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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 29.8.2002 18. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤

Die Kette der Enthüllungen Bildreportage


über V-Leute bei der NPD ist
jetzt bei der neonazistischen Seite 8-9
Musikszene angekommen.

A m 20. Juli nahm die Berliner Polizei


bei der Verfolgung der Skinhead-
Band „White Aryan Rebels“ (Weiße
Arische Rebellen) den Vertriebschef der
Band, den 27-jährigen Toni St., fest. Die
„Weißen Arischen Rebellen“ rufen auf
ihren CDs unter anderem zum Mord an
dem Brandenburger Generalstaatsanwalt
Rautenberg und an Manfred Biolek und
Michel Friedmann auf. Kaum festge-
V-Leute und kein Ende
nommen, kam heraus, dass dieser Toni Nach den V-Leuten in der NPD fliegen nun kriminelle
St. seit langem V-Mann des Brandenbur- V-Leute in Nazi-Musikbands auf Von Ulla Jelpke
ger Verfassungsschutzes ist. Nachdem
sich Brandenburgs Innenminister In ihrer CD „Ran an den Feind“ rufen sie Dezember 2001 verurteilte ihn das Gericht
Schönbohm und seine CDU-Freunde u.a. dazu auf, Israel zu bombardieren, wegen Volksverhetzung mit Propaganda-
erst lauthals beschwerten über die Berli- „Nigger“ aufzuhängen und zu erschießen mitteln verbotener verfassungswidriger
ner Staatsanwaltschaft, die ihre wertvol- sowie die Mitglieder von Bundesregierung Organisationen in drei Fällen, Aufforde-
len V-Leute auffliegen lasse, sind sie in- und Bundestag zu massakrieren – „Stürmt rungen zu Straftaten und verbotenem Waf-
zwischen merklich kleinlaut geworden. den Reichstag, räuchert sie aus, macht der fenbesitz zu zwei Jahren Haft.
Immer mehr Enthüllungen kommen her- Rattenbande den Garaus“ (zit. nach „Ta- „Die Dienste haben offenbar über Jahre
aus. So soll der Brandenburger Verfas- gesspiegel“, 11.8.2002). Der Brandenbur- hinweg beste Informationen über die ge-
sungsschutz seinem V-Mann kurz vor ger V-Mann Toni St. soll, so die Ermittlun- fährlichsten Bands der radikalen Rechten
einer Polizeirazzia extra einen neuen gen der Bundesanwaltschaft, die seit zwei zusammengetragen – ohne sie den Straf-
Computer ausgehändigt haben, mit der Jahren gegen die Band als „kriminelle Ver- verfolgern zu melden“, berichtet der „Spie-
Folge, dass der PC mit den Dateien über einigung (§129 StGB) ermittelt, bei der gel“ (12.8.2002) Sollte sich das bestätigen,
die kriminellen Vertriebsaktivitäten des Produktion des Booklets zur CD „Ran an so hätte das Bundesamt für Verfassungs-
V-Manns bei der Polizeirazzia nicht auf- den Feind“ mitgewirkt haben. schutz einen neuen Großskandal. Wenn
findbar war. Im Strafrecht nennt man so Aber der Skandal ist größer. Denn der Beamte dieser Behörde V-Leute zu Mord
etwas Beihilfe zur Vertuschung von sächsische Anführer der „Hammerskins“, und Totschlag gegen die Bundesregierung
Straftaten. Nach anderen Berichten soll Mirko H., soll einer der Verantwortlichen und den Bundestag aufrufen lassen, dann
Toni St. sogar Gelder des Landesamtes für den Vertrieb der CDs dieser brutalen ist mehr fällig als ein Ermittlungs- und
Brandenburg für den Vertrieb der krimi- Nazi-Band gewesen sein. Dieser Mirko Strafverfahren gegen die Band und ihren
nellen Hetz-CDs genutzt haben. In der H., seit Dezember 2001 wegen anderer Vertriebschef. Dann sind Schily und der
neuen Ausgabe des „Spiegel“ werden Straftaten in Haft, soll, so jetzt der „Spie- Chef des Bundesamtes für Verfassungs-
nun Telefonate geschildert, in denen sich gel“ und andere Zeitungsberichte, seit län- schutz, Fromm, direkt verantwortlich.
der V-Mann bei seinem Brandenburger gerem ein gut bezahlter V-Mann des Bun-
V-Mann Führer über seine ständige Ob-
servierung durch Berliner Beamte be-
klagt. Der V-Mann-Führer sichert ihm
desamtes für Verfassungsschutz gewesen
sein. Bereits im Sommer 2001 war die
Wohnung dieses Mirko H. im sächsischen
D ie PDS, die FDP und die CDU/CSU
haben nach Bekanntwerden der neuen
Vorwürfe eine Sondersitzung des Bundes-
darin zu, sein „Chef“ (der Brandenbur- Langburkersdorf von der Polizei gestürmt tags-Innenausschusses verlangt. Noch
ger VS-Landeschef Wegesin) werde da- worden. Hesse führte dort die von ihm mauert Innenminister Schily und seine Ge-
für sorgen, dass das aufhöre. 1997 gegründete Firma H.A. Records heimdienste. Sie wollen über ihre V-Leute
Inzwischen ist noch ein neuer Skan- (H.A. = Hass Atttacke, Hitler Adolf), seine nur dem geheim tagenden „Parlamentari-
dal hinzugekommen. Der V-Mann Toni Email-Adresse lautete auf den Namen des schen Kontrollgremium“ (PKG) des
St. hatte nämlich am Rande auch zu tun Hitler-Leibwächters Julius Schreck. Die Bundestags, dem die PDS nicht angehört,
mit der Skinhead-Band „Landser“. Die Beamten fanden knapp 10.000 CDs, Lap- Auskunft geben. Aber angesichts der im-
„Landser“ gehören zur internationalen tops und Computer, eine halbautomatische mer weiter gehenden Vorwürfe dürften sie
Skinhead-Vereinigung „Hammerskins“. Selbstladepistole, das Imitat eines Maschi- ihre Vertuschungslinie nicht mehr lange
nengewehrs, einen Schlagring mit Adler durchhalten können. Eine Konsequenz
und Hakenkreuz sowie mehrere hundert auch aus diesem neuen Skandal steht für
Aus dem Inhalt: Patronen verschiedenen Kalibers. mich schon lange fest: Das V-Leute Netz in
Gewissenlos - Ausstelllung Laut Ermittlungen der Polizei soll die- der Nazi-Szene muss restlos aufgedeckt
über Menschenversuche im KZ . . 5 ser Mirko H. die Produktion der CDs von und dann abgeschaltet werden.
2500 Neonazis in Wunsiedel . . . 8 „Landser“ persönlich organisiert und auch Ulla Jelpke ist innenpolitische Sprecherin der
den Vertrieb abgewickelt haben. Am 21. PDS-Bundestagsfraktion ■
: meldungen, aktionen
ähnlich. Die Berliner Richter waren der
Auffassung, der Paragraf 86a Strafge-
setzbuch setze voraus, dass auch der
2264 rechtsextreme Skinhead ersticht jungen „Mann auf der Straße“ das Symbol einer
Straftaten bis Ende Juli Türken verfassungswidrigen Organisation zu-
ordne. Das Kammergericht Berlin legte
Berlin. 2.264 rechtsextremistische Saarbrücken. Ein 25-jähriger Skinhead daraufhin diese Frage dem BGH in
Straftaten – das ist die erschreckende Bi- hat nach Angaben der Polizei bei einem Karlsruhe vor.
lanz brauner Gewalt in den sieben Mona- Volksfest in der saarländischen Klein- Der BGH hielt die Sichtweise des
ten von Anfang Januar bis Ende Juli. 164 stadt Sulzbach einen 19-jährigen Türken Landgerichts für zu eng. Der Gesetzge-
davon waren erneut Gewalttaten – vor im Streit erstochen. Das Fest ist seit Jah- ber habe mit der Einführung von Para-
allem gegen Flüchtlinge und MigrantIn- ren Anziehungspunkt für eine rechte ge- graf 86a im Jahr 1994 den Zweck ver-
nen. 157 Menschen wurden durch braune waltbereite Szene. Angeblich fühlten folgt, eine Wiederbelebung von verfas-
Schläger verletzt, zum Teil schwer. sich zwei Skinheads durch den Türken sungswidrigen Organisationen und ihrer
Allein für Juli meldet die Bundesre- Ahmed S. provoziert. Dieser soll eine Zi- verfassungsfeindlichen Ziele zu verhin-
gierung 318 rechte Straftaten. 18 davon garettenkippe „weggeschnippst“ haben, dern. Auch wegen der Reaktionen im
waren Gewalttaten, 17 Menschen wur- die einem der beiden Skins auf den Kopf Ausland solle bereits der Anschein ver-
den dabei verletzt. Seit März ist die Zahl gefallen sein soll, vermerkt der Polizei- mieden werden, in Deutschland würden
der offiziell erfassten rechtsextremisti- bericht. Im Verlauf des Streits habe der verfassungsfeindliche Bestrebungen ge-
schen Straftaten Monat für Monat ange- andere mit einem „Klapp- oder Spring- duldet. Außerdem hätten solche Kenn-
stiegen: von 188 im März über 263 im messer“ auf den Türken eingestochen. zeichen – neben der Werbung nach au-
April auf 355 im Mai bis 398 im Juni. Der Mann starb am Samstagmorgen in ßen – ein „wichtige gruppeninterne
Der geringe Rückgang im Juli ist kein einer Saarbrücker Klinik. Die beiden Funktion als sichtbares Symbol geteilter
Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil: Skinheads, der Polizei aus der gewaltbe- Überzeugungen“, heißt es in dem Be-
Die Zahl der in den ersten sieben Mona- reiten rechten Szene bekannt, flüchteten schluss.
ten offiziell erfassten rechtsextremisti- in die Wohnung des mutmaßlichen Mes- Nach den Worten der Karlsruher Rich-
schen Straftaten liegt um 50 Prozent hö- serstechers. Bei der Verhaftung habe der ter gilt die Strafbarkeit auch für Kennzei-
her als im gesamten Jahr 1999 und fast 25-Jährige versucht, auf die Polizeibe- chen, die geringfügig vom Original ab-
genauso hoch wie im Jahr 2000. Das amten zu schießen, hieß es weiter. Aller- weichen. Entscheidend sei, ob für den
zeigt: Rechtsextremismus, Fremden- dings sei seine Pistole nicht schussbereit durchschnittlichen, nicht genau prüfen-
feindlichkeit und Antisemitismus sind gewesen. Die Männer wurden dem Haft- den Betrachter eine Verwechslungsge-
immer noch weit verbreitet. Aufklä- richter vorgeführt. fahr bestehe. Der Gesetzgeber habe mit
rungsarbeit und Bündnisse gegen Rechts Das traditionelle Salzbrunnenfest in Paragraf 86a die Strafbarkeit ausweiten
auf allen Ebenen sind weiterhin unver- Sulzbach zieht das „polizeibekannte wollen, so dass auch solche Symbole er-
zichtbar. PM Ulla Jelpke ■ rechte Potenzial“ im Sulzbachtal an, wie fasst seien, die deutlich an das Original
ein Polizeiführer formulierte. Skinheads erinnern. Quelle: Handelsblatt 19.8.■
Neonazis marschierten in aus dem Sulzbachtal wurden in den zu-
rückliegenden drei Jahren für Übergriffe Kein NPD-Auftritt auf dem
Bottrop – Kirchhellen... auf ausländische Jugendliche, auf zwei
Bottrop. Am Freitag, den 16.8.02 mar- afrikanische Studenten und in diesem Römerberg!
schierten 25 Neonazis durch Bottrop- Jahr für einen Angriff auf einen Info- Frankfurt. Die NPD will in Hessen
Kirchhellen, um ihrem ,,Führer - Stell- stand der PDS verantwortlich gemacht. eine Reihe von Wahlkampfkundgebun-
vertreter“ Rudolf Hess zu gedenken... Quelle: FR 12.8.2002 ■ gen mit ihrem Bundesvorsitzenden auf
Am Freitagabend gegen 22.00 Uhr der Straße durchführen. Voigt soll vom
tauchten wie aus dem Nichts ca. 25 teils Bundesgerichtshof 27. bis 30. August auf zentralen Plätzen
vermummte Neonazis im Zentrum von in verschiedenen Städten auftreten (Mot-
Kirchhellen auf. Sie marschierten in For- entscheidet to: „Wir haben eine Zukunftsvision: Ar-
mation mit Fackeln, Schildern und Me- Karlsruhe. Auch selbst allgemein un- beit, Familie, Vaterland“). In Frankfurt
gaphon durch das Kirchhellener Zen- bekannte Nazisymbole sind strafbar und ruft bis jetzt die Anti-Nazi-Koordination
trum, wo sich zu dieser Zeit noch jede dürfen in der Öffentlichkeit nicht gezeigt und der DGB zu Protesten auf. In einer
Menge BürgerInnen aufhielten. Aber werden. Dies hat der Bundesgerichtshof ersten Erklärung heißt es:
niemanden störte diese Aktion der Nazis. (BGH) in einem am 19.8. veröffentlich- „Die faschistische NPD plant eine
Es hatte den Anschein, als ob manche ten Beschluss entschieden. Nach den Wahlkampftour durch Hessen. Am Mitt-
KirchhellenerInnen den Megaphon- Worten des 3. Strafsenats liegt ein Ver- woch, 28. August 2002, 10 Uhr soll ihr
durchsagen der Nazis sogar noch interes- wenden von Kennzeichen verfassungs- Parteivorsitzender Udo Voigt auf dem
siert zuhörten. Lediglich ein paar zufällig widriger Organisationen, das mit bis zu Römerberg sprechen. Die Anti-Nazi-Ko-
anwesende AntifaschistInnen versuchten drei Jahren Haft geahndet wird, auch ordination hält diese Ankündigung für
durch lautstarke verbale Kritik, die Nazis dann vor, wenn die Symbole keinen be- eine unerhörte Zumutung, die wir nicht
nicht so einfach gewähren zu lassen. stimmten Bekanntheitsgrad erlangt ha- tatenlos hinnehmen.
Darauf hin kam es zu Pöbeleien und die ben. Die Strafbarkeit war bisher zwi- Auf dem Frankfurter Römerberg wur-
AntifaschistInnen wurden mehrmals fo- schen mehreren Oberlandesgerichten de im Frühjahr 1933 eine Bücherver-
tografiert. streitig (Aktenzeichen: 3 StR 495/01 - brennung durchgeführt, an die noch heu-
Nach fünf Minuten war der Spuk vor- Beschluss vom 31. Juli 2002). te ein Gedenkstein erinnert. „Dort, wo
bei und die Neonazis stiegen in ihre Der BGH hob damit einen Freispruch man Bücher verbrennt, verbrennt man
Autos und zogen ab. Die Nummernschil- des Landgerichts Berlin zu Gunsten ei- am Ende auch Menschen“ (Heinrich
der der PKW waren mit langen Aufkle- nes Angeklagten auf, der auf dem linken Heine) – die alten Nazis haben es bewie-
bern überklebt,auf denen ,,RUDOLF - Jackenärmel ein schwarzes Stoffdreieck sen, und die neuen Nazis beweisen es.
HESS - STRASSE“ stand. In der Presse mit Goldumrandung und dem Wort Fast auf den Tag genau 10 Jahre nach
suchte man vergeblich nach diesem Vor- „Schlesien“ getragen hatte – dem Hitler- dem faschistischen Brandanschlag in
fall. Quelle: www.indymedia.de ■ Jugend-Kennzeichen zum Verwechseln Rostock-Lichtenhagen wollen sie auf

