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Einige Fragen an die Begriffsgeschichte von ›Krise‹

Wer heute eine Zeitung aufschlägt, stößt auf den Ausdruck ›Krise‹. Er indiziert Unsicherheit, Leiden und Prüfung und ver- weist auf eine unbekannte Zukunft, deren Voraussetzungen sich nicht hinreichend klären lassen. Das stellte ein französisches Le- xikon 184 0 fest. ' Auch heute ist es nicht anders. Der inflationäre Wortgebrauch hat fast alle Lebensbereiche erfaßt: Innen- und Außenpolitik, Kultur, Wirtschaft, Kirchen und Religionen, alle Geistes- und Sozialwissenschaften und ebenso die Naturwissen- schaften, Technik und Industrie, sofern diese als Teile unseres politischen und sozialen Systems, als unabdingbares Element un- serer Lebenswelt begriffen werden. Wenn der gehäufte Wortge- brauch ein hinreichendes Indiz für eine wirkliche Krise wäre, dann müßten wir in einer allumfassenden Krise leben. Aber die- ser Rückschluß zeugt zunächst mehr von einer diffusen Rede- weise, als daß er schon zur Diagnose unserer Lage beitrüge. Im folgenden versuche ich im Medium der Begriffsgeschichte einige strukturelle Merkmale des Begriffs herauszuschälen, die dazu beitragen mögen, die Kraft der Argumente zu verstärken, sie zu präzisieren. Dabei werfe ich zunächst einen Blick auf die Geschichte des Begriffs; zweitens skizziere ich semantische Mo- delle, auf die der neuzeitliche Wortgebrauch reduziert werden kann; drittens möchte ich einige Fragen erneut aufwerfen, die sich aus dem Verhältnis der christlichen Tradition zur modernen Begriffssprache ergeben.

I.

Begriffsgeschichtlicber

Überblick

›Krisis‹ gehört zu den Grundbegriffen, d.h. zu den nichtersetz- baren Begriffen der griechischen Sprache. Abgeleitet aus ›krino‹, scheiden, auswählen, entscheiden, beurteilen: medial, sich mes-

i Dictionnaire Politique, publ. par E. Duclerc et Pagnerre, Paris 1868 (7. éd.), 1839 (1. éd), art. »crise«, p. 298. Für alle folgenden Belege siehe meinen Artikel »Krise« in: Geschichtliche Grundbegriffe, hg. v. Otto Brunner u. a., Bd. 3, Stuttgart 1982, S. 617-650.

2.04

Teil II: Begriffe und ihre Geschichten

sen, streiten, kämpfen, zielte ›Krisis‹ auf eine endgültige, unwi- derrufliche Entscheidung. Der Begriff implizierte zugespitzte Al- ternativen, die keine Revision mehr zuließen: Erfolg oder Schei- tern, Recht oder Unrecht, Leben oder Tod, schließlich Heil oder Verdammnis. Im Kampf der Mächte ging es - so bei Thukydides - um kriegsentscheidende Schlachten, deren vier den großen Perser- krieg entschieden hätten. Dabei rückt Thukydides die Schlachten (wie später Montesquieu) bereits in allgemeine Rahmenbedin- gungen ein, die es erst möglich machten, daß vier Schlachten kriegsentscheidend werden konnten. In der hippokratischen Schule ging es um die kritische Phase einer Krankheit, in der der Kampf zwischen Tod oder Leben end- gültig ausgetragen wurde, in der die Entscheidung fällig, aber noch nicht gefallen war. Im Bereich der Politik - so bei Aristoteles - ging es um die Rechtswahrung oder -findung, an der mitzuwirken alle Bürger berufen waren, aber auch um politische Entscheidungen, die alle- samt das erforderliche rechte Urteil voraussetzen sollten. Innerhalb der Theologie, so seit dem Neuen Testament, ge- winnt ›Krisis«, Judicium«, beide Begriffe aus der Rechtssprache übernommen, eine neue, gewissermaßen unüberbietbare Bedeu- tung: das Gericht Gottes. Sei es, daß ›Krisis‹ das Jüngste Gericht am Ende der Zeiten meint, sei es, daß dieses Gericht durch Chri- sti Erscheinen, durch das Licht, das er dieser Welt brachte, allen Gläubigen schon zu ihren Lebzeiten gegenwärtig sei. Der Begriff erfaßte also potentiell alle Entscheidungslagen des inneren und des äußeren Lebens, des einzelnen Menschen und seiner Gemeinschaft. Immer handelte es sich um endgültige Al- ternativen, über die ein angemessenes Urteil gefällt werden mußte, deren alternativer Vollzug aber auch in der jeweiligen Sache selbst, um die es ging, angelegt war. Es war ein Begriff, der immer eine zeitliche Dimension mit- setzte, der, modern gesprochen, wenn man so will, eigentlich eine Zeittheorie implizierte. Sei es, daß der rechte Zeitpunkt für das erfolgreiche Handeln getroffen werden mußte, sei es, daß die Herrschaftsordnung durch Rechtswahrung oder Rechtsfindung stabilisiert wurde; sei es, daß das medizinische Urteil - so Galen -

