Eine radikal segensreiche Welt

:
Automatisierung, Technologie, und die
Schaffung von Arbeitsplätzen für alle
Charles Hugh Smith
Übersetzt von Jonee Tiedemann
jonee.tiedemann@gmail.com

Inhaltsverzeichnis
Einleitung

Teil 1: Warum das derzeitige System
versagt hat
Kapitel 1: Klaffende Löcher in der herkömmlichen
Erzählweise
Warum lehnen wir neue Lösungen ab?

Mein persönlicher Weg zur Lösung
Was einfach ist, doch garantiert scheitert: Wunschdenken
Drei Ausgangspunkte
Automatisierung, Arbeitsplätze, und garantiertes
Einkommen
Die dritte industrielle Revolution
Menschliche Arbeit ist die 450-Dollar-Lösung,
Automatisierung ist die 45-Dollar-Alternative
Die Schwächen und Fehler vom garantiertem Einkommen
für alle
Automatisierung kommodifiziert Arbeit, Güter und
Diensleistungen, und senkt Profit
Die steigenden Kosten menschlicher Arbeit
Das System kann nicht die Probleme der Automatisierung
lösen
Armut ist mehr als materiell
Wachstum ist kein nachhaltiges oder positives Modell
Die Wissenswirtschaft und kognitiver Kapitalismus
Die Grenzen der Wissenswirtschaft und kognitiver
Kapitalismus
Zusammenfassung der Wissenswirtschaft
Fragen, die zu stellen sind
Die Zukunft gehört sinnvoller Arbeit
Geldschöpfung und -Verteilung sind integraler Bestandteil
für sinnvolle Arbeit und umfassenden Vermögensaufbau

Kapitel 2: Eine kurze Lektion über Systeme, Hierarchie,
und Netzwerke
Das Dilemma des Autors: ein dicker Türstopper von Buch
oder eine Zusammenfassung?
Was sind Systeme?
Anreize und Abschreckungen
Die Gummibärchen-Wirtschaft: Eigeninteresse ist nicht
genug
Halbwahrheiten verursachen Inkohärenz, Misstrauen und
Komplexität
Der Schutz von Privilegien bringt Systeme zur
Selbstzerstörung
Vergleich von zentralisierten Hierarchien und NetzwerkOrganisationen
Wie Systeme selbstzerstörerisches Verhalten begünstigen
Lassen Sie uns zwei Arbeitsspiele entwerfen
Lassen Sie uns zwei Systeme zum Füllen von
Schlaglöchern entwerfen
Der Informationsfluss in Systemen
Zentralisierte Hierarchien optimieren Politik und die
Verzerrung von Information
Die Nachteile von Hierarchie
Die Subprime-Hypothekenkrise/Immobilienblase und

deren Kollaps
Das Versagen von schrittweisen Reformen
Der historische Kontext des gegenwärtigen Welt-Systems
Kapitel 3: Knappheit, Produktivität, und Privileg
Künstliche Knappheit und Stagnation
Welche Leistungsfähigkeiten werden durch zentralisierte
Hierarchien optimiert?
Monopol ist die Perfektion der zentralisierten Hierarchie
Was ist Knappheit?
Systeme, die nicht auf dem Schutz von Privilegien
beruhen
Kapitel 4: Zentralisiertes Geld, Reichtum, und die
Subversion der Demokratie
Das Monopol der Geldschöpfung und zunehmende
Ungleichheit
Wie Geld im zentralisierten Banksystem verteilt wird
Ein Beispiel von pyramidalem Reichtum im zentralisierten
Banksystem
Kapitel 5: Die Grenzen des Marktes und des Staates

Der Markt und der Staat sind keine Lösung für
Automatisierung und Wachstumsrücknahme (degrowth)
Die Lösung des Marktes für das Überangebot an
Arbeitskraft: Knechtschaft
Die Grenzen der Maximierung von persönlicher
Bereicherung
Einen Gewinn machen versus Maximierung der
persönlichen Bereicherung
Der Staat erzwingt fahrlässiges Verhalten (moral hazard)
Was nun?
Jene, die vom gegenwärtigen System profitieren, stehen
vor einer tiefgreifenden Wahl

Einleitung
Bis vor kurzer Zeit gedeihten Millionen von uns auf eine
Art und Weise, von der frühere Generationen nur
träumten. Ich meine hier nicht den Besitz von Villen,
Yachten, oder das Kaufen von politischer Macht – ich
meine, das Führen eines eigenständigen Lebens und den
Besitz der Quellen unseres Wohlstands.

Diese Autonomie und dieses Besitztum ist als der
Amerikanische Traum bekannt: der Aufbau von
dauerhaftem Wert, durch Arbeit, an der einem etwas liegt,
unter eigenen Bedingungen.
Wir erreichten diesen Wohlstand ohne die Vorteile einer
Bildung auf Eliteuniversitäten oder einer Erbschaft. Mit
anderen Worten, umfassende Prosperität kam nicht durch
Privileg, oder Genius, oder Glück, sondern durch
reichhaltige Möglichkeiten.
Das System selbst offenbarte diese Möglichkeiten.
Millionen von uns ergriffen sie.
Ein Sprung in die heutige Gegenwart zeigt, dass sich die
Zeiten geändert haben: Die Möglichkeiten der jüngeren
Vergangenheit sind ferne Erinnerung. Wir alle spüren dies,
aber wir wissen nicht, wie diese neue Armut an
Möglichkeiten behoben werden kann – nicht nur, um nur
einfach weiterzumachen, sondern der Herr der eigenen
Arbeit zu sein.
Die Verteidiger der momentanen Ordnung behaupten,
dass dieser Rückgang temporär ist, und dass geringe
Reformen alles reparieren können, was kaputt ist.

Doch ihre Verleugnung ändert nichts an der Realität, dass
Löhne und Gehälter seit Jahrzehnten stagnieren, alldieweil
die Vermögensungleichheit enorm anstieg. Ich werde Sie
nicht mit Statistiken langweilen, aber jeder der sich den
Anteil der Arbeit in der Wirtschaft ansieht, verdientes
Einkommen mit Inflationsausgleich, oder andere
Parameter der Ungleichheit, sieht, dass dies keine
temporäre Pechsträhne ist: Das System an sich ist kaputt.
Selbst die Verteidiger bestreiten nicht die globalen
Auswirkungen der Automatisierung auf menschliche
Arbeit, oder die zunehmenden Anforderungen an die
Resourcen der Erde, während 7 Milliarden Menschen
einen Konsum von Nahrungsmitteln, Energie, Wohnraum
und Transport der (westlichen) Mittelschicht anstreben.
Optimisten sind der Ansicht, dass Solarenergie bald mehr
oder weniger gratis für alle sein wird, doch heißt dies nicht,
dass die von allem Leben beraubten Ozeane einfach auf
magische Weise wiederhergestellt werden, oder dass die
Wälder die für den Anbau von Tierfutter abgeholzt wurden
durch künstliche Bäume ersetzt werden können. Die
Weigerung, planetarische Grenzen zu erkennen, heißt
nicht, dass diese verschwinden.

Automatisierung – Software, Robotik und künstliche
Intelligenz (A.I.) – ersetzt in zunehmendem Maße überall
die menschliche Arbeit, und nicht nur Arbeit mit geringer
fachlicher Qualifikation. Wie der Technologie-Visionär
Marc Andreessen bekannterweise anmerkte, Software
“frisst die Welt auf”. Genauer gesagt, Software frisst
bezahlte Arbeit, jeden Tag in grösseren und grösseren
Happen.
Diese Zerstörung der Arbeit wird zu einem arbeitsfreiem
Utopia führen, so wird uns gesagt, bezahlt durch Steuern
der Besitzer von Software und Robotern. Wenn wir uns
jedoch die Zahlen ansehen – was wir im ersten Kapitel
auch tun – dann entdecken wir, dass dies unbegründeter
Blödsinn ist, die schlimmste Art von magischem Denken.
Kein einziger Wunschdenker, der die Wunder des
garantierten Einkommens für alle in einer arbeitsfreien
Gesellschaft proklamiert, hat auch nur eine läppische
Filzstift-Skizze vorgelegt, woher denn dieses Geld von
echten Quellen, wie Firmengewinnen und
Steuereinnahmen, herkommen soll.
Wenn es darum geht, unser sozialökonomisches System
zu verstehen, dann sind wir wie Fische im Wasser: Wir

können uns kein anderes System vorstellen als jenes, das
wir bewohnen. Wir nehmen an, dass es nicht nur das
einzige System ist, sondern dass es das beste System ist.
Welche Fehler es auch immer hat, es hat in der
Vergangenheit gut funktioniert, und es wird gut in der
Zukunft funktionieren.
Das ist nachweislich falsch. Statt dass es über
Jahrhunderte perfektioniert wurde, ist unser System eine
Müllhalde der Geschichte: Krempel, der übrig blieb, um
Seuchen zu überleben, Kriege und Revolutionen. Wenn
wir uns dies aus einer neuen Perspektive ansehen, dann
macht dieser Schuttabladeplatz absolut keinen Sinn. Das
System wurde nicht dafür ausgelegt, kohärent zu sein,
also ist es kein Wunder, dass es inkohärent ist. Wie könnte
es auch anders sein?
Das gegenwärtige System basiert auf fünf Prinzipien, von
denen wir annehmen, sie seien so etwas wie sozioökonomische Gravitation, das heißt, sie seien
selbstevidente Wahrheit:

Geld, welches von Banken geschaffen wird, tröpfelt
herunter, um Arbeit und Reichtum für alle zu schaffen.
Technologie schafft mehr Arbeitsplätze als durch

Automatisierung zerstört werden.
Zentralisierung ist die Lösung für schwerwiegende
wirtschaftliche Probleme.
Wachsende Schulden und Konsum (d.h. Wachstum) ist
der Weg zum Wohlstand.
Die Maximierung von privaten Gewinnen organisiert die
Wirtschaft zum Vorteil aller.

Wenn wir uns diese Prämissen mit neuen Augen ansehen,
dann sehen wir, dass sie alle nur Wunschdenken sind. Alle
fünf sind erwiesenermaßen unwahr. Statt dass sie die
Grundlage für ein kohärentes System sind addiert jede
von ihnen noch mehr Inkohärenz. Statt dass sie eine
Lösung böten ist jede von ihnen ein toxisches Problem
welches das System zunehmend von innen erodiert.
Was bedeutet dieses Systemversagen für uns als
Individuen und Haushalte? Klären wir gleich zu Beginn,
jeder der für sich und seine Familie eine bessere Zukunft
will muss damit beginnen wie nie zuvor sein Schicksal in
die eigene Hand zu nehmen.
Jedoch ist die Auseinandersetzung mit einem
versagenden System, um unsere individuellen Schicksale
zu verbessern, nicht mehr ausreichend. Selbst die

Wenigen, die es sich leisten können, Festungen auf Inseln
zu kaufen, werden bald entdecken, dass wir die
Konsequenzen des Versagens unseres gegenwärtigen
Systems alle teilen. Wenn die Ozeane erst einmal ohne
Leben sind, dann sind sie das für alle, nicht nur für die
Armen.
Die wirkliche Lösung ist offensichtlich, oder nicht? Wir
brauchen ein neues System. Wir alle spüren das, aber wir
wissen nicht, wo wir anfangen sollen. Beginnen wir mit
einer einfachen Frage: Wie wäre es, wenn wir den ResetKnopf drücken könnten, was die Art und Weise wie wir
Geld schaffen angeht, Arbeit, Wirtschaft und
Gemeinschaft? Wenn wir neu anfangen könnten, was
würden wir erbauen? Dies ist keine müßige Frage, denn
die Technologie ermöglicht uns jetzt, diesen Reset-Knopf
zu drücken und die Organisation der Geldschöpfung,
Arbeit, Wirtschaft und Gemeinschaft auf neue Weise zu
erschaffen.
Wenn wir uns vornehmen, ein System zu schaffen
welches jedem die Chance zur Kontrolle über seine
eigenen Quellen des Wohlstands gibt, wie würde solch ein
System aussehen?

Wenn dies eine Frage ist die Sie interessiert (und wenn sie
uns alle nicht interessieren sollte, dann haben wir ganz
gehörige Probleme), dann lesen Sie weiter. Dieses Buch
legt eine umfassende, komplette Lösung des globalen
Systems dar.
Der ausschlaggebende Punkt ist kein Geheimnis: Man
muss verstehen, wie Systeme funktionieren.
Systeme haben Eingänge (Inputs), Regeln, und Ausgänge
(Outputs). Wenn wir nur Gummibärchen essen und
niemals Sport machen, dann werden wir krank, weil
unsere Körper ein System sind:
Gummibärchen + kein Sport = schlechte Gesundheit und
eventueller Tod
Simpel!
Auf ähnliche Weise schafft unser momentanes
Wirtschafts-, Sozial- und politisches System ungenügende
wirtschaftliche, soziale und politische Resultate.
Um hier eine populäre Definition von Wahnsinn zu zitieren:
“Wahnsinn ist, wenn die Eingaben dieselben sind und

unterschiedliche Resultate erwartet werden.” Indem die
Geschmäcker der Gummibärchen und die Sitzpositionen
auf dem Sofa verändert werden ändert dies nichts am
Ausgang der Dinge (der Tod).
Und dennoch sind alle Reformen, die bisher vorgestellt
wurden, genau so als würde die Sorte der Gummibärchen
gewechselt werden, und man erwarte, dass dieser winzige
Unterschied eine fundamentale Auswirkung auf unsere
Gesundheit hätte.
Wir brauchen ein total neues System, wenn wir die
Resultate oder die Ausgänge/Outputs die aus
Ungleichheit, Unsicherheit und der Armut an Möglichkeiten
bestehen, in Chancen, sichere Arbeit und Wohlstand
umwandeln wollen.
Dieses neue System setzt nicht die Überwerfung der
existierenden Ordnung voraus, oder das Reparieren des
gegenwärtigen Systems. Dieses neue System vereinigt
existierende Technologien und soziale Innovationen, die
wir alle verstehen können. Dieses neue System ist nicht
utopisch; es ist extrem praktisch. Wir sehen jeden Tag
Beispiele von ähnlichen Systemen.

Wir wollen nicht weiterhin versagen, indem wir den
Geschmack unserer Gummibärchen wechseln und uns
darüber wundern, weshalb die Resultate nicht anders
werden. Tausche das System durch ein anderes aus und
die Ausgänge, die Outputs, die Resultate, werden:



Möglichkeiten und Chancen
Autonomie
Sichere Arbeit
Besitztum der Quellen des Wohlstands

Da ist eine weltverändernde Differenz zwischen unserem
gegenwärtigen System und jenem, welches hier
beschrieben wird. Die gegenwärtige Ordnung ist von oben
nach unten, und um irgendetwas zu ändern, braucht es
Reichtum und/oder politische Macht (wenn man den
Reichtum hat, kann man die Macht erkaufen). In diesem
System ist der Einzelne im Wesentlichen machtlos;
Wählerstimmen werden gezählt, doch die
pyramidenförmige Struktur bleibt unverändert.
Im System das in den kommenden Kapiteln beschrieben
wird hat jeder Einzelne die Macht, das System für das
Wohlergehen von sich selbst und das aller anderen
Beteiligten zu verändern. Vorbedingung ist nicht mehr,

oben auf dem Schloss zu sitzen. Jeder, der im
momentanen Arrangement machtlos ist wird in diesem
neuen System ermächtigt. Ermächtigt dazu, nicht nur sein
Wohlergehen und das seiner Familie anzustreben,
sondern die Gemeinschaft zu verbessern, und dadurch die
große Gemeinde des Planeten Erde.
Mein Buch ergreift diese globale Herausforderung mit
einer dicken Umarmung, eine welche die Fesseln des
ideologischen Jargons sprengt und die uns befreit, damit
wir einen praktischen Weg zu einer radikal segensreichen
Zukunft ausarbeiten können. Worauf warten wir noch?

Teil 1: Warum das gegenwärtige System
versagt hat
Kapitel 1: Klaffende Löcher in der
herkömmlichen Erzählweise

Dieses Buch – mit seinem ursprünglichen Titel Brücken
über einen trügerischen Fluss: Neue Werkzeuge für die
Lösung globaler Armut (“Bridging a Treacherous River:
New Tools to Solve Global Poverty”) – begann als ein Plan
zur Linderung der globalen Armut. Es war die Krönung von
40 Jahren, während derer ich folgende einfachen Fragen
betrachtet habe: Ist Armut unvermeidlich? Wenn nicht,
welche systemische Lösung gibt es, eine, die überall auf
dem Globus die Armut lindert?
Als eine von Natur aus praktische Person, und trainiert als
solche, suchte ich nach einer praktischen Antwort.
Ich fand heraus, dass wir zwei Arten von Armut haben: Die
uralte Armut (Mangel), und eine neue Art, ausgelöst durch
Automatisierung und Software welche “die Welt frisst”, wie
Marc Andreessen es so passend ausdrückte. Digitale
Technologien ersetzen menschliche Arbeit auf massive Art
und Weise, und bedrohen Millionen mit Verdienstausfall.
Als ich einmal die Hauptursache der Armut verstanden
hatte – der Mangel an sicherer und bezahlter Arbeit für

alle – merkte ich, dass mein wirkliches Thema die
Schaffung von Arbeitsplätzen für alle, die bezahlte Arbeit
wollten war – auf einer globalen Skala. Dies war nicht nur
die Lösung für globale Armut sondern ebenso für den
zunehmenden Ersatz der menschlichen Arbeit durch
Automatisierung.
Während ich herausfand, warum das einzig mögliche
Ergebnis des gegenwärtigen Systems Armut und
Ungleichheit ist, verstand ich ein paar weitere Dinge, die
uns dabei behilflich sein werden, ein neues System zu
entwerfen welches Möglichkeiten für alle als Ergebnis hat.
Eines davon ist die Tatsache, dass staatlicher
Kapitalismus (oder wie auch immer man das gegenwärtige
Arrangement nennen will) mehr ist als ein wirtschaftliches
oder finanzielles System; es organisiert unsere
Beziehungen mit der Natur und zu anderen Personen, und
es tut dies, ohne das wir uns dessen wirklich bewusst
sind.
Mit anderen Worten, ein finanziell-ökonomisches System
ist auch ein sozialpolitisches System hinsichtlich
Resourcen-Management, von Natur aus. Der Entwurf des
Finanz-Geld-Wirtschaftssystems setzt den Kurs für alles

Weitere.
Zweitens, der Kernpunkt jedes Systems von Finanzen und
Wirtschaft ist die Schaffung von Wertigkeit. Wenn eine
kleine Gruppe von Leuten die Schaffung von Wert
kontrolliert, dann ist das einzig mögliche Ergebnis des
Systems die Schaffung von Armut an Möglichkeiten und
von zunehmender Ungleichheit – genau das, was das
gegenwärtige System hervorruft.
Per Definition hat Geld einen Wert. Jene Personen,
welche die Schaffung und Verteilung von Wert (zum
Beispiel Geld) kontrollieren, kontrollieren alles Andere.
Wenn die Art, wie Geld geschaffen und verteilt wird nicht
geändert wird, dann hat man in Wirklichkeit nichts
verändert. Man isst nur eine andere Farbe von
Gummibärchen.
Nehmen wir einmal an, dass ein System Gummibärchen
als Geld ansieht. Ich besitze die einzige
Gummibärchenfabrik, und ich stecke jeden ins Gefängnis
der versucht, eine konkurrierende Gummibärchenfabrik zu
etablieren. Wer glauben Sie wird reich und in diesem
System mächtig sein? Was ist das einzig mögliche
Ergebnis in diesem System?

Natürlich ist dies eine Vereinfachung, aber Sie verstehen
meinen Punkt. Jene, welche die Schaffung von Wertigkeit
kontrollieren, kontrollieren alles Andere. Wenn wir nicht die
Art und Weise wie Geld geschaffen und verteilt wird
ändern, dann ändert sich nichts. Wir ändern lediglich die
Farbe der Gummibärchen, und wundern uns darüber, dass
sich die Resultate nicht ändern.
Möglichkeiten und Chancen laufen darauf hinaus, dass
eine Möglichkeit zur Schaffung von Wert besteht. Wenn
die Schaffung von Wertigkeit von ein paar Wenigen oben
auf der Pyramide kontrolliert wird, dann wird die Mehrheit
einen Mangel an Möglichkeiten haben. Solch ein System
erlaubt kein anderes Ergebnis.
Natürlich sind wir alle für Freiheit. Nur Despoten und
Diktatoren sind gegen Freiheit. Doch ist Freiheit ohne die
Möglichkeit der Schaffung von Wert eine Illusion. Was
genau bedeutet Freiheit in einem System, wo die
Schaffung von Wertigkeit und von Möglichkeiten von ein
paar Wenigen auf Kosten der Mehrheit begrenzt wird?
Der Vorsitzende Mao Tse-tung behauptete
berühmterweise, dass “politische Macht aus dem Ende

von Kanonenrohren” kommt. Die Macht von Zwang kommt
aus dem Ende eines Kanonenrohrs, doch ist dies nicht
dasselbe wie politische Macht, oder der Macht, Dinge zu
erledigen.
Am Ende hatte Mao Unrecht. Kooperation ist die Basis
von Macht. Der Kamerad mit der kecken Mao-Kappe und
dem Gewehr kann irgendwelche Macht die aus dem Ende
des Laufes kommt nur halten, solange er das Gewehr auf
jene, die keine Gewehre haben richtet. Zwang ist eine sehr
begrenzte Form der Macht. Zwang schafft keine
Werthaftigkeit, Kooperation schafft Wert.
Wir können nur bewerten, was wir messen können. Wenn
wir es nicht messen können, dann existiert es nicht. Wenn
wir über Ungleichheit sprechen, dann reden wir
letztendlich über Geld, denn Geld können wir messen.
Das Endresultat der Messung von Ungleichheit durch Geld
ist die Idee dass, wenn wir Leuten ein bisschen mehr Geld
gäben, die Ungleichheit gemindert würde.
Aber Ungleichheit besteht nicht wirklich wegen des
Geldes. Ungleichheit ist darüber, wer die Schaffung von
Wertigkeit kontrolliert und wer die Möglichkeit hat, Wert zu
schaffen. Wenn Leuten Geld gegeben wird, dann

vermindert dies zwar das Schuldgefühl jener, die oben auf
der Pyramide sitzen, doch verändert dies nicht wirklich die
Ungleichheit des Systems. Es kann das Schweigen jener
erkaufen, denen die Möglichkeiten vorenthalten werden,
doch ändert dies nichts an den Ursachen der Ungleichheit.
Da wir die Ursachen für die Ungleichheit nicht messen,
erkennen wir sie noch nicht einmal. Wenn wir einer Person
die Möglichkeit für die Schaffung von Wert vorenthalten,
um aktiv zu etwas Produktivem und Wichtigem
beizutragen, und meinen, dass ein wenig Geld diese
Ungleichheit verschwinden lässt, dann sind wir blind
gegenüber den Ursachen der Ungleichheit.
Der erste Schritt ist, zu erkennen, dass Geld nicht der
einzige, noch der hilfreichste Maßstab für die Messung
von Ungleichheit oder Wert ist. Es ist noch nicht einmal
eine adäquate Messung für Kapital, denn das wertvollste
Kapital ist die Möglichkeit der Schaffung von Wert durch
die freie Kooperation mit Anderen.
Das gegenwärtige System ist eine zentralisierte
Hierarchie. Zentralisierte Hierarchien funktionieren super
für jene an der Spitze der Pyramide von Reichtum, Macht,
Sicherheit und Möglichkeiten. Die obersten 10% mit dem

größten Reichtum, der meisten Macht, Sicherheit, und mit
den meisten Möglichkeiten, schauen nach unten und
sagen, da das System für sie funktioniert, funktioniere es
für alle. Sie glotzen die Wenigen an welche die Pyramide
heraufklettern um sich zu ihnen zu gesellen, als Beweis
dafür, dass das System für alle funktioniert die das Zeug
dazu haben: Verstand, Hingabe, und so weiter.
Es ist überflüssig hier zu sagen, dass jene Leute den
Reichtum und die Macht haben, daher lassen sie nicht
irgendjemand anderen das System verändern, sie könnten
ja ihren Platz auf der Spitze der Pyramide verlieren. Da sie
Verstand und Hingabe etc. haben, können sie ohne
weiteres eine endlose Liste von Gründen dafür
herbeizaubern, weshalb das System gut beieinander ist
und nur kleine Reformen nötig sind.
Doch ob die oberen 10% es erkennen oder nicht, es
mögen oder nicht, das System ist ungerecht. Es ist
moralisch verdorben bis in seine Grundfesten.
Aber die moralische Korruption des Systems ist nicht das
dringendste Problem. Das vordringliche Problem sind die
fünf Prämissen die in der Einleitung aufgeführt sind, und
diese sind es die das System von innen her zersetzen. Je

mehr wir diesen fünf Prämissen Folge leisten, desto mehr
höhlen wir das System aus.
Dies lässt uns eine Wahl. Wir können die Richtigkeit des
Systems welches für uns als Individuen funktioniert
verteidigen, jenes, welches es uns ermöglicht, unsere
privaten Interessen zu maximieren. Wir können
andersfarbige Gummibärchen essen und hoffen, dass sich
das System auf magische Weise selbst rettet, oder wir
packen die Sache an und entwerfen ein von Grund auf
neues System, eines mit Chancen und Möglichkeiten für
alle.
Man sagt uns, dass es immer einen Mittelweg gibt, aber
dies ist nicht immer wahr. Manchmal heißt es entwederoder.
Betrachten wir nun dieses Konzept: Ein System welches
für alle funktioniert, funktioniert auch für uns.

Warum lehnen wir neue Lösungen ab?
Skepsis ist generell unsere erste Reaktion auf jede neue
Lösung. Es spricht mehr dafür als nur gesunde Vorsicht,

und wir müssen die Psychologie der Skepsis verstehen,
wenn wir vermeiden wollen, in die Falle der
Schwarzmalerei zu gehen.
Skepsis ist ein Teil unseres intellektuellen Immunsystems
welches uns vor Wunschdenken, Fuzzy Logic und der
Illusion des Verstehens schützt (d.h. der Drang, alles auf
eine Power Point-Präsentation reduzieren zu wollen).
Aber Skepsis ist auch eine Tarnkappe für Schwarzmalerei.
Unter der Verkleidung der Skepsis finden Schwarzmaler
umfangreiche Mängel im gegenwärtigen Arrangement,
doch noch mehr so in den vorgeschlagenen Lösungen.
Wenn Schwarzmaler regieren, dann stagniert das System.
In Unternehmen führt Stagnierung zum Bankrott. In
Gesellschaften führt Stagnierung zu einem Rückgang an
Vitalität und der Fähigkeit der Problemlösung.
Schwarzmaler denken, dass sie eine wertvolle, ja
heroische Aufgabe ausführen, indem sie Lösungen
abwürgen. Es ist ihnen zu verdanken, dass durch ihre
Bemühungen die Dummen, die sonst unangemessene
Risiken eingingen, vor sich selbst bewahrt werden.
Ihnen geht es nicht in den Kopf, dass sie selbst das größte

Risiko darstellen. Und doch ist dies die Realität. Nassim
Taleb und Andere haben gezeigt, dass Systeme, die sich
der Fermentierung von neuen Ideen widersetzen,
zunehmend brüchig und schwach werden. Das Ablehnen
von Lösungen garantiert den Systemkollaps.
Einer der vorherrschenden Gründe für Schwarzmalerei ist,
unsere Bezahlung und Vergünstigungen, unsere Position
und unseren sozialen Status vor der Gefahr neuer
Lösungen zu beschützen. Experimente und Konkurrenz
sind eine Gefahr für unser eigennütziges Interesse, und
wir alle verstehen die Motivation, unseren Anteil am
Kuchen vor der Gefahr durch schneller-besser-billiger zu
bewahren.
Der Gemeinnützigkeit ist gedient, nicht durch eigennützige
Interessen sondern durch schneller-besser-billiger. Wenn
Experimente und Konkurrenz unterdrückt werden, damit
eigennützige Interessen geschützt werden, dann verrottet
das System von innen.
Schwarzmalerei triumphiert, wenn eigennützige Interessen
über dem Gemeinnutzen stehen. Es ist nicht
verwunderlich, dass diese Abwertung von bürgerlichen
Tugenden zugunsten von Eigennutz – der Maximierung

von persönlichem Gewinn auf alle Kosten – als der
Hauptgrund für den Niedergang und den Fall Roms
identifiziert wurde.
Schwarzmaler finden ihr Zuhause in SchwarzmalereiOrganisationen wie Bürokratien und in Monopolstellungen
– Organisationen, die dazu da sind entweder Nein zu
sagen (Bürokratien), oder die von der Eliminierung von
neuen Lösungen abhängen (auch bekannt unter dem
Namen Konkurrenz).
Es ist kein Zufall, dass Schwarzmalerei-Organisationen
zentralisierte Hierarchien sind. Wie wir im zweiten Kapitel
sehen werden zerstören sich Systeme von selbst, wenn
sie groß, komplex, zentralisiert und hierarchisch werden.
Wie sie sich selbst zerstören ist ganz simpel:
Innovationen, Experimente, Konkurrenz werden als Gefahr
unterdrückt, und so wird schneller-besser-billiger
beruhigenderweise in einem flachen Grab verbuddelt.
Der Weg nach oben innerhalb dieser Organisationen ist
phänomenal gute Schwarzmalerei – während man
überschwenglich die unsterbliche Unterstützung für
Innovation verlautbart. Innovation ist prima, als Prinzip,
selbstverständlich, aber wenn sie erst einmal die

eigennützigen Interessen angreift, was sie, ähem, immer
tut, dann wird sie schnell auf den Friedhof von “weitere
Untersuchungen sind notwendig” geworfen.
Schwarzmaler zeigen ihre Expertise nicht durch Innovation
sondern dadurch, dass sie Löcher in die Innovationen
Anderer machen. Innovation ist riskant, Schwarzmalen ist
sicher – besonders in Organisationen, die Risiko
vermeiden. Das Ergebnis ist, dass Schwarzmaler von
Kollegen gepriesen werden, dafür, dass sie die
Organisation vor der Gefahr der Innovation bewahren.
Da ist noch eine weitere bedeutende Motivation für
Schwarzmalerei. Jene, die Teil der 10% der Schicht von
Technokraten, Finanzen und Wirtschaft sind, schauen auf
ihren Erfolg und denken, dass das System für mich und
für meine Kollegen funktioniert, also ist es offensichtlich
prima. Die Möglichkeit, dass das System nur für die
oberen 10% gut ist, oder dass der Erfolg nur temporär ist,
ist nicht so überzeugend wie die persönliche Erfahrung
jener, die in Schwarzmaler-Organisationen drin sind.
Anders gesagt, wenn das System für sie persönlich nicht
funktioniert, dann habe sie wenig Anlass für
Schwarzmalerei. Sie sind an Lösungen interessiert und

geben ihnen eine Chance. Doch jene, die gut durch
eigennützige Interesse geschützt sind, haben viele Gründe
dafür, schwarz zu malen, und wenige Gründe dafür,
möglicherweise disruptive Lösungen zu unterstützen.
Auf alle Fälle sollten wir skeptisch sein, doch sollten wir es
vermeiden, schwarz zu malen und in die Stagnation und
den Kollaps zu schlittern.

