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Blended-Learning-Curriculum

„Qualifikation Tabakentwöhnung“
Online-Kurs
Texte und Materialien der Bundesärztekammer
zur Fortbildung und Weiterbildung

Herausgeber: Bundesärztekammer

In Zusammenarbeit mit:
Prof. Dr. Anil Batra, Ltd. Oberarzt Universitätsklinikum Tübingen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie), Dr. Thomas
Hering, Stellvertretender Vorsitzender Bundesverband der Pneumologen, Peter Arbter, Arzt für Allgemeinmedizin,
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AKdÄ)
Modul 2

Gesundheitliche Folgen des


Tabakkonsums und des
Rauchstopps
Einführung
Rauchen ist mit einer signifikanter Morbidität und Mortalität verbunden. Nach
epidemiologischen Studien sind in Deutschland ca. 20% der Todesfälle
tabakassoziiert.

Jährlich sterben ca. 140 000 Menschen an Krankheiten, die durch das Rauchen
mit verursacht werden. Damit zählt der Tabakkonsum zu den häufigsten
Todesursachen. Raucher versterben im Durchschnitt um 8 Jahre früher als
Nieraucher.

Machen Sie sich in diesem Modul mit den Ursachen für die massive
gesundheitsschädigende Wirkung des Tabaks vertraut.
Beschreibung
Dieses Modul stellt dar, welche Inhaltsstoffe im Tabakrauch enthalten sind und
wie diese auf den Organismus wirken.

Es wird aufgezeigt, welche Krankheiten in besonderem Maße mit dem


Tabakkonsum assoziiert werden und erläutert, wie sich ihre Prävalenz in der
Gruppe der Raucher und Nichtraucher sowie die pathophysiologischen
Zusammenhänge darstellen.

Darüber hinaus wird auf Entzugserscheinungen, gesundheitliche


Verbesserungen sowie Auswirkungen auf die Lebenserwartung bei einem
Rauchstopp eingegangen.
Inhalte
2.1 Inhaltsstoffe des Tabakrauchs
2.1 Die pathophysiologische Wirkung des Rauchens
2.3 Tabakbedingte Erkrankungen und Auswirkungen auf die
Lebenserwartung
2.4 Gesundheitliche Auswirkungen des Rauchstopps und
Entzugserscheinungen
Lernziele
Nach Bearbeitung dieses Moduls können Sie:

• die Inhaltsstoffe von Tabak- und Passivrauch benennen und deren


Eigenschaften beschreiben
• die Auswirkungen von Tabakrauch und Passivrauch auf den Organismus
beschreiben und daraus resultierende gesundheitliche Beeinträchtigungen
begründen (Pathophysiologie)
• darstellen, welche Krankheiten durch Tabakkonsum hervorgerufen werden
können und wie sich diese auf die Lebenserwartung auswirken
• die Entzugssymptome bei Tabakentwöhnung beschreiben und die
gesundheitlichen Folgen des Rauchstopps ableiten
2.1
Inhaltsstoffe des Tabakrauchs
Modul 2
Gesundheitliche Folgen des
Tabakkonsums und des Rauchstopps
Tabakrauch

Bild: DKFZ, Rote Reihe, Band 5, Passivrauchen


Tabakrauch
Hauptstromrauch:
Rauch, der durch das Mundstück der Zigarette inhaliert wird

Nebenstromrauch:
Rauch, der von der glimmenden Zigarette zwischen den Zügen
abgegeben wird

Passivrauch:
Nebenstromrauch plus ausgeatmeter Bestandteil des Hauptstromrauchs
Inhaltsstoffe des Tabakrauchs (1)

Suchtstoffe pro Zigarette:

Alkoloide:
• Nikotin (bis 8 mg)
• Nornikotin (27-88 ug)
• Anabasin (3-12 ug)
• Anatabin (4-14 ug)

Halluzinogene:
• Harman und Norharman (10-12 mg)

Bild: Bundesverband der Pneumologen


Inhaltsstoffe des Tabakrauchs (2)
• Unter den suchterzeugenden Inhaltsstoffen des Tabakrauches ist das
Nikotin der wichtigste Bestandteil. Die Suchterzeugung, die vom Nikotin
ausgeht, ist mit Abstand die nachteiligste Wirkung, die Nikotin hat.
• Pro Zigarette werden im Schnitt 0,3-3 mg Nikotin aufgenommen. Dieses
erreicht nach nur 7 Sekunden bereits über das arterielle Blut das Gehirn
und nahezu alle anderen Gewebe. Im venösen Blut werden bei Rauchern
zwischen 5 und 50 ng Nikotin/ml gemessen.
• Die Halbwertszeit beträgt 2 Stunden.
• Die Metabolisierung erfolgt überwiegend über die Leber
(Abbau zu Kotinin, das als Tracer labormäßig nachgewiesen werden kann).
• Nikotin hat durchaus „positive“ Wirkungen: Lustempfinden, unterdrücktes
Hungergefühl, Stimulierung und Wahrnehmungssteigerung sind an vorderer
Stelle zu nennen.
Inhaltsstoffe des Tabakrauchs (3)
Nikotin liegt in der Tabakpflanze und im Zigarettenrauch sowohl an Pflanzensäuren
gebunden als Salz (ionisiert) wie auch als freie Base (freies Nikotin) vor.
Je höher der pH-Wert im Rauch, also je basischer die Verhältnisse, desto höher ist
der Anteil an freiem Nikotin.
Das freie Nikotin ist leichter bioverfügbar als das ionisierte. Es wird schneller im
Atemtrakt resorbiert und flutet schneller im Gehirn an, was zu einer gesteigerten
Intensität und Dauer seiner Wirkung führt.
Bei einer entsprechenden pH-Wert-Manipulation in basische Bereiche hinein lässt sich
der Anteil von freiem Nikotin steigern.
Das bedeutet, dass trotz geringerer Nikotinmenge in Zigaretten (z.B. in „light“ Zigaretten)
ein größerer Anteil Nikotin vom Raucher aufgenommen werden kann.
Mit der Steuerung der Säure-Basen-Chemie in der Zigarette können die standardisierten
Regelmessungen zur Ermittlung des Gesamtnikotingehalts von Tabakwaren umgangen
werden.
Die von der Tabakindustrie entwickelte und vorgeschlagene Messmethode FTC/ISO
ermittelt Werte, die nicht die Nikotindosen widerspiegeln, die die Raucher tatsächlich
aufnehmen.
Durch Manipulationen der Säure-Basen-Chemie des Tabakrauches wird ein bereits
gefährliches Produkt noch gefährlicher gemacht.
Inhaltsstoffe des Tabakrauchs (4)
Schadstoffe

