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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 3.11.2005 21. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

NPD will in den Landtag


Rheinland-Pfalz. Der Landesvorsit-
zende und stellvertretende Bundesvorsit-
NPD-Demo verhindert
zende Peter Marx soll bei der Landtags- Göttingen. Brennende Bar-
wahl in Rheinland-Pfalz am 26. März rikaden versperrten der NPD
2006 als Spitzenkandidat der NPD antre- am 29.10. die Straßen, auf de-
ten. Diese Entscheidung trafen die Dele- nen sie marschieren wollte.
gierten des NPD-Landesverbandes am Anwohner hatten aus den vie-
Samstag, 15. Oktober in Johanniskreuz. len Villen und Häusern im
Die NPD verzichtet darauf, in allen 51 Universitätsviertel, durch das
Wahlkreisen mit Direktkandidaten anzu- die Route führte, Transparen-
treten, da sie dafür landesweit knapp te herausgehängt. Polizei-
7000 Unterstützungsunterschriften hätte trupps versuchten ohne an-
sammeln müssen. Als Wahlziel formu- haltenden Erfolg, Demons-
lierte Marx „fünf Prozent plus x“. Das tranten von der Route fern zu
Aktionsbüro Rhein-Neckar verbreitet halten. Keine Stunde, nach-
eine „Erklärung freier Kräfte zur Land- dem die 250 Neonazis den
tagswahl“, in der die Unterstützung „gro- Bahnhofsvorplatz verlassen
ßer Teile der parteifreien Strukturen aus hatten, war offensichtlich,
Rheinland-Pfalz“ erklärt wird. Mit der dass die Polizei den Weg
Wahl der „parteifreien Kandidaten“ René nicht mehr freimachen konn-
Teufer, Sven Lobeck und Mario Mathes te. Den ganzen Tag über be-
auf die Plätze 3, 6 und 8 der Landesliste teiligten sich etwa 4000 Men-
habe die rheinland-pfälzische NPD ge- schen an den Protesten gegen
zeigt, dass eine Bündnispolitik ge- den NPD-Aufmarsch. Ein
wünscht werde. „Bündnis gegen Rechts“ , bestehend aus 60 Organisationen und Initiativen hatte zu
Die drei „freien“ Kandidaten stünden verschiedenen Kundgebungen aufgerufen. Über 3000 Menschen hatten den Aufruf
„seit vielen Jahren im Kampf für ein na- unterzeichnet. Im Laufe der Auseinandersetzungen kam es zu zahlreichen Festnah-
tionales und sozialistisches Deutsch- men. nach taz vom 31.10.2005 ■
land“. Deutlich wird in der Erklärung
eine Abgrenzung zu zurückhaltenderen
Varianten der extremen Rechten, insbe-
sondere zur DVU: „Mit unserem Einsatz
Nazis versuchten Lesung
für ein nationales und sozialistisches
Deutschland stellen wir uns damit auch
deutlich sichtbar gegen die systemkon-
von Reemtsma zu stören
forme Politik des gemäßigt nationalen Mannheim. Am Abend des Christian Hehl. Dieser kandidiert auch bei
Lagers innerhalb und außerhalb der 20.10.2005 versuchten ca. 65 Na- der Landtagswahl 2006 in Rheinland
Volksfront!“ Insgesamt wurden 12 Kan- zis aus dem Umfeld des sogenann- Pfalz für die NPD. Obwohl die Polizei so-
didaten und Ersatzbewerber gewählt. Un- ten „Aktionsbüro Rhein Neckar“ eine Le- fort informiert wurde, war sie bis zum
ter ihnen: Peter Marx (45 von 47 Stim- sung des Hamburger Autors Jan Reemts- Schluss nicht präsent. Nach etwa 15 Mi-
men), NPD Landesvorsitzender und stell- ma im Kulturzentrum Alte Feuerwache nuten erfolglosem Gepöbel verließen die
vertretender Bundesvorsitzender, Safet zu stören. Sie beleidigten und bedrohten Nazis das Gelände der Alten Feuerwache
Babic, stellvertretender Landesvorsitzen- die Anwesenden mit aggressiven Parolen. von selbst. Eine Sprecherin des Ak Antifa
der, René Teufer, Aktionsbüro Rhein-Ne- Die Veranstaltung mit dem Titel: „Folter dazu: „Das sog. ,AB Rhein Neckar‘hat in
ckar, Sascha Wagner, Organisationsleiter im Rechtsstaat?“ sollte gegen 20 Uhr be- jüngster Zeit seine Aktivitäten verviel-
der NPD, Christian Hehl, Dörthe Arm- ginnen. Etwa 10 Minuten zuvor versuch- facht. In den letzten Monaten kam es bei
stroff, Deutsche Volksunion, Sven Lo- ten ca. 65 Nazis aus dem Umfeld des zahlreichen politischen Veranstaltungen,
beck, Aktionsbüro Rhein-Neckar, Mario „AB Rhein Neckar“ den Veranstaltungs- die nicht ins eingeschränkte rechtsextre-
Mathes, Aktionsbüro Rhein-Neckar ort zu betreten. Die Veranstalter reagier- me Weltbild passen, zu ähnlichen Versu-
VVN-BdA Kaiserslautern ten geistesgegenwärtig und verschlossen chen,die Anwesenden einzuschüchtern.
www.vvn-bda-kl.de ■ die Eingangstür. Die auf der Straße vor Dabei dehnt sich der Aktionsradius zu-
der Feuerwache versammelten Rechtsex- nehmend auch auf politische Veranstal-
tremisten versuchten nun durch laute und tungen des bürgerlichen Spektrums aus.
Inhalt: aggressive Parolen die Anwesenden ein- Dies zeigt einmal mehr die Notwendig-
Die Sudetendeutschen und zuschüchtern. Zitat: „Hier regiert der na- keit einer breiten gesellschaftlichen Aus-
ihre Landsmannschaft . . . . . . . . . 8 tionale Widerstand...“. einandersetzung mit Rechtsextremisten
Noborder Camp 05 in Als Einpeitscher betätigte sich wieder und ihren Inhalten.“
Griechenland/Bulgarien . . . . 12 einmal der bundesweit bekannte Nazi- Ak Antifa Mannheim
skinhead, Hooligan und Multifunktionär http://www.akantifa-mannheim.de ■
: meldungen, aktionen

Erneut verurteilt 1999 veröffentlichte Mynarek im dem


Neuss. Der Neusser Karl Dimmig (84) zum Netzwerk der Sekte gehörenden
kann es nicht lassen. Am 7. September „Verlag Das weiße Pferd“ sein Buch „Die
wurde der bereits zweifach Vorbestrafte neue Inquisition. Sektenjagd in Deutsch-
wegen „Volksverhetzung“ zu 4 Monaten land“. Parallel dazu unterstützte er die
Gefängnis auf Bewährung und 7000 zum UL-Netzwerk gehörende „Initiative
Euro Geldstrafe verurteilt. Dimmig hatte Mahnmal für die Millionen Opfer der
im Anschluss an einen Prozess gegen Kirche“ und die gegen die Kirchensteuer
Inge Terspecken vor dem Düsseldorfer wetternde „Bürgerbewegung Mehr Geld
Amtsgericht, wo es ebenfalls um die für den Bürger“. Sein neues Buch „Der
Leugnung des Holocaust ging, in den polnische Papst. Bilanz eines Pontifikats“
Saal gerufen: „Das ist hier ja eine Mär- erschien im Freiburger „Ahriman-Ver-
chenstunde!“. Anwesend war bei der Ur- lag“, der sowohl in rechten wie auch lin-
teilsverkündung gegen Dimmig auch der ken Publikationen inseriert und Schriften
erst kürzlich selbst wegen „Volksverhet- des ominösen „Bund gegen Anpassung“
zung“ verurteilte Horst Mahler. Dieser verlegt. Nachdem Mynarek auf der
nutzte die Gelegenheit zu den Zuhörern Frankfurter Buchmesse eine Lesung für
zu sprechen und diese aufzufordern, ge- den Verlag halten konnte, soll er nun, je-
nauer zu formulieren und von der „Gas- weils um 18 Uhr, am 26.11. auf den
kammerlüge“ zu sprechen, um künftige „Stuttgarter Buchwochen“ im Haus der
Prozesse dieser Art gewinnen zu können. Wirtschaft und am 27.11. auf der „Karls-
Dimmig war in den 90er Jahren Sprecher ruher Bücherschau“ im Regierungspräsi-
des Neusser Vereins „rauchfrei leben“. dium auftreten. hma ■
1997 gehörte er zu den Mitunterzeich-
nern des rassistischen „Aufruf an alle „Elite der Wehrmacht“
Deutschen zur Notwehr gegen Über-
fremdung“. 2001 gab er aus Protest ge- Bonn. Auf ihrem 51.Bundestreffen in
gen Michel Friedmann sein Bundesver- Bonn hat die „Ordensgemeinschaft der
dienstkreuz zurück. Leserbriefe Dim- Ritterkreuzträger“ (OdR) die Aufhebung Neuerscheinung:
migs findet man nicht nur in der konser- des 1999 von Rudolf Scharping (SPD) Christian Dornbusch & Hans-Peter
vativen Lokalpresse, sondern auch in der erlassenen Verbots von dienstlichen Kon- Killguss: Unheilige Allianzen.
„Jungen Freiheit“, der „Deutschen Na- takten der Bundeswehr zur OdR gefor- Black Metal zwischen Satanismus,
tional-Zeitung“ und in „Nation und dert. Die Ritterkreuzträger hätten einen Heidentum und Neonazismus von .
Europa“. Dimmig hat gegen das Urteil wichtigen Beitrag zum Aufbau der Bun- Unrast Verlag, ca. 250 Seiten,
Berufung eingelegt und wird in nächster deswehr geleistet. Nicht weniger als 800 16 Euro, ISBN 3-89771-817-0
Instanz von Sylvia Stolz aus München von ihnen wären daran beteiligt gewe-
vertreten. Diese wird für die Mitglieder- sen, davon alleine 118 von ihnen als Ge- Freund“ oder „Hitler mein Führer“. Im
versammlung des „Verein zur Rehabili- neräle und Admiräle. Die Festrede hielt Oktober vergangenen Jahres hatten fünf
tierung der wegen Bestreitens des Holo- in diesem Jahr Generalleutnant a.D. oder sechs Skinheads im Alter von Mitte
caust Verfolgten“ vom 11. bis 13.Novem- Ernst Klaffus, ehemals Amtschef des 20, bekleidet mit Bomberjacken mit „A“-
ber in Vlotho als Referentin angekündigt. Heeresamtes, der die OdR-Mitglieder als ähnlichem Logo – was auf die in der
hma ■ „Elite der Wehrmacht“ bezeichnete. Un- Nazi-Szene beliebte US-Marke „Alpha
ter den etwa 300 Gästen befand sich auch Industries Inc.“ hindeutet – am „Bunten
Mynarek on Tour der aus der CDU ausgeschlossene Martin Garten“ in Mönchengladbach einen 20-
Hohmann (Neuhof) sowie die ehemali- Jährigen überfallen. Das Opfer wurde mit
Stuttgart/Karlsruhe. „Nicht immer gen Bundeswehrgenerale Rolf Hüttel einem Springmesser bedroht, zusammen-
ist eine rechtsextreme Sicht aber so ein- und Manfred Bertele. hma ■ geschlagen und dann beraubt. Von der
deutig zu erkennen wie in dem Buch örtlichen Neonazi-Szene ist schon seit
„Ökologische Religion“ von Hubertus Zweierlei Maß Jahren bekannt, dass sie die körperliche
Mynarek, der es einer öko-religiösen Eli- Auseinandersetzung sucht. Vor allem in
te vorbehalten wissen will, als „Speer- Mönchengladbach. Am 11. Oktober der Altstadt kommt es immer wieder zu
spitze der Evolution“ Umweltprobleme teilte die Mönchengladbacher Polizei in Übergriffen auf linke Jugendliche und
zu lösen“, heißt es bei Bellmund/Sini- einer Pressemitteilung mit, dass eine 34- AusländerInnen. Daran wird auch die
veer („Kulte, Führer, Lichtgestalten. jährige Frau Anzeige wegen Vergewalti- eingeführte Kameraüberwachung nichts
Esoterik als Mittel rechtsradikaler Propa- gung gegen drei unbekannte Männer ge- ändern. Unterdessen baut die lokale rech-
ganda“, Knaur 1997). Professor Myna- stellt hatte. Nach deren Schilderung hatte te Szene ihre Strukturen aus. Die NPD,
rek hat sich längst wieder seinem ur- sich die Tat bereits am 31. August im Be- bereits mit zwei Mitgliedern im Rat ver-
sprünglichen Thema, der Kirchen-Kritik, reich des Buscherplatzes im Stadtteil treten – wenn sie denn dort mal auftau-
gewidmet und da ganz spezielle Anhän- Hermges ereignet. Die Beschreibung der chen – führt regelmäßig Stammtische und
ger. Die findet man nicht nur bei der kir- Täter deutet auf Angehörige der wach- Versammlungen durch, die Anhänger der
chenkritischen „Giordano Bruno Stif- senden Neonazi-Szene in der Region hin. rechten Hooligan-Truppe „Patrioten
tung“ (Mastershausen/Hunsrück), die So sollen die zwischen 20 und 35 Jahre MG“ dürfen weiterhin ins Fußballstadion
eine „offene Gesellschaft“ jenseits von alten Glatzenträger Springerstiefel getra- und neue Rechtsrock-Bands wurden ge-
„multikultureller Gesellschaft“ einerseits gen und einschlägige Tätowierungen ge- gründet. Weder in der lokalen Politik
und „christlicher Festung Europa“ ande- habt haben. So z.B. eine Tätowierung in noch in der Lokalpresse wird die Neona-
rerseits anstrebt, sondern auch bei der Form eines Hakenkreuzes, den Schrift- zi-Szene ernsthaft thematisiert. Ein „Pun-
Sekte „Universelles Leben“ (UL). zug „Germania“ und „Hitler mein ker-Treff“ in der Fußgängerzone – ein

