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Rosen auf den Weg gestReut . fRühjahR 2008 . seite 1 www.rosen-web.de.

vu

Themen

Fußball & Rassismus


NPD-Wahlkampf in Brandenburg
Graue Wölfe und vieles mehr

Antifa Jugendinfo für Pankow Pberg Weissensee Bernau April 2008


Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 

Intro & Inhalt


April 2008. Das Projekt „Rosen Gestaltung etwas überarbeitet. Wenn du jetzt denkst „Hm, Fußball
auf den Weg gestreut“ geht in sein Zum anderen gibt es einen kleinen ist ja mal so gar nicht mein Thema.“,
zweites Jahr. Um auch dieses Jahr inhaltlichen Schwerpunkt in dieser dann sei dir gesagt, dass auch di-
vier Ausgaben zu veröffentlichen, Ausgabe, und der heißt Fußball. ese Ausgabe wieder randvoll mit
müssen wir uns jetzt etwas ran- Dazu beleuchten wir zum einen den unterschiedlichsten Themen
halten. D.h. wenn ihr diese Zeilen die Wechselwirkung von Fußball gefüllt ist.
lest, zerbrechen wir uns schon wie- und Rassismus, es gibt einen Über-
der die Köpfe über Themen für die blick über die etwas unrühmliche Viel Spaß beim Lesen
Rosen Nummer 6. Aber jetzt erstmal Geschichte des Berliner Fußball Club wünscht euch die Redaktion.
ein paar Worte zu dieser Ausgabe. (BFC) Dynamo und wir stellen ein
paar Fanprojekte vor, die sich aktiv
Es haben sich ein paar Sachen gegen Neonazis und Rassismus im Ach ja: Schreibt uns mal, schickt
geändert. Das ist euch bestimmt Stadion engagieren. uns Lob, Anmerkungen oder Kritik
aufgefallen. Zum einen wurde die zu dieser Ausgabe.

03 - Chronik
04 - Tønsberg - Thor Steinar-Laden eröffnet in Mitte // APB
05 - Kurzmeldungen
06 - NPD-Wahlkampf in Brandenburg
07 - Zug der Erinnerung // APB
08 - Fußball & Rassismus // ASV
12 - Antira-Initiativen im Fußball
14 - Die Hooligans des BFC Dynamo // EAG
18 - Deutsche Zustände 2007 // Chipkarten-Initiative
20 - Graue Wölfe // APB
22 - Max Schneider - Kriegsverbrecher im Pberg // APB
24 - Buchvorstellung: Zyklon B // EAG
26 - StuPa, AStA was ist das? // ASTA der ASFH
28 - Hoch lebe der 8.März // Cosmoproletarian Solidarity
30 - Termine & Links
32 - Paul Celan - Todesfuge

Impressum:
Die Texte dieses Heftes geben nur die Meinung der je- Geschlecht auch Transgendern und anderen Rech-
weiligen Autor_innen wieder. Die Verteiler_innen des nung zu tragen. (Bei Fragen und Anregungen schreibt
Hefts sind nicht mit den Macher_innen identisch. einfach den beteiligten Gruppen eine Mail)
Wir verwenden die geschlechtsneutrale Form „_in-
nen“, um neben dem männlichen und weiblichen V.i.S.d.P.: Greta Schloch, Berliner Straße 8a, 13187 Berlin
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 

Chronik
rechter Aktivitäten im Großbezirk Pankow in den Monaten
Januar bis März 2008

Anfang 01.2008 Im Januar werden punkt Niederschönhausen. Die 09.02.2008 VNNO-Aufkleber wer-
u.a. am S+U Bhf Pankow und Um- meisten Aufkleber tragen die Label den flächendeckend in der Dietz-
gebung, sowie Niederschönhausen „Anti-Antifa Pankow“, „Autonome genstraße/Kuckhoffstraße geklebt.
Aufkleber der sog. „Autonomen Na- Nationalisten Pankow [ANP]“ bzw.
tionalisten Pankow [ANP]“ verklebt, „Vereinte Nationalisten Nordost“ 12.02.2008 An der Prenzlauer Allee
desweiteren „NPD“-Aufkleber und [VNNO] Ecke Erich- Weinert Str. malen Na-
der sog. „Vereinten Nationalisten zis mit Kreide einen geschichtsrevi-
Nord Ost [VNNO]“. 03.02.2008 In der Nacht gegen sionistischen Slogan.
00.15 Uhr bepöbeln sechs betrun-
05.01.2008 An der Straßenbahnhal- kene Nazis Fahrgäste in der S-Bahn. 13.02.2008 NPD-Aktivisten sind
testelle „Schwedter Straße“ wird der Sie steigen am S-Bhf. Pankow ein, mit einem „Infomobil“ durch Pan-
Schriftzug „Hooligans - Doitschland zeigen mehrfach den Hitlergruß kow unterwegs, um Infomaterial an
- Skineads“ geschmiert, wobei der und machen sich über Schwarze lu- verschiedenen Orten zu verteilen.
Buchstabe „O“ immer mit einem stig. Als eine ältere Frau daran An-
Keltenkreuz ausgefüllt wird stoß nimmt, bedroht sie ein Nazis. 16.02.2008 Zahlreiche Neonazis
Ein anwesender Antifaschist mischt aus Pankow beteiligen sich am so-
09.01.2008 Am Morgen wird eine sich ein und wird dafür angegrif- genannten Trauermarsch zum 13.
durch einen Pflasterstein zerstörte fen. Durch das Eingreifen eines Februar 1945 in Dresden.
Fensterscheibe des Lapidariums in weiteren Fahrgastes gelingt es, die Erneut Naziparty im „Musik-Café“
der Schönhauser Allee festgestellt. Nazis in eine Ecke zu treiben. Am Wollankstraße
S-Bhf. Karow werden die Nazis von
18.01.2008 Gegen 23h stehen 5-7 Bereitschaftsbeamten aus dem Zug 24.02.2008 Um 1:00 wird eine
BFC-Hools an der Tramhaltestelle gezogen. Gruppe alternativer Jugendlicher
Schönhauser Allee, grölen und zei- am S-Bhf Wollankstraße von 15
gen den Hitlergruß. 08.02.2008 Bei einer Party in der Neonazis angegriffen. Die Neona-
„Böhse-Onkelz“-Fankneipe „Neffen zis, die aus dem „Musik-Café“ in
19. zum 20.01.2008 In der Nacht und Nichten“ in der Mühlenstraße der Wollankstraße kamen, griffen
wird ein junger Antifaschist am S+U halten sich zahlreiche Neonazis die Jugendlichen mit Flaschen und
Bhf. Pankow von ca. 8-10 Neonazis auf. Gegen Mitternacht ziehen ca. Schlagstöcken an und verletzten
zunächst angepöbelt und dann ge- 15-20 von ihnen, darunter Diego eine Person am Kopf.
jagt. Der Antifaschist kann sich in Uwe Pfeiffer (NPD Pankow) über
letzter Minute in einen Nachtbus Mühlenstraße und Florastraße in 14.03.2008 Auf dem Bahnhof Born-
retten und bleibt unverletzt. die Wollankstraße und kehren dort holmer Straße werden Aufkleber
ins „Musik-Café“ (Wollank-/Ecke der NPD angebracht.
Ende Januar/Anfang Februar 2008 Brehmestraße) ein. Auf dem Weg
Neonazis kleben verstärkt Aufkle- verkleben sie Aufkleber.
ber in Pankow mit dem Schwer-

Diese Zusammenstellung basiert auf den Chroniken Sammlungen dieser Art sind vor allem davon ab- Aktionen wirst, melde diese bitte unter folgender
der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe, der hängig, dass Betroffene von Naziaktionen diese öf- E-Mail-Adresse: eag-berlin@riseup.net
Antifa Prenzlauer Berg und der Antifa Klein-Pankow. fentlich machen. Wenn du Opfer oder Zeug_in einer
Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Naziaktion, eines Übergriffs oder von Propaganda-
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Tønsberg:
Thor Steinar-Laden
eröffnet in Mitte
von Antifa Prenzlauer Berg (APB)

In Mitte eröffnete am 1. Februar der engagierte Antifaschist_innen den Mietvertrag nicht verlängert hatte.
Thor Steinar-Laden „Tønsberg“. Laden bis zum Redaktionsschluss Die Erfahrungen aus anderen
Dieser vertreibt ausschließlich die bereits zehn
sechs mal mit Städten zeigen allerdings, dass
Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ Farbbeuteln und -flaschen an. eine fristlose Kündigung noch
und hat nach Erkenntnissen Nach den massiven Protesten hat keineswegs die sofortige Schließung
von Antifaschist_innen enge der Vermieter dem Laden fristlos bedeutet: In Magdeburg wurde
Verbindungen zur MediaTex GmbH, gekündigt. Die Hausverwaltung dem Thor Steinar-Laden „Narvik“
die für Thor Steinar verantwortlich hat die Verwaltung des Hauses bereits im Juli letzten Jahres
ist. (Über Thor Steinar berichteten beendet. Diese Erfahrung fristlos gekündigt. Die juristischen
wir in Ausgabe 1, zu finden auf dürfte dem Tønsberg nicht Auseinandersetzungen dauern bis
www.rosen-web.de.vu.) Der neu sein: Bereits Ende Januar heute an – der Laden ist weiterhin
Laden befindet sich in der Rosa- musste der gleichnamige Thor geöffnet. Auch in Berlin haben die
Luxemburg-Straße 18, nur wenige Steinar-Laden im Berliner Carré Betreiber des Tønsberg Rechtsmittel
Meter vom Alexanderplatz entfernt. schließen, da die kommunale gegen die Kündigung eingelegt.
Bereits am Eröffnungstag Wohnungsbaugesellschaft Mitte Leider ist der Tønsberg bei weitem
demonstrierten Antifa-Gruppen, nach breiten Protesten den nicht der einzige Nazi-Laden in
Berlin. Nur drei Stationen mit
Der Name “Thor Steinar“ bezieht sich mit der U-Bahn entfernt, befindet
Textildrucken wie „Division Steinar“ auf den sich mitten im Prenzlauer Berg
mit dem „Harakiri“ bereits seit
SS-General Felix Steiner, welcher massgeb- 1994 ein weiterer Nazi-Laden.
lich am Aufbau der Waffen-SS beteiligt war . (Wir berichteten in Ausgabe 2.)

Linkspartei, Grüne und SPD gegen


den Laden. Gewerbetreibende in
der Nachbarschaft protestierten
durch Aushänge in den
Schaufenstern gegen den Laden
und klärten über die Hintergründe
von Thor Steinar auf. Der Protest
wurde durch eine Demonstration
drei Wochen nach der Eröffnung
aufrecht erhalten. Außerdem griffen

„Stop Thor Steinar“ Graffiti


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Kurzmeldungen

Die Iranische Frauenrechtsbewegung „Gleiche Rechte jetzt“ und die „Arbeiterkommunistische Partei Iran“ hatten
am 100. internationalen Frauenkampftag zu einer Demonstration durch Friedrichshain und Lichtenberg
aufgerufen. Etwa 100 Menschen kamen, um dem Thema Gehör zu verleihen. Auf der Strecke über
die Frankfurter Allee wurden Beiträge von Initiativen wie dem Zentralrat der Ex-Muslime, der „Vergesst
niemals Hatun“-Kampagne, sowie dem Internationalen Komitee gegen Steinigung verlesen. Neben einem
Grußwort der gleichzeitig stattfindenden „Freiheit für Andrea“- Demonstration in Pankow wurde auch ein
kurzes Grußwort einer Vertreterin der Emanzipativen & Antifaschistischen Gruppe an die Demonstrant_
innen und Passant_innen gerichtet. Zwischen den Redebeiträgen wurden von den Demonstrant_innen
immer wieder Parolen gegen die „Geschlechter-Apartheid“ und die Unterdrückung im Iran angestimmt.
Die Demonstration endete an der Gedenkstätte der SozialistInnen, in der auch Rosa
Luxemburg begraben liegt, auf die im Aufruf zur Demonstration Bezug genommen wurde.