Mein persönlicher Weg zur Lösung
Dieses Buch folgt dem guten Ratschlag des Philosophen
Ludwig Wittgenstein: “Die Probleme des Lebens sind an
der Oberfläche unlösbar und nur in der Tiefe zu lösen. In
den oberflächlichen Dimensionen sind sie unlösbar.” Zu
meiner Verwunderung hat mein eigener verschlungener
Karriereweg mir dabei geholfen, die klaffenden Löcher der
herkömmlichen Erzählweise zu identifizieren und eine
neue Lösung zu entwerfen.
Hier ist eine Aufzählung meiner bunten Karriere: Schreiner
und Bauhandwerker, Entrepreneur, Arbeitgeber, politischer
Aktivist, ehrenamtlicher Sozialarbeiter, Mitbegründer einer
örtlichen gemeinnützigen Stiftung, Manager im

Hinterzimmer einer kleinen Firma für Finanzforschung
und, in der jüngeren Vergangenheit, eigenständiger Autor
von Büchen, Blogs und Ideen innerhalb der digitalen
Wirtschaft. Ich habe viele Häuser gebaut und viele Bücher
geschrieben, und mit einer Spitzhacke habe ich mir ein
unabhängiges Auskommen in den Gräben der RisikoÖkonomie ausgehöhlt.
Steve Jobs hielt 2005 eine Anrede an der Stanford
University, eine welche berühmt ist für ihre hart erarbeitete
Weisheit hinsichtlich der Tatsache, dass unsere Karriere
nur dann abhebt, wenn wir den Punkt erreichen, wo alles
zusammenkommt.
Dieses Buch ist dieser Punkt.
Jede meiner Arbeitserfahrungen hat etwas Unersetzliches
zu dieser Verbindung der Punkte beigetragen. Ich hätte
nicht die gleichen analytischen Werkzeuge verfügbar,
wenn auch nur eine von ihnen fehlte.
Daher ist es nur allzu angebracht, dass ich Sie warne
hinsichtlich der Tatsache dass ich, während ich als junger
Mann das Schreinerhandwerk erlernte, ebenfalls ein
Studium der Philosophie ablegte. Dies bedeutet, dass ich

ab und zu einen unwiderstehlichen Drang habe, ein
verschleiertes Wort wie zum Beispiel Teleologie zu
verwenden. Ich versuche hier nicht, schleierhaft zu sein,
ich versuche, prägnant zu sein; manchmal vermittelt ein
einziges Wort einen ganzen Rattenschwanz an wichtigen
Ideen.
Teleologie ist solch ein Wort. Es bedeutet das Endziel, der
finale Punkt zu welchem hin all die Dinge, die wir getan
haben führen, Erfolge wie Fehlschläge.
Abstraktionen zu verstehen ist essentiell, und doch nicht
ausreichend. Es reicht nicht, abstraktes Wissen zu haben;
man muss es mit bodenständigen Erfahrungen verbinden,
um zu verstehen, wie die Dinge wirklich funktionieren.
Da ist noch eine weitere unabdingliche Zutat: Risiko.
Man kann niemals wirklich verstehen, wie die Dinge
funktionieren, wenn man nicht selbst mit Haut und Haaren
dabei ist, und dies heißt, dass Risiko dazukommt.
Verlieren, versagen, zurückgewiesen werden, nicht
bezahlt werden – diese Dinge schärfen den Geist. Es gibt
keinen Ersatz für das, was wir erlernen, indem wir uns
durch die Probleme der realen Welt kämpfen und den

Konsequenzen ins Auge sehen.
Wenn wir abstraktes Wissen mit jenem aus der wirklichen
Welt verbinden, dann können wir, wenn wir Glück haben,
eine Fähigkeit für unabhängiges Denken entwickeln,
Fragen stellen und Antworten finden die nicht einfach von
vorgekauten Binsenwahrheiten herrühren.

Was einfach ist, aber garantiert scheitert:
Wunschdenken
Wir wissen alle, dass die Menschen die Dinge gerne
einfach haben. Es gibt einen Grund dafür, dass wir so
veranlagt sind. Kalorien sind in der Welt der Jäger und
Sammler knapp, und wertvolle Energie bei der Verfolgung
von schwierigen Aufgaben zu verbrennen hat keinen Sinn,
es sei denn, der Lohn ist sehr groß. (Bedenken Sie, dass
unsere Gehirne lodernde Hochöfen sind die viele Kalorien
verbrennen.)
Deshalb bevorzugen wir Wunschdenken statt Analyse.
Wunschdenken macht sehr viel weniger Arbeit. Wenn man
die Wahl hat, dann wählt man Wunschdenken, denn es ist
allgemein weniger riskant als wertvolle Energie in Arbeit

zu verspielen die sich vielleicht nicht auszahlt.
Wenn wir jedoch schwierigen Problemen
gegenüberstehen, dann ist Wunschdenken nicht sehr
nützlich, denn es birgt keine Lösungen in sich.
Wenn Sie ein echtes Unternehmen führen, eines welches
Sie in den Bankrott bringt, wenn sie bei der Lösung eines
Problems Versagen, hier ist Wunschdenken katastrophal.
Es gibt wenige Garantien im Leben, aber Wunschdenken
garantiert Versagen.
Wunschdenken kann nicht die harte Arbeit von Analyse,
Experimentieren, und all dem riskanten Herumfuchteln bei
der Lösung von Problemen ersetzen.
Wenn wir also wirklich die Probleme der Armut und der
Automation, die unsere Welt frisst, lösen wollen, dann
sollten wir die Ärmel hochkrempeln und eine recht
kalorienverbrauchende Analyse vornehmen. Die Resultate
werden es wert sein.

Drei Ausgangspunkte

Bevor wir damit beginnen können, ein neues System zu
entwerfen, müssen wir verstehen, warum das momentane
System versagt hat. Sonst werden wir das gleiche Resultat
bekommen. Fangen wir mit diesen drei Punkten an:
1. Die

herkömmliche Erzählweise hinsichtlich unseres
sozio-ökonomischen Systems ist so voller Löcher,
dass sie keinen Sinn mehr macht.
2. Wir stellen nicht die richtigen Fragen – jene, die wirklich
gestellt werden müssen.
3. Systeme sind nicht ideologisch. Sie funktionieren
unabhängig von unseren Wünschen und können nicht
durch mentale oder emotionale Trickspielerei repariert
werden.
Obwohl uns angeblich beigebracht wurde, kritisch zu
denken, gibt es erstaunlich wenig unabhängiges Denken
welches tatsächlich auf die fünf Prämissen, die in der
Einleitung aufgeführt wurden, angewandt wird. Warum ist
das so? Es gibt mehrere Gründe dafür.
Wenn diese Erzählweisen keinen Sinn mehr machen,
dann müssen wir neue schaffen. Dies ist von vornherein
ein riskantes Unterfangen, denn neue Erzählweisen
können so inkohärent sein wie die gegenwärtigen.

Obwohl wir hier wirklich keine Wahl haben – die heutigen
Erklärungen ergeben keinen Sinn, ob es uns gefällt oder
nicht – wir vermeiden es, den Status Quo zu hinterfragen,
denn wenn wir Fragen stellen, dann setzt dies voraus,
dass wir akzeptieren dass die Zukunft fraglich ist, und
diese Unsicherheit löst Besorgnis aus.
Ein weiterer Grund dafür, dass wir keine Fragen stellen die
gestellt werden müssen, ist das Versagen der
Vorstellungskraft: Nur Wenige können sich eine vom
momentanen System sehr verschiedene Welt vorstellen.
Die Idee, dass Systeme unabhängig von Ideologien
existieren wurde von Donella Meadows’ Essay
Hebelpunkte: “Orte, wo in Systemen interveniert wird”
(Leverage Points: Places to Intervene in a System, zu
lesen bei donellameadows.org) ausgelöst.
Bevor ich dieses Essay las, akzeptierte ich die
herkömmliche Erzählweise dernach wirtschaftliche und
soziale Systeme ideologisch seien: Kapitalismus,
Marxismus, Demokratie, Sozialismus, und so weiter.
Menschen glaubten an das System, oder lehnten es ab,
aus ideologischen Gründen.

Dass Systeme auf Input, Regeln und Outputs reduziert
werden können die nichts mit unserem Glauben an ihre
Güte oder Effizienz zu tun haben, war eine Erleuchtung.
Einfach gesagt, Systeme sind erfolgreich oder sie
versagen, unabhängig von unseren ideologischen
Überzeugungen über das System.
Obwohl die Psychologie des Glaubens kompliziert ist, es
läuft auf Identität hinaus: Unser Glaube an den Wert eines
Systems ist Grundbestandteil unserer Identität.
Wir glauben an die Güte und Gerechtigkeit von
subventionierten Sozialwohnungen, als Beispiel hier, weil
wir an soziale Gerechtigkeit und Wohnungen für alle
glauben. Dass dies Leuten mit niedrigem Einkommen
nicht hilft, ist kontraintuitiv und inakzeptabel: Es muss
Leuten mit niedrigem Einkommen helfen, weil wir Leuten
mit niedrigem Einkommen helfen wollen.
Auf ähnliche Weise glauben wir, dass die Maximierung von
privatem Profit das System zu Wohlstand führt, weil wir an
wirtschaftliche Freiheit glauben. Wie könnte jemand denn
nicht das Gute und Rechte von wirtschaftlicher Freiheit
sehen? Dass die Maximierung von privater Bereicherung

das System zerstört ist kontraintuitiv und inakzeptabel:
Größte private Bereicherung muss das System
ordnungsgemäß funktionieren lassen, weil Selbstinteresse
der Kern der Freiheit ist.
Und so weiter. Jeder ideologische Glaubensinhalt kann auf
diese Weise aufgegliedert werden.
Wir wehren uns gegen diese Analyse, weil es unsere
Identität herausfordert. Kein Wunder, dass wir uns
widerstreben: Was ist schon wichtiger für unser
Selbstverständnis als jene Glaubensmuster, die unsere
Identität ausmachen?
Wenn wir dies verstehen, dann können wir unseren
Glauben von Systemen als Solche trennen. Wir können
unseren Glauben beibehalten und dennoch verstehen,
dass der Erfolg oder das Versagen des Systems nichts mit
unseren eigenen Überzeugungen zu tun hat.
Wenn wir positive Resultate und Outputs wollen, dann
müssen wir das System als System untersuchen, nicht als
ein Ausdruck unserer Identität und unserer
Glaubensvorstellungen.

Merkwürdigerweise bestehen wir darauf, Systeme zu
unterstützen deren Resultate genau das Gegenteil davon
sind was wir bekunden, weil wir glauben, dass unkritischer
Glaube ein Ausdruck unserer Überzeugung sei.
Dies lässt uns eine recht krasse Wahl. Entweder wir
setzen uns als Ziel, ein System zu entwerfen welches
positive Resultate produziert, oder wir schwelgen in
unseren ideologischen Glaubensmustern. Entweder –
oder.
Wie Donna Meadows aufzeigt, Systeme sind oft
kontraintuitiv: Wir wollen, dass sie ein bestimmtes Resultat
hervorbringen, doch können die Regeln und die Eingänge
(Inputs) die wir wählen komplett andersartige Resultate
(Outputs) verursachen, als wir erwarten. Wenn man dazu
das Versagen, sich eine Welt vorzustellen die anders ist
als jene in der wir leben nimmt, dann ist es kein Wunder,
dass unsere Systeme sich selbst zerstören.
Der erste Teil des Buches hat drei Ziele;
1. Untersuchung

der klaffenden Abgründe und Löcher der
herkömmlichen Erzählweise, damit sie kohärent
werden.

2. Die

Fragen stellen, die gestellt werden müssen, aber
nicht gestellt werden.
3. Unsere Wirtschaft und Gesellschaft als System
verstehen.
Wenn wir einmal diese Ziele erreicht haben, dann sind wir
darauf vorbereitet, ein System zu entwerfen welches
tatsächlich positive Resultate produziert.

Automatisierung, Arbeitsplätze, und garantiertes
Einkommen
Beim Studium dessen, was Andere als Lösung zur
Automatisierung vorgeschlagen haben war ich erstaunt
darüber, dass ich riesige Löcher in der herkömmlichen
Erzählweise fand in Bezug auf was passiert, wenn
Software und Roboter riesige Areale der menschlichen
Arbeit ersetzen. Die gängige Erzählweise (wie sie von
hochangesehenen Volkswirtschaftlern, Akademikern,
Journalisten und öffentlichen Intellektuellen präsentiert
wird) ist, dass die unvermeidbare Erosion von Arbeit durch
Automatisation folgende Resultate haben wird:

Die Schaffung von noch mehr Arbeitsplätzen als durch

die fortschreitende Technologie verloren gehen; oder
Ein garantiertes Mindesteinkommen für alle, bezahlt
durch Steuern von jenen, welche die Roboter und
Software besitzen die all die Arbeitsplätze fraßen.

Mit anderen Worten, wir müssen nicht die Eingaben oder
Inputs, oder das System, ändern: Das System wird die
allgemeine Zerstörung von Arbeitsplätzen lösen, ohne
dass wir etwas anders machen müssen. Es wird
automatisch mehr Arbeitsplätze schaffen als zerstört
werden, und der Staat wird mehr Steuern einnehmen und
allen ein Mindesteinkommen zahlen.
Dass diese Schlussfolgerungen inkohärent und untauglich
sind ist für jeden einleuchtend, der Erfahrung als
Unternehmer und ein Grundverständnis hinsichtlich der
Regierungsausgaben und der Firmengewinne hat.
Beginnen wir mit der Idee, dass Technologie immer mehr
Arbeitsplätze schaffen wird als sie zerstört.
Es gibt wenige Beweise dafür, dass dies so ist. Es könnte
in der Vergangenheit so gewesen sein, doch nicht heute.
Wenn wir die Frage stellen würden, eine Technologie zu

nennen welche im vergangenen Jahrzehnt mehr
Arbeitsplätze schuf als sie zerstörte, dann ist
Biotechnologie die typische Antwort. Was aber nur Wenige
sich scheinbar in Erinnerung rufen ist, dass die auf
Chemie basierende pharmazeutische Industrie von
Produkten der wachsenden und auf Biomaterial
basierenden Industrie ausgeweidet wurde; tausende
Arbeitsplätze wurden verloren. Die atemberaubend
niedrige Rentabilität der überwiegenden Mehrheit der
Biotechnologie-Firmen wird ebenfalls nicht erwähnt;
ebensowenig der Überfluss an Arbeitern, die in
Wissenschaft, Technologie, Ingenieurswesen und
Mathematik ausgebildet sind.
Die Erteilung von Universitätstiteln in diesen Bereichen
schafft keine Arbeitsplätze für die Absolventen.
Der Glaube, dass Technologie durch Zauberhand mehr
Arbeitsplätze schafft als sie zerstört ist Wunschdenken.
Diese Theologie entstand als Resultat des Übergangs von
einfachster landwirtschaftlicher Arbeit zur einfachen
Fabrikarbeit, in der ersten Industrierevolution (1750-1860,
Dampfmaschinen, Eisenbahnen, Fabriken, etc.), und der
zweiten Industrierevolution (1870-1930, Massenfertigung,
Elektrizität, Autos, Flugzeuge, Radio, Telefon, Filme).

Jeder Übergang bot Millionen an neuen, unqualifizierten
Arbeitsplätzen für jene, die durch Technologie ersetzt
worden waren, und schaffte zunehmend zahlreichere
Arbeitsplätze für qualifizierte Arbeiter in den Bereichen
Design, Technologie, Marketing und Management. Doch
diese Geschichte wiederholt sich nicht in der jüngsten
industriellen Revolution.

Die dritte industrielle Revolution
Diese letzte Revolution begann mit der digitalen
Kommunikation und Datenverarbeitung, und in jüngerer
Zeit kamen große Fortschritte hinzu, in Robotik, Software
und vernetzten digitalen Geräten, d.h. das World Wide
Web und das Internet der Dinge.
Zum ersten Mal im Verlauf des technologischen
Fortschritts werden keine unqualifizierten Arbeitsplätze
durch die letzte Revolution geschaffen. Nicht nur werden
wenige unqualifizierte Jobs durch die digitale Revolution
geschaffen, hochqualifizierte Arbeit wird durch rapide
Fortschritte in künstlicher Intelligenz und Software erodiert.
Da Automatisierung und Software jetzt qualifizierte

Tätigkeiten frisst, schafft die Fortbildung von Arbeitern
nicht automatisch Arbeitsplätze für sie. Indem die gesamte
Bevölkerung zur Erlangung von Universitätsabschlüssen
gedrängt wird heißt dies nicht, dass automatisch
Arbeitsplätze geschaffen werden welche
Universitätsabschlüsse voraussetzen.
Die herkömmliche Erzählweise übersieht eine Dynamik mit
einer Schlüsselrolle in der dritten Industrierevolution: Die
Zahl der qualifizierten Arbeiter welche nötig sind, um
ganze Industriezweige von qualifizierten Angestellten zu
eliminieren, ist viel kleiner als die Zahl der Arbeitskräfte,
die eliminiert werden.
“Craigslist” zum Beispiel (zentrales Online-Netzwerk mit
Anzeigenseiten aller Art) hat weniger als 50 Angestellte,
und doch hat die Firma tausende von mittelständischen
Arbeitsplätzen ausgelöscht welche einst durch
Anzeigenseiten in den Print-Medien unterhalten worden
waren.
Software Programmierung – etwas, was Viele als die
Zugmaschine für zukünftige Arbeitsplätze ansehen – wird
selbst automatisiert. Wenn jedem beigebracht wird zu
programmieren, dann wird das nicht automatisch Millionen

neuer Jobs gründen, während Maschinen arbeitsintensive
Arbeitsschritte des Programmierens übernehmen.
In vielen Fällen ist Programmieren bereits ein Prozess,
wobei größere Stücke von Code von Online-Quellen
übernommen und zusammengeflickt werden: Drag & Drop
ersetzt mühseliges Programmieren. In anderen Fällen
können automatisierte Systeme wie MIT’s Helium älteren
Code in einer Stunde säubern und optimieren, etwas was
Monate menschlicher Arbeit benötigen würde.
In einer Welt der globalen Konkurrenz und knapper
Haushalte ist ein Programm welches die Arbeit von
Dutzenden von Arbeitern in ein paar Stunden tun kann
(und besser) Manna vom Himmel.
Zwei Merkmale der automatischen Programmierung helfen
uns beim Verständnis weshalb die dritte (digitale)
Industrierevolution anders ist als die vorangegangenen
zwei Industrierevolutionen.
1. Die

Arbeit des Programmierens wird nicht mehr
wiederholt werden müssen. Es muss nur einmal
geschrieben werden. Einmal entstanden, wird das
Programm tausende Linien Code von Nachlass-Code

(legacy code) automatisch durcharbeiten, und dabei
mehr lernen.
2. Eine digitale Kopie kann global für fast Null Kosten
verbreitet werden.
Diese Merkmale helfen uns dabei, zu verstehen warum
automatische Programmierung nicht höher bezahlte Arbeit
für Menschen schafft als sie zerstört: Das ganze Ziel von
automatisierter Software ist, dramatisch niedrigere Kosten
zu bereiten, und das Output zu verbessern, indem
menschliche Arbeit und die Kosten für Verteilung und
Operation eliminiert werden.

Menschliche Arbeit ist die 450-Dollar-Lösung,
Automatisierung ist die 45-Dollar-Alternative
Der Glaube, dass Technologie mehr Arbeitsplätze
schaffen wird als sie zerstört ist verständlich. Die
Standard-Erklärung hat lediglich zwei Mechanismen für
die Schaffung von Arbeitsplätzen: Unternehmen welche
die Profite maximieren, und die Regierung. Wenn diese
Sektoren mehr Arbeitsplätze schaffen können als
Technologie zerstört, dann bietet die StandardErzählweise keine Lösung.

Mainstream-Ökonomen sind dabei, vorsichtig dieses Jobzerstörende schwarze Loch zu erforschen. Erik
Brynjolfsson, Andrew McAfee und der WirtschaftsNobelpreisgewinner Michael Spence schrieben in 2014:
“Sollte die digitale Revolution in der Zukunft weiterhin so
mächtig sein wie sie es in den letzten Jahren war, dann
müssen die Strukturen der modernen Wirtschaft und die
Rolle der Arbeit als solche möglicherweise überdacht
werden.”
Obwohl sie vorsichtigerweise nicht vorhersagten, dass
sich die digitale Revolution mit der gegenwärtigen
Geschwindigkeit ausbreiten wird, die Realität ist, dass die
Revolution an Fahrt gewinnt. Statt zu hoffen, die Software
würde ihren Appetit am Job-fressen verlieren, können wir
davon ausgehen, dass ihr Appetit nur zunehmen wird.
Warum ist dies so?
Arbeitsplätze werden nicht durch Magie oder abstrakte
Theorien geschaffen. Jobs werden einer nach dem
anderen geschaffen, indem jemandem ein Gehalt gezahlt
wird um eine profitable Arbeit zu verrichten. Wenn
Software die Arbeit schneller, besser und billiger als

menschliche Arbeit machen kann, dann macht es
wirtschaftlich gesehen keinen Sinn, einen Menschen für
die Arbeit zu bezahlen.
Lediglich die Arbeitgeber verstehen genau die
Auswirkungen der digitalen Technologien für die Schaffung
von Arbeitsplätzen, denn sie sind die Einzigen die sich
fragen müssen: Macht es vom finanziellen Standpunkt aus
Sinn einen weiteren Angestellten anzustellen?
Die große Mehrheit der Arbeitnehmer sind Angestellte,
und sie haben keine Erfahrung damit, Arbeitgeber zu sein.
Dies platziert eine erfahrungsgemäße Obergrenze in
unserem kollektivem Verständnis der zugrundeliegenden
Realitäten für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Was auf
abstrakte Weise plausibel aussieht, für jene, die keine
Erfahrung haben mit Lohnzusatzkosten welche die
Einnahmen übersteigen (d.h. der Verlust von Geld), ist in
der realen Welt oft impraktikabel.
In der realen Welt kann die Einstellung von mehr
Angestellten jemanden, und sein Unternehmen, in den
Bankrott treiben.
Die Mainstream-Medien glorifizieren die Wenigen die in

der unternehmerischen Nahrungskette ganz obenauf sind,
und die Milliarden an Profiten einbringen, aber in den
Schützengräben der Risiko-Ökonomie ist es schwierig,
einen Profit zu machen. In dieser Welt setzt das
Überleben voraus, dass menschliche Arbeit reduziert wird,
oder dass von jedem Angestellten mehr Wert extrahiert
wird.
Die Kernfunktion des Kapitalismus ist es, Profite zu
generieren und Kapital zu erweitern. Die Schaffung von
Arbeitsplätzen ist nicht die Hauptaufgabe des
Kapitalismus, weder ist es die Hauptaufgabe der
Regierung. Wir gehen einfach davon aus, dass
Arbeitsplätze expandieren, als Nebeneffekt von Kapital
und Staat (d.h. Regierung) bei der Verfolgung ihrer
Hauptaufgaben, aber in der digitalen Ökonomie kann dies
nicht mehr als gottgegeben vorausgesetzt werden.
Die Realität ist, dass Unternehmen und Staaten
arbeitssparende Maßnahmen annehmen müssen um zu
überleben. Die Bestätigung findet man ganz einfach durch
einen Blick auf die heutigen Schlagzeilen: Die US-Marine
untersucht die 3-D Fabrikation von Schiffen (nicht die von
Komponenten, ganze Schiffe), chinesische Hersteller
wenden sich hin zu komplett automatisierten Fabriken,

selbstfahrende Lastwagen sind auf den Straßen, und
selbst Arbeiten die allzu Low-Tech für Robotik zu sein
scheinen, wie die Ernte von Teeblättern, werden
automatisiert.
Automation ist nicht eine Option die zugunsten von
“Business As Usual” abgelehnt werden kann. Wie wir in
einem Moment gleich sehen werden ist die
Automatisierung ein unausweichliches Resultat der
zugrundeliegenden Kräfte, welche nur stärker werden.
Hauptursache dafür sind die steigenden Kosten der
menschlichen Arbeit – nicht nur in den entwickelten
Ländern, sondern überall.
Es herrscht ein allgemeiner Unglaube vor hinsichtlich der
Tatsache, dass Automation hochqualifizierte
mittelständische Berufe in der gleichen Art und Weise
fressen kann wie sie es mit unqualifizierten
landwirtschaftlichen und Fabrik-Jobs tat. So gesehen
waren die 50 Angestellten von Craigslist.com welche
tausende von mittelständischen Berufen in der
Anzeigenbranche auslöschten sozusagen ein Glücksfall.
Die Wahrheit jedoch ist, dass die Bastionen der
mittelständischen Berufe – zum Beispiel das

Gesundheitswesen, Bildungswesen, Regierung und
Verteidigung – zunehmend unbezahlbar werden und
daher reif sind für eine umfassende kreative Zerstörung
von Kosten, Jobs, und Business As Usual.
Die herkömmliche Lösung für steigende Kosten in diesen
Industrien ist es, Steuern zu erhöhen oder sich mehr Geld
zu leihen. Jedoch können Steuern nur bis zu einer
gewissen Obergrenze ansteigen bevor sie Rezessionen
auslösen, sowie andere selbst-korrigierende
Mechanismen. Sich Geld zu leihen führt letztendlich zum
Bankrott des Schuldners, egal wie groß er ist. Ist die
Lösung für steigende Studienkosten sich eine weitere
Billion zu borgen?
Dies sind keine nachhaltigen Lösungen; es ist
Wunschdenken.
Die Lösung ist, Kosten durch Technologie zu senken –
nicht um 3% oder 5%, sondern um 50% oder 90%.
Jene, die sich in diesen untragbaren Sektoren ein Leben
eingerichtet haben, verteidigen den Status Quo, indem sie
behaupten, Menschen täten bessere Arbeit als Maschinen
und Software, oder dass Menschen essentiell sind,

ungeachtet ihrer Kosten.
In vielen Fällen ist dies selbstgefälliges Wunschdenken.
Hinsichtlich der unbeachteten Kosten: Was wir uns leisten
können ist gut genug. Als Beispiel, ein Apple iPad kostet
450 Dollar. Ein Tablet mit dem kostenlosen Android
Betriebssystem kostet 45 Dollar (10% der Kosten eines
iPads), in China und Indien. Ja, das iPad hat ein paar
Vorteile gegenüber eines 45-Dollar-Tablets. Aber welche
Vorteile sind es denn, für jene, die sich ein iPad nicht
leisten können? Wie hoch sind die Opportunitätskosten,
wenn ein Produkt zehnmal mehr kostet als die
kommodifizierte Version? Anders ausgedrückt – was sonst
hätte man mit den eingesparten 405 Dollar machen
können, wenn das billige Tablet gekauft wird? Was sonst
hätte man mit den Zinsen, die für das Darlehen von
zusätzlichen 405 Dollar die gezahlt wurden, alles machen
können?
Forschungen legen nahe, dass Kinder Lesen und
Schreiben ohne jegliche Lehrer erlernen, wenn ihnen
Tablets mit Spielen gegeben werden welche für das
Lernen von Lesen und Schreiben entworfen wurden. Ein
Lehrer kann ein Plus sein, aber wenn man sich keinen

leisten kann, dann macht ein Tablet mit lehrreichen
Spielen die ganze Arbeit.
Je mehr wir über die Faktoren welche die Bildung wirklich
effizient machen lernen, desto einfacher ist es, diese
Prozesse zu automatisieren, mit Software, die auf 45Dollar-Tablets funktioniert.
Wir tragen nicht die Schuld am Stolz über unsere
menschliche Fähigkeit für Empathie und Einsicht. Dies
sind wertvolle Kapazitäten. Wenn aber alles, was wir uns
leisten können, ein 45-Dollar-Tablet ist, dann sind die
Hohelieder auf das iPad keine Lösung.
Es gibt bereits Roboter in Klassenzimmern, und Roboter,
die für die Pflege von Senioren entworfen wurden. Es gibt
Roboter, die Menschen im Rollstuhl ihre Mobilität
zurückgeben. Software steuert bereits viele Bereiche des
Fliegens in fortschrittlichen Flugzeugen.
Dickschädel sind dazu bereit zu erklären, dass
Kampfpiloten unerlässlich seien, egal welche Kosten, was
aber, wenn wir uns nicht länger 200-Millionen-DollarKampfjets leisten können? Egal welche Kosten, dies ist
eine andere Art zu sagen solange jemand anderes die