2 : antifaschistische nachrichten 22-2005


selbstverwaltetes Jugendzentrum gibt es Zweifelhafter Lexikon-Eintrag: Dieter Stein einer der
natürlich nicht – wird hingegen argwöh- wichtigsten Medien-Manager?
nisch beobachtet. Die trinken dort ihr
Bier, unterhalten sich und spielen auch Einige hundert Verlagsgeschäftsführer und Führungskräfte von Werbeagenturen,
mal Gitarre. Unvorstellbar! Sie bringen Fernsehmoderatoren und bedeutende Redakteure finden sich im Nachschlagewerk
„Unruhe“ in die Stadt! Doch die Polizei „Kress Köpfe“, das den Untertitel „Die wichtigsten Manager in Medien und Wer-
behalte „die Szene im Auge“, heißt es. bung“ trägt. Herausgeber ist der Kress-Verlag in Heidelberg, der auch für den be-
Während alles die neue „Punker-Heimat“ kannten und angesehenen Brancheninformationsdienst verantwortlich zeichnet.
(RP) im Auge hat, organisiert die rechte Die Volkswagen AG hat das mehr als 500-seitige Lexikon gesponsert; ein entspre-
Szene in der Region fleißig ihre Rechts- chender Aufdruck wurde auf dem Cover des Buches angebracht.
rock-Konzerte. Noch am 8. Oktober hatte So weit, so schön, gut und wichtig. Allerdings scheint der Redaktion bei der Aus-
in einem Zirkuszelt im Großraum Düs- wahl honoriger Medienmanager ein grober Schnitzer unterlaufen zu sein. Denn auf-
seldorf ein solches stattgefunden, nach- geführt wird auch Dieter Stein, der Chefredakteur der von den Verfassungsschutzbe-
dem eine Halle nicht gefunden werden hörden angesichts ihrer Rechtsausrichtung kritisch beäugten Wochenzeitung „Junge
konnte. Die ersten drei Bands „Extres- Freiheit“. Bleibt zu hoffen, dass die Redaktion bei der Neuauflage dieses ansonsten
siv“, „Calslagen“ (Niederlande) und empfehlenswerten Nachschlagewerkes über die Platzierung Steins verschärft nach-
„NonPlusUltra“ (Düsseldorf) hatten denken wird. Thomas Klaus ■
schon gespielt, erst dann wurden die
staatlichen Ordnungskräfte tätig. Wegen
„Ruhestörung“, heißt es. Die vierte Band, Unterstützung der NPD. In dem zehnsei- ten Tabubruch sorgen, indem sie für unse-
„Brigade M“ aus den Niederlanden, tigen Papier versuchen die Verfasser, den ren Antrag stimmt“. Angesichts der Wi-
konnte nicht mehr auftreten. Veranstalter Begriff Patriotismus vom Tabu zu befrei- derstände aus den anderen Fraktionen
des Konzerts war der Sänger einer en und dessen Notwendigkeit nachzu- seien die Christdemokraten auf die Stim-
Rechtsrock-Band aus Düsseldorf. weisen. Unter anderem solle die Natio- men der NPD angewiesen.
VVN-BdA MG ■ nalhymne an Grundschulen gelernt und Quelle: N24.de, Netzeitung ■
deren öffentliches Singen „eine Selbst-
Pro Köln weiter unter Beob- verständlichkeit“ werden. Die NPD im Nazis veranstalten immer
sächsischen Landtag bezeichnete dies als
achtung Einschwenken der CDU auf Ziele der mehr Konzerte
Der Verfassungsschutz NRW darf Pro NPD und legte mit einem eigenen Antrag Berlin. Wie der Tagesspiegel vom
Köln weiter in der Rubrik „Rechtsextre- nach. 24.10.05 meldet, haben in diesem Jahr
mismus“ führen. Das ergab die Verhand- In dem CDU-Papier, das Anfang No- schon mehr als 100 einschlägige Skin-
lung vor dem Landgericht in Düsseldorf vember vom Landesparteitag beschlossen headkonzerte stattgefunden – mit
am 21.9., die aufgrund der Klage von Pro werden soll, bekennen sich die Christde- Schwerpunkt in Ostdeutschland, vor al-
Köln stattfand. Markus Beisicht, Vorsit- mokraten zur europäischen Integration lem in Sachsen und Thüringen. Bei ei-
zender von Pro Köln behauptete vor Ge- und benennen die Wurzel europäischer nem Treffen von Experten aus Verfas-
richt, womöglich hätten einzelne Neonazis Identität: Christentum und Aufklärung. sungsschutz und Polizei wurde jetzt die
an ihren Veranstaltungen teilgenommen, Auch die Grenzen sind definiert: „Die is- Befürchtung laut, in diesem Jahr werde
man habe aber nicht gewusst, wer das sei. lamische Türkei gehört nicht dazu.“ die Gesamtzahl der rechtsextremen
Das mochte der Richter dann doch nicht Die Verfasser stehen zwar zur histori- Rockkonzerte deutlich über der von 2004
glauben und ließ auch keine Berufung am schen Einmaligkeit der Nazi- Verbrechen. liegen. Damals stellten die Behörden 137
Oberverwaltungsgericht zu. u.b. ■ Aber auch „eingedenk eigener Schuld... einschlägige Musikveranstaltungen fest
trauern wir um die Opfer der Vertreibung – auch das waren schon 18 mehr als
Keine Ruhe für Naziladen von zwölf Millionen Deutschen aus ihrer 2003.
Heimat im Osten und um die Opfer des Die neuen Zahlen und Analysen waren
Hamburg. Wie bereits in den AN 19/05 Bombenkrieges gegen unsere Städte“, Mitte der Woche ein Thema bei den Be-
berichtet, versucht sich auf Hamburg-St. schreiben die Autoren. sprechungen der „Informationsgruppe
Pauli ein Naziladen, der mit rechten Spätestens hier dürfte das Interesse der Rechtsextremismus (IGR)“, die sich aus
Lifestyle-Utensilien handelt, festzuset- NPD geweckt worden sein. Die Rechts- Fachleuten mehrerer Behörden zusam-
zen. Im September gab es dagegen be- extremisten, im sächsischen Landtag mit mensetzt. An dem zweitägigen Treffen in
reits eine Demo mit über 2000 Teilneh- einer zwölfköpfigen Fraktion vertreten, Wittenberg (Sachsen-Anhalt) nahmen
merInnen v.a. aus dem FC St. Pauli-Fan- reagierten prompt: NPD-Fraktionsge- etwa 50 Experten aus Verfassungsschutz-
spektrum und unterstützt von diversen schäftsführer Peter Marx übermittelte am behörden, Landeskriminalämtern und
örtlichen Geschäften und Kneipen. Am Donnerstagvormittag seine Freude darü- Bundeskriminalamt teil.
19. November geht es erneut gegen den ber, „dass die CDU- Fraktion mit ihrer Beobachtet wird auch, dass die NPD
Naziladen. Eine Demo gegen Umstruk- Forderung nach der Vermittlung von immer stärkeren Einfluss auf die rechts-
turierung der Stadt, gegen Vertreibung, Kenntnissen über die Nationalhymne er- extreme Musikszene nimmt. Ein Bei-
Ausgrenzung und Repression (Titel: neut eine NPD-Idee aufgreift“. Doch das spiel: Im Anschluss an den Parteitag der
„Think of the Revolution“) wird auch schien den Parteistrategen schon am Thüringer NPD Anfang April in Pößneck
„Thor und Freya“ (so der neue Name) Nachmittag nicht mehr stark genug: Die fand ein Skinheadkonzert statt, zu dem
auf´s Korn nehmen. Die Demo beginnt Fraktion schob einen Parlamentsantrag mehr als 1000 Kahlköpfe und Neonazis
um 14 Uhr an der U-Bahn Feldstraße. nach, mit dem sie festschreiben lassen aus dem gesamten Bundesgebiet ange-
Die Nazis dürfen keine Ruhe haben, der will, „dass die deutsche Nationalhymne reist waren. Als „Star“ trat Michael Rege-
Laden muss verschwinden! F■ an den sächsischen Schulen regelmäßig ner auf, der frühere Sänger der Berliner
gesungen wird und Kenntnisse über ihre Band „Landser“. Sie wurde vom Berliner
NPD-Lob für Sachsens CDU kulturellen Wurzeln gelehrt“ werden. Kammergericht Ende 2003 zur kriminel-
NPD-Fraktionsvize Uwe Leichsenring len Vereinigung erklärt, Regener bekam
Dresden. Zu einem Thesenpapier für forderte die CDU zur Zustimmung auf: als Rädelsführer drei Jahre und vier Mo-
mehr Patriotismus erhalten Sachsens Schon bei der nächsten Plenarsitzung nate Haft. Inzwischen hat er die Strafe
Christdemokraten Beifall von der NPD könne die CDU-Fraktion „für einen ech- angetreten. Die Liaison mit diesem Mi-

: antifaschistische nachrichten 22-2005 3


lieu scheint sich für die NPD zu lohnen. stimmte Stätten wie die Gedenkstätte setzten Ostmark schneller in den Bau
Beim Treffen der IGR hieß es, die Mit- Sowjetischer Ehrenfriedhof und Doku- […] geht, als man glaubt“.
gliederzahl der Partei sei auf etwa 5900 mentationsstätte Stalag (VI K) in Schloss Hasselbach, der von sich behauptet,
gestiegen. Das sind 600 mehr als 2004. Holte Stukenbrock, aber auch die Burg über Kontakte zu jungfreiheitlichen Ka-
Auch der Anstieg rechter Straftaten be- Vogelsang im Nationalpark Eifel, unter dern zu verfügen, weist insbesondere auf
schleunigt sich. Bis Ende August regis- besonderen Schutz gegen nationalsozia- die von Johann Gudenus geführte Nach-
trierten die Landeskriminalämter bereits listische Aufzüge gestellt werden“, erläu- wuchstruppe hin: „In der FPÖ-Jugend,
6605 Delikte, darunter 353 Gewalttaten. tert Jäger. Dazu solle die Landesregie- dem Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ),
Im August allein waren es 1000 rechte rung aufgefordert werden, dem Landtag sind sogar führende Funktionäre im Bun-
Delikte. Das sind so viele wie seit über bis zum Ende des Jahres geeignete Vor- desvorstand intern als Nationalsozialisten
vier Jahren nicht mehr in einem Monat. schläge für die Unterschutzstellung zu bekannt, die auch in den entsprechenden
Zugenommen haben vor allem die so ge- unterbreiten. Kreisen verkehren.“ www.doew.at ■
nannten Propagandadelikte, also das öf- http://www.spd-fraktion.landtag.
fentliche Zeigen von Nazi-Kennzeichen nrw.de/img/px_trans.gif ■ 13. November 2005 –
(Hitlergruß, Hakenkreuzschmierereien,
NS-Symbole an der Kleidung und Ähnli- Frauen im antifaschistischen
Verfassungsschutz
ches). Die Zahlen entstammen den Ant- Widerstand
worten der Bundesregierung auf monatli- beobachtet Skinheads Aachen. Zum Volkstrauertag 2005 ge-
che Anfragen der PDS-Bundestagsabge- Stuttgart. Die Konzerte mit rechtsex- denkt die Vereinigung der Verfolgten des
ordneten Petra Pau. Die Angaben sind tremistischen Bands hätten im Land Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen
meist nur vorläufig – in der Regel steigen drastisch zugenommen, klagt Hans Jür- und Antifaschisten (VVN-BdA) der Frau-
die Zahlen noch deutlich an, da die Poli- gen Doll, Vizepräsident des baden-würt- en aus dem Widerstand gegen Faschismus
zei regelmäßig rechte Straftaten nachmel- tembergischen Verfassungsschutzes: und Krieg. An den KZ Gräbern des Wald-
det. Außerdem erscheinen Teile der Ant- „Mit 14 solcher Konzerte haben wir friedhofs wird von Frauen ein breites
worten, die Petra Pau bekommt, fragwür- nicht nur die Zahl des Jahres 2004 be- Spektrum des Widerstands von Frauen
dig. So meldete Thüringen für die Mona- reits erreicht, sondern diese weit über- 1933-1945 vorgestellt. Die Gedenkveran-
te April, Juni, Juli und August nicht eine troffen. Insgesamt haben wir bis Ende staltungen der VVN-BdA versuchen, sich
einzige rechte Straftat. Juni 2005 bereits 18 Skinhead-Konzerte vom Opfermythos zu lösen und die Ver-
Netzwerkstelle gegen Rechtsextremis- registriert. Das erfüllt uns mit großer antwortung für Krieg und Faschismus zu
mus, weimar-gegen-rechts@web.de Sorge“, sagte Doll dem Südwestrund- benennen. Es gab Täter und Opfer, aber
www.weimar-zeigt-sich.de ■ funk. eben auch Widerstand und der war nicht
Vor allem die Bands „Blue Max“ aus nur männlich. Die Veranstaltung wird un-
Naziaufmärsche an Gedenk- dem Neckar-Odenwald-Kreis, „Jagdstaf- terstützt von der KAB Gruppe „Frauen 60
fel“ aus Stuttgart, „Act of Violence“ aus +“. Sonntag, 13. 11. um 11.00 Uhr,
stätten in NRW verbieten Ulm und das Bruchsaler „Baden Corps“ Haupteingang Waldfriedhof. ■
Düsseldorf. Ein gesetzliches Verbot von werden von den Jugendlichen besucht.
Versammlungen und Aufzügen von Durchschnittlich rund 150 junge Leute
Rechtsextremen an Gedenkstätten in versammeln sich bei solchen Konzerten.
Nordrhein-Westfalen hat der stellvertre- Besonders viele Musikveranstaltungen
tende Vorsitzende der SPD-Landtagsfrak- organisierte ein bekannter Rechtsextre-
tion, Ralf Jäger, gefordert. „Die SPD will mist im Clubraum der Mannheimer Ro-
verhindern, dass Gedenkstätten von his- ckergruppe „MC Bandidos“. Die Polizei
torischer und überregionaler Bedeutung, habe keine Möglichkeit, solche Skin-
die an die nationalsozialistische Barbarei head-Konzerte zu verbieten. Besorgnis
erinnern, zu Pilgerstätten alter und neuer erregend aus Sicht des Verfassungsschut-
Nazis werden. Nazi-Aufmärsche an Ge- zes ist die Tatsache, dass Jugendliche bei
denkstätten müssen auch in NRW gesetz- solchen Veranstaltungen von rechtsextre-
lich verboten werden.“ Einen entspre- mistischen Gruppierungen rekrutiert und
chenden Antrag zur Beratung im Landtag politisiert werden. Quelle: swr.de ■
hat die SPD-Landtagsfraktion jetzt be-
schlossen. Neonazis über Strache-FPÖ
Im April dieses Jahres hatte bereits der
Bund das Versammlungsgesetz geändert Österreich. Im Forum der deutschen
und damit das Holocaust-Mahnmal in Neonazi-Site Wikingerversand diskutiert
Berlin als Gedenkstätte von überregiona- man über das Abschneiden der FPÖ bei
ler Bedeutung bestimmt, an der Ver- den Wiener Wahlen. Auch wenn sich die
sammlungen und Aufzüge verboten oder österreichischen und deutschen Neonazis
mit Auflagen versehen werden können. über den „extrem ausländerfeindlich
Zugleich wurde den Ländern die Mög- [en]“ Wahlkampf der FPÖ freuen, spricht
lichkeit eröffnet, in eigenen Gesetzen ein enttäuschter Kamerad es ihr ab, noch
derartige Gedenkstätten unter Schutz zu eine „rechte Partei“ zu sein.
stellen. Das wollte Phillipp Hasselbach, ein
„Die gesetzlichen Voraussetzungen Kader aus dem Milieu der Freien Kame-
zum Schutz bestimmter Gedenkstätten radschaften und Kenner der österrei-
sind ... im Bundestag und Bundesrat be- chischen Szene, nicht so stehen lassen:
schlossen worden. Die SPD-Landtags- Er behauptet, dass sich „in der FPÖ […]
fraktion bietet deshalb allen im Landtag nicht wenige Nationalsozialisten [tum-
vertretenen Fraktionen eine gemeinsame meln]“ würden. Diese nutzen die „Partei-
Initiative an, mit der auch in Nordrhein- struktur […], da man durch das knallhar-
Westfalen über Parteigrenzen hinweg be- te Wiederbetätigungsverbot in der be-
: antifaschistische nachrichten 22-2005
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Nachlese: Wer hat wie gewählt?
Inzwischen hat das Statistische Bundesamt (www.bundes- sächlichem Wahlverhalten; ein bestimmter Prozentsatz von
wahlleiter.de) erste Analysen zum Wahlverhalten nach Alter Stimmzetteln waren nach Geschlecht und Altersgruppen mar-
und Geschlecht vorgelegt. Diese Angaben beruhen nicht wie kiert. Die Differenzen zwischen den Generationen und Ge-
die von den Meinungsforschungsinstituten gleich nach der schlechtern sind zum Teil beträchtlich: Bei den unter 25-jähri-
Wahl vorgelegten Analysen auf Umfragen, sondern auf tat- gen Frauen hätte Rot-Grün klar eine absolute Mehrheit ge-
habt; während bei den über 60-jähri-
gen Männer Schwarz-Gelb klar
3 Stimmabgabe bei der Bundestagswahl 2005 nach Parteien, Geschlecht und Altersgruppen*) führt.
Wenn sich das Wahlverhalten mit
Prozent
Alter von ... Von 100 gültigen Zweitstimmen 1) nebenstehender Altersgruppen entfielen auf
dem Älterwerden nicht stark verän-
bis unter ... Ins- darunter dert, wofür spricht, dass politische
Jahren gesamt SPD CDU/ CSU GRÜNE Die Linke. FDP Sonstige NPD REP Grundorientierungen in der Jugend
Deutschland
gelegt werden, dann hat die CDU ein
strategisches Problem: sie kommt
Insgesamt nicht an bei den jungen Wählern,
18 - 25 100,0 38,6 26,1 9,6 9,0 10,0 6,7 4,0 0,8
25 - 35 100,0 33,3 29,9 10,3 8,8 12,1 5,7 2,8 0,8
insbesondere den jungen Wählerin-
35 - 45 100,0 34,5 30,7 11,5 9,2 9,5 4,6 1,8 0,7 nen. Die größere Präferenz für die
45 - 60 100,0 35,2 32,3 8,6 11,0 9,3 3,6 1,4 0,5 FDP in diesem Wählerfeld gleicht
60 und mehr 100,0 35,0 42,3 4,1 7,9 8,6 2,2 0,7 0,3
Insgesamt 100,0 35,0 34,3 8,1 9,2 9,5 3,9 1,7 0,5 das nur teilweise aus. Die Linkspar-
tei hat ihre großen Zuwächse offen-
Männer sichtlich vor allem bei der Alters-
18 - 25 100,0 36,9 26,4 8,7 9,2 10,7 8,2 5,5 1,1
25 - 35 100,0 32,0 29,7 9,7 9,3 12,7 6,5 4,0 1,0 gruppe der 45- bis 60-jährigen Män-
35 - 45 100,0 33,1 31,6 10,0 9,9 10,3 5,0 2,5 0,9 ner geholt. Dort ist die tatsächliche
45 - 60 100,0 34,1 32,5 7,6 12,5 9,5 3,9 2,0 0,6 und gefühlte Bedrohung durch Ar-
60 und mehr 100,0 33,6 41,6 3,5 9,3 9,5 2,4 1,0 0,4
Zusammen 100,0 33,7 34,0 7,3 10,3 10,2 4,4 2,4 0,7 beitslosigkeit und sozialen Abstieg
am größten. Für die Weiterentwick-
Frauen lung als moderne sozialistische Par-
18 - 25 100,0 40,6 25,9 10,6 8,7 9,1 5,1 2,5 0,5
25 - 35 100,0 34,6 30,0 10,8 8,2 11,5 4,9 1,5 0,6 tei wäre allerdings ein höherer Anteil
35 - 45 100,0 35,8 29,7 12,9 8,5 8,8 4,2 1,2 0,4 bei den jungen Wählern zu wün-
45 - 60 100,0 36,2 32,1 9,7 9,5 9,2 3,3 0,9 0,4 schen.
60 und mehr 100,0 36,0 42,9 4,5 6,7 7,9 1,9 0,5 0,2
Zusammen 100,0 36,2 34,5 8,8 8,1 8,9 3,4 1,0 0,4 Beunruhigend sind die über 5
Prozent bei jungen Männern für die
NPD. alk ■