Ca. 70 karzinogene Verbindungen


Karzinogenität ausreichend gesichert, unter anderem für:
• Aromatische Amine (30-230 mg)
• Benzol (12-70 µg)
• Vinylchlorid (1-16 ng)
• Chrom (40-120 ng)
• Arsen (40-120 ng)
• Polonium 210 (0,03-1,0 pCi)

Toxische Verbindungen:
• CO
• Blausäure
Bild: Bundesverband der Pneumologen
Inhaltsstoffe des Tabakrauchs (5)
• Annähernd 4000 Inhaltsstoffe des Tabakrauches sind bislang identifiziert.
Eine gesicherte karzinogene Wirkung geht von einer Reihe wohlbekannter
und regelmäßig präsenter Verbindungen aus. An vorderster Stelle sind zu
nennen die aromatischen Amine, das Benzol sowie das Vinylchlorid,
Chrom, Arsen und Polonium.
• Unter den toxischen Verbindungen ist Kohlenmonoxyd eine der
gefährlichsten. Es besitzt eine hohe und gegenüber dem O2 erheblich
gesteigerte Bindungsfähigkeit an das Hämoglobin und konkurriert mit O2
erfolgreich um die Hämoglobin-Sauerstoff-Transportkapazität. Raucher
haben bis zu ca. 10-12 % HB-CO-Konzentration. Die Halbwertszeit beträgt
etwa 8 Stunden (Nachweis von COHB blutgasanalytisch oder über
Nachweis aus der Exspirationsluft (siehe weiter unten).
• Das fetale Blut besitzt eine gegenüber dem mütterlichen Blut nochmals
erheblich gesteigerte Bindungsfähigkeit für CO mit der Konsequenz, dass
die Sauerstofftransport-Kapazität beim Fetus der Raucherin stärker
herabgesetzt ist als bei der Mutter.
Absorption
Die Menge der aufgenommenen Inhaltsstoffe des Tabaks ist abhängig von:

• Menge des inhalierten Rauchs


• Tiefe der Inhalation
• Dauer der Inhalation
• PH-Wert des Rauchs (beeinflussbar durch den
Ammoniakgehalt des Tabaks)
Passivrauch ist gefährlich (1)
Bild: WHO

• Die chemische Zusammensetzung des Passivrauchs gleicht qualitativ der des


Tabakrauchs, den Raucher inhalieren. (> 4 000 Chemikalien, > 200 chemische
Giftstoffe, mind. 43 Karzinogene)
• Für die enthaltenen Karzinogene gibt es keine Dosis, die als gesundheitlich
unbedenklich gilt.
• Das Risiko der Entstehung eines Bronchialkarzinoms sowie tödlicher
Herzerkrankungen ist um 30 % erhöht.
• Etwa 1/3 der Patienten mit Lungenkrebs, die nicht rauchen, lebten mit Rauchern
zusammen.
• Rauchen des Vaters vor der Konzeption bedingt ein 2-fach erhöhtes Risiko einer
Tumorentstehung beim Kind in den ersten 5 Jahren.
Passivrauch ist gefährlich (2)

Bild: Anti-Raucher Kampagne, Ogilvy & Mather (O&M), ausgezeichnet bei den Cannes Lions International Advertising Festival 2002
Passivrauch ist gefährlich (3)
• Tabakrauch ist der bedeutendste und gefährlichste vermeidbare
Innenraumschadstoff und die führende Ursache von Luftverschmutzung in
Innenräumen, in denen geraucht wird.

• Tabakrauch enthält über 4800 verschiedene Substanzen. Bei über 70 dieser


Substanzen ist nachgewiesen, dass sie krebserregend sind oder im Verdacht
stehen, Krebs zu erzeugen.

• Für die im Passivrauch enthaltenen Kanzerogene können keine


Wirkungsschwellen als Dosismaß definiert werden, unterhalb derer keine
Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre. Auch kleinste Belastungen mit
den im Tabakrauch enthaltenen gentoxischen Kanzerogenen können zur
Entwicklung von Tumoren beitragen.