2 : antifaschistische nachrichten 18-2002


dem Frankfurter Römerberg eine „Wahl- Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen
kampfkundgebung“ durchführen.
Wir werden den 28. August, den Ge-
burtstag Goethes, in dessen Sinn bege- Aufruf: Kein Nazi-Aufmarsch
hen: „Die Bestimmung des Menschen ist
Tätigkeit!“ Zum 28. August werden wir am 12. Oktober in München!
deshalb an diesem Tag auf dem Römer-
berg Texte von Goethe und anderen nam-
Die Verbrechen der Wehrmacht dürfen nicht geleugnet
haften Dichterinnen und Dichtern zu Ge- werden!
hör bringen. Dabei könnte es durchaus so
lautstark zugehen, dass Udo Voigt seinen Vom 8. Oktober bis 24. November 2002 wird im
Plan eines Auftritts fallen lassen muss. Münchner Stadtmuseum die überarbeitete Aus-
stellung „Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 44“
gezeigt. Wie schon am 1. März 1997 planen alte
und neue Nazis einen Marsch durch München,
der sich gegen diese Ausstellung richtet.
Wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeich-
ner, erklären: Wir werden die Verhöhnung der
Opfer der Nazidiktatur und die Wiederbelebung
der Traditionen der Wehrmacht nicht zulassen.
Deshalb: Kommt am 28. August Die deutsche Wehrmacht war die „zweite Säule”
um 9 Uhr auf den Römerberg! ■ des NS-Staates. Ohne die Wehrmacht hätte es
kein Auschwitz und nicht die 55 Millionen Toten des 2. Weltkriegs gegeben.
NPD-Demo in Freiburg Der Skandal von 1997 darf sich nicht wiederholen, als über 5.000 Nazis unter
Polizeischutz durch München marschierten. Nur die konsequente Haltung der
Freiburg. Im alten Gästebuch der Uni- 15.000 Münchnerinnen und Münchner, die damals stundenlang den Marienplatz
versität Freiburg sieht man die Gäste der besetzt hielten und schließlich die Nazis im Tal gestoppt haben, verhinderte, dass
Nazi-Zeit, dann wurden lediglich einige diese ihr Ziel erreichten. Auch weitere Versuche der NPD, in München aufzutreten
Seiten freigelassen und es geht weiter sind an der Wachsamkeit und Präsenz der Münchner Bevölkerung gescheitert: So
mit zum Teil den gleichen Gästen, die ihre Propagandaveranstaltung am 30. September 2000 auf dem Marienplatz und
die Partei und den Anzug gewechselt ha- die geplante Großkundgebung am 25. November 2000 auf dem Maria-Hilf-Platz,
ben. Einer dieser Gäste war Herr Maunz, die wegen der angekündigten Gegendemonstrationen kurzfristig von der NPD ab-
der später zum Grundgesetz-Kommenta- gesagt wurde. Damit wurden klare Zeichen gesetzt: Öffentliche Auftritte von Na-
tor aufstieg und damit die Rechtsspre- zis werden in München nicht geduldet!
chung dieser Republik prägte. Nach sei- Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!
nem Tod verkündete die DVU, Herr Wir werden auch den Nazi-Aufmarsch am 12.10. nicht hinnehmen!
Maunz habe bis zuletzt für sie und die Wir rufen alle Münchnerinnen und Münchner auf, den Nazis kreativ und ent-
National-Zeitung gearbeitet. schlossen entgegenzutreten. Wo immer die Nazis aufmarschieren – wir wer-
Warum diese Sätze? Weil sich jetzt den präsent sein. Stoppen wir gemeinsam den braunen Spuk.
wieder, z.B. anlässlich der Anmeldung ErstunterzeichnerInnen (Stand: 1. August 2002)
einer NPD-Demonstration für den 4.9. in Organisationen: · Ver.di Arbeitskreis Aktiv gegen Rechts · Münchner Bündnis gegen Rassismus · AIDA
Freiburg, das Wesen bundesdeutscher e.V. – Antifaschistisches Archiv München · AnaRKomM (Anarchisten/Rätekommunisten München) · Anti-
fa AKTIV Fürstenfeldbruck · antifaschistisch kämpfen München (akm) · AStA der Geschwister-Scholl-
Rechtssprechung zeigt: Der Vergleich Universität München · AusländerInnenbeirat München · Bündnis 90/ Die Grünen Kreisverband München ·
mit den Ereignissen in anderen Städten Bündnis gegen Rassismus Markt Schwaben/ Poing · Deutscher Freidenkerverband Kreisverband München
zeigt, dass ein Verbot einer NPD-Demo · DFG-VK Gruppe München · DKP Kreisverband München · Föderation der Demokratischen Arbeiterver-
kaum Chancen vor den Gerichten hat. eine aus der Türkei – DIDF München · Forum Kritische Psychologie e.V. · internationale sozialistische lin-
ke (isl) · Jugendverband REBELL/München · Lagergemeinschaft Dachau · Libertad! · MLPD Kreis Mün-
Die NPD-Anhänger haben das Demon- chen · Ökumenisches Büro für Frieden und Gerechtigkeit · PDS München · Revolutionär Sozialistischer
strationsrecht! Bund – RSB, IV. Internationale · Rosa Liste München · SDAJ-Gruppe München · Stadtratsfraktion Bünd-
Was hier eigentlich kritisiert werden nis 90/Die Grünen – Rosa Liste · Ulenspiegel Druck & Verlag GmbH · ver.di-Jugend München · Vereini-
soll, ist, dass die Gerichte mit linken De- gung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA) München
sowie eine Vielzahl von Einzelpersonen
monstrationen oder denen von Auslän-
dern wie z.B. den Kurden anders ver-
fährt. Das Wesen bundesdeutscher tig zu werden – nicht zuletzt auf der Stra- rer letzten Ausgabe). Es handelt sich
Rechtssprechung erkennt den Linken ße. Auf Initiative des DGB hat sich eine nicht um eine einmalige Initiative des
Grundrechte wie das der Demonstra- Aktionseinheit gebildet aus vielen Orga- Chefs des rechtsextremen Front Natio-
tionsfreiheit, einfach ab mit dem Hin- nisationen und Gruppen. Mehr als ein nal. In ihrer Ausgabe vom 15. August 02
weis auf die vermeintliche Verfassungs- Monat ist Zeit, die Aktionen gegen die widmet die FN-nahe Wochenzeitung
feindschaft. NPD-Demo vorzubereiten. huf ■ ‚National Hebdo‘ (NH), die zu 40 Pro-
Die erstaunte Freiburger Öffentlich- zent im Besitz der neofaschistischen Par-
keit erfuhr, dass NPD-Leute wochenlang Front National solidarisch tei steht, über die Hälfte ihrer Seite Zwei
im Amt für Öffentliche Ordnung ein und dem Thema „Auflösung von Unité radi-
aus gingen und dort Gespräche führten mit militanten Neonazis cale“, der Untertitel lautet: „Ein neuer
z.B. über die Demonstrationsroute. Wie Paris. Der Front National solidarisiert Erfolg des ‚Antirassismus’“. Darin wird
handelte dieses Amt in der Vergangen- sich auch weiterhin mit der militanten heftige Kritik sowohl an der Verbotsver-
heit gegenüber Linken? Der Amtsleiter, Neonazi-Sammlungsbewegung Unité ra- fügung gegen die militante Gruppierung,
Herr Brugger, will sich nun in den vor- dicale (UR, Einheit der Radikalen), die als auch jener gegen ihre Internet-Web-
zeitigen Ruhestand versetzen lassen – am 6. August durch ein Regierungsde- site geübt.
allerdings ohne ein Wort der Selbstkritik. kret verboten wurde. Jean-Marie Le Pen NH erinnert daran, dass die Auflösung
Was bleibt? Es ist Aufgabe der Gesell- hatte öffentlich gegen das Verbot polemi- von Unité radicale aufgrund des Geset-
schaft, mit der NPD-Demonstration fer- siert (wir berichteten ausführlich in unse- zes von 1936 erfolgte, das damals – an-

