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Publish or Perish – Veröffentliche oder verschwinde

Leserbefragung der PVS und Erhebung über das Lese-


/Publikationsverhalten von Politikwissenschaftlern in Deutschland

Teilaufgabe: Auswertung eines Variablenclusters mit


verschiedenen Aussagen über das Peer Review-Verfahren
anhand dreier unabhängiger Variablen.

Von Carsten Kaefert

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Inhaltsverzeichnis
Publish or Perish – Veröffentliche oder verschwinde...........................................................................1
1. Einführung...................................................................................................................................3
2. Hypothese und Operationalisierung.............................................................................................3
3. Auswertung..................................................................................................................................4
3.1. Auswertung anhand der Daten bzgl. Frustration..................................................................4
3.2. Auswertung anhand des Karrierestatus bzw. -ziels..............................................................5
APPENDIX I: Tabellen....................................................................................................................5
APPENDIX II: SPSS-Syntax...........................................................................................................8

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1. Einführung
Im Rahmen des Moduls „Methodenanwendung in Praxisfeldern“ wurde durch den Kurs
„Publish or Perish“ eine Umfrage unter Mitliedern der Deutschen Vereinigung für Politische
Wissenschaft (DVPW) durchgeführt, die zweierlei Zielsetzung hatte: Einerseits galt es, der
Redaktion der DVPW-Zeitschrift Politische Vierteljahresschrift (PVS) wertvolles Feedback zu
liefern, vor allem aber sollten Erkenntnisse über das Publikations- und Leseverhalten von
Politikwissenschaftlern in Deutschland gewonnen werden. In diesem Kontext steht auch die
vorliegende Teilauswertung, die den Einfluss verschiedener Daten zur momentanen
Karrieresituation der Befragten auf die Zustimmung zu bestimmten wertenden Aussagen über das
Peer Review-Verfahren untersucht.

2. Hypothese und Operationalisierung


Es werden an dieser Stelle zwei Sachverhalte untersucht:

Erstens geht es um den Einfluss einer bestimmten Karrieresituation auf die Einstellung
gegenüber dem Peer-Review-Verfahren. Um eine möglichst deutliche Abweichung vom Mittel
festzustellen, wurde eine Gruppe definiert, die die folgenden Kriterien erfüllt:

– Die Teilnehmer waren zum Zeitpunkt der Umfrage zwischen 31 und 50 Jahre alt,

– erwerbslos und

– außerdem im Bereich der politischen Theorien spezialisiert.

Die Kombination aus produktivem Alter, rein wissenschaftlicher Spezialisierung und


Erwerbslosigkeit spricht nach menschlichem Ermessen für einen gewissen Grad an Frustration,
weswegen den entsprechenden Teilnehmern eine überdurchschnittlich negative Einstellung
gegenüber dem Peer-Review-Verfahren unterstellt wurde. Diese Schlussfolgerung entspringt dem
angenommenen Zusammenhang zwischen Publikationserfolg und Karriere – die suboptimale
Situation letzterer trotz wissenschaftlicher Qualifikation und relativ niedrigem Alter lässt eine
negative Einstellung gegenüber Publikationshindernissen, wie das Peer-Review-Verfahren eines
darstellen kann, wahrscheinlich wirken. Dementsprechend sollten die Mitglieder der Prüfgruppe
den Aussagen „Anonyme Gutachter kommen für mich nicht in Frage“, „Peer Review schließt
wissenschaftlich andersdenkende aus“ und „Peer Review ist eine andere Bezeichnung für
Vetternwirtschaft“ überdurchschnittlich häufig zustimmen, die Aussage „Peer Review führt zu
gutachterunabhängigen Ergebnissen“ dagegen häufiger ablehnen als der Durchschnitt. In den
Variablencluster gehört zudem noch die Aussage „Peer Review ist fehlbar, aber das beste

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Verfahren“. Da nicht festzustellen ist, auf welche Teilaussage sich die Antwort bezieht, wurde diese
jedoch ausgelassen.

