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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 26.5.2005 21. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Deutlich mehr rechts- Landtagswahlen in NRW:


extreme Straftaten
Berlin. Auf die monatliche Standardfra-
NPD+REP jeweils unter 1%
ge der Abgeordneten Petra Pau hat das Stimmenzuwächse in etlichen Großstädten
Bundesinnenministerium jetzt die Zah-
len für März 2005 bekannt gegeben, so- Während 2000 REP und NPD ge-
weit sie schon gemeldet wurden. Danach meinsam 85.653 Stimmen erhiel- Höchste Ergebnisse NPD REP
wurden im März 908 rechtsextreme ten sind es diesmal 141.241, die Bochum III/Herne II 2,2 1,0
Straftaten, darunter 44 Gewalttaten re- 0,8 und 0,9 % sind also zwar wenig, aber Duisburg III 2,2 1,4
gistriert, das sind wieder mehr als in den die Tendenz der absoluten Stimmen stei- Duisburg IV 1,9 1,6
vorangegangenen Monaten (Februar: gend. Und sie liegt höher als bei der letz- Oberhausen I 1,8 1,1
773, Gewalttaten: 41, Januar: 745, Ge- ten Bundestagswahl, der EU-Wahl und Gelsenkirchen I 1,7 1,8
walttaten: 39). In absoluten Zahlen wird der Kommunalwahl. Gelsenkirchen II 1,7 2,2
die Statistik angeführt durch die Länder Trotzdem waren die Erwartungen im Herne I 1,7 2,4
Nordrhein-Westfalen (164), Sachsen Rechten Lager groß. Mit Ausreden sind Kreis Aachen I 1,2 2,1
(156) und Brandenburg (142). Durch die sie dann auch nicht verlegen. Der
Gewalttaten wurden 100 Personen ver- Bundesvorsitzende der Republikaner, Die „Junge Freiheit“: „Bereits während
letzt und 1 getötet. Rolf Schlierer, hat dann schnell den des Wahlkampfes zeigten sich erste Brü-
Bei der Vorstellung des Verfassungs- Schuldigen gefunden: che in der vor einem halben Jahr ausge-
schutzberichtes 2004 stand für das BMI „Die Republikaner sehen die Hauptur- rufenen ,Volksfront von rechts‘, … Ob
trotzdem fest, dass das Hauptaugenmerk sache für ihre Niederlage bei der Land- der heterogene Zusammenschluss also
dem „ausländischen Extremismus“ zu tagswahl in Nordrhein-Westfalen in mas- bis zu möglicherweise vorgezogenen
widmen sei. Den Zuwachs rechtsextre- siven Behinderungen durch die Behör- Bundestagswahlen trotz dieser Rück-
mer Straftaten um 11,7, Prozent auf den und in der aufs äußerste zugestitzten schläge halten wird, erscheint unge-
12051 gemeldete Delikte 2004 betrachtet Polarisierung auf einen Machtwechsel in wiss.“
das BMI „mit Sorge“, meint aber, eini- Bund und Land.“ NPD und DVU werden versuchen, in
ges getan zu haben im Kampf dagegen. Die REP haben aber gegenüber der den neuen Bundesländern verstärkt
Antifaschistische Gegenwehr ist nach Landtagswahl 2000 an Stimmen (außer in Stimmen zu ergattern. Mit einer Schwer-
wie vor verdächtig: Zu den Objekten auf Aachen I ) verloren – vermutlich auch punktsetzung auf die „Hochburgen“ wol-
antifaschistischer Seite, die zu beobach- durch die Kandidatur der NPD, die zur len die beiden Parteien in den Bundestag
ten sind, zählt nun auch die FIR, die Fö- LTW 2000 nur minimal antrat. Wo sie jetzt einziehen, tönte Dr. Frey aus München.
deration der internationalen Wider- antrat, hatte sie im Schnitt durchaus 1 % jöd, u.b. ■
standskämpfer (siehe auch Seite 15). Zur und hätte bei flächende-
VVN-BdA heißt es, sie weise „nach wie ckender Kandidatur evtl.
vor in ihren Leitungsgremien eine Viel- auch Wahlkampfkosten-
zahl von – zumeist älteren – Kommunis- erstattung erreicht.
ten auf“ und „beschränkte sich auf die – Dr. Frey’s (DVU) Na-
typisch kommunistischer Analyse ent- tionalzeitung schreibt
sprechende – Propaganda, nach der „Selbstverständlich
Rechtsextremismus im inneren Zu- spiegelt das Ergebnis
sammenhang mit marktwirtschaftlichen von NPD plus Rep in
Ordnungssystemen steht und daher staat- NRW nicht das wirkli-
liche Institutionen in westlichen Demo- che Rechtspotential wie-
kratien rechtsextremistische Umtriebe der.“ Die NPD begrüßt
eher unterstützten als bekämpften“. Fast die Neuwahlen. Der Par-
zeitgleich lehnte das BMI es ab, die Ge- teivorsitzende Udo Voigt
schichte des eigenen Hauses und even- bereitet einen Wahlan-
tuelle Kontinuitäten nach dem Krieg zu tritt unter der „Schirm-
untersuchen.Vielleicht haben die alten herrschaft der NPD“ vor.
Kommunisten ja doch nicht so unrecht... Die Neofaschisten
u.b. ■ haben aber ein Pro-
blem: Wenn die Repu-
blikaner nicht zum
Inhalt: NPD/DVU Bündnis
Ohrdruf: Eine Stadt ignoriert dazu stoßen, haben sie
ihre tiefbraune Realität . . . . . . . 7 bei den Bundestags-
Non in Frankreich: Welche Rolle wahlen keine Chance
spielte die extreme Rechte . . . . . 9 zumindest einen Ach-
tungserfolg zu erzielen.
: meldungen, aktionen
Deutscher „Schutzpatron“
Grevenbroich. Das Verlagsprogramm
des „Bernardus-Verlag“ im katholischen
Breite Mobilisierung nach rufen wir deshalb alle AntifaschistInnen „Zisterzienserkonvent Langwaden“ bei
Wunsiedel zu einer Kundgebung und Demonstra- Grevenbroich im Kreis Neuss war bis-
tion am 20. August im bayrischen Wun- lang weitgehend unspektakulär.
Wie auch in den letzten Jahren mobilisie- siedel auf. Wir wollen zusammen mit Im vergangenen Jahr wurde ein Druck-
ren die Nazis wieder zum Rudolf-Heß- WiderstandskämpferInnen und Antifa- erzeugnis des Verlages erstmals in Publi-
Gedenkmarsch nach Wunsiedel. Mit schistInnen aus verschiedenen europäi- kationen der extremen Rechten vorge-
4.800 Faschisten im Jahr 2004 hat sich schen Ländern diesem Spuk ein Ende be- stellt. So wurde in der neofaschistischen
der Heß-Gedenkmarsch zu einem der reiten und darauf hinwirken, dass dieser Zeitschrift „Nation und Europa“ (Co-
Events der deutschen und internationalen Tag in diesem Jahr und auch in Zukunft burg) ein Buch des ehemaligen Funktio-
Naziszene entwickelt. Nazis und extrem als Tag des breiten antifaschistischen närs und Bundestagskandidaten der
Rechte unterschiedlichen Alters mit ver- Widerstandes erlebt wird. NPD, Manfred Müller aus Neuss, lobend
schiedener sozialer Herkunft sowie teil- antifa_3000@gmx.de ■ hervorgehoben. Der „regelmäßige“ Mit-
weise gegensätzlichen politischen Wer- arbeiter der „Nation und Europa“, ein
degängen und kulturellen Hintergründen Deutsche „Heuschrecken“ pensionierter Studienrat, dessen Wurzeln
finden sich in der Verherrlichung des Na- im rheinischen Katholizismus liegen,
tionalsozialismus zusammen. Die be- Starnberg. Hartnäckig hält sich - bis in greift ansonsten auch für die „Deutsche
sondere Bedeutung erlangt der Heß- gewerkschaftliche und linke Kreise hin- National-Zeitung“ des DVU-Chefs Frey
Marsch aber auch durch die internationa- ein – das Gerücht, dass internationale und die „Junge Freiheit“ zur Feder. Im
le Beteiligung. So marschierten in den Konzerne systematisch deutsche Unter- Jahre 2003 veröffentlichte der Greven-
letzten Jahren Faschisten aus Skandina- nehmen aufkaufen. Genährt wird diese broicher „Bernardus-Verlag“ Müllers
vien, England, Belgien, den Niederlan- These nicht zuletzt von der extremen Buch mit dem Titel „St. Michael – Der
den, Frankreich, Spanien, Italien, Öster- Rechten, die zur Zeit besonders das Deutschen Schutzpatron? Zur Verehrung
reich, der Schweiz, Ungarn, Tschechien, „Handbuch Deutsche Wirtschaft“ von des Erzengels in Geschichte und Gegen-
der Slowakei, Kroatien, Russland sowie Alfred Mechtersheimer bejubelt, das von wart“. Ebenfalls im vergangenen Jahr
den USA. „Unser Land – Wissenschaftliche Stif- wurde für „900 Jahre literarisches Schaf-
Vor dem Hintergrund dieses wider- tung für Deutschland e.V.“ veröffentlicht fen“ der Zistersienser in der rechten Ber-
wärtigen Beispiels der Verherrlichung wird. Der ehemalige Bundestagsabge- liner Wochenzeitung „Junge Freiheit“
des Nationalsozialismus hat sich die ordnete der „Grünen“ ist gern gesehener geworben“. Gesucht wurden Autoren,
antifaschistische Kampagne: NS-VER- Referent bei der extremen Rechten. So- die dem „Bernardus-Verlag“ ihr Manus-
HERRLICHUNG STOPPEN! gegrün- wohl bei der DVU und den sog. „Repu- kript anvertrauen, damit dieser es „be-
det. Sie richtet sich gegen jede Art der blikanern“ trat er auf oder diskutierte mit kannt“ und „absatzfähig“ machen kann.
Verherrlichung des Nationalsozialismus, NPD-Funktionär Holger Apfel oder dem Auch in der deutschtümelnden „Deut-
Revisionismus und Relativierung der ehemaligen Waffen-SSler Franz Schön- schen Sprachwelt“ fand sich 2004 Wer-
deutschen Geschichte. Für das Jahr 2005 huber. „Wenn die Entwicklung der letz- bung für den Verlag. „Spachwelt“-
ten Jahre anhält, gibt es bald keine Schriftleiter Thomas Paulwitz ist gele-
deutsche Wirtschaft mehr“, wird in der gentlicher Autor der „Jungen Freiheit“

20. 08. 2005 Werbung für dieses Buch behauptet. und referierte 2003 bei der neofaschisti-
w ww. ns-verherrlichung-stoppen.tk

Auch die Medien habe die Globalisie- schen „Gesellschaft für freie Publizis-
WUNSIEDEL - BAVARIA - GERMANY rung bereits erfasst und der „ökonomi- tik“. Im vergangenen Jahr sprach er auch
STOP FASCIST PROPAGANDA schen Fremdbestimmung folgt die po- beim österreichischen „Freundeskreis für
litische“. Die Bundesregierung sehe Kultur- und Zeitgeschichte“, der un-
dieser Entwicklung „tatenlos“ zu und längst noch den NPD-Chef Udo Voigt zu
kein raum die Gewerkschaften hätten in einigen Gast hatte. hma ■
Fällen sogar an solchen Verkäufen
für die verdrehung „mitgewirkt“, heißt es dort. Die Einstellung des Verfahrens
Bundesbank vermeldete in ihrem letz-
der geschichte ten Monatsbericht ganz andere Zahlen. gegen Uli Sander, aber Be-
Deutsche Investoren kontrollierten schlagnahme des VVN-
kein ort demnach mittlerweile schon knapp 20 Archivs nicht aufgehoben
000 Firmen im Ausland. 3,7 Millionen
für die verherrlichung Mitarbeiter werden dort beschäftigt. Dortmund. Gestern (25. Mai) brachte
Vorrangiges Interesse deutscher Inves- Kontraste den aufsehenerregenden Be-
des nationalsozialismus toren besteht an Unternehmen des Ver- richt über das neuerliche Mittenwald-
arbeitenden Gewerbes, die fast die treffen der Gebirgstruppe der Wehrmacht
stoppen wir den Hälfte der begehrten Investitionsob- und der Bundeswehr. Seit vielen Jahren
jekte ausmachen. Demgegenüber ste- gehöre ich zu denen, die gegen diese
rudolf hess marsch hen 8400 Unternehmen in Deutsch- Kriegsverbrecherverehrung protestieren
land mit 1,9 Millionen Beschäftigten, und als Journalist dagegen die Aufklä-
die von ausländischen Investoren kon- rung setzen.
trolliert werden. Die Veteranen reagierten mit einem
demonstration Auch wenn Mechtersheimers The- Trick, auf den die Staatsanwaltschaft
music/culture sen so nicht stimmen, dienen sie doch hereinfiel. Diese ermittelte wegen
announcements dem Schüren nationalistischer Stim- „Amtsanmaßung“ gegen mich und mei-
all over the day mungen. Und von den Aktivitäten der ne Organisation, die Vereinigung der
eigenen „Heuschrecken“ wird so ge- Verfolgten des Naziregimes/Bund der
ANTIFASCIST ACTION DAY schickt abgelenkt. hma ■ Antifaschisten. Mir wurde „Amtsanma-
ßung“ vorgehalten, nachdem ich mit der