Frankfurt. Fast 800 Menschen


haben am Samstag, den 22.10.
gegen die Treffen von NeoNazis
Fast 800 bei Antifa-Demo
in Alt-Sachsenhausen und den
Umgang der Behörden damit demons- gen der „Störung der öffentlichen Ord- dann auch 6 NeoNazis. Diese nahmen je-
triert. Die Demonstration, die unter dem nung“ auf ein paar Punker auf der Kon- doch die Beine in die Hand, als Teilneh-
Motto „Den rechten Konsens durchbre- summeile Zeil loszugehen, müsse die Be- mer der Demonstration ihnen ihr Missfal-
chen – Nazis bekämpfen!“ stand, richtet drohung von Linken, Migranten, Juden, len deutlich machen wollten.
sich gegen das „Verschweigen und Ver- Obdachlosen, Homosexuellen, usw. Mertens wertete die Demonstration als
drängen“ der zunehmenden rechtsextre- durch Rechtsextreme thematisiert wer- großen Erfolg. „Mit autonomem Antifa-
men Aktivitäten im Kneipenviertel. Darü- den. schismus muss in dieser Stadt gerechnet
ber hinaus wurde kritisiert, dass z.B. mit Die Polizei war mit einem Großaufge- werden. Wir laden alle fortschrittlichen
der Vorstellung von der Nation als bot vor Ort und hatte die kleine Paradies- Kräfte ein, mit uns zusammmen gegen
„Schicksalsgemeinschaft“ und der Hetze gasse in Alt-Sachsenhausen großflächig die Nazis aktiv zu werden.“
gegen die Schwächsten der Gesellschaft mit Gittern abgespert. Vor den Kneipen Nicht zuletzt zeige die Demo auch,
(„Sozialschmarotzer“) inhaltliche Über- „Downtown“ und „The Rock Times“, in dass die Vernetzung und Organisierung
einstimmungen zwischen rechtem Rand denen sehr häufig einschlägig bekannte antifaschistischer Gruppen positive Ef-
und der Mitte der Gesellschaft bestehen Rechtsextreme „feiern“, kam es zu Ran- fekte zeige.
würden. Dies reduziere letztlich die Aus- geleien mit der Polizei. Dabei flogen Die nächste antifaschistische Demons-
einandersetzung mit rechtem Gedanken- auch einige Feuerwehrkskörper auf die tration „Gegen dich und deine Freunde...
gut fatalerweise auf ein ordnungs- und Einsatzkräfte. An die Adresse der betrof- Den rechten Konsens durchbrechen - Na-
marketing-technisches Problem. fenen Wirte erklärte die antifaschistische zis bekämpfen!“ beginnt am kommenden
Ein Sprecher der antifa [f], Lars Mer- Gruppe: „Nazis sind geschäftsschädi- Samstag um 19 Uhr am Südbahnhof in
tens, erklärte: „Frankfurt hat weniger ein gend. Wenn sich an den Zuständen in Alt- Frankfurt und führt nach Aschaffenburg.
Nazi- als ein Demokratieproblem. Es Sachsenhausen nichts ändert, werden wir Sie findet im Rahmen der Kampagne des
kann nicht angehen, dass die Polizei ent- wieder kommen und unseren Teil dazu Bündnisses antifaschistischer Gruppen
scheidet, was in dieser Stadt Thema ist. beitragen.“ Es sei jedoch nie zu spät, sein Hessen (BASH) gegen Nazistrukturen
Wenn Nazis regelmäßig MigrantInnen Verhalten zu ändern. und das Vorgehen der hessischen Polizei
und Linke angreifen, muss diese Stadt Im Vorfeld hatten NeoNazis in Sach- statt.
sich dazu verhalten. Es geht nicht um das senhausen Flyer verteilt, auf denen dazu Weitere Informationen gibt es unter
Ansehen des Standorts, sondern um das aufgerufen wurde, die Demo zu stören. www.autonome-antifa.com
Wohlergehen der Menschen.“ Statt we- Am Ende der Demonstration zeigten sich Pressemitteilung antifa [f], 23.10.05 ■

: antifaschistische nachrichten 22-2005 5


Antimilitaristisches Bündnis 25 Jahre nach dem Bombenanschlag auf das Oktoberfest:
ruft zu Protesten gegen
Gelöbnis in Bordenau auf Ermittlungen wieder aufnehmen
In der Region Hannover hat sich ein An-
timilitaristisches Aktionsbündnis gebil-
– Das Denkmal würdig gestalten
det, das zu Protesten gegen das Bundes- München. Die Fraktion Bündnis Langjährige Ermittlungen des Journa-
wehr Gelöbnis in Bordenau am 12.11. 90/Die Grünen – rosa liste, Initia- listen Ulrich Chaussy („Oktoberfest Ein
aufruft. Auch das Friedensbüro Hanno- tive: Siegfried Benker im Rat der Attenta1, veröffentlicht 1985) zeigen die
ver, die VVN-BDA, der Attac Arbeits- Stadt München hat einen Antrag einge- Einzeltätertheorie als Konstrukt der Bun-
kreis Weltwirtschaft und Krieg und der brach, in dem der Stadtrat der Landes- desanwaltschaft und der Bayerischen Er-
Arbeitskreis Regionalgeschichte beteili- hauptstadt München aufgefordert wird, mittler. Anlässlich des 25. Jahrestages
gen sich an dem Bündnis. Zusammen ru- sich in einer Resolution für die Wieder- des Oktoberfestanschlages wurde noch-
fen sie für den 9.11. um 16 Uhr zu einer aufnahme der Ermittlungen zum Bom- mals eindringlich von vielen Seiten die
Lesung am Scharnhorstdenkmal und für benanschlag vom 26.9.1980 auszuspre- Wiederaufnahme der Ermittlungen ein-
den 12.11. chen. Das Denkmal an der Theresienwie- gefordert. Die Landeshauptstadt Mün-
um 10 Uhr se zur Erinnerung an die Opfer des Bom- chen sollte sich dieser Forderung an-
zu einer benanschlages vom 26.9.1980 solle wür- schließen, um deutlich zu machen, dass
Protest- devoller gestaltet werden. Dies bedeute sie die Aufklärung dieses Verbrechens
kundge- auch, dass die Namen der damals Ermor- auch nach 25 Jahren für notwendig hält –
bung am deten in geeigneter Form angebracht und dass sie aufgrund der Verbindungen
Dorfteich in werden. des Attentäters in rechtsextremistische
Bordenau Begründung: Kreise die Einzeltätertheorie bis heute
auf. In ei- Der Bombenanschlag auf das Okto- nicht akzeptiert.
ner gemein- berfest vom 26. September 1980 war der Die Resolution soll im Ältestenrat vor-
samen Er- folgenschwerste Bombenanschlag in der beraten und in der Vollversammlung des
klärung Geschichte der Bundesrepublik Deutsch- Stadtrates beschlossen werden. Ebenfalls
stellt das land. Dreizehn Menschen wurden getötet im Rahmen der Gedenkveranstaltungen
Bündnis und über 200 verletzt, als der Neonazi zum 25. Jahrestag wurde von den Ver-
fest: Gundolf Köhler um 22.19 Uhr dieses Ta- wandten der am 26.9.1980 getöteten Op-
„Mit ei- ges am Haupteingang des Oktoberfestes fer eingefordert, dass ihrer Angehörigen
ner zentralen Abschlussveranstaltung in eine Bombe zur Detonation brachte. auch dadurch gedacht werden soll, dass
Bordenau bei Hannover, dem Geburtsort Schon zu Beginn der Ermittlungen die Namen der Getöteten in angemesse-
des preußischen Heeresreformers Ger- gingen die Behörden davon aus, dass ner Weise am Mahnmal angebracht wer-
hard Johann David von Scharnhorst, Gundolf Köhler als Einzeltäter gehandelt den. Auch dies sollte von der Stadt in ge-
wollen Bundesregierung und Bundes- hatte. Trotz anders lautender Aussagen eigneter Form umgesetzt werden. ■
wehrführung am 12. November 2005 ihr von Zeugen, die
Jubiläumsjahr unter dem Motto „Ent- Gundolf Köhler in
schieden für Frieden – 50 Jahre Bundes- Begleitung von
wehr“ abschließen. Aber der Bundes- zwei anderen Män-
wehr geht es nicht um Frieden. Es geht nern gesehen hat-
um die militärische Absicherung ökono- ten, stellte Ge-
mischer Herrschaftsansprüche. Aus die- neralbundesanwalt
sem Grund befindet sich die Bundeswehr Rebmann das Ver-
seit Jahren in einem Transformationspro- fahren am 23. De-
zess zu einer weltweit agierenden Inter- zember 1982 ein.
ventionsarmee. Der Region Hannover Ermittlungen in
kommt in diesem Transformationspro- der Neonazi-Sze-
zess eine besondere Bedeutung zu. Han- ne, insbesondere in
nover ist Sitz der ersten Panzerdivision, die rechtsextremis-
die zu der Eingreifdivision des deutschen tische Wehrsport-
Heeres werden soll. In Wunstorf sitzt ei- gruppe Hoffmann
nes von zukünftig zwei Lufttransportge- hinein, hatten laut
schwadern, die deutsches Militär welt- Schlussbericht des
weit zu den Einsätzen bringen soll. Pro- Generalbundesan-
test und Widerstand sind notwendig.“ waltes keine Hin-
„Dabei ist es zwar nicht verwunder- weise auf weitere
lich, aber dennoch besonders empö- Täter erbracht. Die
rend“, so der Sprecher des Bündnisses gesamte Vorberei-
Gerhard Weber, „dass die Bundeswehr tung und Ausfüh-
zum dritten Mal in einhundert Jahren den rung des Anschla-
Scharnhorstkult für ihre Mobilmachung ges war demnach
benutzt. Auch im Vorfeld des ersten und die Tat eines 21-
zweiten Weltkrieges fanden in der Regi- Jährigen Einzel-
on große Scharnhorstfeierlichkeiten gängers, der die
statt.“ Bombe im Keller
ANTIMILITARISTISCHES BÜNDNIS seines Elternhauses
REGION HANNOVER, gebastelt haben
weitere Informationen und Nachfragen soll.
unter Tel. 0511-1614806 ■