Die zweite Teilauswertung betrachtet die Zustimmung zu den oben genannten Aussagen mit
einem weiteren karrierebezogenen Indikator. Dieser erfasst sowohl den gegenwärtigen
Karrierestatus als auch das Karriereziel der Befragten. Er erfasst vier verschiedene Zustände: Eine
Position außerhalb des universitären Systems, eine unbefristete Stelle an einer Universität sowie
eine befristete Stelle an einer Universität mit Karriereziel entweder inner- oder außerhalb
universitärer Einrichtungen, wobei Partizipanten, die sowohl universitär als auch außeruniversitär
arbeiten jeweils dem entsprechenden universitären Feld zugeschlagen wurden. Da das Peer Review-
Verfahren ein essentiell wissenschaftliches ist und wissenschaftliche Arbeit schwerpunktmäßig an
Universitäten stattfindet, liegt die Vermutung nahe, dass besonders Teilnehmer mit universitärem
Hintergrund das Peer Review-Verfahren begrüßen. Davon ausgehend kann vermutet werden, dass
sich auch ein inneruniversitäres Karriereziel positiv auf die Einschätzung des Verfahrens auswirkt.
Also sollten Partizipanten mit unbefristeten Verträgen sowie solche mit befristeten Verträgen und
Karriereziel innerhalb der Universität ihm besonders positiv gegenüberstehen, solche mit befristeten
Verträgen und Karriereziel außerhalb der Unisphäre im Mittelfeld liegen und diejenigen, die
außerhalb der Universitäten beschäftigt sind, es häufiger ablehnen.

3. Auswertung

3.1. Auswertung anhand der Daten bzgl. Frustration


Zunächst fällt auf, dass die Zielgruppe (nennen wir sie der Einfachheit halber „Frustrierte“)
verschwindend klein ist – zum Glück, möchte man da sagen. Gerade einmal auf sechs Teilnehmer
trafen alle Kriterien zu (siehe Tabelle 1). Trotzdem finden wir die Hypothese bestätigt: So gehen 50
Prozent der Mitglieder der Zielgruppe davon aus, das Peer Review-Verfahren schlösse
wissenschaftlich Andersdenkende aus. In den übrigen Fällen tun dies nicht einmal elf Prozent (s.
Tabelle 2). Auch bei der Frage, ob anonyme Gutachter für den Teilnehmer in Frage kämen, zeigt
sich das erwartete Bild: Zwar schließt niemand diese Möglichkeit vollständig aus, 16,7 Prozent
stimmen der Aussage „Anonyme Gutachter kommen für mich nicht in Frage“ aber eher zu. Beim
Rest der Teilnehmer beträgt die Zustimmung nur etwa ein Drittel davon (s. Tabelle 3). Ebenso ins
Bild passen die zwei Drittel der Frustrierten, die nicht davon ausgehen, dass das Peer Review-
Verfahren zu gutachterunabhängigen Ergebnissen führen würde (s. Tabelle 4) oder das Drittel, das
„Peer Review“ für einen anderen Ausdruck für Vetternwirtschaft hält und mit dieser Aussage
mageren 10,3 Prozent der übrigen Befragten gegenübersteht.

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Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Zielgruppe dem Peer Review-Verfahren wie
erwartet ausgesprochen kritisch gegenübersteht. Die Hypothese ist scheint bestätigt, allerdings darf
wegen der sehr kleinen Stichprobe der wissenschaftliche Wert dieses Ergebnisses bezweifelt
werden. Weitere Forschung scheint hier angebracht.

3.2. Auswertung anhand des Karrierestatus bzw. -ziels


Bei der Untersuchung der zweiten Hypothese fällt sofort auf, dass die Stichprobe im Gegensatz
zur obigen Analyse wesentlich größer ist (s. Tabelle 6). Somit dürften die gewonnenen
Informationen wesentlich wertvoller sein.

Laut Hypothese sollten solche Teilnehmer mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen an


Universitäten und solche mit befristeten, aber einem inneruniversitären Karriereziel die Aussage
„Anonyme Gutachter kommen für mich nicht in Frage“ besonders häufig ablehnen. Mit jeweils
rund 90 Prozent (unbefristet: 90,2 Prozent, befristet mit Ziel Universität: 89,8 Prozent) trifft dies
auch zu. Ebenso bestätigt sich die Vorhersage, außeruniversitär Beschäftigte würden hier wesentlich
niedriger liegen (80,9 Prozent). Auch befristet an Universitäten Angestellte mit außeruniversitärem
Karrierestil schneiden wir erwartet im Mittelfeld (85,9 Prozent) ab (alle Angaben: Siehe Tabelle 7).

Verglichen damit wird der Aussage „Peer Review schließt wissenschaftlich Andersdenkende
aus“ wesentlich seltener widersprochen: Die befristet an Universitäten beschäftigten mit
Karriereziel außerhalb der Universität lehnen diese Aussage mit 61,7 Prozent am deutlichsten ab. In
den übrigen Teilgruppen zeigt sich wieder das erwartete Bild, dass Personen innerhalb der
Universitäten das Peer Review-Verfahren besser beurteilen (siehe Tabelle 8), sodass es sich bei der
Abweichung um einen Ausreißer handeln könnte, zumal er in der kleinsten Teilgruppe stattfand
(vgl. Tabelle 6).

