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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 28.7.2005 21. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Comitato Gemellaggio
di Volterra:
„memoria“ e „solidarietà”
„Memoria”, das „Geschichtsbewusst-
sein” bedeutet nicht allein die Erinne-
rung an die vor 60 Jahren geschehenen
Greueltaten, „Memoria“ ist das Wissen
um den Zusammenhang zwischen Ge-
schichte und heutigen Aktualitäten, „Me-
moria“ bezeichnet die dauerhafte Ver-
pflichtung, gegen alles anzukämpfen,
was – in welcher Form auch immer – zu
einer Wiederholung der Unmenschlich-
keit und des Horrors beitragen könnte.
Das Comitato Gemellaggi fordert die
Jugend dazu auf, die Missstände des Na-
tionalsozialismus und des Faschismus
niemals in Vergessenheit geraten zu las-
sen, sondern über dieses Thema nachzu-
denken, um die Grundwerte der Demo-
kratie, des Respektes gegenüber anderen
und der Toleranz zu begreifen.
Das ist unser Anliegen aus der Über-
Am 20. August nach
zeugung heraus, dass diese Arbeit die
Entwicklung der heutigen Wertegemein-
schaft fördern kann und eine Art Brücke
Wunsiedel!
zwischen Vergangenheit, Gegenwart und 48 Leute hatten Mitte März in Korinna Pflug, erklärte dazu: „Ein mög-
Zukunft darstellen kann. Wunsiedel die Gründung einer liches Verbot entbindet den Widerstand
Das Geschichtsbewusstsein muss in „Bürgerinitiative zur Bündelung gegen den ‚Hess-Marsch‘ und alle ande-
den Menschen die Überzeugung entwi- des gesamten Bürgerengagements gegen ren Menschen nicht von der Verantwor-
ckeln, klar und ehrlich Stellung zu neh- die unerwünschten braunen Aufzüge“ tung, gegen die Verherrlichung des Na-
men gegen jede Art von Krieg, gegen beschlossen, inzwischen ist die Initiative tionalsozialismus vorzugehen“. Faschis-
jede rassistische und fremdenfeindliche auf über 1500 Menschen gewachsen. Ne- tisches Gedankengut lässt sich nicht ver-
Ideologie, gegen jeden Totalitarismus, ben juristischen Initiativen versucht die bieten, sondern hat seine Wurzeln viel-
damit die Würde eines jeden Menschen Stadt zusammen mit der Jugendinitiative mehr in der Mitte der Gesellschaft, so
gewährleistet ist. gegen Rechtsextremismus und den Kir- Pflug. Um faschistisches Denken, Han-
Das Comitato Gemellaggi unterstüzt chen über Vorträge, Diskussionen, kultu- deln und Reden unmöglich zu machen,
aktiv alle Initiativen, die in der Jugend relle und ökumenische Aktivitäten die braucht es eine Politik, die sich an den
und bei allen Bürgern jenes Geschichts- EinwohnerInnen zu mobilisieren und am Ursachen orientiert, nicht aber nur die
bewusstsein wach halten und beteiligt 20. August zu einem „Tag der Demokra- Symptome in Form von Verboten behan-
sich durch Aktivitäten wie z. B. das tie“ von 10–20 Uhr auf die Straße zu delt. Eine Auseinandersetzung mit Ras-
Theaterstück „Shalom Salam“, das von bringen. Die Partnerstadt von Wunsiedel, sismus und Faschismus dürfe nicht der
Volterraner Schülern bereits in Mende, Volterra in der Toscana, solidarisiert sich Justiz überlassen werden.
Ellhofen und Wunsiedel aufgeführt wur- mit den Aktivitäten (siehe nebenstehende Aus diesem Grund wird die Kampa-
de. Grußadresse). Die Antifaschistische Ak- gne „NS-Verherrlichung stoppen“ auch
Das Comitato Gemellaggi erklärt sich tion mobilisiert bundesweit mit Veran- weiterhin bundesweit für den Antifa-
solidarisch mit der Bürgerinitiative staltungen zu einer Demonstration am schistischen Aktionstag und die geplante
„Wunsiedel ist bunt, nicht braun.“ 20. August in Wunsiedel. Demonstration gegen den sog. „Hess-
Prof. Roberto Gazzarri Am 4. Juli d.J. hat das Landratsamt Marsch“ am 20. August d.J. nach Wun-
Präsident Comitato Gemellaggi Part- Wunsiedel den diesjährigen Nazi-Auf- siedel mobilisieren. Besonders 60 Jahre
nerschaftskomitee Volterra ■ marsch unter dem Motto „Gedenken an nach der Niederlage des NS-Faschismus
Rudolf Heß“ – auch bekannt als „Hess gilt es, ein deutliches Zeichen gegen die
Marsch“ – untersagt (siehe AN 14-05). Verherrlichung von Kriegsverbrechern
Inhalt: Das Amt will damit Bildern wie im ver- zu setzen. Weitere Infos:
Zum Stand der Entschädigungs- gangenen Jahr vorbeugen, als rund 4.500 www.vvn-bda. de
zahlungen an ehemalige junge und alte Faschisten und Faschistin- www.ns-verherrlichung-stoppen.tk
Zwangsarbeiter – Zukunftsfonds nen durch die fränkische Kleinstadt ge- www.mut-gegen-rechte-gewalt.de
arbeitet weiter . . . . . . . . . . . . . . 7 zogen waren. Die Sprecherin der Kam- www.wunsiedel-ist-bunt.de
pagne „NS-Verherrlichung stoppen!“, www.tag-der-demokratie.de ■
: meldungen, aktionen
eine CD-Veröffentlichung wurde bereits
wegen des Verdachtes auf „Volksverhet-
zung“ von der „Bundesprüfstelle für ju-
„JF“ plant „Öffentlichkeits- blizistik“ (GfP) und dem „Akademie- gendgefährdende Medien“ indiziert,
kampagne“ kreis“, Prof. E. Windemuth aus Otto- wird die „Fan“-Gruppierung ebenfalls
brunn und Prof. Dr. Wolfgang Seifert. gegrüßt.
Berlin. Nach ihrem Sieg vor dem Bun- Neben Vorträgen wird auch ein „kultu- Während sich die „Patrioten MG“ in
desverfassungsgericht will die rechte relles Rahmenprogramm“ angekündigt. und ums Stadion meist zurückhalten,
Berliner Wochenzeitung „Junge Frei- hma ■ kommt es beim anschließenden „Abfei-
heit“ (JF) eine „massive Öffentlichkeits- ern“ in der Altstadt auch mal zu Über-
kampagne“ durchführen. „Noch nie war Neonazis rüsten zur griffen gegen antifaschistisch gesinnte
die Chance so groß wie jetzt, für die „JF“ Jugendliche. Im „Suff“ lassen sich An-
den endgültigen Durchbruch zu schaf- „Rütli-Feier“ hänger der Gruppe auch mal zum Zeigen
fen“, heißt es in einem Brief des „JF“- Schweiz/Brunnen. Wie schon in den des Hitler-Grußes hinreißen. All dies ge-
Chefredakteurs Dieter Stein vom 13.Juli. vergangenen Jahren wollen auch an die- schieht offen provokativ in Pullis und
Anfang September soll eine „Probeabo- sem 1. August hunderte Neonazis aus der Shirts in den schwarz-weiß-grünen Ver-
Werbung an 370.000 erstklassige konser- Schweiz, aber auch aus Deutschland, einsfarben und mit dem Schriftzug „Pa-
vative Adressen“ versandt werden. Als zum Schweizer Rütli ziehen. Hier trioten MG“ und stellt nach Auffassung
„Werbeträger“ dienten Peter Scholl-La- schlossen 1291 die drei Schweizer Ur- der VVN-BdA eine Imageschädigung für
tour, Herbert Kremp, Ferdinand Fürst kantone einen „Ewigen Bund“, weswe- den Verein und das Fanprojekt dar.
von Bismarck und Alexander von Stahl. gen der Tag seit 1891 als National-feier- Damit passen die „Patrioten MG“ –
Die Kosten, 128.000 Euro für die Aus- tag begangen wird. Am 1.August vergan- ganz in der Tradition der in den 80er Jah-
sendung und 36.779 Euro für Anzeigen genen Jahres konnten hier 4 - 500 Neo- ren aktiven „Sturmtruppen“ – in das
in der „FAZ“ und der „Süddeutschen nazis ungestört ihre eigene Bundesfeier Schema der rechtsextremen und dadurch
Zeitung“ müssten allerdings über eine durchführen und anschließend durch den vereinsschädigenden und „im Stadion
„Sonderspende“ finanziert werden. nahen Ort Brunnen marschieren. Die unliebsamen Personen der Kategorie C“.
Außerdem sollen die „JF“-Leser an Rütli-Kommission um die ehemalige Die VVN-BdA ruft das Fanprojekt
den neuen CDU-Ministerpräsidenten CVP-Nationalrätin Judith Stamm dulde- auf, den rechtsextremen Umtrieben im
von NRW, Jürgen Rüttgers, den neuen te – nach vielen Auseinandersetzungen Block 16 des Borussiaparks die rote Kar-
NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP), im Vorfeld – den Nazi-Aufmarsch. te zu zeigen. Zahlreiche Fanprojekte und
den CDU-Ministerpräsidenten von Ba- Treibende Kraft der jährlichen Neona- Vereine, hier sei nur Schalke 04 zu er-
den-Württemberg, Günther Oettinger zi-Heerschau ist die „Partei National wähnen, gehen bereits offensiv gegen die
und dessen CDU-Innenminister Herbert Orientierter Schweizer“ (PNOS), die seit wachsenden rechten Umtriebe in ihren
Reh schreiben, denn alle seien „neu im letztem Jahr erstmals in einem Kommu- Stadien vor.
Amt“ und könnten die Tätigkeit der Ver- nalparlament vertreten ist. In diesem Jahr Das heißt für die VVN-BdA letztend-
fassungsschutzbehörden „einer grundle- soll es verstärkt Proteste gegen den Nazi- lich: Stadionverbot und Entzug der Mit-
genden Revision unterziehen“, hofft Aufmarsch am Rütli geben. Doch dem gliedschaft im Fanprojekt, sofern eine
Stein. . hma ■ „Bündnis für ein buntes Brunnen“ wurde solche gegeben ist, aber auch im Verein.
eine Kundgebung unter dem Motto VVN-BdA MG ■
„Erlebnis-Wochenende „Bunt nicht braun“ bislang nicht von den
Behörden genehmigt. Ein überregionales Anklage gegen Zündel
Geschichte 2005“ antifaschistisches Bündnis ruft für den
Leipzig-Halle-Merseburg. Unter dem 1.August zu einer Demonstration nach Mannheim. Die Staatsanwaltschaft
Titel „Von der Invasion zur Kapitulation. Luzern auf. Nähere Informationen: Mannheim hat Anklage gegen den Holo-
Die Selbstentmachtung Europas 1945“ www.antifa.ch hma ■ caust-Leugner Ernst Zündel wegen
soll vom 2. bis 4.September ein „Erleb- Volksverhetzung in 14 Fällen erhoben.
nis-Wochenende Geschichte 2005“ im Gegen „Patrioten MG“ Dem von Kanada in die BRD abgescho-
Raum Leipzig-Halle-Merseburg stattfin- benen Zündel wird vorgeworfen, im In-
den. Die vom „Druffel & Vowinckel-Ver- vorgehen! ternet und in anderen Publikationen den
lag“ im bayerischen Inning am Ammer- Die VVN - Bund der Antifaschisten Völkermord an den Juden geleugnet
see ausgerichtete Wochenendtagung Mönchengladbach-Grenzland hat in ei- bzw. verharmlost zu haben. Er habe zu-
wird u.a. in der neofaschistischen Zeit- nem Brief an das Fanprojekt Mönchen- dem zum Hass gegen die jüdische Bevöl-
schrift „Nation und Europa“ beworben. gladbach auf die Aktivitäten der rechts- kerung aufgestachelt, so die Staatsan-
Demnach sollen dort u.a. „sprechen und extremen „Fan“-Gruppierung „Patrioten waltschaft Mannheim. Zündel war 1958
diskutieren“: Der aus London stammen- MG“ hingewiesen. Die Gruppe, deren nach Kanada ausgewandert und sitzt seit
de „Druffel“-Autor Martin Allen, 2001 Anhänger zumeist aus dem Raum Holt- seiner Abschiebung nach Deutschland in
auch Referent bei der NPD, der russische Speick kommen, rekrutiert sich zum gro- Haft. Quelle: FR 20. Juli 2005 ■
Professor Wjatscheslaw Daschitschew, ßen Teil aus dem Umfeld des „Wider-
im vergangenen Jahr noch Redner bei stand MG“ (einer sog. „Freien Kamerad- Krieg spielen mit Hartz IV?
der DVU in Brandenburg, der „freie Mit- schaft“ von Neonazis) und des NPD-
arbeiter“ des „Ostpreußenblatt/Preußi- Kreisverbandes Mönchengladbach- DFG-VK kritisiert Minister
sche Allgemeine Zeitung“, Hans-Joa- Heinsberg. Struck
chim von Leesen, der Mitarbeiter der Anhänger der „Fan“-Gruppe beteilig- Velbert. Als „Diskriminierung der Er-
sächsischen NPD-Landtagsfraktion, An- ten sich in der Vergangenheit an neofa- werbslosen“ bezeichnet Monty Schädel,
dreas Molau, der Konteradmiral a.D. schistischen Aufmärschen und unterhiel- Bundessprecher der Deutsche Friedens-
Günther Pöschel, der Münchener Dr. ten gute Kontakte zu einem Mönchen- gesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgeg-
Walter Post, Redner bei „NPD“, „DVU“ gladbacher Rechtsrock-Musiker der un- nerInnen (DFG-VK), den Vorschlag des
und „Republikanern“, der Bochumer Dr. längst auch für die NPD zu Wahlen kan- Bundesministers Struck vom 27. Juni,
Olaf Rose, Referent u.a. bei der neofa- didiert hatte. Auf den „Booklets“ der beim Training der Bundeswehr für Aus-
schistischen „Gesellschaft für freie Pu- „Division Germania“ genannten Band, landseinsätze Erwerbslose als günstige