: antifaschistische nachrichten 18-2002 3


gesichts der europaweiten Konjunktur gab also keinen objektiven Grund, sie zu
des Faschismus verschiedener Ausprä- verbieten.“ Ferner erklärt der Front Na-
gungen – gegen „antirepublikanische tional: „Wenn die Justiz sich zur Aufgabe
Kampfverbände“ angenommen worden machte, alle ‚verabscheuungswürdigen‘
war. Im Regierungsdekret vom 6. August Homepages zu verbieten“ – dieser Be-
02 ausdrücklich zitiert wird jedoch eine griff fiel in der Verbotsanordnung – dann
Bestimmung, die durch das Antiras- müsste sie ein spezielles Richterkorps
sismus-Gesetz von 1972 (die Loi Pleven) dafür abstellen. Dies würde zahlreiche
neu in dieses Gesetz zum Organisations- Webpages entdecken, die weitaus ‚ver-
verbot aus dem Jahre 1936 aufgenom- abscheuungswürdiger‘ sind als diese (der
men worden war. Diese Bestimmung von UR, Anm.), vor allem im Bereich
richtet sich gegen Gruppierungen, die der Pornographie.“
u.a. zum Hass, zur Diskriminierung oder Lasset die Jungs zu mir kommen – so
zur Gewalt gegen durch Geburtsmerk- ungefähr dürfte die Motivation der FN-
male definierte Menschengruppen auf- Führungskader gegenüber den Radau-
stacheln. NH benutzt diesen Hinweis, faschisten von UR lauten.
um die Behauptung aufzustellen, die Bernhard Schmid, Paris ■
Verbotsverfügung gegen Unité Radicale
habe in Wirklichkeit gar nichts mit dem Sommeruniversität des FN
Attentatsversuch des UR-Aktivisten Ma-
xime Brunerie gegen Staatspräsident findet doch statt
Jacques Chirac zu tun – sondern ziele Paris. Noch beim Erscheinen unserer
darauf, missliebige politische Auffassun- letzten Ausgabe sah es so, als gäbe es im
gen zu unterdrücken. diesjährigen Spätsommer und Herbst nisieren, welche diese Verweigerung
NH im Originalton: „(...) dieses Ver- nicht viel über die Aktivitäten des Front (des Anmietens) hervorrief“.
bot steht schlicht und einfach im Gegen- National zu berichten. Denn dessen Der MNR wird seinerseits seine Som-
satz zu den Prinzipien eines Rechtsstaats. Sommeruniversität schien ebenso ausfal- meruniverstität vom 29. bis 31. August
Es handelt sich um ein anschauliches len zu müssen, wie das alljährlich Ende 02 im südwestfranzösischen Périgord or-
Beispiel für das totalitäre Abgleiten der September stattfindende BBR-Fest. ganisieren. BhS, Paris ■
Chirac’schen Fünften Republik, und es Doch dabei ist es dann nicht geblieben.
erfolgt natürlich im Namen des so ge- Der Conseil d’Etat, das oberste fran- NPD-Aufmarsch in Stolberg
nannten ‚Antirassismus‘, (einer) Waffe zösische Verwaltungsgericht, hob am 19.
im Kampf gegen alle, die auf die eine August die Verfügung des Kongresszen- Stolberg. Für Samstag, den 24. August,
oder andere Weise die Verteidigung der trums der Stadt Annecy auf, welches den hatten Neonazis zu einer Demonstration
Nation predigen.“ Ferner heißt es: „Hier Mietvertrag mit dem FN für die Tage unter dem Motto „Deutsche
wird zum ersten Mal eine politische Be- vom 28. bis 30. August annulliert hatte. Arbeitsplätze für Deutsche“ in Stolberg
wegung verboten, weil sie die ‚préféren- Diese Entscheidung, die darauf beruht, (bei Aachen) aufgerufen. Anmelder war
ce nationale‘ predigt.“ Diese „nationale dass das Kongresszentrum ‚Imperial Pa- Willibert Kunkel. Er wurde für die
Bevorzugung“ (gemeint ist: von gebürti- lace’ nicht für politische Publikumsver- DVU in den Stolberger Stadtrat ge-
gen Franzosen gegenüber Immigranten anstaltungen mit Außenwirkung be- wählt und konvertierte später zur NPD.
bei Arbeitsplätzen und Sozialleistungen) stimmt sei, ist dem Conseil d’Etat zu- Bei der Bundestagswahl tritt er als Di-
ist die FN-typische Chiffre, die erlauben folge „unter den gegebenen Bedingun- rektkandidat der NPD im Wahlkreis
soll, einen höflichen und positiv formu- gen offensichtlich illegal“. Und dies auf- Aachen-Land an.
lierten Begriff für Rassismus und Diskri- grund „der schwerwiegenden Beein- Abgeschirmt von einem massiven Po-
minierung zu haben. Was immer man trächtigung des Grundrechts einer politi- lizeiaufgebot demonstrierten am Sams-
von den Ausdrucksweisen von UR halte, schen Partei, eine Versammlung zu orga- tag dann ca. 60 Neonazis, forderten „Ar-
ist ferner zu lesen – die ja auch bisher beitsplätze zuerst für Deutsche“ und die
den FN kritisiert habe (tatsächlich zogen RICHTIGSTELLUNG „Todesstrafe für Kinderschänder“. Sie
die Neonazis ihm bis im Frühjahr 2002 In der letzten Ausgabe unserer Zeitschrift wurde skandierten Lobparolen auf den ehemali-
den MNR von Bruno Mégret vor, der Bruno Gollnisch als Nummer Zwei des Front gen Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess.
sich aber derzeit im rasanten Niedergang National und „Generalsekretär“ des FN be- Auf der Abschlusskundgebung wurde
zeichnet. Erstere Angabe ist richtig, doch die
befindet) –, so zeige die Affäre doch ei- zweitere trifft nicht mehr zu. Gollnisch war zwar
die erste Strophe der Nationalhymne ge-
nes: „den unerträglichen Charakter der 1995 durch FN-Chef Jean-Marie Le Pen zum sungen. Während des Aufzugs hatten die
Loi Pleven (siehe oben), welche die an- Generalsekretär ernannt worden, um das wach- Neonazis zur Melodie eines Karneval-
geblich rassistischen Meinungen verur- sende Gewicht des damaligen „Generalbeauf- schlagers angestimmt: „Wir sind wieder
teilt, während die Stalinisten und Trotz- tragten“ (délégué général) Bruno Mégret zu einmarschiert“.
kisten ungestraft die Apologie der blutig- konterkarieren. Doch dabei ist es nicht geblie- Gegen den NPD-Aufmarsch demon-
sten Ideologie der Geschichte betreiben ben. Mégret wurde zum Jahreswechsel strierten rund 80 AntifaschistInnen. Über
1998/99 bekanntlich geschasst und aus der
dürfen.“ 20 Demonstranten wurden vorläufig
Partei getrieben. Seinen Platz als Generalbeauf-
Zum Verbot der u.a. offen antisemiti- tragter nahm daraufhin Carl Lang ein, der eben-
festgenommen.
schen Website von UR gibt NH eine offi- falls (wie dereinst Mégret) zu den wichtigsten Der Ortsverband der SPD, der PDS-
zielle schriftliche Verlautbarung des Köpfen der sozialdemagogischen „Wende zum Kreisverband und linke Initiativen kriti-
Front National wieder. Darin heißt es im Sozialen“ in den frühen Neunzigern zählte. serten Bürgermeister Siebertz für sein
Namen der rechtsextremen Partei, es Doch im Laufe des Jahres 1999 tauschten Carl Stillschweigen und forderten eine klare
handele sich um eine „schwerwiegende Lang und Bruno Gollnisch dann die Plätze, da Stellungnahme gegen den braunen Spuk
Verletzung der Meinungsfreiheit“, und sie die jeweiligen Aufgaben und Rollen des an- in ihrer Stadt.
deren ihren eigenen vorzogen. Deswegen ist
weiter: „Diese Website war bisher, trotz Goll nisch heute Generalbeauftragter des FN,
Quelle: jW 26.8.02
der Wachsamkeit der Berufs-Antirassis- Carl Lang amtiert als Generalsekretär. Aktuelle Informationen aus der Region
ten und Verbreiter der ‚political correct- BhS, Paris ■ finden sich auf der Homepage der Antifa
ness‘, nie Gegenstand von Klagen. Es Düren (www.antifa-dueren.de) ■
: antifaschistische nachrichten 18-2002
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Noch bis zum 8. September ist
im Wilhelm Fabry - Museum in
Hilden bei Düsseldorf (Benrat-
Gewissenlos –
her Str. 32 a ) eine Ausstellung des In- eine Ausstellung über Menschenversuche im
stituts für Geschichte der Medizin der
Universität Erlangen - Nürnberg zu se-
Konzentrationslager
hen, deren Besuch wertvolle Informa- fer nur als leidende Personen dargestellt. dass die Angehörigen des verstorbenen
tionen vermittelt, zugleich aber auch Kein Hinweis darauf, dass es in den KZs ehemaligen jüdischen Besitzers der
Fragen aufwirft seitens der Häftlinge Versuche gab, auch Kornbrennerei, Isidor Willner, in der
hier dem faschistischen Terror zu wider- Reichspogromnacht von Faschisten er-
„Wie können Ärzte so was tun ?“ solche stehen bzw. ihn zu mildern, das Los der schossen wurden. Der Mord an Eugenia
oder ähnliche Fragen drängen sich dem und Ernst Willner geschah
Betrachter auf, der sich intensiv durch in der Benrather Str. 32, in
die Ausstellung dem Thema nähert. „So unmittelbarer Nachbar-
hat mir ... das Dritte Reich auf ärztlichem schaft des heutigen Mu-
Gebiete eine große Chance gegeben. Ich seums. Die HAI meinte,
habe diese Chance genutzt“, wird einer dass dieses Geschehen mit
der Ärzte zitiert. Es war Prof. Dr. med. ww w.w ilhe lm- fab ry- zur Geschichte Hildens und
Karl Gebhardt, der im Nürnberger Ärzte- museum.de der Kornbrennerei gehört
Prozess 1947 diese Aussage machte. Er, und nicht vergessen werden
der Leibarzt des SS-Führers Heinrich sollte. Deshalb hat sie am
Himmler, der Leiter des ärztlichen Dien- Eröffnungstag eine symbo-
stes der Olympischen Spiele von 1936 lische Gedenktafel am Ort
und ab 1940 Präsident des DRK war, des Geschehens angebracht.
wurde dort zum Tode verurteilt. Er war Durch Verteilen von Flug-
einer der wenigen, die als Nutznießer des blättern wollte sie auf die-
Faschismus, am Galgen endeten. Häftlinge zu erleichtern. Gerade am Bei- sen Missstand hinweisen und forderte die
Andere – auch darüber informiert die spiel von Ravensbrück hätte es sich an- Ehrung der Opfer des Nationalsozia-
Ausstellung – konnten, wie der KZ-Arzt geboten, z.B. an Dr. Doris Maase zu erin- lismus in Hilden.
Mengele sich ihrer gerechten Strafe nern, die als Häftling so handelte und Bis heute ist weder am Haus, noch am
durch Flucht nach Südamerika entziehen nach der Befreiung vom Faschismus als Museum und der dazugehörigen „Histo-
(hier wäre es sicherlich verdienstvoll ge- KPD-Stadtverordnete und Ärztin in Düs- rischen Kornbrennerei“ ein Hinweis auf
wesen, stärker jene Strukturen deutlich seldorf wirkte und im Vorstand der La- die Morde vom 9.11.1938 zu finden. Der
zu machen, die es diesem Mörder im gergemeinschaft Ravensbrück aktiv war. Einwand von Hildener Bürgern, dass
Arztkittel ermöglichten, zu fliehen) oder Trotz dieser Anmerkungen lohnt ein doch knapp 150 Meter vom Museum ent-
wurden vorzeitig aus der Haft entlassen, Besuch der Ausstellung – nicht nur unter fernt im Stadtpark neben der Stadthalle
um weiter als Arzt zu praktizieren, wie dem Aspekt der Aufarbeitung lange ver- man doch durch einen Gedenkstein an
im Falle der Herta Oberheuser, was je- schwiegener und verdrängter Geschichte die Nazi-Opfer erinnert, stimmt – geht
doch auch zu Protesten der demokrati- - sondern auch angesichts aktueller De- aber fehl, Denn wer von den Besuchern
schen Öffentlichkeit führte. batten um „Klonen“ und „Genmanipula- des Museums weiß das schon?
lm Mittelpunkt der Ausstellung stehen tion“, um die Haltung von Wissenschaft- Im Museum gibt es keinen Hinweis
die Versuche und Experimente in den lern und Ärzten, den immer stärker wer- auf den Gedenkstein für die Opfer des
KZs Auschwitz, Buchenwald, Dachau denden Drang mächtiger ökonomischer Nationalsozialismus! Kein Hinweis auch
und Ravensbrück. Diese Versuche, deren Gruppen und ihrer ideologischen Vertre- im Werbeprospekt für die Ausstellung,
ideologische und wissenschaftliche ter zu folgen und „die Chance“ zu nut- wo auf der letzten Seite ein Stadtplanaus-
Hintergründe aufgezeigt werden, machen zen. schnitt viele kulturelle Stätten vermerkt,
die breite Palette wissenschaftlicher, mi- Angesichts der Ausstellung wird sich jedoch ebenfalls ohne Nennung des Ge-
litärischer, ideologischer und wirtschaft- dem Betrachter vielleicht auch die Frage denksteins (im Plan findet man dort die
licher Interessen sichtbar. Beim Lesen stellen: Welcher Zusammenhang besteht Parkmöglichkeit Stadthalle)! Auch in den
der Informationstafeln und dem Betrach- eigentlich zwischen der Ausstellung und Stadtplänen, die zum Hildener Stadtge-
ten der Exponate kommt eine ungefähre dem Ort? Selbst mancher Hildener Bür- biet zu finden sind, fehlt jeglicher Hin-
Vorstellung der furchtbaren Leiden der ger wird hierauf wohl kaum antworten weis auf den Stein (wie auch auf das Eh-
Opfer zum Tragen. Zugleich wird man können – auch das ein Beispiel lange rengrab des ermordeten Antifaschisten
mit jenen Tätern konfrontiert, die diese verdrängter und verschwiegener Ge- Hermann Clemens und die Gräber von
Versuche an denen ihnen ausgelieferten schichte. Zwangsarbeitern auf dem Hildener
Menschen aus Ehrgeiz, Geltungssucht, Als im September 1989 das Heimat- Hauptfriedhof)! Dabei hatte die Hildener
Sadismus und Gewissenlosigkeit durch- museum – welches zu Ehren des in Hil- Bürgermeisterin Dr. Ellen Wiederhold
führten. Den Schluss der Ausstellung bil- den geborenen Arztes Wilhelm Fabry (CDU) bei der Einweihung des Gedenk-
det die Zeit danach – allerdings fällt die- (1560 - 16314) nach ihm benannt - eröff- steins am 8. November 1980 von einer
ser Abschnitt mager aus. Biografien der net wurde, hatten Antifaschisten ihre Po- bleibenden Mahnung gesprochen, die
Täter hätten deutlich gemacht, das viele sition zum Museum deutlich gemacht. dieser gemeinsam mit der VVN-Bund
dieser „Fachleute“ – die ja zum Teil Am 5. Oktober hieß es im „Lokalanzei- der Antifaschisten errichtete Stein dar-
schon frühzeitig und schon vor 1933 re- ger“: „Vor zwei Wochen wurde das Wil- stellen solle. Die Gedenktafel (von der
aktionärem Gedankengut und der helm Fabry-Museum und die dazugehö- VVN gestiftet) trägt die Inschrift: „Den
NSDAP verbunden waren – auch in der rige Kornbrennerei eröffnet. Die HAI gemordeten jüdischen Bürgern, den anti-
demokratischen Bundesrepublik geachte- (Hildener Antifaschistische Initiative, faschistischen Widerstandskämpfern, den
te Leute waren und einflussreiche Stel- M.D.) freut sich darüber und hofft, dass wegen ihres Glaubens von 1933 bis 1945
lungen einnahmen. die in das Museum gesetzten Hoffnungen Verfolgten zum Gedenken. Den Leben-
Und noch eine weitere kritische An- erfüllt werden. Leider sei es versäumt den zur Mahnung. Stadt Hilden“.
merkung: In der Ausstellung sind die Op- worden, darauf aufmerksam zu machen, Manfred Demmer, Leverkusen ■

: antifaschistische nachrichten 18-2002 5


Wieder einmal sind in Frank-
reich Pläne im Gespräch, am Manipulationen am Wahlsystem
Wahlsystem herumzuschrau- Ein Mittel gegen die rechtsextreme Gefahr?
ben. Als Rechtfertigung und Begrün-
dung dienen u.a. die drohende Prä- Bündnis mit mehreren regionalen Baronen zu einer Neueinteilung der Wahlkreise
senz der extremen Rechten. Da das der Konservativen einzugehen. Zunächst kommen, die mit dem derzeit geltenden
nächste „Superwahljahr“ in Frank- fünf, später noch vier unter ihnen hatten Gesetz in Einklang stände. Das Wahlge-
reich im Jahr 2004 ansteht – dann die Stimmen der FN-Regionalparlamenta- setz sieht nämlich vor, dass die Wahlkreise
werden die Regionalparlamente, zahl- rier akzeptiert, um sich ins Amt wählen zu neu zugeschneidert werden können, wenn
reiche Bezirksparlamente, das Europä- lassen. zwei Volkszählungen stattgefunden haben.
ische Parlament sowie ein Teil der Se- Drei von ihnen sind übrigens noch heu- Die letzte Änderung der Wahlkreise
natoren (der Mitglieder des parlamen- te im Amt: Jacques Blanc in Montpellier, geht auf das Jahr 1988 und den damaligen
tarischen „Oberhauses“) neu gewählt Jean-Pierre Soisson in Dijon und Charles rechten Innenminister Charles Pasqua zu-
– muss die Reform spätestens zu An- Baur in Amiens. Hingegen ist Charles rück. In den Jahren 1990 und 1999 haben
fang 2003 verabschiedet werden. Millon, der am weitesten gegangen war landesweite Volkszählungen stattgefun-
und 1998 eine neue Rechtspartei – als Bin- den. Daher fordert das Gesetz die Exekuti-
Das geltende Gesetz verbietet eine Wahl- deglied zwischen Konservativen und FN – ve im Prinzip zu einer Überprüfung der
rechtsreform in den letzten 12 Monaten begründete, im Januar 1999 vom Regio- Wahlkreise auf, um eventuellen bevölke-
vor dem Stattfinden eines landesweiten nalparlament in Lyon abgewählt worden. rungsmäßigen Verschiebungen Rechnung
Urnengangs, um rein politisch-konjunktu- (Vgl. AN 02/1999) Seine Partei, die zu- zu tragen, die zu demographischen Un-
rell motivierte Manipulationen auszu- nächst La Droite und später Droite Libéra- gleichgewichten zwischen verschiedenen
schließen. Und genau danach riecht die le et Chrétienne (Christliche und liberale Wahlkreisen führten. Doch eine Neueintei-
ganze Operation auch. Freilich findet die Rechte) hieß, ist seitdem nicht über das lung der Wahlkreise, die noch dazu mit ei-
Diskussion vor einem ernsten Hintergrund Splitterparteien-Stadium hinausgewach- ner Änderung der elektoralen Spielregeln
statt, nämlich den Möglichkeit der Neofa- sen. Lokal hingegen hat Millon sich einen einhergeht, riecht allgemein nach Manipu-
schisten, in solchen Wahlgängen Druck zu gewissen Einfluss bewahren können, ins- lation. Daher will man die Dinge, so ver-
erzeugen und andere politische Parteien so besondere erzielte er rund 23 Prozent der lautet aus dem Innenministerium, „behut-
zu Zugeständnissen zu erpressen. Stimmen anlässlich der Kommunalwahlen sam“ angehen.
Im Blickfeld steht dabei einerseits das in Lyon im März 2001, zu denen er in Die demnach geplante Reform gliedert
Geschehen im zweiten Wahlgang der Par- Konkurrenz zur anderen, „offiziellen“ sich in drei Abschnitte. Der erste betrifft
lamentswahlen. Seit Anfang der Neunzi- konservativen Liste antrat. die Regional-, der zweite die nationalen
ger Jahre hatte der Front National (FN) Die Pläne der neuen Rechtsregierung Parlaments-, und der dritte die Europapar-
systematisch seine Kandidaten in der laments-Wahlen.
Stichwahl belassen, wo immer ihm dies Wie die kon-
möglich war. Das Wahlgesetz machte da- servative Ta-
für bis jetzt zur Bedingung, dass ein Kan- geszeitung ‚Le Wirbel-
Linke Kinder
- und
didat im ersten Wahlgang von mindestens Figaro’ am 19. Jugendprojekte e.V.
12,5 Prozent der Wahlberechtigten (nicht August enthüll- Wirbelwind 98527
FriedrichSuhl
-koenig
-Str. 35
der tatsächlich abstimmenden Wähler) te, planen Pre- Info - und Kontaktstelle Tel. 03681
98527 Suhl 706181
unterstützt worden sein muss. Durch sys- mierminister Tel: 03681 706181
Fax 03681 706183
Fax: 03681 706183
tematische Aufrechterhaltung in den Jean-Pierre KTO: 40 24 204
Stichwahlen versuchte der FN, das bishe- Raffarin und BLZ: 820 400 00
rige wahlpolitische System – bei dem nor- sein Innenmi- Commerzb