6 : antifaschistische nachrichten 22-2005


In vielen Städten der BRD fin-
den am 9. November Kundge-
bungen, Demonstrationen und
Erinnerung an den
Veranstaltungen zum Gedenken an
die Reichspogromnacht statt. In
Mannheim steht die Aktion in diesem
9. November 1938
Jahr im Zeichen der Forderung an die Abend des 10. November 1938 mit einem Güterwagons der Reichsbahn nach
Deutsche Bahn AG, die Ausstellung Sonderzug aus dem Hauptbahnhof Auschwitz in die Gasöfen gebracht. Der
über die Deportation von 11.000 Kin- Mannheim ins Konzentrationslager Mannheimer Hauptbahnhof war immer
dern in Mannheim und in den ande- Dachau deportiert. Einige von ihnen wur- eine Durchgangsstation mit halbstündi-
ren historischen Durchgangsbahnhö- den bereits im Rahmen dieser Aktion er- gem Aufenthalt.
fen zu zeigen. Mittwoch 9. November mordet, die anderen wurden, bis zu ihrer Auch die ursprünglich aus Mannheim
2005 ab16.30 Uhr, Informationsstand endgültigen Deportation im Oktober verschleppten vier Kinder wurden auf
und Kundgebung, Willy-Brandt-Platz 1940, vorläufig entlassen. Sie mussten Veranlassung von Klaus Barbie, dem
vor dem Hauptbahnhof Mannheim Im versprechen, das Deutsche Reich
Aufruf des Arbeitskreis Justiz Mann- so schnell als möglich zu verlas-
Sami Adelsheimer, er lebte seit 1938 in
heim heißt es dazu: sen. Am 22./23. Oktober 1940
den S- und G-Quadraten. Er wurde nur 6
schließlich wurden die meisten
Jahre alt.
Wir rufen auf zum Gedenken anlässlich der noch in Mannheim lebenden
des Jahrestages der Pogromnacht vom 9. Jüdinnen und Juden, zusammen Fritz Löbmann, er lebte seit 1929 in den D-
auf den 10. November 1938. Wir wollen mit anderen aus Baden und der und L-Quadraten sowie in der Richard-
erinnern an das, was geschehen ist und Pfalz, nach Südfrankreich ver- Wagner-Straße. Er wurde nur 14 Jahre alt.
müssen, – wie in jedem Jahr das Verges- schleppt. Es handelte sich um fast
sen und Relativieren in der Bundesrepu- 2.000 Menschen aus Mannheim. Otto Wertheimer, er lebte seit 1932 in der
blik kritisieren. Mit insgesamt 9 Zügen der Richard-Wagner-Straße. Er wurde nur 12
Wir rufen auf zu einer Kundgebung auf Reichsbahn wurden sie ins Lager Jahre alt.
dem Bahnhofsvorplatz in Mannheim, Gurs deportiert.
weil wir auf die Rolle der Reichsbahn bei Viele dieser Deportierten star- Max Leiner, er lebte seit 1936 in den D-
der Deportation und Ermordung der Ju- ben im Internierungslager an di- Quadraten sowie in der heutigen Koperni-
den hinweisen wollen. In der Nacht vom versen Krankheiten und Erschöp- kus-Straße. Er wurde nur 7 Jahre alt.
9. auf den 10. November 1938 erreichte fung. Nur wenige, insbesondere
die Verfolgung der Juden im Deutschen Kinder, konnten über humanitäre
Reich einen vorläufigen Höhepunkt. Vor Organisationen vorübergehend aus den Chef der Gestapo („dem Schlächter“)
67 Jahren richtete sich organisierter Ter- Lagern geholt werden. Darunter fanden von Lyon, mit anderen Kindern und de-
ror von SA und SS, angeordnet von sich auch vier jüdische Kinder aus unse- ren BetreuerInnen aus dem Kinderheim
Goebbels und Heydrich gegen Juden und rer Region, die schließlich versteckt im von Izieu über Drancy und ihre Heimat-
ihren Besitz. Anlass war das Attentat des Kinderheim von Izieu bei Lyon fast ge- stadt Mannheim nach Auschwitz in den
17-jährigen jüdischen Flüchtlings na- rettet worden wären. Es handelt sich um Tod transportiert. Sie gehören zu den elf-
mens Herschel Grynszpan auf den dritten Sami Adelsheimer, Fritz Löbmann, Otto tausend Kindern, die über diesen Weg in
Sekretär der deutschen Botschaft in Paris, Wertheimer und Max Leiner. den Tod geschickt wurden.
Ernst vom Rath, der dabei ums Leben Insgesamt über 11.000 Kinder, die den Die Organisation „Fils et Filles des De-
kam. Herschel Grynszpans Tat war eine Torturen in den Lagern zunächst entkom- portés Juifs de France“ /FFDJF (Söhne
Reaktion auf die Ausweisung von 17.000 men waren, wurden schließlich in den und Töchter der jüdischen Deportierten
jüdischen Männern ohne deutsche Staats- Jahren 1943 und 1944 über eine Sammel- Frankreichs) und Unterstützungsgruppen
angehörigkeit nach Polen, die am 27. Ok- stelle in Drancy, nördlich von Paris, mit in der BRD fordern seit dem letzten Jahr
tober 1938 begann und wovon auch des- die Bundesbahn auf, eine
sen in Hannover lebende Eltern betroffen bereits in französischen
waren. Auch aus Mannheim wurden an Bahnhöfen gezeigte Aus-
diesem Oktobertag 75 jüdische Männer stellung über die Depor-
mit polnischen Pässen verhaftet, im tation dieser 11 000 Kin-
Mannheimer Hauptbahnhof in bereitste- der zu übernehmen und
hende Züge verfrachtet, über die polni- in den Bahnhöfen entlang
sche Grenze abgeschoben und dort aus- der Transportstrecke
gesetzt. Die Nazis brannten am 9. und 10. durchzuführen.
November 191 Synagogen unter Aufsicht Trotz vieler Aufforde-
von Polizei und Feuerwehr nieder. An rungen und Protestaktio-
diesen zwei Tagen wurden ca. 100 Morde nen lehnt Bahnchef Meh-
an Juden begangen und 20.000 verhaftet dorn jedes Gesprächser-
oder in Konzentrationslager verschleppt. suchen der Initiatoren ab.
Unzählige Wohnungen und Geschäfte Mit unserer Aktion vor
(7500 nach Angaben Heydrichs) wurden dem Mannheimer Haupt-
im gesamten deutschen Reich gestürmt Bild: Die Bahnhofsausstellungen wurden bahnhof wollen wir die Forderung an
und zerstört. Nachdem die Nazis am von mehreren französischen Stadtver- die Bahn nach der Durchführung die-
Morgen des 10. November 1938 in waltungen zum Anlass genommen, die ser Ausstellung – auch im Mannhei-
Mannheim beide Synagogen und die Ka- Lokalgeschichte der Deportationen zu mer Hauptbahnhof – unterstützen.
pelle des jüdischen Friedhofs gesprengt untersuchen und der Kinder durch Na- Wir fordern insbesondere Herrn
hatten, wurden alle jüdischen Männer mensplaketten in den Bahnhöfen zu ge- Mehdorn auf, seine starre Haltung zu
zwischen 16 und 60 Jahren, derer man in denken. Das Foto zeigt den Bürgermei- ändern.
Mannheim habhaft werden konnte, ver- ster von Bordeaux bei der Ausstellungs- Arbeitskreis Justiz in Mannheim
haftet. Sie wurden zu Hunderten am eröffnung im Januar 2004. www.akjustiz-mannheim.de ■

: antifaschistische nachrichten 22-2005 7


„Kein Friede mit Tschechien.
Die Sudetendeutschen und
ihre Landsmannschaft“ heißt
„Die Sudetendeutschen und
ein neues Buch von Erich Später, und
ebenso lautete auch der Titel einer
ihre Landsmannschaft“
Veranstaltungsreihe in mehreren Lesung mit Erich Später an der Geschwister-Scholl-Universität
bayerischen Orten – Regensburg,
Freising, Geretsried, München –, bei als in anderen Regionen. Eine Legende Ländern, den Folgen dieser Pläne (mit de-
der der Autor sein Buch vorstellte. sei die immer wieder zu hörende Behaup- ren Umsetzung in der Tschechoslowakei
tung, dass die Mitglieder der Sudeten- begonnen wurde, deren Verwirklichung
In München lud der AStA der Geschwis- deutschen Partei (SdP) automatisch und aber erst nach dem „Endsieg“ wirklich
ter-Scholl-Universität (offiziell leider im- ohne gefragt worden zu sein in die vorangetrieben werden sollte) und dem
mer noch Ludwig-Maximilians-Universi- NSDAP übernommen worden seien. Wachsen der Überzeugung, dass man mit
tät), unterstützt vom Kurt-Eisner-Verein „Man musste sich selbst bewerben. Und den Deutschen nicht mehr zusammenle-
für politische Bildung in Bayern, am 20. die Aufnahme in die Hitler-Partei wurde ben kann.
Oktober zu der Lesung ein. Hans-Peter als Auszeichnung betrachtet.“ Während Im zweiten Teil seiner Lesung behan-
Reischl, Antifa-Referent des AStA, be- die bisherigen Mitglieder der SdP in die delte Später dann die Geschichte der Re-
grüßte die rund 40 Zuhörer. Er begründete NSDAP drängten, flohen Antifaschisten, organisation der sudetendeutschen Volks-
die Durchführung der Veranstaltung da- Juden und wer sonst von den Nazis nur tumskämpfer ab 1945 in der Sudetendeut-
mit, dass der AStA es seit langem zu sei- Schlimmes zu erwarten hatte in die noch schen Landsmannschaft und deren „natio-
nen Aufgaben zählt, durch Aufklärung nicht besetzten Gebiete. naler Gesinnungsgemeinschaft“, dem
über die Geschichte der deutsch-tsche- Im Frühjahr 1938 habe es, so Später, in „Witikobund“.
chischen Beziehungen und über die un- den Grenzgebieten 28.000 Einwohner jü- Interessan-
heilvollen Traditionen der Sudetendeut- dischen Glaubens gegeben, im Oktober tes berichtete
schen Landsmannschaft Geschichtsrevi- 1938 gerade noch 2400. Das Vermögen er über die Si-
sionismus und Revanchismus entgegen zu der Geflohenen sei unmittelbar anschlie- tuation der
treten. ßend unter Beteiligung reichsdeutscher Umgesiedel-
Erich Später folgte bei seiner Lesung Institutionen wie z.B. Deutsche Bank ten in Bayern.
dem Aufbau seines Buches, das sich im oder Commerzbank ebenso wie „sudeten- Während die
ersten Teil mit der Geschichte der deutscher“ Nachbarn „arisiert“ worden. Schirmherren
deutsch-tschechischen Beziehungen wäh- Informationen, die die in Kreisen der SL in der bayeri-
rend der 1. Tschechoslowakischen Repu- gängige Behauptung, der „Anschluss“ des schen Staats-
blik (1918–1938) und der deutschen Be- „Sudetenlandes“ sei nicht mit einer Ver- kanzlei heute
satzung (1938/39–1945) und im zweiten treibung von Teilen der Bevölkerung ver- nicht müde
Teil mit der Geschichte der Sudetendeut- bunden gewesen, Lügen strafen – insbe- werden, den
schen Landsmannschaft, insbesondere in sondere, wenn man weiß, dass diejenigen, großartigen
ihrer Konstituierungsphase bis 1954, und die nicht rechtzeitig flohen, zum größten Beitrag der
den Nachkriegskarrieren sudetendeut- Teil in deutschen Konzentrations- und „Vertriebe-
scher Volkstumskämpfer befasst. Ausge- Vernichtungslagern ermordet wurden. nen“ zum
hend vom Jahr 1938, dem Jahr des An- Vom Jahr 1938 machte Später einen Wiederaufbau
schlusses Österreichs, des völkischen Sprung in das Jahr 1942. Der 27. Mai nach dem
Deutschen Turn- und Sportfestes in Bres- 1942 sei für ihn „eins der wichtigsten Da- Krieg und zur Erich Später:
lau, des Münchner Diktats und der Beset- ten der deutsch-tschechischen Beziehun- Modernisie- Kein Frieden mit Tsche-
zung eines Drittels des tschechoslowaki- gen im 20. Jahrhundert“. An diesem Tage rung Bayerns chien. Die Sudeten-
schen Territoriums durch deutsche Trup- wurde Reinhard Heydrich, Chef der Ge- zu preisen, deutschen und ihre
pen, charakterisierte er die 1. Tschecho- stapo und des NS-Sicherheitsdienstes, Or- erinnerte Landsmannschaft,
slowakische Republik als demokratische ganisator des Holocaust und Reichspro- Später daran, konkret texte 38,
Republik und Zuflucht für Tausende deut- tektor im „Protektorat Böhmen und Mäh- dass die Um- Hamburg 2005,
scher Emigranten. ren“, durch ein Attentat tschechischer Wi- siedler in 168 Seiten.
Die solidarische Unterstützung der derstandskämpfer schwer verwundet. Die Bayern zu-
Flüchtlinge aus dem Deutschen Reich Wunden infizierten sich, Heydrich starb nächst nicht
durch die tschechoslowakischen Antifa- am 4. Juni 1942. Die Antwort der Nazis gerade mit
schisten aus dem bürgerlich-demokrati- bestand in einer Orgie aus Gewalt und offenen Armen aufgenommen wurden.
schen und dem linken Lager und ihren ge- Terror, mit der sie das besetzte Land über- Besonders die Gewerbetreibenden und
meinsamen Kampf benannte Später als zogen. Die Orte Lidice und Lezáky wur- die Landbesitzer, die vom Krieg am we-
den positiven Höhepunkt der Beziehun- den dem Erdboden gleich gemacht. Ihre nigsten betroffen gewesen seien, hätten
gen zwischen den Menschen beider Län- Namen symbolisieren bis heute die sog. wenig für die „Zugereisten“ übrig gehabt.
der. „Man hätte allen Grund gehabt, diese „Heydrichiade“, den „absoluten Tief- So habe z.B. der bayerische Bauernver-
Republik zu verteidigen.“ Dies sei jedoch punkt der deutsch-tschechischen Bezie- band eine Landreform zugunsten der Um-
noch von keiner bundesdeutschen Nach- hungen“. Als „Aktion Reinhard“ bezeich- siedler verweigert und die Gewerbefrei-
kriegsregierung anerkannt worden. neten die Nazis selbst die Ausrottungsak- heit für alle habe von den Alliierten erst
Das Jahr 1938 nahm Später auch als tion, der in den Jahren 1942/43 zwei Mil- erzwungen werden müssen.
Stichjahr, um einige konkrete Zahlen zu lionen jüdische Menschen in Polen zum Die Ansiedlung sudetendeutscher Um-
nennen. So sei die Zahl der Mitglieder na- Opfer fielen. siedler in geschlossenen Ortschaften wie
tionalsozialistischer Organisationen, um- In den Kapiteln seines Buches, aus de- z.B. Waldkraiburg, Geretsried oder Neug-
gerechnet auf die Bevölkerungszahl, in nen er vorlas, beschreibt Später sehr klar ablonz sei dagegen, so berichtete Später,
den tschechoslowakischen Grenzgebie- den – von der SL ausdrücklich geleugne- auf eine Forderung von Walter Becher zu-
ten, die nach dem Münchner Diktat be- ten – Zusammenhang zwischen den Aus- rückzuführen. Der (kürzlich verstorbene
setzt und als „Sudetengau“ dem Reich rottungs-, Vernichtungs- und „Umvol- und in der sudetendeutschen Presse mit
eingegliedert wurden, weit höher gewesen kungs“plänen der Nazis in den besetzten glorifizierenden Nachrufen bedachte)

8 : antifaschistische nachrichten 22-2005


ehemalige Redakteur des NS-Organs Frankreich:
„Die Zeit“ im „Sudetengau“ und nachma-
lige langjährige SL-Sprecher habe 1950
zusammen mit anderen sudetendeutschen
Umgruppierung(en) im Rechts-
ehemaligen NSDAP-Mitgliedern den Wi-
tikobund gegründet, der bis heute in der
außenlager Teil 1