• Die chemische Zusammensetzung von Passivrauch gleicht qualitativ der des


Tabakrauchs, den Raucher inhalieren. Neben giftigen Substanzen wie
Blausäure, Acetonitril, Ammoniak und Kohlenmonoxid enthält Passivrauch
auch eine Vielzahl kanzerogener Stoffe wie polyzyklische aromatische
Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, Benzol, Vinylchlorid,
Arsen, Cadmium, Chrom und das radioaktive Isotop Polonium 210.
Passivrauch ist gefährlich (4)
• Die Verweildauer einzelner Komponenten des Passivrauchs in der Raumluft
ist beträchtlich. Tabakfeinstaubpartikel lagern sich an Wänden, Decken,
Böden und Gegenständen ab und werden von dort wieder emittiert.
Innenräume, in denen Rauchen erlaubt ist, stellen somit eine kontinuierliche
Expositionsquelle für die im Tabakrauch enthaltenen Schadstoffe dar, selbst
wenn dort aktuell nicht geraucht wird.

• Auch „kalter“ Tabakrauch gefährdet die Gesundheit.

• Lüftungstechnische Anlagen schützen nicht wirksam vor den Schadstoffen


des Tabakrauchs, da selbst die modernsten Ventilationssysteme die
gefährlichen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs nicht vollständig aus der Raumluft
entfernen können.
Gifte in Tabakrauch und
anderswo

• Kohlenmonoxid ⇒ Auspuffgas
• Ammoniak ⇒ Reinigungsmittel
• Benzol ⇒ Lösungsmittel
• Arsen ⇒ (Ratten-) Gift
• Cadmium ⇒ in Batterien
• Teer ⇒ Straßenbelag
• Polonium-210 ⇒ Radioaktives Isotop
• Blei ⇒ Autobatterien
• Butan ⇒ Camping-Gas
• Schwefelsäure ⇒ starke Säure
• Blausäure ⇒ Gift
Das Gift in der Tabakpflanze
Das Nikotin ist in den Blättern und Blüten der Tabakpflanze enthalten. Als
tödliche Menge gilt 40-60 mg des Wirkstoffs, diese Menge ist in einer Zigarre
oder in 5 Zigaretten enthalten (bei starken Zigaretten oder Zigarren ist die
Konzentration sogar höher). Vergiftungen treten gewöhnlich durch das
Rauchen nicht auf, da das meiste Nikotin beim Rauchen verbrannt wird.
Aber gerade Kinder sind gefährdet, die Zigaretten in den Mund zu stecken
und davon zu essen! Die Symptome einer Nicotinvergiftung sind Brennen und
Kratzen im Mund- und Rachenbereich, Kopfschmerzen, kalter Schweiß und
kühle, blasse Haut. Es folgen Krämpfe, manchmal auch Durchfälle,
Herzklopfen, Brustbeklemmungen und auch Atemnot. Der Patient leidet ferner
unter Sehstörungen und unter Trübung des Bewusstseins.
Tödlich eingenommene Dosen bewirken Atemlähmung innerhalb weniger
Minuten. Vorsicht auch vor selbst hergestellten Schädlingsbekämpfungsmitteln
aus Tabakkraut. Es kann bei falscher Handhabung durch Hautkontakt und
Inhalation zu Vergiftungen kommen. Bei behandelten Gemüsepflanzen und
Kräutern besteht zusätzlich die Gefahr der Vergiftung, wenn bei ihrem Verzehr
das Gift mit aufgenommen wird.
2.2
Die pathophysiologische Wirkung
des Rauchens
Modul 2
Gesundheitliche Folgen des
Tabakkonsums und des Rauchstopps
Tabakbezogene
„Befindlichkeitsstörungen“

• Kalte Hände und Füsse


• schlechter Atem
• eingeschränkter Geschmackssinn
• trockener Mund und Nase
• fahler Teint
• gelbe Finger
• verfärbte Zähne
• schlechte Fitness
• raue Stimme

Bild: aboutpixel.de – Peter Ehmann


Tabakbezogene Folgeschäden
Tabakbezogene Symptome: Tabakbezogene Krankheiten:

• Angina Pectoris • Chronische obstruktive Bronchitis


• CO-Gehalt der Ausatemluft • Lungenemphysem
• Diffuse Leistungsschwäche
• Pneumonien
• Infektanfälligkeit
• Karzinome (Lunge, Kehlkopf, Mundhöhle,
• Kurzatmigkeit
Rachen, Speiseröhre,
• Raucherhusten Bauchspeicheldrüse, Harnblase,
Gebärmutter, Leukämie)
• Asthma
• Hypertonie
• Arterielle Verschlusskrankheiten
• Herzinfarkt
• Nierenerkrankungen
• Impotenz und Infertilität
• Hautalterung
Wirkung des Rauchens auf das
Atemsystem
• Verlust der Zilien
• Hyperplasie der Schleimdrüsen
• Anstieg der Becherzellen in zentralen Atemwegen
• Entzündung und Atrophie
• Becherzell-Metaplasie
• Schuppige Metaplasie
• Schleimstau
• Hypertrophie der glatten Muskulatur
• Peribronchiale Fibrose in den peripheren
Atemwegen
• Destruktion in den Alveolen und den Kapillaren
• Abnahme der kleinen Arterien
• Pathologische Zusammensetzung der
Bronchialflüssigkeit
• Erhöhung von IgA und IgG
• Anstieg der Makrophagen und Neutrophilen
Bild: Microsoft ClipArt
Wirkung des Rauchens auf das
Kreislaufsystem
• Begünstigung der „endothelialen Dysfunktion“
als Trigger
• Synergismus zu allen weiteren
kardiovaskulären Risikofaktoren,
z.B. Adipositas und Typ-2-Diabetes
• Ungünstige hämorheologische Faktoren,
z.B. erhöhtes Hämatokrit und Fibrinogen,
gesteigerte Thrombozytenaggregation
• Anstieg der Katecholamine
• Anstieg etlicher inflammatorischer
Mechanismen
• Erhöhung des ApoB/ApoA1-Quotients
(bei Rauchern bis zu 3 Mal höher)