In der Nacht vom 22.2. zum 23.2. Kai-Homilius-Verlag aus Berlin- nicht so recht gekannt haben
kam es zu einem Übergriff aus Prenzlauer Berg warb vor und erklärt: „Meine Überzeugung
dem Musikcafé in der Pankower kurzem in der extrem rechten verpflichtet mich, mich für diese
Wollankstraße auf eine Gruppe Wochenzeitung Junge Freiheit. unbedachte Fehlentscheidung bei
linker Jugendlicher, welche Der linksnationalistische Verlag den Autoren, Freunden und Lesern
von einer Party in dem nahen hat seine Räumlichkeiten in der des Verlages zu entschuldigen.“
gelegenen „Café Bohne“ kamen. Christburger Straße und hat allerlei Dann folgt noch der Schwur von
Sie wurden dabei von 10-15 Bücher im Programm, bei dessen Buchenwald... Querfront sucks.
Neonazis mit Schlagstöcken durch Titeln einem bereits speiübel
die Gegend gejagt, ein Jugendlicher werden kann. Als Beispiele seien Auch dieses Jahr bleibt Pankow
erhielt eine Verletzung am Kopf. „Bankiers, Nazis, Zionisten - die rechtsextreme Aufkleberwelle
Um diese Zustände in die Geheime Reichssache“ und „Die anscheinend nicht erspart. In
Öffentlichkeit zu tragen und die Ballade von Kollektivschuld und vielen Gegenden tauchen immer
Gefahr, die von rechten Treffpunkten Wiedergutmachung“ genannt. Nach wieder Aufkleber der „Vereinten
ausgeht zu thematisieren, fand am der Anzeige in der JF protestierten Nationalisten Nordost“ [VNNO]
Abend darauf eine antifaschistische mehrere Autoren gegen die auf, auf denen die Schließung
Spontandemonstration mit ungefähr Entscheidung ihres Verlegers. des Jugendclubs „Kurt -
120 Leuten durch Pankow statt. Dümmlicher konnte die Lade - Klub“ gefordert wird.
Antwort des Verlages auf den Nervt voll, den Dreck immer
Der sich selbst „links“ und Autorenprotest nicht ausfallen: abzukratzen, aber was solls - Für
„humanistisch“ titulierende Homilius will die rechte Zeitung eine emanzipative Jugendkultur!
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NPD-Wahlkampf
in Brandenburg
von Antifaschistische Aktion Bernau[AAB]

Weitere Informationen und


Ankündigungen findet ihr unter
www.inforiot.de
Inforiot ist ein Webportal für
alternative Kultur und linke Politik
in Brandenburg.

Kommunalwahlen in Brandenburg was auch Brandenburg erwarten kommunalen Mandaten, die DVU in
könnte: Von illegalem Waffenbe- Brandenburg zu verdrängen. So hat
In Städten und Dörfern, in denen sitz über Volksverhetzung bis hin die Partei in den vergangenen Mo-
die extreme Rechte dominiert, zu versuchtem Mord - Anklagen naten fast ganz Brandenburg mit
gehören Angriffe auf Migrant_in- und Verurteilungen von Abgeord- Orts- und Kreisverbänden übersät.
nen, (Brand-)Anschläge auf Asia- neten und Partei- Funktionären
Imbisse und linke Clubs ebenso der NPD sind keine Seltenheit. Um den Einzug der Nazis in die Kom-
zu Brandenburg wie Baumblüten- munalparlamente zu verhindern,
fest, Sanssouci und Kartoffeln. In Für die Kommunalwahlen wird haben sich verschiedene zivilge-
Statistiken über rechte Straftaten sich neben der NPD auch die DVU sellschaftliche und antifaschistische
ist das Land ganz vorn dabei. (Deutsche Volksunion) auf Wäh- Bündnisse auf den Weg gemacht.
Wen wundert es da noch, dass ler_innenfang begeben. Beide Ihr Ziel ist es, den Neonazis keine
gerade in ländlichen Regionen Parteien geben sich „wie Wölfe im Möglichkeit zu geben ihre rassisti-
Brandenburgs von so genannten Schafspelz“ bürgernah und spielen schen, antisemitischen und nationa-
„No-Go-Areas“ gesprochen wird. den Wohltäter um flächendeckend listischen Positionen zu verbreiten.
Erfolg zu haben. Die NPD setzt da-
In einem halben Jahr - genauer bei auf öffentlichkeitswirksame Ak- 1 Im „Deutschlandpakt“ von 2005
am 28. September 2008 entschei- tionen wie Sportveranstaltungen, beschlossen NPD und DVU bei
den die Bürgerinnen und Bürger Familienfeste und Proteste gegen Wahlen nicht gegeneinander an-
in Brandenburg, wer sie in Ge- Hartz IV und Moscheebau. Die DVU, zutreten, um Kräfte zu bündeln.
meinden, Städten und Landkrei- die im Brandenburger Landtag mit Danach soll die von
1 Im „Deutschlandpakt“ DVU2005u.a. in Bran-
beschlossen
NPD und DVU bei Wahlen nicht gegeneinander
sen vertreten wird. Eigentlich ein 6 Mandaten vertreten ist, und nach denburg, die NPD u.a. in Sachsen
anzutreten, um Kräfte zu bündeln. Danach soll die
gängiges Prozedere, das kaum der dem so genannten Deutschland- und Mecklenburg-Vorpommern
DVU u.a. an-
in Brandenburg, die NPD u.a. in Sachsen
Rede wert wäre. Doch anders als pakt1 für Brandenburg zuständig treten.
und Mecklenburg-Vorpommern antreten.

in den vergangenen Jahren hat die ist, hält sich bisher bedeckt. Anzu-
Brandenburger NPD (Nationalde- nehmen ist, dass die NPD versu-
mokratische Partei Deutschland) chen wird durch ein Fundament aus
erkannt, wie wichtig die kommu-
nale Verankerung für einen Einzug
in den Landtag 2009 ist. In Meck-
lenburg-Vorpommern und Sach-
sen sitzt die Partei bereits in den
Landtagen, sowie auch in mehre-
ren Bezirken in Berlin. Dort erhält
man einen Vorgeschmack auf das,
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Zug der Erinnerung


in Berlin
vom 13. bis 22. April von Antifa Prenzlauer Berg [APB]

Nach langer Planung macht der der früheren Deportationen der verdienen – diesmal am Gedenken
Zug der Erinnerung nun vom 13. Reichsbahn zur Gedenkstätte an die damaligen Opfer und an
bis 22. April in Berlin Station. Zu Auschwitz. Unterwegs steuert er die der Erinnerung an die Täter. Der
verdanken ist dies der Berliner Städte der über 12.000 Kinder und Erlös der „Kerzenaktion“ wird der
Initiative „Zug der Erinnerung – Jugendlichen an, die zwischen 1940 bundesweiten Initiative „Zug der
Haltestelle Berlin“ und Dank einem und 1944 in die Vernichtungslager Erinnerung“ zur Begleichung der
breiten Bündnis verschiedener deportiert wurden. Rechnungen zur Verfügung gestellt.
Organisationen, Institutionen,
Gruppen und Einzelpersonen. Bereits am Vorabend der Ankunft Die Berliner Initiative arbeitet in
Ihnen ist es gelungen, bisher ca. des Zuges in Berlin wird es eine Kooperation mit dem Landesarchiv
18.000 Euro aus Spendengeldern Gedenkveranstaltung um 18 Uhr vor Berlin, der Rosa-Luxemburg-Stiftung
und Zuwendungen zu sammeln. dem Brandenburger Tor geben. Ein und der Antifa Prenzlauer Berg
Für den Restbetrag hat die Schweigemarsch führt anschließend
Initiative „Zug der Erinnerung“ von dort zum Potsdamer Platz zur >>> weitere Informationen zu der
die Garantie in der Hoffnung dortigen Bahnzentrale. Während Berliner Initiative erhaltet ihr
übernommen, diese durch weitere der Veranstaltung sollen 4.646 unter www.zug-nach-berlin.de
Unterstützung und bis Anfang Kerzen mit Namensschildern
April ausgleichen zu können. bekannter deportierter ermordeter
und verschollener Kinder im Alter
Halten wird der Zug an den Bahnhöfen von einem bis zwanzig Jahren gegen
Grunewald und Westhafen als kleine Spenden verteilt werden.
ehemalige Deportationsbahnhöfe, Diese sollen auf dem Potsdamer Geplante Bahnhöfe:
am Hauptbahnhof oder Platz gestellt und angezündet
Alexanderplatz sowie zur werden. Eine größere Kerze wird dort
Unterstützung antifaschistischen symbolisch für alle unbekannten Grunewald - ein ehemaliger
und zivilgesellschaftlichen Opfer der Deportationen brennen. Deportationsbahnhof
Engagements an den Bahnhöfen Neben dem Gedenken an die Westhafen - ehe.
Lichtenberg und Schöneweide. Zu Deportierten soll auf diese Weise Deportationsbahnhof an der
welchem Zeitpunkt die einzelnen gegen die Haltung der Deutschen Putlitzbrücke/Quitzowstraße
Bahnhöfe angefahren werden, steht Bahn AG protestiert werden. Als Berlin - Mitte - zentraler
zenraler Bahnhof
Bahnhof
noch nicht fest. Der Zug, der von Erbe des „Sondervermögens (Hauptbahnhof oder
einer Dampflok gezogen wird und Deutsche Reichsbahn“ will diese Alexanderplatz)
aus mehreren Ausstellungswagen offensichtlich nun ein weiteres Mal außerdem: Lichtenberg und
besteht, fährt auf der Strecke an den früheren Deportationen Schöneweide
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 

Rassismus im
Fussballstadion
Fussball, Gewalt und Rassismus sind in vielen Stadien
eine untrennbare Einheit. Das haben nicht erst die gewalt-
samen Ereignisse in Leipzig Anfang Februar 2007 gezeigt.
von Antifaschistische Schüler_innen Vernetzung Pankow
[ASV]