SL eine große Rolle spielt. Es bröckelt beim Front National, rin eine Leichtsinnigkeit des auf die extre-
Gab es damals oder irgendwann danach denn „der Chef“ Jean-Marie Le me Rechte spezialisierten Journalisten der
eine Auseinandersetzung über die eigene Pen rückt auch weiterhin inner- Tageszeitung, Olivier Pognon, oder aber
Rolle in der Geschichte, eine Selbstbefra- parteilichen Kritikern und Widersachern ein Augenzwinkern in Richtung des FN
gung, ein Bedauern über den eigenen Bei- heftig zu Leibe. Die Keule des „Chefs“ liegt. Jedenfalls scheint „Le Figaro“ (ob-
trag zu den schrecklichen Geschehnissen, traf in den vergangenen zwei Wochen er- wohl die Zeitung und ihre Wochenendbei-
die schließlich zur „Vertreibung“ führten? neut hochrangige und prominente Partei- lage „Figaro Magazine“ in den letzten 3
Später beantwortet diese Frage mit einem mitglieder, teils aus der „alten Garde“, die bis 4 Jahren auf die offen rassistischen
eindeutigen: „Nein, nichts davon.“ Statt- bereits seit den 70er Jahren – also der Exzesse, die in ihren Spalten mitunter zu
dessen immer nur die Selbstdarstellung Phase des mühsamen Aufbaus, während finden waren, größtenteils verzichtet hat)
als Opfer. Und Forderungen: nach Rück- derer der FN nur eine Splitterpartei dar- in jüngerer Zeit, diskret, um eine Reinte-
kehr der Volksgruppe (das Niederlas- stellte – mit dabei waren. Gleichzeitig hat gration des FN in die „Gesamtrechte“ be-
sungsrecht als normale Staatsbürger der Le Pen Anfang Oktober in gewissem Sin- müht zu sein. Noch bei der Feier zum
Tschechischen Republik reicht ihnen ne anerkannt, dass es seiner Partei an er- zehnjährigen Bestehen der Wochenend-
nicht!); nach Entschädigung in mehrstelli- fahrenen Kadern und Aktivisten zu man- beilage „Figaro Magazine“ 1988 hatte der
ger Milliardenhöhe; nach direkten Ver- geln beginnt: In seiner Abschlussrede zum damalige, inzwischen verstorbene, He-
handlungen zwischen der tschechischen so genannten „Volksfest“ der Partei, der rausgeber Robert Hersant darauf bestan-
Regierung und der SL-Führung, die sich „Fête BBR (Bleu-Blanc-Rouge)“ (nach den, dass Vertreter des FN ausdrücklich
als Exilregierung der „sudetendeutschen den Farben der Nationalfahne „Blau- unerwünscht seien. Dagegen konnten sich
Volksgruppe“ versteht und von der Bun- Weiß-Rot-Fest“ getauft), rief der Vorsit- Jean-Marie Le Pen und die „Nummer
desregierung geschlossene Verträge nicht zende des FN die ehemals von ihm nur als Zwei“ der rechtsextremen Partei, Bruno
anerkennt. „Verräter“ und „Meuterer“ titulierten An- Gollnisch, am 3. Oktober 2005 bei der
Auf den Titel seines Buches zurück- hänger von Bruno Mégret dazu auf, ihn Feier des „Figaro“ zur jüngst erfolgten
kommend, schloss Später mit der Feststel- im kommenden Wahlkampf für die Präsi- Blattreform – die Zeitung erscheint seit
lung, dass Friede zwischen Tschechen dentschaftswahlen 2007 aktiv zu unter- einigen Wochen in völlig neuem Layout –
und Deutschen auf der Ebene der norma- stützen. tummeln. (Quelle: „Le Canard enchaîné“
len Bevölkerung sehr wohl möglich sei Le Pens Abschlussrede beim „BBR-Fest“ vom 12. Oktober) Seit knapp zwei Jahren
und auch längst praktiziert werde. Die steht „Le Figaro“ jetzt im Eigentum des
große Mehrheit der ehemaligen Bewoh- Am 8. und 9. Oktober hatte, erstmals seit Rüstungsindustriellen Serge Dassault,
ner der tschechischen Grenzgebiete teile vier Jahren, wieder die „Fête BBR“ im dessen Sohn Olivier Dassault sich um die
nämlich die Forderungen der SL nicht. Pariser Raum stattgefunden. Noch in den Geschicke des Blattes kümmert; Serge
Durch die Aufrechterhaltung dieser For- 1990er Jahren hatte diese, damals regel- Dassault war 1995 mit indirekter Unter-
derungen durch die Landsmannschaft und mäßig von einigen tausend Menschen be- stützung durch den FN, ohne rechtsextre-
durch die Tatsache, dass dieser Verein suchte, Großveranstaltung alljährlich Mit- men Gegenkandidaten, zum Bürgermeis-
massive staatliche Unterstützung genießt, te September auf einem Rummelplatzge- ter der Trabantenstadt Corbeil-Essonnes
werde der Friede aber immer wieder in lände im südöstlich an Paris angrenzen- gewählt worden.
Frage gestellt. den Stadtwald Bois de Vincennes stattfin- Ohne auf alle Einzelheiten der Ab-
Die Veranstaltung schloss mit einer in- den können. Doch seitdem im März 2001 schlussrede Le Pens beim „BBR-Fest“
tensiven Diskussion, in der es u.a. um das eine neue „rot-grüne“ Stadtregierung Pa- (die erstmals, jedenfalls in längeren Aus-
absurde Selbstverständnis der SL-Füh- ris regiert, wurde dieses Gelände dem FN zügen, durch einen Fernsehkanal übertra-
rung als völkerrechtliches Subjekt, um die stets verweigert, da es leiderleider im Sep- gen wurde: den Kabelsender LCI) einzu-
Rolle des Sudetendeutschen Kontaktbü- tember immer von einem Zirkus belegt ist gehen, so sei doch folgende Passage un-
ros („Botschaft“) in Prag, um den ökono- und damit für den Faschistenrummel lei- terstrichen: Nachdem der FN-Chef die
mischen Einfluss deutscher Konzerne in derleider kein Platz frei blieb. Nunmehr Schaffung von „Präsidentschafts-Akti-
der Tschechischen Republik und um die wurde die „Fête BBR“ nach vierjähriger onskomitees 2007“ ankündigte, fordert er
Frage ging, ob es denn der richtige Unterbrechung wieder aufgenommen, „sieben Jahre nach dem erbärmlichen Mé-
Schluss aus dem Ganzen sei, sich um gute aber nicht auf Pariser Boden, sondern in gret-Abenteuer (Anm.: d.h. der Abspal-
zwischenstaatliche Beziehungen Sorgen einer Ausstellungshalle in der nördlich tung vom Jahreswechsel 1998/99) jene,
zu machen. von Paris gelegenen Trabantenstadt Le die begriffen haben, sich uns anschließen.
Aufschlussreich Späters Antwort auf Bourget. Sie werden aufgenommen werden wie das
die letzte Frage nach der Resonanz auf Daran nahmen in diesem Jahr, laut Wunderkind. Ihre Teilnahme am Wahl-
sein Buch: Während eine tschechische übereinstimmenden Schätzungen der kampf an unserer Seite wird ihnen erlau-
Ausgabe bereits geplant sei, tendiere die meisten Presseorgane, rund 3.000 Perso- ben, nach (!) 2007 wieder volle Mitglie-
Resonanz hier zu Lande „fast gegen nen teil. Die Teilnehmerzahl schien erheb- der des Front National zu werden.“
Null“. lich unter dem Durchschnitt der Jahre Anders ausgedrückt, Le Pen fordert
Ein Blick ins Internet zeigt, dass we- 1995 bis 1998 zu liegen. Dagegen gibt die diejenigen ehemaligen Kader und Partei-
nigstens die ASten etlicher Universitäten FN-eigene Wochenzeitung „National funktionäre, die bei der damaligen Spal-
Erich Später in dem halben Jahr seit Er- Hebdo“ (NH vom 13. Oktober) an, es hät- tung der ehemaligen „Nummer Zwei“
scheinen seines Buches zu Lesungen ein- ten sich 15.000 Personen beteiligt. Als Bruno Mégret folgten, dazu auf, erst ein-
geladen haben. einzig größere Publikation hat übrigens mal die Arbeit zu übernehmen – also die
Renate Hennecke ■ die konservative Tageszeitung „Le Figa- Beteiligung am Wahlkampf –, um aber
ro“ (vom 10. Oktober) die FN-Version erst hinterher (nach dem kommenden
von den angeblichen 15.000 Teilnehmern Wahljahr 2007) wieder aufgenommen zu
übernommen. Es bleibt zu prüfen, ob da- werden. Das taktische Interesse des FN-

: antifaschistische nachrichten 22-2005 9


Chefs daran liegt auf der Hand, hatte sein tern drohte) in die Pose eines „Opfers des seinen wahrscheinlichen Übertritt zur
ehemaliger Chefideologie Mégret doch Systems“ zu werfen. Da die nächsten Formation des rechtsbürgerlichen EU-
seinerzeit über 50 Prozent der aktiven Kommunalwahlen 2008, einige Monate Kritikers und Nationalkatholiken Philippe
Funktionäre und zu eigenständigem Den- nach den Präsidentschaftswahlen, stattfin- de Villiers erklärt.
ken und Handeln fähigen Kader des FN den, dürften viele Bürgermeister sich es Der nationalkonservative Vicomte
mitgenommen. Die meisten der hochran- verdammt gut überlegen, ob sie ihre Unter- (Graf) de Villiers taucht in periodischen
gigen Mitstreiter Bruno Mégrets von da- schrift – die publik ist – für Le Pen abgeben Abständen bei EU-kritischen Kampagnen
mals haben sich mittlerweile aus der akti- oder nicht. Jedoch muss auch bedacht wer- (wie jener vor den Abstimmungen über
ven Politik zurückgezogen und machen den, dass 15 bis 20 % der Bürgermeister in den Maastricht-Vertrag von 1992 und
entweder gar nichts mehr (wie seine ehe- Frankreich (das 36.000 Kommunen besitzt, über das neoliberale EU-Verfassungspro-
malige „Nummer 3“ Serge Martinez) oder darunter viele sehr kleine) ihre Absicht er- jekt 2005) auf. Ab und zu verzeichnet er
widmen sich ausschließlich ihrer Publika- klärt haben, nicht zu ihrer Wiederwahl zu auch mal Erfolge bei Wahlen, seinen bis-
tionstätigkeit im Internet (wie seine frühe- kandidieren; das macht bereits einige tau- her größten Erfolg hatte er bei den Euro-
re „Nummer Zwei“, Jean-Yves Le Gal- send potenzielle „Wahlpaten“ aus, die hin- paparlamentswahlen 1994 (gut 12 %) und
lou). sichtlich ihrer politischen Zukunft danach 1999 (13 % zusammen mit Ex-Innenmi-
Einer fast ganzseitigen Untersuchung nichts mehr zu verlieren haben. nister Charles Pasqua), doch scheiterte er
des „Figaro“, die in der Ausgabe vom Jedenfalls haben die „Nummer Zwei“ relativ kläglich bei den Präsidentschafts-
22./23. Oktober unter dem Titel „Die Mé- und die (damalige) „Nummer drei“ der wahlen von 1995 (rund 4,5 %) und trat bei
gretisten haben es nicht eilig, zu Le Pen Partei, ihr Generalbeauftragter Bruno Goll- der folgenden Präsidentschaftswahl gar
zurückzukehren“ erschien, wurde Le Pens nisch und der bisherige Generalsekretär nicht an. Bei den Europawahlen von 2004
Aufruf an die ehemaligen Parteigänger Carl Lang, in den letzten Monaten bereits erhielt er mit seiner Liste 6,7 %. Aber im
der Mégret-Abspaltung bisher nur in ge- das Angebot dankend abgelehnt, den Präsi- Vorfeld des Referendums über den EU-
ringem Maße befolgt. Der einzige promi- dentschaftswahlkampf zu leiten. Dabei Verfassungsvertrag im Mai 2005 konnte
nente Name eines ehemaligen Mégret- wurde u.a. gemunkelt, sie betrachteten das er sich in relativ hohem Maße als Wort-
Anhängers, der sich erneut dem FN ange- Erreichen der 500 Unterstützungs-Unter- führer des „Nein von Rechts“ profilieren
schlossen hat, ist jener des Lyoner Hoch- schriften dieses Mal als schwierig; dies – und zwar vor allem aufgrund der
schullehrers und Kommunalparlamenta- dürfte aber vielleicht nicht der einzige Schwäche des FN, der im diesjährigen
riers (in der Lyoner Vorstadt Villeurbanne) Grund sein. Die Tochter und Anwärterin Abstimmungskampf nur wenig zu ver-
Pierre Vial. Der studierte Historiker Pierre auf die Nachfolge, Marine Le Pen, schien nehmen war. Seitdem versucht er, seine
Vial, Theoretiker des „Rassenkriegs“, ist hinter den Kulissen ebenfalls eher skep- Kleinpartei „Mouvement pour la France“
einer der prominentesten Rasseideologen tisch über die Aussichten zur kommenden (MPF, Bewegung für Frankreich), die bis-
vom neuheidnischen Flügel der extremen Präsidentschaftswahl zu sein. her nicht über das Stadium einer Keimzel-
Rechten. Dieser Flügel war anlässlich der Nunmehr hat Le Pen, der in seiner BBR- le hinauswuchs, zu einer „richtigen“ poli-
Spaltung überwiegend Bruno Mégret ge- Abschlussrede die Schaffung eines „Präsi- tischen Kraft umzuformen. Bisher fehlt es
folgt. dentschafts-Aktionskomitees 2007“ an- ihm allerdings noch an aktivem Personal,
Vor einem schwierigen Start ins Wahl- kündigte, gleichzeitig den Steuerrechtspro- weshalb Graf de Villiers auch seit Ende
jahr? fessor und FN-Europaparlamentarier Jean- August 2005 erklärt hat, bereitwillig ehe-
Claude Martinez zu seinem „Generalkom- malige FN-Kader aufzunehmen. Das poli-
Seitens von Jean-Marie Le Pen kann dieses missar für die Präsidentschaftsstrategie“ tische Profil der „Villiéristen“ steht dabei
„Angebot“ wohl nur als Beleg und Einge- ernannt. Professor Martinez, der jetzt die- irgendwo auf halbem Wege zwischen ei-
ständnis für einen gewissen Kadermangel sen hochtrabenden Titel trägt, gilt aller- ner bürgerlich-katholischen Rechten und
aufgefasst werden. Tatsächlich droht sich dings in Kreisen eingefleischter Parteika- der extremen Rechten. Im Gegensatz zu
der künftige Wahlkampf schwierig zu ge- der eher als Hanswurst und pseudo-moder- letzterer sind die „Villiéristen“ jedenfalls
stalten, da viele Kader – hinter vorgehalte- nisierungswilliger Kasper. Er ist es, der nicht – verbal – „systemfeindlich“ und
ner Hand, oder sich unter dem Deckmantel dem FN (etwa als Thema der letzten Som- auch in der Regel nicht offen antisemi-
der Anonymität in den Medien zitieren las- meruniversität Ende August) einen Diskurs tisch, allerdings teilen sie einen offen isla-
send – über die nochmalige Kandidatur des über „planetare Probleme wie globale Ar- mophoben Rassismus, der sich haupt-
„Chefs“, der 2007 dann 79 Jahre alt sein mut und globale Ökologie“ zu verordnen sächlich gegen moslemische Einwanderer
wird, die Nase rümpfen. Viele betrachten sucht... wobei die rechtsextreme Partei und gegen einen potenziellen künftigen
die bereits angekündigte Präsidentschafts- dann doch ohnehin nur nationale „Lösun- EU-Beitritt der Türkei richtet.
kandidatur Le Pens (mit der gleichzeitig gen“ (vor allem durch die Wiedererrich- Die linksliberale Pariser Tageszeitung
die Verschiebung jeder Regelung seiner tung nationalstaatlicher Grenzkontrollen) „Libération“ hatte im September bereits
Nachfolgefrage auf die Zeit nach den Wah- anzubieten hat. In jüngster Zeit schwafelt vorschnell verkündet, Bompard (der den
len von 2007 verbunden ist) als „die Kan- Martinez freilich auch ein bisschen (Chi- FN nach seinem Ausschluss aus dem „Po-
didatur zu viel“. Und auch das Sammeln rac- oder Blair-kompatibel wirkend) von litischen Büro“ vom 9. September verlas-
der 500 Unterstützungs-Unterschriften von einer „planetaren Steuer gegen Armut“ da- sen hat) und de Villiers hätten sich getrof-
Mandatsträgern – Bürgermeistern oder Ab- her, vielleicht um staatsmännisch zu wir- fen. Das wurde später jedoch dementiert,
geordneten –, die für eine Präsidentschafts- ken. Beim harten Kern der rechtsextremen freilich im Sinne eines „noch nicht, aber
kandidatur notwendig sind, könnte sich Kader stößt dies jedoch auf offenen Un- die beiden wollen später zusammentref-
schwierig gestalten. Seit den Regionalwah- mut; so beschwerte sich die, jetzt vor dem fen“. Am 20. Oktober erklärte Bompard
len vom März 2004 verfügt der FN jetzt Ausschluss stehende, Altfunktionärin Ma- dann jedoch im Kabelkanal LCI, er denke
über 156 Regionalparlamentarier, die für rie-France Stirbois über Jean-Claude Mar- „ernsthaft daran“, Philippe de Villiers bei
die Kandidatur unterschreiben können, ne- tinez’ Wort von der Einrichtung einer „glo- der kommenden Präsidentschaftswahl ak-
ben einem halben Dutzend Europaparla- balen Sozialhilfe“, was einen Verstoß gegen tiv zu unterstützen und auch dessen Partei
mentariern; die übrigen über 300 Unter- die rechtsextreme Programmatik darstelle. beizutreten. „Er ist tatsächlich der einzige
schriften müssen außerhalb der Partei auf- Abgang hochrangiger Kader Kandidat, den ich unterstützen könnte“,
getrieben werden. Auch wenn Le Pen seine erklärte Bompard wörtlich, „und ich wer-
Probleme dabei möglicherweise übertreibt, Als erster ehemaliger langjähriger FN- de ihn in den kommenden Tagen treffen“.
um sich erneut (wie 2002, als er angeblich Funktionär hat der Bürgermeister des süd- Bernhard Schmid, Paris ■
bei der Suche der Unterschriften zu schei- französischen Orange, Jacques Bompard, (Teil II in AN 23-05)