Bild: Creative Commons lizensiert, cc-by-sa-2.5


Wirkungen von Nikotin und Abbrandprodukten des
Zigarettenrauchs auf Herz-Kreislauf-Parameter

DKfZ, Ärzte in Prävention, Haustein, 2001


Akuter Blutdruckanstieg durch
Rauchen! (1)
Zigarettenrauch wirkt
vasokonstriktorisch!
signifikanten Blutdruckanstieg von
103,4/56,5 bis auf 120,0/65,1
mmHg nach der ersten Zigarette am
Morgen
Bei weiterem Konsum von jeweils
einer Zigarette alle 15 Minuten blieb
das initial erreichte Blutdruckniveau
– allerdings bei höheren „Ausgangs-
werten“ – fast gleich.
Dies galt in gleicher Weise für die
Herzfrequenz, die von initial 63,2
bis auf 81,4 Schläge/Min. nach der
ersten Zigarette anstieg und bis zur
4. Morgenzigarette am Ende der
24-Stunden-Blutdruck Profil bei rauchenden versus nichtrauchenden erste Stunde nur gering zurückging.
Hochdruckkranken. Quelle: Rosenthal J, Kolloch R, 2004
Akuter Blutdruckanstieg durch
Rauchen! (2)
Die vasokonstriktorische Wirkung des Zigarettenrauchs bewirkt zwangsläufig
auch einen Anstieg des Blutdrucks.
Dauerhafte Gefahren für die Entwicklung des Blutdrucks bei normotonen wie
hypertonen Rauchern sollen deshalb im Folgenden näher untersucht werden.
In einer Studie mit jungen normotensiven Rauchern wurde deutlich, dass es
zu einem signifikanten Blutdruckanstieg von 103,4/56,5 bis auf
120,0/65,1 mmHg nach der ersten Zigarette am Morgen kommen kann.
Bei weiterem Konsum von jeweils einer Zigarette alle 15 Minuten blieb das
initial erreichte Blutdruckniveau – allerdings bei höheren „Ausgangswerten“ –
fast gleich.
Dies galt in gleicher Weise für die Herzfrequenz, die von initial 63,2 bis auf
81,4 Schläge/Min. nach der ersten Zigarette anstieg und bis zur 4. Morgen-
zigarette am Ende der erste Stunde nur gering zurückging.
Rauchen und Hautdefekte
Mangeldurchblutung durch:

• Veränderung der reologischen Eigenschaften


• Vasokonstriktion
• Gefäßwandschäden mit Entzündungen
und Verdickungen der Intima
• Plaquebildung im Endothel 20 Zigaretten täglich führen
zu einem vorzeitigen
Hautalterungsprozess
Æ Vorzeitige Hautalterung um 10 Jahre!

Störung des Kollagenstoffwechsel und der Immunsuppression

Æ Wundheilstörungen, Thrombangiitis obliterans, Pustulosis


palmoplantaris, Psoriasis
Vorzeitige Hautalterung durch
Rauchen

Eine Computer-Simulation stellt den Hautalterungsprozess einer


Raucherin und einer Nichtraucherin nach dreißig Jahren dar. Zur
Abschreckung vor dem Rauchen haben Forscher in den USA diese
neue Methode entwickelt. © dpa
Rauchen und Mangeldurchblutung

Gefäßverengungen und -verschlüsse der Beinarterien führen häufig zum


"Raucherbein". Schwere Durchblutungsstörungen lösen beim Gehen infolge
erhöhten Sauerstoffbedarfs plötzlich starke Schmerzen auf. Diese zwingen zum
häufigen Stehenbleiben, was auch zu dem Namen "Schaufenster-Krankheit"
geführt hat. Rund 10 % dieser Fälle führen zur Amputation eines oder beider
Beine. Bei 10 000 Amputationen jährlich in Deutschland waren über 90 % der
Amputierten Raucher.
Bilder: Universitätsklinikum Tübingen
Rauchen und mutagene Effekte
• ca. 70 kanzerogene Stoffe im
Zigarettenrauch
• Gefahr der Entstehung maligner
Tumore
• Organe mit direktem Kontakt zu dem
inhalierten Tabakrauch => Bildung
maligner Tumore z.B. in Mundhöhle,
Kehlkopf, Speiseröhre und Lunge
• malignes Wachstum durch
Synergismus auch in anderen
Organen, z,B. in Pankreas,
Harnblase, Nieren, Gebärmutterhals

Bild: public domain


Rauchen macht süchtig
Nikotin kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und aufgrund seiner
strukturellen Ähnlichkeiten den Acetylcholinrezeptor besetzen.

