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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 9.5.2002 18. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤

Jämmerlicher Auftritt
Frankfurt. Direkt nach der
Niederlage am 1. Mai in Frank-
furt/Main kündigte der Neonazi Chri-
stian Worch einen erneuten Aufmarsch
für den 4. Mai an. Hauptinhalt: Protest
gegen die polizeiliche Verzögerungs-
taktik am 1. Mai. Wieder wurde die
Demonstration vom hessischen Ver-
waltungsgericht genehmigt. Die vorge-
schriebene Route verlief dieses Mal –
wie schon letztes Jahr im April – durch
das Frankfurter Ostend. Das Gericht Begleitet von star-
räumte den Neonazis eine lange Ver- ken Protesten sind
sammlungszeit ein: zwischen 12 und am 1. Mai in Göttin-
20 Uhr. Bereits ab 10 Uhr versammel- gen, Berlin, Frank-
ten sich die Gegendemonstranten ent- furt, Dresden, Mann-
lang der Route vor den weiträumigen heim/Ludwigshafen
Polizeiabsperrungen. Es waren Men- und Fürth Neofaschi-
schen unterschiedlichster politischer sten aufmarschiert,
Tradition und jeden Alters, die hier insgesamt an die
zum zweiten Mal innerhalb kürzester 3000. Das ist in
Zeit zu einer gmeinsamen Aktion zu- etwa die Zahl, die
sammen kamen. Aufgerufen hatte die auch im letzten Jahr
Frankfurter Anti-Nazi-Koordination, mobilisiert werden
die sich nach dem 1. Mai 2001 gründe- konnte.
te, gemeinsam mit dem DGB Region Bild: Dresden/indymedia
Frankfurt-Rhein-Mai sowie autonome
Antifa. Ununterbrochen strömender
Regen konnte die ca. 1000 bis 1500
Antifaschisten nicht schrecken, die
1. MAI: erfolgreiche Blockaden in
Blockaden standen. Vier Stunden lang Frankfurt, Dresden und Ludwigshafen
mussten etwa 30 auf dem Danziger
Platz versammelte Neonazis auf ihren Frankfurt. Die Antifaschistinnen und heute erfreulicherweise den Phantasien
Versammlungsleiter warten. Christian Antifaschisten in Frankfurt haben am der „Redner des Nationalen Wider-
Worch gelang es erst mit Hilfe eines 1. Mai einen wichtigen Sieg erkämpft. stands“ überlassen. Als erste Auswertung
BGS-Trupps zu ihnen zu stoßen, im- Der angekündigte Nazi-Aufmarsch des 1. Mai 2002 wollen wir festhalten:
mer wieder wurde er von Gegende- Hunderter gewaltbereiter Neonazis 1. Ein entscheidender Punkt für die
monstranten zum Rückzug gezwun- wurde durch einen gemeinsamen Ein- Verhinderung des Naziaufmarschs in Fe-
gen. Nachdem gegen 18 Uhr auch noch satz von nach unserer Schätzung chenheim war die Situation vor Ort.
die restlichen erwarteten Neonazis 2000 - 3000 Gegendemonstrantinnen Nachdem wir erst am Donnerstagabend
ihren Weg auf den Platz gefunden hat- und Gegendemonstranten vor Ort in (25. April) endgültig Klarheit über die
ten, ging der kleine Haufen von ca. 60 und um Fechenheim, durch die Koope- Demoroute in Fechenheim hatten, setzte
Nazis eine stark verkürzte Route – ration mit dem DGB für den Bereich sich die dortige Ev. Kirchengemeinde
zwei kleine Straßen des von etwa 4000 der Innenstadt und in punktueller Ab- von sich aus mit der Anti-Nazi-Koordi-
Polizisten abgeriegelten Stadtteils – sprache mit der Polizei im Wesentli- nation in Verbindung, um Gegenmaßnah-
ab, um nach einer kurzen Abschluss- chen erfolgreich verhindert. men zu beraten. Darauf folgten erste Ab-
kundgebung aus der Absperrung wie- sprachen und eine Flugblatt-Aktion am
der heraus gebracht zu werden. „Dr. Goebbels spricht leider nicht. Es Samstag vor dem 1. Mai. Zwei Stadtteil-
Wirklich ein jämmerlicher Auftritt, sprechen aber die Redner des Nationalen versammlungen am 29. und 30. April
der den Faschisten hoffentlich endgül- Widerstands ... Heraus zur Großdemon- konkretisierten diese Absprachen. Viele
tig die Lust an derlei „Aufmärschen” in stration 1. Mai!“ hatten die sich selber als Menschen aus Fechenheim arbeiteten
Frankfurt verdorben hat. udi ■ Nationalsozialisten bezeichnenden Neo- sehr schnell und eng mit uns „Frankfur-
nazis auf uns vorliegenden Plakaten in tern“ der Anti-Nazi-Bewegung in ihren
der Frankfurter Innenstadt großmäulig verschiedenen Gruppierungen zusam-
Aus dem Inhalt: angekündigt. Was Josef Goebbels an sei- men. Es gab keine Berührungsängste
Demos für und gegen Le Pen . . 8 nem Fensterplatz in der Hölle zu der oder Vorbehalte voreinander – erstaun-
Frieden für Israel und kläglichen Vorstellung seiner Nachfolger lich angesichts der „veröffentlichten
Palästina . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 am gestrigen 1. Mai am S-Bahnhof Meinung“, in der ständig vor linken Cha-
Mainkur wohl gesagt hat, das können wir oten und Randalierern gewarnt wurde.
weiter auf Seite 4
: meldungen, aktionen
Partei unter dem Namen „Neues Europa“
sei für ihn „vorstellbar“ und „dringend
notwendig“, so Haider in einem „Profil“-
Lebed abgestürzt Aufmarsches in Leipzig muss sich somit Interview. „Ein Gegenprogramm gegen
Rußland. Der Ex-General Alexander erst einmal nicht vor Gericht verantwor- den bürokratischen Wahnsinn von Brüs-
Iwanowitsch Lebed, einst Sicherheitsbe- ten. Die Staatsanwaltschaft hat angekün- sel könnte einiges bewegen“.
rater Jelzins, ist bei einem Hubschrau- digt, Beschwerde gegen diese Entschei- „Ich glaube, daß wir in Dänemark,
berabsturz in Sibirien ums Leben ge- dung einzulegen. Holland, Süddeutschland und in Italien
kommen. Der rechte Hardliner, 1996 hma ■ ein enormes Potential hätten“, erklärte
auch Interviewpartner der Wochenzei- Haider. Vorstellbare Partner könnten
tung „Junge Freiheit“, der sich später mit Erneut Kriegsverbrecher etwa die „Lega Nord“ und Teile der
Jelzin überwarf, wäre von konservativen „Forza Italia“ sein, so der ehemalige
Politikern im Westen gerne als Nachfol- geehrt FPÖ-Chef. Man müsse aber darauf ach-
ger Jelzins gesehen worden. Nachdem Japan. Erneut hat der Besuch eines japa- ten, „daß die Bewegung nicht wegen ex-
Lebed bei der Präsidentschaftswahl 1996 nischen Regierungschefs im umstritte- tremer oder rassistischer Aussagen an-
nur den dritten Platz erreichen konnte, nen Yasukuni-Schrein die japanische greifbar“ werde. Le Pen habe Positionen,
war er zuletzt Gouverneur in Krasno- Außenpolitik überschattet. Der japani- die „nicht vertretbar“ seien, allerdings
jarsk. hma ■ sche Ministerpräsident Junichiro Koizu- wolle er „ihn jetzt auch nicht vorverur-
mi hatte jüngst erneut den religiös-poli- teilen“. hma ■
Nenning angekommen tisch motivierten Schrein be-
sucht, in dem neben 2,5 Mil-
Österreich/Wien. Eigentlich war es lionen toter japanischer Sol-
nur eine Frage der Zeit, wann Günther daten auch Kriegsverbrecher
Nenning, ehemals SPÖ-Aktivist und bis verehrt werden. Proteste ge-
1985 Vorsitzender der Österreichischen gen die Ehrung gab es vor al-
Journalistengewerkschaft, mit seinen un- lem aus Südkorea und China.
ausstehlichen Polemiken und Angriffen Dem japanischen Minister-
gegen linke und fortschrittliche Men- präsident wird vorgeworfen,
schen ganz rechts ankommen würde. die Kriegsverbrechen Japans
Nun wächst zusammen, was zusammen- zu verharmlosen. „Wenn ein
gehört, denn Nenning wird beim dies- Führer einer Nation es nicht
jährigen „Schulvereinstag“ der schafft, eine korrekte Hal-
deutschtümelnden „Österreichischen tung zum Agressionskrieg
Landsmanschaft“ (ÖLM) den Festvor- und den früheren Kriegsver-
trag halten. Umrahmt von einer ungarn- brechern einzunehmen, wie
deutschen Musikkapelle spricht Nenning kann er dann das Vertrauen
am 13. Mai im Festsaal des Wiener Inge- der Menschen in der Welt ge-
nieur- und Architektenvereins zum The- winnen?“, sagte Chinas Vi- 1. Mai Frankfurt/Main
ma „Österreichisch - Deutsch - Eu- zeaußenminister Li Zhao-
ropäisch“. Zur Inhaltsangabe seines Vor- xing. Die südkoreanische Tageszeitung
trages schreibt Nenning u.a.: „Korean Herald“ warf Koizumi eine Ermittlungen eingestellt
„Österreich ist unauslöschlich – es „ausgewählte Niedertracht“ vor. Der Köln. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat
gibt kein ersatzloses Aufgehen in Vernichtungskampagne der japanischen die Ermittlungen gegen das Theaterstück
Deutschland. Deutschland ist unaus- Armee gegen die Zivilbevölkerung der „Corpus Christi“ eingestellt.
löschlich – die deutsche Wiederkehr ist Nachbarländer waren alleine 1937 im Die Ermittler seien zu dem Schluss ge-
eine Chiffre des neuen Jahrtausends. Eu- südchinesischen Nanjing bis zu 300 000 kommen, dass das Theaterstück durch
ropa wird zur weltgeschichtlichen Tatsa- Menschen zum Opfer gefallen. In den die Kunstfreiheit gedeckt sei. Dies will
che – mit Deutschland als Vormacht.“ heutigen japanischen Schulbüchern wer- das katholische Erzbistum in Köln, das
Unterdessen hat sich der Schriftleiter des den diese Verbrechen nicht oder nur am Strafanzeige gegen das Stück erstattet
ÖLM-Organs „Der Eckartbote“, Helmut Rande erwähnt. hatte, gar nicht akzeptieren und hat nun
Müller, bereits aufgemacht, seinen Bei- Trotz der Proteste aus dem In- und Beschwerde gegen die Einstellung der
trag zur Vormachtstellung Deutschlands Ausland besuchten Ende April etwa 190 Ermittlungen angekündigt. Die Kölner
in Europa zu leisten. Dies sowohl als Au- japanische Abgeordnete und Politiker Katholikenführung sieht in dem Stück,
tor und Interviewpartner des NPD-Or- das dreitäge „Frühjahrs-Friedensfesti- das Jesus und seine Jünger u.a. als trink-
gans „Deutsche Stimme“, als auch als val“ am umstrittenen Yasukini-Schrein. freudige Homosexuelle darstellt, eine
Referent bei der sächsischen NPD. hma ■ Religionsbeschimpfung und eine
hma ■ „Störung des öffentlichen Friedens“.
„Neues Europa“ ? hma ■
Alles erlaubt
Österreich. Gegenüber dem arabischen Neonazis verübten zwei
Leipzig. Nach Ansicht des Amtsgerich- Nachrichtensender „El Dschasira“ hat
tes Leipzig stellt das Skandieren der Pa- der ehemalige FPÖ-Chef Jörg Haider Mordversuche
role „Ruhm und Ehre der Waffen-SS“ sein Ziel bekräftigt, in Österreich doch Berlin. Nach Angaben der Bundesre-
keine Straftat dar. Die von einem Neofa- noch Bundeskanzler zu werden. „Ich bin gierung versuchten Neonazis im vergan-
schisten verwendete Parole sei den im Sport Marathonläufer – das heißt, ich genen Monat zwei Mal Menschen zu tö-
„Leitlosungen der Waffen-SS und der bin es gewohnt, sehr lange warten zu ten. Dies unterstreicht, wie gefährlich die
Hitlerjugend nicht zum Verwechseln müssen, bis man ins Ziel kommt“, so rechte Szene nach wie vor ist.
ähnlich“, wie es der Paragraf 86a des Haider. Unterdessen hat Haider seine Auch die Zahl der antisemitisch moti-
Strafgesetzbuches fordert, meint das Ge- Pläne für einen EU-weiten Antritt einer vierten Straftaten bleibt besorgniserre-
richt. Der Mitveranstalter eines Neonazi- neuen rechten Partei konkretisiert. Eine gend hoch.