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die richtige Zeitphase eines Krankheitsverlaufes diagnostizieren mußte, um eine Prognose riskieren zu können. Oder sei es in der Theologie, daß Gottes Botschaft angenommen wird, um - so bei Johannes - hic et nunc der Verdammnis zu entkommen trotz des noch ausstehenden letzten Gerichtes, auf das sich der Kosmos zubewegt, dessen Eintreffen aber ins Dunkle gehüllt blieb. ›Krisis‹ richtete sich gleichsam auf die Zeitnot, die zu begrei- fen, den Sinn des Begriffs ausmachte. In fast allen Reden von Krise gehörten dazu das Wissen um die Ungewißheit und der Zwang zur Vorausschau, um ein Unglück zu verhindern oder Rettung zu finden, wobei die jeweiligen Zeitfristen je nach den thematisierten Lebensbereichen auf verschiedene Weise begrenzt waren. Von der Antike bis zur frühen Neuzeit haben sich Wort und Begriff in der lateinischen Sprache durchgehalten, ›Crisis‹ im Me- dizinischen und ›Judicium‹ oder Judicium maximum‹ in der Theologie. Thomas von Aquin unterschied z. B. in seinem Cora- pendium Theologiae (Cap. 242) drei zeitliche Phasen des Gerich- tes, das der Gottessohn ausübt: das Gericht, das den Menschen während seines Lebens trifft, das zu seiner Todesstunde und schließlich das Endgericht, nach der Wiederkehr Christi. Die Be- griffsgeschichte von ›Krisis‹ vollzog sich gleichsam fachsprach- lich, zurückgebunden an die Institution der Kirche bzw. der ver- schiedenen Fakultäten. Seit der Übernahme des griechischen Wortes in die europäischen Volkssprachen - seit dem ausgehen- den Mittelalter - läßt sich dessen sukzessive und zunehmende Ausbreitung registrieren. Der Begriff erfaßte immer mehr Le- bensbereiche: die Politik, die Psychologie, die sich entwickelnde Ökonomie und schließlich die neu entdeckte Geschichte. Man kann die Behauptung wagen, daß der Begriff ›Krise‹ sogar dazu beitrug, die genannten Bereiche als eigenständige Wissenschaf- ten zu begründen. Dabei stand zunächst der medizinische Wortgebrauch Pate. Die Corpus-Metaphorik für die Staaten mag der medizinischen Metaphorik Vorschub geleistet haben. Sie diente dazu, Krank- heit oder Gesundheit zu diagnostizieren und Leben oder Sterben vorauszusagen. Im 18 . Jahrhundert hatte sich der Begriff freilich verselbstän-

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digt. Der Verweis auf den medizinischen Sinn wurde nun bewußt als Metapher apostrophiert, wie von Rousseau. In Deutschland ist z.B. von der Krise des Deutschen Reichssystems die Rede, wobei auf die föderale Verfassungsstruktur abgehoben wurde, deren interne Regeln nicht mehr ausreichten, um das Reich zu stabilisieren. Deshalb sei ein zusätzlicher Fürstenbund zu stiften, aus dessen Präambel 1785 die Formulierung stammt. ›Krise‹ legt insofern eine ähnliche Karriere zurück, wie Revo- lution« oder Fortschritt«, die beide zu temporalen Begriffen wer- den, deren räumliche oder naturale Vorbedeutung sich seit de r Aufklärung verflüchtigt, um zu primär geschichtlichen Begriffen aufzurücken. Das zeigt sich z. B. bei Leibniz, der während des nordischen Krieges mit dem Aufstieg des Russischen Reiches eine neue Weltkonstellatio n heraufziehen sah: » Momenta temporum pretiosissima sunt in transitu rerum. Et l'Europe est maintenant dans un état de changement et dans une crise où elle n'a jamais été depuis l'Empire de Charlemagne. « 2 Der Begriff rückte in eine geschichtsphilosophische Dimension ein, mehr noch, er erschloß diese Dimension, die er im Laufe des 18. Jahrhunderts immer mehr ausfüllen sollte. »Krise« rückt auf zu einem geschichtsphi- losophischen Grundbegriff, der den Anspruch anmeldet, den ge - samten Geschichtsverlauf aus der eigenen Zeitdiagnose heraus deuten zu können. Es ist immer die jeweils eigene Zeit, die seit- dem als Krise erfahren wird. Und die Reflexion auf die eigene Zeitlage disponiert sowohl zu r Erkenntnis der ganzen Vergan- genheit wie zur Prognose in die Zukunft. Spätestens seit der Französischen Revolution wird ›Krise‹ zum zentralen Interpretament sowohl für die politische wie für die Sozialgeschichte. Das gleiche gilt für die langfristige indu- strielle Revolution, die von einer wissenschaftlich ausdifferen- zierten Krisen- und Konjunkturlehre begleitet und beeinflußt wird. Im Unterschied zur Nationalökonomie fällt allerdings auf, daß für die geschichtlichen Gesamtkonzeptionen im 19 . Jahr-

