You are on page 1of 16

:antifaschistische Nr.

14
nachrichten g 3336 14.7.2005 21. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Koordinierte Massen-
abschiebungen geplant
Paris. Frankreichs Law & Order-Minister
Nicolas Sarkozy wirbt derzeit für das Kon-
zept der „Selektiven Einwanderung“, mit
Einwanderungsquoten für Hochqualifizierte
bei gleichzeitiger drastischer Einschränkung
beim Familiennachzug der anderen Immig-
ranten sowie beim Asylrecht. (Siehe Artikel
S. 7) Beim Gipfel der Innenminister der so-
genannten G5-Staaten (das sind die Länder,
die einen „harten Kern“ der EU bei der Zu-
sammenarbeit in repressiven Dingen bilden
wollen: Frankreich, Deutschland, Britannien,
Italien, Spanien) in Evian am 5. Juli 2005
konnte Sarkozy seine Amtskollegen für die
Idee gemeinsamer Kollektivabschiebungen
größerer Gruppen von unerwünschten Mig-
ranten aus diesen Ländern gewinnen. Dabei
ist etwa an die Einrichtung von Sonderflügen
gedacht, um die Abschiebungen wirtschaft-
lich zu rentabilisieren. Am gleichen Ort warb
Sarkozy für seine Idee, die Herkunftsländer
für einen „Deal“ zu gewinnen: Wenn deren NPD-Wahlkampfauftakt:
Regierungen möchten, dass ihre Hochqualifi-
zierten in Frankreich oder Europa arbeiten
dürfen – in der Hoffnung, dass diese Gelder
„Rock für Deutschland“
nach Hause an ihre Familien überweisen und
so die Nationalökonomien am Laufen halten
an Stelle des „Deutsche
–, dann sollen sie gefälligst ihre Hungerleider
bereitwillig zurücknehmen. Stimme“ Pressefestes
„Bisher kann nie mehr als ein Drittel der Am Samstag, 9. Juli demons- mehrere hundert Personen teil. Schät-
angeordneten Abschiebungen wirklich trierten mehrere hundert Anti- zungen der Polizei belaufen sich auf
durchgeführt werden“, bemängelte Sarkozy, faschistInnen gegen ein Kon- 250 bis 300 TeilnehmerInnen, Anwe-
„weil die Konsulate ihrer Herkunftsländer zert der NPD mitten in der Geraer In- sende sprechen von 350 bis 400 De-
Schwierigkeiten bei der Rücknahme“ der
nenstadt. Unter dem Titel „Rock für monstrantInnen. Die Demonstration
Unerwünschten bereiteten. Das will der Mi-
Deutschland“ wollten Nazis an ver- verlief lautstark durch die Innenstadt.
nister jetzt geändert wissen: Nur jene Länder
gangene Konzerte wie das „Rock Es kam dabei zu keinen nennenswerten
sollen bei der Vergabe von Visa an ihre Bür-
gegen Krieg“, aber auch das „Fest Zwischenfällen, abgesehen von einzel-
gerInnen (oder Untertanen) „großzügig“ be-
handelt werden, deren Konsulate bereitwillig der Völker“ im vergangenen Juni an- nen Nazis, welche die Route der De-
„Passierscheine“ für Abschüblinge aus knüpfen. monstration hin und wieder kreuzten,
Frankreich ausstellen. Denn ohne ein solches und aberwitzigen Auflagen, die be-
diplomatisches Dokument, das den (unfrei- Dagegen formierte sich zeitig Protest. wirkten, dass Antifas, die mit Basecap
willigen) Grenzübertritt erlaubt, können Ab- Einerseits rief die Zivilgesellschaft – und Sonnenbrille ausgestattet waren,
schiebekandidaten nicht außer Frankreichs verschiedene Parteien von PDS bis mit Festnahme gedroht wurde.
geschafft werden. Von vornherein mit be- CDU, Gewerkschaften, Gewerbetrei- Auf etwa der Hälfte der vorgesehe-
dacht ist dabei, dass ein gewisser Anteil der bende und ortsansässige Vereine –, die nen Route wurde die Demonstration
Letztgenannten „illegal“ in den Metropolen- einen „runden Tisch“ gegen rechts bil- nach einer Zwischenkundgebung in
staaten bleiben wird: Sie bilden das weitge- deten, zu einem Bürgerfest in der Gera- Höhe des parallel stattfindenden „Bür-
hend entrechtete, und durch den gewachse- er Innenstadt auf. Andererseits mobili- gerfests“ seitens der VeranstalterInnen
nen polizeilichen Druck gefügig gemachte, sierten die Antifaschistische Aktion aufgelöst. Der „Park der Jugend“, in
Subproletariat für die am geringsten geach- Gera (AAG), der Antifaschistische dem die NPD-Veranstaltung stattfand,
teten Tätigkeiten. Aufstand Köpenick (AAK) und weitere befand sich an diesem Punkt in Sicht-
BhS, Paris ■ linke Gruppen aus dem Bundesgebiet weite. Aufgrund massiver Polizeiprä-
zu einer Demonstration unter dem senz – es waren mehrere Hundertschaf-
Motto „Der Provinz einheizen. Drittes ten von Polizei und BGS vor allem aus
Inhalt: NPD-Openair verhindern - Standortna- Thüringen und Sachsen im Einsatz –
Frankreich: Regierung tionalismus angreifen“. gelang den Demonstrierenden aller-
umwirbt rechte Wähler . . . . . . . . . 7 An der Antifademonstration, die sich dings kein Durchbruch.
mittags in Bewegung setzte, nahmen Fortsetzung Seite 3
: meldungen, aktionen
fristigere“ Fehlentwicklung. Auch bei der
bevorstehenden Bundestagswahl erwartet
Hoppe keine „Wende“ in der Politik. Die
Umbenennung gefordert dem FAZ-Feuilletonisten Lorenz Jäger „konservativen Parteien der Gegenwart
Remscheid. Das Ernst-Moritz-Arndt- („Nach 1968: Ist Deutschland unwider- hätten einen Großteil der sozialistischen
Gymnasium in Remscheid hat beim Rat ruflich links?“) referierte dort auch Prof. Ideologie geschluckt“. Den „Sozialstaat“
der Stadt seine Umbenennung beantragt. Dr. Hans-Hermann Hoppe. Der 1949 in sieht er „ebenso sicher zusammenbre-
Die Schule argumentiert, sie sei es leid, Peine geborene Hoppe wanderte 1986 in chen, wie der Kommunismus zusammen-
sich immer wieder für einen Namenspa- die USA aus, wo er heute an einer Univer- gebrochen ist“.
tron rechtfertigen zu müssen, der von den sität in Las Vegas unterrichtet. Der Autor In Deutschland kam der demokratie-
Nazis als Vorkämpfer für ihr Regime be- des Buches „Demokratie – Der Gott, der feindliche Nationalökonom, der noch
trachtet wurde. Einige ehemalige Schüler keiner ist“ wird als „Vordenker“ der „kon- Ende der 90er Jahre dem wissenschafti-
des Gymnasiums und Mitglieder des servativ-libertären Szene“ gehandelt. Auf chen Beirat der „Liberalen Akademie“ an-
Schulfördervereins möchten jedoch, das seiner jüngsten Rundreise durch Europa gehört hatte, bislang u.a. in den Zeitschrif-
die Schule auch weiterhin nach Arndt be- sprach Hoppe nicht nur in Gummersbach, ten „eigentümlich frei“, „Criticon“ und
nannt bleibt. Da scheinen sich die Kritiker sondern auch in Brüssel, Graz, Berlin, „Sezession“ zu Wort. hma ■
der Umbenennung nie ernsthaft mit der Hannover, Grevenbroich und Greifswald.
völkischen Gesinnung Ernst-Moritz Dort war er Teilnehmer einer Diskussion Heß-Gedenkmarsch in
Arndts (1769-1860) auseinandergesetzt im Haus der „Burschenschaft Markoman-
zu haben. Immer wieder bezog sich Arndt nia“, nachdem die Hochschule den Veran- Wunsiedel untersagt
in seinen Schriften auf das Germanentum, staltern die Räume entzogen hatte. Hop- Wunsiedel. Der für den 20. August ge-
wenn er vom „teutschen“ Geist und „teut- pes Diskussionspartner dort war Götz Ku- plante Heß-Gedenkmarsch ist vom
scher“ Einheit sprach. Jesuiten und Frei- bitschek vom dem um die „Junge Frei- Landratsamt Wunsiedel verboten worden.
maurer („Abgötterei mit dem Ausländi- heit“ angesiedelten „Institut für Staatspo- Die Gedenkkundgebung für den Hitler-
schen“), denen eine Verschwörung unter- litik“. Stellvertreter Rudolf Heß diene eindeutig
stellt wurde, und Juden („Die Juden als Auch der „Jungen Freiheit“ (JF) gab dazu, die nationalsozialistische Gewalt-
Juden passen nicht in diese Welt und in der bekennende „Feind des demokrati- und Willkürherrschaft zu verherrlichen,
diese Staaten hinein“) hatte in Arndts schen Staates“ ein Interview. „Gute De- erklärte der Wunsiedler Landrat Peter Sei-
Deutschland keinen Platz. Damit war er mokraten“ seien für ihn nur „moderate“ ßer Dies geschehe in einer die Würde der
durchaus kompatibel mit den späteren Kommunisten“, so Hoppe gegenüber der Opfer des NS-Regimes verletzenden Art
Nazis, die seine nationalistischen Schrif- „JF“ und von denen nicht eingeladen zu und Weise. Außerdem werde dadurch der
ten nach 1933 wieder neu auflegten. werden, betrachte er als „eine Ehre“. De- öffentliche Friede gestört. Nach der An-
hma ■ mokratie habe für ihn nichts mit Freiheit fang April in Kraft getretenen Verschär-
zu tun, so Hoppe. „Demokratie“ sei „eine fung des Versammlungsrechts stelle dies
SDV-Schiffahrt von Demagogen angereizte und unsicher nun erstmals eine Straftat dar, so Seißer.
gesteuerte Herrschaft des Mobs“. Das die- Die Verbotsanträge der Vorjahre seien mit
Bodenseekreis. Der 1981 im Zusam- ser „Mob“ selbst ihm Schwierigkeiten be- der Gefährdung der verfassungsmäßigen
menhang mit der Veröffentlichung des reiten kann, hatte Hoppe in den USA be- Ordnung durch die Kundgebung begrün-
rassistischen „Heidelberger Manifest“ ge- reits schon erlebt. Weil er „in seinem „De- det worden. Er hoffe, dass die gesetzliche
gründete „Schutzbund für das deutsche mokratie“-Buch die Diskriminierung von Neuregelung dazu führt, dass das Ver-
Volk“ (SDV) lädt für den 13. August Kommunisten, Demokraten und be- sammlungsverbot auch von den Gerichten
„Gleichgesinnte“ zu einer Schiffahrt auf stimmten Lebensformen voraussagt“ bestätigt werde.
dem Bodensee ein. Mit dem Schiff soll es („JF“ 25-05) und ein homosexueller Stu- Das Verbot gilt laut Landratsamt so-
von Überlingen ins österreichische Bre- dent sich diskriminiert fühlte, hatte es dort wohl für die vom Neonazi Jürgen Rieger
genz gehen und dort mit dem Lift auf den schon erste Auseinandersetzungen gege- angemeldete Versammlung als auch für
Pfänder. Geworben wird für den SDV in ben. In den USA werde man jedoch als jede Form von Ersatzveranstaltungen.
einschlägig rechten Publikationen wie „Sünder“ gegen die „Political Correct- Eine Bestätigung der Entscheidung des
„Nation und Europa“, der „Deutsche ness“ zumindest nicht „mit strafrechtli- Landratsamts bei einer Anfechtung vor
Stimme“ der NPD, „Junge Freiheit“, chen Sanktionen bedroht“, wenn man sich Gericht wäre eine tragfähige Grundlage
„Recht und Wahrheit“ und „Der Schle- „über besonders heikle Themen“ äußert, für ein Verbot aller bis zum Jahr 2010 be-
sier“. hma ■ freut sich Hoppe. Um so mehr ist ihm der reits im voraus angemeldeten Heß-Ge-
deutsche „Volksverhetzungsparagraph“ denkkundgebungen.
Demokratiegegner auf ein Dorn im Auge: „Wenn bestimmte Äu- Aller Erfahrung nach ist aber keines-
ßerungen verboten sind, stellt sich beinah wegs mit einem Verbot fest zu rechnen,
Rundreise automatisch der Verdacht ein, daß an ih- deshalb läuft die bundesweite Mobilisie-
Grevenbroich/Berlin. Als „liberaler nen möglicherweise doch etwas dran ist“, rung nach Wunsiedel weiter. Es wird an
Geschichtsrevisionismus“ wird die in äußert Hoppe gegenüber der „JF“. „Wa- diesem Tag neben der Demonstration eine
Grevenbroich verlegte Zeitschrift „eigen- rum sollte man sonst zu so einer drasti- Fülle weiterer Veranstaltungen und Aktio-
tümlich frei“ (ef) in der NPD-Zeitung schen Maßnahme wie einem Sprachver- nen geben sowie ein Konzert von „Extra-
„Deutsche Stimme“ gefeiert. Auch die bot greifen?“. Natürlich lehnt Hoppe auch breit“ und vielen anderen. ■
Äußerung des „ef“-Herausgebers Andre die Errungenschaften der Französischen
Internetadressen, die über die Aktionen in
Lichtschlag über die „oft groteske Verteu- Revolution ab. Ihr Bild müsse „noch
Wunsiedel informieren:
felung“ der NPD wird dort mit Sympathie grundlegend berichtigt werden“, denn sie www.ns-verherrlichung-stoppen.tk
aufgenommen. Lichtschlag war – neben gehöre „in dieselbe Kategorie von üblen www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
Dietmar Dominik Hennig, dem Presse- Revolutionen wie die bolschewistische www.wunsiedel-ist-bunt.de
sprecher der FDP Würzburg-Land – un- Revolution und die nationalsozialistische Wunsiedels Jugendinitiative:
längst Teilnehmer eines Seminars an der Revolution“. www.jugendini-wunsiedel.de
Gummersbacher „Theodor-Heuss-Akade- Während der Sozialismus eine „kurz- Tournee „Laut gegen Nazis“
mie“, das die FDP-nahe „Friedrich-Nau- fristige Fehlentwicklung“ darstellte, sei Start am 20.08.05 in Wunsiedel
www.dezibel-promo.de
mann-Stiftung“ ausgerichtet hatte. Außer der Staat – so Hoppe – eine „andere, lang-