Immer öfter sind die Täter_innen Pokalspiel zwischen dem 1.FC Lok und sexistische Hetze gegen ande-
rechtsextrem motiviert, wie Ende Leipzig und der zweiten Mannschaft re Fans und Fussballspieler_innen.
November 2006 in Paris: Ein wü- von Erzgebirge Aue zu schweren Viele Anhänger_innen des BFC Dy-
tender Mob machte Jagd auf einen Ausschreitungen zwischen Fans namo tragen ihre Gesinnung offen
jüdischen Fan und einen Zivilpoli- und Polizei. Erst musste wegen zur Schau: “Dauerkarte statt Döner”,
zisten nordafrikanischer Herkunft. Leuchtfeuern das Spiel unterbro- einer der beliebtesten T-Shirt Auf-
Unter Rufen wie “dreckiger Nigger” chen werden, dann wurden Sprech- schriften im Stadion. Auch Klamot-
und “Drecksjude” griff der Mob chöre hörbar wie “Juden Aue” sowie ten der Nazimodemarke Thor Stei-
die Beiden an. Der Polizist zog “Aue und Chemie – Judenkompanie”. nar und Shirts mit der Aufschrift
die Dienstwaffe und schoss, ein- Am Ende des Spiels schlugen 300 “Hooligan” oder “Kategorie C” ge-
Angreifer starb, ein weiterer wurde Randalierer_innen auf Polizist_in- hören zum festen Erscheinungsbild
schwer verletzt. Auch in Deutsch- nen ein, angestachelt von weiteren der Dynamo Fans. Die Zahl des von
land schallen rassistische Parolen 500 Hooligans. Auf einen Polizisten der Polizei als Kategorie-C-Fans,
und Anfeindungen durch die Sta-
dien. „Die Juden muss man alle in eine Tüte stecken
Gezielt rekrutieren Neonazis hier
Wähler_innen und Nachwuchs.
und in ihre Heimat schicken“
Mehr und mehr machen der Ras- wettert ein BFC-Anhänger in Armyjacke
sismus und die Diskriminierungen
beim Fussball den Clubs zu schaf- wurde aus nächster Nähe mit einer also gewaltsuchende Fans, ein-
fen und das Spiel für manche Spie- Schreckschusspistole geschossen. geteilten Personenkreises wird in
ler_innen unerträglich. Während In dem Durcheinander traten zahl- Berlin auf 300 Mitglieder geschätzt.
der Fussballweltmeisterschaft im reiche Leute in den Vordergrund, Knapp 1000 Anhänger_innen gel-
Juni 2006 wurde der Öffentlichkeit die sich erkennbar neonazistisch ten als “gewaltbereit” (Kategorie B).
eine heile Fussballwelt unter dem gaben. Sie trugen Reichsadler- Als Verein mit den meisten gewalt-
Motto “Zu Gast bei Freunden” vorge- Embleme, die sich mit einem Lok bereiten Fußballfans gilt der BFC
täuscht. Nach dem Ende der WM Leipzig-Symbol und mit einem Dynamo. Diese Gewaltbereitschaft
2006 überschlagen sich jetzt die schwarz-weiß-roten Signum “Weiße wird sowohl im Stadion als auch
Schlagzeilen über brutale Fan-Ge- Wölfe” kombinierten. Doch die Ge- nach den Spielen deutlich.
walt und rechtsextreme Parolen. walt geht nicht nur gegen Polizist_ Beim Berliner Viertliga-Derby zwi-
Häufig geht diese Gewalt von ost- innen sondern oft gegen Fans, die schen Türkiyemspor und dem BFC
deutschen bzw. osteuropäischen in das Feindbild der rechtsextremen Dynamo beschimpften BFC-Anhän-
Fanclubs wie dem 1.FC Lok Leip- Fussballfans passen. In Berlin sor- ger_innen in erkennbar rechtsex-
zig und dem BFC Dynamo aus. So gen die Fans des BFC Dynamo für tremer Fankleidung türkische Be-
kam es Anfang Februar 2007 beim diese rassistische, antisemitische sucher_innen („Scheiß-Kanaken“,
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„Allah ist eine Sau“). Nach der Par- kennt derlei Provokationen: „Diese der Stadionordnung, die auf einer
tie zogen die Fans des BFC durch Judennummer gehört beim BFC doch kleinen, kaum sichtbaren Plastik-
Kreuzberg und bespuckten An- schon zur Folklore“, sagt Liebing tafel an der seitlichen Fassade
wohner_innen oder griffen diese genervt. Hintergrund der antise- der Tribüne hängt, wie ein Ruf
sogar körperlich an. Auch bei mitischen Äußerungen von den ins Leere. „Diskriminierende Äuße-
einem Spiel gegen TeBe Berlin wird Rängen ist eine uralte Rivalität der rungen und Beleidigungen sind grobe
die antisemitische Einstellung der beiden Stadtnachbarn. Unsportlichkeiten und sind zu unter-
Fans deutlich. Der Hass im Stadion Zur Blütezeit der „Lila-Weißen“, wie lassen“, steht dort geschrieben. Bei
ist unüberhörbar: „Drecksjude, gib die Charlottenburger_innen auf- Zuwiderhandlungen behält sich
Gas“, hallt es durch das Berliner grund ihrer Trikotfarben genannt der Verein Stadionverbote gegen
Sport Forum, der Heimspielstätte werden, waren rund 15 Prozent der die Übeltäter_innen vor. Hätte der
des BFC Dynamo. Mit „Drecksjude“ Mitglieder jüdischen Glaubens. Das Gastgeber bei vergangenen Spie-
ist ein Spieler der Gastmannschaft war in den 1920er Jahren. Noch len seine Stadionordnung konse-
TeBe Berlin gemeint, der im Ober- heute wird der Verein von gegne- quent umgesetzt, wären rund zwei
liga-Derby beim BFC Dynamo kurz rischen Fans, wie denen des BFC Drittel der Besucher_innen schon
vor dem Abpfiff nach einem Foul Dynamo, als „Judenclub“ bezeich- zur Halbzeit nicht mehr anwesend
auf dem Boden liegen bleibt. net und gehasst. Ein Großteil des oder würden erst gar nicht ins Sta-
„Die Juden muss man alle in eine Tüte Berliner-Sport-Forums gleicht einer dion kommen.
stecken und in ihre Heimat schicken“, „national befreiten Zone“, auslän- Diese Erscheinungen in Ost-
wettert ein BFC-Anhänger in Army- dische Fans und Besucher_innen deutschland, lassen sich auch in
jacke. Widerworte anderer Fans verirren sich kaum nach Hohen- großen Teilen Osteuropas beo-
sind keine zu hören. Der Presse- schönhausen. In diesem Zusam- bachten. Immer häufiger kommt es
sprecher von TeBe, Hagen Liebing, menhang wirkt der vierte Punkt hier zu Ausschreitungen zwischen

Ein Blick auf die überwiegend rechtsexremen Fans des 1. FC Lok Leipzig
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Die Fans von Energie Cottbus zeigten diesen Banner beim Spiel gegen Dynamo Dresden und benutzen „Juden“ als Schimpfwort.

den Fans. Ganz offen marschiert reiter Fussballfans, zum Beispiel skandiert und Symbole zur Schau
der faschistische Mob in den Fuss- die “Borussenfront” in Dortmund getragen. Die Fanszene scheint
ballstadien auf, zeigt sich mit ein- und der Fanclub “Ostwestfalenter- somit geradezu ein Seismograph
deutig rechtsextremer Symbolik ror” in Bielefeld. für rechte, ausländerfeindliche
und hetzt gegen Juden, Sinti und Genau zur selben Zeit entdeckten Stimmungen in Deutschland zu
Roma. Die Fans kommen überwie- die Rechtsextremen das Stadion sein. Die wachsende Perspektiv-
gend aus Russland, Polen und Un- als Agitationsfeld. So antwortete losigkeit junger Menschen, die in
garn. Die Gewalt und rassistischen der Neonazi Michael Kühnen 1983 der Fussballszene schon seit jeher
Beschimpfungen nehmen aber eine auf die Frage, wo er rechte Gesin- zumindest vorhandene rechte Ge-
kaum kontrollierbare Dimension nungsgenossen rekrutiere: “Unter sinnung, die Verherrlichung und
an, die sich schwer mit den ost- Skinheads und Fussballfans”. Die- Faszination der Gewalt, sowie die
deutschen Verhältnissen verglei- se Aussage wird durch verschie- bei Nationalmannschafts- und Eu-
chen lässt. dene Studien bestätigt, die den ropacupspielen sich anbietende
gravierenden Anstieg von offen nationalistische Bühne, haben die
Nach diesen Vorfällen nimmt geäußertem Rassismus, Antisemi- Fans, Hooligans und den organi-
mensch an, die Gewalt und die tismus und steigender Fremden- sierten Rechtsextremismus näher
Diskriminierungen gehen meistens feindlichkeit als eine große Gefahr zusammengebracht und in vielen
von Vereinen und Fanclubs im sehen. Mehr noch, wie in keinem Fällen zu einer gefährlichen Sym-
Osten aus, aber auch im Westen anderen Bereich werden gerade biose geführt.
kommt es nach den Spielen zu im Umfeld von Fussballgroßereig-
ausgedehnten Straßenschlachten nissen – offensichtlich unter dem In der ersten und zweiten Liga in
und Rassismus im Stadion. Dort Deckmantel der Anonymität der Deutschland kommt es eher selten
gibt es etwa seit den achtziger Jah- skandalisierenden Masse und zu offen geäußertem Rassismus. In
ren Vermischungen rechtsextremer fussballspezifischer Accessoires den Fankurven dieser Vereine gibt
Rädelsführer_innen und gewaltbe- – offen fremdenfeindliche Parolen es aber überall kleine Gruppen von
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ca. 20 Personen im rechtsextremen tatur verfolgt und ermordet wurden.”


Style und den entsprechenden Kla- Auch ein Bekenntnis gegen Neona-
motten. Für die ersten Ligen sind zis gibt es nicht nur in der Haus-
das trotzdem sehr wenige Fans. ordnung, sondern fest installiert
Durch die Kommerzialisierung der auf der Fantribüne. “Kein Fussball
Fanclubs und polizeiliche Repres- den Faschisten” heißt es auf einem
sionen gegen Fangruppen, gelingt Transparent.
es den rechtsextremen Fans nur Im Januar 2001 folgte Hannover 96
schwer, ihre Ideologie ins Stadi- mit einer ähnlichen Hausordnung,
on zu tragen. Das Problem dieser nachdem der DFB bereits 1998 ei-
Ligen sind nicht vorrangig die nen 10-Punkte Plan an alle Lizenz-
rassistischen Äußerungen, son- vereine versandte, in dem mögliche
dern offen gezeigte und latente Maßnahmen gegen rassistische
Homophobie, Sexismus und z.B. und fremdenfeindliche Tendenzen
Diffamierungen auf der Basis fa- im Fussballstadion beschrieben
miliärer Hintergründe („eure Eltern werden. Bei Hannover 96 sind
sind Geschwister“, „deine Mutter hat nicht nur Symbole und Gesten, die
ich schon“ und „Hurensohn“). unter das Strafrecht fallen (z.B. Ha-
Doch wie soll diese Welle rechts- kenkreuz und Hitlergruß), sondern
extremer, rassistischer und sexi- auch Zeichen, Aufnäher, Parolen
stischer Fussballgewalt gestoppt und Aufdrucke verboten, die den
werden? Die Spieler_innen und Eindruck einer rassistischen und
Fans müssen sich zusammen ge- rechtsextremen Einstellung her-
gen Rassismus und Sexismus en- vorrufen könnten. Der entschei-
gagieren. Aber auch die Vereine dende Unterschied zur bisherigen
sollten ein Zeichen setzen und Stadionordnung ist, dass bereits Weiter Informationen und Unterstützung findet ihr
im Internet unter:
sichklar gegen Diskriminierungen der Eindruck, es könnte sich um
www.aktive-fans.de
aussprechen. Als Vorreiter gelten rassistische und fremdenfeindliche www.farenet.org
unter anderem der FC St. Pauli, Symbole, Zeichen, Parolen usw. www.naturfreundejugend-berlin.de
Hannover 96, Borussia Dortmund handeln, ausreicht, um ein Stadi-
und Schalke 04. onverbot zu erwirken. Damit hat
St. Pauli traf schon in den neun- der Verein erstmals auch die Mög-
ziger Jahren in seiner Stadionord- lichkeit, in der häufig nicht beach-
nung eine deutliche Entscheidung, teten Grauzone aktiv zu werden.
das Rufen rechtsextremer Parolen
und das Mitführen entsprechender Wir hoffen, dass Fans, Vereine und
Fahnen, Transparente oder Beklei- Spieler_innen sich weiterhin aktiv
dung wird mit einem Hausverbot gegen Rassismus, Antisemitismus
geahndet. St. Pauli errichtete im und Sexismus im Stadion enga-
Stadion sogar ein Mahnmal im Ge- gieren und zusammen eine breite,
denken an die NS-Opfer. Die Tafel antirassistische Fankultur etablie-
steht neben einem älteren Gedenk- ren. Vernetzt euch mit anderen
stein in Erinnerung an die Welt- Fans, arbeitet mit antirassistischen
kriegstoten mit dem Spruch: “Zum Fussballinitiative, unterstützt Op-
Gedenken an die Mitglieder und Fans fer rechtsextremer Fangewalt und
des FC St. Pauli, die während der Jah- nehmt den Nazis und Rassist_in-
re 1933 bis 1945 durch die Nazi-Dik- nen ihren Raum im Stadion. Rechtsextreme Fahnen und Symbole im Fanblock
des 1.FC Lok Leipzig
Rosen auf den Weg gestReut . fRühjahR 2008 . seite 12

Antira-Initiativen
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Bündnis Aktiver Fußball-Fans


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Was ist BAFF? Das Bündnis Aktiver Fußball-Fan che
ein seit 1993 beste hend er verein s- „Mondiali Antirazzisti“ in Italien oder die englis
(BAFF) ist the Red Card“ organ isie-
Video-Aktion „Show Racism
übergreifender Zusammenschluss von über 200 ng,
(Inis, ren. BAFF sieht sich als Teil einer Fanbewegu
Einzelmitgliedern und vielen Faninstitutionen e
Fancl ubs, etc.). BAFF ist Teil des die ihre Interessen klar definiert und ihre Recht
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europäischen Netzwerks FARE (Football Again
Rosen auf den Weg gestReut . fRühjahR 2008 . seite 1

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der historisch gewachsenen Fankultur als Stadi und
ignis mit hohem Unter haltu ngs- und rechte Ticketvergabe, Showprogramme usw.)
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f gegen die zunehmende Repression von Seiten
sozialem Integrationswert. Dazu gehört der Kamp der Ordnu ngskr äfte.
iminie rung, gegen die Polizei und
gegen Rassismus und Diskr
mit >> www.aktive-fans.de
übertriebene Kommerzialisierung des Fußballs
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 14

Die Hooligans des


Berliner Fußball-
klubs (BFC) Dynamo
Die Hooligans des Berliner Fußballclubs (BFC)
Dynamo: ein Milieu zwischen Fußballgewalt, rechten
Tendenzen und organisierter Kriminalität
von Emanzipative & Antifaschistische Gruppe [EAG]