Zur Bewertung der Zustimmung zur Aussage „Peer Review führt zu gutachterunabhängigen
Ergebnissen“ ist es nun, im Gegensatz zu den beiden vorigen Variablen, sinnvoller, die wirkliche
Zustimmung statt der Ablehnung zu betrachten. Hierbei fällt auf, dass mit 10,9 Prozent die Inhaber
unbefristeter Stellen an Universitäten am ehesten zur Zustimmung bereit sind – also eben jene
Gruppe, in der auch am ehesten die anonymen Gutachter zu finden sein dürften. Ebenso ist die hohe
Zustimmung Universitätsexterner hier überraschend – mit 6,1 Prozent liegen sie nämlich an zweiter
Stelle, wobei allerdings niemand aus dieser Gruppe der Aussage „voll und ganz“ zustimmt. Im
Rahmen der Hypothese nicht überraschend ist hingegen die Rangfolge bei den verbliebenen beiden
Gruppen (vgl. Tabelle 9).

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In Bezug auf die Aussage, der Begriff Peer Review sei ein anderer Ausdruck für
Vetternwirtschaft tun sich, wie bereits bei der vorletzten Aussage, wiederholt sich das Bild aus der
Auswertung der vorletzten These: In drei von vier Fällen treffen die Annahmen der Hypothese zu,
aber die Gruppe mit Karriereziel außerhalb der Universität lehnt die These wiederum am häufigsten
ab – exakt zwei Drittel widersprechen ihr (vgl. Tabelle 10).

Ein eindeutiges Fazit zu ziehen, fällt bei diesen Befunden schwer: Bei jeder Aussage
bewahrheiteten sich Teile der Hypothese, außer bei der ersten jedoch niemals alle zugleich. Vor
allem in Bezug auf die Inhaber befristeter Stellen mit Karriereziel außerhalb der Universität liegt sie
häufig daneben. Sie schätzen das Peer-Review-Verfahren wesentlich positiver ein, als es nach der
Hypothese zu erwarten gewesen wäre.

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APPENDIX I: Tabellen
Frustration
Absolut Prozente
Ja 171 96,60%
Nein 6 3,40%
Gesamt 177 100,00%
Tabelle 1: Mitgliedschaft in der
Zielgruppe

Zustimmung: „PR schließt wissenschaftlich


andersdenkende aus“
In Zielgruppe „Frustrierte“: Ja Nein
Stimme überhaupt nicht zu 16,70% 23,30%
Stimme eher nicht zu 0,00% 34,90%
Teils/teils 33,30% 30,20%
Stimme eher zu 16,70% 9,90%
Stimme voll und ganz zu 33,30% 1,70%
Gesamt 100,00% 100,00%
Tabelle 2: Zustimmung zur Aussage nach
Gruppenzugehörigkeit

Zustimmung: „Anonyme Gutachter kommen für mich


nicht in Frage
In Zielgruppe „Frustrierte“: Ja Nein
Stimme überhaupt nicht zu 33,30% 64,40%
Stimme eher nicht zu 33,30% 23,00%
Teils/teils 16,70% 6,90%
Stimme eher zu 16,70% 4,60%
Stimme voll und ganz zu 0,00% 1,10%
Tabelle 3: Zustimmung zur Aussage nach
Gruppenzugehörigkeit

Zustimmung: „PR führt zu gutachterunabhängigen


Ergebnissen“
In Zielgruppe „Frustrierte“: Ja Nein
Stimme überhaupt nicht zu 33,30% 21,80%
Stimme eher nicht zu 33,30% 39,10%
Teils/teils 16,70% 31,60%
Stimme eher zu 0,00% 7,50%
Stimme voll und ganz zu 16,70% 0,00%
Gesamt 100,00% 100,00%
Tabelle 4: Zustimmung zur Aussage nach
Gruppenzugehörigkeit

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Zustimmung: „PR ist eine andere Bezeichnung für
Vetternwirtschaft“
In Zielgruppe „Frustrierte“: Ja Nein
Stimme überhaupt nicht zu 16,7% 29,9%
Stimme eher nicht zu 0,0% 31,0%
Teils/teils 50,0% 28,7%
Stimme eher zu 0,0% 6,9%
Stimme voll und ganz zu 33,3% 3,4%
Gesamt 100,0% 100,0%
Tabelle 5: Zustimmung zur Aussage nach
Gruppenzugehörigkeit

Karriere-Status und -Ziel


Absolut Prozent
Außerhalb der Uni 152 28,2%
In Uni, unbefristet 187 34,7%
in Uni, befristet; Ziel: Uni 150 27,8%
In Uni, befristet; Ziel: außerhalb 50 9,3%
Gesamt 539 100,0%
Tabelle 6: Karriere-Status und -Ziel