2 : antifaschistische nachrichten 11-2005


Historikergruppe „Angreifbare Tradi- Familien zusammen. Mehrere Teilnehmer Naziangriff auf Jugendliche
tionspflege“ gemeinsam nahezu 200 wurden wegen unerlaubten Waffenbesit- in Frankfurt
mutmaßliche noch lebende Mittäter bei zes und Tragens von verfassungswidrigen
den Massakern der Gebirgstruppe an Kennzeichen vorläufig festgenommen. Frankfurt/Main. Offenbar organisiert
Griechen und Italienern im Jahre 1943 Hunderte Polizisten aus Thüringen, Ba- haben in der Nacht zum Sonntag (24.4.)
angezeigt hatte. Es waren in Mittenwald den-Württemberg, Bayern, Hessen und in Sachsenhausen mindestens acht Nazis
„amtliche“ Briefe aufgetaucht, in denen Niedersachsen waren im Einsatz. vier Jugendliche brutal angegriffen, die
den mutmaßlichen Tätern die Wiederauf- M.E. ■ der links-alternativen Szene zugerechnet
nahme von Ermittlungen wegen der Ver- werden. Dabei wurden die vier Jugend-
brechen angekündigt wurden. Ich hätte ja Elftausend Kinder ... lichen erheblich verletzt. Dem Überfall
nichts dagegen gehabt, – aber die Briefe vorausgegangen waren eindeutig faschis-
waren gefälscht, stammten nicht von mir. Frankfurt/Main. ... deportierten die tische Beleidigungen und Drohungen
Seit April 2003 wurde gegen mich er- deutschen Besatzer aus Frankreich – dar- wie „Scheiß-Juden“, „Rotfront verrecke“
mittelt; im Dezember 2003 kam es zu ei- unter viele Kinder deutscher Eltern. und „Wir bringen euch um“.
ner Hausdurchsuchung meiner Wohnung Nach 1933 mußten sie aus Deutschland Unseres Erachtens ist dieser Überfall in
und zur Durchsuchung der Räume der fliehen. Neun Jahre später kehrten sie zu- einem Zusammenhang zu sehen mit ähn-
VVN-BdA in Wuppertal. Es wurde mein rück – in den Viehwaggons der Deut- lichen, zum Teil noch wesentlich schlim-
Computer vorübergehen beschlagnahmt schen Reichsbahn auf dem Weg in die meren Nazi-Aktionen der letzten Zeit. So
und der Inhalt wurde kopiert. Die Kopie Vernichtungslager. zum Beispiel in Schwerte und Dortmund,
wurde mir nie zurückgegeben. (Lesen In Frankfurt soll jetzt an diese Kinder wo kürzlich zwei Menschen von Nazis er-
Sie zu dem Vorgang bitte unten die bei- erinnert werden. Ihre Fotos sollen auf den mordet wurden. Nazis verschiedener Or-
den Presseberichte – zwei von vielen, Bahnhöfen gezeigt werden, durch die sie ganisationen weiten jetzt offenbar gewalt-
und lesen Sie bitte: in den Tod fahren mussten. Aber die Deut- same Aktionen deutlich aus, um ihre Geg-
http://www.rbb-online.de/_/kontraste/ bei- sche Bahn AG weigert sich. Das milliar- ner einzuschüchtern. Das darf, unabhängig
trag_jsp/key=rbb_beitrag_2653398.html denschwere Unternehmen behauptet, da- von der rechtlichen Verfolgung und Be-
Ulrich Sander ■ für kein Geld zu haben. Die Deutsche strafung der Täter, politisch nicht hinge-
Reichsbahn war Teil der Nazi-Mordma- nommen werden! Wir fordern deshalb die
„Schiller und Goethe schine. Ihre Erbin, die Deutsche Bahn Bundesregierung auf, endlich entspre-
AG, muss eine Ausstellung über die chend den Beitrittsbedingungen der bei-
hatten uns gebeten, 11.000 Kinder auf Bahnhöfen zulassen. den deutschen Staaten in die Vereinten Na-
sie vor den Rechtsextremen Dies fordert auch eine bundesweite Initia- tionen von 1973, sowie Artikel 139
zu verhüllen“ tive, deren Offener Brief im Internet zu- Grundgesetz jegliche Nazi-Organisation
gänglich ist: www.german-foreign-poli- und nationalsozialistische Aktivitäten je-
Weimar. Das Weimarer Bürgerbündnis cy.com/elftausendkinder/index.html. der Art zu verbieten (vgl. www.nrw.vvn-
gegen Rechtsextremismus hat gegen den Jede/r kann dort seine Unterschrift hinter- bda.de/ texte/ 0112_jupp. htm).
Neonaziaufmarsch am 28. Mai in ihrer legen: elftausendkinder@ web.de. Ganz entschieden protestieren wir ge-
Stadt demonstriert. Aus Protest verhüll- Jetzt soll in Frankfurt Druck auf die gen die in der „Frankfurter Rundschau“
ten sie das Deutsche Nationaltheater und Deutsche Bahn AG gemacht werden. vom 27. April zitierte Äußerung des
das Dichterstandbild mit grauen Stoff- Dazu finden zwei Veranstaltungen statt: Frankfurter Polizeisprechers Füllhardt,
bahnen, die die Aufschrift „Weimar sagt Freitag, 10. Juni 2005, 16 Uhr, Haupt- in Frankfurt gebe es „keine organisierte
Nein zu Intoleranz und Faschismus“ tra- bahnhof Frankfurt, Treffpunkt unter der Struktur“ bei Rechtsextremen. Diese Be-
gen. Nach Angaben der Stadt demon- großen Anzeigentafel: Verteilung von hauptung ist nicht nur sachlich falsch,
strierten am Mittag 500 Menschen gegen Flugblättern und Postkarten, auf denen sondern vor allem geeignet, eine offen-
eine NPD-Veranstaltung, die ursprüng- die Deutsche Bahn AG aufgefordert sichtlich wachsende, vor Verbrechen
lich auf dem Theaterplatz aufmarschie- wird, endlich die Ausstellung „Elftau- nicht zurück schreckende Nazi-Militanz
ren wollten. Zu dem Stadtfest mit einem send Kinder“ auf deutschen Passagier- herunter zu spielen. Ähnlich muss man
Rockkonzert, Lesungen und anderen bahnhöfen entlang der ehemaligen De- wohl die Aussage verstehen, die Kontra-
Kulturveranstaltungen kamen laut Veran- por tationsstrecke zu genehmigen. henten hätten sich zufällig getroffen.
staltern rund 2.000 Menschen. Außer- Freitag, 17. Juni 2005, 19 Uhr, Gewerk- Herr Füllhardt müsste es außerdem bes-
dem hielt der Stadtrat symbolisch eine schaftshaus Frankfurt, Wilhelm-Leu- ser wissen. Denn es gibt in Frankfurt
Sitzung auf dem Theaterplatz ab. Ober- schner-Straße, Großer Saal: Veranstaltung nicht nur die NPD, sondern z.B. auch die
bürgermeister Volkhard Germer wandte mit Edith Erbrich, geb. Bär (als Sieben- „Freien Nationalisten Rhein-Main“.
sich gegen einen Missbrauch Weimars jährige im Februar 1945 mit der Reichs- Zum polizeilichem Abwiegeln passt
durch Rechtsextremisten. Germer nahm bahn aus Frankfurt nach Theresienstadt auch die Tatsache, dass die Polizei die
zudem unter dem Beifall von Weimarern deportiert); Beate Klarsfeld (Initiatorin, Öffentlichkeit nicht unterrichtet hat, son-
und Touristen die Stoffbahnen wieder ab. Repräsentantin der Organisation „Fils et dern sich erst auf Nachfrage hin äußerte.
„Schiller und Goethe hatten uns gebeten, Filles des Juifs Déportés de France“), Mi- Die kurzsichtige Politik des auf das
sie vor den Rechtsextremen zu verhül- cha Brumlik (Fritz Bauer Institut Frank- „Image“ der Stadt bedachten Wegschau-
len“, sagte er. furt), Katinka Poensgen (IG Metall Frank- ens, Kleinredens und sogenannten „Weg-
Aufmarsch weg von der City verlegt furt, Anti-Nazi-Koordination Frankfurt), tolerierens“ wird nur dazu führen, dass
Ursprünglich wollten die Neonazis vor Wolf-Rüdiger Minow (Initiator der Unter- sich Nazis mehr und mehr etablieren, im-
dem Nationaltheater, in dem 1919 die er- stützungsaktion für die Ausstellung in mer offener auftreten und dann auch mi-
ste deutsche Demokratie ausgerufen, Deutschland), VertreterInnen lokaler Ak- litanter und gewalttätiger für ihre men-
aber 1926 auch die Hitlerjugend gegrün- tionsgruppen entlang der Deportations- schenfeindlichen Ziele eintreten können.
det wurde, aufmarschieren. Die Stadt strecke von Freibug bis Görlitz. Filmdo- Der erste Schritt im Kampf dagegen be-
verlegte die Demonstration auf einen kument aus dem KZ Westerbork. Musik: steht darin, zu benennen, was ist: es gibt
Stadionvorplatz am Rand des Stadtzen- Junge Kantorei / Joachim Carlos Martini. eine Vielfalt von Nazistrukturen in
trums. Das Verwaltungsgericht bestätigte Moderation: Hans Christoph Stoodt. Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet.
die Entscheidung. Laut Polizei kamen nach dem Flugblatt der Anti-Nazi-Koor- Sie nicht zu ignorieren, sondern sie öf-
rund 150 Neonazis einschließlich ihrer dination Frankfurt am Main, 5.5.05 ■ fentlich zu machen und zur offensiven l

: antifaschistische nachrichten 11-2005 3


l Auseinandersetzung mit ihnen aufzuru- Über das Motiv der Polizei,
fen – das ist notwendig im Jahr 60 nach kein Gedenken unmittelbar am
der Befreiung von Nazifaschismus und historisch authentischen Ort
Krieg durch die Truppen der Anti-Hitler- der Gestapo-Zentrale zu erlau-
Koalition und den Kampf des europäi- ben, kann nur spekuliert wer-
schen und deutschen Widerstands. den. Verkehrstechnisch hätte
Pressemitteilung sich keine andere Situation er-
Anti-Nazi-Koordination Frankfurt ■ geben – die Dorotheenstraße
war so oder so durch Demon-
Polizei verhindert Gedenk- stration und Polizeifahrzeuge
blockiert und für den Verkehr
kundgebung vor ehemali- gesperrt. Liegt es also etwa
ger Gestapo-Zentrale daran, dass sich im ehemaligen
Stuttgart. Am Rande der von der Frie- Gestapo-Hauptquartier heute
densbewegung, Gewerkschaften, der Teile des Innenministeriums befinden? ner Sache aber scheinen für Apfel andere
Verfolgtenorganisation VVN-Bund der Will man dort kein öffentliches Erinnern Regeln zu gelten. Das Zentralorgan der
Antifaschisten und vielen anderen veran- an die Geschichte des Gebäudes dulden? NPD wird nicht in Sachsen gedruckt –
stalteten Kundgebung zum Jahrestag der (Auch die vorhandene Gedenktafel be- noch nicht einmal in Deutschland. Den
Befreiung am Samstag (7. Mai) in Stutt- findet sich im Innern des Gebäudes und Zuschlag für das Monatsblatt hat eine
gart kam es zu einem Zwischenfall, der ist für die Öffentlichkeit nicht zugäng- Druckerei in Jelenia Gora (Hirschberg)
ein bezeichnendes Licht auf Geschichts- lich.) erhalten, und das liegt in Polen. Erste
und Demokratieverständnis der Stuttgar- Oder handelt es sich wieder einmal Hinweise dafür kursierten seit Wochen in
ter Polizei wirft. bloß um einen jener vielen Nadelstiche, Sachsen,endgültig fündig aber wurde
Neben der Kundgebung am Mahnmal die in Stuttgart seit vielen Jahren immer dann die Polizei in Riesa. Bei einer Kon-
für die Opfer des Faschismus hatten die wieder gegen das grundgesetzlich garan- trolle nahmen die Beamten zwei Klein-
Veranstalter auch eine Demonstration tierte Demonstrationsrecht geführt wer- laster mit polnischen Kennzeichen nahe
angemeldet, die unter anderem am ehe- den? des Deutschen-Stimme-Verlags unter die
maligen Stuttgarter Gestapohauptquar- Dieter Lachenmayer, der seit mehr als Lupe. In den Transportern lagen die
tier, dem vormaligen Hotel Silber in der 20 Jahren Versammlungen und Demon- druckfrischen Exemplare der Mai-Aus-
Dorotheenstr. vorbeiführte. Dort sollte strationen v.a. der Friedensbewegung in gabe des NPD-Zentralorgans – neben
zum Gedenken an die Opfer der Gestapo Baden-Württemberg organisiert und lei- mehreren Beilagen. Sachsens Innenmi-
eine kurze Zwischenkundgebung statt- tet ist davon überzeugt: In keiner Stadt in nister Thomas de Maizière (CDU) warf
finden und Blumen niedergelegt werden. Baden-Württemberg wird nach seiner den Rechtsextremen daraufhin Doppel-
Das Amt für öffentliche Ordnung hatte Erfahrung mit Demonstranten so restrik- züngigkeit vor. Im Wahlkampf habe sich
in seinem Versammlungsbescheid den tiv und kleinkariert umgegangen wie in die NPD mit dem Slogan „Grenzen dicht
Wortlaut der Anmeldung „Dorotheenstr. Stuttgart. Das reicht von faktischen De- für Lohndrücker“ profiliert, jetzt zeige
Zwischenkundgebung am ehemaligen monstrationsverboten für ganze Stadttei- sich, dass sie „offenbar selbst als Lohn-
Gestapo-Gebäude ‚Hotel Silber‘ (Höhe le, wie während des Irak-Krieges für drücker agiert“.
Goerdeler Str.) wenn auch in einer etwas Stuttgart Vaihingen bis zu den allerklein- Laut Frankfurter Rundschau vom 23.
ungenaueren Formulierung („Zwischen- lichsten Auflagen – keine Musik vom Mai hat die NPD jetzt angekündigt, den
kundgebung in der Dorotheenstr./Höhe Lautsprecherwagen, keine Durchsagen Druck der „Deutschen Stimme“ nun in
Goerdeler Straße“) ausdrücklich bestä- an die Öffentlichkeit oder auch keine Deutschland durchsetzen zu wollen. So-
tigt. Sonnenschirme beim Infostand bzw. kei- bald das von der Bundesregierung ge-
Am 7. Mai allerdings wurde der De- ne Friedensfahne an städtischen Fahnen- plante neue Antidiskriminierungsgesetz
monstrationszug unversehens von der masten. in Kraft getreten sei, werde man zum
Polizei bereits ca. 50 Meter vor dem an- „Irgendjemand“, so Dieter Lachen- Beispiel die Druckerei des Dresdner
gemeldeten Kundgebungsort, noch vor mayer, „müsste der Stuttgarter Polizei SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle
der Kreuzung Goerdeler Straße angehal- und den zuständigen Ämtern mal erklä- mit der Herstellung der Zeitung beauftra-
ten. Der Versammlungsleiter, der zu- ren, dass das Grundrecht auf Versamm- gen, so der stellvertretende Bundesvor-
nächst an ein Missverständnis glaubte, lungsfreiheit, kein Recht für Behörden sitzende der NPD Peter Marx. Nach dem
erklärte dem Einsatzleiter, dass der ange- und Polizei ist, sich in obrigkeitsstaat- neuen Gesetz dürfe niemand aus politi-
meldete Versammlungsort, das ehemali- licher Tradition wichtig zu machen, son- schen oder anderen Gründen diskrimi-
ge Gestapo-Gebäude, erst nach weiteren dern ein Recht für die Demonstranten, niert werden.
50 m erreicht sei, und bat darum, den De- mit ihren Anliegen an die Öffentlichkeit nach Presseberichten – u.b. ■
monstrationszug diese 50 Meter vorrü- zu treten.“ PM VVN-BdA ■
cken zu lassen, um die vorgesehene Ge- „Schiller Kommers“ in Wien
denkkundgebung abhalten zu können. NPD lässt Zentralorgan in
Dies wurde vom Einsatzleiter der Polizei Wien. Eine maßgeblich von der Bur-
nach kurzem Funkverkehr mit seiner Polen drucken schenschaft Olympia getragene „Ar-
vorgesetzten Stelle definitiv und katego- Dresden. Wie die Leipziger Volkszei- beitsgemeinschaft“ unter dem Vorsitz
risch, abgelehnt. Eine Begründung dafür tung vom Dienstag, 17. Mai 2005 berich- von Walter Sucher plant für den 11. Juni
wurde nicht angegeben. tete, wird das NPD-Organ „Deutsche in der Wiener Hofburg einen „Schiller
Notgedrungen fand die Zwischen- Stimme“ in Polen gedruckt. In öffent- Kommers“. Als Anlass dienen neben
kundgebung dann auf dem willkürlich lichen Verlautbarungen gebe sich Sach- dem 200. Todestag „des genialen Frei-
zugewiesenen Platz statt – auf die sens NPD-Mann Holger Apfel gern heitsdichters“ „190 Jahre Burschen-
Niederlegung von Blumen musste aber volksnah. „Deutsches Geld für Deut- schaft“ und „50 Jahre Freiheit Öster-
verzichtet werden. Anschließend führte sche“ lautet eine seiner wohlfeilen For- reichs nach dem II. Weltkrieg“. Als Fest-
die Demo übrigens wie vorgesehen ohne meln, seine Fraktion werde sich für eine redner angekündigt ist FPÖ-Obmann
jeden Zwischenfall weiter, direkt am Ho- „nachhaltige Förderung des einheimi- Heinz-Christian Strache, der laut einer
tel Silber vorbei. schen Mittelstandes einsetzen“. In eige- Aussendung der „Arbeitsge- Seite 6l
: antifaschistische nachrichten 11-2005
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„Strategie des Verschweigens ist
nicht aufgegangen“
Neue Broschüre der Bremerhavener CDU entlarvt „Parlamentsarbeit“ der DVU
von Thomas Klaus

