Lacan skizzierte Traumwelt dieses Subjekts als imaginäres Modell nachgezeichnet wird.5). bürokratisch regulierte und entsubjektivierende Welt geworfen (Kobbe 2002). 2007a) immer nur in einer asymptotischen auf das Subjekt als Artefakt wie auf die vernunftwidrige Zirkularitat jedes Ur- sprungs des Acquefacques. 1970.intersubjektive Verhältnisse eingebettet sind. Für diesen Zugang zum Subjekt bleibt unter den Gesichtspunkten der Zeitlichkeit und der Subjektivität zu berücksichtigen.Im Folgenden wird daherauf ein psychoanalytisches temporales Subjektmodell. . ob er Psychologie hervorzubringen und anzuwenden imstande wäre« (Kaminski. lies: acque = f(acques) 3 Die Sonderzeichen der lacanianischen Diskusmatheme wurden von Siboni (1997) als kostenloser Download des Fonts >EcritSym< zur Verfügung gestellt.118). Andererseits ist das Jetzt der Gegenwart als Grenze zwischen der .vermeintlich . Bezug genommen werden. Das heißt. 1962. eine Psychologie herauszuarbeiten.Unbeobachtbarem) als »der blinde Fleck« der (Selbst-)Erkenntnis insofern ein Problem des Subjekts. . Die narzisstische Subjektivität der Selbstwahrnehmung ist ein »verzeitlichter Bezug von sich auf den anderen« (Lacan 1945. als es sich vom einen blinden Fleck zum nächsten blinden Fleck treibt4 und sich in dieser Drift seiner >Wahrheit< (Kobbe 2005b. einen doppelten Diskurs zu entwickeln. Entgegen den drohenden VerObjektivierungen des Subjekts und seiner . die das innere Selbsterleben zeitlich strukturiert: »Dieser Bezug des >ich< auf andere als solche muss in jedem kritischen Moment verzeitlicht werden« (Lacan 1945.. Entsprechend wird dieser Essay versuchen. denn »der eine anerkennt sich nur im anderen und entdeckt das ihm eigene Attribut nur in der Äquivalenz der ihnen eigenen Zeit« (Lacan 1945.sprich. »Jede Psychologie müsste sich [hierfür] mindestens auch dieses fragen: ob ihr homo psychologicus lebensfähig wäre. dass beide Aspekte immer in soziale. die die Zeitlichkeit des Subjekts berücksichtigt und seine dynamische Zukunft im Sinne einer Utopie des Noch-Nicht zu entwickeln gestattet.Subjektivität muss versucht werden.nunmehr zeitlos geronnenen . 208). treibt« . konfrontiert und ist auf höchst paradoxe Weise in eine >normale<. wie es in einem >Zurück zu Freud< von Lacan ausgearbeitet wurde. in dem einerseits ein psychoanalytisches . denn: »Der freudianische Mensch bleibt ein homo psychologicus« (Derrida. 106).erinnerbaren Vergangenheit (als Beobachtbarem) und der noch nicht bekannten Zukunft (als mithin - noch .und symbolisches .

Gegenwart. Es entsteht eine rückwärtsgewandte Schleife p' — p. Indem Bedeutung nur durch Differenz der Signifikanten zueinander entsteht.s'. entstehen Verkettungen von Signifikanten (S. Zukunft nicht abgelöst voneinander gedacht werden können. h. Fast lakonisch konstatiert er: »Sobald es signifikante Kette gibt. einem Wort oder Begriff.erst durch die Fähigkeit und die Aktivität des Sprechens konstituiert wird. Abb. 36-37). Da diese zeitlichen Subjektivierungsprozesse in Vergangenheit.. sprich. bei der paradoxerweise der im Diskurs zeitlich frühere Punkt p' erst retroaktiv bei Erreichen von Punkt p geschaffen und Sinn immer nur nachträglich erzeugt wird... eine Retroaktion.. punktierten Stelle (p) am Ende des Satzes ein Rückbezug. »Signifikantenkette« skizziert.als »parletre« (>Sprechwesen<) .. h.. dass der Mensch seine menschliche Natur erst durch die akkulturierende Wirkung der Sprache erhält und als Subjekt . Diese Struktur des Satzes beinhaltet eine Zeitlichkeit und lässt auf der Ebene der Signifikanten >Sinn< einer Aussage erst dadurch entstehen. Signifikante Verhältnisse = Signifikantenverhältnisse Diesbezüglich geht Lacan davon aus. einem Objekt. 2 295 .dass Sprache und Sprechakt durch die Verknüpfung von >Signifikat< (Bezeichnetem).. 514).. gibt es Satz« (Lacan 1958.. die Lacan als »signifikante Kette« bzw. d. d. und >Signifikant< (Bezeichnendes). Unter Bezugnahme auf die sprachtheoretischen Arbeiten von Jacobson und de Saussure verdeutlicht Lacan zunächst.. dieses dominiert: -f-.Bewegung annähern kann (Weber 2000. ausgemacht werden und hierbei der Signifikant (S) über das bezeichnete Signifikat (s) gesetzt wird. dass an einer sog. bedarf es mithin eines fundierten subjektpsychologischen Modells. diese folglich kontinuierlich aufeinander verweisen und miteinander assoziiert sind.S n ) und Signifikaten (s. auf einen vorhergehenden Punkt im Satz (p') erfolgt.s n ).S'.

