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:antifaschistische Nr.

13
nachrichten g 3336 1.7.2004 20. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Neofaschisten
erhalten 53
Kommunalmandate
Nach der Kommunalwahl in
Sachsen sind Rechtsextreme in
fünf Kreistagen und zwölf Räten
vertreten. Landespolitiker zeigen
sich betroffen, örtliche Initiativen sind
von den Wahlerfolgen aber alles andere
als überrascht.
Rund 200 Neofaschisten konnten am Samstag, 26. Juni in Bochum gegen den
An einen solchen Zuspruch hat die NPD geplanten Synagogenbau demonstrieren. Das BVG hatte zuvor Verbotsverfü-
in Reinhardsdorf-Schöna wohl selbst gungen von NRW-Gerichten aufgehoben.
nicht geglaubt. 25,4 Prozent der Bürger
votierten für die rechtsextreme Partei.
Das hätte für drei Mandate gereicht; es Gedenkstättenkonzept der CDU/CSU:
gab aber nur zwei Kandidaten. Nun
bleibt ein Sitz ungenutzt.
Zur Erleichterung bietet dieser Faux-
Zeugnis unbewältigter
pas keinen Anlass, schließlich haben
Rechtsextreme bei der sächsischen Kom-
munalwahl am Sonntag einen beispiello-
NS-Vergangenheit
sen Erfolg verbuchen können. NPD und Die Bundestagsfraktion der Die angestrebte Parallelisierung führt
Republikaner erhalten zusammen 13 CDU/CSU hat einen ursprünglich zwangsläufig dazu, dass zuvor unvor-
Mandate in Kreistagen sowie 40 Sitze in im November 2003 eingereich- stellbare Untaten bagatellisiert werden.
Stadt- und Gemeinderäten. Im Kreistag ten, im Ergebnis des sächsischen Ge- Der Antrag listet mehr auf die DDR als
der Sächsischen Schweiz stellt die NPD denkstättenstreits zu Beginn desJahres auf die NS-Diktatur bezogene Gedenkor-
künftig die drittstärkste Fraktion; in eini- zurückgezogenen Antrag zur Gedenk- te auf. Die angebliche „Pluralität der
gen Gemeinden ist sie gar zweite Kraft. stättenförderung Anfang Mai in nur ge- Konzeptionen“ äußert sich in Angriffen
Mit Zustimmung für die NPD war be- ringfügig geänderter Fassung wieder auf antifaschistische Traditionen der
sonders in der Sächsischen Schweiz ge- eingebracht. Unter geschichtsrevisionis- DDR und fehlender Kritik an Kontinu-
rechnet worden. Dort gelangen der Partei tischen Formeln wie „Gedenkstätten itäten und Verdrängungen in der Bundes-
auch früher teils zweistellige Ergebnisse. zur Diktaturgeschichte in Deutschland“ republik.
NPD-Hochburg ist die Region noch im- und „würdiges Gedenken aller Opfer Es ist nur folgerichtig, dass sich unter
mer. Künftig aber sind Rechtsextreme der beiden deutschen Diktaturen“ soll den Unterzeichnern Namen finden, die
flächendeckend in Kommunalparlamen- die seit Jahren angestrebte und bereits Symbolwert dafür haben, die Naziverg-
ten vertreten. Im Muldentalkreis reicht es vielfach anzutreffende Parallelisierung angenheit zu bagatellisieren. Einige von
für die NPD zur Fraktionsstärke, in von DDR und NS-Diktatur in der Ge- ihnen ließen dies auch in der ungeklärten
Chemnitz für die Republikaner. Zwei denkpolitik der Bundesrepublik festge- Hohmann-Affäre oder der jüngsten Ver-
oder mehr Mandate gab es zudem unter schrieben werden. treibungsdebatte erkennen, darunter Pe-
anderem in den Räten von Dresden, An- ter Gauweiler, Vera Lengsfeld, Günter
naberg, Freiberg, Riesa, Wurzen, Meißen Das vorgelegte Konzept beweist und Nooke und Erika Steinbach.
und Sebnitz. veranschaulicht: Einflussreiche Gruppen Der Antrag stellt am Beginn einer neu-
Das Erschrecken über den Wahlerfolg, im konservativen Lager sind noch im 60. en Wahlperiode des Parlaments der soe-
den beide Parteien durch mehr als drei Jahr nach der Befreiung vom Faschismus ben erheblich vergrößerten EU eine Pro-
Prozent Zustimmung bei der Europawahl nicht gewillt und nicht fähig, den über- vokation der europäischen Opfer des Fa-
untermauerten, ist groß. fälligen konsequenten Bruch mit der Na- schismus, ihrer Angehörigen und Hinter-
weiter Seite 3 zibarbarei auch durch die bedingungslo- bliebenen, der entschieden antinazistisch
se Anerkennung der weltgeschichtlichen gesinnten Mehrheit der europäischen Be-
Einzigartigkeit – und in diesem Sinn völkerung dar. Alle Abgeordneten des
Aus dem Inhalt: auch Unvergleichbarkeit – der Art und Deutschen Bundestages, aber auch darü-
60. Jahrestag des SS- der Dimension ihrer Verbrechen gegen ber hinaus Politiker, Publizisten, Wissen-
Massakers in Distomo . . . . . . . . 8 die Menschheit zu vollziehen. Es ist be- schaftler, Lehrer, Bürgerinnen und Bür-
Adalbert-Preisverleihung zeichnend, dass Verbrechen wie die eu- ger, sollten sich dieser Tragweite der an-
an Kohl – ein Skandal . . . . . . . 10 ropaweite Eroberungs-, Ausplünde- stehenden Kontroversen und ihrer per-
Symposium zu hilfsbe- rungs- und Vernichtungspolitik zwischen sönlichen Stellungnahme bewusst sein.
dürftigen NS-Verfolgten . . . . . 14 1938 und 1945 nicht einmal einer Er- Prof. Dr. Ludwig Elm,
wähnung wert befunden werden. Bundessprecher der VVN-BdA ■
: meldungen, aktionen
Reihe von neofaschistischen Aufmär-
schen gegen die „Agenda 2010“ bis zum
Oktober. So u.a. in Gotha (3. Juli), Mag-
deburg (10. Juli), Dresden (24. Juli), Jena
BVG genehmigt Demonstra- gium Humanum“ abgedruckten Artikel (4. September) und Berlin (9. Oktober).
tion gegen Synagogenbau leugneten den Holocaust insgesamt und hma ■
in Bochum sollten das deutsche Volk von jeglicher
Schuld reinwaschen, urteilte die Richte- DVU-Fest
Bochum. Ca 200 Nazi konnten am 26.6. rin. Dabei gehe es den Angeklagten nicht
in Bochum-Ehrenfeld gegen den Bau ei- um die Zahl der ermordeten Juden, son- Büdelsdorf. Der Landesverband
ner Synagoge in Bochum demonstrieren, dern um die Entkriminalisierung der NS- Schleswig-Holstein der „Deutschen
nachdem das Bundesverfassungsgericht Verbrechen. So sei die „Reichskristall- Volksunion“ (DVU) führt am 17. Juli ab
das Verbot am Freitag aufgehoben hatte.. nacht“ als „Beginn der großen Lüge“ be- 15 Uhr im Raum Büdelsdorf ein Grillfest
Sie wurden von einem gewaltigen Poli- zeichnet worden die „endgültig zu Fall zu durch. Kontaktadresse ist der DVU-Ak-
zeiaufgebot geschützt. Es gab mehr als bringen“ sei: die „Auschwitz-Lüge“. Zu tivist Heinrich Henftling, ein ehemaliger
ein Dutzend strafrelevante Vorfälle bei Beginn der Verhandlung sorgte der nun Justizbeamter aus Reinbek. hma ■
der Nazi-Demo, die es der Polizei er- mit Berufsverbot belegte Berliner Anwalt
möglicht hätte, die Demonstration aufzu- Horst Mahler, ehemals NPD, für Irritatio- VAWS-Festival in Kärnten
lösen. Der zuständige Staatsanwalt war nen. Er hatte sich als „Assistent der Ver-
anwesend und hat die Vorfälle nicht zum teidigung“ neben die Angeklagten ge- Oberhausen/Wels. Der neofaschisti-
Anlass genommen zu intervenieren. Das setzt. Dagegen intervenierte die Richterin sche Buch- und Musikverlag Werner
Ganze gipfelte darin, dass die Nazis und Mahler mußte einen Stuhl weiter rü- Symanek (VAWS) will nun sein 4. Musik-
skandierten „Juden raus“. Einige Hun- cken. Haverbeck-Wetzel muß nun 180 Festival vom 9. bis 11.Juli im österreichi-
dert DemonstrantInnen haben versucht Tagessätze zu je 30 Euro und Cohrs 180 schen Kärnten durchführen. Angeboten
ihre Abscheu darüber zum Ausdruck zu Sätze zu 20 Euro Strafe zahlen. hma ■ wird Musik aus den Sparten Gothic, In-
bringen. dustrial und Neofolk sowie Disco und
Lutz Berger von der VVN-BdA Bo- Sachverständiger Kunst. Neben den einschlägig bekannten
chum schreibt: „Bei der Nazidemo ist Bands „Forthcoming Fire“ und „Von
unendlich viel gegen Auflagen und Ge- erschossen Thronstahl“ sollen auch „Cawatana“,
setze verstoßen worden. So habe ich ei- Rußland/St. Petersburg. Der Ethno- „Near Death Experience“, „PTT“, „Rose
nem Polizisten, der auf der Bessemerstr. loge Nikolai Girenko (60) ist in seiner Rovine E Amanti“, „1979“, „Anonkrata“,
bei der leider erfolglosen Blockade die Wohnung in St. Petersburg erschossen „Belborn“ und „Tyr-Kreis“ dort auftre-
Nazis vor mir und anderen friedlichen worden. Girenko hatte zahlreiche Exper- ten. Symanek war bis in die 90er für das
BürgerInnen schützen musste, darauf tisen für Gerichtsverfahren gegen russi- neofaschistische Monatsblatt „Unabhän-
hingewiesen, dass einer der Nazis sehr sche Neofaschisten verfasst. Außerdem gige Nachrichten“ tätig. Die neueste
deutlich die Buchstabenkombination SA hatte der Vorsitzende der Kommission Ausgabe des „VAWS-Report“ wirbt u.a.
trug. Der Polizist war nicht einmal be- für die Rechte von Minderheiten in St. für das Buch „SPD – eine kriminelle Or-
reit, sich umzudrehen und dies zur Petersburg eine Studie zur Skinhead- ganisation?“, das vom „VAWS-Presse-
Kenntnis zu nehmen. Er sprach lediglich Gruppe „Schulz 88“ erstellt, die durch büro West“ erstellt wurde. hma ■
ausgesprochen freundlich und korrekt ihre Gewalttaten gegen dunkelhäutige
davon, dass er ja nur seinen Job macht Menschen aus dem Kaukasus bekannt
und dass die Einsatzleitung alles im Griff wurde. Russische Bürgerrechtler vermu- Verfahren gegen NPD-
hat. Eine Meldung an die Einsatzleitung ten hinter der Tat Neofaschisten. St. Pe-
wollte er nicht machen. tersburg gilt neben Woronesch und Kras- Plakat eingestellt
Die vielen antisemitischen Sprüche, nodar als eine der Neonazi-Hochburgen Berlin. Die Staatsanwaltschaft Berlin
Rufe, dass man Synagogen nur in Israel in Russland. hat das Verfahren wegen des Plakates
haben will, Hetze gegen „Zigeuner“ und Inzwischen hat eine bislang unbe- „Gute Heimreise“ eingestellt. Nachdem
Ausländer, das alles konnte die Polizei kannte neofaschistische Gruppierung mit die Bremer Staatsanwaltschaft gegen un-
nicht bewegen, den grässlichen Auf- dem Namen „Russische Republik“ auf bekannte Plakatkleber ein Verfahren ein-
marsch für beendet zu erklären. Die Auf- ihren Internetseiten ein „Todesurteil“ ih- geleitet hat und die Polizei veranlasste,
forderung bei der Abschlusskundgebung, rer sog. „Regierung“ gegen Girenko ver- bereits gehängte Plakate abzunehmen,
den Bau der Synagoge während der Bau- öffentlicht. hma ■ wurde das Verfahren gegen den Partei-
zeit massiv zu behindern, war doch wohl vorstand der NPD an die dafür zuständi-
Aufforderung zur Gewalt. Rechte Demos gegen ge Staatsanwaltschaft Berlin abgegeben.
Ich bitte darum, aufzufordern, dass Die entschied auf Einstellung. Grund zur
alle ihre Erlebnisse bei der Demo bei bo- „Agenda 2010“ Freude auf Seiten der NPD. Deren Pres-
alternativ veröffentlichen und dass damit Brandenburg. Neonazis setzen ver- sesprecher Klaus Beier erklärte: Die
eine Klage gegen die Einsatzleitung stärkt auf „soziale“ Demagogie. Das ne- NPD werde sich auch von einem Staats-
durchgeführt werden kann.“ ofaschistische „Nationale und Soziale anwalt nicht davon abhalten lassen, bren-
www.bo-alternativ.de ■ Aktionsbündniss Mitteldeutschland“ nende politische Probleme öffentlich an-
(NSAM) und der sogenannte „Märki- zusprechen. Man wolle jetzt nachdru-
Holocaust-Leugner sche Heimatschutz“ (MHS) haben eine cken. ■
Kampagne gegen die „Agenda 2010“ in
verurteilt Brandenburg begonnen. Unter dem Mot- Keine Konkurrenz-Kandida-
Bad Oeynhausen/Vlotho. Das Amts- to „Gegen die AGENDA 2010 – Ein neu-
gericht von Bad Oeynhausen hat Ursula es System bietet neue Möglichkeiten“ tur geplant
Haverbeck-Wetzel (75) und Ernst-Otto wurden in Städten wie z.B. Prenzlau, Jo- NPD und DVU wollen sich bei Land-
Cohrs (82) wegen „Volksverhetzung“ achimsthal und Strausberg bereits An- tagswahlen am 19. September in Sachsen
verurteilt. Die in der Zeitschrift „Stimme fang Juni für eine Woche Plakate aufge- und Brandenburg gegenseitig keine Kon-
des Gewissens“ des Vlothoer „Colle- hängt. Angekündigt werden auch eine kurrenz machen. „Die Vorstände emp-

2 : antifaschistische nachrichten 13-2004


Länderübersicht: REP NPD ödp PBC CM BüSo Deutschland DP
Die Wahler-
Bundesland 2004 % 2004 % 2004 % 2004 % 2004 % 2004 % 2004 % 2004 % gebnisse der
1 Schleswig- 3.962 0,5 4.206 0,5 1.131 0,1 2.152 0,3 923 0,1 525 0,1 2.380 0,3 1.499 0,2 neofaschisti-
Holstein schen bzw.
2 Hamburg 1.597 0,4 1.836 0,4 669 0,2 1.025 0,2 252 0,1 314 0,1 1.214 0,3 673 0,2 zum rechten
3 Niedersachsen 21.974 0,9 17.201 0,7 3.400 0,1 7.819 0,3 3.039 0,1 1.349 0,1 9.370 0,4 6.123 0,3 Spektrum zu
4 Bremen 1.582 0,9 1.484 0,8 222 0,1 766 0,4 169 0,1 121 0,1 941 0,5 850 0,5 zählenden
5 Nordrhein- 62.811 1,2 31.600 0,6 10.056 0,2 13.724 0,3 7.726 0,1 3.099 0,1 22.098 0,4 10.548 0,2 Parteien bei
Westfalen
der Europa-
6 Hessen 36.901 2,3 13.061 0,8 3.478 0,2 6.412 0,4 3.402 0,2 1.190 0,1 8.236 0,5 6.230 0,4
wahl am
7 Rheinland- 45.928 2,7 12.674 0,7 5.951 0,4 6.269 0,4 2.991 0,2 890 0,1 9.870 0,6 3.731 0,2
13. Juni
Pfalz
8 Baden-
2004
108.602 2,8 21.764 0,6 21.882 0,6 28.434 0,7 7.925 0,2 1.802 0,1 23.867 0,6 7.117 0,2
Württemberg
9 Bayern 81.647 2,3 20.173 0,6 87.806 2,4 11.081 0,3 7.249 0,2 2.312 0,1 15.525 0,4 6.562 0,2
10 Saarland 5.498 1,3 7.311 1,7 676 0,2 469 0,1 972 0,2 246 0,1 1.915 0,4 1.117 0,3
11 Berlin 12.638 1,4 8.504 0,9 1.936 0,2 2.201 0,2 1.051 0,1 1.117 0,1 4.220 0,5 2.528 0,3
12 Brandenburg 7.229 1,3 9.932 1,8 1.296 0,2 1.584 0,3 1.296 0,2 963 0,2 3.854 0,7 1.816 0,3
13 Mecklenburg- 6.250 1,0 10.463 1,7 671 0,1 1.488 0,3 644 0,1 698 0,1 4.962 0,8 1.265 0,2
Vorpommern
14 Sachsen 52.843 3,4 50.955 3,3 2.624 0,2 11.053 0,7 5.082 0,3 3.374 0,2 12.299 0,8 5.166 0,3
15 Sachsen- 13.532 1,7 13.116 1,6 1.789 0,2 2.256 0,3 2.168 0,3 1.903 0,2 5.743 0,7 3.846 0,5
Anhalt Zusammenstellung
16 Thüringen 22.697 2,2 17.398 1,7 1.892 0,2 1.910 0,2 1.199 0,1 2.106 0,2 8.422 0,8 2.883 0,3 VVN-BdA Kaisers-
99 Bundesgebiet 485.691 1,9 241.678 0,9 145.479 0,6 98.643 0,4 46.088 0,2 22.009 0,1 134.916 0,5 61.954 0,2 lautern

Wahlkampfkostenerstattung bei Europawahlen schon ab 0,5 %


Leider war die Annahme in den letzten AN, nur die REP würden wohl Wahlkampfkostenerstattung erhalten, falsch. Ab 05,% gibt es Geld –
viel Geld, das erneut in rassistische Hetze investiert werden kann.