Keine Pauschalisierung! BFC-Hools in der DDR (bis 1989) verfeindeten Fans und Randale wa-
Um es gleich vorauszuschicken: Es Zu DDR-Zeiten galt der BFC Dyna- ren keine Seltenheit. Im Jargon der
gab immer und gibt bis heute eine mo als „Stasi-Club“ (Worterklärung: DDR-Sicherheitsbehörden hieß das
Menge BFC-Fans, die weder mit Ministerium für Staatssicherheit „Rowdytum“.
Hooliganismus, noch mit Neonazis (MfS) kurz Stasi: Auslands- und Für die Tatsache, dass sich aus-
oder dem organisierten Verbrechen Inlandsgeheimdienst der DDR). Bei gerechnet im Fananhang des BFC
zu tun haben, sondern ganz nor- seinen Spielen war oft hochrangige ab etwa Mitte der 80-er Jahre ver-
male Fußballfans sind. Eine Min- SED-Politprominenz (Worterklä- stärkt Neonazis, vor allem Nazi-
derheit von BFC-Fans hat in den rung: SED: Sozialistische Einheits- Skinheads, sammelten, gibt es
letzten Jahren sogar angefangen, partei Deutschlands. Führunspartei mehrere Erklärungen, die sich teil-
dem im Stadion geäußerten Ras- im staatssozialistischen System weise ergänzen, teilweise wider-
sismus vieler BFC-Fans offen ent- der DDR. Die Führung der SED sprechen. Eine Erklärung ist die,
gegenzutreten. Selbstverständlich war gleichzeitig autoritäre Staats- dass rassistische, nationalistische,
gibt es im Anhang des BFC auch führung.) bis hin zum Minister für antikommunistische und anti-
zahlreiche Hooligans, die es zwar Staatssicherheit, Erich Mielke, an- sowjetische Tendenzen im Umfeld
geil finden, sich zu prügeln, aber wesend. Fußball generell spielte des BFC gerade deshalb freier aus-
mit Neonazis nichts am Hut haben im autoritär-repressiven System gelebt werden konnten, weil der
– so unsympathisch und machohaft der DDR die Rolle eines Freiraums, Club stasinah war und die Spitzen
diese Liebe zur Gewalt und ihre der weniger als andere Bereiche der Stasi aus Verbundenheit mit
Verherrlichung auch sind. Genauso
finden sich bei den BFC-Hools Leu- Es gab in der DDR durchaus autoritäre Züge
te, die sich im zwielichtigen Milieu
der Türsteher- und Drogenszene
und ideologische Elemente, die Parallelen zu
bewegen, aber unpolitisch sind. rechten Denkwelten aufwiesen.
Trotzdem steht fest: Angefangen
von den 80-er Jahren bis heute be- von der allgegenwärtigen Ideologi- dem BFC seinen Fans gewisse Frei-
steht eine erhebliche Schnittmen- sierung im Sinne des Staates und räume ließen.
ge zwischen den BFC-Hools und der Partei durchdrungen war. Die Oft wird darüber spekuliert, dass
organisierten Neonazis. Dies hat DDR hatte ebenso wie viele an- die Fanszene des BFC auch in ih-
insbesondere für die rechte Szene dere Industrieländer schon lange ren neonazistischen Teilen von
in Pankow und in Lichtenberg Be- ein erhebliches Problem mit dem einem sehr frühen Zeitpunkt an
deutung. Hooliganismus. Prügeleien unter von Stasispitzeln und agents pro-
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 15

Hooligans
Begriff und Sache stammen aus dem England der ersten Hälfte des 20. Jahr- Angehörige aller politischen Richtungen, Klassen, Schichten und Berufe können
hunderts, wo sich der Fußballsport von einer Angelegenheit der feinen Leute Hooligans sein. In sehr vielen Ländern kam und kommt es zu Überschneidungen
endgültig zum Massensport und zum emotionalen Ventil für die Probleme der zwischen den Hooligans und nationalistischen und rassistischen Gruppen, ohne
Industriegesellschaft entwickelt hatte. „Hooligans“ waren gewalttätige Horden von dass der Hooliganismus als Ganzes dem rechten Spektrum zuzuordnen wäre.
Fußballfans aus der Arbeiterklasse, dem Kleinbürgertum und der Unterschicht, die Bisweilen entwickeln sich Hooligan-Gruppen zu kriminellen Banden, die sich im
im Umfeld von Fußballspielen und in den Stadien randalierten und die körper- Drogenhandel, in der Zuhälterei, der Schutzgelderpressung oder anderen Zwei-
liche Auseinandersetzung mit anderen Fans und der Polizei suchten. Der Hooli- gen des organisierten Verbrechens betätigen. Eine interessante Verarbeitung des
ganismus ist in allen Ländern vorhanden, in denen der Fußballsport Massenan- Themas bieten die Filme „Hooligans“ und „Football Factory“.
hang hat, aber sein klassisches Land ist nach wie vor England.

vocateurs (Worterklärung: Spitzel, der Nazi-Hools gesucht: Unter ih- polizei, Ministerium des Inneren
die zu Straftaten anstacheln, um nen hätte es angeblich besonders und Nationale Volksarmee in der
Anlässe für staatliches Handeln viele Kinder von Stasi-Leuten und DDR zusammenfassend genannt)
zu geben.) bzw. unterwandert war. anderen Staats- und Parteidienern Nazitraditionen überwintert und
Die Verantwortlichen bei der Sta- gegeben. Die Nazi-Attitüde sei ei- sich dann in der jungen Generation
si, so die Erzählung, hätten diesen nerseits Ausdruck des Protestes der 80-er Jahre offen ausgedrückt.
Figuren eine Weile gewisse Spiel- gegen das DDR-System und das In Einzelfällen soll es dazu gekom-
räume zugestanden, damit sie das oft genug unterdrückerische eige- men sein, dass Nazi-Skinheads an
DDR-feindliche Potenzial um sich ne Elternhaus gewesen. Anderer- Schulen als Ordnungsdienst ange-
sammeln und damit leichter kon- seits gab es in der DDR durchaus stellt wurden und die Möglichkeit
trollierbar machen konnten. Eine bestimmte autoritäre Züge und ge- erhielten, Mitschüler/innen aus der
andere Variante der Erklärung geht wisse ideologische Elemente, die Punk- und alternativen Szene zu
dahin, dass sich DDR-Neonazis be- Parallelen zu rechten Denkwelten terrorisieren.
wusst den BFC als ihren Club aus- aufwiesen. In manchen Familien Es ist schwer, in diesem Gewirr
suchten, weil sie den Kontrast zwi- von Stasi-, Armee- und Polizeian- unterschiedlicher Erklärungsan-
schen der eigenen Gesinnung und gehörigen seien diese autoritären sätze wirklich Klarheit darüber zu
der Stasinähe des Clubs irgendwie und tendenziell rechten Elemente bekommen, was sich damals ab-
lustig fanden und es genossen, in potenziert aufgetreten und an die gespielt hat. Möglicherweise steckt
den Stadien die Politprominenz zu Kinder weitergegeben worden. An- in allen Erklärungsversuchen ein
provozieren oder auch auf subtile geblich hätten hinter der sozialis- Stück Wahrheit. Zu beachten ist,
Weise zu verhöhnen. Manchmal tischen Fassade gerade bei Ange- dass die BFC-Hools eine zahlenmä-
wird die Erklärung auch eher bei hörigen der „bewaffneten Organe“ ßig ziemlich große Gruppe waren.
den einzelnen Lebensgeschichten (so wurden Staatssicherheit, Volks- Es wird nicht jeder einzelne die

Ganz „normaler“ BFC-Block: T-Shirts von Nazibands („Landser“ & „Deutsch Stolz Treue“) und Nazis
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 16

v.l.n.r.: Marcel Rockel (Hellersdorf ),


Sven Lisch (Groß Kreuz),
Phillip Bornemann (Sonnenbrille, schw.
Basecap - Lichtenberg) und andere Neo-
nazis

gleiche Entwicklung genommen war. Dies hätte die Bankrotterklä- nellen Szene der DDR von Polizei
haben. rung des gesamten politischen und Stasi scharf überwacht wurde
Anspruchs der DDR-Führungskreise und starke Einsatzkräfte bereit-
Die BFC-Nazi-Hools der zweiten bedeutet. Schließlich hatte die SED standen, wurde nicht eingegriffen.
Hälfte der 80-er Jahre immer behauptet, eine neue, bes- Die Hauptbeteiligten wurden zu für
Feststehen allerdings die Fakten: sere Gesellschaftsordnung errichtet DDR-Verhältnisse ungewöhnlich
Ab Mitte der 80-er etablierte sich und die Wurzeln des Faschismus milden Strafen verurteilt, die erst
in Ostberlin im Anhang des BFC ausgerottet zu haben. nach Revision durch die Staats-
eine große Neonaziszene, die sich Trotzdem liefen die Gerüchte um. anwaltschaft erhöht wurden. Ein
äußerlich, von der Musik und vom Auf Schulhöfen wurde über die mutmaßlicher Hauptschuldiger,
Lebensstil her an der rechten Skin- Skins getuschelt, die sowohl Angst der Hool-Anführer Jens Uwe Vogt,
headszene Westdeutschlands und als auch Faszination verbreiteten. wurde trotz Zeugenaussagen nicht
Westberlins orientierte und zu west- Vielen war auch die „Lichtenberger angeklagt und durfte sogar nach
deutschen Neonazis vielfältige und Front“ bekannt, ein wenig forma- kurzer Zeit in den Westen ausrei-
intensive Kontakte hielt. Westdeut- lisierter Zusammenschluss von sen. All dies nährte Gerüchte über
sche Neonazi-Aktivisten nutzten BFC-Nazi-Hools vorwiegend aus eine weitgehende Unterwanderung
die im Zuge der Entspannungspoli- Lichtenberg, der ab etwa 1988 der BFC-Nazihool-Szene durch die
tik zwischen BRD und DDR zustan- bestand. Einige besonders ideo- Stasi.
de gekommenen Erleichterungen logisch gefestigte Neonazis aus Wenig später kam die Wende...
der Einreise von „Westlern“ in die diesem Spektrum gründeten we-
DDR weidlich aus, um ostdeutsche nig später unter direktem Einfluss Nach 1990
Neonazis mit ideologischem Mate- westdeutscher Neonazis die „Be- Die ersten Jahre nach der Wende
rial zu versorgen und an sich zu wegung 30. Januar“, benannt nach im Oktober/November 1989 waren
binden. Gewalttätige Übergriffe dem Datum der Machtübergabe an die Hoch-Zeit der Neonaziszene in
gegen Punker/innen, alternative Hitler im Jahre 1933. Ostdeutschland. Es war eine Zeit
Jugendliche, vietnamesische und Ein Höhepunkt der Entwicklung fast täglicher Menschenjagden,
afrikanische Vertragsarbeiter/innen, der Ostberliner Neonaziszene war pogromähnlicher Ausschreitungen
Nazi-Schmierereien, Schändungen der Überfall von ca. 30 mit Schlag- und der Angst. Die in Auflösung
jüdischer Friedhöfe sowie antifa- werkzeugen bewaffneten Ost- und befindlichen DDR-Staatsorgane
schistischer und sowjetischer Eh- Westberliner Neonazis, darunter sahen sich mit der massiv aus-
ren- und Gedenkmale nahmen zu. viele aus dem BFC-Spektrum, auf brechenden Gewalt hoffnungslos
Die von der Partei kontrollierten ein Konzert der Band „Element of überfordert, die West-Staatsmacht
Medien schwiegen diese Tendenz Crime“ in der Zionskirche in Berlin- war noch nicht angekommen bzw.
konsequent tot beziehungsweise Mitte am 17.10.1987. Das Publikum nicht gefestigt. In Ostberlin waren
thematisierten sie nur als unpoli- bestand aus Punks und alterna- Nazi-Hools des BFC immer vorne
tisches „Rowdytum“. Obwohl die tiven Jugendlichen, von denen mit dabei. Oft bildeten die Spiele
Stasi die neonazistischen Umtriebe viele schwer verletzt wurden. Im des BFC im Prenzlauer Berger Jahn-
sorgsam registrierte, konnte die Umfeld des Überfalls kam es zu Sportstadions den Ausgangspunkt
DDR nie öffentlich eingestehen, verschiedenen Merkwürdigkeiten: für massive Ausschreitungen, An-
dass in ihr eine große neonazis- Obwohl das Konzert wie alle Ak- griffe und Auseinandersetzungen
tische Jugendszene entstanden tivitäten der alternativ-oppositio- mit der Polizei.
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 17