„Die Strategie des Verschwei- ohne eigene Alternativen aufzuzeigen.“ Die Bremerhavener CDU brandmarkt:
gens gegenüber der DVU ist Bei einer Reihe der DVU-Anträge sei ein Dort wo die eigentliche parlamentarische
nicht aufgegangen und falsch.“ Mangel an Sach- und Fachkenntnissen Arbeit geleistet wird – nämlich in den
Zu dieser Erkenntnis ist die CDU- nachweisbar, wird in der Dokumentation Ausschüssen – „glänzen“ die DVU-Abge-
Stadtverordnetenfraktion in Bremer- „18 Jahre sind zu viel !!!“ festgestellt. Da- ordneten entweder mit Abwesenheit oder
haven gelangt und geht deshalb nun für nur ein Beispiel: Die „Deutsche Volks- Untätigkeit. Nur selten werden hier Anträ-
mit einer Anti-DVU-Broschüre unter Union“ verlangte eine schrittweise Sanie- ge gestellt oder Redebeiträge gehalten.
dem Titel „18 Jahre sind zu viel !!!“ in rung der Kaiserschleuse, die für die Rolle Beispiel: Von 1999 bis 2003 brachten die
die Offensive. Bremerhavens als Auto- DVU-Abgesandten in die
mobilverladehafen von CDU Ausschüsse für Gesundheit,
Stadtverordnetenfraktion
Das Vorwort schrieb der bremische Innen- großer Bedeutung ist. Bremerhaven für Jugend- und Familie so-
senator Thomas Röwekamp (CDU): „We-
der das Stillschweigen in den Medien
Allerdings: Eine schritt-
weise Sanierung ist tech- 18 18 Jahre
wie in den Ausschuss für
Sport und Freizeit nicht ei-

Jahre
noch das Nichtbeachten durch die ande- nisch gar nicht möglich. nen einzigen Antrag ein.
sind
ren Parteien und leider auch nicht die of- Die Kaiserschleuse könn- Das Gleiche gilt für den
zu viel!!!

sind
fenkundige Unfähigkeit und Faulheit der te höchstens an gleicher Kulturausschuss und für
Mitglieder in der Stadtverordnetenver- Stelle mit einer größeren Die DVU in der den Umweltausschuss.
sammlung und des Abgeordneten in der Schleusenkammer neu Stadtverordneten- Selbst der besonders wich-
Bremischen Bürgerschaft haben dazu ge- gebaut werden.
zu versammlung
tige Personal- und Organi-

viel!!!
führt, dass die Wähler es sich bei der Allgemein verzichtet sationsausschuss wurde
nächsten Wahl anders überlegen würden.“ die DVU bei ihrer Parla- komplett ausgespart. Die
Gerade in Bremerhaven liegen vielfälti- mentsarbeit in Bremerha- einzigen DVU-Anträge, die
Positionspapier der
ge Erfahrungen mit der rechtsextremisti- ven auf das Entwickeln CDU-Stadtverordnetenfraktion in den Ausschüssen behan-
schen „Deutschen Volks-Union“ vor. Sie von politischen Alternati- delt wurden, waren jene aus
ist dort seit September 1987 in der Stadt- ven – so etwa, wenn sie ohne den Ansatz der Stadtverordnetenversammlung über-
verordnetenversammlung als dem Parla- einer Kostenschätzung den Bau eines neu- wiesenen. Die Schlussfolgerung der
ment der rund 120.000 Einwohner zählen- en Eisstadions mit gleich zwei Eisflächen CDU: „Diese Tatsache lässt nur den
den Hafenstadt vertreten. Bei der letzten verlangt. Schluss zu, dass die DVU politisch nicht
Wahl zur Stadtverordnetenversammlung Als weiteren Beleg für die „unaufrichti- arbeitet, sich aber aus ihren Auftritten in
2003 konnte die DVU sogar ihren Stim- ge Parlamentsarbeit“ der DVU betrachtet der Stadtverordnetenversammlung eine
menanteil von 5,19 auf 8,08 Prozent stei- die CDU das Stellen von Anträgen mit öffentliche Wirkung verspricht.“
gern. Seitdem stellt sie vier Stadtverord- Themen, die in den Ausschüssen bereits Tragende Säule der Bremerhavener
nete. Insgesamt besteht die Stadtverord- behandelt wurden. Weil solche Anträge DVU-Aktivitäten ist Siegfried Tittmann.
netenversammlung aus 48 Parlamenta- dann überflüssig sind und nach parlamen- Aufgrund einer Besonderheit im Wahl-
riern. In Bremerhaven haben SPD und tarischer Gepflogenheit abgelehnt wer- recht sitzt der DVU-Chef in der Stadtver-
CDU eine Große Koalition gebildet, die den, kann die DVU letztlich frohlocken. ordnetenversammlung seit 1999 auch in
von dem sozialdemokratischen Oberbür- Gerne verteilt sie die gescheiterten Anträ- der Bremischen Bürgerschaft, dem Land-
germeister Jörg Schulz geführt wird. ge mit dem Zusatz „Von den anderen tag des kleinsten Bundeslandes. Dort fällt
Kaum Mitarbeit in den Ausschüssen Fraktionen abgelehnt“ als Flugblatt bei der 51-Jährige ebenfalls neben einer „ein-
den Betroffenen. Folglich – so die Bre- deutig von Hass geprägten Diktion“ (so
In ihrer 38-seitigen Broschüre führt die merhavener Christdemokraten – gehe es Thomas Kollande 2002 in einer Anti-
CDU jeden DVU-Antrag in der Stadtver- der „Deutschen Volks-Union“ bei solchen DVU-Publikation der Grünen-Fraktion in
ordnetenversammlung der Legislaturpe- Debatten nicht um eine politische Diskus- der Bremischen Bürgerschaft) durch
riode 1999 bis 2003 auf und analysiert sion, sondern um die Ablehnung ihrer An- schlechte Vorbereitung auf, beispiels-
ihn. Dabei handelt es sich um (lediglich) träge. Hier zeige sich ein großes Gefah- weise wenn er die Aufnahme des Tier-
33 Vorstöße der „braunen“ Truppe. Mit renpotenzial, meint die CDU. Grund: schutzes in die Verfassung fordert, die be-
diesem Vorgehen der CDU soll der Vor- „Wenn Betroffene sich nicht über die par- reits erfolgt ist, oder 2000 davon spricht,
wurf umgangen werden, dass gezielt An- lamentarische Arbeit informieren, müssen es könnten im Bundeshaushalt jährlich
träge ausgesucht und bewertet worden sie den Eindruck gewinnen, dass die DVU Hunderte von Milliarden Mark eingespart
seien. ihr Interessenvertreter ist.“ werden, obwohl der Bundeshaushalt le-
Der christdemokratischen Analyse zu- Geradezu perfide war ein DVU-Antrag, diglich rund 500 Milliarden Mark um-
folge nutzt die DVU die öffentlichen Sit- nach dem Unfalltod der Sozialsenatorin fasst. Grünen-Mitarbeiter Thomas Kol-
zungen der Stadtverordnetenversamm- Hilde Adolf eine Straße nach ihr zu be- lande rekapituliert in Bezug auf Tittmanns
lung gerne als Podium für populistische nennen. Die Bremerhavener SPD-Politi- Reden im Landesparlament: Sie seien
Anträge, bei denen das entscheidende kerin war eine erklärte DVU-Gegnerin; „gekennzeichnet von der Ablehnung der
Element das möglichst häufige Erwähnen die rechtsextremistische Partei hatte ihr zu Gleichheit aller Menschen und der Men-
des Namens „DVU“ ist. Die Rechtsextre- Lebzeiten unter anderem eine „Verharm- schen- und Freiheitsrechte, des Demokra-
misten versuchten, sich an Bürgerproteste losung von Asylbetrug und Ausländerkri- tieprinzips, der Gewaltenteilung, der Op-
anzuhängen: „Die DVU ist nicht in der minalität“ vorgeworfen, die „an Unverant- positions- und Minderheitenrechte sowie
Lage, Vorreiter einer politischen Aktion wortlichkeit und Schamlosigkeit nicht des Pluralismus und der Parteienkonkur-
zu werden. Sie kann bestenfalls reagieren, mehr zu überbieten“ sei. renz.“ ■

