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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 10.2.2005 21. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Erneuter Prozess
Bad Oeynhausen/Vlotho. Die
Zeitschrift „Stimme des Gewis-
sens“ des „Collegium Humanum
e.V.“ in Vlotho mobilisiert erneut ihre
Anhänger zu einem Gerichtstermin beim
Amtsgericht in Bad Qeynhausen. Nach-
dem Schriftleiter Ernst Otto Cohrs und
Ursula Haverbeck erst vor kurzem
wegen „Volksverhetzung“ verurteilt wur-
den, steht nun am 22. März um 12 Uhr
ein weiterer Prozess wegen „Volksver-
hetzung“ auf Grund eines Artikels in der
Hauszeitschrift des Vereins an. Organi-
siert sind Cohrs und Haverbeck im „Ver-
ein zur Rehabilitierung der wegen Be-
streitens des Holocaust Verfolgten“
(VRBHV).
Unterdessen hat der selbsternannte
„Nationalanarchist“ Peter Töpfer aus
Berlin ein Komitee „Freiheit für Horst
Mahler“ gegründet. Der war im Januar
ebenfalls wegen „Volksverhetzung“ ver- Protest gegen Naziaufmärsche in Kiel und Leverkusen am 29.1. – Berichte Seite 4 und 5
urteilt worden und soll nun für neun Mo-
nate ins Gefängnis. Das „Komitee“ sam-
melt jetzt Spenden, um Mahler einen Ju-
risten zu finanzieren, der ihn in einem
Keiner will die V-Leute
Revisionsverfahren vertreten soll.
hma ■ abschalten
Allgemeine Skepsis gegenüber neuem NPD-Verbotsverfahren
Helau junge Preußen!
Die anhaltende Debatte über ein NPD-Verbotsantrags, so gern wir alle
Düren. Der „Bund Junges Ost- neues Verbotsverfahren gegen die diese Partei auch in den Orkus schicken
preußen“, der verbandsanerkannte NPD ist überwiegend von Skepsis würden“, mahnte sie. Die Aussicht auf
Nachwuchs der Landsmannschaft geprägt. „Wenn ein erneuter Antrag eine Einleitung des Verfahrens in Karls-
Ostpreußen, mit Sitz in der Hamburger scheitern würde, wäre dies ein Desaster“, ruhe wäre gering.
Parkallee 84-86, berichtet in einer Pres- erklärte der Sprecher des Bundesinnen- In Wahrheit würde ein neues Verbots-
semitteilung, dass das Präsidium des ministeriums, Rainer Lingenthal. Diesen verfahren voraussetzen, dass der Verfas-
Festkomitees Dürener Karneval den BJO Triumph wolle man der NPD nicht gön- sungsschutz seine Leute bei der NPD ab-
offiziell von der Teilnahme am Karne- nen. Ähnlich äußerten sich zahlreiche schaltet. Schily, Beckstein und andere
valsumzug ausgeladen hat. Das Festko- Politiker aller Bundestagsfraktionen wie Innenminister haben jedoch wiederholt
mitee sah sich zu diesem Schritt gezwun- Wolfgang Bosbach (CDU), Günther erklärt, dass sie dazu keinesfalls bereit
gen, nachdem Antifa-Gruppen mit „Kon- Beckstein (CSU), Cornelie Sonntag-Wol- sind.
sequenzen“ gedroht hatten, falls sich die gast (SPD), Volker Beck (Grüne) oder Solange der Verfassungsschutz so tief
als Elche kostümierten BJOler an dem Wolfgang Gerhardt (FDP). in der rechtsextremen Partei drinsteckt
karnevalistischen Sonntagsumzug betei- Der Präsident des Bundesverfassungs- wie bisher, kann man sich den Gang nach
ligen sollten. gerichts, Hans Jürgen Papier, und sein Karlsruhe sparen. Diese Verstrickung von
In Viersen hingegen waren die „Elche“ Stellvertreter Winfried Hassemer hatten Inlandsgeheimdienst und Neonazis war
ausdrücklich eingeladen worden. zuvor darauf hingewiesen, dass es weiter ja der Hauptgrund für das Scheitern des
kun ■ die Chance auf ein NPD-Verbot gebe, da Verbotsantrags. Zudem braucht man für
der erste Prozess nur aus formalen Grün- ein Verbot im zuständigen Senat des
den eingestellt worden sei. Darin sah der Bundesverfassungsgerichts eine Zwei-
Inhalt: innenpolitische Sprecher der SPD- Drittel-Mehrheit, also mindestens 6:2
Deutsche Partei kopflos . . . . . . . . . . . 3 Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, Stimmen. Schon eine Minderheit von
„Netzwerk gegen einen „Wink mit dem Zaunpfahl“. Die drei Richtern kann den Erfolg eines Ver-
Vertreibungen“ gegründet . . . . . . . . . 7 Vorsitzende des Bundestagsinnenaus- fahrens blockieren. Dieses Risiko ist also
FN-Anhänger prügeln Studeten . . . . 10
Rückzug von Marine Le Pen? . . . . . . 10
schusses, Cornelie Sonntag-Wolgast bei Parteiverbotsverfahren höher als bei
Aktionen der Friedensbwegung (SPD), plädierte für die politische und anderen Verfassungsklagen.
im Februar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ulla Jelpke,
„Hände weg von einer Neuauflage des junge welt 1.2.2005 ■
: meldungen, aktionen
Bücher, in denen es von antisemitischen
Verschwörungstheorien nur so wimmelt.
Nach der Befreiung vom Faschismus re-
Keine Ehrung für Volksver- weiterhin ein anthroposophischer Arzt, organisierten sich die Ludendorff-An-
hetzer Thomas Meister, der früher in Köln lebte hänger wieder und traten ab 1951 wieder
Düsseldorf. Nach massiven Protesten und jetzt in Kassel praktiziert sowie der öffentlich auf. 1961 wurde der BfG als
sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Jo- aus der Gegend um Oldenburg in Nieder- „verfassungsfeindlich“ verboten. Ein
achim Erwin (CDU) eine Veranstaltung sachsen kommende Verschwörungstheo- bayerisches Gericht hob 1977 das Verbot
ab, auf der der Stadtrat der Düsseldorfer retiker Werner Altnickel. Altnickel wur- wegen „Verfahrensfehlern“ wieder auf.
„Republikaner“, Jürgen Krüger, als de 1997 der Deutsche Solarpreis verlie- Der BfG führt Veranstaltungen und Ta-
„sichtbarer Ausdruck des Dankes für die hen. Nach Eigenangaben ist er seit 20 gungen durch, organisiert Jugendtreffen
langjährige Mitarbeit in zwei Bezirks- Jahren bei Greenpeace. Jean Crement ■ und Sonnenwendfeiern und gibt die Zeit-
vertretungen“ eine Ehrennadel ausge- schrift „Mensch und Maß“ heraus.
händigt werden sollte. Der bei den Stadt- Ludendorffer in Dorfmark hma ■
werken beschäftigte Krüger war wenige
Tage zuvor wegen „Volksverhetzung“ zu Fallingbostel. Die Anhänger des Kampf „ums Überleben“
einer Geldstrafe über 2000 Euro verur- „Bund für Gotterkenntnis“ (Ludendorff
teilt worden. Krüger hatte in der Bezirks- e.V.) (BfG) führen aus Anlass des 140. Bonn. Der „Verband deutscher Solda-
vertretung Stadtmitte geäußert: „Wenn Geburtstages des Generals Erich Luden- ten“ (VdS) kämpft „ums Überleben“, so
das so weiter geht, haben wir irgend- dorff vom 25. bis 28. März eine „Osterta- der VdS-Ehrenvorsitzende Dr. Jürgen
wann mehr Mahn- und Gedenkstätten in gung“ in Fallingbostel-Dorfmark durch. Schreiber, Generalmajor a.D., in einem
Deutschland als ermordete Juden“. Geht Geplant sind neben Vorträgen u.a. zum Aufruf in der Dezember-Ausgabe der
es nach CDU und FDP soll die Vergabe Thema „Multikulturelle Gesellschaft – Verbandszeitschrift „Soldat im Volk“.
städtischer Ehrenauszeichnungen künftig Bereicherung oder Gefährdung?“ auch Nun komme „es darauf an, den uns
vom „Verfassungsschutz“ abhängen. zwei „Volkstumsabende“, die im Hotel feindlich Gesonnenen die Stirn zu bie-
Die wollen in einem Antragsentwurf „Deutsches Haus“ und in der „Post“ ten“. „Nichts wäre falscher als die Mei-
künftig keine Ehrenauszeichnungen stattfinden sollen. Anmeldungen zu die- nung, durch Abspaltungen und Ver-
mehr an Personen vergeben, „die einer ser Tagung nimmt ein Wolfgang Ratz aus bands-separatismus etwas retten zu kön-
vom Verfassungsschutz beobachteten Walsrode entgegen, der in der Vergan- nen“, so Schreiber, dessen Bücher u.a.
Partei / Gruppierung“ angehören. Damit genheit schon BfG-Jugendtreffen organi- von den extrem rechten Verlagen „Druf-
hätte man missliebige Linke gleich mit siert hatte. fel“ und „Vowinckel“ herausgegeben
in den Sack gepackt. Dabei wäre es ein Erich Ludendorff (1865-1937) nahm wurden. In der Tat scheint es im VdS
leichtes, jemandem eine Auszeichnung 1923 am gescheiterten Hitler-Putsch in nach dem ausgesprochenen Kontaktver-
mit einer Stadtratsmehrheit von 75% München teil. 1925 kandidierte er für die bot des Bundesverteidigungsministeri-
wieder abzuerkennen, wenn dieser sich NSDAP für das Amt des Reichspräsiden- ums wegen eines abgedruckten Artikels
unwürdig verhalten hat. Denn diese ten. Ab 1930 leitete er die deutschgläubi- eines Neonazis aus den USA im Ver-
Möglichkeit lässt die derzeitige „Satzung ge Religionsgemeinschaft „Deutsch- bandsorgan heftig zu kriseln. Der Lan-
über Ehrenauszeichnungen“ durchaus volk“, die später in „Bund für deutsche desverband Bremen hat sich aufgelöst
zu. hma ■ Gotterkenntnis (L)“ umbenannt wurde und der Landesvorstand in Nordrhein-
und von Hitler als Religionsgemein- Westfalen hat beschlossen, „den Bezug
Seminar des „Collegium schaft anerkannt wurde. Ludendorffs von „Soldat im Volk“ ab 1. Januar 2005
Frau Mathilde veröffentlichte zahlreiche für seinen Bereich einzustellen“. Nun
Humanum“ bieten die Bundesgeschäftsstelle des
Vlotho. Rund vierzig Perso- VdS und der Bundesvorsitzende Max
nen haben am Wochenende 28.- Klaar, zugleich Stiftungsrat der „Tradi-
30. Januar an einem Seminar tionsgemein-schaft Potsdamer Glocken-
zur „Entstehung und Bedeu- spiel“, allen bisherigen Beziehern in
tung des Christentums in NRW an, die Zeitschrift separat zu abon-
Mitteleuropa“ teilgenommen. nieren, damit der VdS nicht „noch mehr
Neben Horst Mahler (mit dem NPD – braunes Sammelbecken Schaden durch die momentane zeitgeisti-
originellen Titel: „Hat das für zerstrittene Rechte? ge Strömung hinnehmen muß“. Insge-
Christentum Macht über die heim scheint man in der VdS-Spitze
Germanen errungen, weil diese Nazis sehen Chance sich zu etablieren noch Hoffnung auf ein Ende der Eiszeit
so dumm sind, oder liegt im – Was ist zu tun! zu haben. So sei es dem VdS-Bundesvor-
Christentum eine Wahrheit, die sitzenden gelungen, „auf dem Wege der
Diskussion mit:
erst die Germanen begriffen ha- „leisen Diplomatie“ wenigstens „einen
ben?“) und dem ehemaligen Prof. Wolfgang Dreßen kleinen Hoffnungsschimmer in Richtung
Leiter der Arbeitsstelle
Schweizer Waldorf-Lehrer Neonazismus an der der Aufhebung des Kontaktverbotes zu
Bernhard Schaub („Das Chris- Fachhochschule Düsseldorf erreichen“, verlautete es von einer
tentum ist dadurch geadelt, dass Dr. Volker Külow Bundesvorstandssitzung im November
die Deutschen es erfasst ha- Mitglied des Sächsischen vergangenen Jahres. Autoren der Dezem-
Landtages und
ben“) war wiederum auch der Kulturpolitischer Sprecher ber-Ausgabe des „Soldat im Volk“ sind
frühere Vorsitzende der Natio- der PDS-Fraktion u.a. Generalmajor a.D. Gerd Schultze-
nalistischen Front, Meinolf Rhonhof, Referent u.a. bei diversen Bur-
Schönborn, anwesend und schenschaften und der „Deutschen Par-
spielte eine aktive Rolle. Ge- Samstag 19. Februar 2005 um 14.00 Uhr tei“ und Götz Eberbach, auch Autor in
meinsam mit einem „Kamera- Köln, Bürgerzentrum Alte Feuerwache der neofaschistischen Zeitschrift „Nation
den“ vertrieb er bei der Veran- Melchiorstr. 3, Kleines Forum und Europa“. Abgedruckt werden auch
Veranstalter: Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten
staltung Produkte seines „Z- in Zusammenarbeit mit dem Förderverein wieder einige Texte aus der „Jungen
Versandes“. Erwähnungswert Infos: Tel. 0221-21 16 58 Freiheit“. hma ■

