Personalmarketing

In jedem von uns steckt ein Superheld. Welcher genau, das soll eine neue Typologie ermitteln, die ein
Recruiting-Experte und eine Kreative aus Hamburg entwickelt haben. Das Verfahren soll Menschen
helfen, die für sie geeignete Arbeitsform zu finden. Ob Superheldentraining.de allerdings für ein
Matchingverfahren taugt, ist derzeit noch fraglich
Text: Raoul Fischer

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sind, welche Rolle wir in unserem Leben suchen, welche Form
der Arbeit wir bevorzugen. Oder mit den Typen von Superhel­
dentraining gesagt: Sind wir Unternehmer, Maker, Kämpfer
oder Helfer?

Erkenne dich selbst!
Die Typologie soll Menschen dazu verhelfen, zu sich selbst zu
finden. Doch taugt der Ansatz auch dazu, im Rahmen eines
Recruiting-Prozesses den passenden Mitarbeiter zu finden,
der gut in ein Team passt und es durch seinen Charakter
­optimal ergänzt? Bisher nutzen Unternehmen das Verfahren
im Rahmen moderierter Workshops, um TeambuildingMaßnahmen zu gestalten. Dabei kann der Einzelne erfahren,
welche Rolle er in einer Mannschaft und im Unternehmen
ausfüllen kann und will. Um das festzustellen, haben Ast und
Arntzen einen Katalog von 40 Aussagen entwickelt, zu denen
LEAD digital 03_2016

FOTOS: Shutterstock; Unternehmen

inmal die Welt retten. Wie Superman, Batman, The
Flash oder Hal Jordan (The Green Lantern) mit enor­
men Kräften versehen Gutes tun. Wer hat sich nicht
als Kind einmal in diese Welten hineingeträumt. Als
­Erwachsener, gebremst durch die normative Kraft des Fak­
tischen, erlaubt man sich derlei Tagträume weniger und
befriedigt höchstens noch im Kino die Sehnsucht nach den
Kräften des Guten, die am Ende fast immer über das Böse
siegen – heute beeindruckend inszeniert in 3D.
Dabei schlummert in jedem von uns ein Superheld. Davon
sind Jörn Hendrik Ast und Inken Arntzen überzeugt. Die
­beiden haben das Konzept für Superheldentraining.de ent­
wickelt. Das Ziel: In Menschen das wecken, was in ihnen
steckt. Doch bevor jetzt irgendjemand versucht, im FaschingsSuperman-Kostüm in der Garage den eigenen PKW anzu­
heben: Hier geht es darum zu entdecken, welcher Typ wir

Probanden Stellung beziehen. Auf der Website
http://www.superheldentraining.de kann jeder
kostenlos den Selbsttest machen und sich seine
eigene Superhelden-Auswertung holen. Die
kommt ein paar Tage später per Mail und liefert
den individuellen, anhand einer Punktzahl be­
rechneten Karrieresuperheldentypen nebst
Schlagworten und Aussagen, die diesen treffend
beschreiben sollen. So möchten Ast und Arnt­
zen einerseits die Orientierung erleichtern, an­
dererseits Menschen dazu motivieren, das zu
tun, was sie wirklich wollen. „Es geht um die
Frage: Was soll ich aus meinem Arbeitsleben
Helfer
machen?“, erklärt Jörn Hendrik Ast. Und betont,
Socialpreneure
Startup-Founder
Makermeister
Fightercoaches
dass diese Lebensentwürfe „fluide“ sind. Bedeu­
Aktivisten
Solopreneure
Freelancer
Freie Berater
tet: Wenn ich heute ein Kämpfer bin, kann ich
Helferkollegen
Intrapreneure
Waker
Auftragskämpfer
morgen schon ein Unternehmer sein. Es geht
Teilzeithelfer
Sidepreneure
Teilzeitmaker
Aussteiger
also darum, im Moment das Richtige zu tun.
Manche Experten sind da allerdings eher
skeptisch. Joachim Diercks, Geschäftsführer
von Cyquest und Blogger (recruitainment.de), hält den An­ Den beiden Machern ging es mit Superheldentraining.de we­
satz mit Blick auf Eignungsdiagnostik für eher dünn, für nur niger um ein neues Geschäftsmodell. Das Ziel besteht darin,
eingeschränkt tragfähig aus wissenschaftlicher Perspektive. Menschen Mut zu machen, die für sie passende Rolle zu fin­
Ihm fehlt die empirische Unterfütterung, zudem vermisst er den – und dafür auch Brüche in der eigenen Karriere in Kauf
die Orientierung an festgelegten Gütekriterien, die im Rah­ zu nehmen. Fluide Karriere eben. Nicht zuletzt darum steht
men von Eignungstests für Bewerber wichtig sind. „Als der Test kostenlos im Web. „Wir wollten das für die Menschen
­Superhelden-Training im Rahmen eines moderierten Work­ machen“, erklärt Jörn Hendrik Ast. Ein bisschen Superman
shops funktioniert der Ansatz“, ist Diercks überzeugt. Hier steckt eben auch in ihm und seiner Kollegin.
würden vom Trainer und der Gruppe Übersetzung und Inter­
pretation mitgeliefert. Als Selfservice-Tool hält Diercks den
Ansatz für wenig geeignet und im Rahmen eines automati­
sierten Prozesses mit Blick auf Matching für schwierig.
Präferenzen mit Blick auf Arbeitsformen

Keine Angst vor radikalen Brüchen
Also nichts mit einem schönen neuen Matching-Verfahren,
um die Kandidaten-Auswahl zu steuern. Aber immerhin ein
klasse Tool, um sich selbst und Kolleginnen und Kollegen
besser kennenzulernen. Und nicht zuletzt – es macht einfach
Spaß. Den beiden Machern, Ast und Arntzen, liefert die Fülle
der ausgefüllten Superheldentraining-Tests zudem einige in­
teressante Erkenntnisse, die die beiden im Rahmen des
Booklets Die fluide Karriere aufgearbeitet haben. Einige
­davon haben sie auch in Charts zusammengefasst. Die Stich­
probe ist zwar wenig repräsentativ: Die Anzahl der Frauen
überwiegt mit 70 Prozent, das Alter lag im Durchschnitt bei
33 Jahren und die neuen progressiven digitalen Berufe finden
sich häufig wieder. Allerdings bestätigt sich gerade in dieser
Zielgruppe ein Trend, der auch auf andere Berufe übergreifen
könnte (siehe Grafik rechts): Führung und Festanstellung
sind hier weniger gefragt als Selbstständigkeit und Teilzeit.
LEAD digital 03_2016

100%

Männer

Frauen

75%

50%

25%

0%
Quelle: Superheldentraining.de 2016, n=506

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