: antifaschistische nachrichten 11-2005 5


l meinschaft“ „sicher neue und andere Ge-
sichtspunkte bringen [wird], als sie bei
den bisherigen Jubelreden zu hören wa-
31. Paneuropa-Tage in
ren“. Als weiterer Redner wurde bis dato
nur der Wiener FPÖ-Landtagsabgeord-
nete Harald Stefan (Olympia) bekannt
diesem Jahr in Köln
gegeben. Die 31. Paneuropa-Tage der letzten Jahrhunderts
Nachdem im November 2004 der Paneuropa-Union Deutschland der „Paneuropa-Be-
„Konrad Lorenz Kommers“ zum Fiasko e.V. finden unter dem Motto wegung“ anschlos-
geraten war und in diesem Jahr auch das „Paneuropa – Fundamente für die sen hatte.
burschenschaftliche „Totengedenken“ EU“ vom 3. bis 5. Juni in Köln statt. Die „31.Paneuro-
am 8. Mai „ins Wasser gefallen ist“ (Zur Der Schirmherr der Veranstaltung, pa-Tage“ werden
Zeit 19/2005, S. 7), ist der Erwartungs- Dr. Otto von Habsburg, Ehrenpräsi- am 3.6. um 19.30
druck im deutschnationalistischen Mi- dent der Paneuropa-Union, Kaiser- Uhr im „Maritim“ eröffnet. Ein Gruß-
lieu enorm. Dementsprechend groß wird sohn und Fast-Thronfolger von Öster- wort wird dort auch die Kölner CDU-Eu-
der „Schiller Kommers“, zu welchem reich-Ungarn, lädt standesgemäß ins ropaparlamentarierin Ruth Hieronymi
„Gäste aus dem gesamten deutschen noble Maritim. halten, die in der Vergangenheit schon
Sprachraum erwartet werden“, auch an- bei den „Vertriebenen“-Verbänden refe-
gekündigt. Neues von ganz rechts Die internationale Paneuropa Union riert hatte. Und auch Konrad Adenauer,
www.doew.at ■ (PEU) existiert seit 80 Jahren. Auf den Rechtsanwalt, ist als „Enkel eines großen
ersten Blick setzt sie sich „nur“ für ein Kölners und
Nazi-Konzert in Benshausen vereinigtes Europa und Verständigung Paneuropäers“ angekündigt.
zwischen den europäischen National- Das Schlusswort hält der PEU-Präsi-
aufgelöst staaten ein. Genauer betrachtet ist sie je- dent Bernd Posselt (CSU-MdEP), zu-
Benshausen. Die Polizei in Thüringen doch eine politische Variante zur Errin- gleich Bundesvorsitzender der „Sudeten-
hat am 14.5. ein Konzert der rechtsradi- gung deutscher Vorherrschaft in Europa. deutschen Landsmannschaft“ und in der
kalen Szene aufgelöst. Auf einem Fa- Ziel seiner Bewegung, so der „Paneuro- Vergangenheit Interviewpartner der rech-
brikgelände in Benshausen (Kreis pa“-Begründer Coudenhove-Kalergi im ten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und
Schmalkalden-Meiningen) brachen rund Jahre 1928, sei die „Rettung Europas, des rechtsextremen „Eckartboten“ der
70 Beamte die als Junggesellenabschied der abendländischen Kultur und der wei- deutschtümelnden „Österreichischen
deklarierte Veranstaltung ab. Insgesamt ßen Rasse“. Landsmannschaft“.
kontrollierte die Polizei nach eigenen Unter Otto von Habsburg (CSU) ent- Am 4.6. beginnen um 10 Uhr zwei Fo-
Angaben 115 Personen, gegen drei lau- wickelte sich die PEU zu einem einfluss- ren, auf denen u.a. die „Lebensschütze-
fen nun weitere Ermittlungen wegen des reichen Werbeverein für ein extrem kon- rin“ Astrid Mannes sprechen wird, Auto-
Tragens von Kennzeichen verfassungs- servatives Europa, ein „Großeuropa“ auf rin der extrem rechten Publikationen
feindlicher Organisationen. Die Beendi- „Volksgruppen“-Basis unter deutscher „Criticon“ und „Deutsche Sprachwelt“.
gung des Treffens verlief ohne Dominanz und in starker Konkurrenz zu Die öffentliche Hauptkundgebung um 14
Zwischenfälle. Die Besucher kamen den Rußland und den USA. Uhr moderiert die Vorsitzende des „Köl-
Angaben zufolge aus ganz Thüringen, Habsburg, PEU-Mitglied seit 1937, ner Presseclubs“, Hildegard Stausberg,
um eine schwedische Band zu hören. verband eine enge Freundschaft mit Korrespondentin der rechtskonservativen
Die Polizei unterband in den vergan- Franz-Josef Strauß. Strauß verhalf dem Tageszeitung „Die Welt“. Stausberg war
genen Wochen mehrere nicht angemel- Österreicher 1979 in kürzester Zeit zu ei- noch im vergangenen Jahr bei der PEU
dete Skinhead-Konzerte in Thüringen. nem deutschen Pass, damit dieser für die als Referentin aufgetreten. Des weiteren
Zuvor hatte sie Anfang April ein Skinhe- CSU in das erste gewählte europäische spricht dort Jürgen Liminski als PEU-
ad-Konzert in Pößneck mit mehr als Parlament einziehen konnte. Darüber Landesvorsitzender in NRW. Liminski
1000 Teilnehmern aus der rechten Szene hinaus war Habsburg zeitweise Strauß’ ist Autor in verschiedenen rechten Publi-
unterschätzt. PDS, SPD und Grüne war- außenpolitischer Berater. kationen und seit 35 Jahren Mitglied der
fen dem Verfassungsschutz danach Ver- An der Erweiterung ihres Einflusses katholischen Laienorganisation „Opus
sagen vor. Kritik am Zusammenspiel von arbeitet die PEU intensiv mit eigenen Dei“, eines „ultrakonservativen Stoß-
Polizei und Verfassungsschutz kam auch Strukturen im Europaparlament und im trupps des Vatikans“. Die nicht-öffentli-
aus der CDU. Innenminister Karl Heinz Bundestag, sowie in Landes- und Kreis- che Bundesdelegiertenversammlung der
Gasser (CDU) hatte Fehler der Sicher- verbänden. Im Bündnis mit rechtskon- „PEU Deutschland“ beginnt dann am
heitsbehörden eingeräumt und Konse- servativen Politikern, Revanchistenver- 5.6. um 10 Uhr und endet um 13 Uhr.
quenzen unter anderem bei der Verfüg- bänden, religiösen Fundamentalisten und abk ■
barkeit von Polizisten an Wochenenden selbsternannten „Lebensschützern“
angekündigt. strebt sie ein Europa mit
http://www.mz-web.de/ ■ einer extrem konservati- Ein ausführlicher Beitrag
ven und frauenfeind- von Ernst Kovahl und
lichen Familienideologie Jörg Kronauer zur Pa-
als Leitbild an. neuropa-Union ist in der
Auf ihrer Kölner Kon- Broschüre der
ferenz will die PEU an Neofaschismus-Komis-
die Zeit anknüpfen, in der sion der VVN-BdA NRW
die Stadt Residenz des „Grenzen auf für
„wichtigsten Kurfürsten Deutschland?“ zu finden,
des Heiligen Römischen 80 S., 4,- Euro, zu bezie-
Reiches“ war und an hen über VVN-BdA NRW,
Konrad Adenauer (CDU), Gathe 55, 42017 Wup-
der sich bereits in den pertal, email:
zwanziger Jahren des vvn-bdanrw@freenet.de

6 : antifaschistische nachrichten 11-2005


55 Neo-Nazis veranstalteten
am 21. Mai eine Kundgebung
auf dem Ohrdrufer Markt-
Ohrdruf: Eine Stadt ignoriert
platz. Während die lokale Kirche ge-
gen „rechts“ läutet und der Bürger-
ihre tiefbraune Realität
meister mit einem Aufruf zum Ignorie-
ren das Problem zu lösen versucht, er- Anlage einzurichten. Nach kurzer Zeit ist Seite des Marktes standen 40 Bürger und
halten die Rechtsextremisten viel Zu- die Zahl der Teilnehmer auf über 50 ge- lauschten teilweise zustimmend den
spruch aus der Bevölkerung. Das stiegen und schon ertönen die grauenhaf- braunen Parolen der Neo-Nazis. Etwas
rechtes Gedankengut nicht nur bei ten Töne von der schwarz-weiss-rot be- entfernt lädt die lokale Kirche dazu ein,
der Ohrdrufer Skinhead-Jugend, son- die Glocke als
dern auch im Herzen der dortigen Zi- Mahnung zu
vilbevölkerung verankert ist, zeigte läuten, deren
unser Besuch in der tiefbraunen Pro- Ton jedoch
vinz, in der vor zwei Jahren ein nicht bis zum
Sprengstofflabor der Neo-Nazis aus- Marktplatz vor-
gehoben wurde. dringt. Wie der
Pfarrer Hans-
Rechtes Gedankengut in der Joachim Köh-
Bevölkerung verankert ler erklärte,
herrscht in je-
Am Samstag fand in Ohrdruf (Landkreis ner Stadt tat-
Gotha) eine rechtsextreme Kundgebung sächlich ein Zu-
statt, an der 55 Neo-Nazis und rechtsra- stand, bei dem
dikale Jugendliche aus Gotha, Ohrdruf flaggten Kundgebung: „Ich habe für Eltern ihre Kinder nachts nicht auf die
und Arnstadt teilnahmen. In Ohrdruf - da Deutschland einen Sohn geboren“ schallt Straße lassen, da sie Angst vor rechtsex-
ticken die Uhren etwas anders: Eine es durch die Innenstadt, während zeit- tremistisch-motivierten Übergriffen ha-
rechte Gesinnung ist hier nicht nur stark gleich ein Aktivist des Thüringer Hei- ben.
unter den Jugendlichen sondern auch matschutzes zusammen mit dem Nazik- Angriffe, Überfälle und ein eigenes
massiv in der dortigen Bevölkerung ver- ader und NSAW-Kopf Patrick Wieschke Sprengstofflabor
ankert. Längst dominiert eine rechte Sze- die Propaganda-Zeitschrift „Der Renn-
ne die Kleinstadt im Thüringer Wald. steigbote“ an die Bevölkerung verteilt. Das bestätigten uns auch einige Opfer
Schon nach der Ankunft waren die Ge- Wenig später tritt der Neo-Nazi Michael neofaschistischer Gewalt aus Ohrdruf:
sichter der Bewohner beinahe versteinert Burkert (Skinheadclub Friedrichroda) Beinahe wöchentlich werden „Nicht-
und so manch einer traute seinen Augen ans Mikrofon und drischt als erster von rechte“ Jugendliche von Neo-Nazis zu-
kaum, das linke AktivistInnen ihre Stadt drei Rednern seine Phrasen durch die sammengeschlagen und die Stadt igno-
besuchten. Sofort hagelte es auch schon Lautsprecher, auch beschwert er sich riert deren Treiben. Seit Jahren reiht sich
die ersten Beschimpfungen „Verschwin- über das Verbot des Singens der Natio- eine Meldung über Ohrdruf an die näch-
det!“ und „Die Rechten sind ja gar nicht nalhymne. Im Anschluss sprach Kurt ste. Jugendliche werden attackiert, Mi-
so schlimm, ihr seit doch das Übel!“ be- Hoppe von der Deutschen Partei, P. grantInnen überfallen, ein Jugendclub
kam man aus dem Mund von Bewohnern Wieschke und ein Erfurter Neo-Nazi, der gestürmt und schließlich errichteten lo-
zu hören. Auch einige Dorfpolizisten ursprünglich aus Hessen kommt. Sie er- kale Neo-Nazis auch noch einen NS-Ver-
warfen kritische Blicke und schließlich klärten, dass das „Deutsche Volk“ zum anstaltungsraum und ein eigenes Spreng-
äußerte ein Beamter mit hämischen Überleben bald auf Sozialspenden aus stofflabor, welches jedoch von der Poli-
Grinsen die erste Drohung „An eurer Polen und den Ostblockländern angewie- zei im November 2003 ausgehoben wur-
Stelle würde ich aufpassen, dass ich heu- sen sei und verkündeten diverse Forde- de. Inzwischen wird die Region um Ohr-
te nicht die Fresse voll bekomme...“. Auf rungen, wie die sofortige Abschiebung druf vom „Nationalen Widerstand Go-
Nachfrage bei den Bürgern, was denn von abgelehnten Asylbewerbern und die tha“, der übrigens auch Initiator vom so-
heute auf dem Marktplatz passieren wür- Abschaffung der deutschen Parlamente. genannten „Rennsteigboten“ ist, mit Pro-
de, taten viele so, als wüssten sie von Von der anwesenden Bevölkerung aus paganda und Ähnlichem versorgt. Gera-
nichts, ein älterer Herr erzählte dann, der tiefbraunen Provinz gibt es, wie nicht de in Gotha fanden in den vergangenen
dass er im Radio von einem rechten Auf- anders zu erwarten war, auch noch Bei- Monaten einige Veranstaltungen und
marsch gehört hätte. Gegen halb 11 än- fall, während die Neo-Nazis eine „Sozia- rechtsextreme Konzerte statt, seitdem
derte sich der Zustand, die Zufahrtswege le Gerechtigkeit für alle Deutschen“ ze- der Anführer der Kameradschaft Eise-
zum Marktplatz wurden von der Polizei lebrieren. nach nach Gotha umgezogen ist.
kontrolliert. Ein dutzend Einsatzwagen Stadt: „Durch Ignorieren verschwin- Am Abend trafen sich die Teilnehmer
nehmen hinter dem Rathaus Stellung und den die Rechten“ der Neo-Nazikundgebung an einem Wald-
Beamte der Thüringer BFE-Einheit pa- stück bei Espenfeld (Jonastal) zu einer
trouillieren in der Innenstadt. Einigen AntifaschistInnen, die sich der rechtsradikalen Feier und hatten neben
Neo-Nazis marschieren zum Rat- Kundgebung näherten, wurden wie im- Baseballschlägern und Reizgas auch Pro-
haus mer Gewahrsamnahmen angedroht und pagandamaterial mit im Gepäck. Die un-
Platzverweise erteilt. Von Gegenprotest angemeldete Versammlung wurde von der
Um 12 Uhr war es dann soweit: Eine seitens der Stadt oder der Bevölkerung Polizei aufgelöst. Bereits zur letzten
größere Gruppe von Neo-Nazis mar- ist bis auf ein verlassenes Banner vor Kundgebung brachten Neo-Nazis aus der
schiert Richtung Rathaus und beginnt dem Rathaus nichts zu sehen. Der Bür- Region Gotha mehrere Waffen und rechts-
dann mit dem Aufbau eines Infostands. germeister und die Stadt hatten schließ- extreme Propaganda mit.
Währenddessen packen die ersten rech- lich dazu aufgerufen die Neo-Nazis zu
ten Skinheads ihre Fahnen aus und der ignorieren, so würde sich das Problem Left Resistance Arnstadt [LRA]
Arnstädter Neo-Nazikader Marcel Unger von alleine lösen. Was daraus wurde, ha- left-resistance@gmx.de
vergnügt sich damit, die Lautsprecher- ben wir gesehen, alleine auf der östlichen www.left-resistance.tk ■