Rechnung zahlt, oder Bezahlung per Kreditkarte. Doch
keines ist eine Lösung; beide sind Wunschdenken.
Wenn wir uns lediglich einen Fürsorgeroboter leisten
können, dann wird die Lösung sein, die Fähigkeiten des
Roboters zu verbessern, nicht der Versuch seines
Austauschs durch einen kostspieligen Menschen. Wenn
wir uns lediglich ein pilot-loses Flugzeug welches vom
Boden gesteuert wird leisten können, dann wird die
Lösung nicht sein, sich eine Billion zu leihen, um obsolete
Kampfjets zu bauen welche unseren Hang zum Schein der
Unersetzbarkeit befriedigen. Die Lösung ist, die
Fähigkeiten der pilot-losen Flugzeuge zu verbessern.
Dass sowohl unerschwingliche wie ineffiziene Systeme
ersetzt werden müssen, ist einleuchtend und notwendig,
jedoch widersetzen wir uns, weil wir erkennen, dass die
verlorenen Arbeitsplätze nicht ersetzt werden können.
Nehmen wir als Beispiel hier die Art, wie wir momentan
medizinische Tests handhaben. Der Patient fährt zur Klinik
oder ins Krankenhaus, wartet in einem Zimmer (ein totale
Vergeudung von potentiell produktiver Zeit), während eine
riesige Bürokratie die Interaktion und die Bezahlung
verarbeitet. Eine Probe wird entnommen, und der Patient

fährt zurück zur Arbeit, oder nach Hause. Die Proben
werden ins Labor geschickt, wo hochbezahltes Personal
sie bearbeitet. Die Resultate werden in ein System
eingegeben und dem Patienten und/oder den Ärzten und
Krankenschwestern ausgehändigt.
All dies (ver)braucht teure Energieträger, Zeit, und Arbeit.
Noch schlimmer, die Ergebnisse sind Momentaufnahmen,
die trügerisch sein können. Was ist, wenn Krankenhäuser
den Patienten nervös machen? (Ich hebe die Hand.) Der
gemessene Blutdruck wird dann höher sein als wenn er
zuhause gemessen würde. Dem Patienten wird womöglich
unnötige medikamentöse Behandlung verschrieben.
Die digitale Technologie ermöglicht einen viel billigeren
und effizienteren Weg, um mit solchen Tests umzugehen.
Die Patienten tragen digitale Apparate, die kontinuierlich
die Werte in Echtzeit messen. Smartphones werden zu
kontrollierenden und überwachenden Einheiten die Wege,
Zeitaufwand und bürokratische Reibungshitze eliminieren.
Es gibt keinen Papierkrieg; die Daten werden digital
versendet.
Zu behaupten, das gegenwärtige System sei notwendig
und effizient, ist absurd. Es ist verschwenderisch,

unbezahlbar, ineffizient, und unnötig.
Sein Ersatz wir viel mehr Arbeitsplätze eliminieren als
durch Software-Entwicklung geschaffen werden. Es gibt
keine äquivalente Erweiterung von Arbeitsplätzen, und es
gibt kein Zurück in kostspielige, verschwenderische,
ineffiziente Systeme welche die Arbeitsplätze schufen.
Ungefähr 50% der Gesundheitsausgaben in den USA sind
für 5% der Bevölkerung mit mehreren chronischen
Krankheiten. Wenn Technologie die Kosten für die
Überwachung und Kontrolle dieser Patienten reduzieren
kann, indem menschliche Arbeit eliminiert wird, dann
werden wir letztendlich keine andere Wahl haben als diese
Kostensenkung vorzunehmen. Die Bezahlung der
explodierenden Kosten des Gesundheitswesens mit der
nationalen Kreditkarte ist keine nachhaltige Lösung.
Die Kosten der Hochschulbildung laufen auf eine einfache
Prämisse hinaus: Wenn ein Student einmal lernt zu lernen,
dann braucht er nicht mehr die komplexe Bürokratie um zu
lernen. Wie ich in meinem Buch The Nearly Free
University and the Emerging Economy (“Die fast
kostenlose Universität und die entstehende Ökonomie”)
beschrieb, ist eine Reduzierung der Kosten der

Hochschulbildung um 90% nicht nur möglich, sie ist
notwendig.
Digitale Technologien ermöglichen eine radikale
Reduzierung der Kosten und eine Verbesserung der
Resultate.
Warum sollen zehntausende von Lehrern und Ausbildern
für ihre mittelmäßigen Vorträge bezahlt werden, wenn eine
bessere Vorlesung gratis und online zur Verfügung steht?
Warum sollen kostenaufwändige Verwaltungen und
Bürokratien aufrechterhalten werden, wenn die meisten
Studenten das Universitätsgelände nicht einmal betreten
müssen, und wenn Vorträge und Kurse ohne deren
Bürokratie gehalten werden können?
All die Rechtfertigungen für den Status Quo im
Gesundheitswesen, im Bildungssystem und in Sachen der
nationalen Verteidigung sind etwa das Gleiche als würden
wir eine Person mit 50 Dollar versuchen einzuschüchtern,
damit sie das 450-Dollar-iPad kauft, statt des 45-DollarTablets. Es ist keine Lösung, darauf zu bestehen, dass
eine Person mit 50 Dollar ein 450-Dollar-Gerät kauft, nur
weil es vielleicht marginal besser sein könnte.

Möglicherweise ist der 1 Billion-teure F-35 Kampfjet
marginal besser unter gewissen Bedingungen, doch sind
Flugzeuge, die vom Boden aus gesteuert werden und die
90% billiger sind unter vielen anderen Bedingungen
besser – eine Tatsache, die von jenen, welche ihre Jobs
im Status Quo verteidigen, nie erwähnt wird.
Ein riesiges Universitätsgelände mit hochbezahltem
Personal mag unter gewissen Umständen besser sein als
Online-Lernen welches mit einem Praktikum verbunden
ist, aber in anderen Situationen ist das Lernen innerhalb
des Modells mit einer zielgerichteten Lehre sehr viel
effektiver als die Studenten dazu zu zwingen, sich durch
vier Jahre Vorlesungen zu mühen um eine unglaublich
kostspielige Qualifikation mit rapide nachlassendem Wert
in der realen Welt zu erlangen.
Mit dem Risiko, jene zu nerven die Wiederholungen
verabscheuen: Ungeachtet aller Kosten ist eine andere Art
zu sagen “Solange jemand anderes die Rechnung zahlt”,
oder “Solange es auf die Kreditkarte gesetzt werden
kann”. Keines von beiden ist eine Lösung.
Technologie frisst mittelständische Arbeitsplätze auf die
gleiche Weise wie sie unqualifizierte Jobs gefressen hat,

und als Ergebnis steigender Kosten ist ihr Appetit nach
mittelständischen Jobs am zunehmen. Die Arbeitsplätze,
die durch Niedrigkosten-Technologie geschaffen werden
sind selbst anfällig für Automatisierung, wenn die
anfängliche Entwicklung einmal getan wurde.
Menschliche Arbeit ist die 450-Dollar-Option, und zu
sagen, sie sei essentiell hilft jenen mit nur 50 Dollar nicht.
Ihre einzige rationale Wahl ist, die 45-Dollar-Option zu
kaufen und an der Verbesserung des Outputs dieser
Niedrigkosten-Technologie zu arbeiten.

Die Schwächen und Fehler vom garantiertem
Einkommen für alle
Kommen wir zurück zur zweiten konventionellen Lösung
für das, was passiert, wenn Automation riesige Areale von
bezahlter menschlicher Arbeit eliminiert: Die Auszahlung
eines garantierten Mindesteinkommens für alle, bezahlt
durch Steuergelder, die von jenen eingenommen werden,
welche Profite durch Roboter und Software machen.
Dies ist die Lösung des Superwohlfahrtsstaates: Die
Regierung nimmt genügend Steuern ein, um

Sozialleistungen zu zahlen, nicht nur an die temporär
arbeitslosen und jene, die nicht arbeiten können (Kinder,
Behinderte und Senioren), sondern an die Mehrheit der
Bürger, nicht nur in einem bestimmten Lebensabschnitt,
sondern während ihres gesamten Lebens.
Das offensichtlichste Problem mit dieser Lösung der
Massenarbeitslosigkeit ist, die Zahlen rechnen sich nicht:
Die Besitzer von Robotern und Software können nicht
genügend Profit machen, um die riesigen Kosten eines
garantierten Mindesteinkommens für Dutzende von
Millionen von arbeitslosen Haushalten zu bezahlen.
Ein kurzer Blick auf die gegenwärtigen Staatsausgaben
und Firmengewinne zeigt den Abgrund zwischen den
Kosten für ein garantiertes Mindesteinkommen für alle und
der Realität.
Die US-Regierung gibt momentan jährlich 3.2 Billionen
Dollar aus, und etwa zwei Drittel davon sind für
Programme wie Social Security (Sozialversicherung und
Einkommensversicherung), Medicare, Medicaid,
Subventionen für Wohnraum, SNAP
(Lebensmittelmarken), Arbeitslosenversicherung, und so
weiter.

Es ist schwierig, die Kosten für garantiertes Einkommen
für alle zu bestimmen, wenn wir nicht die Gesamtzahl an
Haushalten kennen welche diese Leistung bekommen
werden, und die Höhe der Leistungen, aber wir können
sehr wohl vorhersehen, dass die Kosten sehr viel höher
sein werden als die gegenwärtigen Ausgaben.
Der Staat und die Regionalregierungen geben weitere 3
Billionen aus, sodass die Regierung insgesamt über 6.2
Billionen pro Jahr ausgibt, in den USA. Dies sind etwa
36% von Amerikas 17-Billionen Inlandsprodukt (BIP). Das
sind eine Menge Steuern, die von Unternehmen und
Lohnempfängern eingenommen werden müssen.

Jede Person, die ihre Arbeit durch Automatisierung
verliert, erhöht die Kosten des garantierten
Einkommens für alle. Wenn Millionen von Menschen
ihre Arbeit verlieren, dann werden die Kosten des
garantierten Einkommens für alle explodieren.
Jede Person, die ihre Arbeit verliert, zahlt keine Lohnund Einkommenssteuer mehr. Wenn Millionen von
Menschen ihre Arbeit verlieren, dann fallen
demgemäß die Steuereinnahmen der Regierung
entsprechend.

Die gesamten Unternehmensgewinne in 2015 betrugen
etwa 1.8 Billionen. Wenn die Regierung den letzten Dollar
der Firmengewinne nehmen würde (was
offensichtlicherweise unpraktisch ist), dann ist dies
weniger als 30% der gesamten Staatsausgaben.
Aber – so zumindest geht die konventionelle Denkweise –
digitale Unternehmen werden noch profitabler sein als der
existierende Haufen an Unternehmen.
Basiert dies auf der Realität oder ist dies nur noch mehr
Wunschdenken?
Nehmen wir einmal drei Technologie-Giganten, die von
praktisch allen als Paradebeispiel für Wachstum in der
digitalen Ökonomie hochgehalten werden: Google,
Facebook und Twitter.
Google hatte Einnahmen von 70 Milliarden (Halbjahr
2015), Nettoeinkommen (Profit) von 14 Milliarden, und
weltweit 55.000 Angestellte. (In den USA sind es um die
33.000.)
Wenn die gesamten Nettogewinne von Google vom Staat

genommen werden würden, dann benötigten wir 443
Googles, jedes mit 14 Milliarden im Jahr, um alle
Staatsausgaben zu finanzieren.
Aber es gibt nur ein Google auf dem Planeten, und es gibt
nicht genügend Sauerstoff für ein weiteres Google, schon
gar nicht für hunderte von ähnlich profitablen
Unternehmen. Google erledigt schon die überwiegende
Mehrheit der Web-Suchen.
Wenn wir annehmen, dass jene 443 hochprofitable
Firmen, jede davon für sich, 33.000 in der USA angestellte
Leute brauchen, um zu funktionieren, dann hätten wir etwa
15 Millionen private Angestellte – etwa 10% der
amerikanischen Arbeiterschaft von 150 Millionen.
Facebook hat global 10.000 Angestellte und
erwirtschaftete einen Nettogewinn von 2.8 Milliarden. Wir
würden 2214 Facebooks brauchen, um alle
Staatsausgaben zu finanzieren. Jene 2214 Firmen hätten
eine Belegschaft von insgesamt 22 Millionen – weniger als
2% der Arbeiterschaft.
Aber es gibt nur ein Facebook auf dem Planeten, und eine
oder zwei entsprechende Firmen in China. Was würden

die anderen 2213 hochprofitablen digitalen Firmen tun, um
Milliarden an Profiten zu erwirtschaften und 10.000 Leute
anzustellen?
Nehmen wir Twitter, mit seiner globalen Verbreitung und
3900 Angestellten. Die Gewinne sind, vor Zinsen, Steuern,
Wertminderung und Amortisation (EBITDA) 339 Millionen.
Ganz richtig, ein Verlust. Es ist eine wachsende Firma,
also wird sie vielleicht schon bald einen Nettogewinn
bringen. Aber es gibt keine Garantien dafür.
Wieviele Twitter-äquivalente Firmen brauchen wir, um 6.2
Billionen an Staatsausgaben zu finanzieren? Wenn Firmen
nicht sehr profitabel sind, dann gibt es nichts zu
besteuern. Und wenn sie nicht viele Angestellte haben
(denken wir an Craigslist), dann gäbe es nicht genug von
ihnen, um 6.2 Milliarden an Steuern einzunehmen.
In jedem dieser Fälle dominiert das Unternehmen seinen
Bereich; da ist nicht genug Sauerstoff für auch nur ein
weiteres Google, Facebook, Twitter oder Craigslist, schon
gar nicht für tausende solcher digitalen Unternehmen.
Dies ist ein sehr einfaches Modell, natürlich, denn ich
habe nicht die Steuern miteinberechnet welche Google vor

dem Nettogewinn zahlte, die Lohnnebenkosten, die von
den Angestellten bezahlt wurden, und so weiter. Doch der
Kernpunkt hier ist, dass ein garantiertes
Mindesteinkommen welches über 7 Billionen an
Steuereinnahmen benötigt, hochprofitable Firmen sowie
Dutzende von Millionen an gutbezahlten Angestellten die
gehörig Steuern zahlen voraussetzt.
Wenn keine dieser Vorbedingungen vorhanden ist, dann
ist die Idee eines garantierten Mindesteinkommens
unbrauchbar: Wenn Profite nachlassen und Arbeitsplätze
verschwinden, dann tun dies auch die Steuern.
Ob wir wollen oder nicht, die Lösung für
Massenarbeitslosigkeit mittels eines garantierten
Mindesteinkommens ist lediglich Wunschdenken. Selbst
die profitabelsten digitalen Firmen generieren bloß einen
dünnen Streifen der Profite und der Gehälter die
notwendig sind, um ein garantiertes Mindesteinkommen
für alle zu finanzieren, und sie beschäftigen lediglich einen
dünnen Streifen der Arbeiterschaft.
Und dies unter der Annahme, dass es niemals eine
Rezession gibt – eine wirklich sehr dumme Annahme!

Während einer Rezession fallen die Firmengewinne jäh
ab. Sollten die Profite auf 1 Billion sinken (wie dies in
vorangegangenen Rezessionen passierte), dann würden
die Steuern auf Unternehmen gerade einmal 15% der
gegenwärtigen Staatsausgaben decken – ganz
abgesehen davon, dass die Kosten für ein garantiertes
Mindesteinkommen für alle astronomisch ansteigen würde,
wenn Unternehmen Arbeiter entlassen.
Befürworter des garantierten Mindesteinkommens gehen
davon aus, dass steigende Steuern für Vermieter,
umweltverschmutzende Industriezweige, Zucker und
Alkohol etc. für die zunehmenden Kosten aufkommen
würden. Das Problem ist, dass es jetzt schon saftige
Steuern auf praktisch alle diese Kategorien gibt, und ein
kurzer Blick auf die tatsächlichen Profite die jeweils
eingefahren werden offenbart, dass die gestiegenen
Steuern bei weitem nicht ausreichen würden um all die
ausgefallenen Einnahmen, bedingt durch abnehmende
Profite und verschwindende Arbeitsplätze, zu ersetzen.
Die einzig mögliche Schlussfolgerung: Garantiertes
Mindesteinkommen für alle ist Wunschdenken.
Aber da ist ein noch viel größeres Loch in dieser

Erzählweise, wie wir sehen werden.

Automatisierung kommodifiziert Arbeit, Güter und
Dienstleistungen, und senkt Profit
Während die Automatisierung Jobs frisst, tut sie das auch
mit den Profiten, denn die Automatisierung kommodifiziert
Arbeit, Güter und Dienstleistungen. Wenn etwas
kommodifiziert wird, fällt der Preis, denn die Güter und
Dienstleistungen sind austauschbar und können fast
überall produziert werden.
Das 45-Dollar-Tablet kann überall montiert werden, und
die Software kann überall geschrieben werden.
Hohe Profite kommen durch Knappheit, z.B. wenn die
Nachfrage das Angebot übersteigt. Wenn das Angebot die
Nachfrage übersteigt, dann fallen die Preise, und die
Profite verschwinden.
Die Kosten der Automatisierung und der Robotik sinken
dramatisch. Dies senkt die Kosten des Einstiegs für
kleinere, hungrigere, beweglichere Konkurrenten, und es
senkt die Kosten von steigender Produktion.

Die Einzelteile für das 45-Dollar-Tablet fallen im Preis, und
die Profitmargen dieser Teile ist hauchdünn, denn sie sind
lediglich Güter. Software wie das Android Betriebssystem
ist kostenlos, und viele der für die Zusammenstellung von
neuer Software benötigten Software-Bibliotheken sind
ebenfalls gratis.
Automation erhöht das Angebot und senkt die Kosten.
Beide sind tödlich für Profite.
Hier ist also das Kernproblem mit der Idee, dass Steuern
auf die Besitzer von Robotern und Software das
garantierte Einkommen für alle finanzieren: Je mehr
Arbeit, Güter und Dienstleistungen
automatisiert/kommodifiziert werden, desto niedriger die
Profite.
Die momentane Story geht davon aus, dass mehr
Reichtum durch die digitale Zerstörung von
Industriezweigen und Arbeitsplätzen geschaffen wird, aber
Beispiele aus der Realität legen nahe, dass das genaue
Gegenteil der Fall ist: Für die Musikbranche fielen die
Einnahmen auf die Hälfte, als digitale Technologie sich
durch ihren Sektor fraß. Eine 14-Milliarden-Industrie ist

jetzt eine 7-Milliarden-Industrie. Profite und
Lohnnebenkosten der Industrie sackten ab.
Alldieweil der Musik-Abonnementservice den Verkauf von
Liedern und Alben ersetzt werden die Einnahmen
weiterhin fallen, obwohl der Konsument breiteren Zugang
zu mehr Produkten hat. Mit anderen Worten, die
Zerstörung von Verkäufen, Arbeitsplätzen von Angestellten
und Profiten ist bei weitem noch nicht vorüber.
Beispiele für solch radikale Abstürze sind im täglichen
Leben zahlreich. Um ein kleines Beispiel zu nennen,
neulich versagte unser Kühlschrank. Der Motor lief, aber
die Kühlung funktionierte nicht. Statt den Apparat für
hunderte von Dollar zu ersetzen, oder einen teuren
Reparaturservice zu bestellen, schaute ich online,
diagnostizierte das Problem als einen fehlerhaften Sensor,
sah mir das Tutorial auf YouTube an (was ich die YouTubeUniversität nenne), bestellte online einen neuen Sensor für
weniger als 20 Dollar, und machte die Reparatur ohne
Kosten, abgesehen von einer halben Stunde Arbeit, was
mich nichts kostete was eine Geldausgabe anbelangt.
Der Profit, der von YouTube gemacht wurde, war minimal,
ebenso die Profite der Firmen welche den Sensor

anfertigten und verschickten. Die Verkäufe und Profite, die
durch die Benutzung von fast kostenlosen digitalen
Werkzeugen umgangen wurden, lagen eine
Größenordnung darüber.
Neulich wurde ich via Skype interviewt, von einem OnlineJournalisten mit Millionen von Ansichten seines YouTubeKanals. Vor einem Jahrzehnt, als er im Mainstream TVJournalismus tätig war, benötigte ein Interview kosten- und
zeitaufwendige Reisen (für das Team oder den Gast),
einen Toningenieur, einen Kameramann, einen
Interviewer, einen Editor und die Gesamtaufsicht der
Leitung. Diese sechs Jobs wurden mit digitalen
Werkzeugen in einen einzigen Job zusammengerollt, und
Reisen wurden vollkommen eliminiert.
Manche werden argumentieren, dass die Qualität des
Videos und des Tons nicht so hoch sei, aber die Qualität,
die der Konsument erlebt, ist letztendlich vom Display des
Konsumenten abhängig, und dies ist zunehmend ein
Handy oder ein Tablet. Also ersetzt in Sachen Nutzen,
Wert und Eindruck das Produkt, welches von einer
einzigen Person produziert wird, das konventionelle
Medium, welches sechs Leute benötigte.

Mein eigenes Solo-Unternehmen für digitale Inhalte hätte
vor nur einem Jahrzehnt eine Handvoll Leute
vorausgesetzt (wenn nicht mehr). Mit digitalen
Werkzeugen und Dienstleistungen braucht es jetzt nur
eine Person. Jene unter uns, die mit digitalen Mitteln
arbeiten müssen um zu überleben, wir wissen aus erster
Hand dass, was einmal eine ganze Reihe von Arbeitern
voraussetzte, jetzt von einer Person produziert werden
muss, wenn wir hoffen wollen, auch nur ein marginales
Mittelschicht-Einkommen verdienen zu können.
Multipliziert man ein Haushaltsgerät, welches nicht ersetzt
werden muss, und einen Reparaturservice, der nicht in
Anspruch genommen werden muss, ein halbes Dutzend
Positionen, die durch einen Teilzeitjob ersetzt werden, ein
Haushaltsgerät, welches 10% kostet verglichen mit der
Marke mit dem hohen Profit, und man versteht, weshalb
Profite abstürzen, während Software die Welt frisst.
Dies sind nicht blauäugige Beispiele, die auf Projektion
beruhen; dies sind Beispiele aus der wirklichen Welt der
digitalen Technologien welche Kosten, Verkaufszahlen und
Profite auf höchster Ebene zerstören.
Manche Beobachter haben die Besteuerung von Reichtum

statt Profiten zum Zweck der Finanzierung des SuperWohlfahrtsstaates vorgeschlagen. Alldieweil Profite
sinken, könnte Reichtum viel mehr reine Einbildung sein,
als diese Beobachter annehmen.

Die steigenden Kosten menschlicher Arbeit
Es gibt einen weiteren Antrieb für die Automatisierung,
einer der von den herkömmlichen Stories übersehen wird:
Die steigenden Kosten der menschlichen Arbeit.
Im Gegensatz zum menschlichen Arbeiter braucht ein
Roboter keine Krankenversicherung,
Arbeitsunfallversicherung, Rente und all die anderen
Arbeitsgemeinkosten. Ein Roboter streikt nicht für höheres
Gehalt.
Wie der Nationalökonom Immanuel Wallerstein
beobachtete, steigen die Lohnkosten global, bedingt durch
die strukturellen Kräfte, die immun sind gegenüber
Produktionssteigerungen, Rezessionen, Steuerkrediten
oder anderen Faktoren:
1. Urbanisierung

2. Externe

Kosten (Umweltschäden, etc.), welche nun
bezahlt werden müssen.
3. Steigende Lohnkosten, während die Öffentlichkeit mehr
Leistungen vom Staat fordert.
Diese Trends sind besonders in China sichtbar, wo die
Löhne stiegen, die Kosten für die Kontrolle der
Umweltverschmutzung stiegen, und die Forderungen an
die Leistungen seitens des Staates stiegen.
Wo stehen wir also zu diesem Zeitpunkt?

Technologie schafft nicht länger mehr Arbeitsplätze als
sie zerstört.
Profite nehmen ab, während Automation Arbeit, Güter
und Dienstleistungen weltweit kommodifiziert.
Digitale Werkzeuge und Roboter sinken im Preis,
während die Kosten für menschliche Arbeit
unaufhaltsam steigen.
Während die Kosten für Automatisierung sinken, fallen
auch die Barrieren für Einsteiger und Konkurrenten,
und alle werden in die Automatisierung gedrängt,
wenn sie überleben wollen.

Alles zusammengenommen, und die Schlussfolgerung ist

unübersehbar: Die Lösungen der herkömmlichen
Erzählweisen (der Glaube, dass mehr Jobs geschaffen als
zerstört werden, garantiertes Einkommen für alle) sind
Wunschdenken.
Dasselbe kann gesagt werden über die Rufe nach dem
Staat, dass er Dutzende von verdrängten Arbeitern in
einem gigantischem Arbeitsprogramm beschäftige –
woher soll das Geld kommen, wenn die Steuereinnahmen
stocken?
Ja, Regierungen können sich Geld leihen, doch dies ist
kein nachhaltiger Weg um Dutzende von Millionen von
Arbeitsplätzen zu erhalten. Wenn Profite und die steigende
Zahl der Arbeitsplätze nicht zurückkehren, dann ist das
Leihen von Geld nur eine vorläufige Notlösung, keine
Lösung.

Das System kann nicht die Probleme der
Automatisierung lösen
Fassen wir zusammen, was wir bisher über Systeme
herausgefunden haben.

Die althergebrachte Version der Dinge behauptet, dass
das gegenwärtige System automatisch mehr Arbeitsplätze
schaffen wird, ohne dass wir irgendetwas verändern
müssen. Falls sich dies als falsch herausstellen sollte,
dann wird das System jedem ein garantiertes Einkommen
für das ganze Leben geben, ohne dass etwas verändert
wird, bis auf den Steuersatz für Unternehmen, die Roboter
und Software besitzen welche all die Jobs fraßen.
Beide Lösungen sind total unpraktisch, haben keine Basis
in der Realität. Beide beruhen auf Wunschdenken.
Doch ist dies nicht alles was am konventionellen System
falsch ist.