2 : antifaschistische nachrichten 3-2005


Wolfgang Venohr ist tot
Berlin. Wolfgang Venohr ist im Alter
von 79 Jahren am 26. Januar nach länge-
Deutsche Partei kopflos
rer Krankheit gestorben. Zuletzt war er Palastrevolution bei der Deutschen Partei, Kappel
noch als Autor und Förderer der extrem abgesetzt, will auswandern
rechten „Jungen Freiheit“ in Erschei-
nung getreten. Im gleichen Zeitraum, Dem eigenen Anspruch nach soll- beteiligt war. Nachdem neun Abgeordne-
also Anfang der 90er Jahre, war Venohr te das Brucker Neujahrstreffen das te zur CDU wechselten, konnte die DP
Mitglied der „Unabhängigen Ökologen „nationale und freiheitliche“ La- trotz der Fusion mit der Partei der Hei-
Deutschlands“. Davor publizierte Venohr ger in München zusammenführen. Fak- matvertriebenen und Entrechteten
in verschiedenen rechts-neutralistischen tisch verkam die parteiübergreifende (GB/BHE) keine Sitze im Bundestag
Zeitschriften, so Anfang der 60er Jahre Saalveranstaltung am vergangenen mehr erringen und verkam zur Regional-
in „Neue Politik“ und in den 70er Jahren Sonntag vor dreihundert Besuchern und erscheinung. 1993 reaktivierte der später
in „wir selbst“. Ein weiterer Schwer- einem ZDF-Kamerateam zu einer Beer- aus der FDP ausgetretene nationallibera-
punkt lag im Auffinden und Berufen auf digungsfeier für den parteiförmigen Na- le Heiner Kappel die brachliegende Par-
die preußischen Traditionen Deutsch- tionalliberalismus. Mit dieser Selbstbe- teistruktur. 2003 erfolgte der Zusammen-
lands. Seine wichtigste Wirkungszeit lag zeichnung kennzeichnen sich jene schluss mit der DVU-Abspaltung „Frei-
in den 80er Jahren, wo er mit mehreren Grenzgänger am rechten Rand, die für heitliche Deutsche Volkspartei“ (FDVP)
Eigenveröffentlichungen und Sammel- einen autoritären, restriktiven Ordnungs- und eine Umbenennung in „Deutsche
bänden entscheidend zur sogenannten staat sowie eine von jeglicher Beschrän- Partei – die Freiheitlichen“. Dennoch
„Deutschlanddiskussion“ im national- kung freie Marktwirtschaft eintreten. blieb der parlamentarische Achtungser-
konservativen und nationalrevolutionä- „Heiner Kappel wird im folg aus – lediglich drei Kommunal-
ren Lager beitrug. kun ■ Wege der sofortigen Ord- politiker: Helga Kaleveld (Land-
nungsmaßnahme seiner Äm- kreis Harburg), Herr Dr. Walter Elß
Holocaust-Leugnung soll ter enthoben“. Mit die- und Frau Martina Wiener im Land-
ser Erklärung demon- kreis Anhalt-Zerbst) sitzen für die
straffrei werden tierte die neue Führung DP in den Kommunalparlamen-
Slowakei. Die Jüdische Gemeinde in der Deutschen Partei ten.
der Slowakischen Republik hat einen of- (DP) ihren einstigen Vor- Doch nicht nur die Deut-
fiziellen Protest an die Regierung gerich- sitzenden. Damit nicht sche Partei, das ganze so ge-
tet wegen Plänen des Justizministeriums, genug, der einstige FDP- nannte rechtskonservative
die Strafbarkeit der Leugnung des Holo- Abgeordnete wurde Lager befindet sich gegen-
caust aufzuheben. Dieser Plan soll im nicht nur abgewählt, über den Nationalen Sozia-
Februar im Rahmen einer umfassenden sondern per einstimmi- listen in der politischen De-
Reform des Strafrechts umgesetzt wer- gem Beschluss des fensive. So hob die Deutsch
den. Der Sprecher des Justizministeri- Bundesvorstandes „aller Soziale Union (DSU) An-
ums verlautbarte, das geltende Verbot Ämter enthoben“. Dem fang Dezember ihren Unver-
stehe im Widerspruch zur Meinungsfrei- Beschluss haben sich einbarkeitsbeschluss gegen-
heit. Der Sprecher der Jüdischen Ge- laut Informationen ei- über der NPD auf. Es folgte An-
meinde dazu: „Wenn man den Leuten in nes Insiders auch die fang des Jahres der ehemalige
einem Land, in dem die meisten Men- anwesenden Landesvorsitzenden aus 5 Hamburger Landesvorsitzende der REP,
schen noch nicht einmal wissen, was der Bundesländern angeschlossen. Gegen Thomas Nissen, der gleich den ganzen
Holocaust ist, gestattet, die Ideen der den EX-Chef wurde außerdem ein Par- Landesverband unter der Bezeichnung
Holocaust-Leugner zu verbreiten, be- teiausschlussverfahren eingeleitet. Bis „Unabhängige Republikaner“ zur NPD
schwört man Ärger herauf.“ Widerstand zum nächsten Parteitag führen die drei überführte.
gegen das Vorhaben gibt es nicht nur bei ehemaligen Stellvertreterinnen Claudia So wird das politische Feld am rechten
den Nachfolgern der Kommunistischen Wiechmann, Ulrich Pätzold und Eber- Rande der Union zunehmend übersicht-
Partei, sondern auch innerhalb der Re- hard Lehmann die Parteigeschäfte. lich und nach Informationen des „Neuen
gierungskoalition. jc ■ Nach dem Affront soll Kappel das Deutschland“ droht nun selbst der ge-
Handtuch geworfen haben. Unbestätig- schrumpften Schillpartei ein Konkurs-
„Helden“kult ten Meldungen zufolge wolle er sich aus verfahren. Die andere Nachfolgepartei
der Politik verabschieden und auf sein des gefallenen Richters Gnadenlos ver-
Spanien. Am 16. Januar fand im spani- Landgut in Frankreich zurückziehen. fügt zwar über ausreichende Geldmittel,
schen Majadahonda die traditionelle Ge- Dem Beschluss vorausgegangen wa- ist aber dabei mit der Kür ihres Spitzen-
denkfeier spanischer Faschisten für die ren monatelange Querelen über die poli- kandidaten für die Landtagswahl in
rumänischen Funktionäre der histori- tische Orientierung der Kleinstpartei Schleswig-Holstein, Folker Küster (Va-
schen Eisernen Garde, Ion Mota und Va- zwischen dem Vorsitzenden Kappel und ter von Dieter Bohlens Freundin Estefa-
sile Marin, statt. Beide waren als Frei- der Mehrheit des Bundesvorstandes. Da- nia) drauf und dran, ihren Kredit in der
willige auf franquistischer Seite während bei stand Kappel zusammen mit dem rechten Szene zu verspielen. In diesem
des Bürgerkrieges gefallen und werden REP-Vorsitzenden, Rolf Schlierer gegen Umfeld skurriler Einheitsfrontkämpfer
seither von den spanischen Faschisten als eine Mehrheit innerhalb seiner eigenen sieht Wolfgang Bukow vom DP-Landes-
Märtyrer verehrt. Der Führer der heuti- Partei, die eine rechte Einheitsliste befür- vorstand Bayern auch die „Deutsche Par-
gen, wieder belebten rumänischen Eiser- wortet und eine engere Anlehnung an die tei jetzt wieder voll im Rennen“. Wie
nen Garde, Nicolás Rosca, verwies er- NPD wünscht. aber der Akt der Selbstbehauptung im
wartungsgemäß auf die „christlichen und Die Deutsche Partei geht zurück auf Zeitalter der Irrungen und Wirrungen
patriotischen Ideale“ der beiden Freiwil- die 1866 gegründete regionalistisch-kon- ohne eine bekannte Führungspersönlich-
ligen für den Faschismus. Außerdem wa- servative Deutsch-Hannoversche Partei keit und im Kielwasser der NPD gelin-
ren aus Rumänien Vertreter der Noua (DHP). Deren Blütezeit lag in den Jahren gen soll, verschweigen er und die Deut-
Dreapta („Neue Rechte“) angereist, die des Kalten Krieges, wo sie zwischen sche Partei in ihren Verlautbarungen.
weiter Seite 6 1949 bis 1960 an der Adenauerregierung kun ■

: antifaschistische nachrichten 3-2005 3


sich ebenfalls auf die Ideologie der Eisernen
Garde und ihres Führers Corneliu Codreanu
beruft. Spanischer Partner ist wie in vergan-
1000 Polizisten schützen
genen Tagen die Falange, für die ihr General-
sekretär Felipe Pérez sprach. jc ■ 120 Neonazis
Leverkusener Stadtrat hält sich raus
Maßnahmen gegen Neonazis
Rund 400 Menschen demon-
und Geschichtsrevisionisten strierten am Samstag, 29. Ja-
Frankreich. Der französische Innenminister nuar, auf der Kundgebung
will bestimmte rechtsextreme Gruppierungen des Aktionsbündnisses gegen den
verbieten, wie er am 1. Februar vor der Natio- Aufmarsch der Neonazis und für
nalversammlung erklärte. Bis Ende Februar, eine bunte Welt ohne Faschismus
so Dominique de Villepin, sollen die dazu er- und Rassismus. Das Leverkusener
forderlichen Beweise zusammengetragen Aktionsbündnis gegen den Naziauf-
werden. Die zukünftige Verbotsmaßnahme marsch schreibt dazu:
betrifft kleinere, gewalttätige bzw. gewaltbe-
reite Gruppen oder Zusammenschlüsse. In ei- Sowohl in kulturellen als auch in Rede-
nem jüngst veröffentlichten Bericht der Ren- beiträgen wurde auf neonazistische
seignements Généraux (die ungefähr den Strukturen in Leverkusen und der BRD
deutschen Verfassungsschutzämtern entspre- aufmerksam gemacht. Wir empfinden
chen), über den „Le Monde“ am 24. Januar es als Armutszeugnis, dass die politi-
ausführlich berichtete, wird dieses Milieu auf schen MandatsträgerInnen aus Lever-
2.500 bis 3.000 Mitglieder und Sympathisan- kusen sich nicht an dem Protest betei-
ten landesweit geschätzt. Dabei ist die Rede ligten. An einer zeitgleich stattfinden-
von mehreren Strömungen oder Milieus:
Skinheads (die in Frankreich seit den späten
80ern kaum eine politische Rolle spielen); zeiführung stellte den Neona-
„identitäre“ Gruppen (wie der Bloc identitai- zis eine Demonstrationsroute
re, die Nachfolgeorganisation der 2002 ver- zur Verfügung, die mitten in
botenen Neonazigruppe Unité radicale); der Wiesdorfer Innenstadt lag.
„Ultranationalisten“ (etwa die antisemitische Sie wurden erneut durch ein
Splitterpartei Oeuvre française) und offene Wohngebiet gelotst, welches
Neonazis (etwa die Reste der früheren Stie- hauptsächlich von MigrantIn-
felnazipartei PNFE) und Hooligans, die vor nen bewohnt wird. Diese
allem zu Sportereignissen mobilisieren. großzügigen Zugeständnisse
Der Front National als rechtsextreme der Leverkusener Polizei an
Großpartei ist von diesem Vorstoß des Minis- die Neonazis und der Verzicht
ters nicht betroffen. Villepin dazu vor dem auf zumindest den Versuch ei-
Parlament: „Hinsichtlich extremer Äußerun- nes Verbots dieser Demon-
gen ist die Justiz zuständig. Lassen wir die stration im Vorfeld verurteilen
Richter über den jüngsten Fall der Äußerun- wir hiermit erneut auf Schärf-
gen von Jean-Marie Le Pen urteilen. Aber das ste.
ist nicht dasselbe wie die Neonazi-Bewegun- Trotz allem gelang es den
gen.“ Der Bloc identitaire drohte in Gestalt antifaschistischen Gegende-
seines Wortführers Fabrice Robert bereits öf- den Demonstration gegen einen Nazi- monstrantInnen immer wieder, den Ab-
fentlich damit, im Falle einer gesetzlichen aufmarsch in Kiel beteiligten sich rund lauf des Naziaufmarschs friedlich aber
Auflösung werde er „innerhalb weniger Wo- 7.000 GegendemonstrantInnen, ange- entschlossen zu verzögern oder zu stö-
che unter anderer Form“ wieder entstehen. führt von allen städtischen VertreterIn- ren. An fast jeder Ecke, die die Neona-
Der sozialdemokratische Politiker Domini- nen und der Ministerpräsidentin Heide zis passierten, konnten Gegendemon-
que Strauss-Kahn, „DSK“ (Finanzminister Simonis. Warum gab es in Leverkusen strantInnen Transparente gegen Nazis
von 1997 und 99 und möglicher künftiger nicht eine vergleichbare Beteiligung entrollen und den Rechtsradikalen mit
Präsidentschaftskandidat, sowie prominentes der Politik? Sprechchören zu verstehen geben, dass
Mitglied der jüdischen Gemeinde) regte vori- Das offene und parteiunabhängige sie nicht erwünscht sind.
ge Woche an, solchen Politikern das passive „Leverkusener Aktionsbündnis gegen Die Polizei nahm im Verlauf der Pro-
Wahlrecht zu entziehen, die wegen der Leug- den Naziaufmarsch“ hatte in den letz- teste ohne erkennbaren Anlass zehn
nung von Verbrechen gegen die Menschheit ten Wochen immer wieder zur aktiven GegendemonstrantInnen fest, die am
verurteilt worden sind. Diese Reaktion auf Teilnahme aufgefordert und wurde mit Nachmittag wieder freigelassen wur-
die jüngsten Auslassungen von Jean-Marie Desinteresse bis hin zu Verharmlosung den. Über etwaige Ermittlungsverfah-
Le Pen, und davor Bruno Gollnisch, würde von Rechtsextremismus konfrontiert. ren können wir zur Zeit keine genauen
den FN-Chef auf jeden Fall betreffen. Denn Knapp 120 Neonazis zogen, ange- Angaben machen. Sollte die Polizei
Le Pens Äußerungen über die (angeblich of- führt von dem Bergheimer Neonazi Verfahren einleiten, fordern wir die so-
fene) Frage der Existenz der Gaskammern als Axel Reitz und dem bundesweit agie- fortige Einstellung.
„Nebenumstand der Geschichte“ von 1987 renden Neonazi Christian Worch durch Wir fordern vom Leverkusener
und 1997 wurden jeweils gerichtlich sanktio- die Leverkusener Innenstadt, geschützt Stadtrat die Ausarbeitung eines Kon-
niert. Der Initiative von DSK widersprach so- von rund 1.000 PolizistInnen. zepts, wie Naziaufmärschen in Lever-
gleich der ehemalige konservative Premier- Die Neonazis liefen nicht durch ver- kusen zukünftig begegnet werden soll.
minister Edouard Balladur, der das bestehen- lassene Straßen ins Leere, wie es im PM Leverkusener Aktionsbündnis
de Gesetzesinstrumentarium für ausreichend Vorfeld durch den Polizeipräsidenten gegen den Naziaufmarsch, 30.1.2005
erklärte. BhS, Paris ■ Erhorn postuliert worden war. Die Poli- Fotos: arbeiterfotografie ■
: antifaschistische nachrichten 3-2005
4
Trotz des enormen politischen
Drucks, dem sich die Organisato-
rInnen der vom Runden Tisch ge-
Dies ist unsere Stadt!
gen Rassismus und Faschismus initiier- Pressemitteilung des Runden Tisches Kiel vom 29.1.2005
ten antifaschistischen Demonstration
ausgesetzt sahen, trotz der von einfluss- Demonstration zu meiden, haben sich Die Faschisten hatten etwa 300 An-
reichen PolitikerInnen und der Polizei beteiligt. Wichtige Organisationen der hängerInnen ihrer mörderischen Ideolo-
betriebenen Spaltungs- und Einschüchte- MigrantInnen waren vertreten. Zahlrei- gie zur Fahrt nach Kiel bewegen können.
rungsversuche – die von verschiedenen che GewerkschafterInnen haben es nicht Nach einigen Stunden des Abwartens
Medien kritik- und verantwortungslos dabei belassen, am frühen Morgen vom versuchte die Polizei mit Gewalt, unter
weitergetragen wurden – haben am 29.1. Landeshaus zur Nikolaikirche zu gehen. Einsatz von Wasserwerfern, den Nazis
Tausende Menschen deutlich gemacht: Sie sind anschließend zum Wilhelmplatz einen Weg durch die Straßen Kiels zu
Dies ist unsere Stadt! Hier ist für Fa- gekommen. IG Metall und ver.di hatten bahnen. Das gelang nur auf der kurzen
schisten kein Platz! Wer ihnen den öf- zu beiden Aktionen aufgerufen; Wolf- Strecke vom Hauptbahnhof über die
fentlichen Raum zur Verfügung stellt, gang Mädel, der Erste Bevollmächtigte Hummelwiese und die Hopfenstraße bis
wird auf Widerstand stoßen. der Kieler IG Metall, sprach auf der zur Herzog-Friedrich-Straße, dann muss-
Zwei Tage nach dem 60. Jahrestag der Kundgebung des Runden Tisches. Be- ten die Faschisten zum Bahnhof zurück
Befreiung des von den Hitlerfaschisten sonders beeindruckend war hier die An- geleitet werden, wo ihnen noch eine
betriebenen Konzentrations- und Ver- sprache von Peter Gingold,
nichtungslagers Auschwitz wurde beken- der im französischen und ita-
nenden Nationalsozialisten erlaubt, in lienischen Widerstand gegen
unserer Stadt zu demonstrieren. den deutschen Faschismus ge-
Ohne Not – und ohne auch nur den kämpft hat. Sein Aufruf, im
Versuch zu machen, dies mit entspre- Kampf gegen den wiederauf-
chenden Auflagen zu verhindern – haben lebenden Faschismus nicht
ihnen die Ordnungsbehörden nahezu die nachzulassen, wird uns Ver-
gesamte Innenstadt zur Verfügung ge-
stellt. Den AntifaschistInnen, auch ehe-
maligen Widerstandskämpfern, sollte da-
gegen – unter Androhung massiver Poli-
zeigewalt – der Zugang zur Innenstadt
verwehrt werden, wenn sie dort auch ih-
ren Protest zum Ausdruck bringen woll-
ten. Der Öffentlichkeit wurden zugun- volksverhetzerische
sten der Nazis zahlreiche Einschränkun- Kundgebung ermög-
gen zugemutet. licht wurde.
Die Oberbürgermeisterin setzte die Die antifaschisti-
antifaschistische Demonstration mit dem schen Demonstrationen
Nazi-Aufmarsch gleich. Sie rief öffent- waren ein großer Erfolg
lich dazu auf, den „linken und rechten und eine Ermutigung
Extremisten“ keine Beachtung zu schen- für die demokratischen
ken und „beiden Demonstrationen“ fern- Kräfte. Am 29.1. wurde
zubleiben. Mit diesem Abgesang auf die pflichtung bleiben. Nach Beendigung eine gute Grundlage für weitere Aktio-
früher vielfach beschworene Zivilcoura- der Demonstration haben sich die meis- nen im Wahlkampf – „Keine Stimme den
ge hat Frau Volquartz dem Ansehen un- ten TeilnehmerInnen in die Innenstadt Faschisten!“ – und darüber hinaus ge-
serer Stadt Schaden zugefügt. begeben und auch dort ihrem Protest ge- schaffen. Für den Runden Tisch:
Das Gegen-Angebot einer „garantiert gen den Nazi-Aufmarsch Ausdruck ver- Bettina Jürgensen, Alexander Hoff-
friedlichen“ Demonstration vom Landes- liehen. Hier entstanden noch spontane mann, Dietrich Lohse, Heino Schomaker
haus zur Nikolaikirche, an der die Spit- Demonstrationszüge. Weitere Infos: http://nonazis.de.ki ■
zenpolitikerInnen aller Landtagsparteien
teilnehmen würden (und nach deren
Ende um 11 Uhr alle nach Hause gehen „Antifaschistischer Ratschlag“ bringt Netzwerk
sollten), sollte den Runden Tisch in gegen Rechts auf den Weg
Misskredit bringen und die Beteiligung Freiberg. Um den künftigen Umgang mit Rechtsextremisten zu diskutieren und die antifaschis-
an der um 11.30 Uhr auf dem Wilhelm- tische Arbeit vor Ort zu koordinieren, luden der Landesverband der PDS, zahlreiche Bündnis-
platz beginnenden Demonstration gering partner sowie Antifaschisten aus Sachsen am Sonnabend zum ersten sachsenweiten „Antifa-
halten. schistischen Ratschlag“ in die Alte Mensa ein. Etwa 100 Gäste nahmen das Angebot an. Ziel
Es hat alles nicht genutzt. Mit einem des „Antifaschistischen Ratschlags“ ist es, ein Netzwerk zwischen all den Gruppen zu schaf-
hohen Maß an Eigeninitiative haben Bür- fen, die sich gegen rechtsorientierte Vereinigungen und Parteien wie die NPD zur Wehr set-
gerinnen und Bürger unserer Stadt die- zen wollen, erklärte die Sprecherin für antifaschistische Politik im sächsischen Landtag, Kerstin
Köditz aus Grimma. Dafür müsse auch die Öffentlichkeit sensibilisiert werden. In verschiede-
sen Zumutungen die richtige Antwort ge- nen Arbeitsgruppen wurde am Sonnabend beispielsweise über die Verzichtbarkeit von Nazi-
geben: An die 10.000 Menschen nahmen läden oder die antifaschistische Arbeit vor Ort diskutiert. „Es ist vor allem wichtig, eine noch
an der Demonstration des Runden Ti- bessere Öffentlichkeitsarbeit zu leisten“, unterstrich Mitorganisatorin und PDS-Landtagsabge-
sches teil. Sie brachten damit auch den ordnete Elke Altmann. Man müsse dem rechten Gedankengut durch Informationen entgegen-
VeranstalterInnen, die seit vielen Jahren treten. „Geben die Rechten eine Zeitung heraus, dann müssen wir mit unseren Informationen
in Kiel kontinuierlich gegen faschisti- an die Öffentlichkeit treten“, bekräftigte Volkmar Wölk aus Grimma. Die Vertreter der mehr
sche und rassistische Umtriebe und Ten- als 20 teilnehmenden Gruppierungen, darunter der Verein Brennpunkt Brand-Erbisdorf, die
denzen arbeiten, das Vertrauen entgegen. DGB Jugend Sachsen und die DKP Sachsen, waren mit den Ergebnissen des Tages zufrieden.
Im nächsten Jahr soll der 2. „Antifaschistische Ratschlag“ stattfinden.
Gerade SchülerInnen, denen Frau Vol- Infotelefon Sachsenweit: 03437/999758; Regional: 037322/50623, Freie Presse, 30.1.05 ■
quartz besonders nahegelegt hatte, diese