Weiter Informationen und Unterstützung findet ihr im


Internet unter:

www.antifa-nazis-ddr.de
www.jpberlin.de/antifa-pankow/links/fightback2001.pdf

Ab etwa 1994/95 beruhigte sich Kneipen und Clubs wie BFC-Hools,


Kleine Chronik:
die Lage zunehmend: Die BRD- etwa das „Jeton“ in der Frankfurter
Staatsmacht hatte die Neonazis Allee (Friedrichshain). Rechte Hools des BFC
allmählich besser unter Kontrolle Für einen relativ großen Teil der 17.10.1987 Über 30 mit Baseballschlägern bewaff-
bekommen und durch die Verbote BFC-Hooligans scheint es zum gu- nete Naziskins und Hooligans greifen ein Konzert
der Gruppe „Element of Crime“ in der Zionskirche
mehrerer wichtiger Neonazi-Organi- ten Ton zu gehören, rassistische an, zu dem mehrheitlich Punks und AnhängerInnen
sationen von 1994 der rechten Sze- und antisemitische Gesinnung mit der Friedensbewegung gekommen waren. Mit „Sieg
Heil“-Geschrei stürzten sie sich auf die Konzertbesu-
ne einen schweren Schlag versetzt. Sprechchören und Transparenten cher_innen und verletzten mehrere Personen schwer,
Die Generation der BFC-Hools, die zum Ausdruck zu bringen, auch während die Volkspolizei, die wie üblich bei solchen
Konzerten in den Seitenstraßen stand, nicht eingriff
seit etwa 1985 prägend gewesen wenn es sich dabei nicht um or- und die Angreifer sogar ungehindert sich zurückzie-
war, verabschiedete sich immer ganisierte beziehungsweise aktive hen ließ.
20. April 1990 (Hitler-Geburtstag) Nach einem BFC-
mehr ins Berufs- und Familienle- Neonazis handelt. Rassistische Spiel versuchen rund 200 Naziskins, ein besetztes
ben. Nichtsdestotrotz blieben viele Beleidigungen wie „Kanake“ oder Haus in der Schönhauser Allee anzugreifen. Die
BesetzerInnen vertreiben die Angreifer jedoch mit
ihrer neonazistischen Gesinnung „scheiß Asylant“ sind an der Tages- einem Flaschen- und Steinhagel. Die Volkspolizei
verhaftet. Noch ein anderes Phäno- ordnung. Mitunter wird aus dem greift erst sehr spät ein. Der Neonazimob zieht da-
raufhin zum Alexanderplatz, wo sich schon über 500
men ließ den Personalstamm der BFC-Fanblock heraus der Slogan: Rechte aus Ost- und Westberlin versammelt hatten.
BFC-Nazi-Hools bröckeln: „Wir bauen eine U-Bahn von … nach Im Folgenden werden Dutzende Nicht-Deutsche
verprügelt und eine von Homosexuellen besuchte
Techno, Clubs und Drogen. Zum Auschwitz“ angestimmt. T-Shirts Kneipe überfallen.
Teil schossen sich die Hools ein- und andere Accessoires der rech- 05.11.1999 Nach einem Spiel gegen den Verein Tür-
kiyemspor Berlin stürmen BFC-Hools das Feld und
fach mit Drogen ab, manche wech- ten Szene sind keine Seltenheit im verletzen vier türkische Spieler und einen Masseur.
selten von der Politik ins Geschäft, Publikum des BFC. 11.04.2004 Während eines Spiels gegen den Berliner
Verein Yesilyurt werfen ca. 10 rassistische Zuschauer/
zum Beispiel in Türsteherei und Viele Neonazis besuchen Spiele des innen Fladenbrote auf das Spielfeld. Dabei mehrere
Drogenhandel. BFC nicht vorrangig aus politischen Neonazi-Aktivisten, so René Bethage aus Treptow
(Führungsfigur der mittlerweile verbotenen Kame-
Gründen. Sie wollen bei und nach radschaft „BASO“) und die Pankower Christopher
Und heute… dem Spiel am Gemeinschaftsgefühl Wilhelm und Paul Schneider.
Sommer 2005 Als in Potsdam ein Prozess gegen
Die Schnittmenge zwischen Neo- der Fans teilhaben, in der Masse mehrere Neonazis geführt wird, die eine Antifa-Kon-
naziszene und BFC-Hools blieb in untergehen, ungestraft rassistische zert-Bühne mit Molotow-Cocktails beworfen hatten,
laufen vor dem Gericht 30 Neonazis auf. Sie werden
all den Jahren bis heute erhalten. Slogans anstimmen und im besten verstärkt von mehreren Hooligans, die dem BFC-
Ausdruck dessen ist, dass Neona- Fall an Ausschreitungen teilneh- Spektrum zuzuordnen sind. Die Neonazis hatten die
Kampf erfahrenen Fans für die Auseinandersetzung
zis regelmäßig BFC-Spiele besu- men. mit politischen Gegner/innen mitgenommen.
chen und akzeptierte Bestandteile Die Pankower Neonazis Andy Fi- 04.07.2007 Nach einem Spiel des BFC Dynamo zie-
hen mehrere dutzend Hooligans und Neonazis zum
des Fanblocks sind, und dass es scher, Michael Weiss und ihr Um- S-Bhf Schönhauser Allee und skandieren „HooNaRa“
während und nach Spielen zu ras- feld besuchen regelmäßig Spiele (Amn.: „Hooligans Nazis Rassisten“), „Wir haben euch
was mitgebracht: Hass Hass Hass“ und „Hier marschiert
sistischen und antisemitischen des BFC. Auch Neonazis aus ande- der nationale Widerstand“. Unter ihnen befinden sich
Kundgebungen und auch Übergrif- ren Bezirken, wie der Lichtenber- Pankower Neonazis, wie z.B. Andy Fischer.
31.07.2007 An dem Freundschaftsspiel „Gegen Ras-
fen kommt. Immer noch verwandelt ger Alexander Basil, der Treptower sismus und Gewalt“ zwischen Hertha BSC und BFC
sich die Umgebung der Stadien vor Dennis Eister und der Sven Lisch Dynamo nahmen im BFC-Block etliche Neonazis teil,
viele von ihnen mit offensichtlichen Neonazi-Shirts
und nach den Spielen in eine Angst- (Groß Kreuz) sind regelmäßige Gä- oder Bekleidung der Marke Thor Steinar. Unter ih-
zone für linke, alternative und als ste bei Spielen. nen befanden sich auch mehrere Aktivisten der NPD
und freier Kameradschaften, wie u.A. Dennis Eister,
nicht-deutsch definierte Menschen. Michael Weiss und Marcel Rockel. Am Rande des
Dies betrifft vor allem Heimspiele Etwas Hoffnung darf gehegt wer- Spiels werden 4 AntifaschistInnen von rechten Fans
angepöbelt und unter anderem als „Volksverräter“
des BFC in seinem angestammten den: Wie bei vielen Clubs gibt es und „Judenschweine“ bezeichnet.
„Sportforum“ im Weißenseeer Weg auch im BFC-Fananhang Menschen, 28.09.2007 Wieder besuchen mehrere organisierte
Neonazis das Spiel des Fußballklubs BFC Dynamo im
(Hohenschönhausen) und im Jahn- denen Rassismus und Neonazis- Jahn-Sportpark. Unter ihnen auch der Pankower Neo-
Sportpark (Nähe U Eberswalder mus zuwider sind und die nied- nazi Martin Stelter, sowie eine Gruppe Lichtenberger
Kameradschaftler.
Str. in Prenzlauer Berg). Neonazis rigschwellig versuchen, dagegen 18.01.2008 Gegen 23h stehen 5-7 BFC-Hools an der
besuchen auch gern die gleichen Opposition zu machen. Tramhaltestelle Schönhauser Allee (stadteinwärts),
grölen und zeigen den Hitlergruß.
Rosen
Rosen auf auf
den den
WegWeg . Frühjahr
gestReut
gestreut 18 2008 . Seite 18

Deutsche Zustände
2007
Chipkarten-Initiative
von Antirassistische Initiative [ARI]

Ein Jugendlicher aus dem Nahen Yussuf war seit seiner Ankunft zu beschweren, sagte man ihm die
Osten kommt nach Deutschland, dazu gezwungen, unter stän- stationäre Aufnahme Yussufs zu.
um Schutz zu finden vor politischer digen Schmerzen auszuharren. Die daraufhin ausgestellte Einwei-
Verfolgung in seiner Heimat. Seit Als sich seine ohnehin schon sung erwies sich jedoch als das Pa-
nunmehr 2 Jahren leidet er aufgrund kaum erträglichen Schmerzen ins pier nicht wert, auf dem sie stand.
einer körperlichen Misshandlung Unermessliche steigerten, ver- Eine Behandlung, die die Lage des
durch die dortige Staatsgewalt an suchte er ärztliche Hilfe in An- kaum noch beweglichen Yussufs
einer neurologischen Erkrankung, spruch zu nehmen. Es begann berücksichtigt hätte, wurde nicht
welche permanente Schmerzen ein nicht enden wollender Irrweg. gewährt: statt dessen wurden ihm
verursacht. Er wurde wie viele Dieser führte über verschiedene einige Medikamente verabreicht
andere in der Motardstraße unter- Notaufnahmen und niedergelasse- und ein Behandlungsplan aufge-
gebracht. Das Heim in der Motard- ne Ärzte. Über Tage hinweg versuch- stellt, der aufgrund seines körper-
straße liegt fern ab der öffentli- te er, eine angemessene Behand- lichen Zustandes und den Bedin-
chen Wahrnehmung im Spandauer
Industriegebiet. Die Lebensbedin- Die Antirassistische Initiative dient als Anlaufstelle
gungen in der Massenunterkunft für Migrant_innen und Flüchtlinge und kritisiert
sind für alle ihre Bewohner_innen
sehr schwierig: Die Unterbringung
seit Jahren die bundesdeutsche Flüchtlingspolitik
erfolgt in Containern unter mangel- und deren verheerende Auswirkungen.
haften hygienischen Bedingungen.
Soziale Kontakte sind in Folge der lung zu erlangen, doch vergebens. gungen seiner Unterbringung nur
weitgehenden Abgeschiedenheit Insbesondere das zur Charité ge- völlig unrealistisch zu nennen ist.
kaum möglich. Die bedrückende, hörende Virchowklinikum weigerte Die sich verschlimmernden Schmer-
triste Atmosphäre des mit Stachel- sich wiederholt, Yussuf aufzuneh- zen zwangen Yussuf zu einem wei-
draht umzäunten Lagers führt bei men, trotz des persönlichen Einsat- teren Besuch in der Notaufnahme,
zahlreichen Bewohner_innen zu zes eines niedergelassenen Arztes, diesmal der Charité Mitte, wo man
psychischen Störungen wie Schlaf- der einen stationären Aufenthalt jedoch lediglich auf den Behand-
störungen und Depressionen. des Kranken als unbedingt not- lungsplan verwies. Eine Überwei-
Besonders problematisch ist wendig erachtete. Bei seiner ersten sung zu einem weiteren Speziali-
die Lage in Hinblick auf die Einlieferung wurde Yussuf – begut- sten am Standort Steglitz (Campus
medizinische Versorgung: achtet doch unbehandelt- zu einem Bemjamin Franklin) endete mit ei-
Schwerkranken wie Yussuf bietet niedergelassenen Arzt geschickt. ner erneuten Rücküberweisung an
die Einrichtung keinerlei Möglich- Als dieser empört über dieses das Virchowklinikum. Dort wieder-
keiten, ihren Erkrankungen ent- nicht nachvollziehbare Verhalten um, blieb man seiner alten Linie
sprechend versorgt zu werden. beim Krankenhaus anrief, um sich treu und schickte ihn fort, nach 7
Rosen auf den Weg
Rosen den Weg. Frühjahr
gestreut
auf 19 . Seite 19
gestReut 2008