2 : antifaschistische nachrichten 15-2005


Komparsen einzusetzen: „Unter dem
Vorwand, die soziale Lage der Menschen
in Mecklenburg-Vorpommern zu verbes-
Nazis wollen
sern und die Kosten bei der Bundeswehr
senken zu wollen, probiert die Bundes-
wehr hier in einer strukturschwachen Re-
Veranstaltung stören
gion Deutschlands neue Formen des Köln. Am Mittwoch, den 3. August, sam gegen den dort stattfindenden Nazi-
Werbens für das Militär aus. wollen sich Neonazis um Axel Reitz Aufmarsch demonstrieren.
Im Rahmen des großen Umrüstungs- (Pulheim) vom „Aktionsbüro West- Um die Mobilisierung für diese euro-
programms zur Kriseninterventionsar- deutschland“ und dem „Kampfbund paweite antifaschistische Gegendemons-
mee erscheinen diese Imagemaßnahmen Deutscher Sozialisten“ (KDS) um 20 tration zu behindern, rufen Neonazigrup-
Strucks als sinnvoll, da einschließlich der Uhr auf dem Ebertplatz in Köln zu einer pen derzeit verstärkt zu Aktionen gegen
beiden vor kurzem überführten Toten Demonstration versammeln. Informationsveranstaltungen über Wun-
nunmehr über 50 Soldaten bei Auslands- Gerichtet ist dieser Nazi-Aufmarsch, siedel auf.
einsätzen ums Leben gekommen sind. wie schon am Tag zuvor in Leverkusen- So wurde z.B. am 14. Juli eine Infor-
Die gesellschaftliche Akzeptanz soll Opladen (Gegenkundgebung ab 18.30 mationsveranstaltung in Bensheim von
wieder durch die Einbindung möglichst Uhr in der Bahnhofstraße! Infos: etwa zwei Dutzend Neonazis gestört. Er-
vieler Menschen in militärische Zusam- www.aalev.tk ), gegen eine Informati- fahrungsgemäß kommt es bei den von
menhänge erhöht werden. Auslandsein- onsveranstaltung im Bürgerzentrum „Al- der Polizei geschützten Nazi-Aufmär-
sätze schaffen Arbeit – ist das die neue ten Feuerwache“. Auf der am gleichen schen zu schwerwiegenden Eingriffen in
Botschaft Strucks? – fragt die DFG- Abend stattfindenden Veranstaltung wird die Bewegungsfreiheit auch der Anwoh-
VK.“ über das alljährliche Treiben von zuletzt ner des betroffenen Viertels, wie z.B. zu-
Wer den Menschen in Mecklenburg- mehr als 4000 Neonazis im bayerischen letzt in Kalk, Mülheim, Chorweiler und
Vorpommern und anderen Regionen der Wunsiedel aus Anlass des Todestages vor wenigen Jahren auch im Kuniberts-
Bundesrepublik aus der prekären sozia- von Hitlers Stellvertreter, Rudolf Hess, viertel.
len Lage helfen will, sollte nach Aussage informiert. Die Neonazis bezeichnen in Ob Leverkusen, Köln oder Wunsiedel:
des DFG-VK Bundessprechers Schritte ihrem Aufruf den an der Zerstörung der Kein Raum für die Verdrehung der Ge-
zur Abrüstung einleiten. „Rüstungskon- Weimarer Republik maßgeblich beteilig- schichte! Kein Ort für die Verherrlichung
versionsprogramme sind auch ökono- ten Nazi-Funktionär Rudolf Hess als des Nationalsozialismus!
misch zweckmäßig und schaffen bereits „Märtyrer des Friedens“, der 1987 an-
mittelfristig nachhaltige und zugleich geblich „ermordet“ worden sei. Das Bündnis „Köln stellt sich quer“ ruft
volkswirtschaftlich sinnvolle Arbeit im In diesem Jahr wollen am 20. August dazu auf, möglichst zahlreich zu der ge-
zivilen Bereich.“ die Bewohner Wunsiedels, ehemalige planten Informationsveranstaltung zu
www.deutsche-friedensgesellschaft.de ■ antifaschistische WiderstandskämpferIn- kommen, um den Störversuchen entge-
nen, junge GewerkschafterInnen sowie genzutreten: Mittwoch, 3.8.05, 19.30
Schulausgabe der „Mittel- Antifaschistinnen und Antifaschisten aus Uhr, Bürgerzentrum Alte Feuerwache,
mehreren europäischen Ländern gemein- Melchiorstr. 3 ■
deutschen Zeitung“
Mecklenburg-Vorpommern. „Schnau-
ze voll von Antifas, Schnauze voll von Bensheim: Neonazis stören Infoveranstaltung zu Wunsiedel
Amerikanisierung, Schnauze voll von
Polizeigewalt“ dröhnt die „Schulausgabe Am 14. Juli wurde in Bensheim eine In- In der Infoveranstaltung mit Filmbei-
der Mitteldeutschen Jugend-Zeitung“, formationsveranstaltung zum Rudolf- trag, die deutschlandweit stattfindet,
die nach eigenen Angaben in einer Auf- Hess-Marsch in Wunsiedel von ca. 20 sollte über den geplanten Naziaufmarsch
lage von 10.000 Exemplaren in Umlauf Neonazis gestört. in Wunsiedel und die antifaschistischen
gebracht worden ist. Es geht darin u. a. Die VeranstalterInnen der Antifa Gegenaktivitäten informiert werden.
um „Heimatschutz“ und „Schluss mit Bensheim hatten gerade die Räumlich- Schon Tage zuvor hatten Rechtsextre-
dem Schuldkult“. Ein vermeintlicher keiten des Hauses am Markt betreten und mistInnen im Internet dazu aufgerufen,
Schüler berichtet von der „Diskriminie- wollten für die Veranstaltung aufbauen, alle Informationsveranstaltungen zu
rung«, der er als Neonazi ausgesetzt ist: als ca. 20 Neonazis des sogenannten Ak- Wunsiedel zu stören oder zu verhindern;
„Vergeblich sucht er (der Lehrer) auf tionsbüros Rhein-Neckar ins Treppen- auch die Veranstaltung in Bensheim wur-
meinem Lonsdale-Pullover nach einem haus stürmten und die Anwesenden be- de erwähnt.
„P“ (NSDAP). Dabei dürfte eigentlich drohten. Unter den RechtsextremistIn- Der Vorfall ist einmal mehr ein deutli-
bekannt sein, dass Lonsdale eine Sport- nen befanden sich Mitglieder der Kame- ches Anzeichen erstarkender lokaler
firma ist!“ Klar, Neonazis tragen Lons- radschaft Bergstraße, der Aktionsgruppe Neonazistrukturen, die sich zum einen
dale, weil sie so sportlich sind... Bergstraße, des Nibelungensturms sowie immer besser vernetzen, zum andern
Von ähnlicher geistiger Güte sind sämt- der Kameradschaften Worms und Kur- aber auch immer mehr in den Jugendkul-
liche Beiträge, die es darauf anlegen, die pfalz. Die Neonazis versuchten auch, die turen Fuß fassen – so pflegt die Kame-
Vertreter einer Mörder-Ideologie als arme VeranstalterInnen mit ihren Handys zu radschaft Bergstraße gute Kontakte zur
Opfer von „Antifaspinnern“ darzustellen. fotografieren. Skater-Szene und auch im Lautertal ist
Als Herausgeber fungiert ein Sebastian Einige BesucherInnen einer ebenfalls gemeinsames Saufen mit Neonazis
Richter aus Hoyerswerda. im Haus am Markt stattfindenden Mu- längst Alltag vieler Jugendlicher.
Die NPD hat am 2. Juli den Hambur- sikveranstaltung waren ZeugInnen des Dazu passt auch, dass letzten Sommer
ger Rechtsanwalt Jürgen Rieger, mehr- Übergriffs; die Mehrheit der Besucher, versucht wurde, ein „nationales“ Zen-
fach wegen Volksverhetzung und Bedro- über den Vorfall informiert, weigerten trum in Hochstätten einzurichten und im
hung vorbestraft, zum Direktkandidaten sich jedoch, den AntifaschistInnen zu Anschluss drei Demonstrationen inner-
bei der Bundestagswahl für den Wahl- Hilfe zu kommen. Erst nach dem Eintref- halb kürzester Zeit in Reichenbach und
kreis 14 Rostock aufgestellt. fen zweier Polizisten zogen die Neonazis Heppenheim stattfanden.
VVN neofaschismuskommission ab, ohne nach ihren Personalien gefragt Lara Kraemer, Pressesprecherin der
küste, www.kueste.vvn-bda.de ■ worden zu sein. Antifa Bensheim ■

: antifaschistische nachrichten 15-2005 3


Polizei verhindert Skin- che Menschen zeigten“, so Anja Schnei- Das Geschehen in Bochum, wo der
headkonzert in Altenburg der, Pressesprecherin der Aktion. Redaktion von „Labournet“ unter Vor-
Der Staat Namibia - in dem die San le- wänden das Archiv geraubt und die Ar-
Altenburg. Am Samstag sollte im ben - hat auch eine reale kolonialistische beitsmöglichkeiten genommen wurden,
Pohlhof in Altenburg angeblich ein Som- Verbindung mit Deutschland. Das Gebiet würde an die „Spiegelaffäre“ erinnern,
merfest stattfinden. Doch die Polizei gehört zur ehemaligen Kolonie Deutsch- wenn es sich um eine gutbürgerliche Re-
fand heraus, dass es sich hier um ein Südwestafrika. „Mit der Niederschlagung daktion handelte. Doch mit Linken und
Skinheadkonzert handeln sollte. Mindes- des Hereroaufstandes in dieser Kolonie Antifaschisten wird skandalös verfahren,
tens eine Band aus der rechten Szene ist das größte Kolonialverbrechen ohne dass sich die Medien einmischen.
sollte auftreten. „Umgehend haben wir Deutschlands verbunden, welches mit Im Falle „Labournet“ ist von „Urkunden-
am Samstag diese Erkenntnisse dem Massenmord, Vertreibung und Internie- fälschung“ die Rede, im Fall der VVN-
Ordnungsamt der Stadt, bei dem diese rung endete. Mit der Ausstellung wird die BdA von „Amtsanmaßung“. Fälschun-
Veranstaltung auch angemeldet war, mit- kolonialistische Sicht auf AfrikanerInnen gen von Unbekannt werden zum Vor-
geteilt“, so Altenburgs Polizeichef Stef- als minderwertige tierähnliche Menschen wand für diese Justizwillkür genommen.
fen Widmann. Das Amt verbot dieses reproduziert und deutsche Kolonialver- Auch in München gab es vor kurzem ei-
Konzert und forderte zur Durchsetzung brechen werden verharmlost“, so Schnei- nen ähnlich rabiates Vorgehen gegen den
die Hilfe der Polizei an. Über 60 Polizis- der. linken Journalisten Nick Brauns. Dieser
ten riegelten am späten Samstagnachmit- Die Ausstellung wurde konzipiert und Vorgang ist zusätzlich skandalträchtig,
tag alle Zufahrtsstraßen zum Pohlhof realisiert von der Firma Lehrmittel weil die Aktion der Polizei gegen ihn und
weiträumig ab. Zirka 30 potenzielle Be- Luksch aus München. Die MitarbeiterIn- seine Arbeitsmöglichkeiten ganz offen
sucher des Konzertes wurden abgewie- nen und BesucherInnen der EGA zeigten aufgrund einer ungeprüften „Anzeige“
sen. „Insgesamt musste die Polizei zwei sich interessiert. Eine Antwort auf die durch erklärte Neofaschisten erfolgte.
Platzverweise aussprechen. Gegen zwei formulierte Forderung, die Menschen aus Mittels Akteneinsicht können diese nun
Männer im Alter von 19 beziehungswei- der Tierausstellung zu entfernen blieb in- Einblick in das Archiv des Antifaschisten
se 22 Jahren wurde außerdem eine An- des aus: Seitens der EGA war am Sonn- erlangen.
zeige wegen des Verdachts des Tragens tag kein Verantwortlicher zu erreichen. Die Vereinigung der Verfolgten des
von Kennzeichen verfassungsfeindlicher PM Besetzes Haus Erfurt und P83 Naziregimes - Bund der Antifaschisten
Organisationen erstattet“, erklärte Poli- http://p83.arranca.de appelliert an die Gewerkschaften und
zeichef Widmann. http://squat.topf.net ■ alle antifaschistischen Kräfte, die anhal-
Die Sperrung des Pohlhofes hielt die tenden Verletzungen der Pressefreiheit
Polizei bis 1 Uhr früh aufrecht – solange VVN-BdA protestiert gegen durch die Justiz und den Staatsschutz
war die „Sommerparty“ auch angemel- nicht länger hinzunehmen und für die
det. „Das Konzert konnte erfolgreich den Überfall auf die Grundrechte der Betroffenen einzutreten.
verhindert und Störungen der öffentli- Arbeitsmöglichkeiten von Sie fordert die Herausgabe der kopierten
chen Ordnung vermieden werden“, zog Labournet Unterlagen und verurteilt die mögliche
Widmann ein erfolgreiches Fazit des Einreihung der Unterlagen in die Archive
Großeinsatzes. In Bochum und München kam es jetzt zu der Geheimdienste.
Quelle: Osterländer Volkszeitung vom ähnlichen Fällen der Beschlagnahme von Außerdem muss auf weitere Fälle von
18.7.2005 Computern und Computerinhalten wie Justizwillkür hingewiesen werden. So
http://www.turnitdown.de/ im Dezember 2003 gegen die nordrhein- wird ein VVN-Mitglied in Bochum vor
index.php?id=464 ■ westfälische Vereinigung der Verfolgten Gericht gestellt, weil es eine Kranznie-
des Naziregimes/Bund der Antifaschis- derlegung zum 9. November 2004 ge-
Proteste gegen die Gleich- ten und ihren Landessprecher, den Jour- meinsam mit rund zehn Personen, auch
nalisten Ulrich Sander. Betroffen sind jüdischen, durchgeführt und nicht als
setzung von Menschen mit jetzt die Redaktion von „Labournet“ in Versammlung unter freiem Himmel an-
Tieren Bochum und der Münchner Korrespon- gemeldet habe. Ferner ist ein neuer Fall
Erfurt. Am Sonntag den 24.7.05 pro- dent Nick Brauns von Junge Welt und in Recklinghausen zu melden, wo die
testierten 30 Menschen auf der Erfurter Neues Deutschland. Unter Vorwänden Sitzblockade vom 24. (!) Dezember 2004
Gartenausstellung (EGA) gegen die Aus- werden umfangreiche Dateien entwendet gegen die Worch-Bande zur Behinde-
stellung „African Wildlife“ - zu deutsch und kopiert, die Kopien werden nicht zu- rung der Nazis geführt habe, nun folgt
„Afrikas Tierleben“. Das besetzte Haus rückgegeben. Es besteht die Gefahr, dass ein Verfahren gegen die jugendlichen
Erfurt und die linke Gruppe p83 nannten Anwälte der Nazis und Verfassungs- Blockierer wegen „Störung“ der Nazis.
die Ausstellung „rassistisch und kolonia- schutzstellen Einblick erhalten. Die VVN-BdA fordert die unverzügliche
listisch“ und forderten, die dort zur In einem Brief an die neue Landesre- Einstellung der Verfahren.
Schau gestellten Menschenfiguren sofort gierung forderte die VVN-BdA die Solidaritätsschreiben zum Fall Labour-
zu entfernen. Rückgabe des digitalisierten Archivs der net bitte an: ralf.pandorf@labournet.de,
Auf der EGA stehen seit dem 23.4.05 VVN-BdA und ihres Landessprechers, zum Fall VVN-BdA NRW/Sander bitte
zwischen afrikanischen Tieren wie Anti- das beschlagnahmt wurde, nachdem die an: vvn-bdanrw@freenet.de ■
lopen, Zebras und Nashörnern auch Men- VVN-BdA gegen mutmaßliche Kriegs-
schenfiguren. Die zur Schau gestellte verbrecher Anzeige erstattet hatte. Die Böhse Onkelz spielten indi-
Gruppe der San – auf Schautafeln als von der VVN-BdA beschuldigten Wehr-
„Buschleute“ bezeichnet – wird in der machtsveteranen blieben unbehelligt, ziertes Lied im Konzert
Ausstellung aus einem zoologischen doch nicht die Organisation der NS-Op- Cottbus. Wie die Berliner Zeitung be-
Blickwinkel heraus betrachtet. Die Tafel fer. Die Rückgabe des Archivs ist nach richtet, ist noch nicht klar, ob es ein Ver-
neben den Menschenfiguren weist auf an- Einstellung des Verfahrens durch die Jus- fahren gegen die Hardrock-Band Böhse
gebliche äußere Merkmale der San hin tizbehörden und nach der Entscheidung Onkelz geben wird. „Die Akten der Poli-
und operiert auch mit dem Begriff der des Bundesverfassungsgerichts Az. 2 zei sind noch nicht eingegangen“, so die
Rasse. „Damit stellt sich die EGA in eine BvR 1027/02 (Bundesverfassungsgericht Sprecherin der Staatsanwaltschaft Cott-
Tradition der ‘Völkerschauen’, die Afri- verbietet willkürliche Datenbeschlag- bus. Die Band hatte bei ihrem Ab-
kanerInnen als minderwertige tierähnli- nahme) dringend geboten. schiedsfestival vor zwei Wochen auf dem
: antifaschistische nachrichten 15-2005
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Lausitzring vor mehr als 100 000 Fans
auch den indizierten Titelsong ihrer De-
bütplatte „Der nette Mann“ gespielt –
Soldatenbund trennt sich
mit „freundlichen Grüßen an die Bun-
desprüfstelle“. Da die Polizei eine solche erst jetzt von der SS
Provokation für möglich hielt, war ein Nach Enthüllungen muss sich der Soldatentraditionsverein der Gebirgsjäger
Fachmann des LKA vor Ort, der später jetzt von der SS distanzieren
Anzeige erstattete.
Von der LP von 1984 wurden zwei „Im ‚Kameradenkreis‘ sind rund des alljährlichen Treffens heftig befehdet
Jahre später sechs der 14 Titel wegen na- 6000 ehemalige und aktive Ge- und verunglimpft. Doch nun wurde ein
tionalsozialistischer, gewaltverherrli- birgsjäger aus Wehrmacht, SS Teil der Forderungen der als „polizeibe-
chender oder pornografischer Texte indi- und Bundeswehr vereint – darunter auch kannte Randalierer“ und „Terroristen“
ziert. „Damit durfte sie nicht an Kinder Angehörige von Einheiten, die im Zwei- beschimpften Leute aus der VVN-BdA
und Jugendliche verkauft oder vor ihnen ten Weltkrieg Massaker an Zivilisten be- und dem Historikerarbeitskreis „An-
gespielt werden“, sagt die Vorsitzende gangen und Juden deportiert haben.“ Das greifbare Traditionspflege“ plötzlich ver-
der Bundesprüfstelle für jugendgefähr- berichtete die Frankfurter Rundschau im wirklicht: Der Ausschluss des SS-Poli-
dende Medien, Elke Monssen-Engber- Mai über ein Pfingsttreffen des Kamera- zeiregiments, das an der Ermordung von
ding. Später wurde die Platte beschlag- denkreises Gebirgstruppe in Mitten- mindestens 1.700 Athener Juden mit-
nahmt und damit verboten. Da solche wald/Oberbayern und den Protest von schuldig war.
Verbote nach zehn Jahren verfallen, hätte
die Band den indizierten Titel am Lau-
sitzring zwar spielen dürfen – aber nur
vor Erwachsenen. Wer aber gegen eine
Indizierung Lieder vor Kindern und Ju-
gendlichen spielt, begeht eine Straftat,
dafür sind Geldstrafen bis 50 000 Euro
möglich.
„Die Band nimmt dazu keine Stel-
lung“, hieß es vom Management. „Schon
gar nicht vor der Presse.“ Die Gruppe
hatte nach ihrer Anfangsphase als Neo-
nazi-Band mit der Szene gebrochen. Sie
spielte offenbar auch keine Lieder mehr,
die als nationalsozialistisch indiziert wa-
ren – wohl aber den Titel „Der nette
Mann“. Er wurde als gewaltverherrli-
chend verboten, weil er den Mord an
Kindern verharmlose. Die maximale
Geldstrafe von 50 000 Euro wird die Protest in Mittenwald 2004
Band nicht weiter stören. Sie entspricht
50 Cent von jeder verkauften Festival- zahlreichen vor allem jungen Leuten da- Der Arbeitskreis Angreifbare Traditi-
karte – die kosteten 70 Euro. gegen. In dem höchstgelegenen Ferienort onspflege und die VVN-BdA haben
nach Berliner Zeitung vom 5.7.2005 ■ Deutschlands hatten Sprecher der Wehr- schon rund 200 Strafanzeigen gegen
machtsveteranen und der Bundeswehr mutmaßliche überlebende Mörder aus
Nazis marschieren am 13. behauptet: „Kein Mitglied unseres Ka- der Gebirgstruppe gestellt. Sie fordern,
meradenkreises ist wegen Kriegsverbre- dass auch die Polizeiregiments-Vetera-
August wieder in Heiden- chen angeklagt oder verurteilt.“ nen vor Gericht gestellt werden, darunter
heim Dabei verschwiegen sie, dass gegen der von der Bundeswehr und dem Kame-
Heidenheim. Am 25. Juni 2005 meldete Hunderte von ihnen staatsanwaltschaft- radenkreis hoch geehrte Leiter Karl
der „Freundeskreis Alb-Donau“, der per- lich ermittelt wird, dass es verstorbene Staudacher (Garmisch-Partenkirchen),
sonenidentisch ist mit der Nazigruppie- Mitglieder, auch hohe Funktionäre gab, der sich beim Geburtstagsempfang topfit
rung „Widerstand Schwaben“ aus Laup- die als Kriegsverbrecher angeklagt und gab. Ein Sprecher der VVN-BdA: „Dann
heim, eine Demonstration in Heiden- verurteilt wurden, dass dem Kameraden- kann er auch auf der Anklagebank Platz
heim an. Unter dem Motto „Ausländer- kreis auch Gemeinschaften angehörten, nehmen.“
kriminalität aufdecken und verhindern“ die Verbrechen begangen haben und als Dort gehörten auch die Herren Alfred
wurde der Tod eines 16-jährigen Jugend- verbrecherische Organisationen einge- Artmann und Alois Eisl hin, die ebenfalls
lichen, der den körperlichen Verletzun- stuft worden sind. Daher hat – wie jetzt sehr rüstig sind und die seinerzeit das
gen nach einer Schlägerei erlag, für neo- bekannt wurde – der völkisch-nationalis- Kommando über die Mordaktionen ge-
faschistische Zwecke instrumentalisiert. tische Kameradenkreis nur wenige Tage gen die Bevölkerung mehrerer grie-
In den vorderen Reihen der Nazidemo nach Pfingsten beschlossen, die Traditi- chischer Dörfer führten.
befanden sich „autonome Nationalisten“ onskameradschaft „Polizeigebirgsjäger-
aus München, die sich mittlerweile selbst regiment 18“ aufzulösen, denn diese sei Ulrich Sander, Bundessprecher der
den lächerlichen Namen „Munich All- der SS unterstellt gewesen, was der Ka- Vereinigung der Verfolgten des
stars“ gegeben haben. Aus dieser Grup- meradenkreis angeblich nicht gewusst Naziregimes/Bund der Antifaschisten,
pierung stammen auch die Drahtzieher hätte. Der Vorsitzende des SS-Polizeire- Dortmund ■
des Naziaufmarschs am 13. August: Hajo giments war noch im April von der Bun-
Klettenhofer und Phillip Hasselbach, die deswehr und dem Kameradenkreis zu Quelle: Frankfurter Rundschau 17. Mai 05 Nazi-
Kriegsverbrechen Hunderte protestieren gegen
zusammen in einer Wohngemeinschaft in seinem 95. Geburtstag geehrt worden. Gebirgsjägertreffen, ferner „Die Gebirgstruppe“
München leben. Örtliche Medien, die Bundeswehr und Nr. 3 Juni 2005. München.
weiter S. 6 der Kameradenkreis hatten die Kritiker