: antifaschistische nachrichten 11-2005 7


Am Freitag dem 20. Mai trafen
sich im südthüringischen Suhl
etwa 90 Neo-Nazis und rassis-
Suhl: NPD-Demonstration
tische Bürger zu einer Kundgebung
gegen „Verausländerung“. Die teil -
gegen „Verausländerung“
weise stark alkoholisierten Teilneh -
mer konnten am Rande der Veran - Kreisverband Rudolstadt-Saalfeld Tho- ge Minuten von Suhl entfernt befindet
staltung mehrfach ungehindert ver- mas Wienroth und der NPD-Landesvor- sich im kleinen Ort Dillstädt eine Gast-
botene Parolen gröhlen und den „Hit - sitzende und Bundesgeschäftsführer stätte, die als einschlägiger Treffpunkt in
lergruß“ zeigen. Unter den Demon - Frank Schwerdt. Sie protestierten mit ih- der rechten Szene bekannt ist. Hier fin-
stranten befanden sich neben dem rer fremdenfeindlichen Kundgebung ge- den oftmals rechtsextreme Veranstaltun-
NPD-Spektrum auch militante Neo- gen eine angebliche „Verausländerung“ gen und Schulungen mit durchschnittlich
Nazis, unorganisierte Nazi-Schläger von Suhl-Nord. Unter den Rednern be- 100 bis 200 TeilnehmerInnen statt. So
und „sogenannte NS-Blackmetaler“. fand sich auch Ralf Steglich, ein Bewoh- gab es unter anderem am 5. März 2005
Massive Polizeikontrollen in Suhl ner aus der Umgebung der leerstehenden eine Gedenkfeier zum einjährigen Beste-
Wohnblöcke, in die erst kürzlich nach hen der Erfurter Kameradschaft „Frei-
Kurze Zeit nach der Ankunft in Suhl wa- der Auflösung eines AsylbewerberInnen- heitskämpfer“ und am 22. Januar 2005
ren etliche Zufahrtswege durch massive heims einige MigrantInnen und Flücht- eine Feier mit 120 Neo-Nazis, an der
Polizeikontrollen blockiert. Vermeintliche linge einziehen mussten. Die ach so ar- sich Rechtsextremisten aus ganz Thürin-
„Störer“ wurden durch die Beamten be- men deutschen Protestler hinter dem gen beteiligten. Auch der Arnstädter
reits im Vorfeld auf den Straßen rausgezo- NPD-Banner „Überholen und einzuho- Neo-Nazikader Sven Geyer berichtet in
gen und kontrolliert, es gab intensive len - Nationalismus voran“ beschwerten der rechtsextremen Szenezeitschrift „Ra-
Durchsuchungen und Leibesvisitationen. sich über eine vermeintlich bessere Be- tatösk“ (Eisenach) über das jüngste Tref-
Nach dem bekannt wurde, dass von den handlung von Ausländern als von Deut- fen in der „Henne“: Neben einem Vortrag
TeilnehmerInnen der NPD-Kundgebung schen und warfen allen „Nichtdeut- über Horst-Wessel gab es auch eine Info-
möglicherweise Angriffsaktionen gegenü- schen“ Integrationsunwilligkeit und veranstaltung der erst kürzlich wegen
ber einem betroffenen Wohnblock, in dem „Multikriminalität“ vor. Hauptschwer- Volksverhetzung verurteilten Holocaust-
Flüchtlinge und MigrantInnen leben, aus- punkt war jedoch ein angeblich massiver Leugnerin Ursula Haverbeck und musi-
gehen könnten, wurde die Kundgebung „Ausländerzuzug“ in Suhl-Nord, speziell kalische Begleitung vom bundesweit be-
um etwa 700m auf einen andere Fläche in der Großen Beerbergstraße. kannten Naziliedermacher und NPD-Ka-
verlegt. Neben dem ursprünglich als Ver- Rechtsextreme Strukturen stoßen der Jörg Hähnel (JN Bundesvorstand).
anstaltungsort geplanten Parkplatz ver- überregional auf Interesse Weiterhin schreibt Geyer zu der Veran-
sammelten sich einige hundert Menschen staltung am 22. Januar „...ich freue mich
zu einem Straßenfest, bei dem man mit Die Rechtsextremisten konnten in meh- schon heute auf die Reichsgründungs-
„Bier, Bratwurst und Blasmusik“ ein Zei- reren Fällen ungehindert verbotene Paro- feier 2006, eventuell sehen wir uns ja
chen gegen die Rechtsextremisten setzen len rufen und den „Hitlergruß“ zeigen, dann alle in Berlin“.
wollte. Nicht weit entfernt traf man schon was von der anwesenden Polizei konse- Auch in der Umgebung von Suhl gibt
die ersten teilweise stark alkoholisierten quent ignoriert wurde. Rechtes Gedan- es weitere neofaschistische Strukturen,
Neo-Nazis an. kengut trifft in Suhl Nord nicht selten auf wie die Kameradschaft Zella-Mehlis, die
Rechtsextreme demonstrieren ge- Akzeptanz in der Bevölkerung, viele Deutsche Partei und den Landesvorsit-
gen „Multikriminalität“ sprechen sogar von einer sogenannten zenden Kurt Hoppe sowie eine starke
„national befreiten Zone“, da die Zahl rechte Jugendbewegung in Schleusingen,
Die TeilnehmerInnen der NPD-Kundge- von rechtsextremistisch und rassistisch samt NPD-Kreisverband. Auffällig ist
bung bestanden überwiegend aus rechts- motivierten Angriffe sehr hoch ist und beim Aufkeimen neofaschistischer Ten-
extremen Skinheads und sogenannten sich Neo-Nazis beinahe ungehindert in denzen in der Region vor allem, dass der
„NS-Blackmetallern“, sowie rassisti- der Region ausbreiten konnten. Selbst sogenannte „National Socialist Black
schen Bürgern aus Suhl-Nord. Darunter das Jugendhaus Nordlicht in jenem Metal“ immer mehr an Popularität in der
auch der NPD-Kreisverband Hildburg- Stadtteil dient inzwischen regelmäßig als rechtsextremen Szene erlangt.
hausen-Suhl samt Vorsitzendem Tommy Proberaum für rechtsextreme Blackmetal Left Resistance Arnstadt [LRA]
Frenck, der Vorsitzende vom NPD- Bands (NSBM) aus Südthüringen. Weni- left-resistance@gmx.de ■

Nazi-Aufmarsch am
8. Mai in Berlin

8 : antifaschistische nachrichten 11-2005


Zwei gute Nachrichten brachte dieser Frankreich am Tag danach:
Abstimmungssonntag am 29. Mai
2005 mit sich. Die erste lautet: Das
„Non“ hat gewonnen, mit über 55
Der Sieg des „Non“
Prozent der Stimmen.
Die zweite lautet: An Jean-Marie Le
Pen und der extremen Rechten hat es
beim Volksentscheid –
nicht gelegen.
Welche Rolle spielte
Der Front National, der zur Zeit die
schwerste Krise seiner Geschichte
durchquert, aufgrund des absehbaren al-
die extreme Rechte?
tersbedingten Abgangs seines Chefs und
Übervaters, liegt derzeit in der allgemei-
nen Gunst der Franzosen bei knapp 9
Prozent (laut der jüngsten Monatsumfra-
ge des „Figaro-Magazine“). Das wäre
gut 1 Prozent weniger als bei den letzten
Europaparlamentswahlen im Juni 2004.
Der Abstand zwischen dem NON und
dem OUI bei der Abstimmung beträgt
aber zwischen 10 und 11 Prozent. Dem-
nach hätten die Kritiker des Verfassungs-
vertrags auch dann noch die Abstim-
mung gewonnen, wenn am Sonntag alle
Le Pen-Anhänger aus Krankheitsgrün-
den hätten zu Hause bleiben müssen.
Die französische extreme Rechte war
in diesem Abstimmungswahlkampf real
kaum zu vernehmen, wegen ihrer mo-
mentanen Schwäche und der Zerstritten- Überklebt vom Aufruf für das „Nein von Links“ der Kopernikus-Stiftung: Plakate des
heit ihres zentralen Apparats, in dem auf- rechtsextremen Front national (Stellschild 6), des Realo- und Pro-Verfassungs-Flü-
grund der ungelösten Nachfolgefrage gels der Grünen (7) und der Regierungspartei (8).
viel böses Blut kocht. Und dennoch
stand sie wochenlang im Zentrum der Das erpresserische Argument, das vor Damit würde einer mörderischen Kon-
Debatten – nicht unbedingt wegen ihrer allem sozialdemokratische und linkslibe- kurrenz Tür und Tor geöffnet, da das Ka-
eigenen Initiativen, sondern aufgrund der rale Wähler am letzten Sonntag vom pital innerhalb der EU absolute Nieder-
Rolle und Bedeutung, die Andere ihr ver- Nein-Stimmen abhalten sollte, hat sich lassungsfreiheit genießen soll (Artikel
leihen bzw. zusprechen wollten. im Laufe der Wochen abgenutzt: Kaum 137) und damit ein aktives Sozialdum-
Le Pen wurde permanent durch die jemand wollte es mehr hören. Aber seine ping betreiben kann, indem es Länder
konservativ-reaktionäre Regierungspar- Verwendung bis zum Überdruss durch und Standorte erfolgreich gegeneinander
tei UMP und durch den rechten Flügel die bürgerliche Propagandamaschinerie ausspielt.
der Sozialdemokratie als Schreckge- und die Verwischung des Unterschieds Der Abstimmungskampf konzentrierte
spenst beschworen: „Wenn Ihr mit Nein zwischen „Nein-Stimmen, während auch sich über weite Strecken hinweg auf die
abstimmt, dann stimmt Ihr genauso wie Le Pen (aus anderen Gründen) mit Nein Frage des Umgangs mit osteuropäischen
Le Pen“. Dabei verschwiegen die Herr- stimmt“ einerseits und „gemeinsam mit Arbeitnehmern, die bereits heute auf Ar-
schaften aus der politischen „Mitte“ na- den Rechtsextrem regieren“ andererseits beitssuche nach Frankreich kommen.
türlich vornehm, dass eine „Ja“-Stimme birgt längerfristig ein Risiko in sich: das (Derzeit können sie das offiziell noch
ihrerseits identisch mit der Position eines einer Banalisierung und Verharmlosung nicht als abhängig Beschäftigte, da
Silvio Berlusconi, eines italienischen der extremen Rechten. Frankreich ebenso wie Deutschland und
„Postfaschisten“ Gianfranco Fini (der als die meisten anderen EU-Staaten mit
Mitglied des „Verfassungskonvents“ so- Unterschiedliche Antworten Ausnahme der britischen Inseln einen
gar Co-Autor des Textes war) und eines Der Verfassungsvertrag widerspiegelte Vorbehalt bezüglich der Freizügigkeit
Jörg Haider zum Verfassungsvertrag ist. ein neoliberales politisches Projekt. Des- osteuropäischer EU-Bürger geltend
Eine binäre Ja-Nein-Entscheidung bei ei- sen Grundzüge sehen so aus: Soziale macht. Deswegen kommen polnische
nem Referendum ist nun einmal dazu ge- Probleme und individuelle politische und andere Arbeitnehmer im Moment
eignet, dass sich unterschiedliche Leute Rechte sollen weiterhin den National- überwiegend als Scheinselbständige
aus unterschiedlichen Gründen mit dem- staaten überlassen bleiben, und nur der nach Frankreich.)
selben Stimmzettel in der Hand wieder- Markt und die Konkurrenz sollten die Ein Ausspruch des ehemaliges nieder-
finden. Das ist nicht identisch damit, ein Bevölkerungen der EU miteinander „ver- ländischen EU-Kommissars Frits Bolke-
politisches Programm oder Projekt ge- binden“. stein rückte den, inzwischen sprichwört-
meinsam mit der extremen Rechten zu In seinem Artikel 210-2 schloss der lichen, „polnischen Klempner“ in das
vertreten, wie bürgerliche Regionalregie- Verfassungsvertrag explizit eine Anglei- Zentrum der Debatte. Der Herr be-
rungen in Frankreich es 1998 taten, als chung der sozialpolitischen Gesetzge- schwerte sich Anfang April darüber, dass
sie mit den Stimmen des FN ins Amt ge- bung der verschiedenen EU-Länder aus, er für sein Haus in der Nähe des nord-
langten. Dieser Unterschied wurde syste- eine „Harmonisierung“ auf diesem Ge- französischen Arras „kein geeignetes
matisch verwischt, dadurch wurde die biet soll allein einer vermeintlichen Personal“ finde: Die Klempner und
Gefahr einer tatsächlichen politischen spontanen Entwicklung der Gesetzge- Elektriker, die er beauftragt habe, waren
Annäherung an die extreme Rechte ver- bungen auf jeweils nationaler Ebene anscheinend nicht billig oder nicht willig
wischt. überlassen bleiben. genug. Deshalb würde er gern „polnische