2 : antifaschistische nachrichten 14-2005


NPD sorgt im Rechtsaus- Fortsetzung von Seite 1 ins sächsische Mücka. Dieses Jahr muss
schuss für Eklat Zeitgleich begann das „Bürgerfest“, das Pressefest jedoch aufgrund der vor-
bei dem nach Angaben der Polizei 350 gezogenen Bundestagswahl ausfallen,
Sachsen. Die NPD-Landtagsfraktion hat Menschen „Gesicht gegen rechts“ zeig- nicht zuletzt aus finanziellen Gründen.
im Rechtsausschuss des Parlaments einen ten. Wie weit es mit der zivilgesellschaft- Damit besaß das „Rock für Deutschland“
Eklat ausgelöst. Zu einer öffentlichen An- lichen Courage aussah, zeigte sich, als auch Wahlkampfcharakter. Unter ande-
hörung über den Polizeieinsatz bei der wiederholt kleine Gruppen von Nazis rem sollten der Bundesvorsitzende der
Neonazi-Demonstration in Leipzig am das Bürgerfest passierten. Augenschein- NPD, Udo Voigt, und weitere NPD-Ka-
1. Mai lud sie den bundesweit bekannten lich störte sich niemand an T-Shirt-Auf- der Reden halten.
Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger drucken wie „White Power“, „Landser“ Die Proteste gegen die Naziveranstal-
als „Experten“ ein. Der Großteil der Aus- oder „Ruhm und Ehre dem deutschen tung waren begleitet von Polizeirepressi-
schussmitglieder und Innenminister Tho- Frontsoldaten“. Die Polizei, die im Vor- on. Personen wurden willkürlich kontrol-
mas de Maizière verließen daraufhin den feld zusagte, rechte Provokationen zu liert und nach dem Ende der Demonstra-
Saal. Die PDS, die die Ausschusssitzung unterbinden, schritt nicht ein. Überhaupt tion bzw. im Verlaufe des Nachmittags
beantragt hatte, forderte, Rieger als Gut- war es den Nazis möglich, sich frei im systematisch an alle nicht aus Gera stam-
achter auszuschließen. Rieger ist Vorsit- gesamten Stadtgebiet zu bewegen. menden Antifas Platzverweise erteilt, die
zender und ideologischer Kopf der rechts- Das NPD-Openair konnte letztlich lei- für das gesamte Geraer Stadtgebiet gel-
extremistischen Gruppierung „Die Artge- der ohne weitere Störungen durchgeführt ten. Damit war es vielen weder möglich,
meinschaft - Germanische Glaubensge- werden. Erwartet wurden 500 bis 1000 sich zum Bürgerfest zu begeben, noch an
meinschaft wesensgemäßer Lebensgestal- Nazis. Die Presse spricht im Nachhinein der Antifakundgebung am Nachmittag
tung e.V.“. Er ist wegen Körperverletzung von rund 700 Nazis, die Polizei vor Ort teilzunehmen. Damit erzwang die Polizei
verurteilt. Außerdem wurde gegen ihn jedoch von „deutlich unter 500 Nazis“. die Abreise auswärtiger Linker, während
wegen Volksverhetzung und der Verwen- Dies deckt sich auch mit Schätzungen den Bussen aus Berlin die geplante Ab-
dung verfassungsfeindlicher Symbole er- von AntifaschistInnen, die von etwa 400 fahrt versagt wurde - rechtswidrig, wie
mittelt. Als Rechtsanwalt vertrat er unter Nazis ausgeht. Das Spektrum reichte von die Initiative „BürgerInnen beobachten
anderen die bekannten Rechtsextremisten typischen „Dorfglatzen“ über vor allem die Polizei“ betonte.
Christian Worch, Michael Kühn und jugendliche NPD-AnhängerInnen bis hin Bis zum späten Nachmittag wurden
Horst Mahler. Quelle: mdr.de, 4.7.05 ■ zu Fans von Rechtsrock- und NSBM- mindestens fünf Antifas in Gewahrsam
(NS-Black-Metal)Musik. Grund dafür verbracht bzw. vorläufig festgenommen,
NPD setzt in Sachsen auf ist, dass das Aufspielen von einschlägig Presseinformationen zu Folge allesamt
bekannten Nazibands wie Kraftschlag, wegen Sachbeschädigung. Auf Seiten
Spitzenkandidat Apfel Eugenik, Legion of Thor und Radikahl der Nazis landeten sieben Personen in
Sachsen. Am Sonnabend 25. Juni hat die angekündigt wurde. Gewahrsam, jeweils wegen Tragens von
sächsische NPD in Grüna bei Chemnitz Das „Rock für Deutschland“ galt zu- Symbolen verfassungsfeindlicher Orga-
ihre Landesliste für die Bundestagswahl dem als Ersatzveranstaltung für das Pres- nisationen und Verstößen gegen das Ver-
beschlossen. Dabei wurden erstmals auch sefest der „Deutschen Stimme“, des pu- sammlungsgesetz. Es konnten auch meh-
Nicht-NPDlern Listenplätze zur Verfü- blizistischen Organs der NPD. Zu einem rere Tonträger mit verbotenen Inhalten
gung gestellt. solchen Pressefest reisten im vergange- beschlagnahmt werden.
So wurde hinter den NPD-Fraktions- nen Jahr zwischen 6000 und 7000 Nazis LeftPress, 9. Juli 2005, indymedia ■
chef im sächsischen Landtag, Holger Ap-
fel, auf Listenplatz zwei der parteilose
Harald Neubauer mit einem Mandat der ber würden zudem versuchen, sich per eine eigene Zeitung, eine rechte Graffiti-
Deutschen Volksunion gesetzt. Der aus Klage Zugang zu TV-Shows zu verschaf- Szene und eine militante Kameradschaft,
Bayern kommende Neubauer saß als Re- fen. Marx sagte, Sachsen komme im die nicht nur offensiv durch Gewaltakte
publikaner mehrere Jahre an der Seite des Wahlkampf eine besondere Bedeutung sondern auch durch zahlreiche Protest-
französischen Rechtspopulisten Jean Ma- bei. Hier sollen die Kader Uwe Leichsen- und Infoveranstaltungen sowie Propagan-
rie Le Pen im Europaparlament. Auf Platz ring und Holger Apfel als Kandidaten auf- daktionen in Erscheinung trat. Vor zwei
drei rangiert mit Winfried Pätzold der ers- gebaut werden. Motto: Ein Apfel für Jahren wurde in der Nähe ein Sprengstoff-
te Sachse auf der Landesliste. Nach der Sachsen. labor von Neonazis ausgehoben und der-
Entscheidung über die ersten drei der 20 Ob die Rechnung aufgeht, bleibt abzu- zeit existiert nicht weit entfernt auch eine
Listenplätze wurde die Presse ohne Be- warten. Der „sächsische Apfel“ stammt NS-Blackmetal Produktion sowie ein Na-
gründung vom Parteitag ausgeschlossen. tatsächlich aus Hildesheim in Niedersach- ziladen.
In Wahlkampfreden kam es zuvor zu sen. Mit vier Nein-Stimmen und drei Ent- 23.7.05: Arnstadt, 14:00 Uhr Haupt-
verbalen Ausfällen insbesondere gegen haltungen schnitt Apfel zudem auf den bahnhof.
die Bundesregierung. Apfel warf ihr eine vorderen Listenplätzen am schlechtesten http://www.noplacetohide.de.vu/ ■
„kulturelle, geistige und ethische Verge- ab. Quelle: Sächsische Zeitung,
waltigung des deutschen Volkes“ vor. 27. Juni 2005 ■ Ja zu repräsentativem
NPD-Chef Voigt griff zudem das neue
Linksbündnis aus WASG und PDS an und Moscheebau
Demonstration in Arnstadt
bestätigte frühere Aussagen seines Mitar- München. Im Münchner Stadtteil Send-
beiters, dass Leute „aus dem nationalen Thüringen. Am 23. Juli 2005 findet im ling möchte der Verein DITIM am Got-
Lager“ in die WASG eingesickert seien. thüringischen Arnstadt eine antifaschisti- zinger Platz, gegenüber einem katholi-
Voigt räumte ein, dass das Linksbündnis sche Demonstration gegen die massive schen Gotteshaus, eine Moschee bauen,
über die Thematisierung sozialer Fragen Zunahme von rechtsextremer Gewalt und die als solche auch sichtbar werden soll,
der NPD Protestwählerpotenzial entzie- Nazistrukturen statt. Überfälle auf Antifa- u.a. durch zwei Minarette. Bisher trifft
hen könnte. Laut dem Bundeswahlkampf- schistInnen, alternative Jugendliche und sich dieser Verein, der zur DITIB gehört,
leiter der NPD, Peter Marx, wird DVU- MigrantInnen sind keine Seltenheit mehr. in einem Hinterhofgebäude im gleichen
Chef Gerhard Frey in Nordrhein-Westfa- Neben Rechtsrock-Konzerten mit über Viertel, das aber für die Zahl der Gläubi-
len auf Platz eins der Landesliste gegen 300 TeilnehmerInnen verfügen Neo-Na- gen viel zu klein geworden ist. Die Auf-
Oskar Lafontaine antreten. NPD-Bewer- zis über ein eigenes Kampfsport-Studio, stockung dieses Hinterhofgebäudes ist