Fortsetzung von Seite 1 ring gesetzt, unter dessen Führung die Kommunalwahl in Sachsen:
PDS-Landesvorsitzende Cornelia NPD in Königstein von elf auf 21 Pro- Bei der Gemeinderatswahl im sächsischen Reinhardsdorf-
Ernst spricht von einer „Katastrophe“. zent zulegte. Schöna bekam die NPD 25,4, bei den Stadtratswahlen in
CDU-Generalsekretär Hermann Wink- Auftrieb habe die NPD auch durch Königstein 21,1 Prozent. Hohe Werte erreichte die NPD
ler sagte, Populisten hätten die schwie- dilettantische Versuche erhalten, ihr ju- auch bei der Kreistagswahl in der Sächsischen Schweiz
(13,4), in Wurzen (11,8), bei der Stadtratswahl Meißen
rige wirtschaftliche und soziale Lage ristisch Einhalt zu gebieten, meint An-
(9,6), in Annaberg und in Riesa (jeweils 9,0). In Chemnitz
nutzen können. SPD-Landeschefin dré Hahn, PDS-Politiker aus der Säch- bekamen die Republikaner 10,3 Prozent. Das „Nationale
Constanze Krehl fordert ein „Bündnis sischen Schweiz. Nach dem Scheitern Bündnis Dresden“ aus Republikanern, NPD, DVU und
aller demokratischen Parteien“. des bundesweiten Verbotsverfahrens „Deutsche Partei“ konnte 4,1 Prozent verbuchen.
Regionale Initiativen, die mit der und »lächerlich geringen Strafen« im Landtagswahl in Thüringen
Szene vertraut sind, zeigen sich weit Prozess gegen die regionale Nazi-Ka- Die REP konnten mit 2,0 Prozent (19 831 Stimmen) und die
weniger überrascht. Die Zahlen seien meradschaft SSS hätten führende Köp- NPD mit 1,5 Prozent (15 697 Stimmen) aufwarten. Im
„bestürzend in ihrer Höhe“, aber kämen fe öffentlich zum »Sturm auf die Ra- Wahlkreis Rudolstadt II erreichten sie zusammen 5,6 Pro-
zent (REP 3,2%, NPD 2,4%). Ihr bestes Resultat erzielte die
„nicht aus der hohlen Hand“, sagt Ingo thäuser« geblasen. Das Wahlgesetz war NPD mit 4 Prozent im Kyffhäuserkreis I mit 4 Prozent (dort 1
Stange vom „Netzwerk für Demokra- dabei hilfreich: Weil die NPD bereits Prozent für die REP). Überdurchschnittlich schnitt die NPD
tie“ in Wurzen. Nach vorübergehendem über einen Sitz im Pirnaer Kreistag ver- ab in folgenden Wahlkreisen: Saalfeld-Rudolstadt I, II und
Abflauen rechtsextremer Aktivitäten fügte, konnte sie diesmal flächende- III (2,8%, 2,4% und 2,4%) sowie Eichsfeld I und Saale-
während des „Aufstands der Anständi- ckend antreten, ohne erneut Unter- Orla-Kreis II (je 2,1%). Der sich „in desolater Lage“ (Thürin-
gen“ steige die Zahl der Gewalttaten schriften sammeln zu müssen. ger Verfassungsschutz) befindliche Landesverband der REP
wieder an. Örtliche Skinhead-Bands la- Für Ernüchterung sorgt die Einsicht, holte ebenso verschiedentlich respektable Wahlkreisergeb-
nisse: Gotha II (3,1%), Weimarer Land (3,0%), Weimar
den zu Konzerten; eine Mahnwache ge- dass bisherige Aktivitäten gegen Rechts
(2,9%), Erfurt I (2,7%), Altenburger Land I und II (2,7,
gen „Repression nationaler Jugend- »offenbar in dieser Form nicht ausrei- 2,4%), Sömmerda I/Gotha III sowie Greiz III (je 2,5%).
licher“ fand regen Zuspruch. Örtliche chen«, wie Hahn sagt. Zwar mühen Kommunalwahl in Mecklenburg-Vorpommern,
Politiker wollen derlei Indizien jedoch sich Gruppen wie die Pirnaer »Aktion Sachsen-Anhalt, im Saarland und in Rheinland-Pfalz:
nicht wahrhaben, klagt Stange: „Es Zivilcourage« oder verschiedene Netz- Die NPD errang in Mecklenburg-Vorpommern zehn Man-
wurde nichts dagegen gesetzt.“ werke um eine Stärkung der Zivilge- date (je zwei Sitze im Kreistag Ludwigslust, Kreistag Ost-
Während Demokratiebündnisse ver- sellschaft sowie alternative Kultur- und vorpommern und in Stralsund; jeweils ein Sitz im Kreistag
gebens auf Hilfe aus Rathäusern und Politikangebote. Doch die mühselige Müritz sowie in Ludwigslust, Anklam und Teldau). Ihr bestes
Einzelergebnis erzielte sie in Anklam (Ostvorpommern) mit
Ministerien warten, bauen Rechtsextre- Arbeit etwa von »Mobilen Beratungs-
9,8 Prozent. Sieben Kommunalmandate holte die NPD in
me geschickt Bastionen aus. Die An- teams« wird durch Rat- und Hilflosig- Sachsen-Anhalt (Burgenlandkreis, Halle, Quedlinburg,
siedlung des NPD-Verlages „Deutsche keit in vielen Rathäusern konterkariert. Halberstadt, Sangerhausen, Aschersleben-Staßfurt). Erfolg
Stimme“ in Riesa zeigt ebenso Wir- Eine offene Auseinandersetzung mit hatte die NPD auch im Saarland. Mit 9,6 Prozent und fünf
kung wie teils emsige Jugendarbeit. So bekannten Rechtsextremen findet oft Mandaten zieht sie in den Stadtrat von Völklingen ein; zwei
baute der bislang einzige Chemnitzer nicht statt, sagt ein Kenner der Szene. Sitze stellt sie im Ortsrat Völklingen Mitte, ferner zwei Be-
Republikaner-Stadtrat eine völkische Diese fühlen sich nun offensichtlich er- zirksratssitze in Saarbrücken. Für die Republikaner gab es
Burschenschaft an einer Schule auf. mutigt. In Reinhardsdorf hatte der ein Comeback in Rheinland-Pfalz. Sie werden künftig in
drei Kreistagen und in fünf Parlamenten der kreisfreien
Fast unbemerkt holte er auch einen Klempnermeister zuletzt für die Städte vertreten sein, u.a. in Speyer, Mainz, Frankenthal
NPD-Mann ins Boot. In Dresden bün- »Freien Wähler« kandidiert. Diesmal und Bad Dürkheim.
delten die Rechtsextremen ihre Kräfte. bekannte er sich offen zur NPD. Im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen be-
Zudem wird auf charismatisches Perso- Hendrik Lasch, Dresden kam die „Deutsche Liga für Volk und Heimat“ (DLVH) 6,1
nal wie den Fahrlehrer Uwe Leichsen- ND 16.6.04 ■ Prozent.