: antifaschistische nachrichten 3-2005 5


Am Samstag, den 22. Januar pro-
testierten etwa 150 Hamburger Kundgebung gegen neofaschisti-
Antifaschistinnen und Antifa-
schisten gegen die „Reichsgründungs- sche Burschenschaft Germania
feier“ der neofaschistischen Burschen-
schaft Germania. Mit lautstarken Parolen Vor diesem ideologischen Hintergrund schistischen Partei zuwendet. Im Jahr
und in mehreren Redebeiträgen wurde auf orientierte sich die Germania Anfang der 2000 empfahl die NPD „national gesinn-
die braunen Verstrickungen des Referen- 70er Jahre an der NPD und es gab perso- ten Studenten“ die Mitgliedschaft in der
ten Prof. Höbelt hingewiesen. Ein Vertre- nelle Überschneidungen zu dem damali- Germania und diese wiederum sandte po-
ter des AStA der Universität beleuchtete gen Hoffnungsträger der extremen Rech- tenziellen NPD-Mitgliedern Informa-
die Rolle des, im Referat gewürdigten, ten. Mit dem Scheitern der NPD auf tionsmaterial zu. Bis April 2004 wohnte
Georg von Schönerer: Er hatte als glühen- Bundesebene wurde erst wieder Ende der der Betreiber des offen neonazistischen
der Antisemit und großdeutscher Nationa- 80er Jahre mit den Republikanern eine Nordic-Hammer-Versandes bei den Ger-
list wesentlich Einfluss auf das rassisti- Partei attraktiv für Verbindungsstudenten. manen, er unterstützt das „Projekt Schul-
sche politische Klima im Österreich der 1989 waren 25 Studenten bei den Ham- hof“ aus dem Kreis der militanten Freien
WK I Vorkriegszeit. Die Polizei hatte den burger Republikanern organisiert, Germa- Kameradschaften. Mittels dieses Projek-
Zugang zum „Germanenhaus“ weiträu- nen waren natürlich auch dabei. Nach tes sollten kostenlos CDs mit neofaschis-
mig abgesperrt. Mehrere Personen erhiel- Enttäuschungen über die ausbleibende In- tischer Musik vor Schulen verteilt wer-
ten Platzverweise, als sie versuchten zur tellektualisierung der REPs, wandte sich den, bisher wurde dies von den Behörden
Veranstaltung im Burschenhaus zu gelan- die Burschenschaft Germania in den 90er allerdings verhindert.
gen. In ihrer Pressemitteilung erklärten Jahren stärker der sog. Neuen Rechten zu. Auch ein Vortragsabend der Germanen
die Organisatoren, auch in Zukunft offen- Der Hamburger Leserkreis der rechtsex- im vergangenen Jahr im Dezember richte-
siv gegen Burschenschaften und Salonfa- tremistischen Jungen Freiheit, der so ge- te sich explizit an Interessierte aus NPD
schisten vorgehen zu wollen. nannte „Hamburger Kreis“ traf sich regel- und Freien Kameradschaften: „60 Jahre
Fellow Traveller der Auschwitzleugner mäßig im Germanenhaus und lud namhaf- Kesselschlacht in Halbe“ war das Thema.
te Referenten der extremen Rechten zu An genau diesem Ort der letzten Schlacht
Prof. Lothar Höbelt, welcher bei den Ger- Schulungen ein. des 2. Weltkrieges hatten militante Neo-
manen zum Vortrag geladen war, ist seit Anfang der 90er Jahre lud André nazis gerade einen Monat zuvor ein pathe-
Jahren in der extrem rechten Szene Öster- Goertz, Landesvorsitzender der inzwi- tisch-militantes Heldengedenken abgehal-
reichs und der BRD aktiv. Er gilt als „Vor- schen verbotenen Freiheitlichen Deut- ten.
denker der FPÖ“ und bekennender Hai- schen Arbeiterpartei (FAP), mit „Heil Fanden die Burschenschaften in den
der-Fan und schreibt für die „Junge Frei- Euch Kameraden“ zu Treffen in das Ger- 90er Jahren noch Erwähnung im jähr-
heit“ und ihr österreichisches Pendant manenhaus ein und Mitglieder der Bur- lichen Hamburger Verfassungsschutzbe-
„Zur Zeit“. Doch auch Kontakte nach
weiter rechts scheut der Wiener a.o. Pro-
fessor für Politik- und Verfassungsge-
schichte nicht: 1998 verfasste er einen
Beitrag für das Buch „1848 - Erbe und
Verantwortung“ herausgegeben von Otto
Scrinzi und Jürgen Schwab. Erster ist ehe-
maliger SA-Sturmführer und FPÖ-Abge-
ordneter, der Zweite ist Burschenschafter,
NPD-Mitglied und seit 1999 Redakteur
der NPD-Partei-Zeitung „Deutsche Stim-
me“. Selbst in einer Festschrift für den
Auschwitzleugner David Irving von 1999
findet sich ein Beitrag von Lothar Höbelt.
In einem Aufsatz nennt er das „KZ Bu-
chenwald“ eine „Sommerfrische“ und in
einem weiteren bezeichnet er den Raub
jüdischen Eigentums nach 1938 euphe-
mistisch als „Vermögenstransfer“.
Wer ist die Burschenschaft Germania? Bereits am 26. Oktober 2004 protestierten 250 Antifaschisten gegen eine Vortragsveranstal-
tung der „Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft“ auf dem Hause der „Germanen zu
Die Gastgeber vertreten selbst im bundes- Königsberg“. Die „Burschenschaft Germania“ in der Sierichstraße ist ebenfalls eine pflichtschla-
weiten, reaktionären Dachverband, der gende und farbentragende Verbindung, ist aber vom Namensvetter zu unterscheiden.
völkischen Deutschen Burschenschaft
(DB), eine rechts-außen Position. Das von schenschaft Germania nahmen über das richt, in NRW werden sie noch beobach-
den Germanen zusammen mit anderen „Komitee für Freiwillige Reservistenar- tet, so kehrte sich dieses unter Schwarz-
Burschenschaften gebildete innerver- beit Nord“ (KON) an Wehrsportübungen Schill ins Gegenteil: Der Germane Chris-
bandliche Rechts-Kartell verfolgt im We- teil. Ebenfalls in dieser Zeit war Rolf Lep- tian Brandes wurde gar hochschulpoliti-
sentlichen zwei Ziele: erstens die Bewah- pert Bursche in der Sierichstraße 23 und scher Sprecher der Schill-Partei und nutz-
rung und die Förderung des „volkstums- zeitgleich Mitarbeiter des berüchtigten te die Hamburger Bürgerschaft als Tribü-
bezogenen Vaterlandsbegriffs“ sowie eine Nazianwalts Jürgen Rieger. Inzwischen ne für seine anti-egalitäre und reaktionäre
explizite Feinderklärung nach Innen (ge- lenkt er als Jurist und Alter Herr die Ver- Propaganda.
gen alles „undeutsche“). Zudem redet einsgeschäfte seiner Burschenschaft. Auch die Unileitung schweigt seit Jah-
man der großdeutschen Expansion das Inzwischen gibt es Anzeichen dafür, ren zu den rechten Umtrieben auf dem
Wort. Umstritten ist dabei lediglich, ob dass sich die Burschenschaft Germania, Campus, viele Korporationen sind sogar
das Deutsche Reich in den Grenzen von bestärkt durch die Wahlerfolge der NPD, offiziell in die Matrikel eingetragen und
1937 oder gar 1939 zu fordern sei. wieder dieser ältesten und offen neofa- genießen damit Vorteile. erk, kun ■