2 : antifaschistische nachrichten 10-2002


188 rechtsextrem motivierte Straftaten Wir hatten die Polizei bei den Vorge- gen, unter Anwendung körperlicher Ge-
zählt die Bundesregierung für März sprächen im letzten Jahr ausdrücklich walt einen anderen ohne richterliche An-
2002, davon 136 Propagandadelikte, 14 darum gebeten, gegen jede strafrechtlich ordnung vorläufig festzunehmen, „wenn
Körperverletzungen und 2 versuchte Tö- relevante Äußerung der faschistischen dieser auf frischer Tat getroffen oder ver-
tungen. 13. Personen wurden von rech- Brandstifter entschieden vorzugehen. In folgt wird und er der Flucht verdächtig
ten Schlägern verletzt, 135 Tatverdächti- den Auflagen für den NPD-Aufmarsch ist.“ So die zynische Begründung für das
ge ermittelt und 11 Personen festgenom- hatte die Polizei daraufhin auch aus- Nichthandeln der Behörden laut Brief
men. drücklich Losungen und Sprechparolen der Staatsanwaltschaft Köln vom 17.
Antisemitische Straftaten erfasste die untersagt, die faschistische Traditions- Mai 1994.“
Bundesregierung in den ersten drei Mo- verbände verherrlichen („Ruhm und Abschließend wird Ministerpräsident
naten diesen Jahres insgesamt 127. Da- Ehre der Waffen-SS“). Ohne solche Auf- Clement gebeten, die Behörden zum
von 26 Propagandadelikte, 77 Volksver- lagen können solche Sprüche bisher Handeln gegen Gewalttäter, auch rechte
hetzungen, zwei Körperverletzungen, nämlich nicht erfolgreich verfolgt wer- Gewalttäter zu verpflichten.
eine Brandstiftung und zwei Wider- den. Ein Gesetzentwurf, der dies ändern Ulrich Sander, Landessekretär VVN NRW ■
standsdelikte. Drei Menschen wurden soll, liegt seit vielen Monaten im zustän-
verletzt, 65 Tatverdächtige ermittelt. digen Ausschuss des Bundestages auf BNP gewinnt drei Stadtrats-
Die meisten antisemitischen Straftaten Eis. Presseerklärung Antifaschistisches
wurden in westlichen Bundesländern er- Forum Essen, 19. März 2001 ■ sitze in Burnley
fasst, Anlass zu Entwarnungen geben Großbritannien. Die „British Natio-
diese Zahlen nicht. Rechtsextremismus, Auch Nazis bewaffnen sich nal Party“ BNP hatte zur Kommunal-
Rassismus und Antisemitismus sind weit wahl eine Rekordzahl von 68 Kandida-
verbreitet und die Gefahr von Überfäl- mittels Schützenvereinen ten aufgestellt. Die Befürchtung, dass die
len, Verletzungen oder gar Tötungen Düsseldorf. Die VVN NRW hat sich von der erwarteten geringen Wahlbeteili-
nicht gebannt. Ulla Jelpke ■ mit einem Schreiben an die Landesregie- gung bei Kommunalwahlen und vom ak-
rung gewandt, in dem es heißt: tuellen Wahlerfolg Le Pens profitieren
Friedhelm Busse verurteilt „Alle Welt ist „nach Erfurt“ er- würde, bestätigte sich zwar insgesamt
schreckt, wie leicht ein gewaltbereiter nicht. Allerdings kamen im mittelengli-
Essen. Das Antifaschistische Forum Es- Mensch hierzulande in den Besitz von schen Bunrley gleich drei ihrer Kandida-
sen hat das Urteil des Essener Landge- Waffen gelangen kann. Unter der Über- ten durch. Endlich habe „die weiße
richts gegen Friedhelm Busse, den frühe- schrift „Der Killer hat alles im Detail ge- Mehrheit“ in England „eine Stimme ge-
ren Vorsitzenden der verbotenen FAP be- plant“ berichtet die „Bild“-Zeitung, der funden“, erklärte der BNP-Vorsitzende
grüßt. „Wir haben das Urteil mit Genug- 16fache Mörder und Selbstmörder vom Nick Griffin zu diesem Wahlerfolg sei-
tuung zur Kenntnis genommen,“ so Gutenberggymnasium in Erfurt sei nach ner Partei – dem ersten seit neun Jahren.
Wolfgang Freye, der einen Teil der Ge- folgenden Anhaltspunkten vorgegangen: In Burnley, einer Textilstadt mit hohem
genaktionen gegen den NPD-Aufmarsch „1. Beschaffung der Waffen (Pistole, Migrantenanteil und im vorigen Sommer
im letzten Jahr angemeldet hatte. „Und Pumpgun): Um problemlos an sie ranzu- Schauplatz blutiger Straßenkrawalle, be-
wir möchten uns ausdrücklich dafür be- kommen, wurde Steinhäuser Mitglied im kam die BNP rund ein Viertel aller abge-
danken, dass die Einsatzleitung der Esse- Schützenverein ,Domblick‘.“ gebenen Stimmen. In Oldham, einem an-
Die VVN-BdA NRW erinnert daran, deren Schauplatz scharfer rassistischer
dass sich auch die Bewaffnung und mi- Auseinandersetzungen, verpasste sie nur
litärische Ausbildung der Neonazis nach knapp den Einzug ins Stadtparlament.
diesem Muster vollzieht. Bereits im Mai u.b. - FR, KStA. 4.5.02 ■
1994 hat unsere Organisation ein neona-
zistisches Strategiepapier der Zeitschrift Wer und was sind freie
„Europa vorn“ Nr. 35/92 veröffentlicht,
in dem der Kölner Neonazi Manfred Kameradschaften?
Rouhs an die „rechten Aktivisten“ den Hannover. Unter dem Titel "Freie Ka-
Aufruf richtet: „Zum Selbstschutz ange- meradschaften - Nie frei, niemals sozial,
Friedhelm Busse messen, legal bewaffnen“. Verbunden nur Nazi" veröffentlichte die Gruppe
wurden damit kaum verhüllte Gewal- „Antifa 3000" aus Hannover eine Bro-
taufrufe mit Tipps, wie der Nazi heutzu- schüre über die Kameradschaften. Nach
ner Polizei auf die antisemitische Hetze tage an einen Waffenschein und an Waf- einem kurzen historischen Exkurs zur
des Altnazis Busse im letzten Jahr sofort fen kommt, und zwar „als Mitglied einer Entstehungsgeschichte (mit Diagramm)
reagierte. Das ist nämlich leider nicht Schützenbruderschaft oder eines Schüt- werden Strukturen und Organisationsfor-
selbstverständlich und sicherlich auch zenvereins .... mit der richtigen politi- men, das politische Selbstverständnis,
ein Erfolg des breiten Widerstandes ge- schen Einstellung (die dort übrigens sowie Aktionsformen und -felder der
gen die faschistischen Brandstifter.“ zahlreich sind)“. Erfolgversprechend sei „Freien Kameradschaften" beschrieben.
„Faschismus ist keine Meinung, son- auch, „wenn der eine oder andere Kame- Auch wird die Rolle der Frauen, sowie
dern ein Verbrechen“ war eine der zen- rad selbst in die Sicherheits-Branche ein- Bündnisfähigkeit innerhalb des extremen
tralen Aussagen des breiten Bündnisses, steigt.“ Weiter wird in dem Papier des rechten Spektrums beleuchtet. Eine Ein-
das sich im letzten Jahr rund um den Manfred Rouhs aufgerufen, politische schätzung der gesellschaftlichen Rele-
DGB für die Aktionen gegen die NPD- Gegner mit Handschelle an Laternen- vanz rundet den informativ-analytischen
Demonstration gebildet hatte. Rassisti- pfähle zu fesseln und die Schlüssel der Teil ab. Auch ist viel Bildmaterial, das in
sche und antisemitische Hetze sind kein Handschellen zu vernichten. Diese Pas- thematischen Bezug zu den jeweiligen
„Kavaliersdelikt“, sondern müssen ge- sage des Textes nahm Oberstaatsanwalt Artikeln steht, eingearbeitet worden.
sellschaftlich geächtet werden. Dazu Dr. Bellinghausen seinerzeit zum Anlass, zu bestellen bei:
trägt das Urteil bei, das mit 21 Monaten den gesamten Aufruf zur Bewaffnung
Gefängnis ohne Bewährung eine ab- rechter Terroristen straflos zu lassen und Antifa 3000, Kornstr.28-30,
schreckende Wirkung auf die einschlägi- eine Anzeige der VVN-BdA zurückzu- 30167 Hannover,
ge Szene sicherlich nicht verfehlen wird. weisen. Es sei allen Bürgern zuzubilli- e-mail: broschuere-fk@ujz-korn.de.

: antifaschistische nachrichten 10-2002 3


Fortsetzung von Seite 1 punkt. Der Pfarrer hatte das Gotteshaus
Das war ein entscheidender Baustein
für den Erfolg. Und es wird auch für die
1. Mai 2002 zur Verfügung gestellt. Dann aber besetz-
ten die Menschen den Rathausvorplatz.
Zukunft wichtig sein, sich auf allen Sei- Die Polizei, die vom Stuttgarter Innenmi-
ten diese gemeinsame Erfahrung gut zu Zu den Perspektiven der Anti-Nazi- nisterium die Vorgabe hatte, das wusste
merken. Bewegung in Frankfurt bleibt festzuhal- man, dem „Druck der Straße“ diesmal
2. Eine weitere entscheidende Hilfe für ten: Wir werden in dieser Richtung wei- nicht nachzugeben, brachte sich massiv in
den Erfolg kam von der IG Metall Frank- terarbeiten. Und wir kündigen den Nazis Stellung. Über Lautsprecher wurde an-
furt, die von Anfang an Mitglied der Anti- aller Organisationen schon heute an, dass gekündigt, dass notfalls der Platz geräumt
Nazi-Koordination ist. Im Büro der sie nicht erst im kommenden Bundestags- werden müsse, damit die NPD ihre Kund-
Frankfurter Verwaltungsstelle saßen meh- wahlkampf an keinem Ort, auf keiner gebung durchführen könne. Auch hier be-
rere erfahrene Kolleginnen und Kollege Straße, in keinem Versammlungsraum in währte sich wieder das breite antifaschisti-
sowie zwei Vertreter der Frankfurter Anti- Frankfurt die Chance haben werden, sich sche Bündnis, das von Gewerkschafter,
fa. Hier liefen die wohl meisten Informa- von uns unbehelligt zu versammeln und VVNler, Friedensplenum, Schüler bis zu
tionsstränge zusammen und es wurden ihre braune Propaganda zu verbreiten. Autonomen ging. Die immer mehr wer-
Vorschläge über das weitere Vorgehen er- Anti-Nazi-Koordination Frankfurt denden Leute gingen nicht vom Platz her-
arbeitet und vor Ort gegeben. Hier war (aus Platzgründen stark gekürzt) ■ unter. U.a. sprachen Max Nagel, der Bun-
auch der Arbeitsplatz eines Rechtsan- destagsabgeordnete der PDS, Winfried
walts der Bunten Hilfe, der bereit stand, Erfolgreiche Proteste in Wolf, und der Betriebsratsvorsitzende von
um nötigenfalls kurzfristig Rechtshilfe zu Roche Katzmarek und der Gesamtperso-
geben. An den Blockadepunkten in und Mannheim/Ludwigshafen nalratsvorsitzende der Stadtverwaltung
um Fechenheim waren gerade von der IG Das Verwaltungsgericht in Karlsruhe und Mannheim Dollmann zu den Menschen.
Metall zahlreiche organisierte Kollegin- der baden-württembergische Verwaltungs- Dies alles trug dazu bei, dass die Polizei
nen und Kollegen anwesend. Auf dem gerichtshof in Mannheim setzten sich über von ihrem Vorhaben Abstand nahm und
Frankfurter Paulsplatz wurde ab 8 Uhr das Verbot der Stadt Mannheim
morgens ein Infopunkt eingerichtet, von hinweg und machten es auch dieses
dem aus über 1000 Menschen, die zur Jahr möglich: Die NPD durfte am
Verhinderung der Nazi-Demonstration 1. Mai in Mannheim wieder de-
gekommen waren, informiert und in zwei monstrieren. Allerdings nicht in der
von der Jugendorganisation Die Falken Mannheimer Innenstadt, sondern in
organisierten Bussen nach Fechenheim Mannheim-Seckenheim. Für Lud-
gebracht wurden. Auch dieser Infopunkt wigshafen entschieden die Gerichte
mit Lautsprecherwagen war von IG Me- ähnlich (siehe nachfolgender Arti-
tall-Mitgliedern besetzt. kel).
3. Aus unserer Sicht hat die Zusam- Wäre im Vorfeld der Veranstal-
menarbeit der verschiedenen Gruppierun- tungen nicht ein so breiter Wider-
gen in der Frankfurter Anti-Nazi-Bewe- stand geknüpft worden, hätte die
gung mit dem gestrigen Tag eine neue NPD mit hoher Wahrscheinlichkeit
Qualität erreicht, die wir hoch einschät- in der Innenstadt demonstrieren
zen. Bei völliger gegenseitiger Unabhän- dürfen. Die Gerichte aber meinten,
gigkeit von Antifa, Autonomen und Anti- man dürfe Veranstaltungen der
Nazi-Koordination in der Vorbereitung NPD nicht grundsätzlich verbieten
gab es doch spätestens ab Mitte März im- und müsse die Bereitschaft der Veranstal- stattdessen NUR eine kleine Ecke des
mer wieder gegenseitige Kontakte und ter anerkennen, über Alternativ-Routen zu Rathausplatzes für die NPD abriegelte –
Gespräche, die sich, wie der Erfolg zeigt, diskutieren. Alle Plätze in Mannheim wa- dies allerdings sehr martialisch. Um 17
gelohnt haben.Entscheidend wichtig für ren schon belegt, da die fast 50 Gruppen Uhr trafen ca. 200 NPDler mit starkem
den Erfolg war, dass es gelungen ist, alle des „Mannheimer Bündnisses zum 1. Polizeischutz verspätet ein. Sie kamen
Blockadepunkte vor Ort mit Mitgliedern Mai“ an diesem Termin Veranstaltungen vom Seckenheimer Bahnhof und waren
des gesamten Spektrums der Anti-Nazi- angemeldet hatten, kam man auf den Rat- dieselben, die schon in Ludwigshafen ihr
Bewegung in Frankfurt zu besetzen. In hausplatz in Seckenheim. Unwesen trieben. Unter dem ohrenbetäu-
der ersten Reihe des Blockadepunktes in Die Vorraussetzungen für einen erfolg- benden Lärm der Antifaschisten war aller-
Alt-Fechenheim standen alte Menschen reichen Protest gegen die NPD erschienen dings von der NPD nichts zu hören. Die
aus dem Stadtteil (mit eigener biografi- im Vorfeld nicht so günstig. Das Wetter Glocken der Kirchen, die eigens dafür in
scher Erfahrung von Verhaftungen aus war am Morgen sehr schlecht. Der Regen Betrieb gesetzt wurden, taten ihr übriges.
der Zeit des Faschismus) neben Mitglie- sorgte dafür, dass an der 1. Mai Demo des Nach 20 Minuten traten die NPD-Fa-
dern der Antifa, der beiden Fechenheimer DGB sich dieses Jahr trotz Metallerstreiks schisten ziemlich unverrichteter Dinge
Kirchengemeinden, MigrantInnen und höchstens 1000 Leute beteiligten. Aber es wieder ihren Rückzug an. Die antifaschi-
Leuten aus der Anti-Nazi-Koordination war von vornherein klar und wurde von stische Gegenveranstaltung löste sich da-
nebeneinander. Es wäre für die Polizei dem DGB-Regionsvorsitzenden Nagel nach selbst auf. scr ■
faktisch und politisch sehr teuer gewor- auch so vertreten: Der DGB verurteilt die
den, diese am Schluss etwa 500-köpfige Aufhebung des Verbots der NPD-Demon- Ludwigshafen: NPD kommt
Gruppe von Blockierern zu „räumen“. strationen scharf und unterstützt den Wi-
Mit dem Erreichen und Besetzen dieses derstand dagegen. Für die meisten Ge- nicht in die Innenstadt
Punktes Alt-Fechenheim / Am Gansbühel werkschafter auf dem Marktplatz war Seit Wochen mobilisierte die NPD im In-
am Beginn der Nazi-Demonstrationsroute klar: Wer nicht nach Ludwigshafen geht, ternet für den 1. Mai nach Ludwigshafen.
und in dieser Mischung aus Antifaschi- geht dann auf jeden Fall nach Secken- Für ihren Marsch durch die Stadt mit
stinnen und Antifaschisten war damit be- heim. Kundgebung hatte sie ursprünglich den
reits morgens um 6 Uhr ein wichtiger Be- In Seckenheim fanden sich bis 14 Uhr Ebertpark angemeldet, wo traditionell
standteil des späteren Erfolgs verwirk- ca. 600 Antifaschisten ein. Zunächst war jährlich die 1.-Mai-Kundgebung des DGB
licht, der bis zum Schluss hielt. die evangelische Erlöserkirche der Treff- stattfindet. Dieses Jahr sollte es die zentra-
: antifaschistische nachrichten 10-2002
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le Veranstaltung des DGB in Rheinland- Nazi-Aufmarsch
Pfalz werden. Der Auftritt des Minister- in Dresden mehr-
präsidenten Kurt Beck sollte dort stattfin-
den. Die NPD-Provokation wurde von der fach gestoppt!
Stadt voraussehbar abgelehnt. Zahlreiche Um es klar und deutlich
demokratische, gewerkschaftliche und voranzustellen: Ja, es war
kirchliche Gruppen meldeten dann, wie in kein erfolgreicher 1. Mai
Mannheim auch, ca. 50 Veranstaltungen in Dresden für die aus al-
und Aktionen auf den Plätzen Ludwigsha- len Himmelsrichtungen
fens an. Erst wenige Tage vor dem 1. Mai angereisten Nazis. Rund
reichte die NPD einen neuen Routen- 900 RechtsextremistIn-
wunsch bei der Stadt ein. Dieses Mal hatte nen versammelten sich
sie sich durchweg Stationen ausgesucht, am sehr späten Vormit- Ca. 50 NPDler und 150 „freie Kameraden“ durften unter dem
die nach Opfer oder Widerstandskämpfern tag auf dem Postplatz Schutz von 3500 PolizistInnen in Göttingen demonstrieren.
gegen das Dritte Reich benannt waren, vor dem mit Anti-Nazi- Göttingen. Für die Bewohner der Weststadt war es ein deprimierendes
z.B. die Anne Frank-Realschule oder den Parolen beflaggten Gefühl, dass NPD und rechtsradikale „Kameradschaften“ durch ihr Stadt-
Dieterle-Platz, benannt nach dem antifa- Schauspielhaus (siehe viertel marschierten konnten. Die Weststadt ist ein Stadtteil mit besonders
schistischen Regisseur. Ordnungsdezer- Titelbild). Zuvor hatten hohem Anteil an Ausländerinnen und Ausländern und ausgerechnet hier
nent Zeiser war empört, hier gehe es ein- sich zirka 150 Nazis vor durften die Nazis ihrem Ausländerhass in provozierenden Parolen freien
deutig um Verhöhnung der Opfer und dem Dresden-Neustäd- Lauf lassen. Eine Kundgebung fand an der Ecke Pfalz-Grona-Breite statt,
zufällig genau bei der Siedlung, die ca. 1938 als „NSDAP-Projekt Flie-
nicht um ein demokratisches Demonstrati- ter Bahnhof zusammen- gerhorst-Siedlung“ erbaut wurde.
onsrecht. Dies möge das Gericht beden- gerottet und waren in Auf der Kundgebung sprach auch Rechtsanwalt Horst Mahler, der die
ken. Die Stadt verbot den Aufmarsch und Demonstrationsformati- NPD im Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die
das Verwaltungsgericht Neustadt hob das on durch die Stadt gezo- Bundesregierung vertritt. Zahlreiche Sperren, Einkesselungen und Fest-
Verbot, wie in den vergangenen Jahren gen. Weil ihnen ihr Weg nahmen verhinderten, dass die Gegendemonstranten die Nazidemo auf-
auch, auf. Zuvor schon hatte sich der DGB immer wieder durch lösen konnten. Dennoch kamen auch an der Demoroute zahlreiche Ge-
und die Einzelgewerkschaften glücklicher- Antifa-Sitzblockaden gendemonstranten zusammen. Dass es nicht mehr waren lag daran, dass
die Polizei mehrfach gestaffelte Sperren aufbaute und nur einzelne An-
weise dazu durchgerungen, ihre Maiveran- verbaut war, eskortier-
wohner nach Ausweiskontrolle passieren ließ. Ca 850 Personen wurden
staltung zu straffen und rechtzeitig danach ten die Polizeikräfte die von der Polizei überprüft, es gab 16 Festnahmen, mehr als 100 „In-Ge-
am Bahnhof Ludwigshafen, am Ankunfts- Nazis mit einigen Um- wahrsamnahmen“, 4 Gegendemonstranten wurden verletzt. Einige erhiel-
ort und Aufmarschplatz der NPD einzu- wegen schließlich zum ten Anklagen wegen Landfriedensbruch und Beleidigung.
treffen, schließlich wolle man nicht nur Versammlungsort, unter www.goest.de ■
verbaler Antifaschist sein. Um die Ge- ständig aktiver Beglei-
werkschafter schnell zum Bahnhof zu tung durch Antifa-Grup-
bringen, wurden auch Busse eingesetzt. pen. Mit großer Verspätung, der angekün- sungserscheinungen bei den Rechtsextre-
Dies war ein Novum in Ludwigshafen. digte Marschbeginn von 11.30 Uhr war men. Die Nazi-Demo kehrt um. Höllen
Das „Netzwerk gegen rechte Gewalt weit überschritten, formierte sich schließ- AntifaLärm. Polizeipferde gehen durch.
und Rassismus“, in dem 42 Einzelorgani- lich die Nazi-Demonstration. Voran der Die Nazis trotten zurück. Völlig grundlos
sationen von der CDU, SPD, evangelische Lautsprecherwagen aus dem Fuhrpark der und unvermittelt gehen in diesem Augen-
und Katholische Arbeitnehmer, zahlreiche „Deutschen Stimme“ in Riesa, der blick Greiftrupps der Polizei in die Anti-
Jugend- und Schülerorganisationen, der während der gesamten Demonstration fa-Blockade. Mehrere Festnahmen, Blut
Verband der Sinti und Roma, Rat für Kri- durch ständige Technikausfälle glänzte. fließt, Sanitätsdienste werden verweigert,
minalitätsverhütung, Frauen- antifaschisti- Als Versammlungsleiter fungierte wie im Pressearbeit behindert. Die festgenomme-
sche bis marxistischen Gruppen, freireli- Vorjahr der sächsische NPD-Kader Mat- nen Antifas werden, wie zum Schaulau-
göse und soziale Vereine zusammenge- thias Paul. Im Demonstrationszug mar- fen, aufrecht in Richtung Nazi-Demo ge-
schlossen waren, rief zu einer Kundge- schierten als ,freier Block‘ angekündigt: schleift und gleichzeitig teilweise körper-
bung vor dem Hauptbahnhof auf.Bis ge- „Freie Nationalisten Magdeburg“, „Freie lich misshandelt. Nach diesem durch An-
gen 12:00 Uhr waren der Ludwigshafener Nationalisten Dessau“, „Freie nationale tifa-Widerstand erzwungenen Abbruch
Hauptbahnhof beidseitig durch Gegner der Aktivisten in der Oberlausitz“ sowie der Nazi-Demo versammeln sich die Na-
Nazis von beiden Seiten des Rheins „Thüringer Heimatschutz“. Gleichfalls zis schließlich auf dem schon jenseits der
blockiert. Die neu gewählte CDU-Ober- zur Demo angereist waren einige Nazis Stadtperipherie gelegenen Platz vor dem
bürgermeisterin Lohse sprach. Die Polizei, aus Österreich. WorldTradeCenter zu ihrer Abschluss-
obwohl sehr zahlreich vertreten – der Auf ihrem Demonstrationsweg wurden kundgebung, die eigentlich in der Innen-
„größte Einsatz dieses Jahres“ – verzichte- die rund 900 Nazis mehrmals durch Sitz- stadt vorgesehen war. Die Öffentlichkeits-
te darauf, der NPD ein Durchkommen zu blockaden gestoppt. Seriöse Schätzungen wirkung ist weniger Null. Udo Voigt
erkämpfen. Die Burschen wurden in den gehen von zirka 1.200 aktiven Antifas an geißelte das WorldTradeCenter, vor dem
Zug nach Ludwigshafen-Mundenheim ge- diesem 1. Mai in Dresden aus. An einem man ja jetzt gezwungen sei, die Abschlus-
setzt, einem kleinen Stadtteil, wo sie von Punkt der Demonstration sahen sich die skundgebung durchzuführen, als ,Hort
geballter Präsenz begleitet aussteigen, ei- Rechtsextremen unvermittelt einer Sitz- des Bösen‘. Vielleicht hätte ihm mal ir-
nen Zug von ca. 250 meist jungen männli- blockade von rund 400 Antifas gegen- gendwer stecken sollen, dass im Dresdner
chen Glatzköpfen formten und für ca. 20 über. Stopp. Kein Durchkommen. Ver- WorldTradeCenter nur eine so genannte
Minuten durch den Stadtteil zogen und vor handlungen mit der Ordnungsbehörde Einkaufsmeile ist, sonst nix weiter groß.
ein paar überraschten Mundenheimern werden geführt. Die Polizei gibt bekannt, „Wir kommen wieder!“ trompeteten
eine Ansprache durch ihre Anlage brüllten, dass sie wegen der großen Anzahl von die Nazis bei ihrem kläglichen Abmarsch,
begleitet von Protesten einer anwachsen- GegendemonstrantInnen nicht beabsich- und fast niemand hat es gehört. Am 8.
den Zahl von Antifaschisten und Gewerk- tigt, nicht in der Lage ist, diese Blockade Mai will die „Junge Landsmannschaft
schaftern, die nachgekommen waren. Ent- zu räumen. Die Nazi-Demo steht und Ostpreußen“ durch Dresden marschieren.
scheidend jedoch ist, dass es der NPD steht und steht. Das Fronttransparent, an- ART Dresden,
nicht gelungen ist, durch die Ludwigsha- dere Transparente flattern zu Boden, auf aus Platzgründen stark gekürzt,
fener Innenstadt zu ziehen. frr ■ die Straße. Stillstand. Fast schon Auflö- http://www.antifadresden.alturl.com ■