: antifaschistische nachrichten 13-2004 3


fehlen den nationalen Wählern, in Bran- tionsmeile in der Gothaer Innenstadt will für freie Publizistik, der Sommeruniver-
denburg der DVU und in Sachsen der das Bündnis mit Musik und kulturellen sität der „Jungen Freiheit“, dem Verein
NPD ihre Stimme zu geben“, heißt es in Angeboten zeigen, dass die Gothaer Bür- Die Deutschen Konservativen, den Re-
einer gemeinsamen Erklärung der Partei- gerinnen und Bürger sich gegen Ras- publikanern oder beim „Süddeutschen
chefs Gerhard Frey und Udo Voigt. In sismus und Rechtsextremismus zur Wehr Forum“. Ebenso wirkte Mölzer als Autor
Brandenburg hatte die DVU bei der setzt. in rechtsextremen Blättern wie unter an-
Landtagswahl 1999 5,3 Prozent der Samstag, den 3.7.04 derem der „Jungen Freiheit“, den „Deut-
Stimmen geholt und war mit fünf Man- „Aktionsmeile“ zwischen der Augusti- schen Monatsheften“ oder im „Report“
daten ins Parlament eingezogen. In Sach- nerkirche und der Margaretenkirche in des Nationaldemokratischen Hochschul-
sen rechnet sich die NPD Chancen auf Gotha ab 14 Uhr Musik, Diskussion, In- bunds und griff für den Hohenrain-Ver-
den Einzug in den Landtag aus, nachdem fostände. lag sowie den Druffel-Verlag zur Feder.
sie bei der Europawahl am 13. Juni auf 17.00 Uhr Demonstration gegen Ras- Anton Maegerle, www.bnr.de ■
3,3 Prozent gekommen war. Dies könne sismus und Rechtsextremismus „Gotha
aber nicht gelingen, „wenn wieder drei bleibt bunt!“ symbolisches „Straße keh- Naziaufmarsch in Gladen-
oder vier nationale Konkurrenten antre- ren“ Treffpunkt 16.45 Uhr Myconius-
ten“, erklärte Voigt. Seine Partei will die platz bach
bereits erfolgte Meldung zur Branden- Gladenbach. Die Neonazis vom Ak-
burg-Wahl nun zurückziehen. Andreas Mölzer für FPÖ im tionsbündnis Mittelhessen wollen am 17.
Quelle: bnr 13 – ts ■ Juli wieder einmal durch Gladenbach
Europaparlament marschieren. Abmarsch ist um 12 Uhr,
NPD-Konzert geplant Andreas Mölzer (Jg. 1952), einstiger sie wollen sich jedoch aus „Sicherheits-
Chefideologe der FPÖ, vertritt künftig gründen“ um 10 Uhr an verschiedenen
Gera. Für den 10. Juli 2004 hat die als einziger Abgeordneter die FPÖ in Vorabtreffs sammeln und in Kolonne in
NPD(?) – Anmeldestatus ist noch unklar, Brüssel. Geführt wurde Mölzers Vor- die Gladenbacher Innenstadt fahren.
erneut ein Nazi-Skin-Konzert mit politi- zugsstimmen-Kampagne, die sich auf Zeitgleich findet auch in Eisenach –
scher Umrahmung im Park der Jugend die „Kernschichten“ der FPÖ, darunter ebenfalls in Rahmen der Kampagne
angemeldet.Aus diesem Grund hat sich deutschnationale Burschenschaften, kon- Agenda 2010 am 17. Juli – Auftakt 12
der „Runde Tisch der Stadt Gera am zentrierte, unter dem Slogan „Für die Uhr Marktplatz – ein Aufmarsch statt. ■
14.6.04 zu einer außerordentlichen Bera- Rechte der deutschen Altösterreicher in
tung getroffen.Hier wurde zum Umgang der EU!“. Unterstützung fand der Bur- NPD-Pressefest
mit dieser Anmeldung Folgendes verab- schenschafter (Akademisches Corps
redet: es werden zwei dezentrale Veran- Vandalia zu Graz) vom Komitee „Andre- Das diesjährige Pressefest der NPD soll
staltungen organisiert und durchgeführt, as Mölzer – ein österreichischer Patriot am 7. August stattfinden. Als Redner
gemeinsam mit den Bewohnern des für Europa“, das unter anderem von sind Nikolaj Skorodumov, Herbert
Asylbewerberheimes eine „Bürgerbe- Ewald Stadler (Unterstützer der rechts- Schweiger, Hajo Herrmann, Professor
gegnung“, ein Familiennachmittag, so- klerikalen Priesterbruderschaft St. Pius Klaus Sojka, Gerhoch Reisegger und
wie ein Kultur- u. Musikbasar auf dem X.), John Gudenus (Mitherausgeber von Udo Voigt vorgesehen, spielen sollen
Museumsplatz (Eventfläche vor dem „Zur Zeit“, Interviewpartner der „Natio- Frank Rennicke, Jörg Hähnel, Marko
KuK). Hierzu sind alle aufgerufen, sich nal-Zeitung“) und Robert Prantner (Re- (Sleipnir), Michael Müller sowie die
in diese Veranstaltungen mit einzubrin- ferent bei der zwischenzeitlich aufgelös- Gruppen Kraftschlag, Youngland (USA)
gen, d.h. Vorschläge und eigene Aktivitä- ten Polit-Psycho-Sekte VPM und dem und Radikahl. gammanews ■
ten sind gefragt, um diesem Anliegen ge- rechtsextremen Kulturwerk Österreich)
recht zu werden. Unter dem Motto. „Das angeführt wurde. Publizistische Unter-
ist unsere Stadt – bunt und tolerant!“ stützung boten extrem rechte Blätter wie Ehrung für den Kantor Kurt
wollen wir ein buntes Treiben auf dem „Der Eckart“ (Untertitel: „So weit die
Museumsplatz organisieren, das alle Ge- deutsche Sprache reicht“), die Zeitschrift Thomas verworfen
rarerInnen dazu einlädt. der Österreichischen Landsmannschaft. Frankfurt. Der Aufruf einer Initiative
Nachfragen unter Tel.0365/4364354 Dort konnte Mölzer seine europapoliti- zur Verhinderung jeder öffentlichen Eh-
oder 0174/9425602, Peter Lückmann schen Vorstellungen in Form von Inter- rung für Kurt Thomas hat nach fast
i.A. des Runden Tisch....Gera views zum Besten geben. Mölzer: „Der sechswöchiger Debatte einen bemer-
e- mail: info@gruene-gera.de ■ Weg zu einem europäischen Bundesstaat kenswerten Erfolg erzielt: eine linke
mit einem ethnisch-kulturellen Schmelz- Mehrheit der Stadtverordneten (SPD,
„Gotha bleibt bunt!“ tiegel der Völker, in dem die nationalen Grüne, PDS, Ökolinx, Europaliste und
Identitäten, die Völker und Volksgrup- FAG) beschloss, Kurt Thomas in Frank-
Gotha. „Wir werden sie nicht los, die pen aufgehen, ist im Grunde eine Horror- furt nicht öffentlich zu ehren. Für die Eh-
braunen Geister. Nicht durch totschwei- vision.“ Die Zuwanderung nach Europa, rung von Kurt Thomas setzen sich CDU,
gen und wegschauen. Sie sind im Land- das bei Mölzer dort endet, „wo das alte FDP, BFF und Republikaner ein. Der
kreis aktiv und machen sich immer wie- Heilige Römische Reich Deutscher Na- Aufruf, unterschrieben von den führen-
der lautstark bemerkbar. Auch in diesem tion mit seiner Strahlkraft hingereicht den RepräsentantInnen der evangeli-
Jahr wollen die Ewiggestrigen wieder hat“, habe seiner Auffassung nach schen Kirche in Frankfurt, dem DGB-
durch Gotha marschieren. Sie wollen „längst alle erträglichen Grenzen über- Regionsvorsitzenden, den SprecherInnen
Gotha zur „national befreiten Zone“ ma- schritten“: „Hier hat sich eine nicht inte- der Anti-Nazi-Koordination, der Autono-
chen und fühlen sich mit ihrer Fremden- grationswillige und nicht integrationsfä- men Antifa [f] und einer größeren Zahl
feindlichkeit und ihrem Rassismus als hige Zuwandererbevölkerung ergeben, von Einzelpersönlichkeiten hatte eine
Meinungsführer in unserer Stadt. die eindeutig ein kultureller und ethni- Debatte in Gang gesetzt, die in letzter
Wir – ein breites Bündnis der demo- scher Fremdkörper ist.“ Stunde die für den 16. Mai vorgesehen
kratischen Kräfte in Stadt und Landkreis In rechtsextremen Kreisen ist Mölzer Ehrung des ehemaligen Leiters des Mu-
Gotha – wollen diesem Spuk endlich ein seit Jahrzehnten hinlänglich bekannt und sischen Gymnasiums Frankfurt verhin-
Ende bereiten.“ So der Aufruf des Bünd- geschätzt. Sei es als Referent beim Kul- dert hatte.
nisses „Gotha bleibt bunt“. Mit einer Ak- turwerk Österreich, bei der Gesellschaft weiter auf Seite 6
: antifaschistische nachrichten 13-2004
4
Am Freitag, den 11. Juni 2004,
wollten sich die Nazis auf Ein- Aktion gegen NPD-Treffen
ladung von NPD und DVU in
der Gaststätte „Rheingold“ im Textil-
viertel zu einer Europa-Wahlkampf-
am 11. Juni in Augsburg
Veranstaltung treffen. Nachdem Anti- Wir werten unsere Aktion trotz der Für die Einstellung aller Verfahren ge-
faschistInnen im Vorfeld mit Anwoh- sinnlosen und völlig überzogenen Fest- gen AntifaschistInnen im Zusammen-
nern und der Wirtin gesprochen hat- nahmen als Erfolg. Es gibt in Augsburg hang mit der Aktion am 11. Juni 2004!
ten, blieb die Gaststätte an diesem immer noch viele Menschen, die es nicht a.l.d.e.n.t.e – autonome gruppe mit
Tag geschlossen. zulassen, dass die geistigen Erben des biss Augsburg ■
Dritten Reiches sich in öffentlichen Räu- Polizeischutz für Nazis?
Außerdem trafen sich rund 100 Antifa- men treffen und ihre braune Propaganda
schistInnen gegen 18 Uhr vor dem unters Volk bringen. Mit einem Offenen Brief hat Anni Pröll
„Rheingold“, um eventuell trotzdem an- Wie werden weiterhin jedes Treffen von der VVN-BdA Augsburg gegen das
reisende FaschistInnen gebührend zu be- der Nazis öffentlich machen und zu ver- Vorgehen der Polizei protestiert. Dem
Brief lag der obige Bericht von Antifa-
schistInnen, die AZ-Berichte vom 12.
und 14.6.2004 und ein Augenzeugenbe-
richt bei. Dieser Augenzeugenbericht be-
schreibt die Polizeiübergriffe und fasst
zum Schluss zusammen: „Wir finden es
auf jeden Fall sehr interessant, dass man
sich in unserem ,demokratischen‘ Sys-
tem wie ein verfolgter Schwerverbrecher
vorkommen muss, wenn man offen ge-
gen Faschisten seine Meinung vertritt,
während diese unter Polizeischutz ihre
Nazipropaganda offen kundtun können.
Interessant wäre auch, warum die Augs-
burger Allgemeine sich so auf die Seite
der Polizei und der Nazis stellt, in ihren
Artikeln sind immer nur die Antifaschis-
tInnen die ,Gefährlichen‘, vor denen man
grüßen. Diese hatten ebenfalls ein Emp- hindern suchen. Auch wenn die Staatsge- andere schützen muss. Sollte dies aber
fangskomitee geschickt: unter anderem walt offenbar weniger Probleme mit nicht vor allem in Deutschland genau an-
Wolfgang Teufel (NPD-Vorsitzender Rechtsradikalen als mit AntifaschistIn- ders herum sein?!?“
Augsburg ) und Roland Wuttke (Nationa- nen hat: Wir lassen uns nicht entmutigen
le Opposition, Demokratie Direkt Mün- und werden unseren Teil dazu beitragen, Weitere Bilder, Dokumentation und
chen mit Kontakten zur sog. „Kamerad- dass die braune Saat nicht aufgeht. Kommentare in www.forumaugsburg.de ■
schaft Süd“ um den Rechtsterroristen
Martin Wiese), die sich mit den anwesen-
den Polizeikräften freundlich unterhielten Stolpersteine – ein Münchner Trauerspiel
und „quasi nebenbei“ ankommende Fa- Die Aktion „Stolpersteine“ hat in München erhebliche Unruhe ausgelöst. Grund dafür ist in erster
schistInnen weiter schickten zur einschlä- Linie wohl nicht die problematische Frage, ob diese Art des Gedenkens angemessen ist. Wäre die
gig bekannten Gaststätte „Waldhorn“ in Frage so grundsätzlich, hätte sich die Diskussion nicht erst in München so verschärft, nachdem in
Göggingen. anderen Städten viele Hundert solcher Steine unter großer und positiver Anteilnahme verlegt worden sind.
Warum hat es in München zum Eklat kommen müssen? Stadträtin Wolf von der PDS deutete in ihrem De-
Die GegendemonstrantInnen sammel-
battenbeitrag in der Stadtratsvollversammlung einen möglichen Grund an: Der Ältestenrat des Stadtrates
ten sich daraufhin an einem zuvor beim hatte versucht, die Frage unter Umgehung einer breiten öffentlichen Diskussion wegzuschieben. Noch in
Ordnungsamt angemeldeten Info-Tisch der Vollversammlung sperrte sich OB Ude gegen den Antrag der Grünen, der darauf hinauslief, eine Dis-
vor der City-Galerie und informierten die kussions- und Denkpause einzulegen, mit der Bemerkung, es würden keine neuen Argumente kommen. Wo-
Einkaufenden zum Thema Rechtsradika- her will der Oberbürgermeister wissen, was das Resultat einer Diskussion zwischen Schülern des Luisen-
lismus. Danach fuhren noch rund 80 Anti- gymnasiums und Repräsentanten der Israelitischen Kultusgemeinde sein würde? So macht man Fehler. Der
faschistInnen nach Göggingen, um die Mehrheitsbeschluss des Stadtrats hat aus einer diskutablen Meinung einen Verwaltungsakt gemacht und
Versammlung der Rechtsradikalen zu stö- damit erschwerte Bedingungen für die nötige und immer noch mögliche Diskussion gesetzt. maf ■
ren. Als ein Transparent mit der Aufschrift Anzeige in der Süddeutschen Zeitung:
„Stoppt den rechten Terror – gegen den Stolpersteine vom Stadtrat verboten und herausgerissen !!!
Rassismus der Parlamente, der Amtsstu- In der Süddeutschen Zeitung Anfang kommender Woche wird eine halbseitige Anzeige (siehe unten!) er-
scheinen. Zusätzlich könnten persönlich gehaltene Briefe an den Oberbürgermeister (mit Abdruck an die
ben, der Gerichtssäle und der Straßen“
Süddeutsche Zeitung und an: Stolpersteine München, Postfach 260203, 80059 München) hilfreich sein.
entrollt wurde, nahm die Polizei insge- Text der Anzeige: „Wir sind bestürzt über den Beschluss des Münchner Stadtrates vom 16. Juni 2004 ge-
samt acht DemonstrantInnen brutal fest. gen die Verlegung von Stolpersteinen in München zum Gedenken an die Ermordeten des Naziregimes und
Die AntifaschistInnen wurden zu Boden die unmittelbar darauf erfolgte Eliminierung der Gedenksteine für Paula und Siegfried Jordan in der Mau-
geworfen und dort zum Teil Minuten lang erkircherstraße. Wir empfinden das Vorgehen der Stadtverwaltung als Schändung der persönlichen Ge-
mit dem Gesicht auf dem Asphalt festge- denkstätte und versichern Peter Jordan und Ursula Gebhardt, dem Sohn und der Nichte der Ermordeten, un-
halten. Anschließend wurden sie – ob- ser Mitgefühl. Den Schülerinnen und Schülern des Luisengymnasiums, die die Verlegung der Gedenksteine
wohl sie keinen Widerstand leisteten – mit initiiert hatten, danken wir für ihre couragierte Patenschaft. Wir sind empört, dass der Stadtrat eine Ent-
scheidung getroffen hat, ohne Peter Jordan, Ursula Gebhardt, den Kreis der Paten, andere Interessierte, be-
Handschellen eng gefesselt und ins Poli- troffene Bürger und den Künstler Gunter Demnig angehört zu haben.
zeipräsidium verbracht. Nach Einschal- Mit seinem Beschluss hat der Münchner Stadtrat für uns an moralisch-politischer Glaubwürdigkeit verloren.
tung eines Rechtsbeistandes wurden die Judith Bernstein, Dr. Reiner Bernstein, Ioana Cisek, Sammy Golde,Ernst Grube,
vorwiegend jungen Menschen nach 23 Werner Grube, Peter Hess, Hanne Hiob,Wolfram Kastner, Walburga Rempe-Baldin,
Uhr wieder in die Freiheit entlassen. Heinrich Rosenfeld, Günter Wangerin, Peter Weismann“

: antifaschistische nachrichten 13-2004 5


Die Auseinandersetzung über die Be- versuchter Meuterei und Aufwiegelung klagen und andererseits mit skurrilsten
nennung des künftigen Frankfurter erschossen wurde...“.Damit endete das Begründungen (z.B. „Beihilfe zur Belei-
„Haus der Chöre“ nach einem in der Zeit 11 1/2jährige Martyrium des Rudolf digung“) Hausdurchsuchungen, erken-
des Faschismus aus Frankfurt vertriebe- Hennig. nungsdienstliche Behandlungen, mas-
nen jüdischen Musiker wird weiterge- Die VVN-BdA Düsseldorf will sich senhafte ZeugInnenvorladungen und PC-
hen. Die Unterzeichner des genannten auch dafür einsetzen, dass eine Straße Beschlagnahmungen durchführen zu las-
Aufrufs hatten gefordert, dieses Haus oder ein Platz nach Rudolf Hennig be- sen – nach Anzeigen durch Neonazis aus
nach dem ehemaligen Frankfurter Chor- nannt wird. Nach PM Jürgen Schuh NPD und Kameradschaft Aachener Land
leiter Dr. Nathan Ehrenreich zu benen- VVN-BdA Düsseldorf ■ (KAL), welche sich durch eine antifa-
nen. schistische Kaffeefahrt beleidigt fühlten
Anti-Nazi-Koordination Frankfurt, Mahnmal zerstört – erklärte der leitende Oberstaatsanwalt-
18.6.04 ■ schaft bei der heutigen Aktion, er wolle
Wildeshausen. Nachdem in der Nacht zumindest die zu trojanischen Pferden
Ex-SS-Mann bleibt frei zum 19. Juni das Mahnmal zur Erinne- umgebauten PCs gar nicht haben.
rung an die 1938 zerstörte Synagoge in Am Mittwoch, 23. Juni um 17 Uhr tra-
Leipzig. Der Bundesgerichtshof in Leip- Wildeshausen aus der Verankerung ge- fen sich mehrere AktivistInnen vor der
zig hat das Verfahren gegen den ehemali- rissen und zerbrochen wurde, vermutete Staatsanwaltschaft in Aachen, um gegen
gen SS-Offizier Friedrich Engel einge- die hiesige Monopolpresse Nordwest- die Repression und diese Art des Zu-
stellt. Der 95-Jährige war im Juli 2002 Zeitung die Täter im Familienkreis. Also sammenspiels von Staatsanwaltschaft
vom Hamburger Landgericht wegen im jugendlich besoffenen Vandalentum. und Neonazis zu protestieren. Aus alten
Mordes zu sieben Jahren Gefängnis ver- Mithin sei die Tat zwar zu verurteilen, Computerteilen wurden drei „trojanische
urteilt worden. Dagegen hatte Engel aber auch bitteschön von wegen Neona- Pferde“ zusammengebastelt, um die Gier
selbst als auch die Staatsanwaltschaft zis und so nicht unnötig überzubewerten. der Behörde nach Computern und ande-
Revision eingelegt. Der BGH entschied, Auch die Wildeshausener Polizei hatte ren Informationen über „linke“ Aktivis-
dass Engel zwar für das Massaker an 59 einen politischen Hintergrund der Tat zu- tInnen zu symbolisieren.
italienischen Gefangenen strafrechtlich nächst für unwahrscheinlich gehalten. Das „Kunstwerk“ wurde der Staatsan-
verantwortlich war, das Mordmerkmal Nachdem nun aber 5 Tage später NPD- waltschaft Aachen geschenkt, was der
Grausamkeit sei jedoch nicht ausrei- Aufkleber, die in der Tatnacht und kurz Oberstaatsanwalt höchstpersönlich ab-
chend nachgewiesen worden. Aufgrund davor an der zerbrochenen Granit-Stele lehnte.
des hohen Alters wurde das Verfahren angebracht worden waren und bisher of- In einem Redebeitrag wurde verdeut-
nicht rückverwiesen sondern eingestellt. fensichtlich nicht offen sichtbar waren licht, wie Neonazis über Strafanzeigen
Engel war 1999 in Abwesenheit von ei- und wie durch ein Wunder der ermitteln- gegen ihre Gegner – wegen häufig lä-
nem italienischen Gericht wegen 264-fa- den Polizei plötzlich ins Auge sprangen, cherlichen Vorwürfe (wie z.B. Beleidi-
chen Mordes zu lebenslanger Haft verur- hat jetzt das zuständige vierte Fachkom- gung) - an Informationen wie Adressen,
teilt worden und lebt seit Kriegsende missariat (Staatschutz) in Delmenhorst Bilder und Strukturen kommen. Bei die-
weitgehend unbehelligt in Hamburg. die Ermittlungen an sich gezogen. sem Spiel hat die Staatsanwaltschaft im-
Quelle: FR 26.6.04 - u.b. ■ Auch der Verwaltungsausschuss der mer fleißig mitgespielt, trotz angeblicher
Stadt Wildeshausen hat jetzt eine Beloh- Überlastung. So ließ sie im letzten Jahr
Steine gegen das nung von 2000 Euro für die Ergreifung mehrere Hausdurchsuchungen durchfüh-
des oder der Täter ausgesetzt. Zudem ren, PCs beschlagnahmen und auch ei-
Vergessen soll die Granit-Stele repariert bzw. durch ne erkennungsdienstliche Behandlung
Düsseldorf. Am Wochenende 26./27. eine neue ersetzt werden. durchführen, weil Kunkel (NPD, aus
Juni wird der Kölner Künstler Gunter Im Inneren der nun zerstörten Stele Stolberg) und die Büttgenbrüder (KAL,
Demnig in Düsseldorf weitere „Stolper- hatte der Künstler Carsten Bruhns den aus Düren) Anzeigen gegen die angeb-
steine“ setzen, die an von den Nazis er- Satz eingemeißelt: „Und wir alle standen lich Beteiligten einer antifaschistischen
mordete DüsseldorferInnen erinnern sol- da und schauten zu...“. d.h. ■ Kaffeefahrt, bei denen die Nazis in ihrer
len. Unter ihnen sind diesmal auch zahl- Nachbarschaft als solche bekannt ge-
reiche antifaschistische Widerstands- Staatsanwaltschaft Aachen macht worden waren, gestellt hatten. Bei
kämpferInnen, darunter Rudolf Hennig. einem Zivilprozess gegen den Sprecher
Rudolf Hennig, geb. am 11.3.1895 in will keine Computer einer antifaschistischen Bürgerinitiative
Danzig, war Zimmerer und Vorsitzender in Eschweiler wurde übri-
des Verbandes der Zimmerer. Er war gens aufgrund offensicht-
Stadtverordneter der KPD und während licher Falschaussagen und
zweier Legislaturperioden Reichstagsab- teilweisen Rücknahmen
geordneter der KPD. Im Juni 1933 wurde von vorherigen Aussagen
er verhaftet und in die Untersuchungs- inzwischen gegen die Nazis
haftanstalt Essen verbracht, im August entschieden.
1934 nach Berlin überstellt. Am 26. No-
vember 1934 wurde er wegen Vorberei- Wir fordern:
tung zum Hochverrat vom „Volksge- ● Einstellung jeglicher Zu-
richtshof“ in Berlin zu zwei Jahren Ge- sammenarbeit der Strafver-
fängnis verurteilt. Nach Absitzen der folgungsbehörden mit Neo-
Strafe im Strafgefängnis Berlin-Plötzen- nazis
see wurde „Schutzhaft“ angeordnet. ● Einstellung aller politi-
Hennig kam ins KZ Esterwegen, 1937 schen Verfahren gegen
dann ins KZ Sachsenhausen. AntifaschistInnen und
Auf Anfrage seiner Ehefrau Maria KriegsgegnerInnen!
teilte die Lagerkommandatur am 24. No- Aachen. Nachdem in der Vergangenheit ● Kriminalisierung linker politischer Be-
vember 1944 mit, „dass ihr Mann am die Aachener Staatsanwaltschaft dadurch tätigung beenden! s.p.u.n.k.
11.10.1944 im hiesigen Lager wegen auffiel, einerseits ihre Überlastung zu be- http://www.projekt.antifa.net ■

