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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 15.7.2004 20. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Rechte Anglizismen- Solidaritätsfest auf der Keupstraße in Köln


bekämpfer
Erlangen. Die Zeitschrift „Deutsche
Sprachwelt“ (DSW) des „Verein für
Sprachpflege e.V. „ (1.Vorsitzender:
Prof. Hans-Manfred Niedetzky) ist be-
geistert über ihren Auftritt auf der
Leipziger Buchmesse. „Tausende Be-
sucher“ seien dort mit dem „Anliegen
der Sprachpflege“ bekannt gemacht
worden. Dabei geht es längst nicht
mehr nur um die Kritik der sogenann-
ten Rechtschreibreform. In der neues-
ten Ausgabe der Zeitung um Schriftlei-
ter Thomas Paulwitz, gelegentlich
auch Autor in der „Jungen Freiheit“
und dem „Ostpreußenblatt“ und im
vergangenen Jahr Referent bei der neo-
faschistischen „Gesellschaft für freie Tausende kamen zum Straßenfest am 11. Juli auf die Keupstraße in Köln, wo durch eine Nagelbombe am
Publizistik“, findet man u.a. Anzeigen 9. Juni 22 Menschen verletzt worden waren. Das Fest sollte ein Zeichen setzen für das friedliche Zusam-
für die Hamburger Burschenschaft menleben von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen und gegen die Angst, die in den letzten
Germania, die neofaschistischen „Un- Wochen die Menschen davon abgehalten hatte, so wie bisher auf der Keupstraße die vielen Geschäfte
abhängigen Nachrichten“ (UN) und und Restaurants zu nutzen.
den „Germania-Verlag“ um den lang-
jährigen NPD-Aktivisten Günter De-
ckert aus Weinheim. „Collegium Humanum“
Amüsiert berichtet man dort auch
über die Auseinandersetzungen bei der
letzten Delegiertenversammlung des
schließen!
„Verein Deutsche Sprache“ (VDS) in Im Amtsgericht Bad Oeynhau- geklagte Ernst-Otto Cohrs ist „Schriftlei-
Münster. Dort hatte Professor Helmut sen fand am 18. Juni die Ver- ter“ des Blattes, welches mit einer Aufla-
Glück in seinem Bericht zur Arbeit des handlung gegen die Leiterin ge von immerhin 3.000 Exemplaren er-
wissenschaftlichen Beirates des Ver- des Collegium Humanum, Ursula Ha- scheint. Rund 80 extreme Rechte, von ge-
eins eine Zusammenarbeit mit der verbeck und Ernst-Otto Cohrs, den scheitelten Neonazis aus dem Osten über
„Deutschen Sprachwelt“ abgelehnt. Schriftleiter der Hauszeitschrift „Stim- betagte Herrschaften bis hin zur Szene-
Außerdem empfahl er, das Mitwirken me des Gewissens“ statt. Das Gericht prominenz sammelten sich vor dem Ge-
im „Netzwerk deutsche Sprache“ zu verurteilte beide wegen Volksverhet- richtssaal, was einmal mehr die zentrale
überdenken, vor dem auch schon zung zu je 180 Tagessätzen. Parallel Funktion des Collegium Humanum für
DSW-Schriftleiter Paulwitz referiert zur Verhandlung verbreiteten Anhän- die Holocaustleugnerszene belegt. Unter
hatte. In Teilen der Mitgliedschaft ger der Verurteilten neue Holocaustlü- den Anwesenden der NPD-Anwalt Horst
scheint man dies anders zu sehen. gen. Dass ihnen dafür ein leerstehen- Mahler, der stellvertretende nordrhein-
Nach Angaben der „Deutschen Sprach- der Gerichtssaal zur Verfügung ge- westfälische NPD-Vorsitzende Klaus
welt“ sind viele Mitglieder des VDS stellt wurde, ist ein Skandal. Cremer, die ostwestfälische Koordinato-
zugleich auch Leser dieser Zeitung, die rin der „Gesellschaft für freie Publizis-
nach eigenen Angaben mittlerweile Vor Beginn des Prozesses forderten rund tik“, Sigrid Schenk, Reinhold Oberler-
eine Auflage von 32 000 Exemplaren 15 AntifaschistInnen auf einem Transpa- cher vom „Deutschen Kolleg“, der Be-
hat. hma ■ rent die Schließung des Collegium Hu- treiber der Internetseite „Deutschlandlü-
manums. Das Haus in Vlotho, welches gen“, Klaus Weichhaus, der Hausmeister
von Ursula Haverbeck geleitet wird, ist des Collegiums Ralf Steinke oder die
zum Zentrum von Holocaustleugnern ge- häufigen Besucher Edgar und Gerda For-
Aus dem Inhalt: worden. Holocaustleugnung in drei Arti- ster. Da der Gerichtssaal nur Platz für
EU- und Kommunalwahlen in keln der Hauszeitschrift des Collegiums, knapp 30 Personen bot, konnten viele
Italien: Aufschwung für Linke der „Stimme des Gewissens“, war denn dem Prozess nicht beiwohnen.
Mitte - Schlappe für Berlusconi . . 5 auch Gegenstand der Anklage. Dazu kam Neue Holocaustleugnungen vor
Antifasch. Aufräumaktion . . . . 8 eine dort abgedruckte Rede, die Ursula Gericht
Im Nachtleben hält eine Haverbeck anlässlich der Gründung des
Parallelgesellschaft Einzug . . . 13 „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Vor der eigentlichen Verhandlung ver-
Bestreitens des Holocaust Verfolgten“ suchte Horst Mahler sich in den Vorder-
(VRBHV) gehalten hatte. Der zweite An- grund zu spielen, indem er auf der Ver-
Fortsetzung S. 3
: meldungen, aktionen
auftauchen, damit wir gemeinsam dage-
gen vorgehen können!
Anti-Nazi-Koordination Frankfurt ■
Möhring verunglückt win Huber, der in der Sitzung positive SPD fordert Überprüfung
Düsseldorf. Der Unternehmensberater Bewertungen des Senders durch die
Heiko Möhring (64), langjähriger Funk- „Internationale Gesellschaft für Men- Thüringen. Das politische bzw. journa-
tionär des „Vereins für das Deutschtum schenrechte“ (IGFM) und „amnesty listische Engagement des neu in den
im Ausland“(VDA) und „engagierter international“ verlas. Mit 21 gegen 7 Thüringer Landtag gewählten künftigen
und kritischer Streiter für die Sache des Stimmen fiel die Entscheidung dann ein- CDU-Abgeordneten Dr. Peter D. Krause
VDA“ („GLOBUS“), ist im Juni bei ei- deutig zu Gunsten des „Radio Horeb“ ist für die SPD-Fraktion Anlass, sich nä-
nem Verkehrsunfall ums Leben gekom- aus. hma ■ her mit der rechten Zeitung „Junge Frei-
men. Vom neofaschistischen „Bund hei- heit“ und einer Vertriebenenzeitschrift zu
mattreuer Jugend“ (BHJ) geprägt, wurde Nazi-Aktion „Schulhof“ beschäftigen. In einem Artikel der Zei-
Möhring Offizier der Bundeswehr. Nach tung „Freies Wort“ war darauf hingewie-
seinem Ausscheiden wurde er leitender Um Nachwuchs zu rekrutieren und um sen worden, dass Krause in jüngerer Ver-
Angestellter des Bauunternehmens für ihre Ziele zu werben, wollen Nazis gangenheit für mehrere Beiträge in der
„Heitkamp“ im Ruhrgebiet. Er wurde im verschiedener Gruppen sich jetzt im Stil „Jungen Freiheit“ verantwortlich ge-
VDA aktiv, wo er u.a. als Landesvorsit- von Drogen-Dealern vor Schulhöfen zeichnet sowie im „Ostpreußenblatt“
zender in NRW tätig war und dem VDA- postieren und dort kostenlos Nazi-Mu- Beiträge veröffentlicht hat. Zumindest
Verwaltungsrat angehörte. Nebenher re- sik-CDs verteilen. Es ist bekannt, dass die „Junge Freiheit“ wird von den Lan-
ferierte er u.a. beim neofaschistischen diese Art von Musik eine wesentliche desämtern für Verfassungsschutz in
„Deutschen Kulturwerk Europäischen kommerzielle und organisatorische Nordrhein-Westfalen und Baden-Würt-
Geistes“ (DKEG), bei Burschenschaften Komponente faschistischer Organisatio- temberg regelmäßig ausgewertet.
und schrieb gelegentlich für „Nation und nen, aber auch ideologische Einstiegs- Die SPD-Fraktion möchte nun mit ei-
Europa“ und das „Deutsche Soldaten- droge für Nachwuchs-Faschisten ist (vgl. ner parlamentarischen Anfrage geklärt
jahrbuch“. Zuletzt, als freier Unterneh- z.B. auch den Bericht unter wissen, ob beide Zeitungen regelmäßig
mensberater, hatte er berufliche und fi- www.stade.vvn-bda.de). vom Thüringer Verfassungsschutz aus-
nanzielle Probleme. Kontakte unterhielt In einer konzertierten Aktion von ca. gewertet werden und – wenn ja – wie die
Möhring, auch Mitglied des „Bund der 10 Nazilabels und ebenso vielen Kame- Bewertung der Blätter durch den Verfas-
Selbständigen“ (BDS), auch zur deutsch- radschaften sollen nach unterschied- sungsschutz aussieht. Informieren soll
tümelnden „Österreichischen Lands- lichen Angaben zwischen 100.000 und die Regierung das Parlament zudem dar-
mannschaft“ (ÖLM). hma ■ 250.000 CDs mit Neonazimusik produ- über, wie der Verfassungsschutz – sollte
ziert und kostenlos vor Schulen verteilt er sich mit beiden Blättern befasst haben
Sendefrequenz ausgeweitet werden. Die Produktion von 50.000 CDs – deren Wirkung einschätzt.
scheint finanziell gesichert zu sein. Erste Presseerklärung, Erfurt, 2. Juli 2004
Immenstadt. Das vom bayerischen Bal- Auflagen der CDs sind offensichtlich Franzisca Friedrich
derschwang aus tätige „Radio Horeb“, schon vorhanden. Pressereferentin der SPd-Fraktion im
ein – nach Eigenangaben – „privater Zu den exponierten Unterstützern der Thüringer Landtag ■
Rundfunksender mit christlicher Aus- Aktion im Rhein-Main-Raum zählen die
richtung“ weitet sich systematisch aus. Freien Nationalisten Rhein-Main und Unterwanderung des DJV
Ende Mai bekam der Sender unter der auch die Nazi-Kameradschaft Bergstra-
Leitung des katholischen Pfarrers Ri- ße. Wir bitten vor allem die GEW, die dauert an
chard Kocher weitere Sendefrequenzen StadtschülerInnenräte um Wachsamkeit. In der vorletzten Juni-Woche hatte der
von der Bayerischen Landesmedienzen- Schlagt Alarm, falls CDs mit Nazi-Mu- Gesamtvorstand des Deutschen Journa-
trale (BLM) zugesprochen. Nun hat „Ra- sik vor Schulen im Rhein-Main-Gebiet listen-Verbands (DJV) einstimmig be-
dio Horeb“ auch die Möglichkeit, täglich schlossen, die Landesverbände Berlin
auf UKW zu senden und spricht von ei-
nem „historischen Durchbruch“. Dabei
gab es diesmal auch Kritik an dem Sen-
der. In der Programmbeobachtung der
Bayerischen Landesmedienzentrale
(BLM) wurde der Beitrag eines Priesters
in „Radio Horeb“ als „offen rassistisch“
gewertet. Auch die „einseitig vertrete-
ne(n) Standpunkte“ zum Schwanger-
schaftsabbruch, zur Homosexualität und
zu Verhütungsmethoden wurden kriti-
siert. Ein anderer Beitrag wurde als Ver-
stoß gegen die Menschenwürde empfun-
den. Aber selbst noch so überzeugende
Argumente scheinen besonders in Bay-
ern auf taube Ohren zu stoßen. Mit der
Bemerkung „Das dürfen wir uns als Ka-
tholiken nicht bieten lassen, dagegen
wehren wir uns“, wies der Vorsitzende
des BLM-Medienrates, Dr. Erich Jooß,
die kritische Bewertung des Senders zu-
rück. Unterstützung gab es auch vom
Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Er-