: antifaschistische nachrichten 15-2005 5


Die Nazidemo am 13. August wird un- 17. Antifa-Camp Weimar/Buchenwald beginnt am
ter dem Motto „Gegen Antifa-Terror und
Polizeiwillkür! Widerstand jetzt!“ ste- 24. Juli 2005
hen. Damit nehmen die Nazis Bezug auf Zahlreiche Projekte, Veranstaltungen und Aktionen geplant – Veranstalter
Demonstration am 25. Juni 2005, die rechnen mit 200 Gästen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benach-
nach wenigen Metern von antifaschisti- barten Ausland
schen Jugendlichen gestoppt werden 1990 waren es gerade einmal 9 und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugen-
konnte. Ebenso wird aus einer Knüppel- Leute, die sich auf dem Gelände gespräch mit einem ehemaligen Mitglied
attacke gegen die Nazidemo aufgrund ei- des ehemaligen Konzentrations- der Widerstandsgruppe Edelweißpiraten
nes Durchbruchversuchs in Richtung der lagers Buchenwald zum ersten Antifa- gehört genau so zum Programm, wie ein
AntifaschistInnen eine Kooperation zwi- Camp zusammen fanden. Inzwischen hat Vortrag zum 60. Jahrestag der bedin-
schen Antifas und der Polizei konstruiert. sich das Camp etabliert und in den ver- gungslosen Kapitulation des nationalso-
Auch am 13. August gilt es wieder, gangenen Jahren konnten die Organisa- zialistischen Deutschlands mit dem re-
den Naziaufmarsch zu verhindern. Der torInnen immer mehrere hundert Teil- nommierten Historiker Kurt Pätzold.
Treffpunkt der Nazis ist für 12:00 Uhr nehmer/innen begrüßen. Für Kurzweil und Party sorgen zum
am Bahnhof in Heidenheim vorgesehen. Das diesjährige Programm hat wieder Beispiel das Eröffnungs- und Abschluss-
Es ist aber damit zu rechnen, dass sie wie jede Menge zu bieten. Neben den prakti- konzert oder das tägliche Campkino mit
am 25.6. auch dieses Mal wieder eine schen Arbeitsprojekten auf und an der Wunschfilmbox.
Stunde früher in Heidenheim auftauchen Gedenkstätte Buchenwald, u.a. im „Klei- Pressegruppe 17. Antifa-Camp
werden. Der Treffpunkt für Antifaschis- nen Lager“ und dem ehemaligen Schieß- Weimar/Buchenwald
tInnen wird noch bekannt gegeben. Es ist stand, gibt es zahlreiche Veranstaltungen www.antifacamp.de.vu ■
auf jedenfall ratsam, geschlossen nach
Heidenheim zu fahren. Die möglichen
Züge findet ihr auf der Mobilisierungs-
seite.. Trier gegen rechts - ein breites Bünd-
http://www.nonazis-heidenheim.tk nis von Gruppen, Vereinen, Parteien
Infos: www.infoladenludwigsburg.de und Kirchengemeinden protestierte
http://ulm.antifa.net ■ am 9.7. gegen einen Naziaufmarsch
durch Trier, zu dem Kräfte aus dem
Umfeld der NPD und der Freien Ka-
meradschaften aufgerufen hatten.
1000 Polizisten schützten den Zug
der Neonazis und geleiteten ihn im
Wanderkessel durch die Stadt.

NPD-Kinderfest in Berlin- Jugendeinrichtung „Haus der Jugend


Wanderausstellung „Opfer Köpenick Köpenick“ vorbeimaschierten und ver-
Berlin. Am Samstag den 16.7.05 veran- suchten Jugendliche anzugreifen, sah die
rechter Gewalt seit 1990 in staltete die NPD auf dem Hof ihrer Par- Berliner Polizei keinen Grund einzu-
Deutschland“ teizentrale ein sog. „Kinderfest“ mit ca. schreiten. Eine größere Gruppe Neonazis
Die Wanderausstellung „Opfer rechter 80 Teilnehmern und versuchte so schon aus der NPD Pankow und der verbotenen
Gewalt seit 1990 in Deutschland“ von bei den Jüngsten mit Hüpfburg und Bal- Kameradschaft Tor versuchten ebenfalls
Rebecca Forner in Zusammenarbeit mit lons für ihre menschenverachtende Pro- im Umfeld der NPD-Zentrale mehrmals
der Opferperspektive e.V. ist jetzt online paganda zu werben. Während im Inneren vermeintliche Gegner anzugreifen.
bestellbar. Die Ausstellung porträtiert Neonazi-Prominenz wie Jörg Hänel mit Die Pressesprecherin des Antifaschis-
131 Menschen, die rechter Gewalt seit kleinen Kindern Bilder malte, patroul- tischen Aufstand Köpenick Hanna Fi-
1990 zum Opfer fielen. Viele wurden ge- lierten vor der Zentrale muskulöse scher hierzu: „Es ist skandalös, das Neo-
tötet, weil für sie im Weltbild der Rechts- Schläger. Das alles geschah unter den nazis aller Couleur ungestört im Bezirk
extremisten kein Platz ist; manche, weil Augen der Polizei, die verhältnismäßig ein Klima der Angst verbreiten können
sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu wi- zahlreich erschienen war, sich aber damit und antifaschistischer Protest von der
dersprechen. Einige Schicksale beweg- beschäftigte, Bürgerinnen und Bürger Berliner Polizei derart behindert wird.
ten die Öffentlichkeit, viele wurden daran zu hindern ihren Unmut gegenüber Die NPD-Zentrale in Köpenick ist einer
kaum zur Kenntnis genommen, verges- den Neonazis zu äußern und diverse der wichtigsten Stützpunkte für bundes-
sen sind die meisten. Die Ausstellung Platzverweise aussprach. weite Neonazistrukturen. Wir fordern,
ruft diese Menschen in Erinnerung. Die Zum Ende des „Festes“ konnten sich dass derartige Veranstaltungen zukünftig
Ausstellung wird an Vereine, Initiativen diverse größere Neonazigruppen unge- von Stadt und Bezirk verboten werden
und Institutionen in der Regel für zwei stört durch den Bezirk bewegen. Auch und den ersatzlosen Abriss der NPD-
bis vier Wochen verliehen. Weitere Infor- als Mitglieder der verbotenen Kamerad- Zentrale!“.
mationen: schaft „Berliner Alternative Süd-Ost“ Hanna Fischer, koepenick@gmx.de |
http://www.opfer-rechter-gewalt.de ■ teilweise vermummt demonstrativ an der Homepage:: http://www.aak.antifa.de ■

