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Accountability im Dritten Sektor -

Die Problematik der Institutionalisierung von


Transparenz unter besonderer Berücksichtigung
des Online Informationsportals GuideStar
Deutschland

Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades

Diplom - Kauffrau (FH)

im hochschulübergreifenden Studiengang
Public Management
(„Öffentliches Dienstleistungsmanagement")
der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und der
Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin

Verfasserin: Stefanie Dobbertin


Matrikelnummer: 77603979154
Postadresse: Kastanienallee 39
10119 Berlin
Email: stefaniedobbertin@web.de

Gutachter: Prof. Dr. Berit Sandberg


Dipl. Soz. Kai Fischer

Berlin, den 01.08.05


Inhaltsverzeichnis III

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis .....................................................................................III

Abbildungsverzeichnis ...............................................................................V

1 Einleitung .............................................................................................1

2 Transparenz im Dritten Sektor..............................................................5


2.1 Der Dritte Sektor und die Strukturbesonderheiten von NPO .........................................5
2.2 Zur Bedeutung von Transparenz für NPO.......................................................................7
2.2.1 Die Gemeinnützigkeit und das Steuerprivileg ............................................................7
2.2.2 Das Vertrauen als Funktionslogik ...............................................................................9
2.2.3 Gesellschaftliche- und informationstechnische Herausforderungen .......................12
2.2.4 Exkurs: Gesetzliche Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten .........................13
2.3 Die Anspruchsgruppen und ihre Erwartungen an die Transparenz der NPO..............14
2.4 Zwischenfazit ..................................................................................................................17

3 Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung


von Transparenz .................................................................................19
3.1 Begriffsdimension Nonprofit Accountability................................................................19
3.2 Instrumente staatlicher Regulierung ..............................................................................20
3.2.1 Das „IRS Formular 990“ und GuideStar USA .........................................................21
3.2.2 Die „Charity Commission“ und GuideStar UK ........................................................23
3.3 Instrumente freiwilliger Regulierung.............................................................................25
3.3.1 Gütesiegel und Akkreditierung ..................................................................................25
3.3.2 Codes of Conduct .......................................................................................................26
3.3.3 Watchdog Organisationen ..........................................................................................27

4 Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in


Deutschland........................................................................................28
4.1 Beschreibung von Ansätzen staatlicher Regulierung....................................................28
4.1.1 Die Vereinsregister und die Stiftungsaufsichtsbehörden .........................................28
4.1.2 Die Prüfung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzbehörden ...............................30
4.1.3 Bewertung der Leistungsfähigkeit staatlicher Ansätze ............................................32
4.2 Beschreibung von Ansätzen freiwilliger Regulierung ..................................................34
4.2.1 Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ............................................34
Inhaltsverzeichnis IV

4.2.2 Der Deutsche Spendenrat e.V. ...................................................................................37


4.2.3 Bewertung der Leistungsfähigkeit freiwilliger Ansätze...........................................39
4.3 Zwischenfazit ..................................................................................................................44

5 Das Konzept GuideStar Deutschland..................................................46


5.1 Die Darstellung des Geschäftsmodells ..........................................................................46
5.2 Bewertung der Leistungsfähigkeit .................................................................................50
5.3 Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Transparenzbereitschaft von NPO
und die Teilnahme bei GuideStar...................................................................................53
5.3.1 Die Form der Refinanzierung der NPO.....................................................................55
5.3.2 Die Kostenstrukturen und der Tätigkeitsbereich der NPO ......................................57
5.3.3 Der Bedarf an Freiwilligen in der NPO.....................................................................59
5.3.4 Weitere ermittelte Einflussfaktoren...........................................................................60
5.3.5 Zwischenfazit ..............................................................................................................62
5.4 Kritische Erfolgsfaktoren der Implementierung von GuideStar Deutschland ............63

6 Resümee und Ausblick .......................................................................65

Literaturverzeichnis ..................................................................................68

Verzeichnis der Rechtsquellen ..................................................................73

Anhang .....................................................................................................74
Interviewleitfaden .........................................................................................................................74
Gesprächsverzeichnis ...................................................................................................................75
Abbildungsverzeichnis V

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 –Transparenzforderungen an die NPO .................................................... 15


Abbildung 2 – Reporting Framework .......................................................................... 49
Abbildung 3 – Übersicht der befragten NPO ............................................................... 54
Teil 1 - Einleitung 1

1 Einleitung

„Ich traue niemandem mehr von diesen ganzen Organisationen. Minimum zwei Drittel
aller Organisationen verplempern da viel, viel Geld, ohne es zu merken [...] Tausende
von anderen Menschen denken genau so [...]. Die trauen keiner gemeinnützigen
Organisation, weil sie genau dieselben Erfahrungen gemacht haben [...]“.1
Nach der im April 2005 veröffentlichten Stifterstudie der Bertelsmann Stiftung ist die
Aussage repräsentativ: Die meisten Stifter in Deutschland haben kein Vertrauen in
gemeinnützige Organisationen.2

Während Vertrauensdefizite in der Vergangenheit vorrangig staatliche Einrichtungen


sowie gewinn- und börsennotierte Unternehmen zu beklagen hatten, wurde in der
Vergangenheit auch das Vertrauen in wohltätige Organisationen des so genannten
„Dritten Sektors“3 beschädigt. Immer öfter wird bekannt, dass auch der Dritte Sektor
keineswegs gegen moralische Fehltritte immun ist. Denken wir an Skandale im
Tierschutzbereich, wo der Vorstandsvorsitzende des 1985 gegründeten Deutschen
Tierhilfswerkes (DTHW) unter dem Vorwand gequälten Tieren zu helfen, bis zum Jahr
2000 über 25 Millionen Euro veruntreute. Bereits 1994 war dem DTHW der Status der
Gemeinnützigkeit aberkannt worden, doch weiterhin wurden durch Drückerkolonnen
Mitglieder auf Straßen und an Haustüren gewonnen, um die Mitgliedsbeiträge
ahnungsloser Förderer verschwinden zu lassen.4 Auch die Schlagzeilen zum kriminellen
Umgang mit Spendengeldern des Bayrischen Roten Kreuz lassen nur geringe interne
und externe Kontrollmechanismen der Institutionen im Dritten Sektor vermuten.5

Bislang gibt es keine staatlichen Vorgaben für die Transparenz und Offenlegung von
Informationen gegenüber der Öffentlichkeit. Ein großer Teil der im Dritten Sektor
vertretenen Organisationen ist bei der Verweigerung von externen Auskünften sogar
vom geltenden Recht gedeckt.6 Das starke Wachstum des Dritten Sektors und seine

1
Dieses Zitat entstammt einem der 22 Expertengespräche mit Stiftern in Deutschland zur
Beantwortung der Frage, warum sich Menschen dafür entscheiden, ihr Engagement in Form einer
Stiftung zu organisieren. Nachzulesen in: „Stiften in Deutschland - Die Ergebnisse der StifterStudie“,
vgl. Timmer, K. (2005), S. 66.
2
Vgl. Timmer, K. (2005), S. 62ff.
3
Zur Definition „Dritter Sektor“ vgl. Punkt 2.1.
4
Vgl. Müllerleile, Ch. (2001), S. 21f.
5
Vgl. Littich, E. (2002), S. 378.
6
Vgl. Walz, W.R. (2004), S.1.
Teil 1 - Einleitung 2

zunehmende zivilgesellschaftliche Relevanz lassen jedoch Fragen zur Verschwiegenheit


und Transparenz gemeinwohlorientierter Akteure aufkommen.7

Durch den Rückgang öffentlicher Finanzierung, wie die Kürzungen von Subventionen
für private Einrichtungen, sind die gemeinnützigen Organisationen immer stärker auf
philanthropische Finanzierungsquellen angewiesen. Die Förderer der Organisationen
wollen jedoch zunehmend die Verwendung der anvertrauten Ressourcen und die
Zielerreichung der Organisationen legitimiert wissen. So dominieren Fragen zum
transparenten und vertrauensvollen Umgang mit Spendengeldern genauso wie Fragen
zur Verantwortungsübernahme gemeinwohlorientierter Organisationen negative
gesellschaftliche Entwicklungen zu verhindern.

Die Diskussion um Transparenz und die Verantwortung für eine Auskunfts- und
Rechenschaftspflicht von wohltätigen Organisationen wird in den USA und
Großbritannien unter dem Begriff „Accountability“ geführt. In den USA gibt es seit
über zehn Jahren das gemeinnützige Online Informationsportal GuideStar. Dieses führt
mittlerweile detaillierte Informationen zu über 1.000.000 Organisationen und
verzeichnet durchschnittlich bis zu 5 Millionen Zugriffe pro Woche.8

Auch in Deutschland sind verschiedene Organisationen seit einigen Jahren bemüht, eine
freiwillige Transparenz von gemeinnützigen Organisationen zu institutionalisieren. Zu
nennen sind insbesondere das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in
Berlin sowie der Deutsche Spendenrat in Bonn. Bis zum Jahr 2002 war auch das
Deutsche Spendeninstitut Krefeld tätig und gab im „Register Deutscher
Spendenorganisationen“ 8000 Organisationen die Möglichkeit zu freiwilliger
Transparenz im Internet. Das Online Register scheiterte jedoch an unaktuellen und
unvollständigen Einträgen der Organisationen und blieb bis zum Ende nur dem
Auffinden von Adressen der Spendenorganisationen dienlich.

In einer Explorationsphase soll nun im Projekt GuideStar Deutschland evaluiert werden,


wie sich unter Berücksichtigung der Besonderheiten im deutschen Dritten Sektor, die

7
Vgl. Strachwitz, R.G. (2004), S.203., Walz, W.R. (2004), S. 1.
8
Vgl. GuideStar (2005a), o. S.
Teil 1 - Einleitung 3

Chancen für die Einführung eines Online Informationsportals gestalten. Da es in


Deutschland keine gesetzlich verpflichtende Publizität gibt, müssen die Organisationen
des Dritten Sektors freiwillig die Bereitschaft zeigen stärker und professioneller an die
Öffentlichkeit zu treten.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich für die Arbeit folgende zentrale
Problemstellungen:

 Welche Instrumente gibt es international zur Institutionalisierung von


Transparenz?
 Wie leistungsfähig sind die bereits bestehenden Systeme zur Institutionalisierung
von Transparenz in Deutschland und welche Probleme ergeben sich?
 Inwieweit sind die Organisationen des Dritten Sektors zur Transparenz und
Accountability gegenüber der Öffentlichkeit bereit und welche Einflussfaktoren
wirken auf die Bereitschaft?
 Welche kritischen Erfolgsfaktoren lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen,
insbesondere für die Implementierung des Online Informationsportals GuideStar
Deutschland, ableiten?

Zur Beantwortung dieser Fragen sind zunächst theoretische Überlegungen zum Thema
Transparenz im Dritten Sektor notwendig, bevor im dritten Kapitel zwei staatliche
Accountability Instrumente in Großbritannien und den USA sowie mögliche
Instrumente freiwilliger Transparenz allgemein vorgestellt werden. Um zu beurteilen,
wie leistungsfähig die in Deutschland bereits existierenden Ansätze zur Schaffung von
Transparenz im gemeinnützigen Sektor sind, werden verschiedene staatliche und
freiwillige Instrumente beschrieben und bewertet.

Zur Untersuchung der Frage, welche Einflussfaktoren auf die Bereitschaft von
Transparenz wirken, wurden im Rahmen der Arbeit Interviews mit verschiedensten
NPO unterschiedlicher Größe und Ausrichtung geführt. Auswahlkriterium waren die
Formen der Refinanzierung, die Tätigkeitsbereiche und der Anteil an Freiwilligen. Die
explorative Untersuchung, in Form der Interviews, stellt keine repräsentative Studie dar.
Sie kann jedoch Aussagen über die Bereitschaft von NPO zu einer potentiellen
Teilnahme am Online Informationsportal GuideStar Deutschland bieten. Sowohl unter
der Berücksichtigung von Problemen bereits bestehender Ansätze zur
Teil 1 - Einleitung 4

Institutionalisierung von Transparenz als auch den Ergebnissen der explorativen


Untersuchung, sollen kritische Erfolgsfaktoren für die Implementierung eines Systems
wie GuideStar in Deutschland abgeleitet werden.

Neben den geführten Interviews mit NPO Verantwortlichen, dienen Gespräche mit
Experten der theoretischen Untermauerung dieser Arbeit und dem Einstieg in die
Problematik, da bislang zum Thema Transparenz und Accountability in Deutschland
nur wenig wissenschaftliche Literatur vorhanden ist.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 5

2 Transparenz im Dritten Sektor

Bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Organisationsformen und Paradoxien im


Dritten Sektor gibt es einige ausgeprägte Organisationsmerkmale und
Gestaltungsprinzipien, die dem Thema Transparenz in der rechtspolitischen und
gesellschaftlichen Debatte Aufmerksamkeit zukommen lassen.9 Um ein gewisses
Verständnis der Organisationen im Rahmen dieser Arbeit zu sichern, werden zunächst
wesentliche Strukturbesonderheiten kurz beschrieben und theoretische Überlegungen
zur Bedeutung von Transparenz im Dritten Sektor vorgenommen.

2.1 Der Dritte Sektor und die Strukturbesonderheiten von NPO

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Dritte Sektor gemäß dem „Johns Hopkins
Comparative Nonprofit Sector Project“ als ein Bereich definiert, der bestehend aus
verschiedenen Nonprofit Organisationen (NPO), zwischen dem staatlichen, marktlichen
und dem traditionell familiären Sektor angesiedelt ist. Entsprechend dem
Forschungsprojekt zeichnen sich die dort vertretenen Organisationen durch eine formale
Struktur, ihre organisatorische Unabhängigkeit vom Staat, keine Gewinnausschüttung,
die eigenständige Verwaltung sowie durch ein gewisses Maß an Freiwilligkeit aus.10
Die Strukturbesonderheiten von Nonprofit Organisationen lassen sich über verschiedene
Merkmale identifizieren.11

 Multidimensionale Zielsysteme
Das oberste Organisationsziel von NPO besteht in der Verfolgung einer Mission
(Sachziel). Zur Erreichung dieses übergeordneten Ziels werden auch
finanzwirtschaftliche Ziele (Formalziele) zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit der
Organisation angestrebt. Nonprofit Organisationen verfolgen damit weiter gefasste
Ziele als gewinnwirtschaftliche Ziele, wie sie im privatwirtschaftlichen (Profit-)
Bereich dominieren. Die Evaluierung und Messbarkeit der Sachzielerreichung ist
grundsätzlich jedoch schwieriger als bei Gewinnzielen, da Entscheidungen neben

9
Vgl. Walz, R. (2004), S. 1ff.
10
Vgl. Salamon, L.M./ Anheier, H.K. (1999), S. 40f; Badelt, Ch. (2002a), S. 9f. Einen weiteren
Definitionsansatz bietet Schwarz. Vgl. Schwarz, P. (2001), S.14f.
11
Vgl. Badelt, Ch. (2002a), S. 7f.; Nährlich, S./ Zimmer, A. (2000), S.11f.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 6

outputorientierten Aspekten auch von der Wirkung (Outcome) erbrachter


Leistungen dominiert werden.12

 Vielfalt an Finanzierungsquellen
Eine weitere Besonderheit von NPO bildet die Tatsache, dass sie sich zur Erreichung
ihrer Sachziele aus unterschiedlichen Quellen finanzieren müssen. Dabei sind unter
anderem Subventionen und sonstige Zuwendungen, Leistungsentgelte, Gebühren,
Beiträge und Spenden und (Zu-)Stiftungen zu nennen.13 Schon in der Johns Hopkins
Studie wurde gezeigt, dass die Finanzierungsstrukturen in den einzelnen
Tätigkeitsbereichen des Dritten Sektors heterogen sind. Während die Spendenanteile
in den Kernbereichen des Gesundheitswesens, der Bildung und Forschung und im
Bereich der Sozialen Dienste an der Gesamtfinanzierung des Sektors gering
ausfallen, dominiert hier der Anteil der staatlichen Finanzierung. Die Bereiche der
Kultur und Erholung, der Umwelt- und Naturschutz sowie die internationalen
Aktivitäten sind hingegen maßgeblich auf eine Spendenfinanzierung angewiesen.14

 Differenzierte Personalstrukturen
Zahlreiche NPO zeichnen sich durch gemischte Personalstrukturen aus, die neben
bezahlten hauptamtlichen auch ehrenamtliche Beschäftigte aufweisen. Sowohl von
den Hauptamtlichen als auch den Ehrenamtlichen wird, neben der Anforderung
einer fachlichen Qualifikation, eine hohe Identifizierung mit der Mission der
Organisation und ein geringes Interesse an monetären Anreizen erwartet.15

 Steuerbegünstigter Status
Als weitere wesentliche Besonderheit ist anzumerken, dass die meisten Nonprofit
Organisationen im juristischen Sinn als gemeinnützige Körperschaften zu begreifen
sind, die von der Zahlung der Ertragssteuern befreit sind.16 Es sind jedoch auch NPO
denkbar, die nicht als gemeinnützige Organisationen anerkannt sind, obwohl ihr
Zweck zwar nicht erwerbswirtschaftlich, jedoch nicht im Sinne des Steuerrechtes als
gemeinnützig anerkannt ist.

12
Vgl. Horak, Ch./ Matul, Ch./ Scheuch, F. (2002), S. 201f.
13
Vgl. Littich, E. (2002), S. 374.; Zimmer, A. (1996), S. 148.
14
Vgl. Priller, E. / Zimmer, A. (2001), S. 213.
15
Vgl. Eckardstein, D. v. (2002), S. 309ff.
16
Zur Gemeinnützigkeit und Ertragssteuerbefreiung vgl. Ettel, M./ Nowotny, Ch. (2002), S. 227f.; Löwe,
M. (2003), S. 35ff.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 7

2.2 Zur Bedeutung von Transparenz für NPO

„Beim Thema Transparenz geht es im Grunde


doch eigentlich nur darum: Kann ich mehr
Spenden generieren, wenn ich selbst
17
transparenter erscheine?“

NPO unterliegen der Anforderung das Kunststück zu vollbringen, so viel Geld wie
möglich zu akquirieren, in einem größeren Ausmaß als andere sparsam damit
umzugehen und gleichzeitig stets den Eindruck zu erwecken, über viel zu wenig Geld
zu verfügen.18 Abgeleitet aus den zuvor betrachteten strukturellen Besonderheiten und
Paradoxien von NPO, soll aufgezeigt werden, warum gerade im Dritten Sektor dem
Thema Transparenz eine besondere Bedeutung zukommt.
Transparenz soll im Sinne einer aussagekräftigen Darstellung verstanden werden, die
ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild einer Organisation vermittelt.19
Die Offenlegung und Verfügbarkeit zentraler Informationen von gemeinnützigen
Organisationen kann den Anspruchsgruppen eine externe Kontrolle ermöglichen und sie
als außen stehende Dritte in die Lage versetzen, Entscheidungen zu treffen.
Beispielsweise für die Auswahl einer Organisation für eine Mitgliedschaft oder zum
Spenden von Zeit und Geld.

2.2.1 Die Gemeinnützigkeit und das Steuerprivileg

Die genaue Anzahl der gemeinnützigen NPO in Deutschland kann nicht beziffert
werden. Auch die Literatur trifft nur ungenaue quantitative Aussagen. Gemäß einer
Angabe der etwa 600 örtlichen Vereinsregister gibt es in Deutschland mehr als
574.35920 eingetragene Vereine, die fast alle von den Finanzämtern als gemeinnützig
anerkannt sind.21 Der Bundesverband Deutscher Stiftungen benennt, nach Angaben der
Stiftungsaufsichtsbehörden, Ende 2004 einen Bestand von 12.940 rechtsfähigen

17
Gespräch mit G. Schomacher am 2.06.2005.
18
Vgl. Patak, M./ Simsa, R. (1993), S. 248.
19
Vgl. Orth, M. (2004), S. 30.
20
Die V&M Service GmbH Konstanz hat diese Zahl, aufgrund einer bundesweiten Erhebung bei den
Vereinsregistern, im Sommer 2003 ermittelt. Vgl. V&M Service GmbH (2003), o. S.
21
Vgl. DZI Spenden-Almanach (2004/05), S. 6.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 8

Stiftungen des bürgerlichen Rechts.22 Neben den Vereinen und Stiftungen existiert eine
unbekannte Anzahl von gemeinnützigen GmbHs, gemeinnützigen Aktiengesellschaften
und Genossenschaften, die größtenteils als steuerbegünstigt anerkannt sind.

Während der Staat seine finanziellen Mittel aus Steuern generiert und der Markt sich
über die im Wettbewerbsprozess erwirtschafteten Gewinne finanziert, ist die
Aufgabenerfüllung des Dritten Sektors vorrangig auf die freiwillige Unterstützung
seiner Mitglieder und freigiebiger Spender angewiesen. Um die Entfaltung des Dritten
Sektors zu fördern und zu stärken, gewährt der Staat ihm steuerliche Vorteile. Zum
einen sind das unmittelbare Vergünstigungen, mit denen der Staat die Organisationen
von eigenen Steuerlasten befreit, und zum anderen mittelbare, mit denen er freiwillige
Zuwendungen an die Organisationen aktiviert.23 Beide Formen des Steuerprivilegs sind
an die Voraussetzung der Gemeinnützigkeit geknüpft.