: antifaschistische nachrichten 10-2002 5


Rechtsrock, auch „white po- Demoaufruf für den 18. Mai 2002 12 Uhr Hilden/NRW
wer music“ genannt, die Mu-
sik neonazistischer Skinheads,
ist in Deutschland während der letz-
Neonazistischen VGR-
ten zwölf Jahre zu einem Millionen-
geschäft geworden. Über 100 deut-
sche Neonazi-Bands produzierten
Multimedia Vertrieb
seit 1991 an die 600 verschiedene
CD´s in einer Stückzahl von einigen
stoppen !!
Hundert bis zu 15.000 Exemplaren.
Zuständig für deren Produktion und cords“, die „Creative Zeiten Verlag und nehmen profitieren. Nach sechsjähriger
flächendeckende Verteilung sind Vertrieb GmbH“, der „Moderne Zeiten ( Tätigkeit als Geschäftsführer von „Crea-
mehr als 50 Labels und Vertriebe so- MZ)-Vertrieb und die Zeitschrift „Rock tive Zeiten“ und „Funny Sounds“ hat
wie bundesweit mehr als 30 Läden. Nord“. Im Zuge einer Ausstiegs- Insze- Lemmer 1999 diese Posten in bewährte
Zu den bundesweit zentralen Figuren nierung, diesmal als Komparse in einer Hände abgegeben. Z.Zt. fungiert, nach
in Sachen Rechtsrock zählt der Düs- Hamlet-Aufführung Christoph Schlin- Tim Holzschneider, Ferenc Szeplaki als
seldorfer Torsten Lemmer. gensiefs, liquidierte der gnadenlose Geschäftsführer der VGR GmbH.
Selbstdarsteller Lemmer den „MZ“- Die Hauptunternehmensanteile hat
Der ehemalige Vertrieb, den „Creative Zeiten“- Verlag Lemmer im letzten Jahr auf seinen
Jungliberale trat und „Funny-Sounds“ und bot die aus- Großvater überschrieben, wahrschein-
1989 als Kom- gehöhlten Firmen auch noch dreister- lich mit Blick auf sein kommunalpoliti-
munalwahlkan- weise dem Innenminister zum Kauf an, sches Comeback.
didat der bundes- um damit ein vorgebliches Aussteiger- Eine Neuauflage der 1994 aufgelösten
weiten REP-Ab- projekt, mit Lemmer „Freien Wählerge-
spaltung „Frei- als Vorsitzenden, zu meinschaft“ rückt mit
heitliche Volks- finanzieren. Im Vor- dem Termin der näch-
partei“ und 1990 feld indessen hatte sten Kommunalwahlen
als Mitglied der Lemmer schon längst näher. Nach Vorbild
REP´s in Er- die nötige Umstruktu- der alten FWG wurde
scheinung. 1991 Torsten Lemmer rierung vollzogen und ein sogenannter „Ju-
bis 1993 beklei- der nächste Lemmer- gendoppositions-
dete er zentrale Funktionen bei der Düs- Klon „VGR“ ward stammtisch“ aufge-
seldorfer „Republikaner“-Abspaltung geboren, über den so baut, über den rechte
„Freie Wählergemeinschaft“ (FWG), die ziemlich alles geor- Jugendliche rekrutiert,
von Ende 1991 bis Frühjahr 1994 mit dert werden kann, politisiert und an die
zwei Sitzen im Düsseldorfer Stadtrat was das Naziherz erfreut. eigene Organisation ge-
vertreten war. Mitte 1993 gelang es anti- CD´s deutscher und auslän- bunden werden. Mit-
faschistischen Gruppen und einer Bür- discher Nazibands, T-shirts glieder des „Jugendop-
gerinitiative, Lemmer aus seinem Domi- ( „T-Hemden“), Abzei- postionsstammtisches“
zil in Düsseldorf-Eller zu vertreiben. chen, Videos Fahnen, usw.. treten immer wieder
Niedergelassen hatte er sich zuvor im Das gesamte Angebot fin- durch das massive Ver-
Verlagshaus des damaligen FWG-Vorsit- det man auch auf dem In- teilen u. Verkleben von
zenden Kurt Winter. Dieses Verlagshaus ternetportal der Nazi-Bra- Propagandamaterial in
wurde auch als FWG-Geschäftsstelle vo „Rock Nord“ Erscheinung, so z.B. von
genutzt. Die Eigentümerin des Hauses (www.rocknord.de ), die Aufklebern mit den Paro-
löste den Mietvertrag mit Winter, nach- ebenfalls ein Lemmerpro- len „Deutschland muß in
dem sie über die dortigen Machenschaf- dukt ist. Laut Herausge- Düsseldorf wieder er-
ten informiert worden war. Ende 1993 ber hat das Magazin eine Auflage von kennbar werden“ und
bezogen Lemmer und sein politischer 16.000 Exemplaren. Die tatsächliche „Kein Asyl dem Drogendeal“, die auch
Ziehvater Winter neue Geschäftsräume Zahl dürfte wohl aber bei ca. 5000 Ex- in Hilden zahlreich verklebt wurden.
in der Langenfelder Lise-Meitner-Str. emplaren liegen. Inhaltlich besteht Da es der Stadt Hilden leider nicht ge-
11. Ende 2000 erwarb Lemmer zusam- „Rock Nord“ aus Inteviews mit Bands, lungen ist den Verkauf des Hauses
men mit dem Republikaner und Bun- Gejammere über Angriffe durch Feinde Richrather-Str. 195 an Lemmer u. Na-
deswehroffizier Dr. Robert Nagels das sogenannter „nonkonformer Musik“, gels zu verhindern, haben wir uns ent-
Haus Richrather-Str. 195 in Hilden. Seit Durchhalteparolen, Berichte aus der schlossen Lemmer, Szeplaki, Holz-
2001 befindet sich dort die Verlagsge- Rechtsrockszene und insbesondere Wer- schneider und Co zu zeigen, dass sie in
meinschaft Rheinland GmbH ( VGR ). bung für das Angebot der VGR GmbH. Hilden nicht willkommen sind. Unter
Bereits Anfang der 90er Jahre managte Lemmer und seinen Leuten ist es stetig dem Motto „VGR - stoppen !!“ wollen
Lemmer, die zu dieser Zeit bekannteste gelungen, eine Reihe von Bands unter wir am 18. Mai um 12.00 Uhr demon-
Neo-Nazi-Band „Störkraft“ aus Düssel- Vertrag zu nehmen und sich trotz starker strieren. Losgehen soll es am Haupt-
dorf und Andernach. Zusammen mit Anfeindungen und Boykott-aufrufen in bahnhof- Hilden, die Route muss noch
dem Essener Neonazi Andreas Zehns- der rechten Szene zu behaupten. Lem- vom Hildener Ordnungsamt, bzw. der
dorf, der verantwortlich zeichnete für mer, der selbst nie ein Skinhead war, Hildener Polizei, genehmigt werden.
Hetzpostillen wie „Querschläger“ und wird als Fremdkörper in der Szene be- Wir rufen alle Menschen in der Region
„Ketzerblatt Frontal“, schuf Lemmer griffen. Selbst seine Bands lassen oft dazu auf, an der Demonstration teilzu-
nach und nach das heutige Rechtsrock- keinen Zweifel daran, dass sie wenig nehmen und den Demoaufruf zu unter-
Unternehmensgeflecht. Hierzu zählten von ihm halten. Trotzdem ist das Ver- stützen.
unter anderem das Label „Funny Sound hältnis zu ihm ambivalent, da viele Sze- Treffpunkt Hilden S- Bahnhof-Mitte,
and Vision GmbH“, die angegliederten ne-Bands nicht unerheblich von dem 18. Mai, 12.00 Uhr
Labels „Destiny Records“ und „Dr. Re- professionell geführten Lemmer-Unter- Antifa Hilden ■