6 : antifaschistische nachrichten 3-2005


Regierungsvertreterinnen und Der von Berlin initiierte Versuch, das
-vertreter aus vier europäischen
Staaten haben am 2. Februar in
„Netzwerk“ unter der Bezeichnung „Euro-
päisches Zentrum zur Erinnerung an die
„Netzwerk
Warszawa ein „Europäisches Netz-
werk ,Erinnerung und Solidarität‘“ ge-
Opfer von Zwangsumsiedlungen in Euro-
pa“ vom Europarat gründen zu lassen, ist
gegen
gründet. am 27. Januar gescheitert. Die Weigerung
der französischen Delegation, das deut-
Vertreibungen“
Das „Netzwerk“ geht zurück auf Pläne des
Bundes der Vertriebenen (BdV), ein „Zen-
sche Revisionsvorhaben mitzutragen,
führte dazu, dass am 60. Jahrestag der Be-
gegründet
trum gegen Vertreibungen“ zu errichten. freiung des Vernichtungslagers Auschwitz
Die Bundesregierung hat das BdV-Vorha- die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für damer Abkommen Bezug genommen
ben – nach anfänglicher Unterstützung – das Projekt nicht zustande kam. Das „Zen- wird. Dort heißt es, man handle „auf der
mehreren Modifikationen unterworfen, es trum“ setze die Deportation in die NS-Ver- Grundlage der seit 1945 geschlossenen
erst als „Europäisches Zentrum gegen Ver- nichtungslager mit dem „in den Verträgen völkerrechtlichen bi- und multilateralen
treibungen“, dann als „Europäisches Netz- nach 1945 verabredeten Bevölkerungsaus- Verträge, politischen Vereinbarungen und
werk gegen Vertreibungen“ und schließ- tausch“ gleich, begründete der aus dem Abkommen, die als historische Tatsachen
lich über den Europarat als „Europäisches Alsace stammende französische Delegier- respektiert werden“. Dass das Potsdamer
Zentrum zur Erinnerung an die Opfer von te Bernard Schreiner seine Ablehnung. Abkommen damit wenigstens implizit er-
Zwangsumsiedlungen in Europa“ zu ver- Gleichwohl zog er sich mit seiner klaren wähnt wird, dürfte der polnischen Regie-
wirklichen versucht. Das jetzt gegründete Haltung die Kritik einflussreicher prodeut- rung zu verdanken sein. Dass es nicht als
„Netzwerk“ wird getragen von Deutsch- scher Kreise in der französischen Haupt- „gültig“ klassifiziert, sondern nur „als his-
land, Polen, Ungarn und der Slowakei. Die stadt zu. torische Tatsache respektiert“ wird, ent-
Verbände der deutschen Umgesiedelten Nur wenige Tage später, am 2. Februar, spricht hingegen der deutschen Rechtspo-
sollen in ihm mitarbeiten. ist mit der Gründung des „Europäischen sition, das Potsdamer Abkommen sei ein
Der Grundgedanke, den die Bundesre- Netzwerks ,Erinnerung und Solidarität‘“ „abgeschlossenes historisches Kapitel“.
gierung vom BdV übernommen und in in Warszawa der Durchbruch gelungen. Für den Fall, dass es nicht gelingen soll-
den verschiedenen Planungsphasen stets Deutschland, Polen, Ungarn und die Slo- te, das „Netzwerk“ durch hartnäckiges
beibehalten hat, ist einfach: Im Rahmen wakei tragen nun gemeinsam das deutsche Aufweichen unschädlich zu machen, hat
des „Netzwerks“ soll die Umsiedlung der Revisionsprojekt. Die Tschechische Repu- Polen eine zweite Option, und auch dafür
Deutschen in Folge des Zweiten Welt- blik, bis Anfang des Jahres an den Ver- ist eine Beteiligung an dem Revisionspro-
kriegs als ethnisch motivierte Handlung handlungen beteiligt, war Ende Januar of- jekt nützlich. In der Zwischenkriegszeit
dargestellt und mit verschiedensten ver- fiziell aus den Vorbereitungen ausgestie- gab es in Warszawa immer wieder Überle-
brecherischen Untaten parallelisiert wer- gen. Irritiert hatte die Regierung in Praha gungen, dem deutschen Druck nachzuge-
den. Als Beispiele wurden immer wieder vor allem, dass Berlin nicht bereit war, ben, gemeinsam mit Deutschland eine ag-
genannt: Der Genozid an den Armenierin- weitere Staaten in die Planungen für das gressive Ostpolitik zu betreiben und den
nen und Armeniern im Osmanischen angeblich „europäische“ Netzwerk einzu- Einflussverlust in den von Deutschland
Reich, die Verfolgung von Sinti und Roma binden. Die europäischen Garantiemächte beanspruchten polnischen Gebieten durch
im Kosovo, die NS-Massendeportationen des Potsdamer Abkommens blieben da- einen Einflussgewinn jenseits der polni-
von Jüdinnen und Juden. Die Konsequenz durch ausgeschlossen. schen Ostgrenze auszugleichen. Ansätze
einer solchen Parallelisierung: Die Um- Die polnische Regierung scheint eine für eine im Einklang mit Deutschland be-
siedlung der Deutschen wird als „Un- doppelte Motivation zu haben, das Revi- triebene aggressive Ostpolitik finden sich
recht“ qualifiziert. Damit stellt das „Netz- sionsprojekt nicht zu boykottieren, son- derzeit in Warszawa immer deutlicher
werk“ einen Angriff auf das Potsdamer dern sich an ihm zu beteiligen. Das erste (insbesondere gegenüber Kiew). Eine
Abkommen dar, in dem die Umsiedlung Motiv liegt offenkundig in der Hoffnung, Thematisierung der 1945 durchgeführten
verbindlich beschlossen wurde. die deutschen Pläne durch hartnäckige De- Umsiedlung von Polinnen und Polen aus
Äußerungen maßgeblicher sozialdemo- tailarbeit aufweichen zu können. So heißt dem Gebiet der heutigen Ukraine, des heu-
kratischer Politiker belegen dies. Es sei es etwa in der „Absichtserklärung über die tigen Belarus und des heutigen Litauen
notwendig, „alle Fälle von Umsiedlung, Gründung“ der neuen Institution, die ihren bietet im Zweifelsfall eine zusätzliche
Flucht und Vertreibung neu zu bewerten“, Sitz in Warszawa haben und von einem Chance, den deutschen Druck nach Osten
hatten Bundespräsident Johannes Rau und polnischen Direktor geleitet werden wird: weiterzugeben.
– auf deutschen Druck hin – der polnische „Gegenstand des Netzwerks ist die Analy- Der deutsche Druck dürfte jedenfalls
Staatspräsident Alexander Kwasniewski se, Dokumentation und Verbreitung der mit dem „Europäischen Netzwerk ,Erinne-
in ihrer „Danziger Erklärung“ vom Okt- Geschichte des 20. Jahrhunderts, eines rung und Solidarität‘“ deutlich wachsen.
ober 2003 gefordert. Eine Neubewertung Jahrhunderts der Kriege, der totalitären Wie ein Sprecher der Kulturstaatsministe-
sei auch das Ziel des jetzt gegründeten Diktaturen und der Leiden der Zivilbevöl- rin Christina Weiss gegenüber dem Inter-
„Netzwerks“, erklärt das Presse- und In- kerung – als Opfer von Kriegen, Unterdrü- netdienst german-foreign-policy.com be-
formationsamt der Bundesregierung. Der ckung, Eroberung, Zwangsmigrationen stätigte, ist es „erwünscht“, die Verbände
SPD-Außenpolitiker Markus Meckel, ei- sowie als Opfer von nationalistischen, ras- der deutschen Umgesiedelten in das
ner der maßgeblichen Vorkämpfer des sistischen und ideologisch motivierten Re- „Netzwerk“ zu integrieren. „Die Welt“ be-
Projekts, hat diese Zielsetzung im Novem- pressionen.“ richtet, „fast alle Institutionen und Museen
ber vor einem Ausschuss des Europarats Berlin wollte ursprünglich nur „Flucht aus dem Umfeld der deutschen Vertriebe-
bekräftigt: „Zwar wurden Vertreibungen und Vertreibung“ thematisieren. „Aber das nenverbände hätten ihre Bereitschaft zur
und Zwangsumsiedlungen von Diktatoren war mit unseren Partnern nicht zu machen. Zusammenarbeit signalisiert“. Auch der
wie Hitler und Stalin und jüngst von Slo- Sie bestanden auf einem breiteren An- BdV ist mit dem Konzept einverstanden.
bodan Milosevic angeordnet. Aber auch satz,“ erklärte Markus Meckel gegenüber „Ein Netzwerk braucht Knotenpunkte“,
Demokraten, wie Churchill und Roose- der Berliner Zeitung. erklärte BdV-Präsidentin Erika Steinbach
velt, akzeptierten, dass durch ethnische Kaum etwas zeigt die Auseinanderset- gegenüber der Berliner Zeitung: „Und ei-
Homogenisierung politische Stabilität ge- zungen zwischen den beteiligten Regie- ner dieser Knotenpunkte soll unser Berli-
schaffen werden sollte. Das lehnt die inter- rungen so deutlich wie die Passage der ner Zentrum sein. Daran halten wir fest.“
nationale Gemeinschaft heute ab.“ „Absichtserklärung“, in der auf das Pots- Jörg Kronauer ■

: antifaschistische nachrichten 3-2005 7


Bundesweite Naziveran-
staltung am 11. Juni in Jena Streit ums „Elchmuseum“
Jenaer Nationalisten haben für den 11.
Juni auf dem Marktplatz Jena ein „Fest Stiftungsrat um Wilhelm von setz. Alleiniger Träger der Einrichtung
der Völker“ angemeldet. Da die bisher Gottberg kündigt Museumslei- ist – ohne einen Cent dazuzubezahlen –
angekündigten Bands auf eine über Thü- ter – Kritik an Einflussnahme seit 1994 die in Bayern ansässige Ost-
ringen, wenn nicht sogar über Deutsch- der Landsmannschaft preußische Kulturstiftung. Deren Grün-
land hinaus reichende Teilnahme von dungsstifter sind die Landsmannschaft
Nazis schließen lassen, wollen das Ak- Ende des Jahres kündigte der Stiftungs- Ostpreußen sowie der Träger des ehema-
tionsbündnis gegen Rechts und das Anti- vorsitzende Wilhelm von Gottberg dem ligen Ostpreußischen Jagdmuseums in
fa-Plenum Jena so bald als möglich und Leiter des Ostpreußischen Landesmu- Lüneburg. Das war 1987 in das Ostpreu-
mit so vielen Menschen aus so vielen seums in Lüneburg. Seitdem schlägt das ßische Landesmuseum übergegangen, ab
Städten wie möglich ein erstes Vorberei- autokrate Gebaren des Berufsvertriebe- jenem Jahr gibt es auch die institutionel-
tungstreffen für Gegenaktivitäten organi- nen von Gottberg auf ihn selbst zurück, le Finanzierung durch Bund und Land.
sieren. obwohl der Vorsitzende der Landsmann- Bund und Land haben, so sagt von Gott-
Auf der eingerichteten Seite des schaft Ostpreußen einige Titel und Pos- berg, „ein intaktes Museum übernom-
Nationalen Widerstandes Jena http:// ten in die Waagschale werfen kann: Bür- men“, dessen Ausstellungsstücke „Ei-
www.n-w-j.de/festdervoelker/ wird der germeister von Schnega, Kreistagsabge- gentum der Ostpreußen“ seien. Mit gera-
Veranstaltungsbeginn für 10.00 Uhr an- ordneter von Lüchow-Dannenberg und de einmal etwa 70 Besuchern auf der
gekündigt. Eindeutig rassistische, antise- Vorsitzender des Stiftungsrates der Ost- „Haben-Seite“ und 27 hauptamtlichen
mitische und nationalistische Aussagen preußischen Kultur-
sind in der Erklärung zu dem „Fest“ fin- stiftung...
den. Doch inzwischen
Für das „Fest der Völker“ wurden bis- legt auch der gekün-
her 4 Bands geworben, die ihre Teilnah- digte Museumsleiter
me zugesagt haben und den mehr als ein- Ronny Kabus (siehe
deutigen neofaschistischen Charakter AN 1/2005) mit wei-
dieser Veranstaltung belegen: teren Vorwürfen ge-
● Before the War (Slowakei): Fascho- gen die Einflussnah-
Metal-Band, welche u.a. am 30. Oktober me durch die reak-
2004 gemeinsam mit „legion of thor“, tionäre Landsmann- Homepage
„eugenik“ und „ra. riot“ nach der De- schaft und ihren des
Museums
monstration von Freien Kameradschaf- Sprecher nach: Der
ten in Potsdam spielte. „Sprecher der
● Verszerödes (Ungarn): spielte be- Landsmannschaft und Stiftungsratsvor- angestellten Beschäftigten auf der „Sold-
reits auf mehreren Fascho-Festivals, u.a. sitzender habe versucht, das Museum zur Liste“ der Stiftung hält sich der öffentli-
mit Sturm und Drang, No Alibi, Act of Bühne seiner politischen Statements zu che Zuspruch in bescheidenen Grenzen.
Violence. machen“ zitiert die Elbe-Jeetzel Zeitung Derweil eint die Regierungskoalition
● Nothung (Schweden): mehrfach bei den geschassten Museumsleiter. Er habe von CDU, Grünen und Unabhängiger
White-Power-Konzerten aufgetreten »einem Vorstand gegenübergestanden, Wählerliste das politische Tagesgeschäft.
(u.a. bei einem von der Nationalsozialis- der fast ausschließlich die Interessen sei- Selbst Stadtdirektor Peter Koch spricht
tischen Front Schweden organisierten ner landsmannschaftlichen Klientel ver- vom „großem Einvernehmen“ und
Konzert am 3. Juli 2004 in Schweden) tritt». Zu wichtigen Besprechungen wur- schließt alle, selbst die oppositionelle
● Block 11 (Italien): faschistischer de der Direktor oft gar nicht mehr einge- SPD/FDP-Fraktion, mit ein. Alle? Einzig
Rock’n Roll (Selbstbeschreibung): laden. Während Dr. Kabus sich darum der grüne Kreistagsabgeordnete, Ulrich
„Block 11 - 88 R’n’R Band 14/88“, die bemühte, die Einrichtung als „wissen- Löb, wirft der Wilhelm von Gottberg vor
auf ihrer Website (http://www. schaftliche Institution“ und als „Erleb- „Versöhnung als taktischen Begriff“ zu
block11.com) mit Hitlergruß, Haken- nismuseum“ für breite Bevölkerungs- missbrauchen und mit Eigentumsforde-
kreuz, verschiedensten Symbolen... für schichten zu öffnen, wollten die Funktio- rungen Polen „über den Tisch“ ziehen zu
sich werben. näre seiner Trägereinrichtung nach sei- wollen.
Desweiteren sind bisher als Redner ner Überzeugung lieber ein ostpreußi- Der Debatte im Stadtrat vorausgegan-
Frank Schwerdt (NPD Landesvorsitzen- sches „Heimatstübl“ sehen, in dem auch gen war eine Anfrage des Bundes, die
der Thüringen) und Patrick Wieschke schon einmal Politik gemacht werden Stadt möge Stellung dazu nehmen, ob sie
(„freier Nationalist“) angekündigt. durfte – allerdings nur im Sinne der re- einen Sitz im Stiftungsrat des Museums
Es ist davon auszugehen, das die Na- vanchistischen Linie des Vorstandes. als Träger übernehmen wolle. In der
zis den Marktplatz nicht bekommen wer- Die Geschehnisse sind im Internet aus- Konsequenz und „Feinmotorik“ sind
den – allerdings (so bisher Andeutungen führlich dokumentiert unter www.zu- dann aber auch Stadtdirektor Peter
seitens einiger Stadtabgeordneter) ist ein kunft-ostpreussenmuseum.de. Dort fin- Kochs Zweifel aufzuspüren. So unter-
Verbot wohl unwahrscheinlich. In der den sich auch Briefe, geschrieben von stützt Koch die Position des Bundes,
nächsten Stadtratssitzung wird es zu Ak- Ostpreußen, die von der „stark rechtsge- mehr Einfluss zu nehmen, und spricht
tivitäten der Stadt Jena gegen diese Ver- richteten Einflussnahme“ der Lands- von Kabus nicht in der Vergangenheits-
anstaltung eine Anfrage geben. mannschaft Ostpreußen in anderen Be- form, denn: „Ich glaube, er hat gute
Ziel des Aktionsbündnisses gegen reichen berichten. Chancen, das Arbeitsgerichtsverfahren
Rechts und des Antifa-Plenums Jena ist Das Lüneburger Ostpreußenmuseum für sich zu entscheiden, ohne dass ich
es, eine möglichst bundesweite Gegen- ist eine besondere Konstruktion. Finan- den Richtern vorgreifen möchte.“ Fazit:
veranstaltung zu organisieren. ziert wird es ausschließlich von Bund Bund, Kreis und die Landsmannschaft
Leseladen JG-Stadtmitte, und Land mit rund 900 000 Euro im Jahr. machen hier handfest Politik und dabei
JG-Stadtmitte-Jena@t-online.de ■ Diese Alimentierung ist gesetzlich gere- zählt nicht das Wort, sondern deren Ge-
gelt und zwar im Bundesvertriebenenge- wicht. kun ■