: antifaschistische nachrichten 14-2005 3


baurechtlich bereits genehmigt. Abseh- JF nicht „verfassungsfeind- Parti populaire français (PPF) des anti-
bar ist jedoch, dass durch die vermehrte lich“? kommunistisch gewendeten Ex-Stalinis-
Nutzung und die Hinterhofsituation Pro- ten Jacques Doriot. Carrel war vor allem
bleme mit Nachbarn auftreten werden. Düsseldorf. Der NRW-Verfassungs- auch seit 1935 für Thesen über die Not-
Viel lieber wäre es dem Verein, eine auch schutz ist weiter davon überzeugt, dass wendigkeit einer eugenischen Geburten-
von außen erkennbare Moschee am Got- die Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu auslese und Rassenhygiene bekannt. So
zinger Platz zu bauen. Recht in seinen Verfassungsschutzberich- schrieb Alexis Carrel schon in den dreißi-
Als diese Pläne im Viertel bekannt ten erwähnt ist. „Wir sehen der erneuten ger Jahren: „Wir wissen, dass die natürli-
wurden, protestierten viele Anwohner Prüfung durch das Verwaltungsgericht che Auslese seit langem nicht mehr ihre
mit den bekannten Argumenten: Park- Düsseldorf zuversichtlich entgegen. Das Rolle ausübt. Dass zahlreiche Individuen
platzprobleme, zu viel Verkehr, passt Bundesverfassungsgericht hat grundsätz- aufgrund der Fortschritte der Hygiene und
nicht ins christliche München, Angst vor lich für zulässig erachtet, dass die „Junge der Medizin bewahrt worden sind. Dass
Fundamentalisten – all diese Argumente Freiheit“ als Presseorgan Gegenstand der ihre Vermehrung schädlich für die Rasse
werden immer genannt, wenn in einer Berichterstattung des Verfassungsschut- ist.“ Ab 1941 leitete Carrel eine „Stiftung
Stadt eine Moschee gebaut werden soll. zes sein kann. Dazu fordert es allerdings, für die Untersuchung der menschlichen
Auf einer CSU-Veranstaltung im Viertel dass die verfassungsfeindlichen Positio- Probleme“, die vom Vichy-Regime einge-
erhielten die Moscheegegner ein Forum nen externer Autoren der „Jungen Frei- richtet worden war. In Paris ist deshalb,
– die NPD konnte diese Veranstaltung heit“ zuzurechnen sind. „Dies werden wir nach längerer Diskussion, eine nach Ale-
für ihre fremdenfeindliche und rassisti- eindeutig belegen“, so Dr. Hartwig Möl- xis Carrel benannte Straße im 15. Bezirk
sche Propaganda nutzen. Auch auf einer ler, Leiter des Verfassungsschutzes in im Oktober 2003 umgetauft worden.
gut besuchten Bürgerversammlung unter Düsseldorf. Auch andernorts fanden solche Namens-
der Leitung von Oberbürgermeister Ude Das Bundesverfassungsgericht schließt änderungen statt.
sprach sich eine klare (Abstimmungser- nicht aus, dass in der „Jungen Freiheit“ in Die FN-Jugendorganisation erklärte
gebnis von 252 : 212) Mehrheit gegen den Berichtsjahren 1994 und 1995 verfas- zur Wahl ihres Schutzpatrons: „(Sie) ent-
den Moscheebau aus – obwohl Vertreter sungsfeindliche Positionen vertreten wur- spricht dem Willen der jungen Nationa-
beider christlicher Kirchen dafür argu- den. Es fordert allerdings, dass diese Posi- len, den politischen und kulturellen Wi-
mentiert hatten und die NPD erneut pro- tionen der „Jungen Freiheit“ auch zuzu- derstand gegen die unerträgliche morali-
pagandistisch auftrat. rechnen sind. Ob dies der Fall ist, muss sche Diktatur, die in unserer totalitären
Auf Antrag des Bezirksausschusses das Verwaltungsgericht jetzt erneut prü- Demokratie wütet, zu verkörpern“.
befasste sich der Stadtrat am 22.6.05 in fen. Das Oberverwaltungsgericht in Neben den französischen Rechtsextre-
einer Grundsatzentscheidung mit dem Münster und das Verwaltungsgericht Düs- misten beziehen sich heute auch die re-
Bauvorhaben. Die CSU beschränkte sich seldorf hatten bislang uneingeschränkt aktionärsten Kreise des politischen Islam
in der Juni-Vollversammlung streng auf bestätigt, dass die „Junge Freiheit“ An- positiv auf Alexis Carrel. Allerdings
baurechtliche Fragen und beantragte, für haltspunkte für den Verdacht verfassungs- nicht aus Gründen der Rassenideologie,
den geplanten Ort einen Bebauungsplan feindlicher Bestrebungen liefert. Die sondern weil seine Schriften in ihren Au-
aufzustellen. Dann könnten die Beden- „Junge Freiheit“ hatte am 23. Juni 2001 gen die These von der Dekadenz und
ken der Bürger besser diskutiert und ge- Verfassungsbeschwerde vor dem Bundes- Verweichlichung des „Westens“ unter
klärt werden. Ziel dieses Antrags war verfassungsgericht erhoben. In der Sache Beweis stellen. In solchem Sinne äußerte
klar: der Bau sollte verzögert, wenn verwahrt sie sich dagegen, dass sie in den sich etwa der berühmte jordanische
möglich verhindert werden. Alle anderen Jahren 1994 und 1995 jeweils im Verfas- Scheich Yussuf al-Qaradawi im Jahr
Parteien im Stadtrat sprachen sich nach sungsschutzbericht des Landes Nord- 2003. BhS, Paris ■
einer umfassenden Debatte für den Mo- rhein-Westfalen erwähnt wurde. Sie sieht
scheebau aus, wobei der ehemalige Re- darin einen Verstoß gegen die Meinungs- Burschen im „Sommerlager“
publikaner-Stadtrat bei dieser Vollver- und Pressefreiheit. Das Verwaltungsge-
sammlung fehlte. richt in Düsseldorf hatte eine entsprechen- Österreich. Vom 17.-23. Juli wollen
Ein Vorfall am Rande zeigt, worum es de Klage mit Urteil vom 14. Februar 1997 Burschenschafter im Salzkammergut
bei dem Streit wirklich geht: CSU-Stadt- (1 K 9318/96) abgewiesen. Das Oberver- (Gosau) ein „Sommerlager“ für Kinder
rat Dr. Babor verteilte an der Pressebank waltungsgericht hatte die Berufung gegen und Jugendliche aufschlagen. Bei der
ein Pamphlet der „Anonymen Moschee- dieses Urteil nicht zugelassen (Beschluss Wiener Burschenschaft Olympia hat sich
wächter“, in der es unter anderem heißt: vom 22. Mai 2001 - 5 A 2055/97). dazu eine ARGE Sommerlager gegründet.
„Diejenigen, die ‚Moscheen‘ akzeptie- PM Innenministerium NRW, 28.6.05 ■ Auf deren Homepage heißt es: „Es
ren, akzeptieren auch die Verherrlichung scheint uns dies alles etwas zu kurz zu
‚islamischer‘ Topterroristen …“ Nach- FN-Jugend beruft sich auf kommen [das Erleben von ,Natur, Ge-
dem OB Ude dies öffentlich kritisierte, meinschaft und Kultur‘] zwischen ,Pop-
distanzierte sich CSU-Stadtrat Podiuk im Eugenik- und Rassen-Ideolo- Events‘, Dönerbude und ,Metrosexualität‘
Namen der CSU-Fraktion von dieser Ak- gen der 30er Jahre […] Aus unserer Sicht hängen die Proble-
tion. Nach erregten Debatten (außerhalb me, die Europa heute erschüttern, mit die-
der Vollversammlung) entschuldigte sich Paris. Für Empörung gesorgt hat der FNJ sem Mangel an authentischen Erfahrun-
Stadtrat Babor, er habe mit der Vertei- (Front national de la jeunesse), Jugendor- gen zusammen. Da uns das Schicksal un-
lung einen Fehler gemacht. ganisation der rechtsextremen Partei Jean- serer Nation am Herzen liegt, wollen wir
Dieser Vorfall zeigt, dass es beim The- Marie Le Pens, mit der Wahl des Mottos daher mit unserem Tun auch einen Akzent
ma „Bau einer Moschee“ nur oberfläch- seiner 21. Sommeruniversität. gegen die Konsumgesellschaft und für
lich um städtebauliche Fragen geht – un- Die Veranstaltung, die vom 1. bis 7. eine Erneuerung unserer Kultur setzen!
ter dem Firniss handelt es sich immer um August dieses Jahres stattfinden wird, soll Dabei umfassen unsere Bestrebungen
einen Angriff auf das Grundrecht der Re- unter der symbolischen „Schirmherr- nicht nur das Sommerlager – wir führen
ligionsfreiheit. Er wendet sich gegen die schaft“ des verstorbenen Alexis Carrel, das ganze Jahr über jugendbewegte Akti-
Gleichberechtigung des Islam und der Nobelpreisträger für Medizin im Jahre vitäten durch. Unser Ziel – welches wir
Muslime in Deutschland. Im Stadtrat 1912, stehen. Der Lyoner Arzt war nicht auch mit diesem Sommerlager einen
sind sie damit nicht durchgekommen. nur Mitglied in der radikalsten Partei der Schritt weiter zu seiner Verwirklichung
Lokalberichte München 14-05 ■ französischen Nazi-Kollaboration, dem führen wollen – ist es, in Österreich einem
: antifaschistische nachrichten 14-2005
4
Jugendbund, geformt in der Tradition der
deutschen Jugendbewegung, zur Entste-
hung zu verhelfen.“
147 plus 489 = 1500?
Angeboten werden nicht nur Singen, Viel Stadtteil, wenig Nazis und eine Bürgerkriegsarmee
Tanzen, Wandern, das Erzählen von Hel-
den- und Göttersagen usw., sondern auch Hamburg. Geht es um die nackte len Anwohnern deutlich zu machen.“ Und
das „Erlernen des Fechtsports, ein Ziel- Zahl, ist die Innenbehörde nicht weiter: „Der verdummte, primitive, multi-
schießen mit Armbrust und Luftdruckge- zu überbieten: 1500 Beamte, so kulturelle und alles tolerierende Sumpf
wehr sowie Unterricht in diversen Arten die Pressestelle der Polizei, darunter BGS, von oberflächlichen, schwulen, lesbi-
der Selbstverteidigung“. Damit bekommt Beamte aus Schleswig-Holstein, Bremen, schen, abartigen, umoperierten und zu-
das „Sommerlager“ durchaus auch Züge Baden-Württemberg und Hamburg er- weilen auch pädophilen Gutmenschen hat
einer Wehrsportübung. In die Nähe des möglichten den gerade einmal 150 die frühere Gemeinschaft unseres Volkes
Neonazismus weisen die verwendeten Worch-Getreuen eine Demonstration spätestens seit 68er-Zeiten von Innen zer-
Symbole: Das Logo der ARGE-Sommer- durch die Hamburger Stadtteile Eidelstedt fressen.“ So viel zum paranoiden Weltbild
lager besteht aus einer „Tyr-Rune“ und ei- und Schnelsen. Dabei ist die alkoholisier- dieser Kreise.
nem Adler. Die „Tyr-Rune“ wurde wäh- te Gruppe von 20 Naziglatzen, die von der Am 2. Juli war in der Schnelsener
rend der NS-Zeit als Divisionsabzeichen Wohnsiedlung von der faschistischen
der 32. SS-Freiwilligen-Grenadierdivisi- Kampagne wenig, von den Protesten ge-
on „30. Januar“, als Ärmelemblem für gen die Nazis hingegen viel die Rede, wo-
Absolventen der „SA-Reichsführerschu- mit das Kalkül der Nazis, über das Thema
len“ und auf den Kragenspiegeln der Kindesmissbrauch die Ängste der Bevöl-
„Sturmführer“ im Stab der „SA-Reichs- kerung zu mobilisieren, scheiterte. Nicht
führerschulen“ verwendet. In einem deut- ein Anwohner schloss sich dem braunen
schen Gerichtsurteil betreffend das Ver- Aufmarsch an. Umgekehrt wurde den zu-
wenden von Kennzeichen verfassungs- meist ortsunkundigen Antifaschisten, die
widriger Organisationen wird u. a. auch infolge der weiträumigen Absperrungen
auf diese Rune Bezug genommen und über Stunden in den angrenzenden Wohn-
festgestellt, dass sie „von den Nationalso- vierteln umherirrten, hilfsbereit der Weg
zialisten als wichtiges Element einer ,ari- erklärt - eine Stimmung, von der sich
schen Kultur‘ gesehen und vielfach in Ab- mancher Szenestadtteil ein Scheibchen
zeichen verwendet worden ist“. Mannschaft in Grün unmittelbar nach ih- abschneiden kann.
Daneben kann man auf der Homepage rem Eintreffen wieder nach Hause ge- Den Boden dafür hatte eine örtliche Ini-
der ARGE Sommerlager einen Vorge- schickt wurden, bereits eingerechnet. Ent- tiative bereitet. Mit dabei der Distriktvor-
schmack auf die Lieder bekommen, die sprechend verwandelte die Einsatzleitung sitzende der SPD, Conny Mertens von der
am Lagerfeuer wohl gesungen werden: den Eidelstedter Wochenmarkt und die GAL-Bezirksfraktion, der Eidelstädter
Zu hören ist „Der Freiheit gehört unser vielbefahrene Holsteiner Chaussee in ein Pastor Schönfeld, die Islamische Gemein-
Leben“ aus dem 1934 erschienenen Büch- martialisches Heerlager. Dennoch gelang de sowie WASG und DKP. Eine derart
lein „Unser Lied“. Es stammt von Hans es Jugendlichen, Anwohnern und Antifa- weit gespannte Kooperation ist in Groß-
Baumann, der als NS-Funktionär für die schisten, den Naziaufmarsch an mehreren städten eine seltene Erscheinung und
„Feierkultur“ der HJ verantwortlich war. Stellen lautstark zu begleiten. Obwohl an reicht hier im Stadtteil auf das Jahr 1994
Als Inhaber der „Sommerlager“-Do- keinem der drei Orte antifaschistischer zurück. Damals wurde Gerd Lenz von
main scheint Sebastian Ploner auf, die an- Proteste mehr als 300 Teilnehmer zusam- Nazis bedroht und unter Veröffentlichung
gegebene Adresse ist identisch mit der der menkamen, addierte die Polizei die Zahl seines Namens und seiner Anschrift in der
Olympia und schließlich wird als Kontakt der Antifaschisten zu 900 und versuchte Nazipostille „der Einblick“ ,geoutet‘. Zu-
Walter Asperl, ein „Alter Herr“ dieser so ihre Festnahme- und Sondereinheiten, vor hatte sich das VVN-BdA-Mitglied für
Verbindung, angeführt. die Hubschrauberbegleitung, die Wasser- die Beseitigung von Nazischmierereien
Laut Oberösterreichischen Nachrich- werfer und Räumpanzer ,angemessener’ eingesetzt. Gut zehn Jahre später, also An-
ten (27. 4. 2005) ist man seitens des örtli- erscheinen zu lassen. Die Bilanz von 44 fang diesen Jahres, wurde als späte Folge
chen Tourismusverbandes nicht gerade Personenfeststellungen, die sich am dieser Vorfälle die VVN-Ausstellung
erfreut über diesen drohenden Besuch: Schluss der Veranstaltung dem AKN- „Neofaschismus in der Bundesrepublik“
„Wir wollen auf keinen Fall, dass das in- Bahnhof Schnelsen genähert haben sol- im Bürgerhaus Eidelstedt eröffnet und
nere Salzkammergut mit extremistischen len, reichte ihnen offensichtlich nicht. von vielen Schulklassen besucht. Insofern
Gruppen in Zusammenhang gebracht Den Nazis war der Frust über die nach ist die Ankündigung von Gerd Lenz, es
wird“, heißt es seitens der Touristiker. massiven Protesten beendete Verteilaktion werde „nicht bei einer einmaligen Aktion
Neues von ganz rechts, www.doew.at ■ am 17. Juni in Schnelsen noch anzumer- bleiben“, bereits jetzt schon eingelöst.
ken. Im Bericht des Aktionsbüros Nord Nach den Naziaufmärschen in der Jarrre-
Veranstaltung zum Thema liest sich das so: „Am 17.6. haben es Lin- stadt könnte Eidelstedt erneut zu einem
ke geschafft, viele Anwohner in der Spa- Beispiel werden, dass Angst und Ein-
rechtsradikale Rockmusik nischen Furt gegen unsere Mahnwache schüchterung in ihr Gegenteil umschlagen
Bamberg. Ein Bündnis aus Gewerkschaf- aufzuhetzen! Sie haben überall an den können und den Grundstein für eine kon-
ten, der Vereinigung der Verfolgten des Haustüren geklingelt und die Lüge ver- tinuierliche antifaschistische Arbeit im
Naziregimes, attac und des Sprecherin- breitet, dass abends die ,Nazis‘ kommen Stadtteil legen.
nenrates der Uni Bamberg lud am vergan- würden, um angeblich gegen Ausländer Am 30. Juli steht erneut ein Neonazi-
genen Freitag zu einer Informationsveran- zu demonstrieren. Mit dieser Lüge haben Aufmarsch bevor. Die NPD und die
staltung zum Thema rechtsradikale Rock- die Linken bevorzugt junge Ausländer für „Freie Kameradschaft“ um Thomas Wulff
musik ein. Etwa 150 Besucher verfolgten ihre Zwecke missbraucht. Das Resultat planen an diesem Tag in der Nähe vom
interessiert den Vortrag des Referenten war, dass am 17.6. die Gewalt gegen Berliner Tor eine Demo. Dagegen ruft das
Michael Weiss vom antifaschistischen Rechts im Vordergrund stand. In dieser Si- Antifaschistische Bündnis zu Protesten
Bildungszentrum (apabiz) Berlin. Immer tuation war es für uns kaum mehr mög- auf. Beginn Hachmannplatz, 11.00 Uhr.
mehr neofaschistische Organisationen be- lich, das Anliegen unserer Mahnwache al- Wolfram Siede ■
weiter S. 6
: antifaschistische nachrichten 14-2005 5
trachten Musik als ideales Medium, ihre
menschenverachtende Ideologie, leicht
und wirkungsvoll in die Köpfe Jugendli-
Antisemitischer Redner
cher zu transportieren. Im Zentrum der
Veranstaltung stand die Frage, in wie weit
diese Musik Jugendliche tatsächlich zur
im Rathaus
rechtsradikalen Szene führt. Anhand von Hamburg. Der Ratweinkeller im Es ist davon auszugehen, dass dem
Videosequenzen und Tonbandmitschnit- Hamburger Rathaus ist nicht nur Corps Irminsul, zumindest aber einem
ten wurde den Besuchern ein Bild der ak- die traditionsreiche Gute Stube seiner aktivsten Alten Herren, Roger
tuell aktiven Musikgruppen vermittelt. der Hanseaten, sondern auch ein Ort, wo Zörb, diese Vorgänge bekannt waren, als
Häufig predigen diese ganz unverhohlen so einige politische Entscheidungen ganz man Löw einlud. Roger Zörb ist nicht nur
Rassenhass und Totschlag. Schätzungen informell bei Bier und Wein getroffen im Vorstand des Altherren-Verbandes sei-
zu Folge sind seit 1991 ca.1,5 Mio. CDs werden. Somit war am 24.6.2005 der Ort ner Verbindung und leitet dort eine
produziert worden. Mittlerweile hat sich für den Festkommers des rechtslastigen „Zörb-Kommission“ zur Zukunftsfin-
ein breites Netzwerk, dass die Herstellung Corps Irminsul (CI) aus dem Weinhei- dung des CI, er ist auch seit langem im
und Streuung der CDs und dazugehöriger mer Senioren Convent (WSC) mit Be- Spektrum der extremen Rechten tätig. In
Accessoirs betreibt, gegründet. Der Han- dacht gewählt. Festredner für das 125- den 90er Jahren kandidierte der Carl-
del mit dem Nazi-Kult ist zum Millionen- jährige Jubiläum der schlagenden Ver- Schmitt-Fan für die rechtsradikale Liste
geschäft geworden. Und das trotz Verbo- bindung war der emeritierte Prof. Kon- „Uni-aktiv“ zum Hamburger Studieren-
ten und stärkerer Überwachung durch den rad Löw, der ursprünglich zum Thema denparlament. Heute ist er im Vorstand
Staatsschutz. Rechtradikale Verbände und „Deutsche Identität in Verfassung und des preußisch-nationalistischen „Bis-
Parteien wie die NPD, wissen um die At- Geschichte“ sprechen sollte. marckbundes“, welcher alljährlich Orden
traktivität des Mediums. 2004 sollten mit Einen gleichnamigen Artikel hatte der an Rechtsextremisten verteilt, sowie im
der „Aktion Schulhof“ über 150.000 CDs rechtslastige Löw im April 2004 für die Vorstand der „Staats- und Wirtschaftspo-
kostenlos an Jugendliche verteilt werden. Zeitschrift „Deutschland-Archiv“, he- litischen Gesellschaft“, welche laut VS
Mit dem Ziel, Werbung für extrem rechte rausgegeben von der Bundeszentrale für rechtsextremistisch beeinflusst ist. Diese
Ideologie zu machen. Die Inhalte waren politische Bildung, geschrieben. Die stellte auch den inkriminierten Text von
verfassungsfeindlich, so dass eine Be- „Ansammlung antijüdi-
schlagnahme der Tonträger verfügt wur- scher Klischees“, wie die
de. Jugendliche, welche zunächst rechter konservative Zeitung „Die
Polemik desinteressiert gegenüberstehen, Welt“ den Inhalt richtig
identifizieren sich über die Musik nicht skizzierte, führten zum
selten mit deren aggressiven Inhalten. Da- Eklat. Die Bundeszentrale
bei handelt es sich nicht nur um solche distanzierte sich „aufs
aus „sozial schwierigen Verhältnissen“. Schärfste“ von dem Artikel,
Foto: P. Juelich, Lotta NRW

Vielmehr sind alle gesellschaftlichen ließ die Restauflage ein-


Schichten von diesem Phänomen betrof- stampfen und schickte ei-
fen, ländlich geprägte Regionen stärker nen Entschuldigungsbrief
als die Städte. In der Stadt und Umgebung an alle 5.500 Abonnenten.
Bambergs ist bisher noch keine besonders Der ehemalige Ordinarius
weite Verbreitung rechter Jugendkultur von Bayreuth lieferte altbe-
festzustellen. Jedoch war bis Ende der kannte antisemitische Kli-
90er Jahre die im Hintergrund arbeitende schees, von „jüdischen An-
Funktionärsstruktur in der Region behei- führern der Münchner Rä-
matet. In der anschließenden Diskussion terepublik“ über „jüdische Zeitungen in Löw auf ihre Homepage. Herr Zörb war
waren sich die Anwesenden überwiegend der Weimarer Zeit“ und die „jüdische jedoch auch wissenschaftlicher Assistent
einig, dass zwar weiterhin solchen rechts- Kriegserklärung“ an Deutschland bis hin in der Hamburger Bürgerschaft und im
extremen Bestrebungen durch Verbote zum „jüdischen“ Beitrag zum Holocaust Bundestag, ist inzwischen Rechtsanwalt,
Einhalt geboten werden sollte, diese aber durch Judenräte und Ghettopolizisten. Inhaber eines auf napoleonische Ge-
das Problem nicht lösen. Wichtiger wäre Diese Opfer-Täter-Verkehrung hat für schichte spezialisierten Verlages und Vi-
es eine „Gegenkultur“ zu schaffen, die Löw den Zweck, die angebliche erhobene zechef der „Hamburger Mittelstands- und
rechtes Gedankengut nicht toleriert und „Kollektivschuldthese“ zu entkräften. Wirtschaftsvereinigung der CDU“.
mit Zivilcourage für eine Gesellschaft des Selbstverständlich sind für ihn dement- Nachdem der Ratsweinkeller, der Senat
Miteinanders kämpft. sprechend „die Deutschen“ in ihrer und die Hamburger Bürgerschaft über
DGB Bamberg, 17.05.05 ■ Mehrheit „weit mehr Opfer als Täter“. den geplanten Auftritt von Löw infor-
Nach der Notbremse der Bundeszen- miert worden waren, erhielt der Antisemit
Böhse Onkelz trale schrie die gesamte extreme Rechte laut taz Auftrittsverbot, der Festkommers
„Zensur“ und das Junge-Freiheit-nahe des rechtslastigen Corps konnte jedoch
Am Montag (4.7.) meldete die Süddeut- „Institut für Staatspolitik“ organisierte trotzdem stattfinden. Inzwischen kam he-
sche Zeitung unter dem Titel „Anzeige flugs im Mai 2004 eine Solidaritätsveran- raus, das Löw trotzdem referierte, bloß zu
gegen Böhse Onkelz“, dass das LKA staltung mit dem ach so armen Opfer der einem anderen Thema. Laut Senatsspre-
Brandenburg Anzeige erstattet hat, weil political correctness Löw, Martin Hoh- cherin Kristel Gießler wird jetzt geprüft,
die Band vor 2 Wochen „bei einem Open- mann und Reinhard Günzel im Münchner ob der Pachtvertrag mit dem Ratswein-
Air-Festival auf dem Lausitzring nahe Löwenbräukeller. Das antisemitische keller entsprechend geändert werden
Senftenberg vor mehr als 100 000 Zu- Trio bekam jedoch Hausverbot und die kann, um zukünftige Auftritte von extre-
schauern verbotene Lieder gespielt“ habe, Veranstaltung musste im Haus der Bur- men Rechten zu verhindern. Falsch ist je-
Lieder aus ihrem ersten Album „Der nette schenschaft Danubia stattfinden, worauf- doch das Gerücht, der CDU-geführte Se-
Mann“, u.a. seien darauf Titel wie „Fuß- hin sich Löw in der „Nationalzeitung“ er- nat würde jetzt das Hausverbot auch auf
ball und Gewalt“ und Dr. Martens neut als Opfer einer „eingeschränkten rechtsradikale Alte Herren aus seinem
Beat“.... ■ Meinungsfreiheit“ inszenierte. Umfeld ausdehnen. erk ■