6 : antifaschistische nachrichten 10-2002


Das Wahlergebnis aus Sach-
sen-Anhalt ist bekannt, die
Schill-Partei brachte es auf le-
Schwere Niederlage
diglich 4,5% der Stimmen–- das war
so nicht zu erwarten. Die Erklärun-
für Schill
gen aus Reihen der Partei, man habe
„ein beachtliches Ergebnis für eine
Partei erzielt, die nur wenige Wo-
in Sachsen-Anhalt
„Deutsche Konservative“ wollen Schill-Partei führen
chen Zeit hatte, sich den Wählern
vorzustellen“, klingen sehr nach dem und für die Mitglieder zutiefst demoti- Revolte“, durch die „das bürgerliche
Pfeifen im Walde. Dass die Schill-Par- vierend ...“ Das lässt auf Streit hoffen! Deutschland ... in seinen Grundfesten er-
tei nicht das zweifelsohne vorhande- Spannend wird auch, ob Schill und Co. schüttert und, wie man später sehen soll-
ne rechte Potential (12,9% für die weiterhin Zulauf von Ex- oder Noch- te, aus den Angeln gehoben“ wurde.
DVU vor vier Jahren) auszuschöpfen Abgeordneten v.a. der CDU bekommen, „Vor allem aber: die sogenannte ,68er-
vermochte, liege, so eine Auffassung, denn der sachsen-anhaltinische Dämpfer Generation‘ hat es – nicht ohne tatkräfti-
an der Integrationskraft, die die CDU nimmt der Partei Möglichkeiten, Karrie- ge Mithilfe interessierter ausländischer
mit der Stoiber-Kandidatur nach risten attraktive Posten anbieten zu kön- Kreise – geschafft, die deutsche Ge-
rechts erworben habe. Entscheiden- nen. Auch der Nimbus des strahlenden schichte vor und nach 1945 in dem Sin-
der scheint mir aber, dass die Person und unbezwingbaren Sunnyboys aus ne umzuschreiben, dass daraus eine Ge-
des Spitzenkandidaten Ulrich Mar- Hamburg dürfte Schill vorerst flöten ge- schichte nicht enden wollender und ver-
seille, der zahlreiche Prozesse gegen gangen sein. Der politische Alltag wird drängter deutscher Schuld wurde.“
das Land Sachsen-Anhalt führt, mas- einziehen. Der nächste Einschnitt soll dann die
siv geschadet hat: zu windig, zu sehr In der Begründung für seinen Rück- „Wiedervereinigung“ gewesen sein, die
mit seinem eigenen wirtschaftlichen zug von den Bundestagswahlen formu- in der Hauptsache natürlich emphatisch
Vorteil beschäftigt. lierte Schill erneut sein strategisches bejubelt wird, aber auch „zur Re-instal-
Konzept eines rechten Wählerfangs, um lierung und Rehabilitierung der zunächst
Die Niederlage hat Konsequenzen, die diese Stimmen dann in einen konservati- bankrott gegangenen kommunistischen
Partei wird nicht zu den Bundestags- ven Block einzubringen: Da man mögli- Kräfte und Ideen“ geführt habe. Zu-
wahlen antreten, jedenfalls soweit es cherweise die 5%-Hürde nicht über- gleich habe die CDU bei der Umwand-
nach dem Willen Schills geht. Er jeden- springe, schade man dem politischen lung der BRD in einen „Antifa-Staat“
falls stehe nicht zur Verfügung. Den- Ziel. „Wir würden dem konservativen zugesehen. Aber nicht nur sei die CDU
noch liegen dem Bundesparteitag am 11. Lager Stimmen wegnehmen.“ dergestalt vom konservativen Lager ab-
Mai in Hamburg zahlreiche Anträge auf In dieser strategischen Ausrichtung gerückt, ihr fehle auch ein Koalitions-
Wahlbeteiligung vor: „Wenn wir nicht liegt der Anknüpfungspunkt zu den partner auf der Rechten, wodurch sie auf
zur Bundestagswahl antreten, versündi- „Deutschen Konservativen“ (DK) um die FDP angewiesen sei. Das rechte Kor-
gen wir uns am deutschen Volk!“ Eine den dubiosen Joachim Siegerist, die sich rektiv fehle. Schill biete in dieser Situa-
Nichtbeteiligung hingegen wäre „fatal seit einiger um die Schill-Partei bemüht. tion die Möglichkeit einer „bürgerli-
Man wäre gern der Strippenzieher hinter che(n) Alternative“.
Anzeige den Kulissen. In Sachsen-Anhalt finan- Umso größer ist die Enttäuschung nun
zierten die DK mehrere ganzseitige Zei- bei den DK über die Schill-Niederlage
tungsanzeigen zugunsten der Schill-Par- von Sachsen-Anhalt. Man ist sauer auf
tei. Dies, so jedenfalls Siegerist, habe er die Partei, die zu viele Fehler begangen
mit Marseille abgesprochen. habe:
Die DK sind auch die erste Rechts- „1. Es war falsch, einen leicht zu
außenorganisation, die eine eigenständi- bekämpfenden ,Millionen-Wessi‘ als
ge Publikation über die Schill-Partei her- Spitzenfigur ausgerechnet nach Sachsen-
ausgebracht hat. In einer Broschüre legt Anhalt zu schicken.“ Man hätte sich, 2.,
Carl Gustaf Ströhm die Anschauungen nicht von den Rechten abzugrenzen su-
der DK dar. Ströhm war einst Osteuro- chen dürfen. Der Wahlkampf ist, 3.,
pakorrespondent der „Welt“ und Mitar- amateurhaft geführt worden. Angebliche
beiter der „Jungen Freiheit“. FDP-Mitglieder, die zur Schill-Partei
Die Broschüre führt keine Programm- hätten übertreten wollen, seien, 4., nicht
debatte, die Übereinstimmung der einmal angehört worden. Dennoch will
Schill-Partei mit den eigenen reak- man weiter „kräftig“ am Ziel einer „kon-
tionären Positionen wird gleichsam vor- servative(n) Partei in Deutschland“ wei-
ausgesetzt. Abgeglichen wird aus- ter arbeiten. Dabei steht für die DK die
schließlich die Entwicklung der Schill- Option „Schill“ ganz weit oben auf der
Partei mit den eigenen Ideen einer „4. Liste. F■
Partei“. Das Konzept „4. Partei“ ist
schon etwas älter und meint die parla-
mentarische Implementierung einer Am Wochenende 4./5. Mai hat die Schill-
Gruppierung zwischen Union und offe- Partei in Mecklenburg-Vorpommern ihren
nem Faschismus, die sowohl die bundesweit dritten Landesverband gegrün-
CDU/CSU nach rechts ziehen als ihr det. Am Sonntag wählte der Gründungs-
auch eine Koalitionsbildung möglichst parteitag den Präsidenten der Kassenärzt-
ohne den „unsicheren Kantonisten“ FDP lichen Vereinigung des Landes, Wolfgang
ermöglichen soll. Eckert, mit rund 95 Prozent der Stimmen
Ausgangspunkt aller Sorgen der DK zum Spitzenkandidaten für die bevorste-
(aber bekanntermaßen auch Schills) ist hende Landtagswahl.
der „tiefe Einschnitt“ durch die „68er

: antifaschistische nachrichten 10-2002 7


Er hat mit Sicherheit für Le Pen 1. Mai 2002 in Frankreich :
gestimmt : Bei dem Aufmarsch
des rechtsextremen Front Natio-
nal (FN) am 1. Mai lief ein etwa 50jähri-
Demonstrationen für Le Pen ...
ger Mann unter den FN-Parteigängern
mit, der anscheinend zeigen wollte, wie er germeister von Marignane, Daniel Simon- denten-Mehrheit) gegründet werden wird.
sich einen „echten“ Franzosen vorstellt. pieri. Beide scheinen dem MNR aller- Das Boulevardblatt „France Soir“ zitierte
Mit sichtlich weingerötetem Gesicht vor dings den Rücken zu kehren. (anonym bleibende) konservative
sich hintrottend, hatte er eine Baskenmüt- Pierre Vial hatte im Oktober 2001 den Führungspolitiker, die eine Aufnahme der
ze über die Stirn gezogen und stemmte MNR verlassen, weil dieser ihm zu Mégret-Anhänger in eine Einheitspartei
stolz ein Baguettebrot vor sich in die Luft. gemäßigt erschien. Zuvor hatte Mégret auf der Rechten explizit nicht ausschlie-
Was beim Großteil seiner Landsleute ein die Unterstützung der USA in ihrem ßen wollten. (Das Ganze vor dem Hinter-
müdes Lächeln hervorrufen dürfte, wer- Krieg in Afghanistan, sowie die Unter- grund des absehbaren geringen Wahler-
den die Franzosen in Karikaturen in- oder stützung des Präsidentschaftskandidaten folgs Mégrets.) Der sofortige Wahlaufruf
ausländischer Zeitungen so dargestellt, für Jacques Chirac in einer voraussichtlichen Bruno Mégrets vom Abend des 21. April,
ihn bildete es die Grundlage seines Stol- Stichwahl gegen den Sozialdemokraten für Le Pen zu stimmen, dürfte diese Tür
zes. Lionel Jospin angekündigt. (Nachdem aber wohl definitiv verschlossen haben.
Fier d‘être français (Stolz, Franzose zu nun Le Pen den Amtsinhaber Chirac in Jean-Marie Le Pen seinerseits wollte in
sein) war denn auch einer der wenigen der Stichwahl herausforderte, was nicht der Woche nach dem 21. April, auf einer
Slogans, den die Organisatoren der jähr- vorher absehbar war, hat Mégret sofort ei- Pressekonferenz am Parteisitz des FN in
lich stattfindenden Parade zu Ehren der nen Wahlaufruf zugunsten von
„Nationalheiligen“ Jeanne d’Arc zugelas- Jean-Marie Le Pen erlassen.
sen hatten. Neben einer Unmenge blau- Wohl auch, weil er ahnen
weiß-roter Fahnen wurde ansonsten fast konnte, dass es viele seiner
keine politische Meinungsäußerung zuge- Parteigänger jetzt zurück in
lassen – aus Angst, den Medien einmal Richtung FN ziehen könnte.)
mehr Angriffsfläche für Berichte über of- Im Frühjahr 2002 hatte Vial
fen faschistische Slogans oder Publikatio- bereits seine Unterstützungs-
nen zu bieten. Unterschrift als „Wahlpate“,
Direkt neben mir wurde in der Menge die er als Regionalparlamenta-
ein Fernsehjournalist des Kanals France 3 rier in Lyon abgeben kann, an
mit Schlägen bedroht, weil er einen jün- Jean-Marie Le Pen erteilt. Si-
geren Teilnehmer mit Bomberjacke, Ge- monpieri, bisher einer von
sichtsvermummung und schwarzen zwei MNR-Bürgermeistern
Schlägerhandschuhen zu filmen versuch- (neben Catherine Mégret), war
te. Unter den jüngeren Teilnehmern war im Frühjahr 2001 mit Mégret
dieser Typus von FN-Sympathisant ein- aneinandergeraten, weil beide
deutig in der Mehrheit, unter den Älteren zur Parlamentswahl im Juni
dominierte eher der spießig-gepflegte Stil. dieses Jahres im – als sicher
Sichtbar wurde vor allem auch, dass die geltenden – Wahlkreis Vitrol-
extreme Rechte nach wie vor ein Problem les/ Marignane zu kandidieren beabsich- Saint-Cloud, ein Wahlabkommen mit dem
hat, ihre Anhängerschaft aktiv auf die tig(t)en. Ende April dieses Jahres hat Si- MNR zu den Parlamentswahlen im Juni
Straße zu mobilisieren. monpieri jetzt öffentlich verkündet, er nicht mehr definitiv ausschließen. Jeden-
Der Front National bleibt derzeit über- habe seinen Mitgliedsbeitrag für das Jahr falls wollte er in dieser Hinsicht „mal se-
wiegend eine Wahlpartei, und keine Be- 2002 beim MNR nicht bezahlt. Stattdes- hen“. Dies berichtete die Pariser Abend-
wegung faschistischer Aktivisten. Hoch- sen sah man in bei der 1. Mai-Demonstra- zeitung „Le Monde“ in ihrer Ausgabe
rangige Kader der Partei hatten in der Pe- tion des FN. vom 28./29. April 02. Am Ende hatte die
riode zwischen 1992 und 1998 versucht, An jener nahmen auch Teile der ultra- extreme Rechte, aus Sicherheitsgründen,
dies zu ändern. Sie wollten den FN durch radikalen MNR-Jugend teil. Anlässlich durch die Polizeipräfektur nicht die riesi-
Gründung eigener Gewerkschaften, Mie- der MNR-Tagung am Wochenende des ge Place de la Concorde zur Verfügung
tervereinigungen im sozialen Wohnungs- 27/28. April, eine Woche nach der Präsi- gestellt bekommen. Das war allerdings in
bau und anderer Satellitenorganisationen dentschaftswahl, hatten mehrere Debat- ihrem eigenen Sinne auch besser so. Aus
in der Gesellschaft verankern. Doch an- tenredner eine geschlossene Teilnahme diesem Grund demonstrierten die FN-Par-
lässlich der innerparteilichen Krise zum ihrer Partei gefordert, die allerdings abge- teigänger, wie gehabt, dem Seineufer ent-
Jahreswechsel 1998/99 hatte Le Pen ge- lehnt wurde. Hingegen kritisierten andere, lang bis zum – überschaubaren – Vorplatz
nau diese Kader hinausgeworfen, um die und vor allem Neumitglieder, die nicht der Pariser Oper.
alleinige Kontrolle über die Partei zurück- bereits dem „alten“ FN vor der Parteispal- Um die 10.000 Teilnehmer waren in
zuerlangen. tung angehört hatten (sondern direkt dem diesem Jahr gekommen, um – wie in je-
Die Basisaktivitäten außerhalb von MNR nach 1999 beitraten), eine zu gerin- dem Jahr seit 1988 – der fast andert-
Wahlkämpfen sind seitdem stark reduziert ge Distanz zu Le Pen. Mégret musste das halbstündigen Rede von Präsidentschafts-
worden. Beobachter befürchten jedoch, Ruder zwischen beiden Strömungen in kandidat Jean-Marie Le Pen zuzuhören.
dass sich das nun wieder ändern könnte. der Mitte halten. In den Tagen vor der Anders als sonst, stand der dieses Mal al-
Zumal sich die Anzeichen auf eine Wie- Präsidentschaftswahl hatte die Boulevard- lein (also ohne die Führungskader des
derannäherung des FN und seines Spalt- zeitung „France Soir“ (16. April 02) über FN) auf der Bühne, um eine maximale
produkts von 1999, des Mouvement Na- eine mögliche Aufnahme des MNR Mé- personality show hinzulegen. Die Teil-
tional Républicain (MNR), an der Basis grets in die künftige konservative Samm- nehmerzahl war fast dreimal so hoch
häufen. Eine Reihe bisheriger MNR-Ka- lungspartei spekuliert, die damals als wie im Vorjahr, aber dieses Mal hatte die
der waren zum Aufmarsch der Konkur- UEM (Union en mouvement, Union in Partei auch kostenlose Busse aus allen
renzpartei am 1. Mai gekommen, so der Bewegung) angekündigt war und jetzt französischen Städten zur Verfügung
Rassenideologe Pierre Vial oder der Bür- demnächst als UPM (Union für die Präsi- gestellt.