Die Gemeinnützigkeit ist ein steuerrechtlicher Tatbestand, der an die Definition des §
51 Abgabenordnung (AO) gebunden ist. Laut Gesetz sind Körperschaften, die ihrer
Satzung und ihrer tatsächlichen Geschäftsführung nach, ausschließlich und unmittelbar
gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienen, begünstigt.24
Der Tatbestand der Gemeinnützigkeit ist dabei für die NPO, als Steuersubjekt, mit der
Befreiung von der Körperschafts-, Gewerbe-, Grund- und Erbschaftssteuer
verbunden.25,26

Durch den erworbenen Status der Gemeinnützigkeit dürfen die Organisationen zum
Zweck von Spendensammlungen „Bestätigungen über Zuwendungen“ an die privaten
Zuwendungsgeber ausstellen. Diese Spenden wirken wiederum bei den privaten
Förderern steuermindernd auf das zu versteuernde Jahreseinkommen27, wodurch neben
den emotionalen Absichten einer Spende auch ein steuerlicher Anreiz für die
freiwillige Alimentierung gemeinnütziger Organisationen entsteht. So haben im Jahr

22
Vgl. Bundesverband Deutscher Stiftungen (2005), S. X.
23
Vgl. Sachße, Ch. (2004), S.87.
24
Ein gemeinnütziger Zweck wird verfolgt, wenn die Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit
auf materiellem, geistigem oder sittlichen Gebiet selbstlos zu fördern. Vgl. §52 (1) S.1 AO.
25
Bei der Umsatzsteuer werden die Leistungen mit dem ermäßigten Satz von 7 % besteuert, vgl.
Deutscher Bundestag (2003), S. 6; § 12 Abs. 2 Nr. 8 Satz 1 UStG.
26
Vgl. § 5 Abs. 1 Nr. 9 Satz 1 KStG; § 3 Nr. 6 Satz 1 GewStG; § 3 Abs. 1 Nr. 3b GrStG; § 13 Abs. 1
Nr. 16 b Satz 1 ErbStG.
27
Vgl. §10 b (1) EStG.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 9

2004 die Bundesbürger 2,3 Milliarden Euro für soziale Zwecke gespendet. 28 Laut der
repräsentativen Befragung des „TNS Emnid Spendenmonitor 2004“ zum
Spendenverhalten der bundesdeutschen Bevölkerung ist die Spendenbereitschaft trotz
der angespannten wirtschaftlichen Situation gegenüber internationalen und nationalen
Hilfsorganisationen nach wie vor hoch.29

Im Austausch zu diesen beiden speziellen Privilegierungen entsteht für die


Organisationen des Dritten Sektors sowohl eine Legitimationsverpflichtung gegenüber
dem Staat als auch der steuerzahlenden Öffentlichkeit.30 Der Staat sieht ein
gesellschaftlich und gemeinschaftlich nützliches Interesse in den Organisationen und
verzichtet zu diesem Zwecke selbst auf Steuereinnahmen. Daraus begründet sich sein
besonderes Interesse an einer Basisinformation. Wilke betonte in einem Gespräch, dass
der Status der Gemeinnützigkeit eine Art Transparenzverpflichtung für NPO bildet, da
diese durch ihr spezielles Beschaffungsinteresse, um die Aufmerksamkeit und das
Vertrauen der Öffentlichkeit und vor allem auch um Spenden werben.31

2.2.2 Das Vertrauen als Funktionslogik

Im Vergleich zum kommerziellen Bereich, wo meist ein direkter Austausch zwischen


Leistungserbringer und Leistungsempfänger dominiert, sind Käufer (Staat, Spender etc.)
und Konsument (Spendenempfänger) einer gemeinnützigen Leistung meist nicht
identisch.32 Nonprofit Organisationen erbringen Leistungen für Dritte und realisieren
stellvertretend für den Geber einen Zweck. Bei diesem komplexen Leistungsaustausch,
der zugleich wirtschaftliche, soziale und emotionale Erwartungen an die
Leistungserbringung der Organisation stellt, ist eine Inkongruenz zwischen Finanzier
und Leistungsempfänger möglich.33

Dahinter steht das grundsätzliche und sogar normale Problem, dass bei einem
Austausch von Leistungen, die Möglichkeit opportunistischen Verhaltens eines

28
Diese Zahl umfasst jedoch lediglich das empfangene Spendenvolumen humanitär-karitativer
Organisationen. Vgl. Wilke B. (2004a), S. 9.
29
Vgl. TNS Emnid Spendenmonitor (2004), o.S.
30
Vgl. Waldhoff, Ch. (2004), S.157.; Strachwitz, R.G. (2004), S. 210.
31
Vgl. Gespräch mit B. Wilke am 13. 06.2005.
32
Vgl. Schneider, W. (1996), S. 193ff.
33
Vgl. Holewa, M. (1995), S. 11.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 10

Vertragspartners, aufgrund ungleich verteilter Informationen, besteht.34 Diese


„Principal-Agent-Problematik“35 wird in gemeinnützigen Organisationen durch die
Abkopplung der Finanzierung und der Komplexität der Leistungsabgabe noch einmal
verstärkt.36 Die Komplexität des Leistungsaustausches wird oft noch dadurch erhöht,
dass die dritte, zahlende Seite aus mehreren Geldgebern besteht und die Verwendung
ihrer Zuwendungen nachgewiesen und kontrolliert haben möchten.37 Die Prüfung fällt
umso schwerer, je weiter entfernt die Nutznießer der Wohltat sind und je
undurchschaubarer das Geflecht an Hilfsmaßnahmen und anderen Leistungen der
Organisation ist.38 Sowohl staatliche als auch private Zuwendungsgeber wollen mit ihrer
Alimentierung eine große Wirkung (Outcome) bei gleichzeitig geringen Kosten der
Verwaltung und des Fundraisings39 erzielen.40 Dadurch wird Transparenz zum
existenziellen Thema für Nonprofit Organisationen. Sie müssen das Vertrauen der
Förderer gewinnen und erhalten.

Im Zuge einer Umstellung systemischer Steuerungsprozesse von staatlicher zu


marktlicher Alimentierung sind die Organisationen stärker in der Verantwortung eine
Finanzierung durch private Spenden und (Zu-)Stiftungen anzustreben, um weiterhin ihr
Leistungsangebot aufrecht erhalten zu können.41 Angesichts der desolaten Finanzlage
der öffentlichen Haushalte, müssen die Organisationen langfristig nicht nur dem Staat
gegenüber ihre Vertrauenswürdigkeit unter Beweis stellen, sondern auch vermehrt einer
breiten Öffentlichkeit. Auch in Fällen, in welchen öffentliche Einsparungen die
Existenz der Organisationen nicht unmittelbar gefährden, unterliegen die
Organisationen einem erhöhten Legitimationsdruck in Bezug auf einen sparsamen und
effizienten Mitteleinsatz.42 Auch jene Organisationen, die ihre Ressourcenaufbringung
vornehmlich auf den Bereich privater Spendentätigkeit stützen, stehen unter einem

34
Vgl. Nährlich, S. (1998), S. 230; Reichard, Ch. (2003), S. 54f.
35
Schlüter, A. (2004), S. 350f.
36
Schlüter betont, dass die aus diesem Interessenkonflikt resultierenden Wirkungen, in der
amerikanischen NPO Forschung auch unter dem Begriff „Philanthropic Insufficiency“ diskutiert
werden. Vgl. Schlüter , A. (2004), S.351f.
37
Vgl. Holewa, M. (1995), S. 10f.
38
Vgl. Müllerleile, Ch. (2001), S. 21f.
39
Zur Definition des Begriffes Fundraising, siehe hierzu im Einzelnen Urselmann, M. (2002), S. 13ff.
40
Vgl. Schneider,W. (1996), S. 50.
41
Vgl. Jessen, H. (1999), S. 129.
42
Vgl. Eckardstein, D. v./ Zauner, A. (2002), S. 548.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 11

erhöhten Kostendruck. Der effiziente Mitteleinsatz tritt hierbei verstärkt als Kriterium
eines erfolgreichen Fundraisings auf.43

Die verschärften Maßstäbe, die im Zuge der Corporate Governance Debatte44 an


gewinn- und börsennotierte Unternehmen gelegt werden, haben auch Auswirkung auf
die Einstellung der Menschen gegenüber gemeinnützigen Organisationen.45
Vertrauensprobleme, die sich bei gewinnwirtschaftlichen Börsenunternehmen ergeben,
werden seitens der Anteilseigner (Shareholder) sanktioniert. Nonprofit Organisationen
hingegen unterliegen keinem Rentabilitätsdruck von Investoren und werden nicht durch
den Kapitalmarkt diszipliniert.46 Die Funktionslogik des Dritten Sektors liegt demnach
in der Freiwilligkeit und einem Vertrauensvorschuss seitens der Interessengruppen in
die Handlungen der gemeinnützigen Organisationen.47

Luhmann bezeichnet das Vertrauen als die wichtigste Ressource eines sozialen Systems,
die Komplexität reduziert, sich durch Gebrauch verstärkt und Handlungsmöglichkeiten
für das System schafft.48 Fehlt es an Transparenz und Information über Handlungen von
sozialen Organisationen, kann langfristig das Vertrauen in die Leistung angezweifelt
werden.49 Der gezielte Aufbau von Vertrauen ist nur durch eine transparente
Kommunikation von Informationen und konsistentes Verhalten der Organisationen
möglich.50 Ohne das Vertrauen der Leistungsempfänger (Klientel) als auch der
institutionellen und privaten Zuwendungsgeber in die Organisation, unübersichtliche
Lagen erfolgreich zu meistern, entfällt die Handlungsgrundlage für NPO.51

43
Vgl. Eckardstein, D. v./ Zauner, A. (2002), S. 549f.; im Einzelnen hierzu vgl. auch Urselmann, M.
(1998).
44
So bestand eine wesentliche Motivation zur Erarbeitung eines Corporate Governance Kodex darin, die
Transparenz des deutschen Systems der Unternehmensführung und- Kontrolle zu erhöhen. Vgl.
Dörner, D./ Wader, D. (2003), S. 361.
45
Vgl. Walz, W.R. (2004), S. 11.
46
Vgl. Littich, E. (2002), S. 378.
47
Vgl. Sachße, Ch. (2004), S. 83.
48
Vgl. Luhmann, N. (1968), S. 31ff.
49
Vgl. Walz, W.R. (2004), S. 11.
50
Vgl. Luhmann, N. (1968), S. 60ff.
51
Vgl. Holewa, M. (1995), S.11.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 12

2.2.3 Gesellschaftliche- und informationstechnische Herausforderungen

Solange Vertrauen in die Handlungen der Organisationen des Dritten Sektors besteht,
werden die beschriebenen strukturellen Besonderheiten nicht zwingend zu Problemen
für ihren Bestand und ihre Tätigkeit. Unter einer Vielzahl von Einflüssen können jedoch
vor allem Individualisierungstendenzen und sich wandelnde Werte als Ursache dafür
betrachtet werden, dass die positive Bindung der Menschen an soziale Organisationen
und die Ressource Vertrauen nicht mehr selbstverständlich sind.52 Werte und
Traditionen verlieren in unserer Gesellschaft zunehmend an Einfluss. Auch die
veränderte Rolle der Massenmedien wirkt in diese Richtung und stellt sich als
Herausforderung für die NPO dar.

Langjährige Spender werden zu sprunghaften Krisenspendern und tradiertes Ehrenamt


zu kurzzeitigem, flexiblem Engagement.53 „Viele Leute spenden spontan, wenn die Not
groß ist, sie wollen sich jedoch nicht auf lange Zeit binden.“54 Eine neue Generation von
Philanthropen wächst heran und zeichnet sich durch einen erlebnisorientierten
Lebensstil aus, wodurch die Organisationen gefordert sind, ihre Mitglieder stärker an
sich zu binden.55 In vielen Organisationen ist es nicht mehr unbedingt notwendig, dass
ein Engagierter auch Mitglied ist. Die Organisationen müssen auf das Nachlassen der
sozialen Bindungskraft und veränderte Engagementformen reagieren, indem sie das
Vertrauen der Interessengruppen stärken.

Eine Interviewpartnerin gibt im Zusammenhang aufkommender Vertrauensdefizite und


sich wandelnder Werte, die zunehmend kritische Haltung der Medien gegenüber NPO
zu bedenken.56 Durch Skandale in den Medien wird die Öffentlichkeit zunehmend für
das Thema Transparenz sensibilisiert und die Legitimation des Sektors anfällig gemacht
für Missdeutungen und Misstrauen. Wurden die Medien traditionell als „Dienstleister“
der Publizitätserwartungen sozialer Systeme definiert, lässt sich zunehmend ihr eigenes

52
Vgl. Priller, E./ Zimmer, A. (o. J.), S.1f.
53
Vgl. Holewa, M./ Dettmann, J. (2001), S. 150.
54
Gespräch mit G. Schomacher am 2. 06. 2005.
55
Vgl. Maecenata actuell (2003), S. 57f.
56
Vgl. Gespräch mit B. Prätorius am 24. 05. 2005.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 13

Reproduktions- und Autonomiestreben feststellen.57 Gerne und häufig wird in der Presse
über Misserfolge und weniger über das Positive von Organisationen berichtet.58

Das Internet als Kommunikationsmedium und die Veränderung der


Mediennutzungsgewohnheiten der Menschen wirken in hohem Maße auf die
Organisationen des Dritten Sektors ein. Für die Bindung der Förderer an die
Organisation wird das Internet immer wichtiger, da es für viele Menschen eine
unkomplizierte Möglichkeit bietet Informationen über ihre Spendenorganisationen
einzuholen. So nimmt die Internetpräsenz von NPO, durch eine eigene Website, einen
immer wichtigeren Stellenwert in der Wahrnehmung der Transparenz der Organisation
bei Interessenten, potentiellen Unterstützern und Förderern ein.59 Eine weitere
Möglichkeit im Internet präsent zu sein, bietet die Teilnahme an Nonprofit
Internetportalen mit speziellen Verzeichnissen, in denen sich die Organisationen mit
ihren Projekten kostenlos registrieren lassen können. Auf diesen so genannten Charity-
Portalen60 können potentielle Spender sich aktiv um die Suche nach adäquaten
Organisationen oder Projekten bemühen.61 Beispielhaft hierfür zu nennen ist die
Plattform für soziale Projekte www.gute-tat.de sowie das Portal www.helpdirect.org, wo
Hilfsprojekte aus aller Welt nach Ländern und Themen geordnet angeboten werden.

2.2.4 Exkurs: Gesetzliche Rechnungslegungs- und Publizitätspflichten

Die Vorschriften zur Rechnungslegung sind für NPO nach geltendem Recht, abhängig
von der jeweiligen Rechtsform, im BGB oder HGB verankert.62 Verpflichtende
gesetzliche Vorschriften die Informationen der Rechnungslegung gegenüber der
Öffentlichkeit zu publizieren, gibt es für die Organisationen jedoch bislang nicht.63
Zwar sehen die stiftungsrechtlichen Rechnungslegungspflichten gemäß der jeweiligen
Landesstiftungsgesetze vor, dass über die laufenden Geschäfte der Stiftung Bücher zu

57
Vgl. Marcinkowski, F./ Meier, W.A. (2004), S.73.
58
Vgl. Gespräch mit B. Prätorius am 24. Mai 2005.
59
Vgl. Fischer, K./ Neumann, A. (2003), S.102ff.
60
Der Begriff „charity“ bezeichnet im Englischen den Organisationstyp NPO und soll im Folgenden
synonym verwendet werden.
61
Vgl. Hohn, B. (2001) S. 35f.
62
Die genauen Rechungslegungsvorschriften sowie nicht oder nur in bedingtem Maße vorhandene
Publizitätspflichten von NPO können, im Rahmen dieser Arbeit, nur skizziert werden. Vgl. hierzu im
Einzelnen Löwe, M., Rechnungslegung von Nonprofit-Organisationen (2003); Sandberg, B.,
Grundsätze ordnungsgemäßer Jahresrechnung für Stiftungen (2001).
63
Vgl. Walz, W.R. (2004), S. 5.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 14

führen sind und nach Abschluss des Geschäftsjahres eine Jahresrechnung, eine
Vermögensübersicht und ein Bericht über den Stiftungszweck anzufertigen ist, jedoch
sind diese Rechnungslegungspflichten nicht mit einer Rechnungslegungspublizität
dieser Informationen gleichzusetzen.64 Adressaten der Rechnungslegung sind allein das
rechnungslegungspflichtige Organ der Stiftung und gegebenenfalls stiftungsinterne
Aufsichtsgremien und die zuständigen Stiftungsaufsichtsbehörden.65 „Die rechtsfähige
Stiftung kann sich wie kaum eine andere juristische Person der Öffentlichkeit
entziehen.“66

Ähnliches gilt für Vereine, da auch hier handelsrechtliche Vorschriften über eine
externe Rechnungslegung und Publizität nicht greifen und das Vereinsrecht darüber
hinaus keine Vorschriften für eine generelle Prüfung und Publizität der
Rechnungslegung vorsieht.67 Es gibt bislang nur einige wenige Vereine, die ihre
Jahresberichte neben den Mitgliedern auch der interessierten Öffentlichkeit zur
Verfügung stellen.68 Unabhängig von der Größe des Vereins erfährt die Öffentlichkeit
also nur das, was der Verein freiwillig mitteilt.

Für die in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH geführten NPO besteht zwar die
gesetzliche Pflicht, einen Jahresabschluss nach allgemein anerkannten kaufmännischen
Grundsätzen zu erstellen, der ab einer bestimmten Größe der Gesellschaft auch zu einer
Bestellung von Abschlussprüfern verpflichtet, jedoch ebenfalls nicht zwingend zu einer
Veröffentlichung gegenüber der interessierten Öffentlichkeit bestimmt ist.69

2.3 Die Anspruchsgruppen und ihre Erwartungen an die Transparenz der NPO

Betrachtet man die Umwelt von NPO, so sind eine Vielzahl verschiedener Interessen-
und Anspruchsgruppen im Handlungsfeld vertreten.70 Für die Organisation hat
Transparenz zunächst den Vorteil, dass diese den Informationsdruck vorab reduzieren
kann, wenn sie sich transparent macht, was natürlich noch nichts über die Qualität der

64
Zu den Rechnungslegungsvorschriften für Stiftungen; hierzu vgl. Orth, M. (2004), S. 31ff. Sandberg,
B. (2001), S. 74ff.
65
Vgl. Sandberg, B. (2001), S. 80ff.
66
Sandberg, B. (2001), S. 27.
67
Vgl. Löwe, M. (2003), S. 109ff.
68
Vgl. Sauer, O./ Luger, F. (1997), S. 57.
69
Vgl. Ettel, M./ Nowotny, Ch. (2001), S. 250.
70
Vgl. Raffée H./ Fritz, W./ Wiedmann,P. (1994), S. 61ff.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 15

veröffentlichten Informationen aussagt.71 Es stellt sich dabei die Frage, wem gegenüber
die gemeinnützigen Organisationen verantwortlich sind und bei welchen verschiedenen
Interessengruppen Transparenz hergestellt werden soll. Die folgende erweiterbare
Übersicht verdeutlicht, welche Anspruchsgruppen dabei aus Sicht der Organisationen
Beachtung finden.

Transparenzforderungen der einzelnen Interessengruppen an die NPO

Spender/ Stifter Staat


 Nachweis über effiziente und  Nachweis der Mittelverwendung und
sparsame Mittelverwendung Zweckbindung
 Einhaltung der Zweckbestimmung  Überprüfung der Einhaltung rechtlicher
Vorgaben

Destinatäre
 Informationen über dauerhafte Öffentlichkeit/ Medien
Zweckerfüllung und Erhaltung des  Informationen zum Schutz der
Stiftungsvermögens Allgemeinheit und Steuerzahler

Mitglieder Andere NPO


 Überprüfung der Interessenwahrung  Schutz gegen unlauteren Wettbewerb
 Verwendung der Mitgliedsbeiträge  Einschätzung der Konkurrenz

Haupt- und Ehrenamtliche Leistungsempfänger


 Informationen über „Ihre“ Organisation  Informationen zur Qualitätssicherung
zur Motivation und Integration der Leistungserbringung

Abbildung 1 –Transparenzforderungen an die NPO72

Dem Staat kommt durch die Setzung rechtlicher Rahmenbedingungen ein besonderes
Interesse an der Transparenz der Organisationen zu, da er so zur Überprüfung der
Einhaltung rechtlicher Vorgaben in der Lage ist. Neben dem bereits unter Punkt 2.2.1
erwähnten Gemeinnützigkeits- und Steuerrecht sind die Organisationen als Rechtsträger
weiteren rechtlichen Anforderungen unterworfen. So regelt das Zuwendungsrecht die
freiwilligen Leistungen des Staates an die Organisationen und begründet das Interesse
und eine Forderung des exakten Nachweises der effizienten und vertrauensvollen
Mittelverwendung und Zweckbindung.73 Weitere rechtliche Rahmenbedingungen für

71
Vgl. Wilke, B. (2004b), 3f.
72
Eigene Darstellung der Autorin.
73
Vgl. Betzelt, S. (2000), S. 51f.; Ettel, M./ Nowotny, Ch. (2001), S.225ff.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 16

NPO bilden das Recht der öffentlichen Auftragsvergabe, das Arbeits- und Sozialrecht
und eine Zahl weiterer Gesetze und Verordnungen.74

Die Öffentlichkeit und die Medien sind wesentliche Anspruchsgruppen und bilden ein
wichtiges Kontrollinstrument. Sie verschaffen einer guten Sache Unterstützung oder
sorgen für Kritik, lange bevor andere Mechanismen wirken.75 So haben die allgemeinen
Steuerzahler ein Interesse an Informationen der NPO, da sie die Leistungserbringung
der steuerbegünstigten Organisationen durch Steuergelder mitfinanzieren. Die Medien,
hier vor allem als Massenmedien wie Zeitung, Fernsehen und Rundfunk betrachtet, sind
neben ihrem eigenen Reproduktionsstreben vor allem bemüht, die Öffentlichkeit mit
Informationen über die Organisationen des Dritten Sektors zu versorgen.