6 : antifaschistische nachrichten 14-2005


Frankreichs Regierung will die Frankreich:
politische Straßenverkehrsord-
nung ändern. „Rechts überholen
nicht erlaubt!“ soll künftig die erste Regel
Die Regierung umwirbt
lauten. Um das langsam aber sicher he-
rannahende Superwahljahr 2007 – in dem
der französische Präsident und das Parla-
rechtsextreme Wähler
ment kurz hintereinander neu gewählt Law & Order und Wahlkampf mit Einwanderung
werden – zu überstehen, setzt die Mann-
schaft von Premierminister Dominique de der Affäre zu ziehen, kam Hollande des- zung rechtsstaatlicher Minimalstandards
Villepin augenscheinlich auf bisherige wegen gelegen. Die KP und die Grünen – etwa des Rechts auf Familiennachzug
Wähler der extremen Rechten. leisteten der Einladung ins Hotel Mati- für Migranten unter gewissen Bedingun-
Die größten Anstrengungen unter- gnon ihrerseits Folge, kritisierten dort gen – sorgten. Der FN konnte deswegen
nimmt dabei der Mann, der höchstwahr- aber die „Banalisierung“ der Rechtsextre- leicht den Widerspruch zwischen An-
scheinlich unter dem Banner der konser- men mit harschen Worten; die trotzkis- spruch und Praxis aufzeigen, die Bürgerli-
vativen Rechten als Präsidentschaftskan- tisch-undogmatische LCR hatte die Einla- chen so vor sich hertreiben und selbst stär-
didat antreten wird. Jedenfalls, wenn es dung, die ihr ebenfalls zuging, als „Witz“ ker werden. Edouard Balladur ging später
ihm gelingt, seinen Rivalen Jacques Chi- bezeichnet und von Anfang an abgelehnt. als Oppositionspolitiker so weit, im Juni
rac – bisher noch möglicher Anwärter auf Dagegen tönte derjenige Parteivorsit- 1998 mit dem FN sogar über die Einfüh-
seine eigene Nachfolge – bis dahin auszu- zende, der als erster beim Premierminister rung der „Inländerbevorzugung“ (préfé-
stechen. Aber in dieser Hinsicht ist Nico- empfangen worden war – schon wieder rence nationale) debattieren zu wollen. So
las Sarkozy, der alte und seit Anfang Juni Nicolas Sarkozy, dieses Mal in seiner Ei- heißt das Kernstück des rechtsextremen
auch der neue Innenminister und „starke genschaft als Vorsitzender der „Präsiden- Programms, anders ausgedrückt: die sys-
Mann“ der Regierung, wohl zuversicht- tenpartei“ und rechten Sammlungsbewe- tematische Bevorzugung der gebürtigen
lich. gung UMP – , es sei „völlig normal“, dass Franzosen bei Arbeitsplätzen, Sozialleis-
■ Empfang für den Front National auch der FN neben den anderen politi- tungen und Kindergeld. Balladur erklärte
schen Formationen empfangen werde. damals, man solle eine Kommission ein-
Am Montag, 27. Juni wurden zwei füh- Denn man könne sich ja die politischen richten, um in aller Ruhe darüber zu de-
rende Vertreter des rechtsextremen Front Formationen „nicht aussuchen“. Inhalt- battieren, ob die gesetzliche Einrichtung
National (FN) im Hôtel Matignon, dem lich forderte Sarkozy bei seiner Anhörung einer solchen „préférence nationale“ sinn-
Amtssitz des französischen Premierminis- vor allem einen vorläufigen Stopp jeder voll sei oder nicht. Einer stimmte ihm da-
ters, zu einer Anhörung empfangen. Es weiteren Erweiterung der EU, d.h. im bei zu und wollte „in Ruhe“ über das The-
handelte sich um den Generalsekretär der Klartext das Draußenhalten der Türkei. ma „diskutiert“ wissen, nämlich der da-
rechtsextremen Partei, Carl Lang (den Dieses Fernhalten der Türkei hatte Sarko- malige Generalsekretär der Neogaullis-
eine Boulevardzeitung witzigerweise zy bereits im März 2005 lautstark gefor- ten: ein gewisser Nicolas Sarkozy. Der
gleich in „Karl Lang“ germanisierte, wohl dert und eine entsprechende Vorlage dachte sich sogar extra eine Begründung
unabsichtlich, während man solche Ein- durch die UMP-Delegierten mit 90pro- aus: Da das Prinzip der „Inländerbevorzu-
germanisierungen in Frankreich bei offen- zentiger Mehrheit annehmen lassen (die gung“ im Staatsdienst ohnehin gelte, je-
kundigen Nazisympathisanten auch ab- das Ja zum EU-Verfassungsvertrag mit denfalls in den hoheitlichen Bereichen
sichtlich vornimmt) und um den Europa- dem Nein zum türkischen Beitritt ver- (Polizei, Justiz... denn dort ist es Einstel-
parlamentarier Jean-Claude Martinez. knüpfte). Später hatte der Front National lungsvoraussetzung, über die französische
Der Chef, Jean-Marie Le Pen, weilte gera- mit dem „Nein zur Türkei“ vor der Ab- Staatsbürgerschaft zu verfügen), sei die
de auf Auslandsreisen in Russland, wes- stimmung vom 29. Mai Wahlkampf ge- Sache gar nicht dramatisch und man kön-
halb an seiner statt die beiden Spitzen- macht. ne auch locker darüber reden. (Vgl. dazu:
funktionäre im Amt des Premierministers ■ Ein nützlicher Rückblick http://www.vorwaerts.ch/vorwaerts/1998/
empfangen wurden. 2898hintergrund.html)
Natürlich nicht, um Bündnisverhand- Zum letzten Mal war der Front National Pasqua hat heute einen Nachfolger, den
lungen mit der Partei Le Pens zu führen. 1993 vom damaligen konservativ-reaktio- er im übrigen selbst aufgebaut hat, indem
Das wäre heute tatsächlich kaum denkbar. nären Premier Edouard Balladur eingela- er ihn als seinen politischen Erben an der
Vielmehr waren alle größeren politischen den worden: erst zu einem allgemeinpoli- Spitze des Bezirksparlaments von Nanter-
Parteien eingeladen worden, um nachein- tischen Tour d’horizon nach der Parla- re – dessen Bezirk die oft wohlhabenden
ander mit dem Premier über die Auswer- mentswahl vom März 93, und im Herbst westlichen Vororte von Paris umfasst –
tung des Referendums von Ende Mai zu desselben Jahres zur Anhörung über die einsetzte. Es handelt sich wiederum um
debattieren. Dennoch erregte es Aufse- französischen Positionen bei den GATT/ Nicolas Sarkozy. Bei der Präsident-
hen, dass auch die Rechtsextremen, die WTO-Verhandlungen. Balladurs damali- schaftswahl 1995 hatte Sarkozy den o.g.
keinen Abgeordneten in der Pariser Natio- ge Regierung war um „Normalisierung“ Balladur gegen seinen jetzigen Rivalen
nalversammlung sitzen haben und in den der extremen Rechten (die durch den Jacques Chirac unterstützt.
letzten 15 Jahren i.d.R. auch durch die überwiegenden Teil der bürgerlichen ■ Thema Zuwanderungspolitik
bürgerliche Rechte kaum als Gesprächs- Rechten seit Mitte der 80er Jahre nicht
partner akzeptiert wurden, dabei waren. mehr als bündnisfähig betrachtet wurde) Schon ist seit einem Regierungsseminar
Die sozialdemokratische Parteiführung bestrebt, um allmählich ihre Wähler auf- vom 9. Juni die Rede davon, dass die Ein-
unter François Hollande blieb aus Protest saugen zu können und so längerfristig an wanderungspolitik wieder zum Wahl-
dagegen den Anhörungen fern. Freilich der Macht zu bleiben. kampfthema werden soll. Seit der Spal-
zugleich auch deswegen, weil seine eige- Ihr national-autoritärer Innenminister, tung und nachfolgenden Krise der extre-
ne Partei seit dem 29. Mai in der Zwick- Charles Pasqua, gab extra die martialische men Rechten von 1999 hatten die anderen
mühle steckt: Die französische Sozialde- Parole „Zéro Immigration“, Null Einwan- Parteien dieses Thema vorübergehend ru-
mokratie hatte offiziell zur Annahme der derung, heraus. In der Wirklichkeit konnte hen lassen und aus den Wahlkämpfen
EU-Verfassung aufgerufen, ihre Wähle- die bürgerliche Regierung freilich diese draußen gehalten. Dabei stellt Sarkozy es
rInnen stimmten mehrheitlich, zu fast 60 ideologische Maxime nicht durchhalten, aber geschickter an als sein Amtsvorgän-
%, dagegen. Ein Vorwand, um sich aus da Gesetze und Gerichte für die Durchset- ger: Er gibt keine unrealistischen ideolo-

: antifaschistische nachrichten 14-2005 7


gischen Slogans heraus, sondern verbin- Der FN nach dem 29. Mai 2005
det ganz offen die Bedürfnisse der franzö-
sischen Wirtschaft mit Angeboten an den Als Begründung dafür, dass Sarkozys Kalkül einer Gewinnung der Wählerschaft der extremen Rechten auf-
rassistischen Teil der Wählerschaft. „Se- gehen könnte, wird durch seine politische Umgebung auf die jüngeren Wahlstatistiken verwiesen.
In Frankreich gibt es keine Landeslisten wie in der Bundesrepublik, auf denen ein Nachrücker ins Parlament
lektive Einwanderung“ lautet das Stich- eintritt, sobald ein Mandatsträger aus Krankheits- oder anderen Gründen seinen Sessel räumt. Deswegen
wort: Die Höchstqualifizierten, die mit ih- wird an fast jedem Wochenende in einzelnen Wahlkreisen neu gewählt, um frei gewordene Sitze in Be-
rem Humankapital den Effekten der zirks-, Regional- oder nationalem Parlament zu besetzen. Diese „Teilwahlen“ dienen als wichtiges politi-
„Überalterung“ der französischen Gesell- sches Stimmungsbarometer. In mehreren Wahlkreisen wie in Nizza-7 (mit 10,2 % gegenüber 22,9 % im vo-
schaften entgegen steuern und dem natio- rigen Jahr) oder im burgundischen Saint-Florentin (4,4 % gegenüber 22 % im vorigen Jahr) hat der FN seit
nalen Wettbewerbsstaat von Nutzen sein Jahresbeginn oft deutlich an Boden verloren.
sollen, dürfen kommen. Dagegen soll die Dieser Trend hat sich auch seit dem Referendum vom 29. Mai nicht umgekehrt, obwohl der Front National
sich den Abstimmungssieg der Gegner des EU-Verfassungsvertrags – gern selbst zuschreiben würde. Die
Zahl der Abschiebungen unerwünschter
Mehrzahl der „Nein“-Stimmen kam aber aus dem linken und gewerkschaftlichen Lager. Während der Ab-
„illegaler“ Einwanderer von 16.000 im stimmungskampagne hatte der FN im allgemeinen nur schwach Präsenz gezeigt. Über die Interpretation
vorigen auf 25.000 in diesem Jahr gestei- dieser Schwächephase ist oft gestritten worden: Handelte es sich um eine bewusste Taktik seitens der Partei,
gert werden: Bei Sarkozy misst Erfolg die darin bestand, sich selbst zurückzuhalten und auf leisen Sohlen zu gehen, um den Erfolg des „Nein“
sich stets in Zahlen. Dabei geht es dem beim Referendum nicht zu gefährden? Diese Darstellung wurde von mehreren FN-Kadern wie Generalse-
Mann nicht, wie dem harten Kern der kretär Carl Lang übernommen. Dagegen spricht allerdings, dass Jean-Marie Le Pen, wenn er sich denn zu
Rechtsextremen, um die „Reinheit der Wort meldete, auch kein Blatt vor den Mund nahm. So forderte er während des Wahlkampfs im Mai glatt
Rasse“ (dabei hätte Sarkozy, der selbst den Ausstieg aus dem Euro und die Wiedereinführung des französischen Franc, eine Forderung, die von
anderen Gegnern und Kritikern des Verfassungsvertrags nicht geteilt wird. Eine andere Interpretation be-
Kind eines ungarischen Adeligen und ei- hauptet dagegen, dass der FN aufgrund des längeren Krankenhausaufenthalts Le Pens zu Jahresbeginn
ner griechisch-jüdischen Mutter ist, auch und wegen der ungelösten Frage seiner Nachfolge derzeit in einer innerparteilichen Krise stecke und nur
selbst schlimme Konsequenzen zu be- wenig handlungsfähig sei.
fürchten). Sondern es geht ihm um den In den Wochen nach dem Referendum hat der FN dann aber versucht, seine Anhänger zu remobilisieren.
starken Staat und natürlich um persönli- Während er landesweit nach wie vor nur geringe Präsenz zeigte, konzentrierte er sich mit einer Plakatkam-
che Macht. Dabei bedient er sich einer pagne auf ausgesuchte Gebiete, etwa Zonen mit hohem Arbeiteranteil in Pariser Trabantenstädten wie Ivry-
Rhetorik, bezüglich derer es ihm gleich- sur-Seine. Dort forderte er verbalradikal: „Das Volk hat gesprochen: Chirac muss zurücktreten!“, auf die Ab-
gültig ist, ob sie auch rassistische Implika- stimmungsniederlage des Präsidenten anspielend.
Die strukturelle Krise des FN, die aus der enormen Machtkonzentration in den Händen eines alternden
tionen hat oder ein rechtsextremes Poten- Chefs und dessen Unfähigkeit zur Machtteilung resultiert, ist nicht überwunden. Aber die Gefahr besteht,
zial in der Gesellschaft als „Resonanzbo- dass die taktisch motivierte Aufwertung des FN in Verbindung mit einer beginnenden Remobilisierung seiner
den“ anspricht. Sarkozy ist kein Nazi, Anhängerschaft die Partei im öffentlichen Leben hält. Bhs, Paris ■
aber ein hemmungs- und rücksichtsloser
Machtpolitiker.
■ Sarkozy als Dampframme, „um einem von den Komoren kommenden Be- fühlt und, zusammen mit einem seiner
Ordnung zu schaffen“ wohner der Cité des 4000, einer der größ- Brüder, den gegen die Liaison eintreten-
ten Plattenbausiedlungen, die zum Stadt- den Tunesier getroffen – der seinerseits
„Ist bei Sarko eine Sicherung durchge- gebiet von La Courneuve gehört. Voraus Verstärkung organisierte. Seit vergange-
brannt?“ fragte die, eher konservative, ging eine Liaison zwischen einem Komo- nem Donnerstag sitzen die beiden Komo-
Boulevardzeitung ,France Soir‘ am 24. rer und der Schwester des Tunesiers, der rer in Haft, mutmaßlich hat einer von ih-
Juni. Der Kosename und die ansonsten seinerseits nicht hinnehmen wollte, dass nen zuerst geschossen. Mit den verbreite-
weniger schmeichelhafte Titelschlagzeile diese mit einem Schwarzen zusammen ten Problemen von Bandenkriegen und
beziehen sich auf den derzeit mit Abstand war. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte Drogenhandel hat dieser Zwischenfall
am meisten Aufsehen erregenden Politi- der Liebhaber sich bedroht gefühlt und also im Prinzip nichts zu tun. Dennoch
ker Frankreichs: Nicolas Sarkozy, schon zuerst geschossen. Seit dem 23. Juni sitzt nutzte Innenminister Sarkozy die Empö-
wieder er. „Der Saubermacher“ lautete er mit seinem Bruder in Untersuchungs- rung über den Tod des elfjährigen Jungen,
der Aufmacher einer anderen Boulevard- haft; dort sitzt mittlerweile auch einer der der zwischen die Fronten geriet, um laut-
zeitung am Vortag, und die linksliberale Brüder des in den Streit verwickelten Tu- hals zu verkünden: „Die Übeltäter müssen
Libération widmete ihm den Titel „Der nesiers. verschwinden. Ich werde so viele Polizis-
Wiederholungstäter“. Zwar bilden die französischen Banlieu- ten einsetzen, wie es nötig ist, aber wir
Die Pariser Trabantenstädte, Banlieues es, anders als etwa die oft fälschlich mit werden die Cité des 4000 säubern“.
genannt, waren in jener Woche zunächst ihnen verglichenen „Schwarzenghettos“ ■ Säubern mit dem Hochdruckreiniger
der Hauptschauplatz, auf dem der Minis- in US-Großstädten, keine „ethnisch“ (früher hieß es Flammenwerfer...)
ter Tatendrang beweisen wollte. In der durchsortierten Wohngebiete. Vielmehr
nördlichen Pariser Trabantenstadt la wohnen dort Ärmere, Arbeitslose und Am Montag, 20. Juni besuchte Sarkozy
Courneuve war am Sonntag, 19. Juni der „sozial schwache“ Familien unterschied- die Familie Hammache, der er ungefragt
elfjährige Sidi-Ahmed Hammache, Sohn lichster Herkunft gemeinsam in diesen verkündete, man werde ihnen einen Um-
kabylischer Eltern, durch zwei Kugeln früheren Hochburgen des Industrieprole- zug aus der Siedlung heraus ermöglichen.
tödlich verletzt worden. Die Schüsse gal- tariats, in denen längst Erwerbs- und Per- Die Familie musste sich ein wenig instru-
ten freilich nicht dem Jungen, dessen Tod spektivlosigkeit den früheren Einfluss der mentalisiert fühlen. Aus demselben An-
Folge eines tragisched Unfalls ist. Im Hin- Arbeiterbewegung und vor allem der einst lass ließ Sarkozy auch eine Arroganz
tergrund steht auch nicht einer der Ban- mächtigen KP erodiert haben. Doch die durchblicken, die viele damit konfrontier-
denkriege zwischen rivalisierenden Ju- Zerrüttung der Sozialstrukturen in den te Beobachter staunend zurückließ. So
gendgruppen, die in manchen Banlieues anonymen Hochhaussiedlungen sorgt da- verlangte Sarkozy, auch mit den Eltern in
häufiger stattfinden, allerdings nur in sel- für, dass sich immer wieder geschlossene der Grundschule, die der kleine Sidi-Ah-
tenen Ausnahmefällen mit Schusswaffen Gruppen in Abgrenzung zu anderen he- med vor seinem Tod besucht hatte, für ei-
ausgetragen werden (denn noch sind die rausbilden. Sei es in Form von Jugend- nen kurzen Augenblick zusammenzutref-
französischen Banlieues nicht mit den banden oder auch entlang „ethnischer“ fen. Aus diesem Anlass versuchte auch
„Ghettos“ in US-Großstädten zu verglei- Spaltungslinien – etwa zwischen „Ara- die Grundschullehrerin des toten Jungen,
chen!). bern“ und Schwarzen. ein paar Worte zu sagen und Sarkozy eine
Stattgefunden hatte ein privater Streit Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der Frage zu stellen, der aber nichts hören
zwischen einem tunesischstämmigen und komorische Liebhaber sich bedroht ge- wollte. Die Antwort des Innenministers