6 : antifaschistische nachrichten 15-2005


Am 22./23. Juni fand in Köln Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter
ein Kongress „60 Jahre da-
nach...“ vom Bundesverband und Zwangsarbeiterinnen weitgehend abgeschlossen
Information und Beratung für NS-Ver-
folgte und der Aktion Sühnezeichen
statt. Themen des Kongresses waren
zum einen Fragen zur Entschädigung
Zukunftsfonds wird
ehemaliger Zwangsarbeiter/innen,
zum anderen die besonderen Proble-
me älterer NS-Verfolgter mit Einrich-
weiterarbeiten
tungen der Altenhilfe. können, die da lautet: was hat die Stiftung Regelungen zugunsten der NS-Opfer ein-
Wir dokumentieren Auszüge aus seitdem gemacht, an wen hat sie vor allem setzen. Dies sind aber Fragen, die primär
dem Beitrag von Günter Saathof, Vor- Leistungen ausgezahlt? an den Gesetzgeber oder die Bundesregie-
standsmitglied der Stiftung „Erinne- Gerne werde ich aber in der Diskussi- rung zu richten sind, nicht an die Stiftung.
rung, Verantwortung und Zukunft“ on, soweit dazu Anlass besteht, auch auf Offensichtlich, wie die Debatte über das
und dort insbesondere zuständig für Fragen zur Vorgeschichte eingehen. Dazu „„Ghettorentengesetz“ beispielhaft zeigt,
die Auszahlungsprogramme und die gehört z.B. auch der Komplex des dort ist von einem Abschluss der politischen
Zusammenarbeit mit den Partnerorga- normierten Ausschlusses von Leistungen Debatte über solche Fragen nicht auszu-
nisationen der Stiftung, den er auf an Kriegsgefangene. gehen.
dem Kongress im Forum zu Entschädi- Eine grundsätzliche Bemerkung möch- Einen Aspekt aus der Vorgeschichte
gungsfragen hielt. te ich diesbezüglich aber voranstellen, die werde ich aber am Ende meines Beitrages
quasi die „Geschäftsgrundlage“ der Aus- noch einmal aufgreifen, da er für die Per-
Im Juli des Jahres 2000 hat der Deutsche zahlungsprogramme betrifft: Es sind be- spektiven der Stiftung von besonderer Be-
Bundestag nach einer langen und kompli- rechtigte politische Fragen, deutung ist: das Verständnis von Erinne-
zierten Vorbereitungsphase das Gesetz zur ● ob es nicht besser gewesen wäre, rung und Verantwortung für die Zukunft,
Errichtung einer Stiftung „Erinnerung, mehr als 10,1 Mrd. DM für die Stiftung mithin die moralische, politische und pä-
Verantwortung und Zukunft“ erlassen. bereitzustellen oder dagogische Dimension dieser Arbeit. Dies
Ein wesentliches Element dieser inter- ● ob es nicht notwendig gewesen wäre, ist wichtig, da in der Vorphase der Gesetz-
nationalen Vereinbarung war, dass mit diese Auszahlungen bereits vor Jahrzehn- gebung die Behandlung der fiskalischen
dem Auszahlungen nach diesem Gesetz ten, als noch mehr Opfer lebten, vorzu- Fragen alle politisch-moralischen Katego-
begonnen werden könne, sobald die in der nehmen oder rien dieses Themas zu erdrücken drohten,
Vereinbarung vorgesehene Rechtssicher- ● ob man von Anfang an weitere Grup- als ginge es nur um einen Ablasshandel
heit bei den anhängigen Klagen in den pen in den Leistungskatalog des Gesetzes für die historische Schuld. Deswegen war
U.S.A. für deutsche Unternehmen vor- hätte aufnehmen sollen oder es wichtig, dass sich der Deutsche Bun-
liegt. Ich erwähne dieses Element, da es ● ob die Wirtschaft nicht hätte einen destag in der Begründung des Gesetzes
erst am 30. Mai 2001 erfüllt war. Erst an größeren Anteil an der Gesamtfinanzie- gerade auf die Rede von Bundespräsident
diesem Tag hat der Deutsche Bundestag rung der Stiftung übernehmen sollen Johannes Rau am Dezember 1999 bezog,
formell die „ausreichende Rechtssicher- usw.. in der es u.a. hieß:
heit“ für deutsche Unternehmen in den Genauso muss man feststellen, dass es „Ich weiß, dass für viele gar nicht das
U.S.A. festgestellt und damit das Startsig- Kritik daran gibt, wonach Geld entscheidend ist. Sie wollen, dass ihr
nal für das Auszahlungsprogramm gege- ● der Leistungskatalog des Gesetzes Leid als Leid anerkannt und das Unrecht,
ben. Wir zahlen also seit dem Juni 2001, viel zu weit gehe oder das ihnen angetan worden ist, Unrecht ge-
fast taggenau seit 4 Jahren, an ehemalige ● Leistungen auch an Opfer vorgenom- nannt wird. Ich gedenke heute aller, die
Zwangsarbeiter aus. Das macht die Bun- men wurden, die für eben diesen unter deutscher Herrschaft Sklavenarbeit
desstiftung aber nicht direkt, sondern über Schaden schon einmal eine Leistung er- und Zwangsarbeit leisten mussten und
sieben, bei den internationalen Verhand- halten hätten usw. oder bitte im Namen des deutschen Volkes um
lungen bzw. im Gesetzgebungsverfahren ● Ob nicht auch deutsche zivile Vergebung. Ihre Leiden werden wir nicht
festgelegte, Partnerorganisationen. Zwangsarbeiter, die nach 1945 nach Sibi- vergessen.“.
Diese haben auf Basis der internationa- rien zur Zwangsarbeit verschleppt worden Dieser Verweis in der Gesetzesbegrün-
len Vorverhandlungen einen sogenannten sind, einen Ausgleich erhalten sollten dung war und ist mehr als eine Remines-
Finanzplafond zugebilligt bekommen, aus Über all das lässt sich nach dem Motto zenz an das Staatsoberhaupt. Er themati-
denen sie die Leistungsberechtigten in ih- „was wäre wenn“ politisch trefflich strei- siert die Grundfrage nach der Haltung,
rem Zuständigkeitsbereich auszuzahlen ten. Es ändert aber nichts daran, dass die mit der dieses historische Projekt im dop-
haben. Die Partnerorganisationen gibt es Vertragsparteien, die im Jahre 2000 ein pelten Sinne „begründet“ wurde und so-
in Polen, Tschechien, Russland, der internationales Abkommen geschlossen mit nach der Identität der Stiftung selbst –
Ukraine und Weißrussland. Die sechste, haben, für die im Gesetz genannten Tatbe- auch nach der Phase der Auszahlungen an
die „Jewish Claims Conference“ (JCC) ist stände eine – auch finanziell – abschlie- ehemalige Zwangsarbeiter, die bis Jahres-
für jüdische Opfer in aller Welt, die nicht ßende Regelung vereinbart haben, die ende 2006 abgeschlossen sein werden.
in den vorgenannten Ländern leben, zu- Grundlage des Stiftungsgesetzes wurde. Die Stiftung soll nämlich bei ihrer inter-
ständig, die siebte, die „International Or- Es kam und kommt nun für die Stiftung national letztlich vereinbarten Gesamt-
ganization für Migration“ (IOM) für und ihre Partnerorganisationen darauf an, ausstattung von 10,1 Mrd. DM [5,6 Mrd.
nichtjüdische Opfer außerhalb der ge- diese Regelungen so schnell wie möglich Euro] nicht nur Auszahlungen durchfüh-
nannten fünf Länder, also im „Rest der und so opferfreundlich wie möglich um- ren, sondern mit ihrem Sonderfonds „Er-
Welt“. zusetzen. Ob bzw. wie das gelungen ist, innerung und Zukunft“ auf Dauer eine be-
Dieser Beitrag soll nicht intensiver auf müssen andere beurteilen; ich kann nur sondere Aufgabe erfüllen.
die komplizierte Vorgeschichte des Geset- vortragen, was die Stiftung getan hat und Leistungskategorien im Programm
zes eingehen. Dies würde dazu führen, die wie sie dies getan hat. Ansonsten ist es Zwangsarbeit
für den heutigen Anlass wahrscheinlich ebenso wiederum eine politische Frage,
spannendere Fragestellung aus Zeitgrün- ob sich Initiativen in Deutschland auch Das Stiftungsgesetz war von seiner
den nicht intensiv genug behandeln zu weiterhin für die Belange oder verbesserte Grundidee her ein Gesetz, das eine Lücke

: antifaschistische nachrichten 15-2005 7


im deutschen Entschädigungsrecht schlie- ● Das Gesetz enthält aber auch eine notwendig eingeschätzt worden war, hat
ßen sollte. Eine eigenständige Entschädi- „Öffnungsklausel“. Diese erlaubt es den aus den Stiftungszinsen schließlich einen
gung von NS-Zwangsarbeit war nämlich Partnerorganisationen, soweit diese in den Betrag von rund 148,8 Mio. Euro erhal-
zuvor nicht Gegenstand des Entschädi- internationalen Verhandlungen mehr Fi- ten, zusätzlich - vermittelt über die Bun-
gungsrechts. Das Stiftungsgesetz sollte nanzmittel erhalten haben, als zur Befrie- desstiftung - eine Spende in Höhe von 5
mithin kein zweites „„Bundesentschädi- digung der in ihrem Zuständigkeitsbe- Mio. DM seitens der Evangelischen Kir-
gungsgesetz“ sein und auch kein Gesetz, reich anerkannten Leistungsberechtigten che in Deutschland (EKD).
das alle noch offenen Fragen zum Bereich der „Kategorien A+B“ erforderlich, auch Stand der Auszahlungen wegen
NS-Unrecht abschließend regeln sollte. anderen NS-Opfern als den im Gesetz Zwangsarbeit
Dies war von Anfang an nicht das Ziel. ausdrücklich genannten Opfern von
Das Gesetz baut aber im Hinblick auf die Zwangsarbeit eine Leistung zu gewähren, Der aktuelle Auszahlungsstand verteilt
NS-Opfer in den Staaten Mittel- und Ost- insbesondere z.B. an deportierte Zwangs- sich nach unserer letzten Statistik vom 26.
europas auf den bereits in den Jahren arbeiter in der Landwirtschaft (Leistungs- Mai 2005 wie folgt auf die einzelnen Part-
1991-1995 von Deutschland finanzierten rahmen ebenfalls: bis zu 5.000 DM). nerorganisationen:
Programmen auf, aus denen z.B. Polen
500 Mio. DM, Russland und die Ukrai- Partnerorganisation Leistungsberechtigte in der Summe in Euro für
ne je 400 Mio. DM, Weißrussland 200 1. Rate 2. Rate 1. Rate 2. Rate Gesamt
Mio. DM und Tschechien etwa 90 Weißrussland 129.000 128.000 194.200.000,00 149.800.000,00 344.800.000,00
Mio. DM erhalten hatten. Die West- - hiervon
staaten hatten vergleichbare Leistun- Weißrussland 120.000
gen für ihre NS-Opfer bereits viele - hiervon Estland 9.000
Jahrzehnte davor erhalten. Das heutige IOM *) 81.000 75.000 230.700.000,00 120.300.00,00 351.000.000,00
Stiftungsgesetz steht aber rechtlich in JCC *) 145.000 136.000 737.600.000,00 341.400.000,00 1.079.000.000,00
keinem Zusammenhang mit diesen frü- Polen 482.000 481.000 751.200.000,00 223.500.000,00 974.700.000,00
heren Auszahlungsprogrammen. Russland 236.000 213.000 161.700.000,00 201.800.000,00 363.500.000,00
Dies erwähne ich ausdrücklich, da es - hiervon Russland 211.000
mit den Programmen der 90er Jahre - hiervon Lettland 12.000
viele Probleme gab – Gelder sind teil- - hiervon Litauen 11.000
weise verschwunden, Opfer wurden - hiervon GUS 2.000
ungleich behandelt usw.. Geradezu als Tschechien 76.000 75.000 165.600.000,00 43.400.000,00 209.000.000,00
Konsequenz aus den damaligen Ver- 472.000 465.000 562.500.000,00 300.400.000,00 862.900.000,00
Ukraine
säumnissen wurden in das neue Stif- *) Die JCC und die IOM haben zur Zeit für Rechtsnachfolger weder die 1. Rate noch die 2. Rate
tungsgesetz umfangreiche Kontrollre- ausgezahlt, da sie entschieden haben, zunächst die Auszahlung an die Überlebenden vorzunehmen. Es
gelungen eingefügt. Das Geld sollte bei wird sich bei beiden Partnerorganisationen somit nachträglich wegen der Rechtsnachfolger auch noch
eine erhöhte Zahl der Leistungsberechtigten der 1. Rate um jeweils mindestens 10.000 Personen
den Opfern ankommen und weder ergeben.
durch unseriöse Banken gefährdet
noch durch zu hohe Verwaltungskosten Wie man dem Internetangebot der Stif- Eine nochmals aktualisierte Auszah-
geschmälert werden. tung unter www.stiftung-evz.de in einer lungsstatistik ist der Pressemitteilung der
Es war der Wunsch insbesondere der Aufstellung entnehmen kann, gibt es Part- Bundesstiftung vom 16. Juni 2006
Opferverbände, dass wegen des Alters der nerorganisationen, wie die tschechische, (www.stiftung-evz.de / Pressemitteilun-
Betroffenen die Leistungen unseres Ge- die polnische oder die belarussische Stif- gen) zu entnehmen.
setzes als feste Pauschalzahlungen erfol- tung, die bis zu 30 Unterkategorien oder Alle Partnerorganisationen haben mit
gen sollten, denn ein individuell errechne- zusätzliche Gruppen von Leistungsemp- den Auszahlungen der 2. Rate begonnen
ter Leistungsanspruch hätte einen solchen fängern in der Öffnungsklausel gebildet bzw. die meisten von ihnen haben diese
Bürokratieaufwand erfordert, dass die al- haben. Die Partnerorganisationen JCC mittlerweile sogar weitgehend abge-
lermeisten Opfer diese Auszahlungen und IOM haben bei den Kategorien A +B schlossen. Die tschechische, polnische,
nicht mehr erlebt hätten und man sehr viel bei den Überlebenden jeweils den gesetz- belarussische und die russische Partneror-
mehr Geld für die Verwaltungskosten hät- lichen Höchstbetrag gezahlt, dort also kei- ganisation hatten zum Ziel, das reguläre
te aufwenden müssen. Das hätte man wie- ne Unterkategorien gebildet. Entspre- Auszahlungsverfahren sowohl der ersten
derum den Opfern abziehen müssen. chend enger war ihr Finanzvolumen für als auch der zweiten Rate im Laufe des
Das Stiftungsgesetz sieht vor allem die Öffnungsklausel. ersten Halbjahres 2005 rund um den 8.
Leistungen an Zwangsarbeiter vor, Nach der gesetzlichen Vorgabe standen Mai abzuschließen, die anderen drei Part-
● die in einem Konzentrationslager für das Programm Zwangsarbeit zunächst ner werden dies im Herbst 2005 nachho-
oder in einer „„anderen Haftstätte“ unter 8,1 Milliarden DM, also 4,14 Milliarden len.
KZähnlichen Bedingungen oder in einem Euro zur Verfügung. Durch bei der Stif- Bei allen Partnerorganisationen ver-
Ghetto inhaftiert waren. Hier ist eine Leis- tung erwirtschaftete Zinsen und Zustif- bleiben dann aber noch offene Anträge,
tung bis zu 15.000 DM – 7.669 Euro – tungen / Spenden ist das Finanzvolumen die bisher aus verschiedenen Gründen
vorgesehen. Diese am schwersten geschä- für diesen Bereich in den Jahren (Krankheit, Wohnortwechsel des Opfers
digte Gruppe wird in der Kurzform auch 2004/2005 um nochmals etwa 600 Mio. etc.), nicht ausgezahlt werden konnten.
„Kategorie A“ genannt. DM (300 Mio. Euro) auf nahezu 8,7 Mrd. Dazu gehört in sehr vielen Fällen auch die
● Die sogenannte „„Kategorie B“ be- DM aufgestockt worden. Dadurch konn- Bestimmung aller leistungsberechtigten
stimmt Leistungsberechtigte, die aus ih- ten auch Ungleichgewichte der Plafonds, Rechtsnachfolger.
rem Heimatstaat in das Gebiet des Deut- die bei den internationalen Verhandlungen Fördertätigkeit des Fonds „Erinnerung
schen Reichs in den Grenzen von 1937 entstanden waren, weitgehend ausgegli- und Zukunft“
oder in ein vom Deutschen Reich besetz- chen werden.
tes Gebiet deportiert und inhaftiert wur- Die Partnerorganisation IOM, die für Im Stiftungsgesetz sind 700 Mio. DM
den oder vergleichbar besonders schlech- ihren Zuständigkeitsbereich bei den inter- [357,9 Mio Euro] für den auf Dauer ange-
ten Lebensbedingungen unterworfen wa- nationalen Verhandlungen 260 Mio. DM legten Fonds „Erinnerung und Zukunft“
ren (hier ist eine Leistung bis zu 5.000 (knapp 133 Mio. Euro) weniger bekom- (kurz: „Zukunftsfonds“) bestimmt. Mit
DM – 2.556 Euro – vorgesehen). men hatte als dies zuvor von Experten als den am Kapitalmarkt erzielten Erträgen