dass dieser Diskurs »nicht von der konkreten Individualität abgelöst werden kann. als zwar Teile seines Erlebens sprachlich darstellbar sind und so Be- deutung erfahren. so lässt sich für das Subjekt feststellen. )Sprache< hat folglich eine durchaus zwiespältige Funktion (sie!). Entsprechend bezeichnet Lacan dieses Subjekt mit dem Mathem5 S immer als ein gespaltenes oder >barriertes< Subjekt. deren strukturierenden Signifikanten (S) .kindliche .Subjekt stößt mit seinem Begehren zunächst auf die signifikante Kette in Form eines An- deren (Other).werden. Für Lacan impliziert dies. sondern auch durch Sprache insofern gespalten wird. der in einem begehrenden Anspruch des . Betrachtet diesbezüglich man das Verhältnis von Subjekt und Sprache genauer. . konkreter: eines/r mütterlichen Anderen (mOther): »Die 5 Mit dem . andererseits aber zugleich den Zugang zu anderen bzw.299). andere Erlebnisbereiche aber sich sprachlicher Repräsentierung entziehen und als unbewusst deklariert werden müssen. zugleich muss die Ebene des begehrenden Subjekts betrachtet . dass es nicht nur ein sprachlich konstituiertes.aus dem Terminus >Mathematik< und vermutlich dem von Levi-Strauss geprägten Begriff >Mythem< gebildeten . Denn das .. ist die Antwort des anderen. d. dass der Diskurs als »in der Sprache gründendes soziales Band« (Lacan 1972. 607). Mit diesem Zitat wird deutlich. Mithin erweist sich das Subjekt (S) der Sprache . >barriert<.Zugleich bleibtzu beachten. 3 Sprechen suche.bzw.unterstellt: f. Was mich als Subjekt konstituiert.und modellhaft dargestellt . die ihn ausdrückt« (Lacan 1958. h. indem sie einerseits einen sinnhaft-kommunikativen.kindlichen . die den durch Formalisierung erarbeiteten Wissenschaftsstatus der Psychoanalyse garantieren. ist meine Frage« (Lacan 1953. Verweigerung Begehren sondern zu etwas wachzurufen [zu evozieren].Neologismus -v'r r -y^ kennzeichnet Lacan jene im Sinne einer psychoanalytischen Algebra formelhaft festgelegten Symbole. denn: »Die Funktion der Sprache besteht ja nicht darin zu informieren. bewusstseinsfähigen Zugang zu den Objekten der Wahrnehmung garantiert. Das heißt. 26) zu verstehen ist. dass die Signifikantenkette und der Diskurs des Subjekts miteinander interdependent verschränkt sind und sich die Begegnung mit dem Anderen © als begehrende Suche nach einer Antwort auf eben dieser Ebene realisiert.Subjekts und einer immer auch mitunter verneinenden Antwort besteht. Was ich im Abb. allen Objekten verstellt oder beschränkt.

lässt sich er- kennen. Entsprechend wird diese Dynamik von Lacan als »a-temps« . Für das Ich / »moi« (m). i(a). und diese Wirkungen werden durch Rückwirkung [Retroaktion] erzeugt« (Lacan 1958. verbieten- des Bewusstsein unmittelbar entgegengesetzt ist. ein Gesetz. impliziert nicht nur das Wahrnehmen des eigenen Selbstbildes: Es geht um die Imagination eines idealisierten Bildes von sich selbst. ist sein Anspruch.als >Zeit- des-anderen< . Dieses Phänomen nennt er »toumiquet«.4 297 . von dem das Kind abhängig ist und das es zugleich strukturell >trägt<. die hinreichend gute Mutter. sondern dass diese Identitätsbildung ein höchst labi- les Ergebnis zeitigt: So arbeitet Sartre (1952.50).Sprechhandlung hat Wirkungen auf das Begehren des Subjekts. um eine selbst-idolisierende Antizipation.515). im Kontext dieses Essays besser mit >Drehspiegel< übersetzen (Kobbe 2002. das sie artikuliert hat. wobei im homophon anklingenden »attends!« auf den Aspekt des Wartens auf die Zukunft wie den Aspekt der Zukunftserwartung angespielt wird. einer quasi vorweggenommenen Identifikation mit dem anderen a entspringt. wie sehr die Beziehung zur Zeitlichkeit eine ontogenetische Dimension des Subjekts ist.. Abb. die Spiegelfunktion der Beziehung mit ihm. h. ein sprachlich artikuliertes Gesetz. zur Bedürfnisbefriedigung drängenden Gefühl ein reflexives. als Andere/r © immer auch impliziert. was uns kastriert. Bereits das mütterliche >Nein< ist Gesetz.geschrieben. als dem versagen- den Gesetz Unter-worfenes gesellschaftlich instituiert. deren subjektive Logik einem >identifikatorischen Vorauseilen<. das das Kind assujettiert. Was die „good enough mother" (Winnicott). dass dieses nicht nur auf retroaktiven Prozessen der Identifizierung basiert. 2005a) und mit ihm ein Grundschema imaginärer Identitätsbil. Was das begehrende Subjekt lanciert. 238) am Beispiel Jean Genets heraus. ist ein >Nein<. die Vollkommenheit wie Unsterblichkeit suggeriert und jeden Seinsmangel (»manque-ä-etre«) verleugnet. das aus dem Image des anderen. wie dem spontanen. zu lieben« (Schneider 2001. das. Die reziproke Relation zum anderen. was man nur unvollkommen mit >Drehtür<. was uns instituiert. Spiegelfunktionen der Subjektivierung Mit dieser Skizze wird erkennbar. Recht lakonisch konstatiert Legendre: »Wir kommen nicht umhin.d. sprich. eine Verweigerung der totalen Befriedigung des unendlichen Begehrens. im Sinne einer symbolischen Kastration zum Sufo-ye/cf macht. generiert wird.