Stunden Wartezeit in der Notauf- tutionelle Rassismus des Alltags. eines offensichtlich Hilfebedürftigen
nahme. Erst die Ärzte im Jüdischen Durch die gesetzliche Diskriminie- durch medizinische Einrichtungen.
Krankenhaus nahmen die Schwere rung wird die Degradierung der Denn Rassismus beginnt bereits bei
seiner Krankheit und seiner Le- Einwander_innen zu Menschen „Kleinigkeiten“ wie abschätzigen
benssituation ernst und begannen zweiter Klasse legitimiert. Trotz der Blicken, sowie Bemerkungen und
mit einer stationären Behandlung. Berufung der Verfassung auf die un- endet bei gewalttätigen Übergriffen.
An diesem Fall lässt sich deutlich bedingte Einhaltung der Menschen- Kein Lager nirgendwo!
nachvollziehen, dass innerhalb des rechte ist in den Gesetzen dieses Rassismus bekämpfen!
Asylverfahrens nicht nur politische Staates die ungleiche Behandlung Lager Motardstraße schließen!
und soziale Rechte drastisch ein- des Menschen festgeschrieben.
geschränkt werden, sondern auch Außerdem sind Flüchtlinge im all-
das Recht auf medizinische Ver- täglichen Leben immer wieder ge-
sorgung (BSHG §120 Abs. 4, bzw. sellschaftlichen Diskriminierungen
Asylbewerberleistungsgesetz § 4). ausgesetzt. Das verdeutlicht sich 2. Newsletter „ Die letzten Tage des
Im Falle des Yussuf dokumentiert nicht nur im Falle Yussufs, der un- Ausreisezentrums Motardstraße“
sich der gesellschaftliche und insti- terlassenen Hilfeleistung gegenüber unter www.chipkartenini.squat.net

PHASE 2- Zeitschrift gegen die Realität // aktuelle Ausgabe März 2008


„Inwiefern ist die Natur des Menschen >gesellschaftlich<“?
Umweltschutz und antikapitalistischer Wahn
„Physik und Metaphysik“
deutsche Außenpolitik zwischen nationaler und europäischer
Normalisierung u.v.m.
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 20

Die „Grauen Wölfe“


heulen wieder
Einmal übern Balkan, dann nach China und zurück.
von Antifa Prenzlauer Berg (APB)

Im Oktober letzten Jahres eska- ben. Sie haben „vatan bölünmez“ rechtsextremen türkischen „Par-
lierte in Berlin ein alter Konflikt und „kahrolsun PKK“ gerufen. Oder tei der Nationalistischen Bewegung“
und so gingen Jugendliche sogar sie haben einfach über Kurden ge- (MHP) wie auch der von dieser
mit Macheten aufeinander los. flucht. Mehrere türkische Jugendli- abgespaltenen islamisch-natio-
Auch in anderen Teilen Deutsch- che machten dabei den Gruß der nalistisch orientierten „Großen
lands wie bspw. in Köln kam es so genannten „Grauen Wölfe“. Einheitspartei“ (BBP)1 genannt. Ihr
zu gewaltsamen Auseinanderset- Hier bringen sie das so genannte politisches Weltbild ist geprägt
zungen, so stürmten Jugendliche „Kurdenproblem“ ins Spiel. Immer durch eine rassistisch-nationa-
ein kurdisches Cafes. Die Jugend- wieder muss es als Grund für das listische Orientierung sowie dem
lichen waren meist türkische, junge Erstarken der türkischen Natio- so genannten „Führerprinzip“. Ihr
Nationalist_innen. Sie verletzten nalisten herhalten. Die Angst vor Rassismus richtet sich gegen alle
mit Stein- und Flaschenwürfe, so- einer Teilung des Landes und vor nicht „türkisch-islamischen“ Bevöl-
wie mit Fahnenstöcken und ande- einem eigenständigen kurdischen kerungsteile wie Kurd_innen, Ale-
ren Schlagwerkzeugen zahlreiche Staat ruft Reflexe von Politik und vit_innen und Christ_innen aber
Menschen - meist jene, welche sie Medien hervor, die a) sehr aggres- auch Jüd_innen, Europäer_innen,
als Kurd_innen identifiziert haben siv sind und b) nicht an den Gren- Russ_innen usw. Außerdem be-
wollen. zen der Türkei halt machen. Und kämpfen sie Linke, Sozialist_innen
sie lenken dort wie auch hier in der und Kommunist_innen aber auch
Ausgangsorte dieser schweren Bundesrepublik von den eigent- Organisationen wie z.B. Gewerk-
Übergriffe waren antikurdische na- lichen Problemen ab. Nämlich das schaften und Frauenverbände. Die-
tionalistische Demonstrationen in
der ganzen Bundesrepublik. Als Laut nadir.org waren die „Grauen Wölfe“ bis
Grund diente der Beschluss des
türkischen Parlaments in den Nord-
1980 für mehr als 5000 Morde an Intellektu-
irak einzumarschieren, um dort ellen, Linken und Kurden verantwortlich.
gegen die kurdische Bevölkerung
und die kurdische Arbeiterpartei Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ser Kampf wird propagandistisch
PKK vorzugehen. Innerhalb weni- ihrer Bildung und Klassenzugehö- und militant geführt. Laut nadir.org
ger Wochen hat sich so die aggres- rigkeit ausgegrenzt und diskrimi- waren die „Grauen Wölfe“ bis 1980
sive Stimmung unter einem Teil niert werden. für mehr als 5000 Morde an Intel-
der türkischstämmigen Menschen lektuellen, Linken und Kurden ver-
in Deutschland aufgebaut. Es wa- Und was sind die „Grauen antwortlich. An Größenwahn erin-
ren Jugendliche, die in Deutschland Wölfe“? nern die Expansionsvorstellungen
geboren und aufgewachsen sind, Als „Graue Wölfe“ (türkisch Bozkur- der türkischen Nationalisten. Sie
die für „ihr“ Land demonstriert ha- tçular) werden die Anhänger der streben nach einem Großreich aller
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 21

Servet (27 Jahre) Student, CDU-Mitglied und Funktionär der „Grauen Wölfe“:
„[...] es ist eine Besonderheit Türke zu sein. .... Ich glaube nicht an Multikulti oder
so was. .... Jede Kultur und Nation muss seine Ursprünge behalten und weiter
beleben. Und das jede Kultur für sich selbst.“

„Turkvölker“2 vom Balkan bis nach Und auch ein aktueller Aufkleber
China und sehen in der Türkei das des rechtsextremen „Kampfbund
„Modellland für die türkisch-stäm- deutscher Sozialisten“ (KDS) auf
migen Mittelasienstaaten“. deutsch und auf türkisch zeigt ge-
wisse Schnittstellen: „Über Hundert 1) die in Deutschland existierende Auslandsabteilung
nennt sich „Föderation der Weltordnung in Europa“
Und das sind jetzt Nazis oder Jahre deutsch-türkische Freundschaft;
was? Deutscher sei stolz Deutscher zu sein; 2) für diesen Begriff gibt es keine rationalen Kate-
Die türkischen Nationalisten haben Türke sei stolz Türke zu sein! - Ge- gorien
Kontakte in die deutsche Nazi- meinsam gegen Rassenmischung und
Szene, die man allerdings nicht Multikultur!“
Herkunft des Namens
überbewerten sollte. So schrieb Die türkischen Nationalisten wei-
Den Göktürken, einem der ersten türkischen Stäm-
der damalige Vorsitzende der NPD sen eine gewisse Wesensgleichheit me, zufolge, wurde der ihnen angehörige Stamm “A-
1970 an die die türkische Rechte: mit deutschen Nazis auf wobei der si-na” während des Krieges von Feinden vernichtet.
Nur ein 10-jähriger Junge, dessen Hände und Füße
„Die Gemeinsamkeiten unserer Par- ethnopluralistische Ansatz dabei abgehackt worden waren, überlebte diese Aus-
teien hinsichtlich der [gleichen ideo- das engste Bindeglied ist. Aller- rottung. Dieses Kind wuchs unter Wölfen auf und
logischen] Ziele haben mich besonders dings kann bis dato trotz ideolo- wurde in den Altai-Gebirgen zu einem heldenhaften
Symbol. Nach einer weiteren Sage habe “Bozkurt”
gefreut. [...] Wir haben den Vorschlag gischer Verwandtschaft nicht von (“Grauer Wolf ”) die türkischen Stämme vor der Un-
des gegenseitigen Besuchs von Jugend- einer Zusammenarbeit gesprochen terjochung des Feindes gerettet und es von China
gruppen einstimmig akzeptiert“. werden. nach Kleinasien geführt.
(Lotta, Nr. 17, Sommer 2004)

Bei türkischen Ausschreitungen im Oktober 2007 in Berlin wurden auch Symbole der „Grauen Wölfe“ präsentiert - hier: Fahne mit drei Mondsicheln in der Bildmitte
Rosen
Rosen auf denauf
Wegden . Frühjahr
Weg gestReut
gestreut 22 2008 . Seite 22

Max Schneider -
Kriegsverbrecher im
Prenzlauer Berg
von Antifa Prenzlauer Berg (APB)

„NS-Täter zur Verantwortung zie- zum Zeitpunkt des Massakers eine


hen“ – mit dieser Forderung zogen Gruppe von acht SS-Angehörigen.
einige Dutzend Antifaschist_innen Inwieweit er selbst direkt an dem
am 1. Dezember letzten Jahres vor Massaker in Marzabotto beteiligt
die Wohnung von Max Schneider. war, ist umstritten, da er bereits
Obwohl dieser in Italien als Kriegs- am Morgen des ersten Tages bei
verbrecher verurteilt wurde, kann er einem Partisanenangriff verletzt
seinen Lebensabend ungestört im wurde. Während er selbst behaup-
Prenzl‘ Berger Szene-Kiez genießen. tet, er sei bereits vor Beginn des
Der heute 83-jährige wurde Anfang Massakers verletzt worden, ging
letzten Jahres gemeinsam mit neun das Gericht davon aus, dass sich
weiteren ehemaligen SS-Soldaten der Partisanenangriff erst nach
von einem italienischen Militär- Beginn des Massakers ereignete.
gericht wegen der Beteiligung an Für das Gericht war allerdings sein
dem Massaker von Marzabotto zu Handeln als Befehlshaber gleicher-
lebenslanger Haft verurteilt. Drei maßen entscheidend, wie seine
Tage lang, vom 29. September bis körperliche Teilnahme an dem
zum 2. Oktober 1944 hatten Einhei- Massaker.
ten der Waffen-SS, Wehrmachtssol-
daten und einheimische Faschisten Die deutsche Justiz weigert sich
in dem italienischen Ort Marza- derweil, Max Schneider nach Itali-
botto und den Nachbargemeinden en auszuliefern, die Urteile selber
gewütet. Unter dem Deckman- zu vollstrecken oder ein eigenes
tel der Partisanenbekämpfung Gerichtsverfahren einzuleiten.
ermordeten sie über 7.700 So wird Max Schneider wohl
Menschen – fast ausschließ- auch in Zukunft seinen Lebens-
lich Kinder, Frauen und Greise. abend ungestört genießen kön-
Mit 17 Jahren trat Max Schneider nen, während die wenigen Über-
im Juni 1943 freiwillig in die SS lebenden des Massakers bis
ein. Für seine „Verdienste“ in Ita- heute unter den Folgen leiden.
lien wurde ihm im September 1944
das Eiserne Kreuz zweiter Klasse Mehr Informationen bei der
verliehen. Bereits im August war er Initiative „Keine Ruhe den
zum SS-Unterscharführer befördert NS-Kriegsverbrechern“: Gedenken an die Opfer des
wurden. So kommandierte er auch
worden www.keine-ruhe.org Massakers in Merzabotto
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 23

Kundgebung vor Schneiders Wohnsitz


Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 24

Buchvorstellung:
Zyklon B
„Niemand, der als Erwachsener zur Zeit des Nationalsozia-
lismus in Deutschland lebte, kann sagen, er habe nichts
von der nationalsozialistischen Verfolgungspraxis gewusst.
Über die Gründung der Konzentrationslager war in den Zei-
tungen offen berichtet worden. Von Anfang an verfolgten
die Nazis ihre politischen Gegner mit unerbitterlicher Härte.
Niemand kann sagen, er habe nichts gemerkt, als die Syna-
gogen brannten und später die Juden, Sinti und Roma durch
die Straßen getrieben und deportiert wurden.“
(Baumann/Heyl/Melzer 2000)
von Emanzipative & Antifaschistische Gruppe [EAG]