Den individuellen Spendern und Stiftern kommt in den gemeinnützigen spenden-


sammelnden Organisationen eine besondere Rolle zu. Da sie die Organisationen zu
großen Teilen finanzieren, begründet sich ihre besondere Interessenlage an
Informationen zur zweckentsprechenden sparsamen Mittelverwendung.
Stiftungen haben als institutionelle Förderer von gemeinnützigen NPO ähnliche
Interessen wie die individuellen Spender. Sowohl ihr institutioneller Status als auch die
Größenordnung der Zuwendung bindet die Organisationen an die Einhaltung von
besonderen Auflagen. Dazu gehört die Informationspflicht über eine zweckgerichtete
Mittelverwendung, die oftmals an die Forderung der Offenlegung von Finanzberichten
und Jahresabschlüssen gegenüber den Stiftungsorganen geknüpft ist.76

In Vereinen, so konstatierte eine Interviewpartnerin, sind es vor alle die (Förder-)


Mitglieder,77 die als Förderer die Arbeit der Organisation legitimiert wissen möchten
und genau fragen, wie ihre Mitgliedsbeträge verwendet wurden.78 Ebenso wollen sie
Informationen über die Einhaltung der Satzung beziehen, um die Wahrung ihrer
Interessen zu prüfen.

Da Stiftungen, als Vermögensmassen keine Mitglieder haben, sind es die Destinatäre,


die ein Interesse an Informationen gemäß dem Stiftungsgeschäft haben. Destinatäre sind

74
Vgl. Betzelt, S. (2000), S. 51f.; Ettel, M./ Nowotny, Ch. (2001), S.225ff.
75
Vgl. Müllerleile, Ch. (2001), S. 21f.
76
Vgl. Littich, E. (2001), S. 373.
77
Fördermitglieder treten als Förderer ohne Stimmrecht auf. Hierzu vgl. Littich, E. (2001), S. 373.
78
Vgl. Gespräch mit U. Kielhorn am 19.05.2005.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 17

vom Stifter in der Verfassung, als Begünstigte des Stiftungsvermögens, vorgesehene


Personen.79 Daraus begründen sich ihre Forderungen nach Informationen über die
dauerhafte Zweckerfüllung und die Erhaltung des Stiftungsvermögens. Ob die
Destinatäre jedoch einen klagbaren Anspruch auf Leistungen und Informationen der
Stiftungen haben, hängt von der Satzung ab.80

Aufgrund der Prägung der Mitarbeiterstrukturen in NPO durch Haupt – und


Ehrenamtliches Personal stellen sich für die Organisation zwei Interessengruppen,
ohne die eine Leistungserbringung nicht zu gewährleisten ist. Da sowohl hauptamtliches
als auch ehrenamtliches Personal aufgrund geringer oder fehlender extrinsischer
Anreize ein psychologisches Interesse an der Leistung der Organisation entwickelt, ist
es von besonderer Bedeutung für die Organisation diesen internen Interessengruppen
Rechenschaft über die Leistung abzulegen.81 Die Mitarbeiter wollen wissen, ob sich ihr
Engagement lohnt und um das zu beurteilen, brauchen sie Informationen.82 Transparente
Informationen können die Mitarbeiteridentifikation steigern und die gemeinnützige
Organisation attraktiv für ehrenamtliches Engagement machen.

Weitere Anspruchsgruppen bilden die Leistungsempfänger, Auftragnehmer sowie


andere NPO; sie haben ein Informationsinteresse zur Wahrung ihrer persönlichen
Belange, wie die Qualität der Leistungen, dem Schutz gegen unlauteren Wettbewerb
oder der Kenntnis über die Liquidität einer Organisation.

2.4 Zwischenfazit

Die organisatorischen Besonderheiten von Nonprofit Organisationen und die Tatsache,


dass viele von ihnen Spenden sammeln, lassen dem Thema Transparenz eine besondere
Bedeutung im Dritten Sektor zukommen. Allein die Steuerbefreiung, die von den
meisten NPO in Anspruch genommen wird, bringt die Verpflichtung mit sich, der
Öffentlichkeit Rechenschaft über die Mittelverwendung abzulegen. Ohne Förderer sind
die meisten Organisationen nicht existenzfähig.

79
Vgl. Ettel, M./ Nowotny, Ch. (2001), S.254ff.
80
Vgl. Sandberg, B. (2001), S. 114f.
81
Vgl. Keating, E.K./ Frumkin, P. (2003), S.6.
82
Vgl. Sandberg, B. (2001), S. 114f.
Teil 2 - Transparenz im Dritten Sektor 18

Legitimationsprobleme des Sektors und ein allgemeiner Wertewandel haben jedoch zur
Folge, dass das Vertrauen in altruistisches Handeln, allein aus missionarischen
Grundsätzen, nicht mehr das Steuerprivileg gemeinnütziger Organisationen rechtfertigt.
So brauchen alle gemeinnützigen NPO, ob sie von steuerlich privilegierten
Stiftungskapital leben, Spenden werben oder auf engagierte freiwillige Mitarbeit
angewiesen sind, um sich zu finanzieren und ihre ideelle Mission auszuüben,
langfristiges öffentliches Vertrauen.83 Durch rechtzeitige, vertrauensvolle,
aussagekräftige Informationen kann die Organisation berechtigte Fragen zufrieden-
stellend beantworten und sich vor unberechtigten Fragen schützen.84 Es sollte daher im
Eigeninteresse der Organisation liegen, relevante Informationen transparent
darzustellen, um Rechenschaft über ihre Arbeit abzulegen und sich verantwortlich
gegenüber der Öffentlichkeit und anderen Anspruchsgruppen zu zeigen.

83
Vgl. Walz, W.R. (2004), S. 6.
84
Vgl. Strachwitz, R.G. (2004), S. 214.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 19

3 Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung


von Transparenz

Die Frage der Rechenschaftspflicht und Verantwortlichkeit hat in Deutschland sowohl


im gemeinnützigen als auch im gewinnwirtschaftlichen Bereich eine andere Tradition
als beispielsweise in den USA oder Großbritannien. Dort hat sich die Ansicht verbreitet,
dass Öffentlichkeit und Transparenz Missbrauch bei gemeinnützigen Organisationen
verhindern können.85
„Die Amerikaner haben zwei Begriffe für das, was bei uns durch Verantwortung und
Transparenz pauschal abgedeckt wird: responsibility und accountability. Dabei
beschreibt responsibility die Verantwortung gegenüber anderen, die jeder hat und
niemand abgeben kann. Accountability beschreibt die Eigenverantwortung und weist
hingegen auf jeden selbst zurück, auf das was man sich zurechnen lassen kann und die
Risiken, die nicht an Dritte weitergegeben werden können.“86

3.1 Begriffsdimension Nonprofit Accountability

Die wissenschaftliche Literatur, vorrangig der angloamerikanischen Nonprofit


Forschung entspringend, lässt verschiedene Begriffsansätze und Verständnisse von
Accountability zu. Folgt man zunächst dem Wörterbuch, wird Accountability mit dem
Begriff Verantwortlichkeit übersetzt. 87 Jemand ist „accountable“ im Sinne von
verantwortlich oder erklärlich gegenüber anderen, für Handlungen, mit denen er direkt
oder indirekt auf jene einwirkt. Diese Eigenverantwortlichkeit beinhaltet die
Rechenschaft anderen gegenüber und eine Verpflichtung sich zu erklären. Daraus
wiederum folgt für alle Beteiligten die Transparenz der Handlungen.88
Die OECD (Organisation for Co-operation and Developement) charakterisiert
Accountability als die Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht gesellschaftlicher
Akteure, als Bestandteil einer Good Governance („gutes Regieren“), auf verschiedenen
Ebenen der Gesellschaft zur Steuerung gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen.89

85
Vgl. Maecenata actuell (2003), S.58f.
86
Lotter, W. (2004), o.S.
87
Vgl. Oxford Advanced Learner’s Dictionary (1994), S. 9.
88
Vgl. Meléndez, S. E. (2001), S.12ff.; Emerson, J. (2001), S. 104f; Übers. durch die Autorin.
89
Vgl. OECD (2001), o. S.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 20

Angewandt auf NPO ergibt sich daraus die Verpflichtung, die Leistungserbringung für
die Gesellschaft im Allgemeinen und Speziellen gegenüber internen und externen
Stakeholdern (Interessengruppen) zu rechtfertigen. Damit sind alle Akteure,
Mechanismen und Institutionen des Dritten Sektors angesprochen, die verantwortlich
gemacht werden sollen für ihre Leistungen und Taten.90 Lawry definiert den Begriff
Accountability aus einem ethischen Verständnis heraus: ‚Accountability betrifft die
ethische Selbstdisziplin, die Entwicklung allgemein anerkannter Verhaltensstandards
und die unbedingte Offenlegung und Rechtfertigung aller Aktivitäten gegenüber
Befürwortern im organisatorischen und missionarischen Rahmen.’ 91

Die vorgestellten Definitionen zeigen, dass verschiedene Verständnisse von


Accountability und Abgrenzungen zum Begriff Transparenz möglich sind. Auffallend
ist, dass die Begriffe Accountability und Transparenz in der Literatur in einem sehr
umfassenden Sinn und häufig sogar synonym verwendet werden. Im Interesse einer
klaren Abgrenzung zum Begriff Transparenz soll in der vorliegenden Arbeit
Accountability im engeren Sinne als Rechenschaftspflicht verstanden werden, die
Transparenz herstellt. Nonprofit Accountability wird dabei wie folgt definiert:

Nonprofit Accountability bedeutet für die Organisationen des Dritten Sektors, in


regelmäßiger, angemessener und beständiger Form Informationen über Aktivitäten, die
mit der Organisation in Verbindung stehen, offen zu legen. Dabei sollen alle direkt und
indirekt Verantwortlichen und Interessenten Auskünfte erhalten über: Zwecke,
Prinzipien, Prozesse, Ergebnisse, Einnahmen und Ausgaben der Organisation.92

3.2 Instrumente staatlicher Regulierung

Anfang der neunziger Jahre hat eine Reihe von Skandalen in Amerikas Vorzeige NPO
„The United Way of America“ und „The National Association for the Advancement of
Colored People“ das öffentliche Vertrauen in den Sektor stark geschwächt.93 Daraufhin
hat der Staat mit der gesetzlichen Regulierung von Rechenschaftspflichten für charities

90
Vgl. Pezetti, R. (2004), o. S.
91
Vgl. Lawry, R.P. (1993), S.173f.; Übers. durch die Autorin.
92
Vgl. Vinten (1996), o.S.; zit.n. Wilke, B. (2004b), S.2f.; Übers. durch die Autorin.
93
Vgl. Herzlinger, R. E. (1996), S. 97.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 21

reagiert, um Accountability Standards für gemeinnützige Organisationen zu setzen.


Auch in Großbritannien sind charities aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zur
Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit verpflichtet.

3.2.1 Das „IRS Formular 990“ und GuideStar USA

Das Formular 990 des Finanzamtes, Internal Revenue Service (IRS), bildet in den
USA die rechtliche Grundlage für Nonprofit Accountability. Die Pflicht zur Erstellung
der Form 990 haben alle Organisationen, die aufgrund des Artikels 501(c) des „Internal
Revenue Code“ als steuerbegünstigt anerkannt sind, über 25.000 $ Einnahmen zu
verzeichnen haben sowie alle „glaubensbasierten“ Organisationen und Stiftungen
unabhängig von ihrer Größe. Seit 1999 muss das Formular 990 gemäß gesetzlicher
Anordnung auf den Websites der steuerbefreiten Organisationen veröffentlicht werden.
Die ausgefüllte Form enthält auf sechs Seiten in zehn Teilbereiche aufgeschlüsselte,
detaillierte Finanzangaben und beschreibende Angaben der Organisationen über:94
 Einnahmen und Ausgaben, Veränderungen der Vermögenswerte,
 Erklärung über die Verwaltungs- und Fundraisingkosten,
 Erklärung über die Zielerreichung von Projekten und Programmen,
 Angaben zum Jahresabschluss,
 Angaben zu Aufgaben und Gehältern des Vorstandes, Geschäftsführern und der
bestbezahlten Angestellten,
 Angaben zu sonstigen einnahmeerzielenden Aktivitäten.
Für Stiftungen werden in der Form 990 PF (Private Foundations) gesonderte
Pflichtangaben für Förderstiftungen und operative Stiftungen verlangt.

Aufbauend auf dem System der rechtlichen Regulierung, der interessierten


Öffentlichkeit durch ein standardisiertes Steuerformular Schlüsseldaten von
gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung zu stellen, bedient sich die US
Regierung zu dessen Umsetzung dritter Instanzen.95 So hat das gemeinnützige

94
Vgl. hierzu im Einzelnen Internal Revenue Service (2004), o. S.
95
Neben GuideStar ist eine Zahl weiterer Internet basierter Organisationen in den USA darum bemüht,
das Steuerformular 990 für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und Anleitungen zum korrekten
Ausfüllen der Formulare liefern. Vgl. Center for Charitable Statistics (2005), o.S.; Cyber
Accountability Network (2005), o. S.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 22

amerikanische Online Informationsportal GuideStar USA96 1994 damit begonnen, das


Formular 990 für die Öffentlichkeit frei zugänglich im Internet unter www.guidestar.org zu
hinterlegen.97

Inzwischen ist GuideStar das „Vehikel“ zur Veröffentlichung von Daten des
amerikanischen Finanzamtes geworden.98 Staatlich autorisiert, stellt GuideStar derzeit
die Daten von über 1.000.000 gemeinnützigen Organisationen über 250.000
registrierten Benutzern öffentlich zur Verfügung. Die Zielorganisationen des Portals
bilden dabei alle Organisationen, die das Formular aufgrund gesetzlicher
Bestimmungen ausfüllen müssen.
Obwohl in den letzten Jahren beträchtliche Anstrengungen bezüglich einer
Verbesserung der Genauigkeit sowie der Zugänglichkeit der Daten des Formulars 990
unternommen wurden, wird im wissenschaftlichen Zusammenhang die Aussagekraft
des Steuerformulars als Datenquelle für Nonprofit Accountability jedoch immer wieder
als unzureichend und fehlerhaft kritisiert.99

Neben den extrahierten Daten aus dem Formular 990 sind die Organisationen darüber
hinaus durch ein von GuideStar entwickeltes Rahmenwerk der Berichterstattung
(Reporting Framework) aufgerufen, freiwillige Angaben über ihre Organisation zu
machen. Hierbei handelt es sich um Angaben in den Bereichen:

I Vision und Mission


II Programme und Strategien
III Leistungen und Zieleinhaltung
IV Institutionelle Kompetenzen und Strategien
V Budgetplanung
VI Administrative Angaben.

Neben der kostenlosen Bereitstellung und Nutzung von Daten, bietet GuideStar einen
zusätzlichen Service der „Additional GuideStar Informations“, welcher sowohl für die

96
Die Beschreibung des Modells GuideStar USA basiert auf Aussagen von C. Neligan, Director of
Programms, GuideStar International, in einem Gespräch am 15.03.2005.
97
Vgl. Keating, E.K./ Frumkin, P. (2003), S. 3.
98
Vgl. Ortmann, A. u.a. (2005), S.6.
99
Vgl. Keating, E.K./ Frumkin, P. (2003), S. 3.; Herzlinger, R.E. (1996), S. 96.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 23

Organisationen als auch für die Nutzer auf kostenpflichtiger Basis angeboten wird.
Dabei kann die Organisation verschiedene finanzwirtschaftliche Analyseinstrumente für
sich zum Einsatz bringen.100

Die derzeitige Finanzierung des Geschäftsmodells GuideStar USA erfolgt zu einem


Drittel aus den Einnahmen für den zusätzlich angebotenen Service. Zwei Drittel der
Gesamtkosten werden bislang aus privaten Spenden finanziert, wobei GuideStar USA
langfristig anstrebt, bis zu achtzig Prozent seiner Kosten durch die angebotenen
Zusatzdienste zu decken.

3.2.2 Die „Charity Commission“ und GuideStar UK

In England und Wales101 unterliegen alle gemeinnützigen Organisationen der Aufsicht


der „Charity Commission“, deren Aufgabe und Bedeutung als Instrument zur
Sicherstellung der Rechenschaftspflicht gemeinnütziger Organisationen im Folgenden
nach den Ausführungen von Dawes beschrieben wird.102

Als öffentliches Register und Überwachungsbehörde ist die „Charity Commission“ eine
gerichtsnahe, ministerielle Behörde, die neben der grundsätzlichen Verantwortung für
die Registerführung der gemeinnützigen Organisation auch die Sicherstellung der
wirksamen Verwendung der Mittel prüft. Durch die Förderung besserer
Verwaltungsmethoden und die Unterstützung der betreffenden Treuhänder durch
Informationen sollen öffentliche Interessen gewahrt werden. Weiterhin darf die
„Charity Commission“ Ermittlungen über mögliche Missbrauchsfälle in den
Organisationen aufnehmen. Sie kann sogar in das Tagesgeschäft der Organisationen
eingreifen, indem sie Konten sperrt, öffentliche Spendensammlungen unterbindet oder
bei Nichteinhaltung, Satzungszwecke ändert.

Die Grundlage für die Arbeit und die Befugnis der „Charity Commission“ bildet eine
1995 verabschiedete Gesetzesgrundlage für die Rechnungslegung von Nonprofit

100
Analyst Report, Compensation Report, Charity Check, Grant Explorer u. a., hierzu vgl. GuideStar
(2005b), o. S.
101
Für die gemeinnützigen Organisationen in Schottland sowie Nordirland gibt es zwei weitere
Registrierungsbehörden, die ähnlich arbeiten wie die „Charity Commission“. Diese werden hier
jedoch nicht weiter betrachtet.
102
Vgl. Dawes, G. (2004), S. 76ff.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 24

Organisationen in Großbritannien. Dabei wurden allgemeine


Rechnungslegungspflichten für gemeinnützige NPO von der britischen Regierung
erlassen und im „Statement of Recommended Practice: Accounting and Reporting by
Charities“ (SORP) verfasst. Die „Charity Commission“ prüft jährlich bei 167.000
pflichtregistrierten Einrichtungen auf der Grundlage der eingereichten Jahresabschlüsse
und Berichte die Einhaltung der Rechnungslegungsempfehlungen des SORP. Die
ermittelten Daten sind für die Öffentlichkeit einschließlich der Rechnungslegung im
„Register of Charities“ bei der „Charity Commission“ hinterlegt. Damit stehen in
Großbritannien weitgehend standardisierte Rechenschaftsberichte von gemeinnützigen
Organisationen zur Verfügung, was zu einem weitgehenden Vertrauen der
Öffentlichkeit in den gemeinnützigen Sektor geführt hat.

Zur Veröffentlichung der registrierten Daten besteht seit 2003 nun auch eine Initiative
zwischen der „Charity Commission“, dem britischen Home Office und GuideStar UK
zum Aufbau einer Datenbank gemäß des Modells GuideStar USA, die im Spätsommer
2005 im Internet freigeschaltet wird. Ähnlich wie das Formular 990 des Finanzamtes in
den USA die Basis für die Veröffentlichung von Finanzdaten und Berichten der
gemeinnützigen Organisationen bildet, stellt die „Charity Commission“ dem
Informationsportal GuideStar Uk103 die geprüften Finanzdaten von gemeinnützigen
Organisationen zur Verfügung. In Phase I wird in der Datenbank zunächst einen Auszug
der gemäß SORP geprüften Finanzdaten von 167.000 registrierten Organisationen von
England und Wales veröffentlicht. In Phase II wird die Datenbank um die
gemeinnützigen Organisationen von Schottland und Nordirland erweitert.

Weitere zusätzliche Informationen, die auf dem GuideStar Portal veröffentlicht werden,
sind von den Organisationen selbst mit dem „Charity Profile Builder“ zu erstellen. Die
Angaben beziehen sich auf Informationen zur Organisationsstruktur, zu
Fundraisingaktivitäten und Programmen, Finanzdaten und Dokumenten wie Newsletter
und Pressemitteilungen. Gemäß dem amerikanischen Modell werden im weiteren
Verlauf Zusatzdienstleistungen für NPO angeboten, die nach der Einführung, zusätzlich
zu den Spendeneinnahmen, die laufende Finanzierung gewährleisten sollen. Zunächst
erhält GuideStar UK als gemeinnützige Organisation zur Entwicklung und

103
Die Beschreibung des Modells GuideStar UK basiert im Wesentlichen auf den Aussagen von C.
Neligan, Director of Programms, GuideStar International, in einem Interview vom 15.03.2005.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 25

Implementierung des Systems eine Anschubfinanzierung von 3 Millionen Pfund vom


königlichen Finanzministerium.

3.3 Instrumente freiwilliger Regulierung

International existieren neben staatlichen auch selbstregulierende Instrumente zur


Sicherstellung einer Rechenschaftspflicht von gemeinnützigen Organisationen. Drei
wesentliche Instrumente, Gütesiegel, Codes of Conduct und Watchdog Organisationen
werden im Folgenden definiert und beispielhaft voneinander abgegrenzt.

3.3.1 Gütesiegel und Akkreditierung

Gütesiegel, auch Label oder Gütezeichen genannt, haben die Funktion alle
Interessengruppen durch geprüfte Standards und die Vergabe kleiner anschaulicher
Kennzeichen über die besonderen Qualitäten eines Produktes oder einer Leistung zu
informieren, um ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich für oder gegen den Erwerb der
Leistung oder des Produktes zu entscheiden.104
Im Bereich des Spendenwesens gibt es weltweit verschiedene Akkreditierungsstellen,
die als unabhängige nicht-staatliche Instanzen nach einer systematischen Prüfung
anhand bestimmter Kriterien gemeinnützige Organisationen zertifizieren und Gütesiegel
vergeben. Nach den 1999 vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)
erarbeiteten „Prüfsteinen“ für die Beurteilung der Qualität von Gütesiegeln gilt zu
beachten:105
 Die Kriterien wonach ein Siegel vergeben wird, müssen überprüfbar sein,
weiterentwickelt werden und gesetzlichen Grundlagen entsprechen.
 Die Wahrung der Glaubwürdigkeit eines Gütesiegels muss durch die Pluralität
der Einflussgruppen auf die Richtlinien und die Unabhängigkeit zwischen
Siegelnehmer und Siegelgeber sichergestellt werden.