2 Leibniz, Konzept eines Briefes an Schleiniz (23. 9. 1712), Leibniz' Rußland be- treffender Briefwechsel, hg. v. Wladimir Iwanowitsch Guerrier, Petersburg und Leipzig 1873 , Tl. 2, S. 227L , zit. nach D. Groh, Rußland und das Selbstverständ- nis Europas, Neuwied 1961,8.39 .

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hundert keine explizite Krisentheorie entwickelt worden ist. Ja- cob Burckhardt bleibt die einzige Ausnahme. Und selbst Marx, der seine ökonomische Theorie mit einer Geschichtsphilosophie zu verbinden suchte, ist bei der Ausarbeitung einer Krisentheorie steckengeblieben, auf die Schumpeter - im Hinblick auf diesen Begriff - 1939 (business cycles) ausdrücklich verzichtet hat. Auch im 20. Jahrhundert beschränken sich die Krisentheorien auf spezielle Wissenschaftsbereiche wie die Psychiatrie oder die Politologie. Globale Krisentheorien, wie sie den Geschichtsphi- losophien des 18. und 19. Jahrhunderts implizit zugrunde lagen, geraten heute schnell in den Geruch, unseriös, weil empirisch nicht hinreichend einlösbar oder absicherbar zu sein. - Damit wenden wir uns der Semantik von ›Krise‹ als einem geschichtli- chen Grundbegriff zu.

II.

Drei

semantische

Modelle

Während anfangs der medizinische Bedeutungsgehalt von ›Krise‹ stark in die politische Wort Verwendung eingewirkt hatte, werden später zahlreiche theologische Elemente in den geschichtlichen Grundbegriff eingespeist. Das gilt schon für die Sprache des eng- lischen Bürgerkrieges von 1640-1660 . Und das gilt ebenso für den geschichtsphilosophisch reflektierten Sprachgebrauch, der sich seit der Spätaufklärung allgemein durchsetzt. Die Assozia- tionskraft des Gottesgerichtes und der Apokalyptik spielt dau- ernd in die Wortverwendung hinein, so daß an der theologischen Herkunft der neuen Begriffsbildung kein Zweifel bestehen kann. Das erweist sich nicht zuletzt daran, daß die geschichtsphiloso- phischen Krisendiagnosen gerne mit harten Zwangsalternativen operieren, die einer differenzierten Diagnostik abträglich sind, aber durch den prophetischen Sprachgestus um so wirksamer und einleuchtender zu sein scheinen. Wenn ich im folgenden drei semantische Modelle entwerfe, so liegt darin das Risiko beschlossen, den historisch tatsächlichen Begriffsgebrauch ungebührlich zu vereinfachen. Drei semanti- sche Optionen lassen sich jedenfalls feststellen:

Erstens kann die Geschichte als Dauerkrise interpretiert wer-

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den. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Dann handelt es sich um einen Prozeßbegriff. Zweitens kann ›Krise‹ einen einmaligen, sich beschleunigen- den Vorgang bezeichnen, in dem sich viele Konflikte, das System sprengend, zusammenschürzen, um nach der Krise eine neue Lage herbeizuführen. Dann indiziert ›Krise‹ das Überschreiten einer Epochenschwelle, einen Vorgang, der sich mutatis mutan- dis wiederholen kann. Auch wenn die Geschichte im Einzelfall immer einmalig bleibt, zeugt dieser Begriff doch von der Mög- lichkeit, daß sich die Veränderungsschübe in analogen Formen abspielen können. Deshalb schlage ich vor, ihn als iterativen Pe- riodenbegriff zu bezeichnen. Drittens kann ›Krise‹ die schlechthin letzte Krise der bisheri- gen Geschichte meinen, wobei die Aussagen über das Jüngste Gericht allenthalben nur metaphorisch verwendet werden. Wäh- rend gemessen am bisherigen Gang unserer Geschichte dieses Modell als utopisch bezeichnet werden muß, läßt sich nicht mehr ausschließen, daß es in Anbetracht der gegenwärtigen Selbstzer- störungsmittel alle Chancen hat, verwirklicht zu werden. Dieser Krisenbegriff ist im Unterschied zu den anderen ein reiner Zu- kunftsbegriff und zielt auf eine Letztentscheidung. Tatsächlich tauchen in der geschichtsphilosophischen oder geschichtstheoretischen Sprache die aufgeführten Modelle nicht in reiner Form auf, sondern stützen sich gegenseitig ab, werden gemischt und verschieden dosiert. Gemeinsam ist allen drei Mo- dellen, daß sie trotz ihrer theologischen Imprägnation den An- spruch erheben, geschichtsimmanente Erklärungsmuster für Kri- sen zu bieten, die theoretisch auf den Eingriff Gottes verzichten können. Zu den drei semantischen Grundpositionen seien einige Er- läuterungen nachgeschickt, i. ›Die Weltgeschichte ist das Weltgericht« ist ein Diktum von Schiller und gleichsam zum Motto für die Neuzeit aufgerückt. Scheinbar zufällig taucht die Passage in einem Liebesgedicht auf, in dem Schiller eine verpaßte Situation beklagt, die nicht mehr einzuholen ist. »Was man von der Minute ausgeschlagen / Gibt keine Ewigkeit zurück.« 3 For-

3 Schiller, »Resignation. Eine Phantasie«, Sämtliche Werke. Säkularausgabe, hg. v. Eduard von der Hellen u. a., Stuttgart und Berlin o. J. , Bd. i, S. 199.

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mal handelt es sich um die Verzeitlichung des Jüngsten Gerichtes, das sich immer und ständig vollstreckt. Jeder Tag ist der Jüngste. Dabei hat es eine ausgesprochen antichristliche Pointe, weil jede Schuld gnadenlos in die Biographie des einzelnen, in die Ge- schichte der politischen Handlungsgemeinschaften, in die ge- samte Weltgeschichte eingeht. Das Modell ist kompatibel mit dem Schicksal, das Herodot hinter allen Einzelgeschichten auf- scheinen läßt, die immer wieder als Vollzug einer weltimmanen- ten Gerechtigkeit gelesen werden können. Aber Schillers Diktum erhebt einen größeren Anspruch. Nicht nur den Einzelgeschich- ten wird eine ihnen innewohnende Gerechtigkeit zugemutet, die einen fast magischen Anstrich erhält, sondern der Weltge- schichte in toto. Logischerweise wird jede Ungerechtigkeit, jede Inkommensurabilität, jedes ungesühnte Verbrechen, jede Sinn- und Nutzlosigkeit apodiktisch ausgeschlossen. Damit erhöht sich die Beweislast für den Sinn dieser Geschichte enorm. Es ist nicht mehr der Historiker, der ex post aufgrund seines besseren Wissens die Vergangenheit moralisch richten zu können glaubt, sondern der Geschichte selbst wird als einem handelnden Subjekt unterstellt, daß sie Gerechtigkeit vollstrecke. Hegel hat es auf sich genommen, die moralischen Diskrepanzen und Unzuläng- lichkeiten, die sich aus diesem Diktum ergeben, aufzufangen. Seine Weltgeschichte bleibt das Weltgericht, weil sich der Welt- geist oder die Gedanken Gottes in sie hinein entäußern, um zu sich selbst zu finden. Theologisch gesehen, handelt es sich um die letzte auch nur denkbare Häresie, die einer christlichen Ge- schichtsdeutung rundum gerecht werden will. Aber Schillers Diktum ließ sich bruchlos weiterverwenden, solange die Geschichte als weltimmanenter Prozeß interpretiert wurde. Die Liberalen wurden nicht müde, sich darauf zu beru- fen, um eine moralische Legitimität ihres Handelns daraus ab- leiten zu können. Aber auch die darwinistischen und imperiali- stischen Geschichtsphilosophien konnten bruchlos daran an- knüpfen, weil der Erfolg, die Durchsetzung des Stärkeren, den Anspruch auf geschichtliche Legitimität einlöste - bis hin zu Hit- lers sentimentalem Verzicht auf Selbstmitleid: Wer untergeht, hat es gerechterweise verdient. Es gibt semantische Optionen, deren Folgelasten keineswegs