Dies führt zur vermehrten Ausschüttung


NikotinA von Dopamin und zu einer Zunahme der
Acetylcholinrezeptoren im Gehirn des
Rauchers (Tolerenzentwicklung).
Hört die Zufuhr von Nikotin auf, so
bleiben die vermehrt gebildeten
Rezeptoren unbesetzt und es kommt zum
so genannten „Craving“ (engl. Begierde,
heftiges Verlangen), das sich z.B. durch
Reizbarkeit, Hungergefühl, Angst,
Acetylcholin Konzentrationsschwäche oder
Ruhelosigkeit äußert.

aus: L. Roth; Giftmonographie Nikotin; 1998


Rauchen und Schwangerschaft
• Rauchen ist in den Industrienationen der wichtigste
Risikofaktor für nicht erfolgreich verlaufende
Schwangerschaften.
• Raucherinnen haben signifikant häufiger eine hormonell
bedingte Sterilität, ein erhöhtes Risiko für Eileiterschwanger-
schaften und Fehlgeburten, Frühgeburten, vorzeitigen
Blasensprung, Plazenta praevia und vorzeitige Plazenta-
ablösung.
• Das Risiko einer Mangelentwicklung des Kindes (bis zu 200 g geringes
Geburtsgewicht), von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie Frühgeburten ist
erhöht, ebenso die perinatale Mortalität.
• Kinder rauchender Mütter sterben häufiger am plötzlichen Kindstod (SIDS),
haben oft respiratorische Probleme (Asthma, Atemwegsinfekte) und zeigen
häufiger Verhaltensstörungen (insbesondere ADHS) und Übergewicht.
• Die Motivation zum Rauchstopp ist in der Schwangerschaft am größten. Am
erfolgreichsten sind Unterstützungsangebote, die in die normale
Schwangerschaftsbetreuung integriert sind.
(Dkfz, Rote Reihe, Dem Tabakkonsum Einhalt gebieten – Ärzte in Prävention und Therapie der Tabakabhängigkeit)
Bild: Microsoft ClipArt
Rauchen und Jugendliche
• Bereits nach wenigen Zigaretten kann eine Tabakabhängigkeit auftreten
• Jugendliche, die frühzeitig in den Tabakkonsum einsteigen, haben ein
hohes Risiko, starke Raucher zu werden
• Im adoleszenten Gehirn ist die Entwicklung von Neurotransmittersystemen
und synaptischen Verknüpfungen noch nicht abgeschlossen. Das
Neurotoxin Nikotin kann deshalb bleibende Schäden z.B. im
Serotoninhaushalt und im präfrontalen Kortex verursachen, mit den Folgen
verstärkter Depressivität und beeinträchtigter Denk- und
Gedächtnisprozesse.
• Bei Mädchen und jungen Frauen,
die rauchen und orale Kontrazeptiva
einnehmen, ist das Risiko von
Thromboembolien erhöht.

Bild: DAK / Wigger


Rauchen und psychische
Erkrankungen (1)
• Depressionen und Rauchen sind eng
miteinander verbunden (Epidemiologic
Catchment Area Survey, 1990; N=3200)
• Jugendliche mit depressiven Erkrankungen
oder Angsterkrankungen rauchen doppelt so
häufig (Romans 1993)
• Depression verstärkt starkes / abhängiges
Rauchen (Breslau 1993)
• Rauchen begünstigt Depressionen und Angst
(Dalack 1995)
• die Abstinenzfähigkeit bei Depressiven ist
herabgesetzt, gegenüber Gesunden besteht
eine Abstinenzerwartung von 50% (Stage
1996, Anda 1990, Glassman 1993)

Bild: GNU, Free Documentation License, © Hendrike


Rauchen und psychische
Erkrankungen (2)
Patienten mit psychischen Störungen – vor allem mit einer
Alkohol- oder Drogenabhängigkeit (Brown et al. 1996,
Hurt et al. 1995) – aber auch mit schizophrenen
Psychosen (Geff et al., Diwan et al. 1998) oder
Depressionen (Breslau et al. 1993, Kendler et al. 1993)
stellen eine Risikopopulation für eine hohe
Raucherprävalenz und hohen Tabakkonsum sowie damit
verbundenen tabakassoziierten Erkrankungen dar.
Neben dem Einfluss der psychopharmokologischen
Medikation werden eine Reihe von krankheitsspezifischen
Gründen für die erhöhte Raucherprävalenz, die Intensität
des Rauchens und die Abstinenzunfähigkeit genannt
(Batra 2000).