8 : antifaschistische nachrichten 10-2002


Damit spottet die Mobilisierung der Stichwahl am 5. Mai :
FN-Sympathisanten jedem Vergleich mit
jener zu der Gegendemonstration, die eini-
ge Stunden später über die Pariser Boule-
Frankreich zieht die
vards zog. Eine Übersicht über das Men-
schenmeer zu erhalten, war unmöglich:
Aus Platzmangel ergoss sich der Demon-
Klospülung – fürs Erste
strantenstrom entlang dreier verschiedener „Mit 74 Jahren werde ich keine Karriere als war, und mitnichten eine positive Stimmab-
Routen gleichzeitig von der Place de la Demokrat mehr beginnen“: Diese Worte gabe für Chirac. Ein anderes Plakat hatte
ließ die linksalternative Wochenzeitung vorige Woche schlicht gefordert: „Am 5.
République aus in Richtung Place de la Charlie Hebdo vorige Woche den rechtsex-
Nation. Und selbst am Rande eines der Mai: Zieht die Spülung am Klo“ – unter
tremen Präsidentschaftskandidaten Jean- dem Slogan sah man Le Pen am entspre-
drei Protestzüge dauerte es geschlagene Marie Le Pen mittels einer Karikatur sagen.
fünf Stunden, bis die DemonstrantInnen Die Antwort auf Le Pen war treffend. chenden Örtchen.
vorübergezogen waren. Polizei und Fern- Der Präsident des Front National (FN) Jean-Marie Le Pen erhielt im Prozenter-
gebnis 17,94 Prozent der Stimmen. Damit
sehstationen konnten sich nur durch den hatte vorige Woche eine historische Aussa-
liegt er prozentual unterhalb des gemeinsa-
Einsatz mehrerer Hubschauer einen ge des Präsidenten Charles de Gaulle para-
men Ergebnisses von Le Pen (17 Prozent)
Überblick verschaffen. phrasiert. Jener war im Frühsommer 1958
durch einen Militärputsch im – damals noch und Mégret (2,3 Prozent) im ersten Wahl-
französischen, aber bereits heftig umkämpf- gang. In absoluten Zahlen allerdings ge-
... aber vor allem gegen ten – Algier an die Macht gekommen und lang ihm ein leichter Zuwachs: von 5,4 Mil-
Le Pen schickte sich an, das Regime der schwa- lionen Stimmen, die am 21. April für beide
chen Vierten Republik durch eine neue Prä- rechtsextremen Kandidaten zusammen ab-
sidialrepublik abzulösen. Auf einer Presse- gegeben wurde, gelang ihm der Sprung
konferenz erklärte er, auf kritische Nachfra- auf 5,8 Millionen Stimmen.
gen eines KP-nahen Journalisten hin: „Mit Für eine detaillierte Analyse der Herkunft
67 Jahren werde ich keine Diktatorenkarrie- dieser Wähler liegt noch kein Zahlenmateri-
re mehr beginnen.“ Damit wollte er die Äng- al vor, da die Auswertung des zweiten
ste vor dem Beginn eines autoritären Regi- Wahlgangs bei unserem Redaktionsschluss
mes beruhigen. Le Pen hatte es nun kurz vor noch nicht erfolgt ist. In der kommenden
der Wahl im französischen Fernsehen De Ausgabe werden wir daher die Zusammen-
Gaulle gleichzutun versucht: „In meinem Al- setzung der rechtsextremen Wählerschaft
ter werde ich...“ Doch die seit 1956 unun- aus beiden Wahlgängen näher untersu-
terbrochene rechtsextreme Politikerlaufbahn chen.
des FN-Präsidenten spricht in dieser Hinsicht Auf jeden Fall steht fest, dass das Resultat
gegen ihn. vom 5. Mai eine klare Niederlage für die
Eine Karriere als Präsident wird Jean- „Strategie Le Pen“ innerhalb der extremen
Marie Le Pen nun auch nicht mehr begin- Rechten darstellt: die Linie des „Allein ge-
nen. Dass er in der Stichwahl am 5. Mai ge- gen alle“. Ohne Bündnispartner innerhalb
gen Amtsinhaber Jacques Chirac nicht ge- des konservativen Blocks bleibt der extre-
winnen würde, war vorher abzusehen. men Rechten der Weg an die Macht(beteili-
Doch seine Niederlage fiel deutlicher als gung) dauerhaft versperrt. Nur in geringem
von vielen Beobachtern erwartet aus, jeden- Maße konnte die extreme Rechte über ihr
falls im Prozentergebnis. Denn entgegen bereits abgestecktes, gesellschaftliches La-
vieler Erwartungen ist die Wahlbeteiligung ger hinaus Stimmen an sich ziehen.
zwischen beiden Wahlgängen nicht gesun- Jean-Marie Le Pen beglückwünschte sich
ken, sondern um 8 Prozent angestiegen – am Wahlabend dazu, dass „der nationale
die Wahlenthaltung sank von zuvor über 27 Block“ – in seinen Worten – „stabil geblie-
Prozent auf nunmehr 19,26 Prozent. Gera- ben“ sei und dem politischen Druck der 14
Mit 500.000 gaben sie im Anschluss de die Linkswählerschaft hat sich also deut- Tage zwischen den Wahlgängen standge-
die Zahl der Pariser Demoteilnehmer an. lich gegen den neo- oder altfaschistischen halten habe. FN-Generalsekretär Carl Lang
In anderen französischen Groß- und Kandidaten Le Pen mobilisiert, ohne aller- beschrieb letzteren in einer Fernsehdebatte
Kleinstädten demonstrierten am gleichen dings Jacques Chirac deswegen einen Blan- am Wahlabend als „eine Gehirnwäsche
Tag mindestens 800.000 weitere Perso- koscheck auszustellen – wie dieser bei der wie in einem Umerziehungslager von Pol
nen. Bereits in der Woche, die auf den er- nächsten sozialen Krise bald feststellen Pot“.
sten Wahlgang am 21. April folgte, hatten dürfte. Allerdings wäre definitive Beruhigung ab-
täglich mehrere Zehn- oder Hunderttau- Das französische Fernsehen konnte am solut fehl am Platze: Zum Einen hat Le Pen
sende Personen, vor allem Schüler und Wahlabend, vor Bekanntgabe der Ergebnis- immerhin gezeigt, dass er über ein stabili-
siertes Wählerpotenzial verfügt, das auch
Studierende, gege Le Pen demonstriert. se, aus Arbeiterbezirken etwa im (KP-regier-
dann für ihn stimmt, wenn die Frage gestellt
Inhaltlich steht zum einen die Denun- ten) nordfranzösischen Lille beispielsweise
ist, ob Le Pen wirklich an die Regierungs-
zierung jener Positionen des rechtsextre- von einer älteren Wählerin berichten, die
macht gelangen soll. Insofern hat Carl Lang
men Politikers, die auf der Vorstellung ei- zum ersten Mal seit 1981 an die Urne ging.
also Recht, wenn er in der gleichen Debatte
ner „natürlichen Ungleichheit“ zwischen In Folge der Wahl von Präsident François
feststellte: „Unsere Wählerschaft ist keine
den Menschen und darin begründeter un- Mitterrand und der Bildung der sozialistisch-
kommunistischen Koalition (1981-84) war ,Protestwählerschaft’ mehr, sondern stimmt
terschiedlicher Rechte beruhen, im Vor- tatsächlich (unseren Ideen) zu“. Zum Zwei-
dergrund. Oft werden die diesbezüglichen sie derart von der Regierungspolitik ent-
täuscht, dass sie nie wieder wählen ging. ten hat sich der von Le Pen ausgemalte
Slogans an die Thematik der Einwande- Block zu einem Zeitpunkt auf so hohem Ni-
rungspolitik geknüpft. Eine der beliebte- Die Präsenz des Rechtsextremen Le Pen hat
sie nunmehr doch noch an die Urne ge- veau stabilisiert, zu dem jedenfalls keine ex-
sten Demoparolen lautet: „Nicht die trem zugespitzte ökonomische Krise vor-
Schwarzen, nicht die Araber, nicht die Ju- bracht. Das Votum vom Sonntag stellt also
eher „ein Referendum gegen die extreme herrscht. Zum Dritten kann sich die Bündnis-
den sind zu viel im Land – Le Pen und frage in einigen Jahren möglicherweise an-
seine Faschisten sind zu viel.“ Rechte“ dar, wie es auf vielen Plakaten in
den Demonstrationen gefordert worden ders stellen als heute. Bhs, Paris ■
: antifaschistische nachrichten 10-2002 9
Eine Abwandlung davon bezieht die „il- den bisherigen Amtsinhaber Jacques Chi- Die Mehrheit der Demonstrierenden über-
legalen“ Immigranten mit ein, deren end- rac. Denn seine Parteigänger waren im Re- schätzt zweifellos die kurzfristige Gefahr.
gültige rechtliche Absicherung auch die gelfall nicht auf der Straße. Erst am vori- Denn dass der FN-Chef ohne politische
bisherige sozialistische Regierung in vielen gen Donnerstag bezog sich Chirac in seiner Bündnispartner außerhalb der extremen
Fällen verweigert hatte: „Nicht die Ein- letzten Rede vor der Stichwahl erstmals Rechten, „allein gegen alle“, eine Mehrheit
wanderer, nicht die Sans-papiers muss man positiv auf die Demonstrationen, nachdem erhalten könne, musste als ausgeschlossen
rauswerfen – Le Pen und seine Faschisten sein Ex-Premierminister Alain Juppé und gelten. Umgekehrt unterschätzen wahr-
muss man rauswerfen.“ Neben radikal lin- andere konservative Politiker sie zuvor als scheinlich viele von ihnen die längerfristige
ken Demonstranten haben auch grüne und eher schädlichen Radau abgetan hatten. Gefahr. Denn wie im Falle der jetzigen ita-
selbst jungsozialistische Parteigänger die- „Votez escroc contre facho“ (Stimmt für lienischen, dänischen oder österreichischen
sen Slogan übernommen. Die Mobilisie- den Betrüger, gegen den Faschisten) laute- Regierungskoalitionen unter Einschluss
rung zugunsten der „Papierlosen“ ist im te eine Parole, die sich noch am Wahlabend von Rechtsextremen wird auch der FN nur
übrigen in den letzten Wochen mit den De- des ersten Durchgangs wie ein Lauffeuer in einem Bündnis mit konservativen Kräf-
monstrationen gegen Le Pen zusammenge- ausgebreitet hatte. „Aufgrund einer demo- ten an die Regierung gelangen können. Hi-
flossen, denn am 23. März waren rund 60 kratischen Störung wird Chirac vorüberge- storisch gibt es kein Gegenbeispiel dazu,
„illegal“ in Frankreich lebende Einwande- hend wiedergewählt. Wir bitten Sie um Ihr selbst die NSDAP gelangte im Bündnis mit
rer von Marseille aus losgegangen, um – Verständnis“ (Hervorhebung im Original- den herrschenden Eliten und den ultra-kon-
zu Fuß – ganz Frankreich in einem symbo- ton), proklamierten andere im Stil der Mel- servativen Deutschnationalen an die Macht.
lischen Protestmarsch zu durchqueren. Am dung einer technischen Panne. Solche Bündnisse – für den Fall, dass der
Samstag, 27. April kamen sie in Paris an. Auf unzähligen Schildern wurden Gum- FN etwa seine prinzipielle Gegnerschaft zur
Zunächst führten sie mit mehreren tausend mihandschuhe oder Wäscheklammern mit- Europäischen Union aufweicht – bahnen
Unterstützern eine eigenständige Dem- geführt, die man sich vor der Stimmabgabe sich längst an. Die bürgerliche Rechte unter
monstration durch die ärmeren Nordbezir- für Chirac über die Hände stülpen bzw. auf Chirac ist dabei mit Sicherheit auf Dauer
ke der Hauptstadt durch, wo zahlreiche Im- die Nase setzen solle. Diese Geisteshal- kein verlässlicher Schutzwall. Zwei Mal in
migranten vom Straßenrand aus applau- tung breitete sich solcherart aus, dass das – den vergangenen 14 Tagen saßen bei Chi-
dierten. Im Anschluss stellten sie sich an gemeinhin nicht sehr humorvolle – Verfas- racs Großveranstaltungen Politiker in der
die Spitze der großen Anti-Le Pen-Demon- sungsgericht es für angebracht erhielt, ersten Reihe, die 1998 – nach der letzten
stration mit mindestens 50.000 Teilneh- Ende voriger Woche eine rechtliche Stel- Wahl der Regionalparlamente – auf regio-
mern, die zwei Stunden später begann. lungnahme abzugeben. Eine „äußere Mani- naler Ebene Bündnisse mit den Rechtsex-
Daneben ist auch die Kritik an den Me- festation“ in Form solcher Utensilien in tremen eingegangen waren. So beispiels-
dien, insbesondere am Fernsehen, und dem den Wahlbüros sei geeignet, warnten die weise Charles Millon aus Lyon und Jacques
von ihnen transportierten Diskurs über die hohen Richter vor, zu Anfechtungen der Blanc aus Montpellier.
„verbreitete Unsicherheit“ ein wichtiger Wahlprozedur zu führen. Die politische Linke stand durch die
Aspekt in den Demonstrationen. Schmeißt Straßenmobilisierungen unter Druck. Die
Kein „Burgfrieden“ mit den Konser-
den Fernseher aus dem Fenster, fangt an zu etablierten Linksparteien wie Grüne und
vativen
denken“ oder auch „Schaltet die Flimmer- KP riefen ohne größeres Zögern zur Wahl
Den „front républicain“ aller staatstragen-
kiste aus und hört auf, jeden Tag um 20 von Jacques Chirac auf. Hingegen war ein
den Parteien gegen die extreme Rechte,
Uhr Angst zu haben“ ist des öfteren auf solcher Wahlaufruf für die radikale Linke
von dem zu Anfang der neunziger Jahre
Schildern und Transparenten zu lesen. weitaus problematischer. Ihre verschiede-
viel die Rede war, will im Moment so gut
Tatsächlich hat insbesondere der, vor eini- nen Flügel reagierten am Ende auf unter-
wie niemand. Damals, im Kontext der
gen Jahren privatisierte, erste Fernsehkanal schiedliche Weise. Die trotzkistische Par-
Großdemonstration gegen Le Pen nach der
TF1 eine bedeutende Rolle in der Verbrei- tei Lutte Ouvrière (LO, Arbeiterkampf) rief
antisemistischen Friedhofsschändung von
tung dieses Unsicherheitsgefühlts gespielt. dazu auf, ungültig zu stimmen. Dabei
Carpentras im Mai 1990, hatten die regie-
Wer in den letzten zwölf Monaten ans spielte sie allerdings in ihrer politischen
renden Sozialdemokraten der „republikani-
Bett gefesselt und mit dem Land nur durch Erklärung die Unterschiede zwischen Le
schen Frontbildung“ mit den Konservati-
die 13 Uhr- und die 20 Uhr-Nachrichten Pen und Chirac auf ziemlich ökonomisti-
ven das Wort geredet. Deren erste Manife-
von TF1 verbunden gewesen wäre, würde sche Weise herunter – beide seien Reak-
station war, dass die Sozialdemokratie die
sich heute möglicherweise ohne schusssi- tionäre und Arbeiterfeinde. Die konkurrie-
Forderung nach dem Wahlrecht für Immi-
chere Weste gar nicht mehr vor die Tür rende Ligue Communiste Révolutionnaire
granten aus ihrem Parteiprogramm strich,
trauen. Die permanente, extrem übertonte (LCR) nahm zunächst massiv an Mobili-
um der Rechten entgegenzukommen.
Berichterstattung über Randale in Traban- sierungen gegen „den Faschisten“ Le Pen
Diese Burgfriedenspolitik zwischen
tenstädten oder spektakuläre Einzel- teil, maß dabei aber der Straße und der ge-
Links und Rechts könne, davon sind die
Straftaten musste den Eindruck erwecken, sellschaftlichen Mobilisierung mehr Be-
meisten linken Demonstranten überzeugt,
längst in einem Bürgerkriegsland zu leben. deutung zu als dem Wahlakt am Sonntag.
nur dazu führen, dass man vom „kleineren
Die Situation in den Banlieues, wo sich die Der gesellschaftliche Druck trieb sie einige
Übel“ zu immer größeren Übeln komme.
sozialen Probleme in extremer Form kon- Tage später dazu, zur Stimmabgabe „gegen
Ferner sei dies die beste Garantie dafür,
zentrieren, wirkte dabei wie ein Brennglas. Le Pen“ aufzurufen, ohne sich jedoch posi-
dass Le Pen sich als alleinige Alternative
Die Fernsehberichte konzentrierten die tiv auf Chirac zu beziehen. Noch am Wahl-
zum „Kartell der Etablierten“ anbieten
Aufmerksamkeit der gesamten Nation auf abend organisierte sie eine Demonstration
könne. Aber auch die konservative Rechte
diesen Fokus. Ein Demonstrant brachte die gegen den Wahlsieger Chirac, zu der auch
wünscht derzeit keine „republikanische
politische Katalysatorenwirkung dieses die Anarchosyndikalisten der CNT und die
Front“ mit den Linksparteien: Nach der
Mediums in schlichter Form auf den Kommunistische Partei aufriefen. 6000 bis
Wiederwahl von Jacques Chirac will sie
Punkt: „TFN“ hatte er auf ein Schild ge- 8000 Menschen versprachen dem neuen
jetzt auch eine parlamentarische Mehrheit
schrieben. Ausgesprochen klingt das ähn- Präsidenten, er könne sich nicht auf seinen
erzielen, um die Hände zum Regieren frei
lich wie TF1, kombiniert den Namen des augenblicklichen Lorbeeren ausruhen. Das
zu haben.
Senders aber mit jenem der Partei der Le- waren mehr als die 3000, die unterdessen
Dennoch bleibt der politische Horizont
penisten. auf der Place de la République den erwar-
der Mehrzahl der jetzigen DemonstrantIn-
Ferner spielte die Aufforderung, am teten Wahlsieg Chrics feierten. Auf die Le-
nen begrenzt. Der größere Teil wurde
Sonntag zur Wahl zu gehen und „gegen Le gitimität seiner Wahl unter solchen Um-
durch eine Negativvision mobilisiert, die
Pen“ zu stimmen, eine zentrale Rolle in ständen wird er jedenfalls nichts besonders
von Anfang an unrealistisch war – nämlich
den Demonstrationen. Allerdings nicht aus bauen können, sobald die nächste soziale
die Befürchtung, Le Pen könne ernsthaft
Zustimmung für seinen Gegenkandidaten, Krise eintritt. Bernhard Schmid, Paris ■
zum Staatspräsidenten gewählt werden.