Das „Committee on Fundraising Organisations“ (ICFO) vereint derzeit 11


Akkreditierungsstellen aus verschiedenen Ländern, die nach unterschiedlichen Kriterien

104
Vgl. Scholl, G. (1999), S. 3f.
105
Vgl. Scholl, G. (1999), S. 3f.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 26

an verschiedene Zielorganisationen nach eingehender Prüfung Gütesiegel vergeben.106


Gemäß den jeweiligen nationalen Rechten, Traditionen und Besonderheiten werden
durch das ICFO Akkreditierungsstandards für ethische Richtlinien im Fundraising,
Prinzipien für die Rechnungslegung, die Transparenz und den öffentlichen Zugang zu
den Informationen von gemeinnützigen Organisationen gesetzt.107

3.3.2 Codes of Conduct

Codes of Conduct sind als Verhaltenskodexe der Selbstregulierung oder auch der
Selbstkontrolle zuzuordnen. Die zugehörigen Einheiten eines Sektors oder Verbandes
schaffen durch die Formulierung und die Anerkennung (Selbstverpflichtungserklärung)
einheitlicher Standards, ethische und moralische Werte mit dem Bestreben das
Qualitätsniveau einer Leistung zu sichern. Einige Organisationen formulieren eigene
Kodexe bzw. Grundsätze, die Selbstbeschränkungen und die unbedingte Verpflichtung
gegenüber dem Organisationszweck beinhalten oder verpflichten sich sektorspezifisch
bestimmte Standards einzuhalten.

In Deutschland praktizieren die sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in


Bezug auf ihre jeweiligen Mitgliederorganisationen die Selbstregulierung in
unterschiedlicher Weise. So hat das Deutsche Rote Kreuz mit dem „Berufsethischen
Kodex für Spendenwerber des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds“ einen
innerbetrieblichen Verhaltenskodex aufgestellt und der Deutsche Paritätische
Wohlfahrtsverband hat „Empfehlungen zum Umgang mit Spenden“ erlassen.108

Der Deutsche Fundraisingverband hat als Berufsverband der Fundraiser ca. 1000
Mitglieder, die sich an einen Fundraising-Kodex zur Selbstverpflichtung halten und der
Selbstkontrolle stellen. Dabei verpflichten sich die Fundraiser seriöse und
tatsachengetreue Spendenwerbung zu betreiben, sich für eine effiziente und
zweckgerichtete Mittelverwendung einzusetzen und für eine transparente und
nachvollziehbare Rechnungslegung einzutreten.109

106
Vgl. Wilke, B. (2003), S. 4.
107
Vgl. ICFO (2005), o. S.
108
Vgl. Müllerleile, Ch. (2002), S.55.
109
Vgl. Müllerleile, Ch. (2002), S.55.
Teil 3 - Nonprofit Accountability – Instrumente zur Institutionalisierung von Transparenz 27

Einen organisationsübergreifenden Selbstverpflichtungsansatz auf Standards praktiziert


der Deutsche Spendenrat e.V., welcher unter Punkt 4.2.2 näher betrachtet wird. Im
Gegensatz zu Akkreditierungsverfahren und der Siegelvergabe kontrolliert bei der
Selbstverpflichtung jeder, der ethische Grundsätze aufstellt, eigenmächtig ihre
Einhaltung durch Selbstkontrolle.

3.3.3 Watchdog Organisationen

Als „Watchdogs“ werden umgangssprachlich „Rating Agenturen“ oder „monitoring


bodies“ bezeichnet, die als unabhängige Überwachungsorganisationen der
Organisationen im Dritten Sektor fungieren.110 Sie überprüfen finanzielle und
beschreibende Daten der gemeinnützigen Organsiationen auf die Einhaltung bestimmter
Standards. Watchdog Organsiationen sind oft selbst Nonprofit Organisationen und
setzen Standards für die Handlungen und Rechenschaftspflichten für gemeinnützige
Organisationen, um die Öffentlichkeit mit Informationen über Leistungen gemäß oder
entgegen dieser Standards zu versorgen.

Wilke betont, dass Watchdog Organisationen sich sowohl von staatlichen


Regulierungsinstrumenten als auch von freiwilligen Selbstverpflichtungsinstrumenten
unterscheiden und in gewisser Weise dem Verbraucherschutz zuzuordnen sind.111
Nach Wilke muss ein „Watchdog“ mindestens folgende Merkmale aufweisen:

 einen unabhängigen, nichtstaatlichen Status,


 eine systematische und eigenständige Dokumentations- und Prüfungstätigkeit,
 eine unabhängige Auskunfts- und Expertenfunktion.112

Einige Akkreditierungsstellen nehmen aufgrund ihrer meist angebotenen Experten- und


Auskunftsfunktion auch die Rolle einer Watchdog Organisation wahr, jedoch sind diese
Instanzen unter genauer Prüfung voneinander abzugrenzen, da nicht alle
Siegelvergabestellen auch gleichzeitig als Verbraucherschützer agieren.113

110
Es gibt aber auch andere Bereiche, in denen Watchdogs zum Schutz von Verbraucherinteressen tätig
werden. In Deutschland ist der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) mit seinen
Mitgliedern, als ein Netzwerk von Interessenvertretern der Verbraucher, gegenüber Politik, Wirtschaft
und Öffentlichkeit tätig. Vgl. Bundesverbraucherzentrale (2005), o.S.
111
Vgl. Wilke, B. (2004b), 5f.
112
Vgl. Wilke, B. (2004b), 5f.
113
Vgl. Wilke, B. (2004b), 5f.; Walz, W.R. (2004), S. 12.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 28

4 Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in


Deutschland

Nach der Betrachtung möglicher Instrumente von Accountability auf der gesetzlichen
und der freiwilligen Ebene, sollen nun verschiedene Ansätze in Deutschland genauer
beschrieben werden. Da in Deutschland weder Instrumente wie das „Formular 990“
oder eine staatliche Registrierungsbehörde wie die „Charity Commission“ existieren,
soll geprüft werden, ob die Registrierungspflichten bei Amtsgerichten und
Stiftungsaufsichtsbehörden oder die Gemeinnützigkeitsprüfung der Finanzbehörden als
wirksame staatliche Ansätze zur Rechenschaftspflicht und Schaffung von Transparenz
im Dritten Sektor betrachtet werden können. Weiterhin werden zwei bereits bestehende
freiwillige Ansätze anhand ausgewählter Kriterien beschrieben und bewertet.

4.1 Beschreibung von Ansätzen staatlicher Regulierung

4.1.1 Die Vereinsregister und die Stiftungsaufsichtsbehörden

Eine externe Erfassung der Vereine erfolgt zunächst durch den Akt der Anmeldung und
die Eintragung in einem der über 600 dezentral geführten Vereinsregister der
Amtsgerichte. Örtlich zuständig ist das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Verein seinen
Sitz hat.114 Die Eintragung bei den Amtsgerichten begründet die Rechtsfähigkeit des
Vereins.115 Die Angaben in den Vereinsregistern beziehen sich auf:116

• Name und Sitz des Vereins,


• Vorstand des Vereins nebst Vertretungsbefugnis,
• Datum der Feststellung der Satzung und das Datum der Errichtung des Vereins.

Die in den Vereinsregistern erfassten Daten werden öffentlich geführt und stehen jedem
zur Einsichtnahme frei.

114
Vgl. § 55 Abs. 1 BGB.
115
Vgl. Agricola, S./ Wehr, P. (1993) S. 11.
116
Vgl. § 64 BGB.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 29

Nachdem die Vereine bei den Vereinsregistern registriert worden sind, haben diese
lediglich die Verpflichtung aktuelle Daten bezüglich Adressänderungen, beschlossenen
Satzungsänderungen oder die Änderung der Vertretungsbefugnisse zeitnah mitzuteilen.
Sämtliche Neueintragungen, Änderungen und Löschungen werden vermerkt, und im
Amtsblatt veröffentlicht.
Die Länder haben die Möglichkeit, die Vereinsregister zu zentralisieren, so hat Berlin
beispielsweise ein zentrales Vereinsregister beim Amtsgericht Charlottenburg errichtet.
Das Vereinsregister kann nach den Vorschriften gemäß §55a BGB117 elektronisch
geführt werden, über eine Digitalisierung der Vereinsregister verfügen jedoch bislang
nur die Bundesländer Hessen und Nordrhein Westfalen.118

Nach der föderalen Struktur des Stiftungsrechts stehen die Stiftungen unter der
jeweiligen Rechtsaufsicht des Landes. Die Rechtsaufsichtsbehörden bilden die
einzelnen Stiftungsaufsichtsbehörden, die nach der Prüfung des Stiftungsgeschäfts,
der Stiftungssatzung und der Annahmeerklärung der Stiftungsorgane die Annerkennung
der Stiftung als rechtsfähige juristische Person aussprechen. Anhand einzureichender
Jahresrechnungen mit Vermögensübersicht und Geschäftsbericht sollen insbesondere
die Einhaltung des Stiftungszwecks, die Übereinstimmung der Stiftungstätigkeit mit der
Stiftungssatzung sowie die Erhaltung des Stiftungsvermögens der Stiftungen überwacht
werden.119
Bei den Stiftungsbehörden werden auch, die in einigen Bundesländern vorgesehenen,
Stiftungsverzeichnisse geführt. Bezogen auf den Bericht der Bund-Länder-
Arbeitsgruppe Stiftungsrecht werden nach der bestehenden Sachlage in Deutschland
bereits in 13 Ländern Stiftungsverzeichnisse auf gesetzlicher Grundlage geführt.120 In
allen diesen Verzeichnissen ist enthalten:121

 Name der Stiftung,


 Sitz und Zweck.

117
Vgl. §55 a Abs. 1 Satz 2 BGB.
118
Vgl. Gespräch mit M. Vogelsang.
119
Vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31f.
120
Darüber hinaus werden auch vom Bundesverband Deutscher Stiftungen und vom Maecenata Institut,
aufgrund freiwilliger Angaben von Stiftungen, bundesweit geführte Stiftungsverzeichnisse erstellt.
Hierzu vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31f.
121
Vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31f.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 30

 Manche Verzeichnisse enthalten auch die genaue Anschrift der Stiftung, die
Höhe des Stiftungsvermögens oder die Zusammensetzung der
vertretungsberechtigten Organe.
Die darüber hinaus enthaltenen Daten sind in den einzelnen Stiftungsaufsichtsbehörden
der jeweiligen Länder jedoch keineswegs einheitlich. Etwa die Hälfte der bestehenden
Verzeichnisse ist für die Öffentlichkeit einsehbar, bei den anderen muss ein berechtigtes
Interesse der Einsichtnahme glaubhaft gemacht werden.122

4.1.2 Die Prüfung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzbehörden

Ein besonderes Verfahren, mittels dessen eine Körperschaft als gemeinnützig anerkannt
wird, ist im Gemeinnützigkeitsrecht nicht vorgesehen.123 Ob eine Körperschaft indessen
gemeinnützig ist, entscheiden die staatlichen Finanzbehörden in einem steuerlichen
Veranlagungs- und Festsetzungsverfahren.

a) Gegenstand und Inhalt der Prüfung


Die staatlichen Finanzbehörden prüfen dabei, gemäß §59 AO, ob die Vorraussetzungen
für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit und Steuervergünstigungen von den
Organisationen eingehalten wurden.124
Grundsätzliches Anliegen ist es zu prüfen, ob die tatsächliche Tätigkeit der Satzung und
damit den Regelungen des Gesetzes genügt. Die Finanzbehörde entscheidet gesondert
für die jeweiligen Steuerarten und den jeweiligen Veranlagungszeitraum, ob den
Organisationen ein Freistellungsbescheid ergeht.125 Solange ein Freistellungsbescheid
noch nicht ergangen ist, kann jede gemeinnützige Körperschaft die Ausstellung einer
vorläufigen Bescheinigung erwirken, die es ihr möglich macht Spenden zu empfangen
und Gebührenbefreiung zu erlangen.126 Außer der Klärung der Frage, ob die
Voraussetzungen des §5 Abs. 1 KStG erfüllt sind, erstreckt sich die Überprüfung auch
darauf, ob ein steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb vorliegt und ob

122
Vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31f.
123
Vgl. Schauhoff, S.(2000), S. 243; o.V. (1998), S. 245.
124
Die Vorschrift bestimmt, dass die Steuervergünstigung nur gewährt wird, wenn ein steuerbegünstigter
Zweck (§§52 bis 54 AO), die Selbstlosigkeit (§55) und die ausschließliche und unmittelbare
Zweckverfolgung (§§56, 57) durch die Körperschaft aus der Satzung direkt hervorgehen. Hierzu vgl.
o.V. (1998), S. 245.
125
Vgl. Schlüter, A. (2004), S. 79f.
126
Vgl. Schauhoff, S. (2000), § 5 Rn. 118, S. 246.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 31

entgegengenommene Spenden für die satzungsbegünstigten Zwecke verwendet


wurden.127

b) Zeitraum der Prüfung


Die Finanzbehörden führen die Überprüfung der Gemeinnützigkeit in Abständen von
jeweils drei Jahren durch.128 Die Überprüfung kann auch für einen einzelnen
Veranlagungszeitraum beantragt werden, wenn ein aktueller Freistellungsbescheid für
die Bewilligung öffentlicher Zuschüsse benötigt wird.129 Im Allgemeinen bezieht sich
die Prüfung auf das jeweils letzte Jahr des Erklärungszeitraumes von drei Jahren, es sei
denn, es besteht begründeter Anlass auch für die übrigen Vorjahre weitere Ermittlungen
anzustellen.

c) Sanktionen
Soweit das zuständige Finanzamt Zweifel am Vorliegen der Voraussetzungen für eine
Anerkennung als gemeinnützige Einrichtung hat, kann sie eine Außenprüfung
anordnen.130 Dabei können die jeweiligen Prüfungsbeauftragten zum Zwecke der
steuerlichen Beurteilung bis auf die einzelnen Rechnungen des laufenden
Geschäftsverkehrs der Organisationen hinunterprüfen. Wird aufgrund der Prüfung
festgestellt, dass die tatsächliche Geschäftsführung nicht den Satzungsbestimmungen
entspricht, kann der Körperschaft grundsätzlich der Status der Gemeinnützigkeit
aberkannt werden.131 Für die NPO kann das zur Folge haben, dass sie Steuern zahlen
muss und keine Zuwendungsbestätigungen mehr ausstellen darf.

d) Veröffentlichung
Die Finanzämter dürfen wegen des Steuergeheimnisses (§ 30 AO) grundsätzlich keine
Auskunft über die steuerliche Behandlung gemeinnütziger Körperschaften machen.

127
Vgl. Sauer, O./ Fritz (1997), S. 172.
128
Vgl. Schauhoff, S. (2000), § 5 Rn. 119, S. 246.
129
Vgl. Schauhoff, S. (2000), § 5 Rn. 119, S. 246.
130
Vgl. Schlüter, A. (2004), S. 79f.
131
Vgl. Bott, H. (2000), § 9 Rn. 2, S.553ff.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 32

4.1.3 Bewertung der Leistungsfähigkeit staatlicher Ansätze

Die Registrierungspflichten von gemeinnützigen Organisationen bei Vereinsregistern


oder Stiftungsaufsichtsbehörden sind wenig aussagekräftig im Sinne der besonderen
Interessenlage von Spendern, Zuwendungsgebern und der interessierten
Öffentlichkeit.132 Die Eintragung der Vereine in den dezentral geführten
Vereinsregistern erfolgt weder nach Sachgebieten noch nach Zwecken. Es besteht zwar
durch die Möglichkeit der öffentlichen Einsichtnahme eine Publizitätswirkung, jedoch
handelt es sich dabei nur um allgemeine Angaben der Organisationen.
Durch die föderale Struktur der Landesstiftungsgesetze sind die registrierten Daten bei
den Stiftungsaufsichtsbehörden in den jeweiligen Bundesländern keineswegs
einheitlich. Bei bisher geführten Stiftungsverzeichnissen in Deutschland handelt es sich
nicht um wirkungsvolle Verzeichnisse oder gar Register, bei denen die Angaben der
Stiftungen eine Publizität der Rechnungslegung bewirken.133
Die Bund-Länder Arbeitsgruppe bezeichnet die Register gar als Aufstellungen, deren
Angaben weder öffentlichen Glauben genießen noch eine Publizitätswirkung
entfalten.134

Weder die Registrierungspflichten der Vereine bei den Vereinsregistern noch der
Stiftungen in den Stiftungsverzeichnissen der Stiftungsaufsichtsbehörden lassen
demnach auf externe Kontrollmöglichkeiten und eine Publizität der Rechnungslegung
schließen, die zu einer transparenten und glaubhaften Darstellung der gemeinnützigen
Organisationen führt.

Externe Kontrollen von NPO setzen erst mit den aktiven oder passiven
Förderungsmaßnahmen des Staates ein, wenn der Status der Gemeinnützigkeit erlangt
ist. Die Prüfung der Gemeinnützigkeit der Steuerbehörden in Deutschland richtet sich
im Kern jedoch darauf, ob die steuerliche Belastung der Organisationen richtig
berechnet wurde. Dabei bleiben die Fragen, ob die Tätigkeit einer Organisation mit
Nachteilen für die Interessenten und vor allem die Öffentlichkeit verbunden ist, sich die
Organisationen transparent darstellen und tatsächlich Rechenschaft über ihre Tätigkeit

132
Vgl. Wilke, B. (2004), S. 3.
133
Vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31ff.
134
Vgl. Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht (2001), S.31ff.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 33

ablegen, unbeantwortet.135 Die steuerlichen Bescheide des Finanzamtes beinhalten keine


Aussagen über die tatsächliche Qualität und Quantität der Leistungen einer NPO.
Kriterien wie die Eindeutigkeit und Sachlichkeit der Werbe- und
Informationsmaßnahmen sind nicht Gegenstand der Prüfung. Oftmals wird eine
vorläufige Annerkennung der Gemeinnützigkeit bei einer neu gegründeten NPO schon
mit der Vorlage einer ordnungsgemäßen Satzung ausgesprochen. Aber auch der nach
der Überprüfung der tatsächlichen Geschäftsführung erteilte Feststellungsbescheid
bildet noch keine Gewähr dafür, dass die Spenden auch im Sinne des Spenders
verwendet wurden.

Ob eine NPO effektiv und effizient und vertrauensvoll wirtschaftet, entzieht sich somit
der steuerlichen Prüfung. Es gibt allerdings Tendenzen, dass die zuständigen
Finanzämter im Rahmen der Prüfung der Gemeinnützigkeit auch zunehmend Aufgaben
im Spenderschutz wahrnehmen, indem sie gemeinnützigkeitsschädliche
Mittelverwendungen prüfen. Problematisch ist dabei jedoch, dass sich die Prüfer in den
Finanzbehörden auf ein enges Spektrum von Fragestellungen beziehen müssen und in
ihrer Tätigkeit Ermessensspielräumen ausgesetzt sind, die einerseits politischen
Vorgaben, aber auch fiskalischen und oftmals leider auch persönlichen
Interessenkonflikten unterliegen. Unabhängig davon, dass die Prüfungs- und
Kontrollsysteme der Finanzbehörden nur Teilfelder der gemeinnützigen Organisationen
betreffen, sind diese „vermeintlichen Kontrollmechanismen“ nicht auf die
Rechenschaftspflicht der Organisationen gegenüber der Öffentlichkeit angelegt.

Im Vergleich zur „Charity Commission“ können die deutschen Finanzbehörden, wenn


sie von bedenklichen Praktiken gemeinnütziger Körperschaften Kenntnis erlangen
sollten, allenfalls die Vorraussetzungen der Gemeinnützigkeit verneinen. Sowohl die
Registrierungspflicht als auch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit, mit der im
Allgemeinen von den Organisationen geworben wird, bieten daher bislang keine
Garantie für die Transparenz und Spendenwürdigkeit der Organisation.

135
Vgl. Strachwitz, R.G. (2004), S. 211.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 34

4.2 Beschreibung von Ansätzen freiwilliger Regulierung

4.2.1 Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)136

 Geschäftsmodell und Finanzierung


Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen wurde als Archiv der Wohlfahrtspflege
1893 in Berlin gegründet und 1957 in eine Stiftung bürgerlichen Rechts umgewandelt.
Die angebotenen Leistungen vom DZI beinhalten die Unterhaltung einer Fachbibliothek
sowie die Literaturdokumentation zur Sozialarbeit/ Sozialpädagogik und
Wohlfahrtspflege. Von einem Eigenverlag wird die Fachzeitschrift „Soziale Arbeit“ und
der „DZI Spenden-Almanach“ herausgegeben. Seit 1992 wird zusätzlich zur
Dokumentation und Auskunftsfunktion ein Gütesiegel für erfolgreich geprüfte
Organisationen vergeben. Ziel der Vergabe des Spenden-Siegels ist es, dem Spender
unter minimalem Aufwand die Spendenentscheidung zu erleichtern (Spenderschutz),
die Organisationen zu transparenten Geschäftsgebaren zu verpflichten (Spendenschutz)
und dem Schutz des Staates und der steuerzahlenden Öffentlichkeit (Steuerschutz) zu
dienen.

Die Finanzierung der Arbeit des DZI erfolgt zu 40 % aus den erwirtschafteten
Eigeneinnahmen für die Akkreditierungsverfahren der gemeinnützigen Organisationen
und zu 60 % aus öffentlichen Zuwendungen des Landes Berlin, des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und des
Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).
Träger des DZI sind das BMFSFJ, der Berliner Senat, die Industrie und Handelskammer
(IHK) Berlin, der Deutsche Städtetag und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien
Wohlfahrtspflege (BAGFW).