2 : antifaschistische nachrichten 14-2004


und Brandenburg auszuschließen und an Fortsetzung von Seite 1
deren Stelle neue Unterverbände zu
gründen. Der Bundesverband und sein teidigerbank Platz nahm. Richterin Britta ring angeführt, demnach die Gaskam-
Vorsitzender Michael Konken halten Kurhofer-Lloyd musste Mahler daran er- mern „Propagandaschwindel“ seien.
dem Brandenburger Vizechef Torsten innern, dass gegen ihn ein Berufsverbot
Witt vor, Kontakte zur rechtsextremen bestehe. Darauf erklärte der Verteidiger Neonaziversammlung im Amts-
Szene zu haben und beschuldigen ihn, der Angeklagten, Rechtsanwalt Ulmer gericht
unmittelbar vor der Vorstandswahl neue aus Berlin, den Neonazi zu seinem Assis-
Mitglieder in den Verband aufgenommen tenten. Die Richterin bestand jedoch dar- Wer nun annimmt, der Redner sei festge-
zu haben, die dann für ihn gestimmt hät- auf, dass Mahler keine aktive Rolle in nommen und die Neonazis aus dem
ten. Ähnlich soll die Wahl des Berliner der Verhandlung spielen dürfe. Amtsgericht geworfen worden, liegt
Vorsitzenden Alexander Kulpok manipu- Die Angeklagten nutzten die Verhand- gänzlich falsch. Tatsächlich erschien ein
liert worden sein (siehe letzte Ausgabe lung für eine Wiederholung ihrer Holo- Justizbediensteter und schloss einen leer-
der Antifaschistischen Nachrichten). caustleugnungen. Haverbeck betonte in stehenden Gerichtssaal auf, damit die
In einer Eilentscheidung entschied das ihrer Einlassung, „der Holocaust, so wie Versammlung dort fortgesetzt werden
Berliner Landgericht gegen die Recht- er uns jahrzehntelang eingehämmert könne und die Beteiligten nicht weiter
mäßigkeit des Ausschlusses der beiden wurde“ sei „nicht mehr aufrecht zu hal- stehen mussten. Das Angebot wurde
Landesverbände und verhinderte den ten“. Cohrs habe sich bei seinen Einlas- dankbar angenommen. Da nun, soweit
Plan des Bundesvorstands, die Berliner sungen erneuter Holocaustleugnungen ersichtlich, keine Staatsschutzbeamten
und Brandenburger DJV-Mitglieder schuldig gemacht, merkte die Richterin mehr anwesend waren, konnten die Neo-
schon am 3. Juli in zwei neu gegründete in ihrer Urteilsbegründung an. Die Ange- nazis frei reden. „Wir sind ja unter uns“,
Unterverbände aufzunehmen. Nun wird klagten könnten sich nicht auf das Recht hieß es.
ein außerordentlicher Verbandstag Mitte der freien Meinungsäußerung berufen, Erneut ergriff Edgar Forster das Wort
Juli darüber befinden, ob beide Landes- da es ihnen darum gehe die Verbrechen zu einem Vortrag über den Holocaust-
verbände wegen mutmaßlicher Unregel- des Holocaust zu entkrimminalisieren. leugner Germar Rudolf und das soge-
mäßigkeiten den Hauptverband verlas- Damit folgte das Gericht dem Plädoyer nannte Rudolf-Gutachten. Andere hetz-
sen müssen. Hierfür müssten laut Sat- der Staatsanwältin Hundertmark, die er- ten gegen die vermeintlich jüdische
zung des DJV drei Viertel der zu erwar- klärt hatte, es ginge den Angeklagten „Ostküstenbande“, sprachen im Zu-
tenden rund 270 Delegierten für den nicht um eine sachliche Diskussion, son- sammenhang mit dem Holocaust von ei-
Ausschluss votieren. kun ■ dern um ein „Reinwaschen des deut- ner „Lüge“, stellten die Bundesrepublik
schen Volkes“ vom Holocaust durch des- als Staat in Abrede und erklärten ein
Rechte Straftaten – Tendenz sen Relativierung. Fortbestehen des „Deutschen Reiches“.
Haverbeck wurde zu einer Geldstrafe Nach etlichen Redebeiträgen ging die
steigend von 180 Tagessätzen zu 30,- Euro, Cohrs Versammlung zu konkreten Aktionspla-
Berlin. Im Mai wurden vom Innenmi- zu ebenso vielen Tagessätzen von 20,- nungen über. Flugblätter Horst Mahlers
nisterium bundesweit 740 politisch Euro verurteilt. wurden ausgeteilt und zu deren weiteren
rechts motivierte Straftaten registriert – Zitate von Hermann Göring im Verteilung in Geschäften der Umgebung
davon 56 Gewalttaten mit 45 Verletzten Gerichtsflur und den Heimatorten der Beteiligten auf-
und 503 Propagandadelikte. Das geht aus gerufen. Die Flyer enthalten antisemiti-
der Antwort des Bundesministeriums des Auch die ZuschauerInnen versuchten, sche Verschwörungstheorien, die Forde-
Innern auf die schriftliche Anfrage der den Prozess als Bühne für eine soge- rung nach dem Verbot der jüdischen Re-
Abgeordneten Petra Pau (PDS) hervor. nannte „Wortergreifung“ zu nutzen. Ne- ligion, ein Bekenntnis zum „Deutschen
Die Zahlen gelten als vorläufig und in ben lauten Beifallskundgebungen wur- Reich“, Aufrufe zu Selbstjustiz und ei-
der Regel liegen die korrigierten Anga- den von Horst Mahler verantwortete nem „Allgemeinen Volksaufstand“, so-
ben stets noch höher. Flugblätter in Umlauf gebracht, in denen wie erneute Infragestellungen des Holo-
Die Mai-Zahlen weisen eine erneute die „Holocaustreligion“ als „Seelenmord caust.
Steigerung rechtsextremer Straftaten aus. am Deutschen Volk“ und als nicht hinzu- Es ist nicht nachvollziehbar, dass Poli-
Im Vergleich: März 2004 679, April nehmendes „Verbrechen“ dargestellt zei und Gericht diesen Skandal nicht ver-
2004 687, Mai 2004 740. wurde. hindert haben. Durch verschiedene Ver-
In absoluten Zahlen führt Sachsen die Konnten die Ereignisse in der Ver- öffentlichungen und Aufrufe war im Vor-
Straftat-Statistik an, gefolgt von Nord- handlung noch durch die Androhung des feld zu erkennen, dass der Prozess eine
rhein-Westfalen. Auch in Relation zur Ausschlusses der Öffentlichkeit einiger- große Szeneöffentlichkeit mobilisieren
Einwohnerzahl führt Sachsen diesmal maßen im Rahmen gehalten werden, würde. Die Holocaustleugner um Mahler
vor Brandenburg. spielte sich auf den Fluren des Amtsge- und Haverbeck sind organisiert und ha-
A6/220, 221, 222 ■ richts Unglaubliches ab. Knapp 50 Neo- ben schon in der Vergangenheit ver-
nazis, die keinen Platz mehr im Saal ge- gleichbare Verhandlungen als sogenann-
Rassistisch motivierte funden hatten, begaben sich unter der te „Wortergreifung“ zur weiteren Ver-
Führung von Edgar Forster und unter breitung ihrer Weltanschauung genutzt.
Vorfälle nahmen zu Beobachtung von Beamten des Staats- Dass der Staatsschutz der Polizei Biele-
Frankreich/Paris. Seit Jahresbeginn schutzes der Polizei Bielefeld ins Trep- feld derartige Vorgänge völlig ignoriert
hat es in Frankreich mehr rassistische penhaus des Gerichts und hielten eine und andererseits AntifaschistInnen, die
und antisemitische Vorfälle gegeben als Versammlung ab. Zuerst wurde durch sich friedlich gegen den im Collegium
im gesamten Jahr 2003. Die Regierung Forster eine zehnseitige Erklärung Ursu- Humanum verbreiteten Antisemitismus
wolle daher den Kampf gegen Rassismus la Haverbecks verlesen. Darin wurde po- engagieren, massiv kriminalisiert, lässt
und Antisemitismus verstärken, so Re- sitiv auf die Literatur der Holocaustleug- eine fragwürdige Tendenz erkennen.
gierungssprecher Jean-Francois Copé am ner Bezug genommen und selbst Zitate Antifa West, Juni 2004
9. Juli in Paris. von NSDAP-Größen wie Hermann Gö- www.antifa-west.org ■
Vor allem die Entwicklung bei Ju-
gendlichen sei beunruhigend. Das Innen-
ministerium hat einem Bericht der Zei-

: antifaschistische nachrichten 14-2004 3


tung Le Figaro zufolge im ersten Halb-
jahr 95 rassistische und fremdenfeindli- Vereinte Nationalisten
che Vorfälle sowie 161 Drohungen ge-
zählt, wobei vor allem Nordafrikaner be-
troffen waren. Gleichzeitig gab es 135
Nordost – neuer Name,
Aktionen und 375 Drohungen gegen Ju-
den. In den ersten vier Monaten zählten
altbekannte Neonazi-Kader
die Behörden 50 fremdenfeindlich moti- In den letzten Wochen tauchten mit den Autonomen Nationalisten Berlin
vierte Angriffe auf Personen. im Berliner Bezirk Pankow ver- oder dem Pankower Kreisverband der
FR 10.7.2004 ■ mehrt Aufkleber der Gruppierung NPD aufgefallen sind.
,Vereinte Nationalisten Nordost‘ (VNN) Das Konzept:
Neonazi-Angriff auf auf. „National befreite Zone“, „Deutsche
kauft bei Deutschen!“ sowie „Pankow Die VNN ist eine Sammlungsorganisa-
Konzernkritiker bleibt deutsch!“ sind Losungen, die ein- tion, in der neben NPD-Mitgliedern auch
Düsseldorf. Axel Köhler-Schnura, Vor- deutig aufzeigen, wessen Geistes Kind sogenannte Freie Nationalisten aktiv
standsmitglied der Coordination gegen diese neue Gruppierung ist. sind. Einige Aktivisten sind schon seit
BAYER-Gefahren, war mit seiner fünf- Vor allem in den Stadtteilen Weißen- Jahren in den Reihen des von Stella Pa-
köpfigen Familie zum wiederholten see, im Norden des Prenzlauer Berg und lau geführten Kreisverbands Pankow der
Male Ziel eines rechtsradikalen Angriffs. Buch ist eine größere Anzahl an Aufkle- NPD aktiv. Auch im diesjährigen Euro-
Unter Parolen wie „Juden raus!“ wur- bern bisher gefunden worden. pa-Wahlkampf halfen sie, z.B. beim Auf-
de am frühen Morgen des 2. Juli die Ein- hängen von
gangstüre des Hauses zerstört, in dem Plakaten und
seine fünfköpfige Familie und er wohnen beim Ausrich-
und in dem sich auch die Büroräume sei- ten von Infos-
ner Firma befinden. Nur dank des Si- tänden in Pan-
cherheitsglases und anderer Sicherungs- kow.
maßnahmen gelang es den Nazis nicht, Die VNN
in das Haus einzudringen. kann bisher als
Axel Köhler-Schnura ist Träger des ähnlicher Or-
Preises für Zivilcourage 2000 und ist ganisationsver-
nicht nur im Vorstand der Coordination such wie die
gegen BAYER-Gefahren (CBG) kon- Berliner Alter-
zernkritisch aktiv. Er ist national und native - SüdOst
auch international in der konzernkriti- (BASO) ge-
schen Bewegung verankert. wertet werden:
Er ist Vorstandsmitglied des Umwelt- In einem vierten Motiv greift die VNN eine lokale Schnittstelle zwischen Freien
Fonds, der internationalen Stiftung EthE- den alternativen Jugendklub „Kurt-Lade- Nationalisten und der NPD. Die Einbin-
con und der DKP Düsseldorf. Er ist aktiv Klub“ im Stadtteil Niederschönhausen dung des Potentials, welches der NPD
beim Europäischen Sozialforum und mit der Parole „Kurt Lade dichtmachen – eher kritisch gegenübersteht und aktio-
mehreren anderen Initiativen und Ver- Kein Geld für Asoziale und Linksradika- nistisch ausgerichtet ist, funktioniert
bänden. Auch beruflich arbeitet er im so- le!“ an. Schon aus dem Umfeld der Auto- über solche parteiunabhängigen Organi-
zial- und ökologiepolitischen Bereich. nomen Nationalisten Berlin (ANB) so- sationsformen leichter. Auch Aktionen,
Unter anderem erbringt er Dienstleistun- wie der Berliner Alternative – SüdOst die den legalen Rahmen verlassen, wie
gen für eine Obdachlosenorganisation. (BASO) gab es Attacken gegen den Ju- zum Beispiel Anti-Antifa-Aktivitäten,
Bereits vor zwei Jahren war er Ziel ei- gendklub in der Grabbeallee. Neben un- werden aus solchen Zusammenhängen
nes Neo-Nazi-Angriffs. Diese Übergriffe zähligen Anti-Antifa Schmierereien aus heraus organisiert. Die Gründung der
richten sich ganz offfenkundig gegen diesem Spektrum versuchten auch schon Bewegung Neue Ordnung (BNO) aus
konzernkritisches Engagement. Denn einmal eine größere Gruppe organisierter Brandenburger NPD-Kreisen heraus und
auch das Vorstandsmitglied Hubert Neonazis in den Klub zu gelangen. Dies der Erfolg des Märkischen Heimatschut-
Ostendorf war bereits Ziel von Neonazi- konnte nur knapp verhindert werden. zes (MHS) sind ebenfalls Beispiele für
Angriffen. Die Drahtzieher: diese Entwicklung.
Die Coordination gegen BAYER-Ge- In der Nacht vom 1. zum 2. Juli wur-
fahren verurteilt diese widerlichen Nazi- Auf dem Neonaziaufmarsch am 1. Mai den zwei Personen von Neonazis über-
Attacken. Dieser Angriff reiht sich ein in 2004 im Berliner Stadtteil Lichtenberg, fallen. Wie die RBB-Abendschau berich-
eine unendlich lange Liste von Nazi-Ver- führten die VNN ein eigenes Transparent tete, können die Täter den Vereinten Na-
brechen der jüngsten Zeit, die auch be- mit der Aufschrift: „Internationaler Na- tionalisten Nordost (VNN) und deren
reits den Tod zahlreicher Menschen ge- tionaler Sozialismus – Für die Freiheit Umfeld zugerechnet werden. Dazu Tor-
fordert haben. Sie verurteilt den nachläs- der Völker“ mit. An dem Transparent ben Klaas, ein Sprecher der Autonomen
sigen und Vorschub leistenden Umgang wurde u.a. der bekannte NPD-Vize-Lan- Antifa Nordost [AANO] Berlin: „Wir
von Behörden und Gerichten mit Nazis desvorsitzende Berlin und Liedermacher haben in der Vergangenheit mehrfach
und Rechtsradikalen und fordert ein Ver- Jörg Hähnel sowie der ebenfalls aus auf die Gefährdung durch Organisatio-
bot faschistischer und rechtsradikaler Frankfurt/Oder stammende Andrè Wer- nen wie die VNN oder die Autonomen
Organisationen. Wegen der erheblichen ner gesichtet. Nationalisten Berlin [ANB] hingewie-
Schäden wird um Spenden unter dem Doch nicht nur in Berlin, auch auf den sen. ... Die Neonazis werden sich im
Stichwort „Nazis stoppen!“auf das Kon- letzten Aufmärschen neonazistischer Nordosten nicht widerstandslos aus-
to bei der GLS-Bank 8016 533 000, BLZ Gruppen in Neubrandenburg und Bernau breiten!“
430 609 67 gebeten. trat die VNN auf. Bei diesen Demonstra- Autonome Antifa Nordost [AANO]
Coordination gegen BAYER- tionen wurden im Zusammenhang mit Berlin im Juni 2004,
Gefahren (CBG) den VNN-Kadern weiterhin Personen aanb@mail.nadir.org
Weitere Infos www.cbgnetwork.org ■ gesichtet die früher schon in Verbindung www.nordost.antifanews.de ■
: antifaschistische nachrichten 14-2004
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EU- und Kommunalwahlen in Italien