10 : antifaschistische nachrichten 10-2002


: ausländer- und asylpolitik
Internierungslager: NEIN!
München. Ebenfalls am 25. Mai 2002,
findet um 12 Uhr in München (Auftakt
Ausländerzentralregister trollen und Behördenkontakte, sondern am Stachus) eine Demonstration statt.
abschalten! auch bei digitalem Bildabgleich im öf- Die Münchner Gruppe der Karawane für
fentlichen und halböffentlichen Raum. die Rechte der Flüchtlinge und Migran-
Köln. Für den 25. Mai rufen antifaschi- Mit Hilfe dieser Repressionsmaßnahmen tinnen schreibt in ihrem Aufruf:
stische, antirassistische und Bürger- wird ein präventiv-polizeiliches Konzept „Die Bundesrepublik Deutschland,
rechts-Gruppen zu einer zentralen De- verfolgt. Nicht-Deutsche sind somit per einflussreiches Mitglied der Europäi-
monstration gegen das Ausländerzentral- se „tatverdächtig“. Bereits jetzt ist der schen Union, behandelt das Problem der
register (AZR) in Köln auf: Prozess der Erweiterung der Kontroll- Flüchtlinge und MigrantInnen immer als
„Das Ausländerzentralregister ist das und Erfassungsmechanismen erkennbar. ein Tabuthema. Mehrfach haben sie eine
zentrale Instrument der rassistischen Demnächst sollen in Pässen und Perso- Diskussion über diese konkrete Frage
Sondererfassung aller Menschen ohne nalausweisen neben dem Lichtbild und völlig abgeblockt. Die BRD geht so weit,
deutschen Pass. Mit dem AZR wurde (in der Unterschrift auch biometrische dass sie sogar andere Länder, die bislang
den 50er Jahren) ein Informationsver- Merkmale von Fingern, Händen oder eine liberalere Haltung zum Asylrecht
bund von Ausländerbehörden, Bundes- Gesicht gespeichert werden. Ebenfalls und zur gesellschaftlichen Integration
grenzschutz (BGS), Zoll, Justiz, Ar- bietet die gesamte Smart-Card-Techno- einnahmen (zum Beispiel Italien), beein-
beitsämtern, Geheimdiensten flusst, sich an die deutsche Abschiebepo-
und Polizei geschaffen, und das litik anzupassen. Die mediale Kampagne
machte es zu einem zentralen der deutschen PolitikerInnen für die „In-
Netzknoten der staatlichen Si- tegration von Ausländern“ dient nur
cherheitsorgane... Nicht nur das dazu, das deutsche Image im Ausland
verfassungsrechtlich verankerte aufzupolieren – mit dem Ziel, ExpertIn-
Trennungsgebot von Polizei und nen ins Land zu holen, die sie so drin-
Geheimdiensten wurde hierbei gend brauchen. In Wirklichkeit setzen sie
aufgehoben, sondern neben Per- eine Maschinerie der massiven Krimina-
sonalien, Herkunftsland, Aufent- lisierung, Diskriminierung, Isolation und
haltsstatus wurden auch ungesi- Abschiebung von Flüchtlingen und Mi-
cherte Informationen über die grantInnen in Gang. Wir setzen darauf,
Person und ihre familiäre und so- unseren Kampf gegen das Säuberungs-
ziale Situation gespeichert. Kurz: die ge- logie ein enormes Ausweitungspotential projekt von Herrn Schily und Herrn
samten persönlichen Verhältnisse wur- ... Beckstein zu verstärken, wir wollen die
den und werden registriert... Nun schlägt Das rot-grüne Sicherheitsprojekt per- öffentliche Meinung in Deutschland für
Bundesinnenminister Schily mit Hoch- fektioniert die Verwertung von Men- die Gefahr sensibilisieren, die durch die-
geschwindigkeit Maßnahmen zur schen. Die genannten Kontrollmechanis- ses Projekt entsteht. Hier ein konkretes
„Bekämpfung des Terrorismus“ vor ... men dienen der sozialen Kontrolle und Beispiel:
Die neuen Sicherheitspakete ermögli- der Bevölkerungsplanung. Mit dem Da- Die bayerische Regierung hat durch
chen der Polizei, dem BGS, dem Zoll, tenaustausch zwischen allen Behörden ihren Innenminister ein Projekt zur Ein-
den Arbeitsämtern, Staatsanwaltschaften kann die Gesellschaft diszipliniert wer- richtung neuer Internierungslager für
und Geheimdiensten den Zugriff auf die den ... Die Demonstration gegen das Flüchtlinge in die Wege geleitet, das im
Datenbanken des AZR, auch ohne kon- AZR soll einerseits die rassistische Son- Sommer 2002 beginnen soll. Beckstein
kreten Verdacht oder Gefahr. Die So- derbehandlung von MigrantInnen deut- hat die Absicht, zuallererst Menschen,
zialämter wurden als Übermittlungsemp- lich machen, andererseits aber auch die die momentan einen „Duldungs“-Status
fänger in den Datenverbund mit einbezo- Vorstellung von Totalerfassung konkreti- haben, in diese Lager einzuweisen. Was
gen. Diesen Behörden sowie den Sozial- sieren und den Widerstand dagegen for- wird in diesen Internierungslagern ge-
und Ausländerbehörden wird nun ein au- mieren.“ schehen?
tomatisierter Online-Zugriff ermöglicht. Auftakt am 25.5.: 11.00 Uhr vor dem • Die Menschen müssen sich Befra-
Des weiteren darf der Bundesnachrich- AZR Amsterdamer/Ecke Barbara Str. (ab gungen in Gegenwart von Botschaftsver-
tendienst selbständig den Datenbestand Köln Hbf mit U19 / U17 Haltestelle Am- treterInnen unterziehen, mit dem Ziel
rastern. sterdamer Gürtel), ab 13.00 Uhr Demon- Reisepapiere für die Abschiebung auszu-
Die Einladenden und der angegebene stration ab Ebertplatz, ab 16.30 Uhr stellen.
Aufenthaltszweck sowie die hier leben- Konzert mit Egotronic u.v.a. am Con- • Den Personen wird eine regelmäßi-
den Bezugspersonen sollen von der Aus- tainerlager Kunftstr. (Haltestelle Kalk- ge behördliche Meldepflicht auferlegt;
länderbehörde überprüft werden. Die Post) sie dürfen nicht arbeiten und haben nicht
Fingerabdrücke von Flüchtlingen sollen Mehr zum AZR unter: einmal Anspruch auf die 40 Euro, die der
nach der Asylentscheidung künftig zehn www.infoladen.net/koeln. bayerische Staat ansonsten allen Asylbe-
Jahre lang gespeichert werden und vom weiter auf Seite 12
Bundeskriminalamt automatisch mit
dem polizeilichen Tatortspurenbestand
abgeglichen werden. Des weiteren sollen
neben dem Bild sowie den Angaben zur
Person und Fingerabdrücken nun auch
biometrische Merkmale wie Hand- und
Gesichtsform gespeichert werden. Die
erhobenen Daten sollen maschinenlesbar
und codiert auf den vorgesehenen Visa-
und Aufenthaltsplaketten sowie in Aus-
weisersatzpapieren aufgenommen wer-
den. Relevant ist dies nicht nur für Kon-

: antifaschistische nachrichten 10-2002 11


werberInnen ohne Arbeitserlaubnis zu-
gesteht; Frieden für Israel und Palästina
• Offiziell sind diese Lager keine Ge- Das fehlt noch: Deutsche an die Nahostfront
fängnisse, aber der Unterschied ist nur
sehr gering! Wenn sich eine Person wei- Mit der Bombardierung Jugos- lauter. Eine solche neutrale Macht gibt es
gert, in ein solches Internierungslager zu lawiens ab März 1999 ist die jedoch nicht. Auch der UN-Weltsicher-
gehen, kann sie ohne weiteres Prozedere Welt in eine neue Phase der Mi- heitsrat ist diese Macht nicht. Eine
in Abschiebehaft genommen werden. litarisierung und der Kriegstendenz Macht, die nur der UNO-Charta – der ge-
Sagen wir NEIN zu diesen unmensch- getreten. Krieg zu führen, scheint sich samten Charta – verpflichtet wäre, gibt es
lichen Internierungslagern! Die Karawa- wieder zu lohnen. Der verbrecheri- nicht.
ne verurteilt solche rassistischen Metho- sche Anschlag vom 11. September Es hat sich auch in der deutschen Frie-
den, wir wollen freiere Behausungen an- 2001 wurde zum Anlass für ein noch densbewegung eine unhistorische Hal-
statt Internierungslager! Wohlgemerkt: gewaltigeres Kriegsprogramm ge- tung ergeben: Aus der UN-Charta wird
Dieses Problem betrifft nicht nur die Per- nommen; weltweit und hierzulande nie der Passus zitiert, der eine militäri-
sonen mit „Duldungs“- Status, sondern wird massiv für neue Kriege gerüstet. sche Aktion der Deutschen von vornher-
vielmehr alle Flüchtlinge! Wir Flüchtlin- Als unmittelbare Folge dieser Signale ein verbietet (Feindstaatenklausel). Und
ge werden nicht mutlos den Kopf hängen gab es Auftrieb für militaristische es war kein Aufschrei zu vernehmen, als
lassen, wir werden weiterhin dafür Hardliner in der Konfliktherden, wie ein UN-Einsatz mit Militär – auch mit
kämpfen, dass unsere Stimme gehört Indien/Pakistan, Israel/Palästina und deutschen Soldaten – auf der Grundlage
wird und wir unsere Rechte bekommen. Kaukasus. Während der als „Globali- einer die Feindstaatenklausel negierenden
Kontakt zur Karawane in München: sierung“ beschönigte Kapitalismus Auslegung der UNO-Charta erwogen
Karawane, c/o Kulturladen Westend, die Lebensgrundlagen einer wachsen- wurde.
Ligsalzstrasse 20, 80339 München den Zahl von Menschen zerstört, ge- Die UNO, einst aus den Lehren des
http://www.humanrights.de ■ winnen weltweit nationalistische und zweiten Weltkriegs gegründet, ist zuneh-
religiöse Einpeitscher Zulauf. Vor die- mend zu einem Anhängsel der NATO
Jubiläumsgeschenk für sem Hintergrund ist es nur eine Frage bzw. der westlichen Großmächte degene-
der Zeit, wann die Gewalt in den ge- riert. Beschlüsse der UN-Vollversamm-
Flüchtlinge: Abschiebung in nannten Konfliktherden explodiert. In lung werden nicht ernst genommen. Ge-
den Kosovo Israel/Palästina ist sie explodiert. rade die Kriege gegen Jugoslawien und
Stuttgart. Der AK ASYL prangert an, Afghanistan haben die Rolle der UNO
dass ausgerechnet zum Landesjubiläum
50 Jahre Baden-Württemberg kosovari-
sche Flüchtlinge am 25.4. aus ihren Bet-
ten und zum Landesflughafen Söllingen
verbracht wurden, wo gegen 11 Uhr das
Abschiebeflugzeug abhob. Eine aufge-
wühlte vierköpfige Kosovarenfamilie
rief aus Söllingen beim AK Asyl an und
bat flehentlich um Hilfe. Ein Brief vom
6.3.02 an die Stuttgarter Ausländer-
behörde, den nach tätlichen UCK-Über-
griffen auf ihn psychisch angeknacksten
Vater und Ehemann auf seine Reise-
fähigkeit hin amtsärztlich zu untersu- Mit der Wahl von Ariel Sharon hat in Is- weiter geschwächt, ihr bestenfalls die
chen, blieb bis zur Stunde unbeantwor- rael ein militaristischer Hardliner das Ru- Rolle von Aufräumarbeiten nach dem
tet. Ein entsprechendes fachärztliches der übernommen. Auf Seiten der Palästi- Krieg zugewiesen.
Attest wurde ignoriert. Ein ähnliches nenser sieht es nicht besser aus: Hamas USA und Europa verfolgen im Nahen
Schicksal widerfuhr einer Familie, die und Hisbollah gewinnen an Einfluss, Osten in Konkurrenz eigene geostrategi-
viele Jahre bei einem Unternehmer ar- Kinder werden zu lebenden Bomben in- sche Interessen; das Schicksal der Palästi-
beitete, der sich empört an den AK strumentalisiert; linke laizistische Kräfte, nenser und der Israelis dient dabei besten-
ASYL wegen seines nun verlorenen be- die noch in der Intifada 1987 dominant falls als Vorwand. Für die USA geht es
währten Mitarbeiters wandte. Der AK waren, wurden an den Rand gedrückt. primär darum, freie Hand für einen Krieg
ASYL kritisiert, dass nach dem Auslau- Der Kampf maßgeblicher Kreise der gegen den Irak zu bekommen. Die EU
fen des sogenannten Wintererlasses am Palästinenser richtet sich längst nicht will in Nahost eigene Einflusszonen auf
31.3.02 seit dem 1. April 02 Donnerstag mehr nur gegen die Besatzung, sondern Kosten der USA bekommen. Für
für Donnerstag über Söllingen mit un- gegen Israel selbst oder gar gegen alle Ju- Deutschland bietet der israelisch-palästi-
nachgiebiger Härte abgeschoben wird. den. Selbstmordanschläge auf Zivilisten nensische Krieg die Chance endlich die
AK ASYL-Sprecher Werner Baumgar- lassen keinen anderen Schluss zu. letzte Grenze zu überschreiten, die es
ten: „Wenn Menschen zum Teil mehr als Jeder Bombenanschlag auf israelische durch die Niederlage im zweiten Welt-
ein Jahrzehnt hier leben und arbeiten, Zivilisten, jedes Massaker an palästinen- krieg noch hat.
ihre Kinder hier geboren wurden und sischen Flüchtlingen durch das israelische Die Geschichte Israels – wie auch im-
aufgewachsen sind, tun sie sich schwer, Militär scheint die „Selffulfilling Pro- mer man seine Politik beurteilen mag –
in eine krisengeschüttelte Region phecy“ der jeweiligen Hardliner der an- ist ohne die Geschichte des Antisemitis-
zurückzukehren. Ein Arbeitswechsel deren Seite zu bestätigen: Mit „den Israe- mus und der Shoa – dem bislang größten
oder das Stellen eines Asylantrags haben lis“ respektive „Palästinensern“ ist ein Menschheitsverbrechen, der industriellen
oft vereitelt, unter den Mittelstandserlass Frieden unmöglich. Ermordung von sechs der sieben Millio-
zu fallen. Augenmaß bei den Rückkehr- Der Ruf nach einem internationalen nen europäischen Juden durch die Deut-
maßnahmen wäre angesagter als rigoros Eingreifen einer starken neutralen „drit- schen – nicht zu verstehen. Der Antisemi-
Kinder, Frauen und Männer abzuschie- ten Macht“ – der UNO, der USA tismus ist leider kein Relikt der Vergan-
ben.“ ■ und/oder Europas – wird von Tag zu Tag genheit, sondern bittere Realität auch und