Bild: Microsoft ClipArt


Rauchen und psychische Erkrankungen (3)
Störungen Alkoholismus Tabakkonsum
Schizophrenie 1-14,8% 68-94%

Panikstörung M: 2-4% W: 7-8% 20-30% (OR: 2)

Depression M: 5%, W: 19 % 20-49%


OR 1,7 / 2,7 (OR 3)

Persönlichkeits- M: 15%, W: 10 % 50%


störung
Manie M: 1%, W: 4% 70 %

Andere Sucht M: 19%, W: 31% 65-99%


ECA, n=2653
Quelle: A. Batra
2.3
Tabakbedingte Erkrankungen
und Auswirkungen auf die
Lebenserwartung
Modul 2
Gesundheitliche Folgen des
Tabakkonsums und des Rauchstopps
Tabakbedingte Erkrankungen
Krebsarten Chronische Krankheiten

Tabakabhängigkeit
Mundhöhle
Kehlkopf Schlaganfall
Speiseröhre

KHK
Lunge
Aneurysma

Atheriosklerose
Pancreas
Nieren und
Harnleiter
COPD

Blase

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Faktoren des Raucherprofils, die
das Krankheitsrisiko beeinflussen
• Anzahl der Jahre, in denen geraucht wurde
• Alter, in dem mit dem Rauchen begonnen wurde
• Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag
• Anzahl der Jahre seit einem Rauchstopp
• Zigarettentyp, -marke
• Exposition anderer Schadstoffe
Rauchen und Krebserkrankungen
• ca. 70 Kanzerogene im Zigarettenrauch
• Rauchen ist häufigste einzelne vermeidbare Ursache für
Krebserkrankungen
• zu 90 % ist Rauchen die Ursache für Krebs der Organe, die mit dem
Tabakrauch direkt in Kontakt kommen (Mundhöhle, Kehlkopf, Lunge,
Speiseröhre)
Rauchen und Krebssterblichkeit
Anteil des Rauchens an der Relatives Sterberisiko für
Sterblichkeit Raucher
Krebsart
Männer Frauen Männer Frauen
in % Risikofaktor
Lunge 90 79 22,4 11,9
Kehlkopf 81 87 10,5 17,8
Mundhöhle 92 61 27,5 5,6
Speiseröhre 78 75 7,6 10,3
Pankreas 29 34 2,1 2,3
Harnblase 47 37 2,9 2,6
Niere 48 12 3,0 1,4
Magen 17 25 1,5 1,5
Leukämie 20 20 2,0 2,0
Cervix - 31 - 2,1
Endometrium - - - 0,7
Quelle: Newkomb; Carbone [1992].
Die Angaben beziehen sich auf die U.S.A. Das relative Sterberisiko für Nichtraucher beträgt 1,0.
Zigarettenkonsum bei erwachsenen Männern und
Todesfälle an Lungenkrebs in England, 1925 - 1990

20 Jahre
Lange rauchen – Krebs kommt
spät!
• Die mittlere Latenz zwischen Beginn eines regelmäßigen Tabak-
konsums und dem Auftreten eines Bronchialkarzinoms beträgt ca. 20
Jahre.
• Demnach ist mit sinkendem Einstiegsalter mit zunehmend früheren
Bronchialkarzinom-Manifestationen, bereits im vierten Lebens-
jahrzehnt, zu rechnen.
• Insbesondere das kleinzellige Bronchialkarzinom sowie das
Plattenepithelkarzinom und das mittelgroßzellige und großzellige
Bronchialkarzinom gelten als stark tabakabhängig, während das
Adenokarzinom nur eine geringe Korrelation mit dem Tabakkonsum
aufweist.

20 bis 30 Jahre nach Beginn des


Rauchens erreicht das Risiko
an Lungenkrebs zu erkranken
einen Höhepunkt
Das Risiko eines Bronchialkarzinoms wächst linear mit
der Höhe des täglichen Zigarettenkonsums
25 22
20,4
20

14,2
15
Relatives 11,2
Risiko für BK
10
5,5
5
1
0
0 1-10 11-19 20 21-31 >31
(Nach Garfinkel/Stellman 1988)

Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag

„20er-Regel“: 20 Jahre mit 20 Zigaretten pro Tag erzeugen


ein 20-fach höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken
Überleben rauchender- und
nicht-rauchender britischer Ärzte

1951–71 1971–91
100 10
0 Niemals regelmäßig
Niemals regelmäßig geraucht
geraucht 83%
80 80
76%
Momentan Momentan Raucher
% Überlebende

Raucher

% Überlebende
60 60 60%
58%
5 Jahre 8 Jahre
40 40
35%
27%
20 20
12% 12%

0 0
40 55 70 85 100 40 55 70 85 10
Alter in Jahren Alter in Jahren 0

Doll & Peto, 1976, 1994


Lungenkrebs

• Entsteht in den Atemwegen und


Lungenbläschen
• Symptome können sein: chronischer
Husten, Fieber, Schmerzen, Blutspucken

Lunge
• 1-Jahr Überlebensrate: 40,5%
• 5-Jahre Überlebensrate: 14,2%

Ries et al, 2000

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Frauen und Lungenkrebs
Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen, DKFZ, 2007

„Wenn Frauen rauchen wie


die Männer, werden Sie auch
sterben wie die Männer.“

Quelle: DKFZ, 2007, Die fünf häufigsten Krebstodesursachen in Deutschland für Frauen
Bullöses Lungeemphysem

Bild: Universitätsklinikum Tübingen


Peripheres Lungenkarzinom

Bild: Universitätsklinikum Tübingen


Kehlkopfkrebs

• entsteht an den Stimmbändern


• Symptome können sein:
Heiserkeit, Husten, Schmerz Kehlkopf
• 80% aller
Kehlkopfkrebserkrankungen sind
bedingt durch Tabakkonsum

• 1-Jahr Überlebensrate: 88,13%


• 5-Jahre Überlebensrate: 65,5%
Ries et al, 2000

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Risiko für Kehlkopfkrebs
38,5
40