8 : antifaschistische nachrichten 14-2005


auf ihr Insistieren lautete: „Wenn es Dir tisieren jedoch den vor allem auf den Me- nicht selbst der Mörder sein. Zwischen-
nicht passt, brauchst Du nur zu gehen. dieneffekt abzielenden „Showcharakter“ zeitlich wurde Patrick Gateau auch ver-
Wenn es Dir nicht passt, kannst Du in ein der gesamten Operation. Andere Bewoh- dächtigt, bereits im November 2004 noch
anderes Land gehen.“ Leider waren an- ner kritisieren, nunmehr wieder, wie vor einen weiteren Mord an einer Frau – die
scheinend keine Fernsehkameras in der allem unter dem repressiven Innenminis- im selben Alter wie die anderen Opfer war
Schule dabei, aber die Wochenzeitung ter Charles Pasqua in den 90er Jahren, - in der Nähe von Lyon begangen zu ha-
„Le Canard enchaîné“ berichtete detail- „kollektiv stigmatisiert“ zu werden und ben. Nachdem diese Nachricht die Affäre
liert über die Begegnung. befürchten eine erneute Zunahme brutaler zusätzlich und besonders stark hochko-
Polizeikontrollen und -schikanen chen ließ, verleihen die mit der Tatermitt-
vor allem gegen Immigrantenju- lung befassten Gendarmen mittlerweile
gendliche. aber ihrer Skepsis Ausdruck: Es bestün-
Auch die eher konservative den Zweifel, ob Patrick G. im fraglichen
Richtergewerkschaft USM kriti- Zeitraum überhaupt habe in der Gegend
sierte: „Das Wort ,Säuberung‘ ist sein können. Noch sind die weiteren Um-
ein historisch belasteter Begriff“, stände dazu ungeklärt. Dabei erklären die
unter Anspielung auf den Alge- Gendarmen aber auch ihre „Verwunde-
rienkrieg, in dessen Verlauf die rung“ darüber, wie Details über die lau-
Fremdenlegion Algier mit dem fenden und derzeit noch völlig offenen
Flammenwerfer zu reinigen ver- Ermittlungen überhaupt an die Öffentlich-
sprach (heute ist es erst einmal nur keit kommen konnten. Mit anderen Wor-
ein Hochdruckreiniger...). „Sein ten: Wer wollte Sarkozy da, vielleicht
Gebrauch ist zu vermeiden. Je- „aus dem Inneren des Apparats“, eine
mand, der einen kleinen Jugen tö- Steilvorlage liefern ?
tet, muss festgenommen und ver- „Der Richter muss bezahlen“, forderte
urteilt, aber nicht ,gesäubert‘ wer- Sarkozy mehrfach wörtlich. Dabei hatte
den“. aber keine Einzelperson, sondern ein drei-
■ Gewaltenteilung? Stunk! köpfiges Richterkollegium nach Anhö-
Rechtsstaatliche Minimal- rung mehrerer Spezialisten die Entschei-
prinzipien? Stunk! dung getroffen. Die Staatsanwaltschaft
hätte ihr Veto einlegen können, tat dies
Drei Tage später hatte der Richter- aber nicht. In solchen Fällen liegt die
verband noch mehr Gründe zur Rückfallquote im Promille-Bereich und
Kritik. Vor laufenden Kameras po- damit niedriger als die statistische Wahr-
saunte Sarkozy hinaus, er habe in scheinlichkeit, dass ein bisher nicht straf-
der Kabinettssitzung vom Mitt- fälliger Bürger ein Verbrechen begehen
woch (22. Juni) „vom Präsidenten wird. Deswegen lässt sich kaum rechtfer-
... Der Text lautet: „Sarkorama (statt Confo- verlangt, er solle den Justizminis- tigen, die Betroffenen weiterhin wegzu-
rama, d.i. eine Möbelkaufhauskette), die ter fragen, was mit dem Richter schließen, da man sonst auch die nicht
Missachtung zum halben Preis.“ Und die passiert, der es gewagt hat, ein sol- vorbestrafte Bevölkerung unter Präventi-
Abbildung zeigt Sarkozy mit dem „Reiniger“, ches Monster unter Auflagen frei- onsgesichtspunkten einsperren müsste.
dicke Aufschrift: „Moi“= „Ich“. zulassen“. Mit dem Monster war Einer Umfrage aus der vorletzten Juniwo-
der mögliche Wiederholungstäter che, als die Affäre hochkochte, zufolge
Gleichzeitig kündigte er an: „Wir wer- Patrick G. gemeint, der derzeit verdäch- glauben nur 7 Prozent der Französinnen
den das Quartier mit dem Karcher säu- tigt wird, Mitte Juni die Joggerin Nelly und Franzosen, dass zu viel für die Reso-
bern“. Damit meinte er offenkundig eines Crémel in einem Waldstück östlich von zialisierung und gesellschaftliche Wieder-
jener Hochdruck-Reinigungsgeräte, die Paris ermordet zu haben. Patrick G, Mitte eingliederung ehemaliger Strafgefangener
durch die deutsche Firma Raab-Kärcher 40, war im Jahr 2003 nach insgesamt getan werde. Dagegen glauben 67 %, es
hergestellt und durch die Pariser Straßen- 17jähriger Haft unter Justizaufsicht frei werde zu wenig in dieser Hinsicht ge-
reinigung eingesetzt werden. Gesäubert gekommen. Vor nunmehr 21 Jahren hatte macht. Die Haftentlassung unter Justiz-
werden sollten damit „Dealer, Gewalttäter er eine Tat begangen, die dem Mord an aufsicht und unter Auflagen bildet einen
und Sans papiers“, also auch Einwande- der Joggerin in vielen Punkten ähnelt. der Mechanismen, die eine Resozialisie-
rer, deren einziges Verbrechen darin be- G. war bei seinem Prozess als mutmaß- rung ermöglichen sollen. In ihrem Rah-
steht, ohne gültigen Aufenthaltstitel in licher Psychopath eingestuft worden, sein men liegt die Rückfallquote bei ungefähr
Frankreich zu leben. psychischer Zustand hatte sich jedoch im 5 Promille der „Fälle“ und ist damit nur
24 Stunden später durchkämmten zwei Laufe der Jahre nach einhelliger Exper- halb so hoch wie in den Fällen von Haft-
Hundertschaften Polizei die Siedlung, tenansicht verbessert. Patrick G. war der entlassung (nach 20 oder mehr Jahren)
räumten Keller und Dachgeschosse aus. „Musterhäftling“ seiner elsässischen Jus- ohne vorherige Resozialisierungsmaßnah-
Die Ausbeute fiel jedoch ausgesprochen tizvollzugsanstalt und beim Wachpersonal men, wie beispielsweise der Aussicht auf
mager aus, was vielleicht auch daran lie- der beliebteste Strafgefangene gewesen. vorzeitige bedingte Entlassung unter Jus-
gen mag, dass die Polizeiaktion angekün- In der Haft hatte er sein Abitur gemacht tizaufsicht.
digt und allgemein erwartet worden war. und eine pensionierte Krankenschwester Solche Feinheiten interessieren Sarko-
Bei den später den Medien präsentierten geheiratet. Deswegen war er, nach Anhö- zy aber offenkundig ebenso wenig wie
Fundstücken stach vor allem ein rotla- rung der Experten, zwecks Wiedereinglie- das Prinzip der Gewaltenteilung, über die
ckiertes Moped ins Auge – reichlich un- derung unter Auflagen freigekommen, sich er mit seiner lautstarken Forderung
spektakulär. dazu gehörte eine 10jährige Justizaufsicht klar hinweg setzt.
Die öffentliche Meinung in der Traban- mit der Pflicht, sich regelmäßig behörd- Der Vorsitzende des bürgerlichen Rich-
tenstadt war gespalten: Manche begrüß- lich zu melden. terverbands USM verglich Sarkozys Auf-
ten, dass „wenigstens etwas gemacht wer- Inzwischen hat Patrick G. zugegeben, treten gar mit einem Ansinnen des Rechts-
de“ angesichts des von Verrohung und zusammen mit einem Komplizen an der extremen Jean-Marie Le Pen kurz vor der
Perspektivlosigkeit geprägten Alltags, kri- Tat teilgenommen zu haben, will jedoch zweiten Runde der letzten Präsident-

: antifaschistische nachrichten 14-2005 9


schaftswahl: Der wollte zen aus dem, was es folg von „Superminister“ und Ober-An-
damals „die französische tagtäglich erlebt.“ kündigungspolitiker Nicolas Sarkozy, der
Richterschaft um ein Auch wenn das nach seiner Ernennung im Mai 2002 mit
Drittel ihrer Mitglieder französische peuple seinem Hyperaktivismus in Sachen „Si-
säubern“ und dachte da- keineswegs mit cherheit“ alle Fernsehstudios besetzte.
bei vor allem an jene 20 dem deutschen Ein relevantes Problemchen gibt es da-
Prozent, die bei Perso- Volksbegriff vergli- bei freilich noch: Ein Schaubild, das vom
nalwahlen für die linke chen werden kann, „Figaro-Magazine“ (Wochenendbeilage
bis linksradikale Richter- sondern eher „die der konservativen Tageszeitung „Le Figa-
gewerkschaft Syndicat da unten gegen jene ro“) vom 13. Mai 2005 veröffentlicht
de la Magistrature (SM) da oben² bezeich- wurde, zeigt die Konjunktur der beiden
stimmen. net, so zeichnet Sar- Themen „Innere Sicherheit“ und „Ar-
Am Freitag, 1. Juli de- zoky doch klare beitsplätze“. Dabei kann man deutlich er-
monstrierten rund 200 Konturen eines au- kennen, dass kurz vor der letzten Präsi-
RichterInnen in ihren toritären Populis- dentschaftswahl von 2002 ein steiler Aus-
Roben vor dem Pariser mus. schlag der Nennung des Themas „Unsi-
Justizpalast gegen die Nicolas Sarkozy cherheit“ nach oben zu verzeichnen ist.
Angriffe des Ministers hat seinen bahnbre- Befragt, welches Problem im künftigen
auf die Richterschaft und chenden politischen Regierungshandeln Priorität haben müs-
auf die Gewaltenteilung. Erfolg der letzten se, nennen damals 60 Prozent die „Innere
Protestpetitionen zirku- FN-Demo am 1. Mai 2005 in Paris drei Jahre der poli- Sicherheit“ und nur gut 20 Prozent „Be-
lieren unter den 8.000 tisch-ideologischen schäftigung“.
Richtern, die in ganz Frankreich tätig Konjunktur des „Sicherheits²-Themas zu Aber bereits seit dem Jahresbeginn
sind. Ein solch offenes Ringen um die po- verdanken. Vor allem im Vorfeld der letz- 2003 haben sich demnach die Kurven der
litische Unabhängigkeit der Justiz gegen- ten Präsidentschaftswahl vom 21. April beiden Themen überschnitten, da das so-
über dem „starken Mann“ der Exekutive 2002 war, circa ein Jahr lang, die Frage ziale Thema „Arbeitsplätze“ aus Sicht der
ist eine Premiere. der „Inneren Sicherheit“ durch alle Me- Befragten stetig an Bedeutung gewonnen
Jenen Journalisten, die Sarkozy befrag- dien und auf allen Kanälen zum alles hat. Und bei der letzten Umfrage, im Mai
ten, was er von „dem Zorn“ (teilweise überschattenden Megathema aufgebaut 2005, nannten nur 10 Prozent das Thema
auch im bürgerlichen Lager) gegen sein worden. „Innere Sicherheit“ als prioritär, hingegen
anmaßendes Auftreten und seine Verstöße Den Startschuss dazu gab die National- antworteten 55 Prozent „Arbeitsplätze“.
gegen die Gewaltenteilung erwidere, ant- feiertagsrede von Chirac am 14. Juli 2001. Insofern bleibt abzuwarten, ob „Supermi-
wortet der Mann: „Ich, ich höre den Zorn In den kommenden Monaten taten von nister“ Sarkozy dieses Thema wieder
der Opfer.“ Sarkozy nimmt für sich in An- den Sozialdemokraten über die Konserva- nach oben bringen kann, oder ob seine
spruch, der selbsternannte Sprecher „der tiven bis zu den Rechtsextremen alle bisherige Erfolgsmasche sich jetzt in Bäl-
Opfer“ ebenso wie „der Leute von unten“ (nicht-marxistischen) Parteien so, als sei de abgenutzt hat.
zu sein. Und er scheint sich mit seinen die „Unsicherheit“ eines der drängendsten Ansonsten kann Sarkozy im Moment
Ideen durchzusetzen: Am 6. Juli debattier- Zukunftsthemen überhaupt. Dabei wurde (im Prinzip) nur ein Einziger schaden,
te das Kabinett bereits über einen Gesetz- dieser Begriff, in seiner ideologischen und das ist er selbst. Seine letzten Auftrit-
entwurf über einen verschärften Umgang Vermittlung durch die Medien und durch te wurden auch in manchen bürgerlichen
mit Langzeithäftlingen und Wiederho- die Alltagsideologie, zur allgemeinen Kreisen (siehe die Kritik des eher bürger-
lungstätern, der ab September dem Parla- Chiffre für alle möglichen Aspekte der lichen-moderaten Richterbunds USM, die
ment vorgelegt werden soll. Neben Sarko- Zukunftsangst. D.h. die vorwiegend sozi- ähnlich schroff ausfiel wie jene der linken
zy und seiner Umgebung hat Justizminis- al motivierten Ängste wurden durch den bis linksradikalen Richtergewerkschaft
ter Pascal Clément jüngst maßgeblich an Begriff des „Unsicherheitsgefühls“ quasi SM) als weit überzogen betrachtet. Im
der Verschärfung des Entwurfs mitge- aufgesaugt. Nehmen wir einen Vertreter Umfeld und bei den politischen Freunden
wirkt. Clément gehörte 1981 zu dem Flü- der sozialen Unterschichten, der jeden Jacques Chiracs, der sich durch den rasan-
gel der bürgerlich-konservativen Parteien Tag Dutzende Kilometer zur (prekären) ten Aufstieg seines Herausforderers Nico-
(damals RPR und UDF), der gegen die Arbeit und zurück fahren muss, da er in las Sarkozy unmittelbar bedroht fühlt,
durch die Sozialisten durchgesetzte Ab- der Nähe keinen Job findet, und gleichzei- will man derzeit an eine übergroße „Ner-
schaffung der Todesstrafe eintrat. Ein Teil tig jeden Tag vor einer möglichen Entlas- vosität“ Sarkozys glauben, die ihm auf
der Gaullisten unter Philippe Séguin hatte sung oder einem Ende seines befristeten Dauer Schaden zufüge. Tatsächlich er-
die Abschaffung der Todesstrafe unter- Vertrages oder Zeitarbeitsvertrages zittert. scheint der Mann bei seinen derzeitigen
stützt, dagegen hatte der heutige Justizmi- Ihm lässt sich (unter Zuhilfenahme ent- Auftritten angespannt und verbissen um
nister Clément im Parlament die Hauptre- sprechend suggestiver Bilder von bren- Profilierung bemüht. Der Umstand, dass
de als Wortführer für die Verteidiger der nenden Autos aus den Banlieues auf allen Sarkozy jüngst seine Ehefrau weggelau-
Todesstrafe gehalten. Kanälen, die ja nicht einmal gefälscht sein fen ist und alle Regenbogenzeitschriften
■ Autoritärer Populismus müssen) u.U. einreden, die größte Angst, ihre Titel mit seinen Eheproblemen auf-
die er hegen müsse, sei, dass jemand sein machen, trägt dazu sicherlich bei. Das
Im Parlament verkündete Sarkozy am 23. Auto anzündet. Die Angst vor Sanktionie- Geltungsbedürfnis Sarkozys wurde da-
Juni offen, dass es um eine Gewinnung rung, vor Job- und Existenzverlust kön- durch wohl nur noch gesteigert. Auch
der rechtsextremen Wähler gehen: „Wir nen sich tatsächlich rund um diese Bedro- wenn ihm die derzeitige enorme Publicity,
werden durch Taten die extreme Rechte, hungs-Vorstellung kristallisieren, wenn die nun neben seinen politischen Aktio-
die Armut und die Gewalt zurückdrän- sie im gesamten öffentlichen Diskurs ins nen auch noch seinen privaten Problemen
gen“. Sozialdemokratischen Opponenten Zentrum gerückt wird. Daraus resultiert gilt, objektiv nutzt: Vielleicht stellt er sich,
hielt er vor: „Es wundert mich nicht, dass der Ausgang der Präsidentschaftswahl in seinem Geltungsdrang, doch noch
das Volk sich von ihnen abgewendet hat. von 2002, daraus resultiert das damalige selbst ein Bein. Sonst muss man sich wohl
Denn Sie haben das Volk vergessen. Sie hohe Abschneiden der (selbst bereits in schon mal auf eine Perspektive „Sarkozy,
sprechen nicht wie es, Sie verstehen es der Krise befindlichen!) extremen Rech- Président“ einstellen.
nicht und Sie ziehen keinerlei Konsequen- ten. Und darauf basierte eben auch der Er- Bernhard Schnid, Paris ■

