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:antifaschistische Nr.

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nachrichten g 3336 12.1.2006 22. jahrg./issn 0945-3946 1,30 ¤
www.antifaschistische-nachrichten.de

Rigolf Hennig: 9 Monate Am 28. Januar 2006, einen Tag nach dem Auschwitz-
Gedenktag, wollen Neonazis in drei Städten, Karls-
Haft ruhe, Celle und Dortmund, gegen den § 130 des Straf-
gesetzbuches (Volksverhetzung) und für ihr Recht auf
Der Verdener Neonazi Rigolf Hennig die Verherrlichung des Nationalsozialismus demons-
(Biografie unter www.heisenhof-dicht- trieren. In Dortmund treffen sich die Neonazis um
machen.tk) wurde vom Landgericht Lü- 12:30 Uhr an der S-Bahn Station Do-Stadthaus. Das
neburg zu 9 Monaten Haft ohne Bewäh- ,Antifaschistische Bündnis 28.03.‘ ruft zu Protesten
rung verurteilt. auf. Die Antifa-Gegendemonstration beginnt um
Dies geschah auf- 10:00 Uhr vor dem Hauptbahnhof.
grund eines von Laufend aktualisierte Meldungen, den Aufruf, das
ihm verfassten Arti- gesamte Aktionsprogramm usw. gibt’s auf der
kels im „Reichsbo- Homepage www.no-nazis.de
ten“, einem „Blätt- Freitag 27. Januar 2006: Informationsveranstaltung „Die Verherrli-
chen“ welches un- chung des Nationalsozialismus – Bedeutung, Aktualität und gesetz-
ter anderem von liche Gegenmaßnahmen.“ Eine Veranstaltung der Antifaschisti-
Hennig herausge- schen Union Dortmund in Kooperation mit dem Antirassistischen
Bildungsforum Rheinland. 19:00 Uhr, Auslandsgesellschaft NRW,
geben wird. Der In-
Steinstraße 48, Dortmund (nähe HBF)
halt dieser Veröf-
fentlichung stellt laut Gericht „eine Über die Vorbereitungen in Celle siehe Seite 8
schwere Verunglimpfung des Staates“
dar. Hennigs Uneinsichtigkeit und seine Der Würzburger Singewettstreit:

Rechts spielt die Musik


Versicherung, weiterhin solche Schriften
zu veröffentlichen, bewog das Gericht
dazu, seine Strafe nicht auf Bewährung
auszusetzen. Jedoch muss er seine Zeit Unter der harmlosen Über- kalen „Bund heimattreuer Jugend“1 ist
hinter Gittern aufgrund seines Alters von schrift „Würzburger Singewett- mehr als eine heimattümelnde wertkon-
71 Jahren nur im offenen Vollzug verbü- streit“ mag man kaum etwas servative Jugendorganisation. Der Frei-
ßen. Es ist anzunehmen, dass Hennig Re- Politisches vermuten. Tatsächlich ist bund besitzt nachweislich Kontakte zum
vision gegen das Urteil einlegen wird dieser Singewettstreit aber nicht organisierten Rechtsextremismus, so
und der Prozess vorm Bundesgerichtshof ganz so bieder, wie er daherkommt, nahm er beispielsweise eine CD mit dem
landen wird. denn auch rechte Gruppen nehmen Neonazi-Musiker Sleipnir auf2, und hat
Im September 2005 war Hennig noch regelmäßig daran teil. Kontakt zu dem revisionistischen „Colle-
als Direktkandidat der NPD Verden-Ro- gium Humanum“3 in Vlotho.
tenburg angetreten. Verteidigt wurde Am 1. April 2006 werden sich wohl wie- Ein weiterer Vertreter dieses extrem
Hennig von der Münchener Rechtsan- der an die 1.500 BesucherInnen (Eige- rechten Flügels ist die Deutsche Gilden-
wältin Sylvia Stolz, die sich regelmäßig nangabe) aus der Pfadfinder- und bündi- schaft, die sich als studentische Gruppe
während des Prozesses von dem eben- schen Bewegung in der unterfränkischen in bündischer Tradition sieht und auch
falls anwesenden Horst Mahler beraten Stadt versammeln, um sich im Congress schon mal den neurechten Vordenker
ließ. Natürlich waren auch zahlreiche Centrum Würzburg einen Singe- und In- Alain de Benoist zum Vortrag lädt. Zwi-
Anhänger Hennigs und Mahlers vor Ort strumentalwettbewerb zu liefern. Dieses schen Gildenschaft und Freibund beste-
sowie die Verdener Neonazis Daniel Happening entstand, als sich 1992 der hen personelle Überschneidungen.
Fürstenberg, Matthias Schultz, Malte traditionalistisch-konservative Teil vom Auch andere kleinere stark rechtslasti-
Bormann, Manuel Goroncy und Sven Hamburger Singewettstreit abspaltete ge Organisationen werden wohl wieder
Wellhausen und weitere Alt- und Neona- und einen eigenen Wettstreit organisier- mit von der Partie sein. Dazu gehörten in
zis. „Einer von ihnen soll einem Fotogra- te. Dieser findet seit 1996 in Würzburg der Vergangenheit: Der „Schwarze Ad-
fen das Knie ins Gesicht gerammt haben; statt. Allem Anschein nach wurde der ler“, die „Ubier“, eine rechte „Mädel-
dieser sei nach der Urteilsverkündung Würzburger Singewettstreit dabei als Al- schaft“, die dem belgischen „Vlaams
von mehreren Neonazis angegriffen wor- ternative mit offener rechter Flanke zum Blok“ (heute: Vlaams Belang) nahe ste-
den, so ein Zeuge des Geschehens.“ Hamburger Singewettstreit organisiert. hende Jugendgruppe „Vrjibeuters“ und
Recherche West, Denn das dabei vertretene Spektrum von der „Pfadfinderbund Weltenbummler“,
28.12.2005, indymedia ■ bündischer Jugend und Pfadfinderschaft der vom ehemaligen Führer der „Wiking
weist mehrere Gruppen auf, die als ex- Jugend Sachsen“, Franz Kaden, nach
trem rechts bzw. rechtsextrem einzuord- dem Verbot der neonazistischen Wiking-
Aus dem Inhalt: nen sind. Einer dieser Protagonisten im jugend als Ersatzorganisation empfohlen
extrem rechten Flügel der bündischen wurde4.
Chefredakteurin „Außenministe- Jugend ist der Freibund e.V. mit Sitz in Nur als dubios kann der wohl eben-
rin“ der „Reichsregierung“ . . . . 7 Göttingen. Nach außen hin versucht sich falls wieder teilnehmende „Nerother
Frankreich: Muss Holocaust- der Freibund als heimatliebender Ju- Wandervogel“ mit seiner aristokrati-
Leugner ins Gefängnis? . . . . . . . . 9 gendbund darzustellen. Doch der Nach- schen Organisationsform (von oben nach
folger des 1958 gegründeten rechtsradi- unten) und seinem elitären Verständnis
weiter Seite 3
: meldungen, aktionen
freigesprochen worden. Die Richter sa-
hen es nicht als erwiesen an, dass er für
den Mord an 164 Zivilisten in der Slowa-
kei gegen Ende des Zweiten Weltkriegs
Streit um Hoffmann „Eckartboten“ (heute „Der Eckart“) und mitverantwortlich ist. Das Gericht sprach
Grevenbroich. Michael Miersch, in der „Nation und Europa“. hma ■ dem heute 88-jährigen Niznansky zudem
Vergangenheit auch Autor in der – kürz- eine Entschädigung für neun Monate
lich eingestellten – rechtskonservativen „SDV“ kontolos Untersuchungshaft zu. Die Staatsanwalt-
Zeitschrift „Criticon“, geht auf Distanz schaft hatte lebenslange Haft gefordert.
zur Zeitschrift „eigentümlich frei/ef-ma- München/Frankfurt. Der ausländer- Niznansky war Hauptmann in der Spezi-
gazin“ (ef). Nicht, weil dort in der Ver- feindliche „Schutzbund für das deutsche aleinheit „Edelweiß“, mit der die Deut-
gangenheit Interviews mit dem NPD- Volk e.V.“ beklagt sich über die Post- schen gegen die Partisanen kämpften. In
Chef Udo Voigt und dem Worch-Freund bank. Die hat dem 1981 gegründeten dieser Funktion trage er Mitschuld an
und Querfrontler Peter Töpfer abge- Verein, der über ein Postfach in Frank- den drei Massakern in der Slowakei im
druckt worden waren. furt/Main erreichbar ist, und vorgibt sich Januar 1945, erklärte Staatsanwalt Kon-
Miersch, in der Vergangenheit Autor „für die Erhaltung des Deutschen Volkes stantin Kuchenbauer. In den Dörfern
in „ef“, kritisiert die Zeitschrift um ihren in seiner Heimat und Kultur“ einzuset- Ostry Grun und Klak waren 146 Men-
Herausgeber Andre Lichtschlag weil die- zen, das Geschäftskonto gekündigt. In schen – darunter 48 Frauen und 48 Kin-
se weiterhin Texte von Arne Hoffmann Flugblättern fordert der Verein u.a. der – ermordet worden. Wenig später
abdruckt. Der hatte im November dem „Rückführung statt Einwanderung“ und wurden in Ksinna 18 Juden getötet. Die
islamischen Internetportal „Muslim- ein „Repatriierungsgesetz“, denn „das Anklage warf Niznansky Mord in 20 Fäl-
Markt“ ein Interview gegeben, in dem er, Lebensrecht unseres Volkes“ müsse len, gemeinschaftlichen Mord in 126
laut Miersch, „antiisraelischen und anti- „durchgesetzt werden“. hma ■ Fällen und Mord durch andere in 18 Fäl-
semitischen Schrott“ geäußert habe. len vor. Kuchenbauer sah zudem eine be-
Hoffmann sei „nicht liberal“, wenn er Bewegung sucht Führer sondere Schwere der Schuld.
freundschaftliche Kontakte zu „Propa- Die Verteidigung hingegen plädierte
gandisten des iranischen Mullah-Re- Rastatt. Die „Europäische Geldreform- auf Freispruch. Sein Mandant habe keine
gimes“ pflege. Von Hoffmann erschien bewegung“ um den betagten Albert Läm- Befehlsgewalt ausgeübt, argumentierte
im vergangenen Jahr ein Buch mit dem mel sucht einen neuen Vorsitzenden. Ge- Anwalt Steffen Ufer in seinem Plädoyer.
Titel „Warum Hohmann geht und Fried- sucht wird mit Anzeigen u.a. in der Niznansky sei gar nicht in der Position
mann bleibt. Antisemitismusdebatten in „Deutschen Sprachwelt“ eine „untadeli- gewesen, Tötungsbefehle zu geben. Ihn
Deutschland von Möllemann bis Wal- ge Persönlichkeit“, „kompetent in natio- treffe keine strafrechtliche Schuld an den
ser“, das von der „Edition Antaios“, dem naler, sozialer, demokratischer Wirt- schrecklichen Massakern. Niznansky
Hausverlag des um die „Junge Freiheit“ schaftspolitik“ und „Nichtraucher“. Der selbst hatte stets seine Unschuld beteu-
angesiedelten „Institut für Staatspolitik“, 1917 geborene Lämmel war 1948 Mit- ert. Während des Prozesses widersprach
herausgegeben wurde. Beachtung fand gründer der „Ergokratischen Partei Ös- sich der Hauptbelastungszeuge. So
das Buch auch in einschlägig neofaschis- terreichs“. Nach seiner Übersiedlung in musste die Staatsanwaltschaft sich vor
tischen Publikationen. hma ■ die Bundesrepublik engagierte er sich allem auf ein Urteil aus der früheren
u.a. für die „Demokratischen Sozialisten Tschechoslowakei stützen. Dort war
Verhaftungen in Südtirol Deutschlands“, die
später in der extrem
Italien/Südtirol. Ende Dezember rechten „Unabhängi-
wurden in Südtirol acht Mitglieder des gen Arbeiterpartei“ Globalisierung
„Südtiroler Kameradschaftsringes“ fest- (UAP) aufging. Läm-
genommen. Ihnen wird die Gründung ei- mel gab verschiedene
und
ner Neonazi-Organisation, Rassenhetze, Publikationen, wie Prekarisierung
Widerstand gegen die Staatsgewalt, z.B. „reform“, später der Arbeit:
Falschaussage und üble Nachrede vorge- „grüne reform“ und Nährboden für
worfen. Mehrere der Festgenommenen „Der Schlüssel“, he- extrem rechte
sollen sich in SMS-Mitteilungen antise- raus. Außerdem
mitisch und antiitalienisch geäußert ha- schrieb er für die neo- Orientierungen?
ben. Bei zahlreichen Hausdurchsuchun- faschistische Zeit- Prof. Dr. Klaus Dörre,
gen wurden auch Wohnungen von Funk- schrift „Recht und Jena
tionären der am rechten Rand beheimate- Wahrheit“ und das
ten „Union für Südtirol“ (UfS) durch- NPD-Organ „Deut- Die Ethnisierung
sucht. Dagegen protestierten führende sche Stimme“. In letz- soz ialer Konflikte – Antworten der
Politiker der „Union für Südtirol“, wie terer u.a. über den na- Regierenden und der Rechten
deren Chef Herbert Campidell und die tionalsozialistischen Beispiel Frankreich: Bernhard Schmid, Paris
UfS-Landtagsabgeordnete Dr. Eva Zins-Gegner Gottfried
Klotz. Die hatte schon in den 80er Jahren Feder. hma ■ Beispiel Deutschland: Dr. Kemal Bozay, Köln
beim neofaschistischen „Deutschen Kul-
turwerk Europäischen Geistes“ (DKEG) Freispruch
referiert. 1991 sprach sie auf den „Offen-
hausener Kulturtagen“ die von dem mitt- für Ladislav Samstag, 4. Februar 2006
lerweile verbotenen „Verein Dichterstein Niznansky 14.00 Uhr
Offenhausen“ organisiert wurden und im München. Der ange-
Köln, Bürgerzentrum Alte Feuerwache
gleichen Jahr auch bei der deutschtü- klagte Ladislav Niz- Melchiorstr. 3, Großes Forum
melnden „Österreichischen Landsmann- nansky ist am Montag,
Veranstalter: Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten
schaft“ (ÖLM). Interviews gab Klotz 19.12. vor dem Land- Infos: Tel. 0221 - 21 16 58
bislang u.a. der „Jungen Freiheit“, dem gericht München I