Aufschwung für Linke Mitte – Schlappe


für Berlusconis rechtsextreme Koalition von Gerhard Feldbauer

Gleichzeitig mit den Wahlen zum nis zu Mussolini fordert, versucht die schlagen werden kann. Die Stimmen, vor
Straßburger Parlament fanden in „Soziale Alternative“, Mussolinis Theo- allem aus der PRC aber auch aus den
Italien Provinz- und Kommunal- rien vom „linken Faschismus“ neuen Reihen der Linksdemokraten (DS) als
wahlen statt. Auf beiden Feldern lagen Geist einzuhauchen. auch des Zentrums, die schon seit länge-
die Opposition (verschiedene Zentrums- Abfuhr für Sozialabbau rem vorgezogene Neuwahlen fordern,
parteien, Grüne, die exkommunistischen werden stärker. Anlass könnte ein in
Linksdemokraten exsozialistische und Noch offensichtlicher ist der Erfolg der Mailand gegen den Regierungschef
republikanische Splittergruppen, Kom- Opposition bei der Neuwahl der Bür- wiedereröffnetes Verfahren wegen Be-
munisten der Rifondazione Comunista – germeister und Provinzpräsidenten, wo amtenbestechung liefern. Ein während
PRC und der vor sechs Jahren von ihr ab- sie bereits im ersten Wahlgang in 14 von seiner EU-Ratspräsidentschaft von Ber-
gespaltenen Partei der Italienischen 22 Provinzen über 50 und mehr Prozent lusconi selbst erlassenes Immunitäts-
Kommunisten – PdCI) und die regie-
rende rechtsextreme Koalition Berlus-
conis (Forzapartei, AN-Faschisten,
Lega-Rassisten und christdemokrati-
sche Anhängsel) Kopf an Kopf. Das be-
deutet, die Opposition konnte ihre Er-
gebnisse im Vergleich vor allem mit
den 2001 verlorenen Parlamentswahlen
beträchtlich steigern, während die Re-
gierungsparteien eine schwere Schlap-
pe erlitten. Die Wahlbeteiligung lag bei
rund 50 Prozent.
Kommunisten mit acht Prozent
Bei den EU-Wahlen spielten durchweg
innenpolitische Probleme eine Rolle.
Berlusconis Forzapartei verlor dabei im
Vergleich mit 2001 rund sieben Pro-
zent und sank auf 22,3. Die AN sank
von 12 auf 11,2 Prozent. Lediglich die
Lega kam von 3,9 auf 4,3 Prozent, was
sie ihrer demagogischen Kritik am
Wirtschaftskurs Berlusconis, des Schef- erreichte und diese Ergebnisse im Bal- schutzgesetz hat der Oberste Gerichtshof
felns in die eigene Tasche und der Fort- lottaggio, dem zweiten Wahlgang, noch inzwischen für verfassungswidrig erklärt
setzung der Korruption verdankt. Die steigern konnte. Herausragend bei der und Präsident Ciampi dagegen sein Veto
Vereinten Christdemokraten (CDU) pro- Stichwahl: Regio Emilia 67,7, Potenza eingelegt.
fitierten mit einer Verdoppelung der 67,4, Modena 64,8, Perrugia 64,5, Bo- In der Opposition beginnt jedenfalls be-
Stimmen auf rund 6,1 Prozent ebenfalls logna 63,4, Siena 62,5, Arezzo 60,6. In reits die Diskussion, wie ein Sieg über
von ihrer gegenüber Berlusconi einge- Mailand, wo die Linke Mitte bereits im Berlusconi bewerkstelligt werden kann.
nommenen Distanz. Insgesamt belegte ersten Wahlgang 54 Prozent erhielt, ist 1996 hatte die Linke Mitte noch in einem
das Berlusconi-Bündnis knapp 44 Pro- „die letzte Hochburg des Berlusco- Wahlbündnis mit der PRC Berlusconi
zent, während die Opposition fast ein nismus zusammen gebrochen“, schrieb geschlagen. Die PRC stimmte danach im
Prozent mehr erreichte. In Stimmen aus- die römische „Repubblica“, Sprachrohr Parlament für die Regierung, ohne in sie
gedrückt sind es 1,7 Millionen Italiener der linken Mitte. Der sich neutral geben- einzutreten, kündigte 1998 diese Unter-
mehr, die linke Mitte wählten. de römische „Messaggero“ nannte Mai- stützung auf, da Wahlvereinbarungen (so-
Die PRC erzielte mit 5,3 Prozent ei- land „das Epizentrum eines neuen politi- ziale Verbesserungen, Maßnahmen gegen
nen leichten Zuwachs, die PdCI, stieg schen Erdbebens“. Neben der Absage an die faschistische Gefahr) nicht eingehal-
von 1,7 auf 2,8 Prozent. Das heißt, beide den profaschistischen Kurs Berlusconis ten, im Gegenteil ein rigoroser Sozialab-
KPs verzeichnen gute acht Prozent. ist das Ergebnis eine Abfuhr für den bau betrieben wurde und die DS in nicht
Faschisten mit 13,5 Prozent hemmungslosen Sozialabbau, bei dem wenigen Fällen die Kollaboration mit der
Italien heute schon da steht, wo Schröder rechtsextremen Koalition suchte. Die ab-
Neben den AN-Ergebnissen ist zu sehen, und Fischer morgen hin wollen. Die gespaltene PdCI trat in die Regierung ein
dass die „Partei der Flamme“ des Altfa- Wahlen haben Berlusconi in eine tiefe und erhielt dafür zwei Ministerposten.
schisten Pino Rauti und die „Soziale Al- Regierungskrise gestürzt. Berlusconi 2001 lehnte die PRC angesichts des
ternative Mussolini“ ein bzw. 1,3 Pro- versucht gegen zu steuern, in dem er sei- Rechtskurses der linken Mitte und des
zent erreichten, womit die faschistischen nen Wirtschaftsminister Tremonti aus fortgesetzten Sozialabbaus ein Wahl-
Stimmen insgesamt zirka 13,5 Prozent dem Rennen nahm. bündnis ab, da diese programmatische
ausmachen. Während „Die Flamme“ den Die nächsten Parlamentswahlen fin- Vereinbarungen verweigerte, gleichzei-
„moderaten“ Kurs des AN-Führers und den planmäßig im Frühjahr 2006 statt. tig aber nach einem Wahlsieg den Eintritt
Vizepremiers Gianfranco Fini zurück- Die Wahlerfolge haben gezeigt, dass die in die Regierung forderte.
weist und ein bedingungsloses Bekennt- rechtsextreme Berlusconi-Koalition ge- Fortsetzung Seite 6

: antifaschistische nachrichten 14-2004 5


Unter welchen Bedingungen ein dominierenden Kampfgeist einbrachte. PRC, PdCI und DS stehen vor der
Wahlbündnis mit der bürgerlichen Als Aktionseinheit von sozialistischen, Aufgabe, sorgfältig abzuwägen, ob und
Mitte ?
linkssozialdemokratischen und kommu- wie bestimmte Widersprüche zwischen
Gegenwärtig deutet alles darauf hin, dass nistischen Parteien könnte das ein ak- den verschiedenen Gruppen der Großka-
es zu einem Wahlbündnis kommen zeptables Projekt sein. Als Modell einer pitals für den Kampf gegen Berlusconi
wird. Offen sind die Bedingungen. Fest europäischen Linkspartei erscheint es je- genutzt werden können. Keinesfalls
zu stehen scheint bereits, dass Roman doch mehr als ein pluralistisches Kon- kann es darum gehen, sich vor deren
Prodi, der seine Amtszeit als EU-Kom- glomerat denn als aktionsfähige linke Karren spannen zu lassen und, wie
missionspräsident im Herbst 2004 been- Kraft, zumal ein Bekenntnis zum Mar- nach dem Wahlsieg von 1996, die auf
det, für die linke Mitte antritt. Ihm al- xismus fehlt. den Reformismus setzende Expansions-
lein, der 1996 die Opposition zum Sieg Aktionseinheit oder opportunisti- politik von Konzernen wie dem Kriegs-
führte, wird zugetraut, die profaschisti- scher Kompromiss produzenten FIAT mitzumachen und
sche Koalition ein weiteres Mal zu den Sozialabbau mitzutragen.
schlagen. In den 70er Jahren ein Anhän- Deshalb ist zu befürchten, dass die PRC Die Frage steht, ob ein Wahlbündnis
ger des linken Christdemokraten Aldo auch für ein Wahlbündnis mit der bürger- und überhaupt eine neue linke Mitte auf
Moro, der wegen seiner Regierungszu- lichen Mitte substanzielle Kompromisse der Grundlage einer Aktionseinheit oder
sammenarbeit mit den Kommunisten ei- eingehen wird, die ihre kommunistische eines vergleichbaren einheitlichen Han-
nem reaktionären Mordkomplott zum Identität weiter untergraben. delns der Linken oder auf der Grundla-
Opfer fiel, gilt der Wirtschaftsprofessor Wie bei bürgerlichen Wahlen üblich, ge opportunistischer Vereinbarungen ih-
auch heute noch als ein nach links aufge- spielt der Einfluss der führenden Kapi- rer Führungen mit der bürgerlichen Mit-
schlossener Demokrat alter bürgerlicher talkreise eine wichtige Rolle. Berlusco- te zu Stande kommt. Ersteres setzt eine
Schule, der als solcher wiederholt antifa- ni, der als größter Kapitalist des Landes Konzeption voraus, die den Sozialabbau
schistische Positionen bezogen hat. In antrat, das gesamte Kapital zu vertreten, nicht nur beendet, sondern die rigorosen
Brüssel scheute er sich entgegen der all- stößt mit seinem Rechtsextremismus und Einschränkungen der sozialen Rechte
gemeinen Tolerierung von rechtsextre- seiner Politik der persönlichen Berei- und demokratischen Freiheiten rückgän-
men Entwicklungen nicht, den faschisto- cherung inzwischen auf den Widerstand gig macht und eine klare Antikriegsposi-
iden Ausfällen, die sich Berlusconi wäh- des liberalen Flügels der Großbourgeoi- tion einnimmt, wozu eine entschiedene
rend seiner Zeit als EU-Ratspräsident im sie, der bisher von den Agnellis, den Ablehnung des im EU-Verfassungsent-
zweiten Halbjahr 2003 leistete, entgegen Besitzern des Industrie- und Rüstungs- wurf verankerten Militarisierungskurses
zu treten. Es ist jedoch auch zu sehen, giganten FIAT, angeführt wurde. Die und der Rückzug des italienischen Poli-
dass Prodi die EU zum imperialistischen Linke Mitte erhofft sich die Unterstüt- zeikontingents aus Irak gehören müssen.
Gegenpol der USA machen will. Er ist zung dieser Kreise, die unter den Agnel- Von der PRC erfordert es, entschieden
Vorsitzender der Demokratischen Partei, lis 1996 offen Prodi favorisiert hatten, auf der Grundlage ihres auf dem Partei-
die sich als authentischer Nachfolger der weil sie erwarteten, dass in dieser Koali- tag 2002 beschlossenen Aktionspro-
untergegangenen großbürgerlichen De- tion die Linksdemokraten besser in der gramms zu handeln. Der Ausgang ist
mocrazia Cristiana fühlt. Seine „Liste Lage seien, den Arbeiterwiderstand ge- noch nicht abzusehen.
Prodi“ erhielt bei den jüngsten Wahlen gen den Sozialabbau abzufangen. Gerhard Feldbauer ■
rund 30 Prozent Stimmen.
Die PRC hatte auf ihrem Parteitag im
April 2002 eine neue Aktionseinheit
mit den DS vorgeschlagen, um auf die-
ser Basis eine erneuerte Linke Mitte zu
formieren. Dann schlug sie eine „Neu-
konstrukturierung der Linken“ aus PRC,
„Sonnwendfeiern“
PdCI, linker DS-Basis und weiterer so- Österreich. Rund um den 21. Juni beging das rechtsextreme und deutschnationale Milieu seine
zialer Gruppierungen, darunter die Anti- obligaten „Sonnwendfeiern“. Die niederösterreichische FPÖ-Obfrau Barbara Rosenkranz lud
am 18. Juni wieder ins heimatliche Seebarn, wo der designierte FPÖ-Europaabgeordnete An-
Globalisierungs-Bewegung, vor. Die re-
dreas Mölzer die „Feuerrede“ hielt. Er agitierte einmal mehr gegen „ein islamisches Europa, in
visionistischen Zugeständnisse der PRC dem schrankenlose Zuwanderung aus einem Land wie die Türkei kommt, einem Land, in dem
verwässerten jedoch das Projekt, das in 60 Prozent der Menschen unter 20 Jahre alt sind“. Aus einem EU-Mitgliedsland Türkei würden
der Substanz an den eurokommunisti- laut Mölzer „Hunderttausende, wenn nicht Millionen zwangsläufig zu uns“ kommen. Dadurch
schen Vorstellungen der 70er Jahre an- würden „unsere Identität, unser gewachsenes Volkstum, unsere Heimat“ gefährdet.
knüpfte. Rosenkranz sprach dann einen Tag später in Großrußbach. In ihrer „Feuerrede“ verlangte sie,
Andererseits wird die praktische Poli- dass die „Gesetze, die in der Natur zu finden sind [...], der Gestaltung unseres Gesellschafts-
tik der PRC noch immer beträchtlich lebens“ zugrunde gelegt werden.
von dem auf dem Kongress 2002 ange- Die größte „Sonnwendfeier“ fand wieder am Wiener Cobenzl statt. Zu dieser lud am 21. Juni
nommenen Aktionsprogramm bestimmt, die Österreichische Landsmannschaft (ÖLM) gemeinsam mit dem Wiener Korporationsring
in dem die Partei sich zu Antikapita- (WKR). Eröffnet wurde sie von Walter Sucher, „Alter Herr“ der Burschenschaft Olympia und
lismus, einer sozialistischen Perspekti- Vorsitzender des Ringes Volkstreuer Verbände, der die Westalliierten „Kreuzritter“ nannte, die
ve und einer konsequenten Antikriegs- vor 60 Jahren begonnen hätten, „Europa – unter Anführungszeichen – zu ,befreien’“. Darauf
folgte der Beitrag der Mädelschaft Freya in Reimform: „Die Fremden wollen hier ihr Leben ge-
position bekannte.
stalten, sich nicht an unsere Gesetze halten. Zur Anpassung sind sie selten bereit, und sie wis-
Eine neue Zäsur markierte die vor al- sen zu nehmen, in kürzester Zeit. So erdrücken sie uns und nützen uns aus, bestellen auf unse-
lem von der PRC zusammen mit der re Kosten ihr Haus. Sie leben von dem, was wir geschaffen, sie brechen Gesetze mit Rausch-
deutschen PDS getragene Initiative zur gift, mit Waffen.“ Die „Feuerrede“ hielt Jochen Leidl (Burschenschaft Silesia). Als „deutschna-
Gründung der Partei der Europäischen tional denkende[r] und fühlende[r] Mensch[en]“ weiß Leidl, dass überall dort, wo „Lebensräu-
Linken, die PRC-Sekretär Fausto Bertti- me von Völkern durchmischt werden, [...] diese auf Dauer in Konflikte [geraten]“. Die „Frem-
notti zu ihrem Vorsitzenden wählte. Das den“ würden nicht nur „schon bestimmte Bezirke in den Großstädten mehrheitlich bevölkern“,
Projekt ähnelt verblüffend der für Ita- sondern „auch am Land [...] das Dorfbild durch ihre Sprache, ihre religiöse Kleidung, ihr fremd-
lien verkündeten Neukonstruktuierung ländisches Aussehen, ihre Mentalität [verändern]“.
einer „neuen Linken“, in das die PRC www.doew.at ■
allerdings wenig von ihrem an der Basis