10 : antifaschistische nachrichten 14-2005


: ausländer- und asylpolitik

Online-Demonstration: net. Bereits


Gewaltanwendung per im Schluss-
Mausklick wort nahm er
den Urteils-
Vor dem Frankfurter Amtsgericht spruch vorweg als er betonte, dass allein künfte geschickt – wie nach Aub zum
endete am 1. Juli der erste Prozess die Tatsache dieses Prozesses beweise, Beispiel. Das 160-Betten-Haus im Land-
gegen einen Initiatoren der ersten dass „das Internet unter die Fuchtel des kreis bleibt erhalten. Dagegen sind die
Online-Demonstration in Deutschland mit Polizeirechts“ gestellt werden solle. beiden Würzburger GU in der Ständer-
einer Verurteilung und Geldstrafe. Am 20. Während der Urteilsverkündung for- bühlstraße und im Winterleitenweg be-
Juni 2001 hatten sich mehr als 13.000 vir- derten empörte Zuschauer mit Transpa- reits geschlossen.
tuelle Demonstranten vor dem Internet- renten die Demonstrationsfreiheit „on- Nur noch 0,8 Prozent der Asylsuchen-
portal www.lufthansa.com der Lufthansa line wie offline“ und erklärten sich den den in Bayern wurden letztes Jahr aner-
versammelt, um gegen deren tödliche Ab- 13.000 mit dem Urteilsspruch kriminali- kannt. Ein Rekord-Minus. Für die neue
schiebeflüge zu demonstrieren. Durch sierten Online-Demonstranten zugehö- Gemeinschaftsunterkunft an der Veits-
den massenhaften und zeitgleichen Maus- rig. Die Verteidigung und der Anklagte höchheimer Straße bedeutet das rein
klick sollten die Server der Lufthansa kündigten Revision an. Sie streben eine rechnerisch: Von 500 Bewohnern warten
symbolisch blockiert werden und in der rechtliche Entscheidung über die De- 495 nur auf ihre Ausreise oder Abschie-
Öffentlichkeit die menschenverachtende monstrationsfreiheit im Internet vor den bung. So lange das Asylverfahren läuft –
Abschiebepraxis angegriffen werden. höchsten deutschen und europäischen im Durchschnitt drei Jahre – müssen die
Im Urteil folgte Amtsrichterin Wild in Gerichten an. Hans-Peter Kartenberg, Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunter-
weiten Teilen der Argumentation der Initiative Libertad! ■ kunft leben. Privatwohnungen sind tabu -
Staatsanwaltschaft und verurteilte den es sei denn, Asylbewerber können ihren
Angeklagten wegen „Nötigung“, das Ex-Emery-Kaserne: Asylbe- Lebensunterhalt aus eigener Kraft be-
heißt sowohl „Gewaltanwendung“ wie streiten. Doch arbeiten dürfen sie frühes-
auch „Androhung eines empfindlichen werber bleiben länger in tens nach einem Jahr und nur in Jobs, für
Übels“, zu einer Geldstrafe von 900 Würzburg die sich keine Deutschen oder „reguläre“
Euro. In ihrer Urteilsbegründung sah Wie durch einen Artikel im Lokalteil Ausländer finden. ■
Richterin Wild allein „durch die Kraft- Würzburg der Mainpost bekannt wurde,
entfaltung des Mausklicks“ bereits eine soll das bisherige Zentrale Durchgangs- Zuwanderung als zentrales
„Zwangswirkung“ auf potentielle User lager für Asylsuchende (ZAST) in eine
der Lufthansa-Webseite, die zum Zeit- „Gemeinschaftsunterkunft“ umgewan- Wahlkampfthema ist
punkt der Protestaktion das Onlineportal delt werden. Der Stadtrat hatte im Febru- brandgefährlich
der Abschiebe-Airline hätten besuchen ar die OB einstimmig aufgefordert, die Berlin. Als brandgefährlich bezeichnen
wollen. Richterin Wild setzte zudem das Umwandlung in eine Gemeinschaftsun- PRO ASYL, das Referat Migrationspoli-
geltende Versammlungsrecht außer terkunft zu verhindern. – Wir zitieren tik des DGB-Bundesvorstandes und der
Kraft, in dem sie dem Online-Protest le- aus dem Artikel des Lokalredakteurs An- Interkulturelle Rat in Deutschland die
diglich den Charakter einer „Ansamm- dreas Jungbauer. (jüw) Absichtserklärungen des Bayerischen In-
lung“ zubilligte, die zugleich aber wie Für Flüchtlinge ist die ehemalige nenministers, Günther Beckstein, und
eine illegale „Blockade“ der Lufthansa- Emery-Kaserne in der Veitshöchheimer des stellv. Vorsitzenden der CDU/CSU-
Webseite gewirkt habe. Straße seit Freitag mehr als eine Durch- Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach,
Damit ging Richterin Wild selbst über gangsstation: Statt wie zuletzt rund 140 die Frage der weiteren Zuwanderung
die Forderung der Staatsanwaltschaft hi- Asylbewerber sollen in der neuen Ge- nach Deutschland im Wahlkampf „mas-
naus und sah den Tatbestand der „Gewalt meinschaftsunterkunft künftig bis zu 500 siv“ thematisieren zu wollen. Eine nega-
in seiner stärksten Form erfüllt“, da im Flüchtlinge für die Dauer ihres Asylver- tiv besetzte Zuwanderungsdebatte ginge
Internet auf elektronischem Wege der fahrens leben. an der Realität in Deutschland völlig vor-
„Willen Anderer gebeugt“ worden wäre. Mit dem Stichtag 1. Juli hat sich zu- bei und wäre bloße Stimmungsmache.
Richterin Wild, die zuvor sämtliche Be- nächst nur der Name geändert. Umbau- Mit biologistischen Begrifflichkeiten wie
weisanträge der Verteidigung als „unre- ten sollen folgen. Bis dato war Würzburg der „bestandserhaltenden Geburtenrate“
levant“ abgelehnt hatte, folgte ihrer Art als eine von drei Aufnahme-Einrichtun- und dem Vorwurf an rot-grün, eine „Mul-
Rechtsauffassung, die sich schon in har- gen in Bayern, eine erste Anlaufstation tikulturalisierung durch die Hintertür“ zu
ten Verurteilungen von Irakkriegsgegner, für Flüchtlinge nach ihrer Ankunft an der betreiben, äußere sich der Bayerische In-
die 2003 die US-Airbase blockierten, Grenze oder am Rollfeld. Jetzt wird eine nenminister ebenso unseriös wie Oskar
ausgedrückt hatte. Und auch im virtuel- Gemeinschaftsunterkunft (GU) daraus. Lafontaine, der in rechts-populistischer
len Raum, möchte die Amtsrichterin Der Ministerrat hat’s beschlossen. Diktion vor „Fremdarbeitern“ warnt, die
Rechtgeschichte schreiben. Für sie war Doch immer weniger Menschen fin- Familienvätern und Frauen die Arbeits-
die Online-Demonstration mehr als nur den Zuflucht in Deutschland, viele wer- plätze wegnehmen. „Wer Sozialneid
ein einmaliger „Gewaltakt“, sondern ihr den sofort in ihre Herkunftsländer abge- schürt und Migranten und Flüchtlinge zu
ginge es auch darum, mit dem Urteil schoben. Gerade noch 4855 Asylbewer- einer Ursache der aktuellen ökonomi-
„potentielle Nachahmer“ abzuschrecken. ber zählte man vergangenes Jahr in Bay- schen Krise erklärt, gibt die Betroffenen
Rechtsanwalt Scherzberg forderte in ern – im Rekordjahr 1992 waren es fast als Sündenböcke frei und riskiert, dass
seinem Schlussplädoyer den bedin- 60 000. Durch den Rückgang wurde die sie verstärkt zur Zielscheibe rechtsge-
gungslosen Freispruch. Er zweifelte die Würzburger Ex-Kaserne als Durchlauf- richteter Angriffe werden. Er fügt über-
juristische Kompetenz der Staatsanwalt- station überflüssig. Bis zu drei Monaten dies dem politischen System der Bundes-
schaft an, die nicht in der Lage war, kau- blieben die Flüchtlinge hier – bis Perso- republik schweren Schaden zu. Mittel-
sale Zusammenhänge zu verbalisieren. nalien geklärt, Gesundheitstest gemacht fristig werden sich die NPD und andere
Der Angeklagte beharrte auf dem Recht und die Asylverfahren angelaufen waren. rechtsextreme Parteien hierfür bedan-
der freien Demonstration auch im Inter- Dann wurden sie in Gemeinschaftsunter- ken.“ www.interkultureller-rat.de ■

: antifaschistische nachrichten 14-2005 11


Unter diesem Titel fand in Köln
eine Veranstaltung vom Köl-
ner Flüchtlingsrat, dem Unter-
„Wer lange hier lebt,
stützerkreis für die von Abschiebung
bedrohten Kinder und Jugendlichen
und vom Kölner Runden Tisch für Inte-
muss bleiben dürfen“
gration statt, die beeindruckte. Und Veranstaltung sich hatten vorstellen kön- ne Lösung für sog. „Härtefälle“ getan
nicht nur weil das Dom-Forum ram- nen. Frau Dahmen bemühte sich, dem Pu- wurde, ist ein Erfolg.
melvoll war. Das allein war schon blikum den „humanen touch“ ihrer Be- Kritisch bleibt allerdings anzumerken,
nicht selbstverständlich, ging es doch hörde zu versichern, in dem sie von der wie leichtfertig und populistisch auch von
um die Verfestigung des Aufenthalts Aufenthaltsverfestigung einer Familie aus Unterstützern der Flüchtlinge mit dem
von jahrelang in Köln geduldeten dem Kirchenasyl berichtete. Auch Herr Phänomen Kriminalität umgegangen
Flüchtlingen, um die Ermessensspiel- Granitzka schilderte am Beispiel der Un- wird. Pfarrer Decker hatte sich beispiels-
räume der Ausländerbehörde und um terstützung für zwei türkische Jugendli- weise über die Kriminalität der Schleuser
das richtige Verständnis des neuen che, die ihren Aufenthalt verloren hatten, erregt. Tatsache ist, dass diese Menschen
Aufenthaltsgesetzes, dem Kernstück dass er in besonderen Notfällen durchaus vor dem Fall der Mauer Fluchthelfer hie-
des Zuwanderungesetzes. auch für unkonventionelle Hilfe zu haben ßen, hochangesehen waren und sogar po-
Die von Isabel Schayani souverän mode- ist. lizeiliche und geheimdienstliche Unter-
rierte Podiumsdiskussion ist vor allem Da Claus-Ulrich Prölß und Reinhart stützung erhielten. Ohne die immer per-
deshalb zu würdigen, weil damit in Köln Hocker aus ihrer Beratungspraxis bestäti- fekter werdende Abschottung Europas
angefangen wurde, öffentlich mit den
Flüchtlingen selbst, mit allen wichtigen
Parteien und allen Unterstützergruppen
eine Auseinandersetzung zu führen, die
scheinbar nur noch von Konfrontation ge-
prägt ist, gerade auch im Hinblick auf die
anstehenden Neuwahlen zum Bundestag.
Als das Zuwanderungsgesetz verab-
schiedet worden war, dachten rot-grüne
Parlamentarier wie der SPD-Bundestags-
abgeordnete Wiefelpütz und Volker Beck
von Bündnis90/Die Grünen, sie hätten ein
Gesetz verabschiedet, das zu einem Ende
der sog. Kettenduldungen dadurch führen
könnte, dass die über 220.000 Flüchtlinge
mit Duldungs-Status endlich eine Aufent-
haltsverfestigung (einschließlich Arbeits-
erlaubnis) erhalten würden. Sie hatten die
Rechnung ohne die Innenminister ge-
macht. Deren Ausführungsbestimmungen
zum Gesetz sehen vor, dass die auch als
„unerlaubt Eingereiste“ Bezeichneten ge-
fälligst wieder ausreisen mögen und kei-
nesfalls mit einer Aufenthaltserlaubnis gen konnten, dass es diese humanitären wäre dieser „Berufsstand“ längst ausge-
„belohnt“ gehören. Lösungen in Einzelfällen immer mal wie- storben. Er ist zwar nicht vom Staat ge-
Auf dem Kölner Podium war diese ord- der gegeben hat, war die Frage zum The- wollt, aber zweifellos von ihm produziert.
nungspolitische Position vertreten durch ma geworden, wie man wenigstens diese Das zweite wichtige Thema, für das si-
Herrn Granitzka von der CDU, Herrn Form der Hilfe aus ihrer Zufälligkeit und cher mindestens ein weiterer eigener Dis-
Breite von der FDP, Frau dos Santos von Abhängigkeit von bestimmten Personen kussionsabend notwendig ist, sind die
der SPD und sozusagen von Amts wegen befreien und institutionalisieren könnte. Roma. Wenn Köln die hier lebenden
von Frau Dahmen, der Leiterin der Aus- Das Stichwort „Kölner Härtefallkommis- Roma – und ich spreche auch von denen,
länderbehörde. Für eine humanitäre Lö- sion“ tauchte auf und Isabel Schayani deren Kinder eine Klau-Karriere einge-
sung des Konflikts traten neben den Ver- konnte allen Politikerinnen und Politikern schlagen haben, nachdem ihnen die
anstaltern Ossi Helling von den Grünen, auf dem Podium eine Zustimmung zur Schulkarriere jahrlang verschlossen war –
Jörg Detjen von der PDS und Pfarrer De- Einrichtung einer solchen Kommission abgeschoben werden sollten, wo sollen
cker, der Direktor der Caritas in Köln, ein. entlocken. sie denn hin? Leider ist diese Frage vom
Ihnen wäre es am liebsten, es würden alle, Gewonnen wäre damit zweierlei: die Podium nicht beantwortet worden.
die länger als fünf Jahre in Köln geduldet Zahl der über diese Schiene möglichen Eine von der VW-Stiftung in Auftrag
leben, eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Aufenthaltsverfestigungen könnte gestei- gegebene wissenschaftliche Studie hat je-
Das humanitäre Anliegen von „Wer gert werden und die Kölner Ratsfrauen denfalls ganz eindeutig festgestellt: die ar-
lange hier lebt, muss bleiben dürfen“ wur- und -herren könnten sich durch die Viel- men südosteuropäischen Länder sind
de von Reinhart Hocker vom Unterstüt- zahl der Fälle, mit denen sie dann kon- nicht in der Lage, die über Jahrhunderte
zerkreis und Claus-Ulrich Prölß vom frontiert werden, noch mal neu überlegen, andauernde Diskriminierung und Verfol-
Flüchtlingsrat, aber auch aus dem Publi- ob es nicht doch richtig ist, auf strukturel- gung der Roma allein aus eigenen Kräften
kum selbst von Flüchtlingen und ihren le humanitäre Bleiberechtsregelungen zu zu überwinden. Ohne direkte Hilfe und
Unterstützern durch viele bewegende Ein- setzen. Dass diese für die Stadt auch noch auch direkte Übernahme von Verantwor-
zelschicksale vermittelt. Auf dieser Ebe- billiger sind, wurde betont. tung der westeuropäischen Städte und Ge-
ne der Einzelfall-Hilfe waren auch die Bilanz: dass so engagiert miteinander meinden ist das nicht zu machen.
Ordnungspolitiker letztlich zu mehr Be- diskutiert werden konnte und ein Schritt Klaus Jünschke
wegung bereit, als viele Skeptiker vor der in Richtung auf eine gemeinsam getrage- Köln, den 22. Juni 2005