8 : antifaschistische nachrichten 3-2005


Geschichtsrevisionismus CIA deckt Nazi-Kriegsver-
im Danubenhaus? brecher
Der US-Geheimdienst CIA hält eine gro-
ße Zahl von Akten über Nazi-Kriegsver-
„60 Jahre nach Kriegsende – Leis- tei und dem Schutzbund für das deutsche
brecher zurück, meldet die Österreichi-
tungen und Irrtümer“, so kündigt Volk vor wenigen Tagen in München war
sche „Die Presse“ vom 31. Januar. Die
die Zeitschrift „Junge Freiheit“ der Historiker und Schriftsteller mit ei-
Akten zeigten engere Verbindungen zwi-
die sogenannten „22. Bogenhausener Ge- ner Buchvorstellung („Ursachen des
schen US-Regierung und Verbrechern
spräche“ im Hause der Burschenschaft Zweiten Weltkrieges“) vertreten.
als bisher angenommen, lautet der Tenor
Danubia in der Münchner Möhlstraße
des Berichtes in der Wiener Tageszei-
vom 12. bis 13. Februar 2005 an. Als Re-
tung. Die „New York Times“ titelte am
ferenten werden u.a. angekündigt: Prof.
Wochenende zuvor, dass die CIA seit
Dr. Ernst Nolte, Dr. Walter Post und Univ.
drei Jahren die Aufforderung einer Ar-
Doz. Heinz Magenheimer. Heinz Magenheimer, Universitätsdo-
beitsgruppe des US-Kongresses zurück-
Referenten von Rechts zent und Angehöriger der Landesverteidi-
weist, „hunderttausende von Seiten aus
gungsakademie Österreich machte in ei-
geheimen Nazi-Akten zugänglich zu
Die eingeladenen Referenten sprechen nem Interview mit der „Jungen Frei-
machen“. Dabei weisen mehr als 1,2
für sich. „Die Vermutung über den Char- heit“(Ausgabe 7/96, S.3) darauf aufmerk-
Millionen freigegebene Seiten des Penta-
akter dieser Veranstaltung als weiteres sam, dass „es die Westmächte England
gon auf eine „engere Verbindung zwi-
Forum zur Verbreitung geschichtsrevi- und Frankreich sind, die am 3. September
schen der US-Regierung und Nazi-
sionistischer Thesen und Behauptungen 1939 Deutschland den Krieg erklären.“
Kriegsverbrechern“ hin.
liegt daher sehr nahe“, so ein Sprecher Post und Magenheimer referierten
Bei diversen, von der Kommission an-
von AIDA e.V. Prof. Dr. Ernst Nolte löste auch auf Tagungen der „Zeitgeschicht-
geforderten Akten hatte der US-Geheim-
Mitte der 80er Jahre den sogenannten „1. lichen Forschungsstelle Ingolstadt e.V.
dienst alle Angaben über die Zeit nach
Historikerstreit“ aus, als er die deutsche (ZFI)“. Das Handbuch Deutscher Rechts-
dem 8. Mai 1945 verweigert. In anderen
Alleinschuld am zweiten Weltkrieg in extremismus meint zum Stichwort ZFI:
Fällen hatte der Geheimdienst die Her-
Frage stellte. Dr. Walter Post trat bereits „Die ZFI widmet sich seit ihrer Grün-
ausgabe von Informationen über Perso-
am 10. Ok-tober 2002 in München auf – dung der Umdeutung der deutschen Ge-
nen und deren Verhalten im Krieg so lan-
bei einer Veranstaltung von Demokratie schichte im Sinne einer Relativierung der
ge unterdrückt, bis die Arbeitsgruppe
Direkt e.V. und Republikaner-Stadtrat nationalsozialistischen Verbrechen und
Beweise für deren Verstrickung in
Johann Pius Weinfurtner zum Thema der Leugnung der deutschen Kriegs-
Kriegsverbrechen vorlegen konnte.
„Kriegsverbrechen –Gestern und Heute“. schuld am Zweiten Weltkrieg“.
Erwartungsgemäß dementierte der
Auch an dem ebenfalls von Weinfurtner Burschenschaft Danubia: CIA-Sprecher die Vorwürfe und erklärte:
organisierten „politischen Neujahrstref- Scharnierorganisation ganz rechts Der Geheimdienst halte keinerlei Akten
fen“ mit Teilnehmern wie Holger Apfel
zurück, die im Zusammenhang mit der
(NPD) und Vertretern der Deutschen Par- Die Burschenschaft Danubia bot und
Arbeit der Kommission für Kriegsver-
bietet extrem rechten und konservativen
brechen stünden.
Referenten mit ihren Veranstaltungen
kun, nach diepresse.com, 31.1.2005 ■
immer wieder ein Podium. So traten dort
bei anderer Gelegenheit u.a. Alain De
Benoist (Chefideologe der „Neuen Rech-
ten“), Horst Mahler oder Dr. Reinhold Verherrlichung von
Oberlercher auf. Rudolf Heß soll unter
Dass die Kontakte der Danubia auch
in das Spektrum der Kameradschaften
Strafe gestellt werden
und freien Nationalisten reichen, zeigte Berlin. Bundestagsabgeordnete von
ein anderer Vorfall: Im Januar 2001 ver- SPD, Union und Grünen wollen die Ver-
steckte die Danubia München Christoph herrlichung hoher Repräsentanten des
Schulte, den Haupttäter eines neonazisti- NS-Regimes unter Strafe stellen. Im
schen Überfalls auf einen griechischen Innenausschuss herrschte am Mittwoch
Passanten im Münchner Schlachthof- Einigkeit, das Strafgesetzbuch müsse
viertel, auf seiner Flucht in ihren Räu- entsprechend ergänzt werden. Bislang ist
men. nur das Verwenden von Kennzeichen
Im Herbst 2001 setzte das Bayerische verfassungswidriger Organisationen,
Innenministerium die Aktivitas der Bur- zum Beispiel SS-Runen, als Straftat defi-
schenschaft auf die Liste der verfas- niert. Die Abgeordneten wollen errei-
sungsfeindlichen Organisationen und chen, dass rechtsextreme Aufmärsche
stellte sie somit unter Beobachtung des wie die zum „Gedenken“ an Rudolf Heß
Verfassungsschutzes. verboten werden können. In der fränki-
Pressemitteilung des A.I.D.A. e.V. 27. schen Kleinstadt Wunsiedel, in der Heß
Januar 2005, Marcus Buschmüller ■ begraben ist, treffen sich jährlich Tausen-
Quellen: Handbuch Dt. Rechtsextremismus, de Neonazis, um ihrem Idol zu huldigen.
Hrsg. Jens Mecklenburg, Elefantenpress. Draht- Für die Gesetzesänderung warb im
zieher im braunen Netz, Autorenkollektiv, Kon-
kret Literatur Verlag. Jenseits des Nationalismus, Innenausschuss vor allem der Landrat
J. Cremet, F. Krebs, A. Speit, rat/Unrast Verlag. des Wunsiedel-Kreises, Peter Seißer.
Handbuch Rechtsextremismus, Hg. Bernd Wag- Der Tagesspiegel, 20.1.2005 ■
ner, rororo aktuell. Verfassungschutzbericht Bay-
ern 2001, 2002. SZ Artikel vom 7.9.2001

: antifaschistische nachrichten 3-2005 9


Die Rückkehr der „Nummer
Zwei“ des FN, Bruno Gollnisch,
auf seinen Lehrstuhl für japani-
FN-Anhänger prügeln
sches und internationales Recht an der
Universität Lyon-III dauerte am vorigen
Mittwoch nicht sehr lange. Nunmehr fin-
Studenten
Bruno Gollnisch erneut von Universität suspendiert
det Gollnisch sich gleich für ein Jahr aus
dem Dienst entfernt, und will erneut die ,Backpfeifenmaschine‘ einzuschalten. Ein tätsdirektor Guy Lavorel alarmiert wor-
Gerichte dagegen bemühen. Dieses Mal Student verlangt eine Schweigeminute für den war. Das Lehrverbot ist für eine
dürfte er geringe Chancen haben, durch- die Toten der Deportation (im Zweiten Höchstdauer von einem Jahr ausgespro-
zukommen. Weltkrieg). ,Niemals!‘ brüllt einer der chen. Dieses Mal hat man auch dafür ge-
Rückblende: Gollnisch hatte bei einer Rechtsextremen. Die (vor dem Hörsaal sorgt, dass eine Vertretung für die Lehr-
Pressekonferenz am 11. Oktober 04 die zwecks Protest auf dem Boden sitzenden) veranstaltungen vorhanden ist und Goll-
Existenz der Gaskammern und die Zahl Studenten stehen auf und rufen: ,Faschis- nisch sich nicht darauf berufen kann, „sei-
der Toten des Holocaust (indirekt, aber ten raus aus der Uni!‘ und erinnern daran, ne“ Studenten seien die Leidtragenden.
deutlich) in Frage gestellt. Daraufhin hat- dass Lyon-III offiziell auf den Namen des Am Donnerstag (3. Februar) leitete
te der Rektor der Lyoner Hochschulen, Widerstandskämpfers Jean Moulin ge- Gollnisch eine Pressekonferenz am Par-
Alain Morvan, ihn Anfang November für tauft ist“ (der in Lyon 1943 durch Klaus teisitz des FN im Pariser Vorort Saint-
einen Monat vom Dienst suspendiert. Zu- Barbie zu Tode gefoltert wurde). Cloud. Dabei stellte er sich erneut als „po-
gleich wurde der Disziplinarausschuss an- Weiter hinten in dem Artikel erfährt litisch Verfolgten“ hin, da er „ein wichti-
gerufen, der seine Entscheidung Ende Fe- man: „Während die Protestierenden sich ger Politiker einer Oppositionspartei“ sei
bruar 05 bekannt geben wird. zerstreuen, kommen die Zivilpolizisten. und da er „den Justizminister Dominique
Als die vorläufige Suspendierung An- Sie nehmen einen der Rechtsextremen Perben (2008) daran hindern könne,
fang Dezember zu Ende ging, kehrte fest. Camille, eine bei Hippocampe aktive Oberbürgermeister von Lyon“ zu werden.
Gollnisch an die Hochschule zurück. Studentin, sitzt in demselben Polizeiauto, Gollnisch will erneut den Conseil d’Etat
Dort riefen mehrere studentische Vereini- da sie als Zeugin mitgenommen wird, die bemühen und ferner Klage gegen den
gungen (die Studierendengewerkschaft über die Gewalttätigkeiten gegen einen Rektor der Lyoner Hochschulen, Alain
UNEF, die Union jüdischer Studenten Studenten aussagen soll. ,Während der Morvan, erheben. Bei einer Feier zum 60.
UEJF und die antifaschistische Vereini- Fahrt wurde er darüber verhört, warum er Jahrestag der Befreiung der Überlebenden
gung Hippocampe) zu Demonstrationen an die Universität gekommen sei. Er er- von Auschwitz hatte Morvan Ende Januar
gegen seine Anwesenheit auf. Wegen des klärte, dass es Herr Gollnisch gewesen verlangt, Gollnisch solle „aus dem öffent-
Risikos einer „Störung der öffentlichen sei, der von ihm verlangte zu kommen‘.“ lichen Dienst geworfen und mit Lehrver-
Ordnung“ wurde Gollnisch erneut vom Drei Studierende wurden aus dem An- bot belegt“ werden.
Dienst suspendiert. Doch am 14. Januar lass des Gerangels mit den Rechtsextre- Unerwartete Unterstützung fand Goll-
hob der Conseil d’Etat, das oberste Ver- men verletzt, einer von ihnen am Kopf. nisch bei einem Herrn der so genannten
waltungsgericht, diese Maßnahme auf. Später am Tag wurden noch einige der feinen Gesellschaft: bei Raymond Barre,
Das Hauptargument dabei war, Gollnisch Rechtsextremen, die nach vollbrachter Tat der früher Oberbürgermeister von Lyon
brauche sich nicht das Verhalten seiner und einiger Zeit des Wacheschiebens vor und (von 1976 bis 81) französischer Pre-
GegnerInnen anrechnen zu lassen; das Gollnischs Hörsaal, in einem nahen Bistro mierminister war. Barre, der ebenfalls
durch die Verwaltung geltend gemachte mit Tränengas besprüht. Nach Angaben Hochschullehrer ist, erklärte am 3. Febru-
Störungsrisiko gehe von den Gollnisch der Rechtsextremen ging die Initiative ar im Parlamentsfernsehen zwar zunächst,
feindlich gesonnenen Gegendemonstran- dazu von Studenten jüdisch-nordafrikani- die extreme Rechte ziehe „Grundwerte
ten aus. Davon unberührt sei die noch scher Herkunft aus. ins Lächerliche“. Doch er fügte hinzu:
ausstehende Entscheidung des Diszipli- Dieser Auftritt Gollnischs und seiner „Ich kenne Herrn Gollnisch gut, das ist
narausschusses gegen Gollnisch, der sei- Handlanger kam bei den Hochschulbe- ein Kollege. Er lässt sich manchmal von
nerseits Sanktionen aussprechen könne. hörden nicht sehr gut an. Dieses Mal war einer exzessiven Sprache mitreißen, aber
Doch dieses Mal kehrte Gollnisch nicht es der französische Bildungsminister Fra- er ist eine anständige Person. Er macht
allein an die Universität zurück, wo ihn 50 nçois Fillon persönlich, der Gollnisch von Äußerungen... aber ich würde sagen, das
TeilnehmerInnen einer friedlichen Sitz- Paris aus vom Hochschuldienst suspen- entwischt ihm. Im Grunde glaube ich
blockade vor dem Hörsaal erwartete. dierte, nachdem er durch den Universi- nicht, dass er daran glaubt.“ BhS ■
Gollnisch hatte ein halbes Dutzend kurz-
geschorener junger Männer im Gefolge, Marine Le Pen und Bruno Gollnisch im Wirbel um den jüngsten Le Pen-Skandal:
die ihrerseits vor dem (bereits von Ord-
nungskräften der Universität bewachten)
Hörsaal Stellung bezogen. Mehrere von
Rückzug der Hoffnungs-
ihnen dürften eindeutig keine Studieren-
den der Hochschule Lyon-III sein.
Auszüge aus einem Stimmungsbericht
trägerin?
der Tageszeitung „Libération“ (vom 3. Marine Le Pen ist nicht nur die ge. Das war einmal. Seit den jüngsten Er-
Februar): „Sie (die Kurzgeschorenen) jüngste Tochter des Front Natio- klärungen höchster FN-Funktionäre sieht
kontrollieren die Eintritte an der Tür des nal-Chefs, sie war auch die Zu- sie ihre Kommunikationsstrategie geschei-
Hörsaals. Einer von ihnen erklärt: ,Wir kunftshoffnung des alternden Parteigrün- tert oder jedenfalls schwer gefährdet.
sind da, um Bruno zu beschützen‘. Er sagt ders, der im kommenden Juni 77 wird. Im Oktober 04 hatte Bruno Gollnisch,
,Wir‘ und spricht dabei vom Front Natio- Seit dem Ausgang der Präsidentschafts- „Nummer Zwei“ in der Parteihierarchie,
nal, aber er beeilt sich hinzuzusetzen, er wahl vom Frühjahr 2002 hatte sie an der die Existenz der Gaskammern öffentlich
sei ,vor allem als Student von Lyon-III Strategie gearbeitet, dem Front National in Zweifel gezogen. Marine Le Pen er-
hier‘. Ein anderer, älter und nervöser, läuft ein jüngeres und „moderneres“ Gesicht zu klärte auf RTL ihre „ehrliche und eindeu-
krakeelend herum. Er ruft ,Frankreich den geben als die derzeit ansonsten tonange- tige Missbilligung“, bevor sie kurz darauf
Franzosen‘ und ,Schwulenbande‘, dann benden Altfaschisten, ultrakatholischen im Politischen Büro der Partei – „unter
hebt er die Hand und kündigt an, seine Fanatiker und Veteranen der Kolonialkrie- Druck“, wie sie selbst erklärte – einer