: antifaschistische nachrichten 11-2005 9


tet: Diese ausländi- nes abstrakten gesamteuropäischen Ideals
schen Arbeiter müs- klagte er jene an, die auf das konkrete ma-
sen raus. Dafür steht terielle Problem hinweisen, und nicht jene,
tendenziell die extre- die für ungleiche Lohn- und Arbeitsbedin-
me Rechte, auch gungen sorgen und damit den Grundstein
wenn sie es nicht all- für Konkurrenz und Hass legen.
zu hinaus posaunte, Die dritte Antwort war jene, die durch
da beispielsweise der den von links kommenden, überwiegen-
FN offiziell „für ein den Anteil der Vertragsgegner in diesem
Europa ohne Türkei“ Abstimmungskampf gegeben wurde: Die
eintritt und gegenüber Annäherung der Lebensbedingungen in
den christlichen Völ- Europa, durch Angleichung der sozialen
kern und „alten Zivi- Mindeststandards „nach oben“. Also
lisationen“ Europas durch Einführung EU-weit verbindlicher
mindestens theore- Mindestlöhne, durch Schranken für die
tisch Respekt bekun- Mobilität des Kapitals, durch Niederlas-
Flugblatt des Front National vor der Abstimmung über den det. sungsfreiheit für Einwanderer bei glei-
Verfassungsvertrag: „Für ein Europa ohne Türkei“. Die zweite mögliche chen Rechten statt für Firmen und Unter-
Antwort darauf lautet: nehmen.
Klempner“ importieren und ans Werk Ignorieren. Dafür steht die bürgerliche
lassen, befand Bolkestein. Derselbe Herr Rechte, die im Kern der Ansicht ist, in den Jean-Marie Le Pen war weitgehend
war in den vier Wochen vorher als Na- beschriebenen Phänomenen liege kein abgemeldet
mengeber der EU-Richtlinie zum Dienst- Problem: Zwar würden in Frankreich Ar- Dieses „dritte Lager“ ist es, das den Ab-
leistungsgewerbe berühmt geworden. beitsplätze durch Vergabe an Billiglohn- stimmungskampf bei weitem bestimmt
Diese sieht vor, dass in solchen Fällen länder oder „Import“ billigerer Arbeits- und entschieden hat. Jean-Marie Le Pen
Arbeitnehmer von Dienstleistungsunter- kräfte zwecks Lohndrückens verschwin- war weitgehend abgemeldet, was mit sei-
nehmen aus anderen EU-Ländern (etwa: den. Aber dies würde allemal durch den ner persönlichen Verfassung (Le Pen
die polnischen Klempner, sofern sie Be- Vorteil (aus Sicht des nationalen Kapitals) wurde im Sommer 2002 an Krebs, und
schäftigte einer polnischen Firma sind, des Zugewinns an Marktanteilen für große im Februar dieses Jahres an der Hüfte
die in Frankreich ihre Dienste anbietet) westeuropäische Firmen in Polen und an- operiert) und mit dem Zustand seiner
zu sozial- und arbeitsrechtlichen Bedin- derswo wettgemacht. Wen kümmert also Partei zu tun hat. Deswegen ist dieses
gungen ihrer Herkunftsländer beschäftigt die „Konkurrenz unter Arbeitern“? Auch NON ein Nein der Hoffnung. Nun wird
werden können. Also beispielsweise pol- die neoliberale Schicki-Micki-Sozialde- es darauf ankommen, was man daraus
nische Klempner in Frankreich zu polni- mokratie entschied sich für das Ignorieren macht: Das französische NON hat sozia-
schen Stundensätzen, Arbeitszeiten und bzw. überspielte das Problem durch len Widerständen gegen das neoliberale
Sozialversicherungsbedingungen. Schöngeisterei. So der Schauspieler Phil- und nach Großmachtstatus strebende Eu-
Nachdem diese bereits in erster Le- ippe Torreton, der mit dem rechten Flügel ropa eine Bresche geöffnet. Aber sie
sung verabschiedete Richtlinie im März der Sozialdemokratie den Abstimmungs- muss jetzt von linken Gewerkschaftern,
2005 erstmals durch französische Ge- kampf führte. Auf die Frage eines Journa- von außerparlamentarischen sozialen
werkschaften einer breiteren Öffentlich- listen, was er vom Einsatz solcher „Billig- Bewegungen, von politischen Akteuren
keit bekannt wurde, hatte man sie in arbeitskräfte“ halte, antwortete er mit mo- grenzüberschreitend genutzt werden.
Brüssel eilends „verschoben“, um den ralischem Pathos: „Und ich habe gedacht, Sonst droht der Impuls zu verpuffen, und
Ausgang des französischen Referendums dass man nach dem Horror (des Fa- die Opposition von Rechts doch noch als
nicht zu gefährden (das nunmehr den- schismus) nie wieder einen Polen als Aus- „die wahre Alternative“ dazustehen.
noch für die EU-Eliten „in die Hose länder bezeichnen würde!“ Im Namen ei- Bernhard Schmid, Paris ■
ging“). Doch aufgeschoben bedeutet kei-
neswegs aufgehoben: Ihre Verabschie-
dung in zweiter Lesung ist nunmehr für
September 05 programmiert. Nach dem
französischen Votum dürfte ihre Annah-
me jedoch schwerer fallen.
Im Laufe der Abstimmungskampagne
wurde immer wieder publik, dass die
durch die „Bolkestein-Richtlinie“ vorge-
sehen sozialen Zustände zum Teil bereits
heute Wirklichkeit sind: Polnische Fern-
fahrer sind gezwungen, in Frankreich
Nächte über Nächte auf Autobahnrast-
stätten zu verbringen, damit sie auf dem
Papier in Polen gemeldet bleiben und
nicht auffällt, dass sie in Wirklichkeit in
Frankreich für französische Speditions-
firmen arbeiten. Portugiesische Arbeiter
sind im Auftrag der französischen Tele-
kom, bei deren Subfirma Constructel, in
Zentralfrankreich zu portugiesischen
Löhnen tätig. Usw. usf.
Darauf gab es nun drei verschiedene
Antworten, die in diesem Abstimmungs-
kampf vertreten wurden. Die erste lau-

10 : antifaschistische nachrichten 11-2005


: ausländer- und asylpolitik
Neues Grund-
satzurteil zur asyl-
rechtsrelevanten
Lage in der Türkei
Münster. Der 8. Senat des Oberver-
waltungsgerichts hat mit Urteil vom
19. April 2005 entschieden, dass Kur-
den in der Türkei nach wie vor keiner
an ihre Volkszugehörigkeit anknüp-
fenden Gruppenverfolgung ausge-
setzt sind.

Das Gericht hat sich umfassend mit der


aktuellen Lage in der Türkei befasst und
as Dokumentationszentrum des Rom leuten das Bild der „Zigeuner“ im Film dabei insbesondere die umfangreichen Re-
e.V. Köln – 1999 von Bundestagspräsi- und die Bedeutung des Mediums für die formpakete der Jahre 2002 bis 2004 ge-
dent Wolfgang Thierse eröffnet – zeigt Bildung oder den Abbau von Vorurteilen würdigt, die einer Annäherung der Türkei
ab Montag 30. Mai 2005 bis Dienstag diskutiert werden. Für LehrerInnen und an die EU dienen sollen.
7. Juni 24 Filme zur aktuellen Situa- SchülerInnen finden Sondervorstellun- In Fortführung und Modifizierung sei-
tion, Geschichte und Kultur der Roma gen statt. ner bisherigen Rechtsprechung hat der Se-
in Europa. Die Filmwoche und Filmographie nat ausgeführt:
werden gefördert von: Filmstiftung Die Menschenrechtslage in der Türkei
Die Filmwoche versteht sich als Auf- NRW, Bundeszentrale für politische Bil- habe aufgrund der Reformpakete wichti-
forderung, sich mit dem Bild auseinan- dung Bonn, Landeszentrale für politi- ge Verbesserungen erfahren. Politische
der zu setzen, das dieses Medium von sche Bildung NRW, Kulturamt der Stadt Verfolgung finde indessen in der Türkei
den „Zigeunern“ zeichnet und als Anre- Köln, Europabüro beim OB Köln, Insti- trotz der Reformen weiterhin statt; Folter
gung eine andere Wahrnehmung zuzulas- tut Francais de Cologne, Fonds Sozio- werde allerdings seltener als früher und
sen als diejenige, die wir bisher von die- kultur, Evang. Kirche im Rheinland, Stif- vorwiegend mit anderen, weniger leicht
ser Minderheit haben. Anlass für die tung Mitarbeit, Projektbüro Heuss Hei- nachweisbaren Methoden praktiziert.
Filmwoche ist die Fertigstellung der delberg Von politischer Verfolgung seien in be-
weltweit ersten Filmographie zum The- Eintritt: Film bzw. Filmblock 4.- sonderem Maße Politiker, Journalisten,
ma „Zigeunerfilm“, die solche Filme seit (2.50 Euro), Gesamtticket 18.- (10.-), Menschenrechtsaktivisten und andere
Beginn der Filmgeschichte (also von Schülervorstellungen: am Freitag 1.50 Personen bedroht, die sich für die Inter-
1897 bis 2005) aus ca. 30 europäischen Euro; am Dienstag Eintritt frei essen der kurdischen Bevölkerung ein-
und außereuropäischen Ländern erfasst – setzten und deshalb strafrechtlichen Vor-
bislang fast 2500 Titel. Die Filmographie Vorverkauf: Rom e.V., Bobstr.6-8, 50676 würfen ausgesetzt seien.
basiert auf der zweijährigen Recherche- Köln, Tel. 2786075 email: rom.ev@net- Es sei auch nicht auszuschließen, dass
arbeit unseres Teams und der Kinema- cologne.de türkische Sicherheitskräfte im Einzelfall
thek Hamburg. Sie wird am Montag 30. Das Filmteam des ROM e.V. gegenüber Angehörigen gesuchter Perso-
Mai um 11 Uhr im Filmhaus der Presse Branka Pazin, Regina Schwarz, nen zu asylerheblichen Maßnahmen
vorgestellt. Kurt Holl ■ greifen (Sippenhaft); eine solche Sippen-
Schwerpunkt der Filmwoche haft drohe Angehörigen aber – anders als
sind bisher unbekannte Dokumen- früher – nicht mehr mit beachtlicher
tarfilme zur Situation der Roma in Wahrscheinlichkeit.
Ost- und Südosteuropa, die z.T. von Allein wegen ihrer Volkszugehörigkeit
Roma-Filmemachern gedreht wur- müssten Kurden eine politische Verfol-
den. Die Filme machen deutlich, gung nicht befürchten. Dies gelte auch
warum viele Romafamilien Zu- nach Wiederaufflammen der bewaffneten
flucht in Westeuropa suchen, zumal Auseinandersetzungen zwischen der
nachdem viele dieser Staaten jetzt PKK-Nachfolgeorganisation KONGRA-
EU-Mitglieder wurden und was sie GEL und türkischen Sicherheitskräften
erwartet, wenn sie zurückgeschickt im Südosten der Türkei im Sommer 2004.
werden. Politische Verfolgung hätten auch
Ein anderer Schwerpunkt sind nicht Angehörige der alevitischen Reli-
Filme zu pädagogischen Projekten gionsgemeinschaft zu befürchten oder
mit Romakindern. Mehrere Spielfil- Asylbewerber, die ihren Wehrdienst noch
me thematisieren das prekäre Ver- nicht abgeleistet hätten. Auch nach einer
hältnis zwischen Minderheit und Abschiebung in die Türkei drohe abge-
Mehrheitsgesellschaft. lehnten Asylbewerbern nicht mit beacht-
Regisseure und Filmkritiker u.a. licher Wahrscheinlichkeit eine men-
auch aus Frankreich, Serbien, Un- schenrechtswidrige Behandlung.
garn werden bei einzelnen Vorstel- Das Oberverwaltungsgericht hat die
lungen anwesend ein und sich der Revision zum Bundesverwaltungsgericht
Diskussion stellen. In einem Sym- nicht zugelassen.
posium zum Abschluss der Filmwo- Oberverwaltungsgericht Münster
che (Sonntag 5. Juni) soll mit Fach- 4.05.2005, Az.: 8 A 273/04.A ■

: antifaschistische nachrichten 11-2005 11


Hamburger
CDU
räumt ab
Als die Demonstration gegen die
drohende Abschiebung der Afgha-
ninnen und Afghanen auf den
Hamburger Gänsemarkt, den Ort
der Abschlusskundgebung, einbog,
zogen die Teilnehmerinnen und
Teilnehmer an einer großen Tafel
vorbei, auf der darauf hingewiesen
wurde, dass hier an der „wachsen-
den Stadt“ gebaut wird: „Für Sie“.
In das Senatsleitbild dieser
„wachsenden Stadt“ passt augen-
scheinlich ein Teil der Bevölkerung
nicht. Mit welcher menschenver-
achtenden Energie die Innenbehör-
de, aber auch so mancher CDUler
die Abschiebung der Afghanen zum Und: Was wäre Hamburg ohne sie und ohne all die vielen anderen Migranten? Foto: scc
(höchstpersönlichen) Anliegen
macht, geht aus einer Meldung der
Welt am 24.5. hervor.
„Der Druck wird erhöht“, wird
dort der Sprecher der Innenbehörde
Demonstration gegen
Marco Haase zitiert. Nachdem die
Abschiebungswelle bisher nicht in Massenabschiebungen
nach Afghanistan
gewünschter Weise in Schwung
kam, weil mehrere von Abschie-
bung bedrohte Afghanen ihr ver-
bürgtes Recht wahrnahmen und
Asylanträge stellten, sollen jetzt Hamburg. Über 1000 Menschen demon- nisation of Immigration“ (IOM) - wie be-
Asylanträge noch auf dem Flugha- strierten am 21. Mai gegen die geplanten hauptet - Nagel in Afghanistan zugesagt,
fen, sozusagen bei laufenden Pro- Abschiebungen von mindestens 5.000 sich um die Abgeschobenen zu kümmern.
pellern der Abschiebungsmaschine, Menschen nach Afghanistan. Trotz vielfäl- Lt. Antje Möller von der GAL habe IOM
„geprüft“ werden. Was es mit die- tiger Kritik von Flüchtlingsinitiativen, „keineswegs grünes Licht für die Abschie-
ser „Prüfung“ auf sich hat, nämlich Hilfsorganisationen, aus Kirchenkreisen bung von Flüchtlingen gegeben. Über die
Abfertigung am Fließband, wird und Parteien bleibt der Hamburger Senat Betreuung von rückkehrenden Afghanen
nicht einmal verhüllt. CDU-Innen- bei diesem Vorhaben. Die nächsten Ab- sei ‚keine spezielle Vereinbarung’ mit
experte Ahlhaus („Nach Gesprä- schiebungen sollen am 25. Mai erfolgen Hamburg getroffen worden. Außerdem be-
chen mit dem Innensenator bin ich und dann in den kommenden Wochen je- gleitet die IOM grundsätzlich freiwillige
sehr zuversichtlich, dass der Voll- den Mittwoch stattfinden. Zurzeit werden Rückkehrer - und keine Flüchtlinge, die ge-
zug nun läuft.“): „Einfach nach afghanische Flüchtlinge täglich zu Dutzen- gen ihren Willen in ein anderes Land ver-
Asyl zu rufen, das ist vorbei. Das den in die Ausländerbehörde bestellt. Dul- bracht werden.“ (taz, 3.5.2005).
Bundesamt kann in kürzester Frist dungen erhalten sie nur noch für wenige Wir veröffentlichen im Folgenden die
die Lage prüfen. Wir haben auch si- Tage und Wochen und die Menschen leben Rede einer afghanischen Schülerin, gehal-
chergestellt, dass in Minutenfrist in ständiger Angst vor Festnahmen. „Wer ten auf der Zwischenkundgebung der De-
Kontakt mit dem Eingabenaus- dann festgenommen wird“, so Anwalt monstration am Gerhart-Hauptmann-Platz.
schuss hergestellt werden kann. Thorsten Buschbeck, „der muss dem Rich- bab ■
Damit sind die Verfahren so ge- ter gar nicht vorgeführt werden und kann
strafft, dass wir das meiste direkt am Mittwochen abgeschoben werden“. „Jeden Abend schlafen wir
am Flughafen abräumen können.“ Inzwischen hat sich nicht nur herausge-
So werden Menschen zu Sachen stellt, daß Innensenator Nagel die prekäre mit dem Gedanken ein, was
erklärt, Menschen, deren Zu- Sicherheits- und Versor- morgen mit uns passiert“
kunft auf höchste gefährdet ist, gungslage in Afghani-
zu Verfahrensobjekten, die man stan beschönigt. Seiner Liebe deutsche Mitbürger und Mitbürge-
abräumt. Aus, vorbei und weg. Behauptung, dass der af- rinnen.
Da mögen sie bauen, was ghanische Flüchtlings- Ich bitte Sie für zwei Minuten um Ihre Auf-
und soviel sie wollen: Der deut- minister Azam Dadfur merksamkeit.
sche Ungeist, der sich in der die Abschiebungen be- Wie Sie sicherlich durch die Medien
Exekution der Abschiebung grüßt, hat der Minister mitbekommen haben, werden in diesen Ta-
zeigt und der aus diesem Ahl- im „Spiegel“ widerspro- gen Hunderte von jungen Afghanen nach
haus spricht, macht Hamburg chen. Ebenso wenig hat Afghanistan abgeschoben. Es wird einfach
zu einer erstarrenden Stadt. die Flüchtlingsorganisa- über ihre Zukunft, sogar über das Leben
Christiane Schneider ■ tion „International Orga- vieler junger Afghanen entschieden.