6 : antifaschistische nachrichten 14-2004


Etwa zwei Jahre nach seinem Beginn
endete der „letzte große NS-Kriegs-
verbrecherprozess“ mit einem hand-
Im Namen des Volkes
festen Justizskandal: Der Bundesge- Bundesgerichtshof stellt Verfahren gegen den
richtshof (BGH) stellte Ende vergange- „Henker von Genua“ ein
ner Woche das Verfahren gegen den
ehemaligen SS-Offizier Friedrich En- Verantwortung für die Hinrichtung der burger Richter den Mordvorwurf nicht
gel ein – aus Altersgründen und weil von ihm selektierten Gefangenen zu tra- ausreichend begründet hätten. Die Folge
die ihm zur Last gelegte Massenexe- gen. Zwanzig der Ermordeten waren un- der Urteilsaufhebung wäre gewesen,
kution so lange zurück liegt. ter zwanzig Jahre alt, fünf sogar unter dass der Prozess völlig neu hätte aufge-
achtzehn. Am frühen Morgen des 19. rollt werden müssen. Die Richter be-
Der „Henker von Genua“ wurde seit Mai 1944 erhielten die Gefangenen den zweifelten jedoch, dass das Verfahren
1945 von den Alliierten als Kriegsver- Befehl, sich für die Abreise fertig zu ma- hätte rechtskräftig abgeschlossen werden
brecher gesucht, 1999 in Italien in Abwe- chen - ohne Gepäck. Das sichere Todes- können. Sie gingen davon aus, dass bei
senheit wegen 246fachen Mordes zu le- urteil, das war ihnen allen klar. Sie wur- dem Angeklagten aufgrund seines Alters
benslänglich und im Juli 2002 vom den zum Turchino-Pass gebracht. Dort bald mit einer „beträchtlichen Minde-
Landgericht Hamburg rung seiner Verhandlungsfä-
wegen 59fachen Mor- higkeit“ zu rechnen wäre –
des zu siebenjähriger also stellten sie es gleich
Haft verurteilt, die ihm ganz ein. Außerdem monier-
aufgrund seines Alters ten sie, dass die Ermittlun-
jedoch erlassen wurde. gen gegen Engel „unbegreif-
Gegen das Hamburger lich spät“, erst Ende der 90er
Urteil legten seinerzeit Jahre eingeleitet wurden.
sowohl Verteidigung Diese Tatsache setzte nicht
als auch Staatsanwalt- nur die Richter in Leipzig in
schaft Revision ein, Erstaunen, sondern auch
der Anwalt hatte Frei- ehemalige Kameraden und
spruch und der Staats- Angehörige der Opfer des
anwalt lebenslänglich Massenmordes vom Turchi-
beantragt. no-Pass. Schließlich wurde
Darüber verhandel- Eine Gruppe italienischer Partisanen wird zur Erschießung geführt, Provinz Novara 1944 seitens der Hamburger
te jetzt der 5. Strafse- Staatsanwaltschaft schon
nat des BGH in Leipzig. Alter schützt hatte eine Gruppe von jüdischen Gefan- Anfang der 60er Jahre gegen Engel er-
zwar vor Torheit nicht, aber scheinbar genen, die anschließend nach Auschwitz mittelt. Eigentümlicherweise war die
davor, von der bundesdeutschen Ge- deportiert wurden, unter Peitschenhieben Akte jedoch verschwunden. Während
richtsbarkeit für grausame NS-Verbre- das Grab für die Partisanen schaufeln des Prozesses 2002 in Hamburg tauchte
chen zur Rechenschaft gezogen zu wer- müssen. Über dieser Grube wurden die sie wieder auf – angeblich war sie dem
den. Das Urteil ist ein Skandal und ein Männer dann einer nach dem anderen er- Schriftsatz eines anderen großen Verfah-
Schlag ins Gesicht für alle Opfer des Fa- schossen. Dem Protokoll der Verneh- rens beigelegt gewesen. Für das laufende
schismus und ihre Angehörigen. mung eines Mitarbeiters von Engel Verfahren spielte sie aber keine Rolle,
Bis 2001 führte der ehemalige Holz- durch die Alliierten zufolge ließ Engel laut Staatsanwaltschaft handelte es sich
händler Friedrich Engel ein beschauli- aus Anlass der Massenerschießung be- lediglich um schriftliche Anschuldigun-
ches Rentnerdasein im Hamburger Stadt- legte Brötchen und 30 Flaschen Cognac gen eines Bekannten, mit dem Engel sich
teil Lokstedt. Dann geriet er als „Todes- servieren. zerstritten hatte.
engel von Genua“ in die Schlagzeilen, Die Kammer in Hamburg beanstande- Der Holzhändler aus Lokstedt ist nicht
denn ganz so harmlos, wie alle glaubten, te jedoch nicht den Massenmord als sol- der einzige NS-Kriegsverbrecher, der
war der „nette Herr von nebenan“ nicht: chen: „Partisanen, modern ausgedrückt, jahrzehntelang völlig unbehelligt ein
Engel war 1944 und 45 SS-Obersturm- Terroristen“ hinrichten zu lassen, sei eine schönes Leben führen konnte. Zu dem
bannführer und Leiter der Sicherheitspo- im Zweiten Weltkrieg durchaus legitime Zeitpunkt, als der Engel-Prozess dem
lizei in Genua. Wegen seiner Grausam- „Kriegsrepressalie“ gewesen, erläuterte Hamburger Landgericht lief, waren
keit erhielt er den Beinamen „Henker Staatsanwalt Jochen Kuhlmann. Ledig- noch weitere 20 Verfahren gegen noch
von Genua“ und 1944 das Kriegsver- lich die Methode der Exekution sei zu lebende Altfaschisten anhängig. Der ehe-
dienstkreuz mit Schwertern. Als Vergel- verurteilen, niemand habe befohlen, sie malige Aufseher der „Kleinen Festung
tung für einen Partisanenangriff auf ein auf so grausame Art und Weise durch- Theresienstadt“ Anton Malloth lebte die
Militärkino ließ er 59 Gefangene hin- führen zu lassen. Der Vorsitzende Rich- ganzen Jahre seit Kriegsende zunächst in
richten, die an Widerstandsaktionen ge- ter Rolf Seedorf folgte dieser Argumen- Meran, anschließend in München. Die
gen die faschistischen Besatzer beteiligt tation in seiner Urteilsbegründung. Staatsanwaltschaft Dortmund, die die Er-
waren. Einige von ihnen waren für den Das milde Strafmaß begründete See- mittlungen in Bezug auf Theresienstadt
Dienst in der Wehrmacht zwangsrekru- dorf mit dem Alter des damals 93-jähri- leitete, ignorierte scheinbar jahrzehnte-
tiert worden. Sie verweigerten den Wehr- gen Angeklagten sowie der langen Zeit- lang alle Hinweise auf den heute 92-Jäh-
dienst, obwohl sie wussten, dass sie da- spanne, die zwischen der Tat und dem rigen, bis er 2000 dann schließlich doch
mit ihr Leben aufs Spiel setzen. Für ihre Urteil läge. Aus denselben Gründen stell- verhaftet wurde. Im Mai 2001 verurteilte
mutigen Taten wurden sie eingesperrt te das BGH das Verfahren jetzt ein. Die ihn das Landgericht München wegen
und im Knast in Marassi gefoltert, in Leipziger Richter hatten zunächst das dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft.
dem Oberleutnant Karst ein brutales Re- Urteil des Landgerichts Hamburg aufge- Im Gegensatz zu Engel musste Malloth
gime führte. Dort wählte Engel persön- hoben. Sie teilten zwar die Überzeugung, diese Strafe absitzen, erst kürzlich wurde
lich die Todeskandidaten aus. Das be- dass Engel für die Massenexekution die Haft wegen seines Gesundheitszu-
stritt er vor Gericht auch nicht, allerdings strafrechtlich verantwortlich gewesen stands unterbrochen.
behauptete er bis zum Schluss, keine sei, beanstandeten jedoch, dass die Ham- Birgit Gärtner ■

: antifaschistische nachrichten 14-2004 7


HOLLE/DERNEBURG/AS-
TENBECK. Seit Ostern hatte es
in Holle, Derneburg und Asten-
Antifaschistische
beck (etwa 7 000 Einwohner) vermehrt
faschistische Schmierereien gegeben.
Hakenkreuze und antisemitische, anti-
Aufräumaktion
kommunistische, nationalistische und vor unserer Aktion zu entfernen. Herr Das Zeigen der VVN/BdA-Fahne
rassistische Hetzparolen. Betroffen wa- Hilge (Ordnungsangelegenheiten) hatte wurde ebenso verboten, wie das Zeigen
ren unter anderem Asylbewerberheim, im Auftrag von dem Bürgermeister der PDS-Fahne (die sich übrigens im
Schule, Jugendraum am Bahnhof Hol- Huchthausen bei dem presserechtlich Wahlkampf befand... (Wahlbehinde-
le/Derneburg, Bahnhof, Sandsteinmauer Verantwortlichen des Flyers angerufen, rung?)). Bei Androhung der Zerstörung
in Derneburg, Pizzeria, Döner-Läden, und darum gebeten(!), doch das Haken- des Bildmaterials verboten die beiden
REWE, Schuhcontainer gegenüber der kreuz am Schuhcontainer nicht zu ent- Polizisten, ein Foto von ihrem öffent-
Schule, Rathaus, Polizeistation, ein fernen, darum kümmere sich die Ge- lichen Auftritt in Amtshandlung zu ma-
Scheunentor und eine Verkaufsbude, chen. Dies
Wahlplakate von PDS und SPD, ein El- sei angeb-
ternwohnhaus eines PDS-Mitglieds, die lich das
Mauer gegenüber der Wohnung der Recht am
SPD-Bürgermeisterin. Da die Gemein- Bild. Hier
deverwaltung Holle sehr langsam – um wurde das
nicht zu sagen lahm bis überhaupt nicht Recht auf
- die Beseitigung dieser faschistischen Pressefrei-
Provokationen vornahm, wenn man mal heit mit
von den direkt im Gemeindebesitz be- Staats-
findlichen Gegenständen und Liegen- macht-Fü-
schaften absieht – rief ein antifaschisti- ßen getre-
sches Bündnis unter dem Motto „Wir ten. Da
räumen auf!“ zu einem Antifaschisti- das Über-
schen Frühjahrsputz am 11.6.2004 auf. malen des
Wir trafen uns nachmittags vor der Haken-
Schule. Die Gemeinde wurde zuvor von kreuzes
der Aufräumaktion informiert. Die Re- vor der
aktionen des Bürgermeisters Huchthau- Schule
sen (SPD) und weiterer Verantwortlicher nicht mög-
in der Gemeindeverwaltung waren völ- lich war,
lig unangemessen: So mailte der Leiter beseitigten
des Bauamtes Morgener: wir zu-
„Entgegen der haltlosen Behauptung nächst ein
in Ihrem Flyer hat die Gemeindeverwal- Haken-
tung jeweils recht zügig bei der Beseiti- meinde schon (nach zwei Monaten (!)), kreuz an der Sandsteinwand der Scheu-
gung der Schmierereien mit Hakenkreu- sie habe beim Unternehmer deshalb an- ne des Bauernhofs Jordan. Dies konnte
zen und Parolen gehandelt. gerufen. die Polizei nicht verhindern, da wir zu-
Nach polizeilicher Erfassung und Kurz, wir wollten also nun das Ha- vor das Einverständnis des Bauern ein-
Freigabe wurden die Schmierereien um- kenkreuz am Schuhcontainer übermalen, geholt hatten. Das Gleiche war mit einer
gehend beseitigt. da die Gemeinde eben nicht rechtzeitig Parole an der Sandsteinmauer in Derne-
Auf dem Grundbesitz der dafür gesorgt hatte – es endlich zu burg, wo der Eigentümer extra spezielle
Gemeinde Holle befin- entfernen – da fuhr ein Zivilfahr- Beize zur Verfügung stellte. Die Parole
den sich derzeit keine zeug mit dem Polizeioberkom- am Kirschverkaufshäuschen auf dem
sichtbaren Schmie- missar Lütgens vom 4. Kom- Parkplatz Astenbeck an der B6 wurde
rereien !!! missariat der Kripo Hildes- übergemalt. Zum Schluss der Aktion
Ich kann nicht heim in Zivilkleidung vor. nahmen wir uns den Schuhcontainer
ausschließen, Begleitet war er vom uni- noch einmal vor. Ein PDS-Europawahl-
dass möglicher- formierten Polizeihaupt- plakat wurde etwas abgewandelt – die
weise an privaten kommissar Hans-Werner Parole „Es reicht!“ wurde mit Tesa über
Gebäuden oder Kindervater. Mit dem Hin- das Hakenkreuz geklebt.
Objekten noch der- weis, dies sei eine nicht an- Das Ziel der Aktion wurde trotz der
artige Schmiere- gemeldete Demonstration Versuche der Polizei, die Antifaschisten
reien sichtbar sind. und das Übermalen des Ha- von der öffentlichen Wahrnehmung zu
Wenn das der Fall seien kenkreuzes am Schuhcontainer isolieren, erreicht. Sämtliche faschisti-
sollte, ist für die Beseitigung sei Sachbeschädigung wurde den etwa schen Parolen und Symbole wurden be-
allein der Eigentümer verantwortlich.“ 15 Antifaschisten die Beseitigung bei seitigt. Nach einigen Tagen wurde auch
Die VVN/BdA wies in der Antwort Androhung der gewaltsamen Auflösung der Schuhcontainer auf Betreiben der
darauf hin, dass seit zwei Monaten am der Versammlung verboten. Die Einre- Gemeinde grün überstrichen. Obwohl
Schuhcontainer vor der Schule, der im de, hier sei eine normale Aufräumaktion sich ein Nazi-Sprayer etwa zehn Tage
Gemeindeauftrag durch die Privatfirma im Gange – so wie es beispielsweise die nach der Aktion traute, erneut zu sprü-
AKB in Bockenem aufgestellt wurde, CDU jeden Frühjahr bei den Straßengrä- hen – erfolgt die Beseitigung innerhalb
das weit sichtbare Hakenkreuz nicht ent- ben mache – wischten die Polizisten mit weniger Tage. Auch so gesehen, hat die
fernt wurde. Sie bat darum, dass die Ge- der Behauptung weg, auch dafür bräuch- Aktion eine antifaschistische Sensibili-
meinde bei dem Unternehmer noch mal te die CDU eine Genehmigung – was sierung bewirkt.
Druck macht, um das Hakenkreuz noch wir nicht so recht glaubten... raj ■