6 : antifaschistische nachrichten 13-2004


Erneut mehr rechtsextreme
Straf- und Gewalttaten Feindliche Übernahme
Berlin. Im April 2004 wurden vom
Innenministerium bundesweit 687 poli-
tisch rechts motivierte Straftaten regis-
beim DJV
triert - darunter 44 Gewalttaten mit 45 Berlin. Der Deutsche Journalisten Ver- dem nationalkonservativen Flügel der
Verletzten. Das geht aus der Antwort des band (DJV) werde in kurzer Zeit zwei FDP an, war Spitzenkandidat des rechts-
Bundesministeriums des Innern auf die neue Landesverbände gründen, teilte konservativen „Bundes freier Bürger“
schriftliche Standard-Frage der Abgeord- Deutschlands größte Journalisten-Orga- und ist Mitinitiator der Aktion „Holo-
neten Petra Pau (PDS) hervor. Die Zah- nisation Anfang Juni in Berlin mit. Der caust-Mahnmal? Nicht mit mir!“
len gelten als vorläufig.Die erfassten Beschluss erfolgte im DJV-Gesamtvor- Lange hielt es die überraschenden
Straftaten im 3-Monats-vergleich: Fe- stand einstimmig. Jetzt sind alle „regulä- Neumitglieder nicht in Brandenburg:
bruar 587; März 679; April 687.Dem- ren Mitglieder“ in Berlin und Branden- Pünktlich zur Berliner Vorstandswahl
nach gab es im statistischen Schnitt täg- burg aufgerufen, aus den beiden bisheri- wechselten die gleichen 40 zurück in die
lich 1 1/2 Gewalt- und stündlich eine gen Landesverbänden auszutreten und Hauptstadt. Dort verhalfen ihre Voten,
rechtsextreme Straftat. Die vollständige auf einer Versammlung – die voraus- den skandalumwitterten Berliner Ver-
Antwort ist über das Abgeordnetenbüro sichtlich am 3. Juli stattfindet – den bei- bandschef Alexander Kulpok mit 200
von Petra Pau erhältlich. den neuen Gliederungen beizutreten. Stimmen knapp gegen Gerhard Kothy
Email: petra.pau@bundestag.de Das Verfahren, die Verbände auszu- (173 Stimmen) durchzusetzen. Kulpok,
www.petrapau.de ■ schließen und zwei neue zu gründen, war der aufgrund finanzieller und organisato-
notwendig geworden, weil der Bundes- rischer Mängel stark unter Druck geraten
1. August – Demonstration verband keine Handhabe zur Auflösung war, soll die Übertritte aus Brandenburg
von Landesverbänden hat. Mit dem Aus- veranlasst haben. Jetzt sitzen in Berlin
gegen Faschismus schluss versucht der Gesamtverband ei- vier der Neuzugänge im Vorstand.
Luzern/Schweiz. Im Kalender der nen Schlussstrich unter die wochenlange Die Unterlegenen haben die Wahl vor
rechtsextremen Szene hat der 1. August Auseinandersetzung um die Vorstands- Gericht angefochten. Sie und der DJV-
seinen festen Platz. Die Neonazis und Na- wahlen in den beiden Landesverbänden Bundesvorsitzende Michael Konkensei
tionalistInnen – von der Partei National zu ziehen, nachdem Torsten Witt Anfang meinen, dass die Abstimmung durch
Orientierter Schweizer (PNOS) über die Mai als Vize-Chef des Landesverbands kurz vor der Wahl in Brandenburg ab-
Hammerskins bis zu Patriot.ch – benutzen Brandenburg gewählt wurde. und in Berlin angemeldete Neumitglie-
den Nationalfeiertag, um medienwirksam Überraschend traten kurz vor der Wahl der „auf mindestens fragwürdige Weise“
auf dem Rütli aufzumarschieren und in 40 neue Mitglieder dem Brandenburger zu Stande gekommen sei. Zudem habe
Reden ihre menschenverachtende und ras- Landesverband bei. Sie stammten aus Witt vor fünf Jahren gegen das Holo-
sistische Ideologie kundzutun. Hatte der dem dubiosen Berliner Verband junger caust-Mahnmal demonstriert und wurde
Auftritt der Neonazis im Jahr 2000 noch Journalisten (VJJ), dessen Mitgründer an der Seite Horst Mahlers abgelichtet.
hohe Wellen geworfen, so schien sich Witt ist. Mit ihren Stimmen hievten sie Dennoch meint DJV-Sprecher Hendrik
2003 kaum noch jemand Zörner keine Anzeichen für eine rechts-
daran zu stören. Im radikale Unterwanderung seines Verban-
Gegenteil: Im vergange- des zu erkennen, allerdings gäbe es „In-
nen Jahr wurden sie teils dizien“ für Witts „Kontakte in die rechte
sogar als „wahre Patrio- Szene“. Zudem hätten viele der von ihm
ten“ gefeiert. Die Medien- organisierten Neumitglieder das von der
berichte blieben seltsam Satzung vorgeschriebene Kriterium einer
zahm bis unkritisch. Die hauptberuflichen journalistischen Tätig-
Behörden ihrerseits ge- keit nicht erfüllt.
währten den Rechtsextre- Gegen den Beschluss zur Auflösung
mistInnen Polizeischutz, seines Landesverbandes kündigte Ale-
als diese im Anschluss an xander Kulpok an, per einstweiliger An-
ihr Gastspiel auf dem Rüt- ordnung vorzugehen. Kulpok wirft dem
li durch Brunnen defilier- Gesamtvorstand Spaltungsabsichten vor
ten. Bedeutend härter an- und meint: „Wir sind so lange Mitglied
gefasst wurden couragierte Gegendemon- Witt in die Führungsposition. Witt, in im DJV, bis wir nicht rechtskräftig aus-
strantInnen: Sie mussten mit Kontrollen den Anfangsjahren im Impressum ge- geschlossen werden“. kun ■
oder Festnahmen rechnen. führter Mitarbeiter der extrem rechten Quelle: SPIEGEL ONLINE
Rütli-Aufmärsche sind keine Einzel- „Jungen Freiheit“ bezog Anfang der 90er http://www.spiegel.de/politik/deutsch-
fälle. Immer häufiger und selbstbewus- Jahre 100 Exemplare. Später gehörte er land/0,1518,302728,00.htm
ster nehmen sich die Fascho-Organisa-
tionen - insbesondere die PNOS – die Die Schweizerische Volkspartei (SVP) schos bis weit ins bürgerliche Lager hin-
Straße. Zuletzt am 1. Mai, als die PNOS etwa betreibt mit Initiativen, Kampagnen ein Sympathien – sogar mehr als das:
den ArbeiterInnenkampftag kurzerhand oder Vorstößen im Parlament seit Jahren Die SVP und auch die Schweizer Demo-
in einen „Tag der Eidgenössischen Ar- Hetze gegen AusländerInnen und Flücht- kraten wissen einige Exponenten der Ho-
beit“ zu verwandeln suchte. Um die 150 linge – jüngst startete die Partei eine In- locaustleugner- oder Naziszene in ihren
„KameradInnen“ – allesamt über ge- itiative für Einbürgerungen an der Urne. Reihen. Dieser Entwicklung wollen wir
schlossene Strukturen mobilisiert – ga- An der „Festung Schweiz“ wird kontinu- energisch entgegentreten – zum Beispiel
ben sich in Langenthal ein Stelldichein. ierlich gebaut, laufend das Asylverfahren mit einer kraftvollen und friedlichen De-
Das Erstarken der rechtsextremen Be- verschärft: Nach wirtschaftlicher und monstration an diesem 1. August in Lu-
wegung erstaunt nicht. Das angeheizte rassistischer Logik wird entschieden, zern.
politische Klima in der Schweiz ist ein wer sich hierzulande niederlassen darf Überregionales antifaschistisches
trefflicher Nährboden für die Neonazis: und wer nicht. Auch genießen die Fa- Netzwerk ■

: antifaschistische nachrichten 13-2004 7


Im Rahmen einer Veranstal- Distomo:
tung am 7. Juni 2004 in Disto-
mo zum Gedenken an den 60.
Jahrestag des Massakers, bei dem die
60. Jahrestag des SS-
4. SS-Polizeidivision 218 Kinder, Frau-
en und Männer mordete, hatte der Ar-
beitskreis Distomo Hamburg sofortige
Massakers in Distomo
Entschädigung der Opfer des Massa- Deutsche Botschaft: Keine Zukunft Europas ohne
kers gefordert. Dem widersprach im Verzicht auf Entschädigung
Anschluss der Pressereferent der deut-
schen Botschaft in Athen, Thomas Müt- gierte empört: „Vom ersten offiziellen Widerstand gegen die deutsche Besat-
zelburg, mit den Worten „In ganz Eu- Vertreter der deutschen Behhörden, der zung zu rächen, droht die deutsche Re-
ropa gab es 56 Feindstaaten von hier spricht, hätten wir erwartet, dass er gierung den Opfern, die eine gerechte
Deutschland. Wenn Sie die alle ent- sich vor den Opfern verneigt und Bedau- Entschädigung fordern.
schädigen wollen, dann können Sie ern und Mitgefühl bekundet. Statt dessen Deutschland hat im 20. Jahrhundert
durch die finanziellen Auswirkungen verkündet er in goebbelscher Manier, zwei Mal Europa zerstört und diese Hal-
die Zukunft Europas abschreiben.“ dass wir zusammen mit 55 anderen Län- tung des offiziellen Deutschland ist die
dern Europas Feinde Deutschlands gewe- Hauptgefahr für Europa. Denn ein öko-
Der Arbeitskreis Distomo erklärt dazu: sen seien, was eine Verdrehung der ge- nomisch bankrottes Deutschland ist die
Das Ausmaß des Vernichtungskrieges schichtlichen Tatsachen ist – wie es heute kleinere Gefahr für Europa als dieses mo-
Nazi-Deutschlands gegen die europäi- durch die deutschen Regierung üblich ist. ralisch bankrotte Deutschland.
schen Länder ist einzigartig. Das Wenden Denn Deutschland war der Angreifer und Wir bedauern, dass durch diese
dieser Tatsache gegen die Millionen Op- hat sich hier als Besatzungsmacht unbe- Schamlosigkeit gegenüber unseren Toten
fer ist zynisch. Deutschland hat in den schreiblicher Kriegsverbrechen schuldig und uns Opfern es unmöglich ist, den
vergangenen 60 Jahren alle Möglichkei- gemacht, die nach dem Völkerrecht zu deutschen Botschafter hier willkommen
ten zur Entschädigung gehabt. entschädigen sind. Statt dessen verkündet zu heißen und ihm die Hand zu reichen.“
Was fehlte, war der politische Wille. uns der Vertreter der deutschen Regie- Pressemitteilung des AK Distomo,
Jetzt das Wohlergehen Europas an die rung, dass eine mögliche Entschädigung Hamburg aus Distomo vom 8.6.2004
Freistellung Deutschlands von Entschä- all dieser Gräueltaten in ganz Europa eine Lars Reissmann
digung zu knüpfen, ist eine kaum verhoh- Gefahr für Europas Zukunft sei. Der Arbeitskreis Distomo aus
lene Drohung. Mit der gleichen Geisteshaltung wie Hamburg unterstützt die Entschädi-
Der Überlebende des Massakers und die Täter damals als sogenannte Sühne- gungsforderungen griechischer - und
Kläger in Karlsruhe vor dem Bundesver- maßnahmen Zivilisten ermordeten, Dör- aller anderen - NS-Opfer!
fassungsgericht, Argyris Sfountouris, rea- fer niederbrannten, um sich für den distomo-hamburg@gmx.de ■

Distomo, Griechenland, 1944, 2004


10. Juni: 1942 Lidice. 1944 Oradour. treten. Es ist das erste Mal nach 60 Jah- Schluss stürmischer Beifall. Es ist eine
1944 Distomo. Diese, und die anderen ren, daß an dieser Stätte deutsche Worte Atmosphäre, wie wir sie ganz selten er-
Orte der deutschen Massaker im 2. Welt- zu hören sind. lebt haben.
krieg haben Namen, auch wenn sie im Die Rede des Botschafters, das Kon- Nach dem Konzert: Wie viele Hände
kollektiven deutschen Gedächtnis ver- zert von QUIJOTE, beides ist im Pro- sich uns entgegenstrecken, wie viele
drängt sind. An den Stätten der Verbre- gramm angekündigt. Aber trotzdem Menschen sich bei uns bedanken, wir
chen ist nichts vergessen. bleibt die Frage: Wie werden es die Grie- können es nicht zählen. Dabei wäre es
Distomo, Griechenland, 140 km west- chen aufnehmen? doch an uns gewesen, sich zu bedanken.
lich von Athen. Es wird ein wunderbarer und bewegen- Für diese Einladung, ja, für die Ehre, die
218 Menschen – Frauen, Kinder, der Abend. Botschafter Dr. Spiegel hält uns zuteil wurde, als Deutsche an diesem
Männer – wahllos und willkürlich ermor- seine Rede in griechischer Sprache. Und Ort der Mahnung und des Gedenkens
det von deutschen Soldaten, als „Vergel- er bittet für die begangenen Verbrechen spielen zu dürfen.
tung“ für einen Partisanenangriff. um Verzeihung. Nach seinen Worten star- Der nächste Vormittag, der Jahrestag
Juni 2004: Zum 60. Mal jährt sich der ker Beifall, er ist, im doppelten Sinne, des Massakers: Der Gottesdienst in der
Tag des Verbrechens in Distomo. Doch in sehr gut verstanden worden. Kirche von Distomo, dann die Prozession
diesem Jahr ist etwas anders: Wir, also QUIJOTE, werden mit herz- zur Gedenkstätte oberhalb des Ortes.
Zu der Veranstaltung des Gedenkens lichem Applaus empfangen, das ist mehr Tausend, zweitausend Menschen, QUI-
und Mahnens am Vorabend des Jahresta- als nur Höflichkeit. Schon beim zweiten JOTE mittendrin, auch der Botschafter
ges sind zum ersten Mal Deutsche einge- Lied beginnt man im Publikum mitzu- nicht in der ersten Reihe. Wieder kom-
laden: Nach der Ansprache des Bürger- klatschen und zu singen. Dass zwischen- men Leute auf uns zu, drücken uns die
meisters von Distomo, Loukas Papachris- zeitlich der Strom ausfällt, tut der Stim- Hand. Keiner spricht die Sprache des an-
tou, spricht der Botschafter der BRD in mung keinen Abbruch. Wir singen ein deren, aber man versteht sich ohne Worte.
Griechenland, Dr. Albert Spiegel. Lied a capella, die Zuschauer stimmen in Ein Junge, vielleicht acht oder neun Jah-
Dann spielt die Chemnitzer Gruppe Griechisch ein, die gute Akustik tut ein re, singt einige Takte „Ena to Chelidoni“
QUIJOTE. Lieder des großen griechi- Übriges. Eine Stunde Konzert, ergänzt –„Nur diese eine Schwalbe“, und strahlt
schen Komponisten Mikis Theodorakis - durch kurze Texte von und über Mikis uns mit großen Augen an.
in deutscher Sprache. Theodorakis, und selbstverständlich äu- Oben, am Mahnmal, wird die Stim-
Es ist das erste Mal, dass in diesem ßern wir uns zum Anlass des Abends. Na- mung ernst, Schweigen breitet sich aus.
Amphitheater – am Mahnmal für die Op- talia Sakkatou, unsere wunderbare Be- Der Bürgermeister spricht Worte des Ge-
fer von Distomo – deutsche Künstler auf- treuerin, übersetzt mit viel Gefühl. Am denkens. Dann: Die Namen der Ermorde-