10 : antifaschistische nachrichten 3-2005


„Solidaritätserklärung“ für Gollnisch als sondern vielmehr „durch die Kommenta- Der Generalsekretär des FN, Carl
angebliches Opfer einer Hexenjagd zu- re“ dazu. Denn „es ist in der Tat schwer, Lang, sieht sich veranlasst, in „Le Mon-
stimmte. Dann aber erklärte ihr eigener das Übermaß an Verteufelung zu ertragen, de“ anzuerkennen: „Ein Zehntel der Ak-
Vater im Januar die Periode der Besat- das auf die geringste Äußerung“ seines tivisten und Kader will von diesem The-
zung Frankreichs durch Nazideutschland Parteichefs hin erfolge. ma (Anm.: der Relativierung der NS-
für „nicht besonders inhuman“. Damit hat Gollnisch nicht nur argu- Verbrechen) reden. Ein Zehntel ist der
Wie erstmals durch einen Bericht der mentativ die Kurve bekommen, sondern Auffassung, es sei eine Schande, die offi-
Tageszeitung Le Parisien vom 26. Januar zugleich auch noch Marine Le Pen als zielle Geschichtsversion in Frage zu stel-
05 publik und – trotz offiziellem Dementi „Weichei“ hinstellen können. Es spricht len. Der Rest will von etwas Anderem re-
durch den FN – alsbald durch andere Be- ein wohl gut platzierter Anwärter auf die den.“ (LM, 4. Februar) Unter den erstge-
richte bestätigt wurde, hat Marine Le Pen Nachfolge des Jean-Marie Le Pen... nannten 10 Prozent dürfte sich wohl ein
sich nach mehrtägiger Denkpause aus den Jean-Marie Le Pen: „Entdiabolisie- Gutteil der Hardliner befinden, die sich
Führungsgremien der Partei zurückgezo- rung“ gut oder nicht? als Aktivisten in direkter Kontinuität zu
gen. Demnach lässt sie ihre Ämter im Bu- den historischen faschistischen Bewe-
reau exécutif, dem obersten Führungsgre- Letzterer Variante zur Erklärung von Ma- gungen begreifen. Das bedeutet nicht,
mium der Partei, und wahrscheinlich auch rine Le Pens Rückzug hat sich mittlerwei- dass jene Parteimitglieder, die vielleicht
im Bureau politique – dem zweithöchsten le auch der Papa angeschlossen. In einem eine weniger weite historische Perspekti-
Gremium – ruhen, ohne sie formal nieder- Interview mit der Tageszeitung „Le Pari- ve haben und sich weniger als ideolo-
zulegen. Ihre eigene Vereinigung ,Généra- sien“ vom 2.2.05 äußerte Le Pen sich in gisch gefestigte Kader begreifen (oder
tions Le Pen‘, die vor allem die jüngeren diesem Sinne. Er fügte hinzu: „Ich verste-
Parteikader im Alter bis 40 zusammen- he sie: Ich, ich habe ein Leder wie ein
Dem Politbarometer des „Figaro
bringen sollte, wird ihre Aktivitäten ein- Krokodil und ich bin gepanzert. Die jun-
Magazine“ vom 5/6. Februar zu-
stellen. gen Leute haben da eine sensiblere Haut.
folge befindet sich der FN (im Rah-
Hingegen wird sie ihre Mandate im Eu- Marine leidet
men des „Sympathiespiegels“ der
ropa- und im Pariser Regionalparlament, für ihren
verschiedenen Parteien) momentan
im letzteren hat sie auch den Vorsitz der Papa. Denn
bei nur 7 Prozent „positiven Mei-
FN-Fraktion inne, weiterhin behalten. Im bei uns be-
nungen“ und 84 Prozent „negati-
Pariser Regionalrat sprach sie am vorigen steht Famili-
ven Meinungen". Üblicherweise ist
Dienstag (25.1.) auch zur Haushaltsvorla- enliebe.“
die Prozentzahl der positiven Ein-
ge; es war ihr erster öffentlicher Auftritt Neben die-
stellungen zum FN zumindest zwei-
seit dem jüngsten Skandal. Bis dahin hat- sem Seifen-
stellig.
te sie eine gute Woche mehr oder minder o p e r- R ü h r -
schmollend im Familienhaus Jean-Marie stück ging
Le Pens im bretonischen Trinité-sur-Mer Jean-Marie aber eine „Modernisierung“ und Image-
verbracht, zusammen mit ihren drei Kin- Le Pen auch glättung anstreben), dadurch sympathi-
dern, nachdem sie (so wird jedenfalls kol- kurz auf die schere und humanistischere Ansichten
portiert) diesem angeblich zuvor von An- strategischen vertreten würden.
gesicht zu Angesicht ihre Meinung ge- Fragen für seine Partei ein. Im Interview „Le Monde“ berichtet in derselben
geigt habe. mit dem „Parisien“ bestreitet er, dass die Ausgabe, die Parteibasis des FN sei an-
Dagegen wird Marine Le Pen an der wiederholten Skandale im Zusammen- gesichts des Sturms der Empörung, der
FN-Kampagne zur französischen Volks- hang mit Äußerungen über den Zweiten ihnen in den letzten drei Monaten aus
abstimmung über den EU-Verfassungs- Weltkrieg und die NS-Taten zu „irgend ei- den Medien entgegen schlug, eher per-
entwurf, die voraussichtlich im Juni statt- ner Strategie“ gehörten. Er habe „niemals plex. „Viele denken an (die Präsidenten-
findet, aktiv teilnehmen. Aber sie will nur die Dämonisierung (diabolisation) des FN wahl)) 2007 und reden von den Schwie-
unter Ausschluss der Presse auftreten. gewollt oder gesucht“. Und fügt hinzu: rigkeiten, die die Kader und Aktivisten
Bisher hatte sie stets sehr auf Medienrprä- „Die Strategie des FN bestimmt sich nicht haben werden, um die 500 Unterschrif-
senz und die Anwesenheit von Kameras im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg. ten von Bürgermeistern und Mandatsträ-
bei all ihren Aktivitäten geachtet. Im kom- 60 Jahre danach wollen die jungen Leute gern aufzutreiben“, die notwendig sind,
menden September dann will Marine Le von diesen ollen Kamellen nichts mehr um eine Kandidatur zu den Präsident-
Pen ein Buch herausbringen, in dem sie hören. Sie sagen: ,Geht das schon wieder schaftswahlen anmelden zu können.
ihre Strategie näher darleget los? Genug!‘“ Jacques Bompard, der monentan ein-
Ein (nicht namentlich genanntes) Mit- Im Übrigen, so Le Pen, „gibt es keine zige FN-Bürgermeister einer Stadt
glied im Politischen Büro des FN wird in Hardliner beim FN. Lediglich meinen Ei- (Orange), meldet sich ebenfalls in der
,Libération‘ vom 27. Januar mit den Wor- nige, angesichts des intellektuellen Terro- oben zitierten Ausgabe von „Le Monde“
ten zitiert: „Bisher hat sie (Marine Le rismus, der bezüglich bestimmter Themen zu Wort. Es müsse ein Parteikongress
Pen) es immer leicht gehabt. Und jetzt, herrscht, sei es besser, keine Risiken mit einberufen werden, fordert er, auf dem
beim ersten Kanonenstoß, legt sie sich diesen Themen einzugehen.“ Er selbst auch die mögliche Abwahl Jean-Marie
flach auf den Boden.“ Dass rechtsextreme „sehe das (aber) anders“. Als Richtlinie Le Pens von der Parteispitze und die
Funktionäre die politische Auseinander- gab er die schwammige Direktive aus: Aufstellung des nächsten Präsident-
setzung mit Vokabeln aus dem Bereich „Die Vergangenheit darf die Gegenwart schaftskandidaten offen debattiert wer-
von Militär und Krieg beschreiben, ist als nicht erschlagen, aber darf auch nicht ver- den müssten.Die Partei müsse von Grund
solches nicht ungewöhnlich – aber die steckt werden.“ Von einem Rückzug sei- auf neu aufgebaut werden, wobei die
Tochter des Chefs so hämisch zu kritisie- ner Tochter wisse er im Übrigen nichts. Strukturierung mit der Herausbildung lo-
ren, ist es schon. Innerparteilicher Unmut kaler Kader und der Gewinnung kommu-
Der „Generalbeauftragte“ des FN, Bru- naler Mandate beginnen müsse.
no Gollnisch, erklärte bezüglich Marine Der Hintergrund für diese eiernden Aus- Jean-Marie Le Pen reagierte auf dieses
Le Pen, ihr – vorläufiger? – Rückzug wer- lassungen Jean-Marie Le Pens ist, dass Interview, auf Nachfrage von Journalis-
de falsch interpretiert: Die Tochter des es anscheinend tatsächlich einen wach- ten, mit den Worten: „Ich kenne diese
Parteichefs sei nicht aufgrund der Äuße- senden innerparteilichen Unmut seit den Person nicht.“
rungen Jean-Marie Le Pens schockiert, sich häufenden, jüngsten Skandalen gibt. Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 3-2005 11


: ausländer- und asylpolitik
Eine dem Eingabenausschuss unterge-
ordnete Härtefallkommission würde we-
der den rechtlichen Anforderungen des
Aufenthaltsgesetzes noch den Qualitäts-
Anklage wegen Online- dert“ habe. Dazu Libertad: „Politisch und ansprüchen professioneller Beurteilung
Demo gegen Lufthansa- moralisch souverän blicken wir einem von humanitären Einzelfällen entspre-
Abschiebegeschäft Prozess entgegen, der für die Lufthansa chen.
AG nur mehr Peinlichkeiten an die Öf- Hamburg benötigt dringend eine fach-
Frankfurt. „Wenn Konzerne, die mit fentlichkeit tragen wird, als dies vor und kompetent besetzte Härtefallkommis-
Abschiebungen Geld verdienen, ihre während der Online-Demo bereits der sion. Täglich machen restriktive und hu-
größten Filialen im Netz aufbauen, dann Fall war. Im Übrigen entscheiden wir manitäre Belange ignorierende Verwal-
muss man auch genau dort demonstrie- selbst, was wir richtig finden, gegen Ab- tungsentscheidungen über die Abschie-
ren.“ so hieß es in einem Aufruf zur On- schiebungen zu tun! Das World Wide bung von hier geborenen und/oder aufge-
line-Demo gegen die Lufthansa. Zur Er- Web ist ein öffentlicher Raum. Wir wer- wachsenen Kindern, hier gut integrierten
innerung: Im März 2001 begannen die In- den auch in Zukunft zu den neuen Pro- Familien, kranken oder in ihrem Her-
itiativen „Libertad!“ und „Kein Mensch test- und Widerstandsformen im Internet kunftsland aus anderen Gründen überle-
ist illegal“ mit der Mobilisierung zu einer aufrufen und uns an ihrer Organisierung bensgefährdeten Menschen Schlagzei-
Online-Demo im Zusammenhang mit der beteiligen!“ len. Die Spekulation Innensenator Na-
deportation.class-Kampagne gegen das Infos unter http:// go.to/online-demo gels, dass jährlich lediglich bis zu 20 hu-
Lufthansa-Abschiebegeschäft. Unter- und www.libertad.de/ manitäre Härtefälle zu entscheiden wä-
stützt und zur Aktion aufgerufen wurde inhalt/projekte/depclass ren, geht vollkommen an der realen Be-
von rund 250 Gruppen und Einzelperso- Presseerklärung der Kampagne darfslage vorbei.
nen aus den Bereichen der Menschen- Libertad, 24.1.05 ■ Die vielfältigen Erfahrungen der Bera-
rechtsarbeit, der Asylpolitik, von Ge- tungsstellen lehrten auch, dass den Mit-
werkschaften und NGO’s. (u.a. José Härtefallkommission unter gliedern einer potentiellen Härtefallkom-
Bové („Confédération paysanne“’, Fran- mission ein hohes Maß an interkulturel-
ce), Bundesarbeitsgemeinschaft Kriti- Kontrolle der Innenbehörde ler, asyl- und ausländerrechtlicher und
scher PolizistInnen (Hamburger Signal) zielgruppenspezifischer Fachkompetenz
e.V. und SAFERCITY.DE, Internationa- Hamburg. Seit Inkrafttreten des „Zu- und vor allem Zeit abverlangt werden
les Sekretariat der CNT und Syndicat de wanderungsgesetzes“ im Januar können müsse. Alles Kriterien, die bekannterma-
L’Industrie Informatique CNT-SII aus die Bundesländer Härtefallkommissio- ßen bei Bürgerschaftsabgeordneten nicht
Frankreich, Antiapartheidsgruppe Kiel, nen einrichten, die Menschen ohne die zur regelmäßigen Grundausstattung ge-
Centro de Documentación en Derechos rechtlichen Voraussetzungen eine Auf- hören.
Humanos „Segundo Montes Mozo S.J.“, enthaltserlaubnis gewähren, wenn „drin- Andere Bundesländer machen seit
Quito, Ecuador). gende humanitäre und persönliche Grün- Jahren gute Erfahrungen dabei, dem ho-
Am 20. Juni 2001, am Tag der Haupt- de die weitere Anwesenheit des Auslän- hen Kompetenzbedarf durch Einbindung
versammlung der Lufthansa AG in Köln, ders im Bundesgebiet rechtfertigen“ (§ von fachlich versierten VertreterInnen
war es soweit: Mehr als 10.000 Teilneh- 23 AufenthG). der Kirchen, der Verbände und Migra-
mer/innen brachten mit ihren Zugriffen Inzwischen hat auch der Hamburger tionsfachstellen in ihre Härtefallkommis-
auf die Lufthansa-Webseite den digitalen Senat dem Namen nach eine solche sionen gerecht zu werden.
Kranich ins Wanken, die Seite war zeit- Kommission eingerichtet – nützen wird Diese Erfahrungen und die bestehen-
weise lahmgelegt. sie den Betroffenen nichts. Das Gre- den fachlichen Bedarfe berücksichti-
„Nötigung“ und „Anstiftung zur Nöti- mium soll als Unterausschuss des Einga- gend, befürworten die kirchlichen
gung“ war das aus Sicht der Frankfurter beausschusses aus drei Mitgliedern der Flüchtlingseinrichtungen für Hamburg
Staatsanwaltschaft, die auf eine Anzeige Bürgerschaftsfraktionen bestehen, wird die Schaffung einer echten Härtefall-
der Lufthansa AG hin am 17.10.2001 ausschließlich auf Vorschlag eines der kommission als eigenständiges Gre-
eine Razzia bei Libertad! durchführen Mitglieder tätig und darf nur bei Zustim- mium, die von je zwei VertreterInnen der
ließ. Insgesamt zehn Computer und wei- mung aller Kommissionsmitglieder le- Innenbehörde, der Religionsgemein-
tere Datenträger wurden beschlagnahmt, diglich „Empfehlungen“ an die Innenbe- schaften, der Wohlfahrtsverbände und
und befinden sich zum größten Teil bis hörde abgeben. Ausgeschlossen sind also von Migrationsfachstellen gebildet wird.
heute im Besitz der Frankfurter Polizei. Flüchtlingsverbände, Menschenrechtsor- Eine bei der Innenbehörde eingerichtete
Im Mai 2004 wurde Libertad! von Sei- ganisationen, Wohlfahrtsverbände, Kir- Geschäftsstelle müsste den Zugang der
ten der Staatsanwaltschaft die Möglich- chen etc. Die AG Kirchliche Flüchtlings- Anrufenden zur Härtefallkommission in
keit eines Vergleichs zur Einstellung des arbeit Hamburg der Nordelbischen Kir- jedem Einzelfall gewährleisten. ■
Verfahrens signalisiert. Voraussetzung che hat die Entscheidung des Senats, kei-
war ein „Schuldeingeständnis“ und der ne unabhängige Härtefallkommission Keine Auslieferung des kur-
Verzicht auf Rückgabe der beschlag- einzurichten, scharf kritisiert und ein ei-
nahmten Gegenstände. Libertad! lehnte genes Konzept vorgelegt. Im Folgenden dischen Politikers Dr. Remzi
und lehnt dies ab, da sie Protest und ihre Presseerklärung vom 12.1. Kartal an die Türkei!
Widerstand gegen das tödliche Geschäft bab ■ Der kurdische Politiker Dr. Remzi Kartal
mit den Abschiebungen nach wie vor für Kirchliche Flüchtlingsarbeit fordert ist auf Ersuchen der Türkei am 22. Janu-
absolut legitim und notwendig halten. echte Härtefallkommission. ar 2005 in Nürnberg von der deutschen
Mit Datum 28.12.2004 hat nun die Vorschlag des Senats wird als Polizei festgenommen worden. Er wollte
Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main An- ungenügend abgelehnt dort an einer Kulturveranstaltung teil-
klage beim Amtsgericht gegen den An- Die Arbeitsgemeinschaft Kirchliche nehmen. Kartal droht jetzt die Ausliefe-
melder der Internet-Domains „www.li- Flüchtlingsarbeit Hamburg lehnt das am rung an die Türkei, wo er wegen seines
bertad.de“ und „www.sooderso.de“ er- Dienstag von Innensenator Nagel ange- gewaltfreien politischen Engagements
hoben, da er „durch Verbreiten von kündigte Modell einer Härtefallkommis- für die Rechte der Kurden als „Terrorist“
Schriften zu einer rechtswidrigen Tat – sion für Hamburg ab und legt ein eigenes gesucht wird. Remzi Kartal war ehemali-
Nötigung gemäß §240 StGB – aufgefor- Konzept vor. ger Abgeordneter des türkischen Parla-