malerweise jeweils der best platzierte nister, der rech- Hilfe für Theresienstadt!
rechte und der best platzierte linke Bewer- te Scharfma- Auch die Stadt Terezin in der tschechischen Republikom
ist Hochwasser
v schwer geschädig
ber im Rennen blieben – durcheinander zu cher Nicolas worden.
bringen. Dadurch versuchte der FN, maxi- Sarkozy, nun- Terezin ist vielen Menschen besser bekannt als Theresienstadt. Die Nazis hatten die ge
malen Druck auf die konservative Rechte mehr eine Stadt und die dort befindlichen Festungsanlagen zu Getho und Konzentrationslager
zu entfalten. Denn wenn diese das Bünd- Wahlrechtsre- umfunktioniert. Dort wurden Deutsche, Tsche
chische und Östereichische Juden interniert.
Nach dem Krieg wurde damit begonnen die Stadt zu einem Mahnmal umzufunktionieren
nis mit den Rechtsextremen verweigerte, form, die die- entstanden zahlreiche Gedenkstätten und Stätten der Erinnerung und Mahnung.
drohte diese in vielen Wahlkreisen die sen Problemen
Vieles davon ist durch das Hochwasser der lezten
Wochen schwer geschädigt worden. Wo
Stichwahl zu verlieren, da das rechte einen Riegel sonst tausende von Grabsteinen und Rosenstöckenstehen ist derzeit ein See entstande
Wählerpublikum sich so auf Konservative vorschieben dem Leute mit Booten fahren.
und FN-Kandidaten aufzuspalten drohte. soll. Und dabei Wir waren mit Jugendgruppen schon mehrmals in
(Bei den Parlamentswahlen 1997 hat die- offenkundig Theresienstadt zu Bildungsfahrten. Dabei haben w
ser Mechanismus gut funktioniert, und zuvörderst den erfahren, mit wieviel Kraft und wenig Geld die
Leute dort das alles pflegen und versuchen als
wurde zu einer der wesentlichen Ursachen konservativen Mahnung für künftige Generationen zu erhalten.
für die Niederlage der bürgerlichen Rech- Parteien Nut- Vieles dieser Arbeit ist nun zu nichte gemacht.
ten. Bei der jüngsten Parlamentswahl im zen bringen
Wir rufen deshalb zu Spenden auf!
Juni 2002 hingegen hat er nur geringe soll. Aus den Spenden zur Hilfe für die Gedenkstät
te Terezin bitte
Auswirkungen gezeitigt, da der FN dieses oben genann- unter:
Mal nur in seltenen Fällen die Stichwahl ten Gründen
erreichte.) müsste die Re- KTO: 40 24 204 Commerzbank Suhl BLZ: 820 400 00
Kennwort Terezin
Andererseits dreht die neue Debatte form spätestens
sich um die Situation in den Regionalpar- zu Beginn des Nach Absprachen mit der Leitung der Gedenkstätte werden wir versuchen in den Herbs
zu einem Arbeitseinsatz nach Terezin zu fahren um so mitzuhelfen, daswieder
Areal
lamenten. Der neofaschistische Front Na- Frühjahrs 2003 herzustellen.
tional hatte nach den letzten Regionalpar- unter Dach und
laments-Wahlen vom 15. März 1998 hefti- Fach sein. Holger Auerswald
Sprecher der Kreisgruppe Wirbelwind e.V. Suhl
ge politische Verwerfungen hervorgeru- Neben der
fen, indem er es schaffte, ein (unerklärtes) Reform soll es

6 : antifaschistische nachrichten 18-2002


In Bezug auf die Wahl der Regionalpar- auch die christdemokratisch-liberale UDF Aufruf:
lamente soll die Reform, die bereits die so- würde auf diesem Wege vielfach unter die
zialdemokratische Vorgängerregierung un- Räder geraten. Kein Naziaufmarsch am
ter Lionel Jospin auf den Weg brachte, Für die Wahl zur Nationalversammlung 7. September in Wuppertal!
ausgebaut werden. Durch ein Gesetz vom herrschen anderen Probleme, denn hier gilt 10.00 Uhr Geschwister-Scholl-Platz
19. November 1998, das aber bisher noch nicht das Verhältnis-, sondern das Mehr- Wuppertal Barmen
nie Anwendung gefunden hat – seit diesem heitswahlrecht. Dabei soll nunmehr die
Datum haben bisher noch keine Regional- Möglichkeit der so genannten ‚triangulai- Am 7. September wollen die NPD-Na-
wahlen stattgefunden –, sollte damals die res‘ (Dreiecks-Konstellationen, bestehend zis um Maik Hilgert, Thorsten Craemer
Bildung stabiler Mehrheiten in den Regio- aus Linken, Rechten plus Neofaschisten) und Axel Hellmann zum ersten Mal
nalparlamenten erleichtert werden. Unter in den zweiten Wahlgängen ausgeräumt nach dem zweiten Weltkrieg in Wup-
anderem sollte die stimmenstärkste Liste werden. Nur noch die beiden stimmen- pertal aufmarschieren. Das ist der glei-
einen Bonus von 25 Prozent der zu vertei- stärksten Kandidaten aus dem ersten Wahl- che Personen- und Organisationskreis,
lenden Sitze reserviert bekommen, die gang sollen in die Stichwahl gehen. Das der verantwortlich ist für den brutalen
übrigen 75 Prozent würden dann unter hatten zunächst der Minister für kommu- Naziüberfall auf TeilnehmerInnen einer
sämtlichen Listen (die stärkste selbst ein- nale Angelegenheiten, Patrick Devidjian, Gedenkfeier am KZ-Mahnmal Kemna
geschlossen) ihrem Stimmenanteil gemäss und dann auch der einflussreiche konser- vor zwei Jahren.
verteilt. vative Politiker Alain Juppé – Mitte der Vor diesem Hintergrund ist die An-
Daneben wurde ein zweiter Wahlgang 90er Jahre Premierminister, jetzt Partei- meldung einer Demo durch die NPD
eingeführt, während bis dahin die Regio- chef der neuen Präsidentenpartei UMP – eine besondere Provokation, die wir mit
nalparlaments-Wahlen stets in nur einem im Mai dieses Jahres angeregt, im Vorfeld vielen Menschen zurückweisen wollen.
Durchgang stattfanden, bei dem das Ver- der jüngsten Parlamentswahl. Es wäre für Das Bündnis „Wuppertal stellt sich
hältniswahlrecht zur Geltung kam. Um die die konservative Rechte so lange von ein- quer“ wird am 7. September vielfältige
Auswirkungen des Verhältniswahlrechts deutigem Vorteil, wie es ihr gelingt, die Gegenveranstaltungen und Demonstra-
abzumildern, wurde eine Hürde einge- Neofaschisten deutlich auf Distanz zu hal- tionen durchführen.
führt, die nur mittlere oder größere politi- ten, wie es ihr bei der diesjährigen Parla- Den Rücken stärken werden uns da-
sche Kräfte in den zweiten Wahlgang mentswahl gelungen ist (als viele FN- bei Wuppertaler Widerstandskämpfe-
durchlassen sollte: 5 Prozent der Stimmen Wähler der konservativen Regierung und rInnen und Überlebende des Naziregi-
der Wahlberechtigten (nicht der tatsäch- ihrer neuen, oft brachialen Law & Order- mes. Wir wollen eine breite gesell-
lichen Wähler, was bei niedriger Beteili- Rhetorik „eine Chance erteilen“ wollten). schaftliche Allianz gegen den Naziauf-
gung einen bedeutenden Unterschied Doch das muss nicht immer so sein. Im marsch auf die Beine stellen. Gehen wir
macht) sind erforderlich, um im zweiten Gespräch mit dem ‚Figaro’ (vom 22. Au- zusammen mit den Flüchtlingen auf die
Wahlgang zu bleiben. Und 3 Prozent, um gust 02) erklärt etwa der FN-Generalbe- Straße, die für ein Bleiberecht kämpfen
mit einer anderen Liste zu fusionieren, auftragte Bruno Gollnisch: „In meinem und die es satt sind, auf den Straßen an-
wenn man nicht selbst im Rennen bleibt. Wahlkreis in Lyon bin ich auf dem zweiten gemacht und bedroht zu werden. Unter-
Daneben sollte die regionale Exekutive Platz gelandet, und ich hätte es vorgezo- stützen wir die jüdische Kultusgemein-
aufgewertet werden, indem der Regional- gen, allein dem (Anm.: stimmenstärksten) de, die sich fast allein gegen die jüng-
präsident künftig direkt gewählt werden Kandidaten der Linken gegenüber zu ste- sten antisemitischen und antiisraeli-
soll (bisher wurden die Parlamentarier in hen, als in eine Stichwahl zu dritt zu ge- schen Ausfälle eines Herrn Möllemann
den Départements gewählt, und diese be- hen. Eine Mehrheit der konservativen wehrt.
stimmten den Regionalpräsidenten). Letz- Wähler hätten wohl für mich gestimmt.“ Die NPD ist nur die organisierte ex-
tere Neuerung wollen auch die Konservati- Und der inner-rechte Dissident Philippe de tremistische Speerspitze einer gesell-
ven beibehalten. Villiers (der den bürgerlichen Mehrheits- schaftlichen Entwicklung, in der Anti-
Ändern will die konservative Regierung block von innen heraus kritisiert, da er semitismus und Rassismus wieder
nun vor allem die Zahlen: Statt bisher 25 rechtsnationaler EU-Gegner ist) argumen- durch Spitzenpolitiker der „Mitte“ hof-
Prozent sollen nunmehr 30 Prozent der tiert im ‚Figaro‘-Interview vom gleichen fähig gemacht werden. Die Entsolidari-
Sitze für die jeweils stärkste Liste (und das Tag : „Haben diese brillanten Köpfe auch sierungsprozesse in der Gesellschaft,
sind häufig konservative Regional-Listen) einmal an die Hypothese gedacht, in der die Durchsetzung neoliberaler Gesell-
reserviert bleiben. Und die Hürde von 5 / 3 die UMP, weil unpopulär geworden schaftsentwürfe und das propagierte
Prozent soll auf 7 / 5 Prozent angehoben (Anm.: durch ihre Regierungspolitik), im Recht des Stärkeren, die zur Hetze ge-
werden. Schaden wird dies jedoch wahr- ersten Wahlgang sowohl durch die Sozia- gen MigrantInnen und Flüchtlinge, ge-
scheinlich nicht so sehr dem Front Natio- listen als auch durch den Front National nauso wie zu Angriffen auf Arbeitslose
nal: Wenn dieser sein Niveau bei den Re- überholt wird?“ und SozialhilfeempfängerInnen führen,
gionalparlamentswahlen 1998 beibehält Hintergründe der Handwerkelei am sind der Boden für das Erstarken fa-
(15 Prozent), dürfte er in der deutlichen Wahlrecht schistischer und rechtspopulistischer
Mehrzahl der Regionen die Hürde neh- Bewegungen. Der Kampf um soziale
men. Und falls er sein Niveau im ersten Für die Europaparlamentswahlen ist eben- Gerechtigkeit und lebenswürdige Ver-
Wahlgang der Präsidentenwahl 2002 (17 falls eine Neuregelung des Wahlsystems hältnisse auf der ganzen Welt ist dage-
Prozent plus 2,3 Prozent für die Mégret- vorgesehen. Bei diesen Wahlen warf der gen unser Bezugspunkt auch in unseren
Partei) wiederholen sollte, dann profitiert Neofaschismus bisher keine besonderen Kampf gegen die organisierte Nazisze-
er sogar vom Bonus für die stimmenstärk- Probleme bezüglich der Mehrheitsbildung ne. Alle auf die Straße! Wuppertal stellt
ste Liste: Am 21. April dieses Jahres lag auf, da die französischen Abgeordneten sich quer!
der Präsidentschaftskandidat Jean-Marie ohnehin als Teilgruppe unter einer weit Infos über AStA
Le Pen in 9 von insgesamt 22 Regionen größeren Anzahl von Parlamentariern sit- Bergische Universität GH Wupper-
vor allen anderen Kandidaten. Behindern zen. Und durch die EU-Osterweiterung tal, fon: 0202-24258-12
dürfte die Neuregelung hingegen vor allem wird sich das noch verstärken, da die Zahl fax: 0202-24258-01,
kleine Parteien wie die Grünen, die KP, die der französischen Vertreter im EP nunmehr mobil: 0177-7853361,
radikale Linke – und auch die Konkurren- von knapp 100 auf, im nächsten EU-Parla- email: b.kietzmann@gmx.net,
ten der neuen Präsidentenpartei Chiracs, ment, 72 sinken wird. web: www.asta.uni-wuppertal.de ■
der UMP, innerhalb der Rechten. Denn Fortsetzung S. 10

: antifaschistische nachrichten 18-2002 7


2500
Neonazis
bei Hess-
Demo in
Wunsiedel
Rund 2500 Neonazis haben sich am
Samstag, den 17. August im oberfränki-
schen Wunsiedel zu einer „Gedenkveran-
staltung“ zum 15. Todestag des Hitler-
Stellvertreters Rudolf Hess versammelt.
500 Antifaschisten protestierten mit ei-
ner Demonstration gegen den Neonazi-
Aufmarsch. Zu größeren Zusammenstö-
ßen kam es nicht. Die Polizei, die mit
Rudolf-Hess-Aufmarsch 1000 Beamten im Einsatz war, hatte die
mit internationaler Stadt regelrecht in zwei Hälften aufge-
Beteiligung teilt, um ein Aufeinandertreffen der De-
monstrationen zu verhindern. Bei versu-
Martialisches chen, kam es zu neun Festnahmen. In
Auftreten ... vorläufigen Gewahrsam genommen wur-
den – hauptsächlich wegen des Zeigens
verfassungsfeindlicher Symbole – auch
25 Neonazis. Dabei wurden unter ande-
rem Gasdruckpistolen, Messer und Base-
ballschläger sichergestellt.
Der Bayerische Verwaltungsgerichts-
hof (VGH) hatte die Veranstaltung am
Freitag erlaubt und damit ein Verbot des
Bayreuther Verwaltungsgerichts aufge-
hoben. Nach Ansicht der Richter musste
bei der Kundgebung nicht von Straftaten
ausgegangen werden. Auch die Gegende-
Die Legende vom monstration wurde zugelassen.
„Märtyrer des Friedens“ Bayerns Innenminister Günther Beck-
Rudolf Hess wird weiter stein (CSU) zeigte sich am Sonnabend
hochgehalten befriedigt über den Verlauf der Demon-
strationen. Das Konzept der „Nulltole-
ranz“ sei aufgegangen Er kritisierte die
Gerichtsentscheidung. Sie zeige, dass die
Gesetzeslage keine ausreichende Hand-
habe biete. Der Bund habe eine notwen-
dige Änderung des Versammlungsrechts
viel zu lange schleifen lassen. Dies wer-
de man im Falle einer Regierungsüber-
nahme ändern.
Quelle: junge Welt, 19.8.2002 ■