 Zielorganisationen und Antragsvoraussetzungen


Zielorganisationen des DZI bildeten bis zum Jahr 2003 nur die Organisationen, die im
humanitär-karitativen Bereich Spenden sammelten. Seit Anfang 2004 kann das
Spenden-Siegel von allen überregional tätigen spendensammelnden Organisationen

136
Der folgende Abschnitt bezieht sich auf die Aussagen von Burkhard Wilke, wissenschaftlicher Leiter
und Geschäftsführer des DZI, in einem Gespräch am 9.06.2005; die Informationsunterlagen des DZI
zu den Leitlinien – und Ausführungsbestimmungen sowie den Artikel: DZI Spenden –Siegel –
Konzepte, Erfahrungen und internationaler Vergleich, hierzu vgl. Wilke, B. (2004c), S. 177-191.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 35

beantragt werden, die steuerbegünstigt nach §§51ff. AO sind, ihren Sitz in Deutschland
haben und deren Spendensammlungsergebnis 10 % ihrer Gesamteinnahmen
überschreitet. Bislang tragen 187 Organisationen das Spenden-Siegel.

 Kriterien zur Erlangung des Spenden – Siegels


Die vom DZI festgesetzten Prüfkriterien bilden gleichzeitig die Leitlinien für eine
Selbstverpflichtung der Organisationen. Damit verpflichten sich die Organisationen
zusätzlich zum vergangenheitsbezogenen Prüfungsverfahren folgende Kriterien auch
zukünftig zu respektieren:

(1) Wahre und eindeutige Spendenwerbung


Anhand der Prüfung der gesamten Werbe- und Informationsarbeit wie der Sichtung von
Werbebriefen, Websites oder TV und Radio-Spots der antragstellenden Organisation
stellt das DZI fest, ob diese den ethischen und moralischen Werten gemäß der DZI -
Leitlinien entsprechen. Unwahre, missverständliche, oder irreführende Werbeaussagen,
die auf nicht einzuhaltende Zusagen oder Zweckbindungen schließen lassen oder
drängende und extrem gefühlsbetonte Werbung sind mit den Leitlinien nicht vereinbar.

(2) Eindeutige und nachvollziehbare Rechnungslegung


Zur Sicherstellung von Rechnungslegungsstandards bei den zu akkreditierenden
Organisationen fordern die Leitlinien des DZI abhängig vom Sammlungsergebnis
unterschiedliche Dokumentations– und Prüfungspflichten. Im Allgemeinen ist eine
Einnahmen/ Ausgabenrechnung mit Vermögensrechnung vorzulegen, die in
Abstufungen, bis zu einem Sammlungsergebnis von 50.000 €, durch den Vorstand
gezeichnet sein muss. Ab 50.000 € wird eine organisationsinterne Prüfung und ab
250.000 € Sammlungsergebnis ein Nachweis der Prüfung durch einen Wirtschaftsprüfer
oder vereidigten Buchprüfer verlangt. Ab einem Sammlungsergebnis von 750.000 €
fordert das DZI einen durch Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer
kontrollierten Jahresabschluss mit Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang.

(3) Zweckgerichtete, sparsame und wirtschaftliche Mittelverwendung


Zur Überprüfung der sparsamen und wirtschaftlichen Mittelverwendung bildet die
Rechnungslegung der Organisationen die wichtigste Informationsquelle. Das Kriterium
der Sparsamkeit- und Wirtschaftlichkeit überprüft das DZI im Hinblick auf den Anteil
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 36

der Werbe- und Verwaltungskosten. Diese sind nach den Leitlinien des DZI alle
Ausgaben, die nicht den in der Satzung genannten steuerbegünstigten Zwecken
unmittelbar inhaltlich zuzuordnen sind. Als Basis der praktischen Bewertung dienen im
Prüfverfahren die nach Kostenarten und Kostenstellen angewiesenen Ausgaben. Das
DZI verlangt, dass der Anteil der Werbe- und Verwaltungskosten an den Gesamtkosten
ein vertretbares Maß von 35 % nicht übersteigt und nimmt unterhalb dieser
Abstufungen weitere Einschätzungen der Anteile bis 20 % „angemessen“ und unter 10
% „niedrig“ vor.

(4) Funktionierende interne Kontrolle


Das DZI analysiert dabei die internen Organisationsstrukturen anhand des
Organigramms und Selbstauskünften der Organisation. Dabei wird geprüft, ob das
Leitungsgremium (Vorstand, Geschäftsführer) von einem unabhängigen Aufsichtsorgan
inhaltlich kontrolliert wird, verwandtschaftliche Beziehungen im Leitungsorgan
bestehen oder Hauptamtliche hier tätig sind.

(5) Keine Fundraising Aktivitäten auf Provision


Hier prüft das DZI, dass grundsätzlich keine Prämien, Provisionen oder
Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden und anderen Zuwendungen an
Fundraiser oder sonstige Spendenwerber gezahlt werden.

 Verfahren und Kosten


Das Spenden-Siegel wird zuerkannt, wenn die genannten Antragsvoraussetzungen
erfüllt sind, die Einhaltung der Selbstverpflichtung durch die Prüfung anhand der
Kriterien vom DZI nachgewiesen und von den Organisationen auch für die Zukunft
erklärt wird. Die Bearbeitungsgebühr zur Vergabe des Siegels setzt sich aus einer
einmaligen Grundgebühr von 1000 € für den Erstantrag und jährlich 500 € und einen
Zusatzbetrag von 0,25 ‰ des Spendensammlungsergebnisses zusammen. Die
Akkreditierung mit dem „Sternenkranz“ ermächtigt die Organisationen das Siegel mit
der Geltungsdauer von einem Jahr werbend einzusetzen. Drei Monate vor Ende der
Gültigkeit muss durch die Organisationen ein Verlängerungsantrag gestellt werden, der
eine erneute Prüfung der „jüngsten“ Unterlagen zur Folge hat.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 37

 Sanktionen
Bei Nichterfüllung der Antragsvoraussetzungen, der Nichteinhaltung der
Selbstverpflichtung oder eines „Nichtbestehens“ der Prüfung wird kein Siegel zuerkannt
oder ein bereits Zuerkanntes aberkannt.

 Veröffentlichung der Daten


Die vom DZI „positiv“ geprüften gemeinnützigen spendensammelnden Organisationen
werden in einer Liste zusammengestellt, die sowohl im Internet auf der Seite www.dzi.de
eingesehen oder im Druckformat gegen eine Portogebühr angefordert werden kann. In
dieser Liste befinden sich die Adressdaten, die Kurzbeschreibung der Tätigkeit sowie
die Angabe der Website und der Kontonummer. Um Angaben der
Organisationsstrukturen, Länderschwerpunkte, Werbeformen und des ermittelten
Anteils der Werbe- und Verwaltungskosten ist die Liste der Spenden-Siegel
Organisationen im DZI Spenden-Almanach erweitert. Dieser kann gegen ein Entgelt
zuzüglich Portokosten ebenfalls direkt beim DZI von Interessierten bestellt werden.

4.2.2 Der Deutsche Spendenrat e.V.

 Geschäftsmodell und Finanzierung


Der Deutsche Spendenrat besteht seit 1993 als in der Rechtsform des eingetragenen
Vereins geführter Zusammenschluss spendensammelnder gemeinnütziger
Körperschaften, die ihren Sitz in Deutschland haben.137 Er tritt für die Wahrung und
Stärkung der ethischen Grundsätze des Spendenwesens und die Sicherstellung des
treuhänderischen Umgangs mit Spendengeldern durch eine freiwillige Selbstkontrolle
seiner Mitglieder ein. Ziel ist der Schutz der Spender und der spendensammelnden
Körperschaften selbst vor unlauterer Spendenwerbung und die Schaffung von
Transparenz gegenüber den Spendenden und der interessierten Öffentlichkeit. Zur
Erfüllung dieses Zweckes haben die Mitgliederorganisationen eine Selbstverpflichtung
zur Einhaltung von Grundsätzen über die Mittelbeschaffung und der Rechenschaft über
die Mittelverwendung beschlossen. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus den
jährlichen Mitgliedsbeiträgen der Organisationen.

137
Der folgende Abschnitt bezieht sich auf die Aussagen von B. Beder, Geschäftsführer des Deutschen
Spendenrates e.V., in einem Gespräch am 4.07.2005. sowie die Satzung des Deutschen Spendenrates
e.V. in der Fassung vom 29.04.2004 vgl. hierzu Deutscher Spendenrat e. V. (2004), o.S.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 38

 Zielorganisationen und Antragsvoraussetzungen


Die Zielorganisationen des Spendenrates bilden alle gemeinnützigen
spendensammelnden Organisationen, die ihren Sitz in Deutschland haben. Zur
Aufnahme in den Spendenrat müssen die Organisationen eine Mitgliedschaft erwerben,
welche durch eine schriftliche Erklärung und Unterzeichnung der Selbstverpflichtung
erlangt wird. Derzeit sind 64 Organisationen Mitglied im Deutschen Spendenrat e.V..

 Kriterien der Selbstverpflichtung


Die Mitgliederversammlung, bestehend aus je einem Vertreter der
Mitgliederorganisationen, entscheidet über den Inhalt und die Kriterien der
Selbstverpflichtung zur Einhaltung von Grundsätzen und Standards bei der
Spendengewinnung und über die Empfehlung zum ordnungsgemäßen Umgang mit
Spendengeldern. Im Bewusstsein der Verantwortung gegenüber Förderern und der
Öffentlichkeit verpflichten sich die Organisationen folgende wesentliche Grundsätze
einzuhalten:
- wahrheitsgemäße und sachgerechte Spendenwerbung,
- keine Belästigung oder Nötigung der Förderer durch Spendenwerbung,
- sparsame und zweckgerichtete Mittelverwendung,
- ordnungsgemäße Buchführung und Berichterstattung, Veranlassung einer
Abschlussprüfung gemäß den jeweils gültigen Richtlinien des Institutes der
Wirtschaftsprüfer (IdW) e.V.,138
- Einhaltung der Klassifizierungen des Deutschen Spendenrates e. V. zur Darstellung
und Erfassung der Verwaltungs- und Werbekosten.139

 Verfahren und Kosten


Die Mitgliedschaft im Spendenrat unterliegt keinem besonderen Prüfungsverfahren
durch die Organe des Spendenrates. Dieser erlässt lediglich „Empfehlungen zur
Selbstkontrolle“. Durch die gezeichnete Mitgliedschaft, die an die Einhaltung der
Grundsätze der Spendenwerbung und die Empfehlungen des Deutschen Spendenrates

138
Das IdW hat sich bereits Anfang der neunziger Jahre aufgrund fehlender gesetzlicher Bestimmungen
mit der Rechnungslegung des Dritten Sektors auseinandergesetzt. Vgl. Orth, M.(2004), S. 39ff.
139
Zur Abgrenzung und Zuordnung der Verwaltungskosten hat der Deutsche Spendenrat e.V.
„Grundsätze zur Darstellung und Erfassung der mittelbaren Aufwendungen im Jahresabschluss bei
spendensammelnden Organisationen“ mit einer Anlage zur Klassifizierung der Verwaltungskosten
und Fundraisingkosten als Kosten der Mitteleinwerbung erlassen. Vgl. Deutscher Spendenrat e.V.
(2005), o. S.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 39

e.V. gekoppelt ist, prüfen und überwachen sich die Mitglieder im Sinne der
Selbstverpflichtung gleichsam selbst. Die Mitgliedschaft ermöglicht den Organisationen
das Zeichen des Deutschen Spendenrates in Form eines „Wächterauges“ für ihre
Zwecke werbend einzusetzen. Die Kosten der Mitgliedschaft berechnen sich aus einem
Beitragssatz von 0,25 % der Einnahmen der Organisationen. Die Bemessungsgrundlage
bilden dabei Bar- und Sachspenden, Einnahmen aus Stiftungen, Zuschüsse aus
öffentlichen Kassen und sonstige Einnahmen im ideellen Bereich. Der Mindestbetrag ist
der bei 130 € und der Höchstbetrag bei 3.000 € festgesetzt.

 Sanktionen
Ein einberufener Schiedsausschuss, der aus fünf Mitgliedern der
Mitgliederversammlung besteht, prüft Beschwerden und spricht in begründeten Fällen
Missbilligungen und Rügen an die Organisationen aus. Bei Nichteinhaltung der
Selbstverpflichtungserklärung gemäß der Leitlinien oder bei Verweigerung der
Beitragszahlung wird der Organisation die Mitgliedschaft im Spendenrat e. V.
aberkannt.

 Veröffentlichung der Daten


Die Mitgliederorganisationen verpflichten sich gemäß einer Selbstauskunft einen
geprüften Jahresabschluss bzw. eine Einnahmen/ Ausgabenrechnung, einen Lagebericht
ggf. mit Bestätigungsvermerk eines Wirtschaftsprüfers auf Anforderung gegenüber
Interessenten offen zu legen. Dabei sollen die Förderer der jeweiligen Organisationen
mindestens einmal jährlich extra auf dieses Angebot hingewiesen werden. Auf der
Website des Deutschen Spendenrates e.V. gibt es unter dem Link www.spendenrat.com
ähnlich wie beim DZI eine Liste zur kostenfreien Einsicht mit der Angabe der
Adressdaten, Angaben eventueller Websites sowie die Spendenkontoverbindungen der
Organisationen. Auch die Geschäftsstelle des Spendenrates gibt Einzelauskünfte über
die Mitgliederorganisationen.

4.2.3 Bewertung der Leistungsfähigkeit freiwilliger Ansätze

 Geprüfte Standards beim DZI


Das Prüfungsverfahren des DZI zur Vergabe des Spenden-Siegels an
spendensammelnde Organisationen zeichnet sich positiv durch die Transparenz seiner
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 40

Prüftätigkeit auf Standards und die Erstellung eines umfangreichen Prüfberichtes aus.
Die Schritte des Prüfverfahrens werden nachvollziehbar dokumentiert und nach
Abschluss der Antragsbearbeitung den Organisationen auch im Ablehnungsfall zur
Verfügung gestellt und können dadurch einer Selbstreflexion und
Organisationsentwicklung dienen. Die nicht unerheblichen Kosten des
Prüfungsverfahrens, sind zwar zu einem gewissen Teil vom
Spendensammlungsergebnis abhängig, können jedoch zu einem Ausschluss
insbesondere kleinerer NPO führen.

Zur Sicherstellung einer Rechenschaftspflicht der Organisationen kombiniert das DZI


die Selbstverpflichtung auf Standards mit einem Akkreditierungsverfahren durch eine
unabhängige Prüfung auf Standards. Durch die unabhängige und eigenständige
Dokumentations- und Prüfungstätigkeit sowie die unabhängige Auskunfts- und
Expertenfunktion ist das DZI nach den unter 3.3.3 genannten Voraussetzungen
gleichzeitig als Spenden Watchdog Organisation einzustufen, die der Spenderberatung
dient. An das DZI wenden sich Personen, die keine Jahresabschlüsse lesen wollen oder
verstehen würden und vertrauen auf dessen unabhängiges Urteil, als „Clearing“ oder
Auskunftsstelle. Der Spender bekommt aufbereitete Zahlen geliefert, die ihm die
Spendenentscheidung erleichtern sollen. Inwieweit ein Spenden-Siegel jedoch den
Entscheidungsprozess beim Spender positiv beeinflusst, ist bislang nur wenig empirisch
belegt.140

Betrachtet man das Prüfverfahren genau, so ist auffällig, dass sich der Prüfumfang in
erheblichem Maße auf die Anteile der Werbe- und Verwaltungskosten bezieht. Zu
Fragen ist an dieser Stelle jedoch, was die errechneten und veröffentlichten Anteile
wirklich über die Leistungsfähigkeit der Organisationen aussagen. Eine konkrete
Abgrenzung der Werbe- und Verwaltungskosten ist je nach Blickwinkel sehr subjektiv
und unterliegt Ermessenspielräumen. Für die potentiellen Spender und die spenden-
sammelnden Organisationen wird der Anteil der Werbe- und Verwaltungskosten zu
einem wichtigen Orientierungsmaßstab für die effiziente Aufgabenerfüllung der
Organisation erhoben. Dadurch soll die Vergleichbarkeit heterogener Organisationen

140
Das DZI sieht die hohe Zahl an Zugriffen auf die Liste der „positiv“ geprüften Organisationen als
Indikator dafür, dass das Siegel von der Bevölkerung in zunehmendem Maße als Entscheidungshilfe
angenommen wird. Vgl. Wilke, B. (2004), S. 185f.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 41

ermöglicht werden, wobei wenig Aussagen über die inhaltliche Dimension möglich sind
und die an diesen Indikator geknüpften Erwartungen gering einzuschätzen sind. Zur
Vermeidung von Fehlschlüssen aufgrund der Verwaltungskostenanteile hat sich das
DZI entschieden, nicht die exakt errechneten Werbe- und Verwaltungskosten zu
veröffentlichen, sondern Rubriken zu bilden. Die Anmerkung „[...] die Angaben des
DZI sollten von Organisation zu Organisation nicht unmittelbar miteinander verglichen
werden, weil unterschiedliche Strukturen und Aufgaben der einzelnen Hilfswerke
verschieden hohe Werbe- und Verwaltungskosten rechtfertigen können“141 beschreibt
das Dilemma sehr genau. Die Vergleichbarkeit der Daten mit Bezug auf den Anteil der
Werbe- und Verwaltungskosten der einzelnen Organisationen ist nur bedingt möglich.
Für eine zertifizierte Organisation kann hier das Problem entstehen, dass der freudige
Spender sich trotz der Hinweise zur Interpretation eher geneigt fühlt, die Organisationen
zu alimentieren, die einem möglichst geringen Anteil an Werbe- und
Verwaltungskosten aufweisen.
Die „Öffnung“ des DZI für Organisationen im Umwelt- und Naturschutz sowie der
Kultur und anderen Bereichen ist als positiv zu bewerten, bringt jedoch weitere
Probleme hinsichtlich der Vergleichbarkeit der Daten mit sich und erfordert eine
konsequente Weiterentwicklung einer „Definition“ und Abgrenzung der Werbe- und
Verwaltungskosten. Die Kategorien vertretbare, angemessene oder gar niedrige Werbe-
und Verwaltungskosten sollten allein kein Charakteristikum für die Effizienz und
Qualität der Leistung bilden.

Eine Qualitätsprüfung wird durch das DZI jedoch nicht durchgeführt und sei nach
Aussagen des Geschäftsführers und wissenschaftlichen Leiters auch nicht möglich. „Die
Wahl und Durchführung der Projekte lässt sich von einer Institution wie dem DZI kaum
auf ihre Qualität hin überprüfen. Es wird zwar geprüft, ob die Projekte durch den
Zweck der Organisation abgedeckt sind, aber die Ergebnisqualität auf wirksame oder
erfolgreiche Projekte hin zu prüfen, ist aufgrund des Reise – und Personalaufwandes
nicht möglich.“142 Weiterhin bemerkt Wilke, dass es schwierig sei, solange es für
gemeinnützige Organisationen keine gesetzlichen Verpflichtungen gibt, eine bestimmte
einheitliche Art von Rechnungslegung vorzulegen, überhaupt eine wirkliche

141
DZI Spenden-Almanach (2004/5), S. 58.
142
B. Wilke am 13.06.2005.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 42

Vergleichbarkeit und Qualität der Daten zu sichern.143 Das DZI hat deshalb in enger
Abstimmung mit dem Institut der Wirtschaftsprüfer Deutschland (IdW) Standards für
die Aufstellung und Prüfung der Rechnungslegung aufgestellt. Eine gesiegelte
Organisation muss somit ab einem bestimmten Sammlungsergebnis zwar einen
gewissen Standard der Prüfung des Jahresabschlusses oder der Einnahmen/
Ausgabenrechnung vorlegen, jedoch gibt es keine endgültige Sicherheit, man könne die
Gefahr von Skandalen nur reduzieren.144

Zusammenfassend werden folgende Vor- und Nachteile in geprüften Standards


gesehen:

Vorteile
 Standardisierte Prüfverfahren können Entwicklungsprozesse in den
Organisationen auslösen, wenn dazu organisationsinterne Voraussetzungen
geschaffen werden. (z.B. durch interne Controlling-Systeme)
 Die Reputation von Gütesiegeln, kann zur verstärkten Transparenzbereitschaft
der Organisationen führen, um dieses als „Qualitätszeichen“ zu tragen.
 Eine Kontrolle der Organisationen anhand extern geprüfter Standards ist
möglich.

Nachteile
 „Strenge Prüfverfahren“ können die Organisationen abschrecken.
 Die meist hohen Kosten des Prüfungsverfahrens und der Bereitstellungsaufwand
betriebswirtschaftlicher Informationen können zum Ausschluss kleinerer NPO
führen.
 Die Vergleichbarkeit der Daten heterogener Organisationen ist durch die
Reduktion der Leistung auf einzelne Kennzahlen (z.B. Werbe- und
Verwaltungskostenanteile) begrenzt und lässt keine inhaltliche Bewertung der
Arbeit zu.

143
Vgl. Gespräch mit B. Wilke am 13.06.2005.
144
Vgl. Gespräch mit B. Wilke am 13.06.2005.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 43

 Die Selbstverpflichtung auf Standards beim Deutschen Spendenrat e.V.


Die Mitglieder im Deutschen Spendenrat e.V. haben sich mit einer Selbstverpflichtung
auf Standards einer Reihe von ethischen Auflagen unterworfen. Ob diese jedoch
eingehalten werden, wird nicht systematisch durch den Spendenrat überprüft.