10 : antifaschistische nachrichten 22-2005


: ausländer- und asylpolitik
Ein Mensch fährt von Halberstadt nach
Aschersleben. Dort will er vielleicht ein-
kaufen, eine Freundin besuchen oder ein-
fach nur spazieren gehen. Nichts beson-
Protest vor spanischem Auf Veranlassung des Bundesinnenmi- deres, nichts außergewöhnliches könnte
Konsulat nisters wurden am 5. September 2005 in mensch glauben, würde es sich hier um
einer groß angelegten Polizeiaktion die einenMenschen handeln, der die Staats-
Frankfurt. Mindestens 150 Menschen Räume der in Neu-Isenburg ansässigen E. bürgerschaft der BRD besitzt. Anders,
demonstrierten am 11. Oktober vor dem Xani Verlags GmbH, der Zeitung „Özgür wenn dieser Mensch ein Flüchtling ist.
spanischen Konsulat in Frankfurt gegen Politika“, der Nachrichtenagentur Mezo- In den vielfältigen Sondergesetzen, mit
die Schüsse auf Flüchtlinge in den spani- potamia Haber Ajansi (MHA) bzw. der denen die Flüchtlinge zu sicherheits- und
schen Enklaven Melilla und Ceuta. Welat-Verlags GmbH durchsucht, aufge- ordnungspolitischen Verwaltungsakten
Ebenso wurden die Abschottungspolitik löst und verboten. Ferner durchsuchte die gemacht wurden, spielt die sogenannte
der Europäischen Union und die Ab- Polizei den Mezopotamien-Verlag in Residenzpflicht eine besondere Rolle.
schiebung der erfolgreich durchgebro- Köln und den MÎR-Musikverlag in Düs- Das Residenzpflichtgesetz ist ein Gesetz,
chenen Flüchtlinge scharf verurteilt. Vor seldorf sowie zahlreiche Wohnungen von das nur für die Flüchtlinge in der BRD
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gilt, die sich noch in ihrem Asylverfahren
aller Institutionen. Hierbei be- befinden. In Europa ist es einmalig. Es
schlagnahmte die Polizei massen- besagt, dass sich die Flüchtlinge nur in
haft Arbeitsmaterialien, Bücher, dem Landkreis, in dem sich ihre zustän-
Kassetten, Zeitschriften und die dige Ausländerbehörde befindet, aufhal-
Vermögen der betroffenen kurdi- ten dürfen. Es gilt seit 1982.
schen Verlage. Laut Verfügung soll- Für Flüchtlinge, deren Asylantrag ab-
ten keine „Ersatzorganisationen“ gelehnt wurde, die jedoch eine Duldung
gebildet oder „bestehende Organi- haben, gelten ebenfalls Aufenthaltsbe-
sationen als Ersatzorganisationen“ schränkungen auf anderen rechtlichen
fortgeführt werden dürfen. Unter- Grundlagen. Allerdings beruhen diese auf
sagt wurde ferner die weitere Ver- den gleichen Grundgedanken: Den be-
wendung von Kennzeichen, „insbe- troffenen Ausländern soll vor Augen ge-
sondere für das Logo der Zeitung stellt werden, dass sie kein richtiges Auf-
„Özgür Politika“. enthaltsrecht in Deutschland haben. Au-
Begründet wurden die Verbots- ßerdem soll „eine ihre spätere Entfernung
dem marokkanischen Konsulat protes- maßnahmen damit, dass diese kurdischen aus dem Bundesgebiet möglicherweise
tierten die DemonstrantInnen gegen die Einrichtungen „nachweislich in die Orga- hindernde soziale Integration vermieden
Verschleppung von Flüchtlingen in die nisationsstruktur der PKK (heute Kongra werden,“ wie es dazu in einer höchstrich-
Wüste, durch die ebenso wie durch die Gel) eingebunden“ gewesen sein sollten; terlichen Entscheidung heißt. Und es geht
Schüsse bereits zahlreiche Flüchtlinge insbesondere sei die Zeitung „Özgür Po- auch um die Abschreckung anderer
getötet wurden. litika“ als „Sprachrohr der PKK“ einzu- Flüchtlinge.
Während der Kundgebung wurde das stufen, weil sie „Nachrichten und Propa- Zum Verlassen des Landkreises bzw.
Hochhaus, in dem das spanische Konsu- ganda“ verbreitet und „die Anhänger- des Ortes, der dem Flüchtling zugewiesen
lat im 23. Stock residiert, mit allerlei schaft mobilisiert“ habe. wurde, muss eine Reiseerlaubnis von der
Transparenten und Stacheldraht verziert. Diese Einschätzung des Bundesinnen- Ausländerbehörde beantragt werden,
Nach der Kundgebung ging es in einer ministers haben die Richter des Bundes- auch wenn es sich nur um 5 Meter han-
Spontandemo weiter zum marokkani- verwaltungsgerichts offenbar nicht geteilt delt. Für die Erteilung der Reiseerlaubnis
schen Konsulat, wo die Abschlusskund- und insbesondere die angeordnete „sofor- gibt es keine nachvollziehbaren Regeln,
gebung stattfand. Hier wurde noch ein- tige Vollziehung“ der Verbotsverfügung deshalb ist den Mitarbeitern und Mitar-
mal besonderes Augenmerk auf das für nicht rechtens erachtet. beiterinnen der sogenannten Ausländer-
Schicksal der in die Wüste Deportierten Der Azadi Rechtshilfefonds begrüßt behörden, die in der Regel im Ordnungs-
gelegt und Augenzeugenberichte verle- diese Entscheidung und fordert amt integriert sind, jede Form von Will-
sen. Insgesamt war es erfreulich, dass • die sofortige Herausgabe sämtlicher kür möglich. Im konkreten Fall geht es
trotz der äußerst kurzfristigen Mobilisie- beschlagnahmter Gegenstände, rechtlich vor allem um die Frage, ob au-
rung doch so viele Leute auf die Straße • die Rückgabe der eingezogenen Ver- ßer dem jüngsten Verstoß gegen die Auf-
gegangen sind. antifa.frankfurt.org mögen, enthaltsbeschränkung, der nicht zu be-
indymedia, 12.10.05 ■ • die sofortige Einstellung der eingelei- streiten ist, dem Menschen auch ein Ver-
teten Ermittlungen, stoß im letzten November zur Last gelegt
Bundesverwaltungsgericht • ein Ende der Kriminalisierungspoli- werden kann. Erst der zweite Verstoß
tik und die Legalisierung der politischen kann als Straftat geahndet werden; sonst
hebt Verbot der Zeitung Betätigung für Kurdinnen und Kurden. ist es nur eine Ordnungswidrigkeit. Im
„Özgür Politika“ auf Azadi, Rechtshilfefonds für Kurdinnen November wurde der Angeklagte aber le-
Leipzig. Das Leipziger Bundesverwal- und Kurden in Deutschland e.V. ■ diglich im Bahnhof Halberstadt beim Be-
tungsgericht (BVerwG) hat am 18. Okto- steigen eines Zuges angetroffen. Als Zeu-
ber 2005 das von Bundesinnenminister Prozess wegen Residenz- gin der Anklage wird, wie kann es anders
Otto Schily am 5. September 2005 erlas- sein, eine Beamtin der Ausländerbehörde
sene Verbot der prokurdischen, in der E. pflichtverstoß auftreten.
Xani Presse- und Verlags GmbH erschie- Halberstadt. Am 7.11. findet in Halber- Wir fordern die sofortige Einstellung
nenen Tageszeitung „Özgür Politika“, stadt ein Prozess gegen einen Flüchtling des Verfahrens! Wir fordern die sofortige
aufgehoben. Grundlage dieser Entschei- statt. Ihm wird vorgeworfen, gegen die Abschaffung der Residenzpflicht! Er-
dung war der von den Anwälten des Ver- sog. Residenzpflicht verstoßen zu haben: scheint zahlreich zum Prozess!
lages eingereichte Eilantrag gegen die Amtsgericht Halberstadt, Wagnerstraße The _voice_berlin
ministerielle Verbotsverfügung. (ca. 5 Minuten vom Bhf) ab 11 Uhr. THE_VOICE_BERLIN@gmx.de ■

: antifaschistische nachrichten 22-2005 11


In diesem Sommer gab es ver-
schiedene Camps zum Thema
No Border / Migration. Die
Noborder camp 05 in
Aktivisten trafen sich in Südeu-
ropa, in Orten, an denen Migration in
die EU stattfindet und verschiedene
Griechenland/Bulgarien
Facetten der Festung Europa deutlich Genossen abzuholen. Die Aktion dauerte der Ausübung der eigenen Kultur und der
werden, so im spanischen Tarifa, in Si- sechs Stunden. Die Camp-Teilnehmer Bildung. Außerdem ist der Lebensstan-
zilien und im bulgarisch-griechischem wollten zu Fuß über die Grenze gehen. dart viel niedriger und die Arbeitslosig-
Grenzgebiet. Das bulgarisch-grie- Dabei kam es zu einem Konflikt, als einer keit viel höher als bei den Griechen. Es
chische Camp fand vom 22. bis 28. Au- der Teilnehmer fotografierte und darauf- gibt bürokratische Hürden bei der Auf-
gust statt. hin die Kamera beschlagnahmt wurde. nahme eines Studiums oder um einen
Nach einigen Diskussionen wurde die Führerschein zu bekommen. Die Kinder
Das camp begann auf der bulgarischen Kamera zurückgegeben. Ein französi- gehen in „Minderheitenschulen“., die
Seite in Klutch, in der Nähe eines ehema- scher Aktivist wurde auf der bulgarischen noch aus der Zeit der Diktatur stammen,
ligen Grenzübergangs nach Griechen- Seite lange festgehalten und von den also völlig veraltet sind. Sie lernen dort
land. Dorthin kamen etwa dreißig Leute Grenzbeamten verhört. wenig über ihre Kultur.
aus Bulgarien, Frankreich, Deutschland Schließlich kamen griechische Beam- Es gibt viele Angehörige der türki-
und Griechenland. In den ersten Tagen te, um die Gruppe über die Grenze zu be- schen Minderheit, die weder richtig tür-
fanden keine Aktionen, sondern haupt- gleiten. Dort warteten schon seit Stunden kisch noch griechisch sprechen. Das ist
sächlich Diskussionen statt, zum Bei- die Griechen, die sich mit Transparenten doppelt tragisch, weil das Können der ei-
spiel zum Thema Rassismus gegen Roma an die Grenze gestellt hatten. Die übli- genen Sprache eine essentielle Vorausset-
und Sinti in Bulgarien. Die AnwohnerIn- chen Einreiseformalitäten mit Nachweis zung ist, um seinen Forderungen als dis-
nen zeigten sich sehr interessiert an dem kriminierte Gruppe Aus-
Camp, und kamen oft vorbei, um an den druck zu verleihen.
Diskussionen teilzunehmen. Es war auch Die türkische Minder-
noch ein Grenzspaziergang zur grie- heit ist auch eher eine
chisch-bulgarischen-mazedonischen geschlossene Gesell-
Grenze geplant, allerdings wurde der von schaft, es gibt wenig
den lokalen Behörden nicht genehmigt, Kontakte zu den Grie-
da sie vorschoben, er müsse früher ange- chen. Die Türkei ver-
meldet werden. sucht, über die türki-
Die Situation an der bulgarisch-grie- schen Zeitungen dort
chischen Grenze ist geprägt vom baldi- der Visa und des Geldes wurden dann eine nationalistische Propaganda zu be-
gen EU-Beitritt (2007) Bulgariens. Die nicht mehr vorgenommen. Es sollten treiben. Die Demonstrationen des nobor-
Grenzen werden langsam geöffnet, aller- noch zwei Vans mit über die Grenze, die der camps waren die ersten, die durch die
dings hauptsächlich für Waren und Kapi- aber stundenlang durchsucht wurden. türkischen Stadtviertel führten. Eins der
tal, weniger für die Menschen. Das be- Nach Protesten und kurzzeitigen Straßen- Ziele des noborder camps war es, Kon-
deutet, das es einfacher geworden ist, blockaden wurden sie auch hinübergelas- takte zu knüpfen und die Menschen zu
Produktionsmittel nach Bulgarien zu ver- sen. Die Aktivisten konnten dann ge- motivieren, für ihre Rechte zu kämpfen,
lagern. Im letzten Jahr gab es eine Reihe schlossen und mit einem lautstarken Ab- vor allem, da es keine politischen Grup-
von Fabrikschließungen in Griechenland, schied weiterfahren. pen gibt, die offensive Forderungen auf-
deren gesamte Maschinerie buchstäblich Das camp wurde in der griechischen stellen. Ein zweites Ziel war es, das The-
über Nacht nach Bulgarien abtranspor- Kleinstadt Xanthi fortgesetzt. Xanthi ma in die Öffentlichkeit zu bringen, da es
tiert wurde, um dort billiger produzieren liegt in Nordostgriechenland, im Dreilän- kaum Diskussionen über Minderheiten-
zu können. Es sind Fabriken, in denen dereck Bulgarien, Griechenland und der rechte gibt.
schon seit Jahren versucht wurde, Nied- Türkei. 30 Prozent der EinwohnerInnen Vertreter der türkischen Minderheit
riglohn und schlechte Arbeitsbedingun- in Xanthi gehören zur türkischen Minder- führten auch Veranstaltungen auf dem
gen durchzusetzen. Die griechischen Ar- heit. camp durch.
beiter hatten sich erfolgreich dagegen Für das noborder camp wurde ein Teil Das zweite Thema des noborder camps
wehren können. Durch die EU-Osterwei- der dortigen polytechnischen Universität befasste sich mit der griechischen Flücht-
terung wurde nun der Arbeitskampf um- besetzt. Die Uni befindet sich in der Nähe lingspolitik. Neben den Demonstrationen
gangen. vom Zentrum. Von den Gebäuden hingen in Xanthi und Komotini gab es noch eine
Andersherum ist es für die Bulgaren Transparente, die auf das camp aufmerk- in Venna. Dort befindet sich eins der grie-
nicht so einfach, die Grenze zu überque- sam machten. Etwa 150 Leute nahmen an chischen Abschiebelager.
ren: zuerst wird ein Visum verlangt, und diesem Teil des noborder camps teil, Viele Flüchtlinge aus der Türkei, dem
meistens auch noch der Nachweis von hauptsächlich Griechen, aber auch Akti- Irak, Iran, Afghanistan und anderen Län-
40-50 Euro pro Tag Aufenthalt in Grie- visten aus Bulgarien, Serbien, Polen, dern passieren die griechisch-türkische
chenland – für den Großteil der Bevölke- Frankreich, Italien, Spanien und Grenze, um dort in die EU einzureisen.
rung ist das unerschwinglich. Für politi- Deutschland. Es gibt allerdings in Griechenland nur
sche Aktivisten wird es noch schwieriger, Vorbereitet wurde das camp von Anar- wenige Flüchtlinge, die einen Asylantrag
speziell im Vorfeld größerer Demonstra- chisten der „Antiautoritären Bewegung“ stellen, da die meisten Flüchtlinge nach
tionen wie z.B. der EU-Gipfel in Tessalo- und der „Migranten und Flüchtlingsgrup- Mitteleuropa wollen. Man kann seit eini-
niki 2003. Dort wurden viele Demons- pe“ Tessaloniki/Athen. ger Zeit in der EU nur in einem einzigen
tranten nicht über die Grenze gelassen, Es gab zwei Demonstrationen in Xan- Land einen Asylantrag stellen. Das wird
obwohl ihre Papiere in Ordnung waren. thi und der nahegelegenen Stadt Komoti- von der EU durch die Erhebung von bio-
Aufgrund dieser Erfahrungen fuhren am ni, wegen den Lebensbedingungen der metrischen Merkmalen und deren Spei-
Donnerstag einige Dutzend Griechen dortigen türkischen Minderheit. Die tür- cherung in europaweiten Zentraldaten-
nach Promahonas, dem Grenzübergang, kische Minderheit ist in Griechenland banken überwacht. Abgesehen davon hat
um ihre bulgarischen und internationalen diskriminiert, speziell in den Bereichen Griechenland auch die niedrigste Asyl-