Mit diesen Worten beginnt das gen deutlich, Konkretes vermitteln Zyklon B im Auftrag der Deutschen
Buch mit dem Titel „Zyklon B - zu wollen. Die aussagekräftigen Gesellschaft für Schädlingsbe-
die Produktion in Dessau und der Schaubilder unterstreichen das kämpfung (Degesch) produziert.
Missbrauch durch die deutschen Fa- ebenfalls. Umfangreiche Quellen- Die Nationalsozialisten ermordeten
schisten“, das im Frühjahr 2007 er- und Literatur-Nachweise zeigen den damit von 1941 bis 1945 in den
schienen ist. Das Werk ist Ergebnis Faktenreichtum der Forschungser- Konzentrationslagern Auschwitz,
zeithistorischer Recherchen der
Dessauer ,,Forschungsgruppe Zyklon Dabei wird offensichtlich, dass bereits während der
B“. Seit 1996 arbeiten ihre Mitstrei-
Weimarer Republik die Forschung für Kampfgase
terInnen ehrenamtlich an der Erfor-
schung des Themas. Sie suchten zur militärischen Nutzung vorangetrieben wurde.
nach Quellen und befragten Zeit-
zeugInnen, sichteten umfangreiche gebnisse, der den wissenschaft- Majdanek, Sachsenhausen, Ra-
Literatur und ließen sich auch von lich-historischen Wert des Buches vensbrück, Stutthof, Mauthausen
Widerständen seitens der Stadt überhaupt möglicht machte. De- und Neuengamme ca. eine Milli-
Dessau nicht ihren Tatendrang tailliert wird die chemische Zu- onen Menschen aus ganz Europa
nehmen. sammensetzung und Wirkung von – vorwiegend Jüdinnen und Juden,
Zyklon B verständlich beschrieben. aber auch Sinti und Roma, sowje-
Obwohl die Mitglieder der For- Den LeserInnen soll damit bewusst tische Kriegsgefangene, politische
schungsgruppe des Buches keine gemacht werden, wie enorm die Gegner und andere Opfergruppen.
HistorikerInnen im eigentlichen Wirkung dieses von den Nazis zum
Sinne sind, entstand eine detail- industriellen Massenmord einge- Hans Hunger schildert im ersten Teil
lierte Forschungsarbeit, die mit setzten Gases war. detailliert den Aufbau der Produk-
zahlreichen Abbildungen, Tabellen Auf dem Gelände der Zuckerraffine- tion in Dessau und stellt dar, wie
und Dokumenten aus Archiven un- rie der sachsen-anhaltischen Stadt aus dem ursprünglichen Insekten-
terlegt ist. Die Bauzeichnung auf wurde seit 1924 das eigentlich zur vernichtungsmittel ein Instrument
dem Buchcover macht das Anlie- lnsektenbekämpfung entwickelte des Massenmords werden konnte.
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 25

Im Anschluss berichtet er über den Rüstungszentrum in der bisherigen


Beginn der Produktion von Zyklon Geschichtsschreibung Dessaus hat.
B zur Schädlingsbekämpfung in
der Dessauer Zuckerraffinerie, er
Info- und Mahnpunkt Zyklon B
benennt die beteiligten Firmen
Dessau
und Personen. Dabei wird offen-
Am 27. Januar 2005, dem 60. Jah-
sichtlich, dass bereits während der
restag der Befreiung des deutschen
Weimarer Republik die Forschung
Vernichtungslagers Auschwitz-Bir-
für Kampfgase zur militärischen
kenau, wurde in Dessau auf der
Nutzung vorangetrieben wurde. In
Brauereibrücke (Askanische Str.) in
vielen Einzelheiten und mit Doku-
der Nähe des ehemaligen Produk-
menten wird die Produktion von
tionsstandortes der Informations-
Zyklon B während des Zweiten
und Mahnpunkt Zyklon B der Öf- Internetseite:
Weltkrieges und ihre Lieferung für
fentlichkeit übergeben. www.zyklon-b.info
die Massenvernichtung von Men- Kontakt: fgzyklonbdessau@gmx.de
Nach jahrelangen Bemühungen und
schen analysiert.
zum Teil gegen heftige politische Buchbestellung unter:
Widerstände, ist der Forschungs- www.zyklon-b-in-dessau-buch.blogspot.com
Im zweiten Teil des Buches infor-
gruppe Zyklon B Dessau gelungen,
miert Antje Tietz über die Anwen- oder direkt im Buchladen:
dieses Projekt Wirklichkeit werden ISBN 978838334499992198
dung des Zyklon B zur industrie-
zu lassen. Diese Umsetzung ge-
mäßigen Menschenvernichtung in
schah in enger Kooperation mit der
den faschistischen Konzentrations-
Designerin Sandra Scheer, die für
und Vernichtungslagern, immer
die Gestaltung des Info- und Mahn-
auch bezogen auf die Produktion
punktes verantwortlich zeichnet.
in Dessau. Sie erörtert zudem, in
welchen Lagern der Nazis Zyklon B
Es bleibt abzuwarten, in wie weit
nicht zum Einsatz kam, wie z.B. in
sich rund um den Informations-
Theresienstadt.
und Mahnpunkt, der in ummittel-
In einem Schlusswort wird her-
barer Nähe zum ehemaligen Zyklon
vorgehoben, welchen verschwin-
B-Produktionsstandort errichtet
denden Anteil die Nazizeit und
wurde, eine lebendige Erinnerungs-
die eigentliche Rolle der Stadt als
kultur etablieren wird.

„Zyklon B“-Gedenkstätte in Dessau


Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 26

StuPa, AStA was


ist das und wozu
braucht mensch das?
Ersteinmal steht fest, dass die Studierendenschaft der Uni-
versitäten bzw. Fachhochschulen, das gesetzlich festge-
schriebene Recht auf Selbstverwaltung ihrer Angelegen-
heiten besitzt. Die verfasste Studierendenschaft gilt nämlich
als rechtsfähige Teilkörperschaft der Hochschule und somit
des öffentlichen Rechts.
vom ASTA der ASFH

Wie funktionierts lant ist oder eine die Hochschulen bei sinnvollen, emanzipatorischen
Kurz gesagt gelten in den Unis und betreffende Verordnung erlassen Projekten mit und befassen sich
Fachhochschulen ähnliche Spielre- wird, so sind die ASten aller betref- mit aktuellen Entwicklungen in der
geln wie in der parlamentarischen fenden Hochschulen zu informieren Hochschulpolitik (z.B. Studienge-
Demokratie. Auf Uni- bzw. Foch- bzw. anzuhören. bühren etc.). Eine weitere Aufga-
hochschulweite Ebene bezogen be-
deutet das, dass es sowohl ein Par- Ein allgemein Politisches Mandat, also die
lament, das Studierndenparlament Äußerung zu allgemein politischen Themen ist
kurz StuPa, als Legeslative gibt als
untersagt.
auch eine Exekutive, den Allgemei-
nen Studierendenausschuss kurz
AStA. Das Verhältnis von StuPa Ein anderes Beispiel ist das Se- be ist die Verwaltung des Geldes,
und AStA entspricht dem von z.B. mesterticket. Der jeweilige AStA welches aus den allsemesterlichen
Bundestag und Bundesregierung. handelt mit den Verkehrsbetrieben Rückmeldegebühren der einge-
Die Wählerinnen und Wähler vo- einen Vertrag aus, der sicherstellt, schriebenen Studierenden stammt.
tieren für das Parlament, also das dass alle Studierenenden ein Se- Neben dem Teil für das Semesterti-
StuPa, und dieses wiederum wählt mesterticket erhalten. Darüber cket und für das Studierendenwerk,
dann seine Regierung den AStA. hinaus verfügen die studentischen fließt ein kleiner Teil des Geldes in
Organe über ein weites Zuständig- die studentische Selbstverwaltung.
Die Aufgaben keitsfeld, das im Hochschulgesetz Dieses Geld wird von StuPa und
Wofür sind das StuPa und der AStA grob vorgegeben ist. AStA verwaltet.
nun gut? Zu nennen wären Aufgaben im
Abstrakt vertreten sie die gesamte Bereich der Hochschulpolitik, der Hochschulbezogene Projekte mit
Studierendenschaft der jeweiligen Öffentlichkeitsarbeit, der Sozial- emanzipatorischem Anspruch kön-
Universität oder Fachhochschule beratung etc. In der Praxis stellen nen aus diesem Topf gefördert
nach innen und außen. Wenn z.B. StuPa/AStA z.B. Beratungsdienste werden. Bei all diesen Dingen
ein neues Hochschulgesetz gep- zum Thema Bafög bereit, wirken handelt es sich um Angelegen-
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 27

heiten, die die Universität bzw. Hochschule zu beschränken, son- Recht auf allgemeinpolitische Ar-
Fachhochschule betreffen. Eine dern vielmehr sollten mit Hilfe des beit extrem wichtig. Es liegt an
recht umstrittene Frage ist nun, ob erarbeiteten Wissens Prozesse in jeder/jedem sich einzubringen, um
und in welchem Umfang sich StuPa/ der Gesellschaft in Gang gesetzt solche Forderungen aufstellen und
AStA auch mit nicht ausschließlich werden, damit in dieser ein eman- umsetzen zu können.
hochschul- bzw. studierendenbezo- zipatorisches Denken alltäglich
genen Themen befassen dürfen. wird und demzufolge auch Dinge
Eine Aufgabe der Studierenden- wie z.B. Fremdenfeindlichkeit und
schaft bzw. ihrer Vertretung ist Rassismus keinen Platz mehr ha-
nach §18 BerlHG „auf der Grundlage ben. Für mehr Infos:
der verfassungsmäßigen Ordnung, die Da sich zahlreiche ASten diesen >> www.asta.asfh-berlin.de
politische Bildung, das staatsbürger- Aufgabe stellen wollen, ist das
liche Verantwortungsbewusstsein und
die Bereitschaft der Mitglieder zur
aktiven Toleranz sowie zum Eintreten
für die Grund- und Menschenrechte zu
fördern“

Ein allgemein Politisches Mandat,


also die Äußerung zu allgemein
politischen Themen ist allerdings
untersagt. Studieren sollten aber
nicht nur bedeuten, sich auf die

Transparente in der ASFH


Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 28

Hoch lebe der 8. März


Der Internationale
Frauentag!
„Solidarität mit den ungehorsamen Frauen im Iran, in
Afghanistan und weltweit!“ war das Motto einer De-
monstration am 8. März in Berlin. An ihr nahmen circa
100 Demonstrant_innen teil. Wir dokumentieren hier
den Aufruf zu dieser Demonstration.

Vor 100 Jahren am 8. März 1908 Mullah-Regime Tag für Tag zum wir unsere Stimme für die beiden
demonstrierte in New York die Ausdruck – auf der Straße, in den Schwestern Zohreh und Azar, die
„Social Democratic Women‘s Society“ Universitäten, in den Fabriken, in kürzlich aufgrund von vermeint-
für das Frauenwahlrecht. Bei der Kurdistan. Trotz der Repressionen lichem „Ehebruch als verheiratete
„Zweiten Internationalen Konferenz des islamistischen Regimes und Frauen“ zum Tode per Steinigung
kommunistischer Frauen“ 1921 wur- ihrer Hizbollah-Bluthunde, die jede verurteilt worden. Wir erheben un-
de schließlich der 8. März zum „In- emanzipatorische Regung im Keim sere Stimme für die 15 Schulmäd-
ternationalen Frauentag“ erklärt, um zu ersticken versuchen. Selbst das chen, die am 11. März 2002 in Mek-
die Bedeutung der Frauen für die
Revolution hervorzuheben. Die Re- Heute ist die Frauenrechtsbewegung im Iran
bellion der St. Petersburger Arbei- wieder die Vorhut einer revolutionären
terinnen und Kriegswitwen am 8.
März 1917 war der Startschuss für Bewegung der Freiheit und Gleichheit.
den Sturz der zaristischen Tyran-
nei. Heute ist die Frauenrechtsbe- „harmlose“ Sammeln von Unter- ka, Saudi-Arabien, in den Flammen
wegung im Iran wieder die Vorhut schriften für die gesetzliche Gleich- den Tod fanden, weil Religionspo-
einer revolutionären Bewegung der stellung der Geschlechter wird mit lizisten die Mädchen, die in Panik
Freiheit und Gleichheit. Gefängnis und Folter vergolten wie vergaßen sich zu verschleiern, in
Während bedauerlicherweise weite zuletzt bei den Initiatorinnen der die brennende Schule zurückprü-
Teile der hiesigen Linken sich in Kampagne „Eine Millionen Signa- gelten und Rettungskräfte am Be-
ihren ideologischen Schützengrä- turen verlangen dass die diskriminie- treten des Gebäudes hinderten.
ben eingraben und Emanzipations- renden Gesetze geändert werden“. Und wir erheben unsere Stimme für
potenzial entweder in US-ameri- alle anderen Frauen, die im Namen
kanische F16-Bomber oder in eine Wir wollen am 8. März, dem Kampf- der Religion erniedrigt, gedemütigt
Querfront mit dem Politischen Is- tag für alle unbeugsamen und frei- und versklavt werden.
lam hineinfabulieren, zeigt sich für heitsliebenden Frauen, zeigen, dass
jeden und jede, der und die pro- wir uns mit den ungehorsamen Gleichzeitig wollen wir aber auch
jektionsfrei auf den Iran blicken, Frauen im Iran, in Afghanistan und deutlich machen, dass Geschlech-
unzweifelhaft wer das Subjekt für weltweit zutiefst verbunden fühlen tergleichheit kein Exportschlager
eine fortschrittliche Perspektive und wir uns nicht zwischen den im- aus Europa oder den USA ist. Die
ist. Die freiheitsliebenden Men- perialen Ordnungskriegern und den „befreundete“ Warlords-Drogenma-
schen im Iran bringen ihren Protest islamistischen Kulturkriegern zer- fia-Regierung Afghanistans hat
gegen das menschenverachtende reiben lassen. Am 8. März erheben kürzlich den 23jährigen Journalis-
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 29