Wie unter Punkt 3.3.2 beschrieben, ist der Selbstverpflichtungserklärung, im Sinne


eines Verhaltenskodex, die Selbstkontrolle durch die Mitgliederorganisationen
immanent. Sie verpflichten sich lediglich unverbindlich, dem guten Willen nach, Regeln
wie eine standardisierte Rechnungsprüfung, sachgerichtete Werbung und
zweckgerichtete Mittelverwendung einzuhalten.

Durch die Verpflichtung zur Veröffentlichung der Jahresberichte der


Mitgliederorganisationen des Spendenrates sollen zwar eine bessere Durchschaubarkeit
des Spendenwesens, eine erhöhte Vergleichbarkeit der spendensammelnden
Organisationen sowie eine größere Sicherheit für Spendende und andere
Entscheidungsträger geschaffen werden, jedoch greift die Verpflichtung zur
Veröffentlichung erst durch die Anfrage Dritter. Einer Publizitätswirkung gegenüber
der Öffentlichkeit wird dadurch nicht Genüge getan.
Durch die mangelnde Kontrolle der Qualität der Finanzdaten, entsteht überdies für die
interessierte Öffentlichkeit ein Modell ohne Wert hinsichtlich der Überprüfung
steuerschädlicher Praktiken von gemeinnützigen Organisationen. Laut eigener Satzung
will der Deutsche Spendenrat e.V. aber im Sinne einer Verbraucherschutzorganisation
die Interessen der Spenderinnen und Spender vertreten und erteilt zu diesem Zweck
auch Auskünfte und gibt Empfehlungen über Spendenorganisationen. Im Sinne eines
Watchdogs dürfte der Spendenrat e.V. wie nach den in Punkt 3.3.3 beschriebenen
Kriterien jedoch nur agieren, wenn er zuvor einer unabhängigen und systematischen
Prüf- und Dokumentationsfunktion nachgekommen ist. Dies ist bei einer bloßen
Selbstverpflichtung nicht der Fall. Die Auskunft über die Spendenorganisationen kann
zwar eine vermeintliche Sicherheit und Transparenz über die Organisationen bei den
Anspruchsgruppen schaffen, diese besitzt jedoch keine Validität. Der Spendenrat
verlangt zwar die Rechenschaftspflicht der Organisationen, schafft jedoch eine
„ungeprüfte Transparenz“, da er vor allem als Lobbyist seiner Mitglieder und nicht als
strenger Kontrolleur auftritt.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 44

Anzumerken ist, dass die Mitgliederorganisationen des Deutschen Spendenrates e.V.,


autorisiert sind, das Logo des Spendenrates als eine Art Gütesiegel zu verwenden. Es
könnte hier der Eindruck entstehen, dass ein wirkliches Akkreditierungsverfahren
stattgefunden hat. Man darf das stilisierte Wächterauge jedoch nicht als Qualitätssiegel
verstehen, sondern allenfalls als eine Erklärung guten Willens.145 Auch die
Sanktionsmöglichkeiten für ein „Fehlverhalten“ der Organisationen scheinen
fragwürdig und wenig wirksam, da lediglich über eventuelle externe Beschwerden beim
Schiedsausschuss der Ausschluss einer Organisation erwirkt werden kann.

Zusammenfassend werden folgende Vor- und Nachteile in der Selbstverpflichtung auf


Standards gesehen:

Vorteile
 „Weiche“ Standards können die NPO ermutigen sich diesen zu unterwerfen
 geringe Kosten für die Organisationen, da kein aufwendiges Prüfverfahren wie
bei geprüften Standards

Nachteile
 Validität und Qualität der Daten weder intern noch extern überprüfbar
 kein Vergleich der Organisationen untereinander möglich
 geringe Sanktionsmöglichkeiten bei einem „Fehlverhalten“ der Organisationen

4.3 Zwischenfazit

Die Kombination staatlicher Registrierungspflichten und selbstregulierender


Organisationen lassen Bemühungen erkennen, eine Rechenschaftspflicht von
gemeinnützigen Organisationen zu institutionalisieren. So bildet die finanzamtlich
anerkannte Gemeinnützigkeit die Grundlage der Antragsvoraussetzung beim DZI
Spenden-Siegel oder einer Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat.

145
Vgl. o.V. (2000) S.72f.
Teil 4 - Beschreibung und Bewertung von Accountability Ansätzen in Deutschland 45

Wie betrachtet, bezieht sich die staatliche Kontrolle der Organisationen allein auf die
Registrierungspflichten der Organisationen und eine steuerliche Überprüfung im Sinne
der Gemeinnützigkeit. Das Steuerrecht, welches für die Prüfung und Anerkennung der
Gemeinnützigkeit maßgeblich ist, bildet bislang jedoch keine geeignete Grundlage, um
eine Rechenschaftspflicht und Transparenz von NPO zu schaffen, da es wenig
aussagekräftig im Sinne der besonderen Interessenlage von Spendern,
Zuwendungsgebern und der Öffentlichkeit ist. Insgesamt ist eine weitgehende
Enthaltsamkeit des Staates in Bezug auf die Interaktionen zwischen den Organisationen,
den privaten Förderern und der Öffentlichkeit festzustellen.

Die Bemühungen der freiwilligen Systeme in Deutschland reagieren auf diese


Abstinenz mit der Schaffung eigener Mechanismen. Durch geprüfte Standards oder die
Selbstverpflichtung auf Standards sollen die Rechenschaft und Transparenz von NPO
institutionalisiert werden. Dabei wird bei den bisher bestehenden Instrumenten mit den
spendensammelnden Organisationen jedoch nur ein kleiner Teilbereich des Sektors
abgebildet. Neben positiven Effekten, die vor allem von geprüften Standards und der
Selbstverpflichtung auf Standards ausgehen, bleibt es jedoch problematisch, die
Qualität und Vergleichbarkeit der Daten heterogener Organisationen zu gewährleisten.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 46

5 Das Konzept GuideStar Deutschland

5.1 Die Darstellung des Geschäftsmodells146

Die Mission
Ziel von GuideStar Deutschland ist es, eine Online Datenbank mit permanent
aktualisierten und ausführlichen Informationen über die personelle und finanzielle
Situation sowie über Projekte gemeinnütziger Organisationen aufzubauen und zu
unterhalten. Dabei wird der potentielle Nutzen dieser Datenbank anhand der von
GuideStar im Rahmen der Explorationsphase durchgeführten Machbarkeitstudie wie
folgt kommuniziert:147

 Potentiellen Sponsoren gemeinnütziger Projekte soll die Datenbank als


Werkzeug dienen, um die Arbeit von NPO zu analysieren und zu vergleichen.
 Für den Gesetzgeber soll GuideStar einen technologischen Standard etablieren
zur kostengünstigen Kompensation ineffizienter Alt-Systeme.
 Für politische Entscheider soll GuideStar als Hilfsmittel geographischer
Segmentierung dienen, zur Analyse bestimmter Projektschwerpunkte bzw.
gemeinnütziger und infrastruktureller Über- und Unterversorgung.
 Der gesamtgesellschaftliche Nutzen von GuideStar wird darin gesehen, den
Umfang an Philanthropie zu erhöhen und der Stärkung sowie einer
Restrukturierung des Sektors zu dienen.

Die Strategie
GuideStar Deutschland soll voraussichtlich in der Rechtsform eines eingetragenen
Vereins (e.V.) geführt werden. Aufgrund der besonderen Rahmenbedingungen ist im
Sinne einer „Zwei-Säulen-Strategie“ angedacht, die Implementierung einer
bundesweiten Online Datenbank durch ein Pilotprojekt zunächst begrenzt auf ein
deutsches Bundesland und in Kooperation mit einem bereits bestehenden Portal zu
initiieren:148

146
Vgl. Der folgende Abschnitt bezieht sich auf die Aussagen von M. Vogelsang, Projektleiter der
Explorationsphase GuideStar Deutschland.
147
Vgl. Gespräch mit M. Vogelsang.
148
Das hier skizzierte Geschäftsmodell, betrifft zunächst eine Projektphase von ca. 1 Jahr und wird
eventuellen Gegebenheiten neu angepasst werden.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 47

 Durch eine räumliche Begrenzung des Portals wird angestrebt zunächst nur einen
begrenzten Umfang an Daten generieren zu müssen, wodurch es schneller gelingen
soll, eine ausreichende Anzahl an Datensätzen zu sammeln, mit denen das Portal ans
Netz gehen kann. Dabei soll jedoch klar vermittelt werden, dass GuideStar sich
nicht auf ein Pilotprojekt in einem bestimmten Bundesland reduziert. Vielmehr soll
durch diese Strategie eine bundesweite Ausstrahlung erreicht werden. Im Kern geht
es darum, eine bestimmte kritische Masse an Daten zu sammeln, bevor das
Informationsportal GuideStar Deutschland im Internet freigeschaltet wird.

 Eine Kooperation mit anderen Netzwerken bzw. Portalbetreibern soll den Vorteil
schaffen, die Idee einer Online Datenbank für den dritten Sektor zu kommunizieren
und das Pilotprojekt zu demonstrieren.149 Die Anbindung von GuideStar an ein
bereits existierendes und erfolgreiches Portal soll die eigene Glaubwürdigkeit
erhöhen und Anreizeffekte für gemeinnützige Organisationen schaffen, ihre Daten
freiwillig zu veröffentlichen.

Die Finanzierung
Derzeit wird GuideStar Deutschland vom internationalen Netzwerk GuideStar
International (GSI) finanziert, muss sich aber sukzessive um die Generierung eigener
Finanzmittel bemühen. Während der Machbarkeitsstudie wurde evaluiert, dass die
weitere Finanzierung möglicherweise durch Unternehmen (Sponsoring), Stiftungen
oder durch EU Projekte getragen werden kann. Anders als in den USA wird in
Deutschland in der ersten Phase keine Chance der Refinanzierung über Gebühren
zusätzlich angebotener Dienste gesehen.150 Das Angebot wird sowohl für die
teilnehmenden Organisationen als auch für registrierte Benutzer zunächst kostenlos zur
Verfügung gestellt.

Die Zielorganisationen und Antragsvoraussetzungen


Die Zielorganisationen des Online Informationsportals GuideStar Deutschland bilden
alle über 500.000 Vereine und mehr als 13.000 Stiftungen, die in Deutschland
existieren. Die Konzentration auf ein Pilotprojekt soll nicht zur Konsequenz haben, dass

149
Denkbar ist hier eine Präsenz von GuideStar im Rahmen größerer Netzwerkorganisationen, wie zum
Beispiel dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE).
150
Mittel- bis langfristig ist es jedoch vorstellbar, dass die bei GuideStar registrierten Organisationen
einen gewissen geringen Betrag an Gebühren für die Teilnahme am Portal bezahlen.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 48

andere Bundesländer keine Zielgruppe für die Datenerhebung bilden. So wird neben
dem pro-aktiven Versand von Datenerfassungsbogen im Gebiet des Pilotprojektes eine
weitere Sammlung verfügbarer Datensätze anderer Bundesländer aufgenommen. Dabei
hofft GuideStar von bereits vorhandenen Datenbeständen der Kooperationspartner
profitieren zu können. In begrenztem Umfang wird hier auch die Nutzung von Daten
der Vereinsregister angedacht. Teil einer Kooperation mit einer Länderbehörde soll
möglicherweise sein, bei der Digitalisierung der Daten aus Vereinsregistern
technologische Unterstützung zu leisten und im Gegenzug einen besseren Zugang zu
diesen Daten zu erhalten.

Das Reporting Framework


Das Rahmenwerk für die Berichterstattung von GuideStar Deutschland bildet ein von
GuideStar International für alle Netzwerkpartner verbindlich vorgegebenes Reporting
Framework. Dieses wird genutzt, um ein gewisses internationales Grundniveau an
Daten des online Informationsportals zu gewährleisten. Unter Beachtung der generellen
Prinzipien wird es an die Voraussetzungen des deutschen Drittens Sektors angepasst
und ab Herbst 2005 in eine Technologieplattform integriert.

Welche genauen Bereiche das Reporting Framework enthalten wird und welche
Angaben für die Organisationen optional oder verpflichtend sein werden, kann derzeit
noch nicht abschließend beantwortet werden. Anspruch von GuideStar ist es, dass der
Nutzer des Portals die Möglichkeit erhält, Informationen über die Werte, die
Grundausrichtung sowie die personelle und finanzielle Situation einer gemeinnützigen
Organisation zu erfahren. Durch das Reporting Framework sollen Standards für die
„Selbstberichterstattung“ (Self-Reporting) der Organisationen gesetzt werden, da ein
bestimmter Mindestumfang an Dateninhalten maßgeblich und verpflichtend sein wird.

Die Leitlinien der Berichterstattung werden wie folgt in einem Entwurf des Reporting
Frameworks dargestellt:
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 49

GUIDE-STAR „REPORTING FRAMEWORK“

1. selbst generierte Informationen


 Sämtliche Berichte müssen vom Management der Organisation oder Mitarbeitern
zusammengestellt sein.

2. Non-evaluativ
 Die Information der Berichte wird von GuideStar in keiner Weise berichtigt, zertifiziert oder
evaluiert.

3. Leistungs basiert
 Die Berichterstattung sollte auf erreichte Leistungen fokussieren, dabei auf die Mission und
die Ziele der betreffenden Organisation eingehen sowie auf den Grad ihrer Zielerreichung.
Eine kurze Darstellung vergangener Projektphasen oder ein eventuell stark vereinfachter
Finanzbericht wäre hierfür noch kein adäquater Ersatz.

4. Konsistenz
 Die Reporting Frameworks aller nationalen GuideStar-Systeme sollten so weit wie möglich
übereinstimmen. Wie weit diese Angleichung reichen kann, hängt letztendlich von nationalen
Eigenheiten, z.B. Gesetzen oder der Einstellung des dritten Sektors zum Thema
„Transparenz“ ab, die sich unmittelbar auf die Ausgestaltung eines Portals auswirken.

5. Setzung von Standards


 Die Berichte sollten Standards für andere NPO setzen, hinsichtlich ihrer eigenen internen
Planung, ihres Managements und ihrer Berichterstattung.

6. Anwendbarkeit
 Die Berichte sollten für die Mitarbeiter von NPO, Geldgeber oder andere wichtige Zielgruppen
sofort anwendbar sein.

7. Flexibiltät
 Der Rahmen für die Berichterstattung sollte ausreichend flexibel sein, um nützliche
Information sowohl von großen erprobten, als auch von kleinen wenig erfahrenen
Organisationen zu generieren. Lediglich zur Erreichung des so genannten Participant Status,
der einer Organisation die Priorität bei Suchergebnissen gibt, wird die Beantwortung
bestimmter zentraler Fragen verpflichtend sein.

8. Verständlichkeit
 Geldgebern oder öffentlichen Einrichtungen, genauso befriedigen wie das Interesse einer
breiteren Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck bietet sich eine weitgehende Rationalisierung
(Vereinfachung) der Grunderfordernisse sowohl in technischer, struktureller und inhaltlicher
Hinsicht an.

9. Rationalisierung der Grunderfordernisse an die Berichterstattung


 Gut abgefasste Berichte an GuideStar sollten das Informationsbedürfnis besonders
anspruchsvoller Zielgruppen, wie z.B. von Geldgebern oder öffentlichen Einrichtungen,
genauso befriedigen wie das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck bietet
sich eine weitgehende Rationalisierung (Vereinfachung) der Grunderfordernisse sowohl in
technischer, struktureller und inhaltlicher Hinsicht an.

Abbildung 2 – Reporting Framework151

151
Vgl. GuideStar Deutschland.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 50

Sanktionsmechanismen und Kontrollen


Zur Wahrung der Grundsätze nach denen die Organisationen ihre Informationen bei
GuideStar publizieren dürfen, bedarf es nach Auffassung des Projektteams eines
externen Aufsichtgremiums und weiterer Kontrollmechanismen, die derzeit erst
diskutiert werden. Denkbar wären:

 „Ehrenrat“
Ein Ehrenrat könnte als externes Aufsichtgremium fungieren. Die Mitglieder
dieses Gremiums sollten sich aus renommierten Organisationen des Dritten
Sektors rekrutieren, um die Kredibilität von GuideStar im Sektor zu erhöhen und
eine neutrale Haltung im Falle kritischer Entscheidungen von GuideStar zu
dokumentieren. Überprüft wird in diesem Zusammenhang, an welchen
Zielvorgaben sich die Entscheidungen des Ehrenrates orientieren müssen und
wie die genaue Besetzung des Gremiums aussehen wird. Eine Satzung wird die
Basis sämtlicher Entscheidungen bilden und auch Gründe festlegen, ob eine
Organisation prinzipiell oder nachträglich vom Portal auszuschließen ist.

 Stichprobenerhebung
Einen weiteren potentiellen Kontrollmechanismus bilden
Stichprobenerhebungen. Dabei nimmt GuideStar in regelmäßigen Abständen
Stichproben der einzelnen auf dem Portal veröffentlichten Daten der
Organisationen. Ziel wäre es herauszufinden, wie ehrlich die einzelnen
Organisationen über sich berichten. Die Ergebnisse würden jedoch nicht
veröffentlicht, sondern in Absprache mit den zuständigen Gremien (GuideStar
International, Ehrenrat, Lenkungskreis) und den berichterstattenden
Organisationen Modifikationen unterliegen. Das kann einerseits die
Weiterentwicklung des Reporting Frameworks bedeuten oder aber strengere
Ausschlusskriterien für die Organisationen zur Folge haben

5.2 Bewertung der Leistungsfähigkeit

Der Konzeption folgend, würde das Online Informationsportal GuideStar nach


erfolgreicher Umsetzung erstmalig den gesamten deutschen Dritten Sektor abbilden und
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 51

insbesondere für die allgemeine Öffentlichkeit und weitere Zielgruppen Informationen


über wohltätige Organisationen bereitstellen. Dabei kann sich der Nutzer durch die
Internetplattform schnell und unkompliziert einen umfassenden Überblick über
potentielle Spendenorganisationen oder zukünftige Partner verschaffen. GuideStar ist
dabei bestrebt, über den Teilbereich der spendensammelnden Organisationen hinaus,
Informationen einer Vielzahl von heterogenen Organisationen des Dritten Sektors zu
publizieren und dadurch bei den unterschiedlichsten Nutzergruppen Transparenz zu
schaffen.

Wie unter Punkt 4.2 betrachtet, existieren in Deutschland bereits sektorspezifische


freiwillige Organisationen zur Sicherstellung von Accountability als Basis für
Transparenz. Organisatorisch sieht sich das Projekt GuideStar als Teil einer
übergeordneten Initiative zur Förderung von bürgerschaftlichem Engagement und nicht
als Konkurrent zu den bereits bestehenden Systemen. Vielmehr begreift es sich als
nützliches Hilfswerkzeug und synergetische Ergänzung für bereits etablierte Systeme.152
Sowohl das DZI als prüfende Instanz und der Deutsche Spendenrat e.V., als
Netzwerkorganisation, sprechen mit ihren Leistungen zwar vor allem die
spendensammelnden gemeinnützigen Organisationen an, jedoch bewegt sich GuideStar
auf einem „Teilmarkt“ bereits bestehender Systeme zur Selbstregulierung der
Rechenschaftspflicht gemeinnütziger Organisationen. Hierdurch kann potentiell eine
Konkurrenzsituation um teilnehmende Organisationen entstehen.

Im Gegensatz zu geprüften Standards, die das DZI vergleichsweise ansetzt, sollen bei
GuideStar die Standards der Berichterstattung zum einen durch das „Reporting
Framework“ und zum anderen durch einen Wettbewerb der Organisationen
untereinander gesetzt werden. Im Sinne einer sich selbst steuernden „best practice“153
sollen die Organisationen untereinander zu einer umfassenden, aussagekräftigen und
hochwertigen Berichterstattung animiert werden und Informationen offen legen.

Die Berichterstattung der Organisationen würde ausschließlich einer „self reported


transparency“ unterliegen, denn im Unterschied zum Modell GuideStar USA und

152
Vgl. Gespräch mit M. Vogelsang.
153
„Best practice“ kann hier im Sinne messbarer Spitzenleistungen betrachtet werden, die durch den
Vergleich von Organisationen in Bezug auf Prozesse, Fundraisingmethoden, Stakeholder –
Orientierung und ethische Finanzierung entstehen sollen. Vgl. hierzu auch Walz, R. (2004), S. 8f.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 52

GuideStar UK wäre ein Online Informationsportal in Deutschland eindeutig der


Selbstregulierung zu zuordnen. In Deutschland steht für die Etablierung einer solchen
Datenbank bislang kein zuvor durch das Finanzamt geprüfter Datenbestand zur
Verfügung. Der erfolgreiche Aufbau und die Erreichung einer „kritischen Datenmasse“
hängt somit maßgeblich von der Bereitschaft der Organisationen ab freiwillig am Portal
zu partizipieren.

Dabei entsteht das Problem der Validität und Vergleichbarkeit der Daten, da die
Information der Berichte der Organisationen von GuideStar in keiner Weise berichtigt,
zertifiziert oder evaluiert wird. Ungeprüfte Eigeninformationen lassen Zweifel und
Spielraum zu, wenn Jahresberichte und andere Finanzdaten veröffentlicht werden. Der
Mangel an Verifizierung und Prüfung der Daten kann die Organisationen dazu
verleiten, irreführende Informationen zu publizieren, in der Hoffnung ihre Beiträge und
Spenden zu erhöhen. Faktisch kann es Organisationen geben, die sehr gewissenhaft über
sich berichten und andere hingegen nur die Grundinformationen liefern.

