Sie sind auf Seite 1von 2

FOTOS: Shutterstock; Unternehmen

FOTOS: Shutterstock; Unternehmen Personalmarketing In jedem von uns steckt ein Superheld. Welcher genau, das soll eine

Personalmarketing

FOTOS: Shutterstock; Unternehmen Personalmarketing In jedem von uns steckt ein Superheld. Welcher genau, das soll eine

In jedem von uns steckt ein Superheld. Welcher genau, das soll eine neue Typologie ermitteln, die ein Recruiting-Experte und eine Kreative aus Hamburg entwickelt haben. Das Verfahren soll Menschen helfen, die für sie geeignete Arbeitsform zu finden. Ob Superheldentraining.de allerdings für ein Matchingverfahren taugt, ist derzeit noch fraglich

58

TexT: Raoul FischeR

taugt, ist derzeit noch fraglich 58 TexT: Raoul FischeR inmal die Welt retten. Wie Superman, Batman,

inmal die Welt retten. Wie Superman, Batman, The Flash oder Hal Jordan (The Green Lantern) mit enor­ men Kräften versehen Gutes tun. Wer hat sich nicht als Kind einmal in diese Welten hineingeträumt. Als Erwachsener, gebremst durch die normative Kraft des Fak­ tischen, erlaubt man sich derlei Tagträume weniger und befriedigt höchstens noch im Kino die Sehnsucht nach den Kräften des Guten, die am Ende fast immer über das Böse siegen – heute beeindruckend inszeniert in 3D. Dabei schlummert in jedem von uns ein Superheld. Davon sind Jörn Hendrik Ast und Inken Arntzen überzeugt. Die beiden haben das Konzept für Superheldentraining.de ent­ wickelt. Das Ziel: In Menschen das wecken, was in ihnen steckt. Doch bevor jetzt irgendjemand versucht, im Faschings­ Superman­Kostüm in der Garage den eigenen PKW anzu­ heben: Hier geht es darum zu entdecken, welcher Typ wir

sind, welche Rolle wir in unserem Leben suchen, welche Form der Arbeit wir bevorzugen. Oder mit den Typen von Superhel­ dentraining gesagt: Sind wir Unternehmer, Maker, Kämpfer oder Helfer?

ErkEnnE dich sElbst!

Die Typologie soll Menschen dazu verhelfen, zu sich selbst zu finden. Doch taugt der Ansatz auch dazu, im Rahmen eines Recruiting­Prozesses den passenden Mitarbeiter zu finden, der gut in ein Team passt und es durch seinen Charakter optimal ergänzt? Bisher nutzen Unternehmen das Verfahren im Rahmen moderierter Workshops, um Teambuilding­ Maßnahmen zu gestalten. Dabei kann der Einzelne erfahren, welche Rolle er in einer Mannschaft und im Unternehmen ausfüllen kann und will. Um das festzustellen, haben Ast und Arntzen einen Katalog von 40 Aussagen entwickelt, zu denen

LEAD digital

will. Um das festzustellen, haben Ast und Arntzen einen Katalog von 40 Aussagen entwickelt, zu denen

03_2016

Probanden Stellung beziehen. Auf der Website http://www.superheldentraining.de kann jeder kostenlos den Selbsttest machen

Probanden Stellung beziehen. Auf der Website http://www.superheldentraining.de kann jeder kostenlos den Selbsttest machen und sich seine eigene Superhelden­Auswertung holen. Die kommt ein paar Tage später per Mail und liefert den individuellen, anhand einer Punktzahl be­ rechneten Karrieresuperheldentypen nebst Schlagworten und Aussagen, die diesen treffend beschreiben sollen. So möchten Ast und Arnt­ zen einerseits die Orientierung erleichtern, an­ dererseits Menschen dazu motivieren, das zu tun, was sie wirklich wollen. „Es geht um die Frage: Was soll ich aus meinem Arbeitsleben machen?“, erklärt Jörn Hendrik Ast. Und betont, dass diese Lebensentwürfe „fluide“ sind. Bedeu­ tet: Wenn ich heute ein Kämpfer bin, kann ich morgen schon ein Unternehmer sein. Es geht also darum, im Moment das Richtige zu tun.