Auf der Kundgebung sprach auch


Peter Gingold, Bundessprecher der
VVN-BdA und Mitglied im Auschwitz-
komitee. Wir dokumentieren Aus-
züge aus seiner Rede:

„Der eigentliche Skandal, der so zum


Himmel stinkt, ist nicht so sehr, dass es
Neonazis gibt, sondern dass sie aufmar-
schieren dürfen, staatlich geschützt auf-
marschieren dürfen, mit dem Segen des
Obersten Verwaltungsgericht Bayern. Da
frage ich mich, ob es nicht die falsche
Adresse ist, gegen die wir demonstrieren.
Ob nicht doch die richtigere Adresse das

8 : antifaschistische nachrichten 18-2002


Oberste Verwaltungsgericht wie über-
haupt die Richter, die Richter des
Bundesverfassungsgerichts, wären, auf
Grund deren Entscheidung die Neonazis
aufmarschieren können, nachdem die
meisten Bürgermeister der Städte wie
auch hier in Wunsiedel es verhindern
wollen.
... Nach Artikel 139 sind Naziorganisa-
tionen und Verbreitung von nazistischem
Gedankengut verboten. Demnach sind
alle neofaschistischen Parteien, NPD,
DVU, REP illegal. Faschismusverbot für
alle ihre Organsiationen und Publikatio-
nen!
Auf die Verfassung sind sie doch ver-
eidigt, all die Minister, die Richter, die
Polizei, die sie (die Neonazis) zulassen,
von der Polizei geschützt aufmarschieren
lassen, sich sogar zur Wahl stellen las-
sen.
Ich erinnere mich an den sozialdemo-
kratischen Frankfurter Polizeipräsident Die Demonstration der AntifaschistInnen
vor 1933, der mit dem gleichen Demo-
kratieverständnis die SA aufmarschieren
ließ, Jahre darauf war er von der glei-
chen SA im KZ ermordet worden.
Welch ein Demokratieverständnis!
Für eine Politik, die den Neonazis kei-
ne Betätigungsfreiheit gibt, die das Fa-
schismusverbot achtet! Denn Faschismus
ist keine Meinung, sondern ein Verbre-
chen.
Und Schluss mit einer Politik, die Na-
zis ermuntert und fördert, die ihnen Sig-
nale, Steilvorlagen liefert. ... Um Wahl-
stimmen geht es auf Kosten der Ärmsten,
der Hilfsbedürftigsten. Welch ein Auf-
trieb für die Nazis! Wahr ist: Noch nie in
der ganzen deutschen Geschichte hat je
Einwanderung in unseremLand Not und
Elend gebracht. Immer brachten Not und
Elend Rüstung, Kriegspolitik und Krieg! Peter Gingold
... Noch zu einem Argument, das den
Neofaschismus in diesem Lande
schlimm verniedlicht: Neonazismus, Vielfältiger Protest der Bevölkerung...
Rassismus, Antisemitismus gibt es auch
in anderen Ländern. Le Pen in Frank-
reich, Berlusconi in Italien, in Belgien, in
England, in den USA, usw. Wohl wahr!
Aber doch ein gewaltiger Unterschied,
wenn es so etwas in diesem Land gibt.
Denn hier riecht es nach Gas! Auschwitz
gab es doch nicht irgendwann, vielleicht
in der Steinzeit, oder irgendwo, vielleicht
in Zentralafrika? Nein, hier in jüngster
deutscher Geschichte gab es Auschwitz!
Hier müsste es beim leisesten Anzeichen
von Neonazismus, Rassismus, Antisemi-
tismus einen millionenstimmigen Auf-
schrei geben: Wir lassen es nicht mehr
zu! Die Geschichte diktiert es!
Darum, darum kann es nichts Wichti-
geres geben, als nie mehr zuzulassen, was
zu dem schändlichsten, schrecklichsten,
blutigsten Kapital in deutscher Geschich-
te führte. Darum, darum den Neonazis in
unserer Stadt und nirgendwo keinen Fuß-
breit Boden! Alle Fotos: Info:
www.arbeiterfotografie.com
Bleiben wir höllisch wachsam!“ ■

: antifaschistische nachrichten 18-2002 9


Fortsetzung von S. 7 Stimmen, fünf Abgeordnete ins EU-Parla-
Die EP-Wahlen im Jahr 1984 hatten als ment schicken – wäre damit weitgehend
Sprungbrett für den Front National ge- beendet. Ähnliches gilt aber auch für die
dient, da er aus diesem Anlass seinen er- KP, die Grünen, die rechten EU-Skeptiker
sten landesweiten Wahlerfolg mit 11 Pro- oder die Christdemokraten. Seit dem Be-
zent der Stimmen feiern konnte. Die übli- kanntwerden der Reformpläne am 19. Au-
cherweise niedrige Wahlbeteiligung er- gust liefen daher kleinere Parteien, zu-
leichtert potenziell solche Erfolge. Aller- nächst die KP und die radikale Linke, ge-
dings ist die FN-Wählerschaft auch be- gen das Vorhaben Sturm.
sonders EU-fern und dürfte daher zu diese Ein weiterer Aspekt, der auch die bür-
m Typus von Wahlen eher schwerer zu gerlichen EU-Kritiker stört, wäre dabei
mobilisieren sein.) Wenn die regierende auch der Funktionswandel der Region im
Rechte auch in diesem Kontext am Wahl- europäischen Rahmen. Denn jede Region
recht herumdoktern will, dann offenkundig hätte damit „ihre“ Vertreter direkt im EU-
vor allem, um die größeren Parteien zu be- Parlament sitzen, während die Regionen
günstigen. gleichzeitig die Nettoempfänger der EU-
Vorgesehen ist insbesondere, die bisher Strukturfördermittel sind. Dadurch würde
landesweit einheitliche Durchführung der einem nackten Klientelismus und Ringen
EP-Wahlen (bei der das Verhältniswahl- um EU-Subventionen Tür und Tor geöff-
recht gilt) aufzubrechen. Statt der landes- net. Zugleich würden auf übergreifender
weiten Auszählung der Stimmen soll künf- Ebene geführte politische Debatten, lan-
tig eine Reihe regionaler „Wahlkreise“ ge- desweit vermittelte politische Öffentlich-
bildet werden, von denen jeder „seine“ ei- keit und großflächigere Solidaritäten aus-
genen EP-Abgeordneten ins Europäische gehebelt. Das alles passt übrigens gut zu den. Die Änderung wurde damals von So-
Parlament schicken wird. Bereits die Jos- den Plänen der Rechtsregierung, die im zial- und Christdemokraten gemeinsam
pin-Regierung hatte vorgesehen, zu diesem Herbst 2002 eine neue Regionalisierung durchgesetzt. Das doppelte Vorhaben dien-
Zweck acht „Superregionen“ als spezielle des französischen politischen Lebens ein- te vor allem einem Zweck: Das politische
Wahlkreise zu bilden. Das Vorhaben war leiten will. Unter anderem, um die sozialen System in Frankreich neu zu organisieren,
jedoch am Widerspruch der damaligen Widerstandspotenziale gegen neoliberale und zwar in zwei großen Blöcken nahe an
kleineren Koalitionspartner, KP und Grü- ‚Reformen’ im Bildungs- oder Gesund- der politischen Mitte, die sich um die aus-
ne, gescheitert – denn es benachteiligt heitssystem (die als Politikbereiche für die sichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten
sichtbar die kleinen und mittleren Parteien. „Dezentralisierung“ vorgesehen sind) auf- – also jener der größten Parteien – herum
Die neue Rechtsregierung will nun einfach zusplittern, Solidaritäten aufzubrechen und bilden sollten. Die langfristig gehegte Ab-
die bestehenden 22 französischen Regio- die Debatte zu entpolitisieren. Zur gleichen sicht läuft darauf hinaus, das politische
nen als „Wahlkreise“ für die EP-Wahlen Zeit sehen die Pläne der Regierung zur System rund um die politische Mitte (in
heranziehen. Wahlrechtsreform ja auch eine Aufwertung zwei Blöcke) zu konzentrieren und weitge-
Das würde eindeutig dazu führen, dass der regionalen Exekutive (siehe oben) vor. hend zu personalisieren, ähnlich wie in den
die kleineren Parteien in einer Reihe von Das stört die rechtsnationalen EU-Gegner USA.
Fällen gar nicht mehr parlamentarisch ver- (wie de Villiers) vor allem deswegen, weil Doch die Franzosen und Französinnen
treten wären. Denn bisher wurden die zu sie eine Abwertung des Nationalstaats zu- hatten am 21. April 2002 anders entschie-
vergebenden, knapp 100 Sitze aus der gunsten der EU und der Regionen befürch- den: Statt der beiden prädestinierten Präsi-
Masse der landesweit abgegebenen Stim- ten. In dem Punkt folgen ihnen auch die dentschaftsbewerber von Mitte-Links und
men heraus verteilt: Jede Liste, die landes- Neofaschisten. Aber auch ohne diese Ver- Mitte-Rechts, Chirac und Jospin, schickten
weit mindestens 5 Prozent der Stimmen er- teidigung des klassischen Nationalstaats zu sie den Rechtsextremisten Le Pen gegen
hielt, wurde aus diesem „Kuchen“ heraus den eigenen linken Anliegen zu zählen, den Amtsinhaber Chirac ins Rennen.
bedient. Jetzt aber würde der Kuchen vor- kann man gleichzeitig das von liberal-kon- Hauptursache dafür war allerdings weit
ab in 22 kleinere Portionen aufgeteilt, be- servativer Seite verfolgte Projekt (im Zu- eher das schlechte Abschneiden des Sozi-
vor die Stimmenauszählung beginnt. Das sammenhang mit ihrer „marktnahen“ EU- aldemokraten, als das gute Abschneiden
bedeutet, das eine oder zwei stimmenstar- Konzeption und der Regionalisierung im des Neofaschisten. Aber man kann auch
ke Listen bedient würden, die übrigen poli- Geiste neoliberaler Subsidiaritäts-Ideolo- sagen, dass ein pervertierter Protest und
tischen Kräfte aber jeweils leer ausgehen gie) für bedenkens-, besser noch bekämp- eine unbewusst vor sich hingärende gesell-
müssten. Lediglich im Großraum Paris, der fenswert halten. schaftliche Unzufriedenheit, die auf keine
in diesem Modell 11 Euro-Parlamentarier Und das vor allem, wenn es mit einem progressive Veränderungsperspektive trifft,
stellen würde, könnte eine anteilsgemäße gesteuerten Konzentrationsprozess der po- sich hier unkontrolliert Bahn gebrochen
Vertretung aller politischen Kräfte, die litischen Kräfte auf die „linke Mitte“ und hat. Sucht die neokonservative Regierung
über 5 Prozent der Stimmen erhielten, an- die „rechte Mitte“ einhergeht. Denn es ist weiterhin durch technische Manipulation
nähernd garantieren. Doch legt man die offenkundig, was die neokonservative Re- am Wahlrecht, das politische System künf-
jetzige Einteilung der Regionen als Wahl- gierung mit ihren Plänen zu Wahlrechtsän- tig verstärkt nach ihren Wünschen zurecht
kreis-Konfiguration zugrunde, dann wür- derungen hauptsächlich verfolgt. Das Vor- zu biegen, dann können ähnliche Ereig-
den zwei Wahlregionen jeweils nur einen haben reiht sich in eine Kette mit vorange- nisse auch in Zukunft nicht ausgeschlossen
EP-Abgeordneten stellen. Sechs weitere gangenen Reformen. Im Herbst 2000 wur- werden. Denn die bereit gestellten techni-
französische Regionen würden jeweils de die französische Verfassung geändert, schen Lösungen für ein politisches Pro-
zwei Parlamentarier nach Strasbourg ent- um die Amtszeit des Staatspräsidenten von blem, wie etwa die Verschärfung des
senden. Die für kleinere oder mittelgroße 7 auf 5 Jahre zu verkürzen. Damit wurden Mehrheitswahlrechts (durch Beschränken
politische Kräfte abgegebenen Stimmen die Amtsdauer von Präsident und Parla- der Kandidaturen in der Stichwahl auf die
aber würden einfach unter den Tisch fal- ment miteinander gleichgestellt. Im März beiden stimmenstärksten Kräfte), können
len. Die lästige Vertretung von „dissiden- 2001 folgte die „Änderung des Wahlkalen- theoretisch auch zugunsten rechtsextremer
ten“ politischen Kräften – die französi- ders“: Die Präsidentschaftswahl 2002 wur- Bewerber wirken. Und das könnte irgend-
schen Trotzkisten etwa konnten bei den de vor die Parlamentswahl gezogen, an- wann doch noch übel ins Auge gehen.
EP-Wahlen 1999, mit 5,2 Prozent der sonsten hätte sie kurz nach ihr stattgefun- Bernhard Schmid, Paris ■