2 : antifaschistische nachrichten 1/2006


Niznansky 1962 in Abwesenheit zum Fortsetzung von Seite 1 Strenge Hierarchien, uniformes Auf-
Tode verurteilt worden. Aus diesem Ver- bezeichnet werden. Dass derlei undemo- treten und eine, besonders in der christli-
fahren nutzte die Anklage im jüngsten kratische Formen die Verbindung zu an- chen Pfadfinderschaft, weit verbreitete
Prozess Akten. Die Verteidigung stellte deren undemokratischen Organisationen Homophobie9 könnten sich für derlei
die Glaubwürdigkeit dieser Informatio- suchen, ist nur logisch. So verwundert es Agitation durchaus als fruchtbarer Bo-
nen in Frage. Anwalt Ufer bezeichnete nicht, dass Fritz-Martin Schulz – Bun- den erweisen. Bei alledem verwundert es
das damalige Verfahren als reinen Schau- desführer auf Lebenszeit (!) – der nicht, dass die CD mit Mitschnitten vom
prozess. Auch der Vorsitzende Richter in Rechtspostille „Junge Freiheit“ ein aus- 5. Würzburger Singewettstreit 1996 von
München, Manfred Götzl, zweifelte die führliches Interview gab5. dem rechten Mailorder „Die Schallquel-
Unabhängigkeit des Gerichtsverfahrens Trotz einer innerbündischen Kritik6 le“ (Kempten) vertrieben wird10.
in der früheren Tschechoslowakei an. In am Verhalten der Veranstalter wurde bis Die übliche Argumentationsweise,
diesem Prozess sei im Laufe der Beweis- jetzt keinerlei Abgrenzung nach Rechts nämlich Hinweise auf die bündische Ge-
aufnahme nicht festgestellt worden, dass vorgenommen. Innerhalb der ‚bündi- schichte, werden dem Veranstalter des
einer der Angeklagten am Massenmord schen Szene‘ in Würzburg wird vielmehr Singwettstreits 2006, dem Pfadfinderring
an Zivilisten beteiligt war, erklärte Götzl. eine Art von Burgfrieden propagiert: Bayern e.V., kaum helfen. Zwar verhiel-
Die Richter hatten Niznansky damals „Würzburg will über das einende ten sich einige Bündische gegenüber den
wegen Hochverrats verurteilt. Der Pro- Band des Singens und Musizierens nicht Nationalsozialisten renitent bis wider-
zess in Deutschland rollte alles noch ein- das Trennende, sondern das Gemeinsa- ständig, aber bereits vor 1933 vertraten
mal auf. Nach mehr als 15 Monaten folg- me zwischen den Gruppen und Bünden viele Mitglieder bündischer Jugendorga-
ten die Richter nun mit ihrem Freispruch betonen.“ 7 nisationen völkische Ansichten.
dem Antrag der Verteidigung. Dass die Veranstalter sehr wohl wissen T. Lenk
„Der Angeklagte hat keine Erschie- dürften, wer sich da unter ihren Gästen
ßungen vorgenommen, es konnte auch befindet, dürfte folgender ausdrückliche Anmerkungen
nicht festgestellt werden, dass er den Be- Hinweis zeigen: 1 Margaret Chatwin: Bund Heimattreuer Jugend
fehl dazu gegeben hat“, fasste der Vorsit- „Es dürfen keine verunglimpfenden (BHJ)
zende Richter Manfred Götzl die Ergeb- Lieder gesungen werden, wie z.B. Lie- 2 Der Freibund: Völkischer Wolf im bündischen
Schafspelz, Antifaschistisches Info Blatt Nr. 59
nisse des Prozesses zusammen. Es sei der, die ein Volk, ein Geschlecht, eine (Sommer 2003)
um den Vorwurf des Mordes gegangen – Religion oder eine Person verunglimp- 3 Jens Mecklenburg (Hg.): Handbuch Rechtsex-
nicht um Brandlegung, Körperverletzung fen.“8 tremismus, Seite 228
und andere Delikte, betonte der Richter. Doch auch wenn der Freibund nun auf 4 siehe: afa13.antifa.net/Article12.html
5 Antje Lang-Lendorff: 100 Jahre trampen, sin-
Diese Delikte wären inzwischen verjährt. das Horst-Wessel-Lied und dergleichen gen, frei sein, in: taz Berlin lokal Nr. 6591 vom
Götzl wies zudem darauf hin, „dass es verzichten muss und nur wie ein Trach- 3.11.2001
kaum noch Zeugen gibt, von denen das tenverein auftritt, profitiert er von der To- 6 Fröschel (Stamm Gralsritter): Gedanken zum
Gericht sich einen unmittelbaren Ein- lerierung durch die Veranstalter. Bereits Würzburger Singewettstreit, 21.05.2005
7 siehe: home.arcor.de/singewettstreit/index.html
druck hätte machen können“. in den vergangen Jahren soll der Frei- 8 home.arcor.de/singewettstreit/wuerzburgersin-
Indymedia 20.12.05 ■ bund diese Plattform geschickt benutzt gewettstreit.html
haben, um sich auf der einen Seite „ge- 9 Forum Frauenliebe in den Bünden – ein Ein-
druck, Leserbrief
Nach Prügelei: Haftstrafe sellschaftsfähig“ zu machen und auf der 10 www.die-schallquelle.de/produkte.html
anderen Seite für seine Ziele zu agitie-
für NPD-Kandidat ren.
Itzehoe. „Jetzt ist der Ofen aus!“ mit
diesen Worten kommentierte Amtsrichter
Quellen:
Andreas Wagner das Strafregister des Michael Kellner: Singwettbewerbe mit zackigen Forum Frauenliebe in den Bünden - ein Ein-
Kieler Ex-NPD-Kandidaten Peter von Liedern, BNR-Ausgabe 13/1996 druck, Leserbrief
der Born nach dem letzten Vorfall. Bei Jens Mecklenburg (Hg.): Handbuch Rechtsextre- ww.geocities.com/forum_frauenliebe/VERO-
einem Angriff auf Antifaschisten am mismus, Freibund, Seite 227-229 EFF-Bettina.html
Der Freibund: Völkischer Wolf im bündischen HP zum Singewettstreit
Rande des NPD-Landesparteitages im Schafspelz, Antifaschistisches Info Blatt Nr. 59 www.singewettstreit.de/
Hotel „Zur Steinburg“ in Steinburg hatte (Sommer 2003)
der 30-jährige Gerüstbauer im vergange- www.klick-nach-rechts.de/ticker/2003/07/frei-
rechtslastige Quellen:
nen Dezember einen am Boden liegen- bund.htm
HP des Freibund e.V.: www.freibund.de
Antje Lang-Lendorff: 100 Jahre trampen, singen,
den Demonstranten mit Füßen traktiert. frei sein, in: taz Berlin lokal Nr. 6591 vom
www.buendischejugend.de
Wegen gefährlicher Körperverletzung Freibund Berlin:www.berlin.gmxhome.de/neuig-
3.11.2001, Seite 36
keiten.htm
wurde von der Born nun zu zehn Mona- Fröschel (Stamm Gralsritter): Gedanken zum
rechte „Pfadfinder-Initiative“
ten Gefängnis verurteilt – ohne Bewäh- Würzburger Singewettstreit, 21.05.2005
dol2day.com/index.php3?position=14000&ini_id
home.scoutnet.de/froeschel/singewettstreit.html
rung. =46
Margaret Chatwin: Bund Heimattreuer Jugend
Vor dem Richter gab von der Born das Deutsche Gildenschaft
(BHJ)
www.deutsche-gildenschaft.de
Unschuldslamm. Er sei für die Veranstal- lexikon.idgr.de/b/b_u/bund-heimattreuer-ju-
Hans Köper: Singewettsteit: In Würzburg trafen
tung zum NPD-Wahlkampfauftakt als gend/bhj.php
sich Pfadfindergruppen, in: Junge Freiheit 10/99
Archivgruppe: „Liedg(l)ut“ - zwischen Neona-
stellvertretender Leiter des parteieigenen 05. März 1999
zismus und bündischer Tradition, Juli 2003
www.jf-archiv.de/archiv99/109aa34.htm
Ordnungsdienstes (weißes Hemd, www.antifa-west.org/x05nazis/liedglut
Claus-M. Wolfschlag: Zeitschriftenkritik: Na
schwarze Hose, israelische Armeestiefel) Seiten des „Verlages der Jugendbewegung“; Ver-
klar! – Bündische Globalisierungsgegner
netzungs-HP bündischer Gruppen
eingeteilt gewesen. Aus einer gegenüber www.jugendbewegung.de/doku.php?id=termi-
www.jf-archiv.de/archiv01/481yy34.htm
der „Steinburg“ stehenden Protestgruppe Pietro Belcampo: Eine rebellische und romanti-
ne:wuerzburger_singewettstreit
sche Jugend entdeckte die Natur und sich selbst,
seien Flaschen und Steine geflogen. Er, Diskussion: Rechte in der Bündischen Bewegung
in: „Deutsche Stimme“
so versicherte von der Born, habe einen waldjugend.wtal.de/forum/thread.php?threa-
www.deutsche-stimme.de/Sites/01-02-Wilde-Ge-
did=683&boardid=3&styleid=4&sid=a82975cfe
der Steinewerfer lediglich von der ande- 72a4e0955c9422f36d744c5
sellen.html
ren Straßenseite aus im Auge behalten –
„um ihn festnehmen zu können“.
Die als Zeugen aufgebotenen Zivil-
streifen von der Polizeiinspektion Heide

: antifaschistische nachrichten 1/2006 3


sagten allerdings gegen von der Born Dass die NPD auch in Hamburg zum orientierten Jugendlichen angegriffen
aus: Der Angeklagte habe gemeinsam Sammelbecken verschiedenster Spektren und teilweise auch verletzt. Seit der Nut-
mit Gesinnungsgenossen auf einem am der Rechten wird, zeigt sich an Übertrit- zung des Gebäudes durch die Jugendli-
Boden liegenden Demonstranten einge- ten aus der DVU sowie an der Kandida- chen haben sich immer wieder rechtsori-
treten. Dieser habe – nach übereinstim- tur der 66-jährigen Karin Werner zur entierte Personen teilweise gewaltsam
menden Zeugenaussagen – einer von letzten Bundestagswahl, sie war zuvor in Zutritt zu dem Gebäude verschafft und
NPD-Ordnern ebenfalls heftig attackier- der Pro DM/Schill-Partei von Richter teilweise versucht zu randalieren. Die
ten jungen Frau zu Hilfe kommen wol- Gnadenlos. erk ■ Anwesenden wie auch der Inhaber wur-
len. „Die prügelten an allen Ecken und den dabei angepöbelt und bedroht.
Enden“, gab der Zivilstreife die Lage Neonaziterror in Meerane Nach dem Einzug der rechtsextremen
wieder. Als ein Nazi mit einem Stuhl auf NPD in den Sächsischen Landtag scheint
sein Opfer losgehen wollte, habe er zwei Meerane. Erneut ist auf das Gebäude auch in Meerane ein härterer Kurs dieser
Signalschüsse aus der Dienstwaffe abge- des ehemaligen Landtagsabgeordneten Partei gefahren zu werden. Mit der Eröff-
geben. Kurz vor seiner Festnahme wog der PDS und antifaschistischen Spre- nung eines Wahlkreisbüros in der Äuße-
von der Born sich noch in Sicherheit und chers Uwe Adamczyk ein Anschlag ver- ren Crimmitschauer-Str. durch die NPD-
habe gesagt: „Gut, dass die Polizei mich übt worden: In der Nacht vom 27.12. Abgeordnete Gitta Schüßler aus Lim-
nicht gesehen hat. Sonst wäre meine Be- zum 28.12.2005 gegen 0:15 Uhr wurde bach-Oberfrohna und ihres persönlichen
währung flöten.“ ein Schaufenster des Gebäudes in der Mitarbeiters Herr Gentsch aus Meerane
Das Opfer aus Neumünster konnte Annenstr. 20/22 in Meerane offenbar von scheint man nun hier eine neue Basis der
sich nur noch daran erinnern, dass es zu rechtsorientierten Personen eingeschla- NPD aufbauen zu wollen nach dem Prin-
Boden geworfen wurde und massive gen mittels eines Bierglases. Bereits in zip der national befreiten Zonen. Sinnge-
Prellungen davon trug. Richter Wagner der Nacht vom 13. zum 14. Dezember mäß zitiert äußerte sich Gentsch: „Nun
attestierte von der Born „ein gewisses 2005 wurde schon einmal ein Schaufens- soll ja auch hier bei uns ein antifaschisti-
Maß an Verrohung“. Entscheidend für ter in diesem Gebäude auch durch sches Jugendzentrum entstehen – wir ha-
das Strafmaß seien letztlich die Vorstra- rechtsorientierte Personen eingeschlagen ben ihnen aber schon mal eine Lektion
fen. Innerhalb von vier Jahren war das bzw. eingetreten. Der entstandene Sach- unseres Widerstandes erteilt“. Und im-
ehemalige NPD-Landesvorstandsmit- schaden beider Angriffe wird auf über mer wieder werden die Schaufenster mit
glied mehrmals wegen Körperverlet- 1.000,00 Euro geschätzt. Beide Angriffe NPD-Aufklebern geziert.
zung, aber auch wegen Landfriedens- wurden bei der Polizei angezeigt. Der Was auch immer die NPD u.a. rechts-
bruch, Beleidigung, Diebstahl und der Besitzer des Gebäudekomplexes, Uwe orientierte Kräfte in der Region unter an-
Verwendung verfassungswidriger Kenn- Adamczyk, hat im Frühjahr des Jahres tifaschistischem Jugendzentrum verste-
zeichen jeweils zur Bewährung verurteilt 2005 diesen Gebäudekomplex erworben, hen wollen, davon scheinen die hier im
worden. Auch die Tatsache, dass er einen um sich hier eine neue Existenz nach Gebäude sich aufhaltenden Jugendlichen
festen Arbeitsplatz habe und in neun Wo- dem Ausscheiden aus dem Sächsischen weit entfernt zu sein. Sie wollen sich hier
chen Vater werde, lasse keine günstige Landtag aufzubauen. In dem Komplex in ihrer Freizeit treffen und etwas Spaß
Prognose mehr zu. Kritik gab es auch sollen einmal eine gastronomische Ein- haben, sie distanzieren sich aber eindeu-
von Seiten des Richters an der Einsatz- richtung mit Internetcafé und Billiard tig von rechtsorientierten und rassisti-
planung. Diese wäre nicht auf die Gefah- entstehen. Darüberhinaus sollen die vor- schen Personen und Parolen.
renlage zugeschnitten gewesen. Eine der handenen Wohnungen hergerichtet wer- Die Polizei versucht nun die Täter zu
Zivilstreifen dazu: „Der Eindruck den sowie Büroräume. ermitteln. Zu hoffen bleibt, dass diese
täuscht nicht.“ Seit etwa November 2005 haben Ju- Ermittlungen nicht im Sande verlaufen.
Die Vermutung, dass man auf Grund gendliche im Alter von 16 – 25 Jahre, Aber auch die Bürger selbst sind zu mehr
des günstigen Kräfteverhältnisses für die insbesondere aus dem Gymnasium der Zivilcourage aufgerufen. Rechtsextre-
Nazis erst im letzten Moment einschritt, Stadt Meerane dort eine Bleibe gefunden men und rassistischen Parolen und Ver-
ist aber auch nicht ganz von der Hand zu die ansonsten im Straßengebiet der Stadt haltensweisen muss eindeutig Einhalt
weisen. rua ■ Meerane mehr oder weniger ihren Frei- geboten werden. Uwe Adamczyk, aber
Norddeutsche Rundschau v. 23.11.05 zeitbereich suchten. Sicher betrachtet auch die Jugendlichen wollen sich von
man dieses Projekt in der Öffentlichkeit, diesen Rechten nicht einschüchtern.
NPD-Genrationenwechsel aber insbesondere in der Nachbarschaft nach der Pressemitteilung von Uwe
mit Argwohn, weil man Probleme mit Adamczyk, 28. Dezember 2005, gekürzt
bei der NPD Hamburg den jungen Leuten fürchtet. Diese Ju- email: UweAdamczyk@t-online.de ■
Hamburg. Auf dem Landesparteitag der gendarbeit wird momentan staatlich bzw.
NPD in Hamburg am 27.11.05 hat ein kommunal nicht finanziell gefördert, Nippesser Psychiater
Generationenwechsel stattgefunden. Der sondern die Jugendlichen selbst richten
langjährige Landesvorsitzende Ulrich sich ihren Clubraum ein und finanzieren führender Kölner Neonazi
Harder, erklärter Gegner der Öffnung der diesen auch. Die Jugendlichen und der Köln. Nur wenige Wochen nachdem die
NPD hin zu den Freien Kameradschaf- Inhaber des Gebäudes sind bemüht, sich neofaschistische Vergangenheit des
ten, trat ab und die 34-jährige Pädago- an die allgemeinen öffentlichen Verhal- CDU-Funktionärs und Rösrather Stadt-
gikstudentin Anja Zysk wurde zur neuen tensregeln zu halten, wobei nicht ver- verordneten Thomas Hartenfels der Öf-
Vorsitzenden gewählt. Sie ist die erste schweigen werden soll, dass das gegen- fentlichkeit bekannt gemacht wurde,
Frau in dieser Position, kommt aus NRW wärtige Miteinander noch zu wünschen bahnt sich in Köln ein neuer Neonazi-
und bedient sich einer nationalrevolutio- übrig lässt und es hier noch Verständi- Skandal an. Der in Nippes praktizierende
nären Phraseologie. Die NPD konstatiert gungsbedarf gibt. Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
einen „Willen zur Veränderung“ auf ihrer Von Anfang an war jedoch klar und rapie Diplom-Psychologe Benedikt
Homepage, und mit Zysk wird nun ein auch gewollt, das rechtsorientierte Perso- Frings ist seit Sommer 2005 stellvertre-
mehr aktionistischer und neonazistischer nen für diese Räumlichkeiten keinen Zu- tender Vorsitzender und Kreisgeschäfts-
Kurs des Hamburger Landesverbandes tritt erhalten. Nicht selten wurden insbe- führer der NPD, für die er auch zu Wah-
möglich, das durchschnittliche Alter des sondere die jetzt in dem Gebäude wei- len kandidierte. Damit nicht genug: In ei-
Vorstandes und der Beisitzer hat sich lenden Jugendlichen in der Vergangen- nem Gastkommentar im NPD-Parteior-
deutlich verjüngt. heit immer wieder von örtlichen rechts- gan „Deutsche Stimme“ (Ausgabe
: antifaschistische nachrichten 1/2006
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11/2005) erläutert er seinen Übertritt von Verurteilung, die aber bei diesem
der CDU in die Nazipartei u.a. mit Be- Vorsitzenden Richter nicht erfolgte.
griffen aus seinem Beruf: „Die Holo- „Schmuddel“ hatte eben kein
caust-Anti-Religion und die Kriegs- Messer, das ist der große Unter-
schuldthese hat das deutsche Volk kol- schied. Das ist in seiner Szene eben
lektiv neurotisiert und so absichtsvoll so üblich! Und die ist auch poli-
wehrlos gemacht“. tisch, nazifeindlich, antifaschistisch
Die VVN/BdA Köln ist empört darü- im weitesten Sinne. Aber es durfte
ber, dass ein Mann, der antisemitische ja kein politischer Prozess sein, ob-
und revisionistische Kommentare veröf- wohl er es war. Augenzeugen der
fentlicht und seine faschistischen An- Mordtat haben berichtet, dass es der
sichten mit Begriffen aus der Psycholo- Täter war, der das Opfer nach Nazi-
gie begründet als niedergelassener Fach- art als Zecke beschimpfte, um dann
arzt für Psychiatrie in Köln praktizieren das hinterm Rücken heimtückisch
darf. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund verborgene Messer hervorzuziehen
der massenhaften Ermordung psychisch und zuzustechen. Aber diese Au-
kranker Menschen durch die Nazis und genzeugen wurden nicht als Pro-
der Hilfe, die Psychiater dabei geleistet zesszeugen vorgeladen! Sie hätten
haben, sind Frings Auslassungen mehr im Prozess die politische Dimensi-
als skandalös. Sie sollten Grund genug on sichtbar machen können.
sein, ihm die Zulassung als niedergelas- Und sie hätten aufgezeigt, dass es
sener Arzt zu entziehen. tri ■ genau dieser nachlässige Umgang
mit Nazitätern ist, der die Men-
Ludwig Baumann am schen in Dortmund gefährdet. In-
dem der Mord an Schmuddel zur
27.1.06 in Köln Es war kein Einzeltäter ohne Tat eines Einzeltäters wird – und die
Köln. Am Jahrestag der Befreiung des politischen Hintergrund – Schuld der Naziszene geleugnet wird –
KZ Auschwitz findet in Köln seit vielen bleibt das hauptsächliche Gefahrenpo-
Jahren eine Gedenkstunde für die Opfer
Weitere Zeitbomben ticken tenzial ausgeblendet, – und es wirkt wei-
des Nationalsozialismus in der Antoni- Dortmund. Der Ausgang des Prozesses ter. Es wirkt weiter wie nach dem dreifa-
terkirche statt mit anschließendem um den Mord eines 17-jährigen Skin- chen Polizistenmord des Jahres 2000:
Mahngang zu einem der Erinnerungsorte heads an dem 32-jährigen Thomas Der Täter gab sich die Kugel und war
an NS-Verfolgte. In diesem Jahr werden Schulz, genannt Schmuddel aus der Pun- weg, wie jetzt der Täter weggeschlossen
die Wehrmachtsdeserteure im Mittel- kerszene, hat die Befürchtungen bestä- ist. Und die Borchardt und Co blieben
punkt der Veranstaltung stehen. Als Red- tigt, die Antifaschistinnen und Antifa- und bleiben.
ner wurde deshalb Ludwig Baumann, schisten haben konnten. So sehr das So kann uns die Geschichte aufge-
Vorsitzender der Bundesvereinigung Op- Recht auf Ausschluss der Öffentlichkeit tischt werden, dass ein „unpolitischer
fer der Militärjustiz, eingeladen. für jugendliche Straftäter anerkannt wer- Prozess“ ausreichte, um die Gefahr, die
Auf Hitlers Weisung „Der Soldat kann den muss, so fragwürdig war und blieb allein vom Täter ausgeht, zu bannen.
sterben, der Deserteur muss sterben“ das Herangehen an die Problematik die- Doch dessen „Szene“, in der Messer und
wurden über 30.000 Deserteure, „Wehr- ses Falles durch manche Prozessbeteilig- Messerstechen üblich sind, das ist die
kraftzersetzer“ und Kriegsdienstverwei- te, vor allem durch die Verteidigung und Neonaziszene. Und die hat sich zum Tä-
gerer zum Tode verurteilt. Über 22.000 den Vorsitzenden Richter. Dieser hat sei- ter und zur Tat unmissverständlich be-
Todesurteile wurden vollstreckt. Gegen ne offenkundige Befangenheit bereits bei kannt, als sie Plakate in Dortmund kleb-
mehrere 10.000 wurden Zuchthausstra- Prozessbeginn in die Worte gekleidet, er te: „Wer sich unserer Bewegung in den
fen verhängt. bezweifele, dass es sich um einen politi- Weg stellt, der muss mit Konsequenzen
Überlebt haben das Grauen in den schen Prozess handelt und er bezweifele rechnen.“ In anderen Aufrufen, rief sie
Konzentrationslagern und in den Strafba- auch, dass ein 17-jähriger „gefestigte po- zur „Bestrafung“ von Nazigegnern auf.
tallionen nur wenige. Für diese Men- litische Überzeugungen“ haben könnte. Dann wurde also Schmuddel bestraft –
schen war das durch die Alliierten – sow- In der Urteilsbegründung wird der Täter es war die Todesstrafe.
jetische, amerikanische, britische und zum Menschen ohne jede politische Weitere Zeitbomben aus der rechten
französische Truppen – herbeigeführte Überzeugung; er wird milde bestraft: Szene laufen durch unsere Stadt. Und
Kriegsende die Befreiung von Qual, To- Kein Mörder. Der Verteidiger redete wie weitere Pyromanen, welche die Zeit-
desdrohung und Menschenverachtung. ein Sympathisant der Neonazis, indem er bomben auslösen, laufen frei herum,
Die meisten von ihnen waren körperlich die Darstellung wählte – bekannt aus bleiben unbehelligt. Sie dürfen sich
und seelisch zerbrochen und hofften auf ähnlichen Fällen –, nach der das Opfer durch diesen Prozess ermutigt fühlen.
eine bessere Zukunft in einem demokra- den Täter verbal provoziert habe und die- Sie dürfen weiter schreien: „Dortmund
tischen Deutschland. Aber sie wurden ser dann erst das Opfer niederstach. Das ist unsere Stadt.“ Sie dürfen – wie am 3.
weiterhin nur als Feiglinge und Vater- Opfer ist schuldig – ein Naziprinzip. September – durch Dortmund marschie-
landsverräter beschimpft und bedroht, Der Täter hatte ein Messer dabei, ren unter der Losung „Nie wieder
und von Anerkennung und Entschädi- „weil das in der Szene eben üblich ist“, Krieg“, der dann der Redner hinzufügt:
gung ausgeschlossen. räumte der Anwalt gegenüber der „West- „... nach unserem Sieg.“ Erst wenn der
Am 20. Oktober 1998 wurde beschlos- fälischen Rundschau“ vom 21.9.05 ein. NS, „der Nationale Sozialismus“ (Bor-
sen, das Gesetz zur Aufhebung der NS- Diese Szene ist aber eine politische, eine chardt), weltweit gesiegt hat und wenn
Unrechtsurteile für Wehrmachtsdeserteu- rechtsterroristische. Und die verteidigt das „auserwählte Volk“ im Jenseits sei,
re zu verbessern. Erst am 17.5.2002 trat der Verteidiger bis zum faktischen Par- dann werde Friede sein.
das neue Gesetz in Kraft, das die Nazi- teiverrat; denn der angeklagte Mörder Wie die Staatsanwaltschaft jetzt mit-
Urteile wegen Desertion/Fahnenflucht durfte nur ja nicht nazistische Hinter- teilte, hat sie Revision gegen das Urteil
oder „Wehrkraftzersetzung“ aufhob. männer haben, die es zu schützen galt. eingelegt. Ulrich Sander, Sprecher der
aus dem Aufruf zum 27.1.2006 ■ Da riskierte man lieber eine schärfere VVN-BdA NRW ■