musstudenten Parwiz Kambaksh Frauen, das Verbot von Kinderehen wesen ist, stritt unerbittlich für die
zum Tode verurteilt, weil er eine und die Abschaffung des Braut- Vergeschwisterung der Menschen.
Denkschrift, in der die Frage auf- geldes auf den Weg brachte. Wie Rosa die Vorkämpferin der Ar-
geworfen wird, warum in islamisch beiter/innen gewesen ist und hier-
regierten Ländern Männer vier Wir wollen deutlich machen: die für von den Herrschenden ermordet
Ehefrauen, Frauen jedoch „nur“ ei- unüberwindbare Konfliktlinie ver- wurde, werden die Frauen die Vor-
nen Ehemann haben dürfen, unter läuft nicht zwischen dem sich als kämpferinnen der Revolutionen im
Kommilitonen verteilt hat. Die „Re- Kultur generierenden Politischen Iran, in Afghanistan und in ande-
volutionäre Assoziation der Frauen Af- Islam und dem US-amerikanischen ren islamisch beherrschten Staaten
ghanistans“ (RAWA), die seit Jahren und EU-europäischen Ordnungsim- sein. Als 1980 sich die Frauen Irans
gegen die islamistischen Banden perialismus, sondern zwischen der gegen den Verschleierungszwang
und wechselnden Regime kämpft, Barbarei des religiösen Tugendter- erhoben und Hunderttausende
wurde geflissentlich von den im- rors und der Kapitalherrschaft ei- auf die Straße gingen, erklärte der
perialen Geostrategen ins Abseits nerseits und dem Freiheitsdurst heutige religiöse Führer des Irans,
gedrängt. Stattdessen werden be- der Frauen und anderen freiheits- Ayatollah Chamenei: „Ich will sie
reits wieder drei Provinzen von liebenden Menschen andererseits. nicht Prostituierte nennen, denn was
„früheren“ Taliban-Kommandeuren Unsere Solidarität gebührt dem eine Prostituierte macht, betrifft nur
regiert. Die islamistischen Banden mutigen Widerstand der ungehor- sie selbst, doch was diese Frauen tun,
wurden in den 1980`er Jahren als samen und ketzerischen Menschen betrifft die ganze Gesellschaft.“ Wir
antikommunistisches Sturmge- im Iran, in Afghanistan und welt- antworten, den Kampf, den die
schütz von den USA und ihren eu- weit. Frauen im Iran begonnen haben,
ropäischen und saudi-arabischen Am 8. März 2008 wollen wir für die betrifft uns alle. Sie verteidigen die
Geschäftspartner hochgerüstet, Freiheit der Frauen und gegen den menschlichen Errungenschaften
sie zerschlugen die hoffungsma- islamischen Tugendterror, dem sie der Aufklärung und Emanzipation
chenden Gleichstellungsversuche ausgesetzt sind, demonstrieren. gegen die Barbarei! Hoch die inter-
der säkularen afghanischen Re- Bei der Gedenkstätte Rosa Luxem- nationale Solidarität!
gierung, die unter anderem ein Al- burgs wird unsere Demonstration
phabetisierungsprogramm für die enden. Rosa, die als Frau, Jüdin und Aufruf von Cosmoproletarian
zu 99 Prozent analphabetischen Kommunistin, dreifach verhasst ge- Solidarity

Demonstration am 8. März in Berlin-Friedrichshain


Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 30

Termine
31.03. - 19:00 - Café Morgenrot 13.04. - 13:00 - Jüdischer Friedhof Miteinanderumgehen
(Kastanienallee 85, U-Bhf Eberswalder) Weissensee >> www.abso-berlin.tk
Infoveranstaltung im Rahmen (Eingang Friedhof - Herbert-Baum-Straße)
der de*fence Kampagne Exkursion - Der jüdische 01.05. - Hamburg
Aktuelles zu rassistischen Metho- Friedhof in Berlin-Weissensee Naziaufmarsch verhindern
den der Ausgrenzung. Betroffene Einer der größten und interes- Neonazis planen für den sog.
schildern die Auswirkungen von santesten Friedhöfe in Europa ist „Tag der Arbeit“ in diesem Jahr
Sondergesetzen, Kontrollen durch der Friedhof in Berlin Weißensee. ihren zentralen Großaufmarsch in
Polizei und der systematischen Auf dem über 40 ha großen Fried- Hamburg.
Ausgrenzung und berichten über hof befinden sich etwas 115.000 Watch out for: Zugtreffpunkte für
Widerstandsaktionen dagegen. Gräber. Führung mit Moderation Berliner. Später mehr
>> www.chipkartenini.squat.net Eintritt: 1,50 Euro
>> www.helle-panke.de 09.05. - 15:00-23:00 - Treptower
03.04. - 21:00 - Bandito Rosso Park
(Lottumstraße 10a, U-Bhf Rosa Luxemburg Straße) 19.4. - 18:00 - ABCrocks BefreiungsFeier Am Tag des
Antifa Solitresen (Hirschgartenstrasse 14, Tram 60 und 61, Bus X69,
Nähe S-Bhf Hirschgarten) Sieges
organisiert von der Antifa
Antifaschistisches Konzert Wer nicht feiert hat verloren -
Prenzlauer Berg
„Le monde est à nous!“ Feiert mit uns den Tag des Sieges
mit: kaput krauts (HC), Gringaloca veranstaltet von der VVN BdA
07.04. - 19:00 - JuP
(Florastraße 84, S&U-Bhf Pankow, S-Bhf Wollkank- (PopPunk/Rock), Ginsengbon- Berlin / AIM / APB
straße) bons (Ska/Rock/Punk), Stakeout >> www.8mai.org
Soli-Tischtennisturnier (Ska/Rock/Punk), Bangh Lassi >> antifa-pberg.de.vu
Der Frühling kommt und wir laden (Punk/Rock)
euch ein zum großen Tischten- und Cocktails, Bier, Tombola 10.05. - 22:00 - Köpi
nisturnier. Wir wollen raus und >> www.abso-berlin.tk
(Köpenicker Straße 137)

zusammen spielen und grillen. Es Soli-Konzert für [AKP] und


gibt vegetarisches Essen und den/ das Liberation Weeks Bündnis
23.4. - 17:00 - Platz des 23. April
die Sieger_in erwartet eine kleine (Tram 27, 63 und 57, Bus 164 und 269) mit: „Vodoo Moon“ (Ska aus
Überraschung. Kundgebung - Der 23. April Berlin) - „Rolando Random & The
- Die Rote Armee befreit Köpe- Young Soul Rebels“ (Berlin) - „The
12.04. - 18:00 - Brandenburger nick und Treptow Essentials“ (Berlin).
Tor Am 23. April 1945 galten Köpenick >> www.antifakp.de.vu
(U-Bhf Stadtmitte) und der Süden Treptows als be-
Gedenken vor dem Branden- freit. Das jährliche Gedenken ist
burger Tor zugleich Mahnung an den aufkei-
Zu einer Großveranstaltung vor menden Neonazismus.
dem Brandenburger Tor und >> www.abso-berlin.tk
einem anschliessenden Schweige-
marsch zur Zentrale der Deut- 23.4 - 18:00 - Gedenkstätte Köpe-
schen Bahn AG rufen die Berliner nicker Blutwoche
InitiatorInnen für den „Zug der (Puchanstrasse 12, Tram 60 und 61, Bus X69, Nähe
Erinnerung“ auf. Damit soll der S-Bhf Köpenick)

über 4.600 Kinder und Jugend- THEATER - Schweigen ist


lichen gedacht werden, die aus Zustimmung - Programm des
der deutschen Hauptstadt mit der Stadttheaters Köpenick
„Reichsbahn“ in die Vernichtungs- Anlässlich des 75. Jahrestages der
lager deportiert wurden. Köpenicker Blutwoche. Szenen
>> www.zugnachberlin.de über Gewalt, Liebe, über das
Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 31

Links & Locations


Die aktuelle Zeitung wurde maßgeblich von folgenden Gruppen erarbeitet. Bei Anregungen, Kritik oder Lob
wendet euch bitte an die entsprechende Gruppe.

Antifaschistische Aktion Bernau Bildungsinitiative engagierter Grüne Jugend Pankow


www.antifa-bernau.tk Schüler_innen www.gruene-jugend-pankow.de
kontakt@antifa-bernau.tk www. jup-ev.org/bes gj-pankow@web.de
engagierteschueler_innen@gmx.
Antifaschistische SchülerInnen net Jusos Nordost
Vernetzung Pankow www.jusos-nordost.de
asvberlin@yahoo.de Emanzipative & Antifaschistische jusos@nordost.de
Gruppe
Antifa Prenzlauer Berg www.antifa-pankow.tk VVN-BdA Pankow e.V.
www.antifaprenzlauerberg.de.vu eag-berlin@riseup.net www.pankow.vvn-bda.de
antifa-pberg@web.de bda-pankow@gmx.de

Weitere Gruppen aus dem Bezirk: Jugendklubs/Locations: Dosto (Bernau) Empfehlenswerte Initiativen
Breitscheidstr. 43
Antifa Kleinpankow Baiz (Prenzlauer Berg) www.dosto.de Antifaschistisches Infoblatt
www.antifakp.de.vu Christinenstr. 1 dosto@dosto.de www.antifainfoblatt.de
antifa.kp@web.de www.baiz.info
mts@baiz.info JUP (Pankow) Antisexismusbündnis Berlin
Antifaschistische Initiative Florastraße 84 www.antisexismonline.tk
Weinrotes Prenzlauer Berg Bandito Rosso (Prenzlauer Berg) www.jup-ev.org
www.aiwp.de.vu Lottumstr. 10a info@jup-ev.org Hagalil - Webprojekt zu Antisemitis-
aiwp@gmx.de www.banditorosso.net mus und Rechtsextremismus
info@banditorosso.net Garage (Pankow) www.hagalil.org
Initiative Offener Kiez Hadlichstraße 3
www.iok.blogsport.de Bunte Kuh (Weissensee) www.garagepankow.de Heinersdorf-Bündnis
buergernetzwerk@gmx.de Bernkasteler Strasse 78 info@garagepankow.de www.heinersdorf.tk
www.buntekuhverein.de
North-East Antifascists buntekuh@t-online.de Kurt Lade Klub (Pankow) Inforiot - Nachrichten und Termine für
www.nea.antifa.de Grabbeallee 33 Brandenburg
nordost.antifa@web.de Café Bohne (Reinickendorf) www.kurtladeklub.de www.inforiot.de
Nordbahnstr. 14 info@kurtladeklub.de
[‘Solid] Pankow Cafe-Bohne@web.de Mobile Beratung gegen
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Rosen auf den Weg gestreut . Frühjahr 2008 . Seite 32

Todesfuge
Paul Celan
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne
er pfeift seine Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts


wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab
in den Lüften da liegt man nicht eng

Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts


wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
wir trinken und trinken
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
Er ruft spielt süsser den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng

Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts


wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
er spielt mit den Schlangen und träumet
der Tod ist ein Meister aus Deutschland

dein goldenes Haar Margarete


dein aschenes Haar Sulamith