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ihren sprachlichen Urhebern zugeschrieben werden dürfen. Wer sich anheischig macht, Hitler auf Hegel oder Schiller zurückzu- führen, erliegt einem wirkungsgeschichtlichen Anspruch, der se- lektiv verfährt. Die Weltgeschichte als Weltgericht impliziert zu- nächst und vor allem die Aussage, daß jede Situation vom glei- chen Zwang zur Entscheidung geprägt ist. In diesem Sinne war Schillers Diktum auch theologisch adap- tierbar, etwa wenn Richard Rothe 1837 feststellte: »Die ganze christliche Geschichte überhaupt ist Eine große kontinuierliche Krisis unseres Geschlechts.« 4 Oder wenn Karl Barth diese Dau- erkrisis aller finalistischen oder teleologischen Obertöne entklei- dete, um sie existentiell auszulegen: »Die sogenannte »Heilsge- schichte« ist nur die fortlaufende Krisis aller Geschichte, nicht eine Geschichte in oder neben der Geschichte.« 5 ›Krisis‹ hat hier als Begriff seine endzeitliche oder seine übergangszeitliche Be- deutung eingebüßt - sie wird zu einer strukturalen Kategorie der christlich begriffenen Geschichte schlechthin; die Eschatologie wird gleichsam geschichtlich vereinnahmt. Diese metaphorische Dehnung des Krisenbegriffs hat Kar! Popper auch für seine Logik der Forschung beansprucht. Sein Buch sei eine Erkenntnistheo- rie, eine Methodenlehre, schreibt er 1934: »Es ist ein Kind der Zeit, ein Kind der Krise - wenn auch vor allem der Krise der Physik. Es behauptet die Permanenz der Krise; wenn es Recht hat, so ist die Krise der Normalzustand einer hochentwickelten rationellen Wissenschaft« 6 - womit sich Theologie und Natur- wissenschaft wenigstens in dieser Hinsicht einig wären. 2. Theoretisch weniger anspruchsvoll ist Krise als iterativer Periodenbegriff. Dieser fragt nach den Bedingungen möglicher Geschichtsverläufe, um aus ihrer Vergleichbarkeit Gemeinsam- keiten und Unterschiede herausarbeiten zu können. Das seman- tische Modell erhebt nicht den Anspruch, die Geschichte insge-

4 Richard Rothe, Die Anfänge der christlichen Kirche und ihre Verfassung (1837), zit. nach: Peter Meinhold, Geschichte der kirchlichen Historiographie, München und Freiburg 1967 , Bd. 2, S. 221 . 5 Karl Barth, Der Römerbrief (1918) , 9. ND der 5. Aufl. (1926) , Zollikon und Zürich 1954, S. 57, 32. ti Zit. n. Lothar Schäfer, Laßt Theorien sterben anstatt Menschen. Vor hundert Jahren wurde Karl Popper geboren, in: Neue Züricher Zeitung, 27./28. Juli

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samt oder dauerhaft deuten zu können. Jacob Burckhardt hat es z.B. verstanden, anthropologische Konstanten aufzuweisen, die

in ihren jeweiligen historischen Artikulationen verschiedene Kri- senverläufe ermöglicht haben. Als historisch einmalige Krise hat er dabei die Völkerwanderungszeit definiert, die nicht zuletzt die Entstehung einer Kirche mit universalem Anspruch begünstigt habe. Daneben ließ er nur noch die Neuzeit gelten, als eine Dauerkrise mit offenem Ausgang. Hinter allen anderen Krisen entdeckte er letztlich mehr Kontinuitäten, als die Wahrnehmung der Betroffenen jeweils zugeben wollte. Auch der ökonomische Krisenbegriff läßt sich semantisch hier ansiedeln. Hinter den ökonomischen Krisenmodellen steht

die Gleichgewichtsmetaphorik des T8 . Jahrhunderts,

empirisch nie vollständig einlösen läßt. Krisen tauchen, grob ge- sprochen, immer dann auf, wenn das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen Produktion und Konsump- tion, zwischen Geldumlauf und Warenumlauf so gestört wird, daß Rezessionen, Rückschritte allenthalben sichtbar werden. Zugleich aber lehrt die bisherige Erfahrung, daß auf eine Krise stets eine allgemeine Produktivitätssteigerung folgte. Das Para- dox dieser Krisenlehre scheint darin zu bestehen, daß ein Gleich- gewicht nur eingehalten bzw. wiedergewonnen werden kann, wenn sich die Produktivität weiterhin steigert und nicht etwa stagniert: denn dann scheint der Rückgang unentrinnbar zu sein. Insofern ist dieses Modell bisher auf den Fortschritt angewiesen, ohne den es nicht empirisch einlösbar wäre. Wie Molinari, ein Konjunkturtheoretiker des 19 . Jahrhunderts, sagte: »Jeder kleine oder große Fortschritt besitzt seine Krise. « ' Daß Krisen die Generatoren des Fortschritts seien, dieses semantische Modell scheint mir bisher nur im Bereich der Ökonomie, der Naturwis- senschaften, der Technik und der Industrie eingelöst worden zu sein. Ich erspare mir, für die Anwendung des Modells auf die gesamte Geschichte der Menschheit Zitate zu bringen. Ihre Zahl ist unübersehbar. Nur ein Beleg stehe für alle ein: »Out of every crisis mankind rises with some greater share of knowledge,