10 : antifaschistische nachrichten 18-2002


: ausländer- und asylpolitik
berg 909. Nürnberg 10.9. Weimar - Bu-
chenwald / Jena 11.9. Gera-Markersdorf
Repräsentativunter- die Akten einsehen zu lassen, in denen / Zwickau 1209. Weißenfels /Volksstedt
suchung steht, wie ihr Sohn am 12. Dezember 13.9. Halberstadt / Braunschweig 14.9.
2001 ums Leben gekommen sein soll. Magdeburg 15.9. Halle 16.9. Neubran-
Berlin. Das Bundesministerium für Ar- Dieses Recht hätten sie nur in einem Er- denburg 17.9. Berlin 18.9. Berlin 19.9.
beit und Sozialordnung hat die Reprä- mittlungsverfahren in Anspruch nehmen Berlin 20.9. Berlin 21. September Ab-
sentativuntersuchung 2001 über die Situ- können. Diese „Vorermittlungen“ sind schlussdemonstration.
ation der ausländischen Arbeitnehmer nun abgeschlossen. Ergebnis negativ, die http://www.basicrights.de/caravan
und ihrer Familienangehörigen in der Akten sind endgültig geschlossen.
Bundesrepublik Deutschland veröffent- Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat „Sie sind da“
licht. Für die von MARPLAN (Offen- mitgeteilt, nicht strafrechtlich gegen die
bach) und polis (München) erstellte Stu- Ärztin und die Polizeibeamten vorzuge- Jena/Bremen. Hunderte Flüchtlinge
die wurden Ausländer aus den früheren hen, die dem 19jährigen Achidi J. ge- ziehen diesen Sommer kreuz und quer
vier Hauptanwerbeländern für Gastarbei- waltsam Brechmittel eingeflößt und da- durch Deutschland. Am Samstag, den
ter (Türkei, Griechenland, Italien, ehe- durch seinen Tod verursacht hatten. Es 17. August, setzte sich die „Karawane
maliges Jugoslawien) befragt. Insgesamt war der erste tödliche Brechmitteleinsatz für die Rechte der Flüchtlinge und Mi-
repräsentieren diese Gruppen 56 % der in der Bundesrepublik. gamma news ■ grantInnen“ in Bremen in Bewegung, um
ausländischen Wohnbevölkerung. innerhalb eines
Die Repräsentativuntersuchung gibt Monats 30 Städ-
Auskünfte über te, von Hamburg
* schulische und berufliche Situation über München
* Geld und Finanzen bis Magdeburg
* familiäre Situation zu besuchen. Sie
* Wohnverhältnisse macht auch in
* Freizeitkontakte und Freizeitaktivitäten Weimar-Buchen-
* Mediennutzung wald, in Jena,
* Sprachkenntnisse Gera und Mar-
* Politische Interessenvertretung und kersdorf Halt,
Ansprechpartner und zieht am 22.
* Aufenthaltsdauer und Zukunftspläne September, dem
* Diskriminierung und Ausländerfeind- Tag der Bundes-
lichkeit tagswahl, in Ber-
* Situation einzelner Personengruppen lin ein.
(junge Ausländer, Ältere, Arbeitslose, Schon vor vier
nicht-erwerbstätige Frauen). Jahren tourten
Die Repräsentativuntersuchung 2001 Flüchtlinge unter
wurde nach demselben Muster wie die dem Motto „Wir
Vorgängerstudien (1980, 1985, 1995) haben kein
durchgeführt. Es wurden im wesent- Stimmrecht, aber
lichen dieselben Fragen gestellt. Da- Flüchtlings-Karawane wir haben eine Stimme“ durch 44 Städte.
durch können die neuen Daten mit den Doch seitdem hat sich die Situation ra-
älteren verglichen und Entwicklungen Die „Karawane für die Rechte der sant verschlechtert. Flüchtlinge leben
festgestellt werden. Flüchtlinge und Migrant/innen“ hat am noch immer großteils in abgelegenen La-
Darüber hinaus beschäftigt sich ein 17. August in Bremen begonnen und gern, am Stadtrand oder in Wäldern, mit
Sonderteil der Studie – wie erstmals be- wird am Abend der Bundestagswahl, Arbeitsverbot und Aufenthaltspflicht.
reits 1995 – auch mit der Situation polni- dem 21. September, in Berlin enden. In Reisen ist für sie bei Strafe verboten.
scher Werkvertragsarbeitnehmer, Gast- verschiedenen Städten, Dörfern und Residenzpflicht heißt das Gesetz, wel-
arbeitnehmer und Saisonarbeiter. Flüchtlingsheimen in ganz Deutschland ches die Flüchtlinge in ihre Landkreise
Das Gesamtergebnis der Repräsentativ- soll versucht werden, die Zusammenar- bannt. Zuwiderhandlung wird mit hohen
untersuchung 2001 kann im Internet beit unter den Flüchtlingsorganisationen Geldstrafen, Zwangsarbeit oder gar Haft
unter http://www.bma.bund.de/ (The- intensivieren und Unterstützung für von geahndet. Doch sie wollen sich das nicht
menschwerpunkte: Ausländerbeschäfti- Flüchtlingen organisierten Widerstand mehr gefallen lassen. Die Jenaer Flücht-
gung/I ntegration) eingesehen werden. zu geben. Die Tour soll auch die untrag- lingsgruppe „The Voice“ stellt klar:
Außerdem kann eine inhaltsgleiche CD- baren, inhumanen Zustände in den deut- „Wir, die Flüchtlinge, tun uns zusam-
ROM, Best.-Nr.: C 501 (kostenlos), schen Flüchtlingsheimen, die sich meist men, um uns gegen unsere Illegalität zu
schriftlich beim Bundesministerium für in Wäldern oder abgelegenen Gegenden wehren.“
Arbeit und Sozialordnung, Referat Pu- befinden, in die Öffentlichkeit bringen. Die Flüchtlinge nehmen sich mit der
blikationen, Postfach 500, 53105 Bonn Mehr Infos: http://www.nadir.org/nadir/ Karawane ihr Recht auf Bewegungsfrei-
oder per E-Mail über mailto:info@bma. aktuell/2002/05/06/9932.html heit. Und die Karawane macht sich auf
bund.de angefordert werden. ■ Tourdaten: 18.8. Bramsche 19.8. Ol- den Weg zu jenen, die eingeschüchtert
denburg 20.8. Hannover / Langenhagen daheim geblieben sind, in ihren Heimen
Kein Tod durch Brechmittel? 21.8. Bremen 22.8. Rotenburg 23.8. und Lagern, um sie aus ihrer Isolation
Hamburg 24.8. Hamburg 25.8. Münster und Lethargie zu befreien. „Unser Ziel
Hamburg. Nicht der gewaltsame Brech- 26.8. Münster 27.8. Iserlohn / Arnsberg ist es, die Zusammenarbeit zwischen den
mitteleinsatz, sondern eine Herzschwä- 28.8. / 29.08. Frankfurt. Es folgen: Flüchtlingen zu stärken, Erfahrungen
che soll Schuld am Tod von Achidi J. ge- Ingelheim 30.8. Düsseldorf 31.8. Köln und Ideen auszutauschen, um die Isola-
wesen sein. Weiter ermittelt wird nicht. 1.9. Köln / Stuttgart 2.9. Stuttgart 03.09. tion zu beenden“.
Dafür lehnte es die Hamburger Staatsan- Tübingen 4.9. Augsburg 5.9. München Aber nicht nur das Recht auf Bewe-
waltschaft ab, die Eltern von Achidi J. 6.9. München 7.9. München 8.9. Nürn- gungsfreiheit steht im Mittelpunkt der

: antifaschistische nachrichten 18-2002 11


Karawane, sondern vor allem ihr Recht, auf einen Beschluss des Deutschen Ärz- Dauer nicht sinnvoll ist, dann steht es Ih-
hier zu bleiben. „Wir sind hier, weil ihr tetages. Danach sei eine Abschiebehilfe nen doch frei, zunächst einmal einen auf
unser Land zerstört!“ haben sich die durch Ärzte in Form von Flugbegleitung sechs Monaten befristeten Abschie-
Flüchtlinge auf die Fahnen geschrieben. oder zwangsweiser Verabreichung von bungsstopp anzuordnen und sich in die-
Sie wehren sich gegen Abschiebung und Psychopharmaka mit den in der ärzt- ser Zeit für einen entsprechenden Be-
gegen die neuen Ausreisezentren, die das lichen Berufsordnung verankerten ethi- schluss der Innenministerkonferenz ein-
neue sogenannte „Zuwanderungsgesetz“ schen Grundsätze nicht vereinbar. Nort- zusetzen. ...
vorsieht. heims Landrat Wickmann sagte, die Be- Ich hoffe, dass der Minister seine Ent-
Osaren Igbinoba, The VOICE hörde sei an gerichtliche Entscheidungen scheidung überdenkt und doch noch ei-
Refugee Forum ■ gebunden. Das Verwaltungsgericht habe nen Abschiebestopp für Roma aus dem
Jena, den 13. 8. 2002 keine Bedenken gegen eine Reisefähg- ehemaligen Jugoslawien anordnet.“
The VOICE Refugee Forum keit der Familie gehabt. Der geplante Ulla Jelpke ■
Schillergäßchen 5 Abschiebungstermin sei allerdings nicht
07745 Jena mehr akuell, vor Anfang September wer- Türkische Sprachschule
Tel.: 03641-665214, Fax. 03641- de die Abschiebung nicht stattfinden.
420270 Rund 100 deutsche und nichtdeutsche beantragt Kurdisch-Kurse
The VOICE Refugee Forum ist ein Netzwerk von Personen haben gegen die Abschiebung Istanbul. Nach den jüngsten Reformen
selbstorganisierten Gruppen von Flüchtlingen der Familie demonstriert. Bei einer in der Türkei hat erstmals eine Fremd-
und Menschenrechtsaktivisten in verschiedenen Kundgebung forderten Redner ein Blei- sprachenschule beim türkischen Bil-
deutschen Städten. The VOICE ist außerdem eine
der Koordinationsgruppen der Karawane-Tour in berecht für die Familie. (Quelle: Han- dungsministerium die Erteilung von kur-
Ostdeutschland. noversche Allgemeine Zeitung v. dischen Sprachkursen beantragt. Die
16.8/20.8.02) Kurse sollen in Istanbul, Ankara und Iz-
In Niedersachsen gibt es seit langer mir angeboten werden, sagte der Grün-
Ärzte gegen Flugbegleitung Zeit Auseinandersetzungen zu Abschie- der der Schule „English Fast“ Nazif Ül-
bei Abschiebung bungen dieser Personengruppe. Davon gen, am 6.8.02 in Istanbul. Die größte
Northeim. Die Ärztekammer Nieder- sind mehrere Hundert Personen betrof- Schwierigkeit bestehe darin, geeignete
sachsen hat sich einer Verfügung des fen. bee ■ Lehrer zu finden, da es in der Türkei kei-
Landkreises Northeim verweigert, die ne Einrichtung gebe, die Kurdisch-Leh-
Abschiebung einer siebenköpfigen Fa- Roma nicht abschieben! rer ausbilde.
milie in die Türkei ärztlich begleiten zu Als Lehrer präsentierte der Schulleiter
lassen. Die Standesorganisation der rund Vor dem Hintergrund der anhaltenden den Behörden einen Hochschulabsolven-
3300 niedergelassenen Ärzte in Nieder- Proteste von Roma in Nordrhein-Westfa- ten aus Schweden, der an der Universität
sachsen sehe bei einer ärztlich begleite- len gegen ihre Abschiebung in die Nach- Upsala kurdische Literatur und Ge-
ten Ausreise die Gefahr, dass „der Arzt- folgestaaten des ehemaligen Jugosla- schichte studiert hatte. Zumindest in der
beruf zum Vollzugsinstrument eines zu- wiens hat NRW-Innenminister Fritz Beh- Anfangszeit rechne er mit einer starken
mindest zweifelhaften Abschiebeverfah- rens erklärt, er sehe keine Notwendigkeit Nachfrage, meinte Ülgen.
rens“ werde, sagte am 15.8.02 ein Spre- für einen Abschiebestopp. Dazu die Nach Angaben des türkischen Bil-
cher der Ärztekammer. Bei den Eltern innenpolitische Sprecherin der PDS- dungsministeriums dürften die ersten
der betroffenen Familie bestehe eine me- Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke: Kurdisch-Kurse in etwa drei Monaten
dizinisch nachgewiesene Reiseunfähig- „Ich hatte Minister Behrens bereits angeboten werden. Die Zulassung von
keit. Unter anderem sei die Ehefrau sui- Mitte Juni aufgefordert, die Abschiebung privaten Kursen in „anderen traditionel-
zidgefährdet. Die Familie, die nach eige- von Roma aus Nordrhein-Westfalen zu len Sprachen und Dialekten“ als dem
nen Angaben aus dem Libanon kommt stoppen. Über einen Monat später be- Türkischen ist Teil eines weitreichenden
und vor dem Bürgerkrieg nach Deutsch- quemte sich der Minister schließlich zu Reformpaketes, das das türkische Parla-
land geflohen ist, lebt seit rund vierzehn einer Antwort: Die Situation in Jugosla- ment am 3. August mit Blick auf den an-
Jahren im Landkreis Northeim. Von der wien sei doch gar nicht so schlecht. Dies gestrebten EU-Beitritt verabschiedet hat-
Abschiebung sind der 44-jähige Vater, belege ein Bericht des Auswärtigen Am- te. Nach der erfolgten Zulassung des kur-
die 42-jährige Mutter sowie fünf Kinder tes. Wer dennoch in Gefahr sei, könne dischsprachigen Rundfunks in der Tür-
im Alter zwischen 9 und 18 Jahren be- dies vor Gericht geltend machen. Im kei verbreitete die Deutsche Welle am 7.
droht. Der Landkreis wirft der Familie übrigen sei der Abschiebestopp keine Sa- August erstmals einen Beitrag in kurdi-
vor, sich fälschlicherweise nicht als tür- che, über die NRW allein entscheiden scher Sprache in ihrem Internet-Ange-
kische Staatsbürger, sondern als staaten- könne. bot. Darin begrüßte der türkische Autor
lose Libanesen ausgegeben zu haben. Das Wegschieben der Verantwortung, Muhsin Kizilkaya die Entscheidung des
Damit hätten sie sich unzulässigerweise das hier deutlich wird, habe ich in meiner türkischen Parlaments als eine „histori-
ein Bleiberecht in Deutschland ver- Antwort an den Minister als kaum er- sche Wende“. Sie werde die Türkei statt
schafft und jahrelang zu Unrecht Sozial- träglich bezeichnet. Das Ausländergesetz zu spalten noch stärker einen, schreibt
hilfe bezogen. Die Betroffenen selbst ge- weist nun einmal den Innenministern die der Autor auf der türkischen Internetseite
ben an, ihre Vorfahren seien von der Tür- Verantwortung dafür zu, dass Gruppen, des deutschen Auslandssenders.
kei aus in den Libanon emigriert. Nach die kollektiv einer Gefahr ausgesetzt Aus der Sicht der Kurden beginne jetzt
Angaben des niedersächsischen Flücht- sind, auch kollektiv durch einen Ab- „eine große Prüfung“. Da sie vom türki-
lingsrates verfügen die Betroffenen über schiebestopperlass geschützt werden. schen Staat mangels fehlender Kurdisch-
keinerlei soziale Strukturen in der Türkei Der Einzelne hat da kaum eine Möglich- Lehrer nicht viel zu erwarten hätten,
und sprechen auch kein Türkisch. Nach keit. In meinem Schreiben heißt es dann müssten sie „sofort die Ärmel aufkrem-
Angaben der Ärztekammer ist der Fall weiter: „Deshalb kommt es darauf an, peln und sich von Neuem mit ihrer eige-
der Northeimer Familie offenbar die er- dass Sie als Innenminister sorgfältig prü- nen Sprache versöhnen“. Wenn sie diese
ste behördlich angeordnete ärztliche Be- fen, ob in Fällen von Personengruppen Chance nicht nutzten, liefen sie Gefahr,
gleitung einer zwangsweisen Ausreise die Lage in den Zielstaaten eine Abschie- ihre seit 1000 Jahren überlieferte Spra-
aus Niedersachsen. bung dorthin rechtfertigt. Wenn Sie mei- che doch noch zu verlieren.
Die Standesvertretung stützt sich in ih- nen, dass eine eigenständige Regelung Quelle: dpa-Kulturpolitik, Nr. 33,
rer Ablehnung einer solchen Begleitung durch das Land Nordrhein-Westfalen auf 12.8.2- bee ■