Die Vereinsregister der örtlichen Amtsgerichte könnten eine Möglichkeit bieten, um


Datensätze von eingetragenen Vereinen zu generieren und auf das Portal zu bringen. Zu
beachten ist hierbei jedoch, das in den Vereinsregistern lediglich quantitative Daten und
keinerlei qualitative Informationen der Vereine erfasst sind.154 Zusätzliche qualitative
Informationen müssten von den Organisationen weiterhin freiwillig erbracht werden
und GuideStar zur Verwaltung zur Verfügung gestellt werden. Problematisch kann
hierbei sein, das GuideStar bei alleiniger Verwendung der Daten der Amtgerichte
lediglich zum Auffinden von Adressen nützlich ist und in seiner Funktion auf ein
Adressregister reduziert wird. Auch zu beachten gilt, dass bei einer Datengenerierung
über die Amtsgerichte, die Aktualität der registrierten Daten permanent überprüft
werden muss.
Zusammenfassend werden folgende Möglichkeiten und Probleme bei der
Implementierung und Umsetzung von GuideStar Deutschland gesehen:

Möglichkeiten
 Eine sich selbst steuernde „best practice“, kann kontinuierliche
Verbesserungsprozesse bei den Organisationen auslösen, wenn diese sich

154
Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit der Vereinsregister vgl. auch Punkt 4.1.3.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 53

verpflichten standardisierte Informationen zu liefern.


 „Weiche“ Kriterien und keine strengen Prüfverfahren wie bei geprüften
Accountability Standards können die Organisationen ermutigen Informationen offen
zu legen und am Portal zu partizipieren.
 Ein Gesamtüberblick über die Organisationen des Dritten Sektors kann durch ein
Online Informationsportal GuideStar geschaffen werden, wenn auch zunächst nur in
Form einer „Adressdatei“.

Probleme
 Die umfassende und aussagekräftige Datenbeschaffung hängt maßgeblich von der
Transparenzbereitschaft und der freiwilligen Partizipation der Organisationen ab.
 Die Selbstauskunft der Organisationen lässt eine „ungeprüfte Transparenz“ für
Teilnehmer und Nutzer entstehen.
 Eine Qualitätssicherung und Überprüfung der Richtigkeit der publizierten
Informationen ist nicht möglich.
 Durch Stichprobenerhebungen können Benachteiligungen für einige Organisationen
entstehen und die geringen Sanktionsmöglichkeiten bei Fehlverhalten der
Organisationen nicht überwunden werden.

5.3 Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Transparenzbereitschaft von


NPO und die Teilnahme bei GuideStar

Wie sich in Punkt 5.2 bei der Bewertung des Geschäftsmodells zeigt, wird in
Deutschland die Chance für den Aufbau des Online Informationsportals GuideStar
maßgeblich vom Problem der Datenbeschaffung determiniert. Die Organisationen
müssen die freiwillige Bereitschaft zeigen am Portal zu partizipieren. Dabei ist die
Frage, welche Einflussfaktoren auf eine allgemeine Bereitschaft zur Transparenz
wirken, interessant.

In einer explorativen Studie wurden potentielle Einflussfaktoren untersucht. Dabei


wurden konzeptionell die Formen der Refinanzierung, die Kostenstrukturen, die
Tätigkeitsbereiche und der Bedarf an Freiwilligen einzelner NPO berücksichtigt und auf
der Grundlage von zehn Expertengesprächen mit NPO Vertretern untersucht. Geprüft
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 54

wurde, ob die zunächst berücksichtigten Faktoren eine Aussage über die Bereitschaft
von NPO zu Accountability und Transparenz produzieren können und möglicherweise
noch weitere Einflussfaktoren hinzukommen. Da GuideStar Deutschland bislang nur in
konzeptioneller Form existiert, können aus den allgemein gewonnenen Erkenntnissen
lediglich Ableitungen einer potentiellen Teilnahme der Organisationen getroffen
werden.
Die befragten Organisationen werden in einer Tabelle wie folgt charakterisiert:

Förderer/
NPO Tätigkeitsbereich Rechtsform Finanzierung Freiwillige
Mitglieder

1 Organisation für eingetragener 100 % 115.000 10.000


Menschenrechte - Verein Spenden und
international Mitgliedsbeiträge
2 Umwelt und Naturschutz eingetragener 100 % 550.000 8.000
- international Verein Spenden und
Mitgliedsbeiträge
3 Kunst & Kultur regional Stiftung Zinserträge des 100 >10
bürgerlichen Stiftungskapitals, Förderer
Rechts Spenden,
Öffentliche Förderung

4 Naturschutz - regional eingetragener 47 % öffentliche Förderung, 16.000 >10.000


Verein 37 % Spenden,
16 % sonst. Einnahmen,
5 Umweltschutz - Stiftung Zinserträge des 284.000 k. A.
international bürgerlichen Stiftungskapitals, Spenden, Förderer
Rechts Öffentliche Förderung

6 Soziale Dienste - eingetragner Öffentliche Förderung, 850.000 35.000


international Verein Spenden und
Mitgliedsbeiträge
7 Soziale Dienste - eingetragener 45 % Spenden, 4.200.000 295.000
bundesweit Verein 40 % öffentliche Förderung,
15 % Mitgliedsbeitrag und
sonstige Erträge
8 Wissenschaft& gGmbH 100 % öffentliche - -
Forschung - bundesweit Förderung
9 Tierschutz - international eingetragener 100 % 25.000 k. A.
Verein Spenden und
Mitgliedsbeiträge
10 Musik & Kultur- lokal eingetragener 100 % 8 nach Bedarf
Verein Spenden und
Mitgliedsbeiträge

Abbildung 3 – Übersicht der befragten NPO


Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 55

5.3.1 Die Form der Refinanzierung der NPO

Die für diese Arbeit befragten NPO sind aufgrund ihrer Refinanzierungsstrukturen zu
unterscheiden. Im Sample befinden sich sowohl in hohem Maße staatlich alimentierte
Organisationen als auch Mitgliederorganisationen, die durch einen hohen Anteil an
Eigenfinanzierung gekennzeichnet sind oder fast ausschließlich von Spenden leben. Mit
NPO 3 und 5 wurden Stiftungen betrachtet, die sich als Vermögensmassen vorwiegend
aus Erträgen eigenen Stiftungskapitals finanzieren. Angenommen wurde, dass
unterschiedliche Formen der Refinanzierung einzelner Organisationen einen Einfluss
auf ihre Bereitschaft zur Transparenz haben.

Organisationen, die in hohem Maße Fundraising betreiben, äußerten, dass für sie die
Bedeutung des Themas Transparenz aufgrund kritischer Nachfragen der Spender
wächst. Eine veränderte Lage der Organisationen sowie die Konkurrenz um
Spendengelder erfordert neue Formen des Fundraisings. Ein professionelles Fundraising
wird bei den spendensammelnden Organisationen mit der Notwendigkeit einer
transparenten Darstellung und Offenlegung von Informationen über die Einwerbung
und Verwendung der Spendengelder in Zusammenhang gebracht. So bemerkte eine
spendensammelnde Organisation, dass sie oft als „reich“ bezeichnet wird und sich
dessen bewusst ist, ihre Finanzdaten offen legen zu müssen. Wenn genau belegt wird,
woher die Spenden kommen und wie sie verwendet werden, hat das für die
Organisation den Vorteil, erst gar keine Fragen bei den Förderern aufkommen zu
lassen.155

Auch die befragten NPO, die sich zum großen Teil aus öffentlichen Fördermitteln
finanzieren, klagen über einen zunehmenden Konkurrenzdruck. Sie müssen sowohl um
staatliche Alimentierung als auch verstärkt um philanthropische Einnahmequellen
werben. Die Organisationen, die staatliche Projektförderungen oder institutionelle
Förderungen erhalten, sind jedoch der Auffassung, durch genaue Abrechnung der
Zuwendungsmittel dem Staat gegenüber völlig transparent zu sein und deshalb nur
bedingt eine freiwillige Bereitschaft gegenüber der Öffentlichkeit entwickeln zu

155
Die Organisation wurde im Frühjahr 1992 massiv von den Medien attackiert, als publik wurde, dass
sie über finanzielle Reserven verfügte, diese jedoch gerade den laufenden Strukturkosten von etwa
zehn Monaten entsprachen. Hierzu vgl. Gespräch mit Ch. Busch am 11.05.2005.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 56

müssen. Ein deutliches Bild zeichnete sich bei einer Organisation, die zu 100 Prozent
über Projektförderungen aus öffentlichen Mitteln finanziert wird. „Die Anforderungen
an Transparenz bezüglich der Projektförderungen waren schon immer hoch. Da wir uns
darüber hinaus nicht an Einzelspender oder Institutionen richten, müssen wir für Dritte
nicht transparent sein.“156

Organisationen, die sich vorrangig durch Mitgliedsbeiträge finanzieren konstatierten,


dass es vor allem die Mitglieder sind, die die Arbeit der Organisation legitimiert wissen
möchten und genau fragen, wie ihre Mitgliedsbeträge verwendet werden.157 Ebenso
wollen sie Informationen über die Einhaltung der Satzung beziehen, um die Wahrung
ihrer Interessen zu prüfen.

Zwei befragte NPO decken ihre Kosten zu einem großen Teil aus den Erträgen eigenen
Kapitals und akquirieren darüber hinaus Spenden von Förderern. Ähnlich wie bei den
ausschließlich spendensammelnden Organisationen ist hier das Bewusstsein und die
Bereitschaft vorhanden, gegenüber ihren Zuwendungsgebern Rechenschaft über die
Arbeit abzulegen. Es herrscht die Meinung, dass die Personen, die sich für die
Organisation finanziell engagieren, ein Recht auf Informationen haben. „Transparenz ist
wichtig und wir pflegen auch einen sehr engen Kontakt zu unseren Förderern.“158 Als
problematisch wurde in diesem Zusammenhang jedoch angemerkt, dass eine
Offenlegung von Informationen gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit die
Stiftungsautonomie negativ beeinflussen könnte.

Erkenntnisse zum Einfluss der Refinanzierungsformen von NPO auf ihre Bereitschaft
zur Transparenz:
 In hohem Maße spendenfinanzierte Organisationen sehen eine Notwendigkeit von
Accountability und Transparenz gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit.
 Staatlich finanzierte Organisationen, Mitgliederorganisationen und aus
Kapitalerträgen finanzierte NPO sehen eher eine erhöhte Transparenzverpflichtung
gegenüber ihren „Teilöffentlichkeiten“.

156
T. Korbun am 15.06.2005.
157
Vgl. Gespräch mit U. Kielhorn am 19.05.2005.
158
S. Issen am 3.06.2005.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 57

5.3.2 Die Kostenstrukturen und der Tätigkeitsbereich der NPO

Der Anteil der Fundraising- und Verwaltungskosten an den Gesamtausgaben von


gemeinnützigen Organisationen wird oftmals als wesentliches Effizienz – und
Effektivitätskriterium der Leistungserfüllung betrachtet. Gerade für spendensammelnde
Organisationen werden diese zu einem wichtigen Orientierungsmaßstab bei der
Beantwortung der Frage erhoben, welcher Anteil einer Spende tatsächlich bei den
Bedürftigen ankommt. Angenommen wurde, dass unterschiedliche Aufgaben und
Finanzierungen zu unterschiedlichen Kostenstrukturen führen und damit Einfluss auf
die Transparenzbereitschaft der NPO haben.

Die befragten Organisationen, die als Themenanwälte (Advocacy) im Bereich


Menschenrechtspolitik und Natur- und Umweltschutz verstärkte Öffentlichkeitsarbeit
betreiben, bemängelten eine Transparenz, welche einseitig Kostenaufstellungen
fokussiert. Da es keine allgemein gültige Definition gibt, was Werbe- und
Verwaltungskosten sind, wird eine Abgrenzung immer eigenwillig sein und subjektiv
bleiben. Die Schwierigkeit liegt in der Setzung von Standards für eine Vielzahl
heterogener Organisationen, um deren Vergleichbarkeit zu sichern. In diesem
Zusammenhang wurde von einer NPO im umweltpolitischen Bereich die
Kriteriensetzung des DZI bemängelt. „Das DZI hat ganz bestimmte Vorstellungen, was
Verwaltungs- und was Fundraisingkosten sind. Wir als politisch arbeitende
Organisation sehen jedoch bei einigen Punkten eine andere Definition, gerade was die
Abgrenzung zwischen Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising betrifft.“159

Bei der Frage nach der Veröffentlichung bestimmter Kostenstrukturen auf einem Online
Informationsportal wie GuideStar wurde durch die befragten Organisationen die Sorge
geäußert, dass die Darstellung und Offenlegung des Fundraisings- und
Verwaltungskostenanteils von den Spendern in einem falschen Kontext betrachtet wird.
Wichtig erscheint den Organisationen auf die strukturellen Gegebenheiten und die
spezifischen Aufgaben der Organisationen hinzuweisen. So bemerkten die
Verantwortlichen der befragten NPO:

159
Ch. Busch am 11.05.2005.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 58

 „Ein Portal müsste unbedingt eine einheitliche und aussagekräftige Struktur


aufweisen, [...] man kann da ja auch viel vertuschen. Je nachdem, was man welchem
Posten zuordnet, gerade bei den Ausgaben, kann man den Eindruck vermitteln, als
würde die Organisation fast überhaupt nichts für die Verwaltung ausgeben.“160
 Es sollte zwar durch Transparenz deutlich gemacht werden, wofür das Geld
verwendet wird, aber auch, dass Personen gebraucht und Mittel aufgebracht werden
müssen, damit das Geld richtig verwendet wird. „Wenn Spenden 1:1 in ein Projekt
gehen, womit ja auch einige Organisationen werben, ist das nur möglich, wenn man
jemanden im Rückhalt hat, der tatsächlich die Kosten der Personalstellen
übernimmt.“161

Bei einer der befragten Organisationen im Bereich der Kultur, werden die Kosten der
Verwaltung und des Fundraising faktisch zu hundert Prozent durch die Erträge des
Stiftungskapitals getragen und die Spender mit der Aussage geworben, dass ihre
gespendete Summe vollständig dem Zweck zugute kommt. Welche Konsequenz sich
daraus für die Transparenzbereitschaft der NPO ergibt, zeigt die Aussage der
Geschäftsführerin: „Da wir unsere laufenden Kosten aus den Zinserträgen des
Stiftungsvermögens decken und unsere Fördermittel deshalb zu hundert Prozent in die
Projekte einbringen, haben wir auch kein Problem damit, unsere Arbeit transparent
darzustellen.“162

Der überwiegende Teil der befragten Organisationen merkte an, dass Transparenz
problematisch sein kann, wenn Informationen nicht angemessen publiziert werden und
ein starker Fokus auf die Kostenstrukturen gelegt wird. Die freiwilligen Selbstauskünfte
zu Finanzdaten erfolgten während der Interviews zurückhaltend und weitgehend nur bei
Zusicherung vertraulicher Behandlung. Die Auskunftsbereitschaft über Vergütungen
von NPO Verantwortlichen, wird bei den befragten NPO als hochsensibel
eingeschätzt.163

Erkenntnisse zum Einfluss der Kostenstrukturen und Tätigkeitsbereiche von NPO auf
ihre Bereitschaft zur Transparenz:

160
U. Kielhorn am 19.05.2005.
161
B. Prätorius am 24.05.2005.
162
Vgl. Gespräch mit S. Issen am 3.06.2005.
163
Vgl. Gespräch mit G. Schomacher am 2.06.05.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 59

 Alle befragten Organisationen bemängelten eine Transparenz, die einseitig auf die
Darstellung von Kostenstrukturen abzielt und die Leistungen nicht inhaltlich
beschreibt.
 Organisationen, die ihre Werbe- und Verwaltungskosten durch eigene Erträge
finanzieren, sehen die Offenlegung der Anteile als unproblematisch.
 International tätige Organisationen bekunden aufgrund ihrer Bekanntheit ein hohes
Bewusstsein für die Notwendigkeit der Rechenschaftspflicht und Transparenz ihrer
Arbeit entwickelt zu haben.164
 NPO mit gesellschaftlich sensiblen und öffentlichkeitswirksamen Missionen (z.B.
Tierschutz, Menschenrechte), haben ein erhöhtes Bewusstsein für das Thema
Transparenz entwickelt.

5.3.3 Der Bedarf an Freiwilligen in der NPO

Freiwilliges Engagement wird bei immer knapper werdenden öffentlichen Mitteln zu


einer unverzichtbaren und wertvollen Ressource für viele NPO. Die betrachteten NPO
arbeiten fast alle mit einem Anteil an Freiwilligen und benötigen diese, um die
Leistungserbringung der NPO zu sichern. Angenommen wurde, dass, zur Optimierung
des Akquiseprozesses um Mitarbeiter und vor allem um Freiwillige, Transparenz für die
Organisationen an Bedeutung wächst.

Nur drei der befragten NPO können sich vorstellen, über eine Funktion auf einem
Informationsportal Freiwillige zu akquirieren.
Die Organisationen, gaben an, dass für sie zum Zwecke der Akquise um Freiwillige und
um „[...] job openings zu posten [...] “165, die Funktion eines Portals nützlich wäre. Eine
weitere Organisation gab an, die Idee, auf einem Portal um Freiwillige zu werben und
sich zu diesem Zwecke transparent darzustellen, sei erstrebenswert, erscheine jedoch
aufgrund innerorganisatorischer Kapazitäten unrelevant, da hier gegenwärtig gerade mal
vier Freiwilligenkoordinatoren für 10.000 Freiwillige zuständig seien. Es sei keine
wirkliche Anleitung eines möglichen Zulaufes an Freiwilligen zu gewährleisten.166

164
Vgl. auch Punkt 5.3.4.
165
H. Ullmann am 25.05. 2005.
166
Vgl. Gespräch mit B. Prätorius am 24.05.2005.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 60

Bei den weiteren befragten Organisationen kennzeichnen sich Bedenken der Akquise
von Freiwilligen über ein Online Informationsportal. Die genannten Gründe gestalten
sich unterschiedlicher Art, wobei folgende Aspekte genannt wurden:

 Kleine Organisationen im kulturellen Bereich gaben an, nur eine geringe Anzahl
an Freiwilligen zu benötigen, die spezielle Fähigkeiten und eine Affinität zur
Einrichtung aufweisen müssen. Freiwillige werden daher vorrangig aus dem
näheren Umfeld oder Freundeskreis rekrutiert.167
 Eine Organisation im Bereich des Naturschutzes gab an, dass aufgrund der
spezifischen Kenntnisse von Wissenschaftlern und über Jahre gewachsene
Arbeitsstrukturen, durch eine „Werbung um Freiwillige“ auf einem
Informationsportal die Gefahr bestünde, unspezifisches Engagement anzuziehen.
Erfahrungsgemäß neigen neue Freiwillige oft zu einer erhöhten Fluktuation.168
 Aufgrund eigener internetbasierter Systeme werden Freiwillige professionell
geworben, so dass eine zusätzliche Funktion auf einem Portal redundant
erscheint.169

Die Beispiele der Praxis verdeutlichen, dass der Bedarf an Freiwilligen keinen
signifikanten Einfluss auf die Transparenzbereitschaft der NPO auf einem Online Portal
hat. Die Organisationen rekrutieren entweder diese bislang aus ihrer lokalen
Verankerung heraus persönlich und spezifisch, haben eine zu geringe Ausstattung an
Personal, um große Kapazitäten zu betreuen oder nutzen zur Abwicklung des
Akquiseprozesses eigene interne und technologiegestützte „Freiwilligen-
Managementsysteme“.

5.3.4 Weitere ermittelte Einflussfaktoren

 Der Grad der Professionalisierung


Obwohl sich viele NPO mit wirtschaftlichen Fragestellung auseinandersetzen, rufen
Begriffe wie „Effizienz“, „Wirtschaftlichkeit“, „Kostendenken“ und „Strategie“ bei
vielen Entscheidungsträgern nach wie vor Schwierigkeiten hervor.170

167
Vgl. Gespräch mit S. Issen am 3.06.2005; vgl. Gespräch mit P.Gruse am 27.03. 2005.
168
Vgl. Gespräch mit U. Kielhorn am 19.05.2005.
169
Vgl. Gespräch mit Ch. Busch am 11.05.2005.
170
Vgl. Horak, Ch,/ Heimerl P. (2002), S. 181.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 61

Die Bedeutung von Professionalität bei der Leistungserbringung hat jedoch bei einem
Großteil der gemeinnützigen Organisationen stark zugenommen. Die Praxis skizziert
das Bild, dass die freiwillige Rechenschaftspflicht und Transparenz in diesem
Zusammenhang als „notwendiges Übel“ erkannt wird und gleichzeitig als Ausdruck
professioneller Arbeitsformen gilt. Der Grad der Professionalisierung einer NPO
bezüglich ihrer Größe, der Anzahl und Qualifikation der Haupt- und Ehrenamtlichen
sowie der Anzahl von Mitgliedern und Förderern hat dabei jedoch Einfluss auf ihre
Bereitschaft sich transparent darzustellen.