: antifaschistische nachrichten 1/2006 5


Wer an Außerirdische, Esoterik
und ähnliche Phänomene glaubt,
Chefredakteurin ist auch „Außen-
hat an der Zeitschrift „Magazin
2000“ (Untertitel: „Kosmos, Erde,
ministerin“ in der „Reichsregierung“
Mensch“) vermutlich seine helle Freude – Verbindungen des Esoterik-Magazins „Magazin
zumal die umständliche Suche nach dem
aufwändig gestalteten Magazin in der Re-
2000“ weisen klar ins ultrarechte Lager von Thomas Klaus
gel entfällt. Ohne weiteres ist es nämlich
im gut sortierten Bahnhofsbuch- und Zeit- Unter den Autoren des „Magazins Lob für Holocaust-Leugner
schriftenhandel zu bekommen. Doch für 2000“ findet sich auch Albrecht Jebens, So versponnen wie sich das alles zuerst
das seit 1979 publizierte Blatt sollte man einer der wichtigsten Vertreter in der anhören mag, ist es womöglich nur auf
sich anscheinend auch dann interessieren, Grauzone zwischen Rechtskonservatis- den ersten Blick. Die „Kommissarische
wenn man rechtsextremistische Entwick- mus und Rechtsextremismus. Er war Ge- Reichsregierung“ Ebels wird vom nieder-
lungen im Auge behalten will und keine schäftsführer des erzkonservativen „Stu- sächsischen Verfassungsschutz beobach-
UFO-Landungen. dienzentrums Weikersheim“ und Vor- tet. Der Berliner Verfassungsschutz obser-
So werden in der Ausgabe Novem- standsmitglied der rechtsextremistischen, viert ebenfalls, ordnet die „Reichsregie-
ber/Dezember 2005 des „Magazins 2000“ vom Verfassungsschutz beobachteten rung“ dem „rechtsextremistischen Milieu“
unter anderem zwei Bücher aus dem ul- „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP). zu.
trarechten Arndt-Verlag und das Pamphlet Weniger bekannt als Jebens, aber dafür Wie es seitens des Verfassungsschutzes
„Kriegsursachen, Kriegsschuld“ von Hel- überdeutlich lässt sich Horst Werner in ei- heißt, bemühen sich Ebel und seine Man-
mut Schröcke vorgestellt. Schröcke ist als nem Artikel mit der Überschrift „Hinter nen um Kontakte zu Rechtsextremisten –
Autor in diversen rechtsextremistischen, den Kulissen der neuen Weltordnung“ und das nicht ohne Erfolg. Beispiel: Im
geschichtsrevisionistischen Zeitschriften vernehmen. Darin schreibt er mit Blick Dezember 2003 war Uwe Bradler, „Minis-
wie „Deutschland in Geschichte und Ge- auf das Naziregime und unverkennbarer terialdirektor“ und Pressechef in Ebels
genwart“ und „Code“ hervorgetreten. Anspielung auf jüdische Kreise: Kabinett, Hauptredner einer Winterson-
Sein Buch „Kriegsursachen, Kriegs- „Deutschland war antikapitalistisch und nenwenden-Feier auf dem Anwesen des
schuld“ spricht Deutschlands Führungen antikommunistisch und somit ein natürli- Rechtsterroristen Manfred Roeder. Dort
von der Verantwortung für die beiden cher Feind der kommunistischen und ka- traten unter anderem auch ehemalige Ka-
Weltkriege frei. Erschienen ist es im „Ver- pitalistischen Internationale. Es musste der der verbotenen „Aktionsfront Nationa-
lag für ganzheitliche Forschung“ von Ro- vernichtet werden, diesmal aber gründli- ler Sozialisten/Nationaler Aktivisten“
land Bohlinger, Verfasser des in rechtsex- cher und totaler als im ersten Weltkrieg.“ (ANS/NA) Michael Kühnens auf; juden-
tremistischen Kreisen sehr beliebten Wer- Zusätzlich zu den sechs regulären Aus- feindliche Lieder wurden gesungen und
kes „Die Bankiersverschwörung“. gaben des „Magazins 2000“ sind jährlich entsprechende Texte vorgetragen. Mittler-
Bohlingers Verlag lässt nicht nur be- bis zu sechs Spezial-Hefte vorgesehen. weile hat sich Bradler, vorbestraft wegen
kannte Holocaustleugner wie Paul Rassi- Eine noch immer verbreitete Sonder- Volksverhetzung und Verbreitung kinder-
nier oder David Irving zu Wort kommen. ausgabe „Phantomstaat BRD“ des „Ma- pornografischer Schriften, Ebel ab- und
Er offeriert auch Nachdrucke einer acht- gazins 2000“ ist von einer Huldigung für der konkurrierenden „Exilregierung Deut-
bändigen Reihe mit dem Titel „Forschun- die „Kommissarische Reichsregierung“ sches Reich“ zugewandt.
gen über das Judentum“. Diese Reihe des Berliners Wolfgang Ebel geprägt. Der In besagter Sonderausgabe zum Thema
wurde von 1936 bis 1943 von der „For- lässt sich als „Reichskanzler“ und „Gene- „Phantomstaat BRD“, in der Wolfgang
schungsabteilung Judenfrage des Reichs- ralbevollmächtigter des Deutschen Rei- Ebel und seine „Reichsregierung“ im Zen-
instituts für Geschichte des neuen ches“ feiern – etwa in einem seitenlangen trum stehen, sind ebenfalls zahlreiche
Deutschlands“ herausgegeben. Interview mit Ingrid Schlotterbeck. Die ist wohl wollende Besprechungen von Bü-
„Deutschland musste vernichtet werden“ ihres Zeichens „Außenministerin“ in chern aus rechtsextremistischen Verlagen
Ebels Kabinett, während ihr Ehemann abgedruckt. Beispielsweise wird der Holo-
Das „Magazin 2000“ erscheint sechsmal Rolf als „Wirtschaftsminister“ agiert. Der caust-Leugner David L. Hoggan als „der
jährlich im Argo-Verlag im bayerischen frühere Reichsbahnbeamte Wolfgang Begründer des wissenschaftlichen Revi-
Marktoberdorf. Als Chefredakteurin und Ebel, der aufgrund seiner ärztlich festge- sionismus in der Zeitgeschichte“ gewür-
Herausgeberin zeichnet Ingrid Schlotter- stellten Schuldunfähigkeit nicht straf- digt. Und sein Buch „Der erzwungene
beck verantwortlich. Die Aktion für Geis- rechtlich verfolgt wird, bekleidet in der Krieg“ erhält den Stempel „Schicksals-
tige und Psychische Freiheit (AGPF) las- „Reichsregierung“ noch andere Ämter – buch für Europa und das deutsche Volk“.
tet ihr beziehungsweise ihrem Printorgan natürlich auch das des „Reichsverkehrs- Angepriesen werden unter anderem auch
zeitweilige Kontakte zum Imperium von ministers“. Obwohl somit vermutlich aus- die Bücher „Die Jahrhundert-Provokati-
Lyndon LaRouche an, der in der Bundes- gelastet, sorgt er außerdem für einen on“ des Holocaust-Leugners Paul Rassi-
republik beispielsweise in Form der totali- schwunghaften Handel mit Personalaus- nier, „Krisenjahr der Hitlerbewegung
tären, rechtsstehenden „Bürgerrechtsbe- weisen, Reisepässen, Kfz-Schildern und 1923“ von Georg Franz Willing (Träger
wegung Solidarität“ und des „Schiller-In- ähnlichen Dokumenten des „Reiches“. der „Hutten-Medaille“ der „Gesellschaft
stitutes“ agiert. Ferner ließ Frau Schlotter- Darüber hinaus bieten Ebel und seine für freie Publizistik“, GfP) - und das Buch
beck nachweislich Texte aus der ultra- Gleichgesinnten Ausbildungskurse zum „Deutschland soll deutsch bleiben“ des
rechten Zeitschrift „Nation Europa“ nach- „reichsrechtlichen Rechtsachverständi- ehemaligen CDU-Spitzenpolitikers Hein-
drucken und gestattete Anzeigen der anti- gen“ an. („Die derzeitigen vermeintlich rich Lummer („Er tritt für die Erhaltung
semitischen „Unabhängigen Nachrich- grundgesetzlichen Rechtsanwälte sind des deutschen Volkes und dessen Kultur
ten“. Die hatten nach Recherchen der Straftäter, da sie die Bürger nicht über die ein und unterstreicht das Recht der Deut-
Journalistin Astrid Lange von der Arbeits- Rechtslage der imaginären Bundesrepu- schen auf ihre angestammten Siedlungs-
stelle Neonazismus der Fachhochschule blik aufklären ....“) gebiete“). Heraus kam das Werk des eins-
Düsseldorf sogar Kontakte zur rechtster- Juristisch „geübt“ sehen sich auch die tigen Berliner Innensenators im Hohen-
roristischen „Freiheitlichen Deutschen Mitglieder des „Staatsgerichtshofes für rain-Verlag, seit Jahren Beobachtungsge-
Arbeiterpartei“ (FAP), während Frau Lan- das Deutsche Reich“, die bereits diverse genstand des Verfassungsschutzes.
ge „Nation Europa“ als „chauvinistisch, „Todesurteile“ wegen Hochverrats ver- Thomas Klaus
antisemitisch und rassistisch“ beurteilt. hängt haben. Internet: http:/www.klaus-presse.de ■