die sich

7 Gustave de Molinari, L'Evolution économique du XIXe siècle. Théorie du Pro- grès, Paris 1880, S. iozf .

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higher decency, purer purpose.« 8 Dies die Worte von Franklin D. Roosevelt kurz vor seinem Tode. Von der semantischen Op- tion her muß die Frage gestellt werden, ob -Fortschritt« der Leit- begriff für ›Krise‹ ist oder ob der iterative Periodenbegriff von ›Krise‹ der wahre Leitbegriff ist, unter dem auch Tortschritt« zu subsumieren ist. Wenn «Krise« als iterativer Periodenbegriff eine größere Erklärungskraft beanspruchen darf, dann könnte der Fortschritt, den es unbestreitbar gibt, in sein relatives Recht ein- gewiesen werden. 3. Die Krise als Letztentscheidung. Daß die Krise, in der man sich jeweils befinde, die letzte große und einmalige Entscheidung sei, nach der die Geschichte in Zukunft ganz anders aussehen werde - diese semantische Option wird immer häufiger ergriffen, je weniger an das absolute Ende der Geschichte durch ein Jüng- stes Gericht geglaubt wurde. Insofern handelt es sich um die Um- besetzung eines theologischen Glaubenssatzes. Er wird der welt- immanenten Geschichte selbst zugemutet. Einige Zeugen seien aufgerufen. Robespierre sah sich als Vollstrecker einer morali- schen Gerechtigkeit, die sich durch Gewalt wider Willen ihren endgültigen Durchbruch verschafft. Thomas Paine glaubte ange- sichts der Krisis der amerikanischen und der Französischen Revolution ebenso, daß die Zukunft eine absolute Wende in sich birgt. Auch ursprüngliche Partisanen der Französischen Revo- lution, die zu erbitterten Gegnern ihrer bonapartistischen Folgen wurden, konnten diese semantische Option durchhalten. Es seien nur genannt: Friedrich Schlegel, Fichte oder Ernst Moritz Arndt aus dem deutschen Sprachraum. Der absolute Tiefpunkt der Geschichte verbürgt den Umschlag zur Erlösung. Für Frank- reich sei auf die Geburt der Soziologie aus dem Geist der Revo- lution (nicht nur der Restauration) verwiesen. St. Simon oder Auguste Comte wußten sich in der »Grande Crise Finale«, die durch wissenschaftliche Planung und industrielle Produktions- steigerung ein für allemal durchschritten und überwunden wer- den könne. Auch Lorenz von Stein ist hier zu nennen, der im Ausgleich von Kapital und Arbeit die letzte Chance erblickte, Europa vor dem Rückfall in Barbarei zu bewahren.

8 Zit. nach W. Besson, Die politische Terminologie des Präsidenten F. D. Roosevelt,

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Karl Marx ist hier gleichsam in einer Zwischenposition hän- gengeblieben: Einerseits erwartete er mit Sicherheit, daß die letzte Krise des Kapitalismus den kommenden Zustand der Herr- schaftsfreiheit und der Beseitigung von Klassenunterschieden mit sich bringe, andererseits sah er sich nicht imstande, die Kri- sen des Kapitalismus so zu interpretieren, daß sie das System - statt es zu erhalten - zwangsläufig sprengen müßten. Er operierte einerseits mit einem systemimmanenten Krisenbegriff, indem er die iterative Struktur ökonomischer Krisen aufzeigte. Anderer- seits kannte er einen systemsprengenden Krisen begriff, den er aus anderen - ehedem theologischen - Prämissen ableitete und der die Weltgeschichte auf eine letzte große Krise zutreiben ließ. Der vermeintliche letzte Kampf zwischen Proletariat und Bour- geoisie vollzieht sich für ihn zweifellos in den Dimensionen eines Jüngsten Gerichtes, das rein ökonomisch zu begründen ihm nicht gelungen ist. Damit komme ich zu meinem Schlußteil.

III.