8 : antifaschistische nachrichten 14-2004


Die Fortsetzung des Holocaust und
Schilys Versammlungsrechtsänderung
Es war am 26. Juni in Bochum. dies im Rahmen einer Güter- und Inter- ten, würden die Extremisten damit den
Antisemitische Reden wurden essenabwägung zum Schutz anderer öffentlichen Frieden gefährden.
gehalten, von einem Mann, der mindestens gleichwertiger Rechte not- Wir erfahren nicht nur aus den Verfas-
sich zum „antijüdisch sein“ bekannte; wendig sei. sungsschutzberichten, dass die Antifa-
das ist nicht neu in dieser Republik mit – Nun hat sich auch der Bundesinnen- schisten von der Vereinigung der Ver-
laut Umfragen – rund 20 Prozent antise- minister zum Versammlungsrecht geäu- folgten des Naziregimes/BdA als Extre-
mitisch denkenden Menschen. Dennoch ßert und seine Änderung verlangt. Dies misten gelten, die DKP-Anhänger ohne-
war es ein historischer Tag. Der Führer wäre gar nicht nötig gewesen, wenn man hin. Sollten sie vor KZ-Gedenkstätten ih-
an der Spitze des hysterisch pogromhet- nur das Grundgesetz und die Grundrech- rer ermordeten Kameradinnen und Ka-
zenden NPD-Aufmarsches „Gegen Steu- te zugrunde legte. Doch Otto Schily meraden, ihrer Genossinnen und Genos-
ergelder für den Synagogenbau“ bedank- plant den großen Wurf gegen alle „Extre- sen gedenken wollen, sollten gar sozia-
te sich bei den Antifaschisten, für ihre misten“. Das Versammlungsverbot für listische und kommunistische Ideale
Protesterklärung: „Wenn sie sagen, dies Extremisten soll eintreten, so der Minis- hochgehalten werden, so hätte Schily mit
sei die erste antijüdische Anti-Synago- ter laut „Spiegel online“, wenn diese ge- seinem „Antitotalitarismus“ und „Anti-
gen-Demonstration seit 1945, so bedan- dächten, an Orten von ehedem „men- extremismus“ eine gute Handhabe dage-
ken wir uns für das Kompliment.“ schenunwürdiger Behandlung“ zu de- gen. Nimmt man noch das Verbot der
Erstmals seit Ende des Rassenwahns monstrieren. Auch wenn sie „Gewalt- „Hasspredigten“ hinzu, dann kann nun-
der Nazis, der zum industrieartig voll- und Willkürherrschaft“ oder „Terro- mehr jede klassenkämpferische Rede zur
führten Massenmord an sechs Millionen rismus“ verherrlichten oder verharmlos- Aufreizung zum Klassenhass und zum
Juden, 25 Millionen Slawen und einer Terrorismus gestempelt und verboten
halben Million Sinti und Roma führte, werden. Demos gegen „Verschwendung
durften Faschisten mit höchstrichterli- öffentlicher Gelder zugunsten von priva-
chem Segen nicht etwa nur den Holo- ten Gotteshausbauten“ wie am 26. Juni
caust leugnen – was verboten wäre –, in Bochum würden bei diesen Maßstä-
sondern seine Fortsetzung propagieren. ben hingegen gut wegkommen.
Das Bundesverfassungsgericht machte es Der „Testfall von Bochum“, wie er in
möglich. Es sieht diese Mordhetze als vielen Erklärungen genannt wurde, muss
„missliebige Meinung“ an. nun zum Testfall für die Demokratie
Die höchsten Verfassungsrichter wie schlechthin, für das Grundgesetz werden.
auch Verwaltungsjuristen des Landes Auf den Verfassungsminister in Berlin
Nordrhein-Westfalen hatten hingegen wie auf das Verfassungsgericht von
schon lange einen juristischen Stopp der Karlsruhe können die Demokraten und
eskalierenden Nazihetze im Lande vor- Antifaschisten dabei nicht bauen, im
gesehen, indem sie urteilten: Eine rechts- Gegenteil. Ulrich Sander ■
extremistische Ideologie lässt sich auch
nicht mit den Mitteln des Demonstra- PS: Entgegen aller üblichen Praxis hat nicht die
erste Kammer des Bundesverfassungsgerichtes
tionsrechts legitimieren (Beschluss des eine Eilentscheidung getroffen, sondern der ge-
OVG NRW, Az 5 B B 585/01). Diese samte erste Senat des Bundesverfassungsgerich-
Entscheidung, die seit drei Jahren immer tes unter Vorsitz seines Präsidenten hat entschie-
wiederholt und vom Bundesverfassungs- den, dass Nazis wieder gegen jüdische Einrich-
tungen hetzen dürfen. Der Präsident des BVerG,
gericht mehrfach aufgehoben wurde, der vierthöchste Repräsentant des Staates, hat die-
liegt auf der Linie des Grundgesetzes, sen Beschluss also auch unterschrieben.
das in Artikel 139 zur „Weitergeltung der
Entnazifizierungsvorschriften“ be-
stimmt: „Die zur ‚Befreiung des deut-
schen Volkes vom Nationalsozialismus Tabus gebrochen
und Militarismus’ erlassenen Rechtsvor-
schriften werden von den Bestimmungen Für die Neonazis, die nach Bochum gekommen waren, war es eine Zäsur. Sven Skoda, „freier Nationa-
list“ aus Düsseldorf und zurzeit Student in den Niederlanden, feierte die „wohl erste Demonstration ge-
dieses Grundgesetzes nicht berührt.“ Das gen Synagogenbau in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. Für „uns nationale Sozialis-
heißt: Faschisten können sich nicht auf ten“ gebe es „heutzutage nur noch wenige Tabus, die gebrochen werden könnten. Heute brechen wir
Grundrechte für Meinungs- und Ver- eines davon“, brüllte er mit sich beinahe überschlagender Stimme ins Mikrofon. Und um auch noch
sammlungsfreiheit berufen, wenn sie den dem letzten aus dem Fußvolk die historische Bedeutung dieses Tages deutlich zu machen, attestierte er
Nationalsozialismus fortsetzen wollen. ihnen: „Jeder Teilnehmer, der heute hier steht, gibt lebendes Zeugnis davon, schreibt Geschichte und
Die höchsten Richter von NRW be- wird in der Kampfzeit Erwähnung gefunden haben.“
stimmten bisher bei Versuchen zu antise- Unbeanstandet wurde gegrölt: „Hopp hopp hopp - Synagogenstopp“, „Stoppt den Synagogenbau -
wir sind das Volk“ oder „Wir sind dabei – Bochum synagogenfrei“, und man darf getrost vermuten,
mitischer und rassistischer Pogromhetze,
dass sie die Ruhrgebietsstadt – und nicht nur diese – am liebsten nicht nur „synagogenfrei“, sondern
dass Versammlungen, die den Wertmaß- „judenfrei“ sähen. Axel Reitz, notorischer Antisemit vom Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS), gab
stäben der Grundrechte und der verfas- den Ton vor, als er Juden – von ihm als „Langnasen“ tituliert – empfahl, zu „verschwinden aus diesem
sungsmäßigen Werteordnung zuwider- Lande“. Inzwischen hat die Polizei angekündigt, dass sie auf der Basis ihrer Videoaufnahmen die Einlei-
laufen, indem sie für die hauptsächlichen tung von Strafverfahren prüfe. Am Demonstrationstag selbst wurde gegen NPD-Landesvize Claus Cre-
Ziele des Nationalsozialismus eintreten, mer wegen einer Passage seiner Rede ein Ermittlungsverfahren eingeleitet: Der bei dem Aufmarsch an-
unmittelbar die öffentliche Ordnung ge- wesende Staatsanwalt ging von einem Anfangsverdacht der Volksverhetzung aus.
fährden. Die grundgesetzlich geschützte aus dem aktuellen „blick nach rechts“, www.bnr.de ■
Versammlungsfreiheit trete zurück, wenn

: antifaschistische nachrichten 14-2004 9


Am 8. Mai diesen Jahres kam
es in Pfahlbronn bei Lorch (Ost- Revolutionäre Aktion Stuttgart, Presseerklärung
alb-Kreis) zu einem Angriff von
AntifaschistInnen auf eine Gruppe
Neonazis. Die Nazis konnten auf dem
Polizei überzieht linke und antifaschisti-
Fest des dortigen Tauziehvereins zu- sche Jugendliche in der Region um Schwä-
vor weitgehend ungestört den Hit-
lergruß zeigen und Menschen bedro- bisch Gmünd mit massiver Repression
hen und zusammenschlagen. Seit die-
sem Vorfall vor über sechs Wochen len. Dazu passt auch die Tatsache, dass der Veranstalter heraus erfolgt, oder aus
überzieht der Staatsschutz der Poli- bei den Ermittlungen die angeblich der der Angst vor erneuten militanten antifa-
zeidirektion Waiblingen die regiona- Aufklärung einer Schlägerei dienen sol- schistischen Aktionen, sei einmal dahin-
le linke und antifaschistische Szene len, persönliche Unterlagen, Computer, gestellt, einen konkreten Erfolg stellt es
und deren Umfeld mit massiver Re- usw. beschlagnahmt wurden. Auch die allemal dar. (...)
pression. offenen Drohungen der Staatschützer, Gerade diese positiven Folgen der Ak-
die „verhindern wollen dass in Schwä- tion sowie die Tatsache, dass sich in der
Seit langem sind Dorffeste in der Region bisch Gmünd irgendwas entsteht“ (O- Region überhaupt wieder etwas an linker
um Backnang, Lorch und Schwäbisch Ton) – womit sie organisierten linken Bewegung tut und nicht die paar verletz-
Gmünd Anlaufpunkt für die regionale ten Nazis sind es, die
Nazi-Szene. Übergriffe, Bedrohungen, den Staatschutz ver-
Pöbeleien und Einschüchterungen vor al- anlassen mit einer so
lem gegen MigrantInnen und Linke sind massiven Repres-
eher die Regel als eine Ausnahme. Der sion gegen Linke
Abend des 8. Mai verlief also für mehre- vorzugehen. Es geht
re Dutzend Nazis zunächst wie gewohnt. darum, zu verhin-
Sie begrüßten sich im Bierzelt mit dem dern, dass die Aktion
Hitlergruß, bedrohten Linke und gingen zu weiterer Gegen-
auf mehrere jüngere Punks los, was im wehr gegen Nazis
Getümmel des Festes noch nicht einmal führt und die antifa-
groß für Aufsehen sorgte. Die Polizei schistischen Kräfte
und die Veranstalter sahen keinen Grund in der Region stärkt.
zum Einschreiten. Erst der Angriff einer Dabei geht der
Gruppe militanter AntifaschistInnen auf Staatsschutz auf ver-
den Nazi-Mob, bei dem mehrere Nazis schiedenen Ebenen
verletzt wurden, brachte Abwechslung in vor. Hausdurchsu-
den Verlauf des Abends. chungen und Anzei-
Diesen Vorfall nimmt die Staats- gen dienen der Ein-
schutzabteilung der Kriminalpolizei und antifaschistischen Widerstand mei- schüchterung, es soll vermittelt werden,
Waiblingen zum Anlass, um groß ange- nen – spricht für sich. Schon während dass der Arm des Gesetzes auch zuschla-
legt gegen Linke aus der Region vorzu- der Kampagne Antifaschistische Kehr- gen kann und antifaschistische Aktivitä-
gehen und zu versuchen, aktive Linke wochen, bei welcher Ende letzten Jahres ten viele Probleme nach sich ziehen kön-
einzuschüchtern. Mit einem ungeheuren durch Demonstrationen und Veranstal- nen. Informationen über die komplette
Aufwand werden schon seit mehreren tungen auf die Aktivitäten der Naziszene linke Szene in der Region und deren
Wochen Menschen aus der linken und in dieser Region aufmerksam gemacht Umfeld werden gesammelt und versucht,
der Punk-Szene von der Polizei vorgela- wurde, versuchten sie Druck auf Linke in Erkenntnisse über überregionale Zu-
den, weit mehr als 100 Menschen verhört Schwäbisch Gmünd auszuüben, um zu sammenhänge zu erhalten, um auch zu-
und mindestens drei Hausdurchsuchun- verhindern, dass diese sich an der Kam- künftig gezielt gegen die linken Struktu-
gen durchgeführt, bei welchen u.a. Com- pagne beteiligen. ren vorgehen zu können. Auch die Des-
puter und persönliche Unterlagen be- Die politisch motivierten Ermittlun- information, die dem Zweck dient, die
schlagnahmt wurden. Mindestens fünf gen des Staatschutzes antifaschistischen Aktivitäten möglichst
Personen, die angeblich an dem besagten brutal und menschenverachtend darzu-
Abend auf dem Fest von Zeugen gesehen Tatsächlich zog die besagte Aktion ge- stellen, ist Teil ihrer Strategie. So wird
wurden und der Linken zuzuordnen sind, gen die Nazis einige Erfolge nach sich versucht, den Angriff auf die Nazis als
sehen sich mit Anzeigen wegen „be- und war somit zunächst sicher dazu ge- Aktion von Chaoten darzustellen, die in
sonders schwerem Landfriedensbruch“ eignet, zur Nachahmung anzuregen und ihrer Gewalt-Geilheit auch Unbeteiligte
konfrontiert. Einigen wurden sogar den antifaschistischen Kräften Auftrieb verletzten. Dabei ist bekannt, dass Unbe-
DNA-Proben entnommen. Außerdem zu verschaffen. So wurde die Normali- teiligte von Bierkrügen und Gläsern, die
wurden mehrere Jugendliche ohne rich- sierung des offenen Auftreten der Nazis ausschließlich von Seiten der Nazis ge-
terliche Grundlage zuhause von der Poli- durch die aufsehenerregende Aktion worfen wurden, verletzt wurden, wäh-
zei „besucht“ und unter Druck gesetzt. durchbrochen. Nach der Aktion wurde rend die AntifaschistInnen gezielt gegen
Dass es um mehr geht als um die Er- beispielsweise selbst in den bürgerlichen die Nazis vorgingen.
mittlung von Leuten, die bei dieser Bier- Zeitungen offen die Präsenz von Nazis Wir fordern die sofortige Einstellung
zelt-Schlägerei beteiligt waren, ist offen- auf den Dorffesten thematisiert, was zu- der politisch motivierten Verfahren und
sichtlich. So spricht der Vorwurf des be- vor kaum jemanden zu stören schien. das Ende der Einschüchterungsversuche
sonders schweren Landfriedensbruchs Dies hat sogar dazu geführt, dass seit des Staatschutzes!
Bände, da eine Verurteilung mit diesem dem besagten Abend allen Nazis, die als Weitere Informationen bei: AG Antifa
Vorwurf mehr als unwahrscheinlich ist solche zu erkennen sind, auf einigen Revolutionäre Aktion Stuttgart, c/o Info-
und Ermittlungen wegen diesem Para- Festen von den Veranstaltern der Zutritt laden Ludwigstr. 110a 70197 Stuttgart,
graphen offensichtlich nur das massive verweigert wird. Ob dies aus tatsäch- mail: ag_antifa@hotmail.com internet :
Vorgehen der Polizei rechtfertigen sol- licher antifaschistischer Positionierung www.revolutionaere-aktion.de.am ■