8 : antifaschistische nachrichten 15-2005


dieses Kapitals – zur Zeit rund 8,5 Mio. 2. Internationale humanitäre Zusammen- Leo-Baeck-Stipendienprogramm 677.000
Euro jährlich -–unterstützt der Fonds Pro- arbeit Euro..
jekte, die Brücken in jene Länder bauen Dieser Schwerpunkt umfasst Projekte zur Ich möchte im Hinblick auf die Arbeit
sollen, deren Bevölkerung besonders un- psychosozialen und medizinischen Be- dieses Fonds eine Bemerkung anschlie-
ter der nationalsozialistischen Verfolgung treuung ehemaliger NS-Opfer. Bisher ßen: es wäre ein schwerer Fehler, und die
gelitten hat. Der Gesetzentwurf des Jahres sind in diesem Schwerpunkt etwa 5,7 Politik neigt manchmal zu solchen Schrit-
2000 formulierte dazu bereits in seiner Mio. Euro bewilligt worden. In der letzten ten, die weitere Aufarbeitung von NS-Un-
Begründung: Woche hat das Kuratorium unserer Stif- recht – übrigens im In- und Ausland – al-
„Ein Teil der Bundesstiftung soll Zu- tung ein zusätzliches Programm über lein an den Fonds „„Erinnerung und Zu-
kunftsaufgaben gewidmet sein, die einer- 500.000 Euro zur Initiierung von Alten- kunft“ delegieren zu wollen, also sowohl
seits die Erinnerung an den Holocaust und pflegeprogramme insbesondere in unse- die Erinnerung an das begangene Un-
vielfaches NS-Unrecht wachhalten, ande- ren mittel- und osteuropäischen Partner- recht, die Begegnung von jungen Men-
rerseits helfen sollen, durch die Förderung ländern bereitgestellt. schen mit Zeitzeugen, die verschiedenen
von Information und Begegnungen eine 3. Geschichte und Menschenrechte Aktivitäten der Aussöhnung, präventive
erneute Bedrohung durch totalitäre Syste- Dieser Schwerpunkt umfasst Programme und transnationale Maßnahmen der Ju-
me zu vermeiden. Der Sensibilisierung zur internationalen politisch-historischen gend- und Erwachsenenbildung usw.
für Menschenrechtsverletzungen aller Art Bildung für Jugendliche und Multiplika- usw.. Damit wäre dieser Fonds fachlich
wird hierbei besondere Bedeutung beige- toren. Bisher wurden mehr als 3 Mio. und materiell hoffnungslos überfordert.
messen. Dieser Teil der Stiftung wird auf Euro bewilligt. Der Fonds soll perspekti- Dies würde auch – ähnlich, als gäbe es
Dauer ausgerichtet sein. Seine Zielset- visch auch Projekte fördern, die dem nur eine einzige zentrale Gedenkstätte –
zung und Ausgestaltung ist Ausdruck der Schutz bzw. der Emanzipation von Min- die Breiten- und Tiefenwirkung der not-
fortbestehenden moralischen Verantwor- derheiten dienen, die besonders unter dem wendigen Erinnerungs- und Versöhnungs-
tung Deutschlands auch in der Zukunft.“ NS-Regime gelitten haben, etwa Sinti und arbeit verengen und verarmen. Der Fonds
Dieser Fonds greift damit auch ein his- Roma. „Erinnerung und Zukunft“ kann als För-
torisches Vermächtnis der ehemaligen 4. Junge Freiwillige übernehmen Verant- derstiftung nicht flächendeckend tätig
NS-Häftlinge auf. Nach ihrer Befreiung wortung werden, allein schon deshalb, weil ihm für
aus den KZs hatten sie die Worte „Nie Mit diesem neuen Schwerpunkt erweitert Projekte jährlich nur ein Gesamtvolumen
wieder!“ geprägt. Sie wollten, dass es als der Fonds sein Engagement zum interna- von etwa 8 Mio. Euro zur Verfügung
Konsequenz aus der NS-Diktatur zukünf- tionalen Austausch junger Freiwilliger. steht. Er kann sich nur als Teil eines grö-
tig in Deutschland und Europa Gesell- Für ein Förderprogramm sowie drei Pilot- ßeren Netzwerkes begreifen, an dem viele
schaften gibt, für die die Menschenrechte projekte stehen im Jahr 2005 erstmals Personen, Initiativen und Organisationen
und die Minderheitenrechte, die Demo- Mittel in Höhe von 1,2 Mio Euro bereit. auch auf kommunaler und internationaler
kratie und der Schutz des Friedens in Diese Mittel sind u.a. bestimmt für ein Ebene mitwirken; ich nenne hier bei-
Europa die tragenden Säulen sind. Der Förderprogramm „Internationale Freiwil- spielsweise die zusätzlichen Aktivitäten
Fonds wird deshalb auf Dauer Initiativen lige in sozialen Projekten“, mit dem der einzelner Firmen, Kirchen (so z.B. die
und Projekte unterstützen, die geeignet Fonds einen nachhaltigen Beitrag zur Evangelische Kirche im Rheinland oder
sind, dergestalt eine Brücke von der Erin- Stärkung des Einsatzes junger Freiwilli- im katholischen Bereich die Akademie
nerung in die Zukunft zu schlagen. ger in den Schwerpunktländern der Stif- Rottenburg-Stuttgart) oder Kommunen,
Förderschwerpunkte der Bundesstif- tung ermöglichen will. Die Freiwilligen die Tagungen und Begegnungsprogram-
tung der letzten Jahre mit ihren jewei- sollen auf ihrer Ebene die Verständigung me durchführen und auch die ehrenvolle
ligen Finanzvolumina: zwischen Deutschland, Israel und den Arbeit des Berliner Vereins „Kontakte
Ländern Mittel- und Osteuropas verbes- e.V.“ in den Ländern Osteuropas.
1. Zwangsarbeiter und andere NS-Opfer – sern. Die wichtigste Qualität des Fonds „Er-
Zeugen ihres Schicksals 5. Stipendien innerung und Zukunft“ liegt bezüglich der
Dieser Schwerpunkt umfasst Programme, Mit verschiedenen Stipendienprogram- historisch-politischen Bildung und För-
die in Begegnungen, Dokumentationen men fördert der Fonds darüber hinaus den derpraxis vielleicht darin, dass er den
oder Wettbewerben Zeitzeugen, also die internationalen Austausch junger Men- Schwerpunkt auf den Beziehungsaspekt
Überlebenden des NS-Unrechts, einbezie- schen. Gleichzeitig erfüllt er damit den legt, also auf die Brücken, die dauerhaft
hen. Dazu gehört auch die Dokumentati- gesetzlichen Auftrag, auch Projekte zu- und zukunftsorientiert in die Länder ge-
on von Lebenszeugnissen etwa durch gunsten der Nachfahren ehemaliger NS- baut werden, die am meisten unter dem
Zeitzeugeninterviews. Seit Bestehen des Opfer zu fördern. NS-Regime zu leiden hatten.
Fonds hat das Kuratorium für Programme Für bisher fünf Stipendienprogramme Die Arbeit der Stiftung „Erinnerung,
dieses Schwerpunkts insgesamt 6,115 sind bisher mehr als 2,6 Mio. Euro bereit- Verantwortung und Zukunft“ wird also
Mio. Euro zur Verfügung gestellt. gestellt worden; zuletzt zusätzlich für ein mit dem Ende der Auszahlungsprogram-
me nicht schon selbst beendet sein, sie
Förderprogramm „Geschichte und Menschenrechte“ wird in einer anderen Qualität und natür-
Der Fonds „Erinnerung und Zukunft“ schlägt eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft, in dem er lich auf einem geringeren finanziellen Ni-
Menschen bestärkt, in Kenntnis historischer Unrechtserfahrungen für Völkerverständigung, Demokratie veau weitergeführt werden, denn Erinne-
und Menschenrechte sowie für den Schutz von Minderheiten einzutreten. Er fördert bürgergesellschaftli- rung, Gedenken und Konsequenzen aus
che Initiativen, die sich aktiv für Demokratie und Partizipation, für die Wahrung der Menschenwürde und der Geschichte zu ziehen, ist eine dauer-
den Schutz von Minderheiten, gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzen und in Projekten mit ent- hafte Aufgabe der Zukunft in Deutschland
sprechenden Initiativen aus Mittel- und Osteuropa, Israel oder den USA zusammenarbeiten. Dabei soll
und auch den Nachbarländern, in denen
die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, dem Holocaust, dem 2. Weltkrieg und anderen
Formen totalitärer Gewaltherrschaft eine wichtige Rolle spielen. Projektanträge können in 2005 laufend, die Opfer heute leben.
jedoch spätestens bis zum 31. August 2005 eingereicht werden. Bei der Beurteilung von Projektanträgen
wird die Stiftung von einer Fachjury beraten. Die Projekte können 2005 oder später stattfinden. Anträge Für weitere Details verweise ich auf das Inter-
müssen auf Grundlage der Checkliste zur Antragstellung in deutscher Sprache eingereicht werden. Vo- netangebot unserer Stiftung unter www.stif-
ranfragen können auch in englisch oder russisch gestellt werden. Die Korrespondenzsprache der Stiftung tung-evz.de, bezüglich der Förderprogramme
ist deutsch. Kontakt: Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, Fonds „Erinnerung und Zukunft“, und der Antragstellung zu einer möglichen Pro-
Markgrafenstr. 12-14, 10969 Berlin, Ansprechpartner: Sonja Böhme, Christa Meyer, Telefon: jektförderung im Rahmen des Zukunftsfonds
0049/(0)30/25929777, Fax: 0049/(0)30/25929742, E-Mail: info@zukunftsfonds.de dabei insbesondere auf die Erläuterungen un-
ter www.zukunftsfonds.de ■

: antifaschistische nachrichten 15-2005 9


Marignane/Südfrankreich:
Konservativ-rechtsextremer Bürgermeister lässt
Denkmal für tote Rechtsterroristen aufstellen
Daniel Simonpieri ist seit 1995 ganisation Armée Secrète, „Organisation Jahrestag dieses Datums, der zur geplan-
Bürgermeister von Marignane, der geheime Armee“ oder auch „Bewaffnete ten Einweihung des Denkmals im Fried-
Trabantenstadt der südfranzösi- Geheimorganisation“). Die OAS bombte hof Saint-Laurent-Imbert von Marignane
schen Metropole Marseille, auf deren Ge- und mordete 1961/62 gegen den französi- gewählt worden war.
biet u.a. der Flughafen von Marseille und schen Rückzug aus Algerien, während der Verantwortlich für die Aufstellung des
das Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen dort seit November 1954 geführte Koloni- Denkmals war die „Freundschaftsgesell-
Eurocopter angesiedelt sind. Von 1974 bis alkrieg seinem Ende entgegen ging. schaft für die Verteidigung der Interessen
1999 gehörte Simonpieri dem rechtsextre- Damals hatte Frankreichs Präsident der ehemaligen Häftlinge und politischen
men Front National (FN) unter Jean-Marie Charles de Gaulle aus realpolitischer Er- Exilanten der Algérie française“ (ADI-
Le Pen an. Nach dessen Spaltung auf- kenntnis heraus und um die Rohstoffinte- MAD). Die Häftlinge und politischen Exi-
grund des Machtkampfs zwischen Le Pen ressen französischer Konzerne in Algerien lanten, deren Exilort in aller Regel das da-
und seinem ehemaligen Chefideologen zu wahren (indem man die Interessen der malige Franco-Spanien war, sind niemand
Bruno Mégret verließ Simonpieri die Par- Siedler und Kolonialfanatiker opferte, anders als die ehemaligen Rechtsterroris-
tei zusammen mit der Mégret-Fraktion. sollte die französische Wirtschaft in Alge- ten, die sich dem Rückzug aus Algerien
Von 1999 bis 2002 war Simonpieri eine, rien präsent bleiben können) schließlich widersetzt hatten. Präsident der ADIMAD
anfänglich noch führende, Figur der aus doch noch die algerische Unabhängigkeit ist Jean-François Collin, Kommunalparla-
der Spaltung hervor gegangenen Mégret- akzeptiert. Während die OAS unter der ko- mentarier des Front National im südfran-
Partei MNR (Mouvement national répu- lonialen Siedlerbevölkerung im französi- zösischen Hyères (Côte d’Azur).
blicain, National-republikanische Bewe- schen Algerien ein bedeutendes Rekrutie- ■ Leicht verpatzte Feier für die
gung), die übrigens im Januar 1999 in ei- rungspotenzial vorfand, wurde sie in der extreme Rechte
nem städtisches Saal in „seiner“ Stadt Ma- französischen „Metropole“ vor allem
rignane gegründet worden ist. Doch man- durch dezidierte Aktivisten der extremen Doch die Einweihung des Denkmals für
gels Erfolgs der neuen Partei, die inzwi- Rechten unterstützt. In Algerien ist die die ultrakolonialistischen Rechtsterroris-
schen den Status einer Splittergruppe hat, OAS u.a. für Bombenanschläge und Mör- ten wurde in Paris als nicht opportun be-
kehrte Simonpieri (der bei den Kommu- serbeschuss auf arabische Märkte und an- trachtet. Ohnehin sind die Beziehungen
nalwahlen im März 2001 triumphal wie- dere Menschenansammlungen, aber auch zwischen Frankreich und Algerien im Mo-
dergewählt worden war: 65 Prozent der für gezielte Morde an französischen „Ver- ment angespannt, seitdem das französi-
Stimmen in der Stichwahl) sich von dieser rätern“ (die die Entkolonialisierung akzep- sche Parlament am 23. Februar 2005 ein in
ab. Nach einer vorübergehenden Wieder- tierten) verantwortlich. Algier (zu Recht) als „geschichtsrevionis-
annäherung an Le Pen heuerte Simonpieri Das Denkmal von Marignane trägt das tisch“ bezeichnetes Gesetz verabschiedete.
daraufhin bei der bürgerlich-konservativen Bild eines Erschossenen am Exekutions- Dieses Gesetz, das auf den kolonial-nos-
Rechten an. pfahl, darunter die Aufschrift „Erde Alge- talgischen Flügel der konservativen Rech-
Seit dem 31. März 2004 gehört Daniel riens“ und die Namen von vier angebli- ten zurückgeht, soll zukünftig LehrerIn-
Simonpieri jetzt (als parteiloser Abgeord- chen Märtyrern der national-kolonialisti- nen und ForscherInnen verpflichten, den
neter) der gemeinsamen Fraktion der bür- schen „Sache“. Es handelt sich um Roger „positiven Beitrag der französischen Prä-
gerlichen Rechtsparteien, der konservati- Degueldre, den Chef der terroristischen senz in Nordafrika“ in ihrem Unterricht
ven Regierungspartei UMP und der christ- Aktionskommandos „Commandos Del- und in ihren Arbeiten hervorzuheben. In
demokratischen UDF, im Bezirksparla- tas“; um Albert Dovecar und Claude Wirklichkeit hat die Kolonisierung, und
ment von Marseille an. Piegts, die in seinem Auftrag den Polizei- vor allem der in Algerien praktizierte Sied-
An seinen politischen Auffassungen kommissar Gavoury getötet hatten; und lungskolonialismus, die betroffenen Län-
dürfte das insgesamt wenig geändert ha- Jean-Marie Bastien-Thiry, den Haupturhe- der und insbesondere Algerien in ihrer
ben, auch wenn er sie heute mit weniger ber des „Attentats von Petit-Clamart“, bei Entwicklung weit zurückgeworfen. In der
kriegerischer Rhetorik vortragen muss. dem die OAS Präsident de Gaulle zu er- „Algérie française“ herrschte ein nach
■ Ein Denkmal für die rechtsterroristi- morden versucht hatte. Alle vier waren konfessionellen Kategorien aufgebautes
sche OAS durch die französische Justiz zum Tode Apartheidsystem, und von 1881 bis 1944
verurteilt und 1962/63 in der Festung von wurde die Mehrheit der Bevölkerung
Jüngst machten die politischen Verhältnis- Ivry (einem Pariser Vorort) hingerichtet durch das „Eingeborenen-Gesetzbuch“
se in Marignane, die seit der Aufgabe sei- worden. (Code de l’indégenat) regiert.
ner FN/MNR-Mitgliedschaft durch den Um der Situation am Ende des algeri- Ihm zufolge konnten alle „Eingebore-
Bürgermeisters in den Medien keine Be- schen Unabhängigkeitskrieges Herr zu nen“ für einen Gesetzesverstoß eines der
achtung mehr finden, jedoch erneut werden, hatten die französischen Behör- Ihren strafrechtlich zur Verantwortung ge-
Schlagzeilen. Anlass war die für den 6. den durch Anwendung des Kriegsrechts zogen werden, egal, wer ihn begangen hat-
Juli geplante Einweihung eines Denkmals, eine Eskalation des OAS-Terrors (mit po- te. Das nannte man das Prinzip der „kol-
die nicht nur in der französischen, sondern tenziell unübersehbaren politischen Fol- lektiven Verantwortung“ (responsabilité
auch in der algerischen Presse sehr viel gen) eingedämmt und hart durchgegriffen. collective). Die Zerschlagung der französi-
Aufmerksamkeit auf sich zog. Der oberste der vier kolonialistischen schen Kolonialherrschaft, die von 1830 bis
Die Aufschrift des umstrittenen Denk- Kriminellen, Roger Degueldre, war am 6. 1962 über Algerien regierte, war also his-
mals lautet: „Im Gedenken an die 113 Juli 1962 hingerichtet worden. Also an je- torisch unabdingbar.
Kämpfer und die Erschossenen, die fielen, nem Tag, der auf die Ausrufung der Unab- Der Minister für Kriegsveteranen,
damit L’Algérie française (das französi- hängigkeit Algeriens am 5. Juli 1962 folg- Hamlaoui Mékachera (ein ehemaliger In-
sche Algerien) lebe.“ Die Rede ist unzwei- te – eine angenehme Ironie der Geschich- fanterieoffizier der französischen Armee
felhaft von den zu Tode gekommenen Ak- te, auch wenn man vom Prinzip her die To- in Algerien, der nach der Unabhängigkeit
tivisten der rechtsterroristischen OAS (Or- desstrafe ablehnen muss. Es war der 43. des Landes nach Frankreich ging) sprach