die Organisation des Ich so auszubauen. die »begann. 504) .ein Phänomen einer subjektiven Welt. Mit dieser Zeitstruktur der Subjektbildung und - strukturierung bleibt jedes Ich eine höchst flüchtige. dass es sich nicht nur mit der prekären Infragestellung seines Seins in dialektischer Opposition zum Nichts mit existentiellen Fra- gen von Leben und Tod auseinandersetzen muss. 208) verweist darauf. zwischen diesem noch nachleuchtenden Erlöschen und jenem aufflackernden Erglühen. von dem Freud (1933. kann Ich .anders und unbewusst . als er sie definitiv entdinglicht.nichts sich selbst [lies: als ein Nichts sein Selbst] im Spiegel sah«. imaginäre und instabile Struktur .und Herpendeln auf das Alternieren von äußerem Spiegelbild und innerem Selbstbild. was gewesen .Erlebtes. als ein (Sinn-)Bild. als er diese Formel mit einer Paraphrase im Imperfekt verdeutlicht: »Da. beinhaltet der Satz die Aussage: >Wo S war. insofern korrigiert. ein Entstehungsmoment und/oder eine Drehpunkt der Psyche. Für das verzeitlichte Subjekt impliziert dies. als .und Abwesenheit im Fort-Da-Spiel (Freud 1920. lässt sich dabei im Französischen unschwer daran erkennen. ähnlich be- wältigten Widerspruch gefolgt sein kann« (Cooper 1973.86) sagt: »Wo Es war. wo es war.werden<. wo Es im Augenblick noch war.indem ich aus meiner Aussage verschwinde . einer falschen Einheit. soll Es zur Sprache kommend sich seiner bewusst . 801). 12-15).und Herpendeln von einer Po- sition zu ihrem Gegenteil ruft den Anschein von Identität hervor. muss ich ankommen« und akzentuiert das bereits bei Freud enthaltene >Dejä- vecu< als ein schon . 83-84).86). dass Lacan mit dieser Übersetzung die Forderung an das Subjekt (und an die Psychoanalyse). wo Es gerade noch war.so Wheeler (N0rretranders 1994. Mit dieser oszillierenden Dynamik verweist das Hin.mithin ein anderes Ich . Langlitz (2005. Anders gelesen. dass dieser große Ankleidespiegel sonst als »psyche« be- zeichnet wird. von Erkennen (»me connaffre«) und Verkennen (»meconnaTtre«) im Spiegel des anderen. Ursprüngliche Verspätung Auf diese Weise strukturiert das begründende Sprechen des Subjekts »antizipatorisch-entwerfend das Bedeutsame dessen. vielmehr hat dieses Subjekt zugleich einen Entwicklungsauftrag.zum Sein kommen« (Lacan 1960.524) umgeschrieben in die Forderung »Dort. von An. soll Ich werden«.düng verstehen kann: »Schnelles Hin. Diese Formel jedoch wird von Lacan (l 957. Die Flüchtigkeit dieses Prozesses hebt er wenig später noch einmal hervor. Dass dieser Drehspiegel identitätsbildend ist und in enger Beziehung zum Psychischen steht. von Vergangenheit und Gegenwart in Erinnerung und Wiederholung. »dass es sich neue Stücke des Es aneignen kann« (Freud 1933. die augenblicklich von einem weiteren.