12 : antifaschistische nachrichten 18-2002


„Wählen gehen – und in kei-
nem Fall für rechte Kandidaten
und Parteien stimmen!“ lautet
Keine Rechten ins
der Aufruf der VVN-BdA in einer Er-
klärung zur bevorstehenden Bundes-
tagswahl, der als Flugblatt der VVN-
Parlament!
VVN-BdA gegen Wahlverzicht und gegen die Wahl rechter Kandidaten
BdA bundesweit verbreitet wird.
Wer nicht zur Wahl gehe, überlasse Rechten betroffen sein können: Von Ar- dem Parlament und aus der Politik drau-
anderen die Entscheidung über die beitslosen wird eine höhere Mobilität er- ßen bleiben!
Zusammensetzung des Parlaments. wartet, die Zumutbarkeitsregeln sollen ■ Wahlen allein garantieren jedoch
Wir dokumentieren den Text: weiter herabgesetzt werden; Empfänger noch keine bessere Politik.
von Arbeitslosen- und Sozialhilfe sollen
■ Ob NPD, DVU, PRO oder „Republi- zu gemeinnützigen Arbeiten Dafür müssen wir uns in Bürgerinitiati-
kaner“ – ven, sozialen Bewegungen und Aktionen
engagieren.
Neofaschisten und Rechtsradikale versu- J6
chen sich als die lnteressenvertreter der JAber der Verzicht aufs Wählen bringt
so genannten „kleinen Leute“ darzustel- auch keine Verbesserung. Wer nicht zur
len. Mit Parolen wie „Gegen System und Wahl geht, überlässt anderen, wenigen
Kapital“ oder „Deutsche Arbeitsplätze die Entscheidung. Diese bestimmen dann
für Deutsche“ täuschen sie vor, in Oppo- die Zusammensetzung des Parlaments.
sition zu den bestehenden Parteien zu ste- Sie bringen denen die Regierungsmehr-
hen und Lösungen für die dringendsten heit, die die Mehrheit der Bürgerinnen
sozialen Probleme unserer Gesellschaft und Bürger womöglich gar nicht will.
zu haben. ■ Deshalb: Wählen gehen – und in
■ Doch was steckt wirklich dahinter? keinem Fall für rechteKandidaten
und Parteien stimmen!
Schon die Nazis haben „Zinsknecht-
schaft“ und das „raffende Kapital“ für Wir wollen in Frieden und Freiheit leben,
Übel in der Weimarer Republik verant- wollen soziale Gerechtigkeit, menschen-
wortlich gemacht. Gegen die deutsche zwangsverpflichtet werden und Frauen würdige Lebensverhältnisse und eine ge-
Großindustrie haben sie jedoch nie etwas sollen weitgehend aus dem Erwerbsleben sicherte Zukunft. Jede Art von Nazismus,
unternommen. Im Gegenteil: Durch das gedrängt werden. Rassismus und Militarismus stehen dem
Führer- und Gefolgschaftsprinzip in den Auch vor direkter Gewaltanwendung entgegen, stellen unser Dasein und unse-
Betrieben, das Verbot der Gewerkschaf- schrecken die Neofaschisten nicht zu- re Zukunft in Frage. Diese bittere Erfah-
ten und Unterdrückung jeglicher Opposi- rück. Immer wieder sind Mitglieder und rung haben Millionen Menschen mit Fa-
tion schufen die Nazis optimale Ausbeu- Funktionäre von neofaschistischen Par- schismus und Krieg machen müssen. Al-
tungsbedingungen für das deutsche Kapi- teien und Organisationen an Übergriffen les, was Nazismus, Rechtsextremismus,
tal. Und: Wer nicht parierte, hatte mit den und Anschlägen beteiligt. Die Opfer sind Rassismus, Antisemitismus und Milita-
schlimmsten Folgen zu rechnen! Es nie die Mächtigen, die Verantwortlichen rismus beinhaltet oder fördert, muss ab-
herrschten blanke Unterdrückung und für massiven Sozial- und Grundrechteab- gelehnt und überwunden werden.
Terror. bau, sondern die Schwächsten und Ärm- Wer Neofaschismus, Rassismus und
■ Mit alten Rezepten die aktuellen sten der Gesellschaft: Asylsuchende, Ob- Militarisierung wirklich bekämpfen will,
Probleme lösen? dachlose, Behinderte, sozial Schwache ● darf ihnen keine Nahrung geben,
und andere Minderheiten. Was heute ih- muss ihre Wurzeln beseitigen,
Auch heute gehen die rechtsradikalen nen droht, richtet sich morgen auch gegen ● muss Demokratie stärken und aus-
und neofaschistischen Parteien diesen alle anderen Menschen. Unsere Erfahrun- bauen, darf sie nicht einschränken,
Weg: Die Gewerkschaften, als größte gen aus der Nazizeit belegen: Neofa- ● muss in allen Bereichen für die sozi-
Gegenkraft gegen hemmungslosen Sozi- schisten und Rechtsradikale sind die ge- alen und politischen Menschenrechte, für
alabbau und unternehmerische Willkür walttätigsten Unterdrücker von morgen. soziale Gerechtigkeit und Sozialstaatlich-
am Arbeitsplatz, werden massiv angegrif- Bei aller berechtigten Empörung über keit wirken, Sozialabbau verhindern,
fen. Statt auf die Interessenvertretung der nicht eingehaltene Versprechen, ausge- ● muss Friedenspolitik und darf keine
Arbeitnehmer sollen sie auf ein ver- bliebene soziale Gerechtigkeit, Ein- Kriegspolitik betreiben.
schwommenes „Allgemeinwohl“ ver- schränkung demokratischer Rechte, ver- Hemmungsloser Neoliberalismus mit
pflichtet werden und den Interessen- hängnisvoller Militarisierung und seinen asozialen Folgen vergrößert zu-
gegensatz von Kapital und Arbeit ver- Kriegsbeteiligung, über neoliberale Pri- gleich den Nährboden für Rechtsextre-
nachlässigen. Dagegen haben alle neofa- vatisierung und damit verbunden Sozial- misten und Rechtspopulisten. Sie stellen
schistischen und rechten Parteien – egal abbau, nicht überwundene Massenar- Ausländer und andere Minderheiten als
ob NPD, DVU, REP, PRO oder wie sie beitslosigkeit: Wählen Sie nicht diejeni- die Sündenböcke hin. Aber auch demo-
auch heißen mögen – in ihren Program- gen, die mit rechtspopulistischen Sprü- kratische Politiker versuchen mit solchen
men ein Bekenntnis zum „freien Unter- chen und mit Sündenbocktheorien von Touren Stimmen zu fangen. Es drohen
nehmertum“. Von den Rechten wird die den wirklich Verantwortlichen ablenken Neuauflagen ausländerfeindlicher Stim-
Schuld für fast alle sozialen Probleme und mit ihrer Politik alles noch viel mungsmache à la Roland Koch – unge-
den Ausländerinnen und Ausländern zu- schlimmer machen. Zum notwendigen achtet der Aufforderung des Bundesta-
geschoben. Sie sollen als Sündenböcke Kurswechsel in der Politik haben Neofa- ges, „Wahlkämpfe nicht auf dem Rücken
für alle gesellschaftlichen Probleme her- schisten und Rechtspopulisten nichts bei- von Minderheiten bzw. Menschen ande-
halten. Aber: Alle, die heute überlegen, zutragen. rer Herkunft zu führen“.
rechte Parteien zu wählen, sollten sich Im Gegenteil: Ein wichtiger Schritt zur Das alles sollte bei der Wahlentschei-
darüber im Klaren sein, dass morgen sie Änderung und Verbesserung der Verhält- dung beachtet werden.
selbst von der Ausgrenzungspolitik der nisse ist, dafür zu sorgen, dass sie aus

: antifaschistische nachrichten 18-2002 13


: neuerscheinungen, ankündigungen
politik fortsetzen wollen; und
sie liefert Beispiele für kon-
krete Aktionen gegen den
Grenzen auf für Deutschland? ben derlei längst hinter Gesetzestexte müssten aufge- deutschen Revanchismus.
sich gelassen und deut- hoben werden. Verknüpft Wir haben versucht, für die
schen Revisionsansprü- wird diese Zumutung mit der notwenigen Auseinanderset-
chen eine neue Gestalt Drohung, den Beitritt der zungen mit dem deutschen
gegeben: Volksgruppen- Tschechischen Republik zur Hegemonialstreben in Europa
rechte werden als allge- Europäischen Union zu ver- Argumente zur Verfügung zu
meine Menschenrechte oder behindern. stellen. Wir wünschen uns
ausgegeben, die nationa- Auch eine andere Forde- Kritik und weiterführende
le Ebene hinter der „eu- rung der „Vertriebenen“ -Ver- Hinweise, aber auch, dass die-
Aktuelle Analysen zu Pan-Europa, ropäischen“ versteckt. bände – die Errichtung eines se Veröffentlichung Anstöße
Revanchismus, Ost-Expansion Charakteristisch für „Zentrums gegen Vertreibun- für eine aktionsorientierte
den europäisch orientier- gen“ – ist von der rot-grünen Auseinandersetzung mit den
ten Revanchismus ist Bundesregierung übernom- Trägern der friedensgefähr-
eine besondere Form von men worden. Noch kurz vor denden revanchistischen und
Grenzrevision: Grenzen der parlamentarischen Som- nach Vorherrschaft strebenden
zwischen Deutschland merpause hat der Bundestag Politik gibt.
und den als „deutsch“
Kommission „Neofaschismus“ der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschi-
stinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) in NRW, Hartmut-Meyer-Archiv und Georg-Herde-Archiv beschlossen, die Einrichtung Die Herausgeber ■
beanspruchten Territo- eines „Europäischen Zen- Hier ein Überblick über den
Grenzen auf für rien sollen nicht mehr trums gegen Vertreibungen“ Inhalt:
militärisch beseitigt, sondern voranzutreiben. Auch hier
Deutschland? über die europäische Zu- wird der deutsche Revan- ◗ Grenze als Raum. Grenz-
Aktuelle Analysen zu Pan- sammenarbeit aufgehoben chismus auf die europäische übergreifende Regionalpolitik
Europa, Revanchismus und werden. Dies soll Deutsch- Ebene gehoben. Diese Politik der NSDAP am Beispiel des
Ost-Expansion land einen weitreichenden scheint hegemonial zu wer- Städtedreiecks Aachen-Maast-
Hrsg.: Kommission „Neofa- Einfluss auf die jeweiligen den, da die Parteien nur noch richt- Liege. Von Thomas
schismus“ der Vereinigung Gebiete ermöglichen. Genau- darin wetteifern, wer ein grö- Müller
der Verfolgten des Nazire- er soll es dem deutschen Ka- ßeres Zentrum an geeignete-
gimes - Bund der Antifa- pital den widerspruchsfreien rer Stelle realisieren kann. ◗ Die „Abteilung G“ - „Raum-
schistinnen und Antifaschis- Zugriff auf Arbeitskräfte, Eine grundsätzliche Kritik an ordnung“ im „Nordwestraum“
ten (VVN-BdA) NRW, Hart- Märkte und Rohstoffe si- diesem Gegenentwurf zum Deutsche „Volksgruppenpoli-
mut Meyer-und Georg Her- chern. „Grenzen auf für Holocaust- Mahnmal ist tik“. Von Holger Kuhr
de Archiv. 80 Seiten, 4 Euro Deutschland“ lautet die For- kaum noch hörbar.
+Porto, zu bestellen bei derung, die der europäisch Diese neueste Entwicklung ◗ Regieführung aus der zwei-
VVN-BdA NRW, Gathe 55, orientierte Revanchismus mit konnte in der vorliegenden ten Reihe. Das „europäische
42107 Wuppertal, Tel./Fax der europäischen Einigung Broschüre, deren Planung An- Kaliningrad-Projekt“ und
0202-450629, verbindet. fang des Jahres weitgehend die deutsche Realpolitik
ab 10 Ex. 3,50 + Porto „Grenzen auf für Deutsch- abgeschlossen war, nur unzu- gegenüber der russischen Ob-
vvn-bdanrw@freenet.de, land?“ lautete der Titel eines reichend berücksichtigt wer- last. Von Holger Kuhr
www.vvn-bda.de Wochenendseminars der Her- den. Insbesondere fehlen eine
ausgeber dieser Broschüre, Darstellung der neuen Dyna- ◗ Die „Landsmannschaft
Der deutsche Revanchismus das im Dezember 2001 statt- mik der Debatte um die so ge- Schlesien“ und das „Schlesier-
ist mehr als ein Relikt der fand. Die dort gehaltenen Re- nannten „Benes- Dekrete“, treffen“ 2003 in Hannover.
Vergangenheit, er ist im ferate sind – um einige Texte eine Darstellung des geplan- Von Detlef von Busch
Gegenteil aus dem Schatten- erweitert – in dieser Broschü- ten „Zentrums gegen Vertrei-
dasein des Patronats der Ver- re abgedruckt. Sie beschäfti- bungen“ sowie eine Analyse ◗ Die sogenannten Benes De-
triebenverbände heraus- und gen sich mit verschiedenen einer besonderen Form der krete-Mythen und Realität-
in der Mitte der politischen Aspekten der Neuordnung Ausweitung deutschen ein Diskussionsbeitrag von
Macht angekommen. Immer Europas unter deutscher Vor- Machtstrebens, der „Eurore- Emil Hruska
noch wird das Thema „Re- herrschaft, freilich ohne den gionen“. Die Auseinanderset-
vanchismus“ gerne mit den Anspruch zu erheben, dies zung mit diesen Teilen deut- ◗ „Nach Ostland wollen wir
deutschen „Vertriebenen“- auf knapp 80 Seiten umfas- scher Hegemonialpolitik müs- reiten...“. Ein kurzer Einblick
Verbänden gleichgesetzt; send tun zu können. sen wir an anderer Stelle füh- in das Spektrum der „Vertrie-
diese wiederum gelten als Spätestens mit dem Beginn ren. Auf die Literaturliste benenverbände“. Von Jos
„Ewig-Gestrige“, die einer des Jahres 2002 hat der euro- wird hier noch mal ausdrück- Fritz
antiquiert-völkischen Kultur päisch orientierte Zweig des lich verwiesen.
anhängen und ihren vor ei- deutschen Revanchismus eine Die vorliegende Broschüre ◗ Die Paneuropa-Union. Ernst
nem halben Jahrhundert ver- neue Qualität gefunden. Er ist liefert jedoch den Hintergrund Kovahl und Jörg Kronauer
lassenen Herkunftsgebieten von der rot-grünen Bundesre- für die anstehenden Debatten.
(„Heimat“) nachtrauern. Die gierung zu einem Teil ihrer Sie beschreibt die deutsche ◗ Der Aachener Karlspreis.
sogenannte Kulturarbeit ver- Politik gemacht geworden. In „Volksgruppen“ - Politik, die Von Thomas Müller
niedlichte das politische Pro- der Debatte um die so ge- ein zentrales Element des ◗ Aktionsbeispiel für Gegen-
blem. Wer vermutet schon ag- nannten „Benes-Dekrete“ hat deutschen Revanchismus bil- aktion in Düren. Von Dominik
gressive Absichten bei die deutsche Regierung For- det; sie stellt das revanchisti- Clemens
Trachtentänzen und ähnlicher derungen der „Vertriebenen“ - sche Spektrum dar, auf das ◗ Die Agnes Miegel Straße –
Folklore. Intelligentere Ver- Verbände öffentlich übernom- die deutschen Staatsapparate Hertener Aktionsbündnis ge-
treterinnen und Vertreter des men, etwa die Forderung, die zurückgreifen müssen, wenn gen Faschismus und Ras-
deutschen Revanchismus ha- entsprechenden tschechischen sie ihre offene Hegemonial- sismus ■