10 : antifaschistische nachrichten 14-2004


A
ls vor fünf Jah- Aufruf zum 20. Juli: Antisemitismus
ren deutsche und Faschismus
Flugzeuge Gegen jede neue Auschwitzlüge. sind keine Mei-
wieder jugoslawische
Orte bombardierten,
Gegen die antisemitische Provokation von Bochum. nungsäußerungen – sie sind Verbre-
da wurde dies von Für das Widerstandsrecht und die Verfassung. chen.
der Bundesregierung Jeder und jede ist
mit der notwendigen zum Widerstand
Konsequenz aus Auschwitz begründet. „Dank für das Kompliment“ beantwortet dagegen aufgerufen. Die Befolgung von
Wir Opfer des Faschismus, Überlebende wurde, dann sehen wir uns erneut in der Befehlen und Richtersprüchen, die fak-
des Holocausts und Teilnehmer am anti- Verantwortung. tisch Förderung von Antisemitismus und
faschistischen Widerstand verurteilten Faschismus darstellen, ist nicht mit dem
mit einer weltweit beachteten Erklärung Gerade weil wir für die Einhaltung und Grundgesetz, mit der Menschenwürde
diese neue Art der Auschwitzlüge. Erhaltung des Grundgesetzes eintreten, (Artikel 1) und dem Recht auf Wider-
können wir nicht hinnehmen, dass drei stand (Artikel 20) vereinbar.
Wenn es nun erstmals seit 1945 in einer höchste deutsche Richter auch diesen
deutschen Großstadt möglich wurde, antisemitischen Aufmarsch zum Aus- Wir rufen dazu auf, am 20. Juli überall
dass Nazis der NPD mit einer antijüdi- druck der Meinungsfreiheit umfälschen. für den antifaschistischen Widerstand,
schen pogromhetzerischen Zusammen- Wenige Tage vor dem 20. Juli, der als gegen den Antisemitismus zu demon-
rottung gegen den Bau einer Synagoge 60. Jahrestag des Widerstandes von Of- strieren, und zwar insbesondere mit Ak-
aufmarschierten, rassistische Losungen fizieren gegen Hitler begangen wird, tionen vor dem Bochumer Polizeipräsi-
brüllten und der Hinweis von Antifa- welche die Befolgung von unmensch- dium und dem Sitz des Bundesverfas-
schisten auf die mörderische Kontinuität lichen Befehlen aufkündigten und sich sungsgerichtes in Karlsruhe.
der Aufmarschierenden von diesen mit widersetzten, rufen wir auf: Peter Gingold und zahlreiche weitere ■

Gesichter des Widerstandes – Diskussion zum 60. Jahrestag des 20. Juli 1944
Mit Ludwig Baumann (Deserteur), Franz von Hammerstein (20. Juli), Hans Coppi (Rote Kapelle), Lore Krüger (Resistance), Hanna Podymachina
(Rote Armee), Kurt Goldstein (Spanienkämpfer), Ger van Roon (Historiker, NL) Moderation: Prof. Dr. Heinrich Fink (VVN-BdA)
20. Juli 2004 – 18.00 Uhr – Senatssaal der Humboldt-Universität, Unter den Linden 6, Berlin. Veranstalter: Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA), StudentInnenparlament der Humboldt-Universität

Am Samstag, den 10.7.2004 führ-


te die Antifaschistische Initiative
Heidelberg (AIHD) zwischen
Erfolgreicher Protest gegen
11.30 Uhr und 13.00 Uhr eine Kundge-
bung gegen die rechtsextremen Bestre-
rechtsextremes Tagesseminar
bungen der Heidelberger Burschenschaft Nier, Richter und Reisegger sind durch entstandene Druck zwang die Bur-
Normannia durch. Etwa 80 Teilnehme- gegenwärtig als Autoren für die Zeit- schenschafter, konspirativ nach Veranstal-
rInnen hatten sich unter dem Motto schrift „Deutschland in Geschichte und tungsorten suchen zu müssen. Zwischen-
„Nazi-Strukturen aufdecken – Gegen Fa- Gegenwart“, herausgegeben vom rechts- zeitlich behaupteten sie sogar, das Tages-
schisten aller Couleur!“ auf dem Korn- extremen Grabert-Verlag, tätig. seminar abgesagt zu haben, was sich aber,
markt eingefunden. Besagtes Tagesseminar war nur der angesichts des Versuches, unter Vorspie-
Anlass der Kundgebung war das für jüngste Höhepunkt einer Vielzahl von len falscher Gründe die Räumlichkeiten
Samstag, den 10. Juli von der Burschen- rechtsextremen, revisionistischen und der Heidelberger Gaststätte „Essighaus“
schaft Normannia angekündigte Tages- antisemitischen Ausfällen der Burschen- anzumieten, als ein Täuschungsmanöver
seminar „Deutschland in der Globalisie- schaft Normannia, von denen exempla- herausstellte. Alles in allem bewerten wir
rungsfalle?!“, zu der sie vier in rechtsex- risch folgende hervorgehoben werden unsere Arbeit als Erfolg. Nicht zuletzt,
tremen und neofaschistischen Kreisen können: weil auch in der Berichterstattung der Me-
bekannte und aktive Publizisten und ◗ Eine Veranstaltung mit dem verurteil- dien die Normannia mittlerweile da ange-
Redner als Referenten eingeladen hatte. ten Rechtsterroristen Erhard Hartung, der siedelt wird, wo sie schon immer steht:
Im Einzelnen handelte es sich um: an den von österreichischen Burschen- Tief im neofaschistischen Sumpf! Jetzt
◗ Michael Nier, u.a. NPD-Kandidat für schaftern begangenen Bombenanschlägen wird es interessant zu sehen, wie diejeni-
die Europa- und die Sächsischen Land- der 1960er Jahre beteiligt war, die einen gen, die bis jetzt ihre Augen vor diesen
tagswahlen 1999 und Autor in zahlrei- Anschluss Südtirols an Österreich erzwin- Tatsachen verschlossen haben, reagieren
chen rechtsextremen Zeitschriften, wie gen sollten. werden. Zum Beispiel die Stadt, die die
z.B. „Nation & Europa“ ◗ Das Verteilen von Flugblättern mit Normannia alljährlich am „Volkstrauer-
◗ Gerhoch Reisegger, Referent auf inter- der antisemitischen „Tätervolk“-Rede des tag“ auf dem Ehrenfriedhof in ihren Rei-
nationalen Revisionistentagungen (z.B. ehem. CDU-Bundestagsabgeordneten hen mitmarschieren lässt, und die anderen
2002 in Moskau) und angekündigter Hohmann. Studentenverbindungen.
Redner beim sog. „Pressefest“ der NPD- ◗ Einen revisionistischen Vortrag über Auch wenn die heutige Veranstaltung
Publikation „Deutsche Stimme“ im Au- die angeblichen Ursachen des Beginns sicher einen Reinfall für die Normannia
gust in Ostdeutschland des 2. Weltkrieges unter dem Titel „Der darstellt, ist davon auszugehen, dass sie
◗ Karl Richter, ehem. Bundes- und Lan- Krieg, der viele Väter hatte“ von General weiterhin versuchen wird, ihre neofa-
desfunktionär der „Deutschen Liga für a.D. Schultze-Rhonhof. schistischen Ansichten offensiv in die Öf-
Volk und Heimat“ und Redakteur bei Lea Roth, Sprecherin der AIHD, dazu: fentlichkeit zu tragen. Aber so wie heute
„Nation & Europa“ u.a., 1995 wegen „Durch unsere Kundgebung und die aus- nicht ungestört: Wir werden auf jeden Fall
Volksverhetzung verurteilt führliche Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld weitermachen!“
◗ Eberhard Hamer, Veröffentlichungen ist es uns gelungen, die braunen Machen- Antifaschistische Initiative Heidelberg
bspw. in der rechtsextremen Zeitschrift schaften der Heidelberger Burschenschaft (AIHD)E-Mail: aihd@gmx.de
„Junge Freiheit“. Normannia ans Licht zu zerren. Der da- www.autonomes-zentrum.org/ai ■

: antifaschistische nachrichten 14-2004 11


: ausländer- und asylpolitik
Seit Monaten schon heizt sich die
Stimmung in Hormersdorf auf. Die NPD
plakatierte vor dem Gebäude ihre hämi-
schen „Gute Heimreise jetzt“-Plakate.
Zuletzt wurde eine 22jährige Frau in
Keine Abschiebung afghani- nisterkonferenz, Hamburg hätte zwar Handschellen zur Abschiebehaft abge-
scher Flüchtlinge! keinen ausformulierten Bleiberechts- führt. Die Versuche des Ökumenischen
vorschlag in die Diskussion gegeben, Vereins für Flüchtlinge und Asylsuchen-
Hamburg. Für den 7.7. rief u.a. würde sich aber auf der Basis eines de e.V. in Hersbruck, die Schließung des
der Flüchtlingsrat Hamburg zu ei- IMK-Beschlusses, der zunächst den Be- Ausreisezentrums zu erreichen, wurden
ner Demonstration gegen die ginn der Abschiebungen vorsähe, dem von der ZRS abgeschmettert. Denn of-
Innenministerkonferenz in Kiel schleswig-holsteinischen Bleiberechts- fenbar ist die Eskalation der Situation in
auf. Auf der Tagesordnung der IMK vorschlag anschließen. Experten auf dem Hormersdorf von der ZRS gewollt, um
standen u.a. Regelungen zu „Rückfüh- Podium wiesen auf die prekäre Situation die Flüchtlinge zur Ausreise zu zwingen,
rungen“ von Flüchtlingen nach Afghani- in Afghanistan hin, die eine Rückkehr in was selbst die heute vor Ort tätigen Ein-
stan und ins Kosovo – ein Thema, bei Würde und Sicherheit nicht gewährleis- satzkräfte der Polizei mutmaßten. Mit
dem der Hamburger Senat die Rolle ei- ten könne.“ dem heutigen Vorfall ist die Stimmung
nes Vorreiters und Scharfmachers spielt. Aus einer PE Diakonisches Werks ■ am Siedepunkt, viele Hormersdorfer
Hamburg hat als erstes Land bereits ei- Einwohner sind zu der Einschätzung ge-
nen afghanischen Flüchtling abgescho- Schwerverletzter im Aus- langt, dass die Flüchtlinge „alles Verbre-
ben. Zwar hat Hamburg im Hinblick auf cher“ sind.
einen gemeinsamen Abschiebebeschluss reisezentrum Hormersdorf Das Hormersdorfer Ausreisezentrum
am 29.3.04 die Weisung erlassen, „dass München. Am heutigen Nachmittag, wurde im Herbst 2003 im ehemaligen
Abschiebungen afghanischer Staatsange- den 30.6.2004 gegen 16 Uhr forderte die „Gasthof zum Löwen“ eröffnet. In dem
höriger nach Afghanistan weiterhin be- Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit baufälligen Gebäude, das zynisch an der
fristet bis zum 31.7.2004 ausgesetzt wer- der Flüchtlinge im mittelfränkischen Vorderfront noch die Aufschrift „Frem-
den“. Trotzdem macht die Ausländerbe- Ausreisezentrum Hormersdorf (eine 120 denzimmer“ trägt, leben derzeit 30
hörde weiter mit dem Druck auf afghani- Einwohner-Gemeinde im Landkreis Flüchtlinge, zumeist alleinstehende
Nürnberger Land) ihr er- Männer, aber auch zwei Familien mit
stes Opfer. Nachdem eini- Kindern. Sie sollen zur widerstandslo-
ge Bewohner Alkohol ge- sen, sog. „freiwilligen“ Ausreise genötigt
trunken hatten, gerieten werden und erhalten deshalb mehrmals
sie in Streit, der mit einer wöchentlich Besuch von Angestellten
Messerstecherei endete. der Zentralen Rückführungsstelle Nord
Der Schwerverletzte (ZRS) in Zirndorf, die in polizeilichen
konnte nicht sofort ärzt- Verhörmaßnahmen geschult sind. Mit
lich versorgt werden, da diesen euphemistisch „rückkehrorien-
die Rettungssanitäter auf- tierte Beratung“ genannten Verhören sol-
grund eines Staus erst eine len die Flüchtlinge dazu gebracht wer-
halbe Stunde nach dem den, die für ihre Abschiebung notwendi-
Vorfall in Hormersdorf gen Papiere beizubringen, obwohl über
eintrafen. Der Verletzte ihre Asylanträge noch nicht rechtskräftig
wurde mit zwei Stichwun- entschieden wurde.
den im Bauch per Hub- Die Flüchtlinge, die vor allem aus Ge-
schrauber in eine Klinik orgien, Armenien, Aserbaidschan, Weiß-
eingeliefert. Der Täter russland und anderen GUS-Staaten stam-
sche Flüchtlinge, auch mit rechtswidri- wird von der Polizei gesucht, Hunde und men, in denen Menschenrechtsverletzun-
gen Methoden, z.B. indem sie für die ein Helikopter sind dazu im Einsatz. gen und bürgerkriegsähnliche Krisen
Verlängerung einer Duldung Geld ver- Die Situation im Hormersdorfer Aus- nach wie vor an der Tagesordnung sind,
langte. Viele afghanische Flüchtlinge be- reisezentrum ist verheerend. Die Flücht- kamen in der Hoffnung auf Schutz vor
kommen inzwischen nur noch einwöchi- linge sind erst wenige Monate in Verfolgung nach Deutschland. Nun wer-
ge Duldungen, so der Flüchtlingsrat. Deutschland, verfügen aufgrund fehlen- den sie hier in einem Lager unterge-
Angesichts dessen appelliert das Dia- der Sprachkurse nur über rudimentäre bracht, aus dem es, so die Aussagen der
konische Werk an den Innensenator, auf Deutschkenntnisse und sind völlig iso- Verhörer der ZRS, nur einen Ausweg
der IMK die Forderung nach einer liert, die Hormersdorfer Einwohner ma- gibt: Zurück in ihr Herkunftsland.
bundesweiten Bleiberechtsregelung für chen einen Bogen um sie. Für die Kinder „Dieses Ausreisezentrum muss sofort
die hier lebenden langjährig geduldeten gibt es keinen Kindergarten, auch Ärzte geschlossen werden, und mit ihm die an-
afghanischen Flüchtlinge zu unterstüt- und Anwälte haben sich in Hormersdorf deren in Fürth, Engelsberg und Nürn-
zen. „Diese Bleiberechtsregelung wurde nicht niedergelassen. Und die Möglich- berg, denn es kann nicht sein, dass ein
vom schleswig-holsteinischen Innenmi- keit, Unterstützung außerhalb Hormers- Staat, der sich zu Menschenwürde und
nister Klaus Buß und derzeitigem Vorsit- dorfs zu finden, ist nahezu ausgeschlos- Menschenrechten bekennt, Abschiebela-
zenden der Konferenz im Januar vorge- sen. Denn vom Telefon im Ausreisezen- ger für Flüchtlinge betreibt, die die Be-
schlagen. Wenn sie nicht beschlossen trum können nur Notrufnummern und troffenen so zermürben, dass selbst die
wird, müssen 6.500 afghanische Flücht- die Ausländerbehörde in Schnaittach an- letzten Hemmschwellen fallen“, fordert
linge aus Hamburg ab dem 31. Juli aus- gerufen werden. Rückrufe sind nicht Alexander Thal von res publica.
reisen. Norbert Scharbach, Leiter der möglich, einen öffentlichen Fernsprecher Weitere Informationen und Fotos zu
Ausländerabteilung im Kieler Innenmi- im Ort gibt es nicht. Die Flüchtlinge sind Ausreisezentren finden Sie auf der Do-
nisterium, berichtete auf einem Podium frustriert, eine Stimmung der Hoffnungs- kumentationsseite Ausreisezentren von
von Diakonie und Universität am 28. und Orientierungslosigkeit macht sich res publica unter http://www.ausreise-
Juni aus der Vorkonferenz der Innenmi- breit. zentren.de. res publica, ■