›Krise‹ als

Frage an

die

christliche

Tradition

Es ist leicht, die jeweils als letzte Entscheidung erwartete Krise als eine perspektivische Illusion zu enthüllen. Es gehört zur Endlich- keit aller Menschen, daß sie ihre jeweils eigene Lage für wichtiger ansehen und ernster nehmen, als alle vorangegangenen Lagen es gewesen seien. Aber man sollte sich davor hüten - gerade im Hinblick auf die Lehre vom Jüngsten Gericht -, diese überzogene Selbsteinschätzung der Menschen nur als perspektivischen Irr- tum abzutun. Gerade wenn es darauf ankommt, auch nur das Überleben zu sichern, könnte es sein, daß sich viele Entscheidun- gen als Letztentscheidungen herausstellen. ›Krisis‹ im griechi- schen Sinne des Zwanges zum Urteilen und zum Handeln unter dem Vorgebot der Zeitnot bleibt ein Begriff, der auch unter den komplexen Bedingungen der modernen Gesellschaft unverzicht- bar ist. Das möchte ich mit einem historischen Gedankenexpe- riment erläutern. Es gehört zur christlichen Lehre, daß Gott die Zeit verkürzen werde, bevor das Weltende hereinbreche. Dahinter steht die kos- mologische Vorstellung, daß Gott als Herr der Zeiten das vorge-

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sehene Ende der Welt früher herbeiführen könne, als vorgesehen, und zwar um der Auserwählten willen, deren Leid er verkürzen werde (Markus 13,20; Matthäus 24,22). Nun mag man diese mythologische Sprache der apokalyptischen Erwartung psycho- logisieren oder ideologisieren. Der Nachweis mag nicht schwer- fallen, in diesem Glauben an die bevorstehende Zeitverkürzung einen Wunsch der Leidenden und Unterdrückten zu sehen, das Elend so schnell wie möglich gegen ein Paradies auszutauschen. Aber betrachtet man den Topos von der eschatologischen Zeit- verkürzung entlang seinen geschichtlichen Ausdeutungen, so steht man vor dem erstaunlichen Befund, daß aus der anfangs übergeschichtlichen Zeitverkürzung sukzessive eine Beschleuni- gung der Geschichte selber geworden ist. Luther z. B. glaubte fest daran, daß Gott vor dem unbekannten Ende der Welt die Zeit verkürzen werde. Aber er glaubte nicht mehr daran, daß die Jahre zu Monaten, die Monate zu Wochen und die Wochen zu Tagen würden, bevor das ewige Licht den Unterschied von Tag und Nacht aufheben werde, sondern er deutete die Zeitverkür- zung bereits geschichtlich: die Ereignisse selbst, die sich mit dem Zerfall der Kirche beschleunigt überstürzten, waren ihm ein Vor- bote des kommenden Weltendes. Die Beweislast für das herein- brechende Jüngste Gericht lag nicht mehr in der mythischen Vor- stellung beschlossen, daß die Zeit selbst verkürzbar sei, sondern sie wurde den empirisch sichtbaren geschichtlichen Ereignissen als solchen zugemutet. Aus ganz anderer Perspektive wurde die Geschichte der naturwissenschaftlichen Entdeckungen analog gedeutet. Für Bacon war es noch ein Satz der Erwartung und der Hoffnung, daß die Erfindungen in immer kürzeren Intervallen stattfinden würden, um die Natur immer besser beherrschen zu können. Daraus folgerte die Intelligenz der frühen Neuzeit, etwa Leibniz, daß die weltimmanenten Fortschritte immer schneller, beschleunigt, zu einer besseren Weltordnung hinführen würden. Aus der apokalyptischen Zeitverkürzung wurde die Beschleuni- gung des geschichtlichen Fortschritts. Die Inhalte der Deutungs- muster wurden vollständig ausgetauscht. Die Erreichbarkeit des Paradieses erst nach dem Ende der Welt und die Erreichbarkeit bereits in dieser Welt schließen sich logisch aus. Aber die kosmische Zeitverkürzung, die ehedem dem Jung -