12 : antifaschistische nachrichten 22-2005


anerkennung in ganz Europa, von 8000 von Schleusern zurückzugreifen. Kürz- querung von der Polizei angetroffen, wer-
Anträgen im letzten Jahr wurden nur 3 (!) lich wurden in Freiburg und Villingen- den sie in einem Abschiebelager bis zu
positiv entschieden.Wie überall in der EU Schwenningen Wohnungen von Leuten drei Monaten inhaftiert. Sie werden dort
legt der griechische Staat in der Flücht- durchsucht, denen vorgeworfen wird, nicht über ihre Rechte aufgeklärt und ha-
lingspolitik einen Schwerpunkt darauf, Kurden über diese Grenze nach Grie- ben keinen Kontakt zur Außenwelt. Solch
möglichst wenige Flüchtlinge ins Land chenland und von dort aus weiter nach ein Lager – nahe der EU-Außengrenze –
zu lassen, bzw. diejenigen, die es schaf- Deutschland geschleust zu haben. in den lokalen Medien als „welcome-cen-
fen ins Land zu kommen, aufzuspüren Eine andere Möglichkeit, in die EU ter“ bezeichnet – ist Venna. Dort fand
und wieder abzuschieben. einzureisen, ist der Weg über das Ägäi- auch eine Demonstration des noborder
In den Grenzgebieten zwischen der sche Meer. Auch dort gibt es immer wie- camps statt. Nach einem Schlagabtausch
Türkei und Griechenland befinden sich der Tote, weil die Boote manchmal sin- mit der Polizei wurde den Demonstranten
viele Minenfelder. Für Flüchtlinge ist die ken, da sie zu alt sind oder von den erlaubt, eine Delegation in das Lager zu
Überquerung dieser Grenze deshalb sehr Schleusern überladen werden. Manch- schicken. Zu diesem Zeitpunkt befanden
gefährlich. Diese Minen wurden im letz- mal werden Boote auch von den Hafen- sich nur wenige Häftlinge dort, doch sol-
ten Jahrhundert während diverser Kriege behörden festgehalten und deren Insas- len während des Irakkrieges bis zu 800
zwischen den beiden Staaten und der sen in Abschiebelager transportiert, wie Häftlinge zur selben Zeit dort festgehal-
Weltkriege gelegt. Es gibt zwar ein Ab- es eins auf der Insel Mytilini gibt. Diese ten worden sein.
kommen über die Räumung der Minen, Situation erinnert an die Nachrichten aus Die Delegation filmte die Räume und
aber dieses existiert nur auf dem Papier, Sizilien oder von der spanischen Küste. schrieb sich die Namen der Häftlinge auf,
da niemand wirkliches Interesse daran Die Methoden sind nicht in jedem EU- um sie einem Rechtsanwalt zukommen
hat. Für die Machthaber der EU erfüllen Land dieselben, aber sie ähneln sich, und zu lassen. Es war zum ersten Mal mög-
die Minenfelder den Zweck, Flüchtlinge sie haben alle dasselbe Ziel: die Aus- lich, dass eine Delegation solch ein Lager
abzuschrecken. Dies ändert natürlich grenzung von Flüchtlingen, auch wenn betreten konnte, um die Isolation der Ge-
nichts an den Fluchtgründen, und so gibt dabei über Leichen gegangen wird. Im fangenen zu durchbrechen. Die Gruppen
es an der Grenze immer wieder Todesfäl- Rat der Innenminister der EU heißt das: vor Ort wollen sich weiterhin um die Ge-
le, von Flüchtlingen, die auf Minen tre- „Harmonisierung der Asylpolitik“. fangenen kümmern, damit sie die Mög-
ten. An dieser Grenze ist auch nicht nur Im gesamten Nordosten Griechenlands lichkeit haben, einen Asylantrag zu stel-
die Grenzpolizei stationiert, sondern in gibt es viele Kontrollen, z.B. auf der Au- len.
Lagos befindet sich auch einer der größ- tobahn nach Tessaloniki werden LKW Am Sonntag Abend ging das noborder
ten Militärstützpunkte Griechenlands. angehalten und kontrolliert, ob sie Mi- camp nach zahlreichen Diskussionen,
Die Militarisierung des Grenzgebietes granten transportieren. Die Polizei kon- Aktionen und kulturellen Veranstaltun-
hat zur Folge, dass der Zugang zur EU trolliert Ausweise in öffentlichen Ver- gen zu Ende.
für immer mehr Flüchtlinge verwehrt ist. kehrsmitteln; Busfahrer melden Men- aus Antifaschistische Zeitung
Oft bleibt diesen Menschen deshalb schen, die nach Migranten aussehen. für Emmendingen, Freiburg, Waldkirch,
nichts anderes übrig, als auf die Hilfe Werden Flüchtlinge bei der Grenzüber- Nr. 8-9/2005 ■

Brand in Abschiebegefängnis Aufruf zum Protest gegen teten Zeitraum – tun, mussten sie sich
von der zuständigen Polizeistation einen
Amsterdam. Bei einem Gefängnisbrand Haftbefehl Reisepass geben lassen. Am Reiseziel
am 27.10. sind am Amsterdamer Flugha- Der Aktivist der Flüchtlingsorganisation selbst hatten sie sich ihre Ankunft mit
fen Schiphol elf Abschiebehäftlinge ums „The Voice Refugee Forum“ und Men- Uhrzeit bestätigen zu lassen. Lückenlos
Leben gekommen, 15 weitere Personen schenrechtler Cornelius Yufani soll jetzt überwacht, sollten die Kolonisierten kei-
wurden verletzt. Nach Aussagen der nach jahrelanger juristischer Auseinan- ne Möglichkeit haben, sich frei zu bewe-
Flüchtlinge hatten die Gefängnisaufseher dersetzung wegen Verletzung der Resi- gen.” Eines der damaligen Kolonien war
die Hilferufe der Gefangenen nicht ernst denzpflicht inhaftiert werden. Am Don- Kamerun, das Herkunftsland von Corne-
genommen und öffneten viel zu spät die nerstag, den 27.10.05 soll er beim Ge- lius Yufanyi.
Zellen, die mit keiner Zentralverriege- richtsvollzieher erscheinen. Cornelius Der niedersächsische Flüchtlingsrat
lung gesichert waren, die es ermöglicht, Yufanyi könnte die Inhaftierung durch unterstützt die Aufrufe von „The Voice“
schnell sämtliche Zellen zu öffnen. Feu- Zahlung der gegen ihn verhängten Geld- und dem „Göttinger Arbeitskreis zur Un-
erwehrleute brauchten 3 Stunden, um die strafe in Höhe von 323,20 Euro abwen- terstützung von Asylsuchenden“ zum
Flammen zu löschen. In dem Abschiebe- den. Dies hat er abgelehnt: „Ich werde Protest gegen die drohende Inhaftierung
gefängnis saßen 350 Menchen. Es ist von für mein Recht auf Bewegungsfreiheit von Cornelius Yufani und bittet um Be-
einem drei Meter hohen Zaun und Sta- nicht bezahlen und bin bereit dafür auch teiligung an der Protestkampagne. Da
cheldraht umgeben. Insgesamt wurden ins Gefängnis zu gehen“. Yufani ver- der Haftbefehl gegen Cornelius Yufanyi
von hier bereits 26000 Menschen abge- weist gemeinsam mit Flüchtlingsorgani- bereits am Donnerstag den 27.10.05 in
schoben. Menschenrechtsgruppen bekla- sationen auf die kolonialistische Traditi- Kraft tritt, wäre es gut, schnell zu protes-
gen immer wieder, dass auch Flüchtlinge on, in der die Residentpflicht steht: tieren. Die Faxadressen der zuständigen
betroffen sind, denen in ihrer Heimat „Schon während der Kolonialzeit haben Behörden sind:
Folter und Verfolgung droht. Europarefe- die Deutschen versucht, die Bewegungs- Amtsgericht Götttingen, Gerichtsvoll-
rent Karl Kopp von Pro Asyl sagte dazu freiheit der Kolonisierten zu kontrollie- zieher Frank Lohse, Berliner Str.
gegenüber der FR vom 28.10.: „Die ren und zu unterbinden. Damals wurden 8,37073 Göttingen, Fax: 0551-403-1300
Haftanstalten sprießen überall wie Pilze dafür in den Kolonien ein „Eingebore- AG Göttingen
aus dem Boden. Das ist ein eskalierender nenregister“ und eine Art Pass (eine Sowie: Staatsanwaltschaft Mühlhau-
Prozess.“ Abschiebegefängnisse seien Blechmarke) eingeführt. „Da jeder Pass sen, Strafvollstreckung, Brunnenstr. 125,
soziale Elendszonen und zumindest po- nur in einem Bezirk gültig und durch Fax: 03601-458-155
tenzielle Orte für Menschenrechtsverlet- entsprechende Nummernfolgen gekenn- Bitte schicken Sie/ schickt immer auch
zungen. Insbesondere die Niederlande zeichnet war, sollte jederzeit möglich eine Kopie des Faxes an The Voice Refu-
und Großbritannien hätten ihre Einrich- sein, festzustellen, ob Afrikaner ihren gee Forum/ AK Asyl Göttingen: Fax:
tungen an den Flughäfen ausgebaut. Bezirk oder Distrikt verlassen hatten. 0551-58898,
Quelle: FR 28.10.2005 ■ Wollten sie dies legal – für einen befris- Email: the_voice_goettingen@gmx.de ■

: antifaschistische nachrichten 22-2005 13


: neuerscheinungen, ankündigungen
Groß-Breesen, die er abbre-
chen musste, als seine Familie
nach England und später Hol-
Rezension: land emigrierte. Allein gelang
„Unsere Opfer ihm 1939 die Einreise in die
zählen nicht“ USA, zwei Jahre später wurde
er Soldat in der amerikani-
Dieses Fazit von Men- schen Armee. Als GI kam er
schen aus der 3. Welt nach dem D-Day nach Europa
ist ein berechtigter zurück, geriet für kurze Zeit
Vorwurf an die Antifaschisten in deutsche Gefangenschaft,
– vor allem aber an die Ge- kam für einen Monat in das
schichtsschreibung und an schon befreite Köln und er-
deren Berichterstattung über lebte das KZ Nebenlager
den 2. Weltkrieg. Nun hat das Wöbbelin im Moment des Va-
„Rheinische JournalistInnen- kuums nach der Flucht der
büro“ ein umfangreiches SS. In die USA zurückgekehrt
Buch zu diesem Thema vor- gleichberechtigt, sie bekamen nen Menschen der 3. Welt ist wurde er Historiker und lehrte
gelegt. Wichtig daran ist, dass weniger Sold, schlechtere die Behauptung des ZDF-Ge- in Berkeley und New York.
die betroffenen Menschen Ausrüstung und Verpflegung. schichts„experten“ Knopp, 1988 nach seiner Emeritie-
selber berichten, ihre Stimme Schikanen waren an der Ta- die zwischen der US-Armee rung, zog er nach Berlin.
erheben. gesordnung. Alle Wider- und der japanischen Armee Die Veranstaltung des Ju-
Der Beginn des 2. Welt- standsaktionen dagegen wur- umkämpften Inseln im Pazifik gendclub Courage Köln findet
kriegs wird mit dem 1. Sep- den brutal unterdrückt. seien unbewohnt gewesen. in Kooperation mit der
tember 1939 angegeben, ob- Die Armeeführung erklärte Das hier beschriebene Buch BUNT-Buchhandlung und
wohl bereits 1935 Italien von den stattfindenden Kampf im- ist unglaublich materialreich dem NS-Dokumentationszen-
seinen Kolonien Eritrea und mer als Kampf gegen den Fa- und hoffentlich nur der An- trum der Stadt Köln statt.
Somalia aus Äthiopien über- schismus und für Freiheit – fang einer solchen Ge- Do. 17.11.2005, 19.30 Uhr
fallen hatte. Der Völkerbund wenn die Afrikaner ihre eige- schichtsschreibung. EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23 -
versagte angesichts dieses ne Freiheit einforderten, war huf ■ 25, Köln, UKB: 5,-/ 3,- Euro
Völkerrechtsbruchs, was zu Schluss mit den schönen Wor-
seinem Ende führte – das ten. Ende 1944 kommt es zu Rheinisches JournalistInnenbüro:
droht heute durchaus auch der der Revolte in Thiaroye (bei „Unsere Opfer zählen nicht.“ Die „Ich musste nach Deutsch-
UNO. Dakar im Sénégal): Heimkeh- Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg, land um zu überleben...“
Hrg. von Recherche International
Beim Stichwort Afrika und renden Tirailleurs wird die e.V., ISBN 3-935936-26-5, 444
Berl Kostinski, ehemaliger
2. Weltkrieg fällt den meisten Auszahlung ihres Soldes, ih- Seiten, mit 400 Fotos und 10 Kar- Soldat der Sowjetarmee,
Menschen ein, dass es in rer Abfindungen und Entlas- ten, März 2005, 29.50 Euro, erzählt.
Nordafrika einen Wüstenkrieg sungsprämien verweigert. Sie Assoziation A Es ist der 8. August 1941.
gegeben hat, dass die Hitler- nehmen daraufhin einen Ge- Eine offene Scheune in Ne-
Wehrmacht versucht hat, über neral gefangen, lassen ihn ge- Veranstaltungen im beliwka, südwestlich von
Ägypten hinaus vorzustoßen. gen Ehrenwort frei, weil er Kiew. Verwundete Sowjetsol-
In Emmendingen wissen die verspricht, sich für sie einzu- NS-Dokumentations- daten. Unter ihnen verwundet
alten Menschen, dass zu den setzen. Das Ergebnis ist: Sie zentrum in Köln: am Boden liegend: Berl Kos-
französischen Soldaten 1945 werden zusammengeschos- tinski. Ein Wehrmachtsleut-
auch Marokkaner gehörten. sen, weit mehr als 200 bleiben ...immer etwas abseits nant mit einer Pistole in der
1940, als die Nazi-Wehr- tot liegen. Dieses Massaker ist Werner T. Angress liest und Hand kommt auf ihn zu. Ein
macht Frankreich besiegte, kein Einzelfall. erzählt aus seinen (Jugend-) deutscher Feldwebel meldet:
wurden afrikanische Soldaten Afrika war nicht nur ein Erinnerungen „Er behauptet, ein Deutscher
der französischen Armee aus- Reservoir für die Koloni- 1920 wurde der Autor in einer zu sein.“ Ein kurzer, finsterer
gesondert und erschossen, alarmeen. Für die Kriegsfüh- bürgerlichen Familie des Ber- Blick auf Kostinski: „Er lügt!
weiße Soldaten kamen in rung wurden die Kolonien liner Westens geboren, zu de- Das ist ein Jude!“
Kriegsgefangenschaft. ausgeplündert, die Kriegswirt- ren Grundsätzen der deutsche Berl Kostinski war Soldat
Joseph Issoufou Conombo schaft ist die Grundlage auch Patriotismus ebenso gehörte der Sowjetarmee, als er
aus Burkina-Faso schrieb sei- für die Nachkriegszeit. Bo- wie die jüdische Herkunft. 1941südwestlich von Kiew
ne Geschichte, weil er wütend denschätze waren genauso be- Man hatte Kontakte zu christ- schwer verwundet wurde.
feststellte, dass bei den fran- gehrt wie Produkte der Land- lichen Mehrheitsgesellschaft Eine Notlüge rettete ihn vor
zösischen Siegesparaden der wirtschaft. – auch durch Verwandte –, dem sicheren Tod durch deut-
Anteil afrikanischer Soldaten Der 2. Weltkrieg hat die feierte Weihnachten. Werner sche Wehrmachtsoldaten.
an der Befreiung Frankreichs ganze Welt erfasst, gekämpft machte aber auch schon als Die Folge war, – Ironie des
und am Sieg über die Nazi- wurde an vielen Stellen. Men- Schüler Erfahrungen mit dem Schicksals – dass er nach Hit-
Wehrmacht unterschlagen schen wurden einbezogen Antisemitismus, der nach lerdeutschland musste, um
wurde. Er wurde seinerzeit zu nicht nur als Soldaten, son- 1933 Staatsdoktrin wurde. In nicht als Jude entdeckt und
den „Tirailleurs Sénégalais“ dern auch als Hilfskräfte, als diesem Jahr wurde er für eine ermordet zu werden.
eingezogen, ausgebildet und Zwangsarbeiter. Frauen wur- Gruppe der jüdischen Jugend- Er lebte bis Kriegsende
nahm an der Landung in Süd- den zur Prostitution gezwun- bewegung geworben, dem 1945 bei Berlin und Köln un-
frankreich teil. Er kämpfte in gen. Andererseits wurde auch „Schwarzen Fähnlein“. Drei ter den Namen Hans Vogeler
Südfrankreich, marschierte Widerstand geleistet gegen Jahre später entschied er sich und Boris Kostin.
dann mit in Deutschland ein, Besatzer – oft mit einfachsten für eine landwirtschaftliche Glück, Geschick und einige
wo er u.a. in Freiburg kämpf- Mitteln. Ein neueres Beispiel Ausbildung im nichtzionisti- Deutsche halfen ihm, alle me-
te. Nie waren die Afrikaner der Missachtung von betroffe- schen Auswandererlehrgut dizinischen und rassischen