6 : antifaschistische nachrichten 1/2006


Der 65-jährige Lyoner Regio- Frankreich: Erstmals Holocaust-Leugner im Gefängnis?
nalparlamentarier des rechts-
extremen Front National (FN),
Georges Theil, könnte der erste Fran-
Rechtsextremer
zose werden, der wegen eines Tatbe-
stands im Zusammenhang mit der
Parlamentarier verurteilt
Verbreitung der „Auschwitzlüge“ ins ßerungen ist er bereits im Jahr 2001 zu ei- relang nicht gefasst werden konnten und
Gefängnis muss. Am Dienstag, 3. Ja- ner dreimonatigen Bewährungsstrafe, u.a. ein Teil der Sensationspresse deswe-
nuar 06 wurde er – zum wiederholten und am 7. Oktober 2005 im westfranzösi- gen Zweifel an den tatsächlichen antise-
Male – wegen solcher Äußerungen schen Limoges zu einer Haftstrafe von mitischen Motiven hinter der Friedhofs-
verurteilt. sechs Monaten (diesmal ohne Bewäh- schändung weckte. Die entsprechenden
rung) verurteilt worden. Letztere Verur- Presseberichte tendierten im Nachhinein
Theil hatte am 14. Oktober 2004 im Par- teilung ist zur Zeit noch nicht rechtskräf- eher zu einer Tat „einer satanistischen
lament der Region Rhône-Alpes, in Lyon, tig, da Theil Berufung eingelegt hat. So- Sekte“ oder einer seltsamen Mutprobe
auf dem Flur gegenüber einem lokalen bald das letztinstanzliche Urteil in dieser drogenberauschter Jugendlicher. Dage-
Fernsehteam wörtlich erklärt, die Gas- Sache fällt und zusätzlich das jetzt am 3. gen sprach die extreme Rechte von An-
kammern seien „abgeschottete Kammern fang an von einer „Manipulation“ ge-
zur Desinfektion“ gewesen und: „Je mehr gen den Front National, beschuldigte
Zyklon B die Deutschen benutzten, desto „Moslems“ oder „Kommunisten“.
mehr Leben retteten sie“ (sic). Die Verga- Am 11. November 1995, die Täter
sung von Menschen sei „eine chemische waren noch ungefasst, charterte der
und physikalische Unmöglichkeit“. Da- Front National eigens einen „Zug der
für erhielt er jetzt vor dem Strafgericht Wahrheit“ von Paris nach Carpentras
erster Instanz in Lyon sechs Monate Haft und demonstrierte dort, um eine „Ent-
ohne Bewährung plus 10.000 Euro Geld- schuldigung von Staats wegen“ zu
strafe und muss zusätzlich 33.000 Euro fordern, da er in dieser Sache zu Un-
an elf Antirassismus- oder Menschen- recht an den Pranger gestellt worden
rechtsgruppen (die alle als Nebenkläger sei. Aber am 31. Juli 1996 stellte sich
aufgetreten waren) bezahlen. einer der Täter, ein ehemaliger Neo-
Die Auslassungen des Abgeordneten nazi, der mittlerweile zu Buddhismus
des Front National erfolgten drei Tage, und Gewaltlosigkeit konvertiert war
nachdem dessen „Generalbeauftragter“ Geschändete Gräber in Carpentras und die barbarische Schändung (bei
(délégué général) Bruno Gollnisch – ihr war die frisch beerdigte Leiche
„Nummer zwei“ in der Parteihierarchie Januar ergangene Urteil bestätigt wird, des 83-jährigen Félix Germon auf den
hinter dem „Chef“ Jean-Marie Le Pen – dürfte Theil der erste Holocaustleugner Stiel eines Sonnenschirms aufgespießt
auf einer Pressekonferenz in Lyon erklärt sein, der nicht nur verurteilt wird, son- worden) bereute. Daraufhin konnten die
hatte, ob und wie viele Menschen in den dern auch tatsächlich im Gefängnis über- wirklichen Täter gefasst werden, und vier
NS-Vernichtungslagern gestorben seien, nachten muss. Die beiden Urteile gegen (ehemalige) Neonazis wurden verurteilt –
müsse Gegenstand einer „freien Debatte ihn sind die ersten, bei denen Haftstrafen keine Mitglieder des Front National zwar.
unter Historikern“ sein. Durch diese Äu- im Zusammenhang mit dem Strafgesetz Aber der reuige Urheber des Geständnis-
ßerungen, für die er nicht einmal irgend- gegen die „Leugnung oder Relativierung ses, das die Verhaftungen ausgelöst hatte,
einen „Anlass“ hatte (die Pressekonfe- von Verbrechen gegen die Menschheit“ sprach sehr wohl von Anfang an davon, er
renz war eigens anberaumt worden), von 1990 ohne Bewährung verhängt wor- sei damals „durch den Diskurs des Front
wollte Gollnisch sich wohl innerpartei- den sind. National beeinflusst gewesen“.
lich im Rennen um die Nachfolge des al- Das französische Strafgesetz gegen Der Lyoner Prozess
ternden „Chefs“ und Gründervaters Le Holocaustleugnung
Pen profilieren. Doch für diese offene In dem jüngsten Prozess in Lyon, der mit
Anzweiflung des Holocaust, oder jeden- Die Holocaustleugnung steht in Frank- dem Schuldspruch vom 3. Januar 06 zu
falls seiner realen Dimensionen, wird reich seit der „Loi Gayssot“ vom 13. Juli Ende ging, wurde Georges Theil durch
Gollnisch selbst sich am 23. Mai dieses 1990, einem Zusatzgesetz zum Antiras- den berüchtigten Negationisten-Anwalt
Jahres vor einem Strafgericht in Lyon sismus-Strafgesetz von 1972 (das den (und ehemaligen Parlamentskandidaten,
verantworten müssen. Bruno Gollnischs Namen des damaligen KP-Parlamenta- der 1997 nördlich von Paris für den Front
Immunität als Angehöriger des Europa- riers und späteren Ministers Jean-Claude National kandidiert hatte) Eric Delcroix
parlaments wurde in dieser Sache im De- Gayssot trägt), als spezifischer Tatbe- vertreten, der selbst geschichtsrevisionis-
zember 05 aufgehoben, und als Jurapro- stand unter Strafe. Die Verabschiedung tischen Thesen aktiv anhängt.
fessor an der Universität Lyon-III erhielt dieses Gesetzestext war damals als Reak- Zu seiner gerichtlichen Anhörung im
Gollnisch aufgrund derselben Angele- tion auf die Schändung des jüdischen Rahmen des Prozesses am 29. November
genheit vor einem Jahr ein fünfjähriges Friedhofs im südfranzösischen Carpen- 05 ließ Theil niemand anderen als den
Lehrverbot (faktisch bis zu seiner Pensio- tras vom 8. Mai 1990 erfolgt, die eine wohl prominentesten französischen Au-
nierung) bei Halbierung seines Gehalts Welle von Mobilisierungen gegen Antise- schwitzleugner laden, den ehemaligen
auferlegt. Sein (sicherlich erheblich pri- mitismus und Negationismus (französi- Hochschullehrer Robert Faurisson. Fau-
mitiverer) „Parteifreund“ Georges Theil, scher Ausdruck für Geschichtsrevisionis- risson versuchte den Prozess in ein Tribu-
der in seinen Äußerungen noch viel wei- mus oder Holocaustleugnung) auslöste. nal gegen die angeblich erlogene Exis-
ter ging als Gollnisch, fühlte sich darauf- Allein in Paris hatten im Mai 1990 rund tenz der Gaskammern umzukehren (vgl.
hin durch die Ausfälle des Fraktionsvor- 200.000 Menschen demonstriert, unter dazu den ausführlichen Bericht in Libéra-
sitzenden und Juraprofessors offenkundig Beteiligung aller Parteien mit Ausnahme tion vom 30.11.2005). Aufgrund dessen
ermutigt. des Front National. Die rechtsextreme wurde das Gericht aber nicht eben positiv
Es handelt sich nicht um die Erstlings- Partei hatte in den Folgejahren versucht, für Theil beeinflusst, wohl eher im Ge-
tat des rechtsextremen Regionalpolitikers die Erinnerung daran zu ihrer Rehabilitie- genteil.
Georges Theil. Aufgrund ähnlicher Äu- rung zu nutzen, da die Täter zunächst jah-

: antifaschistische nachrichten 1/2006 7


Fortsetzung von Seite 7

Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezem-


Celle sagt NEIN!
ber 05, versuchte der auf Holocaustleug- zum Neonazi-Aufmarsch am 28. Januar 2006
ner-Prozesse spezialisierte Anwalt Eric
Delcroix eine erneute gerichtliche Anhö- Über 40 Organisationen haben dings die Konsequenz haben, dass die so
rung seines Mandanten durchzusetzen. sich bisher in einer Resolution genannten „Autonomen Nationalisten“
Dieses Mal berief der Verteidiger sich in gegen den geplanten Aufmarsch aus Berlin sich an der Nord-Demonstrati-
seinem Brief an den Vorsitzenden der 6. faschistischer Kräfte in Celle ausgespro- on in Celle beteiligen.
Strafkammer auf die Äußerung von Prä- chen. In der Resolution heißt es: „Wir Hintergrund dafür ist die Ankündigung
sident Jacques Chirac vom 9. Dezember protestieren gegen in Internet-Foren der
2005: Anlässlich einer Ansprache hatte den Aufmarsch so Rechtsextremisten, wo-
der Staatspräsident betont, es sei „nicht genannter Freier Ka- nach eine ihrer vier
Aufgabe des Staates, die Geschichte zu meradschaften und (bundesweit mobilisie-
schreiben“, sondern dies sei vielmehr anderer rechtsextre- ren Neonazis zu Auf-
Aufgabe der Historiker. Das hatte Chirac mistischer Gruppen märschen in Berlin,
aber lediglich zur Beruhigung der Pole- am 28. Januar 2006 Karlsruhe, Dortmund
mik rund um das Gesetz vom 23. Februar in Celle. Dieser Auf- und Celle) für den
2005 (das Lehrer und Forscherinnen ver- marsch, einen Tag 28.1.2006 geplanten De-
pflichten soll, eine „positive Rolle“ des nach dem Internatio- monstrationen abgesagt
französischen Kolonialismus anzuerken- nalen Holocaustge- wurde. Aufgerufen wird
nen, und das von Wissenschaftlern und denktag, ist gegen über das Netzwerk der
Historikern als „Aufzwingen einer offi- das Erinnern an die so genannten „Kamerad-
ziellen Geschichtsversion“ attackiert Ermordung der Ju- schaften“ mit dem Neo-
wurde und wird) geäußert. den und Millionen nazi Christian Worch aus
Eine Petition von 19 prominenten His- anderer Opfer des Hamburg als Drahtzie-
torikern, die am 12. Dezember 2005 ver- Nationalsozialismus her; in Celle wird er von
öffentlicht wurde, forderte ferner die Ab- gerichtet. Der Vor- Daniel Gräf unterstützt,
schaffung aller Gesetze, die die Debatte beimarsch der Nazi-Demonstration am der Mitglied im so genannten „Kampf-
um geschichtliche Ereignisse regulieren Denkmal in den Triftanlagen für die To- bund Deutscher Sozialisten“ (KDS) ist.
sollen. Ihre Forderung betrifft das äußerst desopfer des Massakers am 8. April 1945, Offiziell wenden sich die Neofaschisten
kritikwürdige Gesetz vom 23. Februar der so genannten „Celler Hasenjagd“, mit ihren Demonstrationen gegen staatli-
05, aber auch die „Loi Gayssot“ (siehe würde eine unerträgliche Diffamierung che Repression und den § 130 StGB
oben) sowie zwei Gesetzestexte aus dem der Opfer darstellen. (Volksverhetzung).
Jahr 2001, mit denen das französische Wir treten dem Versuch entgegen, die Da die Rechten nun nicht mehr in Ber-
Parlament damals den Völkermord an deutsche Vergangenheit zu leugnen oder lin marschieren wollen, besteht die Be-
den Armeniern im Ersten Weltkrieg so- zu verfälschen und rufen die staatlichen fürchtung, dass das dort mobilisierbare
wie die Sklaverei als Verbrechen gegen Behörden auf, den §130 StGB (Volksver- Potenzial an dem Tag nach Celle umgelei-
die Menschheit anerkannte. Dieses Amal- hetzung) entschieden anzuwenden, gegen tet werden soll.
gam wurde deswegen z.T. scharf kriti- den sich die Neonazi-Aufmärsche in Cel- Um so wichtiger ist nach Ansicht von
siert, auch wenn es den 19 Historikern si- le, Berlin, Dortmund und Karlsruhe im Roland Kräft, dass sich möglichst viele
cherlich nicht um eine Beförderung von Besonderen richten. Menschen an den Protesten gegen den ge-
Holocaustleugnung ging, und rief wie- Wir wenden uns gegen die Verhöhnung planten Naziaufmarsch beteiligen: „Wir
derum eine Gegenpetition von 32 Promi- der Opfer des Nationalsozialismus durch wollen an diesem Tag ein deutliches und
nenten hervor. rechtsextremistische Gruppen in unserer unmissverständliches Zeichen gegen Ras-
Selbstverständlich bezog Eric Delcroix Stadt. Wir fordern alle Bürgerinnen und sismus und Intoleranz setzen“, so Kräft.
sich ebenfalls auf die Petition der 19 His- Bürger auf, sich mit ihren gewaltfreien In diesem Zusammenhang verurteilte der
toriker und versuchte, auch diese für sei- Protestformen an den Aktionen gegen den Pressesprecher der AAC ausdrücklich die
ne Zwecke zu instrumentalisieren. Dies Nazi-Aufmarsch zu beteiligen, um ihn von der Celler Polizeiführung an die
war sicherlich nicht im Sinne der Unter- möglichst schon im Vorfeld zu verhin- Wand gemalten völlig unrealistischen
zeichner, obwohl sich damit im Prinzip dern.“ „Gewaltszenarien“. Diese dienten nur
nur ein Risiko verwirklichte, mit dem Die Stadt Celle hat die angemeldete dazu, Menschen zu verunsichern und so
dieselben hätten rechnen müssen. Vor der Kundgebung der Rechtsextremen, ange- den Protest gegen den rechten Aufmarsch
Lyoner 6. Strafkammer kam der rechtsex- meldet durch Christian Worch, verboten. zu schwächen; damit würde man nur den
treme Verteidiger damit freilich nicht Sollte das Verwaltungsgericht das Verbot Nazis in die Hände spielen.
durch, es lehnte den Antrag auf Neueröff- kippen, werden den Rechtsextremen Auf- Antifaschistische Aktion Celle (AAC),
nung der gerichtlichen Debatte ab (der lagen gemacht. Diese sind u. a.: Keine 27.12.2005 ■
„mediale Schaum“ vermöge dies allein Fahnen, Trommeln, Fackeln, Springer-
nicht zu rechtfertigen). Stattdessen wurde stiefel. Berichtigung für antifa
wenige Tage später das Urteil gegen Mehr Neonazis als erwartet nachrichten 25-26-2005
Theil bekannt gegeben.
Im Artikel „Burschen raus aus der SPD“ muss
Bleibt zu hoffen, dass der rechtsextre- Nach Informationen der Antifaschisti-
es heißen:... Im Gegenteil, der CDA, wich-
me Regionalparlamentarier wirklich, in schen Aktion Celle (AAC) ist das Konzept
tigster Zusammenschluss von korporierten
absehbarer Zeit, sein Haupt hinter Gittern der Neonazis um Christian Worch ge-
Dachverbänden, dem auch die DB ange-
betten müssen wird. Seine „Auffassun- platzt, parallel in vier Städten zu Aufmär-
hört, „verwahrte sich im Namen von rund
gen“, die mit Sicherheit aufklärungs- und schen zu mobilisieren. „Die Anmeldung
1.000 Studentenverbindungen mit ca.
faktenresistent sein dürften, lassen sich so für Berlin ist unserer Kenntnis nach zu-
150.000 Mitgliedern mit Entschiedenheit...“
zumindest für alle Anderen sichtbar sank- rückgezogen,“ gab der Pressesprecher
(und nicht 100 Studentenverbindungen wie
tionieren. Roland Kräft bekannt. Für den in Celle
ich geschrieben hatte.) erk ■
Bernhard Schmid, Paris ■ geplanten Aufmarsch könne dies aller-