12 : antifaschistische nachrichten 10-2002


gerade in Deutschland. Ob in seiner ma- 150 US-Wissenschaftler
nifesten Form bei den alten und neuen
Nazis oder seiner latenten Form bei Tei- nehmen Stellung zum
len der gegenwärtigen Anti-Israel-De- Appell der intellektuellen Kriegsbefürworter
monstrationen.
Es ist schier unerträglich, wie selbst- Nach den monströsen Anschlägen Folgenden in leicht gekürzter Form do-
verständlich deutsche Politiker und Teile vom 11. September 2001 erklärte kumentieren, ist an „unsere Freunde in
der Anti-Israel-Demonstranten die israe- US-Präsident George W. Bush ei- Europa“ gerichtet und geht mit dem Anti-
lische Politik mit dem Nazifaschismus nen zeitlich unbegrenzten „Krieg gegen terrorkampf der amerikanischen Regie-
gleichsetzen: 1999 haben sich linke jüdi- den Terrorismus“. Der Krieg begann sei- rung hart ins Gericht:
sche Antifaschisten wie Esther Bejarano, ne erste Etappe am 7. Oktober, als briti- An unsere Freunde in Europa
Peter Gingold und Kurt Goldstein in ei- sche und US-amerikanische Kampfflug- Vorbemerkung
nem Offenen Brief an die Minister Fi- zeuge begannen Afghanistan zu bombar-
scher und Scharping „gegen eine neue dieren. Längst hat sich der Krieg auf wei- Der größte Trugschluss der Apologeten
Art der Auschwitz-Lüge“ gewandt. Das tere Schauplätze ausgedehnt: US-Mi- der US-Kriegspolitik ist die Gleichset-
verbrecherische Vorgehen der NATO ge- litärs operieren auf den Philippinen, in zung der „amerikanischen Werte“, so wie
gen Serbien wurde von der Bundesregie- Georgien, im Jemen und im Persischen sie in unserem Land verstanden werden,
rung mit der Abwendung eines neuen Golf. Verbündete, darunter die Bundesre- mit der Ausübung von wirtschaftlicher
Auschwitz begründet. Jetzt heißt es so- publik Deutschland, assistieren den USA und vor allem militärischer Macht der
gar bei Linken, in Nahost sei „ein un- mit eigenen Truppenverbänden. Im Janu- USA im Ausland.
schuldiges Volk den Nazi-Methoden ei- ar 2002 nahm Präsident Bush Nordkorea, Nach den Selbstmordanschlägen auf
ner rücksichtslosen Militärmacht schutz- Iran und Irak ins Visier: die „Achse des das World Trade Center in New York und
los ausgeliefert“ (Ex-MdL der Grünen Bösen“, die Terroristen beherberge und das Pentagon in Washington am 11. Sep-
Jamal Karsli). Flüchtlingslager mutieren Massenvernichtungswaffen herstelle. tember 2001 erklärte US-Präsident Geor-
zu KZs, der Davidstern zum Haken- Wenig später wurde ein Strategiepapier ge W. Bush einen zeitlich unbegrenzten
kreuz. Biblische Bilder wie „David ge- aus dem Pentagon bekannt, wonach sich „Krieg gegen den Terrorismus“. Dieser
gen Goliath“ oder Parolen wie „Israel - die USA in ihrem weltweiten „Kampf ge- Krieg kennt keine klaren Grenzen, weder
Kindermörder“ und „gegen Israels Ver- gen den Terror“ sogar den Einsatz von räumlich, noch zeitlich, noch, was das
nichtungskrieg“ sollen die Stimmung Atomwaffen gegen Staaten vorbehalte, Ausmaß an Zerstörung betrifft. Derzeit
weiter aufheizen. die selbst über keine Atomwaffen verfü- kann niemand vorhersagen, welches
Wer die israelisch-palästinensische gen. Land noch in den Verdacht geraten kann
Tragödie derart einseitig reduziert und Lange Zeit hatte es den Anschein, als „Terroristen“ zu beherbergen oder zur
den völkischen Nationalismus und Anti- stehe die gesamte amerikanische Öffent- „Achse des Bösen“ zu zählen. Die Aus-
semitismus bagatellisiert, dem geht es lichkeit hinter ihrem Präsidenten und sei- rottung des „Bösen“ könnte viel länger
nicht um Lösung, sondern um Eskalation nen Kriegen. Noch Mitte März publizier- dauern, als die Welt den dabei angewen-
und die Entlastung Deutschlands. Wie te eine Reihe zum Teil sehr angesehener deten Zerstörungskräften widerstehen
schon im Vorfeld des Jugoslawienkrie- Intellektueller (z.B. Francis Fukuyama, kann. Schon jetzt setzt das Pentagon aus
ges, soll die Stimmung für einen deut- Samuel Huntington und Michael Walzer) seinem immer perfekteren Arsenal des
schen Militäreinsatz vorbereitet werden. einen Appell, worin sie ihre grundsätzli- Schreckens Bomben ein, deren Auswir-
Während Kanzler Schröder diesen auf ei- che Unterstützung für Bushs Kurs philo- kungen einem Erdbeben gleichen, und
ner Kommandeurstagung der Bundes- sophisch und politisch begründen und zieht ganz offiziell den Einsatz von Nu-
wehr in Hannover forderte, stellt Fischers dabei den längst für überholt geglaubten klearwaffen in Betracht.
„Ideenpapier“ den politischen Rahmen Begriff des „gerechten Kriegs“ wieder Die absehbare materielle Zerstörung
einer solchen Intervention dar. Zynischer- zum Leben erweckten. Dagegen meldete geht ins Unermessliche. Dasselbe gilt für
weise begründet das Auswärtige Amt sich einen Monat später eine große Grup- die menschlichen Verluste, nicht nur an
„das deutsche Eintreten für den Einsatz pe weiterer amerikanischer Intellektuel- Leben, sondern auch im Hinblick auf die
einer ,handlungsfähigen dritten Macht‘ ler, unter ihnen der Schriftsteller Gore Verzweiflung und den Hass von Millio-
mit den Erfahrungen bei der Friedenssu- Vidal, der Historiker Howard Zinn, der nen Menschen, die hilflos zusehen müs-
che auf dem Balkan“ (FAZ, 14.4. 02). Physiker Alan Sokal, der Katholische Bi- sen, wie ihre Welt von den Vereinigten
Was es heißt, wenn deutsche Her- schof Thomas Gumbleton und die Öko- Staaten verwüstet wird, einem Land, das
renmenschen in Uniform in Jerusalem nomen Edward Herman, Michael Perel- seine moralische Autorität für ebenso ab-
auf Juden und Palästinenser schießen man und Dean Baker, in einem „offenen solut und unanfechtbar hält wie seine mi-
oder Stacheldraht ziehen, mag sich jeder Brief“ zu Wort. Der Brief, den wir im litärische Macht. weiter Seite 14
selbst ausmalen. Deutsche Soldaten wür-
den den Konflikt weiter anheizen.
In manchen sich „Friedensinitiativen“
nennenden Bündnissen werden die Kriegsschrittmacher waren. Wer sich Des weiteren muss der deutsche
Selbstmordattentäter, die jede Zusam- aber mit Kriegstreibern zusammentut, Kriegkurs gestoppt werden. Gestoppt
menarbeit zwischen palästinensischen dient nicht dem Frieden. werden muss Scharpings Aufrüstungs-
und israelischen Friedenskräften verun- Worum geht es? programm. Deutsche Soldaten raus aus
möglichen, unwidersprochen als „die Zunächst einmal gilt es Schlimmeres Bosnien, Jugoslawien, Mazedonien, Ge-
wahren Helden“ hochstilisiert. Jede Kri- zu verhindern. Ein deutscher Militärein- orgien, Afghanistan, Kenia, Usbekistan,
tik daran, jede Kritik an deutschen Waf- satz wäre Schlimmeres. Ferner gilt es Dschibuti, Somalia! Kein viertes Protek-
fenlieferungen in die Region, jede Kritik hier jeder Form von Antisemitismus und torat in Israel/Palästina (nach Bosnien,
an einem möglichen deutschen Mi- Rassismus entschieden entgegenzutreten: Kosovo, Mazedonien). In Israel/Palästi-
litäreinsatz werden in manchen Aufrufen Das heißt ebenso Synagogen zu schüt- na gilt es, diejenigen Kräfte zu unterstüt-
bewusst herausgelassen. Stattdessen wird zen, wenn sie zur Zielscheibe anti-israe- zen, die der Eskalationsdynamik entge-
der Schulterschluss mit Politikern ge- lischer Demonstrationen werden, wie ge- gentreten, wie marginalisiert die entspre-
sucht, die schon im Jugoslawien- und gen jeden anti-arabischen Rassismus chenden Gruppen gegenwärtig auch sein
Afghanistankrieg innenpolitischer vorzugehen. mögen. Detlef Peikert / Ulrich Sander ■

: antifaschistische nachrichten 10-2002 13


Als Bürger der Vereinigten Staaten tra- durch Sanktionen in den Würgegriff zu ber sich symbolisch gegen „amerikani-
gen wir eine besondere Verantwortung, nehmen, und als letztes Mittel Bomben sche Werte“ gerichtet haben, wie sie in
uns dem Wahnsinn dieser kriegerischen und Raketen gegen sie loszuschicken, die den Vereinigten Staaten gefeiert werden.
Entwicklung zu widersetzen. Eine beson- Tod und Verderben auf sie herab regnen Statt dessen scheint die wirtschaftliche
dere Verantwortung fällt aber auch Ihnen lassen. und militärische Macht der USA, so wie
als Europäer zu. Denn die meisten eu- Das „Recht auf Selbstverteidigung“ sie sich im Ausland darstellt, das wahre
ropäischen Staaten sind im Rahmen der Ziel der Anschläge gewesen zu sein. Be-
NATO mit den USA militärisch verbün- Die Vereinigten Staaten fühlen sich seit richten zufolge waren 15 der 19 identifi-
det. Die Vereinigten Staaten behaupten, dem 11. September einem Angriff ausge- zierten Flugzeugentführer Saudi-Araber,
der Krieg diene der Selbstverteidigung, setzt. Daraus schließt die Regierung auf die der Präsenz von US-Militärbasen auf
aber zugleich auch, er werde zum Schutz ein „Recht auf Selbstverteidigung“ und saudischem Boden feindlich gegenüber-
der „Interessen ihrer Verbündeten und meint nun, ohne Schuldnachweis oder stehen. Die Ereignisse des 11. September
Freunde“ geführt. Ihre Länder werden rechtliche Prozedur Krieg nach ihren Be- legen den Schluss nahe, dass die Nation,
zwangsläufig in die militärischen Aben- dingungen und eigener Wahl gegen jedes die andere Länder so stark ihre Macht
teuer der USA hineingezogen werden. Land führen zu können, das sie als Feind spüren lässt, selbst im Inneren verwund-
Auch Ihre Zukunft ist in Gefahr! ... Ratio- bezeichnen. Dieses „Recht auf Selbstver- bar ist. Aber die wirkliche Frage ist die
nale und offen vorgetragene europäische teidigung“ galt natürlich nie für Länder der US-Interventionen im Ausland.
Kritik an der Politik der Bush-Admini- wie Vietnam, Laos, Kambodscha, Libyen, Tatsächlich verfolgen die Kriege Bushs
stration könnte dazu beitragen, den gegen Sudan oder Jugoslawien, wenn diese von genau die Absicht, die US-Macht im Aus-
den Krieg eingestellten Amerikanern im den USA bombardiert wurden. Dies ist land zu behaupten und zu stärken. In die-
eigenen Land Gehör zu verschaffen. ... eben das Recht des Stärksten, das Gesetz sen Kriegen wird die weltweite Projektion
des Dschungels. Die Ausübung eines der Macht der USA verteidigt, nicht die
D ten
er größte Trugschluss der Apologe-
der US-Kriegspolitik ist die
„Rechts“, das allen anderen verwehrt
wird, kann niemals „universellen Werten“
Freiheit der Amerikaner und ihr Lebens-
stil.
Gleichsetzung der „amerikanischen Wer- dienen, sondern untergräbt in Wirklich-
te“, so wie sie in unserem Land verstan-
den werden, mit der Ausübung von wirt-
keit jeden Begriff einer Weltordnung, die
auf universellen Rechten beruht und allen I Ausland
n Wirklichkeit schwächen Kriege im
die von den US-Bürgern ge-
schaftlicher und vor allem militärischer gleichermaßen den Anspruch auf rechtli- schätzten Werte, statt sie zu verteidigen
Macht der USA im Ausland. Selbstver- che Mittel zugesteht. Ein „Recht“, das nur oder gar auszubreiten. ... Der Hauptunter-
herrlichung ist ein berüchtigtes Wesens- von einem – dem Stärksten – beansprucht schied zwischen den imperialen Kriegen
merkmal der US-amerikanischen Kultur, werden kann, ist kein Recht sondern ein der Vergangenheit und dem globalen
das in einer Einwanderungsgesellschaft Privileg zum Nachteil der Rechte anderer. Machtstreben der Vereinigten Staaten
eine nützliche Rolle bei der Assimilierung Die Vereinigten Staaten haben, angeb- heute liegt in der um ein Vielfaches
neuer Bürger spielen mag. Aber leider hat lich zur „Selbstverteidigung“, einen Krieg größeren Zerstörungskraft, die nun zur
der 11. September hier zu beispiellosen gegen Afghanistan begonnen. Das war Verfügung steht. Das Missverhältnis zwi-
Extremen geführt. Das hat zur Folge, dass keine spezifische Reaktion auf die beispi- schen der materiellen Zerstörungskraft
die unter US-Bürgern weitverbreitete Illu- ellosen Ereignisse vom 11. September. Im und der konstruktiven Kraft menschlicher
sion verstärkt wird, die ganze Welt orien- Gegenteil, es war genau das, was die Ver- Weisheit war noch nie so groß und gefähr-
tiere sich voll Bewunderung oder Neid an einigten Staaten, wie Dokumente aus dem lich. Die Intellektuellen können wählen,
den Vereinigten Staaten, so wie diese sich Pentagon belegen, schon vorher in Gang ob sie sich dem Chor jener anschließen
selbst sehen: als wohlhabend, demokra- gesetzt und geplant hatten: die Bombar- möchten, die die brutale Anwendung von
tisch, großzügig, gastfreundlich und offen dierung anderer Länder und der Einsatz Macht verherrlichen, indem sie ihr „gei-
für alle Rassen und Religionen, als Inbe- von Militärkräften auf fremdem Boden stige Werte“ andichten, oder ob sie die
griff universeller menschlicher Werte und zum Sturz der jeweiligen Regierungen. schwierigere und wichtigere Aufgabe
letzte und beste Hoffnung der Mensch- Die Vereinigten Staaten planen ganz offen übernehmen wollen, die arrogante Torheit
heit. einen allumfassenden – selbst den Einsatz der Mächtigen zu entlarven und mit der
In diesem ideologischen Kontext gibt von Nuklearwaffen in Betracht ziehenden gesamten Menschheit zusammenzuwir-
es auf die nach dem 11. September ge- – Krieg gegen den Irak, ein Land, das sie ken, um Wegezu einem vernünftigen
stellte Frage: „Warum hassen sie uns?“ seit über zehn Jahren immer wieder mit Dialog, gerechten wirtschaftlichen Bezie-
nur eine Antwort: „Weil wir so großartig dem erklärten Ziel bombardiert haben, die hungen und Gerechtigkeit für alle zu fin-
sind!“ Oder entsprechend der allgemein dortige Regierung durch von Washington den.
verbreiteten Behauptung: Sie hassen uns ausgewählte Führer zu ersetzen. Das Recht auf Selbstverteidigung muss
wegen „unserer Werte“. Die meisten US- Was verteidigt wird, hat etwas mit dem ein kollektives Menschenrecht sein. Die
Bürger haben keine Ahnung, dass die zu tun, was angegriffen wurde. „Verteidi- Menschheit als Ganzes hat das Recht, ihr
Außenpolitik der USA nichts mit den bei gung“ bedeutet normalerweise die Vertei- eigenes Überleben gegen die „Selbstver-
uns so gefeierten „Werten“ zu tun hat, digung des nationalen Territoriums. Und teidigung“ einer keinen Beschränkungen
sondern im Gegenteil oftmals dazu dient, tatsächlich fand am 11. September ein An- unterworfenen Supermacht zu verteidi-
Menschen in anderen Ländern die Mög- griff auf und gegen US-Territorium statt. gen. Seit einem halben Jahrhundert haben
lichkeit vorzuenthalten, diese „Werte“ Es war kein konventioneller Angriff sei- die Vereinigten Staaten wiederholt ihre
ebenfalls zu genießen, sollten sie einmal tens eines mächtigen Staats, um Land zu Gleichgültigkeit gegenüber Tod und Zer-
den Versuch unternehmen, dies zu tun. erobern, sondern ein anonymer Anschlag störung demonstriert, die ihre eigenmäch-
Die Machtpolitik der USA hat in Lateina- auf bestimmte, zur Zielscheibe erkorene tigen Bemühungen zur Weltverbesserung
merika, Afrika und Asien meist dazu ge- Institutionen. Da sich niemand zu den An- stets begleitet haben.
dient, die Überbleibsel der Kolonialherr- schlägen bekannt hat, sollte der Sym- In unseren reichen Ländern können wir
schaft und verhasste Diktatoren an der bolcharakter der Ziele vermutlich für sich nur durch unsere Solidarität mit den Op-
Macht zu halten, für die Wirtschaft dieser selbst sprechen. Das World Trade Center fern der Militärmacht der USA jene uni-
Länder verheerende wirtschaftliche und symbolisiert die globale wirtschaftliche, versellen Werte verteidigen, von denen
finanzielle Bedingungen aufzuzwingen, das Pentagon die militärische Macht der wir behaupten, dass sie uns so lieb und
repressive Militärkräfte zu unterstützen, USA. Demnach ist es sehr unwahrschein- teuer sind.
unabhängige Regierungen zu stürzen oder lich, dass die Anschläge vom 11. Septem- Quelle: www.friedensratschlag.de ■