30

20
13,8
10,3
10 8,5
3,8
1
0
Nie- Raucher 1-20 21-40 1-10 >11
Raucher Zigaretten am Tag Jahre seit Rauchstopp
Muscat & Wynder, 1992
Mundhöhlenkrebs
• entsteht im Mund- und Rachenraum
• Vorstadium ist häufig eine
Leukoplakie Mundhöhle
• Symtome: Blasen, Schmerzen,
Blutungen, Schluckbeschwerden
• Behandlung durch Operation mit
schweren kosmetischen Einschrän-
kungen

• 1-Jahr Überlebensrate: 81,5%


• 5-Jahre Überlebensrate: 53,2%
Ries et al, 2000

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Speiseröhrenkrebs
• Symptome: Schluckbeschwerden,
Schmerzen

Speiseröhre

• 1-Jahr Überlebensrate: 43,3%


• 5-Jahre Überlebensrate: 14,8%
Ries et al, 2000

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Rauchen und COPD
(COPD = Chronic Obstructive
Pulmonary Disease)

• Symptome: produktiver Husten,


zunehmend gehäufte eitrige
Atemwegsinfekte, beschleunigter
Lungenfunktionsverlust

• ca. 90% der über 6 Mio Menschen


in Deutschland mit COPD
rauchen oder haben geraucht.

• ca. 20% aller Raucher bekommen


eine COPD

COPD

Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health


Rauchen und COPD
Wenn Raucher bei COPD das Rauchen aufgeben, besteht ihr
Gesundheitsgewinn darin, dass das Tempo des Lungenfunktionsverlustes auf
das des Gesunden „einschwenkt“, allerdings ist das Ausgangsniveau in der
Regel nicht wieder zu erreichen.
Der schleichende Verlauf der COPD sowie der komplexe Sachverhalt des zu
erwartenden Lungenfunktionsverlaufs stellen eine erhebliches Hindernis dar,
Raucher zum Tabakverzicht zu motivieren.
Lungenfunktionsverlust
Der Schaden entsteht langsam und unmerklich.
Ca. 20% der Raucher bekommen eine COPD.

FEV = forced Expiratory Volume


Rauchen inaktiviert die bronchiale
Schutzbarriere
• Die Bronchialschleimhaut stellt eine Schutzbarriere der Lunge gegen Staub,
Partikel, Viren und Bakterien dar.
• Durch Zigarettenrauch wird die Schleimhaut beschädigt.
• Die Abwehrfunktion der Schleimhaut wird zerstört.
• Die Lunge ist allen Schadstoffen ungeschützt ausgesetzt.
• Die Entwicklung einer chronischen Bronchitis ist vorprogrammiert.

Etwa 20 % der Raucherinnen und Raucher antworten auf die regelmäßige


Einwirkung von Tabakrauch mit der Entwicklung der chronisch-
obstruktiven Bronchitis (COPD).
Rauchen und Herzkreislauferkrankungen
Zerebrale Gefäßkrankheiten
• Schlaganfall
Koronare Herzkrankheit (KHK)
• Myokardinfarkt
• Angina Pectoris
• Plötzlicher Herztod
Arteriosklerose
• Abdominelles Aorten Aneurysma (AAA)

40% der 140 000 jährlich durch Zigarettenrauch


bedingten Todesfälle entfallen auf kardiovaskuläre
Erkrankungen infolge arteriosklerotischer
Veränderungen.
Ursachen sind u.a. eine durch Rauchen induzierte
endotheliale Dysfunktion und beeinträchtigte
hämorheologische Faktoren.
Bei zusätzliche Risikofaktoren wie Hypertonie,
Diabetes, Hyperlipidämie und Adipositas wird das
kardiovaskuläre Erkrankungsrisiko potenziert.
Bild: The Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health
Pathogenese der Koronaren
Herzkrankheit
• Arteriosklerose
• Thrombose
• Koronararterien-Spasmus
• Herzrhythmusstörungen
• Verminderter Sauerstoff-
transport des Blutes

Bild: Creative Commons lizensiert, cc-by-sa-2.5, © Patrick Lynch


Relatives Risiko für KHK,
Myokardinfarkt und Angina Pectoris
Epidemiologischer Nachweis: Die „Nurses Health Study“ (1976-1982)

Raucher
Nie- Ex- Zigaretten am Tag
Raucher Raucher 1-14 15-24 > 25
KHK 1 1,3 1,7 3,7 5,4
Myokardinf 1 1,6 2,3 4,3 5,8
arkt
Angina 1 1,6 1,6 2,0 2,6

Willet et all, 1987


Relatives tabakbedingtes
Mortalitätsrisiko
CPS-I: Cancer Prevention Study 1959-1965
CPS-II: Cancer Prevention Study 1982-1986