12 : antifaschistische nachrichten 14-2004


BREMEN. Nach einem anstren-
genden Sitzungsmarathon in
Bremen hatte sich der afrikani-
„Im Nachtleben hält eine
sche UNO-Beamte Benjamin Tschem-
balla (Name von der Redaktion geän-
Parallelgesellschaft Einzug“
dert) auf ein paar erholsame Stunden
in einer Discothek gefreut. Tanzen Bremens Ausländerbeauftragte startet neue Offensive
wollte er dort und einige Cocktails ge- gegen „diskriminierende Einlasskontrollen“ – und will
nießen. damit angeblich auch der Gastronomie dienen.
Doch daraus wurde nichts. Dem
schwarzhäutigen Diplomaten wurde
vor drei hansestädtischen Discothe- nicht nur den Gastronomen ankreiden. Eine weitere Idee der Ausländerbeauf-
ken der Zutritt verwehrt – ohne Be- „Tatsache ist, dass sich viele Deutsche tragten: Im Rahmen einer Zertifizierung,
gründung und ohne dass er in den beschweren, wenn der Ausländeranteil in die dem Sternesystem in der Hotellerie
Tanzlokalen jemals unangenehm auf- ihrer Stammdiskothek zu hoch ausfällt. ähneln würde, könnten Betriebe gekenn-
gefallen wäre. „Alles andere als ein Das kann nicht hingenommen werden“, zeichnet werden, die das tun, was selbst-
Einzelfall“, wie Dr. Dagmar Lill klagt. verlangt er und will mit Integrationsar- verständlich sei, nämlich „alle Gäste
Die Ausländerbeauftragte des Landes beit gegenhalten. gleich zu behandeln und gegen Diskrimi-
Bremen hat jetzt eine neue Offensive Mit einer Reihe von Vorschlägen und nierungen in eigenen Räumlichkeiten
gegen aus ihrer Sicht diskriminieren- Forderungen bemüht sich das Büro der vorzugehen“.
de Einlasskontrollen im Gastronomie- Ausländerbeauftragten um ein Verändern Die Beobachtungen der Ausländerbe-
bereich gestartet und sucht dabei der Lage. Sicherheitskräfte ausländischer auftragten und ihrer Mitarbeiter sprechen
ausdrücklich den Schulterschluss mit Herkunft seien ein positiver Ansatz, eine deutliche Sprache. Seit den Terror-
der Branche. meint Dagmar Lill. „Ebenso müssen anschlägen in den Vereinigten Staaten im
deutsche Türsteher ihre interkulturellen September 2001 nähmen die Ängste
Auftrieb gibt ihr eine Untersuchung der Kompetenzen im Bereich Konfliktma- gegenüber Menschen mit einem anderen
Musikveranstalterin Sonja Wohllaib, bei nagement vertiefen“, ergänzt Schlodt- kulturellen Hintergrund zu. Gleichzeitig
der Silke Lohschneider zur Hand gegan- mann. Angemessene Schulungsangebote werde Diskriminierungen, die unter an-
gen war. Unterstützt wurden die beiden derem aus diesen Äng-
Frauen von Hans-Georg Schlodtmann sten entstünden, ver-
vom Büro der bremischen Ausländerbe- stärkt Tür und Tor ge-
auftragten. „Repräsentativ im wissen- öffnet. Das Ergebnis:
schaftlichen Sinne ist unsere kleine Stu- Die Menschen zögen
die nicht“, räumt Schlodtmann ein. Und sich in ihre eigenen
er führt das auf die „wenig ausgeprägte Kulturkreise zurück,
Motivation der Gastronomen“ zurück. weil sie hier ein Ge-
Schließlich seien nur wenige Fragebögen fühl der Sicherheit zu
zurückgekommen. Konkret hätten 18 hoffen fänden. Und
von 82 angeschriebenen Betriebsinha- dieser Rückzug – so
bern aus Bremen, Bremerhaven und dem Dagmar Lill – kolli-
niedersächsischen Umland geantwortet. diere mit den bisheri-
Allerdings habe man das Bild durch gen Integrationsbemü-
zahlreiche telefonische oder persönliche hungen.
Gespräche mit Betreibern abrunden kön- Dabei schneiden
nen, so Schlodtmann. sich Disco-Betreiber
Summa summarum beteiligten sich und Gastronomen in
letztlich 32 Disco-Unternehmer an der das eigene Fleisch, ist
Untersuchung. 16 von ihnen lassen durch Dagmar Lill über-
Türsteher Zugangskontrollen vorneh- zeugt: „Zu viele Gas-
men; lediglich zwei verzichten ganz dar- tro-Unternehmer be-
auf. 60 Prozent der Befragten stimmten trachten das Thema
der Aussage zu, dass ein zu hoher Anteil unter einem verkürz-
von Gästen ausländischer Herkunft das ten Blickwinkel ak-
geschäftliche Image schädigen könnte. tueller Geschäftsinter-
Clearingstelle und Zertifizierung könnten nach seinen Vorstellungen bei- essen.“ Zur gleichen Zeit erobern Disko-
spielsweise bei der Handelskammer an- theken und Clubs, die ethnische Gruppen
„Die Zahl der diskriminierenden Abwei- gesiedelt sein. wie zum Beispiel Türken oder Russland-
sungen an der Disco-Tür steigt und die Außerdem machen sich Dagmar Lill deutsche ansprechen, immer mehr Ter-
Dunkelziffer schätzen wir als sehr hoch und Hans-Georg Schlodtmann für eine rain in der Lokallandschaft. „Die viel zi-
ein“, schildert Schlodtmann. Besonders Clearingstelle stark, die als Kontaktstelle tierte Parallelgesellschaft hat damit nun
peinlich aus Sicht des Behördenmannes: sowohl von Gastronomen als auch von auch auf breiter Ebene im Nachtleben
Bremen hat sich für das Jahr 2010 als eu- Gästen angesprochen werden könnte. Einzug gehalten – eine Entwicklung, die
ropäische Kulturhauptstadt beworben. Diese Stelle würde zum einen in Einzel- für die Gestaltung einer gemeinsamen
Folglich müssten sich gastronomische fällen vermitteln, zum anderen Aktionen Zukunft auch im Freizeit- und Unterhal-
Einrichtungen auf den zu erwartenden und Strategien entwickeln – in enger Zu- tungsbereich sicherlich sehr negativ ist.“
Umgang mit ausländischen Touristen sammenarbeit mit Sicherheitsdiensten Das gilt nicht zuletzt, weil die Zahl der
wesentlich besser vorbereiten. und Polizei, Ausländern und Gastrono- ausländischen Bürger im „discofähigen
Dass der Spruch „Du kommst hier men. Ferner sollten die Bremer Touris- Alter“ steigt und in Bremen bereits bei
nicht rein!“ mittlerweile häufiger zu hö- tikzentrale und die Bremen Marketing etwa 30 000 liegt.
ren ist, will Hans-Georg Schlodtmann GmbH mit von der Partie sein. Thomas Klaus ■

: antifaschistische nachrichten 14-2004 13


Bei der Jubiläumsfeier „20 Jahre AK Asyl schlägt Alarm:
Flüchtlingsunterkunft Am Vieh-
wasen 22 in Wangen“ am 19. Juni
war es noch ein Gerücht: Die Stadt Stutt-
Stadt Stuttgart will
gart plane, die kleinen Flüchtlingsunter-
künfte zu schließen und die Flüchtlinge
in die großen Massenunterkünfte umzu-
Flüchtlingsunterbringung
setzen. Am 26. Juni berichtete Asylpfar-
rer Baumgarten, dass die Stadt angesichts verschlechtern
sinkender Flüchtlingszahlen schon vor
Monaten vom Arbeitskreis Asyl und den Die Stadt will nun die Flüchtlinge Klima empfindlich stören könnten. Die
Freundeskreisen die Auskunft verlangte, „umsetzen“ und die großen Unterkünfte Landesregierung als größter Störer kürzt
welche Unterkünfte sie für erhaltenswert „nachverdichten“. Das ist nicht nur für die Erstattungen an die Stadt. Dadurch
ansehen und welche eher geschlossen die betroffenen Flüchtlinge eine große verschlechtern sich die Betreuungs-
werden sollten. Der AK Asyl nannte die Härte, es senkt den Standard der Flücht- schlüssel. Für Sachkosten gibt es nur
Massenunterkünfte entbehrlich und die lingsbetreuung in Stuttgart erheblich. noch Pauschalen, die in unserer Stadt
kleinen, dezentralen Unterkünfte für er- Bisher hatte die Stadt trotz des Drucks nicht ausreichen. Zusätzlich ist zu ver-
haltenswert. Nun kommt raus, dass die der Landesregierung wenigstens teil- nehmen, dass Flüchtlingsunterkünfte zu
Stadt gerade diese kleinen Unterkünfte weise das sog. Stuttgarter Modell auf- Gunsten anderer Bedarfsgruppen ge-
schließen will. rechterhalten. Dies hatte Alt-OB Rommel räumt werden sollen.
Die Flüchtlingsbetreuer berichteten, so definiert, dass die Flüchtlinge in den Der Gemeinderat wurde bislang nicht
dass viele der Flüchtlinge wegen ihrer Wohnvierteln in kleinen Wohneinheiten unterrichtet. Bevor Fakten geschaffen
körperlichen und seelischen Verletzungen werden, halten wir die Information
intensive medizinische und psychologi- des Gemeinderates samt Mei-
sche Betreuung brauchen. In den großen nungsaustausch für zwingend not-
Unterkünften, wo z.B. in einem 18-Qua- wendig, deshalb beantragen wir:
dratmeter-Zimmer vier Personen wohnen Vor der Sommerpause wird im So-
müssen, ist das erschwert. Hier kommt es zialausschuss und im Ausschuss für
durch die Enge und fehlende Privatsphäre Wirtschaft und Wohnen über die
häufiger zu Reibereien zwischen den Pläne der Verwaltung berichtet.
Gruppen. Wir verschließen uns notwendi-
In den kleinen Unterkünften wohnen gen Wirtschaftlichkeitsüberlegun-
z.B. in einer Dreizimmerwohnung eine gen nicht. Wir wollen aber sicher
Familie mit zwei Kindern und ein weite- stellen, dass die Flüchtlinge nicht
res Paar. Kranke und stark Traumatisierte integriert werden. Das Land setzt auf weitere Härten erfahren müssen und be-
sind bisher vorzugsweise hier unterge- Massenunterkünfte, die oft isoliert am antragen weiter:
bracht. Ehrenamtliche Betreuer unterstüt- Stadtrand oder in Industriebrachen lie- ● Personen, die mit hoher Wahrschein-
zen die Sozialarbeiter der Aktion Dritte gen, und fördert damit die Gettobildung lichkeit ein Bleiberecht erhalten, können
Welt oft seit zwanzig Jahren: sie organi- und Ausgrenzung. ihre jetzige Unterkunft beibehalten.
sieren Therapiemöglichkeiten und Haus- Dass die Stadt nun vollends darauf ein- ● Kranke und traumatisierte Personen
aufgabenbetreuung, halten Kontakt zu schwenken will, geschieht nicht zuletzt können ihre jetzige Unterkunft ebenfalls
Kindergärten, Schulen und Ärzten, helfen auf Drängen der CDU. Diese hat schon beibehalten, genauso wie Familien, deren
bei der Suche nach Lehrstellen und Ar- vor Wochen im Stadtrat eine Anfrage ge- Kinder Schule oder Kindergarten besu-
beit. Über viele Jahre hinweg haben die startet, wie die Gesundheitsversorgung chen.
Betreuer Kinder bis zum Schulabschluss von Flüchtlingen billiger gemacht wer- ● In SWSG-Wohnraum, in dem bisher
oder gar Studium begleitet. Teilweise ge- den könnte. Der neue Finanzbürgermeis- ausschließlich Flüchtlinge untergebracht
lingt es, Lehrstellen zu organisieren, wo ter Föll scheint diese Linie voll zu über- waren, halten wir eine Durchmischung
der Lehrherr die bürokratischen Hürden nehmen. mit anderen Bedarfsgruppen für sinnvoll.
der immer neu zu beantragenden Berech- Die Stadtverwaltung spricht immer ● In Fällen, in denen es zu einer Umset-
tigungen zur Arbeit bzw. zum Bleiben be- dann, wenn es um soziale oder humanitä- zung kommt, werden die Betroffenen
reit sind zu ertragen. Die Flüchtlinge in re Anliegen geht, davon, die Stadt habe frühzeitig – und nicht nur wenige Tage
den kleinen Unterkünften arbeiten fast kein oder zu wenig Geld. Gleichzeitig vorher – informiert.
alle, zahlen Steuern und tragen zu den verbreitet sie voller Stolz die Rankinglis- ● Die Stadt setzt sich gegenüber dem
Wohnungskosten selbst bei: nach Schät- ten, in denen Stuttgart kaufkräftigste oder Land dafür ein, dass schneller über den
zung von Gisela Lotze, Freundeskreis schuldenärmste, mindestens aber als Status von Flüchtlingen entschieden
Heumaden, zahlen sie für die acht Drei- zweitreichste oder vermögendste Stadt wird.“
zimmer- und vier Zweizimmerwohnun- prunkt. Auch wenn die Grünen gebetsmühlen-
gen ca. 3.500 Euro von ca. 6.000 Euro In den Haushaltsberatungen im Herbst artig ihr Verständnis für die „Wirtschaft-
Miete an die SSWG. konnte die CDU für die Kürzungen bei lichkeitsüberlegungen“ äußern, ist das
Die Freundeskreise zeigen auch auf, der Flüchtlingsbetreuung noch leicht ein guter Ansatz, im Gemeinderat die
dass die angeblich billigeren Massenunter- Mehrheiten finden. Jetzt sprechen sich Pläne von Föll abzwehren. ulk ■
künfte in Wirklichkeit hohe Folgekosten neben der PDS wenigstens die Grünen
haben: aufgrund von Konflikten und Kri- gegen Fölls Pläne aus. In einem Antrag P.S. zur Sprache: Andere Menschen haben eine
minalität und andauernde Krankheit und fordern sie: Wohnung, Flüchtlinge nur eine Unterkunft, sie
werden „umgesetzt“. Dieser unmenschliche
Sozialhilfe, mangelnde Eingliederung der „Flüchtlinge: Das Stuttgarter Modell Sprachgebrauch deutet auf unmenschlichen Um-
anerkannten Flüchtlinge. Sie haben teil- weiterführen! gang. Diese Begrifflichkeit taucht auch zuneh-
weise schon gedroht, ihre Arbeit einzustel- mend in Presseberichten über die Hartz-IV-Pläne
auf, wo die Städte und die Regierung über „Unter-
len, wenn ihnen die Stadt die Arbeit … In den vergangenen Tagen war in der bringungskosten“ von Langzeitarbeitslosen strei-
schwer bis unmöglich macht und ihren eh- Presse von Plänen verschiedener Teile ten. Ältere Leute denken bei Unterbringung und
renamtlichen Einsatz so gering schätzt. der Stadtverwaltung zu lesen, die dieses Umsetzen leicht an Lager oder Gefängnisse.