12 : antifaschistische nachrichten 14-2005


Wo sind Sunica und Der BRD-Staat tut Unrecht
München. Die mit der folgenden Pressemel-
Jovica? dung dokumentierte Geschichte einer Abschie-
bung wirft nicht nur die Frage auf, was aus ei-
nem Staat werden will, der das ihm übertragene
Köln. Eltern und Kinder der Die Familie war im Jahr 2000 aus Gewaltmonopol zu solchen Zwecken miss-
Gemeinschaftsgrundschule dem Grenzgebiet zum Serbien/Kosovo braucht. Wovor sollen Beamte noch zurück-
Dellbrücker Hauptstraße luden geflüchtet, weil die Angriffe und An- schrecken, die solche Taten begehen? Schweres
am Freitag, 8.7. die Presse zu einem schläge der dort vom Kosovo aus ope- Unrecht wird zur Routine. Die Unterstützung
Besuch bei Frau Dahmen, der Leiterin rierenden UCK immer bedrohlicher zivilgesellschaftlichen Engagements ist gefor-
der Kölner Ausländerbehörde, ein. Sie wurde. Bereits 1999 waren sie Bom- dert.
wollten, dass Frau Dahmen erklärt, wo bardements der Natoflieger ausgesetzt. Frau soll aus der Psychiatrie heraus abge-
ihre Freunde Sunica (10) und Jovica Sie wollten jetzt nicht auch noch schoben werden
(6) geblieben sind! Die hatte nichts dasselbe Schicksal wie ihre Verwand-
Besseres zu tun, als Polizei zu holen ten jenseits der Grenze im Kosovo er- Nachdem am 29.6. eine Petition für die Familie
und auf dem Flur und im Saal zu pos- leiden, die in brutalen Pogromen zu Avdija, Angehörige der Ashkali-Minderheit aus
tieren, als ob von Grundschulkindern Tausenden verfolgt und vertrieben dem Kosovo, vom Petitionsausschuss des Baye-
eine Gefährdung ausgehen könnte. wurden. rischen Landtags abgelehnt worden ist, soll die
Am 14.6. 2005 morgens blieben die Die Familie lebt seit 5 Jahren in Abschiebung nun offensichtlich mit aller Macht
Plätze von Sunica und Jovica in der Köln, der jüngste Sohn (3) wurde hier vollzogen werden. Am Nachmittag hatte die
Schule leer. Auch am folgenden Mor- geboren. Der Vater Herr Selistarevic Ehefrau und Mutter von vier Kindern einen er-
befindet sich seit Jah- neuten Suizidversuch unternommen und war
ren in psychologischer wieder ins Bezirkskrankenhaus Erlangen einge-
Behandlung. Er leidet wiesen worden, aus dem man sie erst am Mon-
an einer posttraumati- tag mit starken Beruhigungsmitteln entlassen
schen Belastungsstö- hatte. Die Abschiebung, die vom Leiter der Zen-
rung, die nach Aussa- tralen Rückführungsstelle (ZRS) Nordbayern,
gen des behandelnden Herrn Peter Meißner, schon vor der Entschei-
Arztes, Folge seiner dung im Petitionsausschuss auf morgen früh,
Kriegserlebnisse ist. 8:50 Uhr angesetzt worden war, soll nun wohl
Die Familie ist ein trotz allem durchgesetzt werden. Der Versuch
Musterbeispiel an Inte- der ZRS, den Vater der Familie alleine abzu-
grationsbereitschaft: schieben, war vergangene Woche erst im letzten
Die älteren Kinder be- Augenblick verhindert worden. Jetzt sollen Va-
suchen regelmäßig und ter und Kinder getrennt von der Mutter zum
mit großem Erfolg die Münchner Flughafen gebracht werden, Frau
Schule. Sie sind sehr Avdija soll mit ausreichend Begleitpersonal in
beliebt, haben viele einem eigenen Transport zum Flugzeug ge-
Freundinnen und bracht werden, direkt aus der Psychiatrie. Eine
Freunde. Sie sprechen Überprüfung der Reisefähigkeit von Frau Avdi-
perfekt Deutsch und ja wird von der ZRS abgelehnt, nachdem ein At-
nehmen an der „sozia- test der behandelnden Ärztin eine Abschiebung
len Gruppenarbeit für unter hohen Sicherheitsvorkehrungen für mög-
Romakinder“ der Stadt lich erachtet hatte.
Köln teil. Dort sind sie Der Bayerische Flüchtlingsrat sieht das Be-
für viele andere Roma- zirkskrankenhaus in der Pflicht, sich nicht den
gen kamen sie nicht. Die MitschülerIn- kinder ein Vorbild. Die Familie ist nie Abschiebeinteressen einer offensichtlich rück-
nen und LehrerInnen machten sich in irgendeiner Weise negativ aufgefal- sichtslosen Behörde anzupassen und vordring-
Sorgen, weil die Beiden noch nie un- len. Sie ist mit deutschen Nachbarn be- lich alles zu tun, was zur Gesundung Frau Avdi-
entschuldigt gefehlt hatten, auch zu freundet. Deswegen setzen sich Mit- jas beiträgt. Die Abschiebung einer nach der ei-
Hause waren sie nicht anzutreffen. Re- schülerInnen, LehrerInnen und Eltern genen Einschätzung der Klinik psychisch stark
cherchen der Eltern ergaben, dass die jetzt auch massiv für sie ein. Es gibt angegriffenen Frau zu gestatten, ist in unseren
Familie ohne Vorankündigung am bereits eine große Unterschriften- Augen mit medizinethischen Grundsätzen nicht
14.6. frühmorgens um 6 Uhr aus dem sammlung für die Familie sowie vereinbar. Auch der Deutsche Ärztetag hat be-
Betten geholt worden war, um sie nach Wand-Zeitungen, die über das Schick- schlossen, dass eine reine Prüfung der Flug-
Serbien abzuschieben. Die Familie sal der Familie informieren. tauglichkeit ärztlich nicht vertretbar ist. Den
wollte am selben Tag zur Ausländerbe- Lehrer, Eltern und MitschülerInnen bayerischen Innenminister Dr. Günther Beck-
hörde, um ihre Duldung zu verlängern. sind entsetzt über das rabiate Vorgehen stein fordern wir auf verbindlich zu klären, dass
Auf Anraten ihres Anwaltes stellten der Kölner Ausländerbehörde gegen eine Weiterbehandlung von Frau Avdija im
sie als letztes rechtliches Mittel einen die Familie. Sie erwarten, dass die Fa- Zielstaat Slowenien gesichert ist und bis dahin
Asylantrag, um die unmittelbar bevor- milie umgehend wieder nach Köln zu- jeden Abschiebeversuch auch einzelner Famili-
stehende Abschiebung zu verhindern. rückkehren kann und hier endlich Blei- enmitglieder auszusetzen. Es ist weder mit
Die Familie wurde dann im Rahmen berecht erhält. Eine befriedigende Ant- menschenrechtlichen noch mit christlichen
des Umverteilungsverfahrens für Asyl- wort erhielten sie bei ihrer Aktion Grundsätzen zu vereinbaren, dass sich eine Be-
bewerber von Beamten der Stadt Köln nicht. „Wir dürfen nicht auf individuel- hörde derart rigoros über die Gesundheit einer
nach Karlsruhe gebracht, wo sie noch le Fälle eingehen,“ so die lapidare Ant- Frau und das Wohl einer Familie hinwegsetzt.
heute sind und auf die Ablehnung ihres wort der Behörde. PM Stephan Dünnwald, Sprecher
Asylantrags und auf die unmittelbar Weitere Nachfragen: Bayerischer Flüchtlingsrat; Erwin Bartsch,
folgende Abschiebung wartet. Rom e.V. 0221 / 242536 ■ Gemeindepädagoge Zirndorf ■

: antifaschistische nachrichten 14-2005 13


Massenproteste gegen Hartz IV, Studie- ■ Arbeitswelt und Menschenwürde
rendenstreiks, Arbeitsniederlegungen ge- ■ Globalisierung und die Rolle Deutsch-
gen Produktionsverlagerungen und Ar- lands in der Welt
beitszeitverlängerungen, ganz zu schwei- ■ Menschenrechte und politische Teil-
gen von zahlreichen örtlichen Konflikten habe
um die Privatisierung von Krankenhäu- ■ Eine lebenswerte Welt - anders leben
sern, Verkehrsbetrieben u.v.m. ■ Es gibt einen eignen FrauenRaum und
Die Erfolge waren gering. die Kämpfe ein Open-Space „Sozialforum von un-
blieben zersplittert, obwohl sie sich doch ten“.
alle nur gegen verschiedene Auswirkun- ■ Bewegung gegen Agenda 2010: das
gen derselben Strategie richten: auf dem kommunale Kino zeigt die Filmreihe
Weltmarkt zu konkurrieren auf Kosten der des Sozialforums, Musikbeiträge
Für Gerechtigkeit, Frieden abhängig Beschäftigten, der Erwerbslo- ■ Am Samstagabend, ab 20.00 Uhr
sen, der Frauen, der MigrantInnen und an- Konzert am Domplatz
und Bewahrung der Natur derer nicht Kapital besitzender Teile der ■ Am Samstagmittag ab 14.00 Uhr De-
… ist das Motto des 1. Sozialforums in Bevölkerung. monstration durch Erfurt
Deutschland vom 21. bis 24. Juli in Erfurt. Das Sozialforum will deshalb einen Ort ■ Am Sonntagvormittag ab 11 Uhr Ver-
Die Diskussion wird sich in vielfältiger bieten, die einzelnen Erfahrungen zusam- sammlung der sozialen Bewegungen.
Form um Arbeitswelt und Menschenwür- menzuführen und miteinander über wirk- Hier werden eine Abschlusserklärung
de, Menschenrechte und politische Teil- same Veränderungen nachzudenken. Es und praktische Initiativen für die
habe, Globalisierung und die Rolle wird auch eine Gelegenheit bieten, über nächste Zeit vorgestellt.
Deutschlands in der Welt, eine lebenswer- eine Strategie mit breit getragenen ge-
te Welt – anders leben! – drehen. Kultur- meinsamen Forderungen nachzudenken www.sozialforum2005.de
beiträge sorgen für die richtige Würze. und mit Aktionsvorschlägen neue Impulse Sozialforum in Deutschland – c/o Jugendbüro
Initiativen und Einzelpersonen aus sehr für außerparlamentarischen Widerstand Filler, Schillerstraße 44, 99096 Erfurt
unterschiedlichen Spektren – von christli- zu geben. Tel: 0361/211 72 41, Fax: 0361/211 72 40,
Email: info@sozialforum2005.de. Der Teilnah-
chen Initiativen, der Ökologiebewegung, Was erwartet euch in Erfurt? mebeitrag beträgt pro Person 50,00 Euro
Dritte-Welt-Projekten über Anti-Hartz- bzw. 20,00 Euro für Menschen mit geringem
Netzwerke, Arbeitslosenorganisationen Am Donnerstagabend eine Eröffnungs- Einkommen. – Im Teilnahmebeitrag sind ent-
und Gewerkschaften bis hin zu feministi- veranstaltung mit Gästen aus Brasilien halten die Nutzung der öffentlichen Nahver-
schen Gruppen, Flüchtlinge- und Migran- (vom Weltsozialforum) und Griechen- kehrsmittel sowie Übernachtung in Turnhallen
tInneninitiativen, „Autonomen“ ... haben land (vom Europäischen Sozialforum) und auf öffentlichen Zeltplätzen. – Der Teil-
Veranstaltungen angemeldet und freuen sowie zahlreichen Kulturbeiträgen. nahmebeitrag für einen Tag beträgt 10,00
Euro bzw. 3,00 Euro für Menschen mit gerin-
sich auf einen Austausch, den sie in ihrem Am Freitag und Samstag Seminare und
gem Einkommen (ohne Übernachtung und
Alltag viel zu selten führen können. Workshops im 2-Stunden-Takt ohne Nutzung der öffentlichen Nahverkehrs-
In den letzten beiden Jahren hat es in Die Themen sind in vier Schwerpunkte mittel).
Deutschland viel Bewegung gegeben: gegliedert:

Kaum sind die offiziellen Feier-


lichkeiten zum 60. Jahrestag des
Zweiten Weltkriegs beendet, über-
Kein Militärspektakel in Köln!
zieht die Bundeswehr anlässlich ihres 50- martialische Auftritte gefunden. Im ver- ist der Weltfriedenstag. In der UN-Resolu-
jährigen Bestehens die Republik mit einer gangenen Jahr begründete der Heeresin- tion 55/282 heißt es in Punkt 2.: An diesem
ganzen Reihe öffentlicher Veranstaltungen. spekteur Generalmajor Budde wie folgt: Tag soll „weltweit Waffenruhe und Ge-
So will die Bundeswehr am 21. September „Wir brauchen den archaischen Kämpfer waltlosigkeit herrschen und für dessen
auf dem Roncalliplatz in Köln einen „Gro- und den, der den High-Tech-Krieg führen Dauer sind alle Nationen und Völker auf-
ßen Zapfenstreich und möglicherweise kann“ , ( der) „fern der Heimat bei dieser gerufen, die Feindseligkeiten einzustel-
auch ein „öffentliches Gelöbnis“ durchfüh- Art Existenz in Gefahr steht, nach eigenen len.“ Im Punkt 3. wird hervorgehoben, dass
ren. Mit dieser öffentlichen Propaganda- Gesetzen zu handeln.“ (Welt am Sonntag, dieser Tag in angemessener Form zur Er-
veranstaltung, soll der Anspruch des deut- 2.2.2004) ziehung zum Frieden genutzt werden soll
schen Militärs, wieder selbstverständliche Diese „archaischen Kämpfer“ sollen und dass er die Vereinten Nationen in ihren
und traditionell gewichtige Institution der nun nah der Heimat, in Köln, am 21. Sep- Bemühungen zur weltweiten Waffenruhe
Berliner Republik zu sein, demonstriert tember ein Gelöbnis ablegen. Anschlie- unterstützen soll.
werden ßend soll noch ein Zapfenstreich stattfin- Herr Oberbürgermeister, seit 50 Jahren
Ein breites Bündnis ruft dazu auf, diese den. An all diesen Feierlichkeiten werden hat es in Köln kein öffentliches Gelöbnis
Demonstration deutschen Militarismus mit Sie, Herr Oberbürgermeister Schramma, gegeben. Es wird den Kölnerinnen und
vielfältigen Aktionen kritisch zu begleiten. teilnehmen. Was hat Sie eigentlich geritten, Kölnern schon viel zugemutet, wenn Kar-
Obwohl das Gelöbnis auch noch ausge- Ihre Teilnahme an diesem militaristischen dinal Meissner jedes Jahr im Rahmen des
rechnet am Weltfriedenstag stattfinden soll, Aufzug zuzusagen? Freiwillig zur Bundes- Soldatengottesdienstes im Kölner Dom Ar-
sah sich die Ratsmehrheit von wehr hatten Sie sich als junger Mann auf meeangehörige verschiedener Nationen
CDU/SPD/FDP nicht veranlasst, die Bun- jeden Fall nicht gemeldet. Sie hatten diese segnet. Bei dem Gelöbnis und dem Zap-
deswehr aufs Kasernengelände zu verwei- Feier mit der Heereskommandantur und fenstreich geht es allerdings noch martiali-
sen. Der Roncalliplatz wird am 21. Sep- dem Verteidigungsministerium für den 22. scher und preußischer zu, wenn die „High-
tember Aufmarschplatz für die Truppe. Wir September geplant. Der Ausschuss Allge- Tech-Krieger“ antreten, die vielleicht bald
dokumentieren aus der Rede, die Jörg Det- meine Verwaltung und Rechtsfragen hatte ihren Dienst am Hindukusch absolvieren
jen für die PDS OL dazu am 5.7. im Stadt- unter Protest der PDS Offenen Liste und werden. Deshalb meine Damen und Her-
rat hielt: der Grünen den Roncalliplatz zur Verfü- ren, schicken wir keine jungen Menschen
„In der 60-jährigen Geschichte der Bun- gung gestellt. Dann hat die Bundeswehr von Köln aus in Kriegsgebiete. Stimmen
deswehr wurden die wunderlichsten Be- die Feier auf den 21. September vorverlegt Sie unserem Antrag (auf Ablehnung des
gründungen für öffentliche Gelöbnisse und und Sie dabei gelinkt: Der 21. September Gelöbnisses) zu.“ ■

14 : antifaschistische nachrichten 14-2005


: ostritt
DISS-Archiv erweitert
Bestand A
m 2. August jährt sich die Un-
terzeichnung des Potsdamer
Abkommens zum 60. Mal. Das
Das Frankfurter Institut für So- im Prinzip um frei zugängliche Quellen. BdV-Blatt „Deutscher Ostdienst“
zialforschung, das durch die Man erhält sie am Kiosk oder im Abon- (DOD) erinnert anlässlich des Jubilä-
Arbeiten von Theodor Adorno nement, im Buchhandel oder per Ver- ums an einen Vortrag, den der 1997
und Max Horkheimer in Deutschland sand. Aber das nutzt dem interessierten verstorbene Jurist Otto Kimminich vor
geprägt wurde, hat dem DISS eine Wissenschaftler oder Journalisten wenig, zehn Jahren gehalten hat. Kimminichs
umfangreiche Sachspende zukom- da diese Quellen an den deutschen Uni- „Bewertungen des Potsdamer Proto-
men lassen, mit der es sein bisheriges versitäten nirgendwo langfristig und sys- kolls“ seien nach wie vor „aktuell“,
Archiv zur extremen Rechten erheb- tematisch archiviert werden. schreibt der DOD. In ihrer Juni-Ausga-
lich erweitern konnte. Durch die Sachspende des Frankfurter be druckt die Zeitschrift Auszüge aus
Instituts für Sozialforschung kann das dem Vortrag ab.
Diese Erweiterung umfasst vor allem den DISS nunmehr ein Zeitschriftenarchiv Das Potsdamer Abkommen, heißt es
Zeitraum seit Beginn der 60er Jahre bis von derzeit insgesamt knapp 1000 Titeln in Kimminichs Vortragstext, sei „kein
zum Beginn des Aufbaus des DISS-Ar- und etwa 70 Regalmeter vorweisen. Da- völkerrechtlicher Vertrag (...), sondern
chivs Anfang der 80er Jahre. Damit ver- rüber hinaus verfügt es über eine Biblio- nur das Schlußkommuniqué einer Kon-
fügt das Institut nun über ein chronolo- thek mit Primär- und Sekundärquellen ferenz von drei Mächten“. Es hätten
gisch dichtes Gesamtarchiv zur extremen (Bücher und Broschüren aus der Zeit vor also „dadurch keine Pflichten dritter
Rechten in Deutschland, sowie über und nach 1945) Zum weiteren Ausbau Staaten entstehen“ können. Zwar sei
wichtige Materialien aus dem franko- dieser Bestände nimmt das DISS gerne „die Lage“ im Hinblick auf Deutsch-
phonen Bereich. Sachspenden, auch in Form von kom- land komplizierter, „denn die Konfe-
Dieser Archivbestand ist in der Wis- pletten Nachlässen, entgegen. renzmächte waren ja zugleich Besat-
senschaftslandschaft der Bundesrepublik Das DISS nutzt dieses Archiv nicht zungsmächte in Deutschland“. Aller-
einmalig und nicht nur für die For- nur als Grundlage seiner eigenen For- dings, so Kimminich: „(I)hre Besat-
schung, sondern auch für die politische schung, sondern stellt es – nach Abspra- zungsgewalt leitete sich nicht aus dem
Arbeit gegen Rechts ausgesprochen er- che – auch externen Wissenschaftlerin- Potsdamer Abkommen ab, sondern aus
tragreich. Denn diese Gefahr von Rechts nen zur Forschung zur dem allgemeinen Völkerrecht und war
wird oft unterschätzt. Auch intellektuell. Verfügung. Zu diesem durch dieses begrenzt.“
Das Duisburger Institut für Sprach- Zweck wird die Publi- Das betreffe insbesondere die Um-
und Sozialforschung (DISS) hat es sich kation eines umfang- siedlung der Deutschen, die in Artikel
seit Jahren zur Aufgabe gemacht, die kri- reichen Auszuges aus XIII des Abkommens beschlossen wur-
tische Auseinandersetzung mit der Ideo- der Bestandsliste des de, behauptet Kimminich. Denn der
logie und der Praxis der extremen Rech- Archivs im Internet Bevölkerungstransfer sei eindeutig ille-
ten zu fördern. Denn ein solches Vorha- vorbereitet. Darüber gal gewesen: „Bezüglich der Vertrei-
ben kann nur langfristig und unabhängig hinaus kann das Archiv bungsfrage wäre im Rahmen des Be-
von Medienkonjunkturen angegangen auch für journalisti- satzungsrechts das bereits in der Haa-
werden. sche Recherchen genutzt werden. ger Landkriegsordnung zum Ausdruck
Seit nunmehr fast 20 Jahren archiviert PM DISS, 28.6.2005 ■ gekommene Deportationsverbot zu be-
das DISS Zeitungen, Zeitschriften und rücksichtigen“. Schon bald nach
Buchpublikationen der extremen Rech- Duisburger Institut für Sprach- und Kriegsende hätten prominente Juristen
ten und nutzt sie als empirische Basis für Sozialforschung denn auch die Auffassung vertreten,
wissenschaftliche Untersuchungen. Siegstr. 15, 47051 Duisburg „dass die im Potsdamer Abkommen
Umfang und Vielfalt dieser rechten Tel. 0203-20249 enthaltenen Passagen über die Auswei-
Publizistik sind wesentlich größer, als Fax 0203-287881 sung der Deutschen völkerrechtswidrig
man glaubt. Es handelt sich dabei zwar email: info@diss-duisburg.de sind“.
Nach dieser Revisionsthese geht
Kimminich zu wüsten Beschimpfun-
gen der östlichen Nachbarstaaten über.
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. In den „Vertreiberstaaten“ habe die
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Umsiedlung offenbar „mentale Wir-
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach kungen erzeugt“, die „nicht durch
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, Grenzanerkennungen, Bekenntnisse
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, zum Gewaltverbot und zur Versöh-
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. nung, Hilfsbereitschaft und Milliarden-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. investitionen zu verändern“ seien. Ab-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind schließend urteilt der deutsche Jurist,
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. dessen Lehrbuch „Einführung in das
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Völkerrecht“ in einer populären Ta-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung schenbuchreihe erschienen ist und
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. hohe Verbreitung erfährt: „Es sind Wir-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
kungen, die das ethische Fundament
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., der dort neu zu errichtenden Rechts-
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- ordnungen gefährden und damit die
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini-
Zukunft Ost- und Mitteleuropas in düs-
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di terem Licht erscheinen lassen.“
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. jk (nach: DOD 6/2005) ■

: antifaschistische nachrichten 14-2005 15


: aus der faschistischen presse
ob und wie sie in den erneuten Prozess
vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf
eingreift.
Europa der Vaterländer – JF gewinnt beim Bundesver-
EU zerschlagen und fassungsgericht Alexander von Stahl führte
anderes neu gründen Junge Freiheit Nr. 27/05 die Klage
Junge Freiheit Nr. 26/05 vom 1. Juli 2005 Junge Freiheit Nr. 28/05 vom 8. Juli 2005
vom 24. Juni 2005 Am 28. Juni gab das Bundesverfassungs- Der ehemalige Generalbundesanwalt
Nach dem Scheitern des EU-Gipfels gericht einer Klage des Blattes gegen die Alexander von Stahl, der nach der Schie-
kommentiert das Blatt: „Als Zukunfts- Beobachtung durch den nordrhein-west- ßerei und dem Tod von Wolfgang Grams
modell für den europäischen Kontinent fälischen Verfassungsschutz statt. Das in Bad Kleinen seinen Hut nehmen
taugt die Blairsche Freihandelszone so- Gericht hob die Urteile des Verwaltungs- musste, übernahm das Verfahren für das
wenig wie die soziale Wärmestube à la gerichts und des Oberverwaltungsge- Blatt 2002 vom ehemaligen FDP-Vorsit-
Schröder oder Chirac – unverbindlich die richts auf und verwies die Sache zurück zenden in Bayern und Gründer des rech-
eine, unbezahlbar die andere. Beide an das Verwaltungsgericht, im Wesentli- ten Bund freier Bürger, Manfred Brun-
ignorieren die außenpolitische und geo- chen deshalb, weil die als Begründung ner. Brunner hatte die erste Klage im
strategische Dimension Europas als Ge- angeführten Artikel nicht von Verlag Jahr 1996 eingereicht. Von Stahl ist nach
gengewicht zum amerikanischen Unila- oder der Redaktion verfasst sei- wie vor FDP-Mitglied und will das Blatt
teralismus. Mit neuerlichem Herum- en, sondern von ande- auch weiter vertreten. Er ist sich jedoch
schrauben an den verkorksten bestehen- ren Autoren. Damit nicht sicher, wie das Düsseldorfer Ver-
den Strukturen und Weiterwursteln mit sei nicht automa- waltungsgericht entscheiden wird
faulen Kompromissen ist es nicht getan. tisch das Blatt und würdigt die Entscheidung des
Europa muss neu gegründet werden: als auch verfas- Bundesverfassungsgerichtes wie
Bund souveräner Nationalstaaten, die sungsfeindlich. folgt: „Der Erste Senat hat ent-
sich in außen-, handels- und sicherheits- Chefredakteur schieden, dass die Erwähnung ei-
politischen Fragen eng abstimmen und Dieter Stein er- ner Zeitung in einem Verfassungs-
ihren Mitgliederkreis so beschränken, klärt zum Urteil: schutzbericht ein rechtswidriger
dass sie nicht von Wohlstandsgefälle und „Die Entschei- Eingriff sein kann. Das ist neu und
sozialen Verwerfungen gelähmt werden. dung des Bundes- kann sehr wohl auch als Abkehr bzw.
Dieses Zukunftskonzept scheinen selbst verfassungsgerichtes Korrektur der bisher vom Verfassungs-
seine französischen Erfinder weithin ver- bedeutet einen riesigen gericht vertretenen Auffassung in dieser
gessen zu haben: das Europa der Vater- Triumph nicht nur für die Junge Freiheit, Frage angesehen werden ... Die Maßstä-
länder.“ sondern für die Pressefreiheit insgesamt be, die das Verfassungsgericht für die
JF-Schreiber Peter Lattas umschreibt in Deutschland. Die Machtarroganz des Prüfung vorgibt, ob der Grundsatz der
damit das alte neonazistische Konzept NRW-Verfassungsschutzes, der als ver- Verhältnismäßigkeit gewahrt ist, sind
vom „Europa der Nationen“, dem die fassungswidriges Kampfinstrument der nicht so einfach zu handhaben, wie ich es
Vorstellung nationaler Volksgemein- 39 Jahre lang regierenden SPD miss- mir gewünscht hätte, aber ich bin sicher,
schaften zugrunde liegt. braucht worden ist, stellt nur die Spitze dass auch das Verwaltungsgericht sich
In derselben Ausgabe weist Bernd- des Eisberges einer die demokratische bewusst ist, dass nach dieser langen Ver-
Thomas Ramb darauf hin, dass Bundes- freiheitliche Gesellschaft in unverschäm- fahrensdauer weitere Verzögerungen für
präsident Köhler die Zustimmung zur ter und unerträglicher Weise domestizie- die JF und das Ansehen des Rechtsstaa-
EU-Verfassung noch nicht unterschrie- rende Political Correctness dar. Karlsru- tes nicht mehr tragbar sind.“ Ein ausführ-
ben hat, sondern abwartet, welches Er- he hat hier einen bitter notwendigen liche Würdigung des Urteils auch in den
gebnis die Klage von CSU-Gauweiler Warnschuss abgegeben.“ antifa-Nachrichten wäre wünschenswert.
vor dem Bundesverfassungsgericht ge- Wir sollten genau beobachten, wie die uld ■
gen die Abstimmungen in Bundestag und neue CDU/FDP-Landesregierung in
Bundesrat erzielt. Nordrhein-Westfalen hierauf reagiert – Schulterschluss
Nationalzeitung 27 vom 1. Juli 2005
Der „Deutschland-Pakt“, so die NaZe,
werde zur Bundestagswahl jetzt reali-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
siert. So stellten die Delegierten des
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: NPD-Landesverbandes Sachsen am 25.
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Juni eine 20-köpfige Liste auf, auf der
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
auch DVU-Vertreter berücksichtigt wur-
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
den wie etwa das DVU-Bundesvor-
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
standsmitglied Hans-Otto Weidenbach.
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). Außerdem schickte die DVU Harald
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
Neubauer (parteilos) ins Rennen, der zu-
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) vor beim „Freundeskreis der National-
Zeitung“ referiert hatte (siehe Naze 25-
Name: Adresse: 05) und sich für das Bündnis aller
„Deutschgesinnten“ stark gemacht hatte.
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts Da die 5%-Hürde schwer zu knacken
sein wird, will man möglichst 3 Direkt-
Unterschrift kandidaten durchbringen, Dabei gilt der
Wahlkreis von Uwe Leichsenring in der
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
Sächsischen Schweiz als besonders aus-
sichtsreich. u.b. ■

16 : antifaschistische nachrichten 14-2005