Armut ist mehr als materiell
Die konventionelle Erzählweise erkennt nicht, dass der
Verlust von Arbeitsplätzen einen Verlust an Bestimmung
und sozialer Kohäsion nach sich zieht. In der PhantasieVersion des garantierten Einkommens für alle erhalten
Leute ein garantiertes Einkommen und haben die
Möglichkeit, Literatur zu erforschen, Musik zu
komponieren, Kunstwerke zu schaffen, Spiele zu spielen,

und die eines Lebens das erfüllt ist von produktivem
Müßiggang. Befreit von der Last der Arbeit werden die
Leute Güter und Dienstleistungen konsumieren die durch
Automatisierung geschaffen wurden.
Diese Phantasie übersieht die Realität, und zwar jene,
dass Gemeinschaften, denen freies Wohnen, Essen und
Gesundheitswesen gegeben wird, zum Nährboden für
selbstzerstörerisches Verhalten werden, für Pathologien
wie Depression, schlechte Gesundheit und
Unglücklichsein. Die öffentlichen Intellektuellen die eine
Phantasie der kreativen Freizeit proklamieren, begründen
ihre Vision von Utopia mit ihrer eigenen Gruppe von
Anhängern und Mitgliedern, den am meisten gebildeten,
den erfolgreichsten und ambitioniertesten 1% der
Arbeiterschaft. Die meisten Menschen können nicht auf
Dauer den Lebenssinn und die Zielsetzung außerhalb
eines Arbeitsverhältnisses welches wichtige soziale Rollen
bietet aufrechterhalten.
Arbeit ist die Grundlage für Sinn und für positive soziale
Rollen; Freizeit und Konsum sind es nicht.
Der Forscher John B. Calhoun fand heraus dass, wenn
einmal die Zahl der Individuen, die dazu fähig sind, soziale

Rollen zu erfüllen, die Zahl der verfügbaren Rollen
übersteigt, dann bricht die soziale Kohäsion zusammen,
und die folgende Pathologie der geteilten
Hoffnungslosigkeit schafft was Calhoun einen
verhaltensmäßigen Abgrund genannt hat (“behavioral
sink”). Hoffnung und der menschliche Geist werden beide
von diesem Abgrund eines schwarzen Loches vernichtet.
Obwohl wir über Armut in materiellen Parametern denken
ist der tiefere Verlust des Verschwindens von Jobs der
Verlust der positiven sozialen Rollen, von Absicht und Sinn
– nicht nur der Grund dafür, morgens aufzustehen,
sondern der Grund dafür, beizutragen. Leuten nur einfach
Geld zu geben schafft nicht automatisch positive soziale
Rollen. Stattdessen bestärkt dies den
selbstzerstörerischen Zustand den ich permanente
Adoleszenz nenne, worin ein Fokus auf Freizeit und
Konsum das menschliche Leben trivialisiert. Dieser Abbau
von sozialen Rollen zugunsten des Konsumenten-tums
führt zu Selbstabsorption und dem Verlust von Absicht,
Stolz, und von Sinnhaftigkeit.
Dass die Ökonomen blind gegenüber der schrecklichen
Verarmung des menschlichen Lebens sind, wenn sinnvolle
Arbeit verschwindet ist verblüffend, und man ist daran

erinnert, dass Arbeit nicht nur ein finanzielles
Arrangement ist; es ist ein soziales Arrangement, und die
Quelle von individuellem Stolz und von Zielhaftigkeit.
Der Verlust von Jobs ist nicht nur der Verlust von
Einkommen, sondern eine Armut an Möglichkeiten um
sich den Besitz der Maschinen für die Schaffung von
Wohlstand anzueignen. Die Leute wollen nicht einfach nur
überleben; sie wollen vorwärtskommen. Indem ihnen ein
Gratis-Stipendium gegeben wird, raubt man ihnen die
Möglichkeit, mehr zu tun als nur über die Runden zu
kommen.
Der Verlust der Arbeit baut nicht nur Einkünfte ab, sondern
das Ökosystem der Gemeinschaft welches durch Arbeit
und Jobs geschaffen wird. Nimm die Arbeitsplätze weg
und du bekommst was der Autor Yann Moulier-Boutang
die “Armut der sozialen Organisation” genannt hat.
Das Problem mit dem garantiertem Einkommen ist nicht,
dass es zu hoch zielt, sondern dass es zu niedrig zielt.
Statt Leute mit sicheren Jobs zu ermächtigen, demontiert
es soziale Rollen und Möglichkeiten die nur durch Arbeit
geboten werden.

Wachstum ist kein nachhaltiges oder positives Modell
Ein weiteres klaffendes Loch ist die Annahme, dass das
Wachstum – von Konsum, Produktion, Verkäufen, Profiten,
Löhnen und Steuern – das höchste Gut sei, weil vom
Wachstum angenommen wird, dass es alle Boote anhebt,
wie die auflaufende Flut.
Diese Sicht war sinnvoll, als Resourcen billig und reichlich
vorhanden waren. Aber mit 7 Milliarden Menschen die ein
Leben in der Mittelschicht anstreben gibt es
Einschränkungen in Sachen Resourcen. Die Ozeane zum
Beispiel sind bereits von vielen Arten leergefischt worden.
Ausgelaugte Böden und Süßwasserquellen können nicht
verfügbar gemacht werden, wenn die Anforderungen an
diese Resourcen weiterhin zunehmen.
Die digitale Revolution frisst die Welt teilweise deshalb,
weil sie weniger Resourcen verbraucht. Zum Beispiel:

Anstatt in Zement, Stahl und riesigen Energieverbrauch
für den Bau von tausenden von neuen Hotelzimmern
zu investieren, macht Airbnb tausende von neuen
Zimmern in existierenden Gebäuden verfügbar.

Carpooling erlaubt es einer Menge von Menschen,
Zugang zu einem Fahrzeug zu haben, ohne dass jede
Person ein Fahrzeug kaufen und unterhalten muss.
Dieses Modell des Zugangs zu Besitztum ist eine sehr
viel effizientere und Resourcen-geizigere
Lebensweise, doch indem besserer Nutzen aus
weniger Fahrzeugen gezogen wird, tötet es den
konventionellen Gott des Wachstums.
Musiklabels versandten einst Schallplatten oder CD’s zu
tausenden von Verkaufsstellen; heute downloaden
sich Hörer digitale Archive.
Bücher, die einst in hohen Auflagezahlen gedruckt und
an Buchläden versandt wurden (welche wiederum
unverkaufte Exemplare an den Verlag
zurückverkauften, der diese wiederum als
Remittendenexemplare verschickte), werden nun als
Book-on-Demand (Abrufbuch) gedruckt: Wenn ein
Kunde ein Buch bestellt, wird das Buch gedruckt und
versandt (oder digital für fast Null Kosten geliefert). All
der vergeudete Transport des alten Modells wurde
eliminiert.
Wo einstmals ein separates Gerät benötigt wurde, um
Musik zu hören, fernzusehen, oder ein Spreadsheet
zu öffnen, macht dies heute ein einziges mobiles
Gerät.

Dies sind lediglich ein paar wenige Beispiele wie digitale
Technologien Kosten und Wachstum reduzieren, wie sie in
Verkaufszahlen, Energieverbrauch etc. gemessen werden.
Für ein System, welches permanentes Wachstum benötigt,
ist dies fatal. Schneller, besser, billiger bedeutet geringere
Profite, weniger Arbeitsplätze, weniger Konsum, und eine
geringere Besteuerungsgrundlage. Alle konzentrieren sich
auf die wenigen Firmen die durch diese Zerstörung von
etablierten Sektoren große Gewinne einfahren, aber nur
wenige addieren die Profite und die verlorenen Jobs
zusammen.
Die anfängliche Disruption bringt hohe Gewinne, doch dies
ist eine Eintagsfliege: Wenn einmal die alten Methoden
ersetzt worden sind, dann sinken die hohen Gewinne,
während die neue Technologie selbst kommodifiziert wird.
Was gut ist für Nachhaltigkeit (geringerer Konsum von
Resourcen, Gütern und Arbeit), ist für das Konzept eines
permanenten Wachstums fatal.
Da ist noch ein weiteres riesiges Loch im Konzept des
“Permanentes Wachstum ist notwendig”. Dieses Konzept

basiert auf der oft wiedergegebenen Idee, dass die
menschlichen Verlangen grenzenlos seien, und daher die
Verkaufszahlen und Profite unendlich steigen können,
während dieses Verlangen durch die Produktion von mehr
Gütern und Dienstleistungen befriedigt wird. Doch ist diese
Idee wirklich wahr?
Ausgehend von einer Situation von materiellem Mangel
schien es, als seien die Wünsche grenzenlos. Doch sind
die Grundnotwendigkeiten der Menschen in Wirklichkeit
recht begrenzt. Abgesehen von den physischen
Notwendigkeiten wie Lebensmittel, Wasser und
Behausung (in Maslows Bedürfnispyramide), menschliche
Bedürfnisse sind nicht greifbar, sind immateriell, und
können nicht durch profitgierige Firmen oder den Staat
befriedigt werden. Die Idee, dass menschliche
Bedürfnisse grenzenlos seien und welche auf profitable
Art durch mehr Güter und Dienstleistungen erfüllt werden
können, ist verarmend und pubertär. Das menschliche
Leben ist mehr als nur die Erfüllung unserer Wünsche.
Als Beispiel, Freundschaft ist ganz offensichtlich ein
menschliches Bedürfnis. Kann ein Produkt Freundschaft
ersetzen? Nein. Kann Freundschaft erkauft oder gemietet
werden? Nein. Was wäre, wenn oberflächlicher Konsum

unser Erleben von echter Freundschaft erodiert hat, auf
Arten die wir nur mit größten Schwierigkeiten detektieren
können?
Permanentes Wachstum benötigt endloses Marketing von
zunehmend marginalen Gütern und Dienstleistungen. Ich
nenne diesen Prozess die Finanzialisierung des
menschlichen Erlebens: Jede menschliche Interaktion und
Emotion wird in eine finanzielle Transaktion transformiert
welche einer profitmaximierenden Firma, Bank, und dem
Staat zugute kommt, welche finanzielle Transaktionen
brauchen um Steuern einzunehmen.
Um den Kauf von unnützen Gütern und Dienstleistungen
auszulösen untergräbt Marketing das authentische Selbst
zugunsten von Narzissmus und Gratifikation.
Der Prozess des permanenten Konsumwachstums ist
simpel:

Löse Unsicherheit und Selbstzweifel aus, indem
unmögliche Standards vermarktet werden: Nur jene,
die super-schlank, fit, super-smart, witzig,
sympathisch, kreativ, reich, und auf angemessene Art
und Weise bescheiden sind, sind es wert.

Mache den Kauf eines Produktes oder einer
Dienstleistung zur Lösung für Unzulänglichkeit.

Unsicherheit schaffen die nur durch impulsiven Konsum
gelöst werden kann, schafft den destruktiven Zustand der
permanenten Pubertät.
Wenn wir einmal das ganze Marketing wegkratzen und die
vollen Konsequenzen erfassen, dann wird uns klar, dass
die Ideologie des permanenten Wachstums ein Desaster
ist, nicht nur für den überbeanspruchten Planeten,
sondern für jedes Individuum und jede Kultur die in dieser
perversen Fantasie gefangen ist.
Die ganze Story über unbegrenzte Wünsche die immer
geringeres Wachstum und niedrigere Profite auslösen ist
nicht nur falsch, sie ist kontraproduktiv. Der Fokus auf das
Marketing von unnötigen Gütern und Dienstleistungen die
unsere pubertärsten Wünsche und Unsicherheiten
befriedigen, hindert uns aktiv daran, die immateriellen
Bedürfnisse von Freundschaft, Gegenseitigkeit,
Zugehörigkeit, Zielsetzung, positiven sozialen Rollen und
Empathie zu erfüllen.

Die Wissenswirtschaft und kognitiver Kapitalismus
Phrasen wie Wissenswirtschaft und kognitiver
Kapitalismus lassen unseren Blick in die Ferne wandern.
Was bedeuten sie? Beziehen sie sich auf etwas reales,
oder sind sie lediglich akademische Abstraktionen?
Was sie beschreiben ist real, jedoch unerträglich
zweideutig, denn die Dinge sind nicht immer so
sonnenklar wie wir sie gerne hätten, inmitten von
Revolutionen – in diesem Fall, der dritten (digitalen)
industriellen Revolution.
Verbrennen wir also ein paar Kalorien, während wir
herausfinden, was diese Begriffe in der realen Welt
bedeuten.
Was die Autoren Moulier-Boutang und McKenzie Wark die
Wissenswirtschaft (“knowledge economy”) nennen (oder
kognitiver Kapitalismus, im Fall von Boutang’s Ausdruck)
ist ein System welches verschieden ist von hierarchisch
organisierten Unternehmen, Staaten, und Arbeit(ern).
In diesem neuen Arrangement verwischen die einst harten

Linien welche Besitztum, Arbeit und Vermögenswerte
trennten, und die Produktion ist nicht mehr auf die
konventionelle Arbeit der Herstellung von Dingen oder
dem Angebot von Dienstleistungen begrenzt. Kognitive
Arbeit in der Form von Forschung, logistischem
Management etc. treibt die Transformation intellektueller
Aktivitäten in handelsfähige Güter voran.
Wert wird durch das Netzwerk geschaffen, einer neuen
Form der Organisation welche ungleich der traditionellen
Hierarchien von Unternehmen und Staaten ist. Der
Ökonom Michael Spence (unter anderem) beobachtete,
dass Wert (in der Form von Besitz und Profiten) zu etwas
fließt was knapp ist.

Da Automatisierung und Software hervorragend sind um
Prozesse in Güter zu verwandeln, schaffen
kommodifizierte Güter und Dienstleistungen sehr
geringen Wert/Profit.
Da die Zentralbanken die Kosten für Kredite auf fast Null
gesenkt haben, kann Kapital einfach fast umsonst
geliehen werden, daher hat es folglicherweise einen
geringen Seltenheitswert.

Der Wert in der Wissenswirtschaft ist nicht einfach

irgendein Wissen, sondern Wissen, dass die Produktivität
erhöht, was wir unter schneller, besser, billiger und mehr
mit weniger tun zusammenfassen können.
Produktivität hängt von Innovation ab, welche wiederum
von gemeinschaftlichen Fähigkeiten und der
gegenseitigen Befruchtung einer Reihe von
Wissensgrundlagen abhängt.
Wie Spence und seine Co-Autoren Andrew McAfee und
Erik Brynjolfsson in ihrem Essay von 2014, Arbeit, Kapital
und Ideen in der “Power Law Ökonomie” beobachteten,
haben weder Kapital noch Arbeit im Zeitalter der
Automatisierung und von fast-gratis-Krediten einen
Seltenheitswert. “Die Fortüne wird dagegen eine dritte
Gruppe beglücken: Jene, welche innovieren können und
die neue Produkte, Dienstleistungen und
Geschäftsmodelle schaffen können.”
Wert ist in der Wissenswirtschaft nicht gleichmäßig
verteilt. Die Erträge der menschlichen Arbeit und des
Kapitals sind sehr gering, während der Mangel an
Fähigkeiten und Wissen welche neue Geschäftsmodelle
ermöglichen die meisten Gewinne in Richtung der
kreativen Klasse treibt: “Die Verteilung von Einkommen für

diese kreative Klasse nimmt normalerweise die Form
eines Ermächtigungsgesetzes (power law) an, wobei eine
kleine Anzahl von Gewinnern die meisten Gewinne für
sich beansprucht. In der Zukunft werden Ideen als solche
die wirklich seltenen Inputs (Eingaben) der Welt sein –
seltener als sowohl Arbeit wie Kapital – und die wenigen,
die mit guten Ideen beitragen werden riesige Belohnungen
bekommen.”
In seiner Informationstheorie des Kapitalismus
(“Information Theory of Capitalism”) schlug der Autor
George Gilder vor, dass die Wirtschaft im Grunde
genommen ein System ist welches Lernen und Wissen
belohnt. Die konventionellen Merkmale – das kluge
Investieren von Kapital und die Verteilung von Reichtum –
sind sekundär. Der Kommentator Bill Bonner bot folgende
Erklärung: “Information, sagt Gilder, ist immer
überraschend. Sie sagt uns Dinge die wir nicht wussten.
Die Person welche die Quelle für die wichtigste neue
Information ist, ist der Unternehmer.”
Lernen ist schwierig und kostspielig. Das Entwickeln von
neuen Ideen und ihre Anwendung in der realen Welt ist ein
riskanter und unsicherer Prozess. Aus dieser Perspektive
gesehen fließen Belohnungen nicht nur in Richtung

Knappheit, sondern in Richtung Risiko. Da die meisten
Ideen es nicht bis zum Erfolg schaffen, sind neue
erfolgreiche Ideen von sich aus knapp.
Mit anderen Worten, es gibt keinen risikolosen Weg um
Knappheit in einer Wissenswirtschaft auszubreiten.
Der Wert der Arbeit ist es, zu identifizieren was knapp ist,
was in zunehmendem Maße ungreifbare Dinge beinhaltet,
wie Aufmerksamkeit und Fürsorge. Kollaboration,
Reaktionsfähigkeit, Autonomie und Erfindungsgeist –
Kernfähigkeiten der kreativen Klasse des kognitiven
Kapitalismus – sind mit traditionellen Begriffen schwer zu
messen.
Wieviel kostet eine Stunde Autonomie und
Erfindungsreichtum?
Die Belohnung hängt vom Wert des Outputs ab, der vom
Wesen her unvorhersehbar ist.
Wenn wir Risiko und Knappheit verstehen, dann verstehen
wir, warum das traditionelle Modell der Bezahlung von
Leuten für ihre Zeit nicht länger einen Sinn macht. Selbst
Leute für ihre Fähigkeiten zu entlohnen macht keinen

Sinn, denn da es keine Garantie dafür gibt, dass diese
Fähigkeiten neue Ideen hervorrufen wird welche Wertigkeit
schaffen.
Dies hinterlässt uns mit einer ernüchternden Einsicht: Es
gibt keinen Stundensatz für Autonomie und
Erfindungsgeist. Der Wert hängt einzig vom ErgebnisOutput der Arbeit ab.
Die Wissenswirtschaft belohnt kognitive Stückarbeit
reichlich – Bezahlung für etwas, was vollendet wurde,
nicht die Zeit die bei der Ausführung der Arbeit benötigt
wurde. Doch im Gegensatz zum herkömmlichen
Fabrikmodell ist der Umfang der Arbeit nicht von
vornherein bekannt, denn die wertvollsten Produkte sind
nicht neue Ideen sondern neue Ideen die vollendet
werden.
Der Besitz der neuen Ideen ist nicht der gleiche wie der
Besitz von Minen, Schiffen und Fabriken, da neue Ideen
digital verbreitet werden können.
In seinem Buch von 1993, Post-kapitalistische
Gesellschaft (“Post-Capitalist Society”) identifiziert Peter
Drucker das Wissen des Arbeiters als das

Produktionsmittel der Wissenswirtschaft.
In der traditionellen Wirtschaft waren die Produktionsmittel
Aktiva, wie Fabriken welche Arbeiter pro Stunde anstellten
um Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Diese
Aufteilung entfremdete den Arbeiter vom Wert seiner
Arbeit. Die Wissenswirtschaft verbindet aufs Neue die
Belohnungen mit den Besitzern der neuen
Produktionsmittel: die kognitiven Erschaffer selbst.
Das Netzwerk bietet neue Wege der Arbeitsorganisation
und der Schaffung von Wert. Zentralisierte Hierarchien
werden nicht länger benötigt um Arbeiter und Aufgaben zu
managen; selbstbestimmte Erschaffer kollaborieren bei
Projekten und teilen sich Einkommen ohne eine
geschäftsführende Hierarchie die ihre Arbeit übersieht.
Wenn wir Christopher Lasch’s Analyse der
Kommodifizierung in seinem Buch Die Kultur des
Narzissmus (“The Culture of Narcissism”) folgen, dann
finden wir heraus, dass es nicht nur die Angestellten sind
die austauschbar sind – Arbeitgeber sind genauso
austauschbar. Die Austauschbarkeit von Arbeit,
Angestellten, Arbeitgebern, Produkten und
Dienstleistungen ist die Hauptcharakteristik der

Kommodifizierung.
Wenn Sie dies alles als zu frustrierend und ungenau
empfinden, ich teile hier Ihre Frustration. Obwohl ich in der
Wissenswirtschaft arbeite und in der Welt des kognitiven
Kapitalismus lebe fällt es mir schwer, den Sinn meiner
Arbeit zu sehen oder sie in konventionellen Begriffen wie
Stundenlohn auszudrücken.
Obwohl dieser Rahmen der Wertschöpfung sich einfacher
Quantifizierung widersetzt, dies bedeutet nicht, dass er
weniger real ist als traditionelle wirtschaftliche Strukturen.
Ja, die Welt braucht noch immer angefertigte Güter,
landwirtschaftliche Produkte, Plastik, Glas, Energie, und
all die anderen Produkte einer industriellen Wirtschaft.
Doch während diese handfesten Aktiva zunehmend durch
automatisierte Prozesse hergestellt werden, sinkt ihr
Potential, Wert zu schaffen dementsprechend.
Während Wert zunehmend durch immaterielle Aktiva,
Wissen und Netzwerke geschaffen wird, ist es immer
schwieriger, einen Sinn in der herkömmlichen
Wertschöpfung zu erkennen.
Knappheit und Wert sind im kognitiven Kapitalismus oft

flüchtig und schwer fassbar.
Meine eigene Arbeit könnte als Schaffung von Inhalten
kategorisiert werden, doch wie verschieden ist dies vom
Inhalt, der von Software geschaffen wird? Es gibt bereits
Programme die Inhalte kreieren, ausgehend von einfachen
Statistiken und Erzählstrukturen: Spieler A machte in der
dritten Teilzeit ein Tor, Team B ging in Führung, und so
weiter.
Wenn mein Inhalt identisch ist mit praktisch kostenfreiem
Inhalt der durch Software entsteht, dann hat er sehr wenig
Wert.
Ich glaube, es ist präziser zu sagen, dass ich Sinn aus der
Flut der Daten ziehe welche jeden Tag über uns
einstürzen.
Jemand könnte womöglich ein Programm entwickeln
welches dies so gut tut wie ich. Wenn dies passiert, dann
muss ich dies mit mehr Witz und Einsicht tun als die
Software, oder mein Produkt wird seinen Seltenheitswert
verlieren.
Sollte das Produkt des Software-Entwicklers witziger und

einsichtiger werden als mein Output, dann muss ich eine
schwer zu programmierende Qualität meiner Arbeit
entwickeln: Vielleicht wird dies Authentizität sein, ein
schwer fassbares Etwas das Menschen, mit ihren
feinfühligen Bockmist-Detektoren, auf intuitive Weise
erkennen.
Falls ein Sinn für Humor und welche anderen schwer
greifbaren menschlichen Qualitäten auch immer die
Autoren in unser Produkt mischen automatisiert werden,
dann wird meine Arbeit ihren Seltenheitswert verlieren und
ich muss entweder umsonst arbeiten, betteln (“Bitte
unterstützen Sie einen der letzten menschlichen
Schriftsteller für authentische Kommentare!”), oder ich
muss den Laden schließen.
Wir können diese Suche nach Seltenheit verallgemeinern,
in einer sich schnell automatisierenden Welt, und zwar auf
folgende Weise: Jene, welche am meisten dazu geeignet
sind, maximalen Wert aus Maschinen und Software zu
schaffen, und sodann das zu addieren, was Maschinen
und Software eben nicht tun können, werden selten sein.

Chirurgen, welche die meiste Arbeit aus robotisierten
chirurgischen Werkzeugen gewinnen und machen

was auch immer der Roboter nicht tun kann, werden
den größten Wert erzeugen.
Anwälte, welche den größten Nutzen aus spezieller
juristischer Software ziehen und sodann ihre
Fähigkeiten im Gerichtssaal zum Tragen bringen, oder
ihre überzeugenden schriftstellerischen Fähigkeiten,
werden den größten Wert schaffen.
Software Ingenieure, welche die maximale Brauchbarkeit
aus existierenden Software-Sammlungen und
automatisierten Werkzeugen schaffen, werden den
größten Wert generieren.

Jene, die nicht wissen wie Wert aus den produktivsten
Robotern und Software extrahiert wird, werden nicht in der
Lage sein viel Wert zu schaffen.
Dieser Prozess ist nicht immer offensichtlich. Hier ist ein
Beispiel. Wir wurden vor ein paar Wochen zum
Mittagessen ins Haus von Freunden in Santa Clara
(Kalifornien) eingeladen. Er ist ein Wissenschaftler bei
einer führenden Firma, und Sie schließt gerade eine
Doktorarbeit in Computerwissenschaften ab.
Der Hausherr und ich diskutierten über die
Automatisierung, und ich sagte im Scherz, dass meine

Fähigkeit, einen Wasserhahn in der Küche zu reparieren,
immer noch wertvoll sei, denn die Programmierung eines
Roboters um solch eine Maßnahme auszuführen, unter
die Spüle zu greifen und die Mutter zu lockern und so
weiter, wäre teuer, also ist es immer noch billiger, einen
Menschen für die Reparatur zu bezahlen.
Er bemerkte, dass dies nur solange wahr ist bis der
Wasserhahn so entworfen wird, sodass er einfach von
einem Roboter repariert werden kann.
Mit anderen Worten, der Architekt, der das Gebäude
entwirft, damit es nicht nur gut entworfen sondern auch
einfach für Roboter ist, wird den größten Wert schaffen.
Der Designer, der den Wasserhahn einfach macht für
Roboter um ihn zu reparieren, wird einen Wert geschaffen
haben der nicht so ohne weiteres preislich bestimmt
werden kann, denn die Einfachheit der Reparatur wird
über die Lebensdauer des Produktes hinausreichen.
Unser Forscher-Freund legte nahe, dass selbstfahrende
Lastwagen den langen Weg selbst vervollständigen
könnten, und dann würden sie einfach rechts ran fahren
um einen Fahrer aufzunehmen welcher den letzten

Kilometer durch die vollgestopften Straßen der Stadt
fahren würde.
Einmal mehr ist der Wert der menschlichen Arbeit der, den
größten Nutzen aus der Automatisierung zu ziehen und
sodann hinzuzufügen was auch immer die Software nicht
tun kann – in einigen Fällen ist dies einfach die
Vergewisserung, dass ein Mensch anwesend und
wachsam ist.
Was in dieser neuen Netzwerk-basierenden
Organisationsform knapp ist, ist zu wissen wie der größte
Wert aus der kommodifizierten Technologie gezogen
werden kann. Eine andere Art dies zu verstehen ist
folgende: Was knapp ist, ist die Fähigkeit, auszuwählen
was zu optimieren ist, und wie es zu optimieren ist. Es gibt
immer Kosten-Nutzen-Abwägungen hinsichtlich dessen
was zu optimieren ist, und diese sind nuanciert und
dynamisch. Diese Fähigkeiten sind schwer zu
automatisieren, weil die Inputs sich ständig ändern und
sich eventuell einer Quantifizierung entziehen.
In zunehmendem Maße sind die Resourcen, die für
Produktivität benötigt werden, gratis, online. Doch sind die
Fähigkeiten, die benötigt werden um das Beste aus dieser

immensen Schatzkiste voll mit freien Resourcen zu
machen, nicht so einfach zu entwickeln.
Zum Beispiel, letzten Monat schickte mir ein Freund ein
Email mit einem Software-Skript um den nervigen
Archivierungsprozess den ich benötigte zu automatisieren.
Ich konnte das Skript nicht zum Funktionieren bringen
(keine Überraschung hier, ich bin kein Programmierer),
also fand ich eine CSS-Vorlage online und veränderte den
Code um ihn an meine Bedürfnisse anzupassen. Er
optimierte zwar nicht die Aufgabe, die das Skript
ausführte, doch er optimierte andere Aspekte des
Projekts.
Ich könnte mich nun abmühen und genügend Aspekte der
Programmiersprache des Skripts erlernen, oder ich könnte
einen anderen Aspekt des Projektes optimieren. Diese
Wahl hängt nicht nur von meinen existierenden
Fähigkeiten ab, sondern von einer Errechnung der
zukünftigen Auszahlung des Projekts, und dem
potentiellen Wert jeglicher Fähigkeiten in die ich mit
meiner knappen Zeit investiere.
Für jemanden der von einer Zukunft der
Softwareentwicklung ausgeht ist das Lernen der

Programmiersprache womöglich die Wahl mit dem
höheren Wert, obwohl der Gewinn durch das erste Projekt
niedrig war. Doch ist es nicht notwendigerweise
offensichtlich was eigentlich optimiert werden muss, weder
ist es, zu erlernen, wie entschieden wird was es zu
optimieren gilt.
Eines der wenigen Dinge über die wir etwas mit
Überzeugung sagen können ist, dass jene, die Fähigkeiten
auf den Ebenen 3 und 4 von Norman Webb’s “Depth of
Knowledge (DOK)” Spektrum (“Tiefe des Wissens”)
entwickeln können (Gedankengang, Rückschluss, Planung
und Untersuchung) eher in der Lage sind, die
Komplexitäten zu erfassen welche aus der Auswahl
dessen, was optimiert werden muss und wie es am
produktivsten zu optimieren ist folgen.
Die vier Ebenen sind:
DOK 1: Abruf
DOK 2: Anwendung von Fähigkeiten und Konzepten
DOK 3: Strategisches Denken

DOK 4: Erweitertes Denken
Die DOK 2-Ebene ist einfacher zu automatisieren. Das
Lernen einer Computersprache ist nicht ausreichend um
sicherzustellen, dass Ihr Job nicht schon bald von
Software gefressen wird. Was knapp ist, ist die Fähigkeit,
neue Information zu absorbieren und schnell neue
Fähigkeiten zu lernen, Flexibilität, Neugier,
Aufmerksamkeit fürs Detail, Anpassungsfähigkeit,
Verlässlichkeit, Reaktionsfähigkeit, Autonomie und
Erfindungsgabe.
Dies sind die Kernfähigkeiten jener, die ich die mobile
kreative Klasse nenne. Diese Klasse ist nicht
notwendigerweise mobil was die Bewegung zwischen
geografischen Orten anbetrifft (obwohl dies zutreffen
könnte); sie sind mobil im Sinne, dass sie sich ohne
Probleme zwischen Wissensgrundlagen und Fähigkeiten
bewegen können.
Jene mit wenig Erfahrung in den Schützengräben der
Technologie könnten dazu verleitet werden, zu denken,
dass mobile, kreative Arbeit mehr Arbeitsplätze schaffen
kann. Doch hier vergisst man den vorherigen Punkt, dass
Automatisierung und digitale Werkzeuge 80% der Kosten

und der Arbeit ausgemerzt haben, in einem Bereich nach
dem anderen. Die 20% an Arbeit die bleibt, zahlt ein
Premium für spezifische Fähigkeiten, Werte und
Motivationen. Selbst wenn wir jeden Teilnehmer der
Arbeiterschaft trainieren um diese Fähigkeiten und Werte
zu erlangen, dies bedeutet nicht, dass die verlorenen
Arbeitsplätze zurückkehren. In zunehmendem Maße ist
das Angebot an Arbeit nicht gleichzusetzen mit
zunehmendem Bedarf an dieser Arbeitskraft.
Schaffen die übriggebliebenen Jobs genügend Wert um
ein einigermaßen Mittelklasse-Einkommen zu verdienen?
Alldieweil Fähigkeiten kommodifiziert oder automatisiert
werden, fällt ihr Wert, und das Einkommen jener, die diese
Arbeit tun, fällt dementsprechend.