In dieser temporalen Logik muss bzw. dass das Unbewusste in seinen Konkretionen jemals vollständig aufgehen kann.19). am Anfang stehe letztlich eine Wiederholung bzw.und makellosen Perfektion ist. dass Gegenwart zur gleichen Zeit immer sowohl >schon vergangene< als auch >noch zukünftige< Gegenwart ist. bei der das Wiederholte so nie stattgefunden habe bzw. das von Derrida als Paradoxon einer ursprünglichen Verspätung. weil die Gegenwart von ihrem Ursprung an gegen sich selbst verspätet ist. ist ein Paradoxon.ausgearbeitet wurde: Derrida macht darauf aufmerksam. bedarf es der Vergangenheitsform als besonderer Zeitlichkeit des Unbewussten.Es ist gerade dieser Bruch. dass also sowohl Vergangenheit in ihr einbehalten als auch Zukunft in ihr angekündigt wird und dass sich damit die Gegenwart in einer Art Ungleichzeitigkeit mit sich selbst befindet. der verhindert. um sich (s)eine Bedeutung zu erschließen und über diesen Prozess zu vergegenwärtigen.Antizipation einer . nimmt Gestalt an und hört damit zugleich auf. eine Repräsentation. Indem Gegenwart nur unter der Bedingung gegenwärtig istdass sie sich auf eine Abwesenheit (derVergangenheitund/oderderZukunft) bezieht und so von dieser unterscheidet. 209). als Phänomen einer »differance«. Was mit diesem Entwicklungsschicksal thematisiert wird.ist« (Widmer 1990. Entsprechend formuliert Derrida (1976. auf die jene Repräsentation beziehe. 2003). zwischen Nichtsein und Sein erwächst. 299 .im Deutschen >Differänz<6 . nie existiert habe.ersten öffentlichen Vorstellung. die aus der Spannung zwischen beiden Polen der Zeitlichkeit. wird so immer wiederhergestellt und aufrechterhalten« (Langlitz 2005. Unbewussteszusein. 6 Derrida bezieht sich mit dieser Wortneuschöpfung auf das gleichlautende »clif ference« (Differenz) und bildet in homophoner Variation »differance« (Differänz). Seine Produktivkraft.eine illusorisch- fixe Idee der mangel. In der Konsequenz bedeutet diese temporalisierende Umschrift des Freudschen Imperativs: »Mit seiner Realisierung tritt das Unbewusste aus der atemporalen Virtualität in die Zeit ein. indem Erinnerung die Vergangenheit nicht nur umschreibt. Synchronie und Diachronie. die der Premiere vorhergeht: Sie ist eine der ersten öffentlichen Vorstellung vorausliegende und zuvorkommende Reproduktion dieser . Die durch diese Differänz erzeugte Geschichte (des Subjekts) existiert also. sondern ihm überhaupt erst (s)eine Bedeutung verleiht.der sich beim Übergang von der Synchronie zur Diachronie ereignet. die Präsentation. dass die selbstidealisierende Idee der Vollständigkeit und Unsterblichkeit ein narzisstisch stabilisierendes Phantasma des Perfektums. kann der Ursprung als eine Wiederholung im Sinne eine Probe verstanden werden.

. die analog zum >Dejä-vecu< auch Aspekte eines >Dejä-vu< aufweisen. a. 16) bedarf eines »paro- dierten Ich« in Person des Julius Corentin Acquefac- ques. wie sie sich bei dem von Sartre unterstützten und geförderten Schriftsteller und Kriminellen Jean Genet findet: »Ich habe beschlossen. sondern dass damit Doppelungen stattfinden. den das Verbrechen aus mir gemacht hat« (Raddatz 1980. soll ich ankommen« greift Lacan eine klassische Aussage auf.im »[zukünftig der 7 Herr Dalenvert = Wortspiel. 6 die Präsentation.und zugleich in die Zukunft weisenden Formel »Wo es war.im »gemacht hat« . Diese dialektische Spiegel-Metapher enthält zwei charakteristische Zeiten: Einmal . darin. Die Absur- dität besteht u. Mit seiner auf Freud zurück. an die die Repräsentation erinnert. das sich »d'ä l'envers« lesen lässt und sinngemäß etwa zu übersetzen ist mit >Herr Verkehrtherum< oder >Herr Gegen-den-Uhrzeigersinn<.die Zeitform der abgeschlossenen Vergangenheit. 83). nicht nur nicht stattgefunden hat und dass der Ursprung sich als lediglich Wiederholung erweist. Abb. zum anderen . dass Abb. [der] zu sein. 5 Diese existentielle »menschli- che Ohnmacht angesichts ei- nes rätselhaften Universums« (Herr Dalenvert 7 in Mathieu 1999. dem >Der Ursprung< der Titel [die Überschrift / die Schlagzeile] einer absurden Geschichte zu sein scheint (Mathieu 1999.18).