10 : antifaschistische nachrichten 15-2005


sich gegen Knute des Kolonialismus gehalten, „dann Das landesweite antifaschistische Netz-
das Denk- hätte es die OAS nicht zu geben brau- werk „Ras le front“, RLF (Schnauze voll
mal von Ma- chen“. vom FN) war am Vormittag des 6. Juli
rignane aus. In den darauffolgenden Tagen durften während des Auflaufs vor den Friedhofs-
Er erklärte: die Beteiligten dann, einzeln, ihr „persön- toren präsent und versuchte zu stören. Das
„Es scho- liches Gedenken“ an dem Monument ver- behauptet zumindest die o.g. Homepage
ckiert legiti- richten. der FN-Jugend im Bezirk von Toulon. Der
mer Weise Der Front National ist zwar dem Bür- MRAP hat an den französischen Premier-
all jene, die germeister von Marignane, Daniel Simon- minister Dominique de Villepin appelliert,
sich dem pieri, als „Abgefallenem“ eigentlich nicht „die Denkmäler der Schande abzubauen“,
historischen richtig grün (und bei den Regional- und dabei auch auf die sonstigen Pro-Kolonial-
Werk des Bezirksparlamentswahlen 2004 hatte der Monumente in Südfrankreich anspielend.
Generals de FN einen Gegenkandidaten gegen Simon- ■ Nicht das erste Denkmal
Gaulle und pieri aufgestellt). Doch zu der Denkmals-
dem Res- einweihung, die Simonpieris Stadtregie- Das so genannte Denkmal von Marignane
pekt für die rung zu „verdanken“ ist, hatte der Front ist nicht das erste seiner Art, wenngleich
Institutionen National aktiv mobilisiert. Neben dem von seinen Dimensionen her wohl das
der Repu- FN-Führungsmitglied Roger Holeindre Aufsehen erregendste. Am 14. Juni 1980
blik verbun- nahmen auch andere Politiker und Aktivis- wurde in Toulon ein Denkmal für die toten
Gedränge vor dem Friedhof den fühlen“, ten des Front National wie Ronald Perdo- OAS-Mörder durch bürgerlich-konservati-
in Marignane da die OAS mo (Marseille, Rechtsanwalt und Regio- ve Politiker eingeweiht, unter ihnen Jean-
den früheren nalparlamentarier), Stéphane Durbec (Re- Claude Gaudin, der heutige UMP-Bürger-
Präsidenten zu ermorden versuchte, und gionalparlamentarier in Marseille), Thi- meister von Marseille. Ebenfalls in der
drohe neue Gräben aufzuwerfen. Der Re- baut de la Tocnaye (langjähriger Aktivist Hafenstadt Toulon, deren Rathaus von
gionalpräfekt (juristischer Vertreter des und Kandidat in Avignon), Marie-France 1995 bis 2001 vom Front National regiert
Zentralstaats bei der Region) in Marseille, Stirbois (Witwe eines ehemaligen FN-Ge- wurde, weihte die damals noch rechtsex-
Christian Frémont, erklärte sich am 21. neralsekretärs, früher Kandidatin in Dreux treme Stadtverwaltung am 4. März 2001 –
Juni bereit, die geplante Einweihungszere- westlich von Paris, jetzt in Nizza ansäs- eine Woche vor den landesweit stattfin-
monie „zu verbieten“. sig), Marie-Claude Bompard (die Ehefrau denden Kommunalwahlen – eine Kreu-
Das vom Präfekten Frémont am 4. Juli des Bürgermeister von Orange, Jacques zung mit dem Namen des Generals Raoul
ausgesprochene Verbot wurde am Abend Bompard, der1962 aktiv beim OAS-Able- Salan ein. Salan war einer vier Armeege-
des 5. Juli gegen 21 Uhr gerichtlich bestä- ger im französischen „Mutterland“ mitar- nerälen, die 1961 von Algier aus einen
tigt. Deswegen konnten am nächsten Vor- beitete) und Bernard Antony (aus dem Putsch gegen die gaullistische Führung
mittag die rund 400 (laut ,Libération‘ und Raum Toulouse, Chef des katholischen und gegen den französischen Rückzug aus
dem Informationsdienst Algerie-dz.com) Fundamentalistenflügels innerhalb des Algerien versuchten. Damit wurde er zu
bis 600 (laut dem ,Nouvel Observateur‘ FN) an dem Aufzug teil. Auch Pierre Si- einem der „Helden“ der OAS, die vor al-
und der Webpage Afrik.com) OAS-An- dos, der während des Algerienkriegs die lem nach dem Scheitern des Putschs aktiv
hänger, Rechtsextreme und Kolonialnos- rechtsextreme Aktivistengruppe „Jeune wurde. In Théoule-sur-Mer, in der Nähe
talgiker den Friedhof nicht betreten, der Nation“ an der französischen Heimatfront von Nizza, fand eine ähnliche Denkmals-
durch die Bereitschaftspolizei CRS abge- anführte, war anwesend. (Informationen einweihung am 1. November 2002 zum
schirmt wurde.Sie mussten vor den ver- laut der Homepage der FN-Jugend im Dé- Totengedenktag statt. Am 5. Juli 2003
schlossenen Friedhofsgittern bleiben, mit partement von Toulon: fnjvar.hautetfort. spielte sich eine ähnliche Szene vor 1.500
Ausnahme des Abbé Philippe Guépin. com/archive/2005/07/) Anwesenden in Perpignan ab. Eine weite-
Der katholische Kleriker durfte, allein Jean-Marie Le Pen höchstpersönlich re Denkmals-Enthüllung folgte am 6. De-
in Begleitung seines Messdieners, am frü- hatte ein Kommuniqué geschickt, im dem zember 2003 im südwestfranzösischen
hen Morgen eintreten und eine Messe (im vor allem von den „Verbrechen der Kom- Béziers.
Gedenken an die rechten Mörder) in der munisten“ die Rede war, die jetzt „die Al- Die ultrarechte Lobby der Kolonialnos-
Friedhofskapelle zelebrieren. Der Abbé gerienfranzosen daran hindern wollen, talgiker konnte zwar mit dem geschichts-
Philippe Guépin fungiert als „Aumônier“ ihre Toten zu ehren“; der Vorsitzende der revisionistischen Gesetz vom 23. Februar
– eine Art Militärgeistlicher, Feldpriester – rechtsextremen Partei war aber nicht leib- 2005 einen wichtigen Erfolg verbuchen.
beim Cercle national des combattants lich präsent. Dennoch spricht sie heute beileibe nicht
(CNC, Nationaler Zirkel der Kämpfer und ■ Proteste mehr im Namen aller ehemaligen Alge-
Veteranen). Diese Veteranenorganisation rienfranzosen und ihrer Nachfahren.
ist formell dem Front National angeglie- Am Vorabend, dem 5. Juli hatten rund 100 (Rund 900.000 von 1,2 Millionen Europä-
dert. Personen vor dem Rathaus von Marignane ern verließen Algerien kurz nach der Un-
Die übrigen OAS-Sympathisanten gegen die Einweihung des so genannten abhängigkeit, eher aus rassistisch aufgela-
mussten sich auf der Außenseite des Fried- Denkmals demonstriert. Aufgerufen dazu dener Angst vor einem „Leben unter den
hofstors versammeln. Gegen 10 Uhr wur- hatten u.a. die Liga für Menschenrechte Wilden“ denn aus wirklichem Zwang. Zu-
den mehrere Kränze herantransportiert, LDH („Mörder zu verehren, bedeutet ihre mindest der linke und der liberale Flügel
die im Namen des CNC am Denkmal nie- Taten zu feiern“), die Antirassismusbewe- der algerischen „Nationalen Befreiungs-
dergelegt werden sollten. Die Uniformier- gung MRAP ( „Bewegung gegen Rassis- front“ FLN waren bereit, sie als vollwerti-
ten im blauen Blazer der FN-Satellitenor- mus und für Völkerfreundschaft“, ehemals ge Bürger zu akzeptieren, sofern sie die
ganisation durften aber nicht hinein. Der KP-nah) und eine Veteranenvereinigung Unabhängigkeit des Landes annahmen.)
CNC-Chef, Uralt-Veteran Roger Holein- von Soldaten der französischen Armee aus Vor allem seit ein bis zwei Jahren ist zu be-
dre (Spitzname „Popeye“, Mitglied im Marokko, Algerien und Tunesien (Fnaca). obachten, dass eine wachsende Zahl von
obersten Führungsgremium des Front Na- Sowohl die LDH, mit ihrem Vizepräsiden- „Pieds Noirs“ – so nennt man die ehemali-
tional), hielt eine kurze Agitationsrede vor ten und Historiker Gilles Manceron, als gen Algerienfranzosen – zu Besuchsreisen
dem verschlossenen Friedhofstor: „Hätte auch der MRAP mit seinem Generalse- nach Algerien fährt und dort in der Regel
die französische Regierung damals ihren kretär Mouloud Aounit waren mit Promi- auch gut aufgenommen wird.
Job verrichtet“, also Algerien unter der nenten vor Ort vertreten. Bernhard Schmid, Paris ■

: antifaschistische nachrichten 15-2005 11


: ausländer- und asylpolitik
Proteste gegen Essenspake-
te in bayerischen Flücht-
Kein Wahlkampf auf dem schen Parteien deshalb dazu auf, den be- lingsheimen gehen weiter
Rücken von Migranten und vorstehenden Bundestagswahlkampf München. Der zweimonatige Boykott
nicht auf dem Rücken von Migranten und der Essenspakete ist beendet. Ab Don-
Flüchtlingen! Flüchtlingen auszutragen. Sie fordern die nerstag werden in der Emma-Ihrer-Stra-
PRO ASYL, der Interkulturelle Parteien weiterhin dazu auf, Sorge dafür ße die Pakete wieder angenommen.
Rat und das Referat Migrations- zu tragen, dass einzelne Politiker und Doch der Protest geht weiter, denn das
politik beim DGB-Bundesvor- Kandidaten aus ihren Reihen keine frem- erzwungene Bestellsystem ändert nichts
stand fordern die Parteien dazu auf, im denfeindlichen, rassistischen, antisemiti- an dem Prinzip der Entmündigung. Ein-
bevorstehenden Bundestagswahlkampf schen oder islamfeindlichen Aussagen tä- zelpersonen aus der Emma-Ihrer-Str.
von populistischer Agitation gegen Mig- tigen, die mit den in den Wahlprogram- werden weiter boykottieren, schon ab
ranten und Flüchtlinge Abstand zu neh- men dargelegten Positionen nicht zu ver- nächster Woche werden in einer anderen
men. einbaren sind. bayerischen Unterkunft die Pakete boy-
Schon vor der Entscheidung des Bun- PM, gez. Günter Burkhardt, kottiert. Auch Protestaktionen, wie die
despräsidenten, den Bundestag aufzulö- Geschäftsführer PRO ASYL Fax- und Postkartenkampagne laufen
sen und Neuwahlen anzusetzen, hat Os- Volker Roßocha, weiter.
kar Lafontaine als Spitzenkandidat des Referat Migrationspolitik, Als Erfolg des zweimonatigen Boy-
Bündnisses aus Linkspartei-PDS und DGB-Bundesvorstand kotts werten die beteiligten Flüchtlinge
WASG mit seinen demagogischen Torsten Jäger, Interkultureller Rat ■ und UnterstützerInnen vor allem, dass
„Fremdarbeiter-Äußerungen“ den Wahl- öffentlich wurde, mit welchen Schikanen
kampf eröffnet. Kurz darauf kündigten 500 Schüler demonstrierten Flüchtlinge in Bayern leben müssen. Die
Unionspolitiker an, die Fragen der weite- Forderung Geld statt Sachleistung stieß
ren Zuwanderung nach Deutschland und gegen Abschiebungen auf unerwartet große Unterstützung.
der Mitgliedschaft der Türkei in der Eu- Frankfurt. „Hier geblieben!“ forderten Über 2000 Protestpostkarten wurden bei-
ropäischen Union in der bevorstehenden knapp 500 Schülerinnen und Schüler am spielsweise an das Bayerische Sozialmi-
Wahlkampagne massiv thematisieren zu 14. Juli auf dem Frankfurter Römer. Sie nisterium geschickt.
wollen. Nach den Terroranschlägen in protestierten damit gegen die drohende Auf den öffentlichen Protest ist zu-
London ist zu befürchten, dass Muslime Abschiebung ihrer FreundInnen nach Af- rückzuführen, dass das Bayerische Sozi-
erneut unter einen Generalverdacht ge- ghanistan und ins ehemalige Jugosla- alministerium ab 2006 ein Bestellsystem
stellt und in einer unsachlich geführten wien. Auf der Abschlusskundgebung einführen will. Aus bestimmten Nah-
Debatte um die innere Sicherheit wurde immer wieder das Bleiberecht für rungsgruppen können dann Waren aus-
Deutschlands benutzt werden, um Wäh- die zum Teil sehr lange hier lebenden gewählt werden. Dieses Zugeständnis
lerinnen und Wähler mit fremdenfeindli- Kriegsflüchtlinge gefordert. geht jedoch in die falsche Richtung. Ein
chen Einstellungen zu mobilisieren. Bestellsystem ändert nichts an der Pra-
PRO ASYL, der Interkulturelle Rat und xis, Menschen das Recht auf Selbstbe-
das Referat Migrationspolitik beim stimmung zu nehmen. Ahmed Darwisch,
DGB-Bundesvorstand bezeichnen diese Mitinitiator des Boykotts:
Wahlkampfstrategien als äußerst gefähr- „Wir werden weiter dafür kämpfen,
lich. Neuere Untersuchungen belegen, dass wir Geld statt Sachleistungen krie-
dass rassistische, fremdenfeindliche, anti- gen. Ich selber werde die Pakete nicht
semitische und islamophobe Einstellun- mehr nehmen. Diese Entwürdigung wer-
gen zunehmend auch in der Mitte der Ge- de ich nicht wieder über mich ergehen
sellschaft verankert sind. Aufgabe einer lassen. Es geht nicht darum, ob ich
verantwortungsvollen Politik ist es, die- Öl oder Margarine bekomme, sondern
sen menschenfeindlichen Haltungen ent- dass ich für mich selbst bestimmen
gegenzuwirken und Konzepte anzubie- kann.“
ten, die sich den Chancen und Herausfor- Der Protest gegen Zwangsversorgung
derungen von Einwanderung stellen und Die 17-jährige Aferdite erklärte, was und Entmündigung wird weitergehen. In
die Innovationspotentiale von Migranten „Duldung“ heißt: Nach 13 Jahren in anderen Lagern regt sich bereits Wider-
und Flüchtlingen als etwas Positives be- Frankfurt immer noch keine langfristige stand. Im Mai reichten über 100 Bewoh-
greifen. In einer globalisierten Welt kön- Perspektive zu bekommen, nicht mit auf ner des Lagers Neuburg an der Donau
nen politische Konzepte, die auf Abschot- Klassenfahrten außerhalb Hessens fahren eine Protestschrift beim UNHCR in Ber-
tung und Ausgrenzung setzen, die sozia- dürfen und an manchen Punkten einfach lin ein. In dem Lager in der Rosenhei-
len und ökonomischen Probleme unserer nicht dazugehören können. merstraße in München wurden einen Tag
Gesellschaft nicht lösen. Karl Kopp von Pro Asyl machte darauf lang die Pakete boykottiert. Schon in der
Wenn Politiker und Parteien bei Wäh- aufmerksam, dass in Deutschland nächsten Woche fängt in einem weiteren
lerinnen und Wählern weit verbreitete 200.000 Menschen in dem unwürdigen Lager ein Paketboykott an, der Ort wird
Vorurteile und ablehnende Haltungen be- Zustand der Duldung leben müssen und erst kurz zuvor bekannt gegeben.
wusst bedienen, um kurzfristig Wahler- dass sie so schnell wie möglich eine gesi- Und noch im Juli wird im Bayerischen
folge zu erzielen, spielen sie mit dem cherte Existenz in Deutschland bekom- Landtag ein Dringlichkeitsantrag der
Feuer. Sie legitimieren aus der Sicht der men müssen. Grünen-Fraktion behandelt werden. Die
Täter gewalttätige Angriffe auf Flüchtlin- Zum Schluss rief Benjammin Ortmey- Flüchtlinge aus der Emma-Ihrer-Straße
ge und Migranten und fügen dem politi- er die verbliebenen DemonstrantInnen sind zu dieser Sitzung eingeladen. Die
schen System der Bundesrepublik schwe- unter Beifall dazu auf, weiterhin gegen Aktion konnte nur so lange laufen, weil
ren Schaden zu. das Gift des deutschen Nationalismus es große Unterstützung vieler Einzelper-
PRO ASYL, der Interkulturelle Rat und vorzugehen und sich mit den von der Ab- sonen, Ladeninhaber und aus dem Groß-
das Referat Migrationspolitik beim schiebung Bedrohten zu solidarisieren. handel gab und viele Geldspenden einge-
DGB-Bundesvorstand fordern die politi- Quelle: www.antifa.frankfurt.org ■ gangen sind.