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sten Gericht vorausgehen sollte, hat den Begriff der Krisis nicht um seinen Sinn gebracht. Auch die Beschleunigung der neuzeit- lichen Welt, über deren Wirklichkeitsgehalt kein Zweifel besteht, läßt sich als Krisis begreifen. Offenbar sind Entscheidungen fäl- lig, die, wissenschaftlich oder nicht, gewollt oder ungewollt, dar- über befinden, ob und wie das Überleben auf diesem Globus möglich ist oder nicht. Die kosmische Zeitverkürzung, die ehe- dem in mythischer Sprache dem Jüngsten Gericht vorangehen sollte, läßt sich heute empirisch verifizieren als Beschleunigung geschichtlicher Ereignissequenzen. In Jacob Burckhardts Wor- ten: »Der Weltprozeß gerät plötzlich in furchtbare Schnelligkeit; Entwicklungen, die sonst Jahrhunderte brauchen, scheinen in Monaten und Wochen wie flüchtige Phantome vorüberzugehen und damit erledigt zu sein. « 9 Der gemeinsame Oberbegriff für die apokalyptische Zeitverkürzung, die dem Jüngsten Gericht vor- ausgehen, und für die geschichtliche Beschleunigung ist ›Krise‹. Sollte das nur ein sprachlicher Zufall sein? In christlicher und in nichtchristlicher Bedeutung indiziert ›Krisis‹ in jedem Fall einen anwachsenden Zeitdruck, dem die Menschheit auf diesem Glo- bus nicht zu entrinnen scheint. Deshalb sei zum Schluß eine temporale Hypothese angebo- ten, die durchaus nicht neu ist. Betrachtet man von heute aus die bisherige Geschichte der Menschheit, so läßt sie sich durch drei exponentielle Zeitkurven darstellen. Gemessen an den fünf Mil- liarden Jahren, seitdem unser Globus mit einer festen Erdrinde überzogen wurde, ist die eine Milliarde Jahre organischen Le- bens eine kurze Zeitspanne, aber noch viel kürzer ist die Zeit- spanne der 10 Millionen Jahre des zu vermutenden menschenar- tigen Wesens, von dem erst seit zwei Millionen Jahren selbstfa- brizierte Werkzeuge nachweisbar sind. Die zweite exponentielle Zeitkurve läßt sich in die 2 Millio- nen Jahre einzeichnen, seitdem der Mensch sich durch selbstge- fertigte Werkzeuge auszeichnet. Die ersten Dokumente gleich- sam genuiner Kunst liegen 3000 0 Jahre zurück, die Entstehung von Ackerbau und Viehzucht rund 1000 0 Jahre. Und gemessen

9 Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, hg. v. Rudolf Stadelmann, Pfullingen 1949, S. 211.

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an den zwei Millionen Jahren eigener Produktivität sind die rund 6000 Jahre einer städtischen Hochkultur, seit der es schriftliche Überlieferungssignale gibt, eine kurze Zeitspanne, und noch viel später erst erfolgt die Reflexion in Philosophie, Dichtung und Geschichtsschreibung. Die dritte exponentielle Zeitkurve zeichnet sich ab, wenn man von der Selbstorganisation stadtartiger Hochkulturen ausgeht, die erst 6000 Jahre zurückliegt. An deren vergleichsweise konti- nuierlicher Geschichte gemessen, hat sich die moderne Industrie- gesellschaft, die auf Wissenschaft und Technik gründet, erst seit rund 30 0 Jahren entfaltet. Die Kurve der Beschleunigung sei nur an drei Datenreihen demonstriert: Die Kommunikation des Nachrichtenwesens hat sich in einer Weise beschleunigt, daß die temporale Identität von Ereignis und Nachricht darüber poten- tiell hergestellt ist. Aber auch die Beschleunigung des Verkehrs hat sich etwa verzehnfacht, seitdem die naturgegebenen Hilfs- mittel, der Wind, das Wasser und die Tiere durch technische In- strumente der Dampfmaschine, der elektrischen Maschinen und der Verbrennungsmotoren abgelöst worden sind. Die Beschleu- nigung der Kommunikationsmittel hat den Globus zu einem Raumschiff zusammenschrumpfen lassen. Gleichzeitig erfolgt die Bevölkerungsvermehrung in einer analogen exponentiellen Zeitkurve: Von rund einer halben Milliarde im 17. Jahrhundert steigt seitdem die Weltbevölkerung, trotz aller Massenvernich- tungen, an auf 2 7 2 Milliarden Menschen in der Mitte des zwan- zigsten Jahrhunderts, um zu dessen Ende bereits die Achtmilli- ardengrenze zu erreichen. Die drei exponentiellen Zeitkurven mögen als Zahlenspielerei abgetan werden. Aber es zeichnet sich offenbar eine Grenze ab, die durch keinen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt mehr überschritten werden kann. Hinzu kommt, daß sich in der gleichen exponentiellen Zeitkurve die Kraft zur Selbstzerstörung der autonomen Menschheit vervielfacht hat. So stellt sich die Frage, ob unser semantisches Modell der Krise als einer Letztentscheidung nicht mehr Chancen der Ver- wirklichung erhalten hat als jemals zuvor. Wenn dem so ist, käme alles darauf an, alle Kräfte darauf zu richten, den Untergang zu verhindern. Das Katechon ist auch eine theologische Antwort auf die Krisis.

Einige Fragen an die Begriffsgeschichte von ›Krise‹

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Die drei exponentiellen Zeitkurven lassen sich auch als Ver- stärker der Beschleunigung lesen, die es vollends unmöglich ma- chen, Hochrechnungen in die Zukunft zu riskieren. Vielleicht besteht die Antwort auf die Krise darin, daß nach den Stabilisa- toren Ausschau gehalten wird, die sich aus der langen Dauer der bisherigen Menschheitsgeschichte ableiten lassen. Es könnte sein, daß sich diese Frage nicht nur historisch und politisch, son- dern auch theologisch formulieren läßt.