geworden] zu sein« . 226-227). nämlich aktuell bewusst zu erinnern und sich auseinander zu setzen. Mit diesem Modell lässt die zeitliche Struktur des Subjekts entlang der psychoanalytischen Paradigmas bei Freud weiterentwickeln (Kobbe 2004. weil es nicht mehr ist. so dass es für das Subjekt weniger um das Woher seiner Ab-kunft geht. 856) . 2007b).induzierter Mangel. perfektum]. »ist nicht die bestimmte Vergangenheit dessen. zu übersetzen wäre.die der vollendeten Zukunft: Was sich dabei in der (Lebens-)Geschichte des konkreten Subjekts verwirklicht. in Zukunft der zu werden. was war. das in dem. Enthalten ist diese existenzbestimmende Zeitform bereits in der ontologischen Problematik des Seinsmangels. futurum exactum] dessen. der wörtlich als >zu wesender Mangek als ein in der Unterwerfung unter die symbolische Ordnung . den die eigene Lebensgeschichte unbewusst aus ihm gemacht hat. 7 Um das Paradoxon einer immer schon >da< seienden Vor-Zukunft. Anstelle einer auf der abgeschlossenen Vergangenheit basieren- den Zeitlichkeit des bewussten Subjekts entwickelt Lacan (1965. konzipiert dieses Modell eine dialektisch-prozesshafte Identität des rückbezüglichen Er- lebens und des sich erinnernden Denkens. um der werden zu können. Doch erweist sich dieser nie abgeschlossene Bezug zur Vergangenheit als in praxi auf die Zukunft gerichtet (Gondek 1996. was ich bin. aber eben noch nicht realisierten Existenz anders zu formulieren: Für den Einzelnen geht es darum.nachträglich und rückwirkend . den die Vergangenheit aus ihm gemacht hat.300). als mehr um das Wohin einer Zu- kunft. noch ist es die abgeschlossene Vergangenheit [zweite Vergangenheit. Im Gegensatz zu abgeschlossen-statischen Zuständen einer Geschichtlichkeit des Subjekts. sich aktuell zu vergegenwärtigen. gewesen ist. dessen. was ich für das gewesen sein werde. das zu werden ich im Begriff stehe« (Lacan 1953. wie sie beispielsweise in statisch- deskriptiven Beurteilungskriterien Anwendung finden. Abb. sondern die vollendete Zukunft [zweite Zukunft.

seiner Geschichte habhaft zu werden. sondern die Art und Weise. das »durch kein Den- ken je ganz er-innert werden kann« (Weber 1978. Antizipierte Nachträglichkeit Dies bedeutet keineswegs. Der Bezug auf die bei Husserl angelegte. existiert subjektiv offensichtlich kein linearer Zeitbegriff: Bedeutsam sind nicht die realen Abfolgen oder Abläufe von Ereignissen.Dies »nicht.Korrektur des bisherigen. Indem Zeit auch >umgekehrt< ablaufend als Nachträglichkeit und als Vorwegnahme erlebt werden kann. einer . In diesem Sinne arbeitet sich jedes Subjekt an einer Art >Zeitschleife< (Zizek) ab. die der beweglichen Struktur des Unbewussten adäquater ist (Weber 1978. wie diese vom Subjekt als »gegenwärtige Synthese Vergangenheit« erinnert und »in der Gegenwart historisiert« werden (Lacan 1954).weil es immer noch eine Zukunft geben wird. »gespaltene und gespannte« Zeit ersetzt. das den Charakter einer >antizipierten Nachträglichkeit in sich birgt und den Charakter einer >Konjektur<. dass ein Symptom als vermeintliche »Wiederkehr des Verdrängten« seine Bedeutung mitunter nicht als verdrängtes Trauma der Vergangenheit erhält. Vielmehr handelt es sich um ein unbewusstes Angebot . 13) und eine intrapsychische Struktur als relativ festen systemischen Zu- stand konzipiert.annimmt. den fließenden Zeitbegriff durch eine andersartige. sondern weil jeder Versuch des Subjekts. 12).und Erinnerungsgebot . (durch) seine - .12). diese aufspalten muss in eine Vergangenheit. sondern führt zugleich zu erkenntnistheoretischen Fundierungen von >Differänz< und >ldentität<. die ihm immer noch bevorsteht. oder genauer: bevorgestanden haben wird. Damit setzt diese Zeitstruktur des temporalen Subjekts »an die Stelle der abgeschlossenen Vollendung des Immer-schon-ge- wesen-Seins« die paradoxe Vorstellung einer unabschließbaren Vollen- dung des Immer-schon-gewesen-Sein-Werdens.des Subjekts an sich selbst.mutmaßlich besseren . Demnach bestimmt sich die lebendige Gegenwart (Husserl) des Subjekts als ein Brennpunkt. von Derrida ausgearbeitete Phänomenologie der Geschichte beinhaltet nicht nur einen ebenso gesellschaftlich-histo- rischen wie individuell-lebensgeschichtlichen Aspekt. sondern auch impliziert. sondern »seinen Wert erst in der Zukunft. dass Gegenwart und Zukunft des Subjekts deterministisch im Erinnern der Vergangenheit vorweggenommen wurden.das Konzept einer subjektlogischen Zeit. die als intersubjektive Zeitlich- keit »das menschliche Handeln strukturiert«. die nicht nur eine existentiell fundierende Struktur des Unbewussten darstellt. die vom Subjekt nie ganz einzuholen sei. durch seine symbolische Realisierung. dessen Wirklichkeit nur eine antizipierte Nachträglichkeit sein kann« (Weber 1978. unabgeschlossenen Lebensentwurfs.