8 : antifaschistische nachrichten 1/2006


Freunde des „blauen Bluts“ mit
nicht immer „feinem“ Umgang
Monarchistischer Verein „Tradition und Leben“ mit Rechts-Kontakten von Thomas Klaus

Dass die Nationalsozialisten Kernelement der Öffentlichkeitsarbeit ist marckbund“ zur Seite. Dem Bismarck-
monarchistische Vereinigun- das zweimonatlich erscheinende Heft bund können Kontakte zu rechtsextre-
gen verboten und manche Wi- „Erbe und Auftrag“. mistischen Kreisen nachgewiesen wer-
derstandskämpfer gegen das Nazire- Als aktueller Vorsitzender des Vereins, den. Sogar militante Neonazis wurden
gime einen adeligen Hintergrund hat- der seinen Sitz im niedersächsischen Lü- schon mit dem „Bismarckorden“ be-
ten, „verkauft“ der Verein „Tradition neburg hat, fungiert Knut Wissenbach dacht, der in Silber oder Gold ans Revers
und Leben“ (TuL) gerne als Argument (Jahrgang 1966). Der hat auch schon für geheftet wird – oft von Fürst Ferdinand
für seine demokratische Standfestig- die stramm rechte Wochenzeitung „Jun- von Bismarck persönlich.
keit. Jedoch: Manche TuL-Kontakte ge Freiheit“ zur Feder gegriffen. Umge- Folgt man der Selbstdarstellung des
sind aus Sicht von Rechtsextremis- kehrt wurden in „Erbe und Auftrag“ Bei- Vereins, dann geht die Gründung des
mus-Rechercheuren durchaus be- träge von Autoren abgedruckt, die ur- „Preußeninstituts“ letztlich auf ihn zu-
denklich. sprünglich aus der „Jungen Freiheit“ rück. Auf der Jahrestagung 2002 des
stammten. „Preußeninstituts“ war Albrecht Jebens
„Tradition und Leben“, die einzige repu- der Starredner. Das damalige Vor-
blikweit rührige monarchistische Verei- standsmitglied der rechtsextremisti-
nigung mit knapp 300 Angehörigen, geht schen, vom Verfassungsschutz obser-
auf den 1918 gegründeten „Bund der vierten „Gesellschaft für freie Publizis-
Aufrechten“ zurück. Der brachte es in tik“ (GfP) wurde als Geschäftsführer
den dreißiger Jahren auf immerhin des erzkonservativen „Studienzentrums
100.000 Mitglieder. TuL wurde 1956 aus Weikersheim“ bekannt. Eine Zusam-
der „blaublütigen“ Taufe gehoben, unter menarbeit zwischen TuL und „Preu-
anderem mit Hilfe von Otto Schmidt- ßeninstitut“ besteht nach wie vor; auch
Hannover. Der ehemalige Fraktionsvor- personelle Überschneidungen sind Fakt
sitzende der Deutschnationalen Volks- – so etwa in Form von Dr. Rolf Sauer-
partei (DNVP) im Reichstag war im zapf, der an TuL-Veranstaltungen teil-
April 1933 an diese Funktion gekom- nahm und zugleich im „Preußeninsti-
men: Sein Vorgänger hatte nämlich im tut“ tätig ist. Der ehemalige Pfarrer
Gegensatz zu ihm die Kooperation mit beim Bundesgrenzschutz ist ein schar-
der NSDAP abgelehnt. fer und aktiver Kritiker des „Linkskur-
Kaiserkrone als „Symbol der ses“ in der Evangelischen Kirche. Er ist
Freiheit“ aber zum Beispiel auch für das „Hilfs-
Unter den Anzeigenkunden von „Erbe komitee Südliches Afrika“ (HSA) zu be-
Nach den Vorstellungen von „Tradition und Auftrag“ findet sich zum Beispiel geistern, das 1976 von dem einstigen
und Leben“ (Untertitel: „Arbeitsgemein- der Regin-Verlag. Im Sortiment hat er NPD-Funktionär Peter Dehoust (Chefre-
schaft zur Förderung des monarchischen unter anderem Bücher von Julius Evola, dakteur und Herausgeber des ultrarech-
Gedankens“) soll aus der Bundesrepu- eines intellektuellen Wegbereiters des ten Strategieorgans „Nation Europa“)
blik eine parlamentarisch-demokratische italienischen Faschismus, auf den sich in mitbegründet wurde. Das HSA kämpfte
Monarchie werden, in der das Amt des den achtziger Jahren die italienischen jahrzehntelang für das Apartheid-Re-
Bundespräsidenten gegen das des Deut- Rechtsterroristen von den „Bewaffneten gime in Südafrika und somit für die Ras-
schen Kaisers ausgetauscht wird – aller- revolutionären Zellen“ beriefen. sentrennung. Noch heute ist es präsent –
dings aufgewertet durch zusätzliche Au- Die Arbeit des Vorstands, der sich alle als „Interessenvertreter“ deutscher Sied-
torität. Bejaht wird eine Erbmonarchie. zwei Jahre Neuwahlen stellen muss, wird ler in Afrika. Von der Burschenschaft
Aus Vereinssicht ist der Thronanwärter durch mehrere Arbeitskreise in unter- Thuringia in Braunschweig wurde Sau-
der jeweilige Chef des Hauses Hohenzol- schiedlichen Regionen der Bundesrepu- erzapf sogar als HSA-Vorsitzender be-
lern. blik unterstützt. Der größte und enga- zeichnet, nachdem sie ihn für den Febru-
Einer der vermeintlichen Gründe für gierteste Arbeitskreis ist der in Berlin- ar 2005 als einen der Referenten ihres
die Wiedereinführung der Monarchie Brandenburg. Wahrscheinlich kein Zu- 12. Braunschweiger Seminars aufgebo-
laut Selbstdarstellung des Vereins: „In fall ist es da, dass zwischen „Tradition ten hatte. Weitere Vortragende waren laut
der Monarchie steht nicht nur der Mann und Leben“ und der „Preußischen Ge- Vorankündigung der Burschenschaft der
als Staatsoberhaupt an der Spitze, son- sellschaft Berlin-Brandenburg“ Berüh- ehemalige „Republikaner“-Landesvor-
dern eine Familie. Damit wird sowohl rungspunkte vorhanden sind – beispiels- sitzende Professor Dr. Klaus Weinschenk
ihre wie die Stellung der Frau aufgewer- weise in der Person des ehemaligen TuL- aus Berlin und der Holocaust-Leugner
tet.“ Vorsitzenden Professor Dr. Wolfgang Gerhoch Reisegger aus Österreich.
Zum Vereinssymbol proklamierte Stribrny. Im Beirat der „Preußischen Ge- (Ja, es stimmt beispielsweise: Keine
„Tradition und Leben“ die Krone des sellschaft“: Fürst Ferdinand von Bis- Gruppe ist auf der Totenliste des 20. Juli
Deutschen Kaiserreiches. Die Krone sei marck, der Urenkel des Reichskanzlers 1944 stärker vertreten als der preußische
„das Sinnbild der Einheit und Freiheit Otto von Bismarck. Der Fürst unterstützt Adel. Es stimmt aber beispielsweise
unseres Vaterlandes. Sie ist das ver- die rechte Wochenzeitung „Junge Frei- auch: Die „Deutsche Adelsgenossen-
pflichtende und versöhnende Symbol für heit“, referiert vor der vom Verfassungs- schaft“ als größter Adelsverband führte
das ganze Volk.“ Auch ein zündendes schutz beäugten „Staats- und Wirt- frühzeitig den „Arierparagraphen“ ein.
Motto überlegte man sich, nämlich: „Wir schaftspolitischen Gesellschaft“ (SWG) Und: Fast jeder fünfte SS-Obergruppen-
setzen der Demokratie die Krone auf!“ und steht als Schirmherr dem „Bis- führer war adelig...) ■

: antifaschistische nachrichten 1/2006 9


Den Nazis die Idylle in
Hoch-Weisel nehmen
Seit nunmehr fast einem Jahr woh- Zukunft wohl ständig mit ihnen gerechnet
nen in dem Butzbacher Ortsteil werden muss. In kleinen Gruppen oder al-
Hoch-Weisel die führenden Köpfe der leine besuchten sie – zum Teil bewaffnet
„Freien Nationalisten Rhein-Main und offensichtlich gewaltbereit – den Info-
(FNRM)“. Nachdem sie in Nidderau-Hel- stand. Ihrem Verhalten nach zu urteilen er-
denbergen ein Haus gemietet hatten und warteten sie jedoch keine Gegenwehr der
dieses nach massivem öffentlichen Druck dortig Anwesenden.
verlassen mussten, haben sie in Butz- Zudem tauchten innerhalb der letzten Mo- STuttgart. Am Samstag, den 10.12.,
bach/Hoch-Weisel ein großes Anwesen nate mehrere Flugblätter der Neonazis auf, hat das Antifaschistische Aktionsbünd-
samt Wohnhaus, Scheune, Hof und Garten in denen sie versuchten BürgerInnen für ihre nis Stuttgart und Region zwei Info-
gekauft. Nach eigenen Angaben soll hier unmenschliche Ideologie zu sensibilisieren Stände in Welzheim und Alfdorf
ein neues „nationales Zentrum“ entstehen. und zugleich die antifaschistischen Bestre- durchgeführt. In der Region Ostalb
Dementsprechend fanden bereits zahlreiche bungen bezüglich der „nationalen Wohnge- kam es in den vergangenen Monaten
Treffen und Feiern statt. Diese Entwicklung meinschaft“ zu denunzieren. regelmäßig zu Übergriffen und Dro-
wird von den AnwohnerInnen jedoch wei- Die Strategie der Neonazis, ein gutbür- hungen von Nazis. Mit den Info-Ti-
testgehend ignoriert. gerliches Nachbarschaftsverhältnis zu den schen sollte ein Zeichen gegen Fa-
In dem Anwesen in der Langgasse 16 in AnwohnerInnen zu entwickeln, geht voll- schismus gesetzt und zur Information
Butzbach/Hoch-Weisel wohnen unter ande- ends auf, wie zwei Berichte der Hessen- und Diskussion eingeladen werden.
rem Marcel Wöll, Christian Müller, Janine schau im HR-Fernsehen (3. Mai + 28. Au- Bis zu 60 Menschen waren zeitweise
Bedau und Maximilian Elser. Allesamt sind gust) belegen. an den Info-Tischen, um sich zu infor-
sie einschlägig bekannt als militante Neo- Antifaschistischer Widerstand ist von der mieren und ihre Solidarität auszudrü-
nazis, und seit mehreren Jahren überregio- Dorfgemeinschaft nicht erwünscht, stattdes- cken. Zunächst war von der Stadt
nal aktiv. So pflegen die FNRM rege Kon- sen wird die Situation heruntergespielt und Welzheim die Erlaubnis für einen anti-
takte zu anderen militanten Neonazi-Verei- falsch interpretiert. Ernst gemeinte linke Be- faschistischen Info-Tisch zurückgezo-
nigungen wie beispielsweise dem „MSC strebungen, der Entwicklung im Dorf etwas gen worden. Wir haben uns mit diesem
28“ aus Limburg und der „Schwarzen Divi- entgegen zu setzen, werden von den An- Verbot allerdings nicht abgefunden,
sion“ aus Wiesbaden. Sie erscheinen ge- wohnerInnen mit faschistischer Ideologie sondern stattdessen eine Kundgebung
meinsam bei Aufmärschen und anderen gleichgesetzt, und antifaschistische Aktio- angemeldet, die erst nach zähen Ver-
Veranstaltungen, und sind häufig in deren nen als das eigentlich störende verstanden. handlungen mit den Behörden schließ-
Organisation integriert. So trat Marcel Wöll Dieses Dilemma wird auch durch den lich genehmigt wurde. Damit jedoch
bei verschiedensten Veranstaltungen als „Arbeitskreis demokratisches Hoch-Weisel nicht genug. Auf dem Weg nach Welz-
Redner auf, wie im Juni diesen Jahres bei (ADHW - Forum gegen Braun)“ deutlich. heim wurden AntifaschistInnen von
einer Saalveranstaltung zu dem Thema Dieser wurde von einigen BürgerInnen ins der Polizei über eine Stunde lang fest-
„Nationalismus –– Europas Zukunft!“. Leben gerufen, verdeutlicht jedoch gleich gehalten und der Teil der Auflage unse-
In der „nationalen Wohngemeinschaft“ im ersten Flugblatt, dass hier keine emanzi- rer Gratisbroschüre beschlagnahmt.
finden regelmäßig Vernetzungstreffen statt, patorischen Perspektiven zu erwarten sind. Außerdem noch weitere Gegenstände
bei denen auch Neonazis aus überregiona- So lautet eines der formulierten Ziele: „un- unseres Info-Tisches. In Welzheim
len Gegenden anzutreffen sind. ser System verteidigen gegen totalitäre selbst waren zahlreiche Beamte des
Berichten von AugenzeugInnen zu Folge Ideologien von links und von rechts“. Die polizeilichen Staatsschutzes sowie der
wird das Anwesen besonders an Wochen- Neonazis selbst dürften von dieser Ent- Bereitschaftspolizei präsent. Auch sie
enden stark von auswärtigen Neonazis fre- wicklung höchst erfreut sein, da gerade die versuchten mehrmals Flugblätter zu
quentiert. Es ist davon auszugehen, dass in Ruhe, die ihnen die Dorfgemeinschaft ge- beschlagnahmen, die Verteilung unse-
der Langgasse 16 Kadertreffen abgehalten währt, von Anfang an erwünscht war. rer Broschüre und Flugblätter der Ver-
und Organisationsarbeit im Verborgenen Ob das Bild der Neonazis „als nette einigung der Verfolgten des Nazire-
betrieben werden. Nachbarn“ jedoch durch die Ende Oktober gimes (VVN) zu verhindern. Offen-
Antifaschistischen Widerstand fürchten erfolgten Hausdurchsuchungen im Hoch- sichtlich sollten unsere Aktivitäten
die Neonazis offensichtlich nicht, bisher Weiseler Anwesen und in vier weiteren möglichst weitgehend behindert und
stattgefundene Veranstaltungen in Butz- Wohnungen aus dem Umfeld der FNRM, eingeschränkt werden.
bach/Hoch-Weisel wurden offensiv provo- Risse bekommen hat, ist offen. Nach Anga- Vorwand des Vorgehens der Polizei
ziert und gestört. ben des Polizeiberichts besteht im Falle der waren Abbildungen von Hakenkreuzen
Ein Vortrag zu rechtem Lifestyle und ins- FNRM der Verdacht auf Bildung einer kri- im eindeutig antifaschistischen Kon-
besondere den „Freien Nationalisten minellen Vereinigung. text. Es wurde versucht einen Paragra-
Rhein/Main“ im Juli 2005 wurde direkt zu In Zukunft muss Butzbach/Hoch-Wei- phen, der die Verbreitung faschisti-
Anfang durch das Erscheinen einer Gruppe sel verstärkt in den Fokus antifaschisti- scher Propaganda verhindern soll, ge-
einschlägig bekannter Neonazis aus der Re- scher Arbeit gerückt werden, gerade im gen AntifaschistInnen anzuwenden.
gion gestört. Diese traten selbstbewusst und Hinblick auf den 2007 in Butzbach statt- Dieses Vorgehen wird in den letzten
bürgernah auf, und versuchten in Diskus- findenden Hessentag. Es gilt, die Desin- Monaten vom polizeilichen Staats-
sionen von VeranstalterInnen und Besuche- formationspolitik von BürgerInnen und schutz immer massiver betrieben.
rInnen zu intervenieren. Schon hier war das Polizei weiter auf allen Ebenen anzugrei- Durch die zahlreiche Beteiligung von
offensive Verhalten der Neonazis in der Ge- fen, und den Nazis keine Ruhe zu lassen. stetig zwischen 30 und 60 Menschen
meinde auffällig, bis zum Infostand am 28. an unseren Infotischen, ist es uns den-
August steigerte es sich allerdings noch. Weitere Informationen zu Demonstra- noch gelungen unsere Aktivitäten wie
Bei dieser Informationsveranstaltung nahe tionen oder anderen Aktionen unter: geplant stattfinden zu lassen. Mehr In-
der „nationalen Wohngemeinschaft“ zeig- www.antifa-wetterau.de.vu und formationen zur Kampagne unter:
ten die Neonazis ein weiteres Mal, dass in www.bash-kampagne.tk www.antifa-kehrwochen.de ■