Zustimmung: „Anonyme Gutachter kommen für mich nicht in Frage“


In Uni, befristet; In Uni, befristet;
Außerhalb der Uni In Uni, unbefristet Ziel: Uni Ziel: außerhalb
Stimme überhaupt nicht zu 54,4% 67,4% 71,4% 60,4%
Stimme eher nicht zu 26,5% 22,8% 18,4% 25,0%
Teils/teils 11,6% 5,4% 7,5% 10,4%
Stimme eher zu 6,1% 3,8% 2,7% 4,2%
Stimme voll und ganz zu 1,4% 0,5% 0,0% 0,0%
Gesamt 100,0% 100,0% 100,0% 100,0%
Tabelle 7: Zustimmung zur These

Zustimmung: „Peer Review schließt wissenschaftlich Andersdenkende aus“


In Uni, befristet; In Uni, befristet;
Außerhalb der Uni In Uni, unbefristet Ziel: Uni Ziel: außerhalb
Stimme überhaupt nicht zu 18,9% 26,0% 22,4% 21,3%
Stimme eher nicht zu 32,4% 30,9% 35,4% 40,4%
Teils/teils 34,5% 29,3% 26,5% 29,8%
Stimme eher zu 11,5% 12,2% 12,9% 8,5%
Stimme voll und ganz zu 2,7% 1,7% 2,7% 0,0%
Gesamt 100,0% 100,0% 100,0% 100,0%
Tabelle 8: Zustimmung zur These

8
Zustimmung: „Peer Review führt zu gutachterunabhängigen Ergebnissen“
In Uni, befristet; In Uni, befristet;
Außerhalb der Uni In Uni, unbefristet Ziel: Uni Ziel: außerhalb
Stimme überhaupt nicht zu 31,8% 31,3% 36,5% 0,8%
Stimme eher nicht zu 34,5% 34,1% 39,9% 54,2%
Teils/teils 27,7% 23,6% 19,6% 22,9%
Stimme eher zu 6,1% 10,4% 3,4% 2,1%
Stimme voll und ganz zu 0,0% 0,5% 0,7% 0,0%
Gesamt 100,0% 100,0% 100,0% 100,0%
Tabelle 9: Zustimmung zur These

Zustimmung: „Peer Review ist eine andere Bezeichnung für Vetternwirtschaft“


In Uni, befristet; In Uni, befristet;
Außerhalb der Uni In Uni, unbefristet Ziel: Uni Ziel: außerhalb
Stimme überhaupt nicht zu 18,4% 31,1% 30,4% 22,2%
Stimme eher nicht zu 34,0% 29,5% 27,0% 44,4%
Teils/teils 34,0% 28,4% 33,1% 26,7%
Stimme eher zu 8,8% 8,7% 7,4% 4,4%
Stimme voll und ganz zu 4,8% 2,2% 2,0% 2,2%
Gesamt 100,0% 100,0% 100,0% 100,0%
Tabelle 10: Zustimmung zur These

APPENDIX II: SPSS-Syntax


***************************
*Vergleich Karriere-Status/-Ziel mit den abhängigen Variablen
***************************.
CROS TAB v7021_2 BY karriere2 /CELLS= COL.
CROS TAB v7021_3 BY karriere2 /CELLS= COL.
CROS TAB v7021_4 BY karriere2 /CELLS= COL.
CROS TAB v7021_5 BY karriere2 /CELLS= COL.

**********************
*Zielgruppe der frustrierten: Erwerbslos, produktives Alter (31-50), pol
Theorien => vFrustrierte=1
*Sonstige: vFrustrierte=0
*********************************************.
IF v8050=5 AND v8070_1=1 AND v8040=2 vFrustrierte=1.
IF v8050=5 AND v8070_1=1 AND v8040=3 vFrustrierte=1.
IF v8020<>5 AND v8070_1<>1 AND v8040<2 vFrustrierte=0.
IF v8020<>5 AND v8070_1<>1 AND v8040>3 vFrustrierte=0.

VAR LAB vFrustrierte "Frustration".

VAL LAB vFrustrierte


0 "nein"
1 "Ja".

9
FRE vFrustrierte.

**************************
*Entfernung fehlender Werte
*Kreuztabellen mit den abhängigen Variablen
*********************************.
MIS VAL v7021_2 (-1).
MIS VAL v7021_3 (-1).
MIS VAL v7021_4 (-1).
MIS VAL v7021_5 (-1).

CROS TAB v7021_2 BY vFrustrierte /CELLS= COL.


CROS TAB v7021_3 BY vFrustrierte /CELLS= COL.
CROS TAB v7021_4 BY vFrustrierte /CELLS= COL.
CROS TAB v7021_5 BY vFrustrierte /CELLS= COL.

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