aus der Vergangenheit herrührt. sondern erst peu ä peu konstruiert. als werde durch Wiederholen und Erinnern immer früheres Gedächtnismaterial reproduziert.9). die aber nicht schon im vorhinein in der Tiefe des Unbewussten auf uns wartet. so dass sich der Sinn der aktuellen Symptome durch Rückgang auf ihre Ursachen allmählich aufklären ließe. sondern erst am Ende eines psychoana- lytischen Prozesses konstruiert sein wird« (Zizek 1999. dass die Konsistenz der Arithmetik nicht durch einen meta-mathematischen Beweis. der sich innerhalb des arithmetischen Formalismus bewiesen ließe. Charakterisierbar ist dieses Unbewusste durch eine Form »temporalen Pulsierens«. das als Bewegung mit den Gesetzlichkeiten der Wiederholung und des Begehrens zusammenhängt (Lacan 1964a. Wenngleich es so scheint. das Frag- ment einer Wahrheit. produziert statt re-produziert.251). sprich. 161). Das heißt. Zugleich dient die Figur des Möbius-Bandes auch zur Veranschaulichung der Bedeutung des Gödelschen Theorems für das Verständnis des Subjekts: Gödel hatte aufgezeigt. Demonstrieren ließe sich diese Dynamik am Beispiel des so genannten >Möbius-Bandes<. Abb. das als Anschauungsmodell der vermeintlich abgrenzbaren Dimensionen des Bewussten und des Unbewussten dienen kann. Analog zu dieser Beweisführung spricht Lacan .Integration in die Geschichte des Subjekts annehmen wird« (Lacan 1954. 251) zufolge keineswegs. etabliert werden kann. sondern aus der Zukunft. wie Freud suggeriert. dass die Wiederkehr des Verdrängten Lacan (1954. 8 Mit diesem Entwurf wird deutlich. »das Symptom stellt eine verstümmelte. wird dieser Sinn in Wirklichkeit nicht aufgedeckt. verzerrte Spur dar.

192). Grafisch und mathematisch lässt sich diese (Denk-)Figur mit Mathieu (l 995. um den ganzen Streifen abzufahren« (Evans 2002. wenn man so sagen kann. mit der der fluktuierende oder pulsierende Zusammenhang des Bewussten und Unbewussten veranschaulich werden kann. tatsächlich aber nur eine Seite . entsteht eine alternierende Dynamik. Sie unterscheiden sich nur durch die Dimension der Zeit. doch »fährt man aber über den ganzen Streifen. Je nachdem.226). zeigt sich. in innerem Ausschluss seinem Objekt eingeschlossen« (Lacan 1965. das durch ein zeitliches >fading< aufklaffende Loch im Subjekt zu »suturieren« (Lacan).hinsichtlich der modernen Logik von dem Versuch. zu vernähen oder zu plombieren (Metzger 1979/80. weshalb mit der Charakterisierung einer »inneren Acht« das Möbius-Band als »topologischer Index« des Subjektmodus eingeführt wird: »Das Subjekt ist. 13). dass die beiden Seiten in Wirklichkeit zusammenhängen. 9 Bereits die Figur des Möbiusbandes >untergräbt< unsere gewohnte Vor- stellung des euklidischen (= zwei.und nur eine Kante .aufweisend. welche >Seite< in den Vordergrund tritt. bleibt die Frage nach den Charakteristika eines in sich paradoxen :: .Wiederholen Wenn bereits mehrfach von Wiederholen« und >Erinnern< die Rede war.11) wie folgt darstellen: Abb. Erinnern . Das Subjekt der psychoanalytischen Theorie bleibe daher »ein antinomi- sches Korrelat der Wissenschaft«. durch die Dauer.oder dreidimensionalen) Raums: Scheinbar aus zwei Seiten bestehend. können zwar an jedem Punkt des Bandes zwei Seiten unterschieden werden. sprich. die nötig ist.