14 : antifaschistische nachrichten 22-2005


: ostritt
Kontrollen der Nazis unbeschadet zu im nächsten Jahr einige erscheinen wer-
passieren. Er erwartete schon die Befrei- den, wollen breite Öffentlichkeit schaf-
ung durch die Alliierten. Da traf ihn eine fen für antifaschistische Themen. nfang Oktober lud die Lands-
Granate aus einem amerikanischen Ge-
schütz fast tödlich. Auf deutscher Front-
seite musste er in ein Lazarett. Ein letz-
zu beziehen über Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen
und Antifaschisten (VVN-BdA), Franz-Mehring-
A mannschaft der Donauschwaben
nach Krusevlje (Serbien) ein.
Dort waren zwischen März 1945 und
tes Mal drohte ihm die Enttarnung. Dezember 1947 deutschsprachige Bür-
Platz 1, 10243 Berlin, e-mail: bundesbuero@
Diese einmalige Geschichte hört sich vvn-bda.de, Internet: www.vvn-bda.de
gerinnen und Bürger Jugoslawiens inhaf-
zunächst an wie eine Abenteuererzäh- tiert worden – solche jedenfalls, die von
lung, wenn nicht die ständige Lebensbe- der NS-Besatzung profitiert und sich
Flugschrift

Vorsicht Antifaschismus!
drohung dahinter stünde. Sehr tempera- nicht mit der unterdrückten Bevölkerung
mentvoll wird sie von dem heute 84-Jäh- des zerschlagenen Jugoslawien solidari-
rigen in deutscher Sprache geschildert. siert hatten. Ein Gedenkkreuz für sie
Die Veranstaltung des Jugendclub Cou- Zeigt her eure Füßchen... wurde auf dem Friedhof des serbischen
rage Köln findet in Kooperation mit dem ...verpackt eure Schuh’ und seht couragierten Staatsdienern zu Ortes eingeweiht – in Anwesenheit von
NS-Dokumentationszentrum der Stadt Uta Leichsenring
(Polizeipräsidentin Eberswalde/
Brandenburg):
Regierungsvertretern. Ebenfalls ange-
Köln statt. Entwickelte ein bundesweit beachte-
tes Konzept zur Bekämpfung des
Rechtsradikalismus – suspendierte im
kündigt waren offizielle Vertreter der
Sommer 1996 acht Beamte der Poli-
zeiwache Bernau, die beschuldigt Konsulate Deutschlands und Österreichs.
Do. 24.11.2005, 19.30 Uhr, EL-DE-Haus, Ap- wurden, vietnamesische Zigaretten-

Offensiver als ihre deutschen Kamera-


händler im Wachlokal misshandelt
und gequält zu haben – ausgezeichnet

pellhofplatz 23 - 25, Köln, UKB: 5,- /3,- Euro mit dem »Theodor-Heuß-Preis für
Demokratie und Zivilcourage« – nach
Aussage des Brandenburger Innenmi-
nisteriums heute nicht mehr im Poli-
zeidienst.
den sind die österreichischen Donau-
Erardo Rautenberg
(Generalstaatsanwalt/ schwaben, und auch die Wiener Politik
Zeitzeichen Brandenburg):
Geriet 2002 in der Brandenburger V-
Mann-Affäre mit Landesinnenmini-
ster Schönbohm aneinander, weil die-
prescht in „Vertriebenen“-Fragen häufig
„Vorsicht Antifaschismus!
ser V-Leuten »szenetypische«
Straftaten durchgehen lassen wollte –
bekam daraufhin einen Maulkorb ver-
passt und durfte sich zu diesen Fragen
vor, wo Berlin sich noch zurückhält. Drei
nicht mehr äußern – setzte sich in ei-
nem Aufsatz kritisch mit nationalisti-
schen Äußerungen des damaligen
österreichische Parlamentarier – ein
Berlin. In einer Auflage von 30.000 CDU-Generalsekretärs Laurenz Mey-
er (»Ich bin stolz, ein Deutscher zu
sein«) und des ehemaligen Fraktions-
Konservativer, ein Sozialdemokrat, ein
Inhalt vorsitzenden Friedrich Merz (»Deut-
Exemplaren ist die neue Flugschrift Seite 2:
Zum Grundgesetz
Seite 3:
sche Leitkultur«) auseinander.
Uwe Picard
(Staatsanwalt/Bremen):
Grüner – reisten Mitte Oktober nach Un-
„Zeitzeichen“ erschienen, die Erstauslie- Zur antifa-Klausel
Seite 4:
Zu Repressionen
Veranlasste, dass zu den Wahlen in
Bremen 2004 NPD-Plakate mit der
Aufschrift »Gute Heimreise« ab-
garn, Kroatien und Serbien – „zu den
Seite 5: R. Geisheimer/attenzion

ferung erfolgt in der Woche vom 31.10. Eine Geschichte


in Bildern erzählt
gehängt werden mussten – leitete ge-
gen die NPD ein Ermittlungsverfah-
ren wegen Volksverhetzung ein.
rechter Bands vor – setzte durch, dass
rechte Symbolik (z. B. Springerstiefel
braunen Hess-Aufmarsch in seine
Stadt – stellte sich 2004 mit eine
ehemaligen Wohngebieten der Donau-
Seite 6: Michael Knape und Bomberjacken) auf NPD-Demos Straßenblockade den Neonazis in de
bis 4.11. Die Flugschriften, von denen Zur Arbeit von Poli-
i d G i ht
(Leitender Polizeidirektor/Berlin):
Li bli f i d d h S i
verschwand.
K l Willi B k
Weg (Transparent »Wo Unrecht zum
R h id i d Wid d schwaben“, wie der Verband der Volks-
deutschen Landsmannschaften Öster-
reichs (VLÖ) mitteilt. Sie legten u.a. an
15. Antirassismus/Antifaschismus Ratschlag Gedenkstätten in Valpovo (Kroatien) und
Rassismus wird staatlich gefördert Gakovo (Serbien) Kränze nieder. Beide
Thüringen. Die Landesarbeitsgemeinschaft Antirassismus/Antifaschismus ruft alle BürgerInnen, die nicht zu- Gedenkstätten erinnern – ebenso wie das
lassen wollen, dass die Rechtsentwicklung wächst, Minderheiten diskriminiert und sogar von Neonazis er- Gedenkkreuz in Krusevlje – an deutsch-
mordet werden und die Demokratie demontiert wird, auf, sich am 5. November, 10 Uhr, in Arnstadt, in sprachige Bürgerinnen und Bürger Jugo-
der Stadthalle, am 15. antirassistischen/antifaschistischen Ratschlag und um 18 Uhr an der Demonstrati- slawiens, die nach dem Zweiten Welt-
on und am Mahngang „Erinnerung an die Opfer des Antisemitismus und Rassismus“ zu beteiligen. krieg als NS-Kollaborateure oder NS-
Der Ratschlag wird von der Arbeitsgruppe Demokratie braucht Zivilcourage der Stadt Arnstadt, Biko in Ko- Profiteure inhaftiert worden waren.
operation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, BürgerInneninitiative für Gleichbehandlung - gegen Bil-
liglohn, DGB Landesbezirk Thüringen, DGB Region Mitte-/Nord Thüringen, Gewerkschaft ver.di Thüringen,
Die Reise der Wiener Parlamentsdele-
Gothaer Friedenskreis, Flüchtlingsrat Thüringen, Young Socialists Gotha, TVVdN/BdA Thüringer Verband gation ist „Teil einer Initiative des öster-
der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten, Linke.PDS Schmalkalden/Meiningen, PDS Stadt- reichischen Parlaments, die im Gedenk-
ratsfraktion Arnstadt und anderen Initiativen unterstützt. Der antifaschistische/antirassistische Ratschlag wird jahr 2005 Vertreter des österreichischen
sich mit Ursachen und Hintergründen aktueller und historischer Entwicklungen, mit Formen von Aufklärung Parlaments in alle ehemaligen Kronlän-
und zivilgesellschaftlichem Engagement beschäftigen. Die Möglichkeiten einer verbesserten Vernetzung und der der Donaumonarchie bringen soll“,
Zusammenarbeit antifaschistisch und antirassistisch aktiver Menschen und Gruppen werden auf diesem Tref- heißt es in einer VLÖ-Pressemitteilung.
fen ebenso eine Rolle spielen. Ziel des Ratschlages ist es, den Aktiven eine Plattform zum theoretischen Dis-
Damit hält Wien das Thema „Deutsch-
kurs, zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch ebenso zu bieten, wie die Möglichkeit, neue Kontakte zu
knüpfen und Ideen auszutauschen. Darüber hinaus dient der Ratschlag zur Vernetzung von antirassistisch tum in Ost- und Südosteuropa“ auf der
und antifaschistisch orientierten Gruppen und Vereinen sowie engagierten Einzelpersonen in ganz Thürin- europäischen Tagesordnung. Letztlich
gen. Mehr Informationen über: http://lag-antifa.de ■ nützt dies auch den Ansprüchen der Um-
gesiedelten, die – sofern sie aus dem
heutigen Kroatien kommen und den ös-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. terreichischen Pass besitzen – im nächs-
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de ten Jahr ihre Entschädigungsforderungen
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach mit prinzipieller Aussicht auf Erfolg gel-
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, tend machen können. Dies sieht ein kurz
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, vor der Unterzeichnung stehendes öster-
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. reichisch-kroatisches Entschädigungsab-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. kommen vor. Von dem Abkommen wer-
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind den möglicherweise auch Umgesiedelte
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. mit deutschem Pass profitieren. „Der
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- Bundesregierung ist bekannt, dass Kroa-
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung tien mit Österreich und Italien über die
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Materie verhandelt“, erklärt der Staatsse-
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
kretär im Auswärtigen Amt Georg
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., Boomgarden: „Die Bundesregierung hat
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke; Jochen Koeniger (Arbeitsgrup- die kroatische Regierung auf die Ent-
pe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vorstandes der
Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten); Kreisvereini-
schädigungsinteressen deutscher Staats-
gung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter hbv in ver.di angehöriger hingewiesen und beobachtet
Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. die Entwicklung aufmerksam.“ jk ■

: antifaschistische nachrichten 22-2005 15


: aus der faschistischen presse
ist geblieben, denn er ist als eine Gestalt
des vollkommenen Gottes ewig. In die-
sem ist das Wirken Adolf Hitlers aufge-
Mitgliederzuwächse Treuebekenntnisse zur us-amerikani- hoben in dem dreifachen Sinn von „be-
schen Regierung kritisiert wird. Ansons- endet, bewahrt und erhöht“. Mahler
Website der NPD ten werden ihre guten Beziehungen zu scheint mehr und mehr nicht nur ein Fall
Die NPD meldet ihr 1026. Mitglied in Friede Springer und Elisabeth Mohn für den Staatsanwalt sondern auch einer
Sachsen in 25 Kreisverbänden, man habe „enthüllt“, die mit ihren Medienkonzer- für die Psychiatrie zu sein. u.b. ■
damit mehr Mitglieder als Bündnis nen im Hintergrund (Springer und Ber-
90/Die Grünen. In Baden-Württemberg telsmann) maßgeblich zum Karriere- „Criticons“ Ende
wurde Jürgen Schützinger zum neuen sprung Merkels beigetragen hätten. Es ist
Landesvorsitzenden gewählt. Der 52- immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Bonn. Die 1970 von Caspar von
jährige Kreis- und Stadtrat aus Villingen- Fakten die NaZe Spalte für Spalte füllt. Schrenck-Notzing gegründete Zeitschrift
Schwenningen löst Günter Deckert ab, Im Blick hat Frey auch bereits die Land- „Criticon“, einst Diskussionsplattform für
der Mitte Oktober vom Bundesvorstand tagswahl in Sachsen-Anhalt im März den rechten Rand des Konservatismus
seines Amtes enthoben wurde. Der Bun- nächsten Jahres. Schon jetzt wird die An- und Vertreter der „Neuen Rechten“, gibt
desvorsitzende der NPD, Udo Voigt hängerschaft aufgerufen, möglichst viel es nicht mehr. Nachdem der Bonner GES-
nahm an der Landesdelegiertenkonfe- zu spenden, damit die DVU wieder in Verlag um Gunnar Sohn die Zeitschrift
renz teil und versprach die Unterstützung den Landtag einzieht. vor sechs Jahren übernommen hatte, wird
der Bundespartei für die anstehenden die Zeitschrift künftig unter dem Namen
Landtagswahlen in Baden-Württemberg. Horst Mahler huldigt dem „NeueNachricht“ erscheinen. Damit soll
„Führer“ diese an das gleichnamige Onlinemedium
Große Koalition – Segen „Die Köpfe für den Aufstand bereit ma- angebunden werden, das in der Rangliste
chen!“ unter diesem Motto lud die der Suchmaschine Google „hervorragend
oder Fluch? „Reichsbewegung“ zu einer Seminarver- platziert“ sei.
Nationalzeitung 43/44-05 anstaltung mit Ursula Haverbeck, Bern- In den vergangenen Jahren habe die Re-
Wohl doch eher Fluch, so das Fazit, das hard Schaub und Horst Mahler am 29.- daktion die „publizistische Linie des Blat-
Verleger Frey im Blatt zieht: „Die Partei- 30. Oktober 2005 nach Mosbach/Thürin- tes ordoliberal geschärft“, so Herausgeber
en der Großen Koliton wollen so wenig gen ein. Der Einladungstext Mahlers zu Sohn in einem Brief an die Abonnenten.
wie alle etablierten Parteien ein souverä- dieser Konferenz müsste für ein neues Das „beliebte und bequeme Rechts-
nes und neutrales Deutschland, das seine Strafverfahren gegen ihn reichen: „Wer Links-Paradigma“ habe sich „als Sack-
Wirtschaftskraft seinen eigenen Bürgern wir ,das Volk der Deutschen‘ sind und gasse“ erwiesen. Mit „den metaphysi-
zukommen lässt. Die gigantischen Er- welche Rolle wir in der Heilsgeschichte schen Sandkastenspielchen der Ewiggest-
sparnisse, die erzielt würden, wenn wir spielen, ist am klarsten von Hegel gese- rigen kommt man nicht sehr weit, schon
nicht mehr die EU, die UNO und weiter hen worden. Es gilt, diesen Schatz zu he- gar nicht im Journalismus“, schreibt
durch Reparationen unsere einstigen ben und den Nationalsozialismus unter Sohn. In der „Jungen Freiheit“ war die
Kriegsgegner bzw. Israel finanzieren, der Führung von Adolf Hitler in diese Kursabweichung der Zeitschrift schon in
könnten zu massiven Senkungen von Perspektive einzuzeichnen. Hitler ist als der Vergangenheit kritisiert worden. Es
Steuern und Abgaben in Deutschland weltgeschichtliches Individuum ver- wird zu prüfen sein, wie sich das neue
und zu einer massiven Förderung der ständlich zu machen, damit endlich auch Blatt entwickelt. In der aktuellen Ausgabe
deutschen Geburtenpolitik genutzt wer- die deutschwilligen Deutschen von ih- der Zeitschrift findet sich Werbung für die
den.“ Ohne konkret zu werden, ist hier rem Distanzierungsreflex erlöst werden. Fleissner-Verlage „Langen Müller/Her-
mal wieder alles verpackt, was die NaZe Denn die Distanzierung von Hitler ist die big“ ebenso wie für die vom rechten Rand
an Programm zu bieten hat, Antisemitis- Distanzierung von uns selbst. Adolf Hit- der Schweizer SVP getragene Zeitung
mus, Relativierung des verbrecherischen ler war als welthistorische Person Dasein „Schweizerzeit“. hma ■
Krieges und die Überhöhung der eigenen des Deutschen Volksgeistes. Das Deut-
„Rasse“. Das Blatt beginnt gleich eine sche Volk kann sich nur erretten, indem
ganze Serie über die neue Kanzlerin An- es diese Wahrheit erkennt. Adolf Hitler
gela Merkel, die vor allem für ihre ist vergangen. Der Deutsche Volksgeist
„2000 Euro für die
Antifa-Nachrichten
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O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich
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O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro Spenden eingetroffen, bis zum
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro 31.10.05 waren es
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16 : antifaschistische nachrichten 22-2005