Männer Frauen
Todesursache CPS-I CPS-II CPS-I CPS-II

Lungenkrebs 11,9 23,2 2,7 12,8


COPD 9,3 11,7 6,7 12,8

KHK 1,7 1,9 1,4 1,8

Apoplex 1,3 1,9 1,2 1,8


Mortalität 1,7 2,3 1,2 1,9
gesamt
Thun et al, 1997
Rauchen tötet

† • 111 000 tabakbedingte Todesfälle jährlich in


Deutschland, 43 000 durch Krebs, 37 000
durch Kreislauferkrankungen, 20 000 durch
Atemwegserkrankungen
(Quelle: Peto et al., 1994)
• 1993 sind rund 117 000 Menschen an
tabakbedingten Krankheiten gestorben,
22 % aller Todesfälle bei Männern und
5 % aller Todesfälle bei Frauen
(Quelle: Welte et al., 2000)
• 137 000 tabakbedingte Todesfälle 1996
(Quelle: Ruff et al., 2000)
Bild: public domain • 143 000 tabakbedingte Todesfälle für das Jahr
1997 (Quelle: John und Hanke, 2001)

Zusammengefasst ist von 110 000 bis


140 000 tabakbedingten Todesfällen
jährlich auszugehen.
Tote pro Jahr in Deutschland
120.000
110.000

100.000
• Bronchial-Karzinom - 40.000/Jahr
• Emphysem/COPD - 20.000/Jahr
• Herzinfarkt - 30.000/Jahr
80.000 • andere Karzinome
• Schlaganfall
• u.a.
60.000

40.000
40.000

20.000
9.000
1.600
0
Tabakkonsum Alkoholkonsum Autounfälle Heroin/Opiate
2.4
Gesundheitliche Auswirkungen
des Rauchstopps und
Entzugserscheinungen
Modul 2
Gesundheitliche Folgen des
Tabakkonsums und des Rauchstopps
Aufhören lohnt sich! – Was nach dem Rauchstopp passiert:
20 Minuten
Blutdruck sinkt auf den Wert
vor der letzten Zigarette, Acht Stunden
Temperatur von Händen und Kein giftiges Kohlenmonoxid
Füßen steigt auf Normalwert mehr im Blut, Raucheratem ist
15 Jahre
Herzinfarkt- und weg
Schlaganfallrisiko wie
Nichtraucher
Ein Tag
Herzinfarktrisiko sinkt
10 Jahre
Lungenkrebsrisiko wie
Nichtraucher
Zwei Tage
Die Nervenende regenerieren
Fünf Jahre sich, Geruchs- und
Schlaganfallrisiko sinkt Geschmackssinn verfeinern
sich wieder

Drei Tage
Atmung wird deutlich besser
Ein Jahr
Herzgefäß-Erkrankungsrisiko
ist halb so groß wie bei
Rauchern Neun Monate Drei Monate
Weniger Infektionen, Blutzirkulation hat sich
Raucherhusten und verbessert, Lungenkapazität
Kurzatmigkeit verschwinden, ist um 30 Prozent gesteigert.
Bilder: Microsoft ClipArt Leistungsfähigkeit steigt Gehen wird wieder leichter
Mögliche Entzugssymptome
beim Rauchstopp
• Verlangen nach Tabak
• Reizbarkeit, Nervosität, Aggressivität
• Ängstlichkeit
• depressive / dysphorische Stimmung
• Konzentrationsschwierigkeiten
• Unruhe, Besorgnis
• Kopfweh
• Schläfrigkeit
• Schlafstörungen
• Verlangsamter Puls
• Gewichtszunahme
Je höher die empfundene
• gesteigerter Appetit Entzugssymptomatik, umso niedriger


Darmträgheit ist die Erfolgsrate der Entwöhnung!

Bild: Microsoft ClipArt


Mögliche Entzugssymptome
beim Rauchstopp
Entzugssymptome beginnen wenige Stunden nach dem Rauchstopp und
erreichen innerhalb der ersten zwei Tage einen Höhepunkt.
Die meisten Symptome dauern einige Tage bis Wochen, sind aber oft nach
sieben bis 10 Tagen deutlich abgeschwächt oder auch verschwunden (Hughes
& Hatsukami 1986).
Entzugssymptome fallen individuell höchst unterschiedlich aus. Im DSM IV
(Saß et al. 1996) werden die folgenden Kriterien genannt, von denen
mindestens vier bei plötzlicher Beendigung/Reduktion vorliegen müssen, damit
von einem Entzugssyndrom gesprochen werden kann:

• depressive / dysphorische Stimmung


• Schlafstörungen
• Reizbarkeit, Nervosität oder Aggressivität
• Unruhe oder Besorgnis
• verminderte Konzentrationsfähigkeit
• verlangsamter Puls
• gesteigerter Appetit oder Gewichtszunahme
Gewichtszunahme bei Rauchstopp
• Durch die indirekte Wirkung des Nikotin auf den Körper kommt es zu einer
Erhöhung des Blutzuckerspiegels.
• Das Enzym Lipoproteinlipase wird kompensatorisch vermehrt synthetisiert.
• Es kommt zu einer Herabsetzung der Geschmacksknospenempfindlichkeit.
• Tabakkonsum führt zu einem um ca. 300-500 kcal pro Tag höheren
Energieverbrauch.
• Durch den sinkenden Grundumsatz nehmen 60% aller Raucher bei einem
Rauchstopp zwischen 2,5 und 4 kg an Gewicht zu.
• Bei 10% kann die Gewichtszunahme sogar 10 kg betragen.
• Erhöhter Kalorienverbrauch bzw. verminderte Zufuhr von Kalorien
Einsparungen (z.B. durch Sport, kleinere Mahlzeiten-Portionen) können
einer Gewichtszunahme entgegenwirken.

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