So äußerten die international tätigen und bekannten NPO, mit jeweils einer hohen
Anzahl an Förderern, dass sie sich der Anforderung bewusst sind, zum Zwecke ihrer
transparenten Darstellung in Deutschland etablierte Systeme oder andere Medien wie
die eigene Homepage zu nutzen. Nur eine der zehn Organisationen ist indessen bereits
nach dem DZI Spenden-Siegel zertifiziert, weitere fünf streben jedoch eine
Zertifizierung an. Als Grund wurden Anfragen von potentiellen Spendern bezüglich des
Gütesiegels angegeben. Eine Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat e.V. nimmt dabei
eine eher unbedeutende Rolle ein und wurde im Einzelnen nicht genannt. Eine
Organisation äußerte sich in diesem Zusammenhang positiv über den internationalen
Charakter des Online Informationsportals GuideStar. Die befragte Organisation, sieht,
als deutsche professionelle Sektion einer international agierenden NPO, eine
Partizipation als Möglichkeit zur Stärkung ihres Corporate Image. Angenommen wird,
dadurch der Professionalität der Organisation Ausdruck zu verleihen, da auch die
Landesvertretungen in den USA auf dem jeweiligen GuideStar Portal vertreten sind.171

Ein kleiner Mitgliederverein merkte hingegen an, dass es mit 8 Mitgliedern nicht zu
gewährleisten sei, Daten und Informationen transparent und vor allem aussagekräftig
aufzubereiten. Dafür stünden weder Zeit, personelle Ressourcen noch know how zur
Verfügung und würde der ohnehin bürokratische Aufwand der Organisation noch
erhöht.172

Vor dem Hintergrund der geforderten Professionalisierung und der Bereitschaft zur
Transparenz ist zu berücksichtigen, dass auch die Entstehungsgeschichte sowie die

171
Vgl. Gespräch H. Ullmann am 25. 05.2005.
172
„Wir wollen Musik machen und uns nicht mit Papierkram beschäftigen, nur um transparent zu sein“,
vgl. Gespräch mit P. Gruse am 27.03.2005.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 62

ideologischen Werte und Traditionen einer NPO einen Einflussfaktor bilden können.
Transparenz stellt für die Organisationen ein alltägliches Dilemma zwischen
Engagement und der Notwendigkeit professioneller Arbeitsformen dar.

Als weiterer Einflussfaktor wird die zukünftige Reputation und Bekanntheit von
GuideStar identifiziert. In den geführten Gesprächen wurde von den Organisationen
mehrfach betont, dass ihre Teilnahmebereitschaft maßgeblich davon abhängt, mit
welcher Akzeptanz sich GuideStar insgesamt als öffentlich zugängliches Portal am
„Markt“ etablieren wird. Genannt wurden folgende positive Erwartungen:

 Guidestar müsse durch eine eigene aussagekräftige Reputation, die Glaubwürdigkeit


der teilnehmenden Organisationen stärken und einen Mehrwert schaffen.
 GuideStar müsse „[…] das zentrale Portal werden und darf kein aufgeblähtes
Internetportal sein […]“173, da auch viele kleine Portale existieren und eher
Unübersichtlichkeit schaffen, als dass sie für Transparenz sorgen.

5.3.5 Zwischenfazit

Die geführten Experteninterviews vermittelten den Eindruck, dass alle NPO dem Thema
Accountability und Transparenz grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen.
Problematisch bleibt es, hieraus Ableitungen einer tatsächlichen
Transparenzbereitschaft zu treffen. Die Vermutung liegt nahe, dass es für die Befragten
wenig Sinn macht, sich gegen Transparenz auszusprechen. Die untersuchten Faktoren
hingegen zeigen, dass verschiedene Charakteristika der Organisationen wie die Form
der Refinanzierung, die Tätigkeitsbereiche, aber auch der Professionalisierungsgrad
einer NPO Einfluss auf die Bereitschaft und das Bewusstsein für eine transparente
Darstellung ihrer Tätigkeit haben. Der Großteil der befragten Organisationen erachtet
die Idee der Partizipation an einem Online Informationsportals interessant und kann sich
vorstellen allgemeine Informationen oder gar Jahresabschlüsse auf einem Portal zu
veröffentlichen. Als wesentlich benannten die Organisation in diesem Zusammenhang
auch die Schaffung eines Mehrwerts durch ein Portal, welches durch eigene
Bekanntheit und Reputation die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die
teilnehmenden Organisationen stärken sollte.

173
G. Schomacher am 2.06.05
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 63

Ob die Mehrheit der NPO wirklich freiwillig bei GuideStar partizipieren werden, stellt
sich jedoch erst heraus, wenn das Portal Online geht. Wie verlässlich die
Organisationen dann über sich berichten werden, bleibt problematisch und nicht
ermittelbar.

5.4 Kritische Erfolgsfaktoren der Implementierung von GuideStar Deutschland

Unter Berücksichtigung der vorgenannten Probleme und der Untersuchung von


Einflussfaktoren auf die Transparenzbereitschaft von NPO lassen sich folgende
kritische Erfolgsfaktoren für die Implementierung des Systems GuideStar in
Deutschland ableiten.

(1) Sicherstellung eines Mindestmaßes an Qualität der Daten


Zur Gewährleistung eines Mindestmaßes an Qualität und Zuverlässigkeit der Daten
muss sichergestellt werden, dass nur geprüfte Finanzdaten aus Jahresabschlüssen oder
Einnahmen/ Ausgabenrechnungen durch die Organisationen auf dem Portal eingestellt
werden.174 Diese Voraussetzung wird unweigerlich die Dauer erhöhen, eine „kritische
Masse“ an Daten zu generieren. Die Datenmenge allein, darf aber kein Kriterium für
das Maß an Transparenz sein. Eine zu starke Fokussierung auf die Quantität der Daten
kann zu einer Anhäufung „sinnloser“ Datenmengen führen, die langfristig das Portal
GuideStar entwerten.

(2) Aktualität der Daten


Die Aktualität und der damit verbundene Anspruch einer regelmäßigen Aktualisierung
der gesammelten Daten bilden eine weitere zentrale Voraussetzung für den Erfolg des
Portals. Um die Aktualität der gesammelten Informationen zu gewährleisten, sollte die
Sammlung der Daten möglichst an allen Schnittstellen zu den Organisationen
automatisiert werden. Für die Organisationen darf kein hoher Bereitstellungsaufwand
der Daten entstehen.

174
Vorstellbar sind hier durch Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer oder zumindest durch das
Finanzamt testierte Jahresabschlüsse.
Teil 5 - Das Konzept GuideStar Deutschland 64

(3) Vermerk über ungeprüfte Eigeninformation


Eine Datenbank, die auf freiwilligen ungeprüften Informationen beruht, darf keine
unrealistische Erwartungshaltung über die Zuverlässigkeit der Daten bei den Nutzern
hervorrufen. Da sich GuideStar Deutschland auf ungeprüfte Eigeninformation der
Organisationen beziehen wird, sollten die Nutzer durch einen Vermerk davon in
Kenntnis gesetzt werden. Wenn nicht ausdrücklich erklärt wird, dass es sich bei den
Informationen um ungeprüfte Daten handelt, wird dies im Zweifelsfall von Nutzern
oder gar potentiellen Spendern nicht erkannt und kann die Reputation des Portals
negativ beeinflussen. Um eine potentielle Konkurrenzsituation zum Spenden-Siegel
auszuschließen, sollte durch einen weiteren Vermerk darauf hingewiesen werden, dass
es dort auch die Möglichkeit gibt, geprüfte unabhängige Informationen über einen
Teilbereich des Dritten Sektors zu beziehen.

(4) Kommunikation und Lobbyarbeit


Die Ansprache einer Vielzahl heterogener Organisationen und Nutzergruppen muss
durch eine konsistente und gleichzeitig nutzerspezifische Kommunikationsstrategie
erfolgen. Die Generierung von Daten und die Bereitschaft der Organisationen zur
umfassenden Selbstauskunft muss durch überzeugende Lobbyarbeit von GuideStar
erwirkt werden. Politische und zivilgesellschaftliche Akteure und Entscheidungsträger
müssen aktiv eingebunden werden, um eine Bekanntheit und die Akzeptanz von
GuideStar aufzubauen.

Die genannten Faktoren bilden nur einen Teil der Punkte, die als kritische
Erfolgsfaktoren für die Implementierung des Online Informationsportals GuideStar
Deutschland als maßgeblich erachtet werden. Neben dem Mindestmaß an Aktualität und
Qualität der Daten ist weiterhin die Funktionalität für die Nutzer des Portals in hohem
Maße zu sichern. Darüber hinaus sind besondere politische Rahmenbedingungen und
strukturelle Voraussetzungen des Sektors zu beachten. Die an dieser Stelle entwickelten
Erfolgsfaktoren sollten vor dem Hintergrund der durchgeführten Machbarkeitsstudie
innerhalb der Explorationsphase GuideStar Deutschland Beachtung finden, um sowohl
für die Nutzer als auch die teilnehmenden Organisationen einen Mehrwert zu schaffen.
Teil 6 - Resümee und Ausblick 65

6 Resümee und Ausblick

Ziel dieser Arbeit war es, die Institutionalisierung von Transparenz im Dritten Sektor
unter Berücksichtigung der Einführung des Online Informationsportals GuideStar in
Deutschland zu untersuchen und zu bewerten. Zur Bearbeitung der Thematik wurden
vier Fragen entwickelt und beantwortet:

 Welche Instrumente gibt es international zur Institutionalisierung von Transparenz?

Vor dem Hintergrund der in den USA und Großbritannien entstandenen Diskussion zur
Institutionalisierung von Accountability und Transparenz gemeinnütziger
Organisationen sind international sowohl staatliche als auch freiwillige Instrumente zu
beobachten. In Amerika sorgt ein Steuerformular der Finanzbehörden, welches auf dem
Informationsportal GuideStar USA im Internet veröffentlicht wird, für eine
grundlegende Information über gemeinnützige Organisationen. In England ist die
„Charity Commission“ aufgrund gesetzlicher Bestimmungen bemüht Accountability
und Transparenz im gemeinnützigen Sektor herzustellen. Des Weiteren sind
international freiwillige Instrumente wie Gütesiegel, Codes of Conduct und Watchdog
Organisationen bestrebt nach eigenen Standards für Transparenz zu sorgen.

 Wie leistungsfähig sind die bereits bestehenden Systeme zur Institutionalisierung


von Transparenz in Deutschland und welche Probleme ergeben sich?

In Deutschland gibt es für die Organisationen des Dritten Sektors bislang keine
einheitlichen Standards für Accountability. Es herrscht kein Konsens darüber, welche
Daten die Organisationen veröffentlichen sollen, um einer Rechenschaftspflicht und
Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit gerecht zu werden. Wie sich die
Organisationen transparent machen, bestimmen sie bislang weitgehend selbst.
Erkennbar ist eine Verzahnung von staatlicher und privater Kontrolle der
gemeinnützigen Organisationen. So bildet der gesetzliche Status der Gemeinnützigkeit
eine Voraussetzung zur Beantragung eines Gütesiegels beim DZI oder einer
Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat e.V..
Teil 6 - Resümee und Ausblick 66

Auf staatlicher Ebene sorgen die Registrierungspflichten bei Vereinsregistern und den
Stiftungsbehörden der Länder lediglich für eine rechtliche und quantitative Erfassung
der Organisationen. Die staatliche Prüfung der Gemeinnützigkeit durch die
Finanzbehörden zeigt hingegen Tendenzen einer Sicherstellung und Überprüfung
gemeinnütziger Praktiken. Dies ist allerdings als unzureichend einzuschätzen, da das
Steuerrecht als alleinige Grundlage für die Rechenschaftspflicht von NPO nicht zur
Herstellung von Transparenz geeignet ist. Weitere staatliche Ansätze sind bislang nicht
beobachtbar. Die weitgehende Enthaltsamkeit des Staates in Bezug auf die
Institutionalisierung der Rechenschaftspflicht von NPO ist jedoch nicht unbedingt als
Mangel zu bewerten, sondern kann vielmehr als Äquivalent zur Freiwilligkeit und
Funktionslogik des Sektors betrachtet werden.

Freiwillige Ansätze in Deutschland nähern sich der Problematik einer Schaffung von
Transparenz durch unterschiedliche Systeme. Sowohl geprüfte Standards als auch die
Selbstverpflichtung auf Standards sind jedoch aufgrund verschiedener Probleme in ihrer
Leistungsfähigkeit zur Institutionalisierung von Transparenz begrenzt.

 Inwieweit sind die Organisationen des Dritten Sektors zur Transparenz und
Accountability gegenüber der Öffentlichkeit bereit und welche Einflussfaktoren
wirken auf die Bereitschaft?

Die Organisationen des Dritten Sektors zeigen sich aufgrund politischer und
gesellschaftlicher Einwirkungen zunehmend für das Thema Accountability und
Transparenz sensibel. Eine empirische Untersuchung zeichnet das Bild, dass sowohl
unterschiedliche Formen der Refinanzierung als auch verschiedene Kostenstrukturen,
Tätigkeitsbereiche und Professionalisierungsgrade der befragten NPO auf ihre generelle
Bereitschaft zur Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit einwirken. Die befragten
Organisationen bekundeten in diesem Zusammenhang ein prinzipielles Interesse sich an
einem Internetportal wie GuideStar Deutschland zu beteiligen. Ob sie jedoch tatsächlich
partizipieren und Daten veröffentlichen werden, zeigt sich erst, wenn das Portal Online
geht.
Teil 6 - Resümee und Ausblick 67

 Welche kritischen Erfolgsfaktoren lassen sich aus den gewonnenen Erkenntnissen,


insbesondere für die Implementierung des Online Informationsportals GuideStar
Deutschland, ableiten?

Das Online Informationsportal GuideStar, als ein Instrument der freiwilligen


Selbstregulierung, kann in Deutschland in der betrachteten Konzeption zur Schaffung
von Transparenz im Dritten Sektor beitragen. Erstmalig würden Informationen über
gemeinnützige Organisationen auf einem zentralen Portal im Internet abgebildet
werden. Die Chance für die Implementierung bleibt dennoch wesentlich von der
Partizipationsbereitschaft der Organisationen abhängig. Bedenklich ist, ob GuideStar
Standards etablieren kann, die zu einer wertvollen Accountability und Transparenz
führen, wenn die Selbstauskünfte der Organisationen nicht überprüft werden. Aufgrund
dessen werden als kritische Erfolgsfaktoren die Sicherstellung eines Mindestmaßes an
Qualität und Aktualität der bereitgestellten Daten gesehen sowie ein notwendiger
Vermerk darüber, dass im Sinne einer sich selbst steuernden „best practice“, durch
GuideStar ungeprüfte Eigeninformationen auf dem Portal bereitgestellt werden.

Ausblick
Langfristig wäre für Deutschland, nach amerikanischem Modell, ein ausgestelltes
„Testat“ der Finanzbehörden, ähnlich dem Formular 990, denkbar. Hierdurch kann eine
grundlegende Datenbasis für eine gesetzliche Rechenschaftspflicht von gemeinnützigen
Organisationen geliefert werden. Dies würde auch den Aufbau einer GuideStar
Datenbank in Deutschland maßgeblich erleichtern. Insgesamt ist es jedoch fraglich, ob
strengere Gesetze und Kontrollen nach amerikanischem Vorbild, bei der großen
Mehrheit der gemeinnützigen Körperschaften nicht nur mehr Verwaltungsaufwand und
Kosten produzieren, als dass Missbräuche völlig verhindert werden können. In diesem
Sinne bleibt zu diskutieren: Amerikanisierung versus Modernisierung – brauchen wir
die gleichen Antworten auf die gleichen Fragen?
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Verzeichnis der Rechtsquellen 73

Verzeichnis der Rechtsquellen

AO: Abgabenordnung v. 16.03. 1976 (BGB1. I S. 613, 1977 I, S.269), zuletzt geänd. durch
Art.14 Gesetz v. 22. 03. 2005 (BGBl I S. 837, 853).

BGB: Bürgerliches Gesetzbuch v. 18.08.1896 (RGBI. S.195), zuletzt geänd. am 6.02. 2005
(BGBl. I S.203).

ErbStG: Erbschaftssteuergesetz v. 27.02 1997 (BGB1. I S. 379), zuletzt geänd. am 29.12.2003


(BGB1. I S. 3076)

EStG: 16.04.1997 (BGB1. I S. 823), Neufassung 19.10.2002 (BGBl. I S. 4210, ber. 2003 I S.
179).
GrStG: Grundsteuergesetz v. 7.08.1973 (BGB1. I S. 965), zuletzt geänd. durch Art. 21 Gesetz v.
19. 12. 2000 (BGBl. I S.1790, 1803).

GwStG: Gewerbesteuergesetz v. 19.05.1999 (BGB1. I S. 1011, ber. S. 1491), zuletzt geänd. am


9.12.2004 (BGB1. I S. 3310)

KStG: Körperschaftssteuergesetz v. 15.10.2002 (BGB1. I S. 4144) zuletzt geänd. am


15.12.2004 (BGB1. I S. 3416)

UStG: Umsatzsteuergesetz v.9.06. 1999 (BGB1. I S. 1271), Neufassung 21. 02. 2005 (BGBl. I
S. 386).
Anhang 74

Anhang

Interviewleitfaden

Interviewleitfaden zum Thema:


„Die Bereitschaft von NPO zu freiwilliger Transparenz beim Online
Informationsportal GuideStar Deutschland“

Themenkomplex I: Die Bedeutung von Transparenz

1. Welche Bedeutung messen sie Transparenz für ihre Organisation und den
Dritten Sektor insgesamt bei?
2. Welche Vorteile und Nachteile sehen Sie im Zusammenhang mit Transparenz
für Ihre Organisation?
3. Welche bereits existierenden freiwilligen Systeme zur Schaffung von
Transparenz sind ihnen bekannt?

Themenkomplex II: Bereitschaft zur Teilnahme am Online Portal GuideStar


Deutschland

4. Würden Sie ein kostenloses online Informationsportal nutzen, um Informationen


zu publizieren und Kenntnis über andere gemeinnützige Organisationen zu
gewinnen?
5. Wenn ja, welche Daten wäre die Organisation bereit zu publizieren?
6. Welche positiven Erwartungen haben Sie von einem online Informationsportal
und welchen Mehrwert müsste es für ihre Organisation schaffen?
7. Können sie sich vorstellen über ein Informationsportal Freiwillige zu werben?
Wenn ja, warum?
8. Wenn ihnen ein kostenloses Informationsportal Vorteile bieten würde, was
wären sie bereit zu leisten, um diese Vorteile zu erhalten?
Anhang 75

Gesprächsverzeichnis

Organisation: Greenpeace e.V. Deutschland


Datum: 10. Mai 2005
Gesprächspartnerin: Christine Busch
Funktion: Fundraising
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: telefonisches Leitfadeninterview

Organisation: Naturschutzbund Deutschland - Landesverband Berlin


Datum: 17. Mai 2005
Gesprächspartnerin: Ulrike Kielhorn
Funktion: Geschäftsführerin NABU Landesverband Berlin
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: persönliches Leitfadeninterview

Organisation: Amnesty International e.V.


Datum: 24. Mai 2005
Gesprächspartnerin: Bettina Prätorius
Funktion: Fundraiserin Berlin
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: persönliches Leitfadeninterview

Organisation: PETA Deutschland e.V.


Datum: 25. Mai 2005
Gesprächspartner: Harald Ullmann
Funktion: zweiter Vorstandsvorsitzender
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: telefonisches Leitfadeninterview
Anhang 76

Organisation: Malteser e.V. Berlin


Datum: 2. Juni 2005
Gesprächspartner: Gereon Schomacher
Funktion: Organisationsentwicklung und Personal
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: persönliches Leitfadeninterview

Organisation: Hamburgische Kulturstiftung


Datum: 3. Juni 2005
Gesprächspartner: Sandra Issen
Funktion: Geschäftsführerin, Vorstandsmitglied
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: telefonisches Leitfadeninterview

Organisation: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gGmbH


Datum: 15. Juni 2005
Gesprächspartner: Thomas Korbun
Funktion: wissenschaftlicher Geschäftsführer
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: telefonisches Leitfadeninterview

Organisation: Deutsches Rotes Kreuz e.V.


Datum: 22. Juni 2005
Gesprächspartner: Clemens Graf von Waldburg-Zeil
Funktion: Generalsekretär
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: schriftliches Leitfadeninterview
Anhang 77

Organisation: World Wildlife Foundation (WWF)


Datum: 9. Juni 2005
Gesprächspartner: Constanze Oelighoff
Funktion: Leiterin Internet, Publikationen
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: telefonisches Gespräch

Organisation: Sinnbus e.V.


Datum: 27. März 2005
Gesprächspartner: Peter Gruse
Funktion: Vorstand
Thema: Transparenz der Organisation und Bereitschaft zur Teilnahme am
online Informationsportal GuideStar Deutschland
Notiz: persönliches Gespräch

Weitere Gespräche:

Organisation: GuideStar Deutschland


Datum: diverse
Gesprächspartner: Dr. Martin Vogelsang
Funktion: Projektleiter GuideStar Deutschland

Organisation: GuideStar International (GSI) London


Datum: 15. März 2005
Gesprächspartner: Caroline Neligan
Funktion: Director of Programmes
Thema: The meaning requirements of transparency and
accountability systems for the nonprofit sector
Notiz: persönliches Leitfadeninterview
Anhang 78

Organisation: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI)


Datum: 13. Juni 2005
Gesprächspartner: Burkhard Wilke
Funktion: wissenschaftlicher Leiter/ Geschäftsführer
Thema: Spendensiegel und Accountability
Notiz: persönliches Gespräch

Organisation: Deutscher Spendenrat e.V.


Datum: 04. Juli 2005
Gesprächspartner: Bernd Beder
Funktion: Geschäftsführer
Thema: Der Deutsche Spendenrat e.V.
Notiz: telefonisches Gespräch

Gesprächspartner: Prof. Michael Holewa


Organisation/ Funktion: ehemaliger wissenschaftlicher Geschäftsführer des
Deutschen Spendeninstitutes Krefeld (DSK)
Datum: 9. Mai 2005
Thema: Das „Register Deutscher Spendenorganisationen“
Notiz: persönliches Gespräch, weitere Teilnehmer Dr. Martin
Vogelsang

Gesprächspartner: Dr. Hans-Jürgen Arlt


Datum: 22.Juni 2005
Funktion: Publizist und Kommunikationswissenschaftler
Thema: Verantwortung, Transparenz und Paradoxien in
Organisationen
Notiz: persönliches Gespräch
79

Ehrenwörtliche Erklärung gemäß §13 Absatz 6 DPO/PuMa

Ich versichere, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbständig verfasst und keine
anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen benutzt habe. Sämtliche Zitate
habe ich kenntlich gemacht.

Berlin, den 28.Juli 2005

(Stefanie Dobbertin)