8 : antifaschistische nachrichten 13-2004


„Von ihrem Schicksal haben sich
keine Erinnerungen erhalten“
Christoph Schminck-Gustavus, Professor plarisch stehen, können nicht einfach ver-
für Rechtsgeschichte an der Universität gessen werden, sonst wären ja ihre Taten,
Bremen, hat Anfang der 90er Jahre als er- ihre Opfer, ihr Tod sinnlos gewesen. Nie-
ster die Recherche des Kriegsverbre- mand hat ihnen bisher die nötige Ehrung
chens in Kefalonia aufgenommen – aus- zukommen lassen.
gelöst durch seine Bekanntschaft mit Was die kriegsbeteiligten Individuen
Amos Pampaloni, der das Massaker der betrifft, so ist da noch der SS-Mann Kurt,
deutschen Wehrmacht an italienischen an dessen Nachnamen sich niemand
Soldaten auf der Insel Kefalonia wie mehr erinnern kann. Doch er half einer
durch ein Wunder überlebte. Auf die Bit- kefalonischen Familie regelmäßig heim-
te italienischer Freunde, Historiker, den lich mit Lebensmitteln, denn die Hun-
Fall vor Ort zu recherchieren, hat er sich gersnot war groß auf Kefalonia. Das alte
Pergamonmuseum besetzt auf die Suche gemacht. Die Tragödie in Ehepaar bittet den deutschen Historiker,
Anlässlich des Jahrestages des Massakers von Dis-
tomo, Griechenland, besetzten am 9. Juni 2002
Kefalonia war von enormem Ausmaß, auch ihn zu erwähnen, denn wie sie rüh-
DemonstrantInnen den berühmten Pergamon-Altar und die Opfer sind nur als Zahlen in die rend betonen, ist er ein Beispiel, dass
in Berlin. Auf griechischen und deutschen Transpa- Geschichte eingegangen. Nach neuesten auch unter den deutschen Besetzern nicht
renten forderten sie die sofortige Entschädigung Angaben hat es sich um über 9.600 er- alle gleich waren.
der Opfer deutscher Kriegsverbrechen. mordete Soldaten gehandelt. Christoph Schminck-Gustavus schließt
Vor dem Pergamonmuseum fand eine Kundge- „Von ihrem Schicksal haben sich keine der historischen Erzählung über das
bung mit musikalischer Untermalung statt, die von Erinnerungen erhalten, keine Tornister, Kriegsverbrechen der Wehrmachtsdivi-
zahlreichen internationalen MuseumsbesucherIn-
keine Erkennungsmarke, kein Ausweis, sion Edelweiß, die auch die Morde in Ka-
nen interessiert und mit Sympathie verfolgt wurde.
Nur einzelne Angestellte des Museumssicherheits-
kein buntes Heiligenbildchen. Niemand lavryta zu verantworten hat, die Recherche
dienstes versuchten die Transparente herunterzu- wird ihre Geschichte anhören oder auf- der juristischen Auseinandersetzung in
reißen. Während die Berliner Museumsinsel für schreiben. ihre Namen sind nirgends ver- Nachkriegsdeutschland an. Die nicht er-
mehr als eine Milliarde Euro restauriert wird, gibt zeichnet ( ... ). So ist auch Pampalonis Er- folgte Aufarbeitung vor allem der Wehr-
es für die Entschädigung griechischer Überleben- innerung nur ein winziger Mosaikstein, machtsverbrechen im Deutschland der
der keinen Cent. Die DemonstrantInnen hinterlie- zufällig an Land gespült und aufbewahrt 50er und 60er Jahre in einer von ehemali-
ßen ein Transparent an einem Fahnenmast: „Kunst in der Erinnerung.“ Und so geht gen Nazis durchwachsenen deutschen Jus-
genießen, Massaker vergessen – Distomo, 10.
Juni 1944". Die erst nach einiger Zeit anrückende
Schminck-Gustavus auf historische Spu- tiz. Die permanente Einstellung von Ver-
Polizei versuchte ihre Verspätung durch die überei- rensuche nach diesem einen Schicksal. fahren trotz vorliegender konkreter Zeu-
frige Personalienkontrolle von Museumsbesuche- „Ich werde nur dieser einzigen Frage genaussagen, mit Ortsangaben, Namen
rInnen zu kompensieren. nachgehen: der Rettung von Amos Pam- und Daten. Er stellt sich die Frage, die bei
paloni, damals Hauptmann und Befehls- allen evident ist: „Also nach Greisen su-
ten, und nach jedem Namen: Anwesend! haber einer an der Küste von Kephallonia chen, die vor einem halben Jahrhundert an
Vielen Griechen stehen die Tränen in den eingesetzten Geschützbatterie. Er hat mir Verbrechen beteiligt waren? ( ... ) Mit wel-
Augen, uns geht es nicht besser. An- seine Geschichte erzählt, und nur sie wer- chem Ziel, nachdem selbst die Hinterblie-
schließend die Kranzniederlegung. Viel- de ich verfolgen, weil sonst keine Chance benen der Opfer verstorben sind?“ Und er
leicht zwanzig, fünfundzwanzig Kränze, besteht, jemals fertig zu werden.“ erinnert sich an die 50er Jahre, in denen
dazwischen ein deutscher. Mit dem Into- Er liefert einen Bericht, der in seiner die Naziterminologie noch überall verbrei-
nieren der griechischen Hymne endet die Art einzig ist. Er nähert sich den Dingen tet war. „Das abstoßende Gerede vom
Gedenkveranstaltung. Nur langsam löst ganz allmählich an. Das kann zu Irritatio- ,lwan‘, den sie im Krieg ,versohlt‘ haben
sich Spannung. nen führen, weil dem Leser das Buch an- und von den ,Pollacken‘, deren ,Saustall
Was bleibt: Für uns unvergessliche fänglich vielleicht nicht „historisch“ ge- sie ausgemistet hätten‘, drang bis in die
Eindrücke, die Herzlichkeit der Griechen, nug erscheint. Doch dann entdeckt man, bürgerlichen Wohnstuben.“
die Wärme, mit der wir aufgenommen dass diese minutiöse Vorgehensweise, Die Mechanismen des Leugnens und
wurden, der Wunsch, dass wir wieder- welche die Erzählung einer individuellen Verdrängens sind in der Kriegsgeneration
kommen im nächsten Jahr. Aber es blei- Geschichte in den Vordergrund rückt, das tief verwurzelt. Anfang der 90er Jahre än-
ben viele offene Fragen: Wiedergutma- menschliche Element betont, und dass dert sich der Umgang mit der deutschen
chung, wenn dies überhaupt möglich ist; man dadurch viel eher versteht, was Geschichte. Erst mit Beginn des letzten
juristisch, politisch, moralisch…? Wir Krieg eigentlich letztendlich bedeutet. Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts „erschie-
haben versucht, es in unserem Konzert zu Während seiner Recherche, in der nen Einzeluntersuchungen zu Wehr-
formulieren: Christoph Schminck-Gustavus einheimi- machtsverbrechen, in denen Italien und
„Wirkliche Versöhnung kann es nur sche Zeitzeugen über die furchtbaren Er- Griechenland endlich Berücksichtigung
geben, wenn die Massaker von Distomo eignisse vom September 1943 befragt, fanden“. Besonders wichtig war für die
und all den anderen Orten als historische trifft er in der Menge der Opfer immer historische Auseinandersetzung mit die-
Wahrheit in allen ihren Einzelheiten aner- wieder auf Einzelschicksale, von denen sen Tatsachen die 1995 vom Hamburger
kannt werden und eine Lösung gefunden ein weiteres ihn überzeugt, dass dieses Institut für Sozialforschung erarbeitete
wird, die den Opfern gerecht wird.“ Buch geschrieben werden muss. Es ist „Wehrmachtsausstellung“, die monate-
Ein Anfang ist gemacht, mehr – noch – das von Angelos Kostandakis, der im Al- lang die deutsche Öffentlichkeit erregte
nicht. ter von 27 Jahren öffentlich erhängt wur- und eine Diskussion wieder in Gang setz-
Ludwig Streng, QUIJOTE de. Seine Familie und alle Bewohner des te, die noch lange nicht abgeschlossen ist.
Kontakt: Sabine Kühnrich & Ludwig Dorfes Faraklata – auch die Kinder – Natalia Sakkatou ■
Streng, E-Mail: wurden gezwungen, der Exekution beizu- Christoph U. Schminck-Gustavus: Kephallonia
wohnen. Die Opfer dieser mutigen Men- 1943 - 2003. Auf den Spuren eines Kriegsver-
sabine.kuehnrich@gmx.de brechens. Donat Verlag Bremen 2004, ISBN
streng.ludwig@freenet.de ■ schen, für die Amos und Angelos exem- 3-93483-6666, 18,80 Euro

: antifaschistische nachrichten 13-2004 9


Große Prominenz und rechte So wird Polen erniedrigt
Szene, das schließt sich in der
deutschen Durchschnittsmei-
nung aus. Erst recht wenn ein europäi-
Adalbert-Preisverleihung
sches Staatsoberhaupt einen ehemali-
gen Regierungschef auszeichnet. Doch
es ist nicht so. „Kohl fällt Schröder in
an Kohl – ein Skandal
den Rücken“, lautete am 14.2.2004 Musterbetrieb“. Nach Beginn des Krie- nehmerverbandes der Maschinenbauin-
die Titelschlagzeile der „Westdeut- ges erhielt sie sogenannte „Fremdarbei- dustrie (VDMA).
schen Zeitung“. Es ging um die Rede ter“ als Arbeitssklaven. Wenn von denen Auch heute sitzt er noch in zahlrei-
Helmut Kohls bei der Übergabe des mal wer nicht spurte, schaltete man eben chen Gremien, wie etwa dem Stiftungs-
Preises der Adalbert-Stiftung in War- die Gestapo ein. Überhaupt hatte Klei- rat des Internationalen Karlspreis. Doch
schau. In der Tat, viel Prominenz und newefers zur Krefelder Gestapo ein aus- wie weit Paul Kleinewefers Integration
Medienöffentlichkeit hatte diese Aus- gezeichnetes Verhältnis: „Zu Weihnach- und Einfluss schließlich wieder ging,
zeichnung, übergeben an Kohl durch ten hatten sie gelegentlich ein Fäßchen zeigt die Entwicklung seiner eigenen
den polnischen Präsidenten Kwas- Bier bekommen, so taten sie mir man- Stiftung. Mit führend darin war und ist
niewzki in Anwesenheit von Kardinal chen Gefallen, und ich konnte helfen.“ Prof. Dr. Hans Süssmuth (Ehemann von
Glemp, live übertragen durch das pol- 1988 erschien Kleinewefers zweites Rita Süssmuth). Die Stiftung arbeitete
nische Fernsehen und Phoenix. Aber Buch „Erneuerung aus der Mitte“ ge- mehrfach eng zusammen mit der Kon-
interessanter als diese Rede sind die meinsam geschrieben mit dem rechtradi- rad-Adenauer-Stiftung der CDU und
Fragen: Was ist die Krefelder Adal- kalen Prof. Bern- dem Düsseldorfer
bert-Stiftung, von der der Preis hard Willms, dem, Industrieclub
stammt? Wessen Geld wurde da ver- der auch am Wirt- (Nachfolger von
liehen? Wer hat da soviel Einfluss, den schaftsprogramm genau dem!). Dass
Preis in diesem Umfeld verleihen zu der „Republika- Paul Kleinewefers
können? ner“ mitarbeitete. sich auch an ande-
Darin versuchen rer Stelle profi-
Die Adalbert-Stiftung wurde gegründet sie ein „Konzept lierte, tat keinen
und finanziert durch den Krefelder für die Neugestal- Abbruch. Etwa
Unternehmer Paul Kleinewefers. Sie tung Mitteleuro- 1999 – im Alter
hieß auch jahrelang Kleinewefers-Stif- pas“. „Abschied von 94 Jahren – in
tung und wurde erst 1989 in Adalbert- gilt es nach Mei- der Zwangsarbei-
Stiftung umbenannt. Paul Kleinewefers nung der Verfasser terdebatte durch
war Nazi-Urgestein unter Unterneh- vor allem vom einen Artikel in
mern, „alter Kämpfer“ wie das früher Prinzip einer ein- der rechten Zeit-
hieß. Er unterschied sich von anderen seitigen Westbin- schrift „Soldat im
Kapitalisten dadurch, dass er das nie dung zu nehmen“, Volk“. Zitat: „Wir
verleugnete. In seinem autobiographi- heißt es im Klap- Betriebsführer in
schen Buch „Jahrgang 1905“ schrieb er pentext. Ziel ist ein der damaligen
1976: „Die Beseitigung der Demokratie neues Gebilde mit Rüstungsindustrie
und die Einführung des ‚Führerprinzips‘ Deutschland und standen unter dem
wurde keineswegs überall als Zwang Österreich als Druck, bestimmte
und Diktatur empfunden, denn es war Kern, und ihrer Leistungen in der
offensichtlich, wie sehr sich die extreme Hegemonie über Produktion von
Demokratie selbst ad absurdum geführt Osteuropa, ein Konzept, das Ähnlichkeit Waffen, Maschinen, Geräten usw. zu er-
hatte.“ Bei der Ansicht blieb er auch: mit der Lebensraumkonzeption Hitlers bringen, abgesehen von der vaterländi-
„Diese Organisation der Wirtschaft hat. Auch die Folgen sind bedacht: „Es schen Pflicht, unsere Aufgabe ebenso
(Selbstverwaltung) und der einzelnen ist also unausweichlich, daß die Gesell- selbstverständlich zu erfüllen, wie man
Betriebe sowie die Arbeitsfront mit dem schaftsverfassung der Zentraleuropäi- das von den Soldaten an der Front er-
Treuhänder der Arbeit empfinde ich schen Föderation jedenfalls weniger li- wartete.“
auch in der Rückschau noch als eine fast beral sein wird und muß als die der Die Adalbert-Stiftung benötigte schon
ideale Wirtschafts- und Sozialverfassung Bundesrepublik Deutschland und Öster- früh einen Vorstandsassistenten für die
im Interesse aller.“ Und: „Der soziale reich.“ Hatte Kleinewefers sich im „3. Alltagsarbeit und fand ihn in Dr. Frank
Frieden in der Bundesrepublik Deutsch- Reich“ bereits einen Betrieb in der be- Ebeling. Ebeling schrieb seine Disserta-
land hat auch die Wurzel in jenen Jahren setzten Tschechei angeeignet, den er tion zur Geopolitik und befasste sich dar-
und in der segensreichen Aktivität der nach 1945 wieder verlor, so blieb der in mit der Konzeption Haushofers, dem
Deutschen Arbeitsfront.“ europäische Osten und die deutsche Rol- geistigen Vater der Lebensraumkonzep-
Paul Kleinewefers hatte im Winter le darin sein eigentliches Thema und tion während des „3. Reiches“. „Eine
1928/29 den ersten Kontakt zur NSDAP auch das der Kleinewefers-/Adalbert- Würdigung der nationalsozialistischen
und wurde 1932 Mitglied. Er war als Stiftung. Vorstellungen Haushofers in dieser Form
Jüngster mit dabei, als Hitler vor dem Nach 1945 war die Familie Kleinewe- kann heute getrost neofaschistisch ge-
Düsseldorfer Industrieclub seine be- fers, nach ihrer Rolle in der Nazidikatur, nannt werden“, schrieb dazu die Zeit-
rühmte Rede hielt („Das Rednerpult ... erstmal gesellschaftlich isoliert. So um- schrift „Der rechte Rand“. So war er wohl
befand sich etwa fünf Meter von mir gab man sich zunächst mit ehemaligen für die Arbeit in der Stiftung voll tauglich.
entfernt“, schreibt er später). So war er Nazi-„Kulturschaffenden“, wie z.B. Hit- Die Tagungen der Adalbert-Stiftung,
vorne an mit dabei, als die Nazis die lers Lieblingsbildhauer Arnold Breker. etwa die „Leutherheider Foren“, waren
Macht ergriffen, die Gewerkschaften Doch bald gelangten sie in die „Gesell- stets ein Mix aus „seriösen“ konservati-
verboten wurden ... Der Firma Kleine- schaft“ zurück. Kleinewefers-Sohn Jan ven Referenten und Leuten wie z.B. Dr.
wefers hat das „3. Reich“ sichtbar gut wurde sogar von 1993 bis 1995 Bundes- Manfred Lauermann. Lauermann ist ein
getan, sie wurde „Nationalsozialistischer vorsitzender des einflussreichen Unter- Ex-68er, der in die rechte Szene abge-