12 : antifaschistische nachrichten 3-2005


ments für die prokurdische Demokratie-
partei DEP. Er lebt seit 1994 in Brüssel, Den Tag der Befreiung erlebte in
weil in der Türkei durch das Verbot der
DEP und der Verhaftung ihrer Abgeord- Auschwitz kein einziger Roma...
neten keine Basis für eine legale politi-
sche Betätigung mehr vorhanden war. Denn bereits am 2. August 1944 zu Waisen geworden und mussten sich
Seitdem setzt er in Europa seinen demo- waren die letzten 3000 Angehöri- bettelnd durchschlagen. Weil die Nach-
kratischen Kampf in unterschiedlichen gen der Minderheit ins Gas ge- kriegszeit auf dem Balkan wie bei uns
Institutionen, wie dem Kurdistan Natio- führt worden. Ihr verzweifelter und muti- diese überlebenden „Zigeuner“ weiter
nalkongress und zuletzt als stellvertre- ger Aufstand gegen die drohende Ver- diskriminierte, schafften es nur wenige
tender Vorsitzender des Volkskongress nichtung im Mai 1944 war niederge- sich zu integrieren.
Kurdistan KONGRA-GEL fort. Die schlagen worden. Heute haben wir die Chance etwas
kürzlich nach zehnjähriger Haft freige- Jedes Jahr besuchen Tausende von gutzumachen, so wie es für jüdische
kommene ehemalige DEP-Abgeordnete Roma das ehemalige KZ und gedenken Überlebende glücklicherweise längst
Leyla Zana wurde wegen ihres Eintre- vor den Trümmern der gesprengten Gas- selbstverständlich ist, von denen über
tens für eine demokratische Lösung der kammern ihrer Toten. Roma erleben es 100.000 Bleiberecht bekommen haben.
kurdischen Frage mit dem Friedenspreis als furchtbar, dass sie für ihre ermordeten Die Vorsitzende des Rom e.V. Frau Pfar-
des Europaparlaments ausgezeichnet. Angehörigen keine Grabstätte haben rerin Renate Graffmann fordert deshalb:
Für das gleiche Engagement droht ihrem können, wo sie die Zwiesprache mit den „Wir erwarten von den Kölner Behör-
Kollegen Remzi Kartal jetzt die Auslie- da liegenden Toten fortsetzen. Welche den, dass endlich für die seit teilweise 15
ferung als angeblicher „Terrorist“ an die Bedeutung solche Gräber für Roma und Jahren in Köln „geduldeten“ Romafami-
Türkei. Sinti haben, kann man auf dem Kölner lien ein fester Aufenthalt möglich ge-
Remzi Kartal ist in Belgien als Flücht- Westfriedhof erkennen, wo große Mar- macht wird. Denn die ständige Abschie-
ling anerkannt. Wenn sich deutsche Be- morgräber von der Verehrung für ihre bedrohung vereitelt alle Integrationsan-
hörden über diesen Flüchtlingsstatus in Ahnen zeugen. strengungen. Wir fordern vor allem, dass
einem Nachbarland hinwegsetzen, ist 1000 Sinti und Roma waren am 16. die Stadt auch endlich jene Kinder in
dies ein eklatanter Bruch internationalen Mai 1940 unter den Augen der Kölner Ruhe lässt, die in den pädagogischen
Rechts. Gerade erst hat der Gerichtshof Bürger in die Lager verschleppt worden, Einrichtungen betreut werden, die das
in Den Haag die Auslieferung der in Hol- unter tatkräftiger Beihilfe von Stadt-Köl- Kölner Jugendamt für Romakinder initi-
land lebenden Nuriye Kesbir mit der Be- ner Beamten, von Kölner Polizisten und ierte. Dazu gehört auch das hoffnungs-
gründung abgelehnt, ihr würden als be- Kölner Krankenschwestern, die für die volle Projekt „Amaro Kher“ des Rom
kannter kurdischer Politikerin in der Tür- Entlausung in der Messe zuständig wa- e.V.. Wie sollen die Kinder lernen und
kei Misshandlung und Folter drohen. ren. ihr Verhalten ändern, wenn sie – wie in
Dasselbe gilt für Remzi Kartal, wenn er Viele der unter uns lebenden Roma ha- den letzten Wochen – nachts wach blei-
an die Türkei ausgeliefert werden sollte. ben bei uns vor den Balkankriegen Zu- ben und in Kleidern schlafen, weil sie
Mit dem jetzigen Vorgehen erschwert flucht gesucht. In Belgrad verkündete damit rechnen am Morgen abgeholt zu
die Bundesrepublik Deutschland eine de- der deutsche Oberbefehlshaber schon werden. Wer diesen Schutz vor Abschie-
mokratische Lösung der kurdischen Fra- 1942 stolz „Serbien ist das einzige Land, bedrohung nicht garantieren kann, will
ge. Gleichzeitig schadet sie den Demo- in dem die Juden- und Zigeunerfrage ge- im Grunde keinen Erfolg der pädagogi-
kratisierungsbestrebungen in der Türkei löst ist“. Die Nachkommen der wenigen schen Projekte.“
und leistet der Folterpraxis, den Men- Überlebenden leben heute unter uns. Vie- Köln am Vorabend des 27.1.2005
schenrechtsverletzungen, sowie der Assi- le überlebten, weil sie noch rechtzeitig Synodalbeauftragte für Sinti und
milations-, Verleugnungs- und Vernich- flüchten konnten oder von Partisanen ge- Roma Renate Graffmann, Pfarrerin i.R.
tungspolitik des türkischen Staates schützt wurden. Aber viele waren auch Vorsitzende des ROM e.V. ■
gegenüber den Kurden Vorschub.
Wir fordern die Bundesregierung und
die Bayerische Landesregierung auf, Kurden protestieren gegen floh Kartal nach Europa, wo er in Bel-
eine Auslieferung Remzi Kartals an die Festnahme von Remzi Kartal gien Asyl erhielt. Er setzte sich seitdem
Türkei zu verhindern und ihn unverzüg- unter anderem im Kurdischen Exilparla-
lich frei zu lassen. Nürnberg. Rund 1000 Kurden demon- ment und dem Kurdischen Nationalkon-
strierten am Sonnabend in Nürn- gress für eine friedliche und politische
berg für die Freilassung des kur- Lösung der kurdischen Frage ein. In der
dischen Politikers Remzi Katal. kommenden Woche soll ein Gericht über
Die von einem großen Polizeiauf- die Auslieferung von Kartal entscheiden.
gebot begleiteten Demonstranten Die Türkei wirft ihm als führendem Poli-
aus mehreren süddeutschen Städ- tiker der PKK-Nachfolgeorganisation
ten zogen vom Johanneskirch- Kongra-Gel die Verantwortung für den
platz im Stadtzentrum zum Jus- Bombenanschlag auf ein Hotel in Istan-
tizpalast. bul im vergangenen Jahr vor. Menschen-
Der dort inhaftierte stellvertre- rechtsorganisationen warnen vor Folter
tende Vorsitzende des Kurdistan und Misshandlungen, wenn der kurdi-
Volkskongresses Kongra-Gel war sche Politiker an die Türkei ausgeliefert
vor einer Woche in Nürnberg auf- werden sollte. Mehr als 50 Persöhnlich-
grund eines türkischen Haftbe- keiten aus dem In- und Ausland, darunter
fehls verhaftet worden. Politiker von PDS und Grünen, Gewerk-
Zusammen mit Leyla Zana schafter, Hochschullehrer, Journalisten
wurde Remzi Kartal 1991 ins tür- und Schriftsteller haben inzwischen ei-
kischen Parlament gewählt. Als nen Aufruf gegen die Auslieferung von
seine prokurdische Demokratie- Kartal unterzeichnet.
partei DEP 1994 verboten wurde, Nikolaus Brauns ■

: antifaschistische nachrichten 3-2005 13


Aktionen der Friedensbewegung am 12. Februar in München und am 23. Februar
in Mainz:

Für Frieden und Gerechtigkeit weltweit


Die jährlich stattfindende so ge- Welt“. Sie wollen ihre wirtschaftlichen reits heute ist Deutschland drittgrößter
nannte Sicherheitskonferenz in Interessen und ihre globalen Machtan- „Truppensteller“ bei internationalen Mi-
München ist ein Treffen von Re- sprüche notfalls mit militärischer Gewalt litäreinsätzen. Militarisierung nach au-
gierungsvertretern aus den gegen den Rest der Welt durchsetzen. ßen und Demontage des Sozialsystems
NATO-Staaten, von Militärstrategen, Folgen einer solchen Gewaltpolitik sind nach innen sind zwei Seiten einer Me-
Generälen und Rüstungsexperten. Die im globale Verarmung, Zerstörung demo- daille: Mit der Durchsetzung von „Agen-
Nobelhotel Bayerischer Hof hinter ver- kratischer und sozialer Rechte und die da 2010“ und „HartzIV“ betreibt die Al-
schlossenen Türen tagenden und von ei- Vernichtung natürlicher Lebensgrundla- lianz aus Unternehmern, Kapitaleignern
ner gigantischen Polizeimacht geschütz- gen. Die Kriege der jüngsten Zeit haben und der großen parlamentarischen „Re-
ten EU- und NATO-Repräsentanten be- dies gezeigt. Wir wenden uns gegen ein formkoalition“ (CDU/CSU, SPD, Grüne,
haupten, bei der Konferenz gehe es um System, das sich ausschließlich am Profit FDP) mit dem Argument der globalen
Frieden und internationale Sicherheit. orientiert und das sowohl in Friedens- Standortkonkurrenz Sozialkahlschlag.
Das Gegenteil ist der Fall: Hier werden wie in Kriegszeiten über Leichen geht. Weltweiter Protest gegen diese men-
Militärstrategien koordiniert, Pläne für Dazu gehören die hermetische Abschot- schenfeindliche Politik der kapitalisti-
gemeinsame Kriegseinsätze abgespro- tung der Außengrenzen der EU und der schen Globalisierung hat sich entwickelt,
chen und Kriegskoalitionen für Angriffs- USA gegenüber Flüchtlingen und Mi- wo immer sich die neoliberalen Kriegs-
kriege geschmiedet. 1999 war es der grantInnen – und in Deutschland: rassis- und Wirtschaftsstrategen trafen: in Seatt-
NATO-Krieg gegen Jugoslawien, 2002 tische AusländerInnengesetze, die Ab- le, Genua, Prag, Davos, Barcelona und
der sogenannte „Krieg gegen den Ter- schaffung des Asylrechts, Naziterror und München, aber auch durch die seit Porto
ror“, 2003 ging es um die Beteiligung am Mord. Seit Jahren ist der konsequente Alegre entstandene Sozialforumsbewe-
Angriffskrieg gegen den Irak und 2004 Aufbau eines militärischen Drohpotenti- gung.....
stand die Besatzungsherrschaft im Irak als Bestandteil der EU-Politik. Dazu ge- Samstag, 12. Februar 12 Uhr, München,
auf dem Programm. Die wirtschaftlich hört unter anderem auch die in der vorge- Marienplatz, Demonstration zum Tagungsort
und politisch Mächtigen der Welt, insbe- sehenen EU-Verfassung festgeschriebe- der Militärstrategen
sondere der USA, Deutschlands und der ne Verpflichtung zur Aufrüstung: So Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonfe-
anderen EU-Staaten, beanspruchen für werden in Deutschland für neue Rüs- renz, Infos: www.no-nato.de / www.muenchner-
friedensbuendnis.de / www.attac-muenchen.org
sich das Recht „auf ungehinderten Zu- tungsprogramme in den nächsten zehn www.muenchen-gegen-krieg.de
gang zu Märkten und Rohstoffen in aller Jahren 150 Mrd. Euro veranschlagt. Be-

Während Horst Teltschik, der Pressekonferenz des Aktionsbündnisses gegen die NATO-Sicherheitskonferenz
Veranstalter der sogenannten
41. Münchner Sicherheitskon-
ferenz vom 11. bis 13. Februar, mit
„Friedenswatte“
„höchster politischer Prominenz“ für durch Dialog“ und UN-Generalsekretär fahr wieder ins Bewusstsein der Bürger zu
das Treffen der Kriegsstrategen wirbt, Kofi Annan soll mit einer Friedensplaket- tragen und ein Diskussionsklima über
bereitet die Antikriegsbewegung sich te ausgezeichnet werden. Trotz dieser ge- Wege zum Frieden zu schaffen, warb We-
auf Proteste vor. änderten Außendarstellung gehe es um cker für eine von pazifistischen Gruppen
die Planung derzeitiger und zukünftiger organisierte Friedenskonferenz am 11.
Erstmals werden Bundeskanzler Gerhard Kriege, so Pflüger, der in diesem Zu- Februar und die Großdemonstration am
Schröder, Bundespräsident Horst Köhler sammenhang insbesondere an die jüng- folgenden Tag. Obwohl der Münchner
sowie der Generalsekretär der Vereinten sten Drohungen der US-Regierung gegen Oberbürgermeister Christian Ude die
Nationen Kofi Annan an der Tagung von den Iran erinnerte. städtische Unterstützung für die Friedens-
Verteidigungsministern, hochrangigen Die Proteste des Aktionsbündnisses konferenz davon abhängig machte, dass
Militärs und Rüstungslobbyisten teilneh- richteten sich ausdrücklich nicht gegen die DKP als Mitveranstalter sowie ein
men, hatte Teltschik angekündigt. Die UN-Generalsekretär Kofi Annan, erklärte Satz, der die Angriffskriege der Bundesre-
Gegner der Konferenz können dagegen Demo-Organisator Claus Schreer. Ver- gierung thematisierte, aus dem Aufruf ge-
auf die stolze Zahl von über 60 Organisa- schiedene Friedensorganisationen fordern strichen wurde, sieht Wecker in Ude
tionen von anarchistischen und kommu- Annan allerdings dazu auf, seine Zusage „durchaus einen Verbündeten“.
nistischen Gruppen über die PDS bis zu für die Teilnahme an der Konferenz zu- „Einmütig“ habe der Vorstand des Ver-
Pax Christi und dem Verdi-Bezirk Mün- rückzuziehen. „Im Ergebnis würde Ihre di-Bezirks München die Teilnahme der
chen verweisen, die sich im Aktionsbünd- Teilnahme an dieser Konferenz, sowohl Gewerkschaft an den Protesten gegen die
nis gegen die NATO-Sicherheitskonfe- von den Veranstaltern als auch in der Öf- Sicherheitskonferenz beschlossen, berich-
renz zusammengeschlossen haben. fentlichkeit, als Billigung der militär- und tete der stellvertretende Münchner Verdi-
Inzwischen bestimmten die Kritiker die machtpolitischen Ziele der NATO inter- Vorsitzende Ernst Antoni. Hochrüstung
Agenda der Sicherheitskonferenz, mut- pretiert werden“, heißt es in einem offe- und Kriege nach außen seien die andere
maßte der parteilose Abgeordnete der eu- nen Brief des Bündnisses „München ge- Seite der Medaille von Sozialabbau im In-
ropäischen Linksfraktion Tobias Pflüger gen Krieg“. land, so Antoni. Schließlich habe Bundes-
auf einer Pressekonferenz des Bündnisses Nach dem Abklingen der Proteste ge- verteidigungsminister Struck selber er-
am Montag 24. Januar in München. Telt- gen den Irak-Krieg käme man sich heute klärt, die Agenda 2010 würde auch dem
schik sei durch die Proteste der Friedens- als Kriegsgegner wieder wie ein „Außen- Verteidigungshaushalt mehr Raum geben.
bewegung in den vergangenen Jahren ge- seiter“ vor, beklagte sich Liedermacher Als Erfolg der Antikriegsbewegung be-
zwungen worden, die Kriegskonferenz in Konstantin Wecker, der bereits in den letz- zeichnete Pflüger die Ankündigung Do-
„Friedenswatte“ zu verhüllen. So steht ten Jahren gegen die Sicherheitskonferenz nald Rumsfelds, nicht wie in den Vorjah-
das Treffen unter dem Motto „Frieden auf die Straße ging. Es gelte die Kriegsge- ren an der Sicherheitskonferenz teilzu-