17) wie folgt kommentiert: »Freud ordnete das Unbewusste der Vergangenheit zu. Bezüglich dieser sehr schematischen Gegenüberstellung von Freud und Lacan macht Langlitz (2005. Dieses Erinnern ist immer eine Erinnerung an die symbolische Geschich- te des Subjekts. strukturiert sie doch antizipierend- entwerfend das Bedeutsame dessen. Das hieraus her- vorgehende Verständnis der Zeitlichkeit des Unbewussten wird von Wid- mer (1990. das von früheren Wiederholungen abweicht.124-125) auf den Essay von Kierkegaard (1843) zur Wiederholung rekurriert. wobei es im Gegenteil den sehr lebhaften Eindruck habe. was gewesen ist«. sondern immer auch etwas hervorbringt. wird nach rückwärts wiederholt. so dass Lacan (1955. <Wiederholen< und >Erinnern< seien »dieselbe Bewegung. während Lacan das Unbewusste qua Nichtrealisiertes als nie versiegende Quelle symbolischer Schöpfungen verstand. dessen Fortschritte nur auf dem »Weg einer hartnäckigen Wiederholung« errungen werden können (Langlitz 2005. sondern darin. Lacan setzt mit Bezug auf Kierkegaard >Erinnerung< und >Wiederholung< in Opposition zueinander. dass der Unterschied von Freud und Lacan nicht darin bestehe. ist gewesen. Denn was da erinnert wird. das Subjekt wiederhole alte Erfahrungen. 7). dass die Vorzukunft die eigentliche Zeitform des Unbewussten ist. und >Wiederholung< als Er- innerung nach vorn< niemals ganz Dasselbe reproduziert.627). Die klassische Definition von >Wiederholung< lautet.Prozesses. dass es sich um etwas ausschließlich durch das Hier-und-Jetzt Motiviertes handle (Laplanche & Pontalis 1973. Diese konservative Begriffsauffassung kann jedoch den Implikationen des temporalisierenden Subjektmodells nicht mehr genügen. dass Freud in der Bestimmung durch das Unbewusste ein Übel sah. Lacan zeigte.d. neu (Re-)Produziertes also.ausschließlich im konkreten Diskurs der Sprache 305 . nur in entgegengesetzter Richtung.. es also gegen Freud geradezu zur transzendentalen Bedingung der Möglichkeit des Neuen in der Welt machte«. Dort heißt es. ohne sich des Vorbildes zu erinnern. Erinnerung ist dementsprechend nur im Symbolischen. das sich als in die signifi- kante Kette eingetragen erweist. etwas Neues.h. indem >Erinnerung< sich auf Gewesenes bezieht. des Vergessens und der Wiederkehr des Verdrängten darauf aufmerksam. das nicht mehr zu ändern ist.212) dann allerdings anhand einer Untersuchung zur Funktion des Erinnerns. wohingegen die eigentliche Wiederholung nach vorwärts erinnert« (Kierkegaard 1843. »dass es dem einen um die Vergangenheit und dem anderen um die Zukunft zu tun war. 210). das zu ständigen Wiederholungen des Vergangenen zwingt und in der Zukunft nichts Neues zulässt. da diese historische Verkettung der Ereignisse als ein Erinnerbares und Erinnertes zu verstehen ist.

214-216). jede imaginierte Abwesenheit einer Zukunft als in der »absence« (Absenz / Abwesenheit) enthaltener »ab-sens« (Nicht- Sinn / Sinnlosigkeit) konsequenterweise Bedeutung für die Gegenwart •_- . Auch insofern ist eine lebendige Gegenwart des Subjekts nur in der vor- weggenommenen Nachträglichkeit möglich. wobei dieses akusti- sche Sprachbild noch der Entziffe- rung durch das Subjekt bedarf. Zu- gleich impliziert Sprache . von Kon- sumgütern). muss dieses in eine Sprachbeziehung eintreten und diese symbolische InterSubjektivität narrativ begründen.aneignet und die diese (Re-)lntrojektion als symbolischen Prozess. dass jedes antizipierte Fehlen. dass das Subjekt die gerade im Vollzug anzu- treffende >lnterpassivität< des Konsums (von Medienereignissen. als symbolisch-identifikatorische Introjektion des Sprechens des anderen realisiert: »Das Subjekt muss das ihm Fremde voraus-setzen. Zeitschleifen des Fort-Do Für das Subjekt impliziert dieses >Gefängnis< der Zeitschleife. der Festle- gung intersubjektiver Regeln et cetera . die sich die Vorstellung der eigenen Alterität imaginativ.wieder-an-erken- nend . projektiv-identifikatorisch . zu dem das Delikt das jeweilige Subjekt gemacht hat. der sowohl dem sprechenden Adressenten wie dem angesprochenen Adressaten seine Rolle zuweist. keinen Ur-sprung mehr er-trägt« (Tholen 1986. Für das konkre- te Subjekt geht es mithin darum.137).immer auch eine >Anrufung< des Gegenüber und auf- grund der sozialen Gesetzes des Tauschs eine Art symbolischen Vertrag. der passiven Beobachtung. Voraussetzung hierfür ist. Um also der zu werden.eingeht (Zizek 1999. der. des Selbstmitleids usw.der aktiven Beteiligung. möglich.jenseits Abb. sich im Sprechen erinnernd zu kon- textualisieren und eine Art >Lust an der Narration< zu entwickeln. als Sprung. aufgibt und eine tatsächliche Interaktivität . also einen Satz machen. 10 ihrer Funktion zur Übermittlung von Informationen .