10 : antifaschistische nachrichten 13-2004


driftet ist und z.B. zusammen mit Rein- Verein „Erinnern für die Zukunft“:
hold Oberlercher vom rechtsextremen
„Deutschen Kolleg“ Referent bei der be-
rüchtigten Burschenschaft Danubia war.
Bürgermeister Scherf würdigt
Lauermann vertrat auch den erwähnten
Prof. Willms vorübergehend auf seinem ehrenamtliches Engagement
Lehrstuhl und nach Willms Tod im von Thomas Klaus
Frühjahr 1991 schrieb er den Nachruf
im rechten „Criticon“. Das „Leutherhei- Senatsempfang für die Mitglie- zentrationslager Moringen und Ucker-
der Forum“ der Adalbert-Stiftung leitete der des Vereins „Erinnern für mark, 1995 zur Erinnerung an den 50.
Lauermann gleich dreimal: 1993, 1994 die Zukunft“: Mit diesem be- Jahrestag des Weltkriegsendes in Bre-
und 1997. 1997 sprach er dort über das sonderen Festakt dankte ihnen Bre- men und 2003 über die Auflösung des
von ihm entdeckte „Soziale im National- mens Bürgermeister und Senatspräsi- KZ Neuengamme und seiner Außenlager
sozialismus“. dent Dr. Henning Scherf für ihr ehren- durch die SS im Frühjahr 1945. Ein be-
Ende der 90er kam es zu heftigen amtliches Engagement. Der Regie- sonderer Höhepunkt der Vereinsarbeit
Streitigkeiten und einem verbissen ge- rungschef des kleinsten Bundeslan- war eine Studienfahrt nach Minsk im
führten Prozess zwischen dem Vorstand des an die Adresse der rund 300 Mit- Jahre 2002, bei der ein Gedenkstein für
der Adalbert-Stiftung und Kleinewefers. glieder: „Sie haben dazu beigetra- die aus Bremen deportierten Juden ent-
Nach Aussagen des Stiftungs-Vorstandes gen, dass sich diese hansestädtische hüllt wurde.
ging es um einen Brief (von wem auch Gesellschaft nicht nur geöffnet, son- Seit 1997 ist der Verein, der eine eigene
immer) an die polnische Botschaft – mit dern auch verändert hat.“ Schriftenreihe mit zurzeit zwei Büchern
der sie damals bereits zusammenarbeite- publiziert, für das bremische Programm
ten – in dem die NS-Vergangenheit Der Verein „Erinnern für die Zukunft“ zum 27. Januar zuständig, dem Tag des
Kleinewefers dargestellt wurde. Darauf wurde im Januar 1991 gegründet und Gedenkens an die Opfer des Nationalsozi-
habe man vereinbart, dass Kleinewefers ging auf einen Runden Tisch aus Anlass alismus. Dabei kooperiert er neben weite-
ausscheidet und sein Name im Stiftungs- des 50. Jahrestages der so genannten ren Partnern mit der Landeszentrale für
titel nicht mehr auftaucht. Der war aber Reichskristallnacht zurück. 1988 hatten politische Bildung. Außerdem betreut der
nicht einverstanden und warf im Gegen- eine Reihe Initiativen und Einrichtungen Verein die Dokumentationsstätte Gefan-
zug den Vorstandsmitgliedern Dickel aus der Weser-Metropole ein umfangrei- genenhaus Ostertorwache.
und Süssmuth Missbrauch von Stif- ches Veranstaltungsprogramm zum Ge- Unter den Mitgliedern finden sich ein-
tungsgeldern vor. denken an die antisemitischen Aus- zelne Bürgerinnen und Bürger ebenso
Wie immer das auch weiterlief, Paul schreitungen im November 1938 entwi- wie Initiativen und Verbände, kommuna-
Kleinewefers ist inzwischen verstorben, ckelt. So entstand der Wunsch nach einer le Einrichtungen, Bildungsinstitutionen
und der Stiftungsvorstand umgebildet. längerfristigeren Zusammenarbeit. und Kirchen. Dieses breite Spektrum
Die Kleinewefers-Tochter Antje musste Das Ziel mit den Worten der Vereins- spiegelt sich auch im Vorstand wider.
ihn verlassen und auch z.B. Klaus Wie- sprecherin Dr. Sabine Offe (Universität Ihm gehört als Sprecherin neben Frau Dr.
ners, Bankdirektor und Geschäftsführer Bremen): „Wir wollen die Erinnerung an Offe Maria Meyer vom Landesinstitut
der WestLB Research GmbH. Neu hin- die Zeit des Nationalsozialismus wach für Schule an. Als Kassierer fungiert Dr.
zugekommen ist u.a. der Direktor der halten und die Erfahrungen aus dieser Günther Rohdenburg vom Staatsarchiv
katholischen bischöflichen Akademie Geschichte in die Gegenwart umsetzen. Bremen und als Schriftführer Michael
Henrix. Wichtiger als die Personen ist So sollen die Leitbilder Menschenwürde, Scherer von der Landeszentrale für poli-
die Frage: Hat sich die Politik der Adal- Toleranz und Zivilcourage gefüllt und tische Bildung. Beisitzer sind Olaf Dros-
bert-Stiftung seither verändert? Davon insbesondere auch für Jugendliche er- te, Öffentlichkeitspastor der Bremischen
ist nichts zu bemerken. Selbst die Verga- fahrbar gemacht werden.“ Evangelischen Kirche, Dr. Thomas Kö-
be des Preises an Kohl war bereits Ende Seitdem der Verein „Erinnern für die cher von der Universität Bremen und
der 90er geplant, wurde damals aber im Zukunft“ ins Leben gerufen wurde, hat Bernd Möllers, Leiter des Bildungs-
Zusammenhang mit der Spendenaffäre er zahlreiche weitere Ausstellungen und werks der Katholiken im Lande Bremen.
ausgesetzt. Die Art der Preisverleihung Gedenkveranstaltungen organisiert oder Weitere Informationen über den Ver-
war so weniger eine Ehrung für Kohl, betreut, so zum Beispiel 1990 zum Le- ein „Erinnern für die Zukunft“ sind im
als eine hintergründige Erniedrigung des ben und Sterben des jüdischen Mädchens Internet zu haben:
polnischen Präsidenten Kwasniewzki Anne Frank, 1994 über das Jugend-Kon- www.erinnernfuerdiezukunft.de ■
und des die Laudatio
haltenden Auschwitz-
Überlebenden Bartos- Keine „Böhsen Onkelz“ mehr Gründe für die Auflösung der Band seien die
zewski. Frankfurt. Die „Böhsen Onkelz“, erste Kult- imensen Erfolge in den letzten Jahren – unter an-
Die Adalbert-Stif- band der Rechtsrock-Szene in Deutschland und derem war die Band auf Platz eins der Album-
tung ist ein Beispiel später eine ähnlich vergötterte Band des Hard- charts vertreten –, die nicht mehr zu überbieten
dafür, wie konservati- rocks, lösen sich auf. Wie die Frankfurter Musik- seien. Man trete zudem lieber würdevoll ab, als
ve und rechte Struktu- gruppe auf ihrer offiziellen Hompage ankündigt, sich ewig im Rockzirkus aufzuhalten. Die „Böh-
ren sich verzahnen, wollen sie noch ein Studioalbum („Adios“) ver- sen Onkelz“ hatten sich Anfang der 8oer Jahre
Trennlinien ver- öffentlichen, eine Tournee spielen und kommen- gegründet. 1984 veröffentlichten sie auf dem La-
schwimmen und nicht des Jahr zum 25-jährigen Bandjubiläum ein Ab- bel „Rock-O-Rama“ das unter Rechtsextremen
mehr erkennbar sind. schiedskonzert geben,. Die Band, die sich und zur Kultplatte avancierte Album „Der nette
Der Faschismus ist ihre große Anhängerschaft gerne als verschwore- Mann“. Anfang der 90er Jahre begannen sich die
kein Problem einer ne Gemeinschaft von Underdogs ansah, nennt die vier Musiker dann langsam von der rechten Sze-
rechten Subkultur, Auflösung in ihrem bekannt-pathetischen Jargon ne zu distanzieren. Teile der Rechten nannten sie
er kommt aus der den „letzten und endgültigen Arschtritt für alle, daraufhin „Verräter“, obschon andere Teile der
Mitte der Gesell- die uns in den vergangenen 24 Jahren das Leben Neonazi-Szene weiterhin die frühen Songs der
schaft. schwer machen wollten“. Band abfeierten. www.bnr.de
Herbert Steeg ■

: antifaschistische nachrichten 13-2004 11


: ausländer- und asylpolitik
„Nicht die Menschen vertei-
len, sondern die Kosten!“

Die Abwehr steht Zur beabsichtigten bundesweiten


Verteilung der sog. unerlaubt einge-
reisten Flüchtlinge
Otto Schily, Peter Müller und Günther Beckstein
einigen sich ohne Grüne auf „Zuwanderungsgesetz“ Auf besondere Kritik des Fördervereins
Kölner Flüchtlingsrat stößt die nach § 15
Erwartungsgemäß haben sich Ausnahmen zulassen. Da es hierüber zu a Aufenthaltsgesetz beabsichtigte
Bundesinnenminister Otto Schi- keiner Einigung kam, bleibt es einfach bundesweite Verteilung „unerlaubt ein-
ly (SPD) und die Unionspolitiker beim jetzt geltenden Nachzugsalter von 16 gereister Ausländer“. Nach dieser Rege-
Günther Beckstein und Peter Müller Jahren. lung werden neu ankommende Flüchtlin-
auf den endgültigen Text eines Zuwan- Im letzten Teil der quälend langen Ver- ge, die ohne gültige Aufenthaltsgeneh-
derungsgesetzes geeinigt. Die Grünen handlungen im Vermittlungsausschuss hat migung bzw. ohne gültigen Pass oder
waren von den Schlussverhandlungen die CDU/CSU so viele „Sicherheitsfra- Passersatz in das Bundesgebiet einreisen
ausgeschlossen, werden aber dem gen“ hineinverhandelt, dass die Grünen im und sich unmittelbar bei einer Kommune
faulen Kompromiss zustimmen. Mai ausstiegen. Grünen-Parteichef Rein- melden, um Abschiebeschutz zu begeh-
hard Bütikofer verkündete damals: „Das ren, vor der Entscheidung über die Aus-
Der Fraktionschef der Grünen im Berliner Spiel ist aus.“ Den Ausstieg aus den Ver- setzung der Abschiebung oder die Ertei-
Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann, be- handlungen bedeutete das nicht. Nach Ei- lung eines Aufenthaltstitels auf die Län-
hauptete zwar am Mittwoch, das Gesetz nigung der Innenminister erklärte Bütiko- der verteilt. Claus-Ulrich Prölß, Ge-
bestehe nur den „grünen TÜV“, wenn es fer am Donnerstag: Die Formulierungen schäftsführer des Fördervereins Kölner
für keinen einzigen Migranten eine Ver- des Gesetzestextes seien „in der Tat mit Flüchtlingsrat e.V.: „Die Erfahrung mit
schlechterung gebe, tatsächlich enthält das uns so abgesprochen“, das Verhandlungs- der Umsetzung der bundesweiten Vertei-
Zuwanderungsgesetz aber zahlreiche Ver- ergebnis sei „alles andere als ein Grund, lungsregelung für Asylsuchende zeigt,
schärfungen: Ausweitung des Asylbewer- Trauer zu tragen“. dass hierdurch immer wieder Härtefälle
berleistungsgesetzes mit abgesenkten So- Der Bundeskanzler einigte sich am 25. produziert werden. Nicht die Menschen
zialleistungen, erhöhte Abschiebegefahr Mai mit den Parteivorsitzenden von CDU sollten bundesweit verteilt werden, son-
für bisher geduldete Menschen oder die und CSU auf einen politischen Kompro- dern die Kosten! Auch dadurch würden
künftig zwingende Überprüfung, ob das miß und blamierte seinen Koalitionspart- die Kommunen entlastet werden.“
Asylrecht nachträglich entzogen werden ner, indem er die Grünen ohne Absprache Nach der neuen Regelung soll bei der
soll. Mit welchem Zynismus SPD und von den weiteren Verhandlungen aus- Verteilung auch nur die Haushaltsge-
Bündnis 90/Die Grünen handeln, zeigte schloss. Den letzten Schliff des Gesetzes- meinschaft zwischen Ehegatten oder El-
sich in dieser Woche im Landtag von textes nahmen nun Schily, Müller und tern und ihren minderjährigen Kindern
Schleswig-Holstein. Dort erhoben beide Beckstein vor. Nach ihrer Verabredung oder „sonstige zwingende Gründe“ be-
Parteien in einem gemeinsamen Antrag gibt es künftig eine uferlose Ausweisungs- rücksichtigt werden, und auch nur dann,
die Forderung, das Zuwanderungsgesetz möglichkeit gegen sogenannte Hasspredi- wenn diese Voraussetzungen vor der Ver-
müsse auch ein Bleiberecht für langjährig ger, sofortige Abschiebung von Personen teilung nachgewiesen werden. Claus-Ul-
in Deutschland lebende Migranten vorse- mit „Terrorismusbezug“ mit verkürztem rich Prölß: „Was ist mit eheähnlichen
hen, also eine „Altfallregelung“. Gerade Rechtsschutz, Residenzpflichten für Mi- oder anderen Lebensgemeinschaften,
diese lehnte Schily gemeinsam mit der granten, Überwachung und Kontaktsperre was mit Großfamilien, was, wenn eines
Union stets ab. für Personen, denen keine konkreten Straf- der Kinder gerade volljährig ist, was,
Vom einst wichtigsten SPD/Grünen- taten nachweisbar sind sowie eine Regel- wenn der ‚zwingende Grund‘ erst nach
„Reformprojekt“ blieb damit faktisch anfrage beim Verfassungsschutz vor Ertei- einer Verteilung nachgewiesen werden
nichts übrig. Bayerns Innenminister Beck- lung einer Niederlassungserlaubnis. Sogar kann? Die Neuregelung blendet solche
stein (CSU) rühmte sich zu recht, einen die von SPD/Grünen bisher stets abge- beispielhaft genannten Lebensumstände
„Paradigmenwechsel“ hin zum multikul- lehnte „Warndatei“ wird in das Gesetz auf- völlig aus und dient damit in keiner
turellen Einwanderungsland verhindert zu genommen. Wer zukünftig einen Auslän- Weise humanitären Gesichtspunkten.“
haben. Nur der Name „Zuwanderungsge- der nach Deutschland einlädt, damit dieser Nach dem Gesetzestext ist Wider-
setz“ blieb, inhaltlich ist es ein Gesetz zur ein Einreisevisum erhält, wird registriert. spruch gegen die Verteilungsentschei-
Abwehr und schnelleren Ausweisung von Zuletzt wurden auch noch die Integra- dung nicht möglich. Als einziges Rechts-
Migranten geworden. tionsregelungen verschärft. „Neuan- mittel ist hier die Klage vorgesehen, die
Der Anwerbestopp bleibt grundsätzlich kömmlinge“ haben zwar einen Anspruch aber keine aufschiebende Wirkung hat.
bestehen. Eine Zuwanderung nach dem auf Sprachkurse; zugleich wird ihnen ge- Claus-Ulrich Prölß: „Mal ganz abgese-
Punktesystem – Kernstück grüner „Re- droht, dass der Aufenthalt nicht verlängert hen davon, wie ein gerade in Deutsch-
formbestrebungen“ – hat die CDU/CSU wird, wenn sie nicht gut genug Deutsch land angekommener und verteilter
kategorisch abgelehnt. Die Anerkennung lernen. Auch Migranten, die schon länger Flüchtling Klage beim Verwaltungsge-
nichtstaatlicher und geschlechtsspezifi- hier leben, können zur Teilnahme an richt gegen die Verteilungsentscheidung
scher Verfolgung wurde zwar festge- Sprachkursen verpflichtet werden; andern- einlegen soll: er müsste dazu noch einen
schrieben; dazu bestand aber ohnehin eine falls droht ihnen eine Kürzung von Sozial- Antrag auf Herstellung der aufschieben-
Verpflichtung aufgrund einer EU-Richtli- leistungen um zehn Prozent. Statt Förde- den Wirkung stellen. Das weiß und kann
nie. Eine Härtefallregelung, die ein Blei- rung gibt es also Sanktionen. fast niemand. Ein Rechtsmittel ist also
berecht in Einzelfällen aus humanitären Es gilt als sicher, dass der Vermitt- zwar möglich, würde aber von den
Gründen vorsieht, wird zwar eingeführt, lungsausschuß nach sieben Monaten Ver- Flüchtlingen – ohne entsprechende Bera-
tritt aber automatisch nach fünf Jahren handlungen am 30. Juni diesen Kompro- tung – praktisch nicht eingelegt werden
wieder außer Kraft. Nur beim Kindernach- miss billigen wird. Bundesrat und können!“ Die neue Verteilungsregelung
zug hat die CDU/CSU zu hoch gepokert. Bundestag werden abschließend am 9. bedeutet eine Schlechterstellung gegenü-
Sie wollte das Nachzugsalter auf zwölf Juli über das Zuwanderungsgesetz ent- ber Asylsuchenden hinsichtlich des vor-
Jahre herabsetzen und praktisch keine scheiden. Ulla Jelpke, junge Welt ■ gesehenen Aufenthaltes in sog. Aufnah-