10 : antifaschistische nachrichten 1/2006


: ausländer- und asylpolitik
chen, DGB, Flüchtlingsräte, Selbstorga-
nisationen, Wohlfahrtsverbände und
Menschenrechtsorganisationen fordern
seit Jahren ein allgemeines Bleiberecht
Protest gegen Abschiebung terpräsident Wulff, die Entlassung von für diese Menschen – einschließlich der
togolesischer Flüchtlinge* Innenminister Schünemann, wegen Ver- Möglichkeit, ohne alle Einschränkungen
stoß gegen seinen Amtseid. Wir erwarten zu arbeiten. Wir erwarten von Ihnen, die-
Schwerin. Flüchtlingsinitiativen haben von der SPD/Grünen-Opposition im se Menschen nicht als Kostenfaktoren
am Dienstag vor dem Schweriner Innen- Landtag, dass sie mit gleicher Entschie- zu behandeln, derer man sich einfach
ministerium mit Transparenten, Trompe- denheit reagiert. durch Abschiebung entledigt. Die lang-
tenmusik, Sprechchören und Trauerflor Ansonsten bleibt festzustellen, dass jährig geduldeten Flüchtlinge gehören zu
gegen die Abschiebung abgelehnter Innenminister Schünemann, scheinbar uns, sie haben ein Anrecht auf eine Poli-
Asylbewerber nach Togo demonstriert. keine Probleme hat mit den deutschen fa- tik, die dies anerkennt.“ bee ■
Zudem übergaben sie rund 350 Protest- schistischen „Hasspredigern“ gegen
unterschriften an Vertreter des Ministeri- „Ausländer“ und ihrer Gewaltpraxis, die Aufstehen gegen
ums. er aus Polizeiberichten kennt. Statt des-
Nach Angaben der Antirassistischen sen verteidigt er hier das „Recht deut- Abschiebungen
Initiative Rostock sind seit vergangenem scher Faschisten“ auf Demonstrations- Frankfurt. Seit einiger Zeit überzieht
August mindestens fünf Togolesen aus freiheit und lässt die Antifaschisten ver- der Flughafenbetreiber Fraport Demons-
Mecklenburg-Vorpommern abgeschoben prügeln.“ trantInnen mit Hausverboten und bekam
worden. Das Innenministerium teilte auf Pia Zimmermann, Migrationspoliti- darin vom Amts- und Landgericht Frank-
Anfrage mit, dass sich drei junge, ledige sche Sprecherin des Landesvorstandes furt Recht. Begründung: der Flughafen
und kinderlose Flüchtlinge, die am Hans-Georg Hartwig, Mitglied des Lan- sei privat, das Grundrecht auf Meinungs-
Dienstag abgeschoben werden sollten, desvorstandes und Versammlungsfreiheit gelte hier
der Abschiebung entzogen hätten. Sie Die Linke/PDS Hannover, 2.1.06 ■ nicht. Das Flughafengelände wird vom
seien nicht wie gefordert in der Gemein- öffentlichen zum privaten Raum umdefi-
schaftsunterkunft erschienen. Ihnen dro- Menschen sind nicht nur niert, das Hausrecht des Betreibers über
he nun die Abschiebehaft. das Grundrecht auf Versammlungs- und
Epd 21.12.2005 ■ Kostenfaktoren, Herr Meinungsfreiheit gestellt.
Schünemann! Der Bundesgerichtshof hat den Termin
Innenminister Schünemanns Unter dieser Überschrift haben Organi- für die mündliche Verhandlung in Sa-
sationen und Einzelpersonen am chen Hausverbot am Frankfurter Flugha-
Gewaltphantasien stoppen! 24.12.2005 in der Hannoverschen Allge- fen festgelegt. Die Verhandlung findet
Hannover. Unter dieser Überschrift hat meinen Zeitung eine Anzeige gegen statt am 20. Januar 2006 um 9 Uhr vor
die Linke PDS Niedersachsen die fol- Schünemanns Ausführungen zum Blei- dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe im
gende Presseerklärung herausgegeben: berecht veröffentlicht. Der Text lautet: Saal N 004.
“Pünktlich „zum Fest der Liebe“ startete „Zur Begründung, warum Sie ein Bleibe- Aktionsbündnis gegen Abschiebungen
der christlich-demokratisch firmierende recht für langjährig geduldete Flüchtlin- Rhein-Main ■
nds. Innenminister Schünemann seine ge ablehnen und nur die in Deutschland
Aktion „Elektronische Fußfesseln für ge- ausgebildeten Kinder mit einem Aufent- 50.000 Migrant/innen seit
waltbereite und hasspredigende Asylbe- haltsrecht versehen wollen, haben Sie in
werber“. Diese Schünemann-Aktion einem NDR-Interview am 8.12.2005 über 10 Jahren ,geduldet’
stellt einen massiven Angriff auf die ausgeführt: „...wenn man mit 45 Jahren Berlin. Auf eine Kleine Anfrage der
Menschenrechte und die Grundsätze der 1.500 Euro verdient, und das bis zum Fraktion Die Linke. nach der Situation
Rechtsstaatlichkeit dar, wie sie in jüngs- fünfundsechzigsten Lebensjahr durch- von in Deutschland geduldeten Personen
ter Zeit nur aus dem Hause des G. W. hält, dann hat man einen Rentenanspruch liegt nun eine Antwort der Bundesregie-
Bush bekannt wurden. von 325 Euro, mit allen Sozialleistun- rung vor (BT-Drs.16/307). Demnach le-
Bisher galt als rechtsstaatlicher gen, die man dann zusätzlich bekommt, ben 47.995 Personen seit über zehn Jah-
Grundsatz, der Staat darf die Freiheit ei- macht das etwa 600 Euro aus. Das ... ist ren mit einer so genannten Duldung in
nes Menschen nur einschränken nach ei- für die Gesellschaft insgesamt auf jeden der Bundesrepublik. Weitere 5.426 leben
nem ordentlichen Gerichtsverfahren zu Fall eine Belastung.“ Sie müssen eigent- mit einer Aufenthaltsgestattung als Asyl-
einem konkreten Gesetzesverstoß oder lich wissen, dass Humanität nicht zum bewerber/innen ebenfalls seit mehr als
vorübergehend zur Abwendung einer Nulltarif zu erhalten ist. Bestimmt der zehn Jahren hier.
nachweislich unmittelbaren Gefahr Nutzwert der Arbeitskraft für Sie den Dazu erklärt Ulla Jelpke, innenpoliti-
durch einen Tatverdächtigen, per Haft- Wert eines Menschen? Warum spielen sche Sprecherin der Fraktion DIE LIN-
richterbeschluss. Im krassen Gegensatz Sie die Generationen gegeneinander aus? KE.: „Diese 50.000 Menschen, die aus
dazu will Innenminister Schünemann, Welche Folgen hat Ihre Argumentation ihrer alten Heimat fliehen mussten, leben
die Freiheit von Menschen beschränken, für den Umgang mit inländischen Ren- nach den uns nun vorliegenden Zahlen
denen kein Gesetzesverstoß vorgeworfen tenempfängern? Hat der grundgesetzli- schon über zehn Jahre in Deutschland.
werden kann! Solches „Recht“ der Re- che Schutz von Ehe und Familie für Ihre Sie leben hier unter miesen Bedingun-
gierung gab es in Deutschland unter dem Partei keine Bedeutung mehr? gen: Sie sind durch die ,Residenzpflicht‘
Nazi-Regime, wo „Regimegegner“ in Sie wissen selbst, Herr Minister, dass in ihrer Bewegungsfreiheit einge-
„Schutzhaft“ genommen wurden. Tat- die geduldeten Flüchtlinge durch Ar- schränkt. Sie erhalten gegenüber Deut-
sächlich ist Innenminister Schünemann beitseinschränkungen und Arbeitsverbo- schen deutlich geminderte Sozialleistun-
auch schon im Bundesrat mit solch einer te daran gehindert werden, sich ihren Le- gen und leben in Flüchtlingsheimen.
Gesetzesinitiative zur „Schutzhaft“ ge- bensunterhalt selbst zu verdienen. Sie Auch von der Gesundheitsversorgung
scheitert! drehen den Betroffenen einen Strick da- sind sie bis auf absolut notwendige Leis-
Alle Demokraten sind gefordert hier raus. Allein in Niedersachsen leben ca. tungen ausgeschlossen. Und gleichzeitig
Widerstand zu leisten. Die Linkspartei. 13.000 Flüchtlinge mit einer „Duldung“ droht ihnen beständig die Abschiebung
PDS Niedersachsen fordert von Minis- seit fünf und mehr Jahren unter uns. Kir- in ein Land, das sie seit über zehn Jahren

: antifaschistische nachrichten 1/2006 11


nicht gesehen haben. (...) wie beabsichtigt befriedigend gelöst
Ebenso ihren Kindern, die sind.‘
dieses Land nur aus Er- Ich frage mich, welche überraschen-
zählungen kennen. Dieser den Ergebnisse die Bundesregierung von
Zustand allein ist für die ihrer Evaluation erwartet. Die vorliegen-
Betroffenen eine Katastro- den Zahlen sprechen ja wohl schon für
phe. sich:
Ein unglaublicher Skan- Für die ,Geduldeten‘ hat das Zuwan-
dal ist, dass die Bundesre- derungsgesetz auf keinen Fall eine Ver-
gierung angesichts dieser besserung gebracht. Ihre Lage hat sich
Situation erst einmal ,das vielmehr verschlechtert, denn nun gibt es
Ergebnis der Evaluation nicht einmal mehr eine Altfall- oder
des Zuwanderungsgeset- Bleiberechtsregelung. Und trotz der alar-
zes‘ abwarten will. Dabei mierenden Vielzahl von Betroffenen hat
solle ,insbesondere auch man sich bei der letzten Innenminister-
geprüft werden, ob eine konferenz nicht zu einer humanitären
befriedigende Lösung des Lösung durchringen können. Die Zahlen
Problems der so genann- zeigen es aber ganz deutlich: wir brau-
ten Kettenduldungen er- chen für langjährig ,Geduldete‘ endlich
reicht worden ist und ob eine generelle Bleiberechtsregelung
alle Sicherheitsfragen und ohne Einzelfallprüfung!
humanitären Probleme PM Ulla Jelpke, 21.12.2005 ■

Vorab eine kleine Korrektur: In die vori- Frankreich: Neuentwurf zu Ausländergesetzgebung


ge Ausgabe der AN hat sich leider ein
Fehler eingeschlichen. Bei der geplanten
Neuregelung der französische Einwan-
Sarkozys neuer
derungsgesetze soll die Mindest-Aufent-
haltsdauer für einen Ausländer, der das
Recht auf Familiennachzug wahrnehmen
Horrorkatalog
will, nicht (wie aufgrund eines Tippfeh- Im Ausländerrecht zählt zu den ge- ihres Arbeitsverhältnisses gekoppelt
lers zu lesen ist) „von zwei auf vier Jah- planten Neuerungen, das Recht auf Fa- werden soll. Dazu sollen Personen mit
re“ erhöht werden – sondern von einem miliennachzug zu beschränken. So wird besonderen „Fähigkeiten oder Talenten“
auf zwei Jahre. Hinzu kamen aber weite- künftig, neben ausreichendem Wohn- gehören, die „geeignet sind, auf bedeu-
re Bedingungen, wie auch nachfolgen- raum und Einkommen, auch eine „Inte- tende und dauerhafte Weise zur Entwick-
dem Artikel zu entnehmen ist. grations„bestätigung durch den Bürger- lung der französischen Ökonomie, zur
BhS ■ meister erforderlich. Die „republikani- Ausstrahlung Frankreichs in der Welt“
sche Integration“ wird ferner nunmehr oder zur Entwicklung ihres Herkunfts-
In nächster Zukunft steht in auch für ausländische Ehegatten von landes beizutragen. Letztere Option
Frankreich eine drastische Ver- französischen Staatsbürgern geprüft, be- spielt wohl auf das französische Interes-
schärfung der Gesetzgebung zur vor ihnen ein Recht auf Aufenthalt in se an der Knüpfung intensiver Wirt-
Einwanderung und zum Aufenthalt von Frankreich zugesprochen wird. Ein Ent- schaftsbeziehungen an. Sie sollen – im
Ausländern in Frankreich auf der Tages- wurf aus dem Hause Sarkozy will die In- Gegensatz zu allen anderen Einwande-
ordnung. Nähere Einzelheiten dazu wird tegrationsprüfung sogar auf die französi- rern – etwa ein sofortiges Recht auf Fa-
Innenminister Nicolas Sarkozy wohl an schen Ehepartnerinnen selbst anwenden. miliennachzug wahrnehmen können.
diesem Donnerstag (12. Januar) der Pres- Seit einem Gesetz von Sarkozys kon- Eine solche Förderung liegt völlig im
se bekannt geben. Aber bereits am servativem Amtsvorgänger Jean-Louis Trend der EU-Politik selektiver Zuwan-
Dienstag voriger Woche haben acht Ini- Debré von 1997 bestand die Möglich- derung von Hochqualizierten. Früher
tiativen und NGOs einen Entwurf aus keit, dass ein Einwanderer, der nach- nannte man so etwas „Brain Drain“, also
Sarkozys Ministerium ins Internet ge- weislich seit mindestens 10 Jahren ohne das Abziehen der fähigsten oder bestaus-
stellt. Unterbrechung in Frankreich lebt, seinen gebildeten Führungskräfte aus ärmeren
Einen ersten Auftrag zur Neufassung Aufenthaltsstatus „legalisieren“ lassen Ländern – es wurde angeprangert, solan-
der Einwanderungsgesetze erteilte In- kann. Diese Legalisierungsoption will ge dessen Ablehnung als Argument dafür
nenminister Nicolas Sarkozy bereits Sarkozy nunmehr völlig abschaffen. Fer- herhalten konnte, das Asylrecht in
Ende September. Doch das, durch die ner ist die faktische Abschaffung der so Deutschland oder Frankreich (jeweils
Rechte geschürte, politische Klima nach genannten Zehn-Jahres-Karten geplant. 1993) einzuschränken.
den Riots in den Trabantenstädten vom Diese 1984 mit den Stimmen aller gro- Jetzt, wo es nur noch ein Bruchteil der
November trug erheblich zur Durchsetz- ßen Parteien eingeführten Aufenthaltsti- früheren Asylsuchenden überhaupt noch
barkeit von Verschärfungen bei. Nicht tel, die bei Fehlen eines Verweigerungs- in „unsere“ Länder schafft, wird dagegen
zufällig hatte Premierminister Domini- grundes verlängerbar sind, stellten de ganz ungeniert um die Anwerbung der
que de Villepin die Neuauflage der Aus- facto eine unbefristete Aufenthaltser- „Besten“ gebuhlt.
ländergesetzgebung am 19. November, laubnis dar, die Nicht-EU-Ausländer Bei Nicolas Sarkozy läuft das unter
auf dem Höhepunkt der politischen nach 10 Jahren regelmäßiger Wohndauer dem Slogan, der jetzt explizit in dem
Schockwelle infolge der Unruhen, ver- in Frankreich erhielten - bisher. Entwurf auftaucht: „Kampf der erlitte-
kündet. Der damals verhängte Ausnah- Im Gegenzug soll künftig eine beson- nen Zuwanderung“, gemeint ist: den
mezustand gilt seit vorigem Mittwoch ders privilegierte Kategorie von Auslän- durch das arme Frankreich erlittenen
nicht mehr, aber nun drohen eben länger- dern geschaffen werden, deren Aufent- Einwanderern, „und Förderung der aus-
fristige Verschärfungen in verschiedenen haltsrecht allerdings auf drei Jahre be- gewählten Zuwanderung“.
Bereichen. fristet werden und/oder an das Bestehen Bernhard Schmid, Paris ■