12 : antifaschistische nachrichten 11-2005


Online-Demonstranten vor Gericht
Im Juni 2001 protestierten über zehntausend Men-
schen mit einer Online-Demonstration gegen Ab-
schiebungen mit Lufthansa-Maschinen. Am
14. Juni 2005 wird nun ein Mitglied der Initiative
Libertad!, die zur Demonstration aufgerufen hatte,
wegen Nötigung vor Gericht gestellt.
Wir werden in und mit diesem Prozess die Mei-
nungs- und Demonstrationsfreiheit auch im Inter-
net verteidigen. Wir nutzen deshalb diesen Pro-
zess, um auf der Straße, online und im Gerichts-
saal erneut gegen das Abschiebegeschäft der Luft-
hansa und anderer Fluggesellschaften zu protestie-
ren. Und wir wehren uns gegen die Kriminalisie-
rung von sozialen und politischen Online-Akti-
vismus. aus Frankfurter Info ■

Protest gegen
Sachleistungen für
Flüchtlinge in Kerpen
Am Dienstag, den 24. Mai 2005, fand eine Mahnwache von etwa 20 Flüchtlingen
vor dem Rathaus der Stadt Kerpen (bei Köln) statt. Anlass war eine Ratssitzung, in
der der kommunale Haushalt 2005 verabschiedet wurde.
Ein Ergebnis der Haushaltsvereinbarungen der Koalition aus SPD, Grünen und
UWG ist: 80 bis 90 Flüchtlinge in Kerpen (Leistungsbezieher gem. §§ 1a und 3
AsylbLG) sollen laut Beschluss des Kerpener Sozialausschusses Sachleistungen
statt Bargeld erhalten.
33 Flüchtlinge aus der zentralen kommunalen Unterkunft haben an den Stadtrat
eine Petition gerichtet, die von der Bürgermeisterin bislang nicht entgegen genom-
Wir junge Afghaninnen und Afghanen men wurde. Die Mahnwache war ein weiterer Schritt, den Protest öffentlich zu ma-
sind mit der Hoffnung nach Deutschland chen und an die Stadtverordneten heranzutragen.
gekommen, hier in Schutz und Sicherheit KÖLNER FLÜCHTLINGSRAT, Thomas Zitzmann ■
zu leben, um hier eine Zukunft aufzubau-
en, hier die Möglichkeit zu haben, uns Wir dokumentieren aus der 2. Es bestehen unterschiedliche religiöse
weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Petition der Flüchtlinge Ernährungsregeln.
Doch alle unsere Asylanträge werden 3. Wir haben viele Kinder, die eine viel-
vom Staat abgelehnt. Wir dürfen hier we- „Wir Flüchtlinge in Kerpen, die in der fältige und abwechselungsreiche Er-
der arbeiten noch ausgebildet werden, da zentralen Flüchtlingsunterkunft leben, nährung benötigen.
wir keine Arbeitserlaubnis haben. protestieren gegen das Vorhaben der 4. Einige Frauen sind schwanger und ha-
Jeden Abend schlafen wir mit dem Ge- Stadt, uns für unsere Ernährung, Hygie- ben daher besondere Ernährungsbe-
danken ein, was morgen mit uns passiert, ne, Kleidung usw. kein Geld mehr auszu- darfe. Dies gilt auch für stillende Müt-
ob wir hier in Deutschland bleibe zahlen, sondern nur noch Sachleistungen ter, Neugeborene und Kleinkinder.
n dürfen oder nach Afghanistan abge- zu gewähren bzw. Zugang zu einem 5. Auch die Kranken haben oft einen be-
schoben werden, in ein Land, wo es kei- „Shop“ genannten LKW mit begrenztem sonderen Ernährungsbedarf, z.B. bei
ne Bildung, keine Sicherheit und keine Warenangebot. a. Diabetes und
Zukunft gibt. Durch die Abschiebung lei- b. Allergien.
den viele junge Afghanen an physischen Wir beschließen daher folgende 6. Die Verweigerung von Bargeld be-
und psychischen Problemen. Petition an den Rat der Stadt Kerpen: schränkt unsere Freiheit unnötig und
Wir werden in Handschellen wie Ver- Wir sind als Flüchtlinge alle von der nur, weil wir Flüchtlinge sind. Sie be-
brecher festgenommen und abgescho- Leistungsumstellung betroffen, die im deutet eine Ungleichheit gegenüber
ben. Aber WARUM? Geheimen vom Sozialausschuss be- anderen Menschen. Diese Diskrimi-
Nur weil wir einen Fehler gemacht ha- schlossen wurde, selbst, wenn einzelne nierung verstößt gegen unsere Würde
ben und in ein demokratisches Land ge- das Glück haben sollten, weiter Geld zur als menschliche Wesen.
flohen sind. In der Hoffnung, dass wir Ernährung usw. zu erhalten.
hier in Frieden und Freiheit leben dür- Aus vielen Gründen lehnen wir die Leis- Wir fordern die politischen Gremien da-
fen! tungsumstellung durch die Stadt Kerpen her auf, den Beschluss zur Leistungsum-
Wie heißt es in dem deutschen Grund- ab: stellung zurückzunehmen. Wir fordern
gesetz in Artikel 1, Absatz 1? Die Würde 1. Wir benötigen unterschiedliche Arten die Verwaltung auf, den Beschluss bis
des Menschen ist unantastbar! Sie zu von Essen entsprechend unterschied- dahin nicht umzusetzen.
achten und zu schützen ist Verpflichtung licher Kerpen, den 13./14. Mai 2005“
aller staatlichen Gewalt. a. kultureller
Aber wird das eingehalten? Ist das mit b. und persönlicher Ernährungsgewohn- 33 Unterschriften von Flüchtlingen in
menschlicher Würde zu vereinbaren? ■ heiten. der Unterkunft Kerpen-Horrem ■

: antifaschistische nachrichten 11-2005 13


Zu der am 12. Mai vom Euro-
päischen Parlament angenom-
menen Entschließung zum 60.
Entschließung zum Tag
Jahrestag des Endes des Zweiten
Weltkriegs erklärten die Mitglieder
der Befreiung abgelehnt
der Linksfraktion im Europäischen
Parlament Sahra Wagenknecht (PDS) Vor 60 Jahren wurde die Welt vom Na- tion macht, ist eine Banalisierung des na-
und Tobias Pflüger (parteilos): tionalsozialismus befreit, in dessen Na- tionalsozialistischen Terrorregimes, ver-
men, unterstützt von großen Teilen der unglimpft die Sowjetunion und die von
Wir lehnen die vom Europäischen Parla- deutschen Bevölkerung und vom Kapi- ihrer Bevölkerung und der Roten Armee
ment mit großer Mehrheit in allen Frak- tal, in unvergleichbarer Menschenver- erbrachten immensen Opfer und leistet
tionen von Grünen bis zu Nationalisten – achtung die industrielle Vernichtung der dem wachsenden Nationalismus, Rechts-
mit Ausnahme der Linksfraktion – ange- Juden beschlossen wurde. Konzentra- extremismus und der zunehmenden Re-
nommene Resolution zum 60. Jahrestag tionslager wurden überall zum Zweck lativierung der Nazi-Verbrechen in Euro-
des Endes des Zweiten Weltkriegs aus der vollständigen Auslöschung der euro- pa Vorschub. Notwendig wäre ein ganz
folgenden Gründen ab: päischen Jüdinnen und Juden errichtet. anderes Signal: Eine eindeutige und kla-
a. der 60. Jahrestag der Befreiung Zu den Opfern der Nationalsozialisten re Verpflichtung, dass Faschismus nie-
Deutschlands und Europas wird instru- gehörten alle von ihnen als lebensunwert mals wieder eine Chance in Europa ha-
mentalisiert, um geschichtsrevisionisti- betrachtete Menschen wie Roma und ben darf. Eine antifaschistische Ver-
sche Thesen durch die begriffliche Sinti, behinderte Menschen, Homose- pflichtung durch das Europäische Parla-
Gleichsetzung von Nazi-Deutschland xuelle. Der antifaschistische Widerstand, ment wäre dem Gedenken an das Ende
und Sowjetunion voranzutreiben, getragen insbesondere von Kommunis- des Zweiten Weltkriegs in Europa ange-
b. die Verbrechen des deutschen Fa- ten, Sozialdemokraten und anderen Lin- messen gewesen. Anstatt dessen versucht
schismus, insbesondere die Vernichtung ken, wurde von den Nationalsozialisten das Europäische Parlament den Tag der
der europäischen Juden, werden durch brutal bekämpft, Zehntausende wurden Befreiung zu instrumentalisieren und be-
diese Gleichsetzung verharmlost, offen- gefoltert und ermordet. treibt Geschichtsrevisionismus.
sichtlich ist eine Relativierung dieses Zi- Heute den Gedenktag an das Ende der Sahra Wagenknecht und
vilisationsbruchs Ziel der Resolution, NS-Herrschaft zu nutzen, um 1989 als Tobias Pflüger, MdEP,
c.. der maßgebliche Beitrag der Sowjet- eigentlichen Zeitpunkt der Befreiung Strasbourg, den 12.5.05
union am Sieg über den Faschismus fin- herauszustellen, wie es die im Europäi- eMail swagenknecht@europarl.eu.int
det keine Erwähnung. schen Parlament verabschiedete Resolu- www.sahrawagenknecht.de ■

„Die Himmlischen Vier bringen die


bundesrepublikanischen Verhältnisse
zum Tanzen“, heißt es in der Flug-
Keine Demokratie am
schrift des Aktionsbüros, die seit eini-
gen Wochen verbreitet wird, und die
auch in Berlin und Potsdam am 8. und
Tag für Demokratie.
9. Mai verteilt wurde. Am „Tag für Demokratie“ selbst, also SCHEN VIER“. Und mit ihnen das bür-
am 7. und 8. Mai 2005, war in Berlin gerliche Recht, und insbesondere das
Genauso ist es, und genauso wird es dann nicht nur „Das Begräbnis oder DIE Grundgesetz. Senat und Polizei würdig-
wohl noch weiter sein. Denn der Senat HIMMLISCHEN VIER“ verboten. Ver- ten den 8. Mai mit einem Tanz der Furcht
und die Behörden von Berlin glaubten, boten sollte auch sein jeder Hinweis auf und Schwäche, indem sie jedes Transpa-
am 60. Jahrestag der Befreiung vom Hit- dieses Verbot. Man kann nur mit Brecht rent, jedes Plakat (das in ihre Reichweite
lerfaschismus diese internationale Anti- fragen: „Haben sie denn so mächtige kam) des Platzes verwiesen oder be-
kriegsaktion nicht ertragen zu können. Feinde?“ Der Senat sah nur einen Geg- schlagnahmten, das das Verbot der
Nicht die Ehrung des Heroismus der So- ner. Die Faschisten waren es nicht. Es HIMMLISCHEN VIER bekanntmachte
wjetsoldaten mit den beiden sowjeti- war „Das Begräbnis oder die HIMMLI- und darüber aufklärte.
schen Panzern am sowjetischen Ehren-
mal, nicht die Nutzung des Reichstags
durch den toten Soldaten aus Brechts Le-
gende zur Warnung des deutschen Volkes
vor neuen Kriegen, nicht die Durchfahrt
durch das Brandenburger Tor, nicht die
Mahnung an der Neuen Wache. In Berlin
wurde Verbot auf Verbot, Schikane auf
Schikane gehäuft.
Während das Verwaltungsgericht in
Potsdam das Grundgesetz am 4. Mai
wieder in sein Recht setzte und die Stadt
Potsdam anwies, die Antikriegsaktion in
all ihren Stationen zuzulassen, hielten
Senat und Verwaltungsgerichte in Berlin
an der Linie fest, die da lautete: Alles
darf stattfinden am „Tag für Demokra-
tie“, alles, auch eine Nazikundgebung –
nur nicht diese Aktion zum Jahrestag der
Befreiung vom Hitlerfaschismus!