14 : antifaschistische nachrichten 18-2002


Nato-Krieg im Gerichtssaal Der Leser kann sich somit ein eigenes strategische Planungen der US-Regie-
Ein Lesebuch soll Wissen und Meinun- Bild über den Fall Milosevic und den rung
gen vermitteln. So auch das von Ralph Haager Prozess machen. Der Autor ver- ◗ Ein Jahr nach dem 11. September –
Hartmann, einem der ehemaligen DDR- tritt die Meinung, dass es im Haager Ge- eine Bilanz
Botschafter in Jugoslawien. Der Titel: richtssaal nicht um eine Privatperson ◗ Afghanistan und die Folgen für die
„Der Fall Milosevic“. geht, zu der man stehen kann, wie man Unsicherheit in den USA und in der
Der Autor behandelt in acht Kapiteln will und es für richtig hält, sondern um Bundesrepublik
den Fall, nicht die Person Slobodan Mi- einen Fall von größter politischer Bri- ◗ Der deutsche Weg – Begriff und Ge-
losevics, des ehemaligen frei gewählten sanz und Tragweite. Ein ungewöhnli- schichte als Teil des deutschen Milita-
und ebenso frei abgewählten Staatsober- ches, aber notwendiges Buch, auf- rismus
hauptes Jugoslawiens vor den Schran- schlussreich und spannend. ◗ Bilanz der SPD-Grünen-Regierung
ken des sogenannten Haager Kriegsver- Franz-Karl Hitze ■ 1998-2002 in Sachen „Krieg & Frieden“
brechertribunals der UNO. Auf Geheiß ◗ CDU-CSU-Konzeption der Außen-
der Nato – insbesondere der USA – wird Ralph Hartmann: Der Fall Milosevic – und Militärpolitik
nach dem 78tägigen Bombenkrieg der ein Lesebuch. Karl Dietz Verlag, Ber- ◗ Lage in Israel und Palästina, Gespräch
Nato gegen Jugoslawien hier im Ge- lin 2002, br. 256 Seiten, 12,80 Euro mit Kriegsdienstverweigerern
richtssaal der Nato-Krieg mit pseudoju-
ristischen Mitteln gegen Serbien fortge- Autor/inn/en der neuen
setzt. Ausgabe: Tariq Ali, Mi-
Ausführlich beschrieben wird die Ver- chael Haid, Claudia
haftung des ehemaligen Staatsoberhaup- Haydt,^Ulla Jelpke,
tes Jugoslawiens in Belgrad durch die Mohssen Massarrat, Tobi-
Beauftragten der Regierung Serbiens as Pflüger, Anne Rieger,
und ihres Premiers Zoran Djindjic. In Uli Sander, Eckhart Spoo,
diesem Zusammenhang ist das nationale Jürgen Wagner, Winfried
und internationale Echo interessant zu Wolf u.a.
lesen. Großen Raum widmet Hartmann
dem Haager Tribunal, dem Auftrag, dem Die Zeitung wird 12 Sei-
Aufbau und dem Mandat der Gerichts- ten umfassen. Der Abnah-
höfe. Er schildert die verfassungswidri- Es gibt eine neue „Zeitung mepreis: 15 Cent je Ex. bei Bestellungen
ge Auslieferung Milosevics an das Haa- gegen den Krieg“! bis 100 Ex. + Porto, 15 Cent je Ex. bei
ger Tribunal, seinen Aufenthalt in Bestellungen bis 500 Ex., 12 Cent je Ex.
Schevringen und die Prozessvorberei- Sofort bestellen, dann ist sie noch bei Bestellungen ab 500 Ex. Spenden
tungen. Von besonderer Wichtigkeit sind zum Antikriegstag bei Euch! sind notwendig und willkommen!
die Wortlaute der Erklärungen, Stellung- e-mail an: zgk@imi-online.de oder Tobias Pflüger, Informationsstelle Mili-
nahmen und Verteidigungsplädoyers des winfried.wolf@bundestag.de tarisierung (IMI) e.V.. Tübingen
Angeklagten, die in den ersten Prozess- Fax an: 030-227-76068 Winfried Wolf, MdB, Berlin / Mannheim,
tagen über TV-Satellit in alle Ecken der Fax: 030 - 227 - 76068 oder email:
Welt übertragen wurden, bis es der Die 11. Ausgabe der „Zeitung gegen den winfried.wolf@bundestag.de
Chefanklägerin Carla del Ponte zu ris- Krieg“ wird ab dem 28. August in Ver- Bestellzettel zum Download und
kant wurde. Denn der Angeklagte wurde trieb gehen. Folgende Themen sind in Ausdrucken:
zum Ankläger gegen die Nato-Kriegs- der „Zeitung gegen den Krieg“ u.a. drin: http://imi-online.de/download/ZgK-
verbrechen in Jugoslawien. Viele bisher ◗ Bundesregierung & Bundeswehr und Bestellzettel.rtf
unzugängliche Hintergrundinformatio- der kommende Krieg und http://www.imi-
nen, ausgewählte Dokumente und Arti- ◗ Öl-Interessen und der kommende online.de/print.php3?id=178 ■
kel von neutralen Justiz- und Völker- Krieg gegen den Irak
rechtsexperten erhellen den wahren ◗ Kriegsvorbereitungen in den USA –
Hintergrund der Umstände des Prozes- verschiedene Aufmarschpläne. Neue Spendet für die
ses gegen Slobodan Milosevic. Antifaschistischen
Nachrichten!
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über: Insgesamt sind bisher
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73.
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Postfach 260 226, 50515 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach 983,– Euro eingetroffen
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25,
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
(Stand 9. August 2002)
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart, Vielen Dank! Leider ist damit
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln.
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro.
bei weitem noch nicht das
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Postfach 260 226, 50515 Köln. Sonderbestellungen sind Spendenziel von 3000 Euro
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. erreicht. Also, wenn nach dem
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein-
Urlaub noch ein paar Euro
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung übrig sind – jede kleine Spende
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. zählt..
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (MdB Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsge-
meinschaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (Bund der Antifaschisten, Dachverband); Dr. Christel Hartinger (Frieden- Spendenkonto:
szentrum e.V., Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke, (MdB PDS);
Jochen Koeniger (Arbeitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen
GNN-Verlag, Postbank
(Mitglieder des Vorstandes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschisti- Köln, BLZ 370 100 50,
sche Nachrichten); Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo
Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (Info Pool Network); Bernhard Strasdeit (MdB-Büro Winfried Konto 10419507
Wolf); Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 18-2002 15


: aus der faschistischen presse

Prominente Interviewpart- Verdrossenheit profitieren“. Zur Zeit


ner sind 32 rechts einzuordnende Abgeord-
Junge Freiheit 33, 34 + 35 - 2002 nete im EU-Parlament fraktionslos.
Mit ganzseitigen Anzeigen in mehreren Dazu zählen z.B. die Abgeordneten des
Ausgaben der ,Jungen Freiheit‘ wirbt die Front National, die französischen Mon-
Schill-Partei um Wählerstimmen und archisten, der Vlaams Blok, die Lega
Mitglieder. Ulbricht, Kohl, Schröder, Fi- Nord und die FPÖ-Abgeordneten.
scher und der Baron von Münchhausen In JF Nr. 34 ist Heinrich Oberreuter,
werden mit Zitaten bemüht, um die Direktor des Hannah-Arendt-Instituts
Schlussfolgerung zu ziehen: „Schluss Interview-Partner des Blattes. Auch
mit dem Unsinn! Mit Sicherheit Schill!“ wenn er sich nicht festlegen lässt, das an- auf eine positive Stellungnahme zu Rie-
– eine Gedankenkombination, deren gestrebte NPD-Verbot als falsch zu be- fenstahl festzunageln, zurück.
Sinn sich eigentlich auch nicht so recht zeichnen, bleibt die Frage, weshalb er Gefragt nach seiner Zeit als Professor
erschließen lässt. sich überhaupt für das Blatt interviewen in Te Aviv, wo er seinen Studenten Rie-
Und noch ein zweiter treibt Wahl- lässt. Wahrscheinlich wegen dieser An- fenstahl-Filme vorführte, kontert er: „Ja
kampf: Heinrich Lummer (CDU) wirbt sicht: „Oberreuter: Die Lehre, die wir und meine Studenten haben sie dialek-
für eine Broschüre der Deutschen Kon- aus der Vergangenheit ziehen müssen, tisch beurteilt: Zum einen wurde die bril-
servativen e.V. „Müntefering. Die Spen- heißt eben Zivilcourage zu zeigen und lante Ästhetik der Filme gelobt, zum an-
den - Der Skandal - Der ,SPD-General’“, nicht, sich der zeitgeistkonformen politi- deren aber ihre Zwecke problematisiert.
die kostenlos zu beziehen ist, und den cal correctness zu befleißigen. Die größ- Fazit: Hätte Riefenstahls Werk einen hu-
Wahlkampf der SPD angeblich noch te Gefahr für die Demokratie ist es, ihre manen Zweck gedient, hätten die Stu-
schwerer machen wird. Grundlage zu vergessen, nämlich den denten ihre Werke als geniales Kunst-
Frank Philip und Jörg Fischer befas- Pluralismus der Meinungen und Organi- werk betrachtet.“ Einem solchen Zweck
sen sich mit dem Treffen von Haider, sationen. Deshalb stellt die political cor- hat es aber eben nicht gedient, wie die
Lega Nord und Vlaams Blok und kom- rectness auch eine so große Gefahr dar, jüngste Auseinandersetzung zwischen
men zu der Erkenntnis, dass eine rechte ebenso wie das allzu leichtfertige Ope- Roma-Überlebenden und Leni Riefen-
Internationale noch nicht in Sicht ist. An- rieren im verfassungsrechtlichen Grenz- stahl erst wieder gezeigt hat. Ihre Be-
dreas Mölzer, Herausgeber der Wiener bereich. Und nicht jeder, der eine andere hauptung, alle von ihr als Statisten einge-
Wochenzeitung „Zur Zeit“ hatte das Meinung hat als wir selbst, sollte gleich setzten Roma-Zwangsarbeiter hätten den
Treffen organisiert und wird auch mit über den Rand der Verfassung gedrängt Nationalsozialismus unbeschadet über-
seiner Äußerung im „Standard“ zitiert: werden.“ Ärgerlich, dass den Machern standen, musste sie zurücknehmen.
„In Deutschland gibt es genug Obsku- des Blattes immer wieder solche Steil-
ranten, mit denen man nichts zu tun ha- vorlagen geliefert werden, mit denen sie „Republikanischer Ruck“
ben sollte. Kleinparteien, wo die Hälfte aus der rechten Ecke herausgeholt wer-
der Führung aus V-Leuten des Verfas- den und auf die sie sich beziehen kön- „Der Republikaner“ erscheint als Wahl-
sungsschutzes und die andere Hälfte aus nen. kampfausgabe: „An alle Haushalte mit
halbseidenen Personen besteht“. Das passiert dann in Nr. 35 gleich Tagespost“. Wieweit das Blatt tatsäch-
Laut JF schlug FPÖ-Generalsekretär noch einmal. Diesmal ist Interviewpart- lich flächendeckend in den Briefkästen
Peter Sichrovsky schon vor ein paar Mo- ner der Filmtheoretiker Hilmar Hoff- landet, wird nicht festzustellen sein. Das
naten eine europaweite „Liste Jörg Hai- mann, von 1970 bis 1990 Kulturdezer- wäre ein enormer finanzieller Einsatz,
der“ vor, „denn mit Haider als Chef einer nent der Stadt Frankfurt und von 1993 der bei dem Zustand der Partei eher
rechtspopulistischen Fraktion im Straß- bis Anfang 2002 Präsident des Goethe- überraschen würde.
burger Parlament nach den Europawah- Instituts. Er lässt sich anlässlich des 100. „Protest wählen“, „Korruptionspar-
len 2004 könnten die europäischen Geburtstags von Leni Riefenstahl befra- teien? Nein danke?“ sind die alt bekann-
Rechtsparteien von zunehmender EU- gen, weist allerdings alle Versuche, ihn ten Hauptparolen, auch auf den Plakaten
wenig Neues: „Das Boot ist voll“, Bil-
dung fördern statt Zuwanderung“,
„Rückführung statt Zuwanderung“ und
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
„Der Teuro muss weg“. Durch Deutsch-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: land müsse ein „republikanischer Ruck“
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich gehen, heißt es in Anlehnung an den ehe-
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
maligen Bundespräsidenten Herzog, da-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
mit Politik wieder „dem deutschen Vol-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
ke“ dient, wie es auf dem Reichstag ge-
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 60,- DM). schrieben stehe.
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten Der Vorsitzende Rolf Schlierer wird in
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) den nächsten Wochen auf Tour ge-
schickt: Groß angekündigt wird der 6.
Name: Adresse: September um 16 Uhr auf dem Alexan-
derplatz, um 18 Uhr auf dem Breit-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts scheidplatz, sowie der 13.9. in Frank-
furt/M., 17 Uhr im Römer, außerdem:
Unterschrift
28.8. Steinbrünning, 30.8. Rosenheim,
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
1.9. Mainz-Kastel, 7.9. Hannover, 11.9.
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
Augsburg, 18.9. Saarbrücken, 20.9. Bie-
tigheim. u.b. ■

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