12 : antifaschistische nachrichten 15-2005


scheidungen in Asylverfahren. Ziel der mend Textbausteine verwendet. Die per-
Bündnisorganisationen ist eine öffentli- sönliche Anhörung des Asylsuchenden
che Debatte sowie ein Kurswechsel der wird darauf zugeschnitten.
Politik. Asylantragsteller müssen fair be- ◗ Eine Qualitätskontrolle der Bundes-
handelt und ihre Fluchtschilderungen amtsentscheidungen innerhalb des Am-
ohne Vorbehalte mit kritischem Wohl- tes findet nicht statt. Im Zuge der Aufga-
wollen geprüft werden. benerweiterung des Bundesamtes – nun
Im Einzelnen wird kritisiert: auch zuständig für Migration – ist der
bisherige Kernbereich der Arbeit ver-
◗ Die meisten Asylbewerber der vergan- nachlässigt worden, so dass sich die
genen fünf Jahre stammen aus Her- strukturellen Defizite im Asylverfahren
kunftsländern, in denen es zu massiven ohne Gegenmaßnahmen verfestigt ha-
Menschenrechtsverletzungen kommt ben.
(Türkei, Irak, Syrien, Russische Födera- ◗ Die Asylbehörde ist durch die Recht-
tion, Afghanistan). Dennoch betrug die sprechung des Bundesverfassungsge-
Anerkennungsquote im Verwaltungsver- richtes gehalten, dem Asylantragsteller
fahren für Asylberechtigte im Jahr 2004 mögliche Widersprüche und Unklarhei-
lediglich 1,5 Prozent und für Flüchtlinge ten vorzuhalten und von Amts wegen
im Sinne der Genfer Flüchtlingskonven- aufzuklären. In der Praxis geschieht dies
tion 1,8 Prozent. Diese Anerkennungs- oft nicht.
quoten vermitteln den Eindruck, als kä- ◗ Asylsuchende sind in Deutschland in
Protestpostkarte, die über den Baye- men kaum noch schutzbedürftige Perso- vieler Hinsicht bloßes Objekt des Ver-
rischen Flüchtlingsrat bezogen wer- nen nach Deutschland. Dies entspricht waltungshandelns. Verfahrensgerechtig-
den kann: bfr@ibu.de nicht der Realität. keit hieße, sie fair in den Prozess der Tat-
◗ Die Politik der westeuropäischen Staa- sachenfeststellung einzubeziehen. Bis-
Miriam Leitner, Karawane: „Dieser ten ist von einer Abdrängungshaltung ge- lang wird ihnen aber nicht einmal der
Einsatz zeigt, dass die menschenunwür- prägt. Die Verantwortung für Flüchtlinge Zugang zu unabhängigen Beratungssys-
dige Behandlung der Flüchtlinge keines- soll auf andere Staaten und letztlich auf temen ermöglicht.
wegs dem Willen der bayerischen Bevöl- die Staaten der Herkunftsregionen der ◗ Die aktuelle Praxis der in großer Zahl
kerung entspricht, wie die Staatsregie- Flüchtlinge abgewälzt werden. Gleich- eingeleiteten Widerrufsverfahren gegen
rung glaubt. Wir möchten uns ganz herz- zeitig ist in Deutschland ein Verfahrens- einmal gewährtes Asyl widerspricht den
lich für die große Unterstützung bedan- klima entstanden, das nicht flüchtlings- flüchtlingsrechtlichen Grundsätzen der
ken. Matthias Weinzierl, freundlich ist. Es ist stattdessen von poli- Genfer Flüchtlingskonvention. Die Wi-
Bayerischer Flüchtlingsrat ■ zeirechtlichen Grundsätzen und einer derrufspraxis des Bundesamtes blendet
insgesamt verhärteten Grundhaltung ge- die Sicherheitsbedingungen in den je-
Memorandum zur derzeiti- prägt. weiligen Herkunftsländern aus. Mit dem
◗ Diese abwehrende Grundhaltung zeigt Widerruf werden aus Flüchtlingen in vie-
gen Situation des deutschen sich unter anderem bei der unzureichen- len Fällen lediglich noch Geduldete. Die-
Asylverfahrens den und lediglich widerwilligen Anwen- se Statusverschlechterung geschieht, ob-
„Umgang mit Asylbegehren wider- dung der Genfer Flüchtlingskonvention wohl die Betroffenen auf absehbare Zeit
spricht Verfassungs- und Völker- seitens Politik, Asylbehörden und Ge- nicht abgeschoben werden können.
recht“ richten. Das wichtigste internationale ◗ Die Verwaltungsgerichte sind oft nicht
Berlin. Ein breites Bündnis aus Wohl- Schutzinstrument für Flüchtlinge ist in gewillt, fehlerhafte Bescheide durch vor-
fahrtsorganisationen, Richter- und An- den vergangenen 25 Jahren aus dem behaltlose neue Ermittlungen zu korri-
waltsvereinigungen sowie Menschen- deutschen Asylverfahren gedrängt wor- gieren. Sie haben es in den letzten Jahren
rechtsorganisationen hat in Berlin ein ge- den. Nicht einmal der Begriff Flüchtling versäumt, die zu beachtenden verfah-
meinsames „Memorandum zur derzeiti- existierte in dieser Zeit im deutschen rensrechtlichen Garantien zugunsten der
gen Situation des deutschen Asylverfah- Asyl- und Ausländerrecht. Asylsuchenden und Flüchtlinge zu stär-
rens“ vorgestellt. Zu diesem Bündnis ge- ◗ Das Asylverfahren ist zum „Ort eines ken. So fallen sie als effektives Kontroll-
hören amnesty international (ai), der verdichteten Misstrauens“ geworden. system weitgehend aus.
Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt, Das staatliche Interesse an einer Ab- Das Memorandumsbündnis schlägt
die Arbeitsgemeinschaft Ausländer- und schiebung der Flüchtlinge überlagert das konkrete und großenteils kurzfristig um-
Asylrecht im Deutschen Anwaltverein, Prüfungsverfahren bis in die in der An- setzbare Maßnahmen vor, um zu gewähr-
der Deutsche Caritasverband, der Paritä- hörung gestellten Fragen hinein. leisten, dass Schutzbedürftige ihren
tische Wohlfahrtsverband, das Diakoni- ◗ Die persönliche Anhörung ist das Herz- Schutzanspruch in einem fairen Verfah-
sche Werk der EKD, die Neue Richter- stück des Asylverfahrens. Das Bundes- ren geltend machen können. Vorausset-
vereinigung, PRO ASYL, der Republika- amt erweckt den Eindruck, dass es kein zung für die Umsetzung wäre allerdings
nische AnwältInnenverein und die wirkliches Interesse an einer gerechten der erklärte Wille der politisch Verant-
Rechtsberaterkonferenz der mit den Entscheidung hat, weil in der Praxis die wortlichen, durch eine adäquate Ausge-
Wohlfahrtsverbänden und UNHCR zu- persönliche Anhörung und die Abfas- staltung des Verfahrens ihrer Verantwor-
sammenarbeitenden Rechtsanwältinnen sung des Bescheides häufig von zwei tung beim internationalen Flüchtlings-
und Rechtsanwälte. verschiedenen Beamten vorgenommen schutz Rechnung zu tragen.
Sie kritisieren, dass die deutsche Pra- werden. Standardisierte Handlungsanlei- Günter Burkhard ,PRO ASYL
xis, Asylbegehren zu behandeln, verfas- tungen der Amtsleitung führen zu Ab- Wolfgang Grenz,
sungs- und völkerrechtlichen Vorgaben stumpfung und Gleichgültigkeit bei den amnesty international
widerspricht. Das Asylverfahren befindet Einzelentscheidern. Dr. Reinhard Marx, Rechtsanwalt
sich in einem beständigen Prozess des ◗ Die Qualität der Entscheidungsfindung Barbara Stolterfoh, Paritätischer Wohl-
Verfalls. Sorge bereitet den Unterzeich- beim Bundesamt ist mangelhaft. Statt fahrtsverbandt
nern des Memorandums insbesondere sich mit individuellen Fluchtgründen Download des Memorandums (44 Sei-
die Qualität von Anhörungen und Ent- auseinander zu setzen, werden zuneh- ten) unter: www.proasyl.de ■

: antifaschistische nachrichten 15-2005 13


: neuerscheinungen, ankündigungen

Linke EU- Ziel halte ich allerdings für


fragwürdig, denn die gemein-
dem deutschen Teller landete
also ein Anteil des Vermö-
Umland dokumentiert. Um-
fangreiche Berichte über Rie-
Debatte same Währung spielt (zumin-
dest potentiell) eine gewichti-
gens des Expropriierten der
Ermordeten.“ Wehler hält Aly
gers „Heisenhof“, „Hetendorf
13“ und die umstrittenen
In ihrer Juli-Ausgabe ge Rolle in der weltwirt- vor, eigentlich nichts Neues „Ahnenstätten“ fehlen eben-
widmen sich die Blät- schaftlichen Konkurrenz zu herausgearbeitet zu haben, sowenig wie Dossiers über
ter für deutsche und den USA, und sie ist dafür aber sich dennoch als „der In- die führenden Aktivisten der
internationale Politik eini- konzipiert, neben den US- novative“ darzustellen. Und rechten Szene in der Region.
gen Aspekten der EU-Ent- Dollar als Weltwährung zu in der Tat scheint eine aggres- Mehrere Beiträge widmen
wicklung. Georg Vobruba treten. Wie dem auch sei, sive Vermarktungsstrategie sich auch dem örtlichen Ge-
zieht zunächst einige Konse- Arne Heises Artikel weist historischer Arbeiten im schehen während des Nazi-
quenzen aus dem Abstim- nach, dass sich die deutsche Kommen zu sein. Dennoch Regimes und erinnern u.a. an
mungs-Nein der Franzosen Vorstellung von einem ge- bleibt die Kritik an Alys The- die Verfolgung der Jüdinnen
und Niederländer zur EU- meinsamen Währungssystem sen eigentümlich dünn, wenn und Juden.
Verfassung. „Europa“ habe weitgehend durchsetzen es heißt, dieser reduziere die
sich zusehends zum „Eliten- konnte. Die Europäische Zen- „menschlichen Antriebskräfte Die Broschur kostet 2,50
projekt“ entwickelt. Die Re- tralbank (EZB) sei „als voll- auf Raubsucht und Habgier“ Euro Schutzgebühr
ferenden stellten auch einen ständige Kopie der Bundes- und vernachlässige „struktu- ISBN 3-938795-00-X
„Misserfolg des alten Modus relle Größen wie Institutio-
von Spezialistenpolitik“ dar. nen ... oder ökonomische und Die örtliche Neonazi-Szene in
Deutlich werde dies beson- demographische Prozesse“ Neumünster und Umgebung
ders an der Frage des Türkei- sowie „die spezifische charis- dokumentiert ein Heft mit
Beitritts, der auf die geplante matische Herrschaft Hitlers“. dem Titel „Entwicklung, Or-
Weise nicht mehr durchführ- Die Frage nach dem Klassen- ganisationsformen und Zu-
bar sei. Gleichzeitig bestehe charakter des Faschismus stand der militanten Nazi-
aber eine Notwendigkeit, die bleibt – nicht gänzlich über- szene in Neumünster“.
Türkei wie andere Staaten an raschend – ungestellt. Auf 36 Seiten gibt es eine
die EU zu binden, verfolge bank“ konzipiert und einzig Weitere Beiträge dieses umfangreiche Chronologie
deren Außenpolitik doch das auf Währungsstabilität ver- Heftes befassen sich u.a. mit der Naziaktivitäten seit 1980
Ziel, „den wohlhabenden pflichtet worden. Dies gehe den Einfluss- und Richtungs- und Artikel über zahlreiche
Kern abzusichern“ und „mög- zu Lasten sozialpolitischer kämpfen der verschiedenen Neonazi-Organisationen und
lichst keine direkte Außen- Zielstellungen; der Preisstabi- widerstreitenden Machtgrup- deren führende Köpfe in der
grenze zu einer Problemregi- lität „konfligierende Ziele pen in Rußland anhand des Region. Die von der „Antifa-
on zu haben“. So bleibe der (wie die Förderung des Wirt- Jukos/Chordokowski-Verfah- schistischen Aktion Neu-
Ausweg einer „abgestuften schaftswachstums)“ sind rens oder ziehen (etwas ge- münster“ herausgegebene
Integration“, der von einer nicht Angelegenheit der EZB. quälte) Parallelen zwischen Broschur ist zum Preis von 2
Mitgliedschaft mit allen Aktuell ist zu beobachten, der antiken Weltmacht Rom Euro plus Porto erhältlich bei:
Rechten bis zu einer Anbin- dass „gerade die Bundesrepu- und dem heutigen „Ameri-
dung ohne direkte Beteili- blik“ unter dieser Politik, ka“. F■ AJZ, Postfach 1167, 24501
gung an den Gemeinschafts- „die ihre Regierung gegen Neumünster, email:
organen reicht. Daraus werde alle Widerstände durchgesetzt Blätter für deutsche und in- afa-nms@gmx.de.
ein „Kerneuropa“ entstehen. hat“, (ökonomisch) besonders ternationale Politik, 50 Jg.
Ein weiterer Beitrag be- leide, weil finanzpolitische (2005), H.7, 124 S., 8,50 Den Rassismus und Neo-
fasst sich mit der Genese der Maßnahmen zur Ankurbelung Euro faschismus in der Schweiz
Europäischen Währungsuni- der Wirtschaft unter den be- dokumentiert das jährlich er-
on, die in wesentlichen Teilen stehenden Konvergenzkrite- scheinende Buch „Rassisti-
als deutsches Projekt anzuse-
hen sei. Frankreichs (und
rien nicht machbar sind.
Einen weiteren Schwer-
Les-Bar sche Vorfälle in der Schweiz“,
das von der „Gesellschaft
auch Großbritanniens) Inte- punkt bildet ein Streitge- Gleich zwei neue Broschü- Minderheiten in der Schweiz“
resse habe im Wesentlichen spräch der Historiker Hans- ren thematisieren den und der „Stiftung gegen Ras-
darin bestanden, „das verein- Ulrich Wehler, Hans Momm- wachsenden Neofaschis- sismus und Antisemitismus“
te Deutschland in eine starke sen und Micha Brumlik mit mus im Norden der Repu- in Zürich herausgegeben
Europäische Währungsunion Götz Aly über sein viel dis- blik. wird.
einzubetten und damit einen kutiertes Buch „Hitlers Das 162 Seiten umfassende
potenziellen deutschen Son- Volksstaat – Raub, Rassen- Die 110 Seiten starke Doku- Buch enthält eine Chronolo-
derweg von Anfang an zu un- krieg und nationaler Sozialis- mentation „Sie marschieren gie der Ereignisse und eine
terbinden“. Sicherlich hatten mus“ (s. AN 12 und 13/05), wieder...“ wurde von der aktuelle Einschätzung der
die „Bündnispartner“ ein in dem die These aufgestellt „Bremer Tageszeitungen AG“ Schweizer Neonazi-Szene.
schwerwiegendes Interesse wird, im Krieg habe der deut- herausgegeben und wird u.a. Erhältlich ist es zum Preis
daran, deutsche Alleingänge sche Faschismus eine „Gefäl- von der Bremischen Bürger- von 14,50 Franken incl. Porto
zu verhindern, zumal die ligkeitsdiktatur“ mittels sozi- schaft und der Landeszentrale bei der „Stiftung gegen Ras-
Bundesregierung, um die alpolitischer Wohltaten und für politische Bildung in Bre- sismus und Antisemitismus“
Osterweiterung durchzuset- Steuergeschenke errichtet. men unterstützt. Mit zahlrei- (GRA), Postfach, CH-8027
zen, damit durchaus drohte. Die Kosten dafür wurden vor- chen Fotos werden die Akti- Zürich. Die Chronologie wird
Die Reduktion europäischer nehmlich aus den besetzten vitäten von Neonazis im auch im Internet fortgeführt:
Währungspolitik auf dieses Ländern erbracht: „Auf je- Raum Bremen, Verden und www.gra.ch. ■