Die Grenzen der Wissenswirtschaft und kognitiver
Kapitalismus
Welche Rückschlüsse können wir über die
Wissenswirtschaft und den kognitiven Kapitalismus
ziehen?
Beginnen wir mit einer Frage: Ist diese neue

wirtschaftliche Struktur stabil genug, genügend
vorhersehbar, und profitabel genug um Arbeit für alle zu
bieten die durch Automatisierung verdrängt wurden?
Ich glaube, die Antwort ist hier eindeutig nein. Nicht nur ist
die Zahl der Arbeitsplätze begrenzt, ebenso ist es die
Anzahl der Leute mit den Fähigkeiten, der Motivation und
der richtigen Persönlichkeit um in einem Milieu zu
gedeihen worin, in Marx’ berühmter Beschreibung des
Kapitalismus, “Alles solide löst sich in Luft auf, und der
Seltenheitswert der Arbeit verändert sich ständig.”
Jene, die in solch einem Ambiente gedeihen, müssen
riesige Inputs an Information absorbieren und erkennen,
was davon nützlich und was die Spreu ist. Sie müssen es
genießen, jeden Tag neue Dinge zu lernen und gut mit
Andy Grove’s Spruch zurechtkommen, dass Nur die
Paranoiden überleben: Jene, die sich auf ihren Lorbeeren
ausruhen, werden von Konkurrenz oder Software
gefressen.
Wie die Beraterin Heather McGowan beobachtet hat, “Der
Wert eines Arbeiters ist nicht länger primär oder
ausschließlich, dass er/sie weiß, sondern die
Geschwindigkeit mit der Neues erlernt und angewendet

werden kann – dies ist ein dramatischer Wechsel der für
viele beunruhigend ist.”
Der Wert der im kognitiven Kapitalismus geschaffen wird
ist oft nicht eindeutig klar. Er könnte ein Sekundäreffekt
sein, oder die Auszahlung könnte in der Zukunft liegen.
Wieviel kostet pro Stunde die Autonomie und der
Erfindungsgeist? Niemand kann das mit irgendeiner
Präzision sagen, denn dies hängt von der Knappheit des
Outputs ab, z.B. von den Prozessen und den Produkten,
die produziert werden.
Robin Chase, Mitgründerin von Zipcar, nennt dieses neue
organisatorische Modell Peers Inc. (“Kollegen AG”),
Kollegen, die sich zusammentun um durch Kollaboration
Wert zu schaffen: “Während des letzten Jahrhunderts
haben Unternehmen Geld verdient, indem sie Sachen
angehäuft haben: Aktiva, geistiges Eigentum, Leute. In der
neuen kollaborativen Wirtschaft werden Sharing und
netzwerkende Aktiva wie Plattformen, Autositze und
Schlafzimmer immer zu jedem Zeitpunkt, und schneller,
mehr an Wert liefern.”
Es ist einfach, diese neue organisatorische Struktur zu
glorifizieren, wenn der Wert oft im Netzwerk begründet ist,

nicht in den traditionellen Hierarchien der Unternehmen
und des Staates. Doch die anspruchsvolle Welt des
kognitiven Kapitalismus ist nicht einfach zu manövrieren,
und ich vermute, dass den meisten Menschen die
Unsicherheit von sich ständig verschiebenden Werten
unerwünscht ist.
Ich glaube, es ist unvernünftig von jedem zu erwarten, so
eine Konstellation an Fähigkeiten, Werten und
Eigenschaften zu entwickeln um in solch einer unsicheren
Welt zu gedeihen, und ebenso ist es unvernünftig, zu
erwarten dass jene, die Profite in dieser sich ändernden
Landschaft verfolgen, den Leuten sichere Gehälter zahlen.
Anders ausgedrückt, die Regelungen, die konventionelle
Organisationen verwalten, funktionieren nicht in der
Wissenswirtschaft, zumindest nicht so, wie sie
ursprünglich vorgesehen waren. Viele davon sind
entweder irrelevant oder lähmend.

Zusammenfassung der Wissenswirtschaft
Fassen wir die Wissenswirtschaft zusammen:


Wert fließt hin zu Knappheit.
Kapital und Arbeit sind im Überfluss vorhanden und
haben daher einen geringen Seltenheitswert.
Während Güter und Dienstleistungen kommodifiziert
werden, verlieren sie an Seltenheitswert.
Information und Wissen sind ebenfalls reichlich
verfügbar.
Was knapp ist, ist Wissen welches in neuen Prozessen,
Produkten, Dienstleistungen und Modellen resultiert.
Viele Ideen führen nicht zu neuen Produkten, Modellen,
etc.
Der Prozess der Wertbestimmung von neuen Ideen ist
von Natur aus riskant.
Neue Ideen, die automatisieren/kommodifizieren was
noch automatisiert und kommodifiziert werden muss,
resultieren in der größten Kosteneinsparung und den
höchsten Gewinnen.
Automatisierung/Kommodifizierung reduziert Kosten,
Profite, und Arbeitsplätze.

Diese Schlussfolgerungen sind ernüchternd.
Technologie wird nicht mehr Arbeitsplätze schaffen als sie
vernichtet.

In einer zunehmend konkurrierenden Welt, einer in der
Profite fallen und Kosten steigen, ist es finanzieller
Selbstmord, Automatisierung zu ignorieren, weil man
“Business as Usual” beibehalten will.
Die Unternehmen, die Profite in einer rapide
kommodifizierten Welt einfahren, werden nicht in der Lage
sein, die garantierten Einkommen für Dutzende von
Millionen von verdrängten Arbeitern zu unterhalten, und
sich Billionen zu leihen um einen Super-Wohlfahrtsstaat zu
finanzieren ist nicht tragbar oder wünschenswert, denn
rapide zunehmende Schulden führen den Kreditnehmer in
den Bankrott.
Wunschdenken hinsichtlich Technologie und garantiertem
Einkommen garantiert das Scheitern.
Verdrängte Arbeiter benötigen sinnvolle, sichere Arbeit.
Indem man ihnen genug gibt, damit sie über die Runden
kommen, ist nicht genug getan, denn die Armut der
verlorenen Sinnhaftigkeit, des Stolzes und der positiven
sozialen Rollen beraubt sie der Grundlagen des
menschlichen Lebens.
Die herkömmliche Erzählweise sagt dies nicht direkt, doch

die unausgesprochene Schlussfolgerung ist: Die
Technologie ist die Quelle unserer Probleme.
Doch scheint mir dies genau andersherum zu sein. Was
ist, wenn Technologie nicht die Quelle des Problems ist?
Was ist, wenn Technologie einfach nur die systemischen
Mängel des Status Quo enthüllt?
Anstatt die Quelle des Problems zu sein, was ist, wenn
Technologie die Lösung ist?
Dies sind die Fragen die wir im Rest des Buches
erforschen werden.

Fragen, die zu stellen sind
Die althergebrachte Erzählweise ist nicht nur voller Löcher;
sie ist unfähig, Fragen zu stellen welche ihre eigene
Kohärenz bedrohen.
Ich nannte zwei Gründe dafür:
1. Wir

können uns keine Welt vorstellen die verschieden ist
von jener, die wir momentan bewohnen (d.h., Ein

Versagen des Vorstellungsvermögens).
2. Diese Fragen zu stellen bedroht den Status Quo.
Als Ergebnis davon wird das Stellen von Fragen nicht nur
nicht unterstützt, es wird unterdrückt, durch die üblichen
Mechanismen: Spott, Ausgrenzung und Variationen auf
das Thema “Seriöse Leute würden nie solch eine Frage
stellen”.
Es gibt einen Grund dafür: Seriöse Leute werden dafür
bezahlt, damit sie solche Fragen nicht stellen. Mit anderen
Worten, das Stellen solcher Fragen wird ihnen eine
Degradierung bescheren, die Entlassung, oder die
Versetzung in das bürokratische Äquivalent von Sibirien.
Hier ist eine Frage, die gestellt werden muss: Muss Geld
denn oben auf der Pyramide von Reichtum und Macht
geschaffen werden? Anders ausgedrückt: Warum ist das
Monopol der Geldschaffung jenen, die auf der Spitze der
Pyramide von Reichtum und Macht sitzen, vorbehalten?
Jene, die behaupten dass es keine andere Art der
Geldschaffung gibt, haben Unrecht; Technologie
ermöglicht nun die dezentralisierte Schaffung von
Kryptowährung. Geld muss nicht von Banken kreiert

werden.
Hier ist eine weitere Frage in diesem Zusammenhang:
Muss Geld in seine Existenz geliehen werden, das heißt,
die Art wie Geld durch Banken geschaffen wird?
Die Wahrheit ist, nein, Geld kann nun digital geschaffen
werden, und per dezentralisierte Netzwerke fließen. Es
muss nicht in Existenz geborgt werden, oben auf der
Pyramide. Wir werden dies im zweiten Teil näher
diskutieren.
Stellen wir eine andere Frage: Gibt es eine Verbindung
zwischen der Schaffung von Geld und von Arbeitsplätzen?
Die herkömmliche Erzählweise sagt, dass ja: Geld wird in
Existenz geliehen um Fabriken, Läden etc. zu bauen
welche Leute anstellen.
Aber das Leihen/Schaffen von Geld ist nicht an sich mit
der Schaffung von Jobs verbunden. Bedenken wir
folgende Punkte:

Sagen wir, ich leihe Geld in Existenz (d.h. ich leihe Geld
von einer Bank) und ich benutze es, um ein Miethaus

zu bauen. Ich erhöhe die Mieten um 20% und habe
sofort einen Profit durch das Leihen von Geld. Doch
dieser Kauf schaffte keine neuen Jobs.
Nehmen wir an, ich leihe Geld und benutze es, um
Aktien meines Unternehmens zurückzukaufen. Dies
reduziert die Zahl der ausstehenden Aktien und
erhöht den Preis per Aktie, es bereichert meinen
Besitz an Aktien, während keine Jobs geschaffen
werden.
Wenn ich Geld leihe und es benütze, um Software zu
entwickeln die Arbeit welche von meinen Angestellten
gemacht wird zu automatisieren, dann eliminiert
neues Geld sogar Jobs.

Diese Beispiele sind nicht erfunden; sie zeigen genau das,
was wohlhabende Individuen und Unternehmen mit Geld
welches durch Zentral- und Privatbanken geschaffen wird
machen: Aufschnappen von Aktiva, die Einkommen
schaffen, Aktienrückkauf und Reduzierung der Gehälter
durch die Investition in arbeitssparende Automatisierung.
Jedes davon erhöht den Reichtum der Kreditnehmer ohne
irgendwelche Arbeitsplätze zu schaffen.
Daher gibt es durch die gegenwärtige Art wie wir Geld

schaffen und verteilen keine immanente Verbindung
zwischen der Schaffung von Geld und Arbeitsplätzen.
Dieses System der Schaffung/Verteilung von Geld
beschleunigt sogar die Konzentration von Reichtum und
die Zerstörung von Jobs.
Dies zieht eine andere Frage nach sich, eine die niemals
gestellt wird: Was ist, wenn Geld durch Arbeit geschaffen
wird? Was ist, wenn die Art wie Geld geschaffen wird
hieße, mehr zu arbeiten? In so einem System wäre die
Schaffung von Geld wirklich mit der Schaffung von Gütern
und Dienstleistungen verbunden. Neues Geld flösse zu
jenen, die Güter und Dienstleistungen schaffen, d.h. jene
an der Basis der Reichtum-Macht-Pyramide, statt auf
deren Spitze.
Geld würde nicht durch Leihen in Existenz gerufen
werden, also gäbe es keine Zinsen. Banken hätten keine
Rolle bei der Schaffung oder Verteilung von diesem Geld.
Statt Spekulation seitens jener, die schon reich sind
anzufeuern, würde dieses Geld zu jenen fließen, die
tatsächlich die Welt verbessern.
Hier ist noch eine Frage: Was passiert, wenn Geld durch
Banken ins Leben geliehen wird?

Da das neue Geld geliehen ist, wird es nur an jene verteilt,
die ein bedeutendes Einkommen und Aktiva
(Kreditsicherheit) haben, um die neuen Schulden zu
tragen – mit anderen Worten, jene, die schon reich sind.
Jene, die nicht schon reich sind müssen hohe Zinsen
zahlen, die tatsächlich einen großen Teil ihrer Einkommen
zu den Banken transferieren.
Mit anderen Worten, Geld dass in Existenz geliehen wird
dient den Banken und jenen, die schon reich sind. Es
schöpft Einkommen ab von jenen mit begrenzten
Einkommen, und übergibt es an die Spitze der Pyramide.
Das Resultat des Leihens von Geld in die Existenz, und
dessen Verteilung an die Spitze der Reichtumspyramide,
ist eine zunehmende Ungleichheit. Obwohl Apologeten
(d.h. seriöse Leute die für die Unterstützung der
konventionellen Weisheit bezahlt werden) etwas anderes
sagen werden, eine zunehmende EinkommensReichtums-Ungleichheit ist das einzig mögliche Resultat
des gegenwärtigen Finanzsystems. Mittels der gegebenen
Schemata für Inputs des Systems sind keine anderen
Outputs möglich, abgesehen von der Konzentration von

Reichtum und Macht und zunehmender Ungleichheit.
Hier ist eine weitere Frage: Was ist Arbeit?
Die typische Antwort ist: Arbeit, die für ausgeführte
Aufgaben bezahlt wird.
Aber ist dies wirklich die Endsumme dessen was Arbeit
wirklich ist? Oder hat Arbeit mehr als nur die Bezahlung
für die Ausführung von Aufgaben?
Was ist, wenn wir stattdessen Arbeit als die Schaffung von
Wert definieren? Dies führt zu einer anderen Frage: Wie
bemessen wir eigentlich Wert?
Die herkömmliche Story sagt: Arbeit, die Profit macht, hat
Wert. Das Problem mit dieser Definition ist, dass Arbeit
wertvoll aber nicht profitabel sein kann.
Nehmen wir den Bau eines Fahrradweges – einer Spur,
die für Fahrräder reserviert ist. Das Projekt hat
immanenten Wert, denn Fahrradspuren reduzieren
Kollisionen mit Autos, fördern bessere Gesundheit durch
die Förderung des Radfahrens, und sie reduzieren die
Verkehrsdichte, weil die Leute für einige Erledigungen

Fahrräder statt Autos benutzen.
Doch keiner dieser indirekten Vorzüge ist profitabel. Ein
profitmaximierendes Unternehmen könnte den Bau eines
Radweges nur rechtfertigen, wenn der Radweg direkt
Einnahmen bringen würde, indem Radfahrer für dessen
Benutzung zahlen müssen. Während dies eine Art ist, wie
Profit erzeugt wird, sie durchkreuzt einen der Hauptgründe
für den Radweg, die Förderung des sicheren Radfahrens
für die gesamte Bevölkerung, nicht nur für jene, die es sich
leisten können zu zahlen.
Was ist, wenn wir Wertschöpfung als im Dienste der
Gemeinschaft definieren? Dies zieht profitable und
unprofitable Arbeit mit ein: Einige der Bedürfnisse können
durch profitmaximierende Unternehmen erfüllt werden,
während andere auf immanente Weise unprofitabel sind.
Diese Definition von Wert öffnet den Weg zu einer ganzen
Reihe von Tätigkeiten welche Wert schaffen ohne
profitabel zu sein.
Stellen wir eine Frage, die sich keine seriöse Person
wagen würde zu fragen: Warum ist konventionelle Arbeit
nicht spaßiger?

Da viele Aufgaben nicht immanent spaßig sind, so wie
eine Strandparty spaßig ist, formulieren wir die Frage
anders: Was bringt Leute dazu, zur Arbeit gehen zu
wollen, selbst wenn die Aufgaben schwierig oder
unangenehm sind?
Es gibt nicht eine einzige Antwort darauf, also nennen wir
ein paar der Hauptmotivationen die nicht direkt mit der
offensichtlichen (und wichtigen) Motivation des
Geldverdienens zu tun haben:




Die Person fühlt sich bei der Arbeit gebraucht.
Die Person führt Arbeit aus die wertgeschätzt wird.
Die Person hat ein Mitspracherecht was die Organisation
und Ausführung der Arbeit betrifft.
Die Person hat ein Interesse oder einen Anteil am
Output, über den Lohn hinaus.
Die Person ist stolz auf die Arbeit, und dieser Stolz
schafft Selbstwertgefühl und Identität.
Die Person fühlt sich als Teil eines Teams.
Die Arbeit fördert die Karriere und/oder die Ziele.
Die Arbeit hat Bedeutung.

Wenn wir diese Punkte zusammenfassen müssten, wir
könnten sagen, dass die Person Autonomie, Würde,

Besitztum und eine positive soziale Rolle hat. Etwas bei
der eigenen Arbeit zu sagen haben ist eine Form der
Autonomie. Einen Anteil am Ergebnis-Output zu haben ist
eine Form von Besitz. Als Beitragender geschätzt zu
werden und die eigene Arbeit wertgeschätzt zu haben
definiert eine positive soziale Rolle die Würde, Identität
und Selbstwertschätzung schafft. Teil eines Teams zu sein
gibt Mitgliedschaft und Zugehörigkeit zu etwas, was
größer ist als man selbst. Arbeit welche die eigene
Karriere und Lebensziele fördert schafft menschliches und
soziales Kapital.
Was meinen wir damit, wenn wir sagen, Arbeit hat
Bedeutung? Dass sie für das Unternehmen profitabel ist?
Dass sie Wert hat?
Bedeutungsvolle Arbeit ist mehr als nur Profit oder Wert zu
kreieren. Bedeutende Arbeit ist Arbeit die Beteiligung
bietet, nicht nur das Ausführen von Anweisungen.
Bedeutende Arbeit bietet einen Anteil am Ergebnis und die
Möglichkeit der Kapitalbildung welche die Basis für
Reichtum ist. Bedeutende Arbeit fördert die persönlichen
Ziele des Arbeiters. Bedeutende Arbeit wird in der
Gemeinschaft als wertvoll erkannt, weil sie die
Bedürfnisse der Gemeinschaft deckt.

Wenn wir fragen, warum jemand zur Arbeit gehen will,
dann könnten sie dann vielleicht nicht sagen “Weil es
spaßig ist”, doch reflektiert ihr Anliegen Motivationen, die
noch verlockender sind als Spaß.
Vielleicht ist die Arbeit dreckig, ermüdend, stressiges
Einerlei. Niemand würde es Spaß nennen. Doch all die
angeführten Elemente – Kollaboration, Autonomie,
Kameradschaft, gebraucht werden, anerkannt werden als
jemand, der wichtige Arbeit ausführt, zugehören, und die
Verfolgung der eigenen Ziele – dies sind die Grundlagen
des menschlichen Daseins.
Doch kann Arbeit sogar noch mehr sein als all diese
essentiellen Dinge. Es ist die Chance, beizutragen, zu
lernen und sich auszuzeichnen.
Die Belohnung solch eines Arbeitsplatzes ist nicht durch
Freizeit und konventionelle Amüsements zu ersetzen. Für
Nichtstun bezahlt zu werden, nur um zu konsumieren (d.h.
ein garantiertes Mindesteinkommen) bietet keine dieser
Möglichkeiten. Für Nichtstun bezahlt zu werden ist eine
Wüstenlandschaft von Verhaltensabgründen und
vergeudeten Möglichkeiten, nur um die grundlegenden

Dinge des Lebens zu bekommen.
Kein seriöser Ökonom überlegt sich, warum Arbeit
bedeutungsvoll sein sollte (oder, wagen wir es zu sagen –
spaßig). Dass der Kern des Menschen noch nicht einmal
in der konventionellen Ökonomie registriert oder
wahrgenommen wird reflektiert das monumentale
Versagen, nicht nur der Wirtschaftswissenschaft, sondern
der herkömmlichen Erzählweise.
Arbeit, die von Autonomie, Besitztum und positiven
sozialen Rollen befreit wurde, ist weder bedeutungsvoll
noch spaßig. Zentrale Hierarchien entrinden uns
sozusagen von Autonomie, Bedeutung, Besitz und
positiven sozialen Rollen, weil dies das einzig mögliche
Output solcher Systeme ist.
Warum tolerieren wir bedeutungslose, undankbare und
unausfüllende Arbeit?
Aus eben diesem Grund: Bezahlte Arbeit is knapp. Wir
müssen jeden Job annehmen der von
profitmaximierenden Unternehmen oder dem Staat,
welcher auf diese Unternehmen wegen seiner
Steuereinnahmen angewiesen ist, angeboten wird.

Und warum ist bezahlte Arbeit knapp? Weil Geld knapp ist.
Wenn jede Gemeinschaft Geld schaffen könnte, indem
Güter und Dienstleistungen welche die lokalen
Bedürfnisse, ungeachtet des Profits, befriedigen, und dies,
ohne sich von Banken Geld in Existenz leihen zu müssen,
dann wäre Geld nicht knapp. Dann wäre bezahlte Arbeit
ebenfalls nicht knapp, denn die Gemeinschaft könnte
jeden bezahlen und so die Bedürfnisse der Gemeinschaft
decken, d.h. jene, welche die Welt wirklich verbessern.
Falls das System welches das Geld schafft
dezentralisierte, demokratisierte Arbeitsplätze und freie
Bewegung zwischen Arbeitsplätzen voraussetzt, der einzig
mögliche Output dieses Systems wären die Merkmale, die
oben aufgeführt sind, solche die Arbeit bedeutungsvoll,
belohnend und, ich wage es zu sagen – spaßig machen.

Die Zukunft gehört sinnvoller Arbeit
Es könnte ein perfektes Wort geben für alles, was über
einen Lohn hinausgeht und was Leute dazu bringt, zur
Arbeit zu gehen, aber ich muss zugeben, dass ich es nicht
finden kann. Ich habe die Elemente der Arbeit

beschrieben, die bedeutungsvoll, sinnvoll und erfüllend ist:
Autonomie, Besitz, positive soziale Rolle, Kapitalaufbau,
Chancen zur Beisteuerung, Lernen, über sich hinaus
gehen. Indem dies in sinnvolle Arbeit kondensiert wird,
kann es unser tiefes Bedürfnis nach Zweck, Stolz, Würde,
Zugehörigkeit, Beitrag, Teilnahme, Kollaboration und
Lernen ausdrücken, doch es umfasst immer noch nicht
den Spaß an der Arbeit.
Im herkömmlichen Modell schließen sich Arbeit und Spaß
gegenseitig aus. Arbeit ist beschwerlich, schwierig,
langweilig, unangenehm und stressig, während Spaß
Partys, shoppen gehen, Spiele spielen und unterhalten
werden ist.
Zu sagen, dass Arbeit Spaß machen soll ist ein Hohn über
ihre Schwierigkeiten und trivialisiert die zahlreichen
Belohnungen. Aber die Diskussion der Arbeit ohne ihr
Potential für Freude zu erwähnen heißt, einen wichtigen
Teil von dem, was sein könnte und was sein müsste,
auszulassen.
Als Experiment, führen wir Merkmale der Arbeit auf die
belohnend und sogar erfreulich sind, sowie jene, die es
nicht sind.

SPASS
Produktiv sein
Arbeit mit Zweck
Arbeit, die organisiert ist,
sodass Angestellte
produktiv und erfüllt sind
Autonomie und
Kollaboration
Mitspracherecht
Die Möglichkeit haben,
andere Arbeitgeber/Arbeit
zu wählen
Kontrolle über die Arbeit
haben

KEIN SPASS
Unproduktiv sein
Arbeit ohne Zweck
Arbeit, die organisiert ist
um Hierarchie und
Kontrolle zu erzwingen
Anordnungen passiv
entgegennehmen
Kein Mitspracherecht
Bedrohung durch Verlust
des Einkommens
Arbeit ausführen über die
man keine Kontrolle hat

Ich bin mir sicher, dass Sie den Sinn hier erfassen!
In einem System, wo bezahlte Arbeit reichlich vorhanden
ist, gehört die Zukunft Arbeit die sinn- und bedeutungsvoll
ist, und, jawohl, die manchmal Spaß macht, wenn wir
Spaß definieren als alles, abgesehen von Geld, was eine
Person dazu veranlasst, zur Arbeit gehen zu wollen.

Diese Dynamik ist oft nicht offensichtlich, selbst für jene,
welche die Arbeit ausführen.
Ein Bericht, der vor kurzem herauskam (auf
hardscrabblefarmer.com), über einen jungen Mann und
seinen Sommer-Job auf einem Bauernhof, veranschaulicht
diese Qualität von sinnvoller Arbeit. Der junge Mann hatte
Monate damit verbracht, hunderte von ZedernholzZaunpfosten mit einem Vorschlaghammer zu setzen. Nur
wenige würden diese Arbeit als spaßig bezeichnen; die
meisten würden dies als harte, ermüdende, langweilige
Arbeit bezeichnen.
Der junge Mann besuchte sodann die Universität, und vor
kurzem kehrte er zurück um dem Landwirt zu erzählen,
dass jene Tage, die er arbeitenderweise auf der Farm
verbracht hatte, mit die besten Tage seines Lebens
gewesen waren, und dass er deren Wichtigkeit in seinem
Leben erkannt hatte.
Jene unter uns mit ähnlichen Erfahrungen verstehen die
Gründe, weshalb der junge Mann diese Arbeit so
wertschätzte, sie sind offensichtlich: Er hatte gute Arbeit
getan die aufrichtig geschätzt wurde. Die Arbeit war hart

und monoton gewesen, aber sie war zweckmäßig und
etwas, worauf er stolz sein konnte. Er konnte die
Ergebnisse seiner Arbeit sehen und anfassen. Er hatte
nicht gerade ein Handwerk erlernt, sondern den Wert von
sinnvoller Arbeit.
Ein System, welches diese Möglichkeit nicht für alle bietet,
ist ein gescheitertes System. Leute zu bezahlen, damit sie
ihr Leben als passive Konsumenten vertrödeln, dies ist ein
gescheitertes System.
Im zweiten Teil beschreibe ich ein System, das sinnvolle
Arbeit bietet, für alle, die sie wollen.

Geldschöpfung und -Verteilung sind integraler
Bestandteil für sinnvolle Arbeit und umfassenden
Vermögensaufbau
Der Grund für all diese Fragen ist nun klar: Die Art und
Weise, wie Geld geschaffen und verteilt wird, ist integraler
Bestandteil für die Schaffung von sinnvoller Arbeit und von
einer umfangreichen Schaffung von Reichtum, d.h. Besitz
des Outputs/Resultats und die Schaffung von
menschlichem und sozialem Kapital.

In der herkömmlichen Erzählweise ist die Schaffung und
Verteilung von Geld total separat von der Schaffung von
Arbeitsplätzen und Arbeit. Statt weitreichende Schaffung
von Reichtum zu unterstützen vertieft das gegenwärtige
System der Geld-Erschaffung aktiv die Ungleichheit, denn
es ist das einzig mögliche Ergebnis des Systems.
Es ist eindeutig, dass die Art, wie wir Geld schaffen und
verteilen der Schlüssel für die Schaffung von reichhaltig
vorhandener Arbeit ist, eine welche die Bedürfnisse der
gesamten Gemeinschaft erfüllt.
Im zweiten Teil beschreibe ich ein System dessen einzig
mögliches Ergebnis oder Output ein Überfluss an
bezahlter Arbeit ist, eine welche Autonomie, Bedeutung
und Zweck, Besitz und positive soziale Rollen fördert
anstatt sie zu demontieren.
Bevor wir jedoch diesen Schritt tun können müssen wir
Systeme verstehen, und weshalb ihr Entwurf und ihre
Eingaben/Inputs ihre Outputs diktieren.

Kapitel 2: Eine kurze Lektion über
Systeme, Hierarchie, und Netzwerke
Im ersten Kapitel analysierten wir die herkömmliche
Erzählweise hinsichtlich Automation, Technologie, Jobs
und Wachstum, und fanden dass:

Automation schafft nicht mehr Jobs als sie zerstört.
Ein garantiertes Einkommen für alle ist weder praktisch
noch produktiv.
Wachstum ist kein nachhaltiges oder positives Modell.

In der Tat hat die herkömmliche Erzählweise keine
Lösungen für Automation oder Armut zu bieten – zwei
Aspekte des gleichen Problems (d.h. das Fehlen von
sicheren Arbeitsplätzen). Sie hat nicht nur keine
Lösungen, sie hat kein Konzept eines Systems,
abgesehen von dem der Profitmaximierung seitens der
Unternehmen, der Zentralbank und des Staates.
Die Standard-Erzählweise hat nicht nur versagt, sie ist
unfähig, ihr Versagen zu erkennen. Ebenso ist sie unfähig

zu erkennen, dass das gegenwärtige Arrangement
unmöglich reformiert werden kann, denn die Fehler sind
im Entwurf innewohnend: Es sind nicht die Regelungen
die mangelhaft sind, es ist die gesamte Struktur die
mangelhaft ist.