12 : antifaschistische nachrichten 1/2006


Schäuble bedient aus- Rechtspositionen von Migranten erwie- solcher Versicherungsschutz für viele Be-
länderfeindliche Klischees sen. Die Bundestagsfraktion DIE LINKE. troffene nicht erreichbar ist,
fordert ein Ende dieser Abschottungspoli- ● die Speicherung von bis zu 30 Millio-
Berlin. Der neue Bundesinnenminister tik in der BRD und in der EU und tritt bei- nen Fotos von Ausländern mit Online-Zu-
Wolfgang Schäuble (CDU) setzt die un- spielsweise für sicheren Aufenthaltsstatus griff für Polizei und Justiz,
rühmliche Tradition der Anti-Doppelpass- statt Kettenduldungen, sofortige Arbeits- ● die Ausweitung der Abschiebehaft mit
Kampagne von Roland Koch fort und be- erlaubnisse für Asylbewerber, permanente den neuen Haftgründen „Zurückwei-
dient im Hinblick auf den Wahlkampf in Bleiberechtsregelungen für „Altfälle so- sungshaft“ und „Durchbeförderungshaft“,
Baden-Württemberg ungeniert ausländer- wie die Legalisierung des Aufenthalts der wobei die „Durchbeförderungshaft“ sogar
feindliche Klischees. Mit seinen Plänen so genannten „Illegalisierten ein. ohne richterliche Überprüfung möglich
zur Verschärfung des Ausländerrechts Das Bundesinnenministerium versucht, werden soll, wenn vor Ergehen des rich-
verfolgt Schäuble die gleiche Absicht wie die anstehende Umsetzung von EU-Richt- terlichen Beschlusses die Durch- oder
der Stuttgarter Innenminister Heribert linien zu nutzen, um das Zuwanderungs- Rückbeförderung zu erwarten ist, und ein
Rech mit dem skandalösen Fragebogen, gesetz weiter zu verschärfen durch zahl- „Abschiebehaftbefehl“ als Voraussetzung
der einbürgerungswillige Muslime diskri- reiche Änderungen, die mit den Vorgaben für die Festnahme von Ausländern zum
miniert. Die CDU will mit einer reaktio- der EU in keinerlei Zusammenhang ste- Zwecke der Abschiebung oder Inhaftie-
nären Innenpolitik den rechten Rand ab- hen. Abzulehnen sind insbesondere fol- rung künftig entbehrlich sein soll, sowie
decken und dafür auf Kosten von Migran- gende von Schäuble geplanten Verschär- die Erleichterung der Abschiebung von
tinnen und Migranten Wahlkampf ma- fungen: EU-Bürgern, die bereits vollziehbar aus-
chen. Schäuble versucht das von seinem ● die verfassungswidrige Beschränkung reisepflichtig werden sollen, bevor ein
Amtsvorgänger Otto Schily (SPD) be- des Nachzugs von Ehegatten zu Auslän- Gericht über die Rechtmäßigkeit ent-
ackerte Feld von law-and-order wieder für dern und zu Deutschen, wenn der auslän- schieden hat.
die CDU/CSU zu besetzen, indem er Fol- dische Partner noch keine 21 Jahre ist, Die Fraktion DIE LINKE. wird die
teraussagen verwerten, die Bundeswehr ● die Erschwerung des Zugangs zur unbe- Menschenrechtsorganisationen und die
im Inneren einsetzen und jetzt das Auslän- fristet geltenden Niederlassungserlaubnis Migrantenverbände bei ihrem zu erwar-
derrecht verschärfen will. Das Zuwande- und die Forderung des Nachweises eines tenden Widerstand gegen diese inhumane
rungsgesetz hat sich als Regelwerk zur Krankenversicherungsschutzes als Vo- Politik voll und ganz unterstützen.
Verhinderung von Einwanderung in die raussetzung für die Erteilung oder Verlän- Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin
BRD und zur Verschlechterung der gerung eines Aufenthaltstitels, obwohl ein der Fraktion DIE LINKE. ■

Die Aula der Universität Köln war


am 12. Dezember 2005 voll be-
Aberkennung der Doktorgrade
setzt. Am 60. Jahrestag der Wie-
dereröffnung der Universität nach dem
von Anfang an ungültig
Zweiten Weltkrieg verlas der Rektor, Prof. gen Sittenwidrigkeit nichtig ist und daher Hauptseminars „Die Universität Köln im
Dr. Axel Freimuth, vor den Anwesenden von Anfang an ungültig war. Die Ent- Nationalsozialismus“, Wintersemester
eine Erklärung, die sechzig Jahre überfäl- scheidungen der damaligen Repräsentan- 2003/2004, erstellt worden.
lig war: Die Aberkennung akademischer ten der Universität zu Köln waren grob Ein Mitglied des Lehrkörpers der juris-
Grade an der Universität Köln in der Zeit willkürlich und menschenverachtend. Die tischen Fakultät, Professor Hans-Peter
von 1933 bis 1945 war „von Anfang an Akten des Universitätsarchivs weisen fol- Haferkamp, sagte in seinem Referat, wie
ungültig“. Der Text der Erklärung: gende Personen aus, für die dies mit hin- unfassbar es sei, dass die Universitätsor-
„Die Universität zu Köln stellt fest, reichender Wahrscheinlichkeit zutrifft. gane nicht sofort nach 1945 zumindest
dass durch Organe der Universität in den Aufgrund der lückenhaften Aktenlage ist das offensichtliche Unrecht der Ausbürge-
Jahren der nationalsozialistischen Gewalt- zu vermuten, daß weiteren Personen Dok- rung angeklagt und die damit verbundene
herrschaft zwischen 1933 und 1945 im torgrade unrechtmäßig entzogen wurden. Aberkennung der Doktorgrade für ungül-
Namen der Universität aus politischen Die oben aufgeführte Erklärung schließt tig erklärt hätten. Die tapferen juristischen
und rassistischen Gründen oder Motiven diesen Personenkreis mit ein. In diesen akademischen Würdenträger hatten dem-
an Mitgliedern und Angehörigen der Uni- und in den Fällen der Verfolgungen sieht nach kein Unrechtsbewusstsein, auch
versität Unrecht begangen worden ist. Die die Universität es als ihre Aufgabe an, die nach 1945 nicht. Der Vortragende wandte
Universitätsorgane haben in diesen Jahren individuellen Fälle aufzuklären und in je- sich energisch dagegen, dass mit der juris-
Doktorgrade entzogen, Relegationen von dem Einzelfall darauf hinzuwirken, dass tischen Erfindung „Unwürdigkeit“ Men-
Studierenden vorgenommen und Verfol- das Recht wiederhergestellt wird.“ schen verfolgt werden. Er hielt dieses
gungen eingeleitet, die zu Entlassungen, Danach trug der Rektor die Namen von Konstrukt für verfassungswidrig. Eine ju-
Vertreibungen oder Gefährdungen von 70 Verfolgten vor, denen zu Unrecht der ristische Strafverfolgung dürfe nicht
Leib und Leben geführt haben. ... akademische Grad entzogen worden war. durch eine zweite Verfolgung vermehrt
Diese Akte der politischen Verfolgung An der Veranstaltung nahmen Angehörige werden. Ein Sonderrecht gegen Studie-
haben die Menschenrechte verletzt. Sie von Walter Siegmund Selig Auerbach und rende und graduierte Akademiker lehnte
waren willkürlich, menschenverachtend Ossip K. Flechtheim teil. er ab.
und einer Universität unwürdig. Sie wi- Diese Namen, Daten zu den Personen Der Historiker Arno Lustiger berichte-
dersprachen zutiefst den humanistischen und Untersuchungen zu einzelnen Akade- te über die Geschichte jüdischer Studie-
Idealen, denen sich die Universität zu mikern und über das Verfolgungshandeln render und Akademiker in Deutschland.
Köln heute verpflichtet fühlt. Die Univer- der Universitätsorgane sind jetzt veröf- Nach dem Applaus für seinen Vortrag
sität hat sich an den Opfern dieser Will- fentlicht worden in dem Buch „Doktor- wandte er sich an den Rektor und bat ihn
kürmaßnahmen schuldig gemacht und be- grad entzogen!“ Aberkennungen akade- zuzustimmen, dass er, Arno Lustiger, die
kennt sich voller Scham zu ihrer Verant- mischer Titel an der Universität Köln Anwesenden auffordern dürfe, eine Ge-
wortung. 1933 bis 1945. Kirsch-Verlag 2005. Die denkminute für die 70 Verfolgten jetzt zu
Die Universität erklärt weiterhin, dass Forschungsarbeiten zu dieser Dokumen- halten. Die Versammelten erhoben sich
die Aberkennung des Doktorgrades der tation sind im Wesentlichen durch die dann zu dieser Ehrung.
nachfolgend aufgeführten Personen we- Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gba ■

: antifaschistische nachrichten 1/2006 13


Die Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes - Bund der Anti-
faschisten warnt vor dem Vorha-
Bundeswehreinsätze
ben von Innenminister Schäuble, die
Bundeswehr bei der Fußballweltmeister-
schaft vor Stadien, Flughäfen und Mann-
im Innern
Alarmierend sei auch das Bestreben kriegsbehörden, die damit unzählige Op-
schaftsquartieren zum Objektschutz ein- der Bundesregierung, vom Bundesver- fer des Faschismus um ihre Wiedergut-
zusetzen. Schäuble wolle die Gelegen- fassungsgericht den Abschuss von Passa- machung oder um die Streichung aus
heit nutzen, um sein 15 Jahre altes Vor- gierflugzeugen genehmigt zu bekom- Vorstrafenregister brachten.
haben publikumswirksam umzusetzen. men, die der Verteidigungs- und der In- Die VVN-BdA appelliert an die Frie-
Das wäre der nicht hinnehmbare Durch- nenminister als von Terroristen gekid- densbewegung und die Gewerkschaften,
bruch für den generellen Einsatz der nappt ansehen, sagte Pfennig. „Luftsi- sich - ähnlich wie zu Zeiten des Kampfes
Bundeswehr im Inneren, kritisierte cherheitsgesetz“ nennt sich das Gesetz, gegen die Notstandsgesetze – gegen die
VVN-BdA-Vorsitzender Werner Pfen- mit dem die kollektive Todesstrafe für Pläne des Innenministers und der Mili-
nig. Hunderte von unschuldigen Menschen tärs zu wenden. Mit den Notstandsgeset-
Schäuble hatte vorgeschlagen, das eingeführt werden soll. „Wer mit Terro- zen von 1968, mit denen die Verfassung
Grundgesetz zu ändern, um Bundes- risten im Flugzeug sitzt, ist ohnehin verändert wurde, regelte die vorletzte
wehreinsätze zur Gefahren- und Terror- schon tot“, erklären eiskalt die Regie- Große Koalition den Bundeswehreinsatz
abwehr zu ermöglichen. Damit befolgt er rungsvertreter. im Spannungs- und Verteidigungsfall.
die Forderungen aus der Bundeswehr- Die VVN-BdA schließt sich auch der Nun stehen neue Interpretationen und
führung, die diese seit langem betreiben. öffentlichen Kritik an Wolfgang Schäu- gar Grundgesetzänderungen bevor, die
Die VVN-BdA lehnt eine Grundgesetz- bles Legalisierung durch Folter erzwun- weit über das hinausgehen, was Bundes-
änderung strikt ab. gener Aussagen an. Die Verfolgtenorga- wehr und CDU damals anstrebten.
Dies legt fest, dass die Bundeswehr al- nisation erinnert daran, dass die schlei- Widerstand gegen den Verfassungs-
lenfalls zur Verteidigung des Landes vor- chende Legalisierung der Ermittlungser- bruch ist daher notwendig.
gesehen ist. Alles andere ist verfassungs- gebnisse terroristischer Geheimdienst-
widrig. In Artikel 87a heißt es: und Polizeidienststellen jahrzehntelange Vereinigung der Verfolgten des Nazire-
„Außer zur Verteidigung dürfen die bundesdeutsche Praxis ist. gimes - Bund der Antifaschistinnen und
Streitkräfte nur eingesetzt werden, so- Dies äußerte sich in der Übernahme Antifaschisten (VVN-BdA),
weit dies das Grundgesetz ausdrücklich von erzwungenen Aussagen von Nazige- e-mail: bundesbuero@vvn-bda.de,
zulässt.“ richten und der Gestapo durch Nach- www.vvn-bda.de

Hintergrundfakten Land zu mit Bundeswehr und mit ihren Innern zur Gefahren- und Terrorabwehr
Waffen zu begegnen. So hat der CDU- zu ermöglichen.“
zur Erklärung der Verteidigungsminister Volker Rühe ein Damit befolgt Schäuble die Forderun-
Jahr vor dem völkerrechtswidrigen gen aus der Bundeswehrführung, die
VVN-BdA gegen Krieg gegen Jugoslawien bereits diesen diese seit langem betreiben. „Unter-
Bundeswehreinsätze Waffengang befürwortet – um, wie er
vor Soldaten sagte, die Flüchtlinge fern-
höhlt“ werden die „klassischen Unter-
scheidungen zwischen innerer und äuße-
im Innern zuhalten und, wenn sie schon mal da rer Sicherheit sowie Krieg und Frieden,“
sind, sie zurückzutreiben. heißt es in einem Gutachten des Zen-
Kurz nachdem die VVN-BdA die unten- Und so sind Abschiebungen in gro- trums für Transformation der Bundes-
stehende Erklärung abgab, sagte Bun- ßem Stil stets die ersten Schritte nach wehr (Waldbröl bei Köln) (lt. „Informa-
deswehr-Minister Franz Josef Jung, er dem bewaffneten Eingreifen. Und auch tionen für die Truppe“ 2/2002). Schon
sei gegen die Diskussion über die Ände- Einsätze im eigenen Land stehen bevor: Ende Juli 2002 forderten der Ex-Koso-
rung des Grundgesetzes zum Einsatz der „Im Zeitalter weltweiter Wanderbewe- vo-Kommandant General Dr. Klaus
Bundeswehr bei der Fußball-WM. Wer gungen und internationalem Terroris- Reinhardt, die Bundeswehr auch „zu
den Diskurs zu Bundeswehr und Grund- mus“ verwischten zunehmend die Gren- Hause“ einzusetzen; schließlich sei es
gesetz seit 1990 verfolgt hat, kann dazu zen zwischen innerer und äußerer Si- doch die zentrale Aufgabe der KFOR
nur feststellen: Das „Dementi“ von Jung cherheit. Das schrieb der einstige und und anderer internationaler Eingreiftrup-
besagt nicht, dass das Thema vom Tisch neue Innenminister Wolfgang Schäuble pen gewesen, für „innere Sicherheit“ auf
ist, das besagt nur, dass Teile der Regie- (CDU) lt. „Spiegel“ vom 3.1.94, um zu dem Balkan zu sorgen. Reinhardt, Chef
rung für die alte bewährte Praxis eintre- fordern, dass die Bundeswehr auch bei der einflussreichen Clausewitzgesell-
ten, das Grundgesetz umzuinterpretie- größeren Sicherheitsbedrohungen im In- schaft, höchstrangiger Gebirgsjägerge-
ren, ohne den Wortlaut der Verfassung zu nern „notfalls zur Verfügung stehen soll- neral a.D. der Bundeswehr und Kosovo-
ändern. te“. Die Wanderungsbewegungen wur- Kommandant, hat auf der jährlich statt-
Einsatzort der Bundeswehr ist die den von CDU-Leuten als „Aggression“ findenden gemeinsam von Bundeswehr,
ganze Welt, sagte einst Bundeswehrmi- angesehen. Das war lange vor dem Gebirgsjägerveteranen und –reservisten
nister Peter Struck, und zur ganzen Welt 11.9.01. veranstalteten Ehrung von Kriegsverbre-
gehört auch das Innere Deutschlands, Die Hessische Allgemeine (Kassel) chern am Hohen Brendten (Mittenwald)
sagt die CDU/CSU. Nicht erst seit dem berichtete nun am 3. Dezember 2005 die Unentbehrlichkeit des Vorbilds der
11. September 2001, als Bayerns Minis- und die Süddeutsche Zeitung am 16. De- Wehrmachtsgebirgstruppe für den heuti-
terpräsident Edmund Stoiber schon mil- zember 2006: Bundesinnenminister gen Auftrag der Gebirgsjäger betont: Es
lionenfach die Moslems sich in Deutsch- Wolfgang Schäuble (CDU) hat gefor- sei richtig und notwendig, das „Koordi-
land erheben sah (Tagesspiegel, dert, bei der Fußballweltmeisterschaft natensystem ihrer Werteordnung“, das
1.10.01), gegen die dann die Truppe auf- 2006 auch die Bundeswehr einzusetzen. der NS-Wehrmachtsgebirgstruppe, an
marschieren sollen, haben Unionsstrate- „Er hat vorgeschlagen, das Grundgesetz die Bundeswehr weiterzugeben. (Rede
gen die Notwendigkeit betont, den zu ändern, um Bundeswehreinsätze im am Hohen Brendten, Pfingsten 2002)
„Wanderungsbewegungen“ auf unser Ulrich Sander ■