Manche Experten sind da allerdings eher skeptisch. Joachim Diercks, Geschäftsführer von Cyquest und Blogger (recruitainment.de), hält den An­ satz mit Blick auf Eignungsdiagnostik für eher dünn, für nur eingeschränkt tragfähig aus wissenschaftlicher Perspektive. Ihm fehlt die empirische Unterfütterung, zudem vermisst er die Orientierung an festgelegten Gütekriterien, die im Rah­ men von Eignungstests für Bewerber wichtig sind. „Als Superhelden­Training im Rahmen eines moderierten Work­ shops funktioniert der Ansatz“, ist Diercks überzeugt. Hier würden vom Trainer und der Gruppe Übersetzung und Inter­ pretation mitgeliefert. Als Selfservice­Tool hält Diercks den Ansatz für wenig geeignet und im Rahmen eines automati­ sierten Prozesses mit Blick auf Matching für schwierig.

sierten Prozesses mit Blick auf Matching für schwierig. Startup-Founder Solopreneure Intrapreneure
sierten Prozesses mit Blick auf Matching für schwierig. Startup-Founder Solopreneure Intrapreneure

Startup-Founder

Solopreneure

Intrapreneure

Sidepreneure

Makermeister

Freelancer

Waker

Teilzeitmaker

Fightercoaches

Freie Berater

Auftragskämpfer

Aussteiger

Helfer

Socialpreneure

Aktivisten

Helferkollegen

Teilzeithelfer

Socialpreneure Aktivisten Helferkollegen Teilzeithelfer Den beiden Machern ging es mit Superheldentraining.de we­

Den beiden Machern ging es mit Superheldentraining.de we­ niger um ein neues Geschäftsmodell. Das Ziel besteht darin, Menschen Mut zu machen, die für sie passende Rolle zu fin­ den – und dafür auch Brüche in der eigenen Karriere in Kauf zu nehmen. Fluide Karriere eben. Nicht zuletzt darum steht der Test kostenlos im Web. „Wir wollten das für die Menschen machen“, erklärt Jörn Hendrik Ast. Ein bisschen Superman steckt eben auch in ihm und seiner Kollegin.

Superman steckt eben auch in ihm und seiner Kollegin. Präferenzen mit Blick auf Arbeitsformen 100% Männer
Präferenzen mit Blick auf Arbeitsformen 100% Männer Frauen 75% 50% 25% 0%
Präferenzen mit Blick auf Arbeitsformen
100%
Männer
Frauen
75%
50%
25%
0%

Quelle: Superheldentraining.de 2016, n=506

kEinE Angst vor rAdikAlEn brüchEn

Also nichts mit einem schönen neuen Matching­Verfahren, um die Kandidaten­Auswahl zu steuern. Aber immerhin ein klasse Tool, um sich selbst und Kolleginnen und Kollegen besser kennenzulernen. Und nicht zuletzt – es macht einfach Spaß. Den beiden Machern, Ast und Arntzen, liefert die Fülle der ausgefüllten Superheldentraining­Tests zudem einige in­ teressante Erkenntnisse, die die beiden im Rahmen des Booklets Die fluide Karriere aufgearbeitet haben. Einige davon haben sie auch in Charts zusammengefasst. Die Stich­ probe ist zwar wenig repräsentativ: Die Anzahl der Frauen überwiegt mit 70 Prozent, das Alter lag im Durchschnitt bei 33 Jahren und die neuen progressiven digitalen Berufe finden sich häufig wieder. Allerdings bestätigt sich gerade in dieser Zielgruppe ein Trend, der auch auf andere Berufe übergreifen könnte (siehe Grafik rechts): Führung und Festanstellung sind hier weniger gefragt als Selbstständigkeit und Teilzeit.

LEAD digital

Führung und Festanstellung sind hier weniger gefragt als Selbstständigkeit und Teilzeit. LEAD digital 03_2016 59

03_2016

59