In dieser Erzählweise ist kein Raum für die Möglichkeit,
dass die einzige systemische Lösung eine neue Art
der organisatorischen Struktur ist, eine welche
antithetisch ist für die Grundcharakteristika von
Unternehmen, Banken und dem Staat, d.h.
Zentralisation und Hierarchie.
In dieser Erzählweise ist kein Raum für die Möglichkeit,
dass Zentralisation und Hierarchie das Problem
darstellen.

Die herkömmliche Erzählweise nimmt implizit an, dass es
in der Wirtschaft drei Strukturen gibt: Zentralbanken, die
Geld herausgeben und verteilen und welche die Geld- und
Währungspolitik bestimmen, profitmaximierende
Unternehmen, und der Zentralstaat, der die Wirtschaft
regelt. Die Idee, dass diese Strukturen nicht nur unfähig
sind, die Probleme von Automatisierung und Armut zu
lösen, sondern welche die Ursache der Probleme sind, ist
in der üblichen Erzählweise undenkbar.

Zu erwarten, dass das momentane System Möglichkeiten
eröffnet, sichere Arbeit und den Besitz der Quellen des
Wohlstands, ist so, als erwarte man von einer Diät
bestehend aus Gummibärchen und einem Leben auf der
Couch, dass sie für die Gesundheit förderlich seien.
Wenn wir Möglichkeiten und Chancen, Autonomie, sichere
Arbeit und Besitz der Quellen des Wohlstands wollen,
dann brauchen wir ein neues System.

Das Dilemma des Autors: ein dicker Türstopper von
Buch oder eine Zusammenfassung?
Jeder Autor eines Buches welches so viel Terrain umfasst
wie dieses steht vor einem Dilemma: Erkläre ich alles im
Detail und nehme jegliche Kritik vorweg, und habe am
Ende einen dicken Türstopper von einem Buch, oder fasse
ich zusammen, um den Umfang des Buches in Grenzen
zu halten?
In meinem Fall ist es sogar noch schlimmer. Jedes der
Kapitel im ersten Teil verdient sein eigenes Buch. Was den
zweiten Teil anbetrifft – er verdient ebenfalls einen

Türstopper.
Anstatt ein Regal von Büchern zu schreiben für die wenige
Leute die Zeit und Energie aufbringen können um sie zu
lesen, habe ich mich für eine Zusammenfassung
entschieden, eine welche über die enormen
Wissensgebiete in geringer Höhe hinweggleitet, damit wir
das Terrain erkennen können, nicht jedes einzelne Detail.
Dies verlangt viel von Ihnen, lieber Leser. Nicht nur ist es
eine Herausforderung für diese Zusammenfassung von so
vielen Wissensgebieten, die Analyse stellt praktisch alles
auf den Kopf was uns als die Wahrheit über unser
sozioökonomisches System erzählt wurde.
Es kann möglicherweise hart sein, es zu kauen und zu
schlucken.
Was haben wir also davon? Wenn wir Systeme nicht
verstehen, dann können wir nicht verstehen weshalb das
gegenwärtige System versagt, nicht als eine Art von
Pechsträhne, oder eines Sturms der vorbeiziehen wird,
sondern als unausweichliche Konsequenz seines Designs.
Und wenn wir nicht verstehen können, weshalb das

gegenwärtige System versagt hat, dann können wir kein
alternatives System entwerfen welches das Versagen des
momentanen Arrangements vermeidet.
Hier ist etwas über Systeme: Der Austausch der
Teilnehmer ändert nichts. Leute werden auf die
angebotenen Anreize auf die gleiche Art und Weise
reagieren wie die Spieler eines Spiels auf dessen Regeln
reagieren. Jeder will gewinnen, und wird so spielen, um zu
gewinnen, wie die Regeln des Spiels es vorsehen.
Wie wir gesehen haben ändert das Wechseln der Farbe
der Gummibärchen (mehr Regelungen, etc.)
ebenfalls nichts.
Wenn wir das System ändern wollen (oder von Grund auf
ein neues System entwerfen möchten), dann müssen wir
die Regeln, Prozesse und Inputs ändern. Nur so können
wir ein besseres Ergebnis erzielen.

Was sind Systeme?
Ein System ist im Wesentlichen ein Set von auf Regeln
basierenden Prozeduren die ausgewählte Inputs

verarbeiten und Outputs produzieren. Wenn einmal die
Prozesse und Inputs definiert sind, dann hat man ein
System entworfen welches nur eine gewisse Bandbreite
an Outputs hervorrufen kann.
Um die Outputs zu ändern muss man die Inputs und/oder
die Prozesse ändern. Alternativ dazu ist eine andere Art
für das Ändern eines Systems die Hinzunahme einer
Rückkopplungsschleife (feedback loop), erklärt von
Donella Meadows in ihrer Arbeit über leverage points
(Hebelpunkte).
Die Systemanalyse ist ein sehr umfangreiches Gebiet, und
sie kann nicht in ein paar Paragrafen zusammengefasst
werden. Der Kernpunkt hier ist, dass die Systemanalyse
es uns ermöglicht, komplexe Systeme zu verstehen, indem
die Grundregeln, Prozeduren und Inputs identifiziert
werden.
Nehmen wir als Beispiel einen Gemüsegarten. Wir
könnten den Garten auf unsystematische Weise managen,
keinen Regeln oder Prozeduren folgend, und ohne die
Verfolgung der Inputs. Wir könnten wahllos Samen
herumstreuen welche wir gefunden haben, wässern wann
immer wir uns daran erinnern, und uns keine Gedanken

über Kompost oder Dünger manchen.
Wir könnten Erfolg haben, aber es ist viel
wahrscheinlicher, dass unser Garten versagen wird bei der
Produktion des gewünschten Outputs (Gemüse), weil wir
den Pflanzen nicht bieten was sie zum Gedeihen
brauchen.
Alternativ dazu können wir Regeln und Prozeduren für das
Bepflanzen und den Unterhalt des Gartens festlegen und
aufmerksam die Inputs von Samen, Wasser, Kompost und
Dünger verfolgen.
Statt wahllos Samen zu streuen, folgen wir Regeln
hinsichtlich des Abstands der Samen, das Setzen von
Pflanzen, die Stickstoff im Boden binden neben Pflanzen,
welche Stickstoff benötigen, und so fort. Wir legen
Prozeduren fest, wie der Garten alle drei Tage bewässert
wird, und die Anwendung von Kompost einmal pro Woche.
Alle vier Tage rupfen wir Unkraut, das mit unserem
Gemüse um Nährstoffe und Sonnenlicht konkurriert.
In einer Labor-Umgebung erhalten wir wahrscheinlich gute
Resultate von diesem System.
Doch in der Natur passieren zufällige Dinge. Es kann für

ein paar Tage heftig regnen, und dadurch könnten die
Setzlinge beschädigt werden, oder die Wurzeln von
Pflanzen die nicht gut auf zuviel Wasser ansprechen
könnten leiden.
Wenn wir kein Feedback in unserem System haben, dann
gehen wir am dritten Tag im Regen raus und ertränken
unsere Pflanzen, weil unsere Prozeduren verlangen, dass
der Garten alle drei Tage gewässert werden muss.
Um dies zu korrigieren, addieren wir eine
Rückkopplungsschleife: Ein Messgerät für die Feuchtigkeit
sagt uns, ob der Boden gesättigt oder trocken ist.
Mit dieser neuen Rückkopplungsschleife an Information
können wir eine Prozedur einführen: Statt alle drei Tage zu
wässern, prüfen wir die Feuchtigkeit alle drei Tage. Wenn
der Boden trocken ist, gießen wir. Wenn er feucht ist, dann
nicht. Wenn er etwas trocken ist, dann wässern wir nur
soviel, wie notwendig ist.
Wenn wir einmal den Garten als System verstehen, dann
sehen wir wie dies automatisiert werden könnte. Wir
könnten einen Roboter programmieren (wir nennen ihn
mal R2Grün2) um das Feuchtigkeitsmessgerät zu prüfen

und das Wässerungssystem als Reaktion auf die
Rückkopplung vom Messgerät zu betätigen.
Wir können die Ernte unseres Gartens verbessern, indem
wir Daten sammeln und mit unseren Prozeduren
experimentieren. Zum Beispiel, wir könnten kompostierte
Kaffeebohnen in einer bestimmten Zone hinzufügen, oder
in einer Reihe verschiedene Gemüsesorten ausprobieren.
Indem wir Daten sammeln darüber, was funktioniert und
was nicht, können wir die Ernte erhöhen. Diese Daten sind
eine weitere Quelle für Feedback.
Feedback, oder Rückkopplung, ist ein
Schlüsselmechanismus von Systemen. Feedback kann
sich verstärken (positives Feedback) oder das System
limitieren (negatives Feedback).
Der Tempomat eines Autos ist ein Beispiel für negatives
Feedback. Wenn der Tacho eine höhere Geschwindigkeit
als die festgelegte misst, dann reduziert das System die
Umdrehungen des Motors, damit die Geschwindigkeit
wieder in den gewünschten Bereich fällt.
Ein Crash an der Börse ist ein Beispiel für positives
Feedback. Während der Preis der Aktien fällt, entscheiden

sich ein paar Investoren dafür, zu verkaufen, entweder um
ihre Profite zu sichern, oder aus Angst dass der Preis
tiefer fallen könnte. Dieser Verkauf drückt die Preise
niedriger, was wiederum mehr Verkäufe auslöst, was die
Preise weiter drückt. Verkäufe lösen mehr Verkäufe aus,
und so wird der Ausverkauf verstärkt.
Systeme können eng oder lose gebunden sein. In eng
gebundenen Systemen kaskadiert ein Versagen eines
Teils des Systems schnell durch den Rest des Systems. In
losen Systemen löst das Versagen eines Subsystems ein
Feedback aus, doch es verursacht nicht das Versagen des
gesamten Systems.
Eng gebundene Systeme sind wie sich überschneidende
Kreise von Domino Steinen: Wenn ein Domino Stein fällt,
dann breitet sich die Auswirkung schnell zu allen Kreisen
aus, und am Ende fallen alle Dominos. Lose gebundene
Systeme sind wie Dominos welche in unabhängigen
Kreisen angeordnet sind. Der Kollaps eines Kreises von
Dominos lässt nicht gleich alle Dominos umfallen.
Wenn wir nur eine Sorte Gemüse in unserem Garten
anpflanzen, dann haben wir eine Monokultur. Ein
Insektenbefall von nur einer Gemüsesorte wird unseren

gesamten Garten auslöschen. Wenn wir ein Dutzend
verschiedene Sorten Gemüse haben, dann wird der Befall
welcher nur eine Sorte zerstört nicht unseren gesamten
Garten zerstören.
Je mehr unabhängige Elemente (d.h. lose gebundene)
Elemente im System sind, desto größer ist die
Widerstandsfähigkeit des Systems. Die Ernte kann
geringer ausfallen, bedingt durch den Ausfall einer Sorte,
jedoch wird nicht der gesamte Garten zerstört.
Systeme, die aus unabhängigen Elementen bestehen (wir
können sie Kollegen oder Peers nennen, denn sie sind
untereinander gleich) sind dezentralisiert, im Gegensatz
zu einer Hierarchie, worin ein Element auf der Spitze der
Pyramide sitzt und allen Elementen unter ihm Befehle gibt.
Ein Peer-to-Peer-System ist dezentralisiert. Wir können
sagen, dass diese Systeme nicht-hierarchisch sind, da die
Macht für das Treffen von Entscheidungen bei jedem Peer
oder Kollegen statt einer hierarchischen Befehlskette liegt.
Nicht-hierarchische Systeme organisieren sich selbst, d.h.
die Teilnehmer organisieren sich gemäß der Regeln des
Systems. Ihnen muss nicht seitens einer höheren Autorität

gesagt werden, was zu tun ist; sie müssen nur die Regeln
des Systems kennen.
Wenn wir diese Konzepte vereinen, dann verstehen wir,
dass Hierarchien eng gebundene Systeme sind. Ein
Befehl von oben breitet sich durch das gesamte System
aus, wie fallende Domino steine. Macht und Kontrolle sind
zentralisiert statt im System verteilt. Im Gegensatz dazu,
wenn Information, Macht und Kontrolle in den Händen von
jedem Teilnehmer oder Peer liegen, dann schafft dies
dezentralisierte, verteilte Systeme die lose gebunden sind.
Jeder Peer kann Information von anderen Peers erhalten,
jedoch ist niemand dazu gezwungen, den gleichen Weg
zu folgen.
Jeder Peer ist ein Knotenpunkt in einem Netzwerk der
Information mit allen anderen Peers austauscht. Diese
Struktur ermöglicht mehrere Kommunikationskanäle und
Feedback Schleifen, im Gegensatz zu einer
hierarchischen Pyramide, worin die Information sich nur in
schmalen Kanälen innerhalb der Pyramide rauf und runter
bewegt.

Anreize und Abschreckungen

Die Regeln eines Systems rufen Anreize und
Abschreckungen hervor. Die wirklichen Anreize können
verschieden sein von den Anreizen, die von den
Designern des Systems beabsichtigt wurden.
Ein klassisches Beispiel dafür ist die Prohibition von
Alkohol in den USA zwischen 1920 und 1933.
Gutmeinende Reformer erwarteten, dass Männer, welche
sich für das Trinken von Whisky entschieden hatten,
einfach kleinlaut auf Milch umsteigen würden. Leider lag
diese naive Erwartung spektakulär daneben, denn der
Konsum von Alkohol ging in den Untergrund und entfachte
das Wachstum von organisierter Kriminalität.
Obwohl die Abschreckungen gegen die Herstellung von
Alkohol dazu gedacht waren, die Geißel des
Alkoholmissbrauchs zu eliminieren, schaffte die Prohibition
enorme finanzielle Anreize für das Schmuggeln und die
Herstellung und Verteilung von Alkohol. Die beabsichtigten
Resultate blieben aus, weil die Leute tatsächlich auf die
wirklichen Anreize reagierten, nicht auf die gutgemeinten
Vorstellungen der Befürworter des Gesetzes, welche eher
in die Richtung von magischem Denken gingen.

Systeme optimieren spezifische Strategien und
Verhaltensweisen: Diese Strategien bringen übergroße
Resultate hervor, währen alternative Strategien geringe
Resultate bringen.
Obwohl die Prohibition beabsichtigte, das Ausmerzen des
Alkoholmissbrauchs zu optimieren, optimierte sie in
Wirklichkeit die Ausbreitung der organisierten Kriminalität
und die unglaublich profitable Produktion und den Vertrieb
von Alkohol.
Jene, welche die Regen befolgten und keinen Alkohol
mehr auf legale Weise herstellten, gingen bankrott. Jene,
welche Alkohol illegal herstellten oder vertrieben, machten
ein Vermögen.
Die Verfolgung des Eigeninteresses – eine vollkommen
vorhersehbare Dynamik – war nicht mit den vom System
beabsichtigten Interessen ausgerichtet. In der Prohibition
wurden die Ziele des Systems nicht von einer Handvoll
böser Individuen untergraben, sondern als Resultat des
zugrundeliegenden Designs des Systems. Tatsächlich
wurden Millionen von durchschnittlichen Leuten dazu
gezwungen, das Gesetz zu brechen, da ihr Eigeninteresse
am besten verfolgt wurde, indem das System und die

Gesetze unterwandert wurden.
Ausgelöst durch ihr immanentes Design schaffte die
Prohibition perverse Anreize, welche die Ziele des
Systems und des Rechtsstaates unterwanderten. Die
perversen Anreize waren nicht auf den Konsum von
Alkohol beschränkt. Die Gesetzesvollstreckung,
Besteuerung, organisiertes Verbrechen und die sozialen
Missstände, welche durch den Konsum von Alkohol im
Untergrund ausgelöst wurden, waren im System der
Prohibition alle eng aneinander gebunden. Das Ergebnis
war, dass die Prohibition nicht ein Einzelfall von Versagen
war; sie hatte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft
und auf die gesamte soziale Ordnung.
Wir optimieren, was wir messen, und daher führt das
fehlerhafte Messen von Inputs/Outputs zu destruktiven
Resultaten. Die Befürworter der Prohibition zählten die
Brauereien, Brennereien, Kneipen und Wirtshäuser, die
geschlossen worden waren, und meinten, die Prohibition
sei ein großer Erfolg. Die zählten nicht die illegalen
Brauereien und Brennereien, die Fässer von
geschmuggeltem Whisky, die Zahl der bestochenen
Rechtspfleger, die schwellenden Profite von kriminellen
Syndikaten, die Bandenkriege zwischen den Syndikaten,

oder die Todesfälle bedingt durch Methylalkohol.
Als diese unbeabsichtigten Outputs zusammengezählt
wurden, waren die Befürworter der Prohibition dazu
gezwungen, sich nicht nur die perversen Anreize, welche
ihr System geschaffen hatten einzugestehen, sondern
dass diese perversen Anreize das einzig mögliche
Resultat/Output des Systems waren.
Die Prohibition war von Anfang an ein unsinniges System.
Es konnte nicht durch zusätzliche Maßnahmen reformiert
werden, d.h. durch eine andere Farbe von Gummibärchen.
Der einzige Weg, dieses Durcheinander zu beenden, war
das Ende der Prohibition.

Die Gummibärchen-Wirtschaft: Eigeninteresse ist
nicht genug
Ich mag Gummibärchen, und in Maßen sind sie, wie alle
anderen zuckerhaltigen Süßigkeiten, von geringem
Nährwert.
Wenn wir jedoch nichts als Gummibärchen essen, und
den ganzen Tag auf der Couch herumlungern, dann

werden wir krank werden. Wenn dies die einzigen Inputs
sind, dann ist schlechte Gesundheit das einzig mögliche
Output. Ein anderes Ergebnis zu erwarten ist lediglich
Wunschdenken.
Beginnen wir unsere Erforschung von Eigeninteresse,
indem wir ein sehr simples System entwerfen: Die
Gummibärchenwirtschaft.
Die Gummibärchenwirtschaft hat vier Sektoren: Das
Unternehmen, welches die Gummibärchen herstellt, der
Staat (Regierung), welche die Steuern auf die Gewinne
des Unternehmens einnimmt, ein marginalisierter Sektor
von Leuten, welche ihr eigenes Obst und Gemüse
anbauen und keine Gummibärchen kaufen, und eine
Pharmaindustrie, welche dazu dient, die schlechte
Gesundheit, ausgelöst durch eine Diät von
Gummibärchen, zu lindern.
Das implizite Ziel dieser Wirtschaft ist die Maximierung
von privatem Gewinn, egal durch welche Mittel.
Die Gummibärchen AG kann Profite nur maximieren,
indem mehr Gummibärchen verkauft werden. Dazu
unterhält sie eine riesige Marketingabteilung, um die Idee

zu verkaufen, dass jeder Feiertag ein besonderes
Gummibärchen benötigt, jedes Ereignis im Leben benötigt
ein anderes besonderes Gummibärchen, und jene, welche
nicht den letzten Schrei in Sachen Gummibärchen kaufen,
sind nicht cool, d.h. sie sind es nicht wert, anerkannt und
bewundert zu werden.
Da die Gummibärchen-Diät eindeutig ungesund ist, muss
die Gummibärchen AG dieses negative Resultat
verschleiern, mit einer Werbekampagne, welche die
Konsequenzen des Gummibärchen-Lebensstils maskiert.
Untersuchungen welche die negativen Auswirkungen
aufzeigen, werden marginalisiert, lächerlich gemacht, oder
mit absichtlich konfusen Studien der Müll-Wissenschaft
gekontert.
Die positiven Aspekte des Gummibärchen-Lebensstils –
die deliziöse Vielfalt der Angebote, der Spaß des
Shoppens nach den letzten Geschmacksrichtungen –
werden als der Gipfel des Komforts und des Genusses
herumposaunt. Eine Reihe von Produkten bieten die
Vorzüge der Zugehörigkeit zu Gummibärchenklubs an:
Jene, welche rote Gummibärchen bevorzugen, haben
ihren eigenen Klub, und so fort. Werbung für eine NurGummibärchen-Diät zeigen schlanke und attraktive

Menschen beim Genuss von Gummibärchen.
Die pharmazeutische Industrie, welche Medikamente zur
Linderung der negativen Gesundheitsauswirkungen des
Nur-Gummibärchen-Lebensstils produziert, ist ebenfalls
sehr profitabel. Der Staat nimmt von dieser Industrie
Steuern ein und fördert ihr Wachstum. Tatsächlich ist gute
Gesundheit für den Staat unprofitabel, denn jene, welche
ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen und keine
Medikamente brauchen, bringen keine Steuereinnahmen.
Der Staat, der nicht willens ist, den Profiten und Gehältern,
welche seine Steuereinnahmen ausmachen zu schaden,
passt gut auf, damit er den Verkäufen der Gummibärchen
AG nicht schadet, oder jenen der pharmazeutischen
Industrie. Die Leiter der Gummibärchen AG und der
Pharmaindustrie fördern dies, indem sie Lobbyismus
betreiben und ordentlich Spendengelder für gewählte
Repräsentanten verteilen (d.h. Stimmen kaufen).
Eines der Ziele des Lobbying ist es, die Konkurrenz
seitens neuer Gummibärchen Hersteller und der
pharmazeutischen Industrie durch regulatorische Barrieren
einzuschränken (genannt regulatory capture).

Leute, die ihre eigenen Nahrungsmittel anbauen und keine
Gummibärchen kaufen, bringen dem Staat keine Steuern
ein, also verfolgt der Staat seine eigenen Interessen am
besten, indem Aktivitäten beschränkt werden, welche
keine Steuern einbringen. Als Ergebnis verbietet der Staat
urbane Gärten und schränkt den Verkauf von
selbstangebauten Nahrungsmitteln ein.
Die Teilnehmer in jedem dieser Sektoren maximieren ihre
privaten Profite: Die Besitzer und Manager der
Gummibärchen AG und der Pharmaindustrie agieren, um
Verkäufe und Profite zu maximieren, und jene, welche für
den Staat arbeiten, maximieren die Steuereinnahmen,
indem die Profite von Sektoren beschützt werden, welche
Steuereinnahmen bringen.
Doch die Kosten der Beibehaltung des Systems ist eine
Bevölkerung in einem permanentem Zustand schlechter
Gesundheit. Letztendlich bringen die Auswirkungen dieser
schlechten Gesundheit das System zum Zusammenbruch,
denn die Profite aus dem Verkauf von Gummibärchen und
Medikamenten decken nicht länger die Kosten von
schlechter Gesundheit.
Sie denken möglicherweise, dass dieses Beispiel absurd

sei, doch so oder ähnlich funktioniert die globale
Tabakindustrie.
Welche Lektionen haben wir hier?

Ein System, welches auf der Maximierung von privaten
Profiten basiert, kann sich selbst zerstören, selbst
wenn jeder Teilnehmer aus rationalem Selbstinteresse
heraus handelt.
Die Maximierung von privaten Profiten resultiert nicht
automatisch in einer Selbsterhaltung des Systems.
Das System muss spezifisch so ausgelegt werden,
damit die Teilnehmer, welche Selbstinteresse
verfolgen, das System stärken statt es zu schwächen.
Dies mag offensichtlich sein, doch wie wir sehen
werden (und wie Sie vielleicht selbst mit dem Beispiel
der Gummibärchenwirtschaft erkannt haben) wird das
gegenwärtige System untergraben, während die
Teilnehmer ihre privaten Profite maximieren.
In kontraproduktiven Systemen setzt die Maximierung
von privaten Profiten das Verschleiern oder die
Verzerrung der Wahrheit voraus. Wenn die Enthüllung
der Wahrheit den privaten Gewinn schmälert, dann
wird Selbstinteresse am besten gedient, indem die
Wahrheit vertuscht wird. In einem kontraproduktivem

System werden jene bestraft, die die Wahrheit sagen.
Jene, welche die Wahrheit verzerren, häufen die
größten Gewinne an.
Ein System, welches mit verzerrter Information angefüllt
ist, kann nur schlecht informierte Entscheidungen und
Fehlinvestitionen hervorrufen. Das einzig mögliche
Resultat von schlecht informierten Entscheidungen
und Fehlinvestitionen ist systemisches Versagen.

Halbwahrheiten verursachen Inkohärenz, Misstrauen
und Komplexität
Wenn Halbwahrheiten als faktisch ausgegeben werden,
dann verursachen die Verzerrungen Inkohärenz: Die
Erzählweisen, welche auf Halbwahrheiten beruhen,
machen nicht länger Sinn, wenn die Realität mit den
Halbwahrheiten hadert.
Diese Diskrepanz zwischen offiziellen Versionen und der
Realität kennzeichnen totalitäre Regimes wie die frühere
UdSSR, wo Witze wie “Wir tun so, als ob wir arbeiten, und
sie tun so, als ob sie uns bezahlen” die Kluft zwischen der
offiziellen Erzählweise und der Realität aufzeigen.

Die Aufrechterhaltung von Halbwahrheiten benötigt mehr
Energie als einfach die Wahrheit zu sagen, und das
Trennen der Verzerrungen von akkurater Information
braucht ebenfalls mehr Energie. Diese zusätzlich
Komplexität – für jene, welche die Halbwahrheiten
verbreiten und jene, welche versuchen, Fakten von Fiktion
zu trennen – schwächt das System hinsichtlich der
Energie, die auf produktivere Weise hätte investiert
werden können.
1. All

diese Komplexität agiert im System als Reibung, und
die Produktivität wird geschwächt. Systeme, welche
von verzerrter Information abhängig sind, stagnieren
und sind anfällig für zunehmende Ungleichheit, wo
jene wenigen mit Zugang zu unverfälschter
Information gedeihen, auf Kosten jener, an die
verzerrte Information verfüttert wurde.
2. Es entsteht ein dysfunktionaler psychologischer Zustand,
wenn Teilnehmern akkurate Information vorenthalten
wird. Ständig mit verzerrter Information bombardiert
zu werden verursacht Entfremdung, indem sich die
Kluft zwischen der Erfahrung seitens der Teilnehmer
und was ihnen als sei es real erzählt wird ausweitet.
In unserem Beispiel mit den Gummibärchen zum Beispiel

wird Konsumenten erzählt, dass die Gummibärchen-Diät
cool ist, Spaß macht, und keine Gefahr für die Gesundheit
darstellt, selbst wenn sie sich zunehmend schlechter
fühlen. Am Ende untergräbt dieser Kurzschluss das
Vertrauen in die Unternehmen, den Staat, und
schlussendlich in die gesamte soziale Ordnung.

Der Schutz von Privilegien bringt Systeme zur
Selbstzerstörung
Im ersten Kapitel merkte ich an, dass Gilders
Informationstheorie des Kapitalismus besagt, dass eine
freie Marktwirtschaft im Grunde ein System ist, welches
Lernen und Wissen belohnt. Aus dieser Sicht ist Geld eine
Art von Information. Wenn ein Kunde ein Produkt kauft,
dann stellt dieser Geldaustausch dem Verkäufer
Information bereit.
Wenn jedoch Zentralbanken neues Geld herausgeben,
dann fließt das Geld nicht zu neuem Wissen, sondern zu
Privileg. Systeme, welche Privilegien beschützen,
verzerren dazu Information. Wie oben angemerkt,
Systeme, welche Information verzerren, zerstören sich
selbst.

Daher zerstören sich Systeme, welche Privilegien
beschützen.
Um den Unterschied zwischen Systemen, die sich selbst
zerstören und jenen, welche tragfähig sind zu verstehen,
vergleichen wir die Merkmale von zentralisierten
Hierarchien und Netzwerk-Organisationen.

Vergleich von zentralisierten Hierarchien und
Netzwerk-Organisationen
Der Zweck von zentralisierten Hierarchien ist Kontrolle. Mit
anderen Worten, zentralisierte Hierarchien optimieren Topdown Macht und Kontrolle.
Der Zweck von Netzwerken ist die Verteilung von Wissen,
Kollaboration und Wahlmöglichkeit. Netzwerke optimieren
Transparenz, gemeinsame Information und Kollaboration
von unten nach oben.
Hier ist eine Liste der wichtigsten Charakteristika der
jeweiligen organisatorischen Typen.