14 : antifaschistische nachrichten 3-2005


nehmen. Offensichtlich ist der US-Vertei- Menschenrechtsorganisation „Center for Treffen zu Karfreitag 2005
digungsminister wegen einer gegen ihn Constitutional Rights“ in New York zu- in Dortmund
laufenden Strafanzeige beim Bundesge- rück. Die USA werden auf der Münchner
neralanwalt wegen seiner mutmaßlichen Konferenz durch die Nummer Drei des Das Internationale Rombergpark-
komitee und VVN-BdA NRW rufen
Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit Pentagon Douglas J. Feith vertreten sein. auf zur Begegnung der Hinterbliebe-
dem Irakkrieg verstimmt. Das Ermitt- Der neokonservative Hardliner Feith gilt nen des Nazi-Terrors von 1945
lungsverfahren, dessen Stichhaltigkeit als der zentrale Planer des Angriffs auf
noch von der Bundesanwaltschaft über- den Irak. Kurz bevor die Befreiung von Krieg und
prüft wird, geht auf eine Strafanzeige der Nick Brauns ■ Faschismus kam, wurden in beispiello-
sem Terror im Frühjahr 1945 viele Tau-

Bush in Europa unerwünscht send Antifaschistinnen und Antifaschis-


ten von den Nazis mit in den Untergang
gerissen. Sie sollten von der Mitgestal-
Anlässlich des Besuchs des US-Präsiden- rohe Machtpolitik der USA müssten die tung einer Nachkriegszeit ohne Nazis
ten George W. Bush in Deutschland wird Regierungen der Europäischen Union und Militaristen ausgeschlossen werden.
es nicht nur in Mainz, wo Bush Station klipp und klar Nein sagen. Die Bundesre- Während im Reichskanzleibunker der
macht, Massenproteste geben, sondern gierung wird aufgefordert, alle Maßnah- Führer auf seine Weise abdankte, such-
auch in vielen anderen Orten der Bundes- men, die die USA auf dem Schlachtfeld ten zahlreiche Naziführer und Vertreter
republik und in anderen europäischen Irak entlasten, sofort einzustellen und dem der Militär- und Wirtschaftseliten das
Ländern. „Not Welcome, Mr. Bush!“, ist US-Präsidenten die 2001 versicherte „un- Weite – nicht ohne zuvor die Vernich-
der Aufruf überschrieben, auf den sich die eingeschränkte Solidarität“ im sog. Kampf tung unzähliger deutscher und ausländi-
Friedensbewegung geeinigt hat. Zu die- gegen den Terrorismus aufzukündigen. scher Antifaschisten zu organisieren.
sem Ergebnis kam eine Aktionskonferenz, Mit Genugtuung registrierte die Friedens- Nach dem 8. Mai 1945 nahmen sie dann
zu der der Bundesausschuss Friedensrat- bewegung, dass US-Verteidigungsminister weiterhin Einfluss auf die Entwicklung
schlag am Wochenende nach Kassel ein- Donald Rumsfeld seinen Besuch bei der im Lande.
geladen hatte. Während bei einem regio- bevorstehenden Münchner Sicherheits- Im Januar 1945 hatten Gestapoleit-
nalen Treffen in Mainz zur selben Zeit die konferenz (12./13. Februar) abgesagt hat. stellen auf Anweisung des Reichsfüh-
große Bush-Demo am 23. Februar vorbe- Diese Absage ist offenbar darauf zurück- rers SS Heinrich Himmler und des Ge-
reitet wurde, berieten die Vertreter zahlrei- zuführen, dass beim Generalbundesanwalt stapo-Chefs Heinrich Müller vom Berli-
cher Friedensinitiativen und Organisatio- eine Klage gegen Rumsfeld wegen dessen ner Reichssicherheitshauptamt die Ge-
nen in Kassel, wie der Protest gegen die Verantwortung für den Folterskandal im stapokommandos und SS-Führungen
US-Kriegspolitik im ganzen Land verbrei- Irak eingereicht wurde. Rumsfeld werde, angewiesen, „umstürzlerischer“ Betäti-
tet werden könne. Die Versammlung be- so ist aus Washington zu vernehmen, gung deutscher Linker und ausländi-
schloss, am 22. Februar, dem Tag, an dem Deutschland nicht betreten, solange diese scher Arbeiter vorzubeugen – per Mas-
Bush in Europa ankommt, landesweit zu Klage nicht zurückgewiesen wird. Zu hof- senerschießungen. „Die Betreffenden
Aktionen aufzurufen. Am Tag darauf soll fen ist, dass eine entsprechende Klage sind zu vernichten“, hieß es in Befehlen
dann die Großdemonstration in Mainz auch gegen den obersten Repräsentanten dazu. Rund 8000 deutsche Soldaten
unterstützt werden. der USA eingereicht würde. Gründe dafür wurden als „Fahnenflüchtige“ in den
Die Friedensaktivisten waren sich darin gibt es zuhauf. Sollte eine solche Klage letzten Kriegsmonaten 1945 standrecht-
einig, dass die jüngsten militärischen dazu führen, dass auch Bush seinen Be- lich erschossen. Diese Massenmorde
Drohgebärden gegenüber dem Iran Ernst such in Deutschland absagt, dann wäre die wie auch die Massaker in den Konzen-
zu nehmen sind. Die US-Administration Friedensbewegung zwar um ein „event“ trationslagern und auf den Todesmär-
habe sowohl in ihrer Militärdoktrin vom ärmer, die USA aber um eine Erfahrung schen von den KZ nach Westen entspra-
„Präventivkrieg“ als auch in ihrer Praxis reicher: dass sich die Menschen in aller chen dem Nachkriegs- und Überlebens-
(Afghanistan, Irak) gezeigt, dass sie weder Welt gegen die fortgesetzte Gewaltpolitik konzept des deutschen Faschismus. Ge-
auf das Völkerrecht, noch auf die Verein- der USA erfolgreich zur Wehr zu setzen stapo-Chef Heinrich Müller versicherte
ten Nationen oder auf ihre NATO-Bünd- beginnen. der Frau von Graf Moltke: „Wir werden
nispartner Rücksicht nimmt, wenn sie ihre Bundesausschuss Friedensratschlag: nicht den gleichen Fehler machen, der
eigenen ökonomischen und geostrategi- Peter Strutynski ■ 1918 begangen wurde; wir werden un-
schen Interessen verfolgt. Gegen diese Infos zu Mainz: www.notwelcomebush.de sere innerdeutschen Feinde nicht am Le-
ben lassen.“ Und der Reichsführer SS
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
Heinrich Himmler drohte im März
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. 1945: „Sie werden mit uns verrecken!“
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Das Internationale Rombergparkko-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach mitee, unterstützt von der VVN-BdA in
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, NRW, plant für 2005 die Kontaktauf-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach,
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
nahme zu Gruppen aus möglichst vie-
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. len Orten mit Kriegsendphasenopfern.
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. Diese Kontakte sollen durch Vernet-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind zung, durch Korrespondenzen, aber
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. auch durch ein Treffen von Hinterblie-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- benen und ihren Mitstreitern in Dort-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung mund hergestellt werden.
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann.
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie Interessenten melden sich bei Gisa
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein- Marschefski, Generalsekretärin des
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Internationalen Rombergparkkomi-
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- tees, 44309 Dortmund, Caesariusstr.
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der 3, Tel. 0231 - 25 85 45. e-Mail: vvn-
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini- bdanrw@freenet.de.
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. mehr Infos: www.nrw.vvn-bda.de ■

: antifaschistische nachrichten 3-2005 15


: aus der faschistischen presse
gung. Die NPD ist das lebende schlechte
Gewissen der übrigen Parteien, die Exis-
tenzfragen des Volkes vernachlässigen –
REP NRW kandidieren aus Republikanerkreisen zu erfahren, in der Zuwanderungsfrage, bei den Fol-
Zum Neujahrsempfang der REP NRW verschiedene Kleinparteien einen ge- gen der Globalisierung, der Frage staat-
kamen nach Eigenangaben ca. 160 Teil- meinsamen Kongress der demokratischen licher Souveränität.“
nehmer nach „Schacht Bismarck“ in Rechten abhalten, um ihr Vorgehen abzu- Die immer unverhohlener an die
Gelsenkirchen. In ihrem Rückblick auf stimmen, Mitglieder zu motivieren und NSDAP-Vorgänger anknüpfende NPD
das Jahr 2004 verwies die Landesvorsit- Spender zu gewinnen. NPD und DVU ha- als „schlechtes Gewissen“ der Demokra-
zende Uschi Winkelsett auf die Erfolge ben derweil eine 5-Jahres-Vereinbarung tie zu bezeichnen zeugt davon, dass Stein
bei der Kommunalwahl, die eine Verdrei- geschlossen, in der sie ein gemeinsames sie als ernstzunehmenden Bündnispartner
fachung der Mandate gebracht habe. Die Vorgehen bei den nächsten Landtags-, unter den rechtsextremen Kräften be-
Aufstellung der 128 Direktkandidaten Bundestags- und Europawahlen verein- trachtet – etwas, das das Blatt in den letz-
für die Landtagswahlen in Mai sei be- bart haben. Zu den Bundestagswahlen ten Jahren vermieden hat.
reits so gut wie abgeschlossen, die 2005 soll die NPD kandidieren, zur Euro-
Sammlung der benötigten 15.000 Unter- pawahl 2009 die DVU.“ Wie lange der JF dokumentiert Landtags-
stützungsunterschriften laufe auf Hoch- Pakt hält, wird erheblich von den Wahler-
touren.Winkelsett kündigte „einen furio- gebnissen der nächsten Landtagswahlen debatte Sachsen
sen Wahlkampf“ an, dessen Höhepunkt abhängen, das heißt auch davon, ob es Junge Freiheit Nr. 6/05 vom 4. Feb. 2005
eine Großveranstaltung mit dem Bundes- den antifaschistischen Kräften gelingt, Das Blatt dokumentiert aus dem Proto-
vorsitzenden, Dr. Rolf Schlierer, sowie erfolgreich gegen die Wahl der Rechtsex- koll der 8. Sitzung des sächsischen Land-
Gastrednern von der flämischen Natio- tremen zu mobilisieren. tags die Debatte über den Antrag der
nalpartei „Vlaams Belang“ bilden werde. NPD-Fraktion „Verhalten der Sächsi-
PM REP-NRW, 31.1.05 ■ JF kokettiert mit der NPD schen Staatsregierung und des Landtages
zur Erinnerungs- und Gedenkveranstal-
NPD wirbt Republikaner ab Junge Freiheit Nr. 5/05 vom 28. Jan. 2005 tung zum 60. Jahrestag der angloameri-
Unter der Überschrift „Falsche Antwor- kanischen Terrorangriffe auf die sächsi-
– 5-Jahresvereinbarung mit ten – die NPD provoziert in Dresden und sche Landeshauptstadt Dresden“. Abge-
der DVU hat – teilweise – recht“ kommentiert sehen davon, dass Dresden im Jahr 1945
Junge Freiheit Nr. 4/05 vom 21. Jan. 2005 Chefredakteur Dieter Stein den Auftritt mitnichten sächsische Landeshauptstadt
Das Blatt berichtet, dass die Republika- der NPD-Abgeordneten am 21. Januar in war und die Flächenbombardements der
ner in den Ländern Schleswig-Holstein, Dresden: „Dass die NPD-Abgeordneten Alliierten am Ende des 2. Weltkrieges die
Hamburg, Niedersachsen und Sachsen den NS-Opfern die Ehrung verweigerten, Antwort auf das Mordbrennen der Wehr-
kaum noch existent seien, der Hamburger ist unerhört. Mit dem im Landtag provo- macht in ganz Europa und Nordafrika
Landesverband habe seine Auflösung zierten Eklat, zu dem die Reaktion der waren, zeigt sich in der Debatte, welche
vollzogen, die ehemalige Vorsitzende des übrigen Fraktionen beigetragen hat, wur- Geschichtsfälschungen die NPD verbrei-
sächsischen Landesverbandes sei inzwi- de aber ein Schlaglicht darauf gerichtet, ten will. Holger Apfel behauptet, die
schen Angestellte der NPD-Landtags- dass es in Deutschland noch immer an USA seien die wahren Mordbrenner der
fraktion. Nach dem Verlust der Landtags- der Fähigkeit mangelt, aller Opfer – das Geschichte: „Die gleichen, die damals
mandate in Baden-Württemberg im Jahr heißt auch aller eigenen Opfer zu geden- keine Skrupel hatten, Abertausende Zivi-
2001 seien die Republikaner mancherorts ken. Das Ausmaß der Irritation und der listen kaltblütig umzubringen, kennen
kaum noch präsent. Der Abgrenzungsbe- hysterischen Reaktion auf den Dresdner auch heute keine Skrupel. Von Dresden
schluss gegen die NPD, gefasst auf dem Eklat rührt auch daher, dass die NPD of- über Korea, Vietnam und Bagdad zieht
Bundesparteitag im November, bewegte fenkundig einen wunden Punkt berührt sich eine Spur durch das 20. Jahrhundert
manche ehemaligen oder Noch-Mitglie- hat ... Je lauter nun anstelle einer ernsten ... Die gleichen Massenmörder, die am
der der Republikaner zu einem Aufruf, inhaltlichen Auseinandersetzung hyste- 13. Februar Dresden ausgelöscht haben,
bei der Landtagswahl in Schleswig-Hol- risch über Verbote und Diskriminierungs- sind heute drauf und dran, neue Kriege
stein „und darüber hinaus“ die NPD zu maßnahmen im Zusammenhang mit der vom Felde zu ziehen.“ Und Jürgen Gan-
unterstützen. Das Blatt berichtet weiter: NPD diskutiert wird, desto größer wird sel, NPD: „Der Bomben-Holocaust von
„Im kommenden Frühjahr wollen, so war ihre demokratische Existenzberechti- Dresden steht ursächlich weder im Zu-
sammenhang mit dem 1. September 1939
noch mit dem 30. Januar 1933. Die Pläne
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
zur Vernichtung des Deutschen Reiches
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: existierten nämlich schon lange, bevor in
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Versailles der erste Nationalsozialist ge-
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
boren wurde.“ Holger Apfel gibt das Ver-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
sprechen ab, „dass wir Nationaldemokra-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
ten nicht eher ruhen werden, bis bei uns
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). in Deutschland keine neuen Gedenkstät-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
ten zur Anklage gegen das deutsche Volk
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) gebaut werden ... Wir werden nicht eher
ruhen, bis der 13. Februar in Deutschland
Name: Adresse: zum offiziellen Feiertag, zum offiziellen
Gedenktag für die Opfer von Krieg und
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts Vertreibung ernannt wurde.“ Die NPD
knüpft damit an die Propaganda der
Unterschrift NSDAP gegen die Versailler Verträge an
und versucht eine ähnliche Kampagne zu
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
starten, die an Antiamerikanismus und
Nationalismus anknüpft. uld ■

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