12 : antifaschistische nachrichten 13-2004


Nach der ersten gemeinsamen
grenzüberschreitenden Dreilän-
der-Demonstration im Dreilän-
Dreiländeraktionen im
dereck im Jahr 2002 (Basel, St.Louis
und Weil am Rhein) und der mittler-
weile beachteten Dreiländer-Wande-
Oktober in Strasbourg
Unterstützt die Dreiländer-Aktionswoche / Zweite Dreiländer-Demonstration
rausstellung „Jeder Mensch hat das
Recht, Rechte zu haben“, die im Jahr den eröffnet. Eine Zweite Dreiländerde- sen hat, um der Zirkulation des Kapitals
2003 auf Tour im Dreieckland ging, monstration soll in Strasbourg am Sams- den ungehinderten freien Lauf zu lassen,
wird die weitere Zusammenarbeit und tag den 30. Oktober stattfinden, eine baut seine Außengrenzen zu einer „Fes-
die mittlerweile breitere Vernetzung Grenzaktion ist angedacht, eine Kundge- tung Europa“ für die Menschen auf. Seit
durch eine Aktionswoche in der letz- bung beim Zentralcomputer des Schen- der ersten Stunde des Schengener-Akom-
ten Oktoberwoche 2004 in Strasbourg geninformationssystem (CSIS), ein politi- mens ist das Programm der europäischen
öffentlich demonstriert. sches Musikfestival, Filmveranstaltungen Regierungen klar. Flucht und Wanderung
und vieles mehr sind im Gespräch. werden immer mehr in die Ecke einer kri-
Bündnis in Strasbourg / Alsace minellen Tat gestellt, verfolgt und bestraft.
Die Entwicklungen der Polizeien an den
In Strasbourg hat sich für die Drei- Außen- wie auch an den Innengrenzen
länderaktionen ein Bündnis beste- Europas geben der Exekutive immer mehr
hend aus Solidarité Unité Demo- die Legitimation der willkürlichen Kon-
cratique (SUD /Gewerkschaft), trolle, Überwachung und Festnahme.
CASAS, CLAPEST, der weitere Selbst das lange Jahre hochgehaltene
40 Gruppen angeschlossen sind, Asylrecht, das eigentlich Menschen, die in
Festival permanent contre le lois Gefahr sind, Schutz gewähren soll, wird
racisté, Ras l’front, Groupe Juillet immer mehr zur Farce. Bei der Migra-
1939 – Fédération Anarchiste, Li- tionspolitik wird besonders eines sehr
gue Communiste, Conféderation National deutlich sichtbar, Menschenwürde zählt
Vom 23. bis zum 31. Oktober 2004 soll in du Travail (CNT) gebildet. Weitere Grup- nicht mehr, es zählt nur noch die Rentabi-
Strasbourg die Dreiländer-Wanderausstel- pen werden zur Unterstützung im Alsace lität und die Höchstprofite. Dort, wo gera-
lung gezeigt werden. Parallel dazu wer- angesprochen werden. Die Gruppen in de die menschliche Frage zentral ist, argu-
den verschiedene Veranstaltungen statt- Mulhouse, die sich im Le collectif Mul- mentieren die Regierungen der EU im
finden. Da in der letzten Oktoberwoche housien de Défense des Personnes Etran- wirtschaftlichen Sinne und ziehen ihre
die parlamentarische Woche des EU-Par- gères (CMDPE) zusammengeschlossen Interessen dem Leben von Kindern, Frau-
lamentes stattfindet und somit sämtliche und bereits die Dreiländer-Wanderausstel- en und Männern vor.
EU-Abgeordnete und die europäische lung mitorganisiert und in Mulhouse ge- Der Aufruf aus Strasbourg endet mit
Presse sich in Strasbourg befinden, sollen zeigt haben, werden ebenfalls nach Stras- folgenden Worten:
öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen bourg aufrufen. Mit der nationalen Koor- „Damit es einen echten Wandel in der
und Aktionen stattfinden. Neben einer dination der Sans Papiers in Paris soll ge- Immigrationspolitik Europas gibt, fordern
Pressekonferenz wird die Ausstellung sprochen werden, ebenfalls die ca. 80 wir:
durch politische Gruppen aus der Nord- Menschenrechts-, Flüchtlings- und Exi- ● die Legalisierung aller „Sans Papiers“
westschweiz, dem Alsace und aus Südba- lorganisationen aus der Schweiz, Frank- ● das Ende der Abschiebungen
reich und Deutschland, die bereits 2002 ● die Freilassung aller inhaftierten „Sans
den Aufruf zur Dreiländerdemonstration Papiers“
meeinrichtungen. Während für Asylbe- mitgetragen haben. Weitere Gruppen in ● die Schließung aller Abschiebelager
werber der Aufenthalt dort auf maximal Sélestat und Colmar sollen für die Aktion ● Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit
drei Monate begrenzt ist, hat der „uner- gewonnen werden. In der Nordwest- ● Ein offenes Europa, das die Rechte und
laubt eingereiste“ Flüchtling in einer schweiz wie in Südbaden finden Treffen Freiheiten der MigrantInnen respektiert.
Aufnahmeeinrichtung längstens „bis zur von UnterstützerInnen statt. ● Gegen die Festung Europa.“
Aussetzung der Abschiebung oder bis Aufruf Strasbourg
zur Erteilung eines Aufenthaltstitels“ zu
wohnen. Claus-Ulrich Prölß: „Die Neben dem zentralen Aufruf werden drei Für die politischen Gruppen aus den drei
Wohnsitznahme in einer Aufnahmeein- konkretisierende Ergänzungen die spe- Ländern wird es wichtig sein, dass die Ak-
richtung ohne zeitliche Befristung öffnet zielle politische Entwicklung in Bezug auf tionswoche in Strasbourg ein weiterer
die Tür für eine Sonderbehandlung die- die Migrations- und Asylpolitik in den Zwischenschritt und Erfolg wird. Stras-
ses Personenkreises. Die Befürchtung drei Ländern aufzeigen. Der Aufruf und bourg ist nicht nur Sitz des europäischen
liegt auf der Hand, dass die Unterbrin- die Ergänzungen werden mit dem Pro- Parlamentes sondern auch Sitz des Euro-
gungspflicht zur Disziplinierungs- und gramm der Woche (vom 23. bis 31. Okt- parates, ein zwischenstaatlicher Zu-
Abwehrmaßnahme verkommt. Diese ober 2004) in einem Aktionsheft in deut- sammenschluss von 40 Staaten, älter als
Praxis kennen wir in Köln ja bereits!“ scher und französischer Sprache veröf- die EG/EU. Über den Europarat wurden
Der Förderverein Kölner Flüchtlings- fentlicht. Der zentrale Aufruf soll in ver- politische wie soziale Rechte in der Euro-
rat e.V. fordert die Abschaffung beste- schiedenen Sprachen bekannt gemacht päischen Konvention formuliert, die si-
hender und künftiger bundesweiter Ver- werden. cherlich auch Thema bei der Aktionswo-
teilungsregelungen für Flüchtlinge. Der zentrale Aufruf ruft für einen wei- che werden.
Gleichzeitig fordert der Verein die Ein- teren Zusammenschluss im Dreieckland Wer bei der Vorbereitung für die Ak-
setzung und Finanzierung unabhängiger auf und knüpft damit an das Dreiländer- tionswochen einsteigen möchte, kann dies
Verfahrensberatungsstellen für „uner- Manifest aus dem Jahr 2002 an. Er spricht tun. Ab dem 1. Juli finden zweiwöchent-
laubt eingereiste“ Flüchtlinge. sich für die Bewegungs- und Niederlas- lich Treffen in Strasbourg bis zum Okt-
gez. Claus-Ulrich Prölß sungsfreiheit aus, Grundrechte, die für ober statt. Über die email-Adresse:
Mobiltelefon: 0171 7992647 alle gleich gelten müssen. Das „neue Eu- Netzwerk-Dreyeckland@gmx.net kann
www.koelner-fluechtlingsrat.de ■ ropa“, das sämtliche Grenzen niedergeris- der Treffpunkt erfragt werden. was ■

: antifaschistische nachrichten 13-2004 13


Der Bundesverband Information
und Beratung für NS-Verfolgte
e.V. in Zusammenarbeit mit dem
Bundesverband richtete
Psychotherapeutischen Arbeitskreis für
Betroffene des Holocaust veranstalteten
Symposium zu hilfsbedürf-
am Dienstag, den 22. Juni ein vielbeach-
tetes eintägiges Symposium mit dem Ti-
tel „Kein Ort deer Zuflucht für hilfsbe-
tigen NS-Verfolgten aus
dürftige NS-Verfolgte“. Über siebzig Witten-Herdecke und Petra Vollmer von Unterstützung eines breiten Bündnisses
Teilnehmer von circa 50 Organisationen ihren Erfahrungen beim Aufbau eines be- der politischen und sozialen Kräfte
und Institutionen trafen sich in den Räu- sonderen ambulanten Pflegedienstes für Kölns, um trotz Sparmaßnahmen die
men des Landschaftsverbands Rheinland NS-Verfolgte in Hamburg. Kölner NS-Verfolgten in ihrem letzten
in Köln, um über eine Integration von „Alter darf kein Hallraum für die ver- Lebensabschnitt nicht allein zu lassen.
hochbetagten und hilfsbedürftigen Op- gangenen Schrecken dieser NS-Überle- Bereits im Herbst möchte der Bundesver-
fern des NS-Regimes in die Einrichtun- benden sein“ fasste Moderator Albrecht band Information und Beratung für NS-
gen der Altenhilfe und Altenpflege zu Kieser die Ergebnisse der drei Arbeits- Verfolgte mit einem wöchentlich stattfin-
diskutieren. gruppen des Nachmittags zusammen. Die denden Café für NS-Opfer aus Köln und
Nach der Begrüßung gingen vier ein- Teilnehmerinnen aus verschiedenen Umgebung den nächsten Schritt machen.
führende Beiträge auf die besonderen Sparten der Altenhilfe und- Pflege, NS- Ermöglicht wurde dieser bisher einma-
Probleme von NS-Opfern in höherem Al- Verfolgtenverbänden, Gedenkstätten und lige Austausch durch eine finanzielle
ter ein. Der Traumaexperte Peter Lieber- Entschädigungsbehörden waren sich ei- Unterstützung von Bündnis 90/Die Grü-
mann erläuterte sehr plastisch mögliche nig, dass es einen dringenden Handlungs- nen im Landschaftsverband Rheinland
Auslöser in stationären und ambulanten bedarf gibt. Durch Fortbildung der Pfle- und des UNHCR (Hoher Flüchtlings-
Pflegesituationen für eine Wiederkehr gekräfte, besonderen Begegnungsmög- kommissar). Zum Jahresende werden die
des erlittenen Traumas, während die Ge- lichkeiten von NS-Opfern, spezialisierten Beiträge und die Ergebnisse in einer Ta-
schäftsführerin des Bundes für Zwangs- Pflegediensten und ähnlichen Initiativen gungsdokumentation erscheinen. Auch
sterilisierte und „Euthanasie“Opfer, Mar- muss der Retraumatisierung bei wach- über das Grußwort von Bundestagspräsi-
gret Hamm anrührend drei unterschiedli- sender Hilfsbedürftigkeit entgegenge- dent Wolfgang Thierse freuten sich die
che Lebensläufe von NS-Zwangssterili- wirkt werden. Veranstalter.
sierten skizzierte. Der Pflegewissen- „Dieses Symposium stellt den Auftakt Bundesverband Information & Bera-
schaftsdozent Dr. Wilfried Schnepp be- einer größeren Kampagne dar“ erläutert tung für NS-Verfolgte, Köln
richtete aus einem laufenden Forschungs- die langjährige Mitarbeiterin des Bundes- info@nsberatung.de
projekt zum Thema an der Universität verbandes, Sonja Schlegel. Sie hofft auf www.nsberatung.de ■