Merkmale der
Merkmale von Netzwerkzentralisierten
Organisationen
Hierarchien
• Kontrolle
• Freiheit
• Hierarchie
• Selbstorganisation
• Zentralisierung
• Dezentralisierung
• Autorität
• Verteilte Macht
• Vollstreckung
• Zugehörigkeit
• Gehorsam
• Freiwilliger Konsens
• Befehle
• Kollaboration
• Monopol
• Konkurrenz/Kooperatio
• Habgier
n
• Konzentrierter Reichtum • Selbstinteresse
• Abhängigkeit
• Verteiltes Wissen,
• Geheimhaltung
Werkzeuge, Kapital
• Knappheit
• Eigenständigkeit
• Exklusivität
• Transparenz
• Rigide Stabilität
• Überfluss
• Fragilität
• Offenheit
• Limitierte
• Flexible Stabilität
Wahlmöglichkeit
• Widerstandsfähigkeit
• Automatisierung
• Vielfalt
• Komplizität/Kooption
• Gemeinschaft
• Lernen, was einem
• Unabhängigkeit
auferlegt wird
• Selbstgerichtetes



Propaganda
Konsumerismus






Schulden
Angst
Trick/Vortäuschung
Zentrale Planung
Reichtum kauft
politischen Einfluss
Unterwürfigkeit
Begrenzte soziale
Mobilität
Privileg





Lernen
Konkurriende
Erzählweisen,
Skepsis
Verfolgung von
Wertigkeit

Dezentralisierte
Kryptowährungen
Vertrauen
Authentizität
Selbstorganisierende
Unternehmen
Partizipative
Demokratie
Autonomie
Hohe soziale Mobilität
Zugang

Diese Attribute sind jedem System immanent. Sie sind
nicht zufällig, noch können sie von einer Liste zur anderen
transferiert werden. Jede Liste ist das einzig mögliche
Ergebnis/Output jedes Systems.

Wie Systeme selbstzerstörerisches Verhalten
begünstigen
Warum rufen Systeme perverse Anreize hervor, welche
das System selbst untergraben? Warum verfolgen
Teilnehmer Strategien, welche zum Versagen des
Systems selbst führen? Warum erkennen sie nicht die
selbstzerstörerischen Ergebnisse ihres Verhaltens?
Um dies zu beantworten, müssen wir beim Selbstinteresse
und den Anreizen in einer Welt der Knappheit beginnen.
Jene, die für Organisationen arbeiten, welche Privilegien
von Insidern schützen, haben enorem Anreize um:

Jegliche Beweise dafür, dass ihre Organisation dabei
versagt, die erwarteten Resultate zu produzieren, zu
verstecken.
Die Illusion von Erfolg durch verfälschte Daten,
Vorwände und Propaganda zu erzeugen.
Sicherzustellen, dass jegliches Problem für dessen
Lösung die Organisation geschaffen wurde ungelöst
bleibt.

Die Vorteile, welche durch Insider gesichert wurden, zu
maskieren und die Vorteile, welche die Organisation
für Outsider liefert, zu übertreiben.

Wenn das System als Fehlschlag erkannt wird, könnte die
gut bezahlte Anstellung von Insidern verschwinden. Falls
das Problem für dessen Lösung das System entworfen
wurde gelöst wird, verschwindet die Existenzberechtigung
des Systems.
Falls Outsider entdecken, dass sich Insider viel mehr
bereichern als die intendierten Empfänger, wird der Druck
auf eine Reduzierung des Anteils der Insider zunehmen.
Insider haben einen starken Anreiz für die Vertuschung
des wirklichen Ausmaßes ihrer Vorteile.
Das Ergebnis ist, dass jedes System welches sichere,
lukrative Arbeit in einer Welt, worin solche Arbeit knapp ist
anbietet, automatisch dafür ausgelegt ist, die perversen
Anreize welche das System untergraben zu
institutionalisieren.
Wenn die Frage Cui Bono – zu wessen Vorteil? – ehrlich
beantwortet wird, dann hilft dies bei der Identifizierung
jener, die tatsächlich Vorteile haben. Insider werden

natürlich versuchen, ihren eigenen Gewinn
herunterzuspielen und die Vorteile für Outsider zu
übertreiben.
In einer Welt der Knappheit ziehen Insider scharfe
Grenzen zwischen jenen, welche ihre Vorteile bedrohen –
Outsider – und jenen, welche an den gleichen perversen
Anreizen teilnehmen, um das Versagen zu maskieren und
Erfolg zu übertreiben.
Wenn die Organisation jegliche Information, außer
genauestens entworfener Propaganda, unterdrücken
kann, dann haben Outsider keine Möglichkeit, um die
Privilegien der Insider zu bedrohen, oder ihr Versagen zu
hinterfragen.
Organisationen, welche sichere Anstellungen anbieten und
welche Anreize zum Schutz von Insider-Privilegien
generieren, werden Bürokratien genannt. Bürokratien sind
zentralisierte Hierarchien. Das einzig mögliche Ergebnis
solcher Systeme ist verzerrte Information und
institutionalisiertes Versagen.
Bürokratien optimieren den Schutz von Privilegien und die
Unterdrückung von Information. Als solche sind sie

Systeme, die sich in das eigene Knie schießen.

Lassen Sie uns zwei Arbeitsspiele entwerfen
Eine Methode, um Systeme zu verstehen ist, ein Spiel zu
entwerfen das die gleichen Regeln hat wie das System.
Ökonomen benutzen Simulationen der Spieltheorie (game
theory), um besser verstehen zu können, wie die
Wirtschaft funktioniert.
Die Grundlagen von Systemen haben wir bereits
behandelt, auf welche Art und Weise ein System gewisse
Strategien und Anreize optimiert, wie diese sehr
verschieden sein können von der Absicht der Designer
des Systems, und wie die Maximierung von privatem
Gewinn (d.h. die Verfolgung von Eigeninteresse) das
System von innen her zerstören kann.
Hier sind die Regeln für das Arbeitsspiel #1:
1. Man

bekommt Punkte für die Tage, die man erscheint,
nicht für das, was man produziert (Ihr Output).
2. Die Produktion von Output kostet Punkte für geleisteten
Aufwand-Gewissenhaftigkeit.

3. Ihre

Bezahlung (Punkte) steigt jedes Jahr, egal, wie hoch
Ihr Output ist.
4. Sie können nicht Aufgrund von geringem Output
entlassen werden, nur wegen null Output.
5. Es ist egal, ob Ihre Mitarbeiter produktiv sind oder nicht;
ihre Bezahlung bleibt die gleiche.
6. Es gibt nur zwei Wege, um mehr Punkte zu bekommen:
Entweder man rückt in eine höhere Position vor, mit
10% mehr Bezahlung und 50% mehr AufwandGewissenhaftigkeit, oder man reduziert AufwandGewissenhaftigkeit.
Was optimieren diese Regeln? Das einzig mögliche
Resultat dieser Regeln sind Arbeiter, welche minimales
Output produzieren, denn sie werden nicht für Output
bezahlt, und geringes Output hat keine Sanktionen zur
Folge.
Dies sind die Regeln von Bürokratien.
Die Zerstörung von positiven Anreizen, um Output zu
produzieren, war nicht das beabsichtigte Ziel. Das Ziel
jener, welche die Bürokratie entwarfen, war Jobsicherheit
für alle Arbeitnehmer, ungeachtet ihres Outputs. Dieses
lachhafte Ziel schafft den perversen Anreiz, so wenig wie

möglich zu tun. Dies ist, was das System optimiert. Es gibt
kein anderes mögliches Output dieses Systems.
Hier sind die Regeln für das Arbeitsspiel #2:
1. Ihre

Punkte basieren einzig und allein auf Ihrem Output.
Zeit zählt nicht.
2. Je mehr Aufwand-Gewissenhaftigkeit Sie investieren,
desto höher Ihr Output.
3. Je mehr Output Ihre Mitarbeiter produzieren, desto mehr
Output produzieren Sie, und desto höher sind Ihre
Punkte/Bezahlung.
4. Wenn kein hohes Output produziert wird, dann werden
Sie von Mitarbeitern gemieden, Ihr Output sinkt.
5. Da es keine Hierarchie oder Chef gibt, können Sie nicht
entlassen werden. Wenn Sie nichts tun, dann
bekommen Sie null Punkte.
6. Es gibt jederzeit umfangreiche Möglichkeiten, um Punkte
für Aufwand-Gewissenhaftigkeit zu investieren.
Was optimieren diese Regeln? Das einzig mögliche
Resultat dieser Regeln sind Arbeiter, die sehr produktiv
sind, denn sie werden nur für Output bezahlt und erhalten
nichts nur für ihr Erscheinen. Die Strafe für null Produktion
sind null Punkte/Bezahlung.

Es gibt nur zwei Wege, um mehr Punkte zu bekommen:
Entweder mehr Aufwand-Gewissenhaftigkeit investieren,
oder das Output erhöhen, damit man produktive
Mitarbeiter anzieht. Die Regeln dieses Spiels bieten Anreiz
für produktive Kollaboration, denn alle Mitarbeiter ziehen
Nutzen aus steigendem Output.
Obwohl Punkte/Bezahlung nicht garantiert sind, die
Möglichkeit des Verdienens von Punkten/Bezahlung ist
garantiert.
Das Arbeitsspiel #1 modelliert Bürokratien, Arbeitsspiel #2
modelliert Peer-to-Peer Netzwerke in einer Umgebung von
garantierten Arbeitsmöglichkeiten. Im Arbeitsspiel #1 ist
die Bezahlung garantiert, selbst wenn das Output minimal
ist. Im Arbeitsspiel #2 ist die Bezahlung fast null, für fastnull Output, jedoch gibt es unbegrenzte Möglichkeiten, um
produktiv zu sein.
Welches System ist selbstzerstörerisch, d.h. welches
schafft perverse Anreize, die das System untergraben?
Welches System unterhält sich selbst, indem das
Selbstinteresse der Spieler mit der Tragfähigkeit des
Systems in Einklang gebracht wird?

Diese zwei Spiele enthüllen reichhaltige Information über
Systeme, Wirtschaften und Organisationen. Ein
produktives System garantiert Möglichkeiten für die
Schaffung von Output und belohnt produktive
Kollaboration; ein selbstzerstörerisches System garantiert
Bezahlung und Stellung, ungeachtet vom Output oder von
Kollaboration.
Die Sache mit Spielen und Systemen ist, dass alle Spieler,
auf mehr oder weniger die gleiche Art und Weise, auf die
gleichen Regeln und Anreize reagieren, denn das System
optimiert die gleiche Verhaltensweise für alle. Systeme
versagen nicht, weil ein paar Individuen raffgierig sind,
oder sie funktionieren nicht, weil jeder ein Heiliger ist; sie
versagen oder funktionieren aufgrund dessen, was die
Regeln optimieren.
Die gleichen Spieler reagieren mit verschiedenen
Verhaltensweisen und Entscheidungen in jedem der
beiden Spiele. Ändere die Regeln des Systems, und das
Output ändert sich. Wechsel die Spieler aus, und nichts
ändert sich.

Lassen Sie uns zwei Systeme zum Füllen von
Schlaglöchern entwerfen
Der Straßenbelag wird mit der Zeit immer schlechter, und
das Ergebnis davon ist, dass ständig Schlaglöcher gefüllt
werden müssen. Das konventionelle System des Staates
für das Füllen von Schlaglöchern enthält eine
umfangreiche Bürokratie:


Ein Team untersucht eine Reihe von Straßen nach
Schlaglöchern.
Führungskräfte sammeln die Daten und geben jenen
Straßen, die zuerst repariert werden sollen, Priorität.
Ingenieure inspizieren die Straßen mit Priorität und
bereiten Spezifizierungen für das Füllen der
Schlaglöcher vor.
Die Führungskräfte bereiten einen Haushalt für die Arbeit
vor und treffen sich mit Führungskräften der
Kostenabteilung, um die finanziellen Mittel
sicherzustellen.
Pläne und Spezifikationen werden entworfen und an
Privatanbieter verteilt.
Angebote werden überprüft und der Zuschlag wird erteilt.
Der Bieter mit dem Zuschlag unterbreitet Vertragswerk
sowie Nachweise, dass er alle betreffenden

Regelungen hinsichtlich der Zusammensetzung
seiner Arbeitskräfte, steuerliche Verpflichtungen etc.
erfüllt.
Die juristische Abteilung der Stadt überprüft die Verträge
und macht Revisionen.
Der Bieter überprüft die Revisionen und verhandelt über
weitere Änderungen.
Schließlich wird der Vertrag von beiden Seiten
unterschrieben.
Die Arbeit wird in Straße #1 ausgeführt. Die Stadt
inspiziert die Arbeit und die Abteilung erteilt der Firma
eine Zahlung.
Die Abteilungsleiter berichten den Stadtvätern über den
Fortschritt, unterbreiten eine vorläufige Bilanz
hinsichtlich der projizierten Kosten, und fordern
zusätzliche Gelder für Mehrkosten.
Die Arbeit geht Straße für Straße voran, bis sie vollendet
ist.

Dieses System wurde dazu entworfen, damit alle
Teilnehmer der Hierarchie der Stadt hörig sind, und um
jeden Prozess zu verzeichnen, damit die Durchführung
überwacht und Nachprüfungen durchgeführt werden
können. Die Produktivität dieses Systems ist vom Entwurf
her schon gering, denn Produktivität wurde der

Optimierung von Rechenschaft und der Transparenz der
Prozeduren geopfert.
Nehmen wir einmal an, dass die Kosten dieses Systems $
450 pro gefülltes Schlagloch sind. Für wohlhabende
Gemeinden oder Städte, welche sich $ 450 pro Schlagloch
leisten können, ist dieses System akzeptabel und
funktioniert perfekt.
Aber nehmen wir einmal an, dass eine Stadt sich nur $ 45
pro Schlagloch leisten kann. Wenn die Stadt das
konventionelle zentralisierte hierarchische System, wie
oben beschrieben wurde, annimmt, dann kann sie sich nur
ein Schlagloch von zehn leisten. Die Straßen werden
schnell zu einer Gefahr, indem sich die Schlaglöcher
multiplizieren und Fahrzeuge beschädigt werden,
verursacht durch sich vergrößernde und vertiefende
Schlaglöcher.
Nehmen wir an, diese Stadt oder Gemeinde nähme ein
dezentralisiertes, sich selbst organisierendes System an,
unter Anwendung von bestehender Technologie, welche
die Rechenschaftspflicht und Transparenz beibehält,
jedoch ohne die teure, langsame Bürokratie mit geringer
Produktivität.

Das Herz dieses Systems ist eine Reihe von Bietern und
von zu füllenden Schlaglöchern. Die Öffentlichkeit meldet
die Position und ungefähre Größe und Tiefe der
Schlaglöcher in einer Online-Datenbank, welche für alle
zugänglich ist. Bieter – dies könnte praktisch jede Person
sein, die unternehmungslustig ist und einen
Pritschenwagen hat, eine organisierte Arbeitsgruppe eines
Bezirks, oder ein professioneller Unternehmer – machen
Kostenvoranschläge für das Füllen von jenen
Schlaglöchern, die sie auswählen.
Die Schlaglöcher werden automatisch durch ihre Lage
bewertet (die am meisten befahrenen Straßen haben die
höchste Priorität) sowie durch ihre Größe: Die größeren
und tieferen Schlaglöcher werden höher bewertet als
flache und kleine Schlaglöcher.
Ein großer Bauunternehmer kann für eine ganze Straße
voller Schlaglöcher ein niedriges Angebot offerieren, denn
er hat eine Mannschaft und die Geräte, um Dutzende von
Schlaglöchern pro Tag zu füllen. Eine Mannschaft der
Nachbarschaft kann für die Schlaglöcher in ihren Straßen
ein niedriges Angebot machen, nur damit sie so schnell
wie möglich repariert werden. Jemand mit einem

Pritschenwagen hat vielleicht einen Vormittag frei und
kann für ein paar Schlaglöcher ein niedriges Angebot
machen, damit ein wenig Geld hereinkommt, anstatt nichts
zu tun.
All diese Entscheidungen werden auf eine
selbstorganisierende Art und Weise getroffen.
Die Kontrolle hinsichtlich der korrekt gefüllten Schlaglöcher
wird ebenfalls mittels Crowdsourcing seitens der Bürger
ausgeführt. Es werden drei Berichte von Bürgern benötigt
(mit ihren Namen und Adressen, welche vom System mit
öffentlichen Registern überprüft werden), um zu
bestätigen, dass die Arbeit sauber ausgeführt wurde.
Wenn die Arbeit einmal geprüft wurde, wird die Zahlung
gemacht.
Falls ein Anbieter sich mit drei Bürgern zusammentut, um
einen falschen Bericht anzufertigen, über ein Schlagloch
das nicht repariert wurde, dann wird dies für jeden
offensichtlich sein, der über das Schlagloch fährt und das
Online-Register konsultiert. Der Anbieter und die drei
Leute werden in der Datenbank registriert, denn sie haben
falsche Berichte eingereicht, und werden sofort aus dem
System verbannt.

Da das gesamte System automatisiert ist, gibt es keine
Menschen, die bestochen oder eingeschüchtert werden
können. Es können keine Gefälligkeiten gemacht werden,
keine Privilegien erteilt oder erzwungen werden. Jeder, der
die Regeln bricht, wird automatisch vom System verbannt.
Jeder hat hier etwas zu verlieren.
Was den Bürgern der Stadt, welche $ 450 pro Schlagloch
zahlt verschwiegen wird, ist die Gelegenheitseinbuße von
$ 405 mehr pro Schlagloch. Was hätte man sonst mit
diesen Steuergeldern anfangen können? Für welche
produktiveren Bestimmungen hätte dieses Geld verwendet
werden können?
Tatsächlich ist die Bürokratie des Füllens von
Schlaglöchern für je $ 450 ein
Arbeitsbeschaffungsprogramm für privilegierte Angestellte
der Stadt oder Gemeinde, welche nicht entlassen werden
können, wenn weniger Schlaglöcher gefüllt werden, oder
wenn die Kosten auf über $ 600 pro Schlagloch steigen.
Solange die Stadt die Steuern erhöhen oder sich Geld
leihen kann, werden die Kosten der Gelegenheitseinbuße,
indem $ 450 für das Füllen von Schlaglöchern bezahlt

werden, wenn sie genauso effizient für $ 45 hätten gefüllt
werden können, verdeckt. Wenn die Stadt jedoch erst
einmal keine Kreditwürdigkeit mehr hat, dann werden die
Kosten der Gelegenheitseinbuße plötzlich auf
schmerzhafte Weise offensichtlich werden.
Wir akzeptieren das System der geringen Produktivität
und der Beschäftigungsstrategie nicht, weil es schneller,
besser oder billiger ist, sondern weil dies die Art ist, wie
die Dinge gemacht werden, und die Ineffizienz,
Gelegenheitseinbuße und Privilegien werden von der
zentralisierten Hierarchie der Stadt aufgezwungen.

Der Informationsfluss in Systemen
Information und Wissen sind kritisch für das Funktionieren
aller Arten von Systemen, von unserem Hintergarten zu
ganzen Wirtschaften. Um zu verstehen, wie ein System
funktioniert, müssen wir untersuchen, wie es den
Informationsfluss und Wissen handhabt.

Information ist mehr als nur numerische Daten; sie
umschließt Beobachtungen und Feedback aller Art.
Wissen ist die Organisation der Information in nützliche

Bereiche.
In den Industriewirtschaften ist der Fluss von Materialien
einer der Schlüsselbereiche der Information. Zum Beispiel,
der Fluss von Nahrungsmitten und Feuerholz hinein in die
Stadt und der Fluss von Abfall und verarbeiteten Gütern
aus der Stadt heraus sind der Schlüssel für das Verstehen
der Wirtschaft einer Stadt.
In Finanzsystemen ist der Fluss von Geld, Kredit und
Kapital ein Schlüsselbereich der Information.
In einer Wissenswirtschaft ist der freie Fluss von
Information und Wissen der Schlüsselfaktor für das
Schaffen von Wert und für Produktivität.
Die einzige Art, um den Reichtum aller innerhalb eines
Systems zu erhöhen ist, die Produktivität zu erhöhen.
Wenn die Produktivität stagniert, stagniert die Schaffung
von Wertigkeit und soziale Mobilität.
Systeme, welche den freien Fluss der Information
einschränken, horten oder verzerren, begrenzen
Produktivität. Die einzig möglichen Outputs solch eines
Systems sind Ungleichheit und Instabilität, denn jene,

welche die Macht haben um Information zu horten, ziehen
daraus die entsprechenden Vorteile, während die
Produktivität stagniert. Diese Systeme sind von sich aus
instabil, denn die zunehmende Ungleichheit ruft
Ungleichgewichte hervor, die schließlich die Gesellschaft
destabilisieren.
Diese Dynamik ist nicht auf eine gegebene Ideologie oder
einen Typ von System beschränkt.
Zentralisierte Hierarchien begrenzen, horten oder
verzerren den freien Informationsfluss, um ihrer
Kernfunktion zu dienen, der Erhaltung der Privilegien der
Wenigen zu Lasten der Vielen. Die einzige Art, diese
Privilegien zu schützen ist das Begrenzen der Information
zugunsten jener auf der Spitze der Machtpyramide.
Wenn wir verstehen, dass Geld und Kredit Formen von
Information sind welche Daten über Risiko, Wert und
Kapital beinhalten, dann verstehen wir, dass in
zentralisierten Hierarchien Geld und Kredit zur Spitze der
Pyramide hin fließen.
Die Begrenzung des freien Informationsflusses limitiert
gezwungenermaßen die Produktivität.

Mit anderen Worten, man kann nicht gleichzeitig eine
zentralisierte Hierarchie und einen freien Fluss von
Information und Wissen haben. Die beiden schließen sich
gegenseitig aus. Ohne einen freien Fluss von Information
und Wissen kann in einer Wissenswirtschaft die
Prokuktivität gesteigert werden. Daraus folgt, dass man
keine zentralisierte Hierarchie und gleichzeitig ein
hochproduktives System haben kann welches die
Zunahme der Produktivität breit verteilt.
Wenn wir dies addieren, können wir schlussfolgern, dass
die einzig möglichen Outputs von zentralisierten
Hierarchien Stagnation, Ungleichheit und Instabilität sind.
Diese Merkmale können durch produktivitätsfördernde
Inputs wie billige Energie und billiger Kredit maskiert
werden, wenn jedoch diese temporären Inputs abnehmen,
dann kehren die Outputs des Systems zu Stagnation,
Ungleichheit und Instabilität zurück.

Zentralisierte Hierarchien optimieren Politik und die
Verzerrung von Information
Wenn wir die Liste der Merkmale von zentralisierten

Hierarchien und Netzwerken vergleichen, dann bemerken
wir, dass zentralisierte Hierarchien Politik und das
Horten/Verzerren von Information optimieren. Im
Gegensatz dazu optimieren Netzwerke Transparenz, den
freien Fluss von Information und Verifikation, welche
Vertrauen bildet.
Einer der Wege, um zu verstehen warum jedes System
solch verschiedene Charakteristika optimiert ist, zu
analysieren, wie jedes System den Fluss von Information
und Wissen handhabt.
Obwohl Wissen nicht tangibel ist, so ist es doch sehr real.
Bedenken wir:

Wenn Bürgern inkorrekte Information hinsichtlich der
Aktivitäten ihrer Regierung gegeben wird, dann wird
ihre Zustimmung zum Kollaps hin neigen, wenn die
Wahrheit herauskommt.
Wenn Teilnehmern des Marktes inkorrekte Information
hinsichtlich der Einnahmen des Unternehmens
gegeben wird, dann werden dessen
Anlageentscheidungen zu katastrophalen Verlusten
hin neigen, wenn die Wahrheit bekannt wird.
Wenn ein Ehepartner die Untreue des Partners entdeckt,

dann wird ihr Leben von diesem Wissen auf immer
verändert werden.
In zentralisierten Hierarchien sind Information und Wissen
gefährlich, denn sie können Eigennützige Interessen
untergraben. Da jene in zentralisierten Hierarchien
verstehen, dass Wissen von Natur aus riskant ist, ist ihre
erste Priorität die Kontrolle von Information/Wissen, um so
lediglich zu veröffentlichen was sie in positivem Licht
erscheinen lässt, und alles andere was negativ ist zu
vergraben. Dies raubt dem System vitale Information und
Feedback, es lähmt das System auf seiner elementaren
Ebene.
Die Notwendigkeit der Kontrolle der Information optimiert
public relations (PR) und Propaganda, d.h. die Fabrikation
von Halbwahrheiten und Lügen.
In Hierarchien ist Macht an der Spitze des Systems
konzentriert. Ausgelöst durch das Risiko von
unkontrollierter Information optimiert das System Loyalität
gegenüber Höherstehenden, statt Loyalität gegenüber
dem Zweck der Organisation. Die Beförderung einer
Person, welche die Loyalität zur ungeschminkten Wahrheit
und Dissens über die Loyalität zu ihren Vorgesetzten stellt,

macht in zentralisierten Hierarchien keinen Sinn.
Tatsächlich stellt solch eine Person ein hohes Risiko dar.
Das Ergebnis ist, dass die Beförderung in zentralisierten
Hierarchien notwendigerweise ein politischer Prozess ist,
wo die Loyalität zu Vorgesetzten und eine hervorragende
Fähigkeit der Kontrolle von Information bewiesen werden
muss. Diese vom Charakter her politischen Fähigkeiten
sind es, was zentralisierte Hierarchien optimieren. Die
Erfüllung der Mission der Organisation steht an zweiter
Stelle, hinter der Bewahrung der Kontrolle von Information
und der Sicherstellung der Loyalität gegenüber der
Befehlskette.
In Systemen, welche auf Netzwerken basieren, solche
ohne Hierarchien (oder mit sehr flachen Hierarchien),
verursacht die Subversion von Wissen für jeden, dem
diese Information vorenthalten wurde, eine
Benachteiligung. Jene, welche Information vergraben,
damit sie selbst gut dastehen, legen ihre Kollegen lahm. In
solch einem System werden jene, die Information
vorenthalten als toxische Risiken gemieden.
Interessanterweise optimiert jedes System gegensätzliche
Fähigkeiten.

Zentralisierte Hierarchien optimieren politischen
Aktionismus – Loyalität zu Höhergestellten und die
Kontrolle von Information – Attribute, die grundsätzlich
für die Beteiligten in einem verteilten NetzwerkSystem zerstörerisch sind.
In verteilten Netzwerk-Systemen ist die Loyalität zur
freien Verteilung von faktischer Information und
Wissen vorrangig, denn nur gute Information kann
Vertrauen und sachkundige Entscheidungen
unterstützen.

Systeme, die unzuverlässige Information optimieren, tun
dies ebenfalls mit schlechten Entscheidungen und der
Erosion des Vertrauens in das System. Das Ergebnis ist,
dass zentralisierte Hierarchien schlechte Entscheidungen
und die Erosion von Vertrauen optimieren. Daraus folgt,
dass zentralisierte Hierarchien die Demokratie, Märkte und
Produktivität untergraben, und zwar auf der
grundlegenden Ebene von Informationsfluss und
Vertrauen.

Die Nachteile von Hierarchie

Der menschlichen Geschichte zufolge sind Hierarchien
Teil der Natur des Menschen. Dies bedeutet jedoch nicht,
dass sie keine systemischen Nachteile hätten.
Hierarchien konzentrieren Macht an der Spitze der
Pyramide. So wie Reichtum einfach eine weitere
Manifestation von Macht ist, so konzentrieren Hierarchien
Reichtum und Macht in den Händen der Wenigen an der
Spitze.
Hierarchien optimieren Kontrolle, und zentralisiertes
Kapital optimiert Größenvorteile. Unternehmen, die Kapital
und Arbeit organisieren, um Profite zu optimieren, sind
sehr erfolgreich, denn sie nutzen Größenvorteile effizient
aus.
Hierarchien basieren im Grunde genommen auf der
Hörigkeit gegenüber Vorgesetzten und der Durchsetzung
von Befehlen. Diese Struktur ruft zwei systemische
Nachteile hervor.
Jene, die das Kommando haben, machen sich dies
hinsichtlich der Untergeordneten zunutze, denn sie können
ihnen ihre Bezahlung oder Position vorenthalten oder
wegnehmen. Dieser Hebel kann dem Selbstinteresse

jener, die an der Macht sind dienen, statt den Interessen
der Organisation.
Nötigung ist der Kern der Hierarchie, und jene, die an der
Macht sind, erliegen der Verführung, ihren Hebel zu
benutzen, um ihren persönlichen Gewinn zum Nachteil
derjenigen unter ihnen zu benutzen.
Alle Hierarchien haben Mechanismen, um die Optimierung
von privaten Gewinnen auf Kosten der Organisation zu
beschränken, doch dieser Mechanismus enthält eine
eingebaute Spannung, die nicht gelöst werden kann: Jene,
welche mit der Entwurzelung der Optimierung von
Selbstinteresse beauftragt werden, werden selbst in
Versuchung geführt, ihren privaten Gewinn zu optimieren.
Hierarchien limitieren notwendigerweise das Feedback,
welches zur Führungsetage gelangt. Die Wenigen oben
haben nicht genügend Zeit, um all das Feedback zu
analysieren. Der Job jedes Glieds in der Befehlskette
muss das Feedback von unten zusammenfassen, bevor
es nach oben wandert. Doch, bedingt durch die Tatsache,
dass das Eigeninteresse jeder Person in der Hierarchie
nur befriedigt werden kann, indem sie vor ihren
unmittelbaren Vorgesetzten buckelt, ist die

Ausgangssituation, dass nur berichtet wird, was den
Vorgesetzten gefällt. Jene, welche Ehrlichkeit verlangen,
werden das gleiche Dilemma haben, wenn sie ihren
Vorgesetzten Bericht erstatten: Wird ein ehrlicher Bericht
ihren eigenen Interessen schaden?
Diese Anhäufung von Selbstinteressen und die Furcht in
Bezug auf Missbilligung baut sich auf, während sie sich
die Pyramide aufwärts bewegen. Dieser Prozess kann zu
tragischen Absurditäten führen, welche als Wahrheit
angesehen werden. In einem berühmten Beispiel aus der
Mao-Ära in China hatten Untergebene ein bestimmtes
Stück einer Straße dicht mir Reis bepflanzt, sodass, als
der Vorsitzende Mao dort entlang chauffiert wurde, er
Beweise für eine außerordentliche Reisernte sehen würde.
In Wirklichkeit lag China im fürchterlichen Würgegriff einer
Hungersnot, das Resultat einer katastrophalen Politik des
Staates. Da aber jeder Angst vor den Konsequenzen
hatte, die folgen würden, wenn man Mao sagte, dass
seine Politik Millionen von Chinesen dazu verdammte, zu
verhungern, wurde die Straße bepflanzt, um die
gefährliche Realität zu vertuschen.
Diese Einschränkung des Feedbacks hat weitere

systemische Konsequenzen.
Selbst die ehrlichsten Berichte reflektieren die Neigungen
jener, welche das Feedback zusammenfassen. Das
Resultat ist dass, wenn das Feedback endlich die obere
Etage erreicht, es ungenau sein kann, auf eine Art und
Weise, die schwer zu erkennen ist. Anders ausgedrückt,
Einwände wurden weg-editiert oder parfümiert.
Alle Führungskräfte haben ihre eigenen Neigungen und
erfahrungsmäßigen Beschränkungen, und diese haben
das Potential, zu desaströsen Entscheidungen zu führen.
Netzwerk-Organisationen sind ständig Feedback
ausgesetzt, und es gibt keinen Vorteil hinsichtlich der
Editierung von Feedback um Höherstehenden gefällig zu
sein, denn es gibt keine Befehlskette. Katastrophale
Entscheidungen löschen einen einzelnen Knotenpunkt des
Netzwerks aus, aber in einer zentralisierten Hierarchie
kann eine desaströse Entscheidung die gesamte
Organisation vernichten.
Dies ist die Schwäche von organisatorischen Pyramiden,
die auf Gehorsam und Autorität basieren.