14 : antifaschistische nachrichten 1/2006


: ostritt

„Flucht, Vertreibung,
Integration“ Ausstellung im Haus der Geschichte

„Flucht, Vertreibung, Integrati- „Volksdeutschen“, die Umsiedlung der


on“ lautet der Titel einer Aus- Deutschen aus Osteuropa.
stellung, die seit dem 3. De- Der revisionistische Kern, der in der
zember 2005 im Bonner Haus der Ge- gesamten Ausstellung erkennbar ist, zeigt
schichte zu sehen ist. Die Ausstellung sich hier unmittelbar. Die tatsächlichen
widmet sich der Umsiedlung der Deut- Gründe für die Umsiedlung der Deut-
schen, der „Vertriebenen“-Politik in schen sind vielfältig, sie unterscheiden
der BRD und der DDR sowie der Tätig- den Vorgang gerade von den Massakern
keit der „Vertriebenen“-Verbände. und Verfolgungsmaßnahmen, mit denen Das Plakat zur Ausstellung
Sie wird bis zum 17. April in Bonn, da- er in der Ausstellung gleichgestellt wird.
nach in Berlin und in Leipzig gezeigt Dass der singuläre Vernichtungskrieg in deutsche Freikorps verschärft den Kon-
und hat besondere Bedeutung: Sie gilt Osteuropa die Deutschen nicht gerade flikt militärisch“. Der Unterdrückung ei-
als Kernstück eines zukünftigen „Zen- beliebt gemacht hat, wird in der Ausstel- ner Minderheit folge hier ihre nachvoll-
trums gegen Vertreibungen“, wie und lung beiläufig noch erwähnt. Gänzlich ziehbare Radikalisierung, lautet die Bot-
wo auch immer es eingerichtet wer- außen vor bleibt hingegen, dass durch die schaft: Kein Wort von der völkischen
den mag. Umsiedlung etwas für alle Zeit verhin- Außenpolitik der Weimarer Zeit und der
dert werden sollte, was die Deutschen ex- NS-Regierung, die die Radikalisierung
Das Entscheidende erfährt man gleich am tensiv zur Kriegsvorbereitung genutzt der „Sudetendeutschen“ bis hin zum Na-
Anfang. Das vergangene Jahrhundert ist hatten: Völkische Subversion in den tionalsozialismus förderten.
– so liest man in großer Schrift – das Nachbarstaaten. Den Ausstellungs- Als Nachweis
„Jahrhundert der Vertreibungen“ gewe- machern scheint auch der Gedanke für das „Deutsch-
sen. „Vertreibungen und ethnische Ent- fern zu liegen, dass die Absicht, eine tum“ in der Tsche-
flechtungen waren während des gesam- Wiederholung der industriell betrie- choslowakei („rund
ten 20. Jahrhunderts häufig ein Instru- benen Vernichtung von Millionen 3,2 Millionen“)
ment der Großmächtepolitik“, heißt es Menschen um jeden Preis zu verhin- dient übrigens eine
dazu im Ausstellungskatalog. Grundsätz- dern, den Umsiedlungsmaßnahmen Landkarte des
lich sei also die Umsiedlung eine Legitimität verlie- Deutschen Archivs
der Deutschen dasselbe wie hen haben könnte, die für Landes- und
viele andere Vorgänge auch etwa dem „Bevölke- Volksforschung aus
gewesen, lautet die Bot- rungsaustausch“ zwi- dem Jahr 1938.
schaft. Sie wird gleich zu schen Griechenland Bemerkenswert
Beginn der Ausstellung ein- und der Türkei nicht sind nicht zuletzt
drucksvoll manifestiert. zukommt. Details aus der
Dort werden Beispiele für Historische Katego- Plakat des „Kuratoriums Darstellung der
„Vertreibungen“ genannt: rien verwischt die Aus- Unteilbares Deutschland“, „Vertriebenen“-Ver-
Die Massaker an den Arme- stellung konsequent. aus den 50er/60er Jahren bände. „Kämpfe-
nierinnen und Armeniern „Sudetendeutsche de- risch zeigt sich die
im Osmanischen Reich, der monstrieren schon 1919 ge- Landsmannschaft beim ,Tag der Pom-
gewaltsame „Bevölkerungs- gen die tschechische Staats- mern‘ im Juni 1960 in Bochum“, heißt es
austausch“ zwischen Grie- regierung, die ihre Minder- als Erklärung zu einem Foto: „Sie be-
chenland und der Türkei, Forderung der Vertriebenen- heitenrechte beschränkt“, kräftigt ihre heimatpolitischen Forderun-
die „Heimholung“ der verbände aus dem Jahr 1959 liest man: „Das Sudeten- gen.“ Heimatpolitische Forderungen?
Auf dem Foto ist klar und deutlich ein
Transparent zu erkennen: „Pommern ge-
Der Herausgabekreis und die Redaktion sind zu erreichen über:
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln Tel. 0221 / 21 16 58, Fax 0221 / 21 53 73. hört uns“.
email: antifanachrichten@netcologne.de, Internet: http://www.antifaschistische-nachrichten.de Die ersten Pläne zu der Ausstellung
Erscheint bei GNN, Verlagsges. m.b.H., Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. V.i.S.d.P.: U. Bach sind Ende der 1990er Jahre entstanden,
Redaktion: Für Schleswig-Holstein, Hamburg: W. Siede, erreichbar über GNN-Verlag, Neuer Kamp 25, als die rot-grüne Bundesregierung ihre
20359 Hamburg, Tel. 040 / 43 18 88 20. Für NRW, Hessen, Rheinland Pfalz, Saarland: U. Bach, erste Amtszeit antrat. Das Projekt erhielt
GNN-Verlag Köln. Baden-Württemberg und Bayern über GNN-Süd, Stubaier Str. 2, 70327 Stuttgart,
Tel. 0711 / 62 47 01. Für „Aus der faschistischen Presse“: J. Detjen c/o GNN Köln. eine Sonderförderung durch die Bundes-
Erscheinungsweise: 14-täglich. Bezugspreis: Einzelheft 1,30 Euro. regierung und wurde insbesondere vom
Bestellungen sind zu richten an: GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln. Sonderbestellungen sind Ministerialdirektor bei der „Beauftragten
möglich, Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt. der Bundesregierung für Kultur und Me-
Die antifaschistischen Nachrichten beruhen vor allen Dingen auf Mitteilungen von Initiativen. Soweit ein- dien“, Knut Nevermann, unterstützt.
zelne Artikel ausdrücklich in ihrer Herkunft gekennzeichnet sind, geben sie nicht unbedingt die Meinung Einen treffenden Kommentar hat ein
der Redaktion wieder, die nicht alle bei ihr eingehenden Meldungen überprüfen kann. Besucher in dem Buch hinterlassen, in
Herausgabekreis der Antifaschistischen Nachrichten: Anarchistische Gruppe/Rätekommunisten (AGR); Annelie
Buntenbach (Bündnis 90/Die Grünen); Rolf Burgard (VVN-BdA); Jörg Detjen (Forum kommunistischer Arbeitsgemein-
dem man seine Eindrücke aus der Aus-
schaften); Martin Dietzsch; Regina Girod (VVN - Bund der Antifaschisten); Dr. Christel Hartinger (Friedenszentrum e.V., stellung niederschreiben kann: „Eine
Leipzig); Hartmut-Meyer-Archiv bei der VVN - Bund der Antifaschisten NRW; Ulla Jelpke (MdB); Jochen Koeniger (Ar- Ausstellung von kalten Kriegern zur Vor-
beitsgruppe gegen Militarismus und Repression); Marion Bentin, Edith Bergmann, Hannes Nuijen (Mitglieder des Vor-
standes der Arbeitsgemeinschaft gegen Reaktion, Faschismus und Krieg–Förderverein Antifaschistische Nachrichten);
bereitung eines neuen.“ jk ■
Kreisvereinigung Aachen VVN-BdA; AG Antifaschismus/ Antirassismus in der PDS NRW; Angelo Lucifero (Landesleiter Alle Fotos: Website Haus der Geschichte der
hbv in ver.di Thüringen); Kai Metzner (minuskel screen partner); Bernhard Strasdeit; Volkmar Wölk. Bundesrepublik Deutschland, Bonn

: antifaschistische nachrichten 1/2006 15


: aus der faschistischen presse
Menschen aus dem Volk in einer Häu-
fung, wie sie in den etablierten Parteien
Watergate in Dresden? Die NPD-Fraktion selbst hat sich in- kaum eine Aufstiegschance hätten. Unter
zwischen mit einem Brief an Landtags- dem Eindruck der plötzlichen Teilhabe
www.npd.net präsident Erich Iltgen gewandt, in dem an großzügigen Einkünften und Finan-
„Volksvertreter sollen zu Spitzeln ge- sie gegen „die Eingriffe einer Regierung zierungsmöglichkeiten gehen dabei man-
macht werden“ – das ist die Erklärung, in die Rechte der Oppositionsfraktion“ chen Abgeordneten leicht die Maßstäbe
die in den verschiedenen Stellungnah- protestieren. Darin heißt es: „Die Unter- verloren.“ „Ist die Schlammschlacht erst
men der NPD zu den drei Austritten aus stützung des Austretens von gewählten ausgebrochen, brauchen sich die Gegner
der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen Volksvertretern aus ihrem politischen … um Munition nicht mehr zu sorgen.“
unisono abgegeben wird. Der Sprecher Wahlverband und ihrer Parlamentsfrakti- Wohl wahr und oft erlebt, kann man
des sächsischen Verfassungsschutzes, on durch einen von der Regierung ge- dazu nur sagen!
Alrik Bauer, habe gegenüber dem ,Berli- lenkten Geheimdienst bedeutet auf jeden
ner Tagesspiegel‘ zugegeben, dass seine Fall eine schwere Verletzung der verfas- „NPD wird die Judasse
Behörde im Falle gewählter Abgeordne- sungsmäßigen Grundlagen unseres Lan-
ter dann tätig werden könne, wenn deren des.“ In dem Brief wird eine Parallele überleben“
Partei als extremistisch eingestuft werde. zum US-amerikanischen Watergate- Nationalzeitung 2-2006 vom 6.1.2006
Nachdem kurz vor Weihnachten nach Skandal gezogen. Während es damals le- DVU-Chef Dr. Gerhard Frey kommen-
Mirko Schmidt und Klaus Baier mit Jür- diglich um einen Zugriff des Präsidenten tiert die Austritte von NPD-Abgeordne-
gen Schön der dritte NDP-Abgeordnete auf Unterlagen einer gegnerischen Partei ten in Sachsen persönlich und unterstützt
seinen Abschied nahm, gab Parteichef gegangen sei, liege im sächsischen Fall die offizielle Argumentation der NPD,
Voigt eine persönliche Erklärung ab, in eine „direkte Destabilisierung des Lan- das Ganze sei ein geplanter Coup des
der er die Austritte in eine Reihe stellt desparlaments durch geheimdienstliche Verfassungsschutzes gewesen. Der NPD
mit dem versuchten Verbot der NPD, den Infiltration und Betreuung einzelner Ab- könne man nur raten, mehr als bisher auf
„Millionen Euro im Kampf gegen geordneter“ vor. eventuelle Agenten zu achten, so Frey.
Rechts“, die der Staat verschleudert habe Ansonsten verteilt er gute Ratschläge:
– und jetzt: „Ein operativ gut vorbereite- „In Schlammgewittern“ „Wenn die NPD die soziale Frage weiter-
ter Schlag der Geheimdienste mußte her hin zum Kern des Programms macht und
und ich bin der Überzeugung, daß bei Junge Freiheit 2-2006 vom 6.1. 2006 andererseits vom freiheitlichen demokra-
dieser Aktion Geld eine Rolle spielt.“ Das Blatt beleuchtet zwar auch die Rolle tischen Rechtsstaat auch dann nicht ab-
Aber – so Voigt weiter: „Sie haben sich des Verfassungsschutzes im Skandal um weicht, wenn Politiker der alten Parteien
alle verrechnet. Wir wissen noch nicht, die ausgetretenen NPD-Abgeordneten, Recht und Gesetz rigoros missachten,
welchen Judaslohn die Verräter erhalten schlägt aber in einem weiteren Kommen- dann gilt sicher, was die sächsische Ab-
haben, doch wir wissen, daß sie uns ver- tar kritische Töne an in Bezug auf das geordnete der Linkspartei.PDS Kerstin
raten haben und werden in diesen Stun- „Personal“ rechter Parteien: „Daß rechte Köditz feststellt: dass die Austritte der
den des Angriffes auf die NPD geschlos- Parlamentsfraktionen nach spektakulä- drei Wackelkandidaten der Partei lang-
sener zusammenstehen als je zuvor. Un- ren Wahlerfolgen unter unwürdigen Be- fristig nicht schaden.“
sere Gedanken sind zum Jahreswechsel gleitumständen untergehen, scheint in Einer repräsentativen Umfrage des In-
bei Holger Apfel und allen Kameraden der bundesrepublikanischen Parlaments- stituts für Marktforschung im Auftrag der
der Fraktion, die unserer Solidargemein- geschichte eher die Regel, denn die Aus- Sächsischen Zeitung zufolge käme die
schaft die Treue halten. Ihnen gilt unser nahme zu sein… Zu den inneren Ursa- NPD derzeit allerdings nur noch auf 4 Pro-
Dank und unser Vertrauen! Vorwärts Na- chen gehört häufig das Personal. In zent der Stimmen, wenn am kommenden
tionaldemokraten, der Kampf um Wechselwirkung mit der zunehmenden Sonntag Landtagswahl wäre. Bei der Wahl
Deutschland wird im kommenden Jahr gesellschaftlichen Ächtung und Aus- im September 2004 waren es noch 9,2
mit noch größerer Wucht von uns getra- grenzung rechter Parteien und ihrer An- Prozent. Und finanziell wird sich die ge-
gen werden!“ Die Diskussion interner hänger sammeln sich unter ihren Fahnen schrumpfte Fraktion auch etwas beschei-
Ursachen für die Austritte soll hier offen- einerseits verfolgungsresistente Queru- den müssen. Die Fraktion muss auf über
sichtlich gar nicht erst aufkommen, in- lanten, Egomanen und Desperados bis 80000 Euro verzichten, außerdem ist sie in
dem sich der Parteichef demonstrativ hin zu sich nationalrevolutionär gerieren- den Ausschüssen nur noch mit einem statt
hinter die Fraktionsspitze stellt. den NPD-Kadern, andererseits einfache zwei Mitgliedern vertreten. u.b. ■

BESTELLUNG: Hiermit bestelle ich … Stück pro Ausgabe (Wiederverkäufer erhalten 30 % Rabatt)
O Halbjahres-Abo, 13 Hefte 22 Euro
„2000 Euro Spenden für die
Erscheinungsweise:
O Förder-Abo, 13 Hefte 27 Euro 14-täglich Antifa-Nachrichten bis
O Jahres-Abo, 26 Hefte 44 Euro
Jahresende“ , dazu hatten
O Förder-Abo, 26 Hefte 54 Euro
O Schüler-Abo, 26 Hefte 28 Euro wir aufgerufen. Bis Weih-
O Ich möchte Mitglied im Förderverein Antifaschistische Nachrichten werden. Der Verein unterstützt finanziell
und politisch die Herausgabe der Antifaschistischen Nachrichten (Mindestjahresbeitrag 30,- Euro).
nachten waren 2015,- Euro
Einzugsermächtigung: Hiermit ermächtige ich den GNN-Verlag widerruflich, den Rechnungsbetrag zu Lasten eingetroffen, dank einer
meines Kontos abzubuchen. (ansonsten gegen Rechnung)
Großspende kurz vor
Name: Adresse: Jahresschluss sind es nun
Konto-Nr. / BLZ Genaue Bezeichnung des kontoführenden Kreditinstituts 3015,- Euro! geworden
Unterschrift Allen Spenderinnen und
Spendern herzlichen Dank!
GNN-Verlag, Zülpicher Str. 7, 50674 Köln, Tel. 0221 – 21 16 58, Fax 21 53 73, email: gnn-koeln@netcologne.de
Bankverbindung: Postbank Köln, BLZ 370 100 50, Kontonummer 10419507

16 : antifaschistische nachrichten 1/2006