D
er Bundesvorstand der Roten Hilfe
e.V. protestiert gegen die vom Demokratie verträgt keine Quarantäne
Innenministerium geplanten Ver-
schärfungen des Versammlungsrechts. vor Nazi-Aufmärschen an dem in etwa ei- schaffen. Ähnlich verhielt es sich mit Aus-
Von Verwaltungsgebühren für Auflagen- nem Jahr fertiggebauten Mahnmal für die reiseverboten, die zuerst gegen Hooligans
bescheide bis zum Wasserwerfereinsatz ermordeten Juden Europas in Berlin. Des- im Vorfeld von Europa- oder Weltmeister-
bei Minusgraden, ob totale Videoüberwa- halb sollen generelle Versammlungsbe- schaften angewandt wurden, danach aber
chung durch Dokumentationstrupps der schränkungen und -verbote für Orte ver- auch gegen GlobalisierungsgegnerInnen,
Polizei, Gefährderanschreiben, Meldeauf- hängt werden dürfen, die „in eindeutiger um sie an der Teilnahme von internationa-
lagen, Schlagstockeinsatz oder stunden- Weise an die Opfer einer organisierten len Anti-Gipfel-Protesten zu hindern. Eva
lange Einkesselungen: Dieses für Castor- menschenunwürdigen Behandlung“ erin- Erle vom Bundesvorstand der Roten Hil-
GegnerInnen, GlobalisierungskritikerIn- nern und die „als nationales Symbol für fe: „Einmal angenommen, das „Zentrum
nen oder AntifaschistInnen schon bekann- diese Behandlung anzusehen“ sind. An gegen Vertreibungen“ wird gebaut. Pro-
te Arsenal an „kleinen“ und großen, juris- diesen Orten könnte dann eine Versamm- blemlos lässt es sich bei einem entspre-
tischen und faktischen Einschränkungs- lung, die geeignet sei „diese menschenun- chenden politischen Willen unter diese
möglichkeiten der Demonstrationsfreiheit würdige Behandlung der Opfer zu billi- Vorschrift subsumieren. Jede antifaschisti-
beweist, dass sich Polizei und Versamm- gen, zu leugnen oder zu verharmlosen“ sche Demonstration, die sich gegen die
lungsbehörden in der Realität oft genug ei- leichter verboten oder mit Beschränkun- mit diesem Zentrum geplante Verharmlo-
nen Dreck um die hehren Worte des gen belegt werden. sung der Nazi-Verbrechen durch die
Bundesverfassungsgerichts zur „grundle- Der Bundesvorstand der Roten Hilfe Gleichsetzung mit dem „deutschen Ver-
genden Bedeutung“ des Versammlungs- e.V. befürchtet, dass diese Maßnahmen, treibungsschicksal“ richten würde, liefe
grundrechts für Demokratie und Freiheit die sich nur vordergründig gegen die men- Gefahr, verboten werden zu können.“
scheren. Doch das ist für das Bundesin- schenverachtende Hetze von Neonazis Der Bundesvorstand der Roten Hilfe
nenministerium offenbar noch nicht ge- richten, auch zur Repression gegen Linke e.V. protestiert aufs Schärfste gegen den
nug. Wie aus den Medien zu erfahren ist, eingesetzt werden können. Diese Erfah- Versuch, bestimmte Orte und Themen der
plant es eine Änderung des Versamm- rung konnte bereits mit der Einführung öffentlichen Debatte zu entziehen, indem
lungsgesetzes, wonach an bestimmten Er- von Dateien, in denen vermeintliche poli- sie quasi unter Quarantäne gestellt wer-
innerungsorten von „nationaler Bedeu- tisch motivierte GewalttäterInnen erfasst den. Er fordert deshalb alle Abgeordneten
tung“ Demonstrationen grundsätzlich ver- werden, gemacht werden. Öffentlichkeits- des Bundestages auf, diesem Gesetzent-
boten oder beschränkt werden dürfen. wirksam im kurzen Sommer des „Auf- wurf ihre Zustimmung zu verweigern. Er
Darüber hinaus sollen die Möglichkeiten stands der Anständigen“ als Instrument ruft alle demokratisch gesinnten Kräfte
für ein konkretes Demonstrationsverbot gegen neofaschistische Gewalt verkauft, auf, diesem Angriff auf die Versamm-
erweitert werden. wurden gleichzeitig stillschweigend ent- lungsfreiheit aktiv entgegenzutreten und
Hintergrund für die geplanten Bannmei- sprechende Dateien für den Bereich ihn abzuwehren.
len um Gedenkstätten sind Befürchtungen „Links“ und „Ausländerextremismus“ ge- Rote Hilfe e.V., www.rote-hilfe.de ■

14 : antifaschistische nachrichten 13-2004


: ostritt
16. Antifa-Camp Weimar/Buchenwald 24.7. bis 31.7. 2004
Das diesjährige Antifa-Camp hat wieder jede Menge zu bieten. Neben den
praktischen Arbeitsprojekten auf und an der Gedenkstätte Buchenwald, u.a.

D
im ehemaligen Steinbruch, den Gustloff-Werken (ehemaliger Rüstungsbe- reieinhalb Jahre ist es her, dass
trieb in Buchenwald) und dem so genannten „Pferdestall“ – der Genick- die Landsmannschaft Ostpreu-
schussanlage, in der Tausende Häftlinge ermordet wurden – gibt es zahlreiche Veran- ßen ihren ersten Kommunalpo-
staltungen und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen litischen Kongress abhielt. Nicht um
Häftling des Konzentrationslagers gehört genau so zum Programm, wie ein Vortrag Kommunalpolitik in der Bundesrepu-
zu neonazistischen Strukturen in Thüringen. blik ging es dabei, sondern um Kom-
Es wird ein Eröffnungs- und Abschlusskonzert und ein tägliches Campkino mit munalpolitik in Polen. Die „Heimat-
Wunschfilmbox geben. Das Camp beginnt am 24. Juli und endet am 31. Juli 2004. kreise“ der Landsmannschaft, Zu-
Natürlich können Leute, die nicht über den gesamten Zeitraum bleiben können, auch sammenschlüsse der ehemaligen Be-
tageweise vorbeischauen. Der Unkostenbeitrag beträgt Euro 7,00 pro Tag/Teilnehmer wohnerinnen und Bewohner eines heu-
(Geländemiete, Miete für sanitäre Einrichtungen, Verpflegung etc.). Zelte und die te polnischen Ortes, sprachen über
entsprechenden Camping-Utensilien bitte nicht vergessen. Möglichkeiten, in ihrer „Heimat“ –
Die Anreise ist ab 24. Juli, täglich ab 10.00 Uhr, in der Gerberstraße 01 in Weimar also auf polnischem Territorium –
(besetztes Haus im Stadtzentrum) möglich. Von dort wird es einen Shuttle-Dienst mittels einer Kooperation mit den pol-
zum eigentlichen Campgelände geben. nischen Gebietskörperschaften Mitbe-
Kontakt und Anmeldung: c/o Infoladen stimmungsmöglichkeiten zu erhalten.
Schlachthofstrasse 25 , 06844 Dessau, phone: 0340 - 266 02 -10 / fax: -12, Sie bündelten mit dieser Tagung ver-
mail to: Antifacamp@yahoo.de, site: www.antifacamp.de.vu schiedene Versuche, die einzelne Hei-
matkreise seit Beginn der 1990er Jahre
unternommen hatten.
Sommer Sonne Antifa... Inzwischen hat die Landsmann-
...lautet auch zum vierten Mal das Motto des schaft Ostpreußen ihren dritten Kom-
Antifaschistischen Jugend-Camps in Oberhau- munalpolitischen Kongress hinter sich
sen. Vom 22.7- 25.7.04 wird es Workshops, und wertvolle Erfahrungen in Kommu-
Seminare und Diskussionen, sowie Abends
nalpolitik auf fremdstaatlichem Terri-
Partys, Filme und ein Konzert geben. Neben
Grundlagenveranstaltungen für Neueinsteige-
torium gewonnen. Als der Pommer-
rInnen, in denen es zum Beispiel um „Neona- sche Kreis- und Städtetag – in ihm
zis auf dem Vormarsch“ und eine „Einführung sind die „Heimatkreise“ der Pommer-
in die Kritik des Antisemitismus“ gehen wird, schen Landsmannschaft versammelt –
werden in diesem Jahr zum Beispiel auch Ver- kürzlich bei einer Tagung in Polen
anstaltungen zur Kritischen Theorie, zur Kritik „Vertriebene“ und Abgeordnete polni-
der Arbeit oder zum Begriff des Kommunismus scher Kommunen zusammenbrachte,
angeboten. Insgesamt wird es während der konnte man sich über geeignete Me-
drei Tage zwölf Veranstaltungen und drei thoden zum Auf- und Ausbau kommu-
Workshops geben. Das Ganze findet wie je- naler „Partnerschaften“ von erfahrenen
des Jahr im Jugend- und Kulturzentrum Druck- Pionieren berichten lassen. Bernd
luft (Am Förderturm 27 in 46049 Oberhau- Hinz, stellvertretender Sprecher der
sen) statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 25
Landsmannschaft Ostpreußen, über-
Euro, dafür gibt es wahlweise vegane oder ve-
getarische Vollverpflegung und Zeltplätze.
nahm diese Aufgabe.
Solltet ihr nur an einem der Tage teilnehmen Hinz, so der Deutsche Ostdienst,
können, bieten wir auch Tageskarten an. Er- „berichtete über die Entstehung, die
kundigt euch deswegen bei uns. In Kürze Zielsetzung und die Wirkung der 16
könnt ihr das Programm auf der Homepage www.antifacamp.de abrufen. Partnerschaften, die seit dem Beginn
A2K2 [westl. Ruhrgebiet] für die Campvorbereitung [ antifajugend.dorsten, Antifajugend Marl, Anti- der grenzüberschreitenden Arbeit der
fajugend Moers, Jugendantifa Essen, Jugendantifa Voerde ] Heimatkreisgemeinschaften zu Beginn
www.antifacamp.de, mailto:camp@no-nazis.de der neunziger Jahre begründet werden
konnten. Die Zwischenbilanz dieser
kommunalen Außenpolitik der ost-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
preußischen Heimatvertriebenen kann
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. sich sehen lassen: Eine enge Zu-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de sammenarbeit auf kulturellem und hu-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach manitärem Gebiet, die Akzeptanz der
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, ostpreußischen Heimatkreisgemein-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
schaften seitens der Polen als ideelle
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. Gebietskörperschaften sowie die Auf-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. wertung der Deutschen Vereine in den
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind Heimatkreisen sind unter anderem als
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. Ergebnisse der partnerschaftlichen
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Verbindungen zu nennen.“
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung Das ostpreußische Vorbild hat offen-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. bar beeindruckt. „Der Pommersche
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
Kreis- und Städtetag“, resümiert der
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Deutsche Ostdienst, hat sich „dem
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- kommunalpolitischen Weg der Lands-
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini- mannschaft Ostpreußen angeschlos-
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di sen“.
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. jk - nach DOD 6/2004

: antifaschistische nachrichten 13-2004 15


: aus der faschistischen presse
lungsgebiet des deutschen Volkes, wie es
Hoffmann von Fallersleben in seinem
,Lied der Deutschen‘ geographisch um-
EU-Osterweiterung: Deutschlands verhindern. Aber dies er- schrieben hat, ist jetzt in der Europäi-
Deutschland endlich fordert ein selbstbewußtes, aus der ewi- schen Union vereinigt. Von der Maas bis
gen Büßerhaltung heraustretendes Land. an die Memel, von der Etsch bis an den
wiedervereinigt Es muß den Deutschen erlaubt sein, sich Belt – jetzt ist Deutschland wiederver-
Nation und Europa 6/2004 einen leistungsangemessenen Platz im einigt... und für Nord-Ostpreußen findet
„,Freiheit‘, die sie meinen“ heißt das europäischen Haus zu sichern – und sich auch noch eine Lösung“.
Schwerpunktthema des Juniheftes von zwar im Zentrum, nicht an der Periphe- Und ihr Fraktionskollege Sigmar-Pe-
„Nation & Europa“. Illustriert wird der rie. Deshalb auch meine Bejahung einer ter Schuldt legt noch einen drauf: „Die
Titel von zwei Bildern: Rechts ein führenden Rolle Kerneuropas, das vor al- ,mörderische Vertreibung‘ von Millionen
Mensch auf einer Kiste stehend, beklei- lem auf der engen Zusammenarbeit zwi- Deutschen aus ihrer Heimat werde mit
det mit einem sackähnlichen Umhang schen Frankreich und Deutschland be- der EU-Aufnahme der Vertreiberstaaten
und einer Kapuze über dem Gesicht, an ruht“. ,quasi nachträglich zum europäischen
den Händen der ausgestreckten Arme Wolfgang Schäuble hatte vor Jahren Recht‘. Das könne auf Dauer nicht so
Stromkabel. Ein Folteropfer der US-Ar- die gleiche Idee. Schönhuber ist an ei- bleiben“. Wer diese Aussagen als Dro-
mee im Irak. Links daneben bekommt nem starken, oder nur gleichberechtigten hung versteht, irrt bestimmt nicht.
ein Mann, dessen Kopf ebenfalls verhüllt Frankreich aber gar nicht interessiert und In Zeiten der Massenarbeitslosigkeit
ist, eine Schlinge um den Hals gelegt um zieht darum flugs die Trumpfkarte der verderben berufstätige Frauen nur die
gehenkt zu werden. Um ihn herum ste- Rechte für nationale Minderheiten aus Statistik und sollen deshalb möglichst
hen ein Geistlicher und vier US-Solda- dem Ärmel: „Mehr Rechte für die schnell wieder Hausfrauen werden. Bei
ten. Es handelt sich um die Hinrichtung deutschstämmigen Oberschlesier, für die dem seriösen deutschen Professor
eines Nazi-Kriegsverbrechers 1951 in Südtiroler, Basken, Korsen und Fla- der Bevölkerungswissenschaft
Landsberg. Deutschland und der Irak – men...“. Damit wäre Deutschland Herwig Birg liest sich das so:
für N&E handelt es sich in beiden Fällen mit einer fünften Kolonne in Po- „Um zu mehr Kindern zu
um von den USA unterdrückte Nationen. len und Italien gestärkt, Frank- kommen, sieht Birg die Lö-
Um das gleiche auszudrücken benötigt reich aber geschwächt. Ein we- sung nicht bereits darin,
Harald Neubauer fünf Seiten. „Wer sich nig verwundert es nur, dass er daß allen Frauen ermög-
in der Zeitgeschichte auskennt, kann sich die Bretonen nicht nennt. Die dür- licht werde, Familienarbeit
über die aktuellen Ereignisse im Irak fen in ähnlichen Aufzählungen und Erwerbstätigkeit zu ver-
kaum wundern. Deutsche Gefangene unterdrückter nationaler Minderheiten binden.... Besser sei es, Frauen zu
wurden im Zweiten Weltkrieg und auch ansonsten nicht fehlen. ermöglichen, vollzeitlich für ihre Kinder
noch danach von US-Soldaten mißhan- Chancen für eine Änderung der Ergeb- da zu sein. Die Gehirnforschung habe er-
delt, gefoltert und in nicht wenigen Fäl- nisse des Zweiten Weltkrieges durch die geben, daß Kinder für eine positive Ent-
len ermordet. Die politischen und militä- Osterweiterung der EU sehen offensicht- wicklung ein Urvertrauen benötigten.
rischen Führer der Besiegten kamen auf lich auf der äußersten Rechten Einige. Dies bekämen sie nur, wenn sie 24 Stun-
die Anklagebank, ins Zuchthaus und aufs Sabine Pohling berichtet über einen Fall den eine Bezugsperson hätten, nicht aber
Schafott“. Die Deutschen – Opfer der an der TU Braunschweig. Dort hatte die den Wechsel zwischen Tagesmutter und
USA. Burschenschaft Thuringia ein Plakat in leiblicher Mutter“.
Die andere Seite der Medaille ist das ihren Schaukasten gehängt, auf dem es Bringfriede Jung, Leserbriefschreibe-
Bestreben, zumindest in Europa wieder hieß: „Wir begrüßen Schlesien, West- rin aus Fahrenbach, ist der gleichen Mei-
die erste Geige zu spielen. Franz Schön- preußen, Pommern, Süd-Ostpreußen und nung, drückt sie aber deutlicher aus:
huber gibt ihm eine Stimme: „Der Denk- das Sudetenland in der EU. Ein großer „Schuld daran ist die völlig fehlverstan-
ansatz, Europa zu einen, ist prinzipiell Schritt für Europa – ein größerer Schritt dene Formel von der ,Emanzipation der
richtig. Sich als überzeugter Europäer zu für Deutschland“. Ähnlich sieht das Lia- Frau‘. Früher hieß ,Gleichberechtigung‘,
bekennen, bedeutet keinen Verrat am ei- ne Hesselbarth, Fraktionsvorsitzende der daß die für unser Volk höchst wichtige
genen Volk. Im Gegenteil. Der Befür- DVU im brandenburgischen Landtag: Aufgabe der Frau, die kommende Gene-
worter Europas will die Isolierung „Fast das gesamte angestammte Sied- ration in einer Familie zu erziehen, der
Arbeit des Mannes gleichgestellt wurde.
Die Frau sollte ihre Stimme – gerade für
die Familie – erheben, und allen Frauen
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
ohne Familie sollten die von ihnen ge-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: wünschten Berufe offenstehen. Statt des-
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich sen fingen die Frauen an, ,sich selbst zu
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
verwirklichen‘. In Wirklichkeit lief das
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
darauf hinaus, dem Mann hinterherzuhe-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
cheln, in dem Bestreben, zu zeigen, daß
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). die Frau alles ,genauso konnte wie der
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
Mann‘. Also: Gleichmacherei statt
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) Gleichberechtigung. ... Es mag unzeitge-
mäß klingen: Wir brauchen nicht mehr
Name: Adresse: Kindergarten-Plätze, sondern richtige
Mütter. Allerdings dürfte deren Rolle
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts auch nicht mehr öffentlich disqualifiziert
werden. Vielmehr müßten diese Frauen
Unterschrift in ihrem Wert für unser sterbendes Volk
endlich die ihnen gebührende Anerken-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
nung erfahren“.
tri ■

16 : antifaschistische nachrichten 13-2004