die Vorstellung einer imaginären Lebensperspektive im Sinne einer . 1986.möglicherweise unrealistischen - Projektion des Selbst aus der zur Vergangenheit werdenden Gegenwart in die Zukunft.der Lebensangst vor dem dennoch anerkannten.hat. indem es • um das Verschwinden und (Wieder-)Erscheinen der Dinge. sondern um das Ortlose des Zeitlosen in der pulsierende An. Wenn in der Ab-Wesenheit (»afo-sence«) realer Zukunft auch in deren Sinnlosigkeit (»ob-sens«) enthalten und andererseits Sinn nur in seiner Referenz. denn »ohne Zukunftsentwurf bleibt die Vergangenheit uninteres- sant. an dem zu arbeiten. 31).Wenn dies nicht zur (Selbst-)Aufgabe geraten soll.Wiederholung eines Beginns geht. so geht es in der utopischen Gegenbewegung nicht um eine perma- nente Präsenz von Lebenssinn und Hoffnung. aufgeschobenen Tod als »der stärksten Nicht- Utopie« (Bloch 1973. um sich in Erwartung einer antizipatorisch trotz alledem existierenden Zukunft in die Gegen- wart einschreiben zu können. hat das Subjekt keinen Anlass. 1297-1391).zeitlich . • um das aktuell Präsente und abwesend Repräsentierte. • um eine nicht-lineare Nachträglichkeit der . eines quasi vorbewussten Zurückdrängens-mitnichten Verneinens. muss es wie alles psychische Geschehen vom Unbewussten seinen Ausgang nehmen. an dem sich die regressive Archaik des Unbewussten in produktiver 307 . lässt sich eine Position gewinnen. bei der sich >Lust< als eine Art innerer Organisator erweist und sich als eine Art >Bifurkation< in das topographische Modell des Spiels einschreibt. Wo aber ist der Punkt zu suchen. 190) . Doch nur auf der Grundlage dieses utopischen >Noch- Nicht<.vorwegnehmen- den Setzung einer Hoffnung auf Zukunftschance. bedarf es folglich für eine aktive Erinnerungsarbeit.64-65). die einen hinreichenden Zukunftsentwurf ermöglicht: »Wenn es Noch- Nicht-Bewusstes gibt. • um die Lust an der Anwesenheit wie an der Abwesenheit. dem Nicht-Sinn.einer surrealistischen Montage gleichenden (Lacan 1964.Verleugnens oder Verwerfens .und Ab-Wesenheit der Zukunfts- perspektiven. sprich. Verdrängens. eine engagierte (Re-)Konstruktion der eigenen Ge- schichte der impliziten Voraus-Setzung. Voraus-Setzung für derartiges Arbeiten ist unter anderem die Antizipation einer Zukunft. begründet ist. Dieses fluktuierende Zusammenspiel von (Selbst-)Wahr- nehmung und Erinnerung mit Aspekten der Wiederholung trägt Züge des so genannten Fort-Da-Spiels (Freud 1920): »Das Zusammenspiel von Erinnerung und Wahrnehmung verhält sich zur Vorstellung wie die Züge des Fort-Da-Spiels zu seiner kompletten Gestalt« (Hombach. der . woran es stek- ken geblieben ist in seiner Geschichte« (Widmer 1990.

9 Möbius-Schleife. Quelle: Mathieu (l 992. Quelle: Lacan (l 998. 359).oder Unmittelbarkeitsforderung des Be- gehrens noch die asketische Form des . Mathieu (l 993. 27) Abb. Quelle: Lacan (1958. weil die in diesem Kontext letztlich vollzugsbedingte »Beschränkung in der Möglichkeit des Genusses [..Vorbewusstes .) Wo gibt es utopische Momente im Unbewussten selber?« (Gekle 1986. den Schmerz des Verlustes auszuhalten« (Gekle 1986.. Quelle: Mathieu (l 995. Quelle: Mathieu(l 992. 11 skizziert wurden. 5 Der Ursprung.166-167). Die Bezeichnung des U-topi- schen. 2 Schema der Retroaktion des Signifikanten. Quelle: Mathieu (l 992. wie sie ursprünglich bei Freud Abb.514) Abb.Unbewus- stes) und >zweite Topik< (Ich . 7 Asymptotische Zeitschleife (eigener Entwurf) Abb. 10 Fenster der Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft...11) Abb. Quelle: Mathieu (2000. 23) . 27) Abb.Gestaltung von Neuem umsetzt? (.mitunter resignativen -Verzichts ermöglichen eine aktive Bewältigungsmöglichkeit des Mangels zu sein: »Wer den Augenblick gewinnen will. eröffnet Perspektiven auf die Konstitution des Subjekts. 38) Abb. sprich. 8 Beobachter der Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft. 4 Durchquerung des Spiegels.3) Abb. um zu einer imaginativen Utopie des Noch-Nicht zu gelangen. 25) Abb. Abbildungen Abb.11) Abb. 68) Abb. Quelle: Mathieu (1992. von nicht-topo- graphischen Eigenschaften SlE SiNP POCH NiCHT des Unbewussten verweist ETWA EiM. die deutlich über die so genann- te >erste Topik< (Bewusstes . muss die Kraft haben.Über-lch .] dessen Kostbarkeit« erhöht (Freud 1915. UTOPIST? auf dessen zeitliche Struktur. Weder das Wunschdenken einer Maximal. 1 Julius Corentin Acquefacques. Quelle. 3 Schema des Anspruch und der Verweigerung... Gefangen in dieser zeitlichen Schleife kann die wahrgenommene und antizipierte La- bilität und Zeitlichkeit des Selbst im Sinne einer >List der Vernunft< so als ein aktueller »Seltenheitswert der Zeit« erlebt werden.Es) hinausgehen. Quelle: Mathieu (2000. 6 Dejä-vu. 70). 11 Utopist.

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