14 : antifaschistische nachrichten 11-2005


: ostritt
Angemeldete Spontankundgebungen VIER in Berlin auf, zwischen Pariser
gegen das Verbot der „Himmlischen Platz, Reichstag und sowjetischem Eh-

Z
Vier“ wurden rechtswidrig aufgelöst. renmal, an Ballons schwebten sie über u neuen publizistischen Schlägen
Dutzende Unterstützer der Aktion wur- den Köpfen der Personen des Senats- gegen die Tschechische Repu-
den des Platzes verwiesen, ihre Persona- ,,Tages der Demokratie“ und der ver- blik setzt die Frankfurter Allge-
lien aufgenommen. Dutzende Verstöße dutzten Flaneure auf der „Meile der De- meine Zeitung an. Während die „Sude-
nicht nur gegen das Versammlungsrecht, mokratie“. tendeutsche Landsmannschaft“ lauthals
sondern gegen den Artikel 8 des Grund- Sie klärten auf und riefen auf, am 31. die Annullierung zahlreicher tschechi-
gesetzes; die Freiheit der Versammlung, Juli nach Berlin und am 1. August nach scher Gesetze von Verfassungsrang for-
die Freiheit der Kunst, die Freiheit der Potsdam zu kommen – zum 60. Jahrestag dert („Benes-Dekrete“), feuert das Zen-
Meinungsäußerung – sie waren von den des Potsdamer Abkommens. tralorgan der deutschen Bourgeoisie
Berliner Behörden suspendiert, zumin- aus vollen Rohren gegen eine der letz-
dest für DIE HIMMLISCHEN VIER und Kontakt zum AKTIONSBÜRO „DAS ten Bastionen der europäischen Nach-
zumindest an diesem 8. Mai 2005. BEGRÄBNIS ODER DIE HIMMLISCHEN kriegsordnung. Des „Benes-Kults“ be-
Und doch sind sie die HIMMLI- VIER“: Weydingerstr. 14-16, 10178 zichtigt Karl-Peter Schwarz in der FAZ
SCHEN VIER auch dadurch nicht losge- Berlin, Tel. 030/24 00 95 05; Fax vom 23. Mai die tschechische Regie-
worden. Am 7. und 8. Mai tauchten im- 030/24 00 95 06, email: rung: „Der Benes-Kult empört zwar die
mer wieder Tafeln, Flugschriften und aktionsbuero-himmlischevier.de Vertriebenen und viele andere in
Transparente der HIMMLISCHEN Internet: www.himmlischevier.de ■ Deutschland, in Österreich, in Ungarn
und in der Tschechischen Republik,
aber er ist längst zu einem festen Be-
FIR protestiert gegen Erwähnung standteil der tschechischen Geschichts-
politik geworden.“ Hart greift Schwarz
im Verfassungsschutzbericht den ehemaligen tschechoslowakischen
Staatspräsidenten an, dessen Rücktritt
In einem Schreiben an den deutschen Widerstandskämpfer, Deportierter und die Deutschen 1938 mit der Annexion
Innenminister Otto Schily verwahrt sich Internierter für die Bewahrung der Erin- tschechoslowakischen Territoriums er-
die Internationale Föderation der Wider- nerung und gegen jegliche Verfälschung zwungen hatten. Benes habe sich „nach
standskämpfer - Bund der Antifaschisten der Geschichte hervorgehe. der Unterzeichnung des Münchner Ab-
(FIR) gegen ihre diskriminierende Er- Die FIR wirkt heute gegen jegliches kommens nach London abgesetzt“,
wähnung im deutschen Verfassungs- Erstarken von Neofaschismus und Ras- schreibt der FAZ-Autor vorwurfsvoll
schutzbericht. Ohne jegliche inhaltliche sismus, Antisemitismus und Fremden- und wirft ihm „(d)ie ethnische Säube-
Substanz wird die Organisation unter feindlichkeit in den verschiedenen euro- rung der Tschechoslowakei und die
„linksextremistische Bestrebungen“ auf- päischen Ländern. Bei einem Gespräch Mißachtung des Rechts auf Eigentum“
geführt. In der Sprache des Kalten Krie- mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan vor.
ges wird die FIR, die in fast allen europä- am 9. Mai 2005 in Moskau hatte der Prä- Den Beginn des inkriminierten Ge-
ischen Ländern und in Israel Mitglieds- sident der FIR, der belgische Wider- schehens hat Schwarz in der FAZ vom
verbände besitzt, als „Dachverband der standskämpfer Michel Vanderborght, 6. Mai exakt datiert: „Am 4. Mai 1945
kommunistischen Widerstandskämpfer“ noch einmal die übernommene Ver- begann mit dem Prager Aufstand eine
tituliert. pflichtung als „Botschafter des Friedens“ der größten ,ethnischen Säuberungen‘
Innenminister Schily solle sich besser betont. des 20. Jahrhunderts.“
bei seinem Bundeskanzler über die FIR Solch ein Engagement als „linksextre- Zur Erinnerung: Der Prager Aufstand
informieren, forderte der Generalsekre- mistisch“ zu bezeichnen, widerspricht leitete die Befreiung der tschechoslo-
tär der FIR, Dr. Ulrich Schneider. dem politischen Konsens der europäi- wakischen Hauptstadt ein, bei der an-
Bundeskanzler Schröder habe anlässlich schen Demokraten. geblichen „ethnischen Säuberung“ han-
eines Meinungsaustausches zum 60.Jah- Dr. Ulrich Schneider, Generalsekretär delte es sich um die Abschiebung von
restag der Befreiung das aktuelle Infor- Fédération Internationale des Résis- Deutschen und Ungarn, die in irgendei-
mationsbulletin erhalten, aus dem das tants - Association Antifasciste (FIR) ner Form an der Zerschlagung der
aktive Eintreten der Verbände ehemaliger E-Mail: bundesbuero@vvn-bda.de ■ Tschechoslowakei beteiligt waren.
Schwarz wirft Tschechoslowaken, die
im Mai 1945 deutsche Aufschriften an
Bahnhöfen und Postämtern durch
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. tschechoslowakische ersetzten, einen
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de „Rückgriff auf das Symbolrepertoire
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach des Volkstumskampfes“ vor, bezichtigt
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, die Exilregierung, Übergriffe gegen
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, Deutsche gefördert zu haben. Und er
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. setzt den Beginn der Befreiung mit
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. dem Beginn einer angeblichen neuen
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind Unterdrückung („ethnische Säube-
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. rung“) in eins.
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Dass man derlei Invektiven nicht
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung mehr nur in abseitigen „Vertriebenen“-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Blättchen, sondern im Zentralorgan der
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
deutschen Bourgeoisie findet, ist ein si-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., cherer Hinweis auf das Aggressionspo-
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- tential der herrschenden Klasse gegen-
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini-
über dem Nachbarland.
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di jk ■
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk.

: antifaschistische nachrichten 11-2005 15


: aus der faschistischen presse
konnten die Photos und Filmszenen für
sich selber sprechen lassen. Die vorge-
führten ,Neonazis‘ hatten sich ersichtlich
Anleitung zum Kreidefressen phales Scheitern wäre Hitler 1933 nicht Mühe gegeben, ihrer eigenen Karikatur zu
Nation und Europa, Mai 2005 zur Macht gelangt. Die Verzweiflungsal- entsprechen – in Kleidung, Mimik, Frisur,
Auch die Herausgeber und Redakteure ternative zwischen Rot und Braun, Kom- Schuhwerk und sonstigen Accesoires“.
kommen nicht umhin, des 60. Jahrestages munisten und Nationalsozialisten hätte Aber das Aussehen der „Kameraden“
der Befreiung Deutschlands vom Fa- sich den Wählern nicht gestellt, wenn die ist nur zweitrangig: „Zu den Äußerlich-
schismus zu gedenken – tun das allerdings anderen Parteien ihrer nationalen Pflicht keiten gesellen sich inhaltliche Fragen.
auf ihre eigene Weise: „60 Jahre 8. Mai nachgekommen wären. Die Menschen Wenn Demonstrationen nicht zum Selbst-
1945: Wir feiern nicht. Wir gedenken aller wollten Arbeit und soziale Sicherheit. Wie zweck verkommen sollen, muß sorgfältig
Opfer des Krieges, nicht zuletzt derer, die heute auch. Sie wollten keinen Krieg und bedacht werden, an welchen Tagen, an
für Deutschland gefallen sind oder ermor- keine Minderheitenverfolgung. Wie heute welchen Orten und mit welcher Botschaft
det wurden. Wir schämen uns eines Kanz- auch. Daß es schließlich anders kam, be- sie stattfinden. Auch hier gilt der alte
lers, der im Lager der Sieger auf die deut- gründet keinen Kollektivschuldvorwurf Grundsatz: Der Wurm muß dem Fisch
sche Katastrophe anstößt. Wir werden uns gegen das deutsche Volk. Auch nicht ge- schmecken, nicht dem Angler ... Welche
befreit fühlen, sobald der letzte ,Befreier‘ gen andere Völker. Hüben wie drüben ha- positiven Signale sollten beispielsweise
Deutschland verlassen hat. Die Mitarbeiter ben Politiker die Weichen Richtung Ab- von einer Demonstration vor dem Berli-
des Nation-Europa-Verlages“. Mit ihrem grund gestellt. Soldaten und Zivilisten ner Holocaust-Denkmal ausgehen? Wahl-
Gedenken an alle Opfer des Krieges, die mußten es ausbaden“. werbende Partein, besonders rechte, tun
keinen Unterschied zwischen Mördern und Angesichts der Wahlerfolge faschisti- gut daran, sich nicht selbst mit dem Drit-
Ermodeten, Angreifern und Verteidigern, scher Parteien macht sich Ulf Köster ten Reich und seinen Schattenseiten in
„Herren-“ und „Untermenschen“ kennt Hoffnungen auf einen Einzug der Rechten Verbindung zu bringen ... Auch für rechte
unterscheiden sie sich allerdings kaum in den Bundestag und deshalb Sorgen um Parteien wäre es extrem unzweckmäßig,
vom deutschen Opfermythos der in den ihr Erscheinungsbild: „Doch seit den sich mit Geschichtsdeutungen zu belas-
letzten Jahren und Monaten die Medien be- NPD- bzw. DVU-Erfolgen in Sachsen und ten, die von den heutigen Problemen nur
herrschte. Grass’ letztes Buch und die Fil- Brandenburg weiß man, daß demokrati- ablenken.“ Der industrielle Judenmord als
me über das Leid der Vertriebenen, Jörg scher Patriotismus in Deutschland neue Schattenseite des Dritten Reiches – schon
Friedrichs „Brand“ (aus dem der Begriff parlamentarische Chancen hat. Erhebliche die Wortwahl entlarvt den Autoren.
des „Bomben-Holocaust“ stammt) „Der Teile der Wählerschaft suchen nach einer Statt martialischem Auftreten im Neona-
Untergang“ in den Kinos: Das alles nahm Antwort auf das Versagen des Berliner zigewand empfiehlt Köster als politische
den ersten Absatz der N&E-Erklärung vor- Parteienkartells – einer seriösen (im Origi- Tarnung das beliebte Gedenken an alle Op-
weg, ohne einen Aufstand der Anständigen nal kursiv – tri) Antwort. In einer solchen fer: „Das Regime will das Opfergedenken
hervorzurufen. Situation müssen die Verantwortungsträ- für sich monopolisieren. Hier muß kluge,
Eine nur geringfügig andere Form der ger und Aktivisten des patriotischen Spek- gewitzte Opposition mit Gegenmaßnah-
„Entschuldigung“ für die faschistischen trums mehr denn je prüfen, ob die bisheri- men ansetzen. Wenige Gesten reichen aus,
Verbrechen liefert Bernd Seifert, der „zum gen Strategien und Verhaltensweisen dazu um antirechte Diffamierungen ad absur-
60. Jahrestag der deutschen Kapitulation“ angetan sind, das sich herausbildende dum zu führen. Ein DVU- NPD- oder Rep-
fragt „Welche Lehren?“: „Die ,kleinen Wählerpotential anzusprechen“. Kranz für alle Opfer – natürlich auch für
Leute‘ waren weder am Schmieden von Zum einen geht es Köster um das Aus- die jüdischen – entfaltet weitaus mehr Wir-
Kriegsplänen noch in ihrer übergroßen sehen der brauen Kader: „Die langen Jahre kung als jede einseitige und mißverständli-
Mehrheit an Verbrechen beteiligt. Sie wa- parlamentarischer Abstinenz haben näm- che Demonstration an untauglichem Ort.
ren Opfer des Krieges – in Berlin genauso lich die Tendenz gefördert, bei öffent- Halbwüchsige Heißsporne und Gestalten
wie in Moskau, in Dresden genauso wie lichen Aktionen Erscheinungsbild und Pu- fragwürdiger Herkunft, denen an guten
in London, in Köln genauso wie in Paris, blikumswirkung zu vernachlässigen. Ins- Wahlergebnissen offenbar nicht gelegen
Rom, Tokio, Hiroshima oder Nagasaki. besondere jungen Aktivisten aus ,freien ist, dürfen das öffentliche Erscheinungs-
Verantwortlich waren und sind stets Poli- Kameradschaften‘ ging es manchmal zu bild deutscher Rechtsparteien nicht länger
tiker. Sie hatten schon in der Weimarer sehr um bloße Provokation. Anlaß, Aussa- beeinträchtigen“. Und wer das nicht ver-
Republik versagt und die erste deutsche ge und Optik einiger Aufzüge waren eine steht, fliegt raus: „Uneinsichtige ... müssen
Demokratie ruiniert. Ohne ihr katastro- Freude für linke ,Berichterstatter‘; sie isoliert werden ...“. Bleibt abzuwarten, ob
Kösters Ratschläge vom jungen, militanten
NPD-Anhang beherzigt werden.
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Wem das Herz voll, dem läuft das Maul
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Erscheinungsweise: über – das gilt auch für Michael Brückner:
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zeit durch deutsche Kirchen. Als anstößig
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werden vor allem mittelalterliche Skulptu-
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ren empfunden, die eine ,Judensau‘ dar-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). stellen: ein Schwein, an dessen Zitzen Is-
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
raeliten nuckeln ... Dort wurde jetzt nach
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) zehnjährigen Verhandlungen zwischen
Bistum, Kultusministerium und jüdischem
Name: Adresse: Landesverband eine Erklärungstafel ange-
bracht, auf der zu lesen ist, daß die Juden-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts sau im historischen Zusammenhang gese-
hen werden müsse und aus heutiger Sicht
Unterschrift befremdlich wirke ... Was gestern als
schweinisch galt und heute als befremd-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
lich, das kann schon morgen etwas ganz
anderes sein.“ tri ■

16 : antifaschistische nachrichten 11-2005

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