Nehmen wir ein militärisches Beispiel:
In einer traditionellen
Armee:
Ein Befehl für einen fast
selbstmörderischen
Angriff muss befolgt
werden.

In einem FreikorpsNetzwerk:

Jede Einheit kann die
Zustimmung verweigern,
dass solch ein Angriff
notwendig ist.
Eine Einheit könnte
Der Oberbefehlshaber
versuchen, die
kann entscheiden, dass
Eingrenzung des
die Verteidigung des
Feindes zu durchdringen,
Feindes am einbrechen
und sie wird, nach
ist und befielt einen
anfänglichem Erfolg,
direkten Angriff. Der
ausgelöscht.
frontale Angriff wird
Nahegelegene Einheiten
horrende Verluste zur
werden feststellen, dass
Folge haben, denn es
der Feind die Taktik
gab kein Feedback, damit
geändert hat und eine
die katastrophale
Verteidigung aufgebaut
Entscheidung des
hat die dazu angelegt ist,
Kommandanten
den Feind anzulocken
modifiziert werden
und bei einem direkten
konnte.
Angriff zu zerstören.

Mit anderen Worten, es kommt nicht nur auf die Qualität
des Feedbacks an; es ist die Geschwindigkeit und die
Integrität der Rückkopplungsschleife auf die es ankommt.
Betrachten wir die Anreize, die jenen geboten werden,
welche sich unterhalb der Spitze der Macht befinden: Ihre
Belohnungen (Gehalt, Pension, Urlaub, etc.) sind in dem
Moment in dem sie ihren Vertrag unterschreiben
festgelegt. Der einzige Weg, um mehr Belohnungen zu
bekommen ist, innerhalb der Machtpyramide nach oben zu
gelangen, was bedeutet, dass die Loyalität gegenüber
Vorgesetzten übertrieben und die Fähigkeiten für das
Horten von Information optimiert werden müssen.
Der einzige andere Weg für die Maximierung der
Belohnungen innerhalb einer Hierarchie ist die
Minimierung der Inputs – Arbeit, Aufwand, Sorgfalt. Es ist
nicht überraschend, dass dies der Weg ist, den die am
wenigsten ambitionierten Leute wählen, um ihr
Selbstinteresse zu verfolgen: So wenig Arbeit wie möglich
ausführen, und Aufwand und Eifer zu minimieren.
Wiederum finden wir, dass die Anreize die Effizienz des
Systems untergraben, denn jeder Beteiligte versucht, den

persönlichen Gewinn innerhalb der Hierarchie zu
maximieren. Wiederum sehen wir, dass die Anreize nicht
mit den Zielen des Systems kongruent sind.
Trotz der Nachteile ihrer Strukturen bieten Hierarchien
effiziente Maßnahmen der Kontrolle, und bei
Ertragssteigerungen. In jenen Industrierevolutionen, wo
die Information über Material und Geld gefördert wurden,
überwogen diese Vorteile über die Nachteile.
Doch in der digitalen Revolution der Wissenswirtschaft
haben diese Nachteile fatale Folgen.
Viele innerhalb der Führungsetagen von Unternehmen
und Staaten sind sich dessen sehr wohl bewusst, und sie
versuchen, den freien Informationsfluss, Autonomie und
Erfindungsreichtum, die Netzwerken innewohnen, in ihre
Hierarchien einzubringen.
Doch die Frage bleibt offen, ob der freie Fluss von
Information, Autonomie und Erfindungsgeist, die
Netzwerk-Organisationen innewohnen, auf Hierarchien
übertragen werden können, denn diese sind inkompatibel
mit Hierarchie. Letztendlich ist der einzige Weg, um
Hierarchien von ihren innewohnenden Limitationen zu

befreien die Eliminierung der zentralisierten hierarchischen
Struktur selbst.
Sehen wir uns die Subprime-Blase und Hypothekenkrise
in den USA an, ein berüchtigtes Beispiel für strukturelle
Fehler, die zum Kollaps des gesamten Systems führten.

Die Subprime-Hypothekenkrise/Immobilienblase und
deren Kollaps
Wie die meisten katastrphalen Zusammenbrüche von
scheinbar stabilen Systemen wurden die Samen für die
Subprime-Blase mit den besten Absichten gesät.
Die Leitung der föderalen Wohnraumbehörden wollte,
dass mehr Haushalte Immobilieneigentümer werden
sollten, also lockerten sie den Kreditvergabestandard für
riskante Kreditnehmer und belohnten Banken für die
Erteilung von Hypotheken für diese riskanten
Kreditnehmer.
Zum gleichen Zeitpunkt wollten die gewählten
Verantwortlichen und die Finanzaufsichtsbehörden den
Banken die Herausgabe von exotischeren

Finanzinstrumenten ermöglichen (Derivative, Credit
Default Swaps oder CDS), denn sie wurden von Experten
überzeugt, dass grössere finanzielle Freiheit die
allgemeinen Kosten senken würde, indem mehr
Möglichkeit geschaffen wurden, um Risiko zu verteilen.
Hypotheken, die früher von Kreditgebern während der
gesamten 30 Jahre Laufzeit gehalten worden waren,
wurden in Mortgage Backed Securities (MBS), oder
Hypothenbesicherte Wertpapiere, verbrieft – in Scheiben
geschnitten, gebündelt, und an Investoren verkauft. Diese
Innovation erlaubte es Kreditgebern, die Profite, welche
durch die Schaffung der Hypothek gemacht wurden,
einzustreichen und das Risiko, diese Hypotheken zu
halten, an andere weiterzugeben.
Die Banken betrieben hartes Lobbying für die
Änderungen, denn die Freiheit, mehr Investment-Banking
Service zu verkaufen, erlaubte höhere Profite. Das
Lobbying seitens der Banken beinhaltete umfangreiche
Beiträge für die Wahlkampagnen von gewählten
Regierungsbeamten.
Die Zahl der Leute die diese Entscheidungen trafen war
sehr gering. Dies war kein Zufall; dies liegt in der Natur

von stark zentralisierten Hierarchien. In jedem dieser Fälle
agierten die Leitenden (von Banken, dem Kongress und
den Ordnungsbehörden) nicht nur aus Selbstinteresse
heraus, sondern auch aufgrund der Ratschläge von
Experten innerhalb ihrer Hierarchien.
Sehr schnell verursachten diese Top-down Änderungen
perverse Anreize.
Die Agenturen, die damit beauftragt wurden das Risiko der
Mortgage Backed Securities zu bewerten, wurden nach
dem Volumen der MBS die sie bewerteten bezahlt (ein
weiteres Beispiel dafür, dass wir optimieren, was
gemessen wird). Da die Herausgabe von hohen RisikoBewertungen die Kreditgeber dazu veranlassen könnte,
sich andere Rating Agenturen zu suchen, spielten die
Agenturen mehrere Risikofaktoren herunter, um robuste
Profite sicherzustellen.
Die Kreditgeber stellten fest, dass der globale Markt für
hochbewertete (und sehr profitable) MBS unersättlich war,
daher senkten sie die Richtlinien für Risikomanagement,
um Hypothekenmakler dazu anzuspornen, so viele
Hypotheken wie möglich zu verkaufen. Das heißt, sie
änderten die Input-Voraussetzungen/Regeln, um das

Output dass sie wollten zu erreichen.
Dies führte zu Hypotheken ohne Dokumentation,
allgemein bekannt als liar loans (Lügendarlehen), denn
der Kreditnehmer musste nicht sein Einkommen mit
Steuerbescheiden oder Gehaltsabrechnungen
nachweisen.
Die Lockerungen der Standards für die Kreditvergabe und
die Ausweitung der staatlich versicherten Hypotheken, die
von Fannie Mae und der Federal Housing Administration
(FHA), erweiterten die Vergabe von Hypotheken mit
niedrigen Anzahlungen, was es marginalen Antragstellern
ermöglichte, mit nur 3% Anzahlung eine Hypothek zu
bekommen.
Diese riesige Ausweitung von Hypotheken für marginal
qualifizierte Käufer erweiterte die Zahl von
Wohnungseigentümern, das beabsichtigte Ziel der
Maßnahmen, und es polierte den Ruf der
Wohnraumbehörden und deren Führungskräfte.
Diese Maßnahmen führten schließlich zu Hypotheken
ohne Dokumentation, ohne Anzahlung, mit negativer
Amortisierung, als unqualifizierte Kreditnehmer ein Haus

ohne Anzahlung kaufen konnten, mit monatlichen
Zahlungen, die geringer waren als die Zinsfälligkeiten.
Diese Ausweitung der Hypotheken für marginal
qualifizierte Kreditnehmer löste das Entstehen eines
großen neuen Pools von Hauskäufern aus, und, während
diese Käufer Häuser kauften, drückte diese gestiegene
Nachfrage die Preise in die Höhe. Selbst als
Bauunternehmer dazukamen, um mehr Häuser zu bauen,
um von der steigenden Nachfrage zu profitieren, stiegen
die Preise weiter.
Investoren beobachteten diesen rapiden Preisanstieg und
reagierten, indem sie Häuser als Spekulationsobjekte
kauften. Diese Praxis wurde als house-flipping bekannt:
Ein Investor kaufte das Haus (oft war es noch in der
Bauphase, oder noch im Planungsstadium) mit einer
Anzahlung, die so gering wie möglich war, wartete, bis die
Preise gestiegen waren, und verkaufte sodann das Haus
für einen erheblichen Profit.
Diese spekulativen Käufe erhöhten weiterhin die
Nachfrage, was die Preise dann steigen ließ. Dies schaffte
einen positiven Feedback Loop (Rückkopplungsschleife) –
jede Preissteigerung verursachte mehr Aktivität, welche

die Preise noch höher steigen ließ.
Was an diesem Feedback Loop der Hypothekenvergabe,
Verbriefung, Partizipation föderaler Agenturen und der
Absegnung seitens der Rating Agenturen bemerkenswert
ist, ist die Tatsache, wie jeder Beteiligte einfach nur die
Anreize, welche vom System präsentiert wurden,
optimierte. Die Exzesse waren nicht das Resultat von
einzelnen schwarzen Schafen (obwohl es zahlreiche Fälle
von unverblümten Betrug gab); stattdessen agierten die
Beteiligten, klein oder groß, um ihre eigenen Gewinne zu
maximieren, indem sie rational auf die vom System
präsentierten Anreize reagierten.
Jene innerhalb der Hypotheken- und Finanzsektoren, die
es unterließen, den Anreizen zur Spekulation zu folgen,
hatten schlechte Resultate und wurden gefeuert. Diese
darwinistische Auslese der Skrupelhaften und der
Skeptiker zugunsten jener, welche den Leverage-Faktor
weiter maximierten, feuerte zusätzlich das Herunterspielen
des Risikos im Herzen der Blase an.
Nicht nur war Raffgier rational in diesem spekulativen
Taumel, sie wurde als positiv betrachtet, denn diese
Ausweitung von Risiko und Spekulation nährte Wachstum

– nicht nur im Wohnungsbau, sondern bei
Steuereinnahmen, der Hypothekenvergabe und der
allgemeinen Wirtschaft.
Viele Beobachter (mich eingeschlossen) erkannten die
Gefahren dieser Expansion von Risiko und Spekulation,
aber unsere Warnungen wurden ignoriert oder
heruntergespielt.
Das unausweichliche Platzen dieser Risiko-SpekulationKreditblase kollabierte nicht nur das Hypothekensystem,
es kollabierte fast das gesamte finanzielle Ökosystem. Wie
bereits angemerkt wurde, dies ist ein wesentliches
Merkmal von zentralisierten Hierarchien: Die Beteiligten
reagieren auf die gebotenen Anreize, selbst wenn diese
pervers und für das System selbst destruktiv sind.
Obwohl sich scheinbar nur wenige dieser Dominoähnlichen Risiken bewusst waren, die Hypotheken und
Mortgage Backed Securities waren eng an das gesamte
Finanzsystem gebunden. Der Kollaps der Subprime
Hypotheken kippte den gesamten Hypotheken Sektor,
welcher wiederum beinahe das gesamte globale
Finanzsystem zerstörte.

Dies zeigt ein äußerst gefährliches Merkmal von
zentralisierten Hierarchien auf: Systeme, welche
offensichtlich nur lose miteinander verbunden zu sein
scheinen, sind durch die Zentralisierung selbst eng
gebunden. Das Lockern der Regeln für die Kreditvergabe
und die Verbriefung von Hypotheken beeinflusste nicht nur
die Hypotheken- und Investment Banking Sektoren; indem
verändert wurde was das gesamte System optimiert,
wurden alle mit Finanzwesen verbundenen Sektoren
durch die zentralisierte Hierarchie eng aneinander
gebunden, was letztendlich die gesamte globale
Wirtschaft umfasste.
Das Debakel der Hypotheken zeigt jeden fundamentalen
Nachteil von zentralisierten Hierarchien auf:

Eine kleine Gruppe oben auf der Hierarchie-Pyramide
traf Entscheidungen aufgrund von guten Absichten,
dem Rat von Experten, und ihrem Eigeninteresse.
Die Maßnahmen förderten Verhalten (ungezügelte
Risikobereitschaft und Spekulation), welche nicht mit
den angegebenen Zielen der Maßnahmen kongruent
waren (die Ausweitung des Besitztums von
Eigenheimen für jene, denen bis dahin der Besitz
aufgrund der engen Kreditvergabestandards verwehrt

gewesen war).
Da sich Eigenheim-Besitztum, Immobilienpreise, Profite
und Wachstum alle ausweiteten (und da wir
optimieren, was wir messen können) wurde
angenommen, dass die Maßnahmen enorm
erfolgreich waren, bis das System kollabierte.
Die Inputs, die nötig waren um die Expansion
aufrechterhalten – mehr marginale Kreditnehmer,
mehr Käufer von riskanten MBS, und mehr
Spekulanten – trockneten aus, denn alle, die
mitspielen wollten, waren bereits Teilnehmer des
Spiels.
Insider manipulierten die Regeln (d.h. sie manipulierten
das System), um die Vermarktung von hochriskanten
Wertpapieren und Hypotheken als Investitionen mit
niedrigem Risiko zu ermöglichen. Während sich die
Blase ausweitete, schaffte diese InformationsAsymmetrie (d.h. nur die Insider kannten die
wirklichen Risiken der MBS) ein System, worin
manche gleicher waren als andere.
Die Leitung der hierarchischen Aufsichtsbehörden
akzeptierte, dass das Risiko im gesamten System
durch exotische Finanzinstrumente herabgesenkt
worden war, und entschieden sich dafür, eindeutig
betrügerische Aktivitäten nicht zu verfolgen, denn

täten sie dies, dann würden sie das positive
Feedback, welches das Wachstum antrieb, zu Fall
bringen.
Die Exzesse, die durch das Ändern der Regeln verursacht
wurden, hätten nicht in einem dezentralisiertem System
mit Netzwerk-Knotenpunkten passieren können, eines,
worin jeweils der Preis von Hypotheken, Risiko und
Immobilien hätte bestimmt werden können, basierend auf
Feedback von all den anderen Knotenpunkten im
Netzwerk.
Die Exzesse und der Kollaps waren nur in einer
zentralisierten Hierarchie möglich.
Tatsächlich ist es so dass, im Nachhinein gesehen, der
Kollaps das einzig mögliche Output dieses Systems war.
Dieser Kollaps war nicht auf den Hypotheken-Sektor
beschränkt, obwohl Verfechter argumentieren, dass dies
ein einmaliges Ereignis war. Stattdessen war der Kollaps
eine direkte Konsequenz der Struktur von zentralisierten
Hierarchien.
Die Kerneigenschaften von zentralisierten Hierarchien,

welche zu diesem systemischen Kollaps führten,
umfassen:

Der Informationsfluss wurde eingeschränkt, um den
Eigeninteressen jener an der Spitze der Pyramide zu
dienen.
Entscheidungen, welche aufgrund von verzerrter
Information hinsichtlich von Risiko gemacht wurden,
waren für jene, die dieser Information vertrauten,
verheerend.
Als das Vertrauen in die Gültigkeit der Information
hinsichlich des Risikos erodierte, crashte das System.
Da Hypotheken, Immobilien, Investment Banking,
exotische Finanzinstrumente und das Finanzsystem
alle eng aneinander gebunden waren, brachte der
Kollaps des Hypotheken-Sektors beinahe das
gesamte Finanzsystem zum Einsturz.
Die Verfolgung von Selbstinteresse seitens der
Beteiligten (d.h. sie reagierten auf die bestehenden
Anreize) untergrub das gesamte System.

Es gab keine zentrale Autorität, welche den Leuten
anordnete, das System zu manipulieren (“to game the
system”), auf den Hypothekenanträgen zu lügen, die
Sicherheit der Mortgage Backed Securities zu übertreiben,

oder die Risiken herabzuspielen; die Beteiligten
optimierten ihre Gewinne gemäß den Regeln und
Anreizen, die gegeben waren. Wenn andere Regeln und
Anreize gültig wären, sie hätten dann andere
Entscheidungen gefällt.
Wenn Information verzerrt oder vorenthalten wird, und
Überzeugung als Ersatz für Wissen gilt, dann ist das
Vertrauen verloren, und das System kollabiert. Dies ist die
Teleologie von zentralisierten Hierarchien; es gibt kein
anderes mögliches Output.
Wie bereits im Teil über Arbeitsspiele bemerkt wurde:
Ändere die Regeln des Systems, und das Output wird
geändert. Wechsel die Spieler aus, und nichts ändert sich.

Das Versagen von schrittweisen Reformen
Eines der größeren Löcher in der herkömmlichen
Erzählweise ist die Blindheit gegenüber der Unmöglichkeit,
zentralisierte Hierarchien mit zusätzlichen Regulierungen
zu reformieren. Wenn wir zentralisierte Hierarchien als eng
gebundene Systeme verstehen, welche die Restriktion von
Information, Loyalität gegenüber Vorgesetzten und

perverse Anreize optimieren, dann verstehen wir, weshalb
1000 Seiten zusätzlicher Regulierungen lediglich jegliche
latenten effizienten Seiten, die das System vielleicht noch
hat, reduzieren, während hinsichtlich der Struktur oder der
Resultate nichts geändert wird.

Wenn von Leuten verlangt wird, Aufsichtsbehörden zu
überzeugen, dass sie Information nicht zurückhalten,
unterstützt dies lediglich orwellianische
Doppelzüngigkeit, und begrenzt und limitiert
Information auf eine Art und Weise, die nicht
dokumentiert werden kann.
Wenn von Beteiligten verlangt wird, zu behaupten, dass
ihre Loyalität bei sachlicher Berichterstattung und
Dissens liege, heißt das, von ihnen zu erwarten, dass
sie jegliche Hoffnungen auf Beförderung innerhalb der
Organisation vergessen müssen.
Der Entwurf von 1000 Seiten undurchsichtiger
Regulierungen, um eng gebundene Systeme
aufzudröseln, bindet lediglich die Subsysteme noch
enger an die Struktur der Oberaufsicht, und verschärft
die Ansteckung bei Versagen.

Der einzige Weg, um zentralisierte Hierarchien wirklich zu
reformieren ist, die Strukturen, welche sie zu

zentralisierten Hierarchien machen zu entsorgen. Wenn
erst einmal die Fähigkeit einer Hierarchie zur Restriktion
und Verzerrung von Information entfernt wird, dann
entfernt man damit ihre Fähigkeit der Belohnung von
Insidern und der Verteidigung ihrer Privilegien. Wenn
diese erst einmal weg sind, was bleibt übrig, um die
Organisation zu erhalten?
An dieser Stelle müssen wir fragen: Worin liegt überhaupt
der Vorteil der Erhaltung von zentralisierten Hierarchien?

Der historische Kontext des gegenwärtigen WeltSystems
Systeme entstehen, um einen gegebenen historischen
Kontext von Resourcen, Arbeit und Kapital zu optimieren.
Dabei machen sie Kompromisse, oder Tradeoffs. Wenn
sich die Bedingungen ändern, dann sind diese Tradeoffs
nicht länger produktiv, und das System wird sich selbst
vernichten.
Grob ausgedrückt optimierten die erste und die zweite
Industrierevolution den Transport und die Verarbeitung von
Materialien, denn diese waren die Quellen der

Wertschöpfung. Der Terminologie der Informationstheorie
nach war die Information/das Wissen, welches für die
Anhäufung und das Verarbeiten von Materialien benötigt
wurde – von der Verschiffung von Erzen zur Gewinnung
von Stahl für die Fertigung von Fahrzeugen, Werkzeugen,
Gebäuden, etc. – die Quelle von Profiten, daher wurde
dies natürlicherweise optimiert.
Daher ist es nicht überraschend, dass Anfangs des 20.
Jahrhunderts die Ford Motor Company die vertikale
Integration ihrer gesamten Nachschubkette optimierte, von
der Gewinnung von Stahl bis hin zur Fertigung der
Fahrzeuge, oder dass Walmart die Just-in-time-Lieferung
seitens der Lieferanten in Asien in die Läden auf der
ganzen Welt in den 90er Jahren optimierte.
Doch durch die Tatsache, dass sowohl die Produktion von
Gütern als auch die Optimierung der Lieferkette durch
Software und Roboter kommodifiziert werden, sind diese
nicht länger die Zugmaschinen der Wertschöpfung.
Die Information/das Wissen welches für die Schaffung und
den Verkauf von exotischen finanziellen Instrumenten
benötigt wird – die Zugmaschine für Wertschöpfung, die
wir Finanzialisierung nennen – wird ebenfalls durch

Software kommodifiziert.
Sowohl die Industrialisierung wie auch die
Finanzialisierung gedeihen durch das Horten von
Information und das Ausnutzen von asymmetrischer
Information, d.h. der Maximierung von Profiten durch die
Ausnutzung dessen, was nur Insider wissen.
Während Industrie und Finanz kommodifiziert werden, fällt
der Verdienst durch das Horten von Information. Während
Information digitalisiert wird, hat jeder Zugang zur selben
Information. Dies senkt den Wert von gehorteter
Information.
Hier ist ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben. In den
60er Jahren gaben die USA Milliarden aus, um
fortgeschrittene Spionagesatelliten, welche scharfe Fotos
der Erde von einer niedrigen Erdumlaufbahn machen
konnten, zu entwickeln. Die Technologie der Aufnahme
und Transmission dieser Bilder war eines der am besten
gehüteten Geheimnisse Amerikas.
Diese Information war höchst asymmetrisch. Nur die
obersten Ränge der amerikanischen Sicherheitsagenturen
hatten Zugang zu diesen Fotos. Es gab keinen Ersatz für

diese Bilder; ihr Wert für die nationale Sicherheit war
einzigartig.
Heute kann jeder mit einem digitalen Apparat ein Google
Earth-Bild mit etwa der gleichen Auflösung wie die der
besten Spionagesatelliten der 60er anschauen.
Information, die einstmals sehr wertvoll war und
geheimgehalten wurde, ist jetzt jedem zugänglich.
Das Ergebnis ist, dass sich Unternehmen diese Bilder
zunutze machen, auf neue und produktive Art und Weise.
Bilder aus dem Weltraum helfen bei der Verbesserung der
Ernteerträge (indem die Farbe von Feldern gezeigt wird)
und der Information über Produktion (das Zählen von
neuen Autos, die auf Parkplätzen stehen).
In der ersten und zweiten Industrierevolution wurde
Information und Wissen über Materialien und Lieferketten
als kompetitiver Vorteil gehortet.
In der Wissenswirtschaft ist das Horten von Information
und Wissen über Prozesse, die einer rapiden
Kommodifizierung unterliegen ein Ticket zum Friedhof.
Während elementare Patente möglicherweise immer noch
ein Premium erzielen, wird Wertigkeit durch Innovation

und eine schnellere Anpassung als jene der Konkurrenz
geschaffen, nicht durch das Horten von Information.
Wertigkeit wird geschaffen, indem Wissen mit Mitarbeitern
geteilt wird, nicht indem es gehortet wird.
Die Prozesse, welche zentralisierte Hierarchien und
Bürokratien optimieren, sind nicht länger die
Zugmaschinen der Wertschöpfung. Da ihre Kosten den
Wert, den sie schaffen übersteigen, sind diese Strukturen
selbstzerstörerisch.
So wie Profit-maximierende Unternehmen die Produktion
von Gütern und globalen Lieferketten optimierten, so
haben Zentralstaaten die Kontrolle von riesigen
Abteilungen und ausufernden nationalen Projekten mittels
Bürokratien optimiert.
In einer Welt der langsamen Kommunikation auf dem
Papierweg und der niedrigen Produktivität haben
Bürokratien die Zuverlässigkeit und Handhabung von
komplexen Systemen wie Armeen und Flottenverbände
optimiert.
Selbst in einer durch das Radio revolutionierten Welt

wurden die riesigen Industrien und militärischen Mächte
des Zweiten Weltkriegs größtenteils mittels Anordnungen
auf Papier und durch Rechnungsstellungen verwaltet.
(Mitte der 50er Jahre wurden die Gehaltsauszahlungen
meines Vaters seitens des größten Großhändlers des
Landes, Sears Roebuck & Co., immer noch von einem
Sachbearbeiter von Hand geschrieben; er selbst erhielt
einen Durchschlag auf Kohlepapier.)
Von den ungefähr 400.000 Frauen, die im Zweiten
Weltkrieg in den Streitkräften der USA dienten, führten
etwa 70% Büroarbeiten als Sachbearbeiterinnen,
Schreibkräfte etc. aus. Diese riesige Armee wurde durch
eine weitere Armee von männlichen Sachbearbeitern noch
weiter vergrößert.
Da die Gehälter bescheiden waren, konnten sich diese
Systeme Redundanzen und mehrere Schichten von
Management leisten, welche ein Maß an umständlicher,
jedoch im Großen und Ganzen effektiver Zuverlässigkeit
boten.
Doch, bedingt durch all die Gründe, die im ersten Kapitel
besprochen wurden, stiegen die Gehälter und
Zusatzkosten unausweichlich, und Bürokratien sind jetzt

Systeme mit hohen Kosten. Die geringe Produktivität
dieser Systeme stellt nun einen Kostenpunkt dar, der von
der Mehrheit getragen wird, zum Vorteil von ein paar
wenigen.
Systeme, welche den Transport von Materialien und die
Finanzialisierung optimierten, taten dies ebenfalls mit der
Expansion von Konsum und Schulden, d.h. Wachstum.
Wenn das Wachstum von Konsum und Schulden durch die
Grenzen der Resourcen und durch übermäßige Schulden
nicht länger möglich ist, dann kollabieren diese Systeme,
wenn die Kosten steigen und die Profite verschwinden.
Einfach ausgedrückt, wir brauchen ein neues System,
eines welches die Schaffung von Wert in der
Wissenswirtschaft optimiert, und eines dass eine
Ökonomie der niedrigen Schulden optimiert, eine, die
mehr mit weniger macht, und wir nennen dies
Wachstumsrückname, oder Degrowth. Die alten
zentralisierten Hierarchien und Bürokratien sind dem Tode
geweiht, egal wieviele Reformen und Regulierungen von
jenen aufgezwungen werden, die versuchen, ihre
Privilegien zu verteidigen. Diese zusätzlichen Kosten und
Komplexitäten schmieren lediglich den Rutsch des
gegenwärtigen Welt-Systems ins Grab.

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