14 : antifaschistische nachrichten 14-2004


: ostritt
Flüchtlinge zwischen freiwilliger
Ausreise und Abschiebung
W
as die „Preußische Treuhand“
für Polen ist, das ist die „Sude-
17. Juli 2004, Tagung der Evangelischen Akademie Iserlohn in Zusammen- tendeutsche Initiative“ (SDI) für
arbeit mit dem Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW die Tschechische Republik: Ein Zu-
Tagungsort: Haus Villigst, Iserlohner Straße 25, 58239 Schwerte sammenschluss deutscher Umgesiedel-
ter, die früheres, in Folge des Zweiten
Wie freiwillig kann die Ausreise 10.15 Uhr Auf Dauer bedroht: Zum Weltkriegs konfisziertes Eigentum zu-
abgelehnter Flüchtlinge sein? Umgang mit Langzeitgeduldeten, rückbekommen wollen. Anfang 2003 hat
ist eine Frage an die ExpertInnen- Bernd Mesovic, Pro Asyl sich die Organisation gegründet, seitdem
runde. 11.15 Uhr Krank aber „flugtauglich“. haben sich ihr rund 200 Personen ange-
● In Deutschland wurden im Jahr 2002 Zur Abschiebung kranker Flüchtlinge, schlossen - Tendenz steigend.
12.000 Ausreisen von der International Dr. med. Hans Wolfgang Gierlichs, SDI-Vorsitzender ist Erich Högn, ein
Organization for Migration durchge- Internist, Arzt für Psychotherapeutische Umgesiedelter der „Erlebnisgeneration“.
führt. „Wir bieten eine humanitäre Alter- Medizin, Aachen Högn war im Jahr 2002 Bundesvor-
native zu Abschiebungen“ sagt ihr Chef 12.30 Uhr Mittagspause standsmitglied des Witikobundes, er ge-
Bernd Hemingway. 13.30 Uhr Kurzfilm „Campi Centri hört dem Flügel der „Vertriebenen“-Ver-
● Was kann die Abschiebungsbeobach- Concentramenti“ über ein Abschiebe- bände an, der die Politik der BdV- und
tung am Düsseldorfer Flughafen leisten? lager im italienischen Agrigento. (Re- SL-Spitze scharf bekämpft. Verbündete
● Gewalt bei der Abschiebung, Alltag gie: Enrico Montalbano) sucht er offenbar bei der Jungen Lands-
oder traurige Ausrutscher? Die Initiative 14.00 Uhr ExpertInnen in der Diskus- mannschaft Ostpreußen (JLO), für deren
kein mensch ist illegal begleitet den Pro- sion: Zwischen „freiwilliger“ Ausreise „Grundlagenseminar“ er im März als Re-
zess gegen die BGS-Beamten, die an der und „humaner“ Abschiebung. Haben ferent angekündigt war. „Ostdeutsche Ei-
tödlich geendeten Abschiebung des su- Flüchtlinge keine andere Wahl? gentumssicherung am Beispiel der Sude-
danesischen Flüchtlings Aamir Ageeb Leyla Arslan, agisra (Arbeitsgemein- tendeutschen Initiative“ lautete sein The-
beteiligt waren. schaft gegen internationale sexuelle und ma, am Abend zuvor konnten sich die an-
● Dürfen, können, müssen sogar manch- rassistische Ausbeutung), Köln; Uli Sex- wesenden Jung-“Vertriebenen“ an groß-
mal BeraterInnen Flüchtlingen den Rat tro, Forum Flughäfen in Nordrhein- deutscher Kultur berauschen: Frank Ren-
geben, in Deutschland unterzutauchen, Westfalen (FfiNW) Abschiebungsbeob- nicke stand mit einem Liederabend auf
weil eine Rückkehr ins Herkunftsland als achtung am Flughafen Düsseldorf; dem Programm.
zu gefährlich erachtet wird? Bernd Hemingway, Leiter der Internatio- „Die ostdeutsche Frage“ bleibt „auch
ist die abschließende Kernfrage an den nal Organisation for Migration (IOM) nach dem 1.5.2004 unverändert offen“,
Flüchtlingsbeauftragen des Diakoni- Deutschland, Berlin; Thomas Berthold, behauptet die JLO ganz unbekümmert.
schen Werks Westfalen Dietrich Ecke- Antirassismus Büro Bremen, kein 79 „Sudetendeutsche“ prüfen das derzeit
berg. mensch ist illegal; Albert Koolen, auf ihre eigene Art. Am 28. April erhoben
Es laden herzlich ein: Katharina von Flüchtlingsrat Krefeld sie Klage vor dem Europäischen Ge-
Bremen, Evangelische Akademie Iser- Moderation Albrecht Kieser richtshof für Menschenrechte in Stras-
lohn, Gabriele Spieker, Ökumenisches 16.30 Uhr Auswertung und Ausblick: bourg. Die Rückgabe von früherem Ei-
Netzwerk Asyl in der Kirche NRW, Köln Anstatt Abschiebung: freiwillige Ausrei- gentum verlangen sie, ersatzweise eine
se oder In die Illegalität abtauchen. Entschädigung, „nach dem vollen Ver-
Samstag, 17. Juli 2004 Flüchtlinge brauchen Rat und Angebot. kehrswert“, wie ihr Anwalt Thomas Gert-
10 Uhr Begrüßung und Einführung Ka- Dietrich Eckeberg, Flüchtlingsbeauftrag- ner aus Bad Ems betont. Der Klage müs-
tharina von Bremen und Gabriele Spie- ter des Diakonischen Werks Westfalen, se stattgegeben werden, meint Gertner:
ker Münster. Die tschechische Regierung verstoße „in
10.15 Uhr Referate und anschließende der Eigentumsfrage“ gegen Artikel 1 des
Diskussion mit dem Schwerpunkt Unter- Tagungssekretariat: Monika Claus, Tel: ersten Zusatzprotokolls zur Europäischen
stützungs- und Interventionsmöglichkei- 02371 / 352–147, Fax: 02371 / 352-130 Menschenrechtskonvention (EMRK) so-
ten für FlüchtlingsberaterInnen und an- m.claus@kircheundgesellschaft.de wie gegen das Diskriminierungsverbot
dere UnterstützerInnen Euro 25 (ermäßigt: Euro 12,50) des Artikel 14.
Ähnlich sieht es die Bundesregierung.
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
Dies bestätigt Klaus Pöhle, Ministerialdi-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. rektor im Bundesinnenministerium, in ei-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de nem Grußwort an die jüngste Tagung der
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach Kulturstiftung der deutschen Vertriebe-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, nen. Um „Vertrauen zu schaffen für eine
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
partnerschaftliche Zusammenarbeit und
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. eine gemeinsame Zukunft innerhalb der
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. EU“, hat die Bundesregierung „die Mei-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind nung vertreten, dass – unbeschadet pri-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. vater Rechte Dritter – Eigentums- und
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Vermögensfragen nicht mit den Beitritts-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung verhandlungen (...) verquickt werden
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. sollten“. Doch Pöhle stellt klar: „Die heu-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
tige Bundesregierung hat, wie im Übri-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., gen alle Regierungen vor ihr, stets die
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- Vertreibung und die entschädigungslose
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini- Enteignung deutschen Vermögens als
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di völkerrechtswidrig angesehen. Diese Po-
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. sition gilt unverändert.“ jk ■

: antifaschistische nachrichten 14-2004 15


: aus der faschistischen presse
Rechte Kritik an Hartz IV
Junge Freiheit Nr. 29/04 vom 9. Juli 2004
Das Blatt behauptet, die mit Hartz IV be-
EU-Verfassung kommunis- Kritik an den militärischen und unsozia- schlossenen Änderungen bei der Sozial-
tisch? len Absichten der europäischen Staaten hilfe und bei der Arbeitslosenversiche-
ist unumgänglich. rung träfen vor allem „die Ehrlichen“:
Junge Freiheit Nr. 27/04, 25. Juni 2004 „Die Ehrlichen werden wieder mal die
JF-Schreiber Bernd-Thomas Ramb kom- Kampagne gegen die Dummen sein. Wer sein Leben lang gear-
mentiert die EU-Verfassung unter dem beitet und nicht schlecht verdient hat und
Titel: „Sport ist drin, Gott nicht – Die ge- Erinnerung an die Opfer des im fünften oder sechsten Lebensjahrzehnt
plante EU-Verfassung ähnelt einem libe- Nationalsozialismus krisenbedingt den Stuhl vor die Tür ge-
ral-kommunistischem Manifest“. Ramb Junge Freiheit Nr. 28/04 vom 2. Juli 2004 setzt bekommt, für den wird der soziale
weiter: „... Vor allem aber werden die Schwerpunkt dieser Ausgabe ist das Be- Abbau beschleunigt ... Den Traum, im Al-
Grundwerte definiert, auf denen die EU- mühen, eine Kampagne „Alle Opfer sind ter die magere staatliche Rente noch mit
Verfassung beruhen soll. Dass gerade da- gleich“ loszutreten. Anlass ist der Antrag Lebensversicherung und Mieteinnahmen
bei auf den ,Gottesbezug‘ verzichtet und von 15 Abgeordneten der CDU-CSU- aufzubessern, kann er begraben. Statt des-
die christlichen Werte verschwiegen wer- Fraktion, „man möge nicht nur der Opfer sen darf er sich vielleicht mit einem Ar-
den, auf deren Grundlage Europa in sei- der NS-Herrschaft, sondern auch der des beitsamts-Agenturagenten mit Akademi-
ner Vergangenheit nicht nur seine kultu- Kommunismus und des Stalinismus in ker-Komplex herumschlagen, der ihm die
relle Hochblüte, sondern auch die läng- Deutschland gedenken.“ Der Antrag ist miesesten Jobs zumutet, die er in seiner
sten Friedenszeiten entwickeln konnte, an den Kulturausschuss des Bundestages Kartei finden kann. Den bisherigen Sozi-
ist ein unbegreifliches Armutszeugnis.“ überwiesen worden. Günter Zehm erläu- alamtskunden aus überwiegend alteinge-
Dass Europa mit all seinen christlichen tert das Anliegen des Blattes: „Kaum ein sessenem oder neuzugewandertem Sozi-
Grundwerten auch längste Kriegszeiten – Tag verstreicht, an dem nicht immer alhilfeadel, der die Stütze vom Amt ohne-
30 Jahre, 100 Jahre ... – erleben musste, neue und immer teurere Projekte für Ge- hin nur als Grundversorgung für sich und
verschweigt Lamb vornehm. Am meisten denk- und Mahnstätten zur Erinnerung seine Familie betrachtet, um ungestört der
aber stören Ramb die wenigen sozialen an NS-Opfer in die Öffentlichkeit lan- Schwarzarbeit oder allerlei Gewerben und
Festlegungen des EU-Verfassungsent- ciert werden. In möglichst vielen Städten Geschäften nachzugehen, werden derlei
wurfs: „Gerade der Charta-Teil der EU- und Gemeinden Deutschlands, so das Drohungen auch künftig nicht anfechten:
Verfassung liest sich wie das Kommunis- jüngste Projekt, sollen in den Fußgänger- Sein Vermögen hat er schon so geparkt,
tische Manifest, aus dem die klassen- zonen goldene Gedenkplatten im Stile dass ihm keiner so ohne weiteres dahinter
kämpferischen Formulierungen gestri- des Hollywood ,Walk of Fame‘ eingelas- kommt.“
chen wurden.“ Gemeint sind Festlegun- sen werden, die an die Opfer der NS- Im Klartext: Die bisherigen Bezieher
gen wie das „Recht auf Bildung“, das Diktatur erinnern. Stadträte, die sich der von Sozialhilfe sind sowieso alle Betrüger
„Recht, einen frei gewählten Beruf ausü- geplanten Gedenk-Bepflasterung aus (da kommt eine ganz schöne Menge zu-
ben zu können“, das „Recht auf eine Be- Kostengründen widersetzen, werden sammen – die BRD, eine Republik der
grenzung der Höchstarbeitszeit, auf tägli- massiv unter Druck gesetzt und mit poli- Betrüger?), die jetzt weiter gefördert wer-
che und wöchentliche Ruhezeiten“ ... tischen Verdächten überzogen.“ Anstelle den – kein Wort darüber, dass die Ansprü-
Ramb behauptet: „Sollte deren Realisie- der „Stolpersteine“, die die öffentliche che gekürzt werden. Und für die Arbeits-
rung wirklich angestrebt werden, ist ein Aufmerksamkeit darauf richten sollen, losen unterschlägt das Blatt einfach, dass
eurosozialistischer Zentralstaat die dass die Opfer des Nazi-Terrors in der das Arbeitslosengeld, auf das lange Jahre
Zwangsfolge ... Schon deshalb ist eine Nachbarschaft gelebt haben, wünscht Tätige Anspruch haben, weiter besteht.
energische Bekämpfung des EU-Ver- das Blatt Gedenkstätten für die Mau- Das ist demagogische Hetze gegen die
tragsentwurfs die Pflicht eines jeden frei- eropfer, für die Wehrmachtssoldaten, für Armen und wird in den nächsten Wahlen
heitsliebenden Europäers.“ die Insassen der DDR-Gefängnisse, für sicher eine Rolle spielen. uld ■
Die Linke in der BRD sollte streng diejenigen, die von den Alliierten nach
darauf achten, bei Kampagnen gegen die dem Ende des zweiten Weltkriegs wegen DVU wählte Landtags-
EU-Verfassung nicht in unerwünschte ihrer Beteiligung am NS-Regime in La-
Bündnisse hineinzugeraten. Ein reines ger gesperrt wurden. Das wird auf meh- kandidaten
„Nein!“ zur EU-Verfassung reicht nicht. reren Seiten ausgebreitet. Nationalzeitung 28/04 vom 2.7.2004
Die DVU hat am 27.6. ihre Kandidaten für
die Landtagswahlen in Brandenburg am
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
19. September aufgestellt, auf Platz 1 kan-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: didiert die Vorsitzende der DVU-Fraktion
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich im Landtag Liane Hesselbarth. In Abspra-
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
che mit dem NPD-Vorstand wird die DVU
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
auf eine Kandidatur in Sachsen verzichten,
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
die NDP dafür in Brandenburg.
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). Schon jetzt wird in Sachsen versucht
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
ein breiteres Bündnis zu schaffen. Ein
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) sog. Chemnitzer Appell richtet sich an die
Bundesvorstände von DP (Deutsche Par-
Name: Adresse: tei), DSU (Deutschen Sozialen Union)
und REP, um noch kurzfristig eine ge-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts meinsame Liste zur Landtagswahl zu
schmieden. Hauptakteur ist der neuge-
Unterschrift wählte Stadtrat von Chemnitz, Martin
Kohlmann (REP). Auf der REP-Liste zum
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
Chemnitzer Stadtrat kandidierte mit Jörg
Schubert auch ein NPD-Mitglied. ■

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