14 : antifaschistische nachrichten 10-2002


: neuerscheinungen : ostritt

ie erste Ausgabe des Deutschen

D
Martin Dietzsch – Helmut Kellers- Im Umfeld der „Unabhängigen Nach-
hohn – Alfred Schobert richten“ verknüpft Werner Symanek mit Ostdiensts in Magazinformat ist
seinem Verlag VAWS Propaganda und jetzt erschienen. 36 Seiten A4 mit
Jugend im Visier – Kommerz. Seit der Gründung auch na- Hochglanzpapier, einem vierfarbigen
tionalsozialistischer Traditionspflege Umschlag und zweifarbigen Innenseiten.
Geschichte, Umfeld und Einen Auflagenhinweis findet man im
verpflichtet, gelang es ihm in den letzten
Ausstrahlung der „Unab- Jahren, einen neuen Kundenkreis zu er- Impressum nicht. Über den Kostenrah-
hängigen Nachrichten“ schließen. Auch er hat die Jugend im Vi- men dieses üppigen Magazins findet
sier, indem er sich auf die Vermarktung man im Vorwort der Präsidentin keinen
Den offiziell beschworenen „Aufstand Hinweis. Das nebenstehend abgebildete
der Anständigen“ konterten die „Unab- von Musik spezialisierte. Hier trat er in
Kooperation mit dem Musiker Josef Titelblatt des Magazin wirkt dann auch
hängigen Nachrichten“ mit einem klei- schon makaber. Die Benes-Dekrete wür-
neren Mediencoup: Bundesweit schrie- Klumb in Erscheinung, der es vorüberge-
hend gar zu einem Vertrag mit dem den an Europa zündeln, wird suggeriert.
ben sie Redaktionen von Schülerzeitun- Und dass historisch das Münchener Ab-
gen an und boten ein Jahresabonnement Sony-Konzern gebracht hatte.
Die Autoren der Studie zeigen kommen Hitlers Überfälle auf die osteu-
gegen eine Anzeige – ein weiterer Ver- ropäischen Staaten ermöglichte und zu
● wer hinter den „Unabhängigen Nach-
such, Jugendliche ins Visier zu nehmen. einem kriegerischen Flächenbrand führ-
Der AK Rechts nahm dies zum Anlass richten“ und VAWS steckt
● wie ihre Propaganda funktioniert und te, wird negiert und damit bewusst eine
für eine Studie über die „Unabhängigen üble Geschichtsklitterung betrieben.
● wie man sich
Nachrichten“ und schloss damit eine Immerhin gehört es zu
Lücke in der Erforschung der extremen dagegen weh-
ren kann. den in der Satzung veran-
Rechten in Deutschland. kerten Zielen der Sudeten-
Die „Unabhängigen Nachrichten“ Inhalt: deutschen Landsmannschaft
gehören zum Umfeld der NPD. Sie ent- Martin in der Bundesrepublik, „die
standen vor über 30 Jahren aus einer Dietzsch: Rückgabe des konfiszierten
Rechtsabspaltung der nationalneutralisti- Geschichte und Vermögens auf der Basis ei-
schen „Deutschen Gemeinschaft“. In den Personal der ner gerechten Entschädi-
„Unabhängigen Nachrichten“ versam- „Unabhängigen gung zu vertreten“ und „den
meln sich insbesondere ganz alte Herren Nachrichten“. Rechtsanspruch auf die Hei-
und popularisieren völkisch-nationalisti- Alfred Schobert: mat, deren Wiedergewin-
sche Ideologie mit deutlich neonazisti- VAWS – nung und das damit verbun-
scher Färbung. Agitation und Propagan- Propaganda und dene Selbstbestimmungs-
da umfassen die gesamte programmati- Kommerz in na- recht der Volksgruppe
sche Breite von Holocaust-Leugnung bis tionalsozialisti- durchzusetzen“. Dieses Ziel
zu aggressivem Rassismus. scher Tradition. möchte der Revanchisten-
Durch ihre Reihe „Auf dem Stunden- Helmut Kellers- verein nun auch vor Ort ver-
plan“ nehmen die „Unabhängigen Nach- hohn: folgen. Am 1. April will die
richten“ Jugendliche ins Visier und be- Schulbuchkritik Landsmannschaft eine
treiben Fälschung der Geschichte, um von rechts „Verbindungsstelle“ in Prag
Volk und Nation zu entlasten. Das neue Monatsmagazin
eröffnen, kündigt der Bun-
des BdV
desvorsitzende Bernd Pos-
Das Buch erscheint Mitte Mai – Vorbestellungen sind er- selt an. Bernd Posselt, ein
wünscht. 178 Seiten , 12 Euro, ISBN 3-927388-82-3 Zögling von Otto von Habsburg und
Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung DISS, Vizepräsident der Paneuropa-Union
Siegstraße 15, 47051 Duisburg, Tel. 0203-20249, Deutschland macht sich Sorgen um Kali-
Fax 0203-287881, email: diss@uni-duisburg.de ningrad (Königsberg), das in die EU ein-
gebunden und Russland entwunden wer-
de: „Entscheidend für die Zukunft des
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. Oblast Kaliningrad werde sein, ob es ge-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de lingt, dieses Gebiet in die Entwicklungs-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Postfach 260 226, 50515 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach dynamik des Ostseeraumes einzubezie-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, hen. Sollte das sozioökonomische Gefäl-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, le zwischen Polen und Litauen einerseits
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. und dem Königsberg-Gebiet andererseits
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. wachsen statt abgebaut werden, dann
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Postfach 260 226, 50515 Köln. Sonderbestellungen sind könne dies zu sozialen und politischen
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. Spannungen führen, die sich gefährlich
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- entladen könnten.“
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung Zur europäischen „Zukunftsgestal-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. tung“ schreibt auch der EU-Kommisär
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Günter Verheugen. Er bescheinigt den
Buntenbach (MdB Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsge-
meinschaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (Bund der Antifaschisten, Dachverband); Dr. Christel Hartinger (Friedens-
Vertriebenenverbänden wichtige Funk-
zentrum e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke, (MdB PDS); tionen in der Zukunft: „Sie können mit
Jochen Koeniger (Arbeitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen dafür sorgen, dass der Platz, den ihre
(Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschisti-
sche Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo
frühere Meintat in Europa einnehmen
Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (Info Pool Network); Bernhard Strasdeit (MdB-Büro Winfried wird, ein würdiger Platz sein wird.“
Wolf); Volkmar Wölk. DOD Nr. 14, – jöd ■

: antifaschistische nachrichten 10-2002 15


: aus der faschistischen presse
auch noch so bedeutende Persönlichkeit
,klein’ kriegen. Denken Sie nur an Präsi-
Le Pen: Frankreich und eine oder andere Sitz eines Chirac-An- dent Clinton und die Monika-Lewinsky-
Deutschland als Achse hängers an den FN fallen dürfte ... An- Affäre. Vor dieser Macht haben die Men-
derswo in Europa regieren seit Jahren schen in Deutschland verständlicherwei-
Nationalzeitung 16-2002 Männer wie Gerhard Schröder, Tony se Angst.“
Die Freundschaft zwischen Le Pen und Blair, José Maria Aznar oder Silvio Ber- Auf die Frage, warum er zur FDP
dem Herausgeber der Nationalzeitung Dr. lusconi. Frankreich verharrt indessen in wechseln will, antwortet Karsli: „Der
Frey wird seit einigen Ausgaben wieder der Breschnew-Ära. Zwischen seiner al- Grund war die eindeutige und couragierte
aufgefrischt. Mit Bildern der beiden wird tersschwachen Führungsriege und dem Haltung Jürgen Möllemanns, der nicht
in Nr. 16 Le Pen interviewt. Dort erklärt französischen Volk hat sich eine gewalti- nur vielen Menschen hierzulande, son-
er u.a. „Die Franzosen schenken mir in ge Kluft aufgetan, die nur tiefer werden dern auch in der arabischen Welt aus dem
zunehmendem Maße Vertrauen, weil sie kann – bis sie schließlich die Fünfte Re- Herzen spricht.“ Die Vorgeschichte, die
mehr und mehr zur Kenntnis nehmen, publik selber in Frage stellt.“ Das Alter Panzerlieferungen an Saudi-Arabien, die
dass das wahr ist, was ich seit Jahren zur Le Pens macht ihm anscheinend keine Rolle der Deutsch-Arabischen Gesell-
Einwanderung, zur Globalisierung, zu Sorgen. schaft, reflektiert Karsli nicht.
den ausufernden Steuern, zum Verlust der Zum Ergebnis der Landtagswahl in
Souveränität und dem Verfall der Werte, Sachsen-Anhalt, bei denen die vom Blatt „Glückliches Frankreich“
zum Einbruch der Geburtenziffer und unterstützte Schill-Partei den Einzug in
zum Verschwinden unserer Armee sage.“ den Landtag knapp nicht geschafft hat, Der Republikaner 3-4/2002
Auf die deutsch-französischen Beziehun- erklärt Erhard Forndran, Politologie- Le Pens Erfolg im ersten Wahlgang für das
gen angesprochen, erklärt er de-mago- Professor in Magdeburg, die Partei habe Amt des Staatspräsidenten kommentiert
gisch: „Man will mich immer als antieu- mit der Innenpolitik das falsche Thema das Blatt: „Das Wahlergebnis ist eine klare
ropäisch darstellen. Ich bin nicht antieu- für Sachsen-Anhalt gehabt. In der Wirt- Absage der Franzosen an Multikulti. Man
ropäisch. Ich bin gegen den Verlust der schaftspolitik habe sie sich außerdem mit kann sich wünschen, daß sich die deut-
Souveränität der europäischen Nationen, ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Marseil- schen Wähler irgend wann einmal ebenso
Frankreich wie der anderen, zum Bespiel le und seinen Machenschaften selbst ins deutlich zu ihrem Land bekennen, wie es
Deutschlands. Ich glaube, dass eine Kon- Abseits gestellt. An der Bundestagswahl die Franzosen in Frankreich tun. Ein Un-
föderation des Europas der Vaterländer will die Schill-Partei nicht teilnehmen, terschied bleibt freilich: In Frankreich gibt
gebildet werden muss und dass Frank- wohl aber an der gleichzeitig stattfinden- es weder eine ,Faschismus-Keule‘ noch
reich und Deutschland, eng verbunden, den Landtagswahl in Mecklenburg-Vor- eine Vergangenheitsbewältigung wie in
dessen Achse bilden. Das ist übrigens pommern. Deutschland. Glückliches Frankreich“.
nicht anderes als das, was General de Alain de Benoist hat wohl gleich mehreren
Gaulle und Kanzler Adenauer wollten.“ Jamal Karsli auf dem Weg rechten Postillen Interviews gegeben,
auch im „Republikaner“ kommt er zu
zur FDP Wort. Er behauptet, Le Pens Wähler kä-
De Benoist sagt Zerfall
Junge Freiheit Nr. 19/2002 vom 3. Mai men hauptsächlich von der Linken. Die
der französischen Republik Auf dem Weg in die FDP, wo über seinen Wahl zeige eine völlige Auflösung der po-
voraus Aufnahmeantrag noch nicht entschieden litischen Klasse, fast 60 % der Wähler hät-
Junge Freiheit Nr. 18/2002 vom 26. April ist, gibt der ehemalige Grüne und immer ten ihre Stimme den „großen Parteien“
Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in noch Landtagsabgeordnete Jamal Karsli verweigert. Es sei völlig falsch, dass die
Frankreich bewegt Alain de Benoist zu aus Nordrhein-Westfalen ein Interview in Linke „mit der Beschwörung einer ,Wie-
folgenden Aussagen: „Wirklich gespannt der ,Jungen Freiheit‘, im dem er unter an- derauferstehung des Faschismus‘ reagiert“
sein darf man auf die Parlamentswahlen derem auf üble demagogische Weise den habe. „Dieser anachronistische Antifa-
im Juni. Auf der Linken könnte die Einfluss des Zionismus beklagt: „Man schismus ist der sicherste Weg, um für die
Furcht vor Le Pen zu einer Mobil- muss allerdings zugestehen, dass der Ein- Botschaft der Wähler taub zu bleiben“, so
machung und der Bildung einer ,gemein- fluss der zionistischen Lobby auch sehr Benoist. Der Nahost-Konflikt hat seiner
samen Front’ führen, während am ande- groß ist: Sie hat den größten Teil der Me- Ansicht nach die Wahl nicht entscheidend
ren Ende des politischen Spektrums der dienmacht in der Welt inne und kann jede beeinflusst, allerdings habe Le Pen „eine
nicht zu vernachlässigende Zahl jüdischer
Wähler zur Stimmabgabe (für sich) veran-
laßt“. (Le Pen hatte die Angriffe von Ein-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
wanderern aus dem Magreb auf jüdische
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: Einrichtungen in einem Interview mit der
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
14-täglich israelichen Zeitung „Haaretz“ verurteilt.)
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
Zum Kronzeugen für die Ablehnung
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
von Zuwanderung nach Deutschland er-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
hebt das Blatt Helmut Schmidt. Es bringt
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 60,- DM). Zitate, die angeblich einem Vorabdruck
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten des neuen Schmidt-Buches „Hand aufs
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Herz“ entnommen sind: „Wir haben ... viel
zu viele Ausländer hereingeholt ... Wir ha-
Name: Adresse: ben sieben Millionen Ausländer, die nicht
integriert sind, von denen die wenigsten
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts sich integrieren wollen... Jetzt sitzen wir
da ... und werden damit nicht fertig.“ „Ob
Unterschrift
Schmidt als ,rechtsextremistisch‘... einge-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 - 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
stuft wird, ...entzieht sich unserer Kennt-
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507 nis“, so das Blatt.
uld, u.b., jöd ■

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