14 : antifaschistische nachrichten 15-2005


: ostritt
Appell zum 60. Jahrestag hohe Generäle und Admiräle der USA
von Hiroshima und Nagasaki und 75 amerikanische Pax Christi Bi-
schöfe haben entschieden gegen die Fort-
Berlin. Der 60. Jahrestag der
Atombombenabwürfe auf Hiro-
shima und Nagasaki nähert sich.
Die IPPNW will anlässlich dieses histo-
setzung einer auf Atomwaffen gestützten
sogenannten Sicherheitspolitik protes-
tiert. Prominentester Wortführer ist der
im Vietnamkrieg verantwortliche Ex-
B ernd Posselt zaudert noch. Die
Initiative des tschechischen Mi-
nisterpräsidenten Jiri Paroubek
wolle er noch nicht endgültig bewerten,
rischen Datums einen Hiroshimaappell Kriegsminister der USA Robert McNa- ließ der Bundesvorsitzende der Sude-
in einer überregionalen Zeitung veröf- mara. tendeutschen Landsmannschaft in einer
fentlichen. Wir begründen diesen Appell an Sie, Pressemitteilung verlauten. Paroubek
Appell zum Hiroshimatag liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, mit hatte kürzlich vorgeschlagen, die an-
der politischen, militärstrategischen und dauernden deutschen Offensiven gegen
Wir Ärztinnen und Ärzte der Internatio- moralischen Unverantwortlichkeit der die Benes-Dekrete und für so genannte
nalen Friedensorganisation IPPNW, atomaren Risiken und bedenken das „Entschädigungen“ für die umgesiedel-
1985 mit dem Friedensnobelpreis ausge- grauenhafte medizinische Elend der Fol- ten Deutschen zu beenden - mit einer
zeichnet, erlauben uns, Sie auf die ge- gen im Ernstfall, wie es die Japaner in „symbolischen Geste“. Tatsächlich sei
meinsame Chance hinzuweisen, mit der Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. nach Kriegsende in der im Wiederauf-
bevorstehenden Bundestagswahl einen August 1945 getroffen hat. Frieden kann bau befindlichen Tschechoslowakei ge-
demokratischen Einfluss in einer lebens- nur von Menschen geschützt, von Mas- genüber den Deutschen „das aus dama-
wichtigen Frage auszuüben. senvernichtungswaffen, gleich welcher liger Sicht begreifbare, heute aber un-
Noch immer halten die USA auf deut- Seite, stets nur bedroht werden. annehmbare Prinzip der Kollektiv-
schem Boden eine geheim gehaltene Wir brauchen Volksvertreter, die hier- schuld geltend gemacht worden“, be-
Zahl von B61-11 Atombomben bereit, zu klar Farbe bekennen und nicht solche, hauptete der tschechische Ministerprä-
jede davon mit der 5fachen Sprengkraft die – wie bisher – opportunistisch tak- sident. Er plädiert jetzt dafür, denjeni-
der Hiroshima-Bombe ausgestattet, die tisch missachten, was 92 Prozent der gen deutschsprachigen Bürgerinnen
vor genau 60 Jahren mehr als 200 000 Deutschen verlangen. und Bürgern der Tschechoslowakei, die
Menschen in der japanischen Stadt sofort Erstunterzeichner: Prof. Dr. Hans-Eckehard Bahr, sich gegen die Okkupation tschechoslo-
getötet, viele tausend andere schwer Bochum; Dr. Peter Becker, Marburg; Eva Berck, wakischen Territoriums durch Nazi-
chronisch geschädigt hat. Frauen für den Frieden, Wettenberg; Professor Dr. deutschland zur Wehr gesetzt hatten,
Elmar Brähler, Leipzig; Prof. Dr. Andreas Buro,
92 Prozent der Deutschen erwarten Frankfurt; Prof. Dr. Ernst-Otto Czempiel, Mar- eine „symbolische Entschädigung“ zu-
laut Forsa-Umfrage die dringende Besei- burg; Professor Dr. Sonia & Andreas Flitner, Tü- zusprechen.
tigung dieser Waffen, die unsere Regie- bingen; Professor Dr. Ulrich Gottstein, Frankfurt; Während Posselt noch zaudert, ist
rung aufgrund des Atomwaffensperrver- Günter Grass, Lübeck; Bischöfin Maria Jepsen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu-
Hamburg; Professor Dr. Ekkehart Krippendorf,
trages von 1968 Artikel II ohnehin nicht Berlin; Dr. Hans-Joachim Maaz, Halle; Gisela frieden. Wenn der tschechische Minis-
hätte annehmen dürfen. Soeben haben May, Berlin; Georg Meusel, Werdau-Sachsen; terpräsident anerkenne, dass durch die
die USA erneut die Erfüllung einer wei- Professor Dr. Peter Riedesser, Hamburg; Bergrun Umsiedlung „den ,Antifaschisten‘ Un-
teren Verpflichtung aus diesem Vertrag Richter, Gießen; Ute Scheub, Berlin; Oberbürger- recht widerfahren sei“, dann käme das
meister Herbert Schmalstieg, Hannover; Hans-C.
verweigert, nämlich in Verhandlungen Graf v. Sponeck, Müllheim/Baden; Dr. Wolfgang einem Eingeständnis gleich, „daß es
mit dem Ziel einer vollständigen nuklea- Sternstein, Stuttgart; Barbara Thalheim, Berlin; Unschuldige gab“, schreibt das Blatt.
ren Abrüstung einzutreten. Oberbürgermeister Christian Ude, München; „Waren aber nicht auch die Kinder, die
Verlangen Sie von den Kandidaten, Konstantin Wecker, München
Alten und überhaupt alle, die sich per-
die sich in Ihrem Wahlkreis um Ihre sönlich keiner Verbrechen schuldig ge-
Stimme bewerben, eine klare Stellung- Die Unterzeichnung des Appells ist bis macht hatten, unschuldig?“, heißt es
nahme zur Frage der atomaren Abrüs- zum 30. Juli möglich. Er soll zum Hiro- weiter. Der Kreis derjenigen, die An-
tung allgemein und speziell zur Befrei- shima-Tag in einer überregionalen Ta- sprüche auf die „symbolische Entschä-
ung von diesen Waffen aus unserem geszeitung erscheinen. digung“ geltend machen würden, könn-
Land. Über die Website www.ippnw.de ist te schlagartig Zigtausende umfassen.
Lassen Sie sich nicht weismachen, es online-Unterzeichnung möglich, sonst Wenn aber die Umsiedlung Unschuldi-
gehe hierbei um Antiamerikanismus. 17 Fax an 030 -69 38 166 ■ ge getroffen hat, muss dann nicht die
„symbolische Entschädigung“ durch
eine reale Entschädigung ersetzt wer-
den?
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. Sollten die Prozesse vor europäi-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de schen Gerichten den Umgesiedelten
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach nicht die gewünschten Ergebnisse brin-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, gen, dann könnten sie mit einer politi-
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, schen Initiative an die unfreiwillige
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. Vorlage Paroubeks anknüpfen. In Ös-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. terreich geschieht das schon.
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind Der „Vertriebenen“-Sprecher der
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. ÖVP, Norbert Kapeller, erklärt, es habe
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- „Millionen Sudetendeutsche“ gegeben,
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung die „keine Täter“ gewesen seien; Pa-
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. roubeks „Versöhnungsgeste“ sei ein
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
„gute(r) Beginn“, „aber nicht das Ende
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., der Fahnenstange“. Der „Vertriebe-
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- nen“-Sprecher der SPÖ, Werner Kum-
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini-
merer, sekundiert: Die „Geste“ dürfe in
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di jedem Fall „nur ein Anfang“ sein.
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. jk ■

: antifaschistische nachrichten 15-2005 15


: aus der faschistischen presse
gleichzeitig Vertreibung für immer zu
ächten.“ Die Errichtung eines solchen
Zentrums in Berlin war von Rot-Grün
„Genosse wird zum zel die Krönung dieses „Horroszenarios“ immer abgelehnt worden.
– die Ökosteuer wird nicht abgeschafft Dieter Stein geht auf die Situation
Kamerad“ und die Mehrwertsteuer erhöht. Wer jetzt „nach dem Machtwort aus Karlsruhe“
Nationalzeitung 29-05 vom 15. Juli 2005 annimmt, der Autor vertrete konsequent ein. Der Erfolg der Verfassungsbeschwer-
„Anderthalb Millionen Rechtsextremis- die Interessen der kleinen Leute, die nach de der JF lässt Stein hoffen, dass noch an-
ten in den Gewerkschaften“, dagegen sei- diesem Programm noch mehr geschröpft hängige Verfahren ebenfalls zugunsten
en DVU und NPD kleine Fische, behaup- werden, der liegt allerdings daneben. Die der JF entschieden werden. So ist noch
tet das Blatt und bezieht sich damit auf Kritik dient dazu, die nationalistisch ras- eine Klage von 2003 beim Verwaltungs-
die vom DGB in Auftrag gegebene Studie sistische Programmatik der eigenen Par- gericht Stuttgart anhängig gegen den Ver-
über „Gewerkschaften und Rechtsextre- tei ins Spiel zu bringen. „Sinnvoll spa- fassungsschutzbericht von 2001 und ne-
mismus“, die von FU-Politologen erar- ren“, so Wetzel, könne der Staat, indem er ben der Klage von August 1996 gegen die
beitet wurde. Dass fast jeder fünfte ge- die Milliardenzahlungen an die EU ein- Verfassungsschutzberichte 1994 und
werkschaftlich Organisierte rechtsextrem stelle oder die „immensen Aufwendun- 1995 eine Klage von 2003 gegen den Be-
eingestellt sei, „worunter vor allem ,na- gen für Hunderttausende Scheinasylan- richt von 2002 in NRW. „Unklar“ ist
tionalistische‘ oder ,ethnozentristische‘ ten, die Integrationsmaßnahmen für Mil- Stein noch, „wer für die durch die jahre-
also radikal aufs eigene Volk bezogene lionen arbeitsloser Ausländer, die sich lange staatliche Diskriminierung entstan-
Überzeugungen verstanden werden“, großteils nicht integrieren lassen oder denen wirtschaftlichen Folgen aufkom-
freut die Autoren, denn „Deutsche Ar- denBau von immer gigantischeren anti- men wird“. Man habe den Schaden ein-
beitsplätze für deutsche Arbeitnehmer...“ deutschen Sühnestätten, die dem längst mal auf jährlich 500.000 Euro beziffert.
das propagieren sie seit Jahren und ge- vergangenen NS-Unrecht gewidmet „Dies wäre ein Betrag von 5,5 Millionen
nüsslich mokieren sie sich noch darüber, sind“ streicht. „Deutschlands Chancen Euro seit Beginn der Diskriminierung im
wieviel Geld die Gewerkschaften in der nutzen“, der Titel des CDU-Wahlpro- Jahre 1995.“ Ein Schadensersatzprozess,
Vergangenheit dafür ausgegeben hätten, gramms, das sei bei der „nationalen Op- so Stein, könne aber erst angestrengt wer-
um den Leuten was anderes einzupauken. position“ von DVU und NPD besser auf- den, wenn die Grundsatzverfahren abge-
Auf der Website der DVU steht zur Zeit gehoben. schlossen seien.
unter Aktuelles: „Die Deutsche Volksuni-
on begrüßt den Rechtstrend in der DGB- Union für Zentrum gegen Rechte Parteitage stellen
Mitgliedschaft. Es ist erfreulich, dass
jetzt schon rund anderthalb Millionen ge- Vertreibungen ihre Listen auf
werkschaftlich organisierte Arbeitnehmer Junge Freiheit 29/05 vom 15. Juli Bei Parteitagen in Thüringen, Mecklen-
im Grunde als Kameraden betrachtet Übersehen hat Wetzel von der NaZe et- burg-Vorpommern, Bayern, Bremen,
werden können“. was, was die JF freudig meldet: CDU und Schleswig-Holstein, Niedersachsen und
CSU haben in ihrem Wahlprogramm ver- Rheinland Pfalz hat die NPD nach Sach-
Wahlprogramm missraten sprochen, in Berlin ein Zentrum gegen sen in weiteren Bundesländern bereits
Vertreibungen zu errichten. In dem Kapi- ihre Landeslisten für die Bundestagswahl
Nationalzeitung 30-05 vom 22. Juli 2005 tel „Deutschland: Partner in Europa und aufgestellt. Dabei wurden wie abgespro-
Bruno Wetzel findet das Wahlprogramm in der Welt“ heißt es dazu: „Die deut- chen immer auch DVU-Leute mit auf die
von CDU/CSU missraten, nichts von schen Heimatvertriebenen und die deut- vorderen Plätze genommen. In Thüringen
dem, was mal versprochen worden sei, schen Volksgruppen in Osteuropa haben führt die nach NPD-Angaben parteilose
würde sich darin wiederfinden: keine auch nach der Osterweiterung eine wich- Rita Hoffmann die Liste an, die aber in
massive Senkung der Einkommenssteuer, tige Brückenfunktion bei der Zusammen- der „Nationalzeitung“ schreibt, gefolgt
die Eigenheimzulage – gegenüber Rot- arbeit mit unseren östlichen Nachbarn. vom Landesvorsitzenden Frank
Grün immer verteidigt – wolle man jetzt Wir wollen im Geiste der Versöhnung mit Schwerdt, seinem Stellvertreter Ralf
selbst abschaffen, die Kilometerpauscha- einem Zentrum gegen Vertreibungen in Wohlleben und Thorsten Heise. In Rhld.-
le werde gekürzt, Kündigungsschutz und Berlin ein Zeichen setzen, um an das Un- Pfalz steht Peter Marx, NPD-Landesvor-
Tarifrecht weiter abgebaut, und für Wet- recht von Vertreibung zu erinnern und sitzender auf Platz 1, gefolgt von Paul Pe-
tri (DVU), Frank Rennicke auf Platz 3
und Safet Babic auf Platz 4. In Nieder-
sachsen kandidiert auf Platz 3 mit Hans-
BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
Gerd Wiechmann der ehemalige Landes-
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
Erscheinungsweise: vorsitzende der REP. Wie Nation &
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Europa 8-05 meldet, ist auch der stellv.
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Landesvorsitzende der REP in Sachsen,
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
Dirk Abraham, jetzt bei der NPD. Der
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro
Kölner REP-Stadtrat Hans-Martin Breni-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro). nek habe ebenfalls seine Partei verlassen
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten
und suche nun den „Schulterschluss“ mit
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung) „Pro Köln“. Die REP-Landesverbände
Rhld.-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ha-
Name: Adresse: ben Landeslisten aufgestellt, aber allein
die Unterschriften in der kurzen Zeit zu-
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts sammenzubekommen, dürfte zum Pro-
blem werden. In NRW ist wie immer
Unterschrift Landesvorsitzende Winkelsett Spitzen-
kandidatin, auf Platz 3 findet sich Dr. Jür-
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507
gen Heydrich, ehemaliger REP-Stadtrat
aus Köln. u.b. ■

16